Vor-Fastenzeit

Sonntag Septuagesima – St. Boromim 4. v. Chor

Kaum ein Engel ist nach St. Sederim, dem Engel der Gegensätzlichkeit, des Widerspruches, so gewaltig in seiner drängenden Kraft wie dieser. Ist aber St. Sederim breit über die Schöpfung gelagert, so ist St. Boromim rufend mit einer Gewalt sondergleichen. Er ist einer der vier Versiegelten aus dem Chor der Herrschaften, die – im Bild an den Ufern des Euphrat – um alles geschöpfliche Leben auf Erden stehen und die um unseretwillen noch gefesselte Liebe Gottes als Leben, als Weisheit der Planung und Gnade, als Kraft und Allmacht und endlich – das ist die Aufgabe St. Boromims – als Anruf zu Antwort, Wachstum und Wandlung hinein in die Schöpfung tragen bis zu der Stunde, wo die entfesselte Liebe Gottes einem Orkan gleich über der Erde brausen wird in den Posaunenstößen:

Kommet, ihr Gesegneten Meines Vaters! Weichet, ihr Verfluchten! Sehet, Ich mache alles neu!

Darum betet der Priester heute im Namen des Volkes:

"Aus Abgrundtiefen schreie ich zu Dir, o Herr, erhöre mein Rufen." Lass leuchten Dein Antlitz über Deinem Knecht. In Deiner Barmherzigkeit errette mich!" – Ja, Herr, komm zu uns in Deiner gefesselten Liebe, weil die ungefesselte Liebe die ganze Welt in Brand setzt. Sprich nicht in Flammen zu uns, sprich leise, Herr, damit wir Dich verstehen können.

O welche Lüge sagen wir da! Wir hören auf keine leise Stimme des Herrn. Wir wachen nicht einmal auf, wenn es in Asien oder in Afrika oder sogar in einer näher gelegenen Stadt brennt und das Menetekel am Himmel steht. Wie wäre es uns so bitter not, vom Engel des Anrufes, St. Boromim, aufgerüttelt zu werden in diesen Tagen der letzten Entscheidung, damit wir das "Venite" des Herrn nicht verschlafen.

Lass uns, o Herr, dies Wort als Leitmotiv mitnehmen: Selig der Knecht, den der Herr bei Seinem Kommen wachend findet.

 

Sonntag Sexagesima – St. Ophirim 3. Chor

Die drei Sonntage der Vorfastenzeit sind wie ein großes, wuchtiges Tor zur Gnadenzeit der vierzigtägigen Fasten. Darum sind auch die Engel an diesen Sonntagen wahre Kraftgewaltige Gottes. War schon St. Boromim trotz seiner Herrlichkeit der Auserwählung von erschreckender Gewalt, so ist es heute St. Ophirim nicht minder. Er ist einer der sieben Throne, welche die Heiligkeit und Allmacht Gottes in die schon gewordene Schöpfung tragen in den Grundideen der Kraft des Aufbaus, des Glaubens, des Wortes, des Gesetzes, der Harmonie der Gottesbindung, der Wahrheit der ewigen Seligkeit, der weisen Gerechtigkeit Gottes. St. Ophirim, der heute an diesem Sonntag die Hände für uns hebt, trägt das von Gott gegebene Gesetz, das wir in der heiligen Kirche niedergelegt finden.

Was er uns lehrt, ist vor allem die Gottesfurcht, die willensmäßige Ehrfurcht vor Gott und vor allem, was Gotteswort und Gotteswille ist. Gottesfurcht lässt das Samenkorn des Wortes Gottes weder verkümmern noch zertreten werden. Gottesfurcht lässt den Menschen erstarken in der Gnade der Liebe Gottes. Gottesfurcht ist der Boden, auf dem wir vor Gott stehen, es ist das Vaterhaus, das Gott uns gibt. Der Böse weiß nur zu gut, warum er den Menschen die Gottesfurcht und Ehrfurcht raubt, denn er raubt damit den Menschen die Demut, die Liebe, die Unterordnung und zuletzt Gott Selbst, die Geborgenheit des Menschen in Gott. Wer Gott nicht in Liebe fürchtet, für den wird Gott immer mehr eine unangenehme Mahnung im Leben, die man durch Spott oder Missachtung beiseite schieben will. Und niemals kann so ein Mensch zu Gott beten, wie es heute im Introitus ("Wach auf, was schläft Du, Herr, vergissest Du unserer Not? Hilf uns! Erlöse uns ...") oder gar im Tractus heißt: "Du machetest bebend, Herr, das Land und hast es erschüttert. Heile seine Brüche, es stürzt ja zusammen; schenke Rettung Deinen Auserwählten!"

Das will uns St. Ophirim als Leitmotiv für diese Woche mitgeben: Wer aber Gottesfurcht hat, hält die Gesetze Gottes in gewissenhafter Treue und Liebe und bleibt im Frieden.

 

Sonntag Quinquagesima – St. Zepharim 3. Chor

Wir beten heute beim heiligen Messopfer: "Jubelt Gott, ihr Lande alle, dienet dem Herrn in Freuden! Tretet frohlockend vor Ihn hin und wisset: Er, der Herr, ist Gott. Und Er ist unser Schöpfer, nicht wir selber – wir sind Sein Volk" ... "Sie aßen, bis sie ganz gesättigt wurden. Der Herr erfüllt ihr Verlangen; sie wurden nicht enttäuscht in ihrer Sehnsucht."

Unser Fürbitter an diesem Tage trägt dieses Jauchzen der Schöpfung – die Gottseligkeit – wie einen Thron mitten in Seiner Schöpfung für Ihn, unsern Herrn und Gott. Tausend Stufen gehen durch diesen Engel der Throne hinab bis zur Erde. Und alle Menschen, die an Gott glauben, auf Ihn hoffen, Ihn mit ganzer Seele und allen ihren Kräften lieben, die "Ja" sagen zum Willen Gottes, die nach Gott verlangen und streben, diese gehen in der Kraft und Hilfe St. Zepharims die tausend Stufen hinauf, ihnen allen voran die Jungfrau aller Jungfrauen, die Mutter aller Mütter, Maria, die geheimnisvolle Rose aller Gottseligkeit und allen Gottverlangens.

Zu jeder Zeit und an jedem Ort kann der Mensch in Frömmigkeit des Herzens und innigem Verlangen Gott entgegengehen, am leichtesten aber wird es ihm durch Maria gemacht. Sie weiß den sichersten Weg der Armut und Einfachheit, der Lauterkeit und Demut, der Liebe, des Gehorsams und der Bereitschaft für Gott. Maria führt unbeirrbar zum Ziel, und alle Engel dienen ihr mit Jauchzen – dienen sie ja in ihr dem Dreieinigen Gott, Der sie erschaffen hat zur Gottseligkeit, und zu Dem wir alle einmal finden möchten an der Hand unserer lieben himmlischen Nothelfer und unter dem Schutzmantel Mariens – in Seligkeit!

Das sagt uns St. Zepharim: Hunger und Verlangen nach Gott ist schon die Wurzel aller Seligkeit!

 

Fastenzeit

Aschermittwoch – St. Uphariel 5. h. Chor

Groß und hell, in einer schlichten Franziskanerkutte, mit wachen Augen steht St. Uphariel vor dem Altar, auf dem der Priester nach der Aschenweihe und Einäscherung das heilige Opfer bereitet. Der Engel hat eine weitausladende Waage über sich erhoben. O möge uns nie das Urteil werden: Zu leicht befunden!

Aber Gott hat uns in Seiner Barmherzigkeit die Gnade der Reue geschenkt, und zu keiner Zeit fließen die großen Gnadenströme zur Erweckung der Reue unserer Herzen so wie von heute an durch vierzig Tage.

Und während der Priester betet:

"Erbarme Dich meiner, Gott, erbarme Dich! Auf Dich vertraut meine Seele", legt St. Uphariel unsere Reue, unser Flehen um Verzeihung in die eine Waagschale. Und siehe: Maria legt ihre Tränen dazu, ihre Liebe zu uns, ihr durchbohrtes Herz. Mögen auch auf der anderen Waagschale alle unsere Missetaten liegen, all unser Versagen, hell singt der Engel:

"Der Herr ist gütig und barmherzig, langmütig und von großer Erbarmung und bereit, das Böse zu vergeben ...", und die Waagschale mit unseren Sünden kann die andere nicht heben.

Herr, wir wollen uns ändern von Grund auf. Es soll uns eine Mahnung sein, dass Du alles weißt und alles wägst und wir mit der Gnade, die Du uns anbietest, nicht spielen und sie nicht nutzlos vergeuden dürfen. Pack uns nur fest an; lieber jetzt gebrannt als auf ewig.

 

Donnerstag nach Aschermittwoch – St. Diloim 5. v. Chor

Ein gewaltiger Rufer ist St. Diloim. Seine Stimme kann nur der überhören, der am Aschermittwoch alles verschlafen hat. Wie kann Gott uns erhören, wenn wir nicht zu Ihm rufen? Gott neigt Sich keinem Zweifler und keinem Kleingläubigen. Er will Taten von uns sehen, Akte unerschütterlichen Vertrauens, Akte der Liebesreue, eine Umkehr zur Buße und zu einem neuen, reinen Leben. Glauben müssen wir; wir hören es heute im Evangelium, wie unser Herr vom heidnischen Hauptmann sagt: "Einen solchen Glauben habe Ich in Israel nicht gefunden ... geht hin, es geschehe dir, wie du geglaubt!"

Lassen wir uns doch aufrütteln durch St. Diloim! Er wird das "Werde!", das Gott ihn zu allen ringenden, für Gott kämpfenden und leidenden Seelen tragen lässt, in unser Herz leiten mit der ganzen Kraft der Liebe, damit wir, gereinigt durch das heilige Bußsakrament, nicht nur selbst neu werden in der Gnade und Liebe Gottes, sondern auch vielen anderen Seelen die Tore zum Leben in Gott aufstoßen können.

Kehre deinen schlechten Gewohnheiten den Rücken, und dein Angesicht wird die Freude Gottes spiegeln dürfen!

 

Freitag nach Aschermittwoch – St. Chesim 5. v. Chor

Gott lässt uns nicht mehr in Ruhe. Er sagt zum Engel: "Rufe ohne aufzuhören! Wie eine Posaune erhebe deine Stimme und verkündige Meinem Volke seine Frevel und dem Haus Jakob seine Sünden."

"Wenn du nicht umkehrst von deinen kleinen Lastern, die dir selbstverständlich geworden sind, so werden sie wachsen und dich nicht mehr freigeben. Und sie werden größere Laster nach sich ziehen; die geistige Faulheit, die religiöse Gleichgültigkeit, das Sorgen um materielle Güter und das Vernachlässigen der geistigen Werte.

Hörst du aber nicht auf die Mahnungen Meiner Priester und Meiner Engel, so wirst du in der Stunde der Not nach Mir rufen und Mich nicht mehr finden. Du musst dich ändern in deinen Gedanken, Worten und Werken, sonst werde Ich Mein Wort 'Weiche!', das du durch deine Nachlässigkeit verdient hast, auch nicht in das liebende 'Komme!' umändern!"

"Gott will von euch", so sagt der Engel, "nicht die Werke, den Glauben und die Liebe von Heiden, sondern Er will, dass Christi Blut in euch sei und euren Glauben, eure Liebe und eure Werke belebe!"

 

Samstag nach Aschermittwoch – St. Pharim 5. v. Chor

Einen Engel von gewaltiger Anziehungskraft uns zu Hilfe zu schicken, wie es heute St. Pharim, die Gewalt des "Komme!" ist, genügt dem Herrn, dem Eiferer für die Seelen, noch nicht. Er stellt noch Seine Mutter dazu.

Sie ist wie die Stille nach dem Sturm, die zarte Morgenröte nach dunkler Nacht. Leise hebt sie ihre Hände für uns, und der Engel spricht an ihrer statt des Herrn Worte zu uns:

"Wenn du aufhörest, mit dem Finger zu zeigen (zu kritisieren), wenn du die Seele des Bekümmerten tröstest (auch wenn sie dich reizt durch ihren Jammer), so wird der Herr mit Licht deine Seele erfüllen und sie erstarken lassen, und du wirst sein wie ein wasserreicher Garten, wie eine Quelle, die nie versiegt."

Der Mensch wirft sich hin vor Gott: Herr, ich will ja, ich will alles tun, was Du willst! Da öffnet Maria ihren Mund und spricht die Worte des Engels: "Komm!"

 

1. Fastensonntag – St. Melchisiel 5. h. Chor

Wie ein König steht er vor dem Altar. Und doch ist er ein Gebeugter. Eine zerbrochene Krone liegt zu seinen Füßen. Einst gehörte sie dem Volke, das er zu beschützen hatte und das sich das Auserwählte nannte. Es hat seine Krone auf Golgotha verspielt, es hat das Heimatrecht auf Erden verloren; die Auserwählung hat sich in Fluch gewandelt.

Während der Priester am Altare betet: "Er ruft Mich an, und Ich erhöre ihn und bringe ihn zu Ehren; Ich will ihn sättigen mit langem Leben", neigt sich der Engel noch tiefer.

