Advent-Vigil – St. Nawe 9. Chor

Die Advent-Vigil ist eine dreifache: Sie ist die Erinnerung an die Sehnsucht des besiegten und versprengten israelitischen Volkes nach der Befreiung durch den Erlöser, Den ihm seit Jahrhunderten die Propheten geweissagt hatten.

Sie ist der erste Schritt zum heiligen Advent des Kirchenjahres, hinein in den Weihnachtsfestkreis, in welchem die heilige Kirche jedes Jahr die Ankunft des Erlösers feiert.

Sie ist das Besinnen des gläubigen Volkes, das unser Leben ein Advent ist, hin geordnet auf das Welten-Ende, die Ankunft Christi.

An dem Tor zu diesem dreifachen Advent steht auf Erden St. Johannes, der Rufer in der Wüste: "Bereitet den Weg des Herrn ...!" Und neben ihm steht der himmlische Rufer St. Nawe, einfach und schlicht wie ein Wanderer, im Kleid der Schutzengel. Er ist ein Engel des 9. Chores, gering gleich den Geringen auf Erden, denen die Fülle der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zuteil wird. Er öffnet uns die Türe zum Weg aller Suchenden, der an der Krippe zu Bethlehem enden wird. Und so oft werden wir diesen Weg gehen, bis unsere eigene Geburtsstunde für den Himmel schlagen wird. Wir werden den Herrn suchen müssen in blindem Glauben und in vielerprobter Treue, im Opfer von Pflicht, Gehorsam und Liebe. St. Nawe nimmt uns an seine Hand und führt uns durch unser eigenes Kinderland zum innigen Glauben des Kindes an den liebenden Vatergott; er führt uns über barmherziges Tun zur innigen Gottesliebe, er führt uns über das Gebet zur Liebesreue und zum hoffnungsstarken Frieden des Herzens.

Er sagt uns als Leitmotiv: "Kommt, lasset uns den Herrn suchen gehen."

 

1. Advent-Sonntag – St. Jophiel 8. Chor

der Umpflüger, steht heute vor uns im dunklen Gewand der Buße, wie auch der Priester am Altar im Gewand der Buße vor Gott steht. Der Priester mahnt: "Brüder, es ist Zeit, vom Schlaf aufzustehen" und der Engel öffnet uns die Augen, dies Wort als dringenden Weckruf auch wirklich zu verstehen; er zeigt uns die Gefahr der Schläfrigkeit in unseren Tagen, wo der Feind schon im Begriffe steht, über die Zinnen aller Seelenburgen einzubrechen. Wer kann das Bösgeistige besser erkennen und entlarven als der gute Geist, den Gott uns im Engel zur Hilfe gibt? Advent ist Einkehr und Umkehr. So trägt der Engel-Fürbitter heute den grünen Zweig mit Blüte und Frucht zugleich als Zeichen, dass sich die Frucht des vergangenen Kirchenjahres mit der Knospe der neuen, hoffnungsfrohen Adventstage verbindet, die Gnade der Liebesreue mit der Gnade der dankerfüllten Liebessehnsucht.

Und St. Jophiel sagt uns als Leitmotiv:

Mache unruhig, o Gott, unser Herz nach Dir, damit unsere Sehnsucht und Liebe nie aufhöre, Dich zu suchen und zu finden. Amen.

 

Herz-Jesu-Freitag im Advent – St. Bihnah 3. Chor

Der Thron Gottes steht fest; kein Ansturm der Hölle und kein Raketenangriff der Menschen kann je an ihm rütteln.

Er enthält das Geheimnis des Lebens; alles Leben in der Schöpfung ist Thron Gottes. Er enthält das Geheimnis der Kraft Gottes, die Macht der Gerechtigkeit über alle Geschöpfe. Gottes Thron ist Saphir und Smaragd – Bilder der Kraft –; Gott thront auf den Flügeln der Cherubim, auf dem Thron Davids über der Menschheit.

Er enthält aber auch das Geheimnis der Liebe; er ist wie aus Feuerflammen, aus dem Licht des Himmels, aus dem Wasser der Gnade.

Wir arme Menschen können mit unserem bisschen Verstand, auf den wir uns so viel einbilden, nicht in die Höhe des Thrones Gottes gelangen. Wir bleiben an der Erde kleben und bauen Gott im heiligsten Sakrament ein Thrönchen – unserer Ehrfurcht entsprechend – und sehen heute den Thron Gottes in unseren neuen Kirchen so klein geworden wie eine Reisetasche.

So arm sind wir, so arm ist unser Herz geworden, dass es damit zufrieden ist. Und nun reißt Gott in Seiner unfassbaren Barmherzigkeit vor unseren Augen den Thron Gottes in der Herrlichkeit des Himmels auf. Nicht den Weisen und Reichen zeigt Er ihn, sondern den Geringen, den Verspotteten.

Aus Engeln ist der Thron über allen Himmeln gebildet; herrlicher als Saphir funkeln sie, kostbarer als Smaragd sind ihre gewaltigen Flügel.

