1. August – St. Bathdel 4. v. Chor

"Die Reuetränen sind der Schlüssel zu Meinem Herzen", sagte der Herr. Wollten wir uns das nur recht oft vor Augen halten! Der Engel dieses Tages trägt die Reuetränen in einem kostbaren Gefäß aus Alabaster, das in der Liebe Gottes wunderbar durchscheint in mattem Licht wie aus lauter Opal. Es ist der Engel der Liebesreue, St. Bathuel, aus dem Chorteil der Versiegelten Herrschaften. Die Empfänger des großen Stromes der Liebe, der über die Seraphim herab sprüht, sind die Herrschaften. Sie tragen die Liebe Gottes hinaus in die ganze Schöpfung. Inmitten dieses großen Chores stehen die Versiegelten Engel, welche die größte Last der Liebe tragen, denn in ihnen wird die Liebe wieder zur Gerechtigkeit. Diese Versiegelten sind Engel der Endzeit, das heißt, sie werden ihre größte Kraft und eigentliche Aufgabe in der Endzeit haben: Sie gehen aus wieder zu sieben, die Gemeinden Gottes zu siegeln vor den Schrecken der Endzeit. Sie gehen aus wieder zu sieben, die Zornschalen Gottes über die Erde zu gießen. Sie gehen aus zu dreien, zum Gericht zu rufen, und sie gehen wieder aus zu dreien, die Ernte heimzuholen. Inmitten dieser Versiegelten steht St. Bathuel. Er ist einer jener drei, welche uns zum Gericht rufen werden, jener, der den Völkern die Heilsbotschaft immer von neuem zu verkünden hat, zuletzt schon unter dem Krachen der berstenden Welt; jener, der mit lauter Stimme rufen wird: "Fürchtet Gott und lobpreiset Ihn, denn die Stunde Seines Gerichtes ist da! Betet Ihn an, der Himmel und Erde, Meer und Wasserquellen geschaffen hat!" (Apk. 14,7)

Er ist der Engel der Liebesreue, voll gewaltiger Kraft und Klarsicht. Durch diese Liebeskraft verhilft er wie ein Freund, Bruder und Schutzengel der Braut Christi auf Erden zur Einsicht, zur Liebesreue, zum Sühnewillen. Er ist der gütige, priesterliche Engel, dessen helfende und heilende Strahlen der Gnade herunterfließen zu St. Jophiel, dem "Umpflüger". Und es ist eine ganz fürsorgliche, liebende Tat der himmlischen Mutter, dass sie die Liebesreue durch diese beiden Engel in die Mitte ihrer Machtbereiche gestellt hat, dort, wo die Tiefe und Innerlichkeit, die Sehnsucht nach Gott eingebaut ist, denn auch das Herz ist in der Mitte.

Durch St. Bathuel wird der Seele die Liebesreue gegeben, der Schlüssel zum Herzen Gottes. Und wollen wir nicht dorthin? Ist das Herz des Herrn nicht unser Ziel? So wissen wir auch den Weg. Nicht allen ist es gegeben, in reiner Unschuld ein spiegelndes Gefäß Gottes zu bleiben; die meisten Menschen müssen auf ihrer Erdenwanderung mit den Tiefen und Untiefen, mit allen Tücken der Welt Bekanntschaft machen. Daher ist St. Bathuel auch Gerichtsengel; sein Gericht ist Gerechtigkeit. Wer sich der Gerechtigkeit Gottes freiwillig stellt, dem schenkt der Herr durch St. Bathuel die Liebesreue und damit die Vergebung. Durch St. Bathuel verlieren wir nie den Blick auf unsere Pflicht, wiedergutzumachen, was wir verschuldet; ja, noch mehr, wir werden uns für die Fehler unserer Mitmenschen fürbittend vor den Herrn werfen und dadurch immer mehr der Liebe Gottes anheimfallen.

Gebet: Herr, wie nahe ist die Liebesreue Deinem Herzen! Wem mehr vergeben wird, der liebt auch mehr. O rechne mich nicht zu den Pharisäern, denen nichts vergeben zu werden braucht, sondern lass mich Zöllner sein, verachtet von den anderen, aber voll Reue, damit ich aus Liebe zu Dir meine Sünden beweinen kann und so Deiner Liebe teilhaftig werde. Amen.

 

2. August – St. Chamael 2. Chor

Gott legt nicht alle Geheimnisse Seiner Liebe offen vor den Menschen aus, und vieles, vieles wird uns verhüllt bleiben bis zum Ende der Zeit.

So steht heute ein Cherub vor Gottes Thron, dessen Geheimnis wir kaum je lüften können. Er ist verschleiert; nicht so verhüllt wie die drei obersten Engel, aber doch niemals enträtselbar.

Es ist St. Chamael, Cherub des Sohnes, Träger der Anziehungskraft Gottes, vor allem des Wortes, des Sohnes.

Man möchte sich ans Herz greifen, ob es wohl noch richtig schlägt, wenn man diesen Engel ansieht: Wie eine Pforte zu einer unendlichen Seligkeit, die aber nur einen kleinen Spalt offen steht, mutet er an. Die drei Antlitze, die er wie alle Cherubim trägt, erhöhen noch die übernatürliche Anziehungskraft. Das andere Antlitz zu dem seinen ist jenes des Cherubs des Vaters, St. Tiphered, der die Schönheit Gottes auffängt und weitergibt, das dritte jenes des Cherubs des Geistes, St. Zachariel, der das Gleichmaß, die Ausgewogenheit, die Harmonie Gottes trägt. Sie sind die Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes in etwas schwächerer Form als sie die Seraphim tragen, die drei Gestalten sind und alle drei doch nur eine. Bei den Cherubim sind alle drei Antlitze ein Antlitz. Es ruht in diesem Antlitz auch eine dreifache Kraft gemäß der Aufgabe, die auf jedem einzelnen Antlitz ruht.

So liegt in St. Chamaels Antlitz auch die Schönheit Gottes, die St Tiphered trägt, und auch die Ausgewogenheit und Harmonie, die St. Zachariel trägt. St. Chamael nimmt sie hinein in seine Anziehungskraft und umhüllt sie mit dem Schleier des Geheimnisses der Liebe. Durch St. Zachariel, der in seiner Stellung als letzter der Cherubim in seinem Gleichmaß schon zu den Thronen hinüberneigt, bekommt St. Chamael das Beruhigende, das Sich-geborgen-Fühlende in seiner Anziehungskraft. Die Menschen sagen: "Gott ist so gut, Gott ist uns Heimat, auch wenn wir Ihn nie fassen können!" – Durch St. Tiphered, welcher als erster der Cherubim von einer flammenden Schönheit ist, erweckt die Anziehungskraft St. Chamaels eine brennende Sehnsucht nach Gott, nach der Liebe unseres Herrn Jesus Christus, nach dem Himmel und der Welt Gottes. Diese dreifache Bündelung der Aufgaben bei den obersten Chören bewirkt nicht nur erhöhte Kraft der Gnadenströme, sondern auch eine dreifache Färbung in der obersten Wurzel dieser Ströme. Gerade bei St. Chamael kann man dies besonders deutlich merken. Im Chor der Gewalten steht unter St. Chamael je einer aus den hohen Gewalten, einer aus den Versiegelten und einer aus den Niederen Gewalten:

Der erste aus dem Chor der Versiegelten Gewalten, der unter St. Chamael steht, wird deutlich von der Kraft St. Tiphereds überflutet. Er trägt die Gewalt des Liebeswortes: "Komme!", St. Pharim.

Der zweite – aus dem Chor der Versiegelten Gewalten –, der unter St. Chamael steht, ist außerordentlich klar von der großen Ruhe St. Zachariels überströmt; er ist der Engel des "Ja"-Sagens zum Willen Gottes, St. Jesim.

Der dritte endlich, aus dem Chor der Versiegelten Gewalten, trägt den geheimnisvollen Strom St. Chamaels gelöst: Er ist der Engel der Wunderkraft, St. Hamasim.

Gebet: Großer, herrlicher, gewaltiger Gott, König Himmels und der Erde, wie wunderbar spiegelst Du Dich in allen Deinen Geschöpfen!

Möchten wir doch mit unseren schwachen Kräften erreichen, eine Widerspiegelung Deiner unendlichen Barmherzigkeit zu werden! Amen.

 

2. August – St. Thaamim 5. v. Chor

Er nennt sich: "Der mit dem glühenden Pfeil in der Brust" und steht zwischen dem Sämann, der das Samenkorn in den Boden zu treten hat – St. Aljoim – und dem Anbeter aus der Tiefe – St. Cheloim – in der Reihe der Sieben Brüder der Seele.

Und anzusehen ist er gewaltig, wie er seine beiden Hände, geschlossen zu Fäusten, gegen sein Herz presst, als ob er es herausreißen und dem Herrn zu Füßen legen wollte. Mit dem einen Fuß tritt er auf ein ekles Tier, einen Dämon: "Varina" – die Schlange –, von der man nicht weiß, ob sie etwas von einem Menschen oder von einem Polypen hat. Es ist der Dämon der Willensschwäche, der Süchte, des Überdrusses und Ekels, den der Engel dieses Tages, St. Thaamim, zu Boden tritt. Die Sieben Brüder der Seele, zu denen St. Thaamim gehört, stehen im Chor der Gewalten in der Mitte, neben St. Sederim, dem Engel des Widerspruchs, der Gegensätzlichkeit. Es ist eigentlich der ganze V. Chor der Gewalten das, was sein Name besagt: Gewalttätig.

Diese Engel tragen den Willen Gottes hinaus in die Schöpfung: Das erste Drittteil – die Hohen Gewalten – in der Statik der Willensballung Gottes zu einem Bündnis mit den Menschen des Alten wie des Neuen Bundes ("Ich will einen Bund mit ihnen schließen und ihrer Sünden nimmer gedenken"); – die Mittleren oder Versiegelten Gewalten tragen den Willen Gottes zur Rettung der Seelen in die Menschen, und ihre Kraft ist gedrosselt bis zu den Tagen der Endzeit, wo sie in siebenfacher Macht ihre Fesseln sprengen und in den Endkampf der Geister eingreifen werden. – Die Niederen oder Kreisenden Gewalten tragen die durchgeistigte Gewalt des Willens des Geistes zum harmonischen Ablauf der ganzen Schöpfung und holen gleichzeitig schon die Antwort des Menschen, seinen Willen herauf aus der Tiefe der Erde, Gott entgegen.

St. Thaamim und seine Brüder- die Sieben Brüder der Seele genannt – verwenden ihre ganze Gewalt darauf, die Seele des Menschen herauszubrechen aus der feindlichen Umklammerung, sie aus dem Halm ihrer Gewohnheiten und gleichgültigen Umgebung zu schlagen, sie zu binden für Gott, sie in den Boden der Demut und der verborgenen Arbeit Gottes an der Seele zu versenken, sie zu läutern für Gott und ihre Anbetung in die möglichste Tiefe des Nichtsseins vor Gott zu bringen bis zu einem ganz gereinigten und klaren "Ja", wie es Maria gesprochen hat.

St. Thaamim brennt das Herz aus für Gott. Er lässt nichts Gleichgültiges, keine Schlacken alter Gewohnheitssünden, keine Müdigkeit und Bequemlichkeit des Herzens mehr gelten. Er tritt diese heran kriechende weichliche und verweichlichende Versuchung des Bösen zu Boden und lässt die Seele das Herzweh des Herrn verspüren und eine so große Sehnsucht, dass der Brand in der Seele nimmer gelöscht werden kann.

Gebet: Wecke mich, Herr, ehe es zu spät ist, schlage mich, Herr, solange ich noch von Dir geformt werden kann! Lass auch mein Herz vom Pfeil des Eifers für Deine Ehre, der Sehnsucht nach Dir durchbohrt werden und heile mich von dieser Wunde erst in der Ewigkeit! Amen.

 

3. August – St. Hanai 9. Chor

Immer wieder steht der Mensch an einer Wegbiegung auf seiner meist mühevollen Wanderung. Immer wieder eröffnet sich ein neuer Blick, sowohl hinauf, dem Ziel zu, als in die Umgebung, wohl auch in die Tiefe, geradeso, wie es Bergsteigern geht. Wie weit ist der Weg vom Saum des Mantels bis zum Angesicht Gottes! Nie sind wir allein auf diesem Weg. Immer ist die Hand des Engels da, mag der Mensch noch so hilflos umherschauen. Wenn wir nicht mit unsern Augen sehen, nicht mit unsern Ohren hören und nicht mit unsern Händen greifen können, glauben wir nicht. Wie hoch schätzt der Herr den Glauben! "Selig, die du geglaubt hast ..." An den Glauben knüpft der Herr alle seine Wunder vom Anfang der Zeit bis zum Ende der Zeit.

Auch die heilige Kirche ruht auf dem Fundament des Glaubens. Die Glaubenskraft liegt daher auch in allen Engeln der Kirche. Dies muss hier gesagt sein, weil der schlichte Engel, der heute als Fürbitter vor Gottes Thron steht, den Engeln der Kirche zugehört, im besonderen St. Hajim, dem Engel der Macht des inneren Lebens der Kirche, jenem Engel, der unwiderstehlich an die Herzen der Menschen klopft.

St. Hanai wartet auf uns an jeder Wegbiegung. Wegbiegung ist für uns der Beginn eines neuen Lebensabschnittes, sei es im äußerlichen oder innerlichen Leben. Es kann sich diese Wegbiegung dem Ort nach ergeben durch einen Ortswechsel, sie kann der Zeit nach sein, nach dem Schluss geistlicher Übungen, nach Gelübdeablegung, nach dem Empfang eines heiligen Sakramentes, nach einem wichtigen Entschluss vor den Augen Gottes. Viele solcher Wegbiegungen liegen schon hinter uns; wie viele wir noch vor uns haben, das weiß nicht einmal unser heiliger Schutzengel, das weiß nur Gott allein.

Aber eines ist sicher. Immer haben wir zuerst nach dem Ziel auszuschauen. Liegt es auch noch im Wolkendunkel, wir müssen glauben. An jedem von uns soll das Wort des Herrn wahr werden; "Selig, ... die du geglaubt hast!" Wir können ja doch nicht mehr von Gott los, wir sind schon eingefangen von Seiner Liebe, wir stehen schon unter dem Schatten Seines Kreuzes, an der Tür Seines Tabernakels, mit der Lampe der Bereitschaft. Nur der Glaube muss noch immer wachsen. Uns dazu liebend zu verhelfen, steht St. Hanai da.

St. Hanai sagt uns: "Keine Tiefe braucht dich zu schrecken! Links und rechts von dir stehen Engel, dich zu behüten! Kein schleichender Versucher kann dir etwas anhaben, wenn du dein Angesicht gleich den Engeln niemals vom Angesichte Gottes abwendest. Fürchte dich nicht zu erlahmen, als sei dein Ziel zu hoch gespannt, solang du das Brot des Lebens erhalten kannst. Glaubst du an die Größe und Allmacht Gottes im Heiligsten Sakrament? Glaubst du an die unendliche Liebe und Barmherzigkeit Gottes? Glaubst du an die immerwährende Hilfe deiner himmlischen Mutter, an die Hilfe der Engel, die immer deutlicher spürbar wird, je mehr du dich an ihre Hand hältst? Glaube, und es wird dir geschehen!"

Gebet: Heiliger Engel, hilf unserm Unglauben, der die Wurzel aller Schwäche und Erfolglosigkeit ist. Steh an jeder Wegbiegung, damit wir uns nicht verlocken lassen aus Angst oder Feigheit und dann irre gehen. Erbitte uns den unerschütterlichen Glauben, und mit diesem Licht werden wir dir folgen können bis an die Tür der Ewigkeit. Amen.

 

4. August – St. Jehusalim 3. Chor

Die reinste Symbolik der Statik Gottes unter den Engeln sind die Throne, die Engel des Lebens, dem Vater zugeordnet. Sie sind wie Berge so wuchtig, und selbst wenn sie sich so weit herab neigen, dass sie für Menschen fassbar werden, sind sie wie granitene Säulen und ihre Flügel wie die großen, schweren Türen der gotischen Flügelaltäre. All dies ist Symbol der Göttlichen Majestät, Seiner Unveränderlichkeit und der Unwandelbarkeit des Göttlichen Gesetzes des Lebens. Schon das Wort "Thron" besagt dies: Ein Thron ist etwas Feststehendes, ein Zeichen der Macht, mit dem Herrscher verbunden als seine Ruhestatt und Stütze. Ein wankender Thron bedeutet den Abbruch der Statik des Herrschens, den Abbruch der Unveränderlichkeit. Gottes Reich aber wankt in alle Ewigkeit nicht, weil Gott nicht wanken kann. Der Unterschied zwischen den Thronen und den Seraphim und Cherubim besteht am augenfälligsten in der Bewegung. Die Seraphim sind um sich selbst und um Gott sich drehend wie die Planeten um die Sonne; sie kreisen waagrecht in unaufhörlichem Lichtsprühen. Die Cherubim dagegen sind wie aufwärtslodernde Flammen und abwärtsstürzende Berge; sie sind glühendes Licht in senkrechter Bewegung. Die Throne aber sind unbeweglich, sie stehen unerschütterlich – nur einer schwankt: St. Aralim Enneth, der schwächste der Throne, da an ihm im Plane der Göttlichen Gegensätzlichkeit der Wille Gottes über das ganze Reich Luzifers verankert ist.

Es sind drei und sieben Throne und nochmals drei und sieben. Der Thron, der heute wie ein in Fels gehauener Sämann vor der Majestät Gottes steht, ist St. Jehusalim, einer der zweiten sieben, die so groß sind, dass sie auf der Erde aufzustehen scheinen, indes ihr Haupt in das unsagbare Licht des Dreieinigen Gottes taucht; er ist der Träger des ausgesäten Wortes. Er wandert nicht über die Erde, sondern steht fest. Er ist nicht Zeichen des Säens, sondern des Samens, der etwas Festes, Seiendes ist und nicht ein Begriff oder eine Eigenschaft oder Tätigkeit. St. Jehusalim steht hier für jedes Göttliche Wort, das ausgesät wurde in Menschenherzen und beim Gericht eingefordert wird, denn jedes Wort Gottes ist gezählt. Bei den Engeln gibt es weder Ehrfurchtslosigkeit dem Wort Gottes gegenüber noch Vergesslichkeit, dass ein Wort ungehört verhalle. St. Jehusalim steht auch für die großen Verkünder des Wortes da, für die Ecksäulen der Kirche, die vor Gott wie Throne gelten, weshalb ihnen auch die leeren Throne der abtrünnigen Engel aus diesem Chor einst verliehen werden. St. Jehusalim ist der oberste Engel der Statik, dem Wort zugewendet und das Wort behütend, den Rat, aber auch jene "statischen" (stehenden, abteienartigen) Orden, die das Wort verkünden und behüten, die Pflegestätten des Wortes Gottes.

Gebet: Herr und Gott, lass uns die Größe Deines Wortes erkennen, mit Deinem Wort wie mit einem Pfund arbeiten und Dir einst eine reiche Ernte bringen durch das Wort, das wieder zu Dir zurückkehrt. Amen.

 

5. August – St. Hamasim 5. v. Chor

Wenn uns die Mutter Märchen erzählte, da wir noch mit aufgeschürften Knien und zerzausten Haaren als Kinder um sie saßen, ist immer an eine Seite der Kinderseele hingezielt worden: An die Gläubigkeit. Kein Mensch kann so innig und stark glauben wie ein Kind. Das ist nicht bloß ein Leicht-Glauben oder ein Gut-Glauben, sondern eine Starkgläubigkeit, mit der das Kind Berge versetzt und über Wellen schreitet, durch Flammen unversehrt hindurch kommt und durch sein unerschütterliches Vertrauen den Himmel aufreißen kann. Sagt man denn nicht: "Weil sie glauben, weil sie so fest vertrauen?"

Glauben ist Gnade, so wie das Kindsein vor Gott für den erwachsenen Menschen eine Gnade ist. Ein Mensch, der ein Kind ist in seinem Herzen, kann viel unerschütterlicher glauben als andere. Ein solcher kann auch den Engel, der heute vor Gottes Thron steht, viel tiefer erfassen als die anderen, denn wer glaubt heute an Wunder? Nur wer noch Kind ist in seinem Herzen und wer unerschütterlich zu glauben imstande ist. An diesen Glauben und an dieses Kindsein hat Gott das Wunder gebunden, das noch heute ein unendlicher Liebesbeweis Gottes ist für Seine Kinder auf Erden, für die, die glauben.

Das Wunder als Gnade ist von Gott einem Engel der Versiegelten Gewalten zu tragen gegeben worden: St. Hamasim. So ist die Wunderkraft dadurch als Gewalt von Gott her dokumentiert. Als Versiegelte Gewalt zeigt sie an, dass sie weitaus größer und nur zum Wohl der Menschen gedrosselt und gebändigt ist. Sie ist in die Hände Mariens gelegt. St. Hamasim trägt den blauen Mantel als Zeichen seiner besonderen Zugehörigkeit zur Herrin Himmels und der Erden. Er trägt auf der Brust das Zeichen des Unbefleckten Herzens seiner Königin. Aus diesem Herzen strömt der Brunnen der Gnade über seine versiegelten Hände. Wie würde er erst fließen ohne diese Fesseln?

St. Hamasim ist ein Engel der Liebe Mariens. Er ist außerdem Gewalt unseres Herrn Jesus Christus, dem die Engel der Versiegelten Gewalten unterstellt sind. Er empfängt einen ganz geheimnisvollen Kraftstrom über den Engel des Wortes, der auf dem Hauch Gottes steht. Dieser Kraftstrom verteilt sich über alle Cherubim, und St. Chamael fängt ihn als Anziehungskraft auf, er am stärksten. Er ist "der Verhüllte" unter den Cherubim, der das Geheimnis der Liebe Gottes zum Kind Gottes trägt. Auch Gott kann Seine Kinder ins Reich der Wunder führen, Er am meisten. Diese Erfindergabe, mit der Gottes Kinder umgeben und beglückt werden, ist von keinem menschlichen Verstande begreifbar. Wir können sie höchstens erahnen, wenn wir diesen in tausend Farben und Lichtern sprühenden und blitzenden Strom über St. Chamael zu St. Pharim herab verfolgen, der das Göttliche Wort der Liebe: "Komme!" trägt, von ihm weiter zu St. Hamasim, der den Strom über die Engel der Macht der Hoffnung an die Engel der Kirche und die Engel vom besonderen Dienst Mariens weiterleitet, die, genauso still und verborgen wie ihre Herrin, nun das Wunder in die Herzen der gläubigen Kinder legen.

Gebet: Himmlische Mutter, lass uns Kinder sein mit offenen Händen und gläubigen Herzen, um das an uns erfahren zu dürfen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben. Amen.

 

5. August – St. Medad 9. Chor

Wenn wir ihn so ansehen dort an den Stufen des Thrones Gottes, still und hoch, seine Hände in den weiten Ärmeln seines faltigen Gewandes vergraben, das Skapulier wie eine schwere Last und Pflicht über seiner Brust, aber auf seinen Schultern das weiße und lichtzarte Symbol der Taufe des Heiligen Geistes, da könnte man wohl an eine der Heiligengestalten des frühen Mittelalters erinnert werden, an einen Bruno oder Beda oder Norbert. Nur die leuchtenden Augen zeugen von einem starken inneren Licht, das dieser Engel trägt, St. Medad, "in der Mitte der Brüder". Dieses "in der Mitte der Brüder" sagt uns auch seine Aufgabe, die wir wohl auch, aber nicht so klar, aus der Stellung und Aufgabe dessen ersehen, zu dem St. Medad gehören. Dieser andere, zu St. Medad Gehörende, ist ein seltsamer und schwer verständlicher Engel: St. Kepha, der das Bündnis Gottes mit dem Menschen im Gelöbnis der Treue trägt, im Chor der Niederen Herrschaften als Ecksäule stehend.

Es ist eine gewaltige Ecksäule, die da vor unseren Augen aufragt. Obenan wie ein goldenes Kapitäl die oberste Ecksäule: St. Nezach – "allmächtiger Gott" –, welche schon mit ihrer Krone durch das Wolkendunkel bis in den Ring der Anbetung vorstößt. Darunter der gefesselte riesige Engel St. Thumim, der in seinen Fesseln die Liebe Gottes als Kraft trägt, die erst in der Endzeit frei wird.

Unter ihm St. Kepha mit der goldenen Kette des Treuegelöbnisses und dann, mitten in den Gewalten, St. Thelamim, der große Weckrufer, und in den Reihen der Fürsten St. Michael, der Kämpfer durch den Glauben, die Treue und die Demut. Wie still sieht St. Medad inmitten dieses Stromes von Glauben und Treue und Starkmut und Bekennertum aus! Und doch trägt er mit, unbedingt mit, aber auf seine ihm von Gott auferlegte Weise. Und die ist still und verborgen, wie auch die Kartäuser viel mehr im Verborgenen leisten als manche weltliche Genossenschaften zusammen. Niemand darf glauben, was im verborgenen geschieht, trage bloß das Mäntelchen von richtiger Arbeit und sei viel mehr gefühlte Arbeit. Es ist schon richtige Arbeit, wobei der Mensch, wenn er sich St. Medad anheimstellt, müde, todmüde werden kann.

Er muss ja stehen inmitten der Brüder, nicht bloß bedacht auf sein eigenes Seelenheil, sondern ebenso sehr, ja vielleicht mehr noch auf das Heil seiner Brüder. Gott hat ihn ja in die Mitte der Brüder gestellt als Aufgabe; das ist sein Pfund: In der Mitte der Brüder zu stehen als Ecksäule des Glaubens, der Treue, des Starkmutes, der helfenden, gütigen Demut, die uns St. Michael an jedem Sterbelager vor-"dient". "Inmitten" – das heiß soviel wie: Gleich weit in Liebe und Treue und verstehender Hilfsbereitschaft zu jedem der Brüder – dann werden auch diese Brüder einst wie ein Strahlenkranz um das Haupt dieses einen stehen, dessen Mund vielleicht nichts mehr sagen kann.

Gebet: St. Medad, lass uns immer bedenken, dass wir nicht allein, sondern immer "in der Mitte" von Brüdern und Schwestern stehen, denen wir voranleuchten sollen durch unsere Liebe, unsere seelische Weite, unsere Güte, unser liebendes Schweigen, denen wir Halt und Hilfe sein sollen. Amen.

 

6. August – St. Jessi 1. Chor

Kein Mensch kann die Gedanken des himmlischen Vaters auch nur im entferntesten erfassen: Seinen innigst geliebten Sohn in diese Tiefe aller Menschlichkeit und Gebrechlichkeit zu senden und Ihn dort hilflos und schutzlos Seinem Schicksal zu überlassen. Kein Engel erreicht in seinen Gedanken je die Grenze der Göttlichen Gerechtigkeit und Liebe. Nur wenn Gott sich herab neigt, wenn Er die Himmel aufreißt, wenn Er das Meer von Unbegreiflichkeiten in ein geschöpfliches Maß einströmen lässt, kommt Seine Liebe uns nahe. Sie sprüht am ersten und stärksten bei jenen Geschöpfen auf, die Seine Wesenheit am klarsten spiegeln; das sind die obersten Chöre der Engel, der Ersterschaffenen Gottes. Da steht jener Seraph, der damals, von der Wucht der Liebe des Vaters zu Seinem Sohn erfasst, den Himmel für einen Augenblick aufriss, zwei aus den Reihen der Ältesten mit sich zog und seinen geliebtesten Herrn – ach, nur wenige Augenblicke lang! – in dieses blendende Licht der Liebe des Vaters hob. Zitternd musste er Ihn sofort wieder niederstellen, Ihm, dem er als Fußschemel dienen durfte. Kein Engel, auch nicht aus dem höchsten Rang, wagt es, Gott Sohn – auch nicht in der ärmlichsten Hülle – außerhalb eines direkten Befehls Gottes zu berühren. O Gott, und wir elenden Geschöpfe, was haben wir mit Ihm gemacht? St. Jessi ist dieser Seraph, der heute, am Gedächtnistage der Verklärung auf Tabor, vor seinen Herrn treten darf. Er ist wie ein gewaltiges Feuerrad, sein Name ist: "Held". Ja, als Held stand damals unser Herr so verborgen und unerkannt mitten unter den Seinen; nicht einmal die Apostel ahnten Seine wahre Größe. Er entblößte Sich jeglicher Macht, jeglicher Ehre, obwohl sich die Seraphim voll Jubel zu Seinen Füßen gebreitet hätten.

St. Jessi, der in der Mitte aller Seraphim steht, der elfte, ist wie alle Seraphim dreifach, und doch nur einer. Er heißt auch "Feuerrad der Endzeit". Sie werden zu dritt (St. Elion, Seraph des Vaters; St. Jessi, Seraph des Sohnes, und St. Amen, Seraph des Geistes) als die eine flammende Gerechtigkeit Gottes, des Vaters, des Sohnes, des Geistes, als drei Feuerräder um die Schöpfung laufen: Das eine nach Süden, und es kommt im Norden wieder herauf mit Legionen Kräften, rufend: "Angebrochen ist die Gerechtigkeit Gottes, von nun an soll herrschen die Hand des Richters auf Erden!" Und St. Jessi, das andere Feuerrad, läuft nach Osten und kommt im Westen wieder herauf, rufend: "Wachet auf! Wachet auf und tut euren Mund auf zur Klage; der Tag des Zornes ist angebrochen!" St. Amen, der Seraph die Frucht aller Schöpfungen; und zwölffach tragen sie die Antwort der Schöpfung wieder zum Thron Gottes zurück.

Unter diesen zwölf Engeln von Wort und Antwort ist St. Hod der letzte. Er ist auch in der Schöpfung der letzte, mit der letzten Aufgabe, weil er den Triumph des Kreuzes über den großen Richtplatz am jüngsten Tag tragen wird. Jetzt trägt er noch die Torheit des Kreuzes auf seinen Schultern, und seine Lippen sind solange verschlossen, als der Herr in uns und durch uns ans Kreuz geschlagen wird. Aber keine Stunde ist so sicher wie die seine: Wenn seine Stunde gekommen ist, werden wir seinen Siegesruf – gleich dem Schrei eines Adlers – vernehmen: "Der Tag des Herrn! Dies ist Mein Tag, so spricht der Herr!" Und mit diesem Schrei wird er den Vorhang der Dunkelheit vor unsern Augen entzweireißen, und wir werden erkennen von Angesicht zu Angesicht!

Gebet: Allmächtiger und Barmherziger Gott, gib uns Menschen die Gnade, durch Deine Engel immer hellhöriger zu werden auf Deinen Anruf. Gib uns die Gnade und Kraft, dem Kreuz Schritt um Schritt nachzugehen, bis es seinen Siegeszug über die Schöpfung beginnt. Amen.

 

6. August – St. Hod 4. n. Chor

Der Tag der Verklärung unseres Herrn auf Tabor ist ein Tag des Triumphes; bringt er doch uns das Zeugnis des Himmlischen Vaters nahe: "Dieser ist Mein geliebter Sohn, an Dem Ich Mein Wohlgefallen habe."

Als Zeichen dieses Triumphes, der nicht nur in der heiligen Kirche auf Erden, sondern auch droben im Himmel vor dem Thron Gottes gefeiert wird, lässt die Barmherzigkeit Gottes zwei lichtstrahlende Engel als unsere Fürbitter sehen, zwei Engel der Liebe: Einen Seraph und St. Hod aus dem Chor der Herrschaften. Alle Engel aus diesem Chor sind Engel der Liebe; es fließt über sie der Gnadenstrom der Liebe aus dem Herzen Gottes. Liebe ist ja der Beweggrund, warum Gott die Schöpfung schuf. So sind auch in jedem der drei großen Ringe, in welchen je drei Engelchöre dem Dreieinigen Gott anbetend dienen, die Engel der Liebe die Führenden:

Im obersten Ring der Anbetung um den Thron Gottes sind es die Seraphim, der 1. Chor, im zweiten Ring der Ordnung und Allmacht Gottes um die ganze Schöpfung sind es die Herrschaften, der 4. Chor, im dritten Ring der Erlösung und Menschwerdung sind es die Mächte, der 7. Chor.

Und jeder Chor dient dem Dreieinigen Gott nach seiner Art und seiner Aufgabe; so auch der Chor der Herrschaften. Dreigeteilt dient der Chorteil der Hohen Herrschaften im besonderen dem Heiligen Geist, der Chorteil der Versiegelten Herrschaften dem Weltenrichter Jesus Christus, der Chorteil der Niederen Herrschaften ist vom Vater ausgesendet über die Schöpfung.

In diesem letzten Teil ist eine Gruppe von zwölf Engeln, welche zwölffach den Anruf Gottes in der Schöpfung tragen: Das Maß, das Gesetz und die Wahrheit in die Wurzel aller Schöpfung; die Liebe, die Gottesfurcht, die Gerechtigkeit in den Aufbau aller Schöpfung; die Weisheit, die Schönheit, die Harmonie in die Blüte aller Schöpfung; die Macht Gottes, die Stärke Gottes und den Triumph Gottes in die Frucht aller Schöpfungen; und zwölffach tragen sie die Antwort der Schöpfung wieder zum Thron Gottes zurück.

Unter diesen zwölf Engeln von Wort und Antwort ist St. Hod der letzte. Er ist auch in der Schöpfung der letzte, mit der letzten Aufgabe, weil er den Triumph des Kreuzes über den großen Richtplatz am jüngsten Tag tragen wird. Jetzt trägt er noch die Torheit des Kreuzes auf seinen Schultern, und seine Lippen sind solange verschlossen, als der Herr in uns und durch uns ans Kreuz geschlagen wird. Aber keine Stunde ist so sicher wie die seine: Wenn seine Stunde gekommen ist, werden wir seinen Siegesruf – gleich dem Schrei eines Adlers – vernehmen: "Der Tag des Herrn! Dies ist Mein Tag, so spricht der Herr!" Und mit diesem Schrei wird er den Vorhang der Dunkelheit vor unsern Augen entzweireißen, und wir werden erkennen von Angesicht zu Angesicht!

Gebet: Allmächtiger und Barmherziger Gott, gib uns Menschen die Gnade, durch Deine Engel immer hellhöriger zu werden auf Deinen Anruf. Gib uns die Gnade und Kraft, dem Kreuz Schritt um Schritt nachzugehen, bis es seinen Siegeszug über die Schöpfung beginnt. Amen.

 

7. August – St. Ophel 6. v. Chor

Etwas vorn übergeneigt steht er da vor Gottes Thron, als drücke ihn eine Last. Aber er horcht nur. Er horcht auf das Klopfen so vieler Herzen, die er angerührt hat mit seinem langen Stab gleich einem Herold oder Boten. Er hat sie aufgeweckt, er, der Fürst über alles Magnetische, der Engel der ewigen Unruhe zu Gott; er hat sie in die Nähe Gottes gezogen durch seine magnetische Kraft. Er hat ihr Herz in Unruhe versetzt, so dass es gezogen wird und selber drängt, es weiß gar nicht, warum. Es findet seine Ruhe nur mehr in Gott.

St. Ophel heißt dieser Engel, immer jung, und doch mit einer Jahrtausende alten Sehnsucht in seinen Zügen. Gott hat ihn als Fürsten über große Machtgebiete gesetzt, dass er sie verwalte. Nicht nur Sterngruppen am weiten Firmament verwaltet er – jeder Stern hat seinen Sinn vor Gott und wird von Gottes Engeln geleitet –, er hat als Baustoff der Erde alle magnetischen Kräfte zu verwalten. Und das ist wohl ein großes und vielfach unerforschtes Gebiet, weil Gott diesen Engel versiegelt hat. Seine Macht ist jetzt noch zum Wohl der Menschen gedrosselt und gebändigt. Fürchterlich wird sie erst in der Endzeit, wenn diese gewaltigen Fesseln gesprengt werden.

Dann wird wohl mit magnetischer Kraft ein Stern vom anderen angezogen werden und an ihm zerschellen. Dann wird aber auch die Unruhe zu Gott, die dieser Engel zu hüten hat, aus ihrer Zaghaftigkeit heraustreten, dann werden Feuerseelen geboren werden, die sich nicht nur ziehen lassen von Gott und Seinen Engeln, sondern die sich in die Liebe Gottes hineinstürzen, bedingungslos und freiwillig, und durch keine Qual der Endzeit mehr aus dem Herzen Gottes zu reißen sind.

St. Ophel ist nicht nur über alles Magnetische gesetzt, sondern über alles Gestein überhaupt. Wie viele Dome sprechen von dieser ewigen Unruhe zu Gott, dieser ungestillten Sehnsucht des Menschen; wie viele herrliche Steine gaben dieser göttlichen Anziehungskraft Ausdruck! Am geheimnisvollsten sind die Grabsteine – ein Symbol dafür, dass auch die Entschlafenen noch auf den Magnetstab St. Ophels warten, der an ihren Stein pochen wird in Eile: "Wachet auf!", denn alle Leiber der Verstorbenen werden nach dem Worte Gottes wieder voll Leben und voll Unruhe auferstehen und vor Gottes Richterstuhl am Jüngsten Tag erscheinen. Immer ist St. Ophel der Mahner, dass alles Wanderschaft ist, gezogen von dem Einen: Gott. So fest die Steine auch sind, die Unruhe wird ihrer Herr, von dem leisen Aushöhlen durch die unruhige Quelle angefangen bis zur Atombombe der rastlosen Menschen. Immer "ist mein Herz unruhig, bis es ruht in Dir, o Gott!".

Gebet: Großer, heiliger Engelfürst, rühre auch mein Herz an, dass es nimmer aufhört, für Gott zu schlagen, sich nach Ihm zu sehnen, bis es in Ihm ruhen darf. Amen.

 

8. August – St. Nahimphar 6. v. Chor

Er steht hier, breit und sonnendurchflutet wie ein reifes Ährenfeld. Seine tiefblauen Augen sind ganz ruhig wie ein Wasserspiegel, den kein Windhauch berührt. Und doch hält er mit der Hand, die er von sich streckt, ein Gewölk ab, schwarzblau in der Mitte, schwefelgelb am Rande. In diesem Gewittergewölk hockt (symbolhaft) Rhaaboon Sirac, der gestürzte Engel Hrabanael, der sich jetzt gegen Gott in der Natur wendet und unsere Felder, Häuser und Wälder im Sommer mit Hagelschlägen, Wolkenbrüchen und zündenden Blitzen, Überschwemmungen, Stürmen, Steinschlägen und Feuersbrünsten heimsucht.

Ist es nicht eine Ungerechtigkeit Gottes, dass Gott einer so mächtigen dämonischen Gewalt nur einen Fürsten entgegensetzt und noch dazu einen versiegelten, gefesselten? Denn dieser Engel, der heute vor uns an Gottes Thron steht, hat Ketten um seine Füße; er wäre nicht imstande, dem Dämon im Kampfe einen ordentlichen Fußtritt zu geben. Warum tut Gott das? – Der Engel ist St. Nahimphar, der Fürst des Sommers, der Fürst der Fülle. Er wird erst in der Fülle des Ablaufs (in der Endzeit) frei werden, und das ist gut. Denn wenn Engel und Dämon in aller ungebundenen Gewalt aufeinanderprallen werden, da werden reifende Ährenfelder nicht mehr geschont, da geht es nur mehr um die letztliche Beute: Die Seele des Menschen. St. Nahimphar hat auch gebunden noch so viel Gewalt, dass er, wenn Gott es nicht durch besondere Zulassungen anders will, für das tägliche Brot der Menschen sorgen darf.

Er hat zu dieser Aufgabe (den Sommer der Erde, die Fülle der reifenden Frucht zu hüten) noch eine zweite: Er heißt auch "der Aufnehmende", und diese Aufnahme betrifft die Seele. Auch die Seele reift in der Sonne der Liebe Gottes, aber dabei soll sie nicht nur stille stehen und sich bescheinen lassen, sie soll auch aufnehmen und ihre Fülle vermehren. Niemals hat sie genug getan; immer noch kann und soll sie jede Gelegenheit ergreifen, Opfer der Liebe, Opfer der Sühne, Opfer des Verzichtes aufzunehmen, wo sie sich ihr bieten. Sie soll das Leid, an dem sie ihr Engel vorbeiführt, nicht am Wege liegen lassen, wie es der Levit beim Menschen, der unter die Räuber gefallen war, getan hat. Auch das Leid soll sie sofort und mit aller Liebe aufnehmen und in sich reifen lassen, gleichgültig, ob es nach Garbe aussieht oder nach Kreuz einer Erfolglosigkeit und Enttäuschung. Was es wird, das sieht und entscheidet schon Gott! Du, Seele, nimm auf und lass keinen Hagel des bösen Feindes darüber ziehen in Mutlosigkeit, in Lieblosigkeit, in Verzweiflung. Der Herr gibt Speise und Trank zur rechten Zeit. Er wird auch dir zur rechten Zeit Sonne und Regen und Tau des Himmels geben, auf dass du reifest und Frucht tragest für die Ewigkeit.

Gebet: Heiliger Engel, lass die Sonne der Liebe Gottes über mich scheinen und wehre dem satanischen Hagel, dass ich werde, so wie mich Gott haben will. Amen.

 

9. August – St. Sorel 4. h. Chor

Der Starkmut ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Er ist nicht jedem Menschen einfach angeboren, er wird besonders im heiligen Sakrament der Firmung verliehen. Was dem Menschen angeboren ist, das ist der natürliche Selbsterhaltungstrieb. Aber man kennt ihn gut vom Starkmut auseinander: Niemals kann eine Gabe des Heiligen Geistes so wie der Selbsterhaltungstrieb ausarten in Rücksichtslosigkeit, Berechnung, Skrupellosigkeit, Brutalität und Betrug. Der heilige Starkmut ist immer gepaart mit Treue und Glauben, mit Heldengeist und Ausdauer, mit Bekennertum und Großmut, mit einem unerschütterlichen Vertrauen. Wir sind durch die heilige Taufe Anwärter auf diese Geistgabe, durch die heilige Firmung Empfänger dieser Gabe geworden.

Freilich, vielen ist diese Gabe wieder durch eigene Schuld abhanden gekommen. Alle Sünden der Weichlichkeit, Willenschwäche, Feigheit vertreiben das Gnadengeschenk des heiligen Starkmutes. Wir müssen immer wieder darum bitten. Wir finden den Starkmut bei allen Heiligen, besonders bei den Martyrern und Bekennern, aber auch heute noch in den Gottlosenländern in ihren Konzentrationslagern, Bergwerken und Kerkern, wo unsere tapferen Glaubensbrüder schmachten.

Diesen heiligen Starkmut trägt in einer leuchtenden Schale im Bild des Weines St. Sorel, einer der sieben aus dem Chor der Hohen Herrschaften, welche die Gaben des Heiligen Geistes von Gott herab zur Erde geleiten. Weit strömen diese Gaben über die ganze Menschheit. Wir finden sie innerhalb und außerhalb der heiligen Kirche, z. B. bei den Weisen aus dem Morgenland, bei allen Gottsuchern, die oft von Ferne her zur heiligen Mutter Kirche kommen, bei dem römischen Hauptmann, von dem Jesus Selbst sagt: "Wahrlich, so einen Glauben habe Ich in Israel nicht gefunden." Solche Menschen, die gläubig der Gaben des Heiligen Geistes teilhaftig werden, sollen uns immer eine Mahnung sein, um wie viel mehr wir, die Kinder des Lichtes und Erben des Himmels, uns um diese göttlichen Gaben bemühen sollten. Wie notwendig ist die Gabe des Starkmutes heute im Kampf um den Glauben und die Reinheit unserer Jugend unserer Familien, unseres Volkes. Demütig und beharrlich wollen wir darum bitten. Vergessen wir nie, dass zum Starkmut die Beharrlichkeit gehört.

Gebet: Großer heiliger Engel, der du dich "Wein Gottes" nennst, gib uns von diesem Wein des heiligen Starkmutes, dass wir tapfer und getreu auch die Alltagspflicht ohne jedes Murren erfüllen, dass wir stark bleiben in allen kleinen und großen Prüfungen unseres Lebens und einst als getreu befunden werden von unserem Herrn! Amen.

 

10. August – St. Messijim 6. v. Chor

Sein Bruder stand schon einmal vor Gottes Thron als Fürbitter; St. Jachim, der Fürst des Sturmes. Das sind vier gar gewaltige, fast furchterregende Engel, diese vier Ecksäulen im Chor der Versiegelten Fürsten: St. Jachim, der Fürst des Sturmes, St. Bairim, der Fürst des Wassers, St. Messijim, der Fürst des Feuers, St. Menijim, der Fürst des Stoffes.

In der wunderbaren Vielfalt der Engel und Engelgruppen sind auch diese vier Ecksäulen wieder anders: Sie tragen ein Signum. Dies Signum ist ein versiegeltes Wort, Kennzeichen der ganzen Ecksäule von oben bis unten und von unten bis oben. Es liegt wie ein Kern in der persönlichen Aufgabe dieses Engels, aber es ist gleichzeitig eine der vier Grundrichtungen, nach denen einst die Menschheit gerichtet werden wird:

St. Jachim trägt das Signum "Filius Patris", St. Bairim trägt das Signum "Agnus Dei", St. Messijim trägt das Signum "Rex Gloriae", St. Menijim trägt das Signum "Deus Judex".

So wie das Signum "Filius patris" besagt, dass die Menschheit nach dem Lösen dieses versiegelten Wortes von der Richtung des Glaubens her gerichtet werden wird, nach der Treue zum Sohn, zum Vater, zum Geist, nach dem Glauben und Bekennermut, so sagt uns das Signum Bairims, des Fürsten des Wassers, dass die Menschheit einst, nach dem Lösen dieses Signums ("Agnus Dei") von der Richtung der Gnade her gerichtet werden wird, nach Ehrfurcht, Bereitschaft und Sühne. Das Signum "Rex Gloriae" sagt uns, dass der Herr einst kommen wird als König der Herrlichkeit, der Glorie. Die Herrlichkeit des Kreuzes fordert Gerechtigkeit wie Barmherzigkeit, Gehorsam wie Opfer. Das Signum "Deus Judex" aber wird uns den ewigen Richter bringen, wenn das letzte Siegel gelöst sein wird. St. Messijim ist versiegelt, das heißt, seine ganze Kraft ist noch gebändigt und gedrosselt. Als Fürst des Feuers hat er nicht bloß das irdische Feuer zu verwalten – wir wissen, was es für Katastrophen gibt, wenn Feuer sich ungehindert ausbreiten kann –, er hat auch für die immerwährende Glut des Herzens, der Liebe zu Gott zu sorgen. In jeder glühenden Liebesseele ist ein Thron dem König der Herrlichkeit errichtet, jede Liebesflamme ist ein Triumph für den König der Glorie. St. Messijim bündelt in seinem Gnadenstrom des Liebesfeuers noch die Kraft der anderen, über ihm stehenden Engel, nämlich St. Raphaels, des Engels der Liebe und des Schmerzes, aber auch des Trostes; St. Dichaels, des Trägers der Liebeskraft des Dreieinigen Gottes; St. Jephathas, der Ecksäule des Gehorsams, und St. Boromims, der Ecksäule des flammenden Anrufes, des Weckrufs. Alle diese Ströme laufen über St. Messijim und werden in seine Liebesglut eingebettet. So steht er hier vor Gott, selbst wie eine Fackel. Er hat die Arme in Kreuzform weit ausgebreitet, um die Größe seiner Liebe und seiner Anbetung anzudeuten, gleichzeitig aber auch an den Kreuzestod des Herrn erinnernd, des Rex Gloriae.

Gebet: Du Fürst der heiligen Engel, behüte unser Feuer vor jedem Anhauch des Bösen, aber entfache das Feuer unserer Seele zum Brand der Liebe. Amen.

 

11. August – St. Sim 5. n. Chor

In der Mitte aller Engelchöre stehen die Gewalten. Schon ihr Name zeugt von ihrer Wesenheit und Aufgabe. Niemals werden wir diese Himmelsgewalten, welche sich auf Befehl Gottes zur Erde neigen, in den Schöpfungsablauf eingreifen und uns von ihrer Gewalt in einem winzigen Ausmaß mitteilen, restlos verstehen und begreifen können. Erst dann, wenn wir durch die unendliche Barmherzigkeit Gottes und durch die Fürbitte Mariens und aller Engel und Heiligen das schauen dürfen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben, dann werden wir auch diese Engel, deren Gewalt den Menschen fast erdrücken, Gott lobend und preisend begreifen.

Ein solcher, uns kaum verständlicher Engel der Gewalt ist St. Sim, Engel des Verborgenen Herzens, der geheimen Gedanken, der Übertragung geistiger Kräfte. Er gehört zu einer Dreiergruppe, welche den Namen "Das Verborgene Herz" trägt, weil diese Engel die geheimen, übersinnlichen Kräfte in der Schöpfung verwalten: Die geheime, innere Strömung allen Lebens, Strahlungen aus allen geschöpflichen Dingen und die Kraftfelder um sie.

Diese Engelgruppe hat früher aus sieben Engeln bestanden, aber deren vier sind mit Luzifer in den Abgrund gestürzt und verwenden nun ihre ihnen belassene Macht und Fähigkeit zu verderblichen Werken. Das sind:

die verderbliche Naturgewalt,
die verderbliche Strahlung,
die Willensbehexung zu Süchten und Tollheiten,
die Verführung, das sinnliche Fluidum.

Diese vier gewaltigen Dämonen mit ihrem Anhang suchen die von Gott harmonisch geordnete Gewalt der drei Engel des Verborgenen Herzens zu brechen, abzubiegen und unwirksam zu machen. Je mehr die Menschheit sich von Gott entfernt, desto mehr liefert sie sich der Einflussgewalt dieser Dämonen aus.

St. Sim steht heute vor unseren fragenden Blicken, dem Thron Gottes zugewandt, als unser Fürbitter. Er trägt das Symbol seiner Aufgabe: Ein durch eine Waffe geöffnetes Herz. Es ist das einzige äußere Symbol, das wir wahrnehmen können. Und doch brennt unser Herz bei seinem Anblick, denn alle seine Gedanken der Gewalt seiner Liebe zu Gott und über Gott zu den Menschen sind uns klar, alle seine Sehnsucht, durch seine Aufgabe die Menschen zu Gott zu führen. Trägt er ja die Gewalt und Anziehungskraft der Gedanken, das Führen der prophetischen Gedanken in gottgewollter Richtung, das Behüten heiliger Kraft in gottverbundenen Menschen. Denken wir an die Worte Simeons an Maria: "Deine Seele wird ein Schwert durchdringen, auf dass die Gedanken vieler offenbar werden." (Luk. 2,35)

Gebet: Heiliger Engel, der du in alle Winkel unseres Herzens siehst, gib uns die Gnade, lauter und klar zu werden in allen unseren Gedanken und Wünschen, damit, wenn der Herr einst unser Herz öffnen lässt in der Passion unseres Lebens, Er Sich selbst darin finde. Amen.

 

12. August – St. Jephtha 4. n. Chor

Die vier gewaltigen Ecksäulen an den Enden der Schöpfung versinnbilden die Tragfestigkeit des Baues der Schöpfung nach allen vier Himmelsrichtungen. Sie versinnbildlichen aber auch die vier großen Göttlichen Richtungen der Wesenheiten Gottes, die über die ganze Schöpfung nach allen Richtungen hin ausstrahlen:

Die Heiligkeit Gottes, die Weisheit Gottes, die Allmacht Gottes, die Gerechtigkeit Gottes.

In diesen vier großen "Ecksäulen" aller Wesenheiten Gottes, welche aus der Liebe Gottes ausstrahlen und wieder in die Liebe Gottes zusammenmünden, liegen alle anderen Eigenschaften Gottes mit eingeschlossen: Die Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes, die Allwissenheit und Wahrheit Gottes, die Allgegenwart und die Treue Gottes, die Barmherzigkeit und die Langmut Gottes und viele, unendlich viele andere Wesenheiten, die wir im Spiegel bei den heiligen Engeln erkennen können.

Die vier Ecksäulen, die – von den Engeln gebildet – den Himmel mit der Erde verbinden, haben ihr Fundament auf dem einen Engel: "Maria", der zugleich als Engel der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche alle vier Ströme der Göttlichen Wesenheiten in sich aufnimmt und über die ganze Kirche als die Braut Christi ausstrahlt und der Engel des ganzen Corpus Christi Mysticum ist.

Die Ecksäulen haben ihre Krone im Ring der Anbetung in den vier obersten Engeln der Säulen, welche die Verbindung des ersten Ringes der Anbetung mit dem zweiten Ring der Ordnung und Allmacht Gottes und förmlich den Boden des ersten Ringes bilden.

Die Ecksäule "Heiliger Geist" geht über den Engel des Göttlichen Maßes, über den Träger des heiligen Gelübdes der Reinheit, die Engel der heiligen Kirche herab bis zu St. Sadiel, dem Erzengelfürsten.

Die Ecksäule "Weiser Gott" geht über die Engel der Göttlichen Weisheit und Wahrheit, über den Träger des heiligen Gelübdes der Armut, den Engel der Hoffnung herab bis zu St. Gabriel, dem Erzengelfürsten.

Die Ecksäule "Allmächtiger Gott" geht über den Engel der Kraft Gottes, den Träger des Gelübdes der Treue, die Engel des Glaubens und Bekennermutes bis zu St. Michael, dem Erzengelfürsten.

Die Ecksäule "Gerechter Gott" endlich geht über den Engel des Anrufes der Göttlichen Liebe, den Träger des heiligen Gelübdes des Gehorsams, den Engel des Widerspruches bis zu St. Raphael, dem Erzengelfürsten.

Alle vier Erzengelfürsten stehen über dem Engel "Maria". St. Jephtha, der Engel aus dem Chor der Herrschaften von Niederer Gewalt, steht heute vor Gottes Thron. Er trägt die gelübdemäßige Bindung des Menschen an Gott im Versprechen zum Gehorsam. Er steht zwischen zwei Flammenträgern und wird so von oben und von unten mit Glut überschüttet: Über ihm steht der Engel, der den flammenden Anruf der Liebe Gottes an die Menschen trägt; unter ihm steht der Engel, der die gefesselte Liebe des Dreieinigen Gottes, die gefesselte Liebeskraft Gottes der Menschheit zu trägt. St. Jephtha selbst trägt mit seinen feurigen Flügeln alle seine innere Glut aufwärts.

Er trägt über seiner Stirne das weiße Band des Knechtes: Das Zeichen des Gehorsams wie auch der freiwilligen gelübdemäßigen Bindung des Geschöpfes an den Schöpfer. Die heiligen Engel sind völlig in Gott verankert. Sie können nicht mehr sündigen, seit sie sich in der einmaligen Prüfung, welche in dieser geschöpflichen Höhe Ewigkeitswert hatte, für Gott entschieden haben. Das ist – in der visio beatifica eingeschlossen – der Lohn der gottgetreuen Engel gewesen: Nie mehr sündigen zu können. Sie haben diesen wahrhaft gotteswürdigen Lohn mit ihrem freiwilligen Dien-Mut beantwortet. Jeder Engel nennt sich seither nicht mehr "Sohn" oder "Herr", wie sie früher hießen, sondern sie nennen sich selbst immer nur "Knecht" (siehe Apk. 22,9), wie der Engel zu Johannes sagt: "Ich bin nur ein Mitknecht von dir und deinen Brüdern, den Propheten."

So ist dieses äußere Symbol der freiwilligen Unterwerfung, das der Engel trägt, ein Symbol für die Menschheit, für die St. Jephtha hier steht. Und so soll wohl auch der heilige Gehorsam sein, den Gott uns heute darstellt:

Voll innerer Glut der Liebe, so dass er selbst zu einem brennenden, liebenden Gehorsam wird; geflügelt, um das Wort blitzschnell auszuführen; mit dem Stirnband der Unterwerfung, indem er sich selbst immer in klarer Demut seiner Stellung als Dienender bewusst ist; wach durch den Weckruf von oben, vom Himmel her, und dadurch helläugig und hellhörig der Seele nach; bestrahlt von der Liebe Gottes, die von unten her, aus der Erniedrigung Gottes im Heiligsten Brot kommt und uns mit zurücknimmt in die Liebe des Dreieinigen Gottes.

Gebet: Immer wieder, Herr und Gott, stellst Du uns in Deinen heiligen Engeln leuchtende Vorbilder auf, die uns den Sinn unseres Lebens weisen und das herrliche Ziel.

Gib uns, o Herr, die Gnade, diese heiligen Engel nicht nur richtig zu erfassen, sondern auch ihre Mahnungen zu befolgen. Gib uns durch diesen Engel die Gnade eines geflügelten, heiligen Gehorsams, der durch die Heiligste Eucharistie täglich neu genährt und durch unsere Engelspatrone angetrieben wird zu Deiner Ehre und zu Deinem Wohlgefallen. Amen.

 

13. August – St. Ombael 6. n. Chor

Es ist keiner der Millionen Engel ohne Aufgabe, denn diese ist ja nichts anderes als immer ein Spiegel Gottes. Gott spiegelt sich millionenfach in der Schöpfung – und immer millionenfach anders. Er ist eben Gott. Kein Geschöpf kann Ihn begreifen. Aber die heiligen Engel, diese reinen, von keinem Makel angerührten Geister, hängen an Gottes Angesicht so, wie der Tau der Millionen Gräser des Feldes das Licht des Tages in sich aufnimmt, das ihn funkeln macht und blitzen. Und die Engel nehmen von Gottes Angesicht, das sie in sich aufnehmen, wie der Spiegel das Bild aufnimmt, ihre Aufgabe entgegen. Immer ist die Aufgabe Gott: Der Liebende Gott, der Besorgte Gott, der Mahnende, der Weise, der Ordnende, ja, der Mütterliche Gott.

Da steht einer der Stillen Fürsten in den Reihen der zwölf Engel vom besonderen Dienst um Maria, ihre Königin. Er ist der letzte und birgt in seinem weiten Mantel all die Tausende und Abertausende jener, die von fern her kommen und das Licht der heiligen Kirche sehen wie den Stern im Morgenlande, die fragen oder sich verkriechen vor Scheu, alle jene, die Gott fühlen, ohne den rechten Weg zu wissen. Er barg und birgt noch als seine Aufgabe alle unsere Lieben, die draußen als Missionare stehen und sich opfern und verbluten für unsern Herrn Jesus Christus. Er behütet alle Missionshäuser, Kirchen und Kapellchen in den fernsten Ländern. Seine Legionen Engel, die ihm Gott zur Hilfe beigestellt hat für seine große Aufgabe, haben harte Kämpfe zu bestehen, die nie an unsere Ohren dringen, die im Verborgenen bleiben werden bis zur Aufdeckung ihrer Glorie am Jüngsten Tag.

St. Ombael behütet nicht nur die fernen Menschen und das ganze "dunkle" Heidenland Afrika, auch in unseren Ländern behütet er allen Nachwuchs für die Seelsorgearbeit. Auch uns persönlich hat er in seiner Aufgabe etwas zu sagen: Er trägt über dem einen Arm ein weißes Linnentuch gleich jenem, das Sich unser Herr über den Arm legte, als Er Sich niederkniete und den Aposteln – Er, der Herr! – die Füße wusch.

Dieses Linnentuch soll uns an die Ehrfurcht erinnern, die uns der Herr einprägen wollte mit dieser Seiner demütigen Handlung. Ehrfurcht sollen wir haben nicht nur vor den Eltern und Vorgesetzten, vor jenen, die wir verehren, Ehrfurcht auch vor den Geringen, den Armen, den Alten, den Sündern, deren Seele weint und sich nicht befreien kann, deren Schutzengel in Ketten gehen muss und für die doch unser Herr unsere Hilfe, unser Gebet, ja unsere Ehrfurcht verlangt als vor dem – wenn auch geschändeten – Antlitz und Ebenbild Gottes. In der anderen Hand hält St. Ombael einen Gabenteller: Unsere Gabe sammelt er ein, vom Groschen bis zur Hingabe unseres Lebens. Alles für Dich, Du mein Herr und Gott!

Gebet: Du stiller, verborgener Engelfürst, so verborgen, wie die Opferbereitschaft der Mütter und Gottgeweihten meist verborgen ist, nicht das Linnentuch wollen wir für unsere Armseligkeit, sondern den Gabenteller reiche uns her, damit wir das darauf legen, was Gott von uns darauf gelegt haben will: Unser Herz. Amen.

 

14. August – St. Saddim 4. v. Chor

Wir wissen, dass die neun Chöre der heiligen Engel in drei Ringe (Ternare) geteilt sind. Sie bilden zusammen in einem weisen Symbol die Struktur des "Hauses Gottes", nämlich der gesamten Schöpfung, und zwar so, dass die drei untersten Chöre als Ring der Menschwerdung den Boden dieses Hauses bilden, das feste Fundament, von dem das Kreuz des Sieges und der Erlösung aufragt. Die drei obersten Chöre der heiligen Engel bilden das Dach oder die Krone; die drei mittleren Chöre stellen aus jedem Drittteil je vier ihrer stärksten, gewaltigsten Engel, welche, aufeinander stehend, jene vier Ecksäulen bilden zwischen dem Boden und dem Dach, die vielleicht die größte eigengeprägte Gruppe innerhalb der Engelchöre sind.

Vier Säulen sind da, aus Engeln bestehend: Die Säule der Heiligkeit Gottes, die Säule der Gerechtigkeit Gottes, die Säule der Weisheit Gottes, die Säule der Allmacht Gottes.

Sie ragen mit ihren obersten Engeln schon in den Ring der Anbetung hinein und stehen mit ihren untersten Engeln am Ring der Menschwerdung auf. In jeder Säule stehen neun Engel übereinander:

Drei aus dem Chor der Herrschaften, drei aus dem Chor der Gewalten, drei aus dem Chor der Fürsten, immer einer aus einem der drei Drittteile jedes Chores. So sind im ganzen neunmal vier Engel, und jede Vierergruppe trägt eine ganz besondere Eigenart. Am meisten fällt dies auf bei der zweitobersten und zweituntersten Engelgruppe der Ecksäulen, als wäre eine geistige Architektur damit verbunden:

Die zweitoberste Gruppe – aus den Versiegelten Herrschaften – sind jene vier in der Liebe Gottes Versiegelten, welche das Leben, die Weisheit, die Kraft und den Anruf Gottes in die Schöpfung tragen, die sich auch "Die Vier Winde", "Die Vier Wasser", "Die Vier Geister" und "Die Vier Flammen" nennen.

Die zweitunterste Gruppe – aus den Versiegelten Fürsten – trägt vier Siegel, vier Worte, nach denen die Menschheit gerichtet werden wird, und sie nennen sich auch "Fürst des Sturmes", "Fürst des Wassers", "Fürst des Stoffes", "Fürst des Feuers".

Heute steht St. Saddim, der auch "Die Vier Wasser" heißt und die Liebe Gottes als Weisheit, als gefesseltes, schweigendes Geheimnis trägt, vor dem Thron Gottes, aus dem obersten Kapitäl dieser Ecksäule.

St. Saddim ist ein Engel der Liebe. In ihm spiegelt sich die Göttliche Gegensätzlichkeit in himmlischem Licht, denn er steht ebenso für das Göttliche Geheimnis der schweigenden, liebenden Weisheit wie für die dem Symbol des fließenden, rauschenden Wassers zugrunde liegende Weisheit als Leben der Schöpfung. Er steht hier sowohl für das Wasser als Leben der Schöpfung nach allen vier Himmelsrichtungen wie für das Wasser des Ewigen Lebens. Er steht hier für die Allwissenheit Gottes wie ein Auge über die ganze Schöpfung, und er steht hier für die geheiligte menschliche Weisheit als Antwort an den Schöpfer. Er trägt ein Spruchband: "Wunderbar, Herr, sind Deine Wege und voll Weisheit Deine Taten." Aber dieses Spruchband ist wie eine Wasserfläche, in Wellen bewegt und in tausend Farben im Sonnenlicht der Liebe Gottes funkelnd. Das Siegel trägt er wie zwei große Tränen über seinen tiefen und wunderbar klaren Augen, von uns nicht begreifbar, wie uns die liebende Weisheit Gottes in dieser Gottesnähe auch nicht mehr begreifbar ist.

Gebet: Großer Engel, unergründlich wie deine spiegelklaren Augen ist auch die Weisheit Gottes, die dich schuf und gefesselt sein lässt. Sie soll uns Nahrung und soll uns Licht sein. Bitte für uns, dass wir von dieser Weisheit schöpfen dürfen. Amen.

 

15. August – St. Muriel 2. Chor

Er nennt sich "Kraft der Göttlichen Sendung" und er stützt sich auf das Kreuz, das ihn weit überragt. Wenn einen Cherub noch etwas überragt, dann muss dies schon etwas ganz Himmelhohes sein. Dieses Kreuz ist auch nicht abzusehen: Es steht in St. Peter im Vatikan auf und ragt bis in den Ring der Anbetung. Es ist den Heiden und der ganzen Welt eine Torheit, uns aber das Siegeszeichen. Und jede Sendung muss im Kreuz verankert sein, sonst steht sie auf Sandboden und verliert sich in Luftschlössern und bunten Seifenblasen.

St. Muriel, der Begleiter der Apostel vom Pfingstfest an, ist ein Cherub des Heiligen Geistes. Der Chor der Cherubim ist der zweite der neun Chöre der heiligen Engel und Träger der Kraft des Wortes, das Fleisch wurde, um die Menschen zu erlösen und ewig selig zu machen. So sind alle Cherubim der Erlösung zugewendet. In sich ist der Chor dreigeteilt nach den drei Göttlichen Personen: Ein Drittteil ist dem Vater, eines dem Sohne, eines dem Geiste zugeordnet. Jedes Drittteil löst seine Aufgabe nach der sowohl seinem Chor wie auch seinem Chorteil eigenen Art. – Die Cherubim des Vaters z. B. lösen ihre Aufgabe in einer statischen Kraft, die des Sohnes in einer dynamischen Kraft, die des Geistes in einer fliegenden, brennenden Kraft. Aber immer sind in der Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes die Cherubim dreifach in ihrem Ausdruck, und als Symbol dessen hat jeder Cherub ein dreifaches Antlitz: Eines dem Vater, eines dem Sohn, eines dem Geist zugewendet.

So müssen wir auch St. Muriel sehen im Zusammenhang mit den anderen Cherubim:

St. Jesod, der Cherub des Vaters, trägt die lebendige Klarsicht auf das Wort, das am Anfang war, das Fleisch wurde in Maria, der Schönsten;

St. Malachiel, der Cherub des Sohnes, trägt das Wort als Fundament der Erlösung, die Klarsicht auf den Dreieinigen Gott;

St. Muriel, der Cherub des Geistes, trägt auf seinen Fittichen Maria in der Fülle der Zeit als Ancilla Domini zur Erde, er trägt sie auch am Ende ihres Lebens als Königin Himmels und der Erden wieder zurück vor Gottes Thron als die Trägerin des Wortes in alle Ewigkeit.

So steht immer das Wort im Mittelpunkt, dem alles Wort im Himmel und auf Erden untertan ist; und immer ist das Wort das Fundament, auf dem wir unseren Weg zu Gott aufbauen, immer ist es Sendung, von Gott zum Menschen, vom Menschen zu Gott. Und wenn wir heute St. Muriel als die Kraft der Göttlichen Sendung Maria hinauftragen sehen vor den Dreieinigen Gott, so wollen wir dazu in unseren stammelnden Worten beten:

Maria, Schönste, Herrlichste, die du aufgenommen bist in den Himmel mit Leibe und Seele, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen. Amen.

 

15. August – Die Flügel der Taube

Viele, viele Engel bilden diese wunderbare Form einer Taube, welche einst Maria, die Braut des Geistes, die Mutter des Sohnes, die Tochter des Vaters, aus dem irdischen Tränental abholte und im Triumph in die ewige Seligkeit heimtrug. Heute, an diesem Erinnerungstag und Fest der Heimholung Mariä in den Himmel, lässt Gott wieder diese aus lauter Engeln gebildete Taube erkennen, deren große weiße Flügel sich in den Wolken verlieren. Am Beginn dieser Flügel leuchten zwei herrliche Engel hervor:

St. Hanael, der Cherub des Geistes, der sich "Lob Gottes" nennt, der Schutzengel eines Heiligen war, und St. Phael, der dritte der sieben aus dem Chor der Hohen Herrschaften, welche die sieben Gaben des Heiligen Geistes tragen, der Begleiter Mariens in ihrer Mutterwürde. Er hält, wie ein Leuchter vor Gott stehend, im Bild einer Schale voll Öl die Geistgabe des Rates. Im Öl des Rates liegt die Kraft der Bereitschaft, des Ausharrens, die Schönheit der Güte und Milde, das Charisma der Heilung, die Wunderkraft. Dieses anbetende Sein in der Gegenwart Gottes und die immerwährende Bereitschaft und Kraft, den Willen Gottes anzunehmen und durchzuführen, waren ja die beiden großen himmlischen Flügel, die unsichtbar Maria umgaben und durch ihr Leben trugen. Nun wurden sie Wirklichkeit. Mit der Gewalt der ungeteilten Liebe Gottes schlugen sie zur Erde und hoben in die Kraft des Göttlichen Willens diese einzigartige Liebesblüte im jubelnden Lob Gottes hinauf vor den Thron des Allerhöchsten. Sechs Cherubim des Geistes sind es mit St. Hanael, sieben Hohe Herrschaften sind es zusammen mit St. Phael. In ihrer Mitte trug der Cherub St. Muriel, der Begleiter der Apostel, auf seinen Armen und Flügeln seine Königin heim.

Gebet: Herr, Allmächtiger Gott, der Du den Leib und die Seele der Allerreinsten Jungfrau Maria durch Deine Engel in den Himmel tragen ließest, lass diesen Flügelschlag der heiligen Engel oft über uns hören, dass wir uns der Ewigkeit bewusst werden und der Größe Mariens, unserer liebsten Mutter, auf deren Fürbitte Du uns auch einmal von unseren himmlischen Beschützern, den heiligen Engeln, heimholen mögest. Amen.

 

16. August – St. Sammariel 4. v. Chor

"Einer geht aus zu säen, und ein anderer wird ernten." Das Reis aus der Wurzel Jesse wird als Samenkorn in die Obhut Joachims und Annas gelegt, aber sie haben die Frucht nicht ernten können. Aus Maria, der Unbefleckten, dem zartesten Spross aus der Wurzel Jesse, kam der große Sämann, "der Engel des Hohen Rates", unser Herr Jesus Christus. Er ist als Gottmensch in dieser Göttlichen Gegensätzlichkeit Sämann und Samenkorn zugleich. Er geht bis zum Ende der Zeiten als Sämann über den Acker der Welt. Er weiß um den bösen Feind, der Ihm nachschleicht und das Unkraut einstreut. Er lässt beides, den Weizen und das Unkraut, wachsen bis zur Zeit der Ernte. Ja, Er lässt Sich Selbst als Weizenkorn in die Erde legen. Beten wir nicht im Credo: "... mortuus et sepultus est ...", und wird dieses blutige Opfer nicht bei jedem heiligen Messopfer unblutigerweise erneuert?

Aber einmal kommt die Zeit der Ernte, im Kleinen wie im Großen. Jeder Mensch muss gleich nach seinem Tode Rechenschaft über seine Ernte geben und nochmals am Jüngsten Tage. Da werden die Engel ausziehen, gleich den Knechten im Evangelium, den Weizen vom Unkraut zu scheiden und für den Herrn die Ernte heimzubringen.

St. Sammariel, der heute vor Gottes Thron steht, ist einer der großen Gerichtsengel aus dem Chorteil der Versiegelten Herrschaften, der erste der drei. Er bringt die Frucht heim. Auch diese Frucht ist zweierlei: Sie ist der Same, das Wort Gottes, das der Göttliche Sämann durch Seine Priester und Nachfolger ausgesät hat in die Herzen der Menschen vom Anfang bis zum Ende, das Wort, das Frucht bringen soll. Aber die Frucht ist auch das Göttliche Brot, der Herr Selbst, Der Sich täglich in den Boden der Erde legt – den Menschen als Speise.

Seele, was hast du aus diesem Samenkorn gemacht? Hat der Herr in dir aufgehen können? Hat Er dich und dein Werk als Frucht dem Vater bringen können? Oder hast du Ihn auf Steine gebettet oder in Sumpf oder in Staub oder in Dornen?

"Wie soll ich Frucht bringen?" fragst du, Seele.

Mach dir das Wort des Herrn zu eigen wie das täglichen Brot, gehe hin, befolge es getreu und lebe danach. Dann wird deine Frucht Gott zur Ehre und dir zur Krone gereicht.

Gebet: Heiliger Engel des letzten Gerichtes, der du kommen wirst, die Frucht zu ernten, lass mich unter dem Weizen sein und nicht unter dem Unkraut.

Hilf mir, dem liebsten Herrn hundertfältige Frucht zu bringen in der Bereitschaft, im Gehorsam, in der Treue. Amen.

 

17. August – St. Elornim 5. v. Chor

Über Aufgabe und Wirkung der himmlischen Gewalten können wir uns keinen Begriff machen. Wenn wir von einer Gewalt der Liebe reden, so können wir uns schon etwas die Herzen der Menschen Aufrüttelndes darunter vorstellen. Aber von der Gewalt der sühnenden Gottverlassenheit können sich die wenigsten Menschen einen Begriff machen. Doch gerade diese Gewalt trägt der Engel, welcher heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht: St. Elornim aus dem Chorteil der Versiegelten Gewalten. Die Versiegelten Gewalten sind die Mitte jenes ungeheuren dynamischen Engelchores, der an sich schon die Mitte der neun Engelchöre bildet; er ist der 5. der neun Chöre. Und in diesem Chor stehen die Versiegelten Engel auch wieder in der Mitte. Das hat einen tiefen Sinn: Sie sind wie der Zentralorganismus der geschöpflichen Hierarchie Gottes, der allen anderen der Schöpfung zugewendeten Engeln Licht und Kraft spendet.

Es gibt verschiedene Gruppen innerhalb dieser Versiegelten:

Die drei Gottesgewalten, welche das dreifache Göttliche Wort in die Schöpfung tragen;

Die Erlösergewalten sind drei: Der Keltertreter, dann jener, der das zerriebene Samenkorn trägt, das Brot Gottes werden soll, und der Engel der Stoßkraft der Erlösung.

Da sind die Sieben Brüder der Seele, welche das Samenkorn (die Seele) für den Herrn bereiten.

Und da sind die Sieben Brüder der Tiefe, unter ihnen auch St. Elornim.

Die Sieben Brüder der Tiefe stehen schon nach St. Sederim gegen die Schöpfung zu. Der erste trägt die Schlüssel zur Hölle, der letzte die Schlüssel zur Allmacht Gottes, zur Wunderkraft. Der dritte und der fünfte sind Engel, welche schon die Gesetze des zum Leben gekommenen Kosmos tragen: Die Gewalt der Spannkraft und der Beharrungskraft. Der zweite, vierte und sechste Engel sind Gewalten irdischer, seelischer Not. Darunter ist St. Elornim, der sechste, der die Gewalt der sühnenden Gottverlassenheit trägt.

Ist die Verlassenheit schon drückend, so ist die Gottverlassenheit erdrückend. Menschen ohne Gott, von Gott verlassen, können bis an den Rand des Selbstmordes kommen. Aber solange die Gottverlassenheit des Menschen nicht bis auf den Ölberg und auf Golgotha steigt, solange ist sie nicht die wahre Gottverlassenheit. Wie schmerzhaft ist der Anblick dieses Engels, der das von allem entblößte, verlassene Menschenherz dem verhüllten Gott hinhält, schweigend und ohne Antwort zu bekommen! Aber wisse, Seele, in solchen Stunden, dass auch zu dir der Engel mit dem bitteren Kelch der Kraft kommt und du dem Herrn nachsprechen sollst: "Nicht mein, sondern Dein Wille, Vater, geschehe!"

Gebet: Herr und Gott, wenn es ganz dunkel um uns wird vor Gottverlassenheit, lasse uns diesen Engel als Licht, damit der Gedanke der Sühne uns an Deinem Kreuz aufrichtet. Im Kreuz ist unser Halt, und du wirst auch über uns zum Vater das Siegerwort sprechen: "Es ist vollbracht!"

 

18. August – St. Merari 9. Chor

Um uns die Aufgabe dieses Engels, der heute als Fürbitter vor Gottes Thron steht, klarzumachen, lässt Gott eine Felswand erstehen, glatt und hart. Dieser gar nicht sehr große Engel kniet davor. Er hat in seiner Hand eine Schale mit Tränen. Darein taucht er seine Finger und klopft mit diesen nassen Händen, also mit den Tränen, an die harte Felswand.

Dieser Engel ist St. Merari, der die Tränen der Mutter trägt. Er ist ein Engel des 9. Chores und dem Engel der Wandlung, St. Hajim, zugeordnet, somit ein Engel der Kirche, ein Engel des Tabernakels. Die Felswand, die Gott zeigt, das ist deine Seele, o Mensch! Du hast sie mit der glatten, harten Schicht der Sterilität umgeben, mit Lauheit und Gleichgültigkeit, Gottentfremdung und Ichvergötzung. Wer kann einen solch glatten Fels zum Stürzen bringen?

Das können die Tränen der Mutter.

Alle Tränen, die Maria Zeit ihres Lebens, aber besonders seit der Passio ihres Sohnes fürbittend vergossen hat, sie bleiben für ewige Zeiten und haben die größte Kraft vor Gott. Sie bezwingen das Herz Gottes selbst in scheinbar ganz aussichtslosen Fällen menschlicher Verstocktheit, so dass Gott Seine Hand nicht hebt, um den verblendeten Menschen zu strafen. Wenn etwas der Gnade den Einlass in ein verdunkeltes Menschenherz erobern kann, dann sind es die Tränen der Mutter.

So sind auch alle Tränen der Mütter, in Fürbitte und Reue für ihre Kinder vergossen, durch die Tränen Mariens geheiligt und werthaft geworden. Was hat die heilige Monika für ihren irregegangenen Sohn Augustinus erreicht? Nicht nur Bekehrung, sondern sogar eine ganz große Heiligkeit. Wie viel Tränen der Mütter haben Frieden gestiftet, unglückliche Ehen wieder geflickt, verlorengegangene Menschen wieder heimgeholt, oft in letzter Stunde, und ihre Sündenfesseln gelöst!

Die Tränen der Mutter sind aber nicht nur Hilfe, sie können auch bitterste Anklage sein. Die Sünden gegen das vierte Gebot lässt Gott nicht ungestraft und rächt sie meistens noch in der gleichen oder nächsten Generation. Niemals sollte eine Mutter anklagend vor Gott stehen, jammernd ob erlittenen Unrechts, sondern das ist ihre Aufgabe, gleich St. Merari: Den harten Fels der Herzenskälte und Undankbarkeit, der Gleichgültigkeit und Ichsucht ihrer Kinder durch die Tränen der Fürbitte und Sühnebereitschaft zum Stürzen zu bringen.

Gebet: Herr und Gott, wie oft haben wir nicht bloß eine Felswand, sondern gleich mehrere hintereinander vor unserer Seele aufgebaut, damit die Gnade uns nicht wecke und sehend mache, sondern lieber unser Eigenwille unumschränkter Herrscher in uns bleibe. Lass uns, o Herr, durch Deine Engel von dieser größten Blindheit und Torheit unseres Lebens befreit und durch die Tränen der Himmlischen Mutter dem Ewigen Leben wiedergegeben werden. Amen.

 

19. August – St. Rachiel 7. Chor

Immer noch stehen um den Thron Gottes die Engel mit dem blauen Band Mariens über der Schulter, wie die Diakone die Stola tragen; immer noch wird im Jubel des Hochfestes Mariens gedacht, da sie zum ersten mal als Königin über der Abermillionenschar der heiligen Engel thronte.

Aber kaum einer dieser vor Gottes Thron stehenden Engel trägt so die Züge des Wesens Mariä wie dieser unauffällige Engel der Macht der Ordnung in der Liebe, St. Rachiel.

Gott schuf alles im Maß und in der Ordnung seiner Liebe. Das "Nein" Seiner Geschöpfe, das "non serviam" brachte die Un-Ordnung. Von da an herrscht mit den gefallenen Engeln dieses "Un..." überall, wo diese Feinde Gottes zugreifen können.