Gott hat sein Volk vergeblich gemahnt. Er hat Seinen Einzigen Sohn zu diesem Seinem Volke geschickt, ja noch mehr: Er hat Ihn aus der reinsten Tochter dieses Volkes Mensch werden lassen. Doch das Volk hat seine Stunde nicht erkannt. Mensch! O dass du doch deine Stunde erkenntest, da Gott dich ruft, da Er dir Seine Gnade anbietet! Gott ist langmütig, aber auch gerecht. Er geht dir nach wie ein Freund bis zu der Stunde, wo Er dein Gott und dein Richter sein muss. Dann sieh zu, dass nicht auch vor deinem Engel die zerbrochene Krone deiner Auserwählung liegen muss!

St. Elornim 5. v. Chor

Es ist ein großes Geheimnis, dass Gott den Menschen, der sich Ihm zu eigen gegeben hat und den Er doch gewiss liebt, als Sühne die äußerste Verlassenheit durchleiden lässt. Ergreifend ist das Bild dieses hohen Engels, den Gott heute als Fürbitter für uns vor Seinem Altar stehen lässt, St. Elornim, die Gewalt der sühnenden Verlassenheit. Der Engel steht schweigend vor Seinem Herrn und Gott und hält Ihm das von allem entblößte, von allen verlassene Menschenherz entgegen. Und Gott verhüllt Sich und gibt keine Antwort.

So muss es Jesus ergangen sein in Seiner letzten Lebensstunde, dass Er Sich zu diesem wehen Schrei durchgerungen hat: "Mein Gott, Mein Gott! Warum hast Du mich verlassen?" So mag es auch dem armen Gelähmten damals am Teich Bethsaida Jahr für Jahr ergangen sein: In Verlassenheit dort liegen und nicht zur Heilung gelangen und immer wieder ein anderer vor ihm – und er bleibt verlassen. So mag es auch vielen Kranken gehen, die dahin und dorthin zu Ärzten und Wundertätern fahren und ungeheilt umkehren müssen.

Wenn es dir auch einmal so ergehen sollte, dass Gott Sich verhüllt, wenn du in Verlassenheit zu Ihm aufschreist, dann – so sagt dir der Engel – bete trotzdem Gott schweigend an, sage trotzdem in Demut: "Herr, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe." Du weißt nicht, wie vielen du durch dieses kaum zu ertragende Maß von Leid das Herz aufreißest und der Gnade – und damit der ewigen Rettung – Zutritt verschaffst. Gott lohnt alles! Und Er lohnt in überreichem Maß; Göttlich lohnt Er!

 

Montag nach dem 1. Fastensonntag – St. Philoim 5. v. Chor

Die Gewalt der Prüfungen und Zulassungen drückt uns oft zu Boden. Aber denken wir daran, dass Gott einen strahlenden Engel damit beauftragt hat, uns diese Prüfungen zu bringen? Also können sie nichts Schlechtes sein. Niemals kann uns der Teufel durch Prüfungen – und selbst härtester Art – zu einem freiwilligen Willensentscheid gegen Gott zwingen. Dem, der Gott hinter allen Prüfungen sieht, gereicht alles zum Besten. So, wie es heute im Introitus heißt, blicken "unsere Augen auf zum Herrn, bis Er Sich unser erbarmt".

Schöpfen wir dieses "Bis" mehr aus durch Geduld; oft löst sich alles, und unsere Beharrlichkeit wird belohnt. Sehen wir doch die Liebe Gottes hinter allem, auch hinter den Prüfungen. Hat sich nicht Jesus Selbst der härtesten Prüfung am Kreuz unterzogen? Ist Maria nicht viel geprüft worden?

St. Philoim ist Engel der Gewalt, einer der Sieben Brüder der Tiefe; und er geht in die Tiefe, er packt uns oft am Lebensnerv. Aber er nennt uns auch das Heilmittel für Zulassungen; es steht heute im Evangelium: Tue Werke der Barmherzigkeit, und Gott wird Sich deiner erbarmen und die Zeit der Prüfung abkürzen!

 

Dienstag nach dem 1. Fastensonntag – St. Pergamim 5. v. Chor

Kaum einen Engel brauchen wir in unserer Zeit so notwendig wie den Engel der Gewalt, der Beharrlichkeit, Zähigkeit. Beharrlichkeit ist Gewalt im Zeitlupentempo. Aber wäre sie nicht Gewalt, so würde sie zur Trägheit herabfallen.

Der Engel hat ein so schönes Symbol in Händen: Eine Honigwabe. Nun wissen wir genug. Aber die Beharrlichkeit gilt vor allem dem Eifer im Guten, im Suchen nach Gott, im Hören auf den Willen Gottes. Heißt es doch heute in der Lectio: "Suchet den Herrn, solange Er zu finden ist. Rufet Ihn an, solange Er nahe ist." Da lehrt uns St. Pergamim: Nicht nachlassen! Sonst verlierst du den ersten Eifer und die erste Liebe. Lieber mit kleinen Schritten dem Herrn nachgehen und immer in Seinen Fußstapfen bleiben. Wer stürmisch sich nicht genug tun kann, bleibt schließlich zurück. Aber jedes Stehenbleiben ist schon Nachlassen. Beharren aber ist Ausharren; und harrst du bei Gott aus, bleibt auch Er an deiner Seiten!

 

Mittwoch nach dem 1. Fastensonntag – St. Pithormim 5. v. Chor

Unsere Zeit trägt immer mehr Zeichen der Endzeit. Das Dämonische bäumt sich bis zu den höchsten Geistesstufen auf und überflutet Länder, Stände, Wissenschaften.

"Herr", flehen wir heute, "denk an Deine Güte, Dein Erbarmen, die seit ewig währen. Nie mögen unsere Feinde herrschen über uns."

Wohl trägt der Engel der Gewalt, St. Pithormim, die Schlüssel zum Abgrund, und diese schreckliche Zeit, da die Hölle sich offen über die ganze Welt ergießt, ist gottlob noch nicht da. Aber der Engel gibt uns auch eine ernste Mahnung:

"Nicht nur ich, o Mensch, habe den Schlüssel zum Abgrund. Auch du hast in deinem Herzen einen Schlüssel. Du hast die Macht, dich zu verschließen und dem Teufel und seinem Anhang den Zutritt zu verwehren! Sei wachsam und verhüte sein Eindringen durch die Presse, die Reklame, den Film und den Vortrag. Achte auf die Menschen, die bei euch ein- und ausgehen, wehre rechtzeitig ab. Gib dem Engel immer mehr Möglichkeiten, für euch zu kämpfen. Ist der Teufel einmal im Hause, bringst du ihn schwer wieder heraus. So darf man ihn also nicht erst hereinlassen. Achte die Macht der Dämonen nicht zu gering, wehre sie ab, ehe sie dich umzingeln. Segne täglich und viel, sorge, dass keine Sünde sich in der Gemeinschaft aufhält, sie ist wie ein Landeplatz für den Feind. Entschuldige niemals das Eindringen von etwas Bösem ('Da kann man nichts machen'). Was tätest du, wenn dein Kleid Feuer finge? Geistige Brände sind gefährlicher! – Wache und bete!"

 

Quatembermittwoch in der Fastenzeit – Die Rächer 9. Chor

Drei mahnende Gestalten tauchen vor unseren Augen auf, Engel der Gewalt, die Gott als Rächer jener Sünden bestellt hat, die an den Lebensnerv des Menschen oder des Volkes gehen. Wir spüren das Fluidum dieser Sünden wie Staubwolken über der Erde, wie eine Seuche, wie drohendes Wetter – und wir beten im Graduale dieses Tages: "Die Ängste meines Herzens haben sich gemehrt; aus meinen Nöten rette mich, o Herr!"

Da steht der erste:

St. Henim: Er ist der Rächer Abels und alles unschuldig vergossenen Blutes. Er hat einst den aufrührerischen Ahasver in der Tiefe gestürzt und schickt ihm noch heute jeden vorsätzlichen Mörder den gleichen Weg nach. Die Lustmörder von Kindern und jungen Mädchen, die Mütter, die um der Lust willen ihre ungeborenen Kinder töten, niemand entgeht dem Schwert St. Henims, das sich ihnen ins Herz bohrt und sie ihrem bösen Gewissen nicht mehr entrinnen lässt.

Da steht der zweite:

St. Michajim: Er schreibt das Menetekel an die Wand unserer Seele und an die Wände der Schöpfung, wenn der Mensch aus seiner Bahn gerät und im Materialismus versinkt, in Lebensgenuss und Lebensgier. Dann kommt es schließlich so weit, dass alle Grenzen der Gottes- und Naturgesetze niedergerissen werden und wir – wie einst Elias – in der Verzagtheit unseres Herzens zum Himmel weinen: "Es ist genug, Herr, nimm meine Seele von mir, ich bin nicht besser als meine Väter." Wenn der Mensch nicht mehr nach Gott suchen will, wenn er nicht mehr das Gute tun will, dann wird das Wort des Evangeliums wahr: Die Völker werden aufstehen und dieses Geschlecht verdammen, denn sie suchten noch Gott, sie wollten noch hören. Und die bösen Geister kehren zurück und ziehen ein, und die letzten Dinge werden schlimmer sein als die ersten.

Der dritte ist:

St. Phasim, der Engel der Phase, des Vorübergangs. Das Volk ahnt die tiefen Zusammenhänge, wenn es sagt: "Gottes Mühlen mahlen langsam, aber fein." Gott schaut lange zu – beim Menschen wie bei der Gemeinschaft und beim Volk –, aber wenn das Maß voll ist, dann hebt Er die Hand, auf dass der übermütige Reiche geschlagen werde und das stolze Volk.

O, wir sehen die Warnzeichen Gottes da und dort. Lass uns sie nicht übersehen! Tun wir lieber Buße, rufen wir lieber zu Gott um Verzeihung für uns und unser Volk, ehe es zu spät ist. Lasset uns ein einiges Volk Gottes werden, das Gottes Barmherzigkeit durch die Katastrophen der kommenden Tage hindurchführt wie einst das kleine Häuflein der Israeliten aus Ägypten. Herr, denke an Dein Erbarmen und lass die Feinde nicht über uns triumphieren!

 

Donnerstag nach dem 1. Fastensonntag – St. Kepharnim 5. v. Chor

Wer die Fastenzeit mit zu hoch gespannten Vorsätzen beginnt, wird bald müde werden und da und dort von seinen Versprechungen kleinweise zurücknehmen. Damit ist weder den Forderungen Gottes noch dem Wachstum der eigenen Seele gedient.

So ist es nicht zufällig, dass heute der Engel der Gewalt der Spannkraft unser Fürbitter vor Gottes Thron und besonders beim heiligen Messopfer ist. Eine geistige Erstarkung, von der es in der Oration heißt, kommt nicht von Großreden und Wildanlaufen; sie kommt vor allem durch eine straffe Selbstzucht. Erst müssen wir feststehen lernen in allen Bedrängnissen und nie nachgeben; erst müssen wir unsere "geistigen Muskeln", unsere Energie in Spannkraft und Beharrlichkeit stählen in Enthaltsamkeit von Vielreden, Bequemleben und Habenwollen.

"Merke dir, Seele", sagt St. Kepharnim, "wenn du die niederen Kräfte deines Seins nicht in deiner Hand hast, wirst du die höheren Kräfte auch nie beherrschen können. Zur Spannkraft gehören ein fester Wille und das rechte Maß, ein unerschütterlicher Glaube und eine zähe Ausdauer. Dann wird dir auch geschehen, wie du geglaubt, und du wirst das Herz Gottes erreichen."

 

Quatember-Freitag in der Fastenzeit – Die Brüder 9. Chor

Seit Gott uns dieses unfassbare Gnadengeschenk übergeben hat, Seine heiligen Engel kennenlernen und lieben zu dürfen, sich an sie binden zu dürfen, sind uns ja alle zu himmlischen Brüdern voll Güte und Hilfsbereitschaft geworden. Aber es gibt doch im Rahmen der Gruppe in den Chören solche, die sich im besonderen "Brüder" nennen: Die Sieben Brüder der Tiefe, die Sieben Brüder der Seele, die Vier Brüder der rechten Hand St. Sederims. Von diesen Letztgenannten stehen heute zwei als Fürbitter am Altar.

Der eine ist St. Machirim, der Engel über der Brücke. Der Mensch wird in die Gegensätzlichkeit hineingeboren: In die körperliche von heiß und kalt, von weit und eng, und in die seelische von gut und böse. Und wie er sich entscheidet zwischen gut und böse, so fällt er auf ewig in die größte aller Gegensätzlichkeit hinein: In den Himmel oder in die Hölle.

Aber ehe es so weit ist, steht da der Engel über der Brücke auf dem Boden Gottes und weist hinauf zu Gott, er schickt seine Brüder zur Hilfe und bietet der Seele die Klarsicht und die rechte Wert-Einschätzung an. Und selbst wenn der Mensch voll Sünden wäre – auch er kann den Engel über der Brücke sehen und hören, ist er doch Gewalt von Gott. Darum heißt es heute: "Und wenn der Sünder sich abwendet von seinen Sünden, in denen er gelebt, und wieder Recht und Gerechtigkeit übt, so wird er das Leben erhalten." Dann zieht ihn St. Machirim über die Brücke zu sich auf den Boden Gottes und lehrt ihn die kleinen sicheren Schritte der Demut und Lauterkeit und führt ihn zur Kindschaft Gottes und zum Ziel.