Der Klang jenes Namens ist in ihnen, mit dem der Herr sie ruft; er ist unendliche Süßigkeit und Gottesmacht zugleich, er ist dreifach und doch einfach. Er ist derselbe Name in dreifachem Klang, wie eine dreifache Glocke ihn geben könnte: Einmal ganz fest ohne Nachhall, einmal gewaltig im Anruf wie das Pochen an die Wände der Schöpfung und einmal voll unendlicher Zärtlichkeit. Was einem in diesem letzten Klang förmlich die Sinne rauben könnte, das ist das Herz des Sohnes in der Fülle des Geistes, das lautere Liebe ist zu den Geschöpfen, das ununterbrochen durch den Geist die Liebe durch die Schöpfung sendet, das auch an unser Herz pocht im Wehen des Geistes.

Diesen Klang des Namens trägt der Engel aus dem Chor der Throne,

St. Bihnah, der als Thron des Geistes der Liebe von Gott über alle Herz-Jesu-Freitag-Feste im Kirchenjahr als Fürbitter gesetzt ist.

St. Bihnah bildet mit St. Binnah, dem Thron des Sohnes als Künder, Erlöser und Weltenrichter, und mit St. Binah, dem Thron des Vaters über allem Leben der Schöpfung, den dreifachen Thron Gottes über allen Himmeln.

In St. Binah, dem Thron des Vaters, sind zutiefst auf Erden die Tat und der Glaube verankert; in St. Binnah, dem Thron des Sohnes, sind zutiefst auf Erden das Wort und die Hoffnung, das Vertrauen, die Zähigkeit des Durchhaltens verankert. In St. Bihnah aber, dem Fürsprecher dieses Tages, sind zutiefst auf Erden die Liebe verankert und das Schauen.

Noch ehe das Herz unseres Herrn in der Krippe schlägt, schaut der Herr uns voll Liebe an. "Seines Herzens Sinnen geht von Geschlecht zu Geschlecht." Lange haben wir gebraucht, bis wir begonnen haben, auf das Herz des Herrn zu schauen. Aber jetzt, Herr, spüren wir Sein Schlagen!

 

2. Advent-Sonntag – St. Michael 8. Chor

der große Patron der Treue und des Glaubens, steht heute ganz nahe bei dem Priester am Altar, wenn wir beten: "Rüttle auf, o Herr, unsere Herzen, damit wir Deinem Sohn die Wege bereiteten ..."

So ein Wegbereiter ist auch St. Michael. Er ist der wache Kämpfer für die Ehre Gottes, er ist der mächtigste Streiter für uns in der Todesstunde, er ist der Wegbegleiter der abgeschiedenen Seelen, die sich nun aufgemacht haben, das ewige Licht der Ruhe in Gott zu finden. Auch wir nehmen das Adventlicht zur Hand und gehen durch die dunklen Nächte dem ewigen Licht der Erlösung entgegen. Jetzt leuchtet es uns noch aus den Augen der Gottesmutter entgegen, aber bald werden wir es aus der Krippe strahlen sehen, "denn Gott wird sichtbar kommen".

Darum trägt St. Michael, den wir sonst nur mit Schwert und Schild zu sehen gewohnt sind, heute ein Licht. Er geht den kleinen, mühsamen Schritten der Gottesmutter voran und leuchtet ihr auf dem Weg über all die Steine, die wir vor dem Herrn nicht weggeschafft haben, über die Abgründe unserer Seele, die wir vor dem Herr nicht zugeschüttet haben ... Und er sagt uns als Leitmotiv:

Ein jeder nehme sich in Liebe und Geduld des anderen an, wie sich Christus eurer in Liebe und Geduld annimmt!

 

3. Advent-Sonntag – St. Raphael 8. Chor

der "Liebespfeil Gottes", hellt das Violett der Buße auf zum hellen Rot der Freude. Schon im Introitus, in dem es heißt: "Freuet euch allezeit im Herrn ..., denn der Herr ist nahe!" klingt diese Freude auf und vertieft sich im Psalm der Communio: "Verkündet: Ihr Kleinmütigen, seid getrost und fürchtet euch nicht, sehet, unser Gott kommt und erlöst euch!"

In diesen Worten finden wir die Verbindung zu den Aufgaben St. Raphaels an uns: Einem Pfeil gleich sollen wir unsere Liebe ins Herz Gottes emporschnellen lassen und uns dort fest verankern, gleich wie ein Pfeil wegen seiner Hakenspitzen sich auch nicht schnell entfernen lässt. Die Liebe glaubt alles, hofft alles, duldet alles, überwindet alles; sie hört nimmer auf. St. Raphael hilft uns, die wahre von der vergänglichen Liebe zu unterscheiden, er lehrt uns, die Waffen des Heiligen Geistes zu gebrauchen; er zeigt uns den kühnen Adlermut als Christ, und er verwundet unser Herz durch seinen Pfeil der Gottesliebe, dass wir offen werden für die Gnaden, den Ruf Gottes und die Erkenntnis der Größe der Erlösung. Er gibt uns als Leitmotiv für diese Woche mit:

Freuet euch im Herrn und tut alles in Freude, denn in der Freude habt ihr doppelte Kraft!

 

Zu den Quatembertagen im Advent – Die Sieben Machtbereiche Mariens

Einzug will der Herr halten in Sein Reich. So schickt Er Seine Mutter voraus, Sein Goldenes Haus, Seinen Morgenstern. Er umgibt sie mit sieben Machtbereichen, die ganze Menschheit umspannend.