Das "Un" ist die Gebrochenheit des Menschen, ist die Erbsünde, der Hang zum Bösen, der gebrochene oder abgebogene Wille, der Trieb von unten. Kein Mensch ist ja davon befreit, wir alle schleppen an diesem fürchterlichen Stempel der Knechtschaft, bis das Wasser der heiligen Taufe über uns fließt. Dann ist durch unsern Herrn und Erlöser Jesus Christus die Himmelstür wohl wieder geöffnet, aber eine Schwäche ist zurückgeblieben. Eine Un-Ordnung lauert auf uns, wo sie nur unser habhaft werden kann. Und da die Liebe das Größte ist, so ist der Böse nicht müßig, gerade dort, in die Liebe, seinen giftigen Un-Krautsamen zu säen. Man ist versucht zu sagen, dass von diesem in die Liebe eingestreuten "Un", das die Un-Ordnung in der Liebe bewirkt, alle Versuchung zur Sünde und damit alle Sünde, mit dem rebellischen Schwert des Un-Gehorsams bewaffnet, ihren Ausgang nimmt. Denn auch der Ungehorsam ist eine Un-Liebe, da er sich mehr liebt als den Herrn und darum den Gehorsam aufkündigt.

St. Rachiel trägt die Ordnung der Liebe. Er trägt die geordnete Liebe Mariens als die Antwort der Schöpfung an die vollendete Liebe Gottes. Die geordnete und über alles irdische Maß klare Liebe Mariens zeigt uns, wie unsere Liebe sein soll: Geordnet! Als Symbol trägt St. Rachiel einen strahlenden Kreis, einen Reif wie einen Heiligenschein in seinen Händen. Von allen Stellen des Kreises ist es gleich weit zum Mittelpunkt: Zu Gott, dem Mittelpunkt im ganzen Leben Mariens. Alles hat Maria in ihrem Leben gleich weit und gleich stark auf Gott hingeordnet: Ihre Gedanken, Worte und Werke, alle ihre herrlichen Tugenden und all ihren Schmerz. Immer ist Gott das Zentrum; immer soll es so bei uns sein, niemals ein "Un", auch kein Un-Maß an Liebe, keine Schwäche, kein Überschwang, sondern das geordnete Höchstmaß, welches uns Maria vorlebte.

Gebet: Du heiliger Engel der Macht, der du die Ordnung in der Liebe trägst, erbitte uns von Gott das Maß, nach dem wir unser Leben und unsere Liebe richten müssen, ein Maß, unserer Schwäche angepasst, denn niemals werden wir das Maß Mariens erreichen können. Hilf uns, o Engel, dass Gott uns einst nur nach diesem "Mindestmaß" richte, damit wir bestehen können. Amen.

 

20. August – St. Sephar 4. n. Chor

Die Engel aus dem Chor der Herrschaften sind nur erkennbar als von der Liebe Gottes überflutet und getragen; nur der kann sie erst richtig erkennen, der selbst an sich die Liebe Gottes gespürt hat. Wie kann man von Liebe reden, wenn man sie nicht kennt?

Der Engel der Liebe, der auf dem Herzen Gottes steht, ist aus dem tiefsten Chor gekommen. Nun steht er am Herzen Gottes als einer der drei höchsten Engel und verströmt die ununterbrochen aus dem Göttlichen Herzen kommende Liebe an die Seraphim und von diesen weiter auf die Herrschaften. Nicht nur auf diese; alle Engel haben an dem nicht zu bändigenden Liebesstrom teil, jeder ist Engel der Liebe Gottes, nur sind es die Seraphim, Herrschaften und Mächte in ganz besonderem Maße direkt untereinanderstehend und den Hauptstrom empfangend. Der Chor der Herrschaften ist von einer wunderbaren Harmonie, wie dies der Liebe eigen ist. Er ist dreigeteilt:

Oben stehen die Herrschaften von Hoher Gewalt; sie sind vier und sieben und zwölf Engel und noch einer.

Unten stehen die Herrschaften von Niederer Gewalt; sie sind wieder vier und sieben und zwölf und noch einer.

Zwischen ihnen stehen die Herrschaften mit dem Siegel der Endzeit, voll ungeheurer Gewalt. Auch sie sind vierundzwanzig.

Die sieben oben und die sieben unten im Chor stehen in einer senkrechten Reihe, ebenso die zwölf oben und die zwölf unten und die vier oben und in der Mitte und unten.

Die sieben oben strahlen nach abwärts, die sieben untern nach aufwärts; die zwölf unten strahlen nach abwärts, die zwölf oben nach aufwärts; die vier aber nach auf- und nach abwärts.

St. Sephar, der heute vor dem Thron des Allerhöchsten steht, ist einer der sieben Opferschalenengel aus dem Chor der Herrschaften von Niederer Gewalt, die nach aufwärts strahlen. Diese sieben Opferschalenengel tragen die Antwort des Menschen auf den Anruf der Liebe Gottes. Sie tragen in ungeheuren Schalen das Opfer des Menschen:

Das Lobopfer, das Weiheopfer, das Dankopfer, das Blutopfer, das Bittopfer, das Sühnopfer und das Versöhnungsopfer.

St. Sephar trägt das Dankopfer. Er trägt es im Namen des Alten Bundes und im Namen des Neuen Bundes. Er trägt es als das Dankopfer Abrahams, da Gott seine Gehorsamstat belohnte und den einzigen Sohn als Stammvater auserwählte. Darum hat St. Sephar neben sich den Opferholzstoß. Er trägt aber auch das Dankopfer Jesu Christi von Epiphanie, da Gott die Gehorsamstat Seines Sohnes und dessen jungfräulicher Mutter angenommen hatte und sie den Weisen als den Vertretern der Menschheit vorstellte. Darum ruht auf dem Holzstoß ein Lamm. Das Lamm bezieht sich aber auch auf die Taufe Jesu, Der von da an eintritt in Sein Erlösungswerk als Lehrer, Kämpfer und geschlachtetes Opferlamm mit der Siegesfahne für alle Ewigkeit.

Überall steht der Dank am Anfang des großen Geschehens. Wissen wir in unserem Leben, was sich einmal von unseren Taten in der Zukunft auswirken wird? Mögen alle unsere Werke Gehorsamswerke unter den Segen Gottes sein, mögen sie immer von Dank begleitet werden!

Gebet: Liebste himmlische Mutter, du, unsere beste Fürsprecherin und Mittlerin, hilf uns danken, hilf uns opfern, hilf uns lieben und hilf uns siegen. Amen.

 

21. August – St. Jerumiel 4. v. Chor

Wieder steht ein Engel aus dem Chor der Herrschaften als Fürbitter vor dem Herrn, einer aus jenem Drittteil, welches das Siegel der Endzeit trägt, und zwar einer jener sieben, welche ausgehen, die Gemeinden Gottes für den Herrn vor dem Ansturm des Bösen zu versiegeln.

Auch die Engel der Endzeit sind Engel der Liebe, so seltsam es klingen mag. Liebe und Gerechtigkeit sind die beiden Arme der Waage, auf der jeder Mensch nach seinem letzten Stündlein auf Erden gewogen wird. Und wir wissen genau: Wenn wir uns freiwillig der Gerechtigkeit Gottes ausliefern, so begegnen wir der Liebe Gottes. Wenn wir aber auf die langmütige Liebe Gottes vermessentlich vertrauen und sündigen, so verfallen wir der Gerechtigkeit Gottes.

Da sind die sieben Engel mit dem Siegel der Endzeit. Sie stehen unter den sieben Hohen Engeln mit den Schalen voll Flammen und Licht und Wasser und Öl und Wein und Weihrauch und Glut, darin die sieben Gaben des Heiligen Geistes ruhen. Sie stehen über den sieben Engeln mit den Opferschalen der Menschheit: Dem Lob-, dem Weihe- und Dank- und Blut- und Bitt- und Sühn- und Versöhnungsopfer. Sie selbst gehen aus und siegeln die Völker, die Länder und Gemeinden für den Herrn.

St. Jerumiel steht in der Mitte der sieben, er ist der vierte. Der zuerst siegelt, ist zuletzt genannt: Er versiegelt die Ordnung in den Gemeinden Gottes. So wird das Gottesgesetz nicht mehr herrschen über die Welt, sondern das Gesetz des Fürsten der Welt, das der Un-Ordnung ebenso viel Platz lässt wie dem Unkraut. Der zuletzt siegelt, wird das Wachsen und Werden, alles Wachstum auf Erden versiegeln. Von ihm heißt es: "Er wird den Ablauf der Zeit aus den Fugen heben", aber er wird die Herzen der Gotteskinder vor dem Ansturm des Bösen versiegeln. St. Jerumiel versiegelt die Treue und die Pflicht in den Gemeinden Gottes: Hier soll die Treue zu Hause sein, da überall in der Welt die Un-Treue steckt. Darum sollen alle an die Pflicht gemahnt sein, sich von diesem Engel versiegeln zu lassen für den Herrn Himmels und der Erde, damit nicht die Arbeit auf Erden umsonst getan sei. Gott gilt unsere erste Treuepflicht. Untreue lässt sich nicht ohne sichtbare Narbe verheilen.

St. Jerumiel trägt als sichtbares Symbol eine gekreuzte Stola und hat ein Fischernetz in der Hand. O Engel, ist das eine Mahnung für uns, in Liebe zu arbeiten, voll Treue und Erkenntnis unserer Pflicht?

Gebet: Heiliger Engel, wenn du ausgehst, die Gemeinden und die Herzen der Menschen zu versiegeln in Liebe, damit sie die Treue bewahren und ihre Pflicht nie vergessen, o gedenke auch meiner und neige dich herab, siegle mein Herz mit dem unvergänglichen Stempel der Liebe Gottes, damit ich vom Herrn und Seinen Engeln einst erkannt und heimgeholt werde für alle Ewigkeit. Amen.

 

22. August – St. Chochabiah 2. Chor

Wer kann es glauben, dass es bei den heiligen Engeln einen Licht-Druck (Gewalt des Lichtes, Dynamik des Lichtes) gibt, einen schweigenden Schrei (Gewalt des reinen, nicht gesprochenen Wortes), einen heilmachenden Schwertstreich? Anders als mit diesen Begriffen können wir den Cherub St. Chochabiah nicht verstehen, den Cherub des Vaters, der das heiligende und heilmachende Wort trägt, der heute vor Gott als unser Fürbitter steht.

Und doch ist er derjenige, auf dessen Fittichen der Allmächtige Gott schon am Anfang der Zeit Sein Wort über die Erde sandte (Ps. 17: "Auf dem Cherub flog Er dahin ..."). Dieses Wort hat die Gewalt des Heilmachens aller Geister, des Leuchtens vor Gott mit dem unwiderstehlichen Zwang zur Vereinigung mit dem Gotteslicht. Dieses Wort hat die Gewalt schweigend an die Herzen der Menschen zu greifen und sie förmlich emporzuziehen zum Herrn. Es hat die Gewalt, in der Stille die Menschen aufhorchen zu lassen, als ginge irgendwo die Feuerglocke, ein Sturmläuten. Dieses Wort in seinem klaren Künden und Verlangen ist ein Schwertstreich: "Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich"; dieses Wort trennt in jedem "Ego te absolvo in Nomine Patris ..." mit einem Hieb das Heilige vom Sündigen, den Himmel von der Hölle. Dieses Wort endlich: "Ecce enim Corpus meum" zwingt in der gewaltigsten aller unfassbaren Gewalten unsern Herrn Jesus Christus aus den Armen Seines liebenden Vaters in die, ach, oft so kalten, ja schmutzigen Hände Seines Knechtes.

St. Chochabiah trägt dieses Wort, ja, er trägt das Wort zur Erde als heiligste Last. Und gerade er trägt von allen Cherubim am meisten und am deutlichsten die Spuren der Geschöpflichkeit an sich, denn so, wie jeder Seraph dreifach ist in seiner Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes, so hat auch jeder Cherub ein dreifaches Antlitz als Widerspiegelung des Wortes des Dreieinigen Gottes. St. Chochabiah aber hat nur zwei Antlitze; das dritte Antlitz war dasjenige Ismaels, des Cherubs des Geistes, der in der Geistsünde des stolzen Wortes "non serviam" mit Luzifer in die Tiefe stürzte. Gott hat keinen anderen Engel an diese Stelle gesetzt; diese und noch neun andere Stellen gestürzter Cherubim bleiben unbesetzt bis zum Wort Gottes nach dem letzten Gericht. "Siehe, Ich mache alles neu." Und doch ist dieser leere Fleck am Antlitz St. Chochabiahs kein Schandmal: Der Heilige Geist lässt an dieser Stelle, wo Sein Cherub stehen sollte, dafür das Wort Seiner Braut stehen: "Ecce ancilla Domini." – Gibt es eine bessere Antwort auf dieses "non serviam" gegen Gott als Maria?

Gebet: Herr, eine Ewigkeit reicht nicht aus für unseren Dank, dass Du, Vater, uns das Wort, Deinen Sohn, als Erlöser sandtest, dass Du, Heiliger Geist, uns durch Maria, Deine Braut, das rechte Wort als Antwort sagen lässt, das dem Vater, dem Sohn und Dir in gleicher Weise gilt und genehm ist: "Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum". Amen.

 

22. August – St. Bina 4. n. Chor

Es sind zwölf Engel im Chor der Herrschaften oben, also von Hoher Gewalt, und es sind zwölf Engel im Chor der Herrschaften unten, also von Niederer Gewalt. Wenn man, vom ersten Chor der Engel ausgehend, mit wachem Blick herniedersteigt, so sieht man an den beiden ersten Chören die noch ganz in Gott ruhende Schöpfung in dem Maß und der Ordnung von Seraphim und Cherubim ausgedrückt: Drei mal sieben. Die Zahl Drei steht hier für Gott, und die Zahl Sieben steht hier für die Schöpfung. Das Zeichen "mal" zeigt die innige Verbindung an. Bei den Thronen ist das Maß schon anders. Hier heißt es: "Drei und sieben und nochmals drei und sieben." Hier trennt sich die Schöpfung vom Schöpfer und wird Eigenleben.

Das Wort "mal" verschwindet immer mehr bei den folgenden Chören, die immer näher der Schöpfung und dem Menschen zu gehen. Es heißt bei den Hohen und Niederen Herrschaften: "Es sind zwölf und sieben und vier und noch einer." Die zwölf stehen für die zwölf Apostel und die zwölf Stämme Israels für die Menschheit, die sieben für die Schöpfung, die vier für den ehernen Namen Gottes in der Schöpfung und der eine für die Unbegreiflichkeit und Souveränität Gottes in der Schöpfung und die Antwort des Menschen auf diese Unbegreiflichkeit Gottes. Die zwölf Hohen Herrschaften stehen auf den Toren des Neuen Jerusalem und nehmen die geheiligte Menschheit unter Vorantritt der zwölf Stämme Israels und der zwölf Apostel auf. Die zwölf Niederen Herrschaften aber stehen hier für die Menschheit. Sie tragen die Wesenheiten Gottes als Stellvertreter der geheiligten Menschheit hinein in die Schöpfung in einer wunderbaren Ordnung von vier mal drei:

Drei Engel tragen Maß, Gesetz und Wahrheit in die Wurzel aller Dinge.
Drei Engel tragen Liebe, (Ehr-)Furcht, Gerechtigkeit in den Aufbau aller Dinge.
Drei Engel tragen Weisheit, Schönheit, Harmonie in die Blüte aller Dinge.
Drei Engel tragen Macht, Stärke und Triumph aus der Frucht aller Dinge hin zu Gott.

So tragen sie den Namen Gottes dreifach: Für den Vater, für den Sohn, für den Geist. Sie tragen ihn einer ihnen in vierfacher Art entgegenharrenden Schöpfung zu.

Der erste dieser zwölf Engel, die sich "Engel von Wort und Antwort" nennen, steht vor Gottes Thron: St. Bina, der das Maß trägt. Wer kann das Maß Gottes begreifen? Höchstens ein Kind. Das Maß Gottes liegt der Wurzel aller Dinge zugrunde. Das Maß Gottes ist die Einfache Wesenheit Gottes. Wir ahnen diese Einfache Wesenheit Gottes, wenn wir denken, dass der Herr als erste der acht Seligkeiten pries: "Selig sind die Armen im Geiste", das heißt also, die einfach im Geiste sind! Die Einfachheit ist zugleich die Einfache Wesenheit Gottes, welche wieder zugleich die höchste Weisheit ist. In dieser Einfachen Wesenheit Gottes liegt die größte Heiligkeit, liegt die Unschuld der Kinder als Widerspiegelung der Makellosigkeit Gottes. Von dieser Seite her müssen wir St. Bina verstehen, wenn er als Symbol ein Samenkorn trägt.