St. Sefanim ist der zweite der Brüder, von der gleichen Wucht der Gewalt wie St. Machirim. Er steht schon ein Stück höher auf dem Wege der Seele zu Gott. Er lässt die gottliebende Seele zu sich herankommen und schaut ihr in die Augen wie ein guter, himmlischer Augen-Facharzt. Wenn er darin ein Licht findet, das direkt aus dem Herzen Gottes in diese Seele gefallen ist, dann weiß er: Gott liebt sie, und sie liebt Gott wieder in brennender Glut. Und nun tut er wie ein Arzt: Er nimmt ihr, leise, langsam und ohne sie zu verletzen, die Antenne zu den Freuden der Welt weg, so dass sie wohl alles sehen und hören kann, aber ohne Kontakt mit dem Mückenschwarm der Versucher. Er lässt sie einen Tropfen Himmelsseligkeit kosten, und nun sind ihr alle Freuden der Welt schal dagegen. Wie singt der Priester heute den Psalm? "Lobsinge, meine Seele, dem Herrn; vergiss nie Seines Wohltuns Überfülle. So wird dir wieder neue Kraft gleich wie dem Adler!"

 

Samstag nach dem 1. Fastensonntag – St. Cholim 5. v. Chor

Schwer lasten Not und Leid auf der Welt. Riesige Länder schmachten in der Dunkelheit der gewaltsamen Entgottung. Länderweise sind die Menschen eingezwängt in gottlose Staatsformen und -gesetze. Die Irrlehren schießen wie Pilze in die Höhe.

Welches Leid tragen die Mütter an ihren abgeirrten Kindern, welches Leid tragen die Väter in den Orden um ihre abgefallenen Söhne!

Da steht der Fürbitter dieses Tages vor dem Altar, der Engel der Gewalt allen seelischen Leides, aller Seelennot. Wie von Glut ausgefüllt, und doch von Tränen überronnen, hält er dem Vater im Himmel ein Schwert entgegen. Er bittet mit dem Priester:

"Ein wenig nur, Herr, wende Dich uns zu; lass Dich erbitten über Deine Knechte! O Herr, zur Zuflucht bist Du uns geworden von Geschlecht zu Geschlecht!" Das Schwert trägt in tausend Inschriften die Not der Menschen. Und Gott wendet Sich nicht ab. Hat der Vater doch Seinen vielgeliebten Sohn Selbst alle seelische Not auskosten lassen, damit Sein Leid, Seine Schmerzen alle Not heiligen. Alle Schmerzen der Kinder Gottes sind seither in den Schmerzen des Herrn geborgen und sind die wertvollsten Waffen im Kampfe der letzten Tage, die wertvollsten Bausteine für unsere himmlischen Wohnungen bei Gott. Das Schwert aber wird einst der Vater zerbrechen, denn alle Not ist dort vergangen, und jeder Name auf diesem Schwert wird in das Buch des ewigen Lebens eingetragen.

"Auf Dich, o Herr, habe ich gehofft, ich werde nicht zuschanden in Ewigkeit!"

 

Quatembersamstag in der Fastenzeit – St. Rehajiel 9. Chor

Einen Engel voll Erbarmen gibt uns heute noch der Gütige Gott: St. Rehajiel, einen der zwölf Engel vom Besonderen Dienst um den Thron Mariens.

Die himmlische Mutter schickt ihn aus in die Spitäler und Kliniken, damit er mit seiner linden Hand das Stöhnen und Aufbäumen in Ergebung in den Willen Gottes umwandle. Sie schickt ihn aus in Unruhezentren, dass er nach Besonnenen suche und durch sie zur Ruhe mahne und zur Lösung auf friedlichem Wege. Sie schickt ihn in die vergiftete Atmosphäre großer Arbeitsräume, Vortragssäle, um gefährdete Jugend abzuschirmen, von Dämonen angefachte Brände auszutreten. Der Engel tut dies alles in heiliger Kraft der Gelassenheit, und wir beten mit ihm: "Erbarme Dich unser, Du Gott des Weltalls, schau auf uns herab und lass uns leuchten das Licht Deiner Erbarmung! Sende Deine Furcht über die Völker, die Dich nicht suchen, damit sie erkennen, dass kein Gott ist außer Dir! Erweise Dich groß an ihnen, damit sie Dich erkennen und lieben lernen, wie auch wir Dich lieben, Du unser Herr und Gott!"

 

Zur den Quatembertagen in der Fastenzeit – Die sieben Brüder der Seele 5. v. Chor

Viermal im Jahre, an den Quatembertagen, häuft sich die Zahl der fürbittenden Engel. Viermal im Jahr will der Herr durch die heilige Kirche, dass wir Einkehr und Dank, Umkehr und Neuanfang vor Gott halten.

Gewalten schickt uns der Herr als Fürbitter an diesen Tagen. Sie sollen uns Gewalt antun, damit wir wach werden und aufhorchen. Gewalten sind die Vier Brüder der rechten wie der linken Hand St. Sederims, Gewalten sind die Sieben Brüder der Seele.

Unser Leben ist weder ein Theater noch unsere Privatangelegenheit. Es ist eine sehr ernste Sache, die immer mit Gott und seinen Engeln, mit den Verpflichtungen gegen die Familie und Umwelt zusammenhängt. Wir sind mit Maria durch die frohen Tage des Advents, der Geburt und Kindheit Jesu Christi gegangen. Nun geht uns der Herr Selbst voran in der ganzen Dynamik Seiner Erlösersehnsucht. "Nur wer sündigt", sagt Er, "soll sterben. Wer in sich geht und sich abwendet von allem, was er schlecht getan, der soll leben." Dieses Wort des Herrn steht über den Sieben Brüdern der Seele.

St. Ketherim will in der Gewalt der Liebe Christi die Seele aufbrechen, dass sie innehält und horcht, was der Herr von ihr will.

St. Harachim will in der Gewalt der Liebe Christi die Seele lösen von den Umklammerungen irdischer Bindungen, Gewohnheiten, Feigheiten, Hörigkeiten, so dass sie sich wegwendet von ihnen und Gott zuwendet.

St. Elim will in der Gewalt der Liebe Gottes die Seele so an Gott binden, dass sie die Liebe Gottes nicht mehr missen kann und sich ihr restlos überlässt.

St. Aljoim will in der Gewalt der Liebe Christi, dass die Seele sich verliert an Gott, dass sie sich wie ein Samenkorn in den Acker der Arbeit für Gott legen lässt, schweigend, horchend und gehorchend, um durch ihr Entwerden die neue Kraft zum Blühen und Früchtebringen zu erhalten.

St. Thaamim will in der Gewalt der Liebe Gottes die gottgebundene Seele zu glühendem Eifer anstacheln, so dass sie der Schwierigkeiten und Bedrängnisse nicht achtet und immer mehr einzig und allein für Gott da ist wie eine brennende Fackel in der Hand der Engel, wie ein Angelhaken in der Hand Gottes zur Rettung der Seelen.

St. Cheloim will in der Gewalt der Liebe Gottes die Seele zu einer Kapelle der Ewigen Anbetung machen. Er will sie in ihren Liebesakten immer in der Gegenwart Gottes erhalten.

St. Jessim will in der Gewalt der Liebe Gottes mit der Seele den Weg der Nachfolge Christi gehen in der völligen Unterordnung des geschöpflichen Willens unter den Göttlichen Willen. Nur zu einer solchen Seele, die sich bedingungslos Gott zu eigen gegeben hat, bedingungslos an Ihn glaubt, auf Ihn hofft, Ihn liebt und an Seinem Angesicht hängt, kann und wird der Herr sagen: "Steh auf, dein Glaube hat dir geholfen", und "Komm und folge Mir nach durch die ganze Fastenzeit und bis auf Golgotha".

 

2. Fastensonntag – St. Chasim 7. Chor

Einst sagte der Herr: "Ich bin nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben, sondern sie zu vollenden", und er meinte hier das tiefe Fundament der Liebe und Gerechtigkeit Gottes, das dem Alten Bund Gottes mit den Menschen zugrunde liegt.

Und heute sagt der Herr: "Ich will nicht Neuerung über Neuerung, Ich will die Erneuerung der tiefen Liebe, des Eifers, der Demut und des blinden Glaubens, des Gehorsams, der Armut und Einigkeit, wie Ich sie auch gelehrt habe. Ihr sollt Mein Wort vollenden, das im Fundament der Kirche ruht. Ihr habt das Vermächtnis Meiner Liebe wirksam zu machen!"

Da steht der hohe Engel der Macht der heiligen Kirche, der Fürbitter und Verwalter des Oster-Festkreises. "Reminiscere", singt er wie mit tausend Glocken, "Domine, miserationum Tuarum!" Gedenke, Herr, Deiner Barmherzigkeit! Und der Herr streckt Seine Hände aus und sagt voll unendlicher Liebe: "Kommet mit Mir!" und führt uns auf den Berg der Verklärung, damit wir einen Augenblick lang im Moment der heiligen Wandlung hineinschauen können in die Größe Seiner Liebe, die im Willen des Vaters in der Macht des Geistes Sich zu uns herab neigt und kleiner wird als das kleinste Kind, damit wir durch diese Liebe aufstehen und mit Ihm gehen!

 

Montag nach dem 2. Fastensonntag – St. Ketherim 5. v. Chor

St. Ketherim, die Gewalt und der erste der Sieben Brüder der Seele, hat sehr wache Augen, Späheraugen, Adleraugen. Wenn der Herr in Liebe auf eine Seele zeigt, die Er an Sich ziehen möchte, aber die mit der Welt noch verstrickt ist wie ein Feld voll dichten Gebüsches, dessen Wurzeln eng ineinandergreifen, da rastet der Engel nicht, bis er irgendwo eine "schwache Stelle" gefunden hat, und dort fällt urplötzlich ein Felsblock des Anrufes Gottes auf den unbereiteten Acker und durchschlägt das zähe Wurzelgeflecht und reißt eine tiefe Wunde in den Boden. Das kann z. B. der Tod eines lieben Menschen sein, der das eigene Leben ändert, das kann eine zündende Predigt sein, die zutiefst aufwühlt, das kann der Blick auf einen gestrandeten Menschen sein – oder auf einen heiligen. Ein plötzlicher Anruf Gottes tief drin im Herzen lässt die Seele aufschreien: "Mein Gott, was willst Du von mir?"

"Dich", sagt der Herr, "dich will Ich! Lass ab von dem Weg, den du bis jetzt gegangen bist. Du bist von unten. Ich bin von oben. Ich will dich zu Mir ziehen. Du sollst Mir nachfolgen. Dein Lohn ist der Himmel der Ewigkeit."

 

Dienstag nach dem 2. Fastensonntag – St. Harachim 5. v. Chor

In der Anfangsgeschichte der Menschheit wird in der Heiligen Schrift des Alten Bundes von der "Geißel" des Zornes Gottes gesprochen, wenn ein Strafgericht über das ungetreue Volk verhängt wird.

Und in der Schau auf die letzten Tage der Welt spricht der heilige Apostel Johannes wiederum von solchen Strafgerichten, welche die heiligen Engel an der verderbten und zerbrechenden Welt auszuführen haben.

In der Mitte der Zeit aber, da steht der Herr an der Geißelsäule. Er unterzieht Sich der grausamen, blutigen Geißelung unseretwegen! Er wendet das Strafgericht von den Seinen ab, indem Er es auf Sich nimmt.

Knie nieder, o Mensch, und frage dich: Was habe ich getan, um in der Nachfolge Christi gleich meinem Herrn Genugtuung zu leisten für die vielen, die gerettet werden sollen, die Gott von mir gerettet wissen will? Du stehst nicht allein für dich da und kannst nicht sagen: "Bin ich denn der Hüter meines Bruders?" Du bist es! Du hast das gute Beispiel zu geben, du hast deine ganze Kraft und deine ganze Liebe zur Rettung seiner Seele aufzuwenden. Wer eine Seele für Gott rettet, hat seine eigene Seele damit gerettet, denn Gott vergisst nichts, Er ist der beste Zahlmeister. Liefere dich Seiner Gerechtigkeit aus, bitte St. Harachim, dir zu helfen, und es wird dir die Liebe Gottes entgegenkommen!

 

Mittwoch nach dem 2. Fastensonntag – St. Elim 5. v. Chor

"Bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt." So zu denken ist Menschenart. Gott denkt anders. Gott achtet den freien Willen des Menschen. Er bindet niemand an Sich, der nicht gebunden sein will. Auch der Engel der Gewalt, St. Elim, mit dem Bilde des Strickes in seinen Händen, der die Aufgabe hat, die Seele an Gott zu binden, an ihre neue Aufgabe, zwingt niemals die Seele des Menschen. Wenn er bindet, so erfüllt er den Wunsch des gottliebenden und gottsehnsüchtigen Menschen, der vor seiner eigenen Schwäche und Wankelmütigkeit flieht und die Bindung an Gott erfleht und erbittet und sie so fest und unlösbar als möglich haben will. "Dein Antlitz suche ich, ja, Herr, Dein Antlitz will ich suchen, wende es nicht hinweg von mir!"

Aber bedenke es, Mensch: Mit Gott spielt man nicht! Und eine Bindung an Gott ist niemals Spiel. Gott nimmt die Bindung ernst. Du wirst gezeichnet von deinem Engel in deiner Bindung an Gott: Es ist eine goldene Fessel, die du einst vor Gericht vorweisen musst, ob du sie blank erhalten oder verloren hast!

 

Donnerstag nach dem 2. Fastensonntag – St. Aljoim 5. v. Chor

Die Begriffe: Oben und unten, hell und dunkel, reich und arm haben in der Sprache der Seele eine andere Wertung als in der Welt. Wir kennen diese Reichen im Bilde des Prassers, des Pharisäers, des harten, ungerechten Herrn – und die Armen und Geringen, denen die Weisheit und Liebe Gottes überreich zuteil wird. So gilt uns auch der Engel als hell, der Dämon als dunkel. Und wenn St. Aljoim, der Sämann, der in der Mitte der Sieben Brüder der Seele steht, der helle, lichte Engel, uns in das Dunkel des Bodens drückt, hinunter und immer hinunter, so drückt er uns in die Prüfung, wo wir – wie ein Samenkorn – allein sein und gleichsam der Welt sterben sollen. Das ist eine harte Zeit. Wie flehen wir hinauf zum Himmel: "Kürze ab die Zeit der Prüfung, übergib mich nicht den Händen des Feindes, vergiss mich nicht und verleihe mir den Beistand Deiner Gnade!" Gott allein weiß die Zeit. Er sieht in unser Herz, wenn wir die Welt und uns selbst gelassen haben. Er sieht das neue Leben in Ihm und für Ihn, das in uns mitten aus schwerster Prüfung erwächst. St. Aljoim ist kein Strafender; er ist ein gütiger, aber unbestechlicher Knecht Gottes. Er hilft uns zu neuem Mut, zu neuer Kraft, zu neuem Vertrauen, zu einem neuen Leben.

 

Freitag nach dem 2. Fastensonntag – St. Cheloim 5. v. Chor

Er trägt die Gewalt des reumütigen und sehnsüchtigen Gebetes aus der Tiefe unseres Herzens und der Tiefe unserer Not. Gott muss das Herz des Menschen in die Tiefe drücken, damit es wie ein Springquell die Gewalt bekommt, bis an das Herz Gottes zu rühren. Nur wer die wunderbare Wahrheit der Worte Jesu an sich selbst erfahren hat: "Wenn viel vergeben wird, der liebt auch mehr", kann seine Tränen der Reue mit den Tränen der Dankbarkeit Gott hinhalten und flüstern, dass es nur Gott hört: "O felix culpa!"

Das große Fürbittgebet, das unser Herr am Kreuze aus der Tiefe Seiner Not und Seiner Schmerzen heraus zu Seinem Vater empor geschickt hat: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", soll richtunggebend in unserer eigenen Not sein. Aus dieser Tiefe heraus sollen wir anbeten ("Vater!"), sollen wir verzeihen ("vergib ihnen"), damit uns verziehen werde, sollen Fürbitten und die Liebe Gottes auf uns und alle Sünder herabflehen, besonders auf jene, denen wir im Herzen grollen, gegen die wir misstrauisch sind ("sie wissen nicht, was sie tun")

Welche unendliche Liebe liegt in diesen Worten Jesu, Der doch gerade von dieser Sorte von Mensch gepeinigt, verraten, gelästert und getötet wurde! Das muss uns immer vor Augen sein! Dazu müssen wir in die Tiefe gedrückt werden; dann kann der Engel der Anbetung aus der Tiefe Gott ein vollgültiges Gebet darbringen, das die Liebe Gottes auf uns herabströmen lässt.

 

Samstag nach dem 2. Fastensonntag – St. Thaamim 5. v. Chor

Das ist die große Sünde unserer Tage: Das Absacken, das Versagen und Versanden in Lauheit und Gleichgültigkeit; Hunderte und Tausende von guten Vorsätzen werden täglich unserm Herrn präsentiert, und wie lange halten sie? Günstigstenfalls drei Wochen, oft aber nur von morgens bis nachmittags. Das ist nicht Eifer in des Herrn Dienst, das sind nur Strohfeuer, die in spärlicher Asche versinken.

Darum lässt Gott oft in guten Familien oder Orden zu, dass ein Glied davon ganz tief sinkt. Da sollen nun die übrigen Glieder sich nicht in Entrüstung und Distanzierung, in Totschweigen und Stabbrechen verlieren; das wäre nur ein Zeichen für Pharisäertum. Sie sollen in nimmermüdem Eifer dem Verirrten nachgehen, ihn mit Liebe heimzuholen versuchen. Sie sollen beten und sühnen mit brennenden Verlangen nach Rettung; und sie sollen nicht müde werden darin, bis Gott ihre Bitten erfüllt und Seinen Engel schickt, St. Thaamim, mit dem glühenden Pfeil in der Brust. Der kann das Herz des andern anrühren und rütteln, der kann ihn hungern und dürsten lassen, bis er in sich geht und die Füße wieder heimwärts lenkt. Solch einer ist dann zeitlebens demütig und dankbar, denn wem viel vergeben wird, der liebt auch mehr.

 

3. Fastensonntag – St. Nezach 4. Chor

Wie die Fastensonntage gleich Ecksäulen in der Vielfalt der Fastentage stehen, so stehen auch die Ecksäulen unter den heiligen Engeln wie erhabene, gewaltige Stützpfeiler inmitten der Schöpfung. Da ist am 1. Fastensonntag St. Melchisiel Bild der Ecksäule "Heiliger Gott"; am 2. und 3. Fastensonntag versinnbilden die beiden gewaltigen Engel St. Nezach und St. Ketherim zusammen die Ecksäule "Allmächtiger Gott"; am 4. Fastensonntag St. Merua die Ecksäule "Weiser Gott", und da sind endlich die beiden dräuenden Engel St. Oriphiel und St. Geburah Bild der Ecksäule "Gerechter Gott".

Diese Engel haben nichts mit süßem Gefühl und Spiel und Entzückung zu tun. Sie stützen die hohe Zeit des Kirchenjahres im Lichte des Glaubens, in der Kraft des Wortes, in der Majestät der Liebe Gottes. "Einst waret ihr Kinder der Finsternis, nun aber seid ihr Kinder des Lichtes. Kinder des Lichtes aber sind die Erben des Himmels. Glückselig, die im Hause Gottes wohnen; umstellt sind sie von Engeln und gestützt. Im Schatten Deines Thrones ruhen sie, und wo sie sind, da fliehet das Verderben."

"Allmächtiger, Ewiger Gott", so beginnen wir unsere Gebete: Mögen sie immer vom Engel der Ecksäule "Allmächtiger Gott" aufgenommen und vor das Angesicht des Allerhöchsten gebracht werden!

 

Montag nach dem 3. Fastensonntag – St. Beroel 5. h. Chor

Er und seine Brüder sind zusammen zwölf, die Gewalt des Bundes Gottes mit den Menschen tragend. Sechs von ihnen tragen die Gewalt und Auswirkung des Bundes Gottes mit den Menschen durch unsere Tage, und sechs, unter ihnen auch St. Beroel, sind aus dem Alten Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hatte.

Auf eine Harfe stützt sich dieser heilige Engel, und zu seinen Füßen hat er ein zerbrochenes Schwert. Das ist ein Bild für Naaman, den frommen Heerführer, dessen Wort vor Gott und vor seinem König galt, aber dessen leibliche Macht durch den Aussatz zerbrochen war. Es ist aber auch Bild für das ganze israelitische Volk, auserwählt von Gottes Wort und Verheißung, das aber seine Macht durch seinen Abfall von Gott zerbrochen hatte.

Aber muss denn nicht zuerst die irdische Macht zerbrochen werden, damit das Kleine und Geringe in die Mitte gestellt werden kann? Die ganze Macht Davids zerbrach, und dann erst konnte das kleine arme Kindlein von Bethlehem Seine Laufbahn beginnen. Und die ganze Macht Naamans nützte nichts, solange er sich nicht beugte dem Rat des kleinen Mädchens und demütig und gehorsam hinabstieg in den Jordan.

So soll uns der Blick auf die Harfe erinnern, dass wir stets zum Lob Gottes bereit sein sollen in Wort und Tat. Der Blick auf das zerbrochene Schwert aber soll uns belehren, dass Gott jeden Stolz zerbricht und dass nur jenes Schwert vor Ihm gilt das zu Seiner Ehre geführt wird.

 

Dienstag nach dem 3. Fastensonntag – St. Nachumiel 5. h. Chor

St. Nachumiel steht hier für die vielen Propheten, auch die namenlosen, deren Wort bei Gott verwahrt liegt und sich am Jüngsten Tage offenbaren wird. Aber während viele Engel inmitten anderer Engel und großer Aufgaben zu erkennen sind, steht dieser Engel allein, weil auch die Propheten immer Einzelgänger waren und innerlich oft die bitterste Verlassenheit erleiden mussten. Der Engel hält ein kleines Brot in Händen, und das soll besagen, dass Gott den Propheten ernährt, dass dieses kleine Brot schon Vorbild des Heiligsten Brotes ist, der Geistnahrung aller von Gott Geführten, das Gotteswort Tragenden. "Meine Speise ist das Wort, das aus dem Munde Gottes kommt. Ich sterbe nicht, ich lebe und werde künden die Werke des Herrn."

Achtet auf das Wort des Herrn! Gotteswort ist nicht Zuckerbrot; es ist gesundes Hausbrot. Es ist ebenso Salz, das reinigt und heilt, das unsere Seele klärt und ruhig macht.

Schutzengel

"Den der Herr an die Zäune und Straßen stellt." Kein Geschöpf eifert so sehr für die Ehre Gottes wie der Engel. Unverwandt hängt sein Auge an Gottes Angesicht, um den leisesten Wunsch zu erfüllen, um bereit zu sein für jede Aufgabe.

Haben wir nicht im Evangelium gehört, wie der Herr Seine Knechte aussendet, zum Hochzeitsmahl zu laden? Diese Knechte sind die Engel; das Hochzeitsmahl ist für uns im Himmel bereit. Aber was tun wir mit der Einladung, was tun wir mit den Engeln?

"Geh", sagt der Herr zu diesem hohen Engel der Macht starkmütiger Hoffnung, "geh mit deinem Schützling durch die Welt und stelle dich an die Zäune und Straßen, um die Menschen hereinzuholen in den Frieden und in das Haus der Kirche. Haltet ihnen das In te, Domine, speravi, non confundar in aeternum immer vor Augen." Und der Engel geht rastlos über die Erde.

Er ruft mit seinem Schützling: "Wachet auf!" Er ruft den Zaghaften zu: "Fürchtet euch nicht, Gott ist bei euch." Er wendet sich an die Armen an den Zäunen: "Gott ist gut!" und an die Jugend: "Freuet euch, der Herr braucht Kämpfer und Sieger!"

Gott hat diesem Engel eine flache Schüssel mit Wasser in die Hand gegeben und über den Arm ein Tuch. Das bedeutet, dass er die Menschen, die er zu Gott führt, reinigen soll, und seine Schützlinge sollen desgleichen tun. Nur mit reinen Händen und Füßen dürfen wir das hochzeitliche Kleid in Empfang nehmen. Nur ehrfürchtig sollen wir das Haus Gottes betreten. Wir wollen uns aber auch in Demut vor den Alten und Kranken und Geringen neigen und ihnen durch unsere Liebe und durch die frohe Hilfsbereitschaft zur Lösung aller Krusten auf der Seele verhelfen, dass sie wieder rein und frei und zuversichtlich werde und gerne Gott entgegengehe. Straßen machen staubig. Ein langer Weg, das ewige Einerlei des Alltags, macht müde. Viele Menschen schauen gar nicht mehr auf zur Höhe, sondern sie schauen nur mehr auf ihre Füße. Solchen Menschen tritt der Engel in den Weg.

Und der Mensch schaut auf. Er hört ein gutes, ermunterndes, tröstendes Wort. Er sieht auf einmal, dass die Welt ringsum doch nicht so grau und feindlich ist. Es lohnt sich vielleicht doch, neu anzufangen, wieder Mut zu haben, und er geht mit dem Engel und seinem Schützling den neuen Weg, Gott entgegen.

 

Mittwoch nach dem 3. Fastensonntag – St. Semiel 5. h. Chor

Ehe die Welt war, war Gott! Er hat die Welt erschaffen, die Engel und die Menschen. Er hat Seine Engel zu Kraftvollstreckern Seines Willens an der ganzen Schöpfung bestellt. Er hat sie schon dem geheimnisvollen Leib Christi, der bereits vorgebildet wurde vom ersten Menschen an, durch alle Zeiten beigestellt als Schützer und Führer, aber auch als Mahner und Rächer.

Nur wie in weiter Ferne sehen wir diese Hohen Gewalten stehen, die den Bund Gottes mit den Altvätern zu behüten hatten. Es sind Engel, welche in ganz weiten Schalen die Gottesfurcht tragen, das Zittern vor der Majestät Gottes. Damals, vor Jahrtausenden, hätte niemals ein Mensch gewagt, "Herrgöttle" zu sagen; kein Mensch wagte es überhaupt, den Namen Gottes auszusprechen. Überstark war im Menschen das Bewusstsein der Schuld bei Nichtbeachtung der Weisungen Gottes. Ausgeprägt waren der Wille und die Sehnsucht nach Reinwerden und Reinsein, um der Gnade Gottes teilhaftig zu werden. Und wie wenig berührt den Menschen von heute die Sünde! Wie gleichgültig ist es ihm, ob er Gott gefalle oder nicht!

Herr, gib uns durch Deine Engel die Kraft, die Menschen zu rütteln, ihnen wieder das Bewusstsein "Gott ist!" nahe zu bringen. Lasse uns nicht blind sein und Führer von Blinden, sondern tu uns des Lebens Wege kund und erfülle uns mit Deines Angesichtes Wonne!

 

Donnerstag nach dem 3. Fastensonntag – St. Heliel 5. h. Chor

Der Engel der Richter des Alten Bundes spricht heute die Worte des Introitus: "Des Volkes Heil bin Ich; in jeder Not, in der sie zu Mir rufen, will Ich sie erhören. Ich will ihr Herz sein ewiglich! Mein Volk, hab acht auf Mein Gesetz und schenk Gehör dem Wort aus Meinem Munde", spricht der Herr.

Groß war damals das Richteramt. Die Richter trugen die Geistgaben, ihr Wort galt als von Gott eingegeben. Aller Streit und alle Spannung im Volk mussten vor sie gebracht werden, und ihr Urteilsspruch war bindend.

Gott der Herr hat das heilige Richteramt auch in Seiner Kirche verankert, sowohl im heiligen Sakrament der Buße als auch im ganzen Lehramt der heiligen Kirche. Jedes Dogma ist bindend für die ganze Gemeinschaft der Gläubigen, jedes Kirchengesetz achtet Gott, als hätte Er es Selbst gegeben. Aber während im Alten Bund die Waagebalken des Gerichtes nur Gerechtigkeit und Wahrheit waren, steht auf dem Waagebalken des Neuen Bundes Maria in der Mitte, die das Liebende Herz ihres Sohnes bald auf den Waagebalken der Gerechtigkeit legt, damit die Barmherzigkeit siege, bald auf den Waagebalken der Wahrheit, damit die Liebe rette. "Richte nicht, damit du nicht gerichtet werdest", sagt St. Heliel, und: "Wenn du Barmherzigkeit übst im Richten, so wird die Barmherzigkeit Gottes einst dich richten."

 

Freitag nach dem 3. Fastensonntag – St. Nicael 5. h. Chor

Die Heiligen, wie wir sie kennen, sind alle aus dem Neuen Bunde Gottes mit den Menschen, denn sie sind nicht mehr Knechte wie die frommen und gerechten Menschen vom Anfang der Zeit bis zur Erlösungstat Jesu Christi. Sie sind schon Kinder Gottes, losgekauft durch das Blut Christi und damit Erben des Himmels, hineingenommen in die glühende, leuchtende Liebe Gottes und in das Einswerden mit dem innewohnenden Gott.

Um wie viel mehr mussten sich diese frommen und gerechten Menschen des Alten Bundes mühen; wie rasch waltete über ihnen die Gerechtigkeit Gottes. Hören wir nur heute die Epistel über Moses, den größten Führer des auserwählten Volkes, der im Wolkendunkel bei Gott auf Sinai weilen durfte. Einen einzigen Zweifel, der nicht einmal so sehr an Gott rührte, sondern dem eigenen Unvermögen galt, bestraft Gott so hart, dass er nicht ins Gelobte Land eingehen durfte. Daran können wir die unermessliche Großtat Jesu ermessen, wie sehr es uns heute leicht gemacht wird durch die Liebe. Die Liebe ist die wunderbare Blüte des Neuen Bundes, aufblühend an jedem Kreuz und aus jedem Tabernakel und in jedem Herzen. Sie kommt aus dem erprobten, festen Schaft des Gehorsams aus dem Alten Bunde und aus der tiefen Wurzel der Gottesfurcht, die noch im Paradiese eingesetzt wurde. Und nur aus einer solchen Liebe, aus Gehorsam und Gottesfurcht kommend, strömen die Wasser der Gnade herab. Die Liebe ist das Kriterium für jeden Heiligen in der Nachfolge Christi, an der Liebe erkennt man den Grad der Gottgeeintheit. Aber hätte diese Liebe nicht Wurzel und Schaft aus der Kraft der gerechten, getreuen und gottesfürchtigen Menschen des Alten Bundes, wie sie St. Nicael betreute, so hätte sie bloß Luftwurzeln und wäre eine Schmarotzerpflanze ohne Beziehung zur Tiefe des tausendjährigen Ackers der Heiligen des Alten Bundes.

 

Samstag nach dem 3. Fastensonntag – St. Lazariel 5. h. Chor

Den Engel St. Josephs, des jungfräulich reinen Nährvaters Jesu, lässt der Herr heute Fürbitter sein, obwohl Epistel und Evangelium von den Sünden gegen die heilige Reinheit erzählen. Gott liebt es, uns diese großen Gegensätzlichkeiten vor Augen zu stellen, damit wir die Spannung ermessen können, die vom Engel herab im Geist des Menschen und vom Tier herauf im Leib des Menschen aufzuckt und sich im Kampf entlädt. Die Spannung vom Tier herauf wird angestachelt durch den Dämon, den großen Kenner der Kräfte der Natur, die er zur Sucht, zum Trieb, zur ungeordneten Leidenschaft aufpeitscht. Die Spannung vom Engel herab erhellt den Geist des Menschen und hilft ihm, die Gefahr zu erkennen und zu fliehen, hilft ihm, im Kampf zu bestehen und das Leben für die Reinheit einzusetzen. So gering das Leben St. Josephs auf Erden erscheint, so groß setzt die heilige Kirche diesen einfachen Zimmermann auf den Thron des Schutzherrn der ganzen heiligen Kirche gegen die gesamte Macht der Hölle. Welcher Mensch kann diese Spannweite ausmessen? So ist es auch erklärlich, dass Gott uns diesen Engel der Gewalt des Bundes Gottes mit den reinen Menschen wie eine ungeheure Burg vor Augen stellt, leuchtend wie ein Flammenmeer, uneinnehmbar, weil sie in der Hand Gottes ruht.

 

4. Fastensonntag – St. Merua 4. n. Chor

"Laetare", singt heute die Kirche, und der heilige Engel des Gelübdes der Armut breitet jubelnd seine Hände über uns aus. Ist es wirklich eine selige Freude für uns, wenn wir arm sind, arm sein dürfen?

Das ist eine ganz andere Armut, diese im Geiste; sie ist heilig durch ihre Abstammung, heilig in ihrem Wesen und in ihrer Zielrichtung, heilig in ihrer Wirksamkeit. Die weltliche Armut ist drückend, die heilige Armut befreiend. Aus der weltlichen Armut möchte man herauskommen, in die heilige Armut möchte man hineinkommen; die weltliche ist eine Last, die heilige eine Gabe. Die weltliche Armut möchte immer haben, die heilige Armut möchte immer geben. So sehen sie wie zwei Schwestern aus, aber sie sind es nicht. Die Abstammung der weltlichen Armut liegt im Dunkel des Sündenfalls im Paradies. Die Abstammung der heiligen Armut liegt im Herzen des Sohnes Gottes, Der das Kreuz von Anbeginn in Sich trug, der das Schutzengeltum um der Menschen willen schuf und das heilige Magdtum Seiner Mutter. Die heilige Armut im Geiste liegt den Gleichnissen von der Perle und vom Schatz und von der verlorenen Drachme zugrunde: Der Finder frohlockt und verkauft alle seine irdischen Schätze, um das Eine zu gewinnen: Gott. So kommt die Armut von Gott herab als die Schwester der Heiligkeit und Reinheit, der Weisheit und Demut, des Gehorsams und des weiten, Göttlichen Maßes. Ihr Ziel ist die Wandlung des Menschen zum glückseligen Kindsein in Gott. Sie ist die allerbeste Medizin gegen den Zerfall unserer Zeit; sie wäre die Rettung der Welt, wenn – ja, wenn der Mensch und alle Menschen sie nur lieben wollten. "Doch sie bekehrten sich nicht."

 

Montag nach dem 4. Fastensonntag – St. Edomiel 4. v. Chor

Über dieser ganzen Woche steht das Wort des Herrn: "Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich!"

Die große Zeit, in der wir leben, verlangt auch eine große und völlige Entscheidung. Entweder sammeln wir uns in Gemeinden Gottes geistiger oder sichtbarer Art, entweder gehen wir dem Guten Hirten nach, entweder bauen wir uns eine Arche – oder wir wollen nicht, wir ziehen die Freiheit der Welt vor, das Ungebundensein, den Eigenwillen statt des Willens Gottes. Dann streifen wir durch die Welt und werden Beute Ismaels, Belials oder eines der großen Dämonen und ihrer Heere. Darum stellt uns der Herr in dieser Woche die Versiegelten Engel der Endzeit vor, welche ausgehen werden, die Gemeinden Gottes zu rufen, zu sammeln, zu behüten und zu versiegeln vor dem Zerfall der Welt und vor den bis zum Himmel sich aufbäumenden Massen aus dem Abgrund.

St. Edomiel trägt das Maß, das Gesetz, die Ordnung nach dem Willen Gottes in die getreuen Völker, Gemeinden und Herzen der Menschen. Er ruft sie zusammen und lehrt sie die Treue zum Gesetz Gottes, zum Maß Gottes, zur gottgewollten Ordnung. Er schließt um sie den festen Wall der Engel und birgt sie in der Mutter Kirche als der festesten Arche, während draußen die Gesetze in die Gesetzlosigkeit fallen, das Maß in die Maßlosigkeit, die Ordnung in die Willkür. Das Maß, das Gesetz und die Ordnung aber bleiben der unzerbrechliche Gürtel um das Hochzeitskleid der Braut Christi, der Braut des Königs und Weltenrichters.

 

Dienstag nach dem 4. Fastensonntag – St. Mattatiel 4. v. Chor

Der Ruf zur Entscheidung: "Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich" ist zugleich Auftakt zur letzten entscheidenden Prüfung. In der Prüfung zu Anfang der Zeit lag gleichsam eine Dunkelheit über den Engeln. Sie mussten sich – jeder von innen heraus – aus sich selbst entscheiden in blinden Glauben, in blindem Vertrauen, in blinder Treue. Und so wird jetzt – zum Ende der Zeiten – wiederum eine Dunkelheit über die Erde kommen, wo die Menschen die Sicht auf Gott verlieren werden. Sie sind schon zu Moses Zeiten schnell vom Wege abgewichen, sobald sie Gott in der Verblendung ihres Geistes nicht mehr sahen. Sie haben in der Fülle der Zeit nicht einmal den Herrn erkannt trotz seiner Worte und Wunderzeichen. So wird es jetzt in ganz breitem Maß erfüllt werden, was der Herr von dieser unserer Zeit gesagt hat: Die Sonne – das Bild Gottes – wird sich aus allen Herzen und Ländern, die im Glauben seicht und wankend sind, zurückziehen, und im Zwielicht von menschlichem Scheinlicht und dämonischen Irrlicht werden falsche Götter des Ich, der Lebensgier, der Häresien aufstehen. Da wird St. Mattatiel in der Kraft Gottes die Gemeinden mit Menschen voll heiligen dunklen Glaubens, voll glühender Liebe und Treue füllen und sie abschirmen vor der Flutwelle der Finsternis. Sie werden das Licht der Gotteserkenntnis bewahren, während draußen dieses Licht von den Menschen verlöscht werden wird.

 

Mittwoch nach dem 4. Fastensonntag – St. Orel 4. v. Chor

Gott wendet Sich heute an jene, die sich für Ihn entschieden haben, die sich gewaschen haben im Bad der Gnade und sich gewandelt haben aus Anhängern der Finsternis zu Kindern des Lichtes. "Und wenn eure Sünden rot wären wie Scharlach – sie sollen weiß werden wie Schnee", spricht der Herr. Er erweist ihnen Barmherzigkeit, und sie werden Barmherzige, Demütige, Dankbare, Liebende. An ihren Früchten erkennt man sie, an ihren Werken der Liebe und Barmherzigkeit, der Hilfsbereitschaft und Sühne. Von diesen Früchten zehrt die ganze Gemeinde, und keiner braucht zu hungern. St. Orel sammelt die zur Liebe und Barmherzigkeit Gerufenen hinter dem Schutzwall der Engel, und während draußen in der Welt die stolzen Werke der Menschen in Schutt und Asche stürzen, bleiben die Gemeinden der Barmherzigen in Frieden. Die Mutter der Barmherzigkeit ist mitten unter ihnen, die Mutter der Gnade mit ihrem Unbefleckten Herzen. In den Gemeinden der Liebenden und Barmherzigen werden die beiden Herzen Jesu und Mariä ihre Wohnstatt aufschlagen und werden die Schatzkammern der heiligen Mutter Kirche gesichert und verwahrt bleiben.

 

Donnerstag nach dem 4. Fastensonntag – St. Jerumiel 4. v. Chor

Nicht nur die Lauen und Halben werden zur Entscheidung für oder gegen Gott gerufen werden. Wie viel Tausende haben sich als Sühne angeboten für erkaltete Priester, für zerrüttete Ehen, für verirrte Seelen! Auch sie müssen – wenn sie ihre Beute für Gott heimbringen wollen – durch diese Finsternis des Geistes gehen, auch sie werden bedrängt von den irrlichternden Versuchern und Bedrohern. Gott lässt zu, dass Seine getreuesten Getreuen geschüttelt und gesiebt werden wie Weizen. Selig, die in unwandelbarer Treue ihre kleinen, mühsamen Schritte unentwegt gegen das himmlische Ziel richten; selig die sich durch keine noch so vorteilhafte Verlockung von ihrer Pflicht abbringen lassen! Ihnen gilt das Wort vom guten und getreuen Knecht, der Tag für Tag in mühsamer Kleinarbeit seine Pflicht tut, der in den kleinsten Dingen des Alltags getreu ist. St. Jerumiel, der Liebende, wird die Getreuen unter seine Obhut nehmen, wenn draußen in der Welt die Streiks und Sabotageakte die große Parole werden. In kleinen Gemeinden, "Lagern der Heiligen", – nicht mehr Städten und Industriezentren – wird die Liebe in der Pflicht und in der Treue lebendig bleiben und dem ewigen Richter und Seinen Engeln den heiligen Boden bereiten, wenn sie kommen werden zur großen Abrechnung.

 

Freitag nach dem 4. Fastensonntag – St. Ephodiel 4. v. Chor

Hast du nicht gehört, o Mensch, wie unser Erlöser die Verwesung des Menschen in Schönheit des lebendigen, gesunden Menschen verwandeln kann? Gott will das Schöne, Er liebt das Schöne; aber diese Schönheit, die Er liebt, die verbirgt Er eifersüchtig vor den Augen der Welt und lässt sie nicht betasten und beschmutzen.

So hat Er auch die Schönheit Seiner Braut, der heiligen Kirche, versiegelt, weil Er in ihrer Schönheit die Schönheit Mariens, der Allerreinsten, sieht, liebt und bewundert. Damit setzt Er Sich beständig in Gegensatz zur Welt: Was die Welt anpreist, gilt Ihm nichts; was sie sehen möchte, verbirgt Er vor ihren Augen. Eine tiefe Weisheit liegt darin, die wir heute betrachten wollen:

Mühe dich, zu blühen vor den Augen Gottes, mühe dich um die Schönheit deiner Seele; doch wundere dich nicht, dass du, je näher du zu Gott kommst, der Welt desto fremder wirst. An deiner Schönheit braucht die Welt keinen Anteil zu haben. Der Herr wird dich siegeln mit dem unvergänglichen Siegel der Liebe zur bräutlichen Seele, die nur für Gott da ist. Mag die Welt zerfallen – der große schützende Mantel St. Ephodiels ist um dich wie eine Mauer. Und Gott wird dich bergen in Seinem Herzen.

 

Samstag nach dem 4. Fastensonntag – St. Aramphael 4. v. Chor

"Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden auf dieser Erde", so möchten wir am liebsten beten ob der Verdunkelung der Geister, ob der Einnebelung durch den bedrohenden aufsteigenden Fürsten der Welt. Alles spaltet sich: Das Wort des Herrn "Wer nicht mit Mir ist, ist gegen Mich", ist volle Wirklichkeit geworden.

Heiliger Engel, der du die Liebe Gottes auf Erden suchen sollst, um sie zu bewahren für den Herrn, findest du noch sehnsüchtige Augen, die nur nach Gott schauen? Findest du noch ein Streben unter den Menschen, Gott sein Leben zu weihen? Siehe, ich will niederknien und das Kreuz gerne halten, das Gott mir geschenkt hat, wenn du nur leuchtende Augen fändest, in denen sich die Liebe Gottes spiegelt. Ich will gerne mein Herz gegen die Lockungen der Bequemlichkeit und Trägheit verschließen, wenn du nur ein weitgeöffnetes Herz für Gott findest, das noch hungert und dürstet nach Ihm! Der Engel sagt lächelnd: "Ich habe ein Herz gefunden: Dein Herz. So will ich dich siegeln für meinen und deinen Herrn, für Gott."

 

Passionssonntag – St. Geburah 4. Chor

Du großer Engel des Kampfes, der gleich einer ungeheuren Ecksäule die Ruhe des Himmels mit der Unruhe der Erde verbindet, der du zwischen Recht und Unrecht als der Träger der Gerechtigkeit Gottes stehst, erfülle unser Herz mit wahrer und tiefer Reue über alles Unrecht, das wir in unserem Leben begingen und was wir am liebsten nie mehr sehen möchten, um uns nicht vor Dir, o Gott, und vor euch, ihr heiligen Engel, schämen zu müssen. Nur die Reue kann uns von der Seite des Unrechts auf die rechte Seite des Herrn stellen. Nur die Reue ist die Antwort auf den liebenden Gnadenruf Gottes zur Wiederversöhnung mit Ihm.

Dieses Geheimnis wollen wir heute betrachten, dass du, heiliger Engel der Gerechtigkeit, ein Engel der Liebe bist. Durch deine Augen hindurch sehen wir, dass die Liebe Gottes genauso unfassbar groß ist wie die Gerechtigkeit Gottes und dass der Größe der Liebe auch die Größte des Leides, der Sühne, der Genugtuung entsprechen muss; dass nur Du allein, o Herr Jesus Christus, als Mensch alle menschliche Schuld auf Dich nehmen konntest – und nur Du allein zugleich als Gott die wahre und entsprechende Göttliche Genugtuung für die Gott zugefügten Beleidigungen leisten konntest! Nicht Maria und nicht die Millionen heiliger Engel hätten dies tun können!

 

Montag in der Passionswoche – St. Passachiel 4. v. Chor

Die kommende Passion des Erlösers ist der goldene Kern der kommenden Passion der erlösten Menschheit. Ist denn die Menschheit tatsächlich erlöst? Ja, aber nur ein ganz geringer Bruchteil macht von dem ungeheuren Gnadenschatz der Erlösung Gebrauch. Viele gehen achtlos an den Gnaden vorbei. Wie viele lächeln spöttisch darüber! Viele greifen wohl danach, aber nur solange es ihrem Eigenwillen, ihren Trieben nicht weh tut; dann aber horchen sie auf sich und nicht mehr auf Gott.

Siehst du, o Welt, den dunklen Regenbogen, der da langsam vom Himmel herabkommt in Farben wie Rauch und Blut, wie Hagel und zündender Blitz? Das sind die Engel, die Gott über dich senden wird, weil du dich nicht bekehren wolltest! Die Bewohner von Ninive bekehrten sich. Du wolltest nicht! So rüsten sich die Engel mit den Zornschalen. O neuheidnischer Mensch, du glaubst, du seiest steril gegen alles? Was tust du, wenn sich alles Wasser auf Erden verändert und dein Blut gerinnen macht?

Greife lieber rechtzeitig nach der rettenden Hand Mariens, der Königin der Engel, die dir die Maske vom Gesicht lösen und deine arme, nackte Seele in das Blut Christi heben kann, denn nur dieses Blut allein wird lebendig bleiben und kann dich retten. Wisse: St. Passachiel, der zweite der sieben Zornschalenengel, hat Liebe in seiner Schale, genauso viel Liebe wie Gerechtigkeit. Wer Gottes Eigentum sein und bleiben will, verkostet die Liebe; – wer die Liebe nicht hat, erhält die Gerechtigkeit!

 

Dienstag in der Passionswoche – St. Amphiel 4. v. Chor

Ein geheimnisvoller Engel ist dieser, der sechste der sieben Zornschalenengel: Der Engel unserer Tage! Von ihm heißt es: "Er trocknet das Wasser aus, damit der Weg offenstünde für die Könige aus dem Osten ..."

Das Wasser, das hier gemeint ist, das ist die helle, fließende Gnade der Erkenntnis, des geistigen Lebens aus Gott und hin zu Gott. Und wenn wir ringsum schauen, da könnte uns Entsetzen packen, wie spärlich nur mehr diese helle, fließende Gnade der Erkenntnis durch die Welt sickert – von Strömen ist gar keine Rede mehr.

Aber an allen kleinen Bächlein stehen die Engel mit ihren Schützlingen, und die Menschen knien und trinken, während ringsum die Finsternis der Gottfremde, der Gottlosigkeit einbricht. Die Könige aus dem Osten zertreten die Wasserläufe, und das Blut der Menschen wird den Boden bedecken. Gott verbirgt Sich; Er ist nur in den kleinen Lagern der geringen Herde noch zu finden.

Hilfe! Hilfe, o Herr, für unsere Priester! Lass sie nicht der Verfinsterung anheimfallen! Denn ohne Priester haben wir kein tägliches Brot!

 

Mittwoch in der Passionswoche – St. Osael 4. v. Chor

Er ist der dritte der sieben Zornschalenengel und gießt seine Schale anders aus als die übrigen, nämlich so wie ein Pendel: Einmal nach links geneigt und einmal nach rechts.

Das soll Bild sein für das Wort, das seit Anfang der Zeiten im Menschenherzen der Begriff für "Gerechtigkeit" ist: Wie du mir – so ich dir. Wie du getan, so wird dir vergolten. Und das Härteste, das du getan, ist die Sünde wider den Geist, wider die Liebe, wider das Kind. Wer gegen den Geist sündigt, dessen Geist fällt in den Abgrund. Wer die Liebe Gottes missachtet, der wird an der Herzenskälte der Menschen zugrunde gehen. Eltern, welche ihr Kind fahrlässig den Dämonen der Augenlust, der Fleischeslust, der Hoffart preisgeben – deren Kind wird zum rächenden Mörder seiner Eltern werden. Nur die Liebe Gottes allein wird wie eine Arche von den Engeln über diese Sintflut geführt werden, und wer sich das untrügliche Zeichen der Liebe durch das heilige Kreuz verdient hat, kann in diese Arche eingehen.

Herr und Gott, wie schrecklich sind Deine Gerichte – und doch bist Du allein der Gerechte, der Heilige, der Barmherzige Gott! Erbarme Dich unser und lasse niemand aus unserer geistigen und leiblichen Familie verlorengehen!

 

Donnerstag in der Passionswoche – St. Ashariel 4. v. Chor

Er trägt die fünfte Zornschale Gottes und gießt sie aus über die Feinde Gottes. So wie einst das Ägypterreich von den großen Plagen heimgesucht wurde, damit das Gottesvolk endlich frei werde, so wird jetzt das ungeheure Reich der Dämonen von Macht und Geld und Gottlosigkeit, das zwei Drittel der Erde bedeckt, heimgesucht. Die eigene Macht untergräbt sie, im eigenen Gold ersticken sie selbst. Da sie dem Volk den Glauben raubten, so glaubt das Volk auch ihnen nichts. Es bleibt nur die brutale Knebelung; und keiner ist sicher, dass nicht eine Gegenströmung ihn selbst zum gleichen Martertod schleift, mit dem er die anderen ausrotten wollte. Der Glaube heißt dort "satanische Klugheit", die Hoffnung ist Vergeltungsdrang geworden, und die Liebe ein gesetzlich geregelter Naturtrieb, mehr nicht. Heißt es nicht am Anfang der Genesis: "... und Finsternis lag über den Wassern?" Der Ring schließt sich: Finsternis lagert über der Erde.

 

Freitag in der Passionswoche – St. Abbael 5. h. Chor

Mitten unter den heiligen Engeln dieser Woche, die das Menetekel für uns an die Wände des Himmels schreiben, steht diese stille, hohe und hehre Gewalt: St. Abbael, der das Kreuz hält.

Warum geht es von ihm wie in lichten Strahlenbogen aus? Seine Hände umklammern das Siegeszeichen für Zeit und Ewigkeit. Wie oft haben wir St. Abbael schon gesehen! Erschütternd nahe dem neugeborenen Kind im Stall zu Bethlehem, damit der erste Blick des Menschensohnes auf dieses heiligste Erlöserwahrzeichen falle. "Deswegen bin Ich gekommen, den Willen Meines Vaters zu tun ... Ich und der Vater sind eins", dargestellt in den beiden Kreuzesbalken. Und so wie einst zur Geburt Jesu, so steht St. Abbael bei jeder heiligen Profess vor der bräutlich liebenden Seele, und sie empfängt als erste Weihegabe ihre Obern das Kreuz. Wenn aber der Mensch von Gott, dem Herrn über Leben und Tod, zum Gericht gerufen wird, dann steht St. Abbael im Namen der Schmerzensreichen zwischen dem Richter und der Armen Seele, und im Kreuz treffen sich die Blicke beider. Und hier heißt das Kreuz: Barmherzigkeit, o Herr! Um Mariä willen lass dieses Kreuz das Siegeszeichen der Erlösung für diese Seele sein.

Halte dich an das Kreuz, o Mensch, denn damit hältst du dich an die heilige Kirche, an den Engel, an Maria, an Gott Selbst – und du bist gerettet!

 

Samstag in der Passionswoche – St. Zarachiel 4. v. Chor

Der in der Mitte der sieben Zornschalenengel steht, er leuchtet wie in Weißglut. Mit Feuer muss Gott aus dem Menschenherzen heraus brennen alle Verlogenheit, alle Verflachtheit, alle Verfaultheit, alle Vergiftetheit, alle Versumpfung, alle Verhärtetheit, alle Verbogenheit. Anders als mit Feuer kann der Herr am Ende der Tage nicht retten ... In diesem Feuer wird sich zeigen, ob sich der Mensch ein lebendiges Herz bewahrt hat, in dem die Liebe Gottes wohnt, denn ein solches Herz wird selbst aufleuchten wie der weißglühende Engel. Kein Feuer kann diese Liebe vernichten, die aus dem Herzen Gottes ins Menschenherz gekommen ist. Wessen Herz aber nur mit Erde erfüllt ist, mit irdischen Wünschen und mit irdischen Besitz, dessen Herz zerfällt im Feuer Gottes zu Asche. Und so wahr das Wort Gottes ist, so wahr ist die Liebe Gottes, und so wahr ist das Gericht Gottes.

Noch kann sich der Mensch retten, noch kann er wie Magdalena rechtzeitig seine Begnadigung erlangen. Selig der Mensch, der bereut. Im Himmel ist mehr Freude über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 Gerechte, die glauben, keiner Buße mehr zu bedürfen. Das Wasser der Reuetränen löscht jedes Feuer der Strafe.

 

Palmsonntag – St. Oriphiel 2. Chor

Einen Cherub von dräuender Kraft wie ein unerbittlicher Vollstrecker des Willens Gottes sehen wir heute als Fürbitter, wo doch der Festjubel wie eine lichte Weihrauchwolke über der Palmenweihe hängt.

Ölzweige hat heute das Volk dem einziehenden Herrn vor den Toren von Jerusalem gestreut. Aber schon drei Tage darauf werden die Zweige derselben Ölbäume über den zitternden Leib des Herrn streichen. Und über diesen Zweigen wird der Bote des Vaters, St. Oriphiel, dem Herrn nahen und Ihm ehrfürchtig den Kelch der Stärkung reichen.

Warum steht schon heute St. Oriphiel hier? Er ist Cherub des Sohnes, und der Herr sieht weiter als bis zu den Palm- und Ölzweigen, die Ihm das Volk von Jerusalem lobsingend darbringt. Er hört schon heute das "Crucifige!". Aber Er ist der Kämpfer: Gehorsam und Treue kennen kein Zurück. Er ist der Keltertreter und bereit, den Willen des Vaters zu erfüllen; der Vater wird Ihm hindurch helfen zum Sieg.

Darum ist St. Oriphiel keine zarte, lichtumflossene Tröstergestalt; er zeigt in seiner wuchtenden Größe die größte Schlacht aller Zeiten an, die vor dem Herrn liegt. Jetzt wird der Fürst dieser Welt besiegt, jetzt werden die Riegel der Vorhölle fallen, jetzt werden die Tore der ewigen Seligkeit aufgebrochen.

Aber jetzt wird der letzte Blutstropfen aus dem Herrn gekeltert. Wir wollen mit großem Ernst und Schweigen, horchend, gehorchend und betend in die kommenden heiligen Tage hineingehen!

Die Engel Russlands

Die Engel Russlands stehen zu Beginn der Karwoche vor unseren Augen – nicht so sehr als unsere Fürbitter, sondern um unsere Fürbitte flehend. Wenn wir heute die Epistel hören, so denken wir: Der Herr ist mitten unter seinem russischen Volk, wenn Er sagt: "Ich aber widerstehe nicht und weiche nicht zurück. Meinen Leib biete Ich denen hin, die Mich schlagen, und Meine Wangen denen, die Mich zerraufen ..."

In der wunderbar ehrfürchtigen Liturgie der Ostkirche sehen wir diese tiefgebeugten Engel mit ihren ganz weit aufgerissenen und auf Gott hinschauenden Augen. Viele haben Ketten. Viele gehen gebeugt und schneiden mit ihrer Sichel die erfrorenen Stoppeln längst abgeernteter, brachliegender Äcker als dürftigste Erntegabe für Gott.

Viele tragen geborgen in den Falten ihrer Gewänder, Kelche und Ikonen. Eine Gruppe von Engeln hält von der Höhe herab einen dichten erddunklen Schleier, der mit einem Zipfel am Boden schleift. Die Engel in der Höhe haben lange, schmale Posaunen, aber die Engel auf der Erde (in der Tiefe) haben ihre Posaunen abgebrochen.

So sollen wir die Engel dieses Landes sehen: Sie haben ihre Häupter in der Anschauung Gottes, sie gehen über zusammenstürzendes Land. Der Schleier, der vom Himmel über dieses heimgesuchte Land fällt, ist das Bild der Ungeteilten Armut: Oben in der Höhe ist sie rufend in der Kraft Gottes, die Menschen auf Erden haben sie schweigend gemacht.

 

Montag in der Karwoche – St. Bathuel 4. v. Chor

Er ist Engel des Gerichtes. Er spannt den Bogen vom Wort der Geheimen Offenbarung: "Fürchte Gott und lobpreise Ihn, denn die Stunde Seines Gerichtes ist gekommen" – zum Wort im Messopfer heute: "Steh auf, mir zu helfen ..." und: "Der Herr ist mein Helfer, alle Feinde zerfallen wie ein Kleid, das die Motte zerfrisst."

Die Brücke ist die Reue, vorab die Liebesreue. Gott beantwortet diese Reue mit der Gnade des Bußsakramentes, durch das die Seele im Gericht bestehen kann und den Herrn Selbst als Helfer herbeizieht. Gnade, Kraft, Wiederherstellung, heilige Wandlung, das ist die festeste Brücke. Die heilige Maria Magdalena ist sie gegangen, St. Petrus ist ihr gefolgt, und der rechte Schächer durfte auf ihr das Wort Jesu tragen: "Heute noch wirst du bei Mir im Paradiese sein."

So stark ist dieser Bogen von der Erde zum Himmel, dass Millionen Menschen seither diesen Weg gegangen sind über die Brücke der Reue, gehalten von der Kraft des heiligen Engels der Liebesreue, St. Bathuel. Die Tränen der Reue machen unsere Augen klarsehend und stärken unser Herz zu Opfermut und Bereitschaft. Darum steht dieser große heilige Engel der Liebe mit dem Krug der Reuetränen am Anfang der Karwoche, in die wir sehend eintreten sollen und opferwillig, um mit dem Herrn zu gehen, auch ins Leid.

 

Dienstag in der Karwoche – St. Purim 4. v. Chor

Drei Engel werden in der Geheimen Offenbarung genannt als Gerichtsengel, und der heute vor uns steht, ist der zweite der drei: Ein hoher Kämpfer für die Liebe. Er hat auf seinem Schild den Namenszug Mariens, der Mutter des Herrn. Er hat seinen Fuß am Höllentor stehen. Aber seht! Nun zieht er ihn weg! – Sein Siegel wird gelöst!

Wie Qualm steigt es herauf, verdunkelnd die ganze Welt. Gift atmet der Geist des Menschen ein, und vergiftet ist das Wort, das dem Herrn nicht mehr dient, sondern voll dieses Qualms ist. "Die neue Zeit!", sagt der Mensch bewundernd – und es wird nicht lange dauern, so hat er das Zeichen des Tieres auf Stirn und Händen, wird klug und geehrt und kommt zu Macht und Eigendünkel, so dass er meint, die Sterne am Himmel seien für ihn da als nächstes Ausflugsziel.

Das Zeichen Mariens aber ist nicht auszulöschen. Die Wut der Hölle brandet dagegen: "Marienerscheinungen sind Einbildungen, Wallfahrtsorte sind Unfug, Marienverehrer sind alte Weiber, selbst in Hosen."

Langsam tritt St. Purim zurück und überantwortet gerade die großen Schreier zuerst den Drangsalen durch den Bösen. Wer ist groß vor Gott? Nur mehr der Kleine, der Arme, die demütige Magd, der reumütige Sünder. Schweigend lenkt St. Purim – genau nach Gottes Willen – die glühenden Höllenwogen von hier und dort ab, um die Kinder Mariens, die Lager der Heiligen, zu bewahren. Fallen wird nicht Gott, nicht Seine Kirche – fallen wird Babylon mit allen seinen Vororten, die sich bis in die Kunst, in die Verlage, in die Führerzentren hineinschieben. Wachet und betet! Die Stunde der Heimsuchung ist nahe!

Der Engel der Flüchtlinge – Schutzengel

Mit einem grauen Wanderkleid, einer Tasche und einem Stab ziehen sie aus, denen beizustehen, die fort müssen aus ihrer Familie, aus ihrer Heimat, aus aller Geborgenheit. Sie sind Schutzengel der Erde. Sie sind vertraut mit den primitiven Verhältnissen der Armen, der Verlassenen, der Obdachlosen und Heimatlosen. Die barmherzige Liebe Gottes flutet durch sie hindurch, und sie können geben wie erquickende Brunnen. Sie haben das Brot in der Tasche in kleinen Stückchen, und wenn sie geben, ist es wie ein in Wein getauchtes heiliges Brot. Da verstummen die Anklagen, die Hilferufe, das Weinen. In dieser Stärkung liegt die Erkenntnis der nahen ewigen Heimat, die nichts und niemand rauben kann, die jedem dieser Armen sicher ist, auch wenn er ohne Priester stirbt, auch wenn er in Verzweiflung stirbt. Die Maße Gottes sind ganz andere als die Menschenmaße. Die Sturzbäche der Verzweiflung aus unverschuldeter Not münden immer ein in das Meer der Liebe Gottes, wo alle Not ein Ende hat. Wer von den Engeln der Flüchtlinge geführt wird, geht nie für die Ewigkeit verloren.

 

Mittwoch in der Karwoche – St. Esdrael 4. v. Chor

Wie ein heißer Wind bricht es in der Mitte dieser Woche auf. Die Köpfe der Menschen erhitzen sich wie im Fieber: Was hat Jesus Christus überhaupt auf der Erde zu tun? Was hat Er noch für eine Berechtigung? Wir brauchen keinen Gott, wir brauchen keine Erlösung; wir erlösen uns selbst durch die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft, der Medizin, durch Macht und Geld!

Ein Dämon beginnt seinen Siegeszug: Der Dämon des Verrates, der Fürst der Welt, jahrhundertelang hat er vernebelt und durch Spott und Spaltung seinen Endsieg vorbereitet. Wie hat er die Klage des Herrn: "Nicht eine Stunde lang konntet ihr mit Mir wachen!" nach außen hin lächerlich gemacht und nach innen gefördert, damit ja die ganze Menschheit, die ganze Kirche müde werde, ohne Schwung, ohne brennenden Eifer, ohne wache Bereitschaft!

Aber immer, wenn der Teufel meint, gewonnen zu haben, lässt er seine Maske zu früh fallen. Er hat die Macht des letzten der drei Gerichtsengel unterschätzt. St. Esdrael hat eine siebenfach gebündelte Kraft; er ist der Engel des Blutes. Er deckt das Blut Christi in jedem Priester von seinen Hüllen los und rüttelt ihn mit Macht: "Auf, auf! Die letzte Stunde deines Wirkens ist da! Soll ich dich wie ein Bündel Unkraut hinunterwerfen?"

Er trennt die Mutter von den Kindern, wenn Gott sie zu einer Sendung ruft; er trennt den Sohn vom Vater, wenn er einen Sühne- oder Missionsweg zu gehen hat; er schneidet unerbittlich alles Halbe und Faule ab, sobald Gott die Hand hebt zur letzten Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse. Er ist Engel der Liebe, aber der eifernden glühenden Liebe, die stärker ist als der Tod und alles Wüten der Unterwelt. Wer das Zeichen des Tieres an sich hat, verfällt dem Strafgericht, und kein Dämon wird ihn retten, im Gegenteil: Die Hölle freut sich nur, möglichst viele Menschen zu betrügen, zu vernichten.

O heiliger Engel, lass uns nicht in die Finsternis fallen, sondern pack zu, auch wenn es uns weh tut, damit wir gerettet werden. Amen.

Die Engel des Morgenlandes

Ein Wort liegt wie eine knisternde Wolke über ihnen: "Steht auf, denn eure Erlösung naht!" Was dies zu bedeuten hat, wird wohl erst die Zukunft weisen. Aber diese Engel sehen aus – nur vergleichsweise angedeutet – wie die Armen Seelen im letzten Stadium ihrer Läuterung, kurz vor ihrem festlichen Einzug in den Himmel:

Sie sind alle in froher Erwartung.

Viele füllen frisches Öl in die Krüge, viele haben ein Messrohr zum Abstecken irgendwelcher Maße auf der Erde, aber viele tragen noch Fesseln, obwohl sich auch in ihren Zügen ein freudiges Harren spiegelt.

Sie stehen wie in einem großen Viereck, das sich aber über eine weite Landstrecke ausdehnt. Höre, was gesagt wird, und sieh: Sie pflügen ein das Blut aller Martyrer, und auf jedem Tropfen steht: Credo.

Sie säen darüber die heilige Armut, die Lauterkeit, die heißt: Ecce. Sie gießen die Fluten darüber: Die Reuetränen. Dann sagen sie: "Herr, komme!"

 

Gründonnerstag – St. Makariel 5. h. Chor

"Hoherpriester nach dem Herzen Gottes" – ein geheimnisvoller Engelname. St. Makariel, die Hohe Gewalt, die Ecksäule der Kirche, trägt die Gewalt des Priestertums in der ungeheuren Spannweite von der Demut der Fußwaschung bis zur Höhe der Wandlung von Brot und Wein in des Herrn Leib und Blut. Heute steht dieser Engel vor uns mit der Patene, über die sich ein dreifacher Lichtbogen wölbt. Und wir können erkennen: Drei haben Anteil an der heiligen Wandlung: Der Vater wandelt durch den Sohn, der Sohn, das Wort, wandelt durch Sich Selbst, der Geist wandelt im Sohn. Aber der Gewandelte, Christus in Seinem Leib und Blut, wird uns armen Menschen gegeben! ... Wer kann dies fassen? Dreifach sehen wir auch die Kommunion:

Die Kommunion des Brotes – sie ist die Kommunion des Lebens; die Kommunion des Wortes – unser Geist nimmt das Wort Gottes in sich auf, das Wort geht in uns ein; es ist die Kommunion der Kraft; die Kommunion des Herzens – der Vereinigung mit dem Herrn in jedem heißen Liebesakt; es ist die Kommunion der Liebe.

So wird die Kommunion der Liebe vom Geist getragen, die Kommunion des Wortes vom Wasser der Gnade, die Kommunion des Brotes vom Blut, vom Lebensstrom Christi.

Wenn nun der Herr sagt: "Ich habe euch ein Beispiel gegeben ..." – wie ist unser Beispiel? Wandeln wir uns oder lassen wir uns wandeln nach des Herrn Willen? Geben wir uns selbst in unserem Wort, in unserer Liebe und mit unserem ganzen Leben?

St. Sadiel 8. Chor

Er steht im Namen der heiligen Kirche hier vor dem Allerheiligsten, umgeben von den Tabernakelengeln. Aber ringsum düstert es auf der Welt – und es ist keine natürliche Dunkelheit. Es ist Prüfungszeit inmitten der dämonischen Finsternis. Man sieht den brokatenen Mantel St. Sadiels nur vom Schein des Tabernakels her; die Menschen ringsum sind schon ins Dunkel getaucht. Aber es sind ebenso viele Menschen wie Engel. Wie viel Erbarmen Gottes liegt in diesem Seinem Willen, dass Mensch und Engel gemeinsam diese Strecke Weges durch die Nacht der Wüste gehen sollen!

Alle Engel haben einen Kreuzstab und daran lassen sie den Menschen sich halten, da sie eine Hand freihaben müssen zur Abwehr und zum Kampf. Die Ölbergnacht der Welt ist bitter und hart. Aber die Braut Christi wird sie bestehen, die Hölle wird sie nicht überwältigen, wohl aber wird jedes einzelne Glied der Kirche geprüft. Das Erkennungszeichen ist die Liebe.

 

Karfreitag – St. Taumatim 4. n. Chor

O Tag der größten und nicht zu Ende denkbaren Gegensätzlichkeit! Ein Schmerz ohnegleichen – ein Sieg ohnegleichen!

Ein zerbrochenes Schwert – ein leuchtendes Siegesschwert!

Eine Dornenkrone des Zertretenen – eine Königskrone aus den Sternen des Weltalls!

Ein bespiener roter, alter Soldatenmantel um den zerrissenen Leib des Gegeißelten – ein Königsmantel aus Gnaden des Erlöserblutes um die ganze Menschheit!

Da kniet St. Taumatim in der Mitte. Er schwankt von der Wucht dieser Gegensätzlichkeit. Er hält mit seiner ganzen Kraft die goldene Schale dem Herrn hin, und leise, ganz langsam, tropft es hinein vom Haupt des Herrn, Tropfen um Tropfen.

Dann versiegt es. Dann der Schrei: "Es ist vollbracht!" und wie ein unstillbarer Sturzbach füllt jetzt das Blut die Schale St. Taumatims und rinnt über und rinnt bis heute und bis zum Jüngsten Tag.

St. Sederim 5. v. Chor

Auch er schwankt. Das ganze Sein des Engels hier unter dem Kreuze gleicht einem Kraftwerk in seinem höchsten Leistungsstand. Hier ist der Schnittpunkt für Himmel und Hölle, für Sein und Nicht-Sein jedes Menschen, jedes Engels. Hier erkennt der "Lichtträger" sein Irrlicht, hier unter dem Kreuz ist seine Hölle, sein Abgrund, dem er nicht mehr entgeht. Hier gipfelt die Erlösung im Jubel der Heimkehr zum Vater nach vollbrachter Tat. Hier ist zu ermessen, welche Kraft das Leid hat, wenn es im Herrn getragen wird, – aber auch, dass Gott diese Kraft will und darum das Leid unsere stärkste Waffe und der Magnet für alle Gnaden aus dem Herzen des Herrn ist.

Wie ein Feuerwerk sprühen die Funken zwischen den Händen St. Sederims hin und her. Die Gewalt der Liebe im "Komme" an die Seele ist nicht zu bändigen, – die Gewalt der Gerechtigkeit im "Weiche" für alle, welche das Kreuz nicht erkennen und annehmen wollen, ist zerbrechende Wucht für jedes Geschöpf, das sich wider Gott stellt. Hier ist Phase – Vorübergang des Herrn!

Der Engel der neunten Stunde

Er ist ein einfacher Engel, gleich St. Nun, dem Engel der Geringsten, der Hirten und Bettler, den wir in seinem schlichten Kleid mit dem hölzernen Schäflein in der Hand an der Krippe von Bethlehem knien sahen.

Dem Allmächtigen Gott gefällt es, Sich oft in dem Kleinsten, im Einfachsten am klarsten zu spiegeln; denn der Arme hat nichts, was er von sich aus dazugeben könnte und was so den Spiegel trüben würde. Dies zeigt uns Gott im "armen Engel" der Hirten, und Er zeigt dies wiederum heute im schweigenden Engel der neunten Stunde.

Von dieser neunten Stunde sagt die Heilige Schrift:

"Von der sechsten bis zur neunten Stunde entstand eine Finsternis im ganzen Lande. Zur neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: "Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?"

In dieser Dunkelheit der neunten Stunde liegt die Aufgabe des Engels, der ganz still hinter St. Taumatim, seinen großen Bruder, gestellt ist.

Wir dürfen ihn erkennen auf seinem Platz unter dem Herzen des Herrn am Kreuz. Er kniet auf der bloßen Erde, und vor ihm tropft das Herzblut des Herrn herunter, und jeder Tropfen wird – gleichnishaft – zu einer einmalig seltsamen, heilig-wunderbaren Blume. Diese Blumen, aus Jesu Wunden rot, sie hat der Engel in alle neunten Stunden der Getreuen Jesu zu tragen, durch alle Zeiten und zu allen Orten. Überall, wo die Not am größten ist, da legt der heilige, stille Engel diesen blühenden, lebendigen Liebestropfen auf verschüttete Menschen, auf untergehende Schiffe, in einstürzende Bunker, auf ersterbendes Flüstern. Kein Schneesturm und keine Atombombe wird den Engel abhalten, in die neunte Stunde aller Kreuzträger diesen Liebesgruß des Herrn zu bringen und die Not der Menschen ihnen abzunehmen und ins Herz des Erlösers zu leiten. Dann wird der große Friede über die gequälten Seelen kommen und das befreiende Consummatum est. Und wenn gar ein Mensch die Gnade hat, an einem Freitag zu sterben und seine Todesstunde dem Herrn "nachzufeiern", dann wird dieser heilige Engel einen solchen Frieden über dieses Angesicht legen, wie ihn die Welt und ein ganzes Leben niemals geben kann.

 

Karsamstag – St. Chud 7. Chor

Kaum ein Tag im ganzen Kirchenjahr ist so reich in der Symbolik und Größe seiner gottesdienstlichen Handlungen wie dieser.

An kaum einem anderen Tag sind die Engel der Kirche so vigilmäßig feierlich und gesammelt wie heute. Der die Tore der Kirche öffnet, ist St. Chud, der zehnte der zwölf Mächte der heiligen Kirche, der Behüter der heiligen Orte. Wie leuchtet sein Angesicht, da nun das Dunkel aus den Kirchenräumen schwindet und mit dem Exsultet die brennende Osterkerze ihren Einzug ins Kirchenschiff hält! "Es werde Licht", singt der Diakon, "und es ward Licht!"

O, steh du, heiliger großer Engel der Kirche, heute auch an den verlassenen, versperrten, verbrannten, verfallenen Kirchen! Rufe die Scharen deiner Begleiter herbei, dass sie auch von diesen trostlosen Stätten aus Gott anbeten und ihr Exsultet singen, wo so viel Schuld, so viel verlassene Ernte auf das Gericht wartet. Bitte den Allmächtigen Gott um Sein Erbarmen für die noch stehenden Kirchen, dass der böse Feind in dieser Endzeit nicht Kirche um Kirche vernichte und damit dem Volke das Brot, die Liebe und das Leben raube!

St. Roph 3. Chor

Die Erde verharrt in zitternder, ehrfürchtiger Stille, solange der Leib des Herrn in ihrem Schoß ruht. Schweigend kniet der Engel der Erde neben der Mutter des Herrn. Durch den Fluch des Schöpfers ist die Erde an die Verwesung gebunden worden. Nun aber hat Gottes Sohn Selbst diesen Fluch gelöst, indem Er als Erstling des Neuen Bundes Seinen Leib unverwest dem Schoß der Erde entnimmt. Das ist die Stunde der großen heiligen Verkündigung an die Schöpfung: Von nun an darf sie der Geburtsstunde der neuen Erde entgegengehen, und mag sie auch jahrhundertelang in Wehen seufzen – einmal darf sie alle Verwesung abstoßen und wieder jungfräulich werden, rein, neu.

"Segne, o Herr", betet der Engel der Erde, "Der Du die Erde so begnadet hast, dass sie Dich umschließen durfte, dass das Linnen und der Saft der Kräuter in der Zeit der Grabesruhe bei Dir sein durften! Segne den Boden, darauf Deine Apostel und Jünger gehen werden, um Dein Wort zu kündigen! Segne das Brot, das Deine Priester wandeln in Deinen Leib! Segne den Wein, der gewandelt wird zur Rettung der Seelen in Dein Blut! Segne das Öl und den Weihrauch, segne das Gold für Deine Kelche und das Wachs für Deine Leuchten. Segne die Blüten Dir zur Freude und die Früchte zu Deiner Ehre! Segne alles Leben auf dieser Erde, damit es Dir diene, denn was Du tust, ist gut. Komm, o Herr, damit Deine Braut sich bekränzen und Alleluja singen kann!"

Der Engel der Geborgenheit

Als unser Herr und Heiland am Kreuze verblutete und in Seiner bittersten Verlassenheit zum Vater im Himmel aufschrie, da lief eine Träne aus Seinem brechenden Auge.

Viele, viele Engel sind damals um Golgotha gekniet, aus allen Chören. Aber jener, der die letzte Träne des Herrn auffing mit seinen schlanken Händen, so dass sie darin liegen kann wie eine kostbare Perle, das ist ein Engel, dessen Macht erst in den letzten Tagen der Erde voll zur Geltung kommen wird. Es ist der Engel der Geborgenheit in Gott, der versiegelt ist bis zur Endzeit.

Er trägt diese letzte Träne Jesu Christi in seinem Schützeramt, denn sie ist das Unterpfand für unsere Geborgenheit in Gott, wenn nichts anderes uns mehr Geborgenheit bieten kann und wir zum Lager der Heiligen geworden sind, zur "wandernden Kirche" der letzten Tage.

Die Auswirkung dieser kostbaren heiligsten Träne beginnt schon auf Golgotha, denn kein Mensch wird seit unseres Herrn Tod diese Verlassenheit mehr zu erleiden haben. Die Verlassenheit unseres Herrn hat Ihm und uns allen die Geborgenheit eines Kindes beim Vater geöffnet. Nicht einmal die Sünde kann uns je so weit hinaus stoßen, dass wir Gottlos, Gottverlassen bleiben gegen unseren Willen, sondern der Herr geht uns nach; Er wartet vor unserer Türe, bis wir Ihm aufmachen. Er lässt uns nicht allein. Und wenn für uns Stunden bitterer Verlassenheit kommen sollten, schauen wir auf diese Träne, darin sich die ganze Liebe Gottes zu uns spiegelt. Dann werden wir erkennen, wie weit Gott uns schon entgegengekommen ist, um uns zu helfen, uns zu trösten, uns nahe zu bleiben. Dann lassen wir es ruhig Karsamstag werden, es ist nicht mehr weit zum Ostersonntag!