Der den ersten Machtbereich verwaltet, St. Sadiel, "Der Goldschimmernde", trägt ihr das Licht voran, das er aus dem Gotteshaus des Alten Bundes nun in das neue Gotteshaus der heiligen Kirche setzen will. Und alle Schutzengel der Lichtträger und Gottsucher gehen mit ihm.

Der den zweiten Machtbereich verwaltet, St. Ariel, "Der junge Löwe", trägt für seine Königin die Glocken der Freude, die Wasser der Gnade, die Schönheit der Natur und das frohe Kindsein in die neue Zeit. Und alle Schutzengel der Jugend, der Familie gehen mit ihm.

Der den dritten Machtbereich verwaltet, St. Gabriel, "Der Getreue Bote", trägt für seine Königin die Obsorge der vielen Lasten und Pflichten, er trägt das Buch der Verwaltung, des Wortes Gottes, der Rechenschaft, und alle Schutzengel der Knechte und Mägde Gottes gehen mit ihm.

Der den vierten Machtbereich verwaltet, St. Jophiel, "Der Umpflüger", ruft im Namen seiner Königin wie der Täufer: "Tuet Buße, das Himmelreich ist nahe, wachet auf, bereitet eure Herzen!" Und alle Schutzengel der Beter, der Sühnenden, der Schweigenden gehen mit ihm.

Der den fünften Machtbereich verwaltet, St. Gratiel, trägt seiner Königin das Räucherfass des Opfers, der liebenden Hingabe voran, das Schwert ihrer Schmerzen und alle Gaben der Liebe. Und alle Schutzengel der Barmherzigkeit der Liebenden, der Opferseelen begleiten ihn.

Der den sechsten Machtbereich verwaltet, St. Raphael, "Der Liebespfeil Gottes", trägt seiner Königin die Geistgaben voran: Das Wasser der Weisheit und der Gnade, das Öl der Heilung und des Rates, den Wein der Wandlung und des Starkmutes, das Licht der Erkenntnis und der Unversehrtheit, die Glut der Hingabe und der Frömmigkeit. Und alle Schutzengel der vom Geist Gottes Geführten, von der Liebe Gottes Getriebenen, im Kampf der Geister Stehenden begleiten ihn.

Der den siebenten Machtbereich verwaltet, St. Michael, der Fürst der himmlischen Heerscharen, trägt seiner Königin das Banner der Erlösung voran, das Heroldszeichen des Glühenden Schwertes des Wortes Gottes, den Schild der Abwehr des bösen Feindes. Und alle Schutzengel der Apostel und der Ecksäulen der heiligen Kirche begleiten ihn.

Mit diesen ihren sieben Getreuen geht Maria über die Erde, schweigend, horchend und gehorchend, arm, lauter und getreu, bis zur Krippe von Bethlehem, dem ersten Erdenthron ihres Göttlichen Sohnes.

 

Quatember-Mittwoch im Advent – Engel des verborgenen Herzens 5. n. Chor

Ein Dank sollen die Quatembertage im Advent sein für die Gnade der Erlösung, für die Wahrheit aller Worte Gottes, die sich immer erfüllen für die ganze geistige Ernte des vorigen Kirchenjahres.

Das Herz des Vaters liegt verborgen im Lebensstrom des Dreieinigen Gottes. Aber es ist für uns da. Das Herz des Sohnes liegt in Maria, der reinsten Jungfrau, noch verborgen. Aber es ist da. Und die Gruppe der drei Engel, "Das Verborgene Herz", inmitten der Engelchöre als der von Gott gegebene Ausgangspunkt aller Strömungen, aller Strahlungen, aller Kraftfelder und Geisteinwirkungen, sie ist verborgen und doch da.

Ein geschöpfliches Abbild des Vaterherzens Gottes trägt St. Nekurim. Er ist der Engel der Gewalt der geheimen Strömung. Daran müssen wir beim Psalm in der Communio denken: "Sehet, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und Sein Name wird sein: Emanuel – Gott mit uns." Der Vater legt Seinen Einzigen Sohn in den Blutkreislauf der Schöpfung, an das Reinste, Verborgene Herz der Jungfrau Maria. Gott Selbst tritt ein in die Lebensströmung, die durch die ganze Schöpfung geht. Er unterwirft Sich den Gesetzen der Strömung, um dadurch alles Leben an Sich zu ziehen, zu erlösen, heilzumachen und heimzuholen. Wenn wir doch mehr über dieses erschütternde Wort nachdenken würden: "Et verbum caro factum est et habitavit in nobis!" ("Und das Wort ist Fleisch geworden!")

St. Menim, der zweite Engel im Verborgenen Herzen, trägt das Bild des Wortes in der Gewalt der Geheimen Strahlung, dieses Wortes, das wie ein Licht in der Finsternis zu uns kam, und die Finsternis hat es nicht begriffen. Noch jetzt begreifen Tausende nicht Jesus Christus, den Retter des Menschengeschlechtes, obwohl sie nur zu gut die Strahlkraft Seines Wortes spüren. Aber wie die Himmel in ihren Strahlungen die Größe und Herrlichkeit Gottes künden, so wollen wir in aller Kraft des Wortes das Licht der Frohbotschaft leuchten lassen, denn: Deine Wege, Herr, sind Wahrheit!

St. Sim, der dritte Engel des Verborgenen Herzens, trägt die Kraft des Allerhöchsten in der Macht des Geistes. Wie sagt doch St. Gabriel zu Maria? "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten." In jedem Ruf Gottes an unsere Seele wiederholt sich im kleinen Maß diese Geisteinwirkung, und so, wie Maria dieses Kraftfeld des Geistes um ihr Herz und um ihr ganzes Sein gelegt hatte, dass kein Dämon und keine Sünde ihr nahen konnten, so sollen auch wir als Getaufte Träger der Kraft des Geistes sein und die anderen Herzen mit dieser Kraft Gottes befruchten zu größerer Liebe, größerer Opferbereitschaft, größerer Macht des guten Beispiels. Aber nie sollen wir dabei das Wort Mariens vergessen: "Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum Tuum!"

 

Quatember-Freitag im Advent – Die drei Gottesgewalten 5. v. Chor

Drei Engel hat Gott zu einer Gruppe zusammengestellt innerhalb des Chores der Gewalten und ihnen eine Macht ähnlich der des Verborgenen Herzens übertragen. Der erste der Drei ist St. Diloim, der Engel der Gewalt des stofflichen Lebens. Seit unser Herr Jesus Christus Gestalt angenommen hat im Leib der Jungfrau Maria, ist Er Sieger über den Dämon, der die Schöpfung knechtet, der sich Blutopfer von den Menschen darbringen ließ. Das Göttliche "Werde!" wiederholt der Prophet: "So spricht Gott, der Herr: 'Ein Reis wird hervorgehen aus der Wurzel Jesse und ein Blütenzweig emporsteigen aus seiner Wurzel.'" Aus der Reinheit und Demut, aus dem Schweigen und dem Gebet wird auch dir, o Mensch, das Göttliche "Werde!", die Gestalt des neuen Lebens, gegeben werden!

St. Chesim trägt die Gewalt Gottes über die Sünde, die Gewalt des Göttlichen "Weiche!", und so ist er im Besonderen der Engel der Priester, des heiligen Bußsakramentes. Jesus Christus allein ist der Richter; von Ihm sagt der Prophet: "Nicht nach dem Augenschein wird Er richten und nicht nach dem Hörensagen entscheiden, sondern Er wird die Armen in Gerechtigkeit richten, Er wird die Erde schlagen mit der Rute Seines Mundes und mit dem Hauche Seiner Lippen die Gottlosen töten." – O heiliger Engel, hilf uns bestehen, denn niemand von uns weiß, wann für ihn die Stunde des Gerichtes kommt. Erbitte uns die Kraft, der Sünde der Gewohnheit und des Charakters mit aller Festigkeit zu entsagen, damit uns die Barmherzigkeit Gottes zuteilwerde!

St. Pharim ist der Engel der Gewalt der Göttlichen Liebe, der Gewalt des Göttlichen Rufes "Komme!" Über tausend Kreuzwege führt uns der Herr dem Ziele zu, das Er für uns gewählt hat, und keiner kann sich diese Kreuzwege aussuchen, nicht einmal Maria konnte es. Aber eins wissen wir: Am Ende wird der Herr stehen, wie es in der Communio des heiligen Messopfers heute heißt: "Siehe, der Herr kommt und alle Seine Heiligen mit Ihm. An jenem Tage erstrahlt ein großes Licht." Dann wird der Herr alle Tränen abtrocknen von unserem Angesicht, und alles Leid wird vergessen sein. Aber wir brauchen nicht erst bis zu unserem Ende zu warten; schon nach jedem Empfang des heiligen Bußsakramentes wendet Sich Gott wieder uns zu und gibt uns neues Leben. Liebe ist Gewalt; darum steht St. Pharim auch im Chor der Gewalten, und in jedem heiligen Sakrament wird das Wort des Herrn "Komme!" voll Liebe an unser Herz klopfen. Und wir bitten mit dem Engel und dem Priester: Biete Deine Macht auf, o Herr, und komm! Wir bitten Dich!

 

Quatember-Samstag im Advent – Die drei Gottesrufer 5. v. Chor

Immer lauter rufen wir nach dem Erlöser, eins mit dem Priester, der betet: "In jenen Tagen werden sie zum Herrn rufen wegen ihres Bedrängers ...", eins aber auch mit dem ersten der drei gewaltigen Gottesrufer, St. Baruchim, dem Keltertreter. Wenn wir bedrängt werden trotz unseres guten Willens, trotz allen Eifers im Guten, dann mögen wir wissen, dass der Keltertreter-Engel über unserer Seele, unserer Gemeinschaft oder unserer Zeit steht. Aber das Himmelreich leidet Gewalt, und vor jedem Wort "Komme!" steht das Wort "Weiche!". Nur wer sich gereinigt hat im Blut des Lammes, nur wer sich das hochzeitliche Gewand erworben hat in Lauterkeit und Demut, wird durch die offene Türe ins Reich Gottes eingehen dürfen. Denn nicht, wer "Herr, Herr!" sagt, ist vor Gott gerechtfertigt, sondern der den Willen Gottes tut, auch wenn es seinem eigenen Willen gar nicht passt. Wer sich aber Gott bedingungslos anheim gibt, zu dem tritt St. Aljochim, der Engel der Gewalt mit dem zerriebenen Samenkorn, das Brot Gottes wird. Gott will uns nicht vernichten, Er will, dass wir leben. Aber Er muss uns prüfen und läutern, wie er Daniel geprüft hat. Der ist wahres Brot Gottes, der so wie Daniel in dem Hymnus Gott preisen kann: "Benedictus es, Domine, Deus patrum nostrorum. Benedicant Te omnes angeli et sancti Tui. Et laudent Te et glorificent in saecula!"

