1. Februar – St. Geburah 4. n. Chor

Zwölf Engel hat Gott bestellt, welche als Engel der Liebe über die ganze Schöpfung gehen, vom Anfang der Zeit bis zum Ende der Zeit, und Gott ist Seinen Eigenschaften und Gesetzen, Seinen Gedanken über die Schöpfung hinaustragen bis zum letzten Hälmchen und kleinsten Geschöpf.

Der heute vor Gottes Thron steht, ist einer dieser zwölf, die heißen "Engel von Wort und Antwort". Er ist der sechste, St. Geburah, der die Gerechtigkeit Gottes in den Aufbau aller Schöpfung trägt.

Es ist ein wunderbarer Engel; wer Gott fürchtet, der braucht ihn nicht zu fürchten. Wer Gott wahrhaft liebt, der kann auch diesen Engel lieben. Uns kehrt er die geöffnete Hand zu, in der ein Schlüssel liegt. Der Schlüssel heißt Liebe. Wer viel liebt – wahrhaft im Sinne Gottes – dem wird viel vergeben werden, denn die Liebe deckt eine Menge Sünden zu. Gottes Gerechtigkeit ist gleich groß wie Seine Liebe, denn alles an Ihm ist im Göttlichen Maß. Freilich werden wir weder Seine Liebe ganz ausschöpfen noch Seine Gerechtigkeit ermessen, aber niemals wird Seine Liebe zu uns ohne Gerechtigkeit sein und niemals Seine Gerechtigkeit ohne Liebe.

Seine Gerechtigkeit zu fürchten haben bloß jene Menschen, die Gott verhöhnen und verspotten, missachten und übersehen. Seine Gerechtigkeit werden sie einmal nicht übersehen können. Dann wird ihnen der Engel der Gerechtigkeit, der uns den Schlüssel der Liebe reichen wird, wie ein riesenhafter Gigant vorkommen, der die Welt umspannt, dem nichts entgeht und nichts entrinnt, dessen Schwert niemand entkommen wird.

Uns aber soll St. Geburah nicht schrecken. Wir wollen uns rechtzeitig dem Gericht Gottes freiwillig überantworten, damit uns die Gerechtigkeit Gottes der Liebe Gottes übergebe. Die Größe dieses Engels, so erschreckend sie den anderen vorkommen mag, soll uns nur Ansporn sein, unsere Liebe immer mehr wachsen zu lassen, auf dass sie einst die gleiche Größe wie St. Geburah habe.

Gebet: Maria, du unsere Mutter, du Königin aller Engel, du bist die Mutter der schönen Liebe, du bist die Mutter der Barmherzigkeit; du hast alles im Gott wohlgefälligen Maß und so bist du auch der Spiegel der Gerechtigkeit.

Lehre uns die Gerechtigkeit Gottes lieben, lehre uns die Hand dieses Engels der Gerechtigkeit ergreifen und halte uns im Gericht, dass wir von der Liebe Gottes aufgefangen und auf ewig gerettet werden! Amen.

 

2. Februar – St. Elion 1. Chor

Wir Menschen können uns die heiligen Seraphim überhaupt nicht vorstellen. Denn wenn wir so leichthin sagen: "Ja, die Seraphim, das sind die Vielgeflügelten!", ist das so ähnlich wie wenn wir sagen: "Freilich können wir uns das Meer vorstellen: Es schlägt Wellen!"

Denken wie uns eine Feuersglut aufwärts, soweit wir nur schauen können, nur erahnen können, und eine Glut abwärts und eine nach allen Seiten, soweit es nur möglich ist, und diese Glut ausgedehnt in eine Weite wie ein Sonnensystem Und dies alles in ein Geschöpf geformt, so haben wir beiläufig den Umriss eines Seraphs. Und solcher sind einundzwanzig, und keines dieser ungeheuren Liebes-Sonnensysteme stößt ans andere oder blendet es und jeder Seraph dreht sich mühelos und mit ungeheurer Geschwindigkeit, jubelnd vor Glückseligkeit, um sich und um den Thron des Allerhöchsten und erweckt durch seinen Anblick ein himmlisches Höchstmaß von Jubel und Liebe und Seligkeit, das wir Menschen weder begreifen noch ahnen können.

Und dabei sind sie ja noch viel, viel herrlicher, als je eine Menschenzunge erklären kann. Sie sind das erste "Werde!" von der Göttlichkeit in die Geschöpflichkeit, sie sind die Gottnaheste Geschöpflichkeit. Wir Menschen können ja auch Gott nur in unseren kleinen irdischen Formen darstellen und niemals in Seiner Wahrheit und Wirklichkeit, vor Der die Engel zitternd sich verhüllen und auf ihr Angesicht niederfallen.

St. Elion heißt der Engel dieses Tages. Er ist ein Seraph des Vaters. Mit seinen beiden Brüdern, St. Jessi, dem Seraph des Sohnes, und St. Amen, dem Seraph des Geistes, sind sie zusammen ein Seraph und doch drei, die Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes. Sie heißen auch "Feuerrad der Endzeit", weil sie als drei glühende Räder über die Schöpfung laufen werden als Träger der flammenden Gerechtigkeit Gottes. Der Name Elion ist so viel wie "der Starke"; er wird das Wort Gottes rufen und auch durchsetzen:

"Angebrochen ist die Herrlichkeit und Gerechtigkeit Gottes, von nun an soll herrschen die Hand des Richters!"

Die Endzeit wirft ihre Schatten weit voraus. Und wenn uns Gott heute diesen Seraph als Fürbitter darstellt, so soll dies eine Mahnung sein, dass Gott der Vater auch für Maria nicht nur Liebe, sondern auch Gerechtigkeit verlangt. Die Mahnungen und Warnungen Mariä ergehen nicht umsonst an die Menschheit.

"Wachet auf, solange es noch Zeit ist!"

Gebet: Herr, richte uns nicht, ohne Maria, unsere Fürbitterin, gehört zu haben. Geh um Deiner heiligen Engel willen barmherzig mit uns ins Gericht, damit wir an ihrer Hand Dich preisen mögen. Amen.

 

2. Februar – St. Agriel 2. Chor

Bei der Kerzenweihe am heutigen Tag betet der Priester: "Herr Jesus Christus, Du wahres Licht, Das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt, heilige diese Kerzen durch das Licht Deiner Gnade. Wie diese Kerzen, vom sichtbaren Feuer angezündet, die Finsternis der Nacht verscheuchen, so lass in Gnaden unser Herz vom unsichtbaren Feuer, nämlich dem Lichtglanz des Heiligen Geistes, erhellt und von aller Sündenblindheit frei werden, damit wir mit reinem Geistesauge zu schauen vermögen, was Dir wohlgefällig und unserem Heile förderlich ist; dann werden wir aus dem Dunkel und den Gefahren dieser Welt zum unvergänglichen Licht gelange dürfen ..."

An dieses Licht müssen wir denken, wenn wir den Engel dieses Tages, den Cherub St. Agriel ansehen, der da heißt "Licht Gottes". Er ist ein Cherub des Geistes, er trägt also vor allem das Licht der Gnade, des Trostes, der Sendung. Er trägt aber auch das Licht "Jesus Christus", Das Maria heute im Tempel darstellt. Und er trägt endlich das Licht Maria selber, den Morgenstern, die Morgenröte, untrennbar mit ihrem Sohn verbunden.

Viele Engel tragen auf irgendeine Weise das "Licht Gottes". Aber man sieht schon aus der Symbolik die Verschiedenheit dieses Lichtes; die einen tragen es wie einen erhellenden Blitz (St. Aduachiel), die andern wie eine Schale (St. Jonael), also die einen als Symbol des kraftvollen Weitblickes und der zielsicheren, klaren Gotteserkenntnis, die andern als die breite, lichtflutende Macht des Gotteswortes im Evangelium. Wieder andere halten die Hand vor das Licht, damit die als Licht gekennzeichnete Liebe Gottes uns nicht verbrenne.

St. Agriel trägt das Licht Gottes gleichsam als seine eigene Wesenheit in sich. Er leuchtet von innen heraus, wie wenn er das Licht des Heiligen Geistes innen in sich hätte. Er hält die Hände hoch erhoben und sein Gewand ist eine einzige lodernde Flamme. So steht er da, ebenso Licht Gottes wie Liebe Gottes, wie Lob Gottes darstellend. Er hat wie alle Cherubim ein dreifaches Antlitz: Das des Cherubs des Vaters, St. Hod, der "Lob Gottes" heißt, und das des Cherubs des Sohnes, St. Samaliel, des Fürbitters, der den blauen Mantel und die Liebe Mariens in seiner Aufgabe trägt. Alle drei Cherubim sind als Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes ein Cherub, tragend das Licht der Liebe, der Kraft und des Lobpreises Gottes.

Gebet: Erbarme Dich, Herr, unserer Dunkelheiten und sende uns Maria, Deine Mutter, und Deine Engel voll Licht und Kraft, damit es hell um uns werde und wir Dich immer mehr erkennen und loben können. Amen.

 

3. Februar – St. Ariguel 4. h. Chor

Wenn man den Tages-Engel liest und betrachtet, so gehört auch die Lesung und Betrachtung des Tages-Heiligen dazu. Gott will ja, dass wir an der Hand unserer Engel selber Heilige werden, und wir sollen auch immer, hier und drüben, mit den heiligen Engeln vereint bleiben, also auch mit ihnen einmal genannt werden.

Heute hat uns Gott einen Engel der Barmherzigkeit vor Augen gestellt, weil es heute in der Epistel der Messe zu Ehren des heiligen Blasius heißt: "Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit. Er tröstet uns in all unserer Trübsal und so vermögen auch wir kraft der Tröstung, die wir von Gott empfangen, die zu trösten, die in allerlei Bedrängnissen sind ..." St. Ariguel ist ein Engel aus dem Chor der Hohen Herrschaften. Er ist einer der zwölf, welche nach dem Gericht über den zwölf Toren des Neuen Jerusalem stehen werden, um die Scharen der erlösten Menschheit in die himmlische Stadt einzulassen. St. Ariguel steht über dem achten Tor, dem der Barmherzigen, neben ihm wird St. Azariel, der Hohe Fürst, stehen mit dem Schleier Mariens und St. Gerudiel, der "Schemel Gottes", der Engel des Gleichmaßes. Beide sollen auch hier genannt sein, weil sie auch auf die Barmherzigen, welche St. Ariguel einlassen wird, Bezug haben. Unsere Werke der Barmherzigkeit sollen unter dem Schleier Mariens getan werden, also im Verborgenen und in der größten und liebevollsten Demut, im Schweigen Mariens. Und unsere Liebe soll im Maß und in der Ordnung sein, sagt St. Gerudiel; die Liebe Mariens ist das rechte Maß für uns! Auch St. Ariguel ist Engel der Liebe, des mütterlichen Trostes und der Heimholung. Er ist einer der vierzehn himmlischen Nothelfer und soll angerufen werden von den Flüchtlingen und Heimatlosen, den Arbeits- und Obdachlosen, den Entrechteten und Geknechteten, den Einsamen, Verlassenen, den Witwen und Waisen; man soll ihm die vermissten Lieben anempfehlen. Sie alle wird er einmal an seinem Tor in die himmlische Seligkeit einlassen. Sein Symbol sind die weitgeöffneten Arme und der Mantel, den St. Azariel und St. Gerudiel halten.

Gebet: Du hilfreicher und gütiger Engel, nimm dich dieses Elends der Menschheit an und führe die Kinder wieder in die Familie, die Familie wieder in ein Heim und sie alle in die ewige Heimat, wo ihre Tränen getrocknet und ihre wunden Füße gewaschen werden. Amen.

 

4. Februar – St. Esdrael 4. v. Chor

Die Liebe Gottes ist wie ein tausendfach geschliffener Kristall, und kein Mensch wird sie je in ihrer Ganzheit erfassen können.

Ein geschöpfliches Spiegelbild dieser Liebe Gottes sind jene Engel, welche als Engel der Liebe in der Schöpfung dienen. Sie tragen diese Liebe als Heiligkeit und Weisheit, als Allmacht und Gerechtigkeit, als Ordnung und Maß, als Schönheit und Harmonie und Barmherzigkeit über die Erde. Aber es ist für uns ein Geheimnis, dass auch die Engel der Endzeit, die Zornschalenengel und die Gerichtsengel, die Posaunenengel und die Ernteengel, alle Engel der Liebe Gottes sind.

Ein solcher Engel wird uns heute dargestellt; es ist St. Esdrael, der Engel des Blutes. Von dem dritten Gerichtsengel, St. Esdrael, heißt es in der Geheimen Offenbarung: "... ihm folgte ein dritter, der rief mit lauter Stimme: Wer das Tier und sein Bild anbetet und dessen Zeichen an seiner Stirne oder an seiner Hand trägt, soll trinken von dem Glutwein Gottes, der ungemischt in dem Becher Seines Zornes eingegossen ist. Mit Feuer und Schwefel soll er vor den heiligen Engeln und dem Lamme gepeinigt werden". (Offb. 14,10)

St. Esdrael wird, wenn seine Siegel gelöst werden und die Endzeit anbricht, überall auf der Erde Blut gegen Blut aufrufen, er wird das Blut Christi in den Seinen vom Blut der Welt scheiden und sie werden gegeneinander aufstehen. Dann gibt es keine Kompromisse mehr und nichts Halbes: "Wer nicht für Mich ist, der ist wider Mich", spricht der Herrn. Nach welcher Seite dann die Erntegarbe fallen wird – der Schnitter wird unvermutet kommen, – so bleibt sie liegen zum Tag der Ernte. Die Zeichen Gottes und die Zeichen Satans werden offenbar werden. Auch die Gerechtigkeit Gottes ist Liebe Gottes, denn der Herr hat als Erster das Recht, für Sich und Seine Ehre Rechtfertigung und Gerechtigkeit zu fordern. Und so ist auch St. Esdrael Engel der Liebe wie der Gerechtigkeit, wenn er das Böse vom Guten trennt und wie ein Bündel Unkraut dem Richter vor seinen Thron wirft zum letzten Richterspruch: "Weichet!"

St. Esdrael steht vor uns mit einem Schwert, das er in der Faust trägt; in der anderen Hand hält er einen mitten entzwei gespaltenen Ast, auf der einen Seite dürr, auf der anderen frisch. Über ihm steht der Seraph Amen, das Feuerrad der Endzeit, unter ihm steht der Engel der Macht der Liebe, der Ordnung in der Liebe.

Gebet: Herr und Gott! Lass uns von Deinen heiligen Engeln nicht gerichtet, sondern gerettet und zu Deiner Rechten gestellt werden! Amen.

 

5. Februar – St. Assarim 3. Chor

Wer ein Haus bauen will, der setzt sich zuvor hin und berechnet, ob er die Kosten decken kann; er überprüft den Bauplan und die einzelnen Aufträge.

So werden wohl auch die beiden großen Heiligen gehandelt haben, die wir heute feiern: St. Ingenuin und St. Albuin. Sie haben das Haus Gottes in unseren Landen mit dem besten Bauherrn aufgebaut, den es gibt: Mit Gott Selbst. Und ein solcher Baumeister, der mit Gott, Seinem Herrn, die Aufgaben zum Bau des Hauses Gottes in der Schöpfung vergibt, ist der Engel dieses Tages, St. Assarim aus dem Chor der Throne. Er ist einer der ersten Sieben, welche das Göttliche "Werde!" in sieben verschiedenen Formen der Schöpfung zuleiten.

St. Assarim trägt die gebündelte Gerechtigkeit in der Verteilung der Göttlichen Gaben und Aufgaben und ihre Umwandlung in die Geschöpflichkeit. Er trägt die Gerechtigkeit Gottes in Bezug auf die Heilung der Geschöpfe, er trägt das Göttliche "Werde!" ebenso zum Heil wie zum Gericht, dem besonderen und dem allgemeinen.

Von diesen sieben Engeln heißt es, dass sie vor Gott wie große Berge sind mit der Breitseite oben und der Spitze gegen die Schöpfung zu. Wenn uns Gott aber heute einen dieser Engel vor Augen stellt, so gibt Er ihm in seiner Güte eine solche Gestalt, dass wir auch wirklich einen Engel vor uns sehen, freilich so groß wie ein Turm. Es geht ein Lichtkegel durch ihn von oben bis unten, und in diesem Lichtkegel kann man das Symbol der Himmelsleiter erkennen, auf welcher die Menschen von der Erde zum Himmel steigen, Menschen, welche die Gerechtigkeit Gottes emporgehoben und in das Licht der heiligen Liebe gestellt hat, Menschen, die sich der Gerechtigkeit Gottes noch in ihrem irdischen Leben überantwortet haben und von ihr und durch sie geläutert werden. Diese Menschen sind nun selbst zu einem Thron Gottes geworden, zu einem Triumph der Göttlichen Gerechtigkeit und Heiligkeit; und Gott wird in ihnen ausruhen.

Gebet: Wer kann Dich ermessen und ausschöpfen, Du Heiliger, Starker, Unsterblicher Gott! Verfahre mit uns nach Deiner Gerechtigkeit, und wir werden das Göttliche "Werde!" in unserer hungrigen Seele hören, das sie, weil sie die Geringste ist, zu einem Thron der barmherzigen Liebe Gottes macht. Amen.

 

6. Februar – St. Sabritiel 6. v. Chor

Er ist einer der vierundzwanzig versiegelten Fürsten und damit dem Sohn zugeordnet. Die Engel des Sohnes, immer die mittlere Gruppe, sind in allen drei Chören, welche den Ring der Ordnung und Allmacht Gottes rings um die ganze Schöpfung bilden, versiegelt und damit erhalten sie endzeitlichen Charakter. Da sie alle – die Hohen, die Versiegelten und die Stillen Fürsten – Verwalter sind, sowohl der Gestirne als auch einzelner Teile der Schöpfung, so sind die Engel des Sohnes innerhalb des Chores der Fürsten die versiegelten Verwalter, das heißt, sie sind Fürsten über die Baustoffe der Erde und der ganzen Schöpfung, aber in gebändigtem, gedrosseltem Maß. Wenn diese Fürsten ihr Siegel gelöst bekommen, so werden die von ihnen verwalteten Elemente und Baustoffe auch ihrerseits die Fesseln sprengen, ihre Gesetze brechen und durch ihre Wucht das Ende der Schöpfung herbeiführen oder beschleunigen.

St. Sabritiel ist Fürst über den Kalk als Baustoff und Wesenheit der Erde. Darum trägt er als Symbol ein ganz schlankes, hohes, durchsichtiges Gefäß aus Alabaster. St. Sabritiel hilft uns die irdischen Häuser bauen, unsere Heimstätten, Straßen und Brücken, aber auch das Haus Gottes auf Erden, unsere Kirchen. Er hilft uns bis in die kleinsten Verwendungen des von ihm verwalteten Stoffes zum Leben in der Schöpfung.

Das ist aber nicht seine ganze Aufgabe; er stärkt auch unser geistiges Rückgrat in den meist heimlich schleichenden Angriffen des Bösen, in der Zermürbung und Zersetzung und Resignation und Nivellierung unserer Tage. Er verleiht unserem Charakter Festigkeit und Bekennermut. Er lässt die Knechte und Mägde Gottes in den Stürmen der Gottlosigkeit feststehen auf dem Boden der Treue zur Mutter Kirche, wie die Berge unserer Heimat feststehen. Er hilft uns endlich, die Wohnung zu bauen für die ewige Heimat, ein fest und sicher stehendes Kapellchen mit einem Tabernakel, für den Einen Denar als Lohn.

Das Gefäß aus Alabaster, das St. Sabritiel trägt, soll das Bild des reinen, edlen Gefäßes sein, das unsere Seele hier auf Erden werden soll, ganz durchscheinend in der Liebe Gottes, gefüllt mit Seiner Gnade und Seiner Liebe.

Gebet: Großer, heiliger Fürst, lass uns nicht innerlich verkalken vor Hochmut und Engstirnigkeit und Herzenskälte! Lass alle Anstürme der Welt in unseren Händen zu Mörtel werden, damit wir uns eine ewige Wohnung mit jenen Steinen bauen, die die Welt auf uns wirft, ein Haus, das der Herr Selbst einsegnet und in dem Er wohnt. Amen.

 

7. Februar – St. Menijim 6. v. Chor

Stumm steht er vor seinem Herrn, mit gefesselten Händen und Füßen. Groß und dunkel ist er wie eine monumentale alte Holzfigur in einem gotischen Dom. Nur seine Augen leuchten und sprechen das Fiat zu seiner schweren Aufgabe, so viele Jahrtausende hindurch zusehen zu müssen, wie der höllische Widersacher den Stoff, der seiner Obhut anvertraut ist, knechtet und schändet und verändert. Ja, schweigend muss er dem zusehen, er, der Fürst und Verwalter allen Stoffes.

Aber Gott weiß, was Er tut. Er weiß auch, warum St. Menijim, Fürst des Stoffes und Ecksäule unter den Versiegelten Fürsten, versiegelt sein muss für die Endzeit. Jetzt steht der Mensch mit seinem freien Willen zwischen Gut und Böse, und alle Materie soll ihm nach dem Willen Gottes untertan sein. Wenn sich heute die Materie aufbäumt gegen den Menschen, so stehen dahinter nicht die guten Engel, denn Gott will nicht die Vernichtung des Menschen durch den Stoff, sondern die Rettung des Menschen. Hinter der Auflehnung der Materie stehen jene Dämonen, welche mit Explosionen und Lawinen, mit Feuersbrünsten und Überschwemmungen, Blitz- und Hagelschlägen, Missernten und Missgeburten arbeiten und die Menschheit quälen und einschüchtern, ins Unglück und zur Vernichtung bringen wollen. Wenn Gott St. Menijim versiegelt – Symbol dessen sind die Ketten – so will Er damit sagen, dass Er das Aufbäumen des Stoffes unter der satanischen Peitsche zulässt, damit der Hochmut der Menschen nicht ins Unermessliche steige und in der Stunde der Not auch eine Stunde der Besinnung komme, wo der Weg zu Gott neu gefunden werden kann, wenn er dann auch meist steiler ist.

St. Menijim steht mit noch drei Fürsten, die alle versiegelt sind, als Ecksäulen im mittleren Chor der Fürsten; sie sind: Jachim, der Fürst des Sturmes, Bairim, Fürst des Wassers und Messijim, Fürst des Feuers. Sie halten diese Grundstoffe versiegelt, einesteils zum Wohl der Menschheit, andernteils zur Prüfung der Menschen. Denn wenn diese Grundstoffe frei werden, so wird ihre Macht mit Sturm und Wasser und Feuer über die Erde rasen und das Ende herbeiführen. Dann wird, wenn das Siegel von St. Menijim gelöst sein wird, auch das Signum sichtbar werden, das dieser Fürst verhüllt trägt. Es ist das Wort "Deus Judex". Er wird es am Tag des Gerichtes an eine der vier Wände der Schöpfung, der vier Himmelsrichtungen schreiben; jeder der vier Fürsten hat solch ein Signum, ein noch verhülltes Wort, das dann von aller Welt zu sehen ist und nach welchem die Menschheit gerichtet wird. Deus Judex heißt: Einer ist der Richter: Gott! Er wird als Richter kommen, zu richten die Lebendigen und die Toten, unweigerlich wird Er kommen, weil Er es gesagt hat, Er, Gott Selbst.

Gebet: Herr, Göttlicher Richter, sei uns Erbarmer! Ihr heiligen Engel, steht uns bei, dass wir uns rechtzeitig läutern lassen durch euch, um einst im Gericht bestehen zu können. Amen.

 

8. Februar – St. Lazariel 5. h. Chor

Es ist keine Brücke zu finden zwischen den rosigen Putten unserer Barockkirchen und den großen, gewaltigen Engeln Gottes; Gott hat die Engel nicht als Spielzeug erschaffen, als Unterhaltungsobjekt, so wie ein Pascha sich mit einer wimmelnden Unzahl von Sklaven und Tänzerinnen umgibt. Jeder einzelne Engel ist Ebenbild Gottes, ist ein Ausdruck der Kraft und Macht und Souveränität Gottes der ganzen Schöpfung gegenüber. Selbst die zartesten Engel, die schlanken, aufgeschossenen Kindern gleichen, tragen den Ernst und die Größe Gottes auf ihrem Angesicht geschrieben. (Wenn die Himmelskönigin sich bei manchen Erscheinungen mit lieblichen Kindern umgeben hat, so sind das nicht Engel, sondern in der Himmelsglorie um die Himmelsmutter gescharte heilige Kinderseelen.)

