1. April – St. Pashael 5. h. Chor

Dieser Engel von Hoher Gewalt, der heute unser Fürbitter ist, trägt den Willen Gottes zum Frieden und zur Versöhnung. Er trägt daher als Symbol Brot und Wein und eine kleine Schale Salz. Zum Zeichen der Versöhnung und des Friedens hat man auch bei den Menschen von jeher gemeinsam etwas gegessen, nach alter Sitte ein Brot mit etwas Salz und einen Trunk Wein dazu.

Und unser Herr Jesus Christus hat als das größte Zeichen der Versöhnung Gottes mit dem Menschen Sich Selbst in den Gestalten von Brot und Wein den Menschen gegeben. Wir beten in der heiligen Messe vor der Wandlung: "So nimm denn, wir bitten Dich Herr, diese Opfergaben (Brot und Wein) huldvoll auf. Lenke unsere Tage in Deinem Frieden und bewahre uns gütig vor der ewigen Verdammnis ..."

Dass der Allmächtige Gott einen Engel der Gewalt als Träger des Willens Gottes zum Frieden bestellt hat, zeigt, dass nicht nur in den Ländern, sondern auch in den Seelen der Friede und die Versöhnung mit Gewalt verbunden sein muss, sollen sie bestehen bleiben. Der Friede ist ein so umstrittenes Gut, dass er meist in der Verbindung mit dem Schwert als Folge und Nachfolge der Schwertarbeit erscheint. Das Osterlamm musste geschlachtet werden, um den Frieden zu bringen, und die Versöhnung ist der Schlussstein oft wildester Kämpfe.

Aber unser Gott ist nicht ein Gott blutiger Kriege, des Kampfes und der Gewalt. Er ist ein Gott des Friedens, sonst hätte der Vater Seinen Sohn nicht dieses harte Erlösungswerk vollbringen lassen. Gott lässt Sich den wahren Frieden etwas kosten, und immer wieder streckt Er die Hand zur Versöhnung aus. Er hat diesem Seinem Willen zum Frieden und zur Versöhnung immer wieder ein Mahnmal gesetzt – hier und heute vor unseren Augen durch Seinen Engel St. Pashael, der den Willen Gottes zum Frieden und zur Versöhnung auch in der Statik Gottes trägt. Der Wille zum Frieden ruht wohl bei einem Engel der Dynamik, da alle Engel der Gewalt in ihrer Grundstruktur Dynamiker sind, aber er ruht in der Statik, da St. Pashael als Hohe Gewalt dem Vater zugeordnet ist. Der Friede, den St. Pashael im Willen Gottes den Menschen vermittelt, soll die Ordnung im Ablauf der Schöpfung stützen, die Möglichkeit für den Menschen, nach dem Willen Gottes, zu Seiner Ehre und in Seiner Liebe im Frieden leben und wirken zu können.

Gebet: Herr und Gott, Du Urheber allen Friedens, Du schlägst wohl mit dem Schwert, aber Du heilst auch die Wunden, dass wir neu werden in Deiner Liebe und in Frieden Deine Versöhnung erlangen. Amen.

 

2. April – St. Pergamim 5. v. Chor

Der Engel der Beharrlichkeit steht heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron. Er trägt ein seltsamen Symbol, das er Gott hinhält: Eine Honigwabe. Dieses Symbol passt äußerlich kaum zu diesem hohen, fast streng wirkenden Engel, und doch wird es wohl das aussagen, was wir verstehen können und sollen.

St. Pergamim, der Engel der Beharrlichkeit aus dem Chor der Gewalten ist versiegelt für die Endzeit. Wenn sein Siegel gelöst ist, dann wird er seine Aufgabe in die Hände seiner Königin und in die Gemeinde Gottes zurücklegen, und nur, wer in Maria und dort geborgen ist, wird von da an die Beharrlichkeit kennen inmitten der Stürme der Endzeit, wo die Menschen von Angst und Verzweiflung, von Hass und Rachsucht geschüttelt sein werden.

Dass dieser Engel aus dem Chor der Gewalten ist, sagt aus, dass die Beharrlichkeit nicht mit Trägheit zu verwechseln ist, sondern eine Gewalt in der geistigen Welt bedeutet. Man muss sich Gewalt antun, wenn man treu und ohne Wanken, durch alle Hindernisse, in Geduld und Tapferkeit sein Ziel erreichen will: Gott! Dorthin muss sich unsere Beharrlichkeit richten und dorthin weist auch das Symbol, das St. Pergamim trägt, die Honigwabe: Mit unermüdlichem Fließ baut die Biene an ihrer Wabe; und ebenso treu sammelt sie in Tausenden von Flügen den Honig oft aus den kleinsten Blüten. Auch die Biene ist aus Gottes Hand geworden, und wir können von vielen Geschöpfen etwas Gutes für uns lernen. So fühlt sich kein Engel in seiner Ehre und Macht und Abstammung verletzt, wenn er ganz einfache, für einen Engel einfache Aufgaben bekommt – an einer Wegbiegung zu stehen, einen Fisch oder ein Vogelnest oder eine Honigwabe zu halten als Symbol, damit wir darin seine Aufgabe besser verstehen können.

Das Symbol ist etwas Einfaches, aber die Aufgabe ist groß. Die Beharrlichkeit ist eine Tugend, die aus der vielgeprüften Treue kommt und aus dem Schweigenkönnen herauswächst. Sie ist etwas Lebendiges, sogar Kämpferisches, aber der Kampf richtet sich gegen den Menschen selbst, gegen die eigene Mutlosigkeit, Bequemlichkeit und gegen den eigenen Wankelmut. Es liegt das heilige Schweigen und der Eifer in der Rettung der Seelen immer in der Beharrlichkeit; ihr Lohn wird einst groß sein im Himmel.

Gebet: Wir bitten Dich, heiliger Herr und Gott, um Mariens und aller Engel und Heiligen willen um die Gnade der Beharrlichkeit, dass wir feststehen in unserem Glauben, in unserer Hoffnung, in unserer Liebe, und ausharren, bis Du kommen wirst, uns heimzuholen. Amen.

 

3. April – St. Chesim 5. v. Chor

Wie eine dichte, schwere Gewitterwolke steht der Engel St. Chesim, sei es wo immer, ob vor dem Thron Gottes oder auf seinem Platz inmitten der Versiegelten Gewalten. Er ist wie die Zusammenballung des Zornes Gottes; wehe, wohin der Blitz aus dieser Wolke trifft!

St. Chesim gehört zu den Versiegelten Gewalten. Gewalt ist eine zusammengeballte Kraft in einer bestimmten Zielrichtung, sie ringt den anderen nieder. Die Versiegelten Gewalten sind noch siebenfach stärker und gewalttätiger als die anderen Gewalten, weil alle Engel der Endzeit von siebenfacher Kraft und Macht sind, auch die Engel der Liebe und der Barmherzigkeit, des Glaubens und der Torheit des Kreuzes, die in der Endzeit stehen.

Die Versiegelten Gewalten sind drei und sieben und wieder drei und sieben; in ihrer Mitte sind die Ecksäulen. In dieser Art sind auch die Throne eingeteilt und durch diese Einteilung ähneln die Versiegelten Gewalten auch den Thronen: Der Wille des Vaters und die Kraft des Sohnes, welche dem Vater Gerechtigkeit geben und Genugtuung leisten will, sind hier stärker vertreten als das Wehen des Heiligen Geistes, das wieder bei den Herrschaften stärker hervortritt. Bei den Versiegelten Gewalten wird vor allem das eifersüchtige Ringen Gottes um die Seelen, ja um jede einzelne Seele, deutlich, besonders in den ersten drei der Versiegelten Gewalten, St. Diloim, St. Chesim und St. Pharim.

St. Diloim trägt den Willen des Vaters im Wort an die stoffliche Schöpfung, er trägt wie die Throne das Wort des Lebens durch den Vater: "Werde!" In diesem "Werde!" liegt aber auch das gewalttätige Anklopfen des Sohnes an die Seele jedes einzelnen Menschen, zum Neuwerden in der Erlösung.

St. Pharim trägt die Gewalt der Liebe, die jedem Menschen, der das Anklopfen des Sohnes mit gutem Willen zur Nachfolge des Herrn beantwortet hat, das Göttliche Wort zuruft: "Komme!" Das herrlichste "Komme!" wird am Jüngsten Tag denen erklingen, die zur Rechten des Richters stehen dürfen.

St. Chesim aber trägt die Gewalt der Göttlichen Gerechtigkeit im entscheidenden Wort gegen alle Sünde, gegen alle Auflehnung, deren sich das Geschöpf schuldig gemacht hat, im Worte: "Weiche!" Das erste "Weiche!" vollzog sich im Sturz der ungetreuen Engel, das letzte wird dem Sturz der ungetreuen Menschen gelten. Welche Zusammenballung liegt in diesem fürchterlichen Wort, das auf ewig das Geschöpf von seinem Schöpfer, von seiner Seligkeit trennt! Möge niemand von uns es hören!

Gebet: Heiliger Engel! Wer dich schön zu nennen vermag in deiner gewaltigen Aufgabe, der weiß um die absolute Souveränität Gottes. Erwirke uns die Gnade, heiliger Engel, niemals das Wort, das du trägst, aus deinem Mund zu hören, es aber selbst gegen jede Versuchung und Bedrängung durch die höllischen Mächte der Finsternis zu sprechen, in deiner Erkenntnis, mit deiner Gewalt. Amen.

 

4. April – St. Basamed 9. Chor

Das Bild mancher heiliger Engel möchte ganz behutsam gezeichnet werden, damit das, was man nicht sagen kann, von selber zu sprechen anfange.

Vor Gottes Thron steht ein Engel. Er hat ein kleines Bündel Korn im Arm. Das dämmerige Gewand, fast der Farbe des abendlichen Himmels gleich, hängt von den Stufen hinab über die Wolkenbänke wie eine zarte Himmelsleiter. Mit großen, stillen Augen, die dankbar sind und suchend zugleich, will er den Blick seines Herrn und Gottes hinunter lenken auf den großen Acker der Welt. Der Engel ist St. Basamed mit der letzten Kornähre. Er ist als Engel des 9. Chores einem höheren Chor zugeteilt, nun dienend im Chor der Herrschaften der Liebe Gottes, dieser durch ihre Weite und Tiefe und Glut unfassbaren Liebe Gottes, dargestellt im dreifachen Symbol des Brotes:

Als Liebe des Vaters – im Mannah, Bild von Nahrung und Leben der Schöpfung; als Liebe des Sohnes – im Heiligsten Brot, Nahrung und ewiges Leben der Seelen; als Liebe des Geistes – im Brot der Engel als siebenfache Fülle.

Und von der Liebe her ist auch St. Basamed zu verstehen: Nur die Liebe Gottes kann solche Aufgaben den Engeln stellen: Noch die letzten Kornähren zu suchen auf den Äckern der Welt, die schon zu Lebzeiten des Menschen abgeerntet wurden ("du hast deinen Lohn schon empfangen!").

Und so geht St. Basamed mit seinen stillen, suchenden Augen über die abgeernteten Felder der Menschen, auf denen die Lust und die Sünde und die Lauheit schon abgeerntet haben für sich und nicht für die Scheuer Gottes, ihre eigene Tasche füllend, die ein Loch gegen den Abgrund zu hat. Auf diesen armen, kalten und kahlen Feldern sucht St. Basamed noch die letzten Kornähren, das letzte Gutestun aus Furcht vor dem Richter-Gott, das letzte Wenden zur Barmherzigkeit Gottes hin, die letzte Ähre, die dem Alter und der Krankheit noch verblieben ist in der Ergebung in den Willen Gottes, im letzten "Mein Jesus, Barmherzigkeit!" auf den Lippen der Sterbenden. Aber es ist eine Kornähre und vor Gott fällt kein Wort und kein Blick und kein Gedanke ins Nichts. Gott wägt diese arme, kleine Kornähre und die himmlische Mutter legt das Blut ihres Sohnes dazu und ihr mütterlich fürbittendes Herz und alle Sühneopfer ihrer Kinder auf der ganzen Erde; und dann darf wohl St. Basamed diese arme, geringe Seele – arm und gering, ob sie auch die Seele eines Reichen, Mächtigen, Angesehenen war! – bergen für das himmlische Vaterhaus. Das ist immer der schönste Lohn dieses stillen Engels.

Gebet: Barmherziger Gott! Lass unser armseliges Leben und Tun unter den behütenden Augen Deiner Engel liegen, damit wir nicht verlorengehen, sondern als "kleine Beute" einst heimgebracht werden. Amen.

 

5. April – St. Eliguel 9. Chor

Er nennt sich "der Geringste unter den Engeln", und doch ist seine Aufgabe groß, für einen menschlichen Geist gar nicht abschätzbar: Er hat die Schätze der Reichen zu zählen, dieser schlichte Engel mit der Wurfschaufel und dem leeren Scheffelmaß, St. Eliguel, der mitten im "dunklen Regenbogen" steht. "Dunkler Regenbogen?" Für die heiligen Engel gibt es andere Begriffe als für die Menschen. Raum und Zeit haben bei ihnen andere Ausmaße: Durch vieles sehen sie mühelos hindurch, anderes sehen sie, das wir nicht sehen, und sie hören vieles, was wir nicht hören. So hören sie alle Töne, die von der Erde wie in einem dunklen Bogen – weil nicht sehbar, aber hörbar – bis zu Gottes Thron emporsteigen. Diese Töne sind der dunkle Regenbogen. Für die heiligen Engel leuchtet auch dieser Regenbogen verschiedenfarbig, was wir Menschen uns gar nicht vorstellen können. Die Töne des Lobpreises der heiligen Engel, die alle Töne von der Erde zum Himmel umschließen, wie der helle, leuchtende Saum den irdischen Regenbogen umschließt, hüllen das Atmen der in Gott ruhenden Schöpfung ein gleich dem gleichmäßigen Wellengang eines ruhigen Meeres.

Aber innerhalb dieses Atmens der Schöpfung, da kommen ganz unruhige Töne zum Vorschein wie die unregelmäßigen Stöße eines erregten oder kranken Herzens; das sind die Töne der geschäftigen Welt, die Herzstöße der ringenden Menschheit. Und da drinnen steht nun symbolhaft St. Eliguel für die abgerissenen Töne der verirrten Schafe: Die sich in Dornen verstrickt haben durch ihren "Reichtum", ihre Anhänglichkeit an die Welt und an irdische Dinge; die sich Besitz um Besitz eintun, als wäre ihres Bleibens auf Erden ewig, und die doch nichts mitnehmen können über die Brücke ins Jenseits. Kommt dann die Stunde der Not, des Sterbens, dann ist das Scheffelmaß dieses riesengroßen Engels leer, denn für die Ewigkeit gilt nur Ewigkeitswert.

Dann aber sammelt St. Eliguel die angstvoll zerflatterten Töne dieser verirrten Schafe und bringt ihren Reichtum an Armseligkeiten vor Gott. Und der Herr, der Gute Hirte, geht mit Seinen Priestern und Getreuen diesen in den Dornen der Lust der Welt, im Wust der Anhänglichkeit an die Welt gefangenen Schafen nach und bringt auch sie heim. Und von ihnen heißt es dann: "Es ist mehr Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen" – scheinbar "Gerechte", die glauben, der Buße nicht bedürftig zu sein. Wer ist der Buße nicht bedürftig?

Gebet: Großer, heiliger Engel, schaufle alles vor Gott Wertlose von unserer Seele weg, selbst wenn sie dann nackt wird, damit wir das saubere Kleid der Barmherzigkeit Gottes anziehen können und vor Gott hintreten dürfen. Amen.

 

6. April – St. Edraim 9. Chor

In der Mitte aller Engelchöre stehen die Gewalten. Schon nach ihrem Namen kann man auf die Wucht und Größe ihrer Aufgabe schließen.

In der Mitte aller Gewalten steht St. Sederim, der Engel des Widerspruchs. Kaum ein anderer Engel ist von einer solchen Eigenart wie dieser. Trägt er doch die Gegensätzlichkeit Gottes in ihrer Widerspiegelung gegen die Schöpfung zu. Er hält beide Hände zu Fäusten geballt, sie sind versiegelt. Sie werden erst zum Jüngsten Gericht geöffnet werden. Die eine Hand enthält das Siegel, den Schlussstein "Komme!" Dieses Wort wird Gott in Seinen Mund nehmen und wie ein Siegel auf alle Gesegneten drücken als Zeichen ihres Eingehens in Gott und Gottes Herrlichkeit. Die andere Hand St. Sederims enthält das Siegel, den Schlussstein "Weiche!" Dieses Wort wird aus dem Munde Gottes über die Verfluchten fallen wie ein Felssturz und sie hinab reißen in den ewigen Abgrund, in die ewige Verdammnis der Gottlosigkeit.

Um beide Hände St. Sederims stehen Engel, vier und vier. Sie stützen die Hände St. Sederims, zwischen denen fortwährend Blitze wie starke Ketten hin und her zucken nach allen vier Himmelsrichtungen. Die vier Engel um die linke Hand St. Sederims nennen sich "die vier Rächer"; sie sind es, welche die Erstgeburt Ägyptens geschlagen haben; sie sind die Rächer der himmelschreienden Sünden. Die Engel um die rechte Hand St. Sederims nennen sich "die vier Brüder". Sie holen die Seelen, die sich Gott aus Liebe bedingungslos ausgeliefert haben, und formen sie nach dem Wunsch und dem Ebenbild Gottes und stellen sie an jenen Platz, den ihnen die Liebe Gottes bestimmt hat.

Einer dieser vier Brüder ist St. Edraim, der heute als unser Fürsprecher vor Gottes Thron steht. Er ist groß wie eine gotische Säule, und alles an ihm zittert vor der Gewalt der Liebe und des Willens Gottes, die Seelen an sich zu ziehen und in Schönheit zu vollenden. Er hat eine Patene in Händen; sie ist durchsichtig wie Glas und scharf wie Stahl. Wie ein Arzt, wie ein Bildhauer, wie eine liebende Mutter schneidet er ringsum alles ab, was der Seele hinderlich ist auf ihrem Weg zu Gott. Immerfort schaut Gott durch dieses Brennglas auf sein Werk, ob die Seele schon in Schönheit ihm entgegen leuchtet. Immerfort kann die Seele durch dieses Glas wie durch einen Spiegel auf Gott sehen und in Seiner Liebe immer mehr erglühen. Wenn auch der Engel der Seele Gewalt antut und manches arg schmerzt, in der Ewigkeit wird sie jubeln und es ihm danken.

Gebet: Wenn du auch brennst und schneidest, heiliger Engel, groß und gewaltig zeigst du das Ziel, nach dem wir uns sehnen: Gott, unsern Herrn!

Lass nicht ab, bis wir das sind, was Gott von uns will in Seiner Liebe! Amen.

 

7. April – St. Diloim 5. v. Chor

So wie einst St. Johannes der Täufer wie ein lebendiger Weckruf durch seine Zeit ging, den Messias anzukünden, so hat Gott seit jeher Engel ausgesandt, die Menschheit immer wieder zu rufen und wachzurütteln. Die Sünde macht den Menschen träg im Guten, unlustig zur Selbstüberwindung, schwach gegen alle Versuchungen durch die Hölle.

Ein solcher Rufer steht heute als unser Fürbitter vor dem Thron des Allerhöchsten, St. Diloim, aus dem Chor der Gewalten. Er ist einer der drei, die den Namen "Gottesgewalten" tragen und im Chorteil der Versiegelten Gewalten den Willen des Allmächtigen Gottes im "Werde!", im "Weiche!" und im "Komme!" in die Schöpfung hineinrufen. St. Diloim, der das "Werde!" ruft, hat sein Angesicht dem Vater im Himmel zugewendet, er fängt dieses Wort, das immer Seiende, das der Vater zur Schöpfung, zu allem Leben in der Schöpfung spricht, mit seinem ganzen Willen auf. Er fängt es gleichzeitig in der Torheit des Kreuzes auf, da seine Kraft gedrosselt ist und erst zur Endzeit frei wird, sich aber dann vor allem der ringenden Kirche, den in der Läuterung nach Gott glühenden Seelen zuwendet und von der übrigen Schöpfung das "Werde" ablenken muss. Darum werden in der Endzeit die nach Gott hungernden, für Gott kämpfenden und leidenden Seelen die siebenfache Kraft erhalten und für viele Seelen die Tore zum Ewigen Leben der Seligkeit aufstoßen können, weil St. Diloim ihnen diese "Werde" mit der ganzen Kraft der Liebe des Heiligen Geistes ins Herz senken wird.

Wir können uns ihn vorstellen mit einem Angesicht voll Sonne, mit weit ausgebreiteten Armen wie Türen eines Flügelaltars, an jeder Hand drei Finger ausgestreckt. Dies bedeutet nicht nur im Bild den Anruf Gottes, des Allmächtigen Schöpfers Himmels und der Erde, an alles Geschöpfliche, es bedeutet den Schwur Gottes des Sohnes, die Menschen für das ewige Lieben im Himmel retten zu wollen; es bedeutet auch die Schwurfinger der Engel, die einst Zeugnis für die Langmut Gottes und gegen unsre Taubheit ablegen werden.

Auch durch unsre Tage geht St. Diloim. Wir hören ihn durch die aufrüttelnde Stimme des Predigers, der uns die Schlafmütze vom Kopf zieht samt der Maske des Frommen, so dass sich die Seele plötzlich voll Erschrecken wie bloß sieht und nach der Gnade des "Neu-werden-dürfens" durch das heiligen Bußsakrament greift. Wir sehen, wie sich die Spuren seiner Schritte in den frühlingsfrohen Blumen und den lachenden Kinderaugen spiegeln. Wir erahnen auch das ewige "Werde" im verklärten Angesicht eines unserer Lieben, der nach einem harten Ringen in den ewigen Frieden eingegangen ist.

Gebet: Heiliger Engel Gottes, du machtvoller Fürsprecher, rühre mit deiner Hand an unsre Seele, damit wir an der Größe und Gewalt der Menschwerdung des Sohnes Gottes auch die Größe und Gewalt Seiner Erlösertat erahnen, die Worte unseres Herrn in uns aufnehmen, wie ein Acker das Samenkorn aufnimmt. Mach uns hellhörig, du Gewalt aus Gott, damit wir den Weckruf der Engel nicht verschlafen, sondern das "Werde" zum ewigen Leben der Seligkeit erwarten dürfen. Amen.

 

8. April – Rahuel 9. Chor

Das ist der Engel, der die Perle trägt, von der es im Evangelium heißt: "Wer sie gefunden hat, verkauft alle seine Habe und kauft diese Perle". Der Engel heißt St. Rahuel. Die Engel des 9. Chores sind uns alle ganz nahe. Sie leben um uns und mit uns, sie gehen uns voran wie Wegweiser, sie halten das Licht der Gotteserkenntnis über uns und wehren die Schlange ab, die uns schaden will. Nach dem Willen Gottes gehören alle Schutzengel diesem Chor an; auch die Engel höchster Chöre werden als Schutzengel ganz "arm und schlicht", weil auch unser Herr Jesus Christus ganz arm und schlicht zu uns in die Tiefe stieg. Je näher die Engel den Menschen rangmäßig stehen, desto besser können sie sich in uns hinein denken und hinein fühlen, desto besser können sie uns in allen unseren Alltagsnöten und Alltagsmühen beistehen. Die Engel höherer Chöre weisen uns wohl die große Linie, die wir oft nicht fassen; und wenn wir nicht die Liebe und Großmut Gottes erkennen und mit unserer Liebe und Großmut beantworten, so bringen wir unserem Schutzengel nur wenig Ehre ein; denn auch der Engel ist für uns ein Pfund, für das wir einst Rechenschaft ablegen müssen auf die Frage: "Was hast du mit deinem Engel getan?"

Die Perle ist das Wort Gottes, mit dem wir das Himmelreich gewinnen können. Wir hören es oft, aber vergessen es. Erst dann, wenn es in uns lebendig und wehrhaft wird, dann gilt es im Acker unsrer Lebenswerke einem Schatz gleich, einer Perle. Wir müssen aber diese Perle auch lebendig erhalten, denn die Perle ist etwas Lebendiges, das ersticken, stumpf und matt und morsch werden kann. Um das Wort Gottes in uns lebendig zu erhalten, müssen wir es zu unsrer Heilung und Heiligung verwenden, müssen wir es rein bewahren als Spiegel unsrer Seele.

So sollen wir deshalb St. Rahuel sehen: Als den Träger der Heiligkeit, der Liebe Gottes, die von uns erwartet, dass wir das Wort Gottes erkennen, dass wir mit unserer Gegenliebe antworten, dass wir Gott aus ganzer Seele in aller Reinheit und Lauterkeit all unserer Gedanken, Worte und Werke lieben, dass wir diese Perle nie mehr auslassen und lieber alles lassen als das Wort und die Liebe Gottes. Denn diese Perle, wenn wir sie einst vors Gericht bringen, wird uns Rechtfertigung und überreicher Lohn sein; Gott lässt sich an Großmut nicht übertreffen.