Wir werden das Maß Gottes nie begreifen, solange wir auf Erden von den Maßen der Welt verwirrt und beeinflusst werden. Aber von der Stunde unseres Gerichtes an werden wir die ganze Ewigkeit hindurch danken für dieses Maß, das unsere Rettung sein wird.

Gebet: Lege dein Maß, o Engel, an unser kleines, schwaches Herz, als wäre es das Geringste aller geschaffenen Dinge, und nimm die Liebe zu Gott, die du darin findest wie ein kleines Licht, in dein Maß auf. Sei du uns Rettung, barmherziger Engel, mit deinem kleinen Samenkorn. Amen.

 

23. August – St. Aljochim 5. v. Chor

Die großen, heiligen Engel sind für uns das an den Himmel geschriebene Evangelium. Wir brauchen nur zu ihnen aufzuschauen: Da ist der Engel, der dem Herrn den Kelch reichte, und da ist der Engel, der das Wort Mariens trägt: "Fiat mihi ..." Da ist der Engel, der das Samenkorn aussät, und jener, der die Frucht heimbringt; da ist der Keltertreter und der mit dem Fischernetz. Die himmlische Hierarchie ist wie ein Buch, das gar nie zu Ende gelesen und dessen Schönheit und Weisheit nie ausgeschöpft werden kann.

St. Aljochim aus dem Chorteil der Versiegelten Gewalten, der Fürbitter dieses Tages vor Gottes Thron, ist ein Engel, dem wohl alle Gottsucher und Sühneseelen, alle Lastträger und Feuerseelen begegnen müssen, wenn die nüchterne und konsequente Liebe Gottes das Letzte von ihnen fordert. St. Aljochim trägt das zerriebene Samenkorn, das Brot Gottes wird, als Symbol seiner Aufgabe.

Das erste Samenkorn, das in den Acker der Erlösung fiel, war unser Herr Jesus Christus. Alle, die Er zur Nachfolge aufrief, sind seither Samenkorn geworden, in den Boden gelegt, um zu sterben und dadurch vielfache Frucht zu bringen, die, zerrieben, das Brot Gottes wird. O Geheimnis des Corpus Christi Mysticum! In diesem Samenkorn stirbst Du immer und stirbst nie aus bis zum Jüngsten Tag! Das Sterben des Samenkorns und das Zerriebenwerden des Samenkorns ist Gewalt und keine beruhigende, tröstliche oder gar phantastische Angelegenheit. Sie verlangt den ganzen Mensch, Leib und Seele; sie verlangt die freiwillige Lösung von allen Bindungen an die Welt und die freiwillige Auslieferung an den Willen Gottes mit allen Konsequenzen. Dann erst können die großen Engel der Gewalt Hand anlegen und das tun, was Gott mit denen, die Er liebt, zu tun vorhat.

Jeder Engel hängt in seiner Stellung innerhalb der himmlischen Hierarchie sowohl nach aufwärts wie nach abwärts, nach links wie nach rechts, immer mit den anderen Engeln zusammen. Wenn wir also wissen, wer unter und über und rechts und links von St. Aljochim steht, dann können wir uns ein ganz klares Bild davon machen, welchem Engel Gott dieses Samenkorn anvertraut hat zur richtigen und umfassenden Vollendung des Gedankens Gottes über das Samenkorn: Da stehen über St. Aljochim der Engel des Lobes Gottes, der Fürbitter, und der Engel der Gnade und Sendung.

Da stehen neben St. Aljochim ein Engel, der die Kelter trägt, und der Engel der Stoßkraft. Da stehen unter St. Aljochim der Engel der Sühnekraft, der Engel der Nüchternen Liebe Gottes und der Engel der Wandlung.

Gebet: Großer, heiliger Engel, was du tust, ist Liebe, weil die Liebe Gottes dich heißt, aus dem Samenkorn Brot zu machen. Schone uns nicht, wir bitten dich, lass uns unserem Herrn Jesus Christus ähnlich werden und gib uns die Gnade, alles vor Gott recht zu machen. Amen.

 

24. August – St. Roboel 4. h. Chor

Gott hat ihn weit gemacht, diesen Engel, wie die Liebe einer Mutter weit ist. Ein anderer Engel drückt wieder mehr die Größe Gottes aus, die Weisheit oder den Zorn Gottes. Dieser eine hier, St. Roboel steht für die Weite Gottes. Er steht über dem Tor des Neuen Jerusalem, der gleichzeitig symbolhaft ebenfalls die Weite andeutet: Dem Tor der von fern her Kommenden. Das ist gleichzeitig das Tor, durch welches der heilige Apostel Bartholomäus mit seinen Scharen einziehen wird, aus aller Weite der Welt kommend und von der Weite Gottes angezogen. Das Neue Jerusalem (Apok. 21,2), das nach den Worten Gottes: "Siehe, Ich mache alles neu ..." als das gereinigte und endgültig in die reine Ewigkeitsform gegossene Reich der Erfüllung nach dem Jüngsten Gericht vom Himmel herabkommen wird, um die Scharen der erlösten Menschen in sich aufzunehmen, dieses Neue Jerusalem hat nach dem Gesicht des heiligen Johannes (Apok. 21,12) zwölf Tore, drei nach jeder der vier Himmelsrichtungen. Durch diese zwölf Tore ziehen nicht nur die zwölf Stämme Israels mit allen gottesfürchtigen Menschen der vorchristlichen Zeit ein, sondern auch die zwölf Apostel als die Vertreter der Zeit von der Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus bis zum Ende der Tage. Über jedes dieser Tore hat Gott einen hohen, gewaltigen Engel gestellt als Wächter. Dieser Engel ist seit Anbeginn der Welt mit seiner Aufgabe betraut, die Menschen, die einst durch sein Tor ziehen werden, im Auge zu behalten und ihnen jene Gnaden zu vermitteln, deren sie bedürfen, um ihr Ziel zu erreichen.

St. Roboel, aus dem Chorteil der Herrschaften von Hoher Gewalt, hütet das siebente Tor des Neuen Jerusalem, das Tor der von fern her Kommenden. Durch dieses Tor werden einst die Scharen der alten Völker einziehen, die Joseph bringt, der Sohn Jakobs (Israels), der in Ägypten diente, aber auch die Scharen, welche St. Bartholomäus bringt, jener von den Aposteln, an dem kein Falsch ist, wie der Herr sagte. Durch dieses Tor ziehen sie ein aus der Weite der ganzen Welt, die mit klaren und reinen Augen nach Gott suchten; durch dieses Tor bringen die Knechte Gottes ihre Beute, die sie den Zähnen und den Rachen der höllischen Brut entrissen. Zwei Engelfürsten hüten das Tor, über dem St. Roboel steht mit seinem weiten Mantel, der über alle Völker und über alle Länder reicht, mit seiner Glocke des Herzens, die jeder hören kann, wenn er will, und die jeder hört in der letzten Stunde Seines Lebens: Gott – Ewigkeit, Gott – Ewigkeit! Die beiden Engelfürsten sind Engel der Endzeit, denn erst in der Endzeit wird hier die größte Ernte sein. Sie heißen St. Hamaliel, der das geöffnete Siegel Gottes trägt, und St. Anael, "das Kind", das die letzte Posaune des Gerichtes trägt. Von hier geht die Weite Gottes in St. Roboel aus, um zu rufen: "Kommet alle ...", und der Engel wird sie hereinrufen vom Ende der Welt her, die Gnade vor Gott gefunden haben, zu schauen das Licht der ewigen Herrlichkeit.

Gebet: O Engel Gottes, spanne deinen Mantel über die große Kluft zwischen der heiligen Kirche und diesen von so fern her Kommenden, damit sie von den höllischen Mächten nicht überfallen und besiegt werden, ehe sie das rettende Tor der heiligen Kirche mit dem Wasser der heiligen Taufe erreicht haben. Amen.

 

25. August – St. Anophiel 6. n. Chor

Wohl den stillsten der Stillen Fürsten hat Gott heute vor Seinen Thron als Fürbitter befohlen. Er ist in seinem Angesicht nicht zu erkennen, da ein Schleier darüber fällt wie bei St. Chamael, dem Cherub, dem "Verhüllten", der die Anziehungskraft des Wortes, die Anziehungskraft Gottes trägt.

St. Anophiel bringt uns die Unbegreiflichkeit Gottes nahe, so wie St. Roboel die Weite Gottes. Jeder Engel schaut Gottes Angesicht und liest und empfängt dort seine persönliche Aufgabe. Darum hängen die heiligen Engel unverwandt an Gottes Angesicht, weil sie durch ein Sich-Abwenden ihre Aufgabe unterbrechen würden, die ihnen wie ein ununterbrochener Kraftstrom aus dem Antlitz Gottes zufließt.

So wie jeder Mensch sein Gottesbild in sich trägt, so trägt dies auch, und zwar in weitaus klarerem und schärferem Maß, der Engel. Dieses Gottesbild schaut der Engel, wenn er Gott ansieht. Aus diesem Gottesbild kommt ihm der Sinn seines Lebens und seiner Aufgabe. So schaut St. Anophiel in die Unbegreiflichkeit Gottes, er trägt sie hinaus in die Schöpfung und vor die Menschen. Wer von uns ist nicht schon dieser Unbegreiflichkeit Gottes stammelnd, ratlos oder weinend gegenübergestanden? Wie viel "Warum?" steigen täglich zum Himmel empor, und der Himmel schweigt?

Aber St. Anophiel ist Stiller Fürst, und dieses Drittteil des Chores der Fürstentümer nennt sich auch "Schutzengel der heiligen Kirche". So hilft St. Anophiel der Kirche, diese Unbegreiflichkeit Gottes zu tragen und zu ertragen durch den dunklen Glauben ("Selig, die nicht sehen und doch glauben"), durch das Ja-Sagen zum Willen Gottes, durch das "Fiat" Mariens, durch das kindlich starkmütige Vertrauen, durch die dunkle Liebe ("denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten").

St. Anophiel ist auch als vierter der sieben Engel vom Dienst aufgerufen. Diese Engel vom Dienst haben alle direkten Befehle Gottes auszuführen oder zu vermitteln. Die sieben Engel, welche jetzt vor Gott stehen, gewärtig jedes Winkes, tragen die sieben Posaunen der Endzeit. St. Anophiel wird auf Gottes Befehl den vierten Posaunenstoß tun – und die Schöpfung wird verdunkeln, die Menschen werden die Unbegreiflichkeit Gottes nicht mehr verstehen; nur die Adler- und Feuerseelen, die Johannesseelen werden sich das Licht erkämpfen, wissend, dass die Liebe Gottes letztlich immer im Dunkeln bleibt.

Gebet: Herr und Gott, wenn Deine Unbegreiflichkeit so über uns hereinbricht, dass uns das Licht des Tages dunkel wird, dann gib uns Adler- und Feuerseelen, damit wir den Weg zu Dir klar erkennen und die Hand Deines Engels uns vor dem Straucheln und Verzagen schütze.

 

26. August – St. Rhima 9. Chor

Das ist der Engel, der mit dem Winkelmaß den Bau unserer Seelen ausmisst, der zusammenschneidet, was überflüssig und übers Ziel hinausgewachsen ist, der streckt und dehnt, wo es zu kurz und zu eng ist. Er steht vor Gottes Thron, das Winkelmaß an die Brust gepresst, und hat das Haupt tief gesenkt. Es fällt ihm wohl der Rechenschaftsbericht schwer und dass er gleichzeitig für diese verbogenen, verkrüppelten Hütten der Menschen Fürbitter sein soll.

Nein, so denkt er nicht. Jeder Engel bittet mit ganzer Inbrunst für den Bruder Mensch, für den sein Herr und Gott vom Himmel herab in den Staub der Erde und ans Kreuz stieg. Er beugt sich vor der Unbegreiflichkeit Gottes, die ihn einen Thron bauen heißt, da Er, der Herr im Brot, einziehen will ins Geschöpfliche. Der Mensch geht oft gedankenlos der heiligen Kommunion entgegen, oft sogar nur aus Tradition, Feigheit oder Zwang, weil es eben Sitte ist. Denkst du, Mensch dass du dir das Gericht isst? Womit soll der Engel in deinem Herzen einen Thron bauen für den Herrn, wenn du kein Material zur Verfügung stellst?

St. Rhima ist ein Engel des 9. Chores, er ist St. Jophiel, dem Umpflüger, zugeteilt. Er ist Zimmermann gleich St. Joseph, er baut die Häuschen von Nazareth tagaus, tagein in den Herzen der Menschen, wenn sie hinzutreten zum Tisch des Herrn. O, wie bemüht er sich um ein sauberes Plätzchen für seinen Herrn, wie stutzt und dehnt er schon vorher den Raum der Seele. Er hat eine der schwersten Engel-Aufgaben, denn keinem Menschen ist so die Erkenntnis Gottes und des Geschöpfes gegeben wie den Engeln. Es ist für die Engel fast nicht tragbar, einer Schändung des Heiligsten Brotes durch Ehrfurchtlosigkeit, Gleichgültigkeit, ja Sündhaftigkeit seitens des Menschen zuzuschauen.

So wollen wir diesen guten Engel bitten, sein Maß an uns nicht zu sparen und den Bau unserer Seele immer so zu richten, dass sie bestehen kann vor ihrem Herrn und Gott. Wir brauchen ja nur zu wollen, glauben zu wollen, lieben zu wollen, bereuen zu wollen, und schon ist St. Rhima bereit, Hand anzulegen, dass unsere Seele ein Thron werde, ein Altar, ein Häuschen der Geborgenheit für den gefesselten Herrn. Die Seele Mariens allein war wie ein Dom von der Erde bis zum Himmel.

Gebet: Heiliger Engel mit dem Winkelmaß in deinen Händen, richte auch in meinem Herzen alles nach dem Maß und der Ordnung Gottes aus, sei du Zimmermann meiner Seele, dass der Thron für meinen Herrn und Gott, wenn auch noch so winzig klein, dein Maß trage. Amen.

 

27. August – St. Nezach 4. h. Chor

Nicht nur ein Engel bittet für uns an jedem Tag des Kirchenjahres, sondern mehrere. Einer ist meist genau kenntlich, die anderen kann der gebrechliche, halbblinde Mensch schon nicht mehr klar erfassen. Wo war im ersten Jahr, da dieses Kalendarium aufgeschrieben wurde, meist an jedem Tag der Engel klar zu sehen, der für dieses Jahr und diesen Tag besonders notwendig war. Im zweiten Jahr des Hineinschauendürfens in die herrliche Welt der heiligen Engel hat der Barmherzige Gott schon meist zwei, später sogar drei Engel erkennen lassen, und so kommt es, dass eine spätere Überarbeitung des ersten Kalendariums auch diesen später gezeigten Engeln einen Platz im Monatskalender freilässt.

Heute dürfen wir auf eine der vier Ecksäulen sehen, auf St. Nezach, die Ecksäule "Allmächtiger Gott", die dritte der vier Ecksäulen, die mit ihren Häuptern schon in den obersten Ring der Anbetung hineinragen. Sie heißen "Kronen" nicht nur deshalb, weil sie durch die herrlichen Namen der Eigenschaften Gottes die schönsten Kronen aller Engel tragen, sondern weil sie auch die obersten Engel jener vier großen Ecksäulen sind. Welche (geistig) das Haus Gottes, die Schöpfung, darstellen. An den vier Enden der Schöpfung stehend, fußen sie auf dem Ring der Menschwerdung und Erlösung als dem Boden der Schöpfung, und sie tragen mit ihren Häuptern den obersten Ring der Anbetung als Dach der Schöpfung. Um sie lagern sich zuoberst die Himmel der geretteten seligen Menschen; in der Mitte tragen die Ecksäulen der Gewalten die stärkste Spannung und Gegensätzlichkeit: Gott-Geschöpf. Die untersten der vier Ecksäulen stecken den Platz des Jüngsten Gerichtes für die Menschen auf Erden ab und stehen gemeinsam auf einem einzigen Engel aus dem Chor der Mächte der Kirche, dem Engel "Maria" auf.

