1. Dezember – St. Eliud 9. Chor

Bald wird die Gottesmutter aufstehen aus ihrer Geborgenheit von Nazareth und wird sich mit St. Joseph auf den mühsamen Weg nach Bethlehem begeben, um die Worte der Heiligen Schrift und ihre Pflicht zu erfüllen. Aber noch ist sie im Frieden ihrer stillen Kammer, und dort steht ein Engel, zart und schlicht. Von dieser Kammer aus wird er zur Fürbitte vor Gottes Thron gerufen. Es ist St. Eliud, der den Frieden der heiligen Orte hütet. Maria, die Magd des Herrn, geht durch diese Tage des Advents, und viele Engel sind um sie. Weil sie Magd ist, so hat sie sich ganz schlichte Engel erbeten: Der eine steht am Wegrand mit einem Licht, der andere hat eine Schaufel, um die Wege zu ebnen, ein dritter musiziert am Wege mit den Vöglein um die Wette.

St. Eliud aber hat eine Hirtenflöte umhängen, mit der wird er dem Kindlein im Stall von Bethlehem ein Schlaflied spielen.

St. Eliud ist aus dem 9. Chor und St. Dimachiel zugeteilt, dem Engel von Hoher Gewalt, der den Willen des Vaters zur Geburt Seines Sohnes im Stall von Bethlehem trägt.

Jede Lebensphase unseres Herrn Jesus Christus ist von himmlischen Dienern begleitet gewesen, und doch hat sie sich nach außen nicht im mindesten abgehoben von der Umgebung. Das soll uns Zeichen sein, dass der himmlische Vater – wie bei Seinem Sohn und wie bei Maria – immer das einfache Leben Seiner Kinder will, das natürliche, das verborgene, innere Leben.

St. Eliud trägt das schlichte Kleid der Schutzengel, und man sieht es seinen Augen an, dass sie um die Not der Menschen wissen. Er ruft die Menschen herbei, die Lastträger, die Mühseligen und Beladenen, in den Frieden der heiligen Orte, in die Kirchen und Kapellen, in die Klosterzellen, ja, auch in die Krankenstuben und Sterbezimmer, wohinein der Friede mit Gott gezogen ist. Er steht als Gewalt unter den Cherubim und empfängt von diesen den Gnadenstrom der Kraft. Er steht aber auch als Engel im Gnadenstrom des Lebens und als Engel der Geburt des Herrn im Gnadenstrom der Liebe. Dadurch ist er imstande, durch seine Fürbitte den Lastträgern Kraft zu erflehen, den Kranken Heilung und allen Beladenen den Trost der Liebe und des Friedens.

Gebet: Wollest uns führen, heiliger Engel, durch diese dunkeln Tage und Nächte hinein in den Frieden der kleinen Stuben, die uns Nazareth sein sollen, in den Frieden des Tabernakels, unter den weiten Mantel Unserer Lieben Frau. Amen.

 

2. Dezember – St. Nadar 6. v. Chor

An der Grenze zwischen der ausklingenden Pfingstzeit, der Erntezeit, und der beginnenden Adventszeit, der Saat-Zeit, da steht ein Fürst des Himmels, der das Zeichen der Versiegelten trägt, das Siegel über seinen verschlossenen Händen. Es ist St. Nadar, der sich nennt "Der Scheidende". Im Chor der Fürsten sind die ersten vierundzwanzig die Hohen Fürsten mit ihren Scharen. Die zweiten vierundzwanzig sind die Versiegelten Fürsten mit ihren Scharen, und die letzten vierundzwanzig sind die Stillen Fürsten mit ihren Scharen. Alle Fürsten sind Verwalter sowohl von Gestirnen als auch von ideellen Aufgaben, von irdischen Baustoffen oder Geschöpfen oder Gezeiten oder Orten.

Die zwölf Versiegelten Fürsten sind Verwalter von Baustoffen der Erde, wie Salz und Kalk, Kiesel und Öl. Vier Versiegelte Fürsten sind Verwalter von Feuer und Wasser und Luft und Stoff (Erde). Sieben Versiegelte Fürsten sind Verwalter von Gezeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Tag und Nacht und Scheidung. In der Mitte aller dieser Fürsten steht der eine wie eine Blüte: Es ist St. Eliazim, der Fürst der Gnade.

St. Nadar ist der Fürst der Scheidung. Er scheidet nicht nur den Tag von der Nacht, den Frühling vom Winter, warm von kalt, er scheidet auch das Unkraut vom Weizen, ehe noch die Ernte in die Scheuer gebracht wird. Darum hat er auch in der Symbolik seiner Aufgabe ein Schwert, das auf der einen Seite spiegelt im Lichte Gottes, auf der anderen Seite dunkel und dräuend ist. Das Schwert geht mitten durch alle Gegensätzlichkeiten: Es trennt das liebende "Komme!" vom gerechten "Weiche!", das "Fiat mihi secundum verbum tuum" vom "Non serviam!", das Leben vom Tode.

Das Angesicht des Engels aber drückt nichts anderes aus als ein persönliches Eingegossensein in das Angesicht Gottes, Das auch ebenso tiefste Herablassung zum Geschöpf wie höchste Majestät, unendliche, barmherzige Liebe wie flammendste Gerechtigkeit zeigt. Noch ist der Engel in Liebe gebunden an die Gesetzlichkeit der Erde, wie er ebenso gebunden das Wort des Herrn verwaltet: "Lasset beides wachsen bis zur Zeit der Ernte", den Weizen wie das Unkraut. Aber unaufhaltsam kommt die Zeit, wo St. Nadar, der jetzt nur in gedrosselter Kraft die Taten scheidet, einmal mit dem gelösten Siegel das Unkraut ganzer Völker und Zeiten abhauen und dem höllischen Feuer überantworten wird, den Weizen aber von den jubelnden Engelscharen abernten lässt.

Gebet: Herr, sei uns gnädig, wenn Deine Engel kommen in unbeirrbarer und unbestechlicher Genauigkeit, das Gute vom Bösen zu scheiden. Lass uns dann bei den reumütigen Zöllnern stehen und Deine Barmherzigkeit erfahren. Amen.

 

3. Dezember – St. Gerachiel 6. n. Chor

Er steht heute vor Gottes Thron, nicht ohne Absicht der Göttlichen Weisheit, St. Gerachiel, der Stille Fürst. Er ist der Engel der Irr- und Ungläubigen, der Heiden, der Abgefallenen, der Zweifler. Er ist aber auch der Helfer der Gottesboten für diese Dunkelheiten, für die heute St. Franz-Xaver, der große Heidenapostel, bittet.

St. Gerachiel trägt das Wort des Herrn: "Mich erbarmt des Volkes", als Engel des Lebens und als Engel der Liebe.

Als Engel des Lebens betreut er das Leben all dieser in der Dunkelheit Sitzenden. Voll Erbarmen bringt er ihnen Brot des irdischen Lebens; er ruft die Schutzengel der Missionare an, damit sie ihre Schützlinge an die gefährdetsten Stellen senden.

Als Engel der Liebe ruft er ohne Unterlass das Erbarmen Gottes, die Geduld Gottes und die verzeihende Liebe Gottes auf diese Unglücklichen herab. Ja, er geht selbst aus, die Unwissenden zu belehren, den Zweifelnden recht zur raten.

Als Helfer der Gottesboten vermittelt St. Gerachiel allen von Gott in diese Dunkelheit Gesendeten die Gnade der starkmütigen, opferbereiten Liebe, der unerschütterlichen Hoffnung, der bedingungslosen Hingabe, der Treue zu Gott bis zum letzten Wort Gottes und zu den Richtlinien durch die Kirche.

St. Gerachiel trägt als Symbol einen goldenen Triangel und über dem Arm die weiße Stirnbinde der Sklaven.

Der goldene Triangel bedeutet den Ton der einfachen Wesenheit. Wer hören will, der hört ihn. Wenn du hören willst, Mensch, dann kannst du Gott hören in dir und durch die Kirche und ihre Gesendeten, durch die reine Schöpfung, in der Stunde der Not und des Todes. Der Ton ist der Ruf an die Irr- und Ungläubigen: "Wachet auf!" Er ist der Ton an die Heiden: "Kommet!" Er ist der Ton an die Zweifler: "Höret!" Es ist ein Ton, der aus Gold kommt, merke es dir, o Mensch! Die weiße Stirnbinde bedeutet die Abhängigkeit des Menschen in dieser Dunkelheit, die um ihn liegt, als ob er schwerhörig oder taub wäre. Solche Menschen liegen in der Sklaverei des Misstrauens, der Verbohrtheit, ja, der Rachsucht und Heimtücke. St. Gerachiel kann die Binde dieser Sklaverei abnehmen, wenn der Mensch guten Willens ist, denn "Mich erbarmt des Volkes".

Gebet: Allmächtiger, ewiger Gott, Du unser aller Vater, durch Deinen Willen und durch Deine Hand sind wir Menschen geworden. Lass uns nicht in der Finsternis und im Todesschatten fern von Dir sterben, sondern lass uns durch Deine Engel dem Ton Deiner Liebe nachgehen und Dein Licht und Dein Herz und Deine geöffneten Arme finden. Amen.

 

4. Dezember – St. Thorael 4. v. Chor

Wenn der höllische Widersacher den Menschen versucht, so will er ihn beileibe nicht beschenken und glücklich und zufrieden machen, sondern über scheinbar erfolgreiche Schachzüge nur umso sicherer dem ewigen Verderb überliefern, denn er ist ja der Feind des ganzen Menschengeschlechtes.

Eine seiner wichtigsten Vorspiegelungen ist das Nebensächlich-, Klein- und Kitschigmachen unseres Herrn und Gottes. Da wird der Himmlische Vater so ein guter, alles bejahender Ahne, der den Jungen nichts mehr dreinredet. Und unser Herr ist "das liebe, kleine Jesulein", "das liebe Herrgöttle", das so dankbar ist für ein freundliches Wort von uns, dem ebenfalls alles recht ist und das sich ständig gegen unsere Vorwürfe verteidigen muss. Der Heilige Geist wird überhaupt abgelehnt, weil man Ihn nicht sehen, fühlen, greifen und begreifen kann. Und so schlittert die Menschheit sachte in die Ehrfurchtslosigkeit, von der es bis zum Freidenkertum und endlich zur Gottlosigkeit nicht mehr weit ist.

Das Wort der Schlange im Paradies "Euch werden die Augen aufgehen" ist eines der größten Hohnworte des Bösen. Nichts ist so sicher wie dies, dass allen Menschen im Tode die Augen aufgehen und sie die wahre Größe und Unantastbarkeit der Majestät Gottes erfassen werden. Wenn also Gott der Allmächtige, der Allbarmherzige noch zu Lebzeiten der Menschen Seine Engel der Liebe aussendet, um die Gerechtigkeit Gottes über die Menschheit auszugießen, so ist das wahrhaftig Liebe, trotz aller Fürchterlichkeit der Prüfung. Denn es ist hundertmal besser, in der Zeitlichkeit geprüft zu werden und mit einem gerechtfertigten Auge in den Himmel einzugehen, als mit zwei Augen in das ewige Feuer geworfen zu werden.

St. Thorael, der heute vor Gottes Thron steht, ist ein solcher Engel der Liebe und des Zorngerichtes Gottes. Er gehört zu jenem Drittteil des Chores der Herrschaften, welches mit dem Siegel der Endzeit versehen ist. Sie sind drei und sieben und wieder drei und sieben und dazwischen vier: Sieben, welche gehen, die Gemeinden Gottes zu versiegeln vor dem Ansturm des Bösen in der Letzten Zeit, und sieben Engel mit den Zornschalen Gottes; drei, welche zum Gericht rufen, und drei, welche ernten.

St. Thorael ist der erste der sieben Zornschalenengel. Er ist schneeweiß, seine Schale ist leuchtend weiß, und der Zorn Gottes in der Schale ist schneeweiß. Erst wenn das Licht des Engels und der aus der Schale fließende Zorn Gottes die Atmosphäre der Erde berühren, werden sie rotglühend, so wie das Eisen, das, in der Esse weißglühend, in der zeitlichen Entfernung rot wird. Der Zorn Gottes ist fließend, ist ein lebendiger Zorn. Er fließt in so breiter Bahn auf die Erde, dass er jedes Leben berührt. Aber gleichwie die Gerechtigkeit zur Liebe wird, so wird auch der Zorn Gottes nur jenen Menschen zum Zorn, die das Zeichen Satans an sich tragen, die Satanshörigen; denen, die Gott lieben, wird der Zorn Gottes Weckruf zur Sühne, zu doppelter Hingabe, niemals Strafe, immer Wandlung.

Gebet: Herr, verschone uns und lass Deinen Zorn an uns vorübergehen, die wir uns willig ob unserer Sünden Deiner Gerechtigkeit ausliefern, die wir die Hand der himmlischen Mutter und unserer Engel nicht auslassen, bis wir geborgen sind in Dir. Amen.

 

5. Dezember – St. Nachumiel 5. h. Chor

Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft des Herrn. So wie ein Schiff, von fern her kommend, auch erst klein zu sehen ist und nur die Spitze des Mastes leuchtet, so stehen viele Engel des 9. Chores, scheinbar klein, zu Beginn des Advents um das hohe, von weit her leuchtende Licht Maria. Einer dreifachen Ankunft des Herrn soll heute im Hinblick auf den himmlischen Fürbitter gedacht werden:

Das Schiff Maria zieht ein in der Festfeier des Kirchenjahres, um sich die Engel der Scheidung von früher und jetzt, die fröhlichen Engel mit Glocke, Hirtenstab und Laterne, hinweisend auf den Stall Bethlehems. Denn der Frühling der Erlösung naht.

Das Wort der Propheten erfüllt sich, die Engel der Gewalten, die Fürsten und Mächte weisen hin auf das Wort, Das Fleisch wird, um alles zu bestätigen, was von Ihm geweissagt wurde.

Aber es wird auch der letzten Ankunft des Herrn gedacht als Weltenrichter, und die Seele wird aufgerüttelt zu innerer Wandlung. Die Fußstapfen St. Johannis führen uns weiter als bis nach Bethlehem und zu den Büchern der Weissagung, sie führen uns bis in die Endzeit, wenn der Herr kommen wird mit Seinen Engeln.

Heute steht ein Engel aus dem Chorteil der Hohen Gewalten vor Gottes Thron: St. Nachumiel. Einer der zwölf Engel des Bündnisses Gottes mit den Menschen. St. Nachumiel trägt eine Schüssel voll Ackererde, und darin steckt ein Schwert. Es bedeutet das Leben der Menschen in grauer Vorzeit, das Leben Henochs, der in Gott wandelte als Vor-Bild der Propheten, an die Scholle gebunden und doch vom Schwert der Auserwählung durch Gott getroffen. Henoch war der Ahne Noahs; er wurde, gleich Elias, auch dem Leibe nach in den Himmel entrückt. Ihm wird erstmals diese Aussage zugeschrieben: "Gott allein genügt." Er war auch der erste, der mit seinen geistigen Augen den Tag des Gerichtes am Ende der Zeit schauen durfte.

St. Nachumiel, groß und gewaltig wie eine Himmelsburg, ist uns wiederum Beweis für die Gewalt der Liebe Gottes, der nichts und niemand zu gering ist auf Erden, als dass er nicht hinaufgezogen werden könnte zu Gott. Der Herr verlangt nur die Einfachheit und Lauterkeit des Herzens und die ganze Hingabe.

Gebet: Herr und Gott, mit komplizierten Menschen schließest Du kein Bündnis, Du verschließest Dich, da Du die einfache Wesenheit bist. Unsere Seele braucht kein Glashaus voll seltener Blumen zu sein, nur braune, reine Ackererde, darüber Du gehen und mit dem Schwert Deines Willens die Furchen ziehen kannst, damit das Samenkorn Deines Wortes und Deiner Liebe wachse zur rechten Zeit und in rechter Weise. Komm, heiliger Engel, ich will stillhalten, damit Gottes Wille an mir geschehe. Amen.

 

6. Dezember – St. Phatiel 6. n. Chor

Wir alle kennen die Legende vom heiligen Christophorus, der als geringer Knecht dem höchsten Herrn dienen wollte. Alle Herren der Welt und selbst der Teufel hatten einen höheren Herrn über sich, und so zeigte ihm ein Einsiedler endlich Gott, den Herrn aller, und lehrte ihn das Dienen um Gotteslohn. Und als er eines Tages das kleine Jesuskind über den Fluss trug und er unter dieser Last zu versinken meinte, sagte das Göttliche Kind: "Muss Ich denn nicht schwer sein, da Ich die ganze Welt zu tragen habe?"

An dieser Legende denken wir, wenn wir heute den Fürbitter dieses Tages betrachten, St. Phatiel, den Stillen Fürsten, den Engel der dienenden Barmherzigkeit. Er trägt, obwohl Fürst, die weiße Knechtsbinde über seiner Stirne zum Zeichen, dass er dienen will. Er hat in der einen Hand einen Krug, aber auf der anderen Schulter trägt er unseren Herrn Jesus Christus Selbst.

Diese Symbolik soll uns an das Wort des Herrn erinnern: "Was ihr einem dieser Geringsten getan, das habt ihr Mir getan!" Auch dieser Engel ist für alle da, ob reich oder arm, ob Sünder oder Gottverbundener. Denn vor Gott sind wir alle gleich gering.

Aber der Engel erinnert auch an den heiligen Bischof Nikolaus, den die heilige Kirche heute feiert. St. Phatiel ist Ecksäule in seinem Chor, so wie jeder Bischof Ecksäule ist in der heiligen Kirche. St. Nikolaus war eine starke, unerschütterliche Ecksäule in seiner Zeit, als noch die grausamen Verfolgungen eines Diocletian und Maximian die junge Kirche bedrängten. Mit ruhiger, sicherer Hand führte der Bischof seine Diözese Lycien durch die Ungewitter dieser Zeit, und der Legende nach war er nicht nur ein Engel der dienenden Barmherzigkeit, der überall half, wo Not war, sondern in der Kraft Gottes erweckte er auch Tote, wehrte Seestürme ab und brachte in wunderbaren Erscheinungen die Mächtigen der Welt zu Buße und Umkehr.

Das wollen wir uns heute von allen diesen drei Großen merken, von St. Christophorus, von St. Nikolaus und besonders von St. Phatiel: Das barmherzige, ja freudige Dienen auch in der kleinen, unscheinbaren Alltagsarbeit, das Einspringen überall dort, wo Not ist, das Freudemachen den Armen, den Kranken, den Alten, den Einsamen und den Kindern. Gerne wollen wir nicht nur das Kind, also das Liebenswerte im Leben, auf uns nehmen, sondern auch das Kreuz mit dem Schmerzensmann, der Sich unsertwegen bis zum Ärmsten, zum Knecht aller Menschen machte ("Ich bin geworden wie einer, der dient ...") und Der uns alle auf Seine Schulter genommen hat, um uns heimzutragen an andere, an bessere Ufer der ewigen Seligkeit.

Gebet: Herr, lass uns nimmer vergessen, dass die dienende Barmherzigkeit um Deinetwillen eine Welt zu tragen imstande ist! Gib uns die Gnade, freudig zu dienen und in jedem unserer Mitmenschen Dich zu sehen, als Kind oder als Mühseligen, als durch die Sünden der Menschen geketteten Schmerzensmann. Wir wollen Dich tragen, wir wollen Dich grüßen, wir wollen Dir dienen, wo immer Du uns begegnest, damit wir Dich mit unseren heiligen Engeln wieder sehen können in der Herrlichkeit Deines Vaters. Amen.

 

7. Dezember – St. Jephthael 6. n. Chor

In einer wunderbaren Ordnung stehen die Chöre der heiligen Engel verteilt um den Thron Gottes über allen Himmeln, um den Thron Gottes in der weiten Schöpfung, um den Thron Gottes auf Erden.

Um den Thron Gottes über allen Himmeln, dessen drei Säulen von den drei ersten Engeln aus dem Chor der Throne (Binah) gebildet sind, stehen die drei obersten Chöre der heiligen Engel: die Seraphim als die Preisenden, die zum Lob Gottes am Allerfähigsten, weil sie die Liebe Gottes tragen; dann die Cherubim als die Leuchtenden, weil sie das Wort Gottes tragen, das als Licht alle Finsternis erhellt; endlich die Throne als die schweigenden, gewaltigen, stehenden Engel des Lebens.

Um den Thron Gottes in der weiten Schöpfung, dessen drei Säulen ebenfalls von den drei Engeln aus dem Chor der Throne, den drei Engeln der Gegensätzlichkeit gebildet sind, stehen die drei mittleren Chöre der heiligen Engel: Die Herrschaften als die Träger der Liebe Gottes durch die ganze Schöpfung (sie stehen unter den Seraphim), dann die Gewalten als die Träger des Willens Gottes durch die ganze Schöpfung (sie stehen unter den Cherubim), endlich die Fürsten als die Verwalter der Schöpfung (sie stehen unter den Thronen).

Während die drei obersten Chöre sich ganz Gottes Thron zuwenden, neigen sich von den Gewalten abwärts die Chöre immer mehr der ringenden Menschheit auf Erden zu. Und so wird auch der Thron Gottes, des Richters, auf Erden von drei Engel aus dem Chor der Fürsten gebildet: Vom Engel der Unbegreiflichkeit Gottes, vom Engel der Unsterblichkeit Gottes und vom Engel der Torheit des Kreuzes. Unter diesem Thron Gottes über der Menschheit hat aber auch Maria, die Mutter und Königin, ihren Thron, den ebenfalls drei Fürsten tragen: St. Serasel, der Engel der Fürbitt-Tränen, der allen Besitz der Menschen verwaltet und den kostbarsten Besitz: Das Herz des Herrn, das in der Kirche verblieben ist; St. Jephthael, der Engel der Reuetränen, der alle Wissenschaft verwaltet und die größte Wissenschaft: Die des Kreuzes; endlich St. Ursalim, der Engel der Sühnetränen, der alle heiligen Stätten, vorab im Heiligen Land, verwaltet und alles in die Erde gesickerte Blut Christi. So ist St. Jephthael, der Fürbitter dieses Tages, der Stille Fürst, einer jener drei Engel, welche Tränenengel heißen und am Jüngsten Tage den Thron jener bilden, die wir anrufen: "Du, unsere Herrin, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin!", den Thron Mariens, der Mutter der Schmerzen, der bittenden Allmacht. Alle Tränen ihrer Kinder wird sie mit ihren Tränen vereinen, und es hat bestimmt einen für uns noch verschleierten Sinn, dass gerade St. Jephthael, der Fürst über alle Wissenschaft, alle Gedankenarbeit, die Reuetränen der Menschheit ihr darreichen wird. So wie die ärgste Sünde der Menschheit, der Hochmut, das "non serviam", eine Sünde des Geistes im Menschen ist, so sollen die Reuetränen der armen Sünder und Schächer diesen Geistsünden entgegengesetzt sein. Reuetränen zählen zur tiefsten Wissenschaft des Kreuzes.

Gebet: Heiliger Engel, lehre uns die Wissenschaft des Kreuzes, die über aller Wissenschaft der Welt steht. Lass über alle gottfremde Gedankenarbeit der Menschen von deinen Engeln den Tränenschleier Mariens spannen, damit der Hochmut der Welt zugedeckt sei und die Mutter der Schmerzen dafür dem Herrn die sühnenden Tränen der Armen und Geringen darbiete. Amen.

 

8. Dezember – St. Elchim 1. Chor

Von Adam und Eva angefangen dauerte die Knechtschaft der Menschen und später des Gottesvolkes bis zu Maria. In Maria wurde die Schöpfung wieder neu, Maria hat der Menschheit den Sieg gebracht in ihrem Kinde, dem Sieger.

Sie ist die strahlende Vorläuferin, bekleidet mit der Sonne, den Mond zu ihren Füßen, um ihr Haupt den Kranz der Sterne. Sie ist schon Siegerin bei ihrer eigenen Geburt, Siegerin über die Schlange durch ihre unbefleckte Menschheit. Dadurch wird sie zum siegreichen Kriegsheer, unüberwindlich in der Kraft ihrer Reinheit.

Die Schönheit Mariens zeigt uns heute ein Seraph des Vaters, St. Elchim, dessen Name ist: "Der Sieger." Er spiegelt in höchster geschöpflicher Kraft die Allmacht Gottes, des Vaters, Der da ist der Herr der Schöpfung, in Dessen Hand Werden und Vergehen liegen, Zeitlichkeit und Ewigkeit, das Leben, das Wort und die Liebe.

Dieser Engel, dessen Licht vor dem Thron Gottes von uns gar nicht ertragen werden kann, ist – wie alle Seraphim – gleich einem unfassbar gewaltigen, überdimensionalen Lichtwesen, vor- und rückwärts gehend, vieläugig und vielgeflügelt, und besonders diese Majestät der goldenen Flügel deutet die Macht Gottes, den "Sieger" an. Er hat Augen nach allen Seiten, nach innen und nach außen, nichts entgeht ihm. Er hat die Hand weit vorgestreckt, und seine zwei erhobenen Finger weisen hin auf das "du sollst!" Er bildet gemeinsam mit dem Seraph des Sohnes, der den Schöpferwillen Gottes trägt, den Souveränitätsbegriff, und mit dem Seraph des Geistes, der die Königswürde Gottes trägt, einen flammenden Seraph, die Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes in Seiner Liebe zu Maria. Wie kein anderer Seraph weist St. Elchim hin auf die sieghafte Einmaligkeit Mariens in der ganzen Geschöpflichkeit. Auch das "du sollst!" hat Maria, die Allerreinste, in höchster menschlicher Kraft und in höchster menschlicher Liebe bis zum letzten erfüllt. Die Seraphim knien ihr zu Füßen; und wenn diese vor Gott schon von gar nicht ausdenkbarer Herrlichkeit sind, welcher Himmelsglanz und welche Himmelskrone umgeben dann sie, die Unbefleckte, die Königin aller Engel und des ganzen Weltalls?!

Gebet: O Maria, die du uns von Gott gegeben bist als die Unbefleckte, die Mutter unseres Erlösers, die du auf einer Wolke von Engeln schwebst über der ganzen Schöpfung, sei Siegerin über alle offene und geheime Dämonie, sei Siegerin über alle Zeit und über alle Not und sei auch Siegerin über unser schwaches, hilfloses Herz. Amen.

 

8. Dezember – St. Binnah 3. Chor

Maria Immaculata, dieses herrliche Fest der Unbefleckten Empfängnis, das uns die Schönheit der Auserwählung Mariens von Anbeginn an vor Augen stellt, wird auf Erden oft als etwas Süßliches, Unnatürliches, Unverständliches, ja Kitschiges hinzustellen versucht. Wenn wir aber durch die Barmherzigkeit Gottes sehen, was für gewaltige Engel gerade an diesem Tag vor Gottes Thron stehen, um die Größe dieses Festes vor allen Himmeln zu dokumentieren, dann sehen wir auch deutlich, dass alle Heruntersetzung dieses Festes und dieser Würde Mariens aus den Bemühungen des Bösen kommt, des Erzfeindes, der seit dem Paradies trachtet, Maria (und damit der Frau) in die Ferse zu stechen.

Da steht neben dem Seraph, der sich "Der Sieger" nennt, und Träger der Allmacht Gottes im geschöpflichen Bereich ist, ein Thron, so wuchtig, dass er den Mond wie ein Bällchen in Händen tragen könnte. Dieser Thron ist St. Binnah, der mittlere der drei, welche den Thron des Allerhöchsten im Himmel bilden. Sie sind drei und doch nur einer – die Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes im Thron des Lebens. Der erste spiegelt das Göttliche Leben in seiner Statik, seiner Harmonie und Größe; der zweite spiegelt die Erlösung der Welt durch das Göttliche Leben; der dritte spiegelt die Sicht in das Göttliche Leben in allen seinen Zusammenhängen in der Zeit. Der erste ist Thron des Vaters, der zweite ist Thron des Sohnes, der dritte ist Thron des Geistes.

St. Binnah ist Thron des Sohnes, der Thron der Erlösung, aber nicht auf Erden, sondern oben in Seiner Glorie des Himmels. Er ist der Thron der Dynamik, in welchem der Gedanke Gottes über die Scheidung zwischen Gut und Böse das erste Mal auftaucht. Diese Scheidung zwischen Gut und Böse liegt noch weit oberhalb der Menschheit und ihren Sünden; sie liegt hier noch in den Gedanken Gottes, die mit dem Erlösungsgedanken eng verbunden sind, und doch sind sie schon im Symbol des Schwertes zu erahnen. Denn der Sohn bleibt nicht von Ewigkeit zu Ewigkeit auf Seinem Himmelsthron; Er stürzt Sich – einem sausenden Schwerte gleich – herab auf die Erde, das Böse vom Guten zu scheiden und dieses Gute heimzuholen als Beute, als Ernte, als Besitz. Er ist das Wort, das Fleisch wurde, um uns zu erlösen, Er ist das Licht, das in unsere Finsternis kam und das wir nicht begriffen haben. Und wie der Herr, so der Knecht: St. Binnah, der Thron, spiegelt in seinem ganzen Sein mit den die Himmel bedeckenden, ungeheuren Flügeln das Göttliche Leben des Sohnes, Der Sich Selbst hingab, um der Gerechtigkeit Gottes Genüge zu leisten. Der Thron spiegelt im geschöpflichen Höchstmaß das Geheimnis Gott-Mensch im Sohn in Seinem ganzen Göttlich-geschöpflichen Leben. In ihm sehen wir aber auch unser eigenes Hineingezogenwerden in dieses Leben, wenn wir nur im Leben Gottes, im Willen Gottes, in der Liebe Gottes bleiben.

Gebet: Herr, König und Erlöser Jesus Christus, Der Du auf Deinem Thron die Welt richten wirst, lass uns Dich rechtzeitig erkennen, lass uns immer Deinen Willen tun und Dich lieben in alle Ewigkeit. Amen.

 

9. Dezember – St. Raguel 9. Chor

Es gibt Zeiten, in denen der Wein des Starkmutes über die ringende Kirche ausgegossen wird, um das Letzte aus den Seelen herausholen zu können. In solchen Zeiten steigen auch immer große und führende Engel zur Erde, um als einfache Schutzengel den Menschen zu dienen.

Heute steht ein Engel St. Sorels, des großen Trägers der Gabe des Heiligen Geistes, des Starkmutes, vor Gottes Thron. Er schlägt seinen weiten Mantel zurück und hebt aus seinem eigenen Herzen ein Kind heraus, das er Gott entgegenhält: Es ist St. Raguel, der den Pfennig der Witwe trägt, der mehr gilt als die Schätze der Reichen.

Der Herr ist zu den Armen und Kranken und Schwachen gekommen und nicht zu den Reichen und Satten. Und er hat gesagt: "... denn die Letzten werden die Ersten sein." So gilt der Pfennig der Witwe, die Gabe der Armen, in Gottes Augen weit mehr als die "milde Spende" der Begüterten, ja, was die Witwe, die Arme, dem Herrn darbringt, gilt alles, es gilt wie das eigene Kind. Ihr, dieser Armen vor der Welt, der Verlassenen, gilt dieser Engel. Sie braucht mehr als die anderen den Starkmut, der sie stützt und ihr die Spannkraft zum Durchhalten vermittelt.

St. Raguel ist auch der Engel der Hilfsbereitschaft den Kindern, den Hilflosen, den Armen, Kranken und Schwachen gegenüber, der selbstverständlichen Hilfe, wie man sie gerade bei den Armen findet. Kein Armer hängt es an die große Glocke, wenn er zu seinen sechs Kindern noch ein siebentes aufzieht, wovor sich der Reiche mit seinem einzigen Sprössling hütet. Kein Armer macht sich eine Spendenliste mit Datum und Unterschrift und gibt doch vielleicht mehr als viele Reiche.

St. Raguel schwebt über St. Sorel wie der Heiligenschein über den Heiligen, wie die Krone über dem Haupt des Gekrönten. So wird der Starkmut der ringenden Kirche erst durch ihre Demut gekrönt, so gehört zur Glorie der Kirche die Witwe, die oft im Evangelium erwähnt wird, mit ihrem einzigen Kind. Sie ist die Arme, die Geringe, die Letzte, die doch der Herr vor den anderen auszeichnet, indem Er ihr das Letzte, das sie hat, ihr Kind, wieder zum Leben erweckt, indem Er ihr den Ölkrug nicht leer werden lässt. So werden die Armen in Zeiten der Not der heiligen Kirche die Krone sein, von der Welt übergangen und missachtet, von den Engeln aber hinaufgetragen wie Maria, die Unbeachtete, die den Einen Denar der Welt schenkte: Jesus Christus, den Erlöser und Herrn.

Gebet: Heiliger Engel St. Raguel, behüte die Kleinen, Geringen, wie einen kostbaren Schatz, lenke die Ströme der Liebe auf sie herab, bestärke durch sie die Menschen in der Demut und in der Hilfsbereitschaft und lass sie die Krone der heiligen Mutter Kirche sein. Amen.

 

10. Dezember – St. Elchai 1. Chor

In zwei Wochen feiern wir das Auftun der Himmel, das Herabkommen und Eintreten des Sohnes Gottes in diese irdische Welt. Noch beten wir: "O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab zur Erde lauf ..."

Es ist ein anderes Herabkommen als auf Sinai zu Moses, es ist ein anderes Herabkommen als am Pfingstfest. Die zweite Göttliche Person hat Sich nicht bloß zu Maria herab geneigt, Sie hat Sich nicht als Gott über uns ausgegossen und uns durchdrungen. Sie hat das völlig Unbegreifliche getan; Sie hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden.

Der Mensch hat das nie bis zum Letzten begriffen, der Engel schon. Darauf beruht ja auch die Prüfung der Engel und ihre Rebellion, weil sie es nicht wahrhaben wollten, dass Gott gleichsam an ihnen vorbei Sich zu einem erdgebundenen und ihnen daher nicht gleichwertigen Geschöpf neigen und diese Menschgestalt in einem Menschen annehmen will und dass daraus auch für die Engel alle Folgerungen zu ziehen seien. Nun schreit Luzifer sein "non serviam" bis zum Ende der Zeiten, nun stürzt er mit der Millionenschar seiner Anhänger, nun hat er Eva verführt, nun ist jede menschliche Leibesfrucht auf Erden mit der Erbschuld beladen. Und hier setzt jetzt Gottes Sohn ein. Im Unbefleckten, reinsten Geschöpf Maria beginnt Seine Erlösung, sie ist die Erste, die Er erlöst.

Das muss gesagt sein, um den Seraph, der heute im Namen des Vaters sich fürbittend über uns neigt, besser verstehen zu können. Es ist St. Elchai, der Träger der Milde, der Güte Gottes. Er ist der Träger des Einverständnisses des Vaters zur Menschwerdung Seines Sohnes, er ist der Träger der Verzeihung, der Mütterlichkeit, aber auch der Väterlichen Würde. Zwei andere Seraphim bilden mit ihm eine Einheit: Der Seraph des Sohnes, "Guter Gott", der Träger des Erlösungsgedankens zur Rettung der Menschheit, und der Seraph des Geistes, "Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes", der Träger aller Konsequenzen, die sich aus der Menschwerdung des Wortes auch für den Dreieinigen Gott ergeben. Alle drei Seraphim tragen und vermitteln den Strom der Liebe und spiegeln innerhalb dieses Liebesstromes noch besonders die Güte Gottes, wie wir sie in St. Elchai als das wunderbarste, milde, aus dem Herzen des Vaters wie Manna herabfließende Licht erahnen dürfen.

Gebet: Herr, lass uns niederfallen und Dich anbeten in Deiner heiligsten Menschwerdung, die wir erst drüben mit Deinen heiligen Engeln erfassen und jubelnd anstaunen werden; lass Dich anbeten um Deiner Engel willen, an deren Größe wir zitternd Deine Größe ahnen. Amen.

 

10. Dezember – St. Bea 9. Chor

Es kniet St. Bea, der Engel mit dem Glöcklein, vor Gottes Thron. Er ist nicht groß, aber ganz licht und leicht wie eine Weihrauchwolke vor dem Tabernakel. Er hat über dem ganzen Kleid ein goldenes Kreuz und über der linken Schulter ein Kettlein, als ob er eine Tasche umgehängt hätte. Aber an diesem Kettlein hängt eine kleine silberne Glocke, wie sie oft die Ministranten haben, mit nur einem einzigen Ton. Beide Hände hält er Maria entgegen, der Mutter, und die Mutter legt ihm kein Buch in die Hände, sondern ein weißes Linnen.

Das weiße Linnen, das Maria dem Engel gegeben, bedeutet für uns zweierlei: Zum einen ist es das Kleid der Unschuld. St. Bea, der Engel, gehört zu St. Gabriel, dem Erzengelfürsten, welcher nicht nur der Patron aller Knechte und Mägde ist und der Engel der Menschwerdung, sondern auch der Hüter des heiligen Sakramentes der Taufe. Weiß ist das Kleid der Seele in der heiligen Taufe, und weiß soll das Kleid unserer Seele bleiben, weil weiß auch das Kleid der Engel ist, das Kleid der Kindschaft, der Lauterkeit vor Gott. Dieses weiße Kleid soll sich die Seele bewahren als ihr von der himmlischen Mutter gegeben.

Zum andern deutet es hin auf das Tuch der Veronika. Es ist das Tuch der reinen und geheiligten Fraulichkeit, der Hilfsbereitschaft, des Tränentrocknens allen Hilfesuchenden und Bekümmerten, des reinen Opfers, aber auch des Zudeckens aller eigenen Belange, aller eigenen Nöte und Wünsche. Dieses weiße Tuch soll die Seele verhüllen vor dem Zugriff der Welt und sie bewahren wie eine reine Braut für ihren Herrn und Gott. Sie soll nur für ihren Herrn blühen und duften im Verborgenen, und nur der Herr wird diesen Schleier lüften.

Das Glöcklein aber, welches der Engel trägt, das ist das Zeichen des Kindseins vor Gott, des Unbekümmertseins, der Unverdrossenheit, der Freude an Gott und in Gott. Dieses Glöcklein soll nie aufhören zu läuten, immer soll Maria Freude daran haben. Mit diesem Kindsein im Herzen und der ganzen Lauterkeit unserer Seele wollen wir uns mit Maria aufmachen und dem Kind in der Krippe entgegengehen!

Gebet: Heiliger Engel, der du mit deinem Glöcklein voll Liebe und Ehrfurcht Maria auf ihrem Gang nach Bethlehem begleitet hast, nimm unsere ganze Liebe in den Ton deiner Glocke hinein und bitt' für uns, die wir nicht würdig sind, dass das Göttliche Kind auf unsern Händen zu seiner Menschwerdung komme. Amen.

 

11. Dezember – St. Baruchim 5. v. Chor

Gewalten stehen auf Gewalten, himmlische gegen höllische, in der Mitte aller Schöpfung. Beide Heere sind das, was ihr Name sagt: Gewalt.

Beide sind Träger des Willens ihrer Herren: Die himmlischen Gewalten sind Träger des Willens Gottes, die höllischen Gewalten sind Träger des Willens Luzifers, des Erzfeindes Gottes. Zwischen diesen beiden Reichen – gegen Gott zu und gegen die Hölle zu – ist der Boden hier am schwächsten; er bebt fortwährend unter dem Toben der höllischen Mächte.

In der Mitte der himmlischen Gewalten sind die Versiegelten für die Endzeit. Sie gehen wohl ihrer Aufgabe nach, aber Gewalt weit über menschliches Maß hinaus werden sie erst mit dem Lösen ihrer Siegel. Sie stehen in Gruppen von drei und sieben und nochmals drei und sieben, und zwischen ihnen sind die vier Ecksäulen der Gewalt des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, und wiederum in ihrer Mitte, gleichsam als der dreizehnte, ist der Engel der Gegensätzlichkeit, des Widerspruchs: St. Sederim.

Der heute unser himmlischer Fürsprecher ist, gehört zur zweiten Dreiergruppe. Die erste bringt uns den Anruf Gottes nahe, die zweite Gruppe steht schon mitten unter uns: Der erste mit dem zerriebenen Samenkorn, das Brot Gottes wird, der zweite ist der Kelterer, der dritte der Engel der Stoßkraft, der die Seelen in ihrem Willen zu Gott und zur Liebe Gottes mit seiner ganzen Gewalt unterstützt. St. Baruchim, der Kelterer, der mittlere in dieser Gruppe, ist heute der Fürsprecher. Er hat die Kelter neben sich, und sein Gewand ist rot bis zu den Hüften. Er trägt den Eifer Gottes im Läutern Seiner Freude. Dort, wo die höllischen Mächte am meisten toben, da ist der Wille Gottes unmissverständlich, und Gottes Wille ist Gewalt: "Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich!" Wer aus Gottes Hand geworden ist und das Göttliche Liebeswort "Komme!" abweist, schändet, der wird mit dem Göttlichen Richterwort "Weiche!" rechnen müssen. Wer sich aber aus Liebe dem Herrn überantwortet hat, bedingungslos in Sehnsucht und Liebe, dessen Wille und dessen Liebe wird durch St. Baruchim für seinen Herrn gekeltert und gereinigt, in dessen Adern wird das Blut der Liebe, der Opferbereitschaft bis zum letzten, der Treue und des flügelschnellen Gehorsams fließen. Er wird lebendiges Glied des Corpus Christi Mysticum, das schon hineinragt ins Herz des Herrn im Himmel aller Himmel.

Der Keltertreter St. Baruchim hat auch der großen heiligen Theresia zugesetzt, so dass sie seufzte und sprach: "Herr, ich glaube es jetzt, dass Du wenige Freunde hast auf Erden, wenn Du sie alle so behandelst wie mich!" Ja, die Kelter St. Baruchims ist Gewalt, aber wir wissen, das Himmelreich leidet Gewalt. Und nur wer gegen sich selbst und die zähen Feindverschanzungen im eigenen Innern gewalttätig ist, gegen den Eigenwillen, die Ichsucht, die Selbstbemitleidung, die Empfindlichkeit, der wird Sieger sein und den Einen Denar erringen.

Gebet: Du großer Engel, der du voll Gewalt die Kelter Gottes trägst, lass uns einst für recht befunden werden, wenn der Herr verlangt, zu teilen in solche für das Richterwort "Weiche!" und in solche für das Liebeswort "Komme!". Amen.

 

12. Dezember – St. Achar 6. v. Chor

Die reichste Symbolik hat der Chor der Fürstentümer. Sind doch in diesem Chor alle Verwalter über die ganze Schöpfung gesammelt, über die fernsten und nahesten Gestirne, über die größten und kleinsten Baustoffe der Erde, über alle Gezeiten, über alle Länder und Meere, über Tiere und Pflanzen, aber auch über alle geistigen Reiche, alle Fähigkeiten, alle Tugend und Gnade im Raum der Menschheit.

Ein mächtiger Fürst steht vor Gottes Thron. Wolken ballen sich unter seinen Füßen, graue, schwere, winterliche Wolken. Er ist ja auch der Fürst über den Winter, über die Gebundenheit. Ein Reisigbündel liegt neben ihm. Es deutet auf seine irdische Aufgabe. Als Fürst des Winters leitet er das Gebundensein aller Naturkräfte. Er leitet das richtige Absterben wieder zum rechtzeitigen Auferstehen. Seine rechte Hand streckt er seinem Herrn und Gott entgegen. In seiner Handfläche liegt ein goldener Ring. Dieser Ring weist wiederum hin auf seine geistige Aufgabe: Das geistige Gebundenwerden durch Gott, besonders in den heiligen Gelübden, verlangt auch ein richtiges Absterben von allem unnötigen Ballast irdischer Wünsche und irdischen Besitzes. Anders kann das richtige Auferstehen in Gott und mit Gott nicht kommen. Ohne Karfreitag gibt es keine Auferstehung, und immer wird ein Werden und Vergehen sein, ein Scheiden und Richten. Und so wie das trockene Reisigbündel für nichts anderes nütze ist, als in den Ofen geworfen zu werden, so sind alle Werke ohne Gott nur dürr und tot und zu nichts anderem nütze, als dass die heiligen Engel sie sammeln und in den Feuerofen der Hölle werfen.

St. Achar, der Fürst über den Winter und alles Gebundensein, gehört zu den Versiegelten Fürsten, dem mittleren Dritteil dieses 6. Chores der heiligen Engel. Innerhalb dieses Drittteils ist er einer aus der Siebenergruppe, welche als Verwalter über die Gezeiten, sowohl die Jahres- wie die Tageszeiten, gesetzt sind. Er heißt auch: "Der den Anfang an das Ende knüpft", und wir müssen ihn lieben, weil auch wir einmal am Ende unserer irdischen Laufbahn stehen und von Herzen wünschen werden, dass gleich der Anfang der himmlischen Laufbahn beginnen möchte, unser Sturmlauf hin zum Himmlischen Vaterhaus.

Noch ist die Macht der Versiegelten Fürsten gedrosselt, noch wirken sie still im Maß und in der Ordnung Gottes und müssen oft schweigend zuschauen, wie der Mensch die Natur knebelt und missbraucht und vielfach selber an seinem gewaltsamen Tod oder an Katastrophen die Schuld trägt. Wird aber das Siegel gelöst, dann werden alle Kräfte frei, und die Macht des Bösen, die sich inzwischen himmelhoch aufgebäumt hat, muss nun zerbrochen werden. Das geht nicht ohne Zertrümmerung ganzer Gebiete, ganzer Gestirne ab, und da werden wohl Tage kommen, wo die geängstigte Menschheit nimmer weiß, wohin sie sich flüchten soll. Machen wir uns rechtzeitig die heiligen Engel zu unsern Freunden, damit sie uns schützend durch die Zeit führen!

Gebet: Heiliger Fürst aller Bindung, erflehe uns, wir bitten dich, die Gnade einer unauflöslichen Bindung an den Herrn, ein Absterben der vergänglichen Triebe und ein Auferstehen inmitten der Liebe Gottes! Amen.

 

13. Dezember – St. Benoni 9. Chor

So verschieden die Menschen sind, so verschieden sind auch die Engel. Es ist ganz falsch, die heiligen Engel nach einer Schablone förmlich serienweise darzustellen. Kein Engel sieht dem anderen gleich, keiner ist mit dem anderen zu verwechseln.

So gibt es stille und lebhafte, strahlende und glühende, leuchtende und dunkle, es gibt große und kleine, majestätische und schlichte. Jeder Chor und auch jede Gruppe innerhalb eines Chores hat eigene Merkmale.

Der umfangreichste Chor ist der 9. Chor, jener der Engel. Während mancher Chor nur eine geringe Zahl von Engeln umfasst, wie die drei obersten Chöre der Seraphim, Cherubim und Throne, soweit wir sie erahnen können, ist der unterste Chor der Engel von zahllosen Engeln gebildet, sie gehen in die Tausende und Abertausende. Sie sind in Siebenteile aufgeteilt: Das erste Siebenteil steht den sieben Engeln vom Dienst vor Gottes Thron in Gehorsam zur Seite, das zweite Siebenteil den Herrschaften, das dritte Siebenteil den Gewalten, das vierte den Fürsten, das fünfte den Mächten, das sechste den Erzengeln und das siebente ist dem Dienst Mariä zugeteilt. Die meisten dieser Engel gehen als Schutzengel über die Erde. Alle Engel der Stände und Berufe, der Kirchen und Klöster, der Sendung und der Tabernakel, der Zeiten und der Orte sind aus diesem Chor unter der Führung einzelner großer Engel aus höheren Chören. Da ist St. Benoni, der heißt: "Der Kleine." Er heißt nicht nur deshalb so, weil er kindlicher ist als andere Engel oder weil er ein besonderer Liebling Mariens ist. Er ist Engel des Weihnachtskreises unter St. Sebastim, der Macht der Kirche. Er steht mit vielen Brüdern für unsere "kleinen Schritte" hier, die wir dem Herrn entgegengehen, für unsere "kleinen" Taten, die wir als Opfer jeden Tag dem Herrn entgegenbringen, ja für unsere kleinsten Wege der Liebe, um dem liebsten Herrn in Bethlehem und Nazareth geistig ähnlich zu werden, da Er ja dieses von uns fordert in der Demut des Herzens, in der Lauterkeit unserer Gedanken, in unserem Zufriedensein mit dem, was der gütigste Vater uns zuteilt. Er, der Herr Selbst, will ja, dass wir zu Seinem Vater "Vater" sagen und zu Seiner Mutter "Mutter". Er sagt: "Hütet euch, eines dieser "Kleinen" (Geringen) zu ärgern! Ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht des Vaters, Der im Himmel ist."

So steht St. Benoni vor uns wie unser junger Bruder. Er hat eine Hirtenschalmei und einen großen Wanderstab, der größer ist als er selber. Er lugt unter dem Schutzmantel Unserer Lieben Frau heraus, denn alle die Kleinen sind bei der Mutter aller Mütter geborgen.

Gebet: Maria, liebste Mutter, hilf uns, so klein zu werden im Geiste, so lauter und einfach, dass wir nie mehr unter Deinem Schutzmantel herausfinden. Amen.

 

14. Dezember – St. Graphiel 6. n. Chor

So still Maria über die Erde ging, so still gehen auch manche großen Engel durch die Zeit mit ihrer Aufgabe. Und doch ist diese Aufgabe ganz wesentlich im Ablauf der Schöpfung.

Da sind sieben Engel vom Dienst vor Gottes Thron. Sie kommen aus allen Chören. Sie werden gerufen, um durch eine von Gott bemessene Zeitspanne dem Dreieinigen Gott ganz nahe zu sein, Ihm die Gedanken von Stirne, Mund und Herz als erste ablesen und jeden Wunsch in Blitzesschnelle erfüllen zu können. Diese sieben Engel vom Dienst tragen ihre Aufgabe als eine besondere Auszeichnung, und jeder darf einmal Engel vom Dienst sein. Sie haben in dieser Zeit die gebündelte Macht von Cherubim als auch von Gewalten und von Erzengeln, um den Auftrag Gottes überall hin mit der dazu notwendigen Kraft tragen zu können.

St. Graphiel, der heute als Fürbitter uns vor Augen gestellt wird, ist der Engel unserer Tage. Er trägt als Engel vom Dienst die sechste Posaune der Endzeit. Unter ihm wird die Macht des Bösen das für diese Zeit vorgesehene Höchstmaß erreichen. Der "satanische Gott" der Empörungen und Revolutionen, der Kriege, der Spionage und Heimtücke bläht sich jetzt bis zur Macht der Engelchöre auf. Ja, er wird imstande sein, dem Zentrum der heiligen Kirche, unserem Heiligen Vater, die Macht und die Sicht über die heilige Kirche auf Erden und ihre Mitglieder teilweise zu rauben, wie es je jetzt schon in manchen Gebieten der Fall ist. In der Apokalypse heißt es, dass dieser Engel von Gott den Befehl erhält, die vier schwarzen Engel loszubinden, die dann als apokalyptische Mäher über Erde und Wasser und Luft und Geist dahin mähen werden in unendlicher Zahl und den dritten Teil der gesamten Menschheit vor Gottes Richterstuhl stellen werden. St. Graphiel heißt: "Schwertschneide Gottes"; er führt den Kampf in der Torheit des Kreuzes. Denn diese Torheit siegt in der Knechtschaft, sowie der Herr am Holz der Schmach für alle Zeit siegte. Wer das nicht begreift, der gehört zu jenen Menschen, von denen es gerade an jener Stelle heißt, nachdem alle die Schrecken aufgezählt worden sind in dieser Zeit: "Und sie bekehrten sich nicht."

Gebet: Heiliger Engel Gottes, niemals wollen wir zu jenen gehören, von denen der heilige Johannes schreibt: "Und sie bekehrten sich nicht." Wir wollen uns alle Tage und alle Stunden zum Herrn und zu unserem Heil bekehren, wir wollen einst an keiner anderen Seite stehen als bei jener Hand Gottes, die uns deuten wird: "Komm!" Amen.

 

15. Dezember – St. Bairim 6. v. Chor

Als Verwalter dienen die Fürsten aus dem 6. Chor der heiligen Engel in der ganzen Schöpfung. Durch ihren Chor wie durch die beiden nächsthöheren Chöre der Gewalten und Herrschaften ziehen die Ecksäulen, eine Vierergruppe der stärksten Engel, das Haus Gottes in der Schöpfung darstellend als die Gottesstadt mit ihren vier Ecktürmen an den vier Enden der Welt. Leuchtend hoch ragen die Ecksäulen der Herrschaften noch in den obersten Ring der Anbetung hinein, schwer und dräuend ruhen unten im Chor der Fürsten die vier Versiegelten auf dem Erdball auf.

Diese vier sind die Verwalter der Luft, der irdischen und geistigen Stürme, die Verwalter des Wassers, alles Flüssigen und aller Gnade, die Verwalter alles Feurigen, aller Liebe und Leidenschaft, und die Verwalter des Stoffes und aller Bindungen.

St. Bairim, der Fürsprecher des Tages, ist eine dieser vier Ecksäulen, der Fürst und Verwalter des Wassers, aller ewigen Wasser der Gnade und des lebendigen Lebens der Seelen. Er steht in der zweiten vertikalen Säule, die als "Weiser Gott" das oberste Lob Gottes trägt und in welcher im Chor der Versiegelten Herrschaften bereits ein Engel die gefesselte Liebe Gottes als Wasser des ewigen Lebens vermittelt. Ihn sollen wir rufen in den Tagen der Endzeit, damit unsere Seelen genährt werden von diesem Kraftquell der Gnade. St. Bairim selbst aber wird mit seinen Brüdern, die so wie er mit einem Signum bezeichnet sind, auf Erden den Platz des Gerichtes abstecken.

Er trägt das Signum "Agnus Dei", nach dem die Menschheit gerichtet wird: "Was habt ihr mit dem Lamm Gottes gemacht?" Jetzt haben wir noch dieses Lamm Gottes in allen unseren Tabernakeln, jetzt wartet noch die Gnade stündlich auf uns, noch können wir den Göttlichen Gefangenen unsere Liebe wirklich mit all unserer Liebe einhüllen, jetzt können wir uns noch vom Wasser der Gnade überfluten und reinigen und neu beleben lassen. Warten wir nicht, bis das Firmament in Flammen aufgeht und wir in der großen Nacht das Wasser des ewigen Lebens nicht mehr finden können!

Gebet: Heiliger Fürst über alles Wasser, vermittle uns das Wasser des ewigen Lebens, das für uns aus dem Blut Jesu Christi fließt in der heiligen Taufe, dem heiligen Bußsakrament, bei jedem heiligen Messopfer und über jede Tat der Liebe aus reinem Herzen. Nimm an von uns Menschen die Reuetränen über unsere Schuld, damit wir von der Gnade erfasst und gereinigt einst in die ewige Herrlichkeit eingehen können. Amen.

 

16. Dezember – St. Gatha 9. Chor

Die Engel des 9. Chores sind keineswegs die Geringsten unter den Engeln. Denn sie tragen oft die dem Menschen notwendigste Aufträge, den besonderen Trost, die gerade für bestimmte Anliegen besonders notwenige Gnade und Kraft. Der Weg Mariens von Nazareth nach Bethlehem, den wir jetzt mit der himmlischen Mutter gehen sollen, ist zu beiden Seiten des Weges vorwiegend mit Engeln aus dem 9. Chor umstellt. Diese einfachen Engel huldigen und dienen Maria, sie huldigen und dienen dem kommenden Kindlein, das Maria trägt, sie werden auch dem Herrn huldigen und dienen, wenn wir Ihn in Ehrfurcht tragen in der Lauterkeit unseres Herzens und unseres Wollens.

So ein Engel am Weg von Nazareth nach Bethlehem ist St. Gatha, der Engel mit der Schaufel. Er ist St. Diachiel als Helfer zugewiesen, der Ecksäule aus dem Chor der Stillen Fürsten, der die Anbetung im Verborgenen trägt. Darum ist auch St. Gatha ein Engel der Anbetung im Verborgenen, ein Engel des Heiligen Geistes, ein Engel der Liebe. Aber weil St. Diachiel Ecksäule ist, also zu den stärksten Engeln seines Chores zählt, so hat auch St. Gatha eine Kraft und Macht weit über die Engel seines Chores hinaus, er räumt mit seiner Schaufel alles aus dem Weg, was dem Kind und der Mutter missfällt auf Bethlehems Weg und noch mehr auf unserm Weg zu Gott.

Durch dieses Wegräumen alles Unebenen, aller Tiefen und Fallgruben wird er für uns der Engel der Kraft und Zähigkeit in der Überwindung von Hindernissen, der Engel des Starkmutes und der Zielstrebigkeit, der Geduld und Hilfsbereitschaft. Er spricht zu uns durch Johannes:

"Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Pfade, jedes Tal soll ausgefüllt sein, jeder Berg und Hügel abgetragen werden! Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll ebener Weg werden, und alles Fleisch wird schauen Gottes Heil!"

Gebet: Herr und Gott, Der Du in so wunderbarer Ordnung Menschen und Engel in Deinen Dienst gestellt hast, lass Deine Engel uns die Kraft vermitteln, Dir Deine Wege auf Erden in unseren Herzen gerade und eben zu erhalten und Dich in keine Mördergrube fallen zu lassen. Amen.

 

17. Dezember – St. Zephiriel 7. Chor

Der Aufbau der ganzen himmlischen Hierarchie ist von wahrhaft Göttlichem Maß und hat nichts mit Phantasterei und mit Luftschlössern zu tun. Wir Menschen können diese himmlische Hierarchie nur an den äußersten Rändern erfassen, an der uns am nächsten liegenden Wirksamkeit unseres heiligen Schutzengels, in dem Wissen um die heiligen Engel, das uns die heilige Mutter Kirche vermittelt, und im Aufgenommenwerden von der Liebe jenes Gottes, Welcher der Schöpfer und Herr aller Engel ist, in der Liebe zu Maria, welche die Königin aller Engel ist.

Und so dürfen wir die Liebe Gottes nicht mit Zephirsäuseln verwechseln, ja auch unsere Liebe zu Gott soll kein Säuseln oder Schwärmen sein. Die Liebe Gottes ist die nüchternste erzieherische Liebe, die man sich nur denken kann.

Das erfährt jede, aber auch jede Seele, welche sich mit aller Glut der Liebe Gott in die Arme wirft. Gott fängt sie auf mit all Seiner Liebe. Und Er lässt sie nimmer aus, sie bleibt Gefangene Seiner Liebe. Aber wenn die Seele glaubt, dass nun eine Zeit der Liebesseufzer und Visionen beginnt, dann hat sie sich getäuscht. Mit einer unermüdlichen Konsequenz schält Gott die Seele los von aller irdischen, über das gottgewollte Maß hinausgehenden Anhänglichkeit an die Welt und die Menschen. Er lässt sie enttäuscht und verdemütigt werden, ja, Er lässt sie arm und gering und verachtet werden, bis sie sich die Letzte dünkt und als Magd dem Herrn zu Füßen sinkt. Dann hat Er sie von allen Schlacken gereinigt, auch von aller Schwärmerei, welche der Tod einer wahren tiefen Ewigkeitsliebe ist, dann kann sie eingehen in den Glutofen Seiner Liebe, gegen den jedes irdische Feuer ein Zephirlüftchen ist.

Diese nüchterne und konsequente Liebe Gottes trägt St. Zephiriel, der heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht, ein Engel aus dem Chor der Mächte, der Macht der Liebe.

So trägt St. Zephiriel auch nicht einen Fächer als Symbol oder eine rosa Wolke, sondern das Wort des Herrn: "Wer den Pflug in die Hand nimmt und zurückschaut, ist Meiner nicht wert."

Die Liebe Gottes ist mehr als eine Königsliebe, sie verlangt auch das dazu passende Maß.

Gebet: Herr, Du hast uns Deine Engel zu Mitknechten und Brüdern gegeben, Du hast uns Deine eigene Mutter zur Mutter gegeben, ja, Du gibst Dich uns zur Speise; lass uns, o Herr, mit der Hilfe dieses Deines Engels so wachsen und werden, dass wir weder Dich, noch unsere himmlische Mutter oder die heiligen Engel mit unserer Art der Liebe schänden oder beleidigen, sondern so werden mit Deinem Willen, zu Deiner Ehre, in Deiner Liebe, wie Du uns haben willst. Amen.

 

18. Dezember – St. Uphariel 5. h. Chor

Ein hoher Engel steht heute vor unseren Augen im wahrhaften Sinn des Wortes, wenn er auch nur eine schlichte Franziskanerkutte mit einem Strick um die Mitte trägt. Gott allein weiß um die Länge und Breite und Tiefe jeder Aufgabe, die Er Seinen Engeln zu tragen gibt. Und ist es nicht eine gewaltige Aufgabe für St. Uphariel, aus dem Chor der Gewalten, Engel des Göttlichen Willens zu Liebe und Gerechtigkeit, die Gewalt des Willens Gottes über alles Gericht von Engel und Mensch zu tragen? Wir können uns das nicht vorstellen.

Gott in Seiner Güte lässt nun den Engel noch deutlicher sehen, und zwar in allen Zusammenhängen:

Da ist die große Bahn des Gnadenstromes der Kraft des Wortes, die über die Cherubim herabkommt. Der Sohn steht zum Vater wie das Du zum Ich, der Sohn ist Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater. Er ist das Wort vom Urquell des Wortes, der ewige Lebensstrom aus der Brunnenstube des ewigen Lebens. Er ist vom Vater ausgegangen und hat Sich, begleitet vom Seinen Engeln, den Cherubim, hinuntergestürzt in die winzig kleine, irdische Hülle: Die Jungfrau Maria zu Nazareth. Und von dort kam das Wort wie ein Strom, der alle Ufer sprengt, über die Erde, über alle Völker und Orte und Zeiten in Sein Eigentum – doch die Seinen nahmen Ihn nicht auf.

Nicht die Liebe Jesu ruft nach dem Gericht, sondern das Geschöpf fordert es; das Tun des Geschöpfes verlangt das gerechte Wägen und Messen der Größe seine Liebe zu seinem Schöpfer. Gott kann nicht ungerecht sein, Er muss jedes Geschöpf entlohnen nach seinen freien Taten. Das sehen wir an St. Uphariels schlichter Gewandung, dass das Geschöpf nur dienend von seinem Herrn ausgehen und dienend wieder vor Ihn kommen soll. Der St. Uphariel den Gnadenstrom der Kraft vermittelt, ist der Cherub St. Pachad über ihm, der die Gottesfurcht trägt, die Gerechtigkeit (das rechte Maß) im Wort Gottes. Unter St. Uphariel stehen die Engel der Zucht des Glaubens, der heiligen Überlieferung, und St. Michael mit dem klaren Schwert der Scheidung. So deutet die hohe, strenge Haltung auf den Träger von Gottes Gerechtigkeit, die Franziskanerkutte aber auf den Träger der Liebe Gottes. Denn auch das Gericht Gottes steht unter dem Zeichen der Liebe, sonst würde Maria, die Mutter, mit ihrem braunen Mantel als Fürbitterin aller Armen, als die Immerwährende Hilfe dort fehlen. Wenn also St. Uphariel als Engel des Gerichtes zu sehen ist, so soll uns das sagen, dass uns schon im Leben die Kraft angeboten wird zum Glauben, zum Lieben, zur Treue und damit zur Rechtfertigung vor Gott, dass aber auch der franziskanische St. Uphariel mit der Liebe der Madonna della Strada der Engel des Gerichtes sein wird, die Liebe also das Ausschlaggebende ist.

Gebet: Herr, Der Du uns bis zur letzten Entscheidung im Gericht mit Deinen Engeln und all Deiner Gnade, Deiner Liebe und Barmherzigkeit nachgehst, lass zu, dass wir allezeit diese Liebe erkennen, diese Gnaden benützen und Deine Barmherzigkeit empfangen dürfen, dass wir uns schon zu Lebzeiten Deiner Gerechtigkeit anbieten, um dann beim ewigen Entscheid den liebenden Engel des Gerichtes vor uns sehen zu dürfen. Amen.

 

18. Dezember – St. Isael 9. Chor

Er steht in einem zarten, blauen Licht wie ein Bote Mariens vor Gottes Thron, und auch sein Kleid ist von dieser fast lavendelblauen Farbe. Es ist die Farbe der Treue, das Blau, das sich schon ganz schwach zum Lila neigt, zur Farbe der Buße und der Innerlichkeit.

Aber seine Hände leuchten in einem überirdischen Glanz, und in diesen seinen, Händen liegt seine Aufgabe. Es ist St. Isael, "Der Gott beide Hände gibt!". Er dient als Engel des 9. Chores im Chorteil der Versiegelten Gewalten St. Elim, dem dritten der Sieben Brüder der Seele, "Der das Samenkorn bindet". So ist eine Aufgabe in der anderen enthalten, und St. Isaels Aufgabe ist dadurch keine hingebungsvolle, fraulich-zarte, sondern eine mit Gewalt verbundene geworden. Mag der böse Feind eine Seele noch so fesseln durch Bindung an die Welt, an eine Leidenschaft, an eine Schwäche – St. Isaels Hände zerreißen diese Fesseln immer wieder und legen die Hände des Menschen mit in die Hände des Allgütigen, Allbarmherzigen Gottes. Und dieses Legen der Hände in die Hände Gottes wird noch mehr in das Licht der Gewalt gerückt durch das Symbol der Dornenkrone, die St. Isael trägt. Sich Gott gänzlich ausliefern bedeutet Kampf und Sieg, Kreuz und Krone, bedeutet: Brot Gottes werden, lebendige Hostie – aber Hostie wird nur ein zerriebenes Samenkorn!

St. Isael ist der stille und doch machtvolle Helfer aller, die sich Gott anheimgestellt haben durch eine Gottesbindung oder die sich Gott Selbst auserwählt hat als Brandopfer Seiner Liebe. Und immer wieder will Gott die Hände des Menschen ganz freiwillig in die Seinen gelegt sehen als Zeichen der vertrauensvollsten Liebe, der bedingungslosen Bereitschaft, der unerschütterlichen Treue. Je öfter dies geschieht und je großmütiger der Mensch sich Gott schenkt und seine Hände – seinen Willen – von Gott binden lässt, desto großmütiger und freigebiger, liebender und beglückender ist der Herr. Und nicht bloß eine Hand will Gott; Gott geht aufs Ganze. Er will nicht Halbes; Er gibt Sich uns ja auch nicht bloß zur Hälfte oder bloß die Hälfte des einen Denars als Lohn, die Hälfte der ewigen Seligkeit. Er gibt uns beide Hände, um uns an Sich zu ziehen. Er war auch nicht darauf bedacht bei unserer Rettung, Sich eine Rückendeckung zu verschaffen, Sich zu schonen, uns gleichsam nur den kleinen Finger vom Himmel herunterzureichen. Er hat beide Hände ans Kreuz nageln lassen für uns! Und Er hat gesagt: "Dies Beispiel gebe ich euch": Das Beispiel der ganzen Liebe zu Gott, der ganzen Hingabe an Gott. Beispiel aber ist Aufforderung!

Gebet: Herr, gib uns die Kraft, wenn Deine Liebe ruft, dass wir Dir die Antwort unseres Herzens nie versagen und Dir in Liebe unsere beiden Hände reichen. Amen.

 

19. Dezember – St. Samsaim 9. Chor

Aus den Reihen der Engel, also des 9. Chores, hob Gott der Herr St. Eja, den Engel der Liebe, an Sein Herz, und dadurch sind alle Engel dieses Chores mit an das Herz Gottes gebracht. Dadurch erklärt sich auch die große Wärme und Herzensnähe, welche alle Engel des 9. Chores so auszeichnet, und sie sind uns eben durch diese Herzensnähe am vertrautesten von allen Engeln.

St. Samsaim, der heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht, ist solch ein Engel des 9. Chores. Diese Engel sind keineswegs die Geringsten auch ihrer Aufgabe nach. Sie haben neben dem allen Engeln gewährten Schutzengelamt vielfach eine sich über alle Zeiten und Räume spannende Aufgabe, gerade so, wie ein tüchtiger Verwalter oft aus dem Bauern- oder Knechtstand kommt und große, wichtige Aufgaben löst.

St. Samsaim ist einem mächtigen, großen und guten Engel ganz gleicher Aufgabe zugewiesen: St. Hajim, dem Engel der Macht der Kirche, dem Engel der Wandlung, der ebenfalls an die Herzen der Menschen klopft, vor allem durch den Herrn im Tabernakel. St. Samsaim aber klopft an die steinernen Herzen, von denen die Welt so ausgekühlt wurde, dass der geistige Winter in den Herzen immer mehr den größeren, ja größten Teil des Jahres einnimmt. Er klopft mit den gebundenen Händen des winzigen Kindleins Jesus Christus, das genauso wie alle anderen kleinen Kinder schon vor der Geburt mit seinen Fäustchen an die warmen Wände Seines Liebesgefängnisses klopfte. Und Maria hat dieses Liebeswerben ihres Kindes um die kalte, harte Welt noch unterstützt; sie hat sich dieser harten, kalten Welt ausgeliefert bis zur Stunde der Geburt. Und so klopft St. Samsaim nicht nur mit den kleinen, lieben Händen seines Herrn, er klopft auch mit dem liebenden Herzen der Mutter an alle, alle verkrampften, vereisten, verknöcherten, vernarbten Herzen. Er bittet wie ein Kind: "Eja, kommet doch, die Zeit der Liebe ist angebrochen, tut euch auf, ihr armen Herzen, und lasset das Licht wieder ein und die Glut der Liebe. Denn die Liebe Gottes macht auch vor steinernen Herzen nicht halt! Eja, kommet doch!"

Gebet: Heiliger Engel, nimm uns an deine Hand und führe uns zur Mutter, dass wir mit ihr gehen die Wege der Kälte und der Not und so mit ihr eingehen dürfen in die Heilige Nacht, in den Stall von Bethlehem zum Kindlein, das die Liebe ist. Amen.

 

20. Dezember – St. Theorah 5. n. Chor

So wie der Weg von Nazareth nach Bethlehem auf- und abwärtsging, Schönes und Schweres brachte, so stehen auch am Rande dieses Weges Engel mit schönen und solche mit schweren Aufgaben, aber alle in Bezug auf das Kind und Seine Mutter. Ein solcher Engel ist St. Theorah, der heutige Fürbitter, der sich nennt "Der Gottesfrüchtebringer". Das ist eine schöne, eine freudenreiche Aufgabe. Die schönste Aufgabe ist es aber, vor Gottes Thron zu stehen und uns und allen Himmeln aufzuzeigen, dass Maria, die Mutter, die Gottesfrucht trägt, die Göttlichste aller Früchte, die je in der Schöpfung reifen.

Einst brachte der Apfel im Symbol der Frucht die erste Frau zum Sündenfall. – Hier wird die Frucht zur Erlösung von aller Sünde, denn sie birgt Gott Selbst. Er will durch Maria alles wieder heilen und heiligen, in Maria die andere Eva den Menschen vorstellen, über Maria den wahren Baum des Lebens: Das Kreuz, an dem Er Selbst zur Frucht wird und Sich den Menschen in einem wahrhaft Göttlichen Vermächtnis zur Speise gibt bis zum Ende der Zeiten.

St. Theorah ist ein Engel aus dem Chorteil der Niederen Gewalten. Alle Gewalten sind in ihrer Wesenheit Dynamiker, aber die Hohen Gewalten, dem Vater und somit dem Engel des Lebens zugehörend, legen in diese Dynamik die Färbung der Stabilität, der Statik. Die Versiegelten Gewalten sind nur Dynamiker, einmal durch ihre Wesenheit und dann durch ihre Zugehörigkeit zum Sohn. Die Niederen Gewalten sind Dynamiker ihrer Grundstruktur nach, aber sie sind beweglich durch die drängende Liebe, mit der sie ihre Aufgabe über die Erde und in das Leben der Menschen hineintragen. Solch ein Engel aus den Niederen Gewalten ist St. Theorah. Er steht in der Gnadenbahn des Lichtstromes der Liebe, den er neben dem Gnadenstrom der Kraft über die Cherubim erhält. Er trägt als Symbol seiner Aufgabe den in Gold geschriebenen Namen Jesu, denn in diesem Namen ist alles beschlossen, auch alle Gottesfrucht.

Gebet: Du heiliger Früchtebringer, im Namen Gottes und der Himmelskönigin bitten wir dich um die Kraft, Frucht zu werden für Gott, deine Freude einst zu sein als Gottesfrucht. Amen.

 

21. Dezember – St. Massachiel 4. Chor

Die Braut Christi, das neue Jerusalem, ist das End-Bild Mariens, wie der Garten Eden mit den vier Strömen um ihn das irdische Anfangs-Bild Mariens war. Immer ist sie zuerst in den Gedanken Gottes gewesen als das reinste Gefäß, bereitet zur Aufnahme des Sohnes. Immer ist sie der blühende Garten voll Seligkeit, in welchem Gott die Seinen lustwandeln lässt. Immer ist sie die befestigte Stadt mit Türmen und Toren, Schutz und Zuflucht und Geborgenheit für die Menschheit.

In diesem Licht müssen wir Maria sehen, denn aus dieser Gottesstadt wird bald der Sieger in Sein Reich einziehen. Durch sie zieht der Sieger aus, durch sie ziehen die Sieger wieder ein am Jüngsten Tag.

Zwölf Tore hat das Neue Jerusalem und zwölf Engel stehen darüber. Hat nicht auch Maria als Königin zweimal zwölf Sterne als Bild der zweimal zwölf hohen Fürsten und Verwalter der ganzen Schöpfung um ihr Haupt? Die zwölf Tore bedeuten sowohl das Gottesvolk des Alten Bundes, das von den zwölf Stämmen Israels von allen Seiten herbeiziehen wird, wie auch das Gottesvolk des Neuen Bundes, dem die zwölf Apostel Führer sein werden. Und zweimal zwölf Älteste werden dann für ewige Zeiten den Thron um das Lamm einnehmen dürfen, und das Lamm wird sie speisen und tränken und ihnen leuchten.

Einer dieser zwölf Engel über den Toren der Gottesstadt hält heute seine Hände bittend für uns erhoben; es ist St. Massachiel, der über dem Tor der Gottgezeichneten steht. Er hat den weiten Mantel Mariens um, denn die Mutter aller Lebendigen hat ja alle, die hier einziehen, unter ihren Mantel genommen, und darum steht auch über diesem Tor: "Maria, Arche des Bundes, Wunderbare Mutter, Gnadenvermittlerin."

Zu den Füßen des Engels liegt zerbrochen die Kette der Sünde und Hörigkeit, die Fessel an den Fürsten der Welt. Denn jeder, der hier durch das Tor einzieht, hat diese Fessel abgeworfen, hat sich in die Arme der Gottesmutter geflüchtet, und der Schutzwall der Engel hat ihn bis zum Tor in die Ewigkeit behütet. Die Engel der Kirche, der Anbetung und Ehrfurcht, des nährenden Lebens der Kirche, umgeben diese unabsehbare Schar, die hier einzieht zu Füßen St. Massachiels, von dem die Strahlen des Wortes Gottes ausgehen: "Kommet ihr Gesegneten."

Gebet: Der du die Treue uns darstellst, heiliger Engel, und die Hilfe Gottes, lass uns niemals der heiligen Stadt Gottes, die da ist die heilige Kirche, untreu werden, lass uns das Licht aus deinem Tor niemals verlieren, damit wir den rechten Weg finden und auch den Unsern diesen Weg weisen dürfen. Amen.

 

22. Dezember – St. Lelajah 9. Chor

Wir lesen die Worte des heiligen Johannes des Täufers: "Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade Seine Pfade; jedes Tal soll ausgefüllt, jeder Berg und Hügel soll abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll ebener Weg werden."

Was damals der heilige Johannes von unserem Herrn Jesus Christus verkündete und wollte, das gilt bis in unsere Tage. Und damit wir es nicht vergessen, stehen Engel um jeden Tabernakel. Sie stehen wirklich in der Wüste der Welt und sind "die Stimme der Rufenden", die uns immer wieder mahnt, den Tabernakel als Zentrum unseres Lebens nicht aus den Augen zu verlieren und ihn als Ziel und Mitte jedes Tages und aller unserer Gedanken, Worte und Werke zu setzten.

Der uns heute als ein solcher Rufer vor Augen gestellt wird, das ist St. Lelajah, einer der sieben Tabernakel-Engel. Er ist der dritte dieser sieben, die mit ihren Engelscharen vor jedem Tabernakel der Welt Tag und Nacht Wache halten. Er ist St. Jochaanael zugeordnet, der Ecksäule von Hoher Gewalt, die sich nennen "Der weithin hallende Ruf". So ist St. Lelajah in erster Linie Rufer. Er stellt jedem Menschen das vor Augen, was im ersten Absatz vom heiligen Johannes gesagt ist: Dass wir dem Herrn den Weg bereiten sollen, nicht nur in unser Herz, auch in die Herzen der Brüder und Schwestern hinein, hinein in die Welt. Das Wort Gottes ist immer Gewalt, getragen von den Cherubim bis zu den Engeln auf Erden. Und so ist St. Lelajah auch Gewalt.

Er lässt nicht nach; er ruft vor allem die Priester und alle Künder des Wortes, er mahnt sie, das Wort Gottes immer wieder und in aller Eindringlichkeit zu künden. Er geht aber auch den Menschen nach und lockt und bringt sie zum Tabernakel, zur Heilstätte für alle Krankheiten, zum Jungbrunnen für alle Müdigkeit, zur Klarheit für jede Dunkelheit. Er ist Helfer der Hirten und Ratgeber der Jugend gerade in Bezug auf das Wort, er hält die Pfarrfamilien, solange sie das Wort Gottes bewahren und hochhalten, in jeder Drangsal zusammen. Er soll angerufen werden von jedem Künder des Wortes; er ist immer vor dem Tabernakel zu finden.

Gebet: Heiliger Engel der Stimme des Rufenden in der Wüste, gib auch meinem Wort die Kraft, die Menschen zu wecken und sie richtig zu weisen, damit sie den Herrn finden. Amen.

 

22. Dezember – St. Nidael 9. Chor

Eine wunderbare Vielfalt zeichnet die Engel des 9. Chores vor allen anderen Chören aus. Diese Engel sind uns nicht nur am nächsten und können von uns am leichtesten verstanden werden, sie können uns auch am leichtesten belehren und uns in ihrer Aufgabe und Symbolik am nahesten kommen. Sie sind als Schutzengel jedem Schützling angepasst, und jeder trägt das ganz persönliche Bild des ihm zum Schutz übergebenen Menschen. Sie sind in ihrer Millionenzahl in sieben Teile aufgeteilt, und jeder Teil nimmt mit der ihm in den höheren Chören zugeteilten Aufgabe auch die Eigenart dieses Chores an.

Sie sind außerdem als Schutzengel den sieben großen Machtbereichen Mariens zugeordnet und werden von diesen ganz besonders geprägt. So drückt sich in jedem Engel des 9. Chores außer seiner Wesenheit noch die Eigenart des Platzes seiner Zuteilung aus sowie die Färbung als Schutzengel durch den Machtbereich. Ein solcher Engel wird uns heute vom Herrn gezeigt als Fürbitter, Helfer und Freund. Es ist St. Nidael, der die Schneeflocke trägt als Symbol der Schönheit aller Werke aus der Vaterhand Gottes.

Er ist dem vierten Chor der Herrschaften zugeteilt, einem der Engel von Wort und Antwort, St. Tiphered, der die Schönheit in die Schöpfung trägt. Die Herrschaften sind vor allem für die geistige Schöpfung hier und für das Geistige in der Schöpfung. Sie sind Engel der Liebe, selbst wenn sie Aufgaben der Gerechtigkeit Gottes tragen müssen. So ist auch St. Nidael Engel der Liebe, und die Schneeflocke in seiner Hand ist nicht so sehr Symbol für den wirklichen Schnee auf Erden, sondern für die Zartheit und Schönheit der kleinen, verborgenen Werke Gottes, für die Reinheit der von einem Großteil der Menschen geleugneten Seele des Menschen, wie für all die verborgenen Liebestaten Gottes an uns. Sollten wir nicht vor dem Wunderwerk einer Kinderseele knien und Gottes Liebe anstaunen, die uns aus diesen reinen Augen anblickt? Ist nicht die Blume, die eine liebende Hand auf die Decke eines Kranken legt, von einer doppelten stillen Schönheit, der eigenen Blumenschönheit, dem Werk der Liebe Gottes, und der Schönheit der Liebe als Gabe, die wie ein Hauch um die Blume liegt? Lernen wir nur, unsere Augen richtig zu gebrauchen, um die Schönheit der Liebe Gottes, die uns umgibt, zu sehen und zu lieben!

Gebet: Du zarter, leuchtender Engel, mögest du für uns Gott, dem Herrn, danken für all diese wunderbare Liebe Gottes, der wir auf Schritt und Tritt begegnen, mögest du sie uns erkennen lassen, damit wir wirklich danken lernen und immer wieder danken. Amen.

 

23. Dezember – St. Sebastim 7. Chor

Einen immer dichteren Kranz bilden die heiligen Engel um das Geschehen der Heiligsten Menschwerdung. Im innersten Ring knien die Gewalten, sie stehen immer in der Mitte. Sie sind die Begleitung des Sohnes, Der nicht gekommen war, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert – der Erlösung. Aber dicht vor dem Kind, das kommt, kniet St. Sebastim der Engel der Weihnacht, der uns heute vor Augen gestellt wird. Er ist aus dem Chor der Mächte und somit ein Engel der Liebe. Er gehört zu den zwölf Engeln der Macht der heiligen Kirche. Diese Engel sind die Vertreter der heiligen Kirche, des Vermächtnisses unseres Herrn. Sie stehen in diesem Chor als Vertreter der gerufenen, der geheiligten und erlösten Menschheit, sie stehen für die Braut Christi hier und in ihrem Namen für die ganze Schöpfung.

St. Sebastim ist der erste der zwölf Engel der Kirche. Sie stehen zu drei und drei, und von diesen drei ist immer der erste dem Vater zugeordnet, der zweite dem Sohn, der dritte dem heiligen Geist. So sind vier Dreiergruppen in den zwölf Engeln beschlossen. Sie sind deshalb vier Gruppen, weil sie das Fundament bilden für je ein Signum, das über ihnen die Versiegelten Fürsten tragen und nach dem die Menschheit einst gerichtet werden wird.

Das Signum, das St. Sebastim mit seinen beiden Brüdern, St. Chasim, dem Osterengel, und St. Chattatim, dem Engel der Pfingstauswirkung, trägt, heißt: "Filius Patris."

Es ist wie ein Menetekel an die ganze Menschheit: "Weißt du, Mensch, dass es einen Sohn Gottes gibt? Dass dieser Sohn für dich Mensch geworden ist? Dass er für dich verblutete, um dir, ja dir den Himmel zu öffnen? Was hast du mit Gottes Sohn gemacht?"

Ja, so wird auch einmal St. Sebastim fragen: "Mensch, was hast du mit dem hochheiligen Geheimnis der Geburt Christi, der Heiligen Weihnacht gemacht? Siehst du die Raffsucht der Kaufleute, den Kitsch um alles Religiöse, das Untersinken der Menschen gerade in diesen Tagen ins Weltliche, in Geschenke, Putzereien, Streit, Kino, Rausch, Lustsünde? Was hast du, o Mensch, mit Christi Menschwerdung gemacht?"

Gebet: Herr, ich bitte Dich, geh nicht zu streng mit uns ins Gericht und sieh auf Maria, unsere Mutter; sie bittet für uns arme Sünder. Wir wollen nicht mehr "kindisch" auf Äußerlichkeiten achten in diesen Tagen; wir wollen "kindlich" zu unserem Herrn in der Krippe gehen und alles vergessen und nur mehr bei Ihm bleiben. Amen.

 

23. Dezember – St. Sinah 9. Chor

Er kniet wie auf leichtem Nebel, und man kann erkennen, dass seiner Aufgabe nach unter ihm der Sumpf der Erde ist, Gestrüpp und Dornen, Disteln und Dunkelheit.

Er aber ist hell und überflutet vom Licht der Mondsichel, die er hält, und auf dieser Mondsichel steht das wunderbare Bild der Allerreinsten. Der Engel trägt es so hoch über sich, dass kein Anwurf der Erde es berühren kann.

Dieser Engel, den uns Gott der Herr heute vor Augen stellt, ist St. Sinah, der Engel der Klarheit. Er ist Engel des 9. Chores. Aus diesem Chor hat sich Maria, die auch als Königin die demütige Magd des Herrn bleibt, die meisten Engel für ihre Aufträge und Aufgaben erwählt. Einen nach dem anderen dieser Engel stellt sie für uns vor den Thron des Allerhöchsten. Und immer können wir sie dahinter erkennen, wie sie für uns sorgt, wie sie uns mit zärtlichster Liebe umgibt und alle unsere Schwächen kennt und für alle unsere Hemmungen und Hindernisse einen Engel als Hilfe bereitstellt. St. Sinah ist der Engel der Macht der Liebe, St. Zephiriel zugeordnet, der die nüchterne und konsequente Liebe Gottes trägt.

All dies hat seinen tiefen Sinn. Wenn wir im Johannes-Evangelium lesen (Joh. 1,1-15): "Alles ist durch das Wort geschaffen worden", so wissen wir, dass auch Maria, die Allerreinste, durch das Wort, also durch ihren eigenen Sohn Jesus Christus, geschaffen wurde. Und da wiederum sie Ihn trug, so ist sie wirklich Licht von Seinem Licht. Und wenn es heißt: "Und das Licht leuchtete in der Finsternis", so ist im Licht Jesus Christus gleichzeitig Maria zu sehen, und es ist wahr so. Ebenso wenig wie die Welt das Licht Jesus Christus begriffen hat, ebenso wenig hat sie das Licht der Reinheit und Auserwählung Mariä begriffen. Wenn wir den Herrn mit der Sonne und Sein Licht mit dem Sonnenlicht vergleichen, so können wir ganz richtig Mariens Licht mit dem milden Glanz des Mondes vergleichen. Dieses Licht voll Reinheit und Klarheit trägt St. Sinah über allem Sumpf, über aller Verworrenheit der Welt, allen Disteln und Dornen unserer Seelen. Man kann sich bildlich kaum einen größeren Kontrast vorstellen als die Nachtschwärze unserer Erdverfallenheit und die leuchtende Klarheit Mariens, die allein von allen Geschöpfen "tota pulchra est" – ganz schön ist, ganz heil, ganz heilig.

Als Engel des 9. Chores ist St. Sinah vor allem Engel des Lebens. Er sagt uns, dass Reinheit Leben vor Gott ist, nicht bloß ein Kleid. Und da er mitträgt an der Aufgabe St. Zephiriels, uns Menschen die nüchterne und konsequente Liebe Gottes nahezubringen, so sollen wir durch St. Sinah wissen, dass die Unbeflecktheit Mariens keiner Verworrenheit, Verstiegenheit, Phantasterei der Kirche, sondern eben dieser nüchternen Liebe Gottes entspringt, dass es so und nicht anders sein muss. Wir wollen aber auch St. Sinah in unserer Verworrenheit und Willensschwäche gegen alle niederen Triebe und Regungen in uns zu Hilfe rufen.

Gebet: Heiliger Engel der Klarheit, mach unseren Leib und unsere Seele zu einem klaren Spiegel für Unsere Liebe Frau. Amen.

 

24. Dezember – St. Schemajim 3. Chor

Es sind zwei Engel in der himmlischen Hierarchie, deren Namen fast ganz gleich lauten: St. Schemajim und St. Schemmajim. Der erstgenannte ist aus dem Chor der Throne, der zweite ist aus dem Chor der Herrschaften. Dieser zweite ist der Engel des bräutlichen Jubels, der den Regenbogen des Friedens, dieses siebenfarbig leuchtende Band, über Maria hin bis zu St. Alphareth spannt, dem Fürsten der Antwort. Der erste, St. Schemajim, gehört zu den Säulen des Thrones, Gott innerhalb der Schöpfung errichtet. Die drei Säulen – drei Engel: St. Schemajim, St. Malachim, St. Ophajim – stoßen mit ihren Häuptern an das Himmlische Jerusalem, das zwischen beiden Thronen liegt, und stehen mit ihren Füßen rund um den Boden des letzten Gerichtes. Von den beiden Thronen ist der erste der Thron Gottes über allen Himmeln in Sich Selbst, getragen von den drei Engeln St. Binah, die drei und doch einer sind. Der zweite Thron ist der Thron Gottes in der Schöpfung, getragen von den drei Engeln St. Schemajim, St. Malachim, St. Ophajim. Die ersten drei Engel (St. Binah) sind Engel des Einsseins, die zweiten drei Engel (St. Schemajim, St. Malachim, St. Ophajim) sind Engel der Gegensätzlichkeit.

St. Schemajim, der Thron, steht heute vor Gott als unser Fürbitter. Seine Gestalt ist einer Säule oder, besser noch, zwei gewaltigen gotischen Torflügeln gleich. Er steht für die größte Gegensätzlichkeit: Göttlichkeit – Geschöpflichkeit. Die Gegensätzlichkeit ist Schrein und Tor und Thron zugleich: Schrein der Gegensätzlichkeit im Engelthron der Liebe, Tor der Gegensätzlichkeit im Engelthron des Lebens. St. Schemajim steht für das Leben. Er ist dem Vater, St. Malachim ist dem Sohn, St. Ophajim ist dem Geist der Thron der Schöpfung. Aber während die ersten drei Engel (St. Binah), welche den Thron Gottes über allen Himmeln bilden, eins sind und das Einssein Gottes mit der Schöpfung darstellen, so sind die zweiten drei Throne immer zwei: Gott und die Schöpfung. Darum haben diese zweiten drei Throne (St. Schemajim, St. Malachim und St. Ophajim) auch zwei Symbole: Eines für die Göttlichkeit und eines für die Geschöpflichkeit.

St. Schemajim, der die durch das Leben in der Kraft der Liebe geschaffene, oberste Gegensätzlichkeit in Feuer-Wasser, Glut-Eis, Licht-Dunkel in alle Gesetze und Ordnungen trägt, steht hier für das Sein in der Schöpfung, und er steht hier für das Tun in der Schöpfung. Sein Symbol, Gott als Thron tragend, ist das Auge, das sagt: "Ich bin, der Ich bin", das zur Schöpfung sagt: "Ich bin der Herr, Dein Gott!"

Sein Symbol, Gott inmitten der Schöpfung als Thron tragend, ist die Hand, die sagt: "Werde!", das auslösende Wort, das sagt: "Du sollst!", das rückbindende Wort. Diese beiden Symbole, Auge und Hand, haben wir für Gott übernommen.

Gebet: Heiliger Engel, lass das Auge Gottes über uns leuchten und lass die Hand Gottes immer über uns sein; lass uns selbst ein Thron Gottes werden in der Tiefe der Schöpfung. Amen.

 

24. Dezember – St. Dimachiel 5. h. Chor

So war er das erste mal zu erkennen, dieser wunderbare Engel aus dem Chorteil der Hohen Gewalten, St. Dimachiel, der Engel der Geburt. Es war am Heiligen Abend im Stall von Bethlehem. St. Joseph war, Hilfe zu suchen, wieder stadtwärts geeilt. Da stand vor der knienden, betenden Jungfrau der Engel der Gewalt, priesterlich gekleidet. Er ist es, der von Gott die Aufgabe erhalten hat, seine Hand auf den Leib der Mutter zu legen, und das Kind in ihrem Schoß steht auf und kommt.

Jede Frau seit Eva macht in diesem Kommen des Kindes die Austreibung aus dem Paradies mit, wie Vorhölle und Golgotha in allen Phasen und Sinnen der Frau. Seit dem Paradies dient St. Dimachiel in dieser Aufgabe; alle Menschen sind durch seine Hand gegangen.

Vor Maria aber kniet sich der hohe Engel ehrfürchtig in das Stroh; er berührt Maria nicht. Er sagt bloß, tiefgebeugt: "O Herr, unser Gott, wir bitten Dich, komm!" Himmel und Erde halten den Atem an. Der Herr der Welt tritt, Seiner Macht entkleidet wie im Heiligsten Brot, in die Welt, wahrlich wie durch ein Nadelöhr, wenn man den armen Stall mit der Erde vergleicht. Er geht als Kind hindurch, nicht für die Reichen, sondern für die Armen, die Ärmchen ausgebreitet, bereit für das kommende Kreuz.

Und hinter St. Dimachiel knien noch drei Engel der Gewalt: St. Najim, der Engel der Wandlung, des irdischen Todes; er zeichnet ehrfürchtig seinem Gott das Kreuz über den ganzen Leib, über alle Glieder. St. Mun, der Engel der Hingabe; er ist verhüllt und trägt seine Schale voll leuchtenden Blutes wie Opferwein. St. Hariel, der Türöffner; er stößt die Türe zum Neuen Bund Gottes mit den Menschen auf. Er hält mit St. Gabriel, der neben Maria kniet, den Mantel der Jungfrau um das holdselige Kind. Eja, Christ ist geboren! Eja, Christ ist geboren!

Gebet: Singt mit uns, ihr Engelscharen, dass uns das Heil der Erlösung geworden ist, Christus, der Herr, der Retter. Amen.

 

25. Dezember – St. Reesch 1. Chor

Wenn sich dieses größte aller Wunder ereignet: "Und das Wort ist Fleisch geworden", dann gebührt wohl einem der drei höchsten, uns verhüllten Engel der Ehrenplatz als Fürbitter dieser Menschen, um deretwillen Gottes Sohn Sich so entmachtete.

Er ist nicht zu erkennen, nur begrifflich zu erahnen. Seine Geschöpflichkeit ist noch so in das Licht der Göttlichkeit eingetaucht, sein geschöpfliches Licht noch so durchsetzt vom Göttlichen Licht, dass der Mantel des Engels, der ihn verhüllt, einem Lichtring gleicht, dem Lichtring des Dreieinigen Gottes. Es ist St. Reesch, der Engel des Lebens, der auf dem Haupt des Schöpfers, auf Seiner Stirne steht und den Strom der Lebensgnade, der dort in einer unermesslichen Breite entspringt, weiterleitet an die Geschöpfe, vorerst an die Throne, die Fürsten und die Engel, aber auch Zweigströme an alle Engel, besonders an die Engel, welche dem Vater zugeordnet sind.

Er ist verhüllt, uns nicht begreiflich. Sein Mantel ist der Ausdruck des Umhülltseins mit Gott, aber auch des von uns nicht Erkannt-Werdens. Von Gott her gesehen, bedeutet der Mantel ein Dreifaches: Das "Werde!" des Vaters, das vom Vater eingehüllte Ja-Wort des Sohnes, den Liebeshauch des Heiligen Geistes. Dieser Engel ist im Hinblick auf den Vater "die Leuchte", dem Leben aus Gott ist Licht aus Gott (darum hieß der ersterschaffene Engel "Lichtträger" – Luzifer). Dieser Engel ist aber auch im Hinblick auf den Sohn "Wandlung", denn der Sohn wandelte und wandelt das gebrochene Leben wieder ins ungebrochene, das zeitliche ins ewige Leben. Dieser Engel ist endlich im Hinblick auf den Geist "Frieden", da er an diesem Tag Maria trägt und ihr dient, der Königin des Friedens, der Braut des Geistes, der schweigenden Liebe.

So ist St. Reesch die Leuchte, der Gewordene durch den Vater, Der werden lässt, er ist Wandlung durch den Sohn, Der neuwerden lässt, er ist Friede durch den Heiligen Geist, Den Heilmachenden und Heiligenden.

Er ist das Maß und die Ordnung des geschöpflichen Werdens, Neu-Werdens und Heilmachens. Er hat die Fülle seiner Macht bei der Menschwerdung des Sohnes erreicht, und St. Reesch wird neuerdings zur Fülle der Macht kommen, wenn der Herr, König Himmels und der Erden, einst sagen wird: "Siehe, Ich mache alles neu!"

Gebet: Heiliger, Starker, Unsterblicher Gott, lass uns bittend die Hände falten und klein sein, so klein wie das Kind zu Bethlehem, da uns die Fülle Deiner Macht, wie sie im Engel des Lebens erahnbar ist, erschlägt. Lass uns bloß Hirten sein, arm und gering, und Kind sein vor Dir, damit uns Deine Vatermilde helfe und führe. Amen.

 

25. Dezember – St. Jah 1. Chor

Heute, in dieser Nacht zum 25. Dezember, ist das Auftun des Himmels und des Herabkommen der zweiten Göttlichen Person, des Wortes, Das Fleisch wurde auf unserer Erde, gefeiert worden.

In den Jubel der Seraphim und Cherubim und Throne mischt sich der Klang der Glocken aller Kirchen der Erde, mischt sich der Kindergesang und der Lobpreis aller um die Krippe.

Drei Engel stehen an diesem Hochheiligen Christfest vor Gottes Thron: Einer der höchsten, einer der geringsten Engel und einer in der Mitte. Der höchste ist St. Jah, der Seraph, der Mittler, der heißt: "Guter Gott". Auch unser Herr ist als Mittler gekommen, und hoch und nieder gelten gleich vor Seinen Augen. Er ist Mensch geworden, um uns zu erlösen. Der Sturz von der Göttlichkeit in der Gott-Menschlichkeit ist größer als der Sprung vom gottnahen Seraph St. Jah zum kleinen Engel St. Nun. Wir Menschen würden diesen Sturz aus dem höchsten Himmel in den kalten Stall von Bethlehem eher als einen Selbstmord bezeichnen, wenn er nicht dem herrlichsten Geschöpf, das je in Verborgenheit blühte, gegolten hätte: In Maria ist Gott Mensch geworden, in diesem Geheimnis Gottes und Seiner Liebe, dieser großen, einmaligen Liebe des Dreieinigen Gottes.

Es ist ein unbegreifliches Geheimnis um die Menschwerdung Gottes; der Mensch hat es nie ganz erfasst, der Engel eher. Es war auch die Ursache des Engelsturzes, vorab Luzifers, dass er nicht wahrhaben wollte, was für Folgen sich aus der Menschwerdung des Wortes für die Engel ergeben. So liegt in der Menschwerdung von Anbeginn die Gegensätzlichkeit, Scheidung und Trennung, Leben und Tod, Sühne für die Sünden der Welt, Erlösung und Heimholung.

St. Jah, der große Seraph, steht zunächst vor Gottes Thron. Er trägt die Verbindung Gott-Mensch, die mit dem heutigen Tage für alle Ewigkeit besiegelt wurde. Er ist Seraph des Sohnes, und da er wie alle Seraphim dreifach ist in seiner Einheit, so gehört je ein Seraph des Vaters und einer des Geistes zu ihm: St. Elchai, der die Güte und Milde des Gotteswortes trägt, und St. Akaba, der Engel des Geistes, der das Wort trägt: "Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes." So ist dieser dreifache Seraph ein Seraph der Güte Gottes in der Güte des Vaters, in der Güte des Sohnes, in der Güte des Heiligen Geistes. Nicht die Gerechtigkeit an erster Stelle hat Gott Mensch werden lassen, sondern die Güte (Liebe). Weihnachten aber ist ein Fest der Liebe, der Güte des Vaters, Den wir nie und nirgends so deutlich als Vater sehen wie über dem Stall von Bethlehem.

Gebet: Dich, o Gott, loben wir, Dich, o Gott, preisen wir, Du hast, um die Menschen zu erlösen, nicht verschmäht der Jungfrau Schoß. Himmel und Erde sind voll Deines Ruhmes. Heilig, Heilig, Heilig bist Du, Herr!

 

25. Dezember – St. Nun 9. Chor

Unser Herr sagte: "Und die Letzten werden die Ersten sein." Zur Bekräftigung dieses Wortes hat Er den Engel der Letzten, der Geringsten, in die erste Reihe der Engel um Seinen ersten Thron auf Erden gestellt, St. Nun, den Engel der Bettler, der Armen. Dieser fast menschlich anmutende, schmale Engel, dem großen Engel der Gewalt, St. Abbael, dem Engel des Kreuzes, zugeordnet, steht heute im Namen der Geringsten vor der Krippe, dem ersten Thron des Fleisch gewordenen Wortes. Er steht hier zusammen mit den höchsten Engeln: Dem verhüllten Engel des Lebens vom Haupt Gottes und dem in unfassbaren Lichtglanz eingehüllten Seraph St. Jah, der heute seine Macht abgetan hat, dem Kind zu Ehren, und auch, um St. Nun, den Engel der Geringsten, zu ehren. Diese Spanne zwischen St. Jah und St. Nun ist kaum fassbar: St. Nun kommt von der Erde her, von der Betreuung der Armen und Elenden, Obdachlosen und Heimatlosen, Hirten und Bettler, die in der Tiefe und in den Kellern und an der Straße liegen. St. Jah aber kommt von der Höhe her, vom Thron Gottes über allen Himmeln, von der Majestät des Dreieinigen Gottes, die für uns unverhüllt nicht tragbar ist. Hier vor der Krippe treffen sie sich. Und hinter St. Nun kniet St. Abbael mit dem Kreuz. O muss der Blick des Kindleins schon jetzt auf das Kreuz fallen? Aber da schieben sich die Schützlinge St. Nuns, die Hirten, herein, und Maria lächelt sie alle an, den höchsten und den niedrigsten Engel, das Kindlein und die Hirten. Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind. Lasset uns mit allen Engeln anbeten den Herrn der Welt! St. Nun hat ein den Geringsten angepasstes und neben den großen Engeln fast lächerlich wirkendes Symbol: Ein hölzernes kleines Schaf, das legt er dem Göttlichen Kind in die Händchen. So arm sind die Geringsten, dass sie nichts Besseres haben. Aber im holdseligen Lächeln Jesu liegt schon die ganze Göttliche Liebe zu diesen Letzten, die einmal die Ersten sein werden, und Maria wird sie alle unter ihren Mantel nehmen. Dort sind sie geborgen vor Kälte und Härte, vor aller Lieblosigkeit; die Mutter ist seit der Weihnacht auch ihre Mutter geworden.

Gebet: Kindlein in der Krippe, eja, lass Dich grüßen, lass uns Dein Thron sein, arm und gering, aber aus lauterer Liebe. Amen.

 

26. Dezember – St. Nachiel 2. Chor

Es heißt in der Epistel am St. Stephanstag: "In jenen Tagen wirkte Stephanus, voll Gnade und Kraft, große Zeichen und Wunder ...". Er war also voll Gnade und Kraft, gleich den Cherubim, den Engeln des Sohnes, welche in ganz besonderer Weise dem Erlösungswerk zugeordnet sind.

Darum steht auch heut' nach dem Willen Gottes ein Cherub vor Gottes Thron: St. Nachiel, der erste der sieben Cherubim des Sohnes, der Engel der Bereitschaft. Der Herr will in immer steigenderem Maße den Menschen die innige Verbindung zwischen Engel und Mensch, also auch zwischen den Engeln und den erlösten Menschen, den Heiligen, vor Augen stellen. Wir wollen Heilige und Engel verehren und sie als unsere Fürsprecher anrufen. Jeder dieser Engel neigt sich ebenso gerne unseren Bitten, wie es die Heiligen tun: Sieht er doch immer im Menschen das Ebenbild Gottes, das es zu retten und zu heiligen gilt; sieht er doch immer seinen sanftmütigen und demütigen Gott im Menschen!

St. Nachiel ist als Cherub anders als die übrigen Cherubim. Jeder Cherub ist einfach und doch dreifach; jeder hat als Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes ein dreifaches Antlitz: Eines dem Vater, eines dem Sohn, eines dem Geist zugewendet. So gehört immer ein Cherub des Vaters, einer des Sohnes, einer des Geistes zusammen. Aber einer ist aus dieser Reihe von dreimal sieben Cherubim herausgefallen: Ismael, der Cherub des Geistes, der Klarheit Gottes, gerade er, der als Begleiter Mariens gedacht war, gerade er wählte in der Prüfung der Engel das Scheinlicht Luzifers statt des wahren Gotteslichtes; er sprach nicht das "fiat", sondern das "non serviam" – ich will nicht dienen. Und so stürzte er mit allen abtrünnigen Engeln in die Tiefe, und sein Platz unter den Cherubim ist leer. Darum haben St. Nachiel, der Cherub des Sohnes, und St. Chochabiah, der Cherub des Vaters, kein drittes Antlitz. Und doch ist dieser leere Fleck kein Schandmal, denn an jener Stelle lässt der Heilige Geist das Wort Seiner Braut erglänzen: "Ecce ancilla Domini."

Das ist die Antwort an Ismael, das ist das heilmachende Wort der Rechtfertigung. St. Nachiel werden wir immer häufiger anrufen, denn kaum eine Zeit wie die unsere verlangt eine immerwährende Bereitschaft. Wenn St. Nachiel sich auch nennt "Sieg durch die Torheit des Kreuzes", wenn er auch lange zuschaut – aber sobald Gott die Hand hebt, schlägt er blitzschnell zu. Freilich ist es in den Augen der Welt töricht, nur auf den Herrn zu schauen und auf Seine Worte zu hören, nur für Ihn sich bereitzuhalten Tag und Nacht; aber es kommt schon die Zeit, in der allen klar wird, dass die Bereitschaft, die uns St. Nachiel lehrt, die einzig richtige ist. Wir wollen nicht zu den törichten Jungfrauen zählen und zu den schlafenden Knechten.

Gebet: Heiliger Engel der Bereitschaft, halte unsere Öllampen immer brennend und wecke uns, damit wir an deiner Hand dem Herrn entgegengehen können. Amen.

 

26. Dezember – St. Ophirim 3. Chor

Die Wesenheit des dritten Chores der heiligen Engel kann sich – wenn überhaupt –, dann nur dem betenden Menschen aufschließen, denn das Gebet macht auch den Menschen zu einem Thron Gottes. Im betenden Menschen bietet der verborgene Gott Jesus Christus Seinem Vater diesen Menschen als Gabe und als Thron an, auf dass Sich der Vater mit Seiner Liebe und Milde herablasse und "Wohnung" nehme.

So müssen wir auch die Throne verstehen: Jeder einzelne ist ein Thron des Allerhöchsten, und alle zusammen sind der Thron des Allerhöchsten über allen Himmeln und der Thron Gottes in der Schöpfung. Die ersten drei und sieben stehen über allen Himmeln, die zweiten drei und sieben tragen Gott in der Schöpfung. Zu diesen gehört St. Ophirim, den Gott der Herr uns heute vor Augen stellt, so schwer auch ein solcher Engel von den Menschen verstanden wird.

Die zweiten drei und sieben sind gewaltige Engel: Drei bilden die Säulen zum Thron als die Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes. Die sieben stehen im Namen der Schöpfung hier; sie sind Thronsäulen einer schon geschaffenen Schöpfung – nicht so wie die ersten sieben Throne, welche das Göttliche "Werde!" für alle Formen und Arten und Gesetze hinab in die Schöpfung tragen. St. Ophirim trägt schon das gegebene Gesetz: Ich bin der Herr, Dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben Mir!

Die Erkenntnis der Größe Gottes erweckt bei den Menschen die Gottesfurcht. Das ist eine Gnade und eine Reife und hat nichts mit knechtischem Kriechen und hündischer Angst zu tun. Denn die Erkenntnis Gottes knebelt den Menschen ja nicht, sondern sie macht ihn unendlich glücklich und ruhig. Nirgends lässt sich so gut und geborgen leben wie in der Sonne der Liebe Gottes, wie im Schatten des Erlöserkreuzes. Diesen herrlichen, gütigen, barmherzigen Gott als Herrn zu haben, ja sogar als Vater – gibt es etwas Schöneres?

St. Ophirim trägt also nicht nur die Gottesfurcht, sondern auch die Ehrfurcht und die ganze Struktur des "Hauses Gottes" auf Erden, alle die Gesetze, Weihen und Segnungen, den ganzen Aufbau der heiligen Kirche. Er trägt das Zeichen Gottes leuchtend auf seiner Stirne und auf seiner Schulter, damit er von den Menschen leichter verstanden werde: Er trägt Christus, den Eckstein, Der trennt und scheidet; Christus ist wahrhaft auch nur von einem solchen Engel tragbar, der auf dem Boden der Erde aufsteht und mit seinem Haupt bis in den obersten Ring der Anbetung ragt. Gott muss für uns immer der Eckstein bleiben, auf dem wir unser ganzes Leben und das Haus Gottes in unserem Herzen aufbauen, der für uns Maß und Gesetz und Fundament ist.

Gebet: Heiliger, Starker, Unsterblicher Gott, zeichne auch unsere Stirne mit Deinem Zeichen, damit wir für ewig Dein Eigentum bleiben. Amen.

 

27. Dezember – St. Vehujah 2. Chor

Vor dem Thron des Allerhöchsten stehen vier Lebende Wesen, und sie werden in der Geheimen Offenbarung nicht Engel genannt, obwohl sie, mitten in der Engelwelt, gleichen Ursprungs sind und gleiche Wesenheit haben. Doch ihr Aussehen deutet schon auf eine besondere Art der Aufgabe. Zeugt ja auch die unterschiedliche Art der Seraphim, der Cherubim, der Throne oder der Gewalten ganz deutlich für die Art ihrer Aufgabe. So ist es auch hier.

Von der Erde aus gesehen, sind diese vier Lebenden Wesen wie ein Viergespann von vier riesenhaften Feuerrädern, wie ein Wagen Gottes, des flammenden Herrschers über alle Schöpfung. Diese vier Räder sind das Wort Gottes im heiligen Evangelium, welche das Wort tragen, das im Anfang war und das Gott ist. Und diese vier Räder sind nicht nur das Bild des Wortes, sie sind lebendig, sie sind das lebendige Wort, das Leben und Geschöpf gewordene Wort. Sie sind Engel, Geister Gottes, himmlische Urgestalten, wie sie vorher nicht waren und nachher nie mehr in dieser Art sein werden.

Je näher der Engel Gott steht, desto mehr verschwindet die menschliche Gestalt des Engels. Die klarste menschenähnliche und deshalb verständlichste Gestalt haben die Engel des 9. Chores. Auch Erzengel und Fürsten tragen diese Gestalt, ebenso sind die Herrschaften und die Mächte noch verständlich. Aber die Gewalten, noch viel mehr die Throne und am meisten die Seraphim sind für den Menschen nur dann verständlich, wenn sich diese Chöre herab neigen und klein machen, womöglich menschenähnliche Gestalt annehmen.

Doch noch nie hat eines der vier Lebenden Wesen eine solche menschenähnliche Gestalt angenommen. Sie sind und bleiben für uns Geheimnis, sie sind der Spiegel des Geheimnisses: Gott, Logos. Sie stehen vor Gottes Thron, zu viert, und sie sehen gleichzeitig nach vier Richtungen, und jedes Wesen hat das gleiche vierfache Antlitz, doch immer jeweils ein anderes nach vorn, nach rückwärts, zur Seite und nach oben.

St. Vehujah ist das vierte der Lebenden Wesen; es hat nach vorn das Antlitz eines Adlers, und das kennzeichnendste an ihm sind die vielen großen und ausdrucksvollen Augen, die voll Wissen und voll Liebe leuchten. Nach rückwärts hat es das Antlitz eines Löwen als Zeichen des Sieges; nach der einen Seite, der Menschheit zu, sieht das Antlitz des Stieres als Zeichen des Opfers, nach der anderen Seite, dem Himmel zu, sieht das Antlitz des Engels (Melach) als Zeichen der Gottesfurcht und Anbetung.

St. Vehujah trägt das Evangelium nach Johannes und als Wesenheit dieses vom Herrn besonders geliebten Jüngers die Klarsicht durch die Liebe. In dieser Klarsicht durch die Liebe liegt der Blick in die Endzeit und die Kraft, Liebe und Klarsicht in das Wort umzusetzen.

Gebet: O Herr Jesus Christus, Der Du uns das Wort des heiligen Evangeliums gegeben hast, lass dies Wort uns Stab sein, an dem wir Dich und den Vater und den Geist erreichen und ewig loben dürfen. Amen.

 

27. Dezember – St. Sahjiel 6. n. Chor

Es ist das erste mal, dass ein Engel wie ein richtiger Stern vor Gottes Thron steht, die strahlenden Arme weit ausgebreitet, sein Gewand wie eine Tunika fliegend nach beiden Seiten, mit wehendem Haar und Augen wie zwei Sterne. Es ist St. Sahjiel, der Stille Fürst, der Stern der Weisen aus dem Morgenlande. So sollte er eigentlich am Dreikönigstage vor uns stehen. Aber Gott weiß schon, was Er tut. Dieser Engel hat zur Apokalypse noch eine menschennähere Beziehung, denn er leuchtet nicht nur als Wegweiser, sondern er erleuchtet hauptsächlich. Er ist der Engel der Erleuchtung.

Es sagt der Mensch ohnedies im Alltag: "Jetzt geht mir ein Licht auf", oder: "Woher hast du diese Erleuchtung?" Man sieht, wie tief es im Volke wurzelt, dass Erkenntnis vom Licht kommt, vom Aufhellen. So ist auch der Engel der Erleuchtung in seiner Symbolik das Licht, der Stern im Vergleich zur Sonne Jesus Christus, zu Maria auf der Mondsichel, die nicht Stern ist, aber von Sternen umgeben. Die Fürsten als Verwalter der Schöpfung haben ihre Residenzen auf den verschiedenen Gestirnen und werden deshalb als "Sterne um Maria" genannt.

Auch St. Sahjiel, der Stille Fürst, kommt von weit her. Er dient auf der Erde als einer der zwölf Engel im besonderen Dienst um Maria. Um seine große Ferne anzudeuten, erscheint er nicht so groß wie die Fürsten sonst, er ist so wie St. Anael und St. Lavanael, die Hohen Fürsten. Sein Antlitz zeigt einen schmalen, fast morgenländischen Schnitt mit tiefblauen, sehnsüchtigen, verträumten Augen. Erleuchtung weckt Sehnsucht nach Gott, dem ewigen Licht, denn Erleuchtung ist noch nicht Eingehen in das Licht. Darum ist St. Sahjiel auch der Engel der Sehnsucht – nicht jener Sehnsucht St. Jophiels, die durch das Rauschen der Muschel versinnbildet wird, die aus dem Dunkel, der Tiefe und Innerlichkeit kommt. Die Sehnsucht, die St. Sahjiel trägt, kommt aus der Ferne. Sie ist schöpferisch, sie legt sich in schöpferische Werke, die dann von der Sehnsucht nach Gott künden. Und darum hat der heilige Evangelist Johannes auch in die Ferne gesehen und eines der größten Schätze, der größten Kunstwerke aller Zeiten in seiner Apokalypse geschaffen. – So müssen wir St. Sahjiel auf unser Leben beziehen und seine Aufgabe in unsere Tage tragen:

Als Engel der Erleuchtung und Sehnsucht trägt er durch den Lebensstrom, der ihm über die Throne wird, die schöpferische Gabe, Werke für Gott zu schaffen, indem er die Gnade der Gestaltungskraft vermittelt.

Als Stiller Fürst, dem Heiligen Geist, Maria und der heiligen Kirche besonders zugeordnet, empfängt er den Strom der Liebe über die Seraphim und durchdringt die Werke mit diesem Geist. Als Stern steht er über dem Morgenland, um es – endlich – dem Herrn zuzuführen, und als Engel der Erleuchtung über allem apokalyptischen Schaffen.

Gebet: Heiliger Engel, sieh meine Armut und Schwäche! Nimm die Allmacht Gottes in deine schöpferischen Hände und forme aus mir das, was Gott von mir erwartet und worin ich Ihm die größte Ehre geben kann. Amen.

 

28. Dezember – St. Chesed 2. Chor

Die Heiligen und die Engel des Weihnachtsfestes gleichen einer strahlenden Gloriole um den menschgewordenen Gott, Der wie eine kleine Hostie auf dem Stroh der armen Erde ruht. Unaufhörlich jubeln sie dem König der Glorie zu: "Heilig, Heilig, Heilig, Du unser Herr und Gott!"

St. Chesed, der heute in seiner leuchtenden Cherubsgestalt als Wächter vor der Krippe steht, legt den Mantel der Milde und Güte Gottes um Mutter und Kind im Stall von Bethlehem. Und auf diesem Mantel stehen alle Verheißungen über dieses Kind und Seine Mutter, alle Worte der Liebe Gottes stehen dort und strahlen von hier hinaus über die Krippen und Altäre der ganzen Welt.

Die Milde und Güte des Gotteswortes geht zuerst vom Vater aus über die Schöpfung. So trägt auch St. Chesed die milde, gütige Kraft des Vaters in das Wort des Sohnes; er trägt den Willen des Vaters zum Verstehen und Verzeihen, zur Langmut und Geduld, als Liebe zum Sohn in das Erlösungswerk. Diese Milde und Güte, dieses Verstehen und Verzeihen war ja auch Maria, der Gottesmutter, der vielgeprüften, eigen, und sie fleht mit den Engeln der Liebe und den Frieden auf die aufgewühlte Erde herab.

St. Chesed ist Cherub des Vaters, er hat sein Angesicht dem Vater zugewendet. Von den beiden Cherubim, die mit ihm eine Einheit vor Gott bilden, ist der Cherub des Sohnes der große Schweigende, der Diener des Weltenrichters in der Endzeit. In ihm können wir erkennen, wie das Wort Sich endgültig der Erde zuwendet, wie Es in der Fülle der Zeit kommt und damit die End-Zeit einleitet. Der dritte Cherub ist der Engel der Herabneigung Gottes, der Engel der Läuterungsorte. Alle drei bringen die Größe und Majestät des Göttlichen Wortes in seinem liebenden, gütigen Herabneigen zum Menschen. Das Wort ist Güte, ist Verstehen; aber es gibt auch ein schweigendes Wort, wie es die Engel sprechen, wie ein gütiges Mutter- oder Vaterauge sprechen kann oder wie eine barmherzige Tat für sich spricht.

Und das will uns St. Chesed sagen: Sieh auf zum Vater im Himmel! Du siehst Ihn nicht, aber Er ist hier. Du hörst Ihn nicht, aber Er umgibt dich in tausend Liebesworten. Du willst Seine Gegenwart nicht wahrhaben und suchst Ihm aus nichtigen Gründen davonzulaufen. Aber Er umgibt dich mit Seiner Treue und verlässt dich nicht. Er wartet, bis du hinkniest und voll Reue sagst: "Vater, verzeih!", und dann schließt Er dich in Seine Arme!

Gebet: Herr, Der Du in der schicksalsschwersten Stunde Deiner Menschwerdung lieber zu Ochs und Esel in den Stall gegangen bist als zu den reichen, wohleingerichteten, klugen und geschäftstüchtigen Bürgern der Stadt, nimm mein armes Herz und mache es zu Deiner Krippe, weil Maria, meine Mutter, das weiße Linnen ihrer Fürbitte über mich breitet. Komm, Herr Jesus, komm! Amen.

 

29. Dezember – St. Menim 5. n. Chor

Inmitten des Weihnachtsjubels steht ein mächtiger Engel; er fällt irgendwie aus dem Rahmen, so mächtig ist er. Er hat ein rotes Gewand wie von Brokat, in königlichem Schnitt, und er stützt sich auf einen langen, schmalen Degen wie ein Rapier. Seine großen, dunkeln Augen leuchten von innerem Feuer, und die ganze äußere Ruhe ist nur die kühle Oberfläche über einem Vulkan. Er ist der mittlere der Engel des Verborgenen Herzens aus dem Chor der Gewalten, er ist zum Schutz von allen Seiten von Engeln umstellt, weil er wie kaum ein zweiter in ununterbrochenem Beschuss des höllischen Angreifers liegt. Er ist St. Menim, die Gewalt der geheimen, übersinnlichen Kraft der Strahlung. Sie waren zuerst ihrer sieben und bildeten zusammen den Impuls der Schöpfung, doch vier aus ihnen fielen mit Luzifer in die Tiefe und bekämpfen und bedrängen nun mit all ihren Fähigkeiten Schöpfung, Engel und Mensch.

Was wissen wir über die geheime Strahlung, über Strömung im geistigen Sinn, über das Kraftfeld? Die Menschen kennen dieses höchstens von der glaubenslosen Wissenschaft her und denken nicht darüber nach, was Gott durch Seine Engel den Menschen anbietet und erkennen lässt. Was wir von St. Menim und seinen Brüdern lernen sollen, ist:

Sich der Wirklichkeit der Auseinandersetzung mit dem Widersacher bewusst sein und immer wach bleiben. Der Feind kommt selten beim Hauptportal herein, sondern meist auf den Hintertreppen, die ungeschützt sind.

Sich mit der Kraft Gottes so restlos auffüllen, dass kein Einbruch unbemerkt geschehen kann und überall schon die heiligen Engel zur Wache aufgestellt sind. Weil St. Menim aber Gewalt ist, müssen wir auch Gewalt anwenden und zu allererst gegen uns selbst.

Sich immer an möglichst vielen himmlischen und irdischen Stellen verankern: An dem Tabernakel, an den heiligen Gelübden, an Maria, an den heiligen Engeln, an einer festen und heiligen Gemeinschaft, um Rückendeckung zu haben gegen die Heimtücken der Hölle.

Auch St. Joseph ist vom Engel geweckt und gewarnt worden, obschon der Himmlische Vater mit einem Atemzug den teuflischen Herodes samt seinem Mordbefehl hätte vernichten können. So müssen auch wir hören, wenn Gott uns durch die heiligen Engel in diesen schweren Zeiten leiten und belehren will. An der Gnade und Hilfe Gottes ist noch jeder Angriff zerschellt.

Gebet: Herr, mein Gott, überlasse uns nicht den höllischen Bedrängern und ihren Helfershelfern auf Erden, sondern führe uns im Schutze Deiner Engel durch die Wogen dieser Zeit, wie Du einst Dein Volk in der Feuersäule des Engels durch das Meer geleitet hast. Lass uns auch an das ersehnte Ziel kommen, das Du bist, Du, unser Herr und Gott! Amen.

 

29. Dezember – St. Masa 4. n. Chor

Gott hat das Haus der Schöpfung fest gebaut. Es kann nicht leicht eingerissen werden, trotz aller Anstrengungen des höllischen Widersachers. Der Vater hat es für den Sohn gebaut und der Sohn für den Vater, und der Geist weht durch die ganze Schöpfung und erfüllt sie mit Licht. Engel und Mensch sind in wundervoller Harmonie innerhalb dieser Schöpfung aufeinander abgestimmt: Der Engel von oben herab, der Mensch von unter hinauf. Gewaltige Engel stehen als Ecksäulen an den vier Enden der Schöpfung; sie stehen aufeinander wie Himmelsleitern. Sie stoßen zuoberst ins Wolkendunkel um den Thron des Allerhöchsten über allen Himmeln, und sie stehen zuunterst auf dem Boden der Erde auf als die Eckpfeiler für das Gottesvolk der heiligen Kirche.

Als vier Säulen, jede eine Einheit eines gewaltigen Gedankengutes in sich, so lässt der barmherzige Gott Seine Liebe und Fürsorge den Menschen erahnen. Auch der Engel, der heute für uns vor Gottes Thron bittet, gehört einer dieser Ecksäulen an, und zwar der ersten, welche zuoberst "Heiliger Gott" heißt und diese Heiligkeit herabströmen lässt in neun Schalen von neun Engeln, einer unter dem anderen.

Schalen bedeuten hier Aufgabe, Gnadenmittlung im Maß Gottes. Der unterste Engel in jeder Ecksäule steht schon mitten im Schutzengeldienst. Er heißt in dieser ersten Ecksäule: Engel des lebendigen Lebens der Kirche. Und zwischen dem obersten und dem untersten Engel tragen die sieben: Die gefesselte Liebe Gottes als Leben, das Gelübde der Reinheit, die Gewalt der Kirche, die Reinheit der Kirche, die Lobopferkraft, die Anbetung und das Signum der Endzeit: "Deus Judex."

St. Masa, die Ecksäule aus dem Chor der Herrschaften, trägt die Reinheit als gelübdemäßige Bindung an Gott. Zum Symbol dessen sehen wir vor ihm ein Lamm auf einem flammenden Holzstoß. Denn Gelübde ist Opfer vor Gott, und Opfer soll man aus brennendem Herzen bringen, aus flammender Liebe. Auch das Herz der Gottesmutter hat gebrannt, als sie ihr neugeborenes Kindlein in heiliger, unberührter Jungfräulichkeit mit ihrem eigenen Herzen dem Himmlischen Vater aufopferte, Opfer zu Opfer aus Liebe zu Gott. Die Unschuld der jungen Seele geht oft in die Brüche, aber sie kann in der Reinheit und Lauterkeit der Reuetränen, in der Lauterkeit des Herzens wiedererworben werden durch das alles heilmachende Blut des Opferlammes Jesus Christus in Verbindung mit dem reinsten, unbefleckten Herzen Mariä. Diese beiden machen vor dem Vater wieder heil, was wir durch Schuld befleckten und zerbrachen.

Gebet: Herr, wie wenig haben wir die kostbare Gabe der Reinheit geschätzt und wie leichtfertig sind wir mit ihr umgegangen. Nimm Du die Scherben in unseren Händen und mache mit Deinem kostbaren Blute wieder alles neu. Nimm unsere Reuetränen, liebste Mutter, und du, heiliger Engel, unseren guten Willen und hilf uns, durch Buße zu ersetzen, was uns an Reinheit mangelt. Amen.

 

30. Dezember – St. Thamael 4. h. Chor

Das Mysterium der Menschwerdung liegt vor unseren Augen: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt."

Immer tiefer möchte man in die Knie und zu Boden sinken vor Anbetung, dass solches möglich war, dass Gott diesen für jedes Geschöpf völlig unüberbrückbar dünkenden Abstand zwischen Gott und Mensch, zwischen Seligkeit und Erbschuld, zwischen Heiligkeit und abgrundtiefer Bosheit wirklich überbrückt hat mit einer solchen Dynamik unwiderstehbarer Gottesliebe, mit einer solch letztlichen Demut, dass Er bis auf den Stallgrund in die Krippe von Ochs und Esel hinabstieg.

Der Mensch reagiert auf die Menschwerdung anders als der Engel. Beim Menschen ist es ein Freudenausdruck, der sich ausgießt in Äußerlichkeiten, in gegenseitigen Geschenken und Einladungen, wobei der eigentliche Grund meistens völlig verwischt wird. Nur zu schlau hat der Fürst der Welt den "Weihnachtsmann" statt des Kindleins in der Krippe aufgestellt, womöglich samt Klabauter, Schweinchen, Mistelzweig und Glücksklee. Die heiligen Engel aber knien in tiefster Anbetung, während das Mysterium der Heiligsten Geburt vor ihren Augen in festlicher Erinnerung abrollt, während sie wiederum sehen, wie St. Dimachiel, der Engel der Geburt, vor der werdenden Mutter kniet, ohne sie zu berühren, und tiefgebeugt sagt: "O Herr, unser Gott, wir bitten Dich, komm!" –, während sie wiederum sehen, wie St. Najim, der Engel der Wandlung des Todes, seinem Herrn und Gott ehrfürchtig im Schoß der Jungfrau das heilige Kreuzzeichen über all die Kinderglieder und den heiligen Leib zeichnet –, während St. Nun, der Engel der Bettler und Hirten und Geringsten, dem Kindlein ein hölzernes, kleines Schaf als Sinnbild größter Armut in die Hände legt und der erste Blick des Kindchens auf das Kreuz fällt, das St. Abbael hält.

Von dieser Sicht aus können wir auch verstehen, warum Gott so nahe an das Weihnachtsfest, nur wenige Tage später, St. Thamael stellt, den Engel der Gottesfurcht.

St. Thamael ist der vorletzte der sieben Engel aus dem Chorteil der Hohen Herrschaften, welche in ihren leuchtenden Schalen die sieben Gaben des Heiligen Geistes tragen. Die Gottesfurcht ist eine Gottesgabe, und wir nennen sie auch Ehrfurcht. Gottesfurcht ist ein Wissen um Gott, um Seine Größe, um Sein Göttliches Herabsteigen in der Erlösung. Ohne Gottesfurcht werden wir den Wert des Erlösungswerkes nie begreifen. Ohne Gottesfurcht werden wir nie den heiligen, flügelschnellen Gehorsam der heiligen Engel begreifen und selber erlernen. Ohne Gottesfurcht wird die Demut Mariens niemals auf uns übergehen. Alle Gaben des heiligen Geistes hängen zusammen; und so liegt in der Gottesfurcht auch die Gotteserkenntnis, die Gnade der Weisheit, des Starkmutes, der Frömmigkeit, wie umgekehrt in allen Gaben Gottesfurcht vorausgesetzt ist.

Gebet: St. Thamael, du großer, heiliger Träger der Gottesfurcht, lehre uns verstehen, dass Gottesfurcht nicht Angst vor Gott ist, sondern eine Gabe des Heiligen Geistes, des Trösters. Lehre uns Gott fürchten im rechten Maß und in der rechten Liebe. Amen.

 

31. Dezember – St. Edomiel 4. v. Chor

Die Engel aus dem Chorteil der Herrschaften, welche für die Endzeit versiegelt sind, tragen als Hauptaufgabe den endzeitlichen Kampf. Zu diesen Engeln gehören die vier Ecksäulen, welche als die vier Winde, die vier Wasser, die vier Geister, die vier Flammen von allen vier Enden der Welt hervorbrechen werden, wenn zur bestimmten Zeit die vier schwarzen Engel an den Ufern des Euphrat (das heißt, an den Ufern des lebendigen Lebens der Erde) losgebunden werden und als apokalyptische Mäher über die Erde kommen. Zu diesen Engeln gehören ferner die sieben Zornschalen-Engel, nach deren vollbrachter Arbeit der große Kampf aller Geister losbrechen wird, unter dem alle erdhafte Kreatur zugrunde geht. Zu diesen Engeln gehören die drei großen Gerichts-Engel und die drei letzten Ernte-Engel. Zu ihm gehören aber auch sieben große, stille und gute Engel, welche die Gemeinden Gottes siegeln als Eigentum Gottes, welche die Liebe und die Treue, die Pflicht und das Maß, das Wachstum und die Schönheit und die Barmherzigkeit Gottes in diesen Gemeinden einschließen werden, wenn draußen alles in Trümmer fällt.

Einer dieser sieben großen Siegel-Engel steht heute als Fürsprecher hier: St. Edomiel, der zuerst siegeln wird. St. Edomiel ist der Engel der Ordnung und Gesetzmäßigkeit der Liebe, des Maßes. Die Ordnung und Gesetzmäßigkeit, das Maß und die Mäßigung – sie werden also wohl als erste aus der zerrütteten Erde, die sich in den Kriegswirren wie in Fieberschauern schüttelt, gezogen und in die gewiss ziemlich kleinen Gemeinden Gottes verschlossen werden. Die Kriegsfurie wird weite Länder öde und unfruchtbar machen, und die Gemeinden Gottes werden zu Katakombenjahren Zuflucht nehmen. Dort aber werden die Heiligkeit und Reinheit, das Höchstmaß der Liebe in der Kirche zu ungeahnter Blüte kommen, und diese Zeit wird anbrechen, von der es im Evangelium heißt, dass schon die jungen Menschen Gesichte haben und die Menschen die Herrlichkeit des Reiches Gottes schauen dürfen. Was ist das Engelwerk und Engelwissen anderes als ein solches gnadenvolles Herabneigen des Reiches Gottes?

Gebet: Herr Jesus Christus, als armes frierendes Kindlein bist Du zu uns gekommen, uns zu erlösen aus unserer Sündenschmach und Not. Als Weltenrichter wirst Du einst wiederkommen zur Erde mit Deinen Engeln! Lasse uns, wir bitten Dich, in der Obhut jener stehen, die Du gesandt hast, die Gemeinden Gottes zu versiegeln gegen den letzten fürchterlichen Ansturm der Hölle. Lasse uns versiegelt sein, damit wir in Deinen Gemeinden Dich in Freude erwarten dürfen. Amen.