1. Januar – St. Alphai 1. Chor

Wenn wir das neue, das bürgerliche Jahr mit einem Hymnus an die heiligen Engel beginnen, "... jubelt, ihr Sterne, ihr Flammen, ihr Säulen, jubelt, ihr Leuchter, ihr Blitze, ihr Knechte, jubelt, ihr Quellen, ihr Schwerter, ihr Pfeile ...", so ist jedes dieser neun für uns fasslichen Bilder ein Hinweis und eine Deutung für jeden der neun Chöre der heiligen Engel, deren Größe, Schönheit und Macht wir nicht in Worte fassen können, weil bei ihnen, den Ersterschaffenen Gottes, zu allererst das Wort zutrifft: "... und keines Menschen Herz kann es fassen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben."

Die Seraphim sind die obersten dieser neun Engelchöre, auch die obersten aller von Gott erschaffenen Geheimnisse der Liebe in selbständiger und selbsttätiger geschöpflicher Persönlichkeit, – Maria immer ausgenommen. Sie stehen als drei zusammen und gleichen doch nur einem; sie wenden sich dem Vater, dem Sohne und dem Geiste zu, und wenden sich doch nur wie ein Seraph dem Einen Dreieinigen Gott zu. So sind sie die oberste geschöpfliche und rein geistige Widerspiegelung der unfassbaren Liebe Gottes, wie sie aus dem Herzen Gottes unaufhörlich herabströmt.

Dieser eine Seraph, St. Alphai, vor dessen Licht wir gar nicht aufzublicken wagen, trägt die Liebe des Heiligen Geistes. Diese Liebe soll uns das ganze Jahr begleiten, soll unsere Wunden heilen und unsere Bereitschaft, unseren Willen und unsere Liebe heiligen. Man kann diesen Seraph mit menschlichen Worten nicht beschreiben; er ist Geist, und nichts als Geist – und wenn man ihn mit einer Flamme vergliche oder mit einem Stern, mit einer Taube oder einer Wolke, es wäre alles gleich. Er lässt uns die Wesenheit des Heiligen Geistes nur erahnen, weil wir schon den Engel in seiner Wesenheit nicht erfassen können, geschweige denn Gott. Aber weil der Heilige Geist immer untrennbar mit dem Vater und dem Sohne verbunden ist, eines Wesens mit ihnen und von beiden zugleich ausgehend, so ist auch St. Alphai untrennbar mit St. Esch, dem Seraph des Vaters, dessen Name "Feuer" ist, und ebenso untrennbar mit dem Seraph des Sohnes, St. Jehove, dessen Name "Allmächtiger Gott" ist, verbunden. St. Alphai selbst kann genannt werden "Es werde Licht". Denn die Liebe Gottes ist Licht.

In diesem Licht der Liebe Gottes erkennen wir anbetend die Liebