Ostersonntag – St. Ish 1. Chor

Der heilige Evangelist Johannes, dessen Aufzeichnungen über die Passio unseres Herrn Jesus Christus wir vorgestern hörten, beginnt sein Evangelium mit dem einzigartigen Prolog, den wir alle kennen: "Im Anfang war das Wort" ... "Und das Wort ist Fleisch geworden ..."

Der Sohn also ist das Wort und in Seiner Schöpferkraft der Geber des Wortes an uns Menschen. Kein anderes Geschöpf hat das Wort empfangen außer uns. Wir sind die geschöpfliche Schale des Wortes, darin Sich das ewige Wort mit dem Blut der Reinsten Jungfrau vermählt und Fleisch wird, Mensch und Gott zugleich, unser Herr Jesus Christus. Wir können dieses Geheimnis nur kniend annehmen im "Herr Jesus, erbarme Dich meiner!"

Alles um den Herrn ist Geheimnis, so wirklichkeitsnahe Er durch das Leben gegangen ist. Sein Wort ist Geheimnis, in Seinem Wort ruht die Kraft Gottes. Seine Erlösung ist blutiges Geheimnis; das Wort hat Sich alle unsere – des Wortes – Sünden mit Geißeln, Hieben, Dornen und Nägeln an Seinen Leib heften lassen, weil Es uns heilt und rettet, weil Es mit uns eins sein will und wir Sein Leib. Wer kann dies zu Ende denken? Wiederum können wir nur knien und stammeln: "Herr Jesus, erbarme Dich meiner!" – Das größte Geheimnis liegt im Wort: "Nehmet hin und esset, dies ist Mein Leib ... nehmet hin und trinket, dies ist Mein Blut".

Hinter diesem Wort liegt die ganze Allmacht Gottes, die ganze geheimnisvoll drängende Liebe Gottes und das ganze fürchterliche Gericht Gottes. – Dies alles musste zuvor gesagt werden, wenn wir St. Ish, den Engel des Wortes, erahnen wollen. – Er steht auf dem Hauch Gottes, dieser Engel, verhüllt mit dem Mantel des Göttlichen Geheimnisses.

Er spiegelt Dreifaches in seinem Angesicht (und Angesicht heißt: Sein):

Die allmächtige Schöpferkraft des lebendigen Wortes ("Es werde! ... sein;

die allweise Erlöserkraft des kündenden (lehrenden) Wortes ("Wer an Mich glaubt, wird gerettet ...; wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, hat das ewige Leben ...");

die liebende Hauchkraft des weckenden, wandelnden, treibenden Wortes ("Ich sende euch ..." und "Was immer du binden wirst auf Erden ...")

Heute aber leuchtet dieser Engel in wunderbarem Glanz, denn heute ist das Wort aus eigener Kraft auferstanden vom Sühnetod für alles Wort, das vor dem Dreieinigen Gott ausgebreitet liegt in Gedanken, Lauten, Taten.

Heute rauscht unter seinem Mantel hervor die Quelle, die erlösende Gnadenquelle für die ganze Menschheit, kommend aus dem Herzen Gottes. Sie wird bis zum Jüngsten Tage nie mehr versiegen. – Kyrie eleison, Alleluja!

Der Seraph Jesu 1. Chor

Es ist der Seraph des Sohnes, der in der Mitte der Sieben steht, die wie flammende Feuerräder rund um den Thron Gottes kreisen. Heute ist sein Ehrentag: Heute erglänzt der Name des Siegers Jesus Christus über allen Himmeln. Heute hat sich nicht nur der Gottmensch Jesus aus eigener Kraft vom Tode zum Leben gewandelt, Er hat mit Seiner Auferstehung von den Toten die gesamte Schöpfung in diese erlösende Wandlung hineingenommen. Verschlungen ist der Tod im Sieg. Tod, wo ist dein Stachel?

Das sagt der Seraph hinauf zum allmächtigen Gott: "Es jubelt die Schöpfung, Er kommt, der Retter!"

Und das sagt er hinab zum Menschen, der tiefgebeugt vor Gott kniet: "Siehe deinen Erretter, Der mit Seiner Erlöserkraft das Nicht-Seiende (das sterbliche Geschöpf) in das Seiende aufnimmt (in Sich zieht, in Sich hineinnimmt)."

St. Binah 3. Chor

Um den Sieger-Sohn stehen der Vater-Gott und das reinste Geschöpf, die Mutter Maria. Wenn Maria auch nirgends im Osterevangelium namentlich genannt ist, sie war doch die erste, still und verborgen, die den Auferstandenen anbeten durfte. Zwischen ihr und dem Vater steht der Sohn, nicht neben ihr – über ihr. Aber sie ist in eine solche Fülle des Lichtes getaucht, dass es aussieht, als hätte sie ihre Arme wie flammende Flügel über die ganze Schöpfung gebreitet. Die stille Mutter, die Tochter des Vaters, mit welch zärtlicher Liebe umgibt Er sie mit dem Glanz der Erlösung, der Gandenfülle!

Und nun ist es zu erkennen: Es sind nicht die Arme Mariens, die wie Flammen ausgestreckt sind; diese Flammen gehören zu St. Binah, dem Thron des Vaters, der hinter Maria steht, hoch aufragend wie ein Turm mit einer Feuerkrone und ähnlich dem brennenden Dornbusch, von der Erde bis zum Himmel ragend wie eine Himmelsleiter, die einst Jakob schaute.

Wie furchtbar, furchterregend sind Engel, wenn sie die Nähe Gottes versinnbilden sollen – ein Tritt, und die Erde spaltet sich. O Herr, und solche Engel schickst Du zum Gericht! Mit diesen Engeln kommst Du auf den Wolken des Himmels! Aber zagen wir nicht: Wir haben Maria, die zugleich Königin der Engel und unsere Mutter ist. Wir könnte der Dreieinig Gott uns je verurteilen, wenn uns Maria in ihr Herz nimmt und von dort aus Gott hinhält?

So brauchen wir auch nicht vor St. Binah zu verzagen, denn er ist Engel Mariens, Oster-Engel, Freuden-Verkünder:

Preiset den Herrn, denn Er ist gut und ewig währet Sein Erbarmen!

 

Ostermontag – St. Muriel 2. Chor

Es ist einer der höchsten Engel, in denen sich das Angesicht der Kirche, der Braut Christi, dem Dreieinigen Gott anbetend zuwendet. Er hält die Antwort Mariens dem Vater entgegen im Namen der ganzen Schöpfung. Er geleitet den Heiligen Geist seit dem Pfingstfest zu allen gottgerufenen Seelen, damit sie in ihrem Wort reine Vermittler der Geistgaben werden.

Noch liegt der Glanz der Auferstehung über der jungen Kirche; da und dort ist schon der Herr als Sieger bei den Seinen. Was Er sagt, das sagt Er in die junge Gemeinschaft hinein, und das gilt ebenso für sie wie auch heute für uns. Ist nicht der Herr im Tabernakel bei uns in einem beständigen Emmaus? Hören wir nicht Sein Wort?

Aber wie steht es mit uns? Können wir aufrichtigen Herzens sagen: "Brannte nicht unser Herz, als Er uns die Schrift auslegte?" Wird das Wort des Herrn uns lebendig dargestellt, aber brennt unser Herz dabei? Brennt es überhaupt für Gott? Ergehen wir uns nicht eher in Kritik gleich den Athenern vor Paulus und gleich den Neuheiden unserer Tage?

Lassen wir uns doch nicht von den Heiden beschämen, die tageweit reisen, um das Wort Gottes zu vernehmen.

Machen wir uns heute, an diesem Ostermontag, zum Vorsatz: Kein Tag ohne ein andächtiges Durchdenken und In-sich-lebendig-werden-Lassen eines Wortes Gottes aus der Heiligen Schrift! Wie sollen die heiligen Engel uns helfen, wenn der Name, der Wille und die Liebe Gottes nicht in uns sind?

St. Anarim 3. Chor

Er kniet heute vor seinem Herrn und Gott mit ausgebreiteten Armen gleich den Flügeln eines gotischen Altares. Er kniet hier im Namen der Menschheit, die erlöst wurde durch Jesus Christus, den Auferstandenen, den Sieger.

So wie der Herr Seine Arme ausbreitete, als Er sagte: "Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken", so breitet auch der Engel seine Arme aus: "Er, Den ihr Menschen sucht, Er ist nicht hier, Er ist auferstanden, Er geht euch voran." Und die ganze Schöpfung breitet die Arme aus in Sehnsucht und nach den Gnadenströmen des Herrn.

In der Mitte zwischen dem Herrn, dem Engel, der heiligen Kirche und der ganzen Schöpfung kniet Maria.

Sie ist das zarte, menschgewordene Geheimnis der Liebe Gottes zu Seiner Schöpfung: Immaculata – Mutter – Tabernakel und Königin, Magd-Kirche und Schöpfung in einem. So ist sie die Erste, in der Christus geboren, gestorben und auferstanden ist, blieb ihre Seele ja zeitlebens aufs innigste mit Ihm vereint. In ihr sah Jesus Seine Kirche, die Mutter aller Gläubigen, die Mutter aller Lebenden in Zeit und Ewigkeit. Auf sie hat der Herr Seine Engel, Seine Kirche, Seine Schöpfung hin geordnet als auf die absolut Reine, in der alle reine Schöpfung eins wird, wie sie mit ihrem Sohn eins ist und wie der Sohn mit dem Vater eins ist in der für uns nicht mehr fassbaren Krönung alles Einsseins ...

"Lass uns frohlocken und fröhlich sein!"

 

Osterdienstag – St. Razael 2. Chor

Wenn heute das Evangelium erzählt, wie der auferstandene den Seinen erschien und ihnen den Sinn für das Verständnis der Schrift erschloss, kann es anders sein, als dass ein Cherub des Geistes als Fürbitter der Kirche vor dem Altar steht?

Von ihm heißt es: "... der in der Dynamik der Liebe die Weisheit des Wortes Gottes zur Gerechtigkeit Gottes legt".

Sehen wir wiederum hin auf den Herrn: Von Ihm geht diese Göttliche Dynamik der Liebe aus, Er erschließt den Seinen diese Weisheit in der drängenden Liebe Seines Herzens. Aber Er weist auch hin auf die Göttliche Gerechtigkeit, wenn Er sagt, in Seinem (Christi) Namen soll Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden.

O weise Liebe Gottes, die uns nachgeht, erhellt und stärkt! Von ihr sagt der Eingangspsalm des heiligen Messopfers: "Mit dem Wasser der Weisheit tränkte Er sie, Alleluja; sie erstarkt in ihnen und lässt sich nicht beugen, Alleluja, sie erhöht sie auf ewig."

St. Chochmah 4. Chor

Die heilige Kirche festigt sich. Was der Herr zuerst in sie hineinlegt, das ist die Weisheit: Er erklärt ihnen die Heilige Schrift, Er erklärt ihnen jedes Seiner Worte und die Zusammenhänge aller Seiner Worte mit den Worten der Schrift des Alten Bundes. Er will die Seinen im Wort festigen. Die Heiligkeit Seines Wortes soll zu einer Ecksäule der Kirche werden, die Weisheit und Hoffnung der Kirche zu einer zweiten Ecksäule, der unerschütterliche Glaube und Starkmut im Bekennertum zu einer dritten, und die Liebe, umschließend den Gehorsam, zu einer vierten Ecksäule.

So baut der Auferstandene Seine Kirche auf, so stehen als Bild dessen die vier großen Ecksäulen, aus Engeln gebildet, von der Erde zum Himmel und vom Himmel zur Erde.

St. Chochmah ist der oberste Engel in der Ecksäule der Weisheit, die "Weiser Gott" genannt wird; in sie legt der Weise Gott die Kraft der Erkenntnis, das Licht der Weisheit, aber auch den Kreuzstamm der Hoffnung und die frohe blaue Blume der heiligen Armut. Diese Ecksäule steht unten im Ring der Menschwerdung auf dem Engel "Maria" auf. Maria ist die Siegelbewahrerin aller Worte Gottes in ihrem Herzen! Sie ist der Sitz der Weisheit, die geheimnisvolle Rose, aber auch die Königin aller Engel, die Mittlerin der Gnaden, wie es heute im Offertorium heißt: "... auf brachen Wasserquellen!"

 

Mittwoch nach Ostern – St. Phael 4. h. Chor

Engel mit den brennenden, leuchtenden, fließenden Gaben des Heiligen Geistes stehen diese Woche um den Altar, wo unser Herr das Erstlingsopfer der erlösten Kirche Seinem Vater darbringt.

Vom Heiligen Geiste überschattet, hat Maria den Erlöser des Menschengeschlechtes geboren. Und wir beten vor der heiligen Kommunion: "... dem Willen des Vaters gehorsam, hast Du unter Mitwirkung des Heiligen Geistes durch Deinen Tod der Welt das Leben geschenkt." Während aber der Heilige Geist, solange Jesus Christus als Gottmensch über die Erde ging, im Herrn wirkte, ist Er jetzt, wo der Herr mit Seinem verklärten, vergeistigten Leib Seiner Himmelfahrt entgegen schaut, überall im Kommen. Sagt doch Jesus Selbst: "Wenn Ich nicht gehe, kann der Tröster nicht zu euch kommen."

Jesus hat mit Seinem Tode auch für den Ihm innewohnenden Heiligen Geist die Hülle gesprengt; der Tröster-Geist beginnt in aller Stille, Seine Herrschaft anzutreten. "Kommt, ihr Gesegneten Meines Vaters, nehmet das Reich in Besitz, das euch bereitet ist sein Anbeginn der Welt", singt der Psalmist, und die Engel des Geistes stimmen in das Alleluja ein. St. Phael hält sich immer dicht an der Seite Mariens; er trägt das Öl des Rates. Das Öl wird in der heiligen Kirche besonders an die Kraft des Geistes gebunden zur Stärkung der Kraft im heiligen Sakrament der Firmung, zur Stärkung der Kraft im letzten Kampf gegen die Hölle im heiligen Sakrament der Krankenölung wie der Taufe, in feierlicher Weise als Symbol der Verleihung der Kraft des Geistes im Sakrament der Priesterweihe.

Darum steht St. Phael als erster in dieser Woche im Raum der heiligen Kirche – Bild der in die Kirche hineinfließenden Gnade des Heiligen Geistes.

 

Donnerstag nach Ostern – St. Thamael 4. h. Chor

Er trägt den Weihrauch der Gottesfurcht, der Ehrfurcht, der Anbetung. Wie viel Weihrauch ist zu Ostern emporgestiegen! Heute aber soll dieser Weihrauch das Bild sein für die Wiedervereinigung aller christlichen Religionen um den Einen Altar. Die Gottesfurcht soll das erste Band sein, das der Heilige Geist um alle Kirchen schließt zu einer großen Mutterkirche Jesu Christi. Gottesfurcht muss bei einer Einigung bestimmend sein, nicht Menschenfurcht; in der Gottesfurcht ruhen der Bekennermut und die Demut wie Kinder einer Mutter. Klein müssen wir werden, sonst kann Gott Seine Kirche niemals groß machen. Und das muss unsere Bitte sein – so hart sie vielleicht klingt:

Herr, mach uns klein! Mach uns gottesfürchtig, nicht voll Menschfurcht. Lass aus der Gottesfurcht den Bekennermut wachsen und tilge jeden Hochmut in unserer Seele, denn im Hochmut überliefern wir uns dem Teufel – und dann wird unsere Gottesfurcht zur leeren Zeremonie, zur hohlen, klingenden Schelle. Lass unser Flehen wie steilen Weihrauch zu Dir emporsteigen und lass den Tröster-Geist uns entgegenkommen, damit wir Dein Wort und Deinen Willen künden können!

 

Freitag nach Ostern – St. Sorel 4. h. Chor

Er trägt den Wein des Starkmutes. Zu jeder Zeit hat die heilige Kirche den Starkmut gebraucht. Nur wechselt er die Stände: In der einen Zeit brauchen besonders die führenden, lehrenden Stände in der Kirche den Starkmut, wenn es gilt, die Lehre der heiligen Kirche zu verteidigen, rein zu halten gegen Angriffe von außen und innen. In der anderen Zeit braucht besonders das einfache Volk den Starkmut, wenn Hungersnot und Krieg und Tyrannei über ein Land hereinbrechen. Hier braucht die Jugend den Starkmut, um ihre Reinheit zu verteidigen; dort brauchen die Mütter den Starkmut, um das kommende Leben zu erhalten. Eine heilige Geistgabe ist der Starkmut: Er kann die zarte Frau zu einer zähen, unentwegten Verteidigerin und Erhalterin der Familie und des Familienlebens machen; er kann den einfachen Fabrikarbeiter zu einem Apostel für die ganze Belegschaft machen. Das muss der Wein unserer Kraft sein, das Wort des Herrn; "... und seht, Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!" Mit Ihm werden wir stark werden, auch das Schwere zu überwinden!

 

Samstag nach Ostern – St. Thael 4. h. Chor

Er trägt die letzte Schale der Gaben des Heiligen Geistes: Die Glut der Gottseligkeit, der wahren Frömmigkeit. Denn was die Welt gemeinhin als "Die Frommen, seht sie nur!" bezeichnet, sind Zerrbilder der Gottseligkeit: Scheinheilige Frömmelei, äußerliches Pharisäertum, das Bedürfnis, sich und seine Spende, seine Weisheit und seinen eingebildeten Wert vor der staunenden Kirchengemeinde zu zeigen. Diese Auswüchse halten keiner Prüfung stand und verschwinden sofort, wenn die Kirche ihre Macht verliert und sie verfolgt wird.

Die wahre Gottseligkeit ist selten in dieser Zeit und findet sich im Raum der Kirche meist nur bei Geringen, Kleinen, Dienenden, Kranken. Diese wissen um die große Kraft der Reue, Buße und Sühne, und dadurch wird ihre Seele eine blanke Schale, darin sich die ganze Liebe Gottes spiegeln und legen kann. Diese Einfachen tragen behutsam und voll stiller Selbstverleugnung das Licht, das sie aus der Geistgabe der Gottseligkeit empfangen haben; sie tragen es oft blind und wissen gar nicht, wie sehr sie vor den Augen Gottes und der Engel leuchten. Sie sind vor den Augen Gottes rein wie neugeborene Kinder und vermögen unverfälscht zu kosten, wie gut der Herr ist.

 

Weißer Sonntag – St. Malachiel 2. Chor

In einem wunderbaren Zusammenhang steht heute dieser Engel der Klarsicht, der auch "Fundament" genannt wird, zum "Weißen Sonntag" und zu den klar leuchtenden Kinderaugen, die heute zum ersten mal ihren Herrn und Gott in ihr Herz aufnehmen dürfen.

Sagt nicht der Herr Selbst: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr in das Himmelreich nicht eingehen", und im Introitus beten wir: "Wie neugeborene Kindlein, doch schon voll Einsicht, verlanget nach der geistigen, unverfälschten Milch" – der wahren Lehre Jesu und der Speise der Heiligen Eucharistie. Diese klaren Augen des Menschen braucht St. Malachiel, um die Sicht ins Ewige vermitteln zu können. Und – wie gut ist Gott! – selbst wenn der Mensch durch die Härte des Lebens und durch eigene Schwäche seine Seele schon mit Sündenstaub verdunkelt hätte, die Liebesreue wäscht sie wieder ab, und das heilige Bußsakrament löst alle Fesseln, alle Ketten und tilgt alle Flecken. Wir sehen dies heute im Evangelium, dass Thomas nicht mehr die gläubigen Kinderaugen hatte, dass er aber in seiner Liebesreue wieder gläubig werden konnte. Und die Menschen mit den gläubigen Kinderaugen – oft sogar alten Menschen eigen – werden leicht zum großen Engel der Klarsicht finden und durch ihn zur beseligenden Verbindung mit dem Himmel.

 

2. Sonntag nach Ostern – St. Thiriel 2. Chor

Er steht über allen Schutzengeln, dieser große Cherub des Sohnes, und trägt den Namen "Dunkles Licht der Liebe Gottes".

Die letztliche Liebe Gottes ist immer dunkel, weil wir uns selbst erst verlieren und blind gegen die Lockungen der Welt und des Ich werden müssen. Je mehr wir uns in Gott hinein verlieren, desto dunkler, nüchterner, konsequenter wird diese letztliche Liebe – und doch ist sie es, deren Licht voll Göttlicher Anziehungskraft ist. In dieses "Dunkle Licht der Liebe Gottes" wird auch der Schutzengel in seinem Dienst gestellt!

So verstehen wir nun die Aufgabe St. Thiriels besser – und erschrecken doch zugleich, denn er trägt eine Posaune der letzten Tage, die dritte: "Er wirft das Licht um und in die Flüsse und Seen." Das Licht des Verstandes wird in dieser – und das ist in unserer – Zeit vernebelt und verdunkelt, und der Mensch muss sich im dunkeln Glauben, in der dunklen Hoffnung und dunklen Liebe entscheiden für Gott!

Wie tröstlich steht inmitten dieser Spannungen der Herr und sagt: "Ich bin der gute Hirte! Ich gebe Mein Leben für die Meinen."

 

3. Sonntag nach Ostern – St. Tiphered 2. Chor

In majestätischer Größe behütet dieser Cherub des Vaters das Wort Gottes, das Vermächtnis des Herrn in Seiner Kirche. "Saget zu Gott: ‚Wie gewaltig sind Deine Werke, Herr! Ob der Fülle Deiner Macht huldigen selbst Deine Feinde Dir!‘" Wenn das Wort Gottes auch mit einem Samenkorn verglichen wird – immer bleibt es Wort Gottes, Göttlichen Ursprungs; immer ruht in ihm die Kraft Gottes, immer heischt es Ehrfurcht, immer müssen wir darüber Rechenschaft ablegen, was wir mit dem Wort Gottes getan haben.

Aber St. Tiphered hütet nicht nur die Größe, sondern auch die Schönheit des Gotteswortes, und wir spüren selbst, wie uns das Herz aufgeht bei der Liebe und Kraft, die aus jedem Wort Gottes zu uns spricht. Durch das Wort haben wir das Zeichen des Wortes auf unserer Seele empfangen, und alle Schönheit, die wir Menschen in Worten ausdrücken, geht letzten Endes auf Gott, auf das Wort zurück.

Das dritte aber, das St. Tiphered hütet, das ist das Geheimnis des Wortes Gottes. Nur bis zu einer bestimmten Grenze können wir mit unserem Wort uns an das Wort herantasten, dann fehlen uns die Begriffe; und wenn wir nicht dank der Gnadengaben des Geistes und der Barmherzigkeit Gottes durch unsere himmlischen Brüder noch etwas höher und weiter blicken könnten, bliebe uns vieles von dem unermesslichen und herrlichen Reich Gottes und Seiner Engel und Heilligen, von den großen Zusammenhängen unerklärlich. Durch die Engel in ihrer visio beatifica aber fließt der Heilige Geist: Welche Gnaden, welche Erschließung der Schönheit Gottes, welches unfassbare Geheimnis, dass Gott uns Sündern Seine Engel entgegenschickt!

 

4. Sonntag nach Ostern – St. Hod 2. Chor

Auch er ist Cherub des Vaters, aber noch viel schwerer verständlich als St. Tiphered. Gleichsam an seinem Mantelsaum wogt das Sanctus der ganzen Schöpfung. Wenn wir mit dem Psalmisten den Introitus dieses Sonntags singen: "Singet dem Herrn ein neues Lied, denn Wunderbares hat der Herr getan. Enthüllt hat Er im Angesicht aller Völker Seine Heiligkeit, alleluja ...", dann können wir mit diesem Preislied anbetend höher steigen und die Glut des Gotteslobes aller Engel, die gleichsam im Innern von St. Hod lodert, erschauernd ahnen.

Aber jenes Lob, das im Innergöttlichen Leben der Vater dem Sohn, der Sohn dem Vater, der Geist Beiden immerwährend darbringt, das in Gott Selbst seinen Anfang und sein Ende hat, das Gott zu Sich Selbst spricht, dieses Lob ist von den Geschöpfen nicht fassbar, und das Bild zeigt nur, dass das Angesicht dieses Engels wie in einer Feuersglut nicht mehr erkennbar ist.

Können wir im Lichte dieses Engels die Worte des Herrn ausloten: "Er wird nicht von Sich Selbst reden, sondern was Er hört, wird Er reden. Er wird Mich verherrlichen: Denn Er wird von dem Meinigen nehmen und euch verkünden?"

 

5. Sonntag nach Ostern – St. Zachariel 2. Chor

Wie eine Welle der Liebe geht es heute vom Wort Gottes aus: "Wenn ihr den Vater in Meinem Namen bittet, Er wird es euch geben. Bittet, und ihr werdet empfangen, und eure Freude wird vollkommen sein."

St. Zachariel ist Cherub des Geistes. Der Geist übernimmt bei diesen Worten des Herrn den Testamentsvollzug, denn dieses Versprechen Jesu Christi endete ja nicht bei Seinem Tode am Kreuz, sondern hat seine Gültigkeit bis zum Jüngsten Tag. Der Geist sendet Seine Engel, Seine Feuerflammen, über die ganze Erde als Kraftvollstrecker des Willens Gottes, die uns geben und helfen wollen. Wer schon einmal an den Ufern des Atlantik gestanden hat und die gleichmäßig großen, majestätischen Wellen heran rollen und zurückebben sah, kann sich vielleicht eine kleine Vorstellung machen von dem großen Gleichmaß und der Ausgewogenheit, die im Willen Gottes und in jedem Wort Gottes liegen, von der Unbeirrbarkeit der heiligen Engel beim Vollzug ihrer Aufgabe. "Ich brauche den Vater nicht für euch zu bitten; denn der Vater liebt euch, weil ihr Mich geliebt und an Mich geglaubt habt, dass Ich von Gott ausgegangen bin."

Großer heiliger Cherub, lass uns dieses Wort Jesu nie vergessen!

Der Engel der Liebe aus dem Herzen Jesu

"Das Licht aus dem Herzen"

Gegen die helle Kugel, welche der Engel in seinen Händen trägt, wirkt er selber dunkel, obwohl ein weißes priesterliches Gewand um ihn ist. Die Kugel gleicht dem Erdball und schaut doch aus wie eine einzige leuchtende große Träne. Die ganze Liebe Gottes, aber auch das ganze "O du Mein Volk, was tat Ich dir?" spiegelt sich darin.

Dieses Licht aus dem Herzen Gottes, unseres Herrn, das sich zuerst am Herzen der Mutter Jesu bricht und von dort aus uns überflutet, ist Gewalt, solche Gewalt, dass sie gefesselt bleiben muss, damit wir sie ertragen können. Schon jetzt ist dieses Licht für uns so unbegreiflich, dass es uns dunkel vorkommt, unverständlich. Die letztliche Liebe Gottes ist immer dunkel. Sie verlangt von uns das Letzte an Dunklem Glauben, an letzter Hingabe, an letzter Nüchternheit des Ecce! Sie verlangt von uns ein unaufhörliches Geben, ohne je haben zu wollen. Sie will sich in unseren Reuetränen spiegeln können und will uns klar und weit haben, damit wir sie aufnehmen und tragen können. Erst dann ist sie in uns vollendet, wenn wir durch sie die Passio Domini durchlitten haben und ein einziges Sanctus geworden sind.

 

Erster Bitt-Tag – St. Sammariel 4. v. Chor

St. Sammariel ist de erste der drei Versiegelten Ernte-Engel. Ihn flehen wir an um seine Fürbitte, dass die Frucht der Erde und die Frucht unserer Werke ohne Schaden reifen dürfe zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen, damit – wenn er einst dem Herrn zurufen wird: "Lege Deine Sichel an und ernte, denn die Stunde der Ernte ist da; das Getreide der Erde ist dürr geworden" – wir selber als reife und gute Frucht eingebracht werden in die himmlische Weizenscheuer. Herr, durch Dein Kreuz und Leiden, durch Deinen Tod und Deine Auferstehung lass uns von Deinem Knecht St. Sammariel für gute Frucht befunden werden. Amen.

 

Zweiter Bitt-Tag – St. Jesophim 4. v. Chor

St. Jesophim ist der zweite der drei Versiegelten Ernte-Engel. Er verlangt von uns, dass wir uns trotz unserer Bitten restlos unter den Willen Gottes beugen, auch wenn uns alles zerschlagen werden sollte, auch wenn uns unser Leben wie ein Trümmerhaufen vorkommt. "Von Seinem heiligen Tempel aus erhörte Er mein Rufen, es drang mein Notschrei an Sein Ohr ...", und "viel vermag das beharrliche Gebet des Gerechten". Und selbst wenn wir auf Trümmern stehen, wir wollen Ihn anbeten mit Seinen Engeln, und Er wird uns gnädig sein, Er wird uns wieder aufrichten und neue Speise reichen lassen und neue Kleider und wird uns eingehen lassen in die himmlischen Wohnungen.

 

Dritter Bitt-Tag – St. Agariel 4. v. Chor

St. Agariel ist der dritte der drei Ernte-Engel aus dem Chorteil der Versiegelten Herrschaften. Er hebt auf Befehl Gottes die Hand, wenn die Ernte reif ist, wenn das Menetekel zur Wirklichkeit wird, wenn unser Leben beendet ist, wenn die Engel mit ihren Posaunen ausziehen, die Menschheit zum Gericht zu laden. Dieser Engel ist erschütternd, unnahbar; er hört auf keinen Menschen, er hört auf kein Flehen, er rückt seinen Fuß nicht einen Finger breit, auch wenn er auf einer Stadt, einem Schiff, einer Gemeinde stehen soll. Er schaut nur auf Gott, wach, bereit wie ein Knecht, den nichts anderes bewegt, als den Willen seines Herrn zu vollbringen. Nur wenn Gott Sich barmherzig und in Liebe neigt, dann tritt er zurück und lässt seine Hand sinken.

Herr, Du allein bist unser Retter und Helfer, Herr, säume nicht und erbarme Dich! Sieh, wir sind arm und elend, rette Deine Diener, die auf Dich hoffen, o Gott!

 

Vigil von Christi Himmelfahrt – St. Schemmajim 4. h. Chor

Wohl ist heute noch ein Bußtag, aber schon klingt der Jubel der Engel in die Feier der heiligen Messe: Morgen, morgen geht der Herr in Seine Herrlichkeit ein! Morgen besteigt Er wieder Seinen Thron, den Er innehatte seit Ewigkeit!

Darum steht heute St. Schemmajim hier, der Engel des bräutlichen Jubels. Wir fassen ihn nicht so, weil der Herr von der Erde geht; wir hätten Ihn lieber immerdar bei uns, so wie Er als Mensch unter uns lebte. Aber sagte Er nicht Selbst: "Wenn Ich nicht gehe, kann der Tröster nicht zu euch kommen. Es ist gut, wenn der Tröster kommt."

Wie ein Regenbogen des Friedens leuchtet der Gnadenbogen, den St. Schemmajim hält, herab zur Erde, wo mitten in der Gemeinde, der Kirche, der Schöpfung, St. Alphareth steht und als Antwort den von St. Schemmajim übernommenen Lichtbogen weit ausbreitet: So spricht der Herr: "Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche Deinen Sohn, damit Dein Sohn Dich verherrliche."

Ward St. Schemmajim vom Vater gesandt, den Stein am Ostermorgen weg zu wälzen, so ist er jetzt gesandt, den Herrn zu erwarten. Jubelnd klingt sein Lied: "Eja, morgen!"

 

Zum Fest Christi Himmelfahrt – St. Esch 1. Chor

Wie wenig werden wir nur mehr von diesem Fest erschüttert, weil wir zu wenig Christus in uns erleben! Was fehlt uns dazu? Der heiße, unbeirrbare lebendige Glaube! Der kühle Buchstabenglaube kann das Herz nicht in Bewegung bringen.