In der Ecksäule "Heiliger Gott" sammelt sich die ganze Kraft des Seins der heiligen Kirche. In der Ecksäule "Weiser Gott" ruht die Macht heiliger Armut, Weisheit und Hoffnung.

In der Ecksäule "Gerechter Gott" strömt die Liebe und Gerechtigkeit Gottes zur Erde, steigt der liebende Gehorsam der Geschöpfe empor.

St. Nezach, die Ecksäule "Allmächtiger Gott", trägt in sich alle Kraft des Glaubens und der Treue. Sie steht in einem goldenen Licht vor Gottes Thron und hält in weit ausladenden Händen das Wort Gottes: "Ich bin der Ich bin." Gott breitet darin Seine Allmacht und Größe über die Schöpfung, Seine Unwandelbarkeit und Seine Treue. In der Tiefe über der Erde steht in dieser Ecksäule St. Michael mit Schild und Schwert zur Rettung der Menschen.

Gebet: Lass uns, o Herr, Deine Treue nie vergessen, gib uns die Kraft zum Starkmut und Bekennermut, auch im Alltag, denn aus lauter Alltag wird der Sonntag im Himmel verdient. Amen.

 

28. August – St. Chochmah 4. h. Chor

Der Begriff "Ecksäule" ist dem Menschen schwieriger als der Begriff "Versiegelter Engel". Aber können wir uns nicht vorstellen, dass ein Haus (so wie man in den Bergen die Holzhäuser oft sieht) vier sehr starke Pfosten an den vier Ecken hat, die das Dach tragen?

Die Schöpfung ist das "Haus Gottes". Er, Der in Seiner Macht über jede Schöpfung erhaben ist, also über der Schöpfung thront, Er hat Sich innerhalb dieses "Hauses", also innerhalb Seiner Schöpfung, auch einen Thron Seiner Liebe errichtet, und das ist die kleine Erde, um die sich der Ring der Erlösungsengel gelagert hat. Das "Haus Gottes" hat diesen Thron des Eingeborenen Sohnes des Vaters als Sein Fundament; er hat vier Säulen oder Stützen oder Träger von diesem Thron des Sohnes zum Thron des Allmächtigen, zum Thron des Vaters.

Diese vier Säulen tragen die vier Grundbegriffe der Wesenheit Gottes als Anruf der Liebe an den Menschen. Jede Säule besteht aus neun Engeln, denn jeder Chor sendet auch in seinem Drittteilen seine vier stärksten Engel als "Stützen", "Säulen", "Träger" des Hauses Gottes zu dieser schönen, symbolreichen Aufgabe. Wie glücklich sind die Engel in dieser Gruppe der himmlischen Hierarchie, der Ausdruck der Kraft des Hauses Gottes sein zu dürfen!

St. Chochmah mit seinen Brüdern St. Chajoth, St. Nezach und St. Geburah aus dem Chorteil der Herrschaften von Hoher Gewalt sind die obersten Engel dieser Engelgruppe, die sich "Ecksäulen" nennen. Sie ragen mit ihren Häuptern schon in den Ring der Anbetung hinein und sind dort das Sinnbild des Fest-verankert-Seins des Hauses Gottes, das die Schöpfung ist, mit seinem Schöpfer und Herrn. Jeder dieser vier Engel trägt eine Wesenheit Gottes als Eckgerüst und Hauptstütze des "Hauses Gottes":

St. Chajoth: Die Heiligkeit, Ewigkeit Gottes
St. Chochmah: Die Weisheit, Allwissenheit Gottes
St. Nezach: Die Allmacht, Stärke, Treue Gottes
St. Geburah: Die Gerechtigkeit, Liebe Gottes.

Jede dieser Ecksäulen ist bestimmend für die gesamte, aus neun Engeln zusammengesetzte, senkrechte Säulenreihe. St. Chochmah trägt den Begriff: "Weisheit und Allwissenheit Gottes." Aus seiner Engelreihe strömt als Halt und Stütze von Schöpfung und Geschöpf nicht nur die Weisheit herab, auch die Armut des Geistes, die Einfache Wesenheit Gottes, die Gewalt aller Hoffnung, aller Sühnopferkraft, die Gnade des Friedens und des Dienens als Knecht.

St. Chochmah trägt als Symbol eine Dornenkrone, wie St. Chajoth eine Papstkrone trägt und St. Geburah die Christ-Königskrone. Diese Dornenkrone, die in geheimnisvoller Weise mit der Weisheit Gottes verbunden ist, soll der Ausdruck des Willens Gottes zum Schweigen in der Schöpfung sein, zur Ruhe in Gott, zum Dienen für Gott, zur Torheit des Kreuzes, zur Unzerstörbarkeit der heiligen Kirche, die ihr Engelvertreter in dieser Säule hat. Das Signum "Agnus Dei", das Zeichen des Opferlammes, bindet diese Engel an die Erlösergewalt Gottes und jeden Schauplatz von Kampf und Gericht auf Erden.

Gebet: Lamm Gottes, lehre uns durch Deine Engel die Weisheit als Brunnen der Gnade, als Geheimnis Deiner Liebe erkennen, lasse uns durch Deine Engel zu Maria führen, dem königlichen Thron Deiner Weisheit, und durch sie in den Himmel Deiner Seligkeit schauen. Amen.

 

29. August – St. Usatim 5. n. Chor

Im großen Ring der Ordnung und Allmacht Gottes sind nach dem Willen Gottes auch die Dämonen in ihren, ihnen von Gott zugebilligten Stellungen zu erkennen. Hier in diesem Ring gibt es keinen Kampf, gekämpft wird um den Menschen nur im dritten Ring; im dritten Ring wird gekämpft um die Schöpfung, im dritten Ring wird gekämpft um Gott. Hier, im zweiten Ring, stehen sich Engel und Dämon gegenüber und erst, wenn sie zum Zweck ihrer Aufgabe den dritten Ring aufsuchen, treffen sie sich zum Kampf.

Er hat eine schwere Aufgabe, der heute als Fürbitter vor Gottes Thron steht. Es ist St. Usatim aus dem Chorteil der Niederen Gewalten. Er trägt den folgerichtigen Ablauf; er heißt auch Engel der Folge, der Ursache.

Kaum ein Engel hat ein so trauriges Gesicht, obwohl sein Antlitz unbeweglich an Gottes Angesicht hängt. Er liest aus dem Angesicht Gottes das Schweigen, die Torheit des Kreuzes, das Dunkel der Ratschlüsse Gottes. Er weiß um die Hintertücken, die Schliche und den Machthunger der Dämonen. Gerade in seinem Ring, dem der Allmacht Gottes, steht den Engeln der Gewalten etwa die gleiche Anzahl gewalttätiger Dämonen gegenüber. Während diese Dämonen über die Aufgabe mancher Engel lachen, wie z. B. über St. Mun, der die verborgene Hingabe trägt, ballen sie sich um andere Engel, so auch um St. Usatim, zusammen und suchen Kraft und Strahlung und Aufgabe, sobald sie derer im Ring der Erlösung habhaft werden können, abzubiegen, zu schwächen, zunichte zu machen. – Und Gott schweigt.

Sieht Er denn nicht das lawinenartige Anwachsen von satanischem Unheil aus kleinen Ursachen? Sieht Er nicht dieses berüchtigte satanische "Eierlegen" winziger Giftzellen, die jeden harmonischen Ablauf, den der Engel hüten soll, beeinträchtigen und verhindern? Hätten nicht Kriege und Gräuel verhindert werden können, wenn Gott nicht geschwiegen hätte?!

Aber so still auch der große Engel ins Angesicht Gottes sieht, es liegt doch etwas unsagbar Tröstliches in seinem Anblick: Er trägt behutsam ein Kind, er trägt das immerwährende liebende Gotteswort: "Es werde ...!" Nichts bei Gott ist ohne Sinn, nichts ist ohne Liebe gedacht und getan – und zugelassen. Immer wird Gott bis ins kleinste den freien Willen des Menschen berücksichtigen und wahren, aber immer wird Seine Liebe, Sein Herz, einen neuen Weg finden, wieder und wieder das Samenkorn auszusäen. Immer wird das Kind mit den klaren Augen Gottes als Unterpfand der Liebe Gottes da sein. Immer bleibt Gott der tiefste Grund, die letzte Ursache alles Seins. Und mag der Böse noch so wüten, letzten Endes kehrt doch wieder alles vor Gottes Angesicht zur Rechenschaft zurück. Dann wird St. Usatim dastehen und dem Richter und Herrn das Kind entgegenhalten, und die Barmherzigkeit des Herrn wird uns gnädig sein.

Gebet: Heiliger Engel Gottes, packe das Übel unserer Sündhaftigkeit und Schwäche an der Wurzel und schlage, brenne, schneide alles Böse in uns aus, und dann leg uns das Kindlein in die Arme, dass Gottes Liebe und Gnade wieder neu werde und wachse. Amen.

 

30. August – St. Nariel 6. h. Chor

Jeder Chor trägt seine eigene Wesenheit. Am klarsten ist dies bei den Fürsten zu sehen, den Verwaltern der Schöpfung. Sie sind mit keinem anderen Chor zu verwechseln. Als Verwalter haben sie "Residenzen", das heißt: Einen ihnen von Gott zugewiesenen Schöpfungsteil, wie eine ganze Gestirngruppe, ein Gestirn. Sie haben außerdem ganz bestimmte Verwaltungsgebiete innerhalb der Erde, seien es Erdteile, Länder oder Pflanzengruppen, Tiergruppen, seien es die Baustoffe der Erde wie Kiesel, Kalk oder Metall. Aber alle Verwalter haben auch eine ideelle Aufgabe: Die Betreuung der Verwaltung geistiger Machtbereiche, wie jene des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, des Trostes, der Langmut, des Friedens, des Gehorsams, usw.

Wie jeder der drei Chöre im zweiten Ring der Allmacht Gottes – also der Herrschaften, Gewalten und Fürsten, haben auch letztere in sich die Dreiteilung als Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes: Es sind vierundzwanzig Hohe Fürsten, vierundzwanzig Versiegelte für die Endzeit und vierundzwanzig Stille Fürsten, die im Verborgenen dienen. Die Hohen Fürsten sind die Königlichen, die Weisen; die Stillen Fürsten sind die Dienenden, Hilfsbereiten, Verborgenen; die mit dem Siegel der Endzeit sind die Drängenden, Gebändigten. Jeder dieser drei Drittteile hat drei Aufgabengebiete: Die außerirdische Aufgabe, die Verwaltung irdischer Stoffe oder Erscheinungen oder Geschöpfe und die ideelle Verwaltung als durchdringendste Aufgabe.

Aber in diesem Chor spürt man schon ganz stark die lauernde, geballte Gegenmacht des höllischen Erzfeindes. Überall um die Erde herum hat er seine Dämonen postiert, die mit ihrem Glanz das Wirken der himmlischen Fürsten zu unterbinden suchen. Die Fürsten stehen förmlich Schild an Schild den Dämonen des Abgrundes gegenüber, wenn sie sich auch hier in diesem Raum des zweiten Ringes der Allmacht Gottes nicht direkt kämpfend treffen dürfen. Der Kampf in seiner ganzen Erbitterung findet erst im dritten Ring der Erlösung statt. Symbole dieses Kampfes tragen viele Fürsten wie z. B. St. Michael das Schwert und den Schild, St. Raphael das Horn des Angriffs, St. Hassiel die zur Abwehr erhobene Hand, St. Nariel die gebändigte Schlange.

Die Hohen Fürsten stehen zu zwei und zwei wie zwölf Doppelsterne um Maria, ihre Königin, als Kämpfer, Schützer und treueste Diener. So sind die Hohen Fürsten in besonderem Maße Engel Mariens und führen auch alle ihre Schützlinge ihrer Königin zu.

St. Nariel, der heute vor Gottes Thron steht, ist "Bruder" dem großen Erzengelfürsten St. Raphael, dem Engel der Liebe, dem Boten des Heiligen Geistes. Als Brüder ähneln sie sich sehr; jeder trägt Liebe: Der eine ist Engel der Liebe und des Schmerzes, der andere ist Engel des Lichtes über die Liebe, des Lichtes zur klaren Scheidung von Gut und Böse, des Lichtes über jeden Schmerz. Darum heißt auch der Name St. Nariel "Fließendes Licht Gottes".

St. Nariel bekämpft und besiegt den gestürzten Engel aus dem Chor der Fürsten, Orphiel, der die Wahrsagerei und Zauberei, die Besessenheit und Verwünschung, den Spiritismus und Atheismus auf die Erde schleudert. Daher das Symbol St. Nariels: Die gebändigte Schlange.

Gebet: Heiliger, großer Fürst, lass uns in den Kämpfen dieser Tage deine Hilfe zuteil werden, dass wir siegen in diesen höllischen Angriffen und nicht besiegt werden, dass du uns sicher unter dem Schutzmantel deiner Königin auf ewig bergen kannst. Amen.

 

31. August – St. Gerudiel 6. h. Chor

Wieder steht ein Hoher Fürst als Fürbitter vor Gott, nämlich St. Gerudiel, der sich nennt: "Schemel Gottes." Maria spielt zu Füßen Gottes: "Es ist ihre Wonne zu spielen, allzeit zu spielen auf dem Erdkreis." (Spr. 8,22-35) St. Gerudiel trägt diese Liebe. Sie ist eine Liebe des höchsten Gleichmaßes, der tiefsten Herabneigung und Barmherzigkeit zum irrenden, rufenden Menschen – und der höchsten Anbetung und des Seins und Ruhens in Gott.

So ist St. Gerudiel ein Engel Mariens in besonderem Sinn. Wir wollen ihn anrufen um die Gnade der Gleichförmigkeit unserer Seele mit jener unserer himmlischen Mutter, um die Gnade der ruhigen Sicherheit unserer Liebe, um die Gnade der Gelassenheit. Nur mit der Gelassenheit können wir uns den Wellenschlag des Dreieinigen Gottes zu eigen machen. Nur mit der Gelassenheit, welche Sein in Gott bedeutet, können wir die Liebe unserer himmlischen Mutter verstehen und ihr ähnlich werden. Durch unseren heiligen Schutzengel tragen wir alle dieses Antlitz Mariens, das er trägt, der untrennbar nach Gottes Willen für alle Ewigkeit zu uns gehört als unser Bruder.

St. Gerudiel verkörpert auch die wunderbare Ordnung und majestätische Ruhe im Aufbau der ganzen himmlischen Hierarchie. Steht er doch als Träger des Gleichmaßes der Liebe Mariens zusammen mit St. Azariel, seinem "Bruder", dem Hohen Fürsten, der sich "Hilfe Gottes" nennt und den Schleier Mariens trägt als einen der zwölf Doppelsterne um Maria, die Königin. Er ist nicht nur als Stern in diesem Sternenkranz um Maria, wie sie vor dem Allerhöchsten kniet, vor den andern Engeln besonders ausgezeichnet. Er steht auch über allen Machtbereichen. Jeder Schutzengel holt sich von ihm das Gleichmaß für seine Aufgabe, holt sich für seinen Schützling die Kraft, den Arm der Gerechtigkeit Gottes durch die Liebe Gottes aufzuhalten.

In der hierarchischen Ordnung steht St. Gerudiel als Fürst in der Strombahn der Fluten des Lebens, die vom Engel des Lebens auf dem Haupte Gottes herabfließen zu den Thronen im Ring der Anbetung und von dort zu den Fürsten im Ring der Allmacht und Ordnung Gottes, um sich von hier über den ganzen Ring der Erlösung und besonders über die Engel zu verteilen. St. Gerudiel erhält seinen gnadenvollen Lebensstrom zum Weitergeben von dem dritten der Throne, welche den Thron Gottes in der Schöpfung bilden: Von St. Ophajim, "der alle Siegel löst". Ja, Maria löst alle Siegel: Sie öffnet die geballte Hand Gottes, sie öffnet auch die versiegelten, verrammelten Türen der Menschenherzen, sie löst den trotzigen, verschlossenen Mund des Sünders, sie bettet alles in das Gleichmaß ihrer Liebe.

Gebet: Großer, heiliger Engel St. Gerudiel, nimm unser Herz mit hinein in den gleichmäßigen Wellenschlag der Liebe Mariens, damit es im Strom dieser Liebe zu Gott geführt werde. Amen.