Alle, von denen Gott das Letzte verlangt in Liebe, begegnen St. Aljochim früher oder später. Und es muss so sein, damit Gott eine Heerschar auf Erden habe, auf die Er sich verlassen kann, wenn der "große Abfall kommt und der Widersacher sich sogar in den Tempel Gottes setzen und sich für Gott ausgeben wird" – über dieser erprobten Heerschar Gottes aber wird St. Rem stehen, der Engel der Gewalt der Stoßkraft Gottes. Er wird uns nicht so leicht aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen lassen; er wird uns beistehen im Kampfe gegen den Widersacher Gottes. Wir werden nicht über unsere Kraft geprüft werden, denn schon ist Gott nahe. Gleichwie ein Kriegsheld jauchzend, eilt Er Seine Bahn. Von einem Himmelsende aus beginnt Er Seinen Weg, und bis zum anderen Ende geht Sein Lauf. Freilich wissen wir, dass die größte Kraft in der Torheit des Kreuzes beruht, in der Ohnmacht des Brotes. So wird uns auch St. Rem behandeln: Er lässt uns in den Boden treten, wie Maria von ihren Dorfgenossen bezischelt wurde, und dabei wirft er uns mit der ganzen Stoßkraft der Liebe Gottes mitten in dürres Land, das wir durch die Kraft der Liebe Gottes zum Blühen bringen sollen, er wirft uns mitten in die feindlichen Reihen, damit wir dort das Banner des Sieges Christi aufrichten. So ist Gott! So ist der Engel! Benedictus es, Domine, in aeternum!

 

4. Advent-Sonntag – St. Gabriel 8. Chor

Er ist, wie es im Evangelium heißt, "Von Gott gesandt worden". Wie lieb muss Gott Seine Engel haben, dass Er ihnen diese einmalige Ehre antut, als erste im Erlösungswerk vor allen Menschen aufzutreten! Denn bevor Maria noch ihr Fiat sprach, wurde der Engel mit der Botschaft der Menschwerdung zu ihr gesandt. Und Gott vertraute dem Engel das richtige Vollbringen dieses Planes Gottes an, Er sprach nicht direkt mit Maria. Darüber sollen wir nachdenken, welche Rolle Gott den Engeln gegeben hat uns gegenüber, welche Ehrfurcht wir vor ihnen haben sollen, denn ihren Gruß beten wir täglich immer wieder: "Gegrüßt seist du, o Maria, voll der Gnaden ..."

St. Gabriel ist durch den Auftrag Gottes der Bote geworden, der Engel der Menschwerdung. Er ist zugleich der Engel des Friedens, des Gehorsams, der Hoffnung, der Priester, der Knechte und Mägde Gottes. Er trägt in seinen Händen das Buch der Verwaltung und Abrechnung, er wird es einst vorweisen beim Gericht, da er treu befunden wurde vor Gott. Er gibt uns heute das Leitmotiv mit: Liebe Gott und gehorche Ihm, und du wirst den Frieden des Herzens haben!

 

Sonntag Weihnachts-Oktav – St. Jonael 4. h. Chor

Er ist einer der Sieben aus dem Chor der Hohen Herrschaften, die in sieben sonngoldenen Schalen die Gaben des Heiligen Geistes tragen. St. Jonael ist in der Mitte mit der Geistgabe des Wortes Gottes, dem Licht der Frohbotschaft des Evangeliums als der allein gültigen Wissenschaft. Und er hebt dieses Licht so hoch empor, dass keiner, dem einmal das Taufwasser über die Stirne geronnen ist, sagen kann vor dem Gericht, er habe nie etwas vom Wort Gottes gehört, er habe dieses Licht nie gesehen.

Wir wollen von diesem Engel lernen, das Wort Gottes wirklich immer als Licht zu sehen und hochzuhalten. Betet doch heute der Priester im Introitus: "... die Nacht hatte in ihrem Lauf die Mitte ihres Weges erreicht, da kam, o Herr, aus dem Himmel vom Königsthron herab Dein allmächtiges Wort." Vom Herrn ist alles Wort gekommen und ist durch Sein Wort erlöst und geheiligt. Im Wort arbeitet unser Verstand und drückt das Erkannte damit aus. Das Wort ist das Fundament der Wissenschaft, und seine höchste Blüte ist die Heilige Schrift. – St. Jonael gibt uns das Leitmotiv mit:

Achte auf dein Wort, es kann dir den Himmel oder die Hölle bringen!

 

Namen-Jesu-Fest – St. Pachad 2. Chor

In gewaltiger Größe, gleich einem Flammenschwert, steht der Cherub "Du sollst", St. Pachad, vor unseren Augen. Er trägt die Größe und Erhabenheit des Namens unseres Herrn Jesus Christus; er betet mit dem Priester am Altar: "Im Namen Jesu beuge sich jedes Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde ... Herr, unser Gott, wie wunderbar ist doch Dein Name all überall auf Erden!"