Darum soll uns heute dieser glühende Seraph "Heiliges Feuer" sagen, dass es bei unserem Ringen um Gott immer um die Glut geht. Der Widersacher hat dies längst erkannt und darum entfacht er bei den ihm hörigen Menschen eine solche Glut für ihre Ideologie, dass Tausende von Christen sie darum beneiden könnten. Der ganze Erfolg des Kommunismus ruht auf der Glut der Überzeugung dieser Menschen, für die allein richtige Sache zu kämpfen.

"Glüh doch!", sagt dieser Seraph. "Wie wollt ihr Gott durch die Kälte und Dunkelheit der Welt tragen, wenn euer Herz nicht täglich staunt, täglich brennt?" Es ist wahr: Immer wieder erleben wir Christi Himmelfahrt auch in uns. Der Herr schenkt Sich uns in der heiligen Kommunion – und dann müssen wir Ihn dem Himmlischen Vater wieder zurückgeben, aber nicht ohne die Versicherung, dass Er wiederkommen werde. Und Er schenkt Sich uns in jeder Kommunion der Liebe, wenn sich die Seele in Ihn hineinstürzen kann, wann und wo immer Er es will; und auch dann schickt Er sie wieder hinaus in die Welt, Sein Wort, Sein Kreuz, Seine Liebe zu künden. Aber vergessen wir nicht: Selbst wenn Er zum Vater geht – "Er führt als Beute die Gefangenen", die Gefangenen Seiner Liebe mit. O Seligkeit des Mitgenommenwerdens!

St. Assalim 3. Chor

Der Herr hat die Seinen nicht als Waisen zurückgelassen. In einer Zwölfzahl bilden sie die Säulen der Kirche: Maria und die elf Apostel.

Das spiegelt sich in der Höhe der heiligen Engel im Fürbitter dieses Tages, St. Assalim. Er stellt die Säulen vom Himmel herab, das heißt, Gott hat Maria und die Apostel zu Säulen berufen, sie sind nicht von der Erde hinaufgewachsen. Und der Dreieinige Gott legt in diese Säulen die ganze Tragfestigkeit des Baues der heiligen Kirche, die bis zum Jüngsten Tag allen Stürmen trotzen muss und niemals von der Hölle überwunden werden kann. Wir kennen diese Säulen: Der Reinen, der Armen, der Getreuen, der Gehorsamen. Es sind lebendige Säulen, gebildet aus Millionen von Heiligen, und jede Säule ist ein Thron Gottes, eine Himmelsleiter für die Menschen ein Gnadenstrom vom Himmel zur Erde. Jede Säule mündet in ein Tor des Himmlischen Jerusalem, und da, wo sie auf Erden mündet, nimmt sie in weitem Umkreis die Schöpfung in sich hinein, alle vom Anfang und Niedergang der Schöpfung, die Glaubenden, die Hoffenden, die Liebenden, die einst beim Himmlischen Hochzeitsmahle sein werden statt der Unwürdigen, die in ihrer Herzenskälte verkalkten und keine Stufe ersteigen konnten.

 

6. Sonntag nach Ostern – St. Zaphkiel 2. Chor

Oktav von Christi Himmelfahrt

Der Cherub des Geistes betet mit uns: "Erhöre mein Rufen, Herr, mit dem ich zu Dir flehe! Es spricht zu Dir mein Herz: Dein Antlitz suche ich; Dein Antlitz wende nicht hinweg von mir."

Sehend blicken die Augen Mariens und der Apostel nach dem Herrn. Sehend blicken die Menschen unserer Tage in ihrer Not nach dem Herrn, und sehend blicken die Seelen der Läuterungsorte nach oben, wenn das Licht einbrechen und sie zum Herrn führen wird.

So ist St. Zaphkiel nicht bloß der große Cherub, der die Herabneigung Gottes zur Schöpfung trägt; er trägt auch unsere Sehnsucht nach oben, das Angesicht des Herrn zu suchen. Und der Engel neigt sich auch hinab zu den sehnsüchtigen Armen Seelen in der Kraft der Barmherzigkeit Gottes. So flutet die Göttliche Liebe über diese Engelbrücke hinauf und hinab und sagt uns: "Harret aus; nur eine kleine Weile harret aus. Ich komme wieder, und euer Herz wird sich freuen." O komm, Herr, und bleibe bei uns, denn es ist schon längst Abend geworden und die Verlassenheit kriecht immer näher. Wo Du bist, da ist Geborgenheit. Sende uns bald den Tröster, damit wir uns nicht in der Dunkelheit verlieren, sondern mit Seiner Kraft Dir entgegengehen!