So ein gewaltiger Engel, der nicht mit den landläufigen weichlichen Engeldarstellungen in Einklang zu bringen ist, steht heute vor Gottes Thron. Er ist aus dem Chor der Gewalten, den Trägern des Willens Gottes. Jeder Chor ist voll Maß und Harmonie, jeder Chor ist dem Vater, dem Sohn, dem heiligen Geist zugewandt. Am deutlichsten ist diese klare Teilung bei den drei mittleren Chören im Ring der Allmacht und Ordnung Gottes zu erkennen, bei den Herrschaften, den Gewalten und den Fürsten. Hier ist jeder Chor dreigeteilt: Das erste Drittteil, die Hohen, sind dem Vater zugewendet, das zweite Drittteil, die Versiegelten, dem Sohn, das dritte Drittteil, die Niederen oder Stillen, dem Geist.

St. Lazariel gehört zu den Hohen Gewalten. Diese mächtigen Engel tragen den Willen Gottes in ruhiger Kraft als das Bündnis Gottes mit den Menschen. Sechs von ihnen tragen das Bündnis Gottes mit dem Alten Bund, sechs dieses Bündnis mit dem Neuen Bund. Zu letzteren gehört St. Lazariel. Er trägt den Bund Gottes mit St. Joseph und dem ganzen Corpus Christi Mysticum. Dieser Stillste der Größten, der unscheinbare Zimmermann von Nazareth, hatte nach dem Willen Gottes die reinste Mutter und das menschgewordene Wort auf Erden zu behüten. Er ist dadurch zum Nährvater der ganzen Menschheit geworden. "Gehet zu Joseph!" singt die heilige Kirche, denn er ist ihr Schutzherr. Auch St. Joseph ist ein klarer Spiegel Gottes; er spiegelt in der Treue, im verborgenen Starkmut, in der ruhigen Statik des Tragens seiner Aufgabe, in der Besorgtheit um die Seinen den himmlischen Vater wider. Dies sehen wir an St. Lazariel, der als Symbol die Zimmermannswerkzeuge trägt zum Bau der ganzen heiligen Kirche.

St. Lazariel, der hohe Engel des Bundes des Vaters mit dem Corpus Christi Mysticum, braucht Zimmermannswerkzeuge, dass alles nach dem rechten Maß und im Lot gefügt wachse und werde nach dem Willen des Vaters und unter der Obhut St. Josephs.

Gebet: Sankt Joseph, Schutzpatron der heiligen Kirche, stell Deine Engel uns zur Seite, dass wir im rechten Maß befunden werden vor dem Vater. Amen.

 

9. Februar – St. Dual 9. Chor

Er hat einen hohen Engel, dem er zugeordnet ist, Alphareth, den Engel der Antwort, der den Regenbogen spannt über die Schöpfung, über Engel und Mensch, bis hinauf zum Thron des Allerhöchsten. Während aber Alphareth als Symbol eine wunderbare Muschel trägt, hat St. Dual, der heute an Gottes Thron als Fürbitter steht, eine Tafel weißen Wachses in seinen Händen. Was bedeutet sie?

St. Dual hat von Gott die Aufgabe, "Zeugnis zu geben". Gott hat ihn aus dem neunten Chor heraufgeholt in den vierten, zu den Herrschaften, den Engeln der Liebe. Aber wir müssen uns immer vor Augen halten, dass die Liebe Gottes ebenso gewaltig ist wie die Gerechtigkeit Gottes und dass der Mensch, geprüft von der Liebe Gottes, sich selbst richtet im Gericht der Gerechtigkeit Gottes. Hier ist die Aufgabe St. Duals.

Keine unsrer Taten ist vergessen vor dem Ewigen Richter. Wie leichtsinnig leben wir dieses Leben und bedenken gar nicht, dass St. Dual alle unsere Gedanken, Worte und Werke auf seinen Wachstafeln wie Abdrücke festhält und wir diese alle am Ende unseres Lebens wieder erblicken werden. Da ist nichts vergrößert oder verkleinert oder falsch wiedergegeben und wir tun gut daran, uns "Freunde für diese Stunde" zu verschaffen, die für uns bürgen und einstehen. Das sind unsere großen Heimstätten, das Herz des Herrn, das Herz der Mutter. Das sind unsere großen Fürbitter, St. Joseph und die Heiligen, die uns nahe stehen, unsere lieben heiligen Engel, wenn wir uns fest an ihre Hand halten. Hat nicht der Herr Selbst gesagt: "Wer viel liebt, dem wird viel vergeben?" Also lieben wir mit aller Kraft! In der Liebe Gottes und durch die Liebe Gottes können wir vor der Gerechtigkeit Gottes bestehen.

Gebet: Heiliger Engel, wir bitten dich, trage vor allem unsere Sehnsucht und unsern Willen, es dem Herrn recht zu machen, vor Gott, und denke bei unsern Sünden der Trägheit und Gleichgültigkeit, der Falschheit und Ichsucht an unsere erdgebundene Schwäche, die uns wohl seufzen und aufschreien, aber nicht aufstehen oder gar Gott entgegenfliegen macht. Gieße zuerst die Barmherzigkeit Gottes über uns aus wie ein Licht und erst in diesem Licht zeige unser Werk, das wir zitternd hinhalten, den Augen unseres Herrn und Gottes – und bitte für uns, dass uns der Herr gnädig sei! Amen.

 

10. Februar – St. Passachiel 4. v. Chor

"Der Herr wird kommen wie ein Dieb in der Nacht; selig der Knecht, den der Herr bei Seinem Kommen wachend findet."

Das ist ein dunkles Wort; wir müssen es nur von Gott her und von Seinen Engeln und Heiligen her betrachten. Dann wird uns der Zusammenhang mit Gott und den heiligen Engeln, der heiligen Kirche und den Heiligen im Himmel und der ringenden Seele auf Erden in erschütternder Klarheit aufgehen.

In den Messtexten diese Tages lesen wir: "... wenn du die Fesseln aus deiner Mitte entfernst ... (also die Fesseln der Lieblosigkeit, der Kälte und Fahrlässigkeit) ... und aufhörst, mit dem Finger zu zeigen, ... so wird dein Licht erglänzen in der Dunkelheit ... und du wirst sein wie ein wasserreicher Garten ..." Und im Evangelium lesen wir vom Sturm auf dem See Genesareth, wie der Herr in der Nacht über die Wellen daher kam zu den Jüngern im Fischerboot, und der Sturm sich legte.

Im Gedanken aber an die Heilige diese Tages, St. Scholastika, halten wir uns das Gleichnis von den klugen Jungfrauen vor Augen, die ihre Lampen bereithielten auch in später Nachtstunde, und auf einmal kam der Bräutigam und sie gingen mit ihm ein zur Hochzeit. Die aber ihre Lampen nicht bereithielten, mussten die Worte hören: "Ich kenne euch nicht!" "Wachet also, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde!"

Und da steht der Engel. Es ist St. Passachiel, der zweite der sieben Zornschalenengel aus dem Chor der Versiegelten Herrschaften. Er ist Engel des Sohnes und darum Engel der Endzeit. Er ist aber auch Engel der Liebe; wahrlich dunkel ist diese Liebe Gottes und wie ein Sturm auf dem Meer! Noch hat St. Passachiel sein Siegel wie einen goldenen Gürtel über seiner Brust; er steht unbeweglich. In seiner Hand aber hat er eine goldene Schale voll feuerflüssigen Lichts, wie eine Fackel; er hat sie von einem der vier Lebenden Wesen, dem Adler, erhalten. Er wartet auf den Wink seines Herrn, Der kommen wird wie ein Dieb in der Nacht, Der die Siegel Seiner Engel lösen wird; wir wissen weder den Tag noch die Stunde. Und wenn St. Passachiel seine Schale über die Weite der Erde und über alles Leben, das in diesen Tagen einem Meer im Sturm verglichen werden kann – einer dunklen, stürmischen Nacht – ausgießen wird, dann wird die lebendige Liebe, dieses Licht im Leben, dieses lebendige Wasser, erstarren wie Totenblut, es wird die Liebe gerinnen und im Sturm unterzugehen drohen, es wird die Lampe verlöschen wollen. Dann, Knechte und Mägde Gottes, seid bereit auf die Ankunft des Herrn! Lasset das Licht eurer Bereitschaft wohlbehütet sein, so wie es heißt: "Jeder habe Licht! – in seinem Haus, es soll ununterbrochen brennen, wenn Phase ist, Vorübergang des Herrn." Das Licht ist euer waches "Adsum!" wann immer der Herr ruft!

Gebet: Herr, groß und gewaltig bist Du in Deinen Geschöpfen, Deinen Worten und Werken. Mit wachen Sinnen wollen wir Dir unser brennendes Herz entgegenhalten, wenn Du kommst, sei es wann immer. Wir wollen Dich mit Deinen Engeln und Heiligen preisen in Ewigkeit. Amen.

 

11. Februar – St. Muriel 2. Chor

Wenn wir auf Erden auch manche Feste unserer Himmelskönigin durch die Hast der Zeit übersehen oder vergessen, im Himmel ist nichts vergessen oder übersehen. An allen Tagen, an denen die heilige Kirche auf Erden unsere himmlische Mutter feiert, ist auch im Himmel ein Fest, nur viel feierlicher, gewaltiger und inniger als auf unserer kalten Erde.

Am 11. Februar 1858 erschien die Unbefleckte der kleinen Bernadette Soubirous in Lourdes und machte von da an diese Stelle zu einer Gnadenstätte für die ganze Welt. Wir haben es nicht gesehen, wie viele Engel damals ihre Königin bei ihrer Sichtbarwerdung umschwebten, aber wir können uns denken, dass jeder gerne mitgekommen ist und sich gefreut hat über diese unendliche Herablassung Mariens und über die kleine, reine Unschuld Bernadettes.

Darum will auch Gott, dass heute jenes Engels gedacht werde, der nach dem Pfingstfest der Begleiter der Apostel war und der nach dem Tode der Gottesmutter diese mit Leib und Seele im Triumphzug aller Engel in den Himmel trug. St. Muriel, der sich nennt: "Die Kraft der Göttlichen Sendung." Er gehört zu den Cherubim, den Trägern der Kraft, den Engeln des Wortes. Die Cherubim sind im besonderen die Engel und Begleiter der Zweiten Göttlichen Person. Wir müssen sie uns vorstellen voll ungeheurer Kraft, wie auf- und abwärts zuckende riesige Flammen, wie feurige Engel mit Flügeln nach auf- und abwärts, so lang und so spitz – einem leuchtenden Schwerte vergleichbar. Sie sind die obersten Träger der Erlösungsgedanken des Sohnes mit der ganzen Durchschlagskraft, die den höchsten Ersterschaffenen möglich ist. Da ist nichts von einem süßlichen Verneigen und Flügelschlagen, wie es eine schwächliche Kunst uns glaubhaft machen möchte. Der Tritt eines Cherubs – und die Erde gerät aus ihren Fugen. So müssen wir die Engel Gottes sehen!

Die Cherubim sind, wie die Seraphim, in der Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes dreifach; je drei bilden ein Ganzes. So hat auch St. Muriel zwei Brüder: St. Malachiel, den Cherub, der "Klarsicht", "Fundament" heißt und die Klarsicht auf Gott im Fundament von Glauben, Hoffnung und Liebe trägt, und den Cherub St. Jesod, der das Wort des Vaters als lebendige Klarsicht trägt, so wie St. Muriel das Wort des Geistes uns als gnadenvolle Klarsicht darstellt.

Dieses Wort des Geistes heißt: "Komme! Komme! Komme!"

Gebet: Komm, o Geist der Heiligkeit aus des Himmels Herrlichkeit, sende Deines Lichtes Strahl! Komm, der Armen Vater Du, komm, der Herzen Licht und Ruh mit der Gaben Siebenzahl! Amen.

 

11. Februar – St. Seraphiel 5. n. Chor

Verstehst du, Mensch, die Gewalt des Bittopfers? Siehe diesen Engel, der heute vor Gottes Thron steht: Er trägt diese Gewalt. Er hält im Priester dem Himmlischen Vater den Kelch mit dem Wein und das Brot auf der Patene entgegen: "Ecce!" Wer kann besser für uns bitten als unser Herr Selber in den Gestalten von Brot und Wein, in dieser Gebundenheit an solch ärmliche irdische Form? Was soll den Himmlischen Vater mehr rühren, als Seinen einzigen Sohn so bitten zu sehen?

Der Engel steht hier für alle Bittenden auf Erden. Er steht vor allem hier für die, welche vor Gottes Angesicht als erste für die Menschheit bitten sollen: Für die Priester. Er ist ein Engel der Gewalt, der unter den Cherubim, den Engeln des Wortes, steht und von diesen den Strom der Kraft empfängt.

St. Seraphiel selbst, der Engel der Bittopferkraft, gehört zum dritten Drittteil der Gewalt, nämlich zu den Niederen oder Kreisenden Gewalten. Dieses Drittteil steht im besonderen unter der Leitung des Heiligen Geistes, des Geistes der Liebe. Die Gewalt in diesem Chorteil ist auch Gewalt des Willens Gottes. Während aber das erste Drittteil – die Hohen Gewalten – das Bündnis Gottes mit den Menschen durch die Gewalten des Glaubens trägt, die Mittleren oder Versiegelten Gewalten wiederum den Willen Gottes als Spannung, Forderung und reine Gewalt tragen, leiten die Niederen oder Kreisenden Gewalten den Willen Gottes in Liebe und Ordnung, Maß und Harmonie in die Schöpfung und bringen die Antwort in der Kraft des Heiligen Geistes wieder.

So ist auch St. Seraphiel. Er hält die größte Bittopferkraft aller Zeiten – Leib und Blut unseres Herrn – symbolhaft dem Dreieinigen Gott entgegen. Er steht hier für die ganze ringende, bittende Menschheit als Gewalt, die an das Herz des Vaters greift. Diese Gewalt wird von der Liebe gesteuert. Die geschöpfliche Liebe ringt mit der Göttlichen Liebe, und Gott Selbst, der Sohn, stellt Sich auf die Seite der Geschöpfe und tut dem Herzen des Vaters Gewalt an durch die Liebe. Der Name "Seraphiel" sagt schon, dass die Gewalt der Bittopferkraft, welche dieser Engel trägt, die Liebesgewalt ist, durch welche der Sohn den Vater bittet.

St. Seraphiel ist zugleich Ecksäule: Über ihm stehen St. Sederim, der gewaltige Engel der Gegensätzlichkeit, und St. Dichael, der die Gewalt der gefesselten Liebe des Dreieinigen Gottes trägt. Unter St. Seraphiel stehen St. Raphael, "der Liebespfeil Gottes", und St. Phatiel, der Engel der selbstvergessenden, dienenden Barmherzigkeit.

Gebet: Heiliger, großer Engel der Bittopferkraft, der du die Liebe unseres Erlösers bittend für uns emporhältst, erflehe uns die Gnade, in unseren Bitten zu glauben, zu hoffen, zu vertrauen auf die unendliche Liebe und Fürsorge Gottes und zufrieden zu sein mit dem, was diese Liebe und Göttliche Fürsorge uns gewährt, weil sie die Liebe ist. Amen.

 

12. Februar – St. Nehemiel 4. v. Chor

Es gibt in den neun Engelchören Engel des Vaters, Engel des Sohnes, Engel des Heiligen Geistes. Sie sind in jedem Chor zu finden, obwohl ganze Chöre dem Vater oder dem Sohn oder dem Heiligen Geist zugeordnet sind. Weil aber im Dreieinigen Gott immer Vater und Sohn und Geist gleicherweise Eins und doch Drei sind, so sind auch in jedem Chor dreierlei Engel und doch alle einer Göttlichen Person zugeordnet.

So ist es auch im Chor der Herrschaften bei St. Nehemiel, den uns der Herr heute vor Augen stellt. Dieser große, schlanke Engel mit der Binde über den Augen zum Zeichen des Versiegeltseins gehört zum vierten Chor der Engel, den Herrschaften. Der ganze Chor der Herrschaften ist dem heiligen Geist unterstellt und daher sind alle Engel der Liebe in diesem Chor. Sie stehen unter dem Chor der Seraphim und empfangen von diesen den Gnadenstrom der Liebe aus dem Herzen Gottes.

Dieser Chor ist in sich dreigeteilt: Das erste Drittel wird von der Liebe des Geistes geleitet, das zweite Drittel von der Liebe des Sohnes, das letzte Drittel von der Liebe des Vaters. Jene Engel in der Mitte, welche von der Liebe des Sohnes geleitet werden, sind alle versiegelt für die Endzeit, sie sind also Engel der Liebe unseres Herrn Jesus Christus. Sie sind ihrer vierundzwanzig. Das Siegel wird ihnen erst gelöst, wenn die Flammen der Erde zum Himmel schlagen. Dann werden sie über die Erde gehen mit dem Widerschein der Flammen auf ihrem Angesicht, ebenso viel Liebe wie Gerechtigkeit tragend. Sie sind in sich geteilt zu drei und sieben und nochmals drei und sieben, dazwischen stehen die vier Ecksäulen. Die ersten drei sind die Gerichtsengel, die zweiten drei die Ernteengel. Die ersten sieben sind jene, die ausgehen, die Gemeinde Gottes zu siegeln vor dem Ansturm des Bösen, die zweiten sieben sind die Zornschalenengel.

St. Nehemiel gehört zu jener Gruppe, welche die Gemeinden Gottes siegelt. Er ist Engel der Liebe, des Wachstums, des Werdens. Wenn der Rote Hahn des Bösen die Welt zündet, wird das Siegel des Engels gelöst und er wird alle Gemeinden Gottes in der Liebe siegeln vor dem Ansturm des Bösen. Er wird das Wachstum der Erde versiegeln, so dass es aufhören wird, aber er wird es siegeln für die Gemeinden Gottes, dass es in ihnen verbleibe und blühe und Frucht bringe, während draußen die Welt und alle Ordnung der Welt aus den Fugen geraten wird.

Gebet: Du, o Herr, bist wahr; Du wirst uns versiegeln vor den höllischen Angriffen und wirst uns wachsen und blühen lassen und Frucht bringen für Dich, Du unser Herr und Gott! Du seiest gepriesen in Ewigkeit. Amen.

 

13. Februar – St. Pithormim 5. v. Chor

Die neun Chöre der heiligen Engel stehen in Ternaren oder drei Ringen um den Thron des Allerhöchsten. Drei große Gnadenströme fließen von diesem Zentrum: Gott, herab über die Engelchöre, welche sie an die Menschen weiterleiten. Die drei Ströme sind: Der Strom des Lebens, fließend über die Throne, die Fürsten und die Engel; der Strom der Kraft (des Wortes) über die Cherubim, die Gewalten und die Erzengel; der Strom der Liebe über die Seraphim, die Herrschaften und die Mächte.

So steht jeder Engel in einem der drei Ströme, der ihn färbt in seiner Eigenart. Aber auch jeder höhere Engel gibt von seiner persönlichen Eigenart wieder durch den über ihn herabkommenden Gnadenstrom an die im Rang gerade unter ihm stehenden Engel ab.

So auch St. Pithormim, der Fürbitter des heutigen Tages, der Engel mit den Schlüsseln zum Abgrund. Er gehört zu den Gewalten. Die Gewalten stehen als fünfter Chor in der Mitte der neun Engelchöre. Und in der Mitte der Gewalten stehen die Versiegelten Gewalten um Sederim, den Engel des Widerspruchs, der Gegensätzlichkeit. Unter den Gewalten ist – symbolhaft – der Boden gegen den Abgrund, gegen die Hölle zu, am dünnsten, er bebt fortwährend unter dem ungeheuren Druck der 72 Gewalten des Himmels, denen einundsiebzig höllische Gewalten von unten her gegenüberstehen.

St. Pithormim steht bei den Sieben Brüdern der Tiefe, rechts von St. Sederim, während die Sieben Brüder der Seele links von St. Sederim stehen. Diese haben wohl den allermeisten Druck auszuhalten. Über St. Pithormim, und diesem den Strom der Kraft zuwendend, steht der Cherub St. Nachiel, der Engel der Bereitschaft, der Engel der Endzeit. Er gehört zu den kraftgewaltigsten aller Cherubim, er hat Gott den Schöpfer über die Wolken getragen, er trägt noch jetzt bis zum Ende der Zeit die Bereitschaft. Diese Kraft lässt er auf St. Pithormim überströmen und mit dieser Kraft, die seine eigene Gewalt auf ein Vielfaches erhöht, hält St. Pithormim die Schlüssel zum Abgrund, hält ihn versiegelt und verschlossen. Erst wenn Gott es will, und keinen Moment früher, wird er mit dem Lösen seines Siegels den Abgrund öffnen und Millionen Verdammte werden diesem Abgrund der Hölle entsteigen und noch ein letztes mal die Erde überfluten, aber nur, um die Posaune des Gerichtes vernehmen zu müssen, die ihnen ihr endgültiges "Weichet!" ankündigt. Mag Dämon um Dämon rütteln an diesen Toren der Hölle, keinen Schritt breit weicht St. Pithormim, der getreue Wächter, zurück. Unter ihm im Rang der Erzengel steht St. Michael, der schon einmal Sieger war über Luzifer, und der in der Kraft St. Pithormims und St. Nachiels auch den wütendsten Letztangriffen der Höllenfürsten standhält.

Gebet: Hüte uns, heiliger Wächter, dass der Höllenabgrund sich nicht auftue, bevor wir nicht geborgen sind im himmlischen Vaterhaus; bevor nicht die Posaunenengel schon stehen, das Ende jeglichen Kampfes anzukünden. Amen.

 

14. Februar – St. Samiel 5. n. Chor

Er steht leuchtend im Widerschein des göttlichen Feuers und hebt eine Kugel empor, in der sich dieses Feuer bricht, weißstrahlend und rotglühend. Es ist St. Samiel, der die Gewalt des guten Wollens trägt. Dieses gute Wollen ist schon die Antwort des Menschen an Gott. Gott ruft den Menschen erst an: "Willst du?" Und der Engel St. Samiel, der diesen Willen Gottes in die Schöpfung hinausträgt, zeigt den Menschen das Feuer der Liebe, das hinter diesem Anruf steht, das dreifache Feuer:

Das Feuer der Güte Gottes, des Vaters, das lebendige Feuer dieses Vaterherzens, das dich schuf, Mensch;
das Feuer der Kraft Gottes, des Sohnes, das feurige Schwert, das die Fesseln der Sünde zerschlägt und die Türe des Himmels aufstößt, für dich;

das Feuer der Liebe Gottes, des Geistes, die Flammenzunge, die den Menschen durchglüht und empor reißt ans Herz Gottes, die dich heil und selig macht! St. Samiel ist nicht umsonst Gewalt, Niedere Gewalt, welche den Willen Gottes als Aufbau in der Schöpfung trägt und die Antwort mitbringt. Er ist ein so leuchtender, ja unwiderstehlicher Engel: Er zeigt uns alles von der guten, heilsamen, hoffnungsreichen Seite, er löst die Spannungen und Zweifel, er macht das Unharmonische harmonisch, er löst das letzte bisschen guten Willen im Menschen aus und lässt das Feuer der Liebe, der Kraft und der Güte Gottes immer wieder in die erkalteten, vermoderten, versumpften, verholzten, verbogenen Herzen hineinleuchten, bis endlich ein Flämmchen der Liebe oder der Kraft eines guten Wollens Antwort gibt. Der Name dieses Engels ist nicht umsonst "Wandlung". Er bringt das Feuer der Liebe Gottes nach dem Willen Gottes in die Herzen der Menschen, damit sie sich wandeln und selber zu leuchten und zu brennen beginnen im guten Wollen und ihren Willen schließlich ganz einbetten in den Willen und die Liebe Gottes. Er steht als Gewalt im Gnadenstrom der Kraft des Wortes, der ihm über die Cherubim zukommt, und gibt diesen Strom samt der Gewalt seiner persönlichen Eigenart weiter an die Erzengel, besonders aber an St. Jophiel, den "Umpflüger", der auch die Menschen wandeln will in der Tiefe und Innerlichkeit, in der Sehnsucht nach Gott, besonders aber im heiligen Sakrament der Buße.

Gebet: Herr und Gott, sende uns Deinen guten Engel, dass er seine Gewalt zu unserm Wollen lege. Denn wir selber sind zu schwach und feige und bequem, um unser eigenes bisschen Wollen in die Tat umzusetzen. Gib Deinem Engel ein Schwert in die Hand oder eine Geißel, damit wir ihn spüren in unserer Trägheit! Gib, dass er Funken schlägt aus dem Stein unseres Herzens, damit wir in unserem Wollen Dir entgegen leuchten und Du nicht umsonst Deine Liebe an uns so sehr verschwendest. Dich wollen wir, Herr, nur Dich, in alle Ewigkeit. Amen.

 

15. Februar – St. Asriel 9. Chor

Er nennt sich "der Scharfe", und wir erschrecken bei diesem Namen. Und doch haben wir vielleicht alle schon Bekanntschaft mit ihm gemacht und dadurch Gnaden gewonnen.

Er trägt kein Schwert, sondern eine hell leuchtende Geißel, deren Enden wie Blitze zucken. Und er hat ein ganz gütiges Gesicht, aber große, wachsame Augen. So steht er heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron, ruhig, versunken in Anbetung, aber jeden Augenblick bereit, auf einen Wink Gottes seiner Aufgabe nachzugehen. Welches ist seine Aufgabe?

Der Engel, dem er dient, und jener, der über ihm steht, sprechen seine Aufgabe aus. Dem er dient, das ist St. Harachim, der zweite der Sieben Brüder der Seele. St. Harachim hat die Aufgabe, das Samenkorn aus dem Halm zu schlagen, das heißt die Seele, die sich Gott als Opfer angeboten hat, aus ihren liebgewonnenen Gewohnheiten und aus der Welt zu lösen, selbst wenn es Wunden geben sollte. Und jener Engel, der über St. Harachim steht, ist der Cherub St. Malachiel, der sich "Auge Gottes" nennt und der Engel der Klarsicht ist.

So besteht die Aufgabe St. Asriels darin, mit scharfem Auge über das Eigentum des Herrn zu wachen. St. Malachiel vermittelt ihm dazu die Kraft, die sonst einem Engel des 9. Chores, dem er angehört, mangeln würde, eine solch große Aufgabe zu bewältigen. Das Eigentum des Herrn ist die menschliche Seele, ist alles Gottgeschenkte und Gottgeweihte. St. Harachim, die Versiegelte Gewalt, aber vermittelt ihm die Kraft, dieses Eigentum des Herrn auch zu verteidigen, und jeden Übergriff wiedergutzumachen oder zu melden, ja zu rächen. Wir können die Stimme St. Asriels vernehmen, wenn unsere Seele nach einer bösen Tat schwankt zwischen Trotz oder Verzweiflung oder Reue. Dann stellt sich St. Asriel neben unseren guten Schutzengel und zeigt uns die Majestät Gottes und unsere Verantwortung. Der eine brennt uns wie mit einer scharfen Lauge unsere fadenscheinigen Entschuldigungen und Rechtfertigungsversuche ab; der andere zeigt uns das wartende, von Liebe und Barmherzigkeit überfließende Herz unseres Erlösers. Und an uns liegt es nun, ob unsere Reuetränen fließen oder ob wir ein verstocktes Herz haben. Wie ein Wächter steht St. Asriel mit scharfem Auge bei einer sich im Gnadenzustand befindenden Seele, und kaum hat sie einem eitlen, abfälligen, lieblosen Gedanken Raum gegeben, schon lässt er sie stolpern, sich verletzen, einen Fehler in ihrer Arbeit machen, dass sie, wenn sie wach ist, sofort merkt: "Achtung, rasche Rückkehr zu Gott!" So ist die Aufgabe St. Asriels uns Heil und Gnade.

Gebet: Sei scharf mit uns, großer Engel, und wachsam, wir bitten dich, dass nicht ein Fußbreit Boden von Gottes Eigentum verlorengehe. Amen.

 

16. Februar – St. Ohriel 6. h. Chor

Bei keinem der neun Chöre der heiligen Engel ist die Unterschiedlichkeit innerhalb eines Chores so groß wie bei den Fürsten, welche unter den Gewalten im großen Ring der Ordnung und Allmacht Gottes über die ganze Schöpfung verteilt stehen. Die Hohen Fürsten gleichen in ihrer Verwaltungsaufgabe den majestätischen Regenten, die Versiegelten Fürsten eher gewaltigen, gebändigten Löwen, die Niederen oder Stillen Fürsten aber raschbeweglichen, schweigenden Schutzengeln, die überall ihre Augen haben und deren Hände man überall spüren kann. Jedes Drittteil hat wiederum eine dreifache Aufgabe zu erfüllen: Eine äußere Verwaltung im großen Weltenraum, eine innere geistige Verwaltung im Bereich der menschlichen Seele und eine behütende Verwaltung auf Erden (an Tagzeiten oder Länder usw.). Es steht bei jedem Drittteil immer eine der drei vorgenannten Aufgaben an erster, wichtigster Stelle.

St. Ohriel gehört zu den Hohen Fürsten, dem oberen Drittteil in diesem Chor, besonders dem Vater zugewendet. Was uns von seinem dreifachen Aufgabenbereich am meisten wissenswert erscheint, seine Beziehung zu unserer Seele, soll auch hier zuerst genannt sein. Wie schon der Name des Engels besagt: "Licht Gottes", so ist seine Aufgabe das Vermitteln von Gnaden, und zwar von Gnaden der Geduld und Langmut. Er lehrt den Menschen, durch Geduld sich immer mehr zum Licht Gottes durchzuringen und selbst solch Licht Gottes zu werden, das wieder den anderen leuchtet und sie durch Geduld und Langmut zu Gott führt. Nicht in stürmischem Eifer oder hellster Begeisterung wird der Mensch an der Hand dieses Engels ein Licht Gottes, ein Träger der Liebe und des Trostes von Gott werden, sondern in Geduld und Langmut wird er heranreifen und immer durchlässiger für das Göttliche Licht sein. In der großen Ruhe und Gelassenheit und des Wartenkönnens wird er sich die Palme des Sieges holen. Zur rechten Zeit am rechten Ort, im Augenblick der Gnade Gottes, soll das richtige, treffende Wort mit der Hilfe dieses gütigen Engels gesagt werden. Gott wartet auch oft lange, bis eben die Ernte reif ist. Auch wir müssen die Saat aufgehen lassen, wenn wir ernten wollen. Wir müssen warten lernen, bis es an der Zeit ist zum Zupacken. Wir müssen selbst ein Licht werden, so ruhig und stark wie das Licht eines Leuchtturmes, für unsere Brüder und Schwestern und jene Menschen, die Gott uns oft aus weiter Ferne sehen lässt und denen wir Licht bringen und sie retten sollen.

St. Ohriel hat als Symbol ein Rad. Diese Rad ist das Bild für die Langmut Gottes, die trotzdem unaufhaltsam dem gerechten Richter entgegenführt. St. Ohriel vermittelt uns die Gnade, dass wir uns des Gerichtes Gottes bewusst bleiben, es aber nicht fliehen sollen, da wir ihm doch nicht entfliehen können, sondern dass wir uns lieber durch Geduld in der Trübsal der Zeit Schätze sammeln sollen für die Ewigkeit, die uns dann beim Gericht zu heiligen Gutscheinen für die Barmherzigkeit Gottes werden.

Gebet: Heiliger Engel, hilf uns in Geduld auszuharren, um einst der Göttlichen Barmherzigkeit teilhaftig zu werden. Lass uns nicht verzagen, wenn unser Mühen und Plagen auf Erden umsonst scheint, lass uns großmütig sein im Schenken und Ertragen und Opfern, bis Gott uns ruft. Amen.

 

17. Februar – St. Guni 9. Chor

Es gibt unter den heiligen Engeln ganz zarte, schlanke, kindliche Gestalten wie St. Anael, "das Kind", oder St. Levanael, St. Bea mit dem Glöcklein, und andere. Ein solch kindlicher Engel ist auch dieser, der heute vor Gottes Thron für uns bittet: St. Guni, "der am letzten Rand steht". Er hat ein langes, weißes Gewand und zwei große, spitze Flügel wie Windwolken. Er hält seine Hand weit vorgestreckt, wie abwehrend. Denn hinter ihm geht es in die Tiefe, dem Abgrund zu.

Er ist ein Engel des 9. Chores, dient aber St. Mirachiel, der im 7. Chor der Mächte die Glaubenskraft trägt. Es ist auch nur die Kraft des Glaubens, welche diesen zarten Engel dort zu halten imstande ist. Wie oft wird eine Seele im Leben direkt ein Spielball der bösen Mächte! Ein kleiner Fehltritt, ein Trotz, eine Schwäche – man will sie nicht eingestehen, man will nicht nachgeben, man kann nicht mehr zurück oder umkehren, und es geht im Zickzack von Gott weg und auf eine schiefe Ebene. Aber da steht St. Guni mit warnender Hand und wachsamen Augen. Keine Seele, ob sie wie ein Ball daher geworfen wird, ob sie rutscht oder stolpert, entgeht ihm. Noch einmal steht die Liebe Gottes in diesem Engel da und bittet und warnt: "Halt ein! Noch ein Schritt, und du bist auf ewig verloren! Sieh doch die rettende Hand Gottes! Glaube doch an Seine Macht, dir zu helfen! Vertraue doch auf die Barmherzigkeit Gottes! Und wären deine Sünden rot wie Scharlach, Gott wird dich befreien und dich weiß machen!"

Und wenn diese Seele, bis an den letzten Abgrund getrieben, nur ein wenig lauscht und sich der Gnade, dem Anruf Gottes öffnet, dann nimmt sie St. Guni und wirft sie wie der geschickteste Handballer hoch über die wütenden Dämonen weg St. Jophiel zu, dem Patron der Sünder und Büßer, dem "Umpflüger", der die Seele wieder hinein bettet in den Schoß der heiligen Mutter Kirche und in die Geborgenheit des Schutzmantels der himmlischen Mutter.

Gebet: Mit der Kraft des Glaubens fängst du die Seelen auf, heiliger Engel, und rettest sie vor der ewigen Verdammnis. Steh auch für uns arme Sünder da, wenn wir versagen, dass wir nicht in den Abgrund stürzen, wie wir es wohl verdient hätten, wäre Gott nicht so gut, so unendlich gut, und hätten wir nicht Maria, die himmlische Frau, zur Mutter. Um dieser Mutter, deiner Königin willen, lass keine Seele verloren gehen. Amen.

 

18. Februar – St. Osael 4. Chor

Es heißt von ihm in der Geheimen Offenbarung: "Der dritte goß seine Schale auf die Flüsse und die Wasserquellen, und sie wurden zu Blut. Da hörte ich den Engel der Gewässer sagen: 'Gerecht bist Du, o Herr, Der da ist und war, Du Heiliger, dass Du also gerichtet hast. Denn sie haben das Blut der Heiligen Propheten vergossen. Dafür gabst Du auch ihnen Blut zu trinken; so haben sie es verdient!'" (Offb. 16,4)

Der Engel der Gewässer ist St. Bairim aus dem Chorteil der Versiegelten Fürsten, und über ihm ist St. Saddim, "die Vier Wasser" genannt, der die gefesselte Liebe Gottes als Wasser des Lebens zu uns leitet.

St. Osael, unser Fürbitter am heutigen Tage, ist der dritte der sieben Zornschalenengel. Und dennoch ist er ein Engel der Liebe, wie er heute vor uns steht: Im weißen Gewand mit dem Zeichen des blutenden, dornenumwundenen Herzens seines Herrn und Gottes auf der Brust. Fürwahr, diese Quelle allen Lebens und aller Heiligkeit, aller Liebe und Versöhnung, haben wir Menschen bluten gemacht und gebrochen, und dazu haben wir gerufen: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!"

Nun schwebt die Schale voll Blut über uns! Jahrelange Kriege haben die Menschheit fast ausgeblutet, und noch ist kein Ende abzusehen. In Bächen ist das Blut über die Erde geflossen, Teiche und Flüsse könnte man damit füllen, und alle unsere Wasserquellen würden rot davon.

Wie ist nun St. Osael Engel der Liebe, da er doch die Schale voll Göttlichen Zornes hält? Gott wusste, warum er die Engel der Endzeit, die Gerichtsengel, die Ernteengel, die Posaunenengel, die Zornschalenengel aus dem Chor der Herrschaften nahm: Diese Engel stehen alle unter dem Gnadenstrom der Liebe, der von den Seraphim her über sie fließt. Gottes Gerechtigkeit ist ebenso groß wie Seine Liebe. Muss also die Gerechtigkeit Gottes auch diese Plagen über die verkommene, absterbende Menschheit legen, so steht in ebenso großem Maß die Liebe Gottes bereit, jeder Seele zu helfen und jede Seele über die Plagen hinweg zutragen, wenn sie sich voll Vertrauen und in völliger Hingabe in die Arme Gottes wirft und alles im Namen Gottes und nach Seinem Willen, zu Seiner Ehre und in Seiner Liebe zu tragen bereit ist. Solche Seelen stehen dann nicht unter der Zornschale, sondern unter dem weiten Mantel St. Osaels, der sie sicher der Obhut der gütigsten Mutter und Königin übergibt, bei der sie geborgen sind in Ewigkeit.

Gebet: Mag auch der Himmel sich blutig färben im Weltenbrand – du, heiliger Engel, wirst uns herausführen, wie einst die Israeliten durch das Rote Meer geführt wurden in der Geborgenheit durch Gott. Amen.

 

19. Februar – St. Neophim 9. Chor

Man muss nicht denken, dass Kraft immer nur in äußerer Größe, in einem machtvollen Eindruck sich zeigt; ja selbst wenn, wie bei diesem Engel, die Endsilbe seines Namens eine gebündelte Kraft bedeutet, so kann die Kraft einen anderen Schwerpunkt und eine andere Zielrichtung haben.

St. Neophim ist der Engel der Geprüften. Er steht den Menschen ganz nahe, weil er aus dem 9. Chor ist. Er ist dem Chor der Mächte zugeteilt und hat die Aufgabe, dem Menschen immer wieder von neuem aufstehen zu helfen.

Es gehört Macht zu dieser Aufgabe, der Mensch kann es von selber gar nicht. Aber es ist nicht die Macht des Glaubens, wie man annehmen möchte, es ist also nicht St. Mirachiel, mit dessen Glaubenskraft St. Neophim immer wieder von neuem aufhilft. Es ist auch nicht die Macht der Hoffnung, in welcher St. Abariel, der Engel der Beharrlichkeit, St. Neophim seine Kraft leiht, sondern es ist der stille Engel der Tiefe der Liebe, St. Pheliel, der dies durch ihn bewirkt.

Im Hohelied der Liebe, das St. Paulus schrieb (1. Kor. 13), heißt es: "... und wenn ich allen Glauben hätte, so dass ich Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts." Und wieder: "Die Liebe trägt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles."

Mit dieser Kraft hilft St. Neophim dem Menschen immer wieder aufzustehen, mit der Kraft der Liebe. Gerade in unseren Tagen stellt uns Gott die Liebe als die größte Macht vor Augen: Im Herzen Jesu, im Herzen der Unbefleckten. Was geht hier auf dieser Erde über die Mutterliebe? Welch übermenschliche Taten der Liebe weiß man von der Mutter zu berichten! Und doch sagt unser Herr: "Und wenn selbst eine Mutter ihres Kindes vergäße, Ich werde deiner nicht vergessen!"

Diese Tiefe und Größe und Kraft der Liebe wirkt, dass der Mensch, wenn er nur will, sich an das Herz des Herrn, an das Herz der Mutter anklammern und immer wieder hochziehen kann. Still und unbemerkt, und doch mit aller Kraft und Macht der Liebe, steht St. Neophim dem Menschen zur Seite und stützt ihn und hält ihn, bis er wieder seinen Blick fest in Gott verankert und Halt unter seinen Füßen gefunden hat.

Gebet: Guter, getreuer Engel in den dunkelsten Stunden unseres Lebens, zeig uns die Heimat im Herzen unseres Herrn, wenn unser eigenes Herz zu brechen droht; hilf uns aufstehen, wenn Gott will, dass wir unser Kreuz weitertragen sollen; lenke unseren Blick dorthin, wo alle Tränen getrocknet werden und alles Leid ein Ende hat: Zur ewigen Heimat in Gott. Amen.

 

20. Februar – St. Hawe 9. Chor

Ein Freund Gottes könnte das Wort auszusprechen wagen: "Gott mutet uns Menschen schon allerhand zu!"

Da steht an diesem Tage ein Engel vor den Augen Gottes; er steht mitten in einem anderen gewaltigen Engel drinnen. Dieser andere Gewaltige ist die Mitte aller Engel: St. Sederim, der Engel der Gegensätzlichkeit Gottes, der in seiner einen Hand das Siegel des letzten Wortes des Ewigen Richters an die verdammte Menschheit, "Weiche!", in seiner anderen Hand das Siegel des letzten Wortes an die Freunde Gottes, an die erlöste Menschheit, "Komme!", trägt. Um diesen gewaltigsten aller Gewalten stehen auf der einen Seite alle die Racheengel, welche die Sünden der Menschheit, die Beleidigungen Gottes, rächen. In der Mitte, der Herzgegend St. Sederims aber, da ist ein Engel zu sehen, ganz glühend, durch und durch glühend wie ein Eisen, das der Schmied in die Esse gelegt hat.

Dieser Engel – o Mensch, beug dich tief! – das ist der Schutzengel der Stammmutter des ganzen Menschengeschlechtes gewesen, der Schutzengel Evas. Er ist ein Engel des 9. Chores, angepasst dem Menschen, bestimmt, in großer Freundschaft das innige Verhältnis Engel-Mensch auf Erden zu beginnen. Aber Gott, der unendlich Weise, der unendlich Langmütige, hat den richtigen Engel für diesen Erstlingsdienst auserwählt.

St. Hawe trägt die Gewalt St. Sederims als die Gewalt der Frau. Aber er trägt sie auch in der Gegensätzlichkeit, im Widerspruch gleich der Aufgabe St. Sederims, er trägt die ganze Spannung zwischen dem Unbefleckten Herzen Mariae und den erdhaft und triebhaft gewordenen Herzen Evas und aller Evastöchter. Er trägt die Schuld Evas ebenso wie die Gewalt Mariens. Er trägt alle Schmerzen, die ihren Anfang nahmen aus dem Wort Gottes: "In Schmerzen wirst du deine Kinder gebären." Es sind Schmerzen, so viel und so groß, als wäre die Welt ein großes Weib, das in Schmerzen gebiert bis zum Ende der Zeiten. Aber er trägt auch die Gewalt Mariens, die inmitten dieser riesenhaft großen Welt imstande ist, alle Schmerzen zu heilen und zu heiligen.

Ist es ein Wunder, dass dieser Engel glüht, glüht in der Vielfalt des Schmerzes, blüht aber auch in der Größe der Barmherzigkeit der bittenden Allmacht, der Erlösermutter?

Gebet: Herr und Gott, gib uns Zeit, Dir danken zu können, denn ein Menschenleben reicht gar nicht dazu aus. Lass uns Dir ewig danken für die Schmerzens-Heilerin, für unsere Mutter Maria! Amen.

 

21. Februar – St. Husim 9. Chor

Mit der Sündenschuld ist auch die Not über Mensch und Erde gekommen. Nur der Mensch konnte sündigen, die Erde nicht; aber der schuldige Mensch knechtete ungerecht die Erde und seither knechtet die Erde auch ihn. Er versetzt die Erde in Not, und die Erde antwortet ihm mit Not. Er trägt aber eine noch größere Not, als die ihm die Erde bereitet: Er trägt die Not seiner Seele.

Keine Not durch die Erde kann so zum Himmel schreien wie die Not der Seele. Doch wir haben nicht einen Vater im Himmel, Der dies überhören könnte. Er sendet uns Seinen einzigen, liebsten Sohn, um uns aus der Not zu helfen. Und auch der Sohn, Der Sein Herz auf Golgotha für uns öffnen ließ, dass wir auf immer eine Zuflucht haben, gibt uns dort auf Golgotha durch Sein Wort: "Siehe, deine Mutter!" eine Mutter für alle Zeit und alle Orte und jede Not, wie es keine bessere geben kann. Er tut noch mehr, unser Herr: Er sendet uns den Tröster, den Heiligen Geist. Haben wir recht bedacht, was dies heißt: Tröster? Dieser Geist ist heute mehr denn je um uns durch die heiligen Engel, die Boten des Geistes. Er ist der Vater der Armen, der Geber der Gaben, das Licht der Herzen, der Trost der Weinenden, die Heilung der Kranken, die Kraft der Schwachen, die Wärme der Erkalteten, die Heimat der Verlassenen.

Einer Seiner Engel steht heute hier, St. Husim, der die Gebeugten aufrichtet. Der Sohn breitet die Arme aus und sagt: "Kommt alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken!" Die Mutter der Barmherzigkeit, die Madonna an der Straße unseres Lebens, legt ihren weiten Schutzmantel um uns, dass wir geborgen seien, der Geist aber weht um uns, sein Trost hüllt uns ein; und das, was wir mit unserem Verstand und unseren Sinnen irgendwie begreifen können, das sind Seine Engel, heute besonders St. Husim.

St. Husim ist jetzt den Engeln vom besonderen Dienst vor dem Thron Gottes zugeteilt, dem vierten der Sieben, St. Anophiel, dem Stillen Fürsten, der die Unbegreiflichkeit Gottes trägt. Mit diesem zusammen steht er in einer Zeit großer geistiger Verdunkelung, wo die Not der Seelen tausendfach ihr "Warum" zum Himmel schreit, wo die Priester ratlos vor weiten geistigen Leichenfeldern stehen und kein Samenkorn mehr aufgehen will, wo der Kinderglaube erstickt und der gute Wille zertreten wird. Wenn wir unsere Augen hilfesuchend umherschweifen lassen, dann begegnen wir St. Husim, nicht nur so, wie er heute vor dem Thron Gottes steht, mit dem Licht der Güte Gottes, davor er seine Hand abblendend hält, so dass das Licht durchscheint wie durch ein mildglühendes Gitter. Wir begegnen ihm im Alltag im Lastträger, in der Magd Gottes, die nur für andere da ist, im Kind, durch dessen Augen Trost kommt, im Priester, ja vor dem Tabernakel und im stillen Kapellenwinkel. Dann kommt uns auf einmal das "Ja, Vater!" auf die Lippen, das Fiat, das Denken. Und dann ist unser gebeugter Rücken wieder aufgerichtet.

Gebet: Heiliger Engel, der du die Gebeugten wieder aufrichtest, indem du ihnen die Unbegreiflichkeit Gottes tragbar machst und ihnen den Trost und die Kraft des Heiligen Geistes vermittelst, sei bei uns, wenn es dunkel um uns wird, dass wir das Licht der Liebe, das du trägst, nicht aus den Augen verlieren und den Weg ins Vaterhaus finden. Amen.

 

22. Februar – St. Hena(el) 6. Chor

Jeder Chor der Engel ist auf irgendeine Weise eine Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes. Der oberste Chor ist die geschöpflich stärkste Widerspiegelung der Liebe Gottes – das sind die Seraphim. Die unter ihnen stehenden Herrschaften – der 4. Chor – haben diese Widerspiegelung schon breit auseinandergezogen, so dass die Hohen Herrschaften das Bild des Geistes, die Niederen Herrschaften das Bild des Vaters, die Versiegelten Herrschaften das Bild der Liebe des Sohnes, des Ewigen Richters tragen.

Die Fürsten, die unter den Thronen stehen, tragen ebenfalls die Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes, aber im Hinblick auf das Leben. Sie sind die Verwalter des Lebens der Schöpfung, von den größten Gestirnen angefangen bis zu den kleinsten Käferlein der Erde. Auch sie sind dreigeteilt:

Die Hohen Fürsten sind die Verwalter der Schöpfung im Namen des Herrn, die Versiegelten Fürsten tragen ihre gebändigte Macht im Namen des Sohnes, die Stillen Fürsten aber nennen sich "Schutzengel der Schöpfung" im Namen des Geistes.