Gebet: Herr, lass uns Dich erkennen, lass Dich in unserm Engel lieben und gib uns die Gnade, Dich, der Du unser einziger Schatz bist, immer anzubeten und zu lieben. Amen.

 

9. April – St. Elia 6. n. Chor

Wahrhaft von Engeln sind wir umstellt. Überall in der Schöpfung begegnen wir diesen Kraftgewaltigen Gottes. Wir nennen die einzelnen Chöre in der Präfation vom heiligen Messopfer als die Anbetenden, wir bitten nach der heiligen Messe die für uns Kämpfenden um ihre Hilfe gegen die Angriffe der Hölle, wir fühlen uns geborgen unter der sicheren Obhut unsres Schutzengels. Aber nicht nur droben um den Thron des Allerhöchsten – und hier im Raum der Menschwerdung als Schützer und Begleiter vor allem des Corpus Christi Mysticum sind sie; auch im großen, weiten Weltenraum haben sie ihre Aufgabe nach dem Willen Gottes zu erfüllen.

Über den großen Weltenraum, den wir Menschen gar nicht ausmessen können, sind drei Engelchöre verteilt, die Herrschaften (die dominationes), ferner die Gewalten (die potestates) und endlich die Fürstentümer (die principatus). Die Herrschaften leiten die gewaltigen Ströme der Liebe Gottes über alle reine und Gott zugewendete Geschöpflichkeit, die Gewalten sorgen für das Inkrafttreten des Willen Gottes in der Schöpfung, die Fürsten endlich sind die Verwalter, die Getreuen, geschart um Maria als die Königin des Weltalls.

Im Chor der Fürsten steht der Fürbitter dieses Tages, St. Elia(el), der Engel der Selbstüberwindung, des Strebens nach dem Guten, einer der sieben "Schutzengel der Menschheit" aus dem Chorteil der Stillen Fürsten. Die Engel heißen Stille Fürsten, weil ihr Wirken sich still und verborgen über die ganze Menschheit erstreckt.

Auch der Chor der Fürsten ist in sich dreigeteilt: Die Hohen Fürsten, welche zu zweit wie ein Sternenkranz zu zwölfmal zwei Sternen um ihre Königin Maria stehen, sind die Statischen, Hoheitsvollen und haben große Machtbereiche sowohl im Sternensystem am Firmament als auch im Lebensbereich der Menschen. Die Versiegelten Fürsten, die "gebändigten Löwen", sind zum Unterschied von den statischen Hohen Fürsten die dynamischen, in ihrer Kraft gedrosselten und haben sowohl die Baustoffe der Erde (Salz, Kiesel, Kalk, usw.) wie die irdischen Gezeiten in ihrer Verwaltung. Die Stillen Fürsten endlich sind die beweglichen, überall ordnenden, helfenden, schützenden Verwalter der Länder und Völker, Geschlechter und Stände, Sitten und Lebensbedingungen auf der Erde.

St. Elia wird in seiner Aufgabe auch "Gott in der Höhe" genannt, weil seine Aufgabe hinweist auf Gott, weil das Streben zum Guten ein Aufwärtsstreben bedeutet. Nicht der Engel heißt "Gott", sondern er weist hin auf Gott. Als Symbol hat er einen Drachen unter seinen Füßen. Der Drache bedeutet die Eigenliebe, Eigensucht, Eigenwilligkeit. Diese können wirklich, wie ein Drache, den Menschen überwältigen, zugrunderichten und in den Abgrund stürzen. Wenn in der Endzeit der letzte Kampf der Engel gegen die Dämonen ausbricht und alle die tausend Drachen wie ein fürchterlicher Drache sich aufbäumen werden, dann wird St. Elia seinen Fuß zurückziehen und Maria, die Drachenbesiegerin, wird, jetzt unter dem Weltenrichter wie einst unter dem Kreuz stehend, die Welt und die Menschheit emporheben zu Gott.

Gebet: Mein Herr und mein Gott, sende uns Deinen heiligen Engel zu Hilfe, dass wir jetzt schon zu entwerden lernen, damit, wenn das Sterben und das Gericht kommt, wir schon gestorben sind für den Drachen, aber gerettet und lebend für die Ewigkeit. Amen.

 

10. April – St. Thaama 9. Chor

"Nichts ist verborgen, was nicht offenbar wird ..."; wieder trägt ein Engel ein Gotteswort, das wir aus dem Evangelium kennen. Der Engel, der da vor Gottes Thron steht, hält behutsam zwischen seinen Händen ein Vogelnest mit kleinen, sich reckenden jungen Vöglein drin. Wie soll sich dieses Symbol mit dem Wort Gottes decken? Der Engel ist St. Thaama, der das Auge Gottes durch die Schöpfung trägt, das gütige Vaterauge, damit es alle unsere Not, unsern guten Willen sehe, aber auch dorthin leuchte, wo etwas zugedeckt wird von uns.

Alle unsere Taten sind wie diese kleinen Vöglein in der Hand des Engels. Sie werden flügge und wenn wir vor dem Gericht Gottes stehen, dann singen sie ein Lied von uns, ob gut oder böse, wie sie eben geboren wurden von unserem Willen.

St. Thaama, dieser schlichte Engel aus dem 9. Chor, aber im 5. Chor der Gewalten dienend, ist wie eine gütige Mutter, die weitblickend und sorgend unser Herz lenkt, damit nicht unsre Taten einst wie Krähen und Aasvögel vor uns auftauchen, sondern ein Lied der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu singen wissen. Selbst unter den Augen des Himmlischen Vaters und des Richters Jesus Christus weiß der Engel noch zu begütigen, uns vor Unüberlegtheiten zurück zureißen und das kleine Lied, das kleine gute Wort von uns ins rechte Licht zu rücken. Es liegt an uns, ob alle unsre Gedanken, Worte und Werke vor dem allessehenden Auge Gottes einmal bestehen können.

Dass sie bestehen können bei unserem Wankelmut, unsrer inneren Gebrochenheit und Sündhaftigkeit, dafür hat uns der Herr Seine Mutter gegeben, die Mutter der Barmherzigkeit. Und Er hat uns Seine Engel gegeben. Sie machen gut, was wir schlecht gemacht haben, weil sie uns zur Erkenntnis und Reue anleiten und alles mit unsrer Reue eintauchen in das Blut unsres Herrn, weil sie alles in das Herz des Herrn legen, Das Sich für uns öffnen ließ, damit wir alle dort geborgen seien für immer.

Gebet: Heiliger Engel Gottes, der du uns bis ins Herz siehst, hilf uns, dass darin immer ein Lied erklinge und dass es eine, wenn auch armselige, so doch innige Weise sei für das Kind, das Maria auf ihren Armen trägt, unser aller Rettung und Heil in Ewigkeit. Amen.

 

11. April – St. Iriel 6. v. Chor

Die versiegelten Engel, welche die siebenfache Macht ihres Chores gefesselt in sich tragen, lassen die Menschen erschauern. Er ahnt in den Versiegelten Herrschaften, was es ist, wenn die Liebe Gottes "ungefesselt" wäre, er ahnt in den Versiegelten Gewalten, wie der Wille Gottes in seiner ganzen Macht über ihn kommen könnte, und er ahnt in den Versiegelten Fürsten das ganze Grauen der Endzeit, wenn die Gerechtigkeit Gottes "ungefesselt", also ohne die Barmherzigkeit und Güte und Langmut Gottes, über die Erde schreiten würde.

St. Iriel ist einer der Versiegelten Fürsten. Er steht vor Gottes Thron als ein übergroßer mütterlicher Engel mit dem Ölkrug der Heilung und der Lampe der Bereitschaft in Händen. Den Ölkrug hält er auf dem Kopf mit der einen Hand – er ist schon fast leer. Die Lampe der Bereitschaft erinnert an die fünf klugen Jungfrauen, die bereit waren zu glauben, zu vertrauen, zu warten, zu lieben und zu leiden bis zum Tode. Die Farbe seines Gewandes wechselt in allen Regenbogenfarben vom matten Alabasterweiß bis zum dunkelsten Grün. Die Mütterlichkeit dieses gewaltigen Engels deutet auf die heilige Mutter Kirche, welche das Öl geheiligt hat und als Heilung und Heiligung ihren Kindern reicht. Der schon fast leere Ölkrug sagt uns, dass der Herr schon mehr als genug immer wieder geheilt und geheiligt hat. Wie auf ein von innen her schwärendes Feld hat er das Öl Seiner Liebe, Seiner Heilung und Heiligung vergossen, und noch immer ist die Erde nicht heil, das Erdhafte im Menschen nicht rein und heil geworden. Die Lampe der Bereitschaft ruft uns auf zu wachen wie die klugen Jungfrauen, zu wachen, wie eine Mutter am Bett des todkranken Kindes wacht und die Gefahr schon durch ihre milden, immer bereiten Hände bannt. Die weichen Falten seines Gewandes in allen Farben sagen uns, dass das Göttliche Öl der Heilung für jedes Leid und jede Krankheit hier ist und dass es unsere Herzen weich macht.

St. Iriel verwaltet als Fürst das Öl in der Schöpfung, alle Ölarten, alle Ölquellen, alles Heilende, Mildernde, Weichmachende, alle Heiligung der Seele. Wenn sein Siegel gelöst wird, wird das Öl als Baustoff gegen die Menschen auftreten und an der Zerstörung der Schöpfung mitwirken. Das Öl der Heilung aber wird in den Gemeinden Gottes verbleiben und nirgends mehr wird Heilung sein denn im Hause Gottes: In der heiligen Kirche.

Gebet: Heiliger, mildreicher Engel, lass uns deine Kraft und deine Milde erfahren, dass wir noch geheilt werden und gereinigt für die Heimkehr, ehe die Flammen des Strafgerichtes das Ende der Langmut Gottes anzeigen. Amen.

 

12. April – St. Heli 9. Chor

Da steht ein Engel; er trägt ein blaues Kleid, das in den Falten ganz tiefdunkel ist wie eine Sommernacht; darüber hat er einen weißen Mantel, der ihm locker wie eine Kapuze über den Kopf geht. Er hat die linke Hand erhoben, als ob er ein Instrument spielen wollte, und an jedem der nach innen gebogenen Finger hat er Glocken, die er mit dem Finger der rechten Hand berührt. Es sind ganz neue, seltsame Töne, "ein neues Lied", das dem Herrn gespielt wird. Der Engel ist St. Heli, er kommt aus dem 9. Chor und ist Engel Mariens, er stand neben jenem Engel, den Gott als Engel der Liebe an sein Herz hob. Er steht neben dem Engel der Verborgenheit. St. Heli trägt die Witwenschaft Mariens, er ist der Engel der Einsamkeit Mariens nach dem Tod des heiligen Joseph.

Die Witwenschaft Mariens und die ihr vom Dreieinigen Gott auferlegte Verlassenheit ist völlig zweierlei. Die eine ist Einsamkeit, die andere ist Verlassenheit. Die Einsamkeit Mariens nach dem Tode St. Josephs, ihres Beschützers und des Hauptes und Erhalters der heiligen Familie, ist, um einen Vergleich der heiligen Engel zu gebrauchen, wie eine Glocke über einer weiten Heidefläche, die an allen Seiten an den Himmel anstößt und über die der Glockenton schwingt, ganz allein. Es liegt in der Einsamkeit Mariens eine große Ruhe und Heiligkeit, der weite Wellenschlag der Göttlichen Ruhe der Heiligsten Dreifaltigkeit. Es ist das Eins-allein-Sein in dem großen Einen, das zum völligen, restlosen Einssein führt in der Ewigkeit. Die Witwenschaft Mariens ist uns ein heiliges Vorbild der Gottgewollten und in Gott eingebetteten Einsamkeit. Darum trägt der Engel diese wunderbaren Glocken, die einen ganz anderen Klang haben als sonst Glocken; sie klingen so, als fänden sie nirgends mehr Widerhall außer in der Ewigkeit, und nur in Gott. Sie sind voll Sehnsucht, aber voll neuer, Göttlicher Sehnsucht weit über die Grenzen der Erde hinaus. Das ist nicht Sehnsucht, welche die Welt aus Resignation, aus Leid oder aus Unkenntnis ablehnt, sondern eine, welche die ganze Welt als Gabe mitnimmt. Und ist nicht jede Seele, welche Gott als Acker umgepflügt hat und durch seine Liebe eingeerntet und für die Welt ausgelöscht hat, Witwe für die Welt, Witwe, die keine irdische Liebe und Sehnsucht mehr kennt, die nach dem Willen Gottes so bleibt in Ewigkeit?

Gebet: Du trostreicher Engel für uns Menschen auf unserer Pilgerfahrt, lass deine Glocken auch in unseren Herzen aufklingen, das neue Lied, das du spielst. Es soll Echo sein dem Lied der Glocken unserer herzliebsten Mutter Maria in ihrer Einsamkeit. Es soll in allen stillen Stunden hinaus läuten über die Grenzen der Erde zu dem Einen, um dessentwillen wir alle Einsamkeit tragen wollen, um eins mit Ihm zu werden für die ganze Ewigkeit. Amen.

 

13. April – St. Nannah 9. Chor

Hell leuchtende und matt schimmernde Engel gehen über diese Erde, zarte und gewaltige, mit Schwertern und mit Blumen. Der heute als unser Fürbitter vor Gott steht, ist ein lichter, farbenfroher, es ist St. Nannah, der Engel der Blumen. Er ist ein Engel des 9. Chores und darum der Erde und den Menschen sehr nahe. Er dient im 4. Chor der Herrschaften in den Reihen der zwölf Engel von Wort und Antwort, welche die Liebe Gottes in zwölferlei Art in die Wurzel und den Aufbau, die Blüte und Frucht der Schöpfung tragen.

So irdisch manchmal das Symbol ist und die Aufgabe klingen mag, sie ist immer nur Spiegel des großen Überzeitlichen, Geistigen. So ist auch dieser Engel nicht bloß der Hüter alles Blühenden, Farbenfreudigen, Gott-Entgegenleuchtenden auf Erden. Es ist unter dem Begriff "Blume" auch die Gnade gemeint, dieser milde Tau der Liebe und Güte, der Langmut und Weisheit Gottes für das Menschenherz, das oft einem vertrockneten Acker gleicht. Und es ist ebenso auch das geistig Sich-Gott-Aufschließende gemeint, das Aufblühen einer Seele unter der Sonne der Liebe Gottes, wie auch die blühende Kinderschar einer guten, gottgeeinten Familie. Wie viel hat dieser gute Engel zu tun! Wie sehr hat er zu sorgen, dass jede Blume, sei sie irdisch oder geistig, zu ihrer Nahrung kommt, zur rechten Entfaltung, dass kein Wurm und kein Frost sie zerstört, ehe Gottes Vaterauge auf ihr geruht hat. Auch die kleinen und kleinsten Blumen der Erde sind nicht vergessen von diesem stillen Engel, der in Knechtsgestalt froh und emsig mit seinen Legionen Brüdern treu seiner Aufgabe lebt, in ihr Gott preisend und immerdar mit seinem Angesicht am Angesicht Gottes in Liebe und Anbetung hängend. Seine "Blumen", das ist sein Ziel, sollen "das Angesicht der Erde erneuern"!

Vergessen wir ihn nicht zu grüßen, wenn die Gnade unser Herz aufblühen macht. Rufen wir ihn an, wenn ein Kindlein dahinsiecht wie ein welkes Blümlein. Bitten wir ihn um seine Fürsprache, dass in guten Ehen gesunde Kinder aufwachsen mögen. Und legen wir ihm alle unsre Altarblumen ans Herz, alle Blumen für unsre Kranken und Einsamen. St. Nannah trägt ja als Symbol eine einzige Blume, eine zarte Rosenknospe, die erst erblühen will, Spiegel der Jungfrau zu Nazareth, der schönsten Blume im Garten Gottes.

Gebet: Heiliger Engel der Gnaden, der du dich "Engel der Blumen" nennst, lass unsre Seelen mit den Trägern der Schönheit draußen in der Natur wetteifern im Blühen vor den Augen Gottes. Hilf uns, die aufbauenden stärkenden Gnaden in der rechten Weise in uns wirksam werden zu lassen, damit Gott Freude an uns hat. Amen.

 

14. April – St. Elim 5. v. Chor

Das ist der Engel aus dem Chor der Gewalten, der das Samenkorn zu binden hat. Als Kennzeichen dieser Aufgabe trägt er einen Strick, eine Fessel.

Er ist Engel der Gewalt des Sohnes und ist versiegelt. Was er jetzt bindet, wird in der Unbegreiflichkeit Gottes, in der Gegensätzlichkeit Gottes, in der Torheit des Kreuzes gebunden. Darum ist dieser mächtige versiegelte Engel der Gewalt, der in den Reihen der Sieben Brüder der Seele steht, voll Liebe und Güte einerseits, voll unerbittlicher Konsequenz und Zielgenauigkeit andererseits.

Er bindet in der Unbegreiflichkeit Gottes: Er bindet die Seele an die Heilige Hostie. Sein Strick, seine Fessel liegt rund um das Heiligste Brot in festem Gehorsam und zartester Liebe. Und der Herr als Brot hat das Samenkorn, das gebunden werden soll, zu Sich hereingenommen und lässt Sich mit dem Samenkorn zusammenbinden. Nicht das Samenkorn allein, das Frucht bringen soll für die Ewigkeit, wird gebunden, nein, der Herr lässt Sich mit binden, der Herr als Hostie, das Ziel des Samenkorns, das Brot Gottes werden soll. Und der Herr trägt alle Wunden und Narben dieser Seele, die Er zu Sich gezogen hat, wie die raue Bruchstelle eines grob gebrochenen Brotes an Sich. Er nimmt alles auf Sich und lässt Sich (so arm anzusehen – jeder Mensch würde sich schämen, so vor seinen Untergebenen zu erscheinen) von Seinem Engel binden für uns Sünder! O Gegensätzlichkeit, o Unbegreiflichkeit Gottes, o Liebe Gottes!

Aber dieser Engel kniet; er steht nicht wie die anderen Tagesengel. Er legt ehrfürchtig den Strick um seinen Herrn, genau so fest als er soll und um keinen Grad weniger. Und er wartet. Er wartet auf den Befehl Gottes. Siehe, Seele, dein Bild! Das bis du, das ist der Herr, das ist der Engel. –

Gebet: Mein Gott und mein Alles! Als Du das Gleichnis vom Sämann und dem Samenkorn erzähltest, da hast Du all die Millionen Samenkörner überblickt, die auf steinigen Boden und unter die Dornen und unter die Tritte der Menschen fallen. Jeder von uns, der dieses Evangelium hört, nimmt sich vor, zu jenem Samen zu gehören, die Frucht bringt für die Ewigkeit. Und dass Du Dein Samenkorn der harten Schale, die das Eindringen der Gnade aufhält, entkleidest, dass Du es an Dich bindest, es in den Boden treten und sterben lässest, auch das weiß jeder, der diese Deine Liebe an sich erfahren hat. Aber dass Du, o Herr, Dich mit uns binden und in den Boden treten lässt – dies ist wahrhaft die Herrenliebe! O Herr, Du sagtest: "Wem mehr vergeben wird, der liebt auch mehr"; wer so geliebt wird, wie wir arme Menschen von Dir geliebt werden, der stirbt auch gern für Dich. Herr, lass mich Dein Samenkorn sein! Amen.

 

15. April – St. Manaim 5. Chor

An dem Tag der großen heiligen Dulderin Lidwina steht der Engel St. Manaim, "der mit dem Schwert das Herz öffnet". Er hat ein Schutzengelgewand und ganz weite, große Ärmel wie Flügel. Seine Augen liegen tief, als hätten sie viel Leid gesehen. Aber es sind Augen voll Wissen um die Größe Gottes, um den Wert des Opfers und der Sühne, um die Gewalt der Liebe. Er stützt sich auf ein langes und schweres Schwert.

St. Manaim ist einer der "Vier Brüder", welche um die rechte Hand St. Sederims stehen, jenes gewaltigen Engels der Gegensätzlichkeit, welcher in seiner rechten Hand das Siegel "Komme!" trägt. Für alle Freunde Gottes, alle Engel und Heiligen ist hier das Siegel und Unterpfand des ewigen Bundes mit Gott, hier liegt das letzte Wort des Richters an seinen Getreuen: "Kommet, ihr Gesegneten!"

Wenn eine Engelgruppe an einer größeren gemeinsamen Aufgabe trägt, so nennen sich die einzelnen Engel untereinander "Brüder": So die Sieben Engel vom Dienst vor Gottes Thron, obwohl sie aus verschiedenen Chören kommen; so sind bei den Versiegelten Gewalten die "Sieben Brüder der Seele" und die "Sieben Brüder der Tiefe"; auch die Erzengel nennen sich Brüder. St. Manaim und seine Brüder sind ganz stille Arbeiter, sie übernehmen die Seele, die schon von den Sieben Brüdern der Seele gebunden und Gott überliefert wurde.

St. Sefanim schlägt die Sinne dieser Seele, dass sie nur mehr Gott allein sieht und hört und fühlt und will.

St. Edraim schneidet alles ringsum weg, was sich als Hindernis zwischen Gott und die Seele stellt, was Gott irgendwie missfällt.

St. Machirim stellt die Seele in die "Sicht vom andern Ufer aus", in die Sicht der Engel, um ihr die allein richtige Wertschätzung aller irdischen Freuden und Leiden zu geben.

St. Manaim endlich öffnet mit Schwert und Fackel das Herz der Seele, dass sie zu glühen und zu brennen anfängt und niemand mehr diesen Brand löschen kann. Darum hat St. Manaim diese weiten Ärmel, weil sie Symbol des Sturmentfachens sind. Die Liebe Gottes fällt brausend über die Seele. Darum hat er das schwere und breite Schwert, weil er mit dem Herzen die ganze Seelenburg erobert und geöffnet hat, weil die totale Eroberung des Herzens, der letzten, mit allen Waffen verteidigten Trutzburg der Eigenpersönlichkeit, keine leichte Arbeit ist. Aber St. Manaim ist auch Engel des 9. Chores, weil er trotz der gewaltigen Macht seiner Aufgaben in seiner Wesenheit dem Menschen ganz nahe ist und auch vom Menschen verstanden wird. Seit Mariens Herz mit dem Schwerte geöffnet wurde und seither brennt und glüht, werden auch allen Marienseelen die Herzen mit dem gleichen Schwert geöffnet und ihre Gedanken durch das Herz der Mutter offenbar in aller Glut der Liebe.

Gebet: Lasse die Liebe Gottes über mich fallen wie einen Sturm, der alles Halbe und Welke abreißt! Öffne meine Seele für die Liebe Gottes, auch wenn es Opfer kostet und weh tut! Die Liebe Gottes ist jedes Opfer wert. Amen.

 

16. April – St. Arathim 7. Chor

Der Thron Gottes über allen Himmeln im ersten Ring der drei obersten Engelchöre ist in ein unsagbares Licht getaucht. Die Engel, die ihn tragen, sind selbst Throne von so ungeheurem Ausmaß, dass wir hier die Grenzen nicht ziehen können mit unserem kleinen Menschenverstand.

Der Thron Gottes im zweiten Ring der Ordnung und Allmacht Gottes, den die Herrschaften, Gewalten und Fürsten umstehen, ruht auf drei Thronen nach oben und den Ecksäulen nach unten, und Gott ist mitten in Seiner Schöpfung umgeben von der triumphierenden Kirche in ewiger Freude.

Der Thron Gottes aber im dritten Ring der Erlösung und Menschwerdung wird von den zwölf Engeln der heiligen Mutter Kirche getragen, er ist von den sieben Erzengeln umstellt, und er macht sich klein und arm, so wie Gott Selbst Mensch wurde im Stalle von Bethlehem; er ruht auf der Torheit des Kreuzes und wird den Menschen sichtbar in jedem Tabernakel der Kirche und steht unsichtbar ebenso über dem ganzen Erdkreis wie in jedem nach Gott in Liebe schlagenden und mit Ihm verbundenen Menschenherzen.

St. Arathim, einer dieser zwölf Engel der Macht der heiligen Kirche, gehört dem 7. Chor der Mächte an. Er steht hier für das äußere Leben der heiligen Kirche, für ihre Gesetze und Ordnungen, ihre Gebräuche und Feste, ja für das Leben in den Pfarrgemeinden, Kirchen und Klöstern. Und so ist er auch zu sehen inmitten des Hauses Gottes, das sich um ihn wölbt wie ein Dom. Dieser Dom ist von Menschenhand erbaut, und wenn ihn auch Engel stützen und schirmen, so ist doch das menschliche Stückwerk in trägem Rauchwerk und trüben Fenstern, in müden Blumen und verstaubtem Gerät da und dort zu sehen. Nur da, wo das äußere Leben aus aller Sattheit sich in Not und Verfolgung verliert, da leuchten hohe und helle Opferflammen, blühen täglich neue, wunderbare Blumen, da ragt das Kreuz von Golgotha wie eine helle Sonne lichtüberflutet durch Raum und Zeit. An diesem Kreuz steht St. Arathim; das Leben der Kirche gehört auch nach außen zum Kreuz, das Kreuz muss auch dem äußeren Leben der Kirche richtunggebend sein. St. Arathim steht an diesem Kreuz im Namen Mariä, der Mutter der Kirche, der Mutter aller Menschen, er steht aber auch gleicherweise hier für Johannes, für alle Glieder des Corpus Christi Mysticum, ja auch für den Schächer, denn auch der hatte seinen Engel und ist von unserm Herrn Jesus Christus erlöst worden.

Gebet: Herr, lass mich Deine heilige Kirche lieben, wie ein Kind seine Mutter liebt, lass mich in Deinem Haus auf Erden zuhause sein, lass mich in Deiner Kirche und mit ihr leben und durch sie eingehen in Dein Reich und Deine Herrlichkeit, die Du uns verheißen hast. Amen.

 

17. April – St. Riberiel 9. Chor

In ein weites, faltiges Gewand gehüllt, mit einer cuculla, einer weiten Kapuze, steht er vor dem Thron Gottes als Fürsprecher, St. Riberiel, der Engel der Zelle. Er ist St. Chud zugeordnet, dem Engel der Macht der Kirche, dem Verwalter aller geweihten Orte, also auch der Klöster. Zellen sind meist in Klöstern, seltener in anderen Gemeinschaftshäusern (wohl aber in Gefängnissen) und am seltensten inmitten der Welt. Aber über alle diese, mögen sie hier oder dort sein, hat Gott einen Engel gestellt: St. Riberiel.

Er hat ein weißes Gewand und einen schwarzen Mantel darüber. Das soll nicht einen bestimmten Orden andeuten, sondern das Weiß des Gewandes bedeutet die Reinheit innerhalb der Zelle, aber auch die Reinheit innerhalb des Menschen selbst, der sich Gott weiht und sich Ihm geben soll. Wenn die Taufunschuld auch nicht immer gewahrt bleiben konnte, so soll das weiße Gewand doch die absolute Lauterkeit des Menschen auf seinem Wege zu Gott in allen seinen Gedanken, Worten und Werken andeuten, das Sich-sauberhalten-Wollen von allen Anwürfen der Welt und des Bösen. Der schwarze Mantel soll die Abkehr von aller Lust, das Gestorbensein für die sündhaften Triebe und Verlockungen der Welt und des Teufels bedeuten. Aber die Weite all des Gewandes und Mantels soll Schönheit sein, Schönheit der Seele vor Gott, Schönheit in der Lauterkeit und Gottzugekehrtheit, Schönheit der einfachen Wesenheit Gottes in der kleinen Zelle.

Er, St. Riberiel, hat auf seiner Schulter ein Vöglein, das Vöglein "Lobe-Gott". So soll die Seele Gott zujubeln Tag und Nacht, wie ein Vöglein sein Lied schmettert. Nicht jede Zelle verlockt zum Jubeln, die Zellen der Gefangenen bestimmt nicht. Und doch soll auch dort St. Riberiel Patron sein, Engel der Barmherzigkeit, der Langmut, des Vertrauens. Wie viel Jahre schmachtet so ein armer Gefangener in der Zelle und was kann ein guter Gefangenenseelsorger an Licht in solche Zellen und solche Herzen bringen! Ja, er kann Blumen der Reue, der Liebe, des Starkmutes aus solchen Zellen dem Herrn darbringen. Immer soll er St. Riberiel anrufen, wenn er schwere Gänge zu machen hat, wo Menschen in ihren Zellen toben und lästern.

Als Patron der Zellen soll man ihn anrufen um Geborgenheit in einer warmen, guten Zelle, um die Gnade, dass in keiner Klosterzelle gesündigt werde, um die Gnade, dass die Zelle einem armen Gefangenen nicht zur Qual, sondern lieb und zum Segen werde. Man soll ihn anrufen um das Vöglein "Lobe-Gott", damit die eigene Seele solch ein Vöglein werde, das Tag und Nacht Gott die Ehre gibt aus vollem Herzen heraus.

Gebet: Heiliger, starker Engel, behüte, ich bitte dich, auch meine kleine Zelle, dass nur Engel darin wohnen mögen und das Vöglein "Lobe-Gott". Amen.

 

18. April – St. Parim 9. Chor

Nichts ist vergessen bei Gott, nichts übersehen die heiligen Engel! Man darf nicht glauben, dass die heilige Kirche ein Hort von Unterdrückten, Vergessenen, Enterbten ist, um die sich niemand kümmert, ja, dass man in der katholischen Kirche immer nur die Wange hinhalten soll, damit draufgeschlagen werde und man mit der Miene eines Opferlammes alles zu schlucken habe.

Lesen wir doch in der Heiligen Schrift, wie Gott das geknechtete Volk Israel aus Ägypten führte, und als sie am Ufer des Roten Meeres lagerten, da holten die Heere der Ägypter sie ein. Sie waren von allen Seiten eingeschlossen, und da schrien sie in ihrer Not zum Herrn auf. Und der Herr erhörte sie, "und es erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Lager herzog, und stand zwischen dem Lager der Ägypter und dem Lager der Israeliten, so dass sie nicht zusammenkommen konnten". Wir wissen, wie sich dann das Meer teilte und das Volk Israel trockenen Fußes durchkam, aber die nachfolgenden Ägypter samt und sonders von den zusammenstürzenden Wogen verschlungen wurden. So schützt Gott die Seinen in der Not.

Ja, sehet hier den Engel der Gewalt, St. Parim! Auf Gottes Befehl schlug er mit seinem Schwert in einer Nacht 185.000 Mann der Assyrer, um das israelische Volk zu retten, das Gott Sein Volk nannte. Und als über Befehl des Königs Nabuchodonosor die drei israelitischen Jünglinge in den Feuerofen geworfen wurden, weil sie den Götzenbildern nicht opferten, und der Ofen so geheizt war, dass die Flammen siebenmal sieben Ellen hoch emporschlugen, da stieg der Engel hinab in den Feuerofen und trieb die Flammen hinaus, so dass die Wächter getötet wurden. Und man berichtete dem entsetzten König, dass vier Männer mitten im Ofen wandeln, ohne verletzt zu werden, und die Gestalt des vierten sei gleich einem Göttersohn. (Dan. 3,25)

Man darf nicht sagen: "Das war einmal, heute ist es nicht so!" Dass es heute vielfach nicht mehr so ist, daran sind einzig wir selber schuld, weil wir nicht mehr an die Macht der heiligen Engel glauben, weil wir kein grenzenloses Vertrauen zu Gott haben, weil wir den dunklen Glauben, die dunkle Hoffnung nicht mehr aufbringen, weil wir nur zu Gott schreien, wenn uns die Not bis an den Hals steigt, wir aber in ruhigen Tagen zu wenig wahre Gottesfurcht, zu wenig Liebe haben. Wir erhalten die Hilfe der heiligen Engel, ganz sicher erhalten wir sie, wenn wir uns nur am Angesicht Gottes, am Schutzmantel Mariens festklammern, wenn wir die Hand der Engel nicht auslassen.

Gebet: St. Parim, der du unter dem Siegel der linken Hand des großen Engels des Widerspruchs stehst als Rächer aller Gefangenen und Unterdrückten, schütze uns vor den Schrecken des Krieges und den Krallen der Gottlosigkeit und führe uns zur rechten Seite des ewigen Richters. Amen.

 

19. April – St. Helachiel 9. Chor

Wie sehr vergessen wir Menschen immer aufs Danken! Bitten können wir schon sehr gut, aber wenn wir das Erbetene haben, sind wir zufrieden. Sind wir darin etwa besser als die Tiere, die auch haben wollen, und wenn sie das Erhoffte haben, zufrieden sind? Gott hat den Menschen das Danken gelehrt; die Väter des Alten Bundes haben unserm Herrn die Erstlinge an Tieren und Kräutern und Erntefrucht als Dank dargebracht.

Und unser Herr sprach: "Vater, ich danke Dir ..." und die heilige Kirche spricht immer wieder "Deo gratias gratias agimus tibi ..." Es ist eine schöne Verbindung, dass in der Kirchensprache "danken" und "Gnade" denselben Wortstamm haben. Der Dank an Gott lässt auch wirklich die Gnade Gottes wirksam werden und das Herz des Vaters sich einer neuen Bitte geneigt öffnen. Wir werden also leichter unsere Bitten erfüllt bekommen, wenn wir herzlicher und schneller zu danken vermögen.

Gott legt uns den Dank nahe in einem Engel, den wir leicht verstehen können. Es ist der Fürbitter dieses Tages, St. Helachiel, der Engel des Dankens. Was zuerst an diesem Engel auffällt, sind seine großen Flügel. Obwohl er ein Engel des 9. Chores ist und den Engeln der Kirche zugehört, den Engeln der heiligen Zeiten, hat er doch Flügel, so mächtig wie die der Gewalten. Damit will Gott uns wohl zeigen, dass jeder Dank Gewalt hat über Sein Herz. Und es ist so, als würde alles an dem Engel sagen und klingen: "Te Deum laudamus!" Er ist voller Dank, vom Leuchten seiner Augen angefangen bis zu dem Lobpreis auf seinen Lippen.

In seinen Händen trägt er einen großen Schlüssel, der aus Gold ist und leuchtet. Es muss wohl eine wichtige und wertvolle Türe sein, die einen solchen Schlüssel hat: Es ist die Türe der Schatzkammer Gottes, die er aufsperrt.

In späteren Jahren wird es nicht mehr erinnerlich sein, warum gerade an diesem Tage St. Helachiel steht. Aber wir wollen von Herzen Dank sagen, da es an diesem Tag zum folgenden sich jährt, dass Gott in seiner unendlichen Vatergüte uns den Blick in die Engelwelt und auf "die Engel des Tages" freigab.

Gebet: Himmlischer Vater, der Du an das Danksagen schon das Symbol des Schlüssels knüpfest, dass wir, wenn wir Dank sagen, auch wieder bitten dürfen, wir bitten Dich um die Gnade, Deine heiligen Engel immer besser hören und verstehen zu können, damit wir immer das tun, was Du willst und es auch immer so tun, wie Du willst. Amen.

 

20. April – St. Amiriel 6. Chor

Einer aus den Reihen der Hohen Fürsten steht heute für uns vor Gottes Thron. Wenn uns auch vielleicht das Wort "Fürstentümer" statt bloß "Fürsten" auffällt, so müssen wir bedenken, dass dies aus der alten Kirchensprache genommen ist. Es kennzeichnet ein weites Gebiet mit einem Verwalter an der Spitze, nicht bloß einen einzelnen Engel, der eine Aufgabe zu tragen hat, wie z. B. ein Erzengel oder ein Cherub. Auch der Begriff "Herrschaft" ist ähnlich, nicht bloß einen einzelnen Engel andeutend, sondern einen machtvollen Besitz, einen großen Schatz gleich einem Königreich.

Die Engel des 6. Chores, die Fürsten, haben die Ordnung der sichtbaren Schöpfung in Zeit und Ort zu verwalten: Die Sonnensysteme und Gestirne, die Gezeiten, Länder und Baustoffe. Dazu haben die Engel auch noch geistige Aufgaben: Der Menschheit zu helfen und die Angriffe der Hölle abzuwehren.

St. Amiriel, der Fürst, nennt sich selbst "Garbenbinder Gottes". Er hat – dem Sinn des Namens nach – die reifen Garben für Gottes Scheuer zu ernten. Er wird den Menschen, die heute sterben, ein besonders liebevoller und tatkräftiger Helfer vor dem Richterstuhl Gottes sein. Er wird jenen Menschen besonders beistehen, die für Gott arbeiten; er wird ihre Arbeit zu einer guten Erntegarbe machen. Um die Aufgabe des Engels noch besser zu verstehen, hat Gott ihm ein Symbol beigegeben, damit die Menschen immer tiefer in die wunderbare Welt der Engel hineinwachsen. Das Symbol St. Amiriels ist die zur Abwehr erhobene Hand. Sie sagt uns, dass er die Garbe Gottes gegen jeden Angriff des Bösen schützen und behüten wird. Wir wissen alle von den Anstrengungen des Bösen in der letzten Stunde jedes Menschen. Gegen sie steht St. Amiriel da und wehrt ab. Kein Mensch, der Gottes Hilfe begehrt, wird von ihm verlassen. Und jeder Mensch, der Gott, Maria und die Engel verehrt, wird seine Garbe einbringen. Denn dieser Engel ist voll Leidenschaft im Dienste Gottes; nichts entgeht ihm, allen heimtückischen, scheinheiligen Angriffen ist er machtvolle Abwehr.

Gebet: Großer, heiliger Engel, der du die nüchterne Liebe Gottes vom Gericht her voll Leidenschaft dem menschlichen Leben entgegenträgst, um die Garbe für Gott heimzuholen, der du die Spreu vom Weizen scheidest: Lass dir unsere Garbe anempfohlen sein, die wir unserem Herrn und Gott mit unserem Leben und in allem guten Willen darbringen wollen. Schirme uns gegen die Angriffe des Feindes und lass uns gute Ernte Gottes werden. Amen.

 

21. April – St. Eheie 1. Chor

In einer für Menschen nicht mehr begreifbaren Herrlichkeit steht heute ein Engel vor Gottes Thron. Er ragt schon so sehr in das Göttliche Licht hinein, dass die Grenze zwischen Geschöpf und Schöpfer, so unendlich sie in Wirklichkeit ist, vom sterblichen Menschen nicht mehr scharf erkannt werden kann.

Es ist einer der Seraphim, die in ewiger Anbetung vor dem Thron des Allerhöchsten sind. Kann dies ein Mensch fassen, dass sie voll Licht sind innen und außen, dass sie Augen haben innen und außen, dass sie sich nach vor- und rückwärts und nach allen Seiten bewegen? Sie sind – in einem Begriff zusammengefasst – der höchste engelhafte Spiegel des allessehenden, überallhindringenden Lichtes der Liebe Gottes. Sie sind jeder einfach und doch dreifach, denn sie sind die geschöpfliche Widerspiegelung der Liebe des Vaters, der Liebe des Sohnes, der Liebe des Geistes. Sie leiten diese Liebe des Vaters, des Sohnes, des Geistes in Strömen abwärts zu den anderen Engelchören. Sie tragen aber auch die Antwort des Menschen auf diese Liebe, ihnen von den Engeln gereicht, vor den Vater, den Sohn, den Geist.

Sie bilden mit den Cherubim und den Thronen den innersten Ring der Anbetung um den Thron Gottes. Sie haben Namen, die uns fremd klingen, fein, göttlich. Sie sind auch schon zu weit von den Menschen entfernt, als dass wir sie voll verstehen könnten. Es sind neun Engelchöre, von denen die untersten (Erzengel und Engel) uns am nächsten und begreiflichsten sind. Von Chor zu Chor wird das Licht der Erkenntnis, die Kraft und Macht der Wesenheit und Aufgabe der Engel verstärkt. So kann man verstehen, um wie viel gewaltiger die Seraphim als die Engel des 9. Chores sind, vor denen der Mensch schon auf die Knie sinkt.

St. Eheie, der Seraph, nennt sich "Wesenhaftigkeit Gottes". Er spiegelt die Geheimnisse Gottes wider, er ist selbst Geheimnis; denn Gott ist das größte Geheimnis, und kein Geschöpf kann es je ergründen. Wäre Jesus Christus nicht Mensch geworden, niemals wäre diese Kluft zwischen Schöpfer und Geschöpf zu überbrücken gewesen. Darum schimmert im Innern dieses Seraphs ein Kreuz, so groß, dass man meint, es stünde in der Tiefe der Erde auf und reiche in das Herz des Vaters hinein. Die Liebe des Vaters hüllt das ganze Kreuz ein, die Liebe des Heiligen Geistes taucht es in Feuersglut. So ist mitten in der Wesenhaftigkeit Gottes das Kreuz verankert in dem uns nicht mehr fassbaren Lichtring.

Gebet: Herr, Allmächtiger Gott, lass uns mit den Seraphim Dich anbeten und preisen, lass uns diesen Tag glücklich in der Gewissheit Deiner Liebe und in Dir geborgen sein. Amen.

 

22. April – St. Taumatim 4. Chor

Es sind Namen von Engeln, die uns völlig fremd klingen. Aber der Name ist auch nicht das Maßgebende, sondern es ist die Wesenheit und die Aufgabe des Engels, die uns etwas zu sagen haben.

Der Engel, den Gott heute in seinem Sein wie in seiner Aufgabe sehen lässt, ist St. Taumatim aus dem Chor der Herrschaften, aus dem mittleren großen Ring der Ordnung und Harmonie und Allmacht Gottes, der sich über die gesamte Schöpfung erstreckt. Diesem Ring (oder Wirkungsbereich) gehören die mittleren der neun Engelchöre an: Die Herrschaften, die Gewalten und die Fürstentümer; zum oberen Ring der Anbetung um den Thron des Allerhöchsten über allen Himmeln gehören die obersten der drei Engelchöre: Die Seraphim, die Cherubim, die Throne. Der untere Ring ist jener der Erlösung, der Menschwerdung; er umfasst alle jene Engel, die als Aufgabe die Rettung und Heimholung der Menschen zu Gott erhalten haben; er umfasst die drei unteren Chöre: Die Mächte, die Erzengel, die Engel.

Der Chor der Herrschaften ist in besonderer Weise dem Heiligen Geist zugeordnet; er ist Träger der Liebe Gottes in die Schöpfung hinein, er leitet das ungeheure flutende Licht der Liebe, das vom Dreieinigen Gott auf die Seraphim und von diesen auf ihn selbst strömt, weiter hinein in die Schöpfung; er zieht aber auch die Antwort der Menschen auf diese Liebe empor. Während die Seraphim noch ganz in das Licht Gottes getaucht sind und im Himmel nur der Anbetung leben, stehen die Herrschaften schon in der geschaffenen Welt. Wir erkennen in diesem Chor unter anderen sieben große Engel oben und sieben große Engel unten. Die sieben oberen Engel tragen in ihren Schalen die sieben Gaben des Heiligen Geistes, sie sind wie ein siebenarmiger Leuchter vor Gottes Thron. Die sieben unteren Engel haben auch große Schalen, aber dies sind Opferschalen; sie tragen das Lob-, das Weihe-, das Dank-, das Sühn-, das Bitt- und Versöhnungsopfer der Menschheit und bringen es Gott dar. In der Mitte dieser Engel steht St. Taumatim, der Fürst des Blutopfers.

St. Taumatim trägt das Opfer Jesu Christi auf Golgotha, in welchem die Opfer aller Blutzeugen in das Opfer des Herrn eingeschlossen sind. Er trägt aber auch die Summe aller heiligen Opfer, die täglich am Altar durch Christus dem Vater dargebracht werden. Wenn dieser Engel heute vor Gott steht und zugleich vor unseren Blicken, so sollen wir durch ihn erinnert werden an das größte Ereignis der Menschheitsgeschichte, das Kreuzesopfer; wir sollen aber auch ermutigt werden, eins mit unserem Herrn sein zu wollen, sei es durch ein mutiges Bekenntnis oder durch einen tief im Herrn verwurzelten Opfer- und Sühnewillen. So ist auch das dunkelrote, wie aus lauter Flammen gebildete Gewand dieses Engels, die Krone auf dem Haupt, mehr Dornen- als Fürstenkrone, und das zerbrochene Schwert zu seinen Füßen, Bild unseres geopferten Eigenwillens, zu verstehen.

Gebet: Heiliger Engel des Blutopfers, nimm auch unser Blut und Leben in deine Schale auf zur Verherrlichung Gottes. Lass uns brennen vor Liebe, und lieber wollen wir die Dornenkrone der Leiden auf Erden tragen als irdischer Macht nachstreben. Zerbrich unsern Eigenwillen und bring uns selbst als Opfer Gott dem Herrn dar. Amen.

 

23. April – St. Hariel 5. n. Chor

In den Engelchören stehen die Gewalten in der Mitte. Sie halten die Waagebalken der Schöpfung, sie bilden den Anstoß und die Haltekraft, sie halten Schwungkraft und Fliehkraft, Schwerkraft und Beharrungskraft, sie halten die Strömungen und Strahlungen in ihren Händen. Sie stehen dort, wo unter ihnen die Gewalt der Hölle am heftigsten empor stößt, wo der Kampf um die Gesetze der Natur und ihre Beherrschung am heftigsten tobt.

Jeder der drei Engelchöre des obersten Ringes der Anbetung um den Thron Gottes, wie jeder der drei Engelchöre des am weitesten ausgespannten mittleren Ringes der Ordnung und Allmacht Gottes in der Schöpfung, ist dreigeteilt: Dem Vater, dem Sohn, dem Geist zugeordnet. Nur die drei untersten, dem Menschen am nächsten gestellten Chöre im Ring der Erlösung sammeln die Kräfte aller Chöre und die Liebe aller drei Göttlichen Personen zugleich in sich.

St. Hariel aus dem Chor der Niederen Gewalten hat innerhalb seines Chores über sich die Versiegelten Gewalten (der Endzeit) und die Hohen Gewalten (der Kirche und der Schöpfung). Die Niederen Gewalten tragen die Gewalt der Liebe des Dreieinigen Gottes, vorab des Geistes, in die Schöpfung in der Spannkraft eines harmonischen, folgerichtigen Ablaufs. Es sind bewegliche Engel voll Hilfsbereitschaft den Menschen gegenüber; sie sind Engel des Anrufs und der Antwort, der Maße und Gesetze, des Gotteslobes und Gotteslohnes.

St. Hariel nennt sich "Türöffner zu Gott". Das ist eine wunderschöne und umfangreiche Aufgabe. Und dass der Herr diese Aufgabe gerade einem Engel der Gewalt zugewiesen hat, darin liegt ein tiefer Sinn: Das Himmelreich leidet Gewalt, und Gott will bezwungen werden, ohne Gewalt geht das nicht. So ist die Türe zum Herzen Gottes auch nur mit jener Gewalt zu erreichen und aufzustoßen, die sich selbst bezwungen und die Lockungen der Welt von sich gestoßen hat. Sie ist zu erreichen durch die Gewalt der Liebe und der Sühne, des Opfers und des Vertrauens, der Demut und des Gehorsams. Der große gewaltige Engel, der selbst so schwer wie ein Vorhang dasteht, mit einem Licht wie durch einen Spalt von oben bis unten, einem so unsagbar hellen und heimeligen Licht, er hat eine Stimme wie eine Glocke, so hallend, aber auch so warm und tief und bezwingend; er ruft uns zu: "Kommet, hier ist der Weg, hier ist die Tür!"

Gebet: Du heiliger Türöffner zum Hause Gottes, zum Herzen Gottes, lass uns den Weg nicht verfehlen, lass uns das Licht, das durch dich bricht wie die Lampe des Vaterhauses, nie aus den Augen verlieren. Hilf uns mit deiner Gewalt, das Leben mit Gott auszufüllen und alle Prüfungen siegreich zu bestehen, damit du uns einst die Tür öffnen kannst und wir daheim auf ewig sein können. Amen.

 

24. April – St. Misael 7. Chor

Das Wort "glauben" lässt sich vielfach definieren. Glauben heißt nicht wissen, sagt der eine; glauben heißt überzeugt sein, sagt der andere; glauben heißt in der willigen Aufnahmebereitschaft stehen, sagt der dritte. Eines ist sicher: Der Gottesglaube ist eine Gnade; glaubenslos sein heißt, den weitesten Weg zur Rettung der Seele zu haben.

Gott hat uns drei Tugenden als Göttliche vor Augen gestellt: Den Glauben, die Hoffnung, die Liebe. Sie sind Göttliche Gaben; sie aufnehmen zu können, setzt Bereitschaft dazu voraus. Aber auch die Bereitschaft ist eine Gnade; jener Knecht im Evangelium hat sie, den der Herr in jeder Nachtwache, in jeder Stunde wachend findet.

So ist die Gnade der Bereitschaft zum Glauben einem Engel der Mächte übergeben worden, weil sie von weit tragender Bedeutung ist. Wie viele hundert und tausend Menschen verschlafen in ihrem Leben den Herrn! Ihr Glaube schläft, Gott findet sie nicht, sie hatten keine Bereitschaft. Diese Gnade der Bereitschaft zu hüten und den Menschen zu vermitteln, ist St. Misael anvertraut worden. Er ist Engel aus dem Chor der Mächte, er ist der Engel der Bereitschaft zum Glauben.

Der Chor der Mächte, der siebente der neun Chöre, ist der oberste der drei Engelchöre, die dem Erlösungswerk zugeordnet sind. In diesem Chor laufen alle Kraftströme zusammen, die der Dreieinige Gott über die einzelnen oberen Chöre fließen lässt. Da die Liebe das Größte ist, werden die Mächte zuerst vom Strom der Liebe aus dem Herzen Gottes gespeist, flutend über die Seraphim und von diesen über die Herrschaften. In dieser Liebe teilen sie sich in je sieben Mächte des Glaubens, sieben Mächte der Hoffnung, sieben Mächte der Liebe und zwölf Mächte der heiligen Kirche. Die sieben Engelsmächte des Glaubens werden aber noch außerdem ganz besonders vom Strom des Lebens über die Throne und Fürstentümer gespeist, der ihnen die Statik, die Kraft, den Starkmut, die Zucht des Glaubens verleiht.

St. Misael trägt die Glaubensbereitschaft; er nennt sich "der Wachende". Er ist der Schrittmacher für jeden Gottsuchenden, denn die Bereitschaft zum Glauben ist der Boden für den Samen des Göttlichen Wortes. St. Misael steht mit seinen Füßen auf zwei verschiedenen Welten, der sichtbaren und der unsichtbaren, denn Glauben ohne den sichtbaren Boden wird leicht zu Phantasie und Utopie, aber der Nurglaube dessen, was der Mensch greift, ist krasser Naturalismus.

St. Misael hat schmale Lippen und angespannte Augen, denn die Glaubensbereitschaft fängt bei der nüchternen Liebe Gottes an, welche Einfachheit und Lauterkeit ist. Die Augen mit dem hellsichtigen Blick haben nichts mit Träumereien zu tun, wohl aber mit Klarsicht bis auf den Grund.

Das Symbol St. Misaels ist ein Widerhaken; mit ihm holt sich Gott die Fernsten heran an Sein Herz; und der Engel der Bereitschaft betet:

"Herr, Dein bin ich! Wenn Du willst, dass ich sei, so bin ich! Wenn Du willst, dass ich rufe, so rufe ich! Wenn Du willst, dass ich schweige, so schweige ich! Wenn Du willst, dass ich kämpfe, so kämpfe ich!" Amen.

 

25. April – St. Ara 2. Chor

In einem großen Bogen kreist ein ungeheures Feuerrad um den Thron Gottes. Er kreist gleichzeitig dreifach, am deutlichsten um den Thron Gottes im Ring der Anbetung; da ist es scharf und in Göttliches Licht getaucht. Es kreist ein zweites Mal im Ring der Allmacht Gottes in so weitem Bogen, als müsste es die ganze Schöpfung umkreisen. Hier ist es leuchtend wie aus Flammen, es ist aus vier Flammenrädern zusammengesetzt; es zieht etwas wie einen leuchtenden Schweif hinter sich her. Es kreist aber noch ein drittes Mal rund um die Erde im Ring der Menschwerdung. Hier ist es glühend rot wie aus lauter Flammenglut; es ist in Rauch und Wolken gehüllt.

Das Feuerrad sind die Vier Lebenden Wesen, die Träger des Wortes Gottes an die Schöpfung. Einer dieser Vier steht heute vor den andern, ein Engel von vier gleichen und doch ist er anders. Er hat die Wesenheit der Cherubim in der ungeheuren Stoßkraft und Dynamik; er hat auch die Flügel der Cherubim, die anders sind als jene der Seraphim und Throne. (Die Flügel der Seraphim sind weich und fließend wie Flammen, die ins Unendliche schlagen. Die Flügel der Throne sind breit ausladend wie Falten eines Königsmantels. Die Flügel der Cherubim aber sind lang und spitz und scharf wie aus lauter Schwertern zusammengesetzt.) Er hat Augen nach innen und außen, er stößt – einem Cherub gleich – nach unten wie ein stürzender Berg, nach oben wie eine züngelnde Flamme und nach allen Seiten und gleichzeitig vor- und rückwärts. Während sich aber die Seraphim mit und auf ihren Flügeln bewegen, während die Cherubim schon eine Engelsgestalt annehmen, ist dieser Engel scheinbar halb Engel halb Tier im Symbol; denn er brüllt wie ein Löwe, und er hat Füße nach unten und nach oben, die Füße haben Krallen; überall kann er sich anhalten. Er ist erschreckend.

Er kreist im oberen Ring der Anbetung und hält immer vor einem aus der Hundertschar still, als wollte er ihm seine Kraft abgeben und von diesem Kraft holen.

Dieser (St. Jesod aus dem Chor der Cherubim) steht für das Wort des Vaters, das ist das Fundament des Wortes im Himmel. Es ist zugleich das Wort, das der Evangelist Markus aufgezeichnet hat.

Das zweite Mal kreist das Lebende Wesen im Ring der Allmacht Gottes. Da steht unter St. Jesod ein Engel aus dem Chor der Herrschaften über dem Torbogen des Neuen Jerusalem; er heißt St. Athasiel und steht über dem sechsten der zwölf Tore: Dem Tor der Opferseelen. Durch diesen Torbogen geht die glühende Bahn des Engels.

Die dritte Bahn – rund um die Erde – wird unterbrochen von einem Engel, der mit seinem Schild den glühenden Strom ununterbrochen gegen die Erde zu ablenkt und die ganze Erde damit überströmt. Es ist St. Michael, der Kämpfer für das Wort.

Gebet: Herr, Du zeigst uns die Größe Deiner Geschöpfe, dass wir an ihnen ermessen können, bis in welche Tiefe Du Dich zu uns herunterbeugst. Lass uns weinen vor Deinem Angesicht, da wir nicht würdig sind, nur den Gedanken an Deine Demut und Selbstentäußerung auszudenken. Amen.

 

26. April – St. Vedad 2. Chor

Wenn ein Cherub sich zu uns neigt, so ist er auch schon so viel hundertmal und hundertmal aus seiner wirklichen Macht und Größe herausgetreten, dass wir ihn wohl vielleicht fassen können, aber nicht glauben dürfen, so sähe ein Cherub in Wirklichkeit aus.

Die Cherubim sind der zweithöchste und nächst den Seraphim der Gottnaheste Chor. Und wenn wir in der Heiligen Schrift lesen, dass Gott, der Schöpfer, auf den Flügeln eines Cherubs über die Wolken flog, so muss man sich fragen: Was mag das für ein urgewaltiges Wesen sein, das Gott über die Wolken zu tragen imstande war?

Nicht jeder Cherub trägt seine Macht nach außen. Es sind Cherubim, wie der Engel des Schweigens, der Engel der Güte Gottes, deren Macht sich ganz unsichtbar durch die Schöpfung zieht. Andere wieder, wie der Engel der Bereitschaft, der Engel der Passio, haben eine auch uns Menschen greifbar nahe große Macht. Zwischen diesen beiden Gruppen steht St. Vedad, der das verbindende Wort zwischen Schöpfer und Geschöpf trägt, vor allem das Wort Gottes im Evangelium.

Es heißt im Evangelium von einem Hausvater, dass er Altes und Neues aus seinen Schätzen hervorholt. So ist St. Vedad: Er sagt uns das Wort Gottes seit alters her, das Wort des Alten Bundes, und das Evangelium, das Wort des Neuen Bundes. Er spricht zu uns durch das verkündende Wort, und er spricht zu uns direkt, ohne äußeren Schall, in das Herz hinein. Er kündet die Größe Gottes und legt das Wort wie ein Samenkorn in unser Herz.

Jeder der beiden obersten Chöre hat eine andere Wesenseigentümlichkeit als Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes. Es stehen immer je drei Seraphim wie einer zusammen; so sind sie dreimal sieben und doch nur wie sieben. Es stehen auch je drei Cherubim wie einer zusammen und sind so dreimal sieben und doch nur sieben. Aber jeder Cherub trägt gemeinsam mit seinen beiden ihm Zugehörenden drei Antlitze, wobei jeder sein Angesicht vorausblickend hat.

So trägt St. Vedad, der Cherub des Vaters, der sich in seiner Aufgabe "Verbindendes Wort zwischen Schöpfer und Geschöpf" nennt, als zweites Antlitz neben dem seinen noch das Antlitz St. Thiriels, des Cherubs des Sohnes, der sich nennt "Dunkles Licht der Liebe Gottes", und als drittes das Antlitz des Cherubs des Geistes, St. Hanaels, der sich "Lob Gottes" nennt. Alle drei tragen die Majestät des Göttlichen Wortes in Seinem Anruf an die Geschöpfe.

Gebet: Herr und Gott, lass uns alle Worte, die Du zu uns sprichst, wie Maria "in gutem und sehr gutem Herzen bewahren und Frucht bringen in Geduld". Lass uns die Stimme des Engels, der das verbindende Wort von Dir zu uns trägt, jederzeit mit gesammeltem Herzen vernehmen und ihm die gültige Antwort unseres ganzen Lebens geben. Amen.

 

26. April – St. Giesi 9. Chor

Er steht im Dunkel einer von Gott abfallenden, Ihn verlierenden Zeit. Und er wird auch immer dort stehen, wo es in einer Zeit "Abend" wird. Wenn er uns heute von Gott vor Augen gestellt wird, so soll dies uns Mahnung sein, das Dunkel nicht zu übersehen, das sich von allen Seiten her an uns heran schiebt: Im Materialismus und in der Geldgier (vom Westen), im Zweifel und in der Verdunkelung des Geistes durch den Hochmut (von Norden), in der Giftsaat der Gottlosigkeit in Presse und Rundfunk, Film und Sport, Diplomatie und Kunst (von Süden), in der nackten, brutalen Christenverfolgung (von Osten).

Wir können Gott nicht genug danken, dass er uns gerade jetzt die Gnade gibt, unsere heiligen Engel endlich zu erkennen, uns ihrer – förmlich in letzter Stunde – zu erinnern und sie an uns zu binden, sie, die uns Licht sind und durch das Licht richtunggebend, erhellend, tröstend, helfend und schützend.

St. Giesi ist ein Engel des 9. Chores und dient im Chor der Herrschaften; er ist also ein Engel der Liebe. Er steht im Chorteil der Niederen Herrschaften in der Reihe der zwölf Engel von Wort und Antwort beim achten der zwölf, St. Tiphered, der die Schönheit in die Blüte der Schöpfung trägt, St. Tiphered, der von strahlender Helligkeit ist und als Symbol einen goldenen Tabernakel mit zwei Türen trägt.

Wenn St. Giesi diesem großen Engel dient, der wie eine duftende Blume, wie ein glänzender Kristall, wie ein Glockengeläute anmutet, so besagt das wohl, dass seine persönliche Aufgabe in die Aufgabe St. Tiphereds mit eingebaut ist. Und so ist es auch: St. Giesi trägt das Licht nicht in dem feurigen Schwung einer Gewalt, sondern in der stillen Feierlichkeit eines heiligen Mönches in seine Zeit. Er erhellt ringsum das Dunkel der Welt, damit wir die Heiligkeit Gottes erkennen, die Schönheit der Gottesmutter, die Größe des Gotteswortes, die verborgene Schönheit der Braut Christi, die Schönheit des Gebundenseins an das Herz Jesu, an das Heiligste Brot, an das Kreuz Christi.

Und dieses Licht wird auch im Angesicht aller leuchten, die St. Giesi führt, und künden von der stillen Schönheit der Liebe Gottes zu den Seinen.

Gebet: Heilig bist Du, Herr, Der Du das Große und das Kleine geschaffen, die Blumen und das Licht, unsere Hände, damit wir sie von Dir binden lassen dürfen, und unser Herz, damit wir es Dir schenken dürfen. Amen.

 

27. April – St. Viguel 5. h. Chor

Eine hohe, ernste Gestalt steht heute vor dem Thron des Allerhöchsten. Es ist ein Engel aus dem Chor der Gewalten.

Jeder der Engelchöre trägt das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit in sich, am schärfsten ausgeprägt die Seraphim als die Gott am nächsten Stehenden, am schwächsten die dem Menschen zugewandten Chöre der Engel und Erzengel. Die Gewalten stehen in der Mitte. Sie sind in sich dreigeteilt: In Hohe Gewalten, die, dem Vater zugehörend, den Willen Gottes in Seiner Heiligkeit und Ruhe und Majestät, in Seiner Größe und Güte, in der Gewalt der Gottesfurcht und Gerechtigkeit in die Schöpfung tragen und als Vertreter der Schöpfung vor Gott stehen; in Niedere Gewalten, welche die ganze Spannkraft des harmonischen Ablaufs aller Gesetze und Ordnungen, der Wege zu Gott und durch die Schöpfung als Aufgabe haben; und in Versiegelte Gewalten, deren Kraft gedrosselt ist für den tragbaren Ablauf von Gesetz und Gegensatz. Die Niederen Gewalten sind dem Heiligen Geist zugewandt, der die ganze Schöpfung mit Seiner Kraft und Seinem Leben durchformt, die Versiegelten Gewalten sind im Gefolge des Lammes, des Wortes, "das Feuer auf die Erde geworfen hat". (Luk. 12,49)

Von den Hohen Gewalten tragen zwölf das Bündnis Gottes mit den Menschen; sechs davon das Bündnis mit Israel, sechs das Bündnis mit der Kirche. In diesen Reihen steht St. Viguel.

St. Viguel trägt das Wort, das Gott durch Seinen Sohn Jesus Christus dem heiligen Apostel Johannes und allen Propheten und allen Ordensstiftern gab. Er trägt dieses Wort in seiner ganzen Gewalt und Größe und seinem überzeitlichen Wert, er trägt das Geheimnis der Apokalypse und die Ordensregeln der Gottgeweihten, er trägt den Katechismus des Volkes und die Gewalt des Volksbreviers. Er steht unverrückbar wie eine eherne Säule und doch ist er durchsichtig: Man kann die Flammen des Cherubs, der seine Kraft auf ihn strömen lässt, deutlich erkennen. Es ist der Cherub, der dem Viergespann die Kraft mitgab, St. Jesod, der das Fundament des Wortes trägt. Dieses Wort ist bei St. Jesod noch die Wurzel, der Quellengrund, bei St. Viguel aber ist es schon ein Baum, ein Strom, bei den Erzengeln, welche dieses Wort wie der Sämann den Samen in die Herzen der Gottbereiten streuen, ist dieses Wort Blüte, Frucht und Samen, ist es zum Wasser, zum Licht, zur Flamme des Lebens geworden.

Gebet: Du großer, heiliger Engel, der du hinter Johannes und allen Propheten und Ordensstiftern stehst, der du mit deinem Antlitz wie ein Adler unbeweglich am Angesicht Gottes hängst – du hast ein Buch mit einem einzigen Wort, das heißt: Gott. Darin ist alles enthalten. Lass auch uns dieses Wort unser ein und alles werden, zum Licht, zum Leben, zur Richtung, zur Erfüllung, zum Ziel. Denn, haben wir Gott, so haben wir alles. Amen.

 

28. April – St. Tiphered 2. Chor

In einer wahrhaft apokalyptischen Größe und erschreckenden Schönheit steht heute der Cherub dieses Namens vor Gottes Thron und vor unseren Augen. Er birgt in sich das Geheimnis einer für uns kaum begreiflichen Aufgabe: Wort und Wort, aus Gott kommend, ins Geschöpfliche überzuleiten.

Wir werden die Gedanken Gottes nie erfassen können, vielleicht mit der Gnade Gottes schmerzlich erahnen. Denn nur Gott selbst begreift Sich. Der Engel aber kann die Gedanken Gottes im Höchstmaß seiner Fassungs- und Tragkraft als Aufgabe zitternd und ehrfürchtig tragen und weiterleiten von Chor zu Chor.

Am deutlichsten ist dies an den drei obersten Chören, den Seraphim und Thronen zu erkennen. Die Seraphim sind so in die Gedanken der Liebe Gottes getaucht, sie ragen so in diese Gedanken der Liebe des Dreieinigen Gottes hinein, dass sie uns unbegreiflich erscheinen. Die Cherubim sind schon siebenfach schwächer, aber noch so unendlich hoch über uns, dass sie uns nur am ehesten mit zuckenden Flammen und stürzenden Bergen vergleichbar erscheinen. Wieder siebenfach schwächer sind die Throne, aber uns noch immer nicht klar erfassbar; sie sind die Statik (vergleichbar mit dem Punkt). Sie sind die Träger des Göttlichen Lebens der Schöpfung zu, so wie die Cherubim die Dynamik sind (vergleichbar mit dem Vertikalstrich). Wie diese Träger des Göttlichen Wortes sind, so sind die Seraphim die Bewegung (vergleichbar mit dem Horizontalstrich), die Träger der Göttlichen Liebe. Die Cherubim tragen das Wort von Gott her in die Schöpfung, sie begleiten aber auch das Wort, den Sohn Gottes. Sie sind daher voll Kraft und Macht, voll Schwertschärfe und voll himmlischer Güte, voll Schönheit und voll Grauen, voll Feuer des Weckrufes und voll Wasser der Gnade. Während die Seraphim den geschöpflichen Himmel noch nicht vom Himmel der Himmel des Dreieinigen Gottes losreißen können, beginnt der Himmel bei und mit den Cherubim bis zur Erde herunter klaffend aufzureißen – "Und das Wort ist Fleisch geworden". So sind die Cherubim diejenigen Engel, die am wenigsten mit einer süßlichen Engelvorstellung der Menschen Ähnlichkeit haben.

Auch sie sind dreigeteilt: Das erste Drittteil ist des Vaters; es trägt das Leben, das Sein des Wortes, in ihm ruht noch das Wort. Zum diesem Drittteil gehört St. Tiphered.

Er ist gleich allen Cherubim vieläugig und geflügelt nach allen Seiten, lohende Flamme und stürzender Berg. Er hat ein dreifaches Antlitz: In der Mitte das dem Vater zugewendete der majestätischen Schönheit des Gotteswortes, rechts das dem Sohn zugewendete, verhüllte, der Anziehungskraft des Wortes; links das dem Geist zugewandte der Ausgewogenheit, des Gleichmaßes des Göttlichen Wortes. Er trägt in seinem Innern die Schönheit des Schmerzensmannes, so wie der Sohn im Herzen des Vaters ruht. Er behütet alle Wunden seines Herrn. Er behütet die Schönheit der Schmerzensmutter gleichwie die der Immaculata im Wort, das im Wort begründet ist.

Gebet: Heiliger Engel, du zeigst uns die Schönheit Gottes wie einen flammenden Himmel, wie ein Meer der Seligkeit, aber ist nicht auch, verhüllt im Geheimnis das Blut Christi, das Heiligste Brot, voll unbegreiflicher Schönheit? Amen.

 

29. April – St. Siloel 6. v. Chor

Nicht nur die heilige Kirche und ihre Wirksamkeit steht unter der Hut der Engelchöre; die ganze Schöpfung ist ins Engelwirken eingebaut, dessen Quelle die drei obersten Chöre der Engel sind, denn sie sind die erste geschöpfliche Umwandlung der Gedanken Gottes, der Worte Gottes, der Taten Gottes – in ihnen ist Gott zum ersten mal Schöpfer geworden und in das Geschöpf eingegangen. Sie sind die ersten Zeugen Gottes. – Die drei mittleren Chöre, Herrschaften, Gewalten und Fürsten, teilen sich in die Verwaltung der gesamten Schöpfung, sie leiten die drei Gnadenströme, die sie von den drei obersten Chören übernommen haben, nach allen Seiten. Die Herrschaften tragen die schöpferische Liebe, das Licht Gottes, die Gnade und Weisheit, die Güte und Gerechtigkeit Gottes, den Geist Gottes hinein in die ganze Schöpfung. Die Gewalten tragen die ganze Spannung, die zwischen Schöpfer und Geschöpf liegt, als Lebensenergie, als Gesetz, als Gegensatz, als Aufbau, Werden und Vergehen, als Wille Gottes, sie tragen das Wort in die Schöpfung, in die Kirche, in die Endzeit. Die Fürsten endlich tragen das sichtbare Leben in seiner Heiligung durch Gott, in seinem Weg zu Gott, sie sind die Verwalter allen Lebens, vom Vater an die Orte ihrer Aufgabe gesetzt.

St. Siloel gehört zu den Versiegelten Fürsten. Seine Aufgabe ist groß, nicht nur in der stofflichen Schöpfung. Denn kein Engel hat nur stoffliche Aufgaben, immer überwiegen die geistigen. Seine geistigen Aufgaben hängen mit der Endzeit, da er ja versiegelt ist, zusammen.

Sein Siegel bindet den Baustoff der Schöpfung, den er zu verwalten hat, den Kiesel – in allen seinen Formen – an die irdischen Gesetze. Dieser Baustoff wird in Menschenhand Aufbau und Segen. Wird das Siegel des Fürsten gelöst, so wird auch der Baustoff aus den Fesseln seiner Gesetze gelöst, er wird zerstörend durch Strahlung von der Höhe und von unten her, er wird in seiner Energie zertrümmernd in der Endzeit der Schöpfung mitwirken.

Mit dem Lösen seines Siegels wird dieser Fürst aber auch für seine geistige Aufgabe frei. Er wird uns helfen, die Ketten der Erd- und Ichgebundenheit, die Ketten der Sünde mit einem Ruck zu sprengen; er wird unsere Seele ausglühen und wandeln in reine, durchsichtige und widerstandsfähige Opferschalen, er wird unsern Mund ätzen, dass nichts Unreines ein- und ausgehen kann, er wird unserem Gebet und dem Schrei der Sehnsucht nach Gott mit seiner Stoßkraft nachhelfen, dass keine Macht der Hölle siegen kann.

Er steht vor Gott wie eine alte Heiligenstatue aus Elfenbein oder Porzellan, er scheint zu schlummern oder zu lauern, nur in seinem Innern fließt das Wasser des Ewigen Lebens, man hört es wie bei einer kleinen Quelle rauschen. Seltsam ist er anzusehen: Er hat eine ziemlich flache Nase und könnte der Verwalter asiatischer Landstriche sein. Seine Kraft bekommt er nach dem Lösen der Siegel von St. Sederim, darum ist auch das wunderbare Gefäß von Alabaster an seiner Seite immer voll Feuersglut und wie mit Blitzen gefüllt.

Gebet: Heiliger Engel, Fürst der Energie, mache unser Herz wie einen Kiesel gegen die Lockungen des Bösen zu, aber wie einen Atomkern, gefüllt mit Liebe, gegen Gott zu! Amen.

 

30. April – St. Assalim 3. Chor

Groß ist der Herr in seinen Engelchören und gewaltig: Immer wieder tut sich eine neue Welt auf, die für Menschen nicht auszudenken und auszuschöpfen, die seine Schönheit und eine Wissenschaft für sich ist.

St. Assalim ist einer aus dem Chor der Throne; zweimal zehn solcher Engelsäulen stehen um den Thron Gottes und noch einer. In der Sprache der Engel ausgedrückt: Sie sind die Stehenden, die das Leben tragen, in ihnen wird das Leben von Gott her ins Geschöpfliche, in die Form geleitet. Sie stehen nach innen und nach außen und nach allen Seiten: Gott ist in Seiner Schöpfung nach allen Seiten hin verankert. Sie sind drei und sieben und drei und sieben und noch einer: Drei sind die Throne (der Thron) des Dreieinigen Gottes, sie stützen das Herz Gottes, das hineinblickt in die Schöpfung; sieben sind der Thron Gottes in Seinem Schöpferwillen gegen die Schöpfung zu; und wieder drei sind der Thron des Allerhöchsten im Geschöpflichen und wieder sieben sind die Throne des in das Göttliche hineingehobenen Geschöpflichen; der eine, der letzte, ist versiegelt. St. Assalim ist einer der ersten sieben, die den Thron Gottes in des Allmächtigen Schöpferwillen gegen die Schöpfung zu stützen und tragen; er ist eine der Säulen der Wesenhaftigkeiten Gottes, die von Gott weg nach abwärts den Willen Gottes in der Schöpfung begründen und festigen. Er ist wie ein Berg, dessen breite Grundfläche den Thron Gottes trägt, dessen Spitze aber durch die Wolken der Erde hier unsre Menschheit berührt zu allen Zeiten, an allen Orten und bis in die tiefste Tiefe der Seelen. Er steht da für die Tragfestigkeit des Baues, der durch den Mund Gottes zum Leben kam. So wie der Thron Gottes nicht nur über allen Himmeln, sondern auch im einzelnen gottgeeinten Geschöpf stehen kann, so steht auch St. Assalim nicht nur für die Tragfähigkeit des Thrones des Allerhöchsten, sondern auch für die Tragfestigkeit der Schöpfung, der Gesetze der Schöpfung, der heiligen Kirche, ja des einzelnen Werkes, das zum Bau der Kirche gehört. Er steht hier für jeden Heiligen, der für die heilige Kirche eine Säule bedeutet, die ihre Tragfähigkeit erhöht. Die Ströme des Lebens, die er in einer für Menschen nicht fassbaren Fülle empfängt und weiterleitet, werden vor allem von den Fürsten aufgefangen und an die Engel der Stände, besonders des Priesterstandes, sowie an alle Schutzengel der in der Nachfolge Christi Stehenden verströmt. In der Symbolik seines Chores ist St. Assalim wie der Arm Gottes zu erkennen, der vom Thron des Allerhöchsten über allen Himmeln ausgeht und dessen Hand jenen Thron in der Schöpfung stützt, den Gott Sich als eigen erwählt hat.

Gebet: Mein Herr und mein Gott, mein Herz ist Dein Acker – wie oft hast Du schon die Pflugschar Deiner Liebe darüber gehen lassen! Bau nun auch in dieser Armseligkeit durch Deinen großen Engel in meinem Herzen Deinen Thron auf, damit ich Dich zu Füßen dieses Engels loben und preisen darf in alle Ewigkeit. Amen.