"Du sollst", sagt der Engel, "den Namen Gottes über alle Namen setzten, du sollst ihn lieben, du sollst seiner achten, du sollst aber auch in diesem Namen bitten, dann wird dir gegeben werden." Lehre uns, o Engel, in diesem Namen bitten: Herr, rette die abgefallenen Priester, um Deines Namens willen!

Herr, lass die Kraft ihrer Weihen nicht in die Hände der Dämonen fallen, um Deines Namen willen!

Herr, erleuchte die irregegangenen Gottgeweihten, um Deines Namen willen! Herr, gib den erkalteten Herzen die Gnade der Liebe, um Deines Namen willen! Herr, rüttle die Gleichgültigen auf, dass sie die Nähe des Abgrundes sehen, um Deines Namen willen!

Herr, lass die gottlose Kunst nicht in Deinen Kirchen triumphieren und gib uns das Kreuz wieder, um Deines Namen willen!

Herr, heile die Not der Seelen, die ohne Priester sind, um Deines Namen willen! Amen.

 

Namen-Jesu-Fest – St. Urim 4. v. Chor

Er ist wie eine gewitterschwere Wolke, die blitzezuckend über dem Altare steht, noch gebändigt, gefesselt durch den freien Willen des Menschen, den Gott ihm zugebilligt. Aber glaube nicht, o Mensch, den Namen Gottes beleidigen zu können! In dem Maße, als du Ihn verachtest, zerstörst du dein eigenes Leben! Der Name Jesu ist der Eckstein unter allen Worten; wer Ihn verwirft, wird unter Ihm zerschmettert werden. Es ist kein anderer Name den Menschen gegeben, in dem sie selig werden könnten.

St. Urim gehört zu den Versiegelten Herrschaften und trägt als Ecksäule die gefesselte Liebe Gottes als geheimnisvolles Leben, aber auch die Liebe des Menschen zu Gott als brennende, geheimnisvoll ziehende Bewegung. Er baut das lebendige Kreuz als Rückgrat in die ganze Schöpfung ein in Maß, Struktur und Leben; er hält das Maß des Einswerdens und Einsseins der ganzen Lebewesen in seiner Hand. Denn das Kreuz gehört zum Leben wie der Name Jesu und wie die schöpferische Liebe. Keine Frucht im Herbst ist ohne die Bestäubung im Frühling geworden, und keine Frucht für die Ewigkeit ohne das Eindringen des Herrn mit Seinem Kreuz und Seiner Liebe in die Seele.

Das soll auch unser Ziel sein: Die Heiligung jeder Familie, ihr Stehen unter dem Schutz der heiligen Engel und ihr Fruchtbringen für Gott.

 

Der Thron Gottes in der Schöpfung

1. Sonntag nach Erscheinung – Fest der hl. Familie

Drei Engel aus dem Chor der Throne bilden – noch über dem Wolkendunkel, das die Himmel aller Himmel trägt, – den Thron Gottes inmitten Seiner Schöpfung. Es ist dies ein Geheimnis, dass die drei Engel St. Schemajim, St. Malachim und St. Ophajim Gott in die Schöpfung tragen und doch noch oben im ersten Ring der Anbetung stehen. Während der Thron Gottes über allen Himmeln, von den drei Bina getragen, das Einssein Gottes mit der Schöpfung darstellt, zeigt dieser Thron, von den drei obersten Engeln der Gegensätzlichkeit getragen, das Zweisein: Gott und die Schöpfung.

St. Schemajim 3. Chor

reicht hinab bis zur Wurzel aller Gottgewollten Throne auf Erden – das ist die Familie – und steht hier für den Vater-Gott als der Beschützer des Pflegevaters Jesu, des heiligen Josef. An ihn denkend, beten wir heute im Introitus: "In Freude jauchzt der Vater des Gerechten, Dein Vater freue sich und Deine Mutter ..." Der Vater verwaltet das Leben der Familie; von ihm, dem heiligen Josef, soll jeder Vater lernen, ein Thron Gottes des Vaters zu werden in der Statik der Treue, in der Dynamik der Bändigung und Nutzbarmachung der Schöpfung in ihren Gegensätzlichkeiten von Feuer und Wasser, von Licht und Dunkel, warm und kalt. St. Schemajim hilft ihm, die Hand zur Arbeit zu gebrauchen und das Auge zum Erkennen, Unterscheiden und Urteilen im Namen Gottes.

St. Malachim 3. Chor

steht hier als Engel des Sohnes und trägt die gebündelte Kraft des Wortes in der Gegensätzlichkeit von Weite und Enge, Fülle und Leere, in der Strahlkraft von Anruf und Antwort. An ihn denkend beten wir in der Epistel: "In reicher Fülle wohne Christi Wort in euch, Brüder! Belehret einander und mahnet einander in aller Weisheit ..." St. Malachim steht über dem jungen Menschen in der Familie, er treibt ihn hinaus, Gott zu künden, für Ihn zu leben; er gibt ihm die Spannkraft des Idealismus, den Feuergeist, den Kampfesmut, er reicht ihm das Kreuz der Lebensweihe, das Schwert des Gottesstreiters, den Stab der Mission.