St. Hena(el), aus dem Chorteil der Stillen Fürsten, ist einer dieser ganz im Verborgenen wirkenden Engel. Er ist nicht nur Schutzengel der heiligen Mutter Kirche als Engel der Mahnung; er steht überall örtlich dort, wo eine Mahnung der Liebe vom Himmel zur Erde geht und auf Antwort wartet. Er steht auch außerhalb der heiligen Kirche für die ganze Menschheit in jeder mahnenden Stimme zum Guten. Er ist außerdem Engel des Findens – von dem armseligen Finden irdischer Dinge angefangen bis zum Finden der Ruhe des Herzens und dem Finden Gottes. Das ist eine weit und groß gespannte Aufgabe. Das Gott diesen mit einer so ungeheuer wichtigen Aufgabe betrauten Engel so ganz ins Verborgene setzt, hat wohl seinen tiefen Sinn: Die Gnade Gottes wirkt am meisten im Verborgenen, im Samenkorn, im Schweigen hinter Klostermauern, in der schweigenden Liebe. So ist auch Mahnung eine Gnade. Der Engel mahnt zum Einssein, zum Einssein mit Gott, zum Einssein in der Liebe mit seiner Familie, mag sie auch noch so verschiedene Charaktere besitzen, zum Einssein mit der heiligen Mutter Kirche sowohl in äußerer als in innerer Sorge. Der Engel mahnt zur Liebe im Ertragen und Verzeihen, zum Übersehen der Menschlichkeit in der Umgebung, er mahnt zur Geduld, zum Gebet. Er heißt "Gott in der Türe", weil er unter der Türe unserer Sinne steht, weil er den Anruf Gottes aus der Ewigkeit her trägt und mitten im Tor der Zeitlichkeit steht, weil er uns in seiner Mahnung die Türe des Vaterhauses sehen lässt.

Gebet: Mahne, großer Engel, und lasse nicht ab, ich bitte dich, bis ich selbst geborgen an der Türe des Vaterhauses stehe. Amen.

 

23. Februar – St. Marchidiel 7. Chor

Die drei großen Gnadenströme – der Göttlichen Lebens, der Göttlichen Kraft (des Wortes), der Göttlichen Liebe, entspringen im obersten Ring der Anbetung, im Zentrum Gott und fließen wie drei Wasserfälle über die ganze Schöpfung durch den zweiten Ring der Allmacht Gottes bis in den dritten Ring der Erlösung. Es gibt keinen Engel, der nicht an einem der drei Ströme teilhätte, ja die Engel des dritten Ringes haben sogar an allen drei Strömen gleichzeitigen Anteil, wohl an einem der drei Ströme jeweils besonders – wie die Mächte am Strom der Liebe, so die Erzengel am Strom der Kraft und die Engel am Strom des Lebens.

Heute steht als unser Fürbitter vor Gottes Thron ein Engel aus dem Chor der Mächte. Die Mächte sind Engel der Liebe; aber die Mächte des Glaubens erhalten noch den Strom des Lebens dazu, die Mächte der Hoffnung haben außerdem noch Anteil am Strom der Kraft.

St. Marchidiel gehört zu den Mächten des Glaubens, die also noch außer dem Strom der Liebe den Strom des Lebens von den höheren Chören empfangen. St. Marchidiel trägt das Glaubensgut. Er trägt es, eingehüllt in einen reichen Mantel, wie in einem goldenen Schrein, in dem alle Kostbarkeiten gesammelt sind. Diese Kostbarkeiten, die St. Marchidiel trägt, sind alle Worte und Gleichnisse, die unser Herr gesprochen und uns hinterlassen hat als teuerstes Vermächtnis. Diese Kostbarkeiten sind die heiligen Evangelien, die Lehre der heiligen Kirche, die heiligen Dogmen, kurz alles, was wir an Glaubensgut besitzen. Sie sind das Unterpfand der Liebe Gottes, sie sind aber ebenso das Unterpfand des lebendigen Lebens in Gott, sie sind das Wort im Wort und so sind sie Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes, statisch, dynamisch und beweglich, ruhend in Gott, gesendet von der heiligen Kirche, heimholend zu Gott. Sie sind das Fundament und das Gerüst der heiligen Kirche, sie sind unser Weg und unsere Wegweiser, sie sind der Schatz, den wir hüten müssen, für den wir auch unser Blut opfern müssen. Denn lieber fallen, als den Schatz des Glaubens freiwillig den Feinden auszuliefern. Die Zeit der Leichtfertigkeit im Glauben muss jetzt aufhören; wer jetzt noch schläft, der hat den Weckruf Gottes verschlafen und verschläft seine eigene Seligkeit. Jetzt verlangt Gott von uns das Wachsein, das Bereitsein, das Wissen und Wertschätzen dieses Gutes, das uns Gott im Glauben geschenkt hat und für das wir Rechenschaft geben müssen.

Gebet: Heiliger Engel, nimm alle Halbheit und Schwachheit von uns und lass uns feststehen wie die Throne, die Engel des Lebens. Hilf uns, Tag und Nacht das Gut des Glaubens wie eine brennende Fackel durch die Welt zu tragen und zu hüten, bis wir sie einst in die Hände des lebendigen Gottes zurücklegen können. Amen.

 

24. Februar – St. Ananai 1. Chor

Täglich werden in den Gebeten der heiligen Kirche, sei es in der heiligen Messe, sei es beim Te Deum oder in den Psalmen, die Seraphim genannt. Wer darüber nachdenkt, der wird wohl inne, dass die Seraphim Engel der Liebe sein müssen, weil man ja auch von der seraphischen Liebe des Hl. Franziskus spricht, der wie eine lebende Fackel der Liebe vor dem Herrn war.

Die Liebe hat hundert Formen. Nicht immer ist sie nach außen, der Welt zu, brennend und leuchtend, das ist auch nicht das Maßgebende. Gegen Gott zu muss sie leuchten und brennen! Unbesehen und unbemerkt von der Welt oder bemerkt, das ist gleich, nur einzig und allein auf Gott muss sie ausgerichtet sein. Dann kann sie auch so still sein wie jene des heiligen Apostels Matthias, den wir heute feiern, und doch ist sie seraphisch.

Sehen wir diesen, so ganz Gottnahen Chor der Engel, die Seraphim, näher an. Die Liebe füllt sie ganz aus, die Liebe des Vaters, die Liebe des Sohnes, die Liebe des Heiligen Geistes; drei Arten von Liebe wie drei verschiedene Welten und doch: Eine Gottesliebe. Und die Engel strahlen zurück in der Liebe, sie strahlen den Vater an, den Sohn, den Geist; drei verschiedene Arten der Antwort und doch eine Antwort. Und die Liebe Gottes fließt über sie, die Seraphim, nach abwärts, über die Engelchöre, bis hinab zu den geringsten Schutzengeln, die dann die Liebe Gottes ihren Schützlingen ins Herz legen.

Heute steht ein solcher Seraph vor Gottes Thron, ein Engel der Liebe. Er ist mit menschlichem Auge nicht ertragbar in seiner strahlenden Herrlichkeit. Er ist wie die geflügelte Liebe Gottes, die sich mit ausgebreiteten Armen den Menschen zuwendet, sie alle einzufangen. Er ist Liebesgüte Gottes und das Liebesverlangen Gottes, er ist Liebeshauch Gottes.

Es ist St. Ananai, der Seraph des Geistes; er heißt auch "Er wird euch alles lehren" (der Heilige Geist). Er trägt die Sendung der heiligen Kirche in der Liebe des Willens des Vaters, in der Liebe der Worte des Sohnes, in der Liebe der Sendungskraft des Heiligen Geistes. Er bildet mit dem Seraph des Sohnes, St. Jai, der die Verbindung Gott-Mensch trägt, und mit dem Seraph des Vaters, St. Eloha, der den Schöpferwillen des Vaters über die Unzerstörbarkeit der heiligen Kirche trägt, einen dreifachen Seraph, vielgeflügelt, vieläugig, leuchtend vor liebender Anbetung, in ständiger feuriger Bewegung des Jubels um den Thron Gottes. Erst in der Ewigkeit werden wir die Herrlichkeit der Seraphim fassen können.

Gebet: Lass uns Dich anbeten, herrlicher Gott, in Deinen Geschöpfen, den Seraphim, lass Dich von ihnen und durch sie von uns anbeten und loben in alle Ewigkeit. Amen.

 

25. Februar – St. Jochabed 9. Chor

Unser Gott ist ein Gott der Liebe, der Barmherzigkeit, Der Sich der Geringen und Kleinen und Verlassenen annimmt, der Witwen und Waisen, der Bettler und Ausgestoßenen, und der Ärmsten der Armen: Der Kinder, die ohne die Geborgenheit einer Familie oder Heimat geboren werden. Auch für diese ärmsten Kinder, die ohne Vater oder Mutter, auf Pflegeplätzen oder in Waisenhäusern oder gar auf der Straße aufwachsen, hat unser Herr einen Engel hingestellt, der zu retten sucht, was noch zu retten geht, der schützt und um Hilfe ausgeht: St. Jochabed, den Engel der ohne Heimat Geborenen. Er sieht aus wie eine große, gute Mutter, und er trägt den Schutzmantel der Madonna vom Wege, in deren Diensten er steht. Sie ist ja die Mutter aller, auch dieser verlassenen Kinder, sie vertritt die Stelle der irdischen Mutter und sendet ihren Engel auch in die verborgensten Winkel und lässt die Kleinen wie die Vögelein unter ihren Mantel schlüpfen und zu sich bringen, denn das Notwendigste, was diese Kinder brauchen und wonach sie auch am meisten verlangen, das ist die Mutter. Die Mutter führt dann zum Vater, zu Gott. Und die Mutter trägt auch das kleine Jesuskindlein, das in einer Krippe in einem Stall geboren wurde und auch als Kleinkind noch aus der Heimat fliehen musste. Das verstehen die Kinder schon und darum ist auch solchen Kleinen der Begriff "Himmelsmutter" wie ein Tor in eine selige Welt – und die Gewissheit, unter ihrem Schutzmantel zu stehen, ist ihnen auch schon Geborgenheit und Halt.

Die Engel des 9. Chores, wie St. Jochabed einer ist, verstehen den Menschen und seine Not am besten von allen Engelchören. Darum ist gerade für die menschliche Not und für alle Kämpfe des Alltags und des mühseligen Weges zu Gott meist ein Engel des 9. Chores von Gott bestellt, weil dieser mit einer großen Einfühlungskraft genau weiß, wie groß und weit "der Brandplatz" in einer Seele ist und wo am besten anzupacken wäre. St. Jochabed sammelt mit unermüdlicher Geduld alle die Kleinen und legt ihnen die Sehnsucht nach der Mutter ins Herz und lässt sie in einem Buch, in einem Wort, an einem Altar "die Himmelmutter" sehen und finden und liebhaben. Und er wandert und sucht auf Erden ein mütterliches Herz und klopft solange daran, bis es solch einem verstoßenen Kinde sich auftut in Liebe. O wie lange muss er suchen, wie wenig Mütter haben Opferkraft in ihrer Liebe, auch einem blutsfremden Kind wahrhaft Mutter sein zu wollen. Wie viele Frauen nehmen lieber einen Hund oder eine Katze auf ihren Schoß oder in ihr Bett als ein armes, verlassenes Kind! Aber beim großen Gericht wird gefragt werden: "Was hast du mit den armen, verlassenen Kindern gemacht, von denen du gewusst hast?" Und der Maßstab für das Urteil wird dann sein: "Was ihr dem Geringsten getan, das habt ihr Mir getan!" Diese Geringsten, das sind die Schützlinge St. Jochabeds.

Gebet: Herr und Gott, hilf uns durch Deine mahnenden Engel, dass wir uns von unserer Hartherzigkeit und Bequemlichkeit lösen und in den Waisenkindern Dich sehen, Dich aufnehmen und in ihnen Dir dienen und Deiner Barmherzigkeit teilhaftig werden. Amen.

 

26. Februar – St. Azariel 6. h. Chor

Eine helle, hohe Gestalt steht vor Gottes Thron neben der Heiligen dieses Tages, St. Mechthild mit dem jugendfrohen, liebeglühenden Herzen. Diese Gestalt ist St. Azariel, der Hohe Fürst, der den Schleier Mariens trägt. Immer mehr werden die Kinder Gottes die Zusammenhänge im ganzen großen Reich Gottes im Himmel und auf Erden verstehen, werden erkennen, dass zur ringenden, zur leidenden und zur triumphierenden Kirche auch die kämpfenden, die fürbittenden und die lobpreisenden Engel gehören. Es wird ihnen aber auch klar werden, dass der wahre Christ – das ist die schon hier in Gott eingebettete Seele –, solange er lebt, in allen drei Reichen stehen muss: In der ringenden, in der leidenden und in der triumphierenden Kirche; und seine Engel werden ihn begleiten durch alle Phasen seines Lebens bis in die ewige Seligkeit.