St. Ophajim 3. Chor

aber behütet die Mutter als Thron Gottes. Maria ist der liebste Thron des Herrn, sie ist ja die Liebe, vom Heiligen Geist überschattet, sie ist "das Band der Vollkommenheit", zu ihr sagt Gott: "Siehe, Ich komme!" Der Engel trägt für sie das Herz Gottes in die Schöpfung, das schneeweiße, von Engeln umgeben; und Maria hält Gott das Herz Jesu entgegen, das blutrote, vor Liebe glühend und ihr eigenes Herz umschließend. Zwischen diesen beiden Herzen geht der Pulsschlag der Liebe und lässt alle Gegensätzlichkeiten der Liebe von Bindung und Lösung, von Einssein und Getrenntwerden, von Irdisch und Himmlisch, lösen und in eins einmünden: In Gott. Das soll auch unser Ziel sein: Die Heiligung jeder Familie, ihre Unterstellung unter den Schutz aller heiligen Engel und das Auswerten aller Früchte dieser gottgesegneten Familie für Gott.

 

2. Sonntag nach Erscheinung – St. Viraguel 4. h. Chor

Ein Gnaden-Engel betet heute an diesem Gnaden-Sonntag mit dem Priester am Altare die Epistel: "Segnet, die euch verfolgen, segnet und fluchet nicht, seid in brüderlicher Liebe einander untertan, seid eines Sinnes untereinander ..."

Wer kann dieses überfließende Gottesgeschenk der Gnade erfassen? Sie ist die Weisheit, sie ist die Liebe, sie ist das Leben aus Gott. Seht nur diesen wunderbaren Engel: Die strömenden, regenbogenfarbenen Wasser kommen aus der breiten Schale mit der Geistgabe des Wassers der Gnade, der Weisheit, die er in Händen über sich hält, und niemals versiegt dieses lebenspendende Wasser. Wie Jesus einst auf der Hochzeit zu Kana das Wasser in Wein verwandelte, so verwandelt die Gnade unaufhörlich die natürlichen Werke des Menschen in übernatürliche, wenn der Mensch nur Gott von ganzem Herzen liebt und den Willen Gottes an sich erfüllt. Und wenn seine Seele ausgetrocknet wäre von Verbitterung und Gleichgültigkeit, wenn er nur "ja" sagt zu Gott, wenn er nur "ja" sagt zum Willen Gottes und gerne Gott lieben möchte, so hat schon die Gnade an sein Herz geklopft, und die Barmherzigkeit Gottes wird ihn wieder zu einem grünen Acker machen, lebendig, der Gnade zugänglich.

Das soll unser Leitmotiv sein: Sorget, dass der Brunnquell der Gnade niemals in euch versiegt, dann könnt ihr weitergehen in Freude!

 

3. Sonntag nach Erscheinung – St. Phatiel 6. n. Chor

Wie zeitnahe ist die Epistel! "... Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid auf das Gute bedacht, ... bleibt mit allen Menschen in Frieden. Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde du das Böse durch das Gute." Seht die Verbindung von diesen Worten zum Engel dieses Tages, dem Engel der dienenden Barmherzigkeit! Er lehrt uns den Begriff "Nächster" wieder richtig fassen, denn der Nächste ist nicht bloß die nächste Familie oder der uns liebe Freund und sonst keiner. Der Nächste ist jeder, den dir Gott nahe schiebt, sei es durch eine Gemeinschaft, eine Berufsarbeit, durch eine Hilfeleistung. Aber auch dein Feind ist dein Nächster! Auch den schiebt dir Gott nahe, damit du ihn durch Liebe versöhnst und von seiner Feindschaft bekehrst, damit du zumindest in aller Innigkeit für ihn betest und sühnst. Das ist dienende Barmherzigkeit, die niemand sieht als Gott allein, und die daher um ein Vielfaches werthafter ist als öffentlicher Caritasdienst. Dies sagt uns St. Phatiel:

Nicht nur ertragen, auch von Herzen verzeihen und lieben, das ist die Nachfolge des Herrn!

 

4. Sonntag nach Erscheinung – St. Mun 5. n. Chor

Hingabe ist nicht eine Gefühlssache, sonst würde Gott nicht einen Engel der Gewalt zum Träger dieser Aufgabe machen, die verborgene Hingabe an Gott bei den Menschen zu behüten und zu pflegen. Die wahre Hingabe an Gott verlangt Gewalt gegen sich selbst und gegen die Umwelt. Wie leicht bindet sich der Mensch – sogar an Gott! Und dann wird es ihm auf einmal zu schwer, er glaubt, es nicht mehr aushalten zu können. Wenn wir aber heute die Epistel aufmerksam durchlesen, dann kommen wir wohl darauf, dass wir zu wenig Gewalt gegen uns selbst geübt haben, dass unsere Liebe mehr eine habenwollende als eine gebende war, dass wir in der Liebe nicht an die Erfüllung des Gesetzes Gottes gedacht haben, sondern an die Erfüllung unserer persönlichen Wünsche. Wir sagen dann so schnell: Wir haben es uns anders vorgestellt, wir haben es uns leichter gedacht. – Hingabe an Gott ist Kreuzweg! Und die verborgene Hingabe ist noch dornenvoller, weil sie mit Sühne verbunden und meist um dieser Sühne willen der Feindschaft zwischen Maria und Satan preisgegeben ist. Solche Hingabe kann nur mit Gewalt des Himmels geschützt werden.