St. Azariel ist aus dem sechsten der neun Engelchöre: Dem Chor der Fürstentümer. Der Name befremdet, wenn man nicht weiß, warum dieser Chor "Fürstentümer" und nicht "Fürsten" heißt. Diese Engel sind himmlische Verwalter von Schöpfungsgebieten, von Landstrichen, Erdteilen und Gestirnen. Die Fürstentümer der Menschen liegen alle auf der kleinen Erde, aber die Fürstentümer der Engel sind ihrer Größe und Kraft angemessen. So ist ein Engelfürst der Verwalter der ganzen Erde, ein anderer der Verwalter der Sonne, und es gibt kein Gestirn, das nicht einem der 72 Fürsten dieses Chores unterstünde. Gott hat nichts ohne Sinn geschaffen, und nichts in der Schöpfung – das Sündhafte, aus Gott Herausgefallene ausgenommen – ist ohne Betreuung durch die mächtigen Diener Gottes.

St. Azariel steht im Kreise der Hohen Fürsten als der Engel der nimmermüden Barmherzigkeit. Er trägt den Schleier Mariens als ein dreifaches Symbol:

Als Zeichen des Schweigens bei aller weltweiten Fürbitte, wie Maria geschwiegen und alle Worte Gottes in ihrem Herzen bewahrt hat; als Zeichen der nimmermüden Barmherzigkeit, wie Veronika die Not des Herrn sah und über alle Hindernisse hinweg linderte; als Zeichen des Einsseins mit Gott, wie St. Mechthild unter dem Schleier Mariens in der Göttlichen Verborgenheit ruhte.

Gebet: Heiliger Engel Gottes, lass unsere Liebe immer zart und rein und unberührt von jeder weltlichen Liebe Gott entgegen brennen. Amen.

 

27. Februar – St. Selphared 9. Chor

Wie Weihrauch, wie der Duft von Myrrhe und Sandelholz ist die Tugend Mariens vor dem Dreieinigen Gott. Jedes Wort von ihr ist ein Liebeswort, ist dem steigenden Weihrauch vor dem Tabernakel vergleichbar.

Sie ist uns Vorbild, die Allerreinste, die Allerschönste. Auch jedes Wort von uns soll sein Ziel im Himmel haben, auch jedes Wort von uns soll wie steigender Weihrauch vor dem Tabernakel sein.

Du sagst, o Mensch, das geht nicht; dein Blick geht über die Erde und auch dein Wort steigt nicht höher, nicht einmal jedes hundertste Wort hat sein Ziel in Gott. Dann ist aber auch dein Wort, Mensch, kein Weihrauch, sondern Erdegeruch, Rauch von Kartoffelfeuern. Befriedigt dich das?

Siehe doch diesen wunderbaren Engel, der in den sieben Regenbogenfarben ein Rauchbecken hält. Die Liebe ist das Feuer und war emporsteigt, das sind die heimlichen Liebesworte des verborgenen Herzens, das sind die stillen Taten im unscheinbaren Alltag, das sind die Opfer der Treue und Hingabe. Wohlgeruch wie Blumen und duftende Harze sind die Werke der Liebe vor Gott.

St. Selphared trägt diesen Weihrauch vor Gott. Er steht unter St. Alphareth, dem Fürsten der Antwort, der zu St. Schemmajim, dem Engel des bräutlichen Jubels, den Regenbogen des Friedens spannt. Darum trägt auch St. Selphared die Regenbogenfarben, weil er zu den "Regenbogenträgern" gehört. Der Regenbogen ist das Zeichen des Bündnisses Gottes mit den Menschen, er ist Symbol des Friedens, der Versöhnung, er ist einfach schön. So liegt dieses Symbol der Schönheit, der Versöhnung, auch um die Aufgabe St. Selphareds, den Wohlgeruch der Werke aller gottgeeinten Menschen vor das Angesicht Gottes zu bringen.

Komm, Seele, lasse dich und steige empor die tausend Stufen der Liebe! Schön ist die Welt, tausendmal schöner ist Gott! Was ist ein Opfer, wenn dir solche Liebe Göttlicher Herrlichkeit wartet? Dein Gebet sei wie der Atem des Kindes und dein ganzes Leben sei Weihrauch vor Gott. Heilig bis du, mein Herr und mein Gott!

Gebet: Armselig knien wir vor dir, heiliger Engel; wie weit sind wir von Weihrauch und Wohlgeruch vor Gott entfernt! Aber du hilf uns, dass unser Leben nicht vergeblich sei und auch unser schwaches Stammeln angenommen werde von der unendlichen Barmherzigkeit Gottes. Amen.

 

28. Februar – St. Cephoniel 9. Chor

Er hat ein weites Gewand wie eine Mönchskutte, und das Skapulier ist aus einem Stück geschnitten. Aus den großen, weiten Ärmeln breiten sich zwei Hände auseinander, die eine hält einen leuchtenden Taktstock. So steht dieser Engel heute vor uns, seine Augen in glühender Begeisterung auf den Herrn gerichtet. Es ist St. Cephoniel, der die Chöre leitet. Es ist nicht richtig, dass die Musik von unten heraufkommt; die Menschen haben die himmlischen Töne in ihren Ohren verloren, als sie sündigten. So war das wohl. Und dass sie dann nach den Stimmen der Vögel sich selbst einen Naturgesang anlernten, das stimmt auch. In diesen Naturgesang mischte dann erst die alte Schlange die sinnlichen, aufreizenden Töne, um das Blut der Menschen aufzupeitschen. Aber deshalb ist die Musik noch lange nicht nur ein Geschenk der Erde. Lange bevor es noch einen Menschen gab, stimmten die himmlischen Chöre schon ihren Jubelgesang an. Und von jeher gab es und gibt es himmlische Töne in den irdischen Liedern und Musikwerken, die das Herz erheben und zu Gott empor tragen, die alles Leid und Erdenweh vergessen machen. Die Musik spielt gerade als Gotteslob, als Trost von Gott, als Zielrichtung zu Gott eine wichtige Rolle. Wenn wir das ganze Jahr keine Kirchenmusik, keinen Gesang zur Ehre Gottes hören könnten, es wäre um vieles schwerer.

St. Cephoniel ist dem Chor der Herrschaften zugeteilt, den Engeln der Liebe. Nicht genug; er gehört zu St. Schemmajim, dem Engel des bräutlichen Jubels, dessen Symbol die saitenbespannte Flöte ist. Hier bei diesem Engel laufen alle Aufgaben auf dem Gebiet der Töne zusammen, von der Liebe getragen, vom Heiligen Geist beflügelt. Wir können uns die Musik der heiligen Engel nicht vorstellen, sie geht über unsere Fassungskraft. Denn jeder Engel leistet sein Bestes und wenn jeder nur einen einzigen Jubelton immer an der richtigen Stelle des Lobgesanges einsetzt und jede Engelgruppe immer nur ein Leitmotiv, so gibt das bei der Legionenzahl der Engel einen ganz unbeschreiblich herrlichen Lobgesang. Es ist alles im Maß und in der Ordnung, und der Gesang und Lobpreis der Engel tönt im ganzen ersten Ring der Anbetung und tönt um den Thron Gottes im zweiten Ring der Allmacht Gottes, und selbst auf Erden sind um jeden Tabernakel die Schwingkreise der wunderbaren Melodien. Der erste Schwingkreis ganz nahe um den Tabernakel ist der höchste, wie Harfentöne, er ist auch mit dem hellsten Licht verbunden; der letzte Schwingkreis ist wie tiefer Orgelton und hat das wärmste, tiefste Licht.

Gebet: Klopfe mit deinem Stab an unsere Seele, dass wir mit dir lobpreisen, heiliger Engel, dass wir den einen Ton, den wir zu singen haben, rein und klar zur Ehre Gottes als Jubel und Dank und Lob darbringen. Amen.

 

29. Februar – St. Frugiel 9. Chor

Die Symbolik, mit welcher Gott uns die Aufgaben der Engel zu erkennen gibt, ist oft schwer, drückend, ist wie ein Stachel, der uns das Herz aufreißt: "Dies alles tut Christus für dich – und du?"

Auch der Fürbittengel dieses Tages ist ein solcher Mahner, und wer ihn und seine Aufgabe mit den Augen der Seele in sich aufnimmt, kann ihn kaum mehr vergessen. Und wer ihn einmal kennt, der wird ihm fast täglich begegnen. Es ist St. Frugiel mit den Fesseln Jesu Christi, des Herrn, in Seiner Passio. Der Engel trägt diese Fesseln, diese hanfenen, zerfransten, grausamen, die das eigene Volk seinem Erlöser angelegt hat – und es liegt darin eine bittere Anklage für alle Zeiten und alle Völker im Raume der heiligen Kirche. Wird unser Herr nicht auch heute verraten und verkauft für dreißig Silberlinge des Vorteils, verkauft von den eigenen Leuten an die Sendlinge der Hölle? Gibt es nicht allerorts Pharisäer, die ihre Frömmigkeit zur Schau stellen und in deren Schatten der Lieblosigkeit und Herzenskälte der Arme, der Kranke, der für sie Überflüssige ruhig verhungern und verkommen kann, und gerade in diesen Überzähligen ist der Herr zu den Seinen bitten gegangen und wird nun gefesselt und geknebelt, "unschädlich gemacht".

St. Frugiel ist keine Gewalt. Er gehört zum Chor der Fürsten, zu St. Hassiel, dem Engel der Abwehr. Dieser Chorteil der Hohen Fürsten ist Maria, der Königin, der Besiegerin der Schlange, besonders zugeordnet. Auch St. Hassiel ist ein getreuer Knecht seiner Herrin, der Unbefleckten, ein Kämpfer für die Ehre Gottes. Jetzt wird dieser Kampf von den Nachfolgern Christi, des Herrn, immer in der Torheit des Kreuzes ausgetragen; sie kämpfen mit den Waffen der Liebe, des Schweigens, des Gehorsams, der Geduld, der heiligen Armut, der demütigen Selbstverleugnung und des heiligen Verzichtes. Die Gegner aber haben die brutale Macht zum Fesseln, den Mammon, den Stolz und die Heuchelei, die Gier und die Lust am Untergang des anderen. Es scheint der Kampf in dieser Welt ungleich und der Sieg des Bösen sicher, denn nirgends wird das Pharisäertum aussterben. Wer kann nun die Gedanken Gottes begreifen, dass Er, der Gerechte, Allmächtige Herr Himmels und der Erde, noch für diese Menschen einen Fürbittengel bestellt, der noch dazu Tabernakelengel ist? Klingt da nicht das Wort Jesu am Kreuze in diesem Engel ununterbrochen bis zum Ende der Tage auf: "Vater, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie tun?"

Sieben Engel stehen um jeden Tabernakel und beten im Namen der Menschheit, die heiligen Tageszeiten. St. Frugiels Gebet klingt in die Tagesneige, so wie dieses Göttliche Fürbittgebet Jesu am Kreuz in der letzten Neige der Passio zum Himmel stieg. St. Frugiel ist der sechste der Sieben; er betet die Vesper mit der Stimme einer tiefen Glocke, und seine ganze Liebe schwingt mit: "Herr, erbarme Dich ihrer!" Er hebt die gefesselten Hände hinauf zum Thron Gottes; noch kann er fürbitten. Aber wenn das Kreuz des Menschensohnes zum Gericht am Himmel erscheint, wird er auf dem Richtplatz des Rex Gloriae die Hand zur Anklage wider diese erheben, die Jesus in den Armen gefesselt durch ihren Hochmut, ihren Eigendünkel, ihre Herzlosigkeit.

Gebet: Heiliger Engel, so erschreckend dein Symbol ist, weil wir selbst den Herrn oft mit unserer Untreue verraten und voll feiger Menschenfurcht verkauft haben, so gütig ist dein Auge, so warm deine Stimme. Führe uns hin zur Barmherzigkeit Gottes, zum Tor der Verzeihung. Wirf unser Herz in den Glutofen der Liebe Gottes, hilf uns erkennen, bereuen und sühnen, hilf uns für Gott und Maria kämpfen. Amen.