Lernen wir von St. Mun das Schweigen, das die Welt verlernt hat, und den Leitspruch: Die schönste Liebe zu Gott ist die, welche von der Welt durch das heilige Schweigen getrennt ist.

 

5. Sonntag nach Erscheinung – St. Nazariel 5. n. Chor

"Ziehet an mitleidiges Erbarmen, Güte, Geduld; ertraget einander und verzeihet einander", heißt es in der Epistel. Was liegt da näher, als dass uns der Herr einen Engel der sühnenden Liebe vor Augen stellt, St. Nazariel, die Gewalt des Sühnopfers?

Wir dürfen über die Menschen, die irregehen, die den Weg zur Kirche nicht finden, nicht so ohne weiteres den Stab brechen. Denken wir nach über das Evangelium vom guten und schlechten Samen: Unser Herz ist der Acker. Gott lässt durch die Eltern, den Priester, den Lehrer den guten Samen ins Herz des Kindes säen, und alles geht schön auf. Aber eines Tages ist der schlechte Schulkamerad da, die schlechte Freundin – und schon ist das Unkraut ins Herz gesät. Der Mensch wird lau, trotzig, zweifelt, und die neuen, schlechten Angewohnheiten fangen an, den guten Charakter zu überwuchern. Dürfen wir diesen Armen nun einfach fallenlassen?

Sühne ist Gewalt und braucht Gewalt, denn in der Sühne stellen wir uns zum Kampfe gegen die Hölle, um ihr die Beute zu entreißen. Und der Dämon ist zähe, hinterlistig, brutal. Nur mit der Kraft Gottes und der Hilfe der heiligen Engel können wir durchhalten. Aber dann ist die Freude groß. Durch die Sühne ist dir die Barmherzigkeit Gottes gesichert!

 

6. Sonntag nach Erscheinung – St. Advisiel 7. Chor

Der Sauerteig, von dem heute im Evangelium die Rede ist, weitet den Teig, dass er "aufgeht". Und wenn dieses Gleichnis auf den Himmel Bezug hat, so kann es wohl am besten der Schutzengel dieses Tages erklären, St. Advisiel, Macht des Vertrauens zu Gott, Engel der Hoffnung.

Ja, so ist es: Die Hoffnung ist das kleine Senfkörnlein des Himmels, ins Herz des Menschen gesät. Und wenn es aufgeht, dann wandelt es des Menschen ganzes Wesen in Freude. Froher Mut erfüllt mich, Dankbarkeit gegen Gott, Liebe zum Nächsten, und einem solchen Menschen schaut oft der Himmel aus den Augen.

Das Vertrauen ist auch umwandelnd, es ist wie der Sauerteig in diesem Gleichnis. Es durchsetzt das Gefühls- und Geistesleben und macht den Menschen aufgeschlossen, hilfsbereit, gütig, gläubig und liebend. In seinem gläubigen Vertrauen bewegt er das Herz Gottes und erreicht alles. "Glaubet nur, dass ihr es erhaltet, um was ihr bittet, und es wird euch zu teil werden."

Darum heißt es auch von diesem Engel: "Er weitet das Herz des Menschen und lässt es wie eine Blume hineinwachsen in den dunklen Glauben, in das blinde Vertrauen." Und Maria nimmt diese Blume – sie ist ja die bittende Allmacht – und legt sie ins Herz Gottes. Kann da Gott widerstehen?

Der Engel der wachsamen Treue

Die Barmherzigkeit Gottes lässt ihn stehen, stehend auf einer Patene. Und er hält eine wundersame Blume in der Hand: Viele leuchtende Glocken hängen an einem einzigen starken Stängel.

Und er sagt: "Wie die Blume es dir im Bilde zeigt, bist auch du aus dem Stoff der Erde, und deine Seele soll blühen vor dem Herrn in deiner ganzen (geistigen und leiblichen) Familie. Du musst feststehen, damit sich alle an dir halten können. Und deine Seele soll gottgeöffnet sein, damit du die Menschen um dich immer verstehen kannst. Dein Fundament ist Gott. Seine Gnade ist das Erdreich für deine Werke.

Dein Wille muss aus deiner Treue kommen. Keine Tugend ist so hellhörig und wachsam wie die Treue. Aber keine Tugend verlangt auch so viel Willenskraft wie die wachsame Treue. Sie muss schweigen können und doch lieben. Sie muss dienen können und dennoch immer froh sein. Sie muss aus klaren Augen kommen und aus einem tapferen Herzen. So wie der starke Schaft der Blume voll Leben und Kraft ist und dieses Leben den Blüten weitergibt, so muss deine Seele immer genährt sein vom Tabernakel mit der Liebe Gottes, mit Seiner Gnade. Wenn Gott dich in die Schule des Kreuzes schickt, so sei wie ein Kind, das voll Fleiß die Aufgaben vollbringt und den anderen ein gutes Beispiel gibt. In deiner Wachsamkeit liegt das Maß für das Rechttun derer, die auf dich schauen. In deiner Treue liegt dein Lohn der Liebe für die Ewigkeit. Bereitschaft für den Herrn ist Bereitung für den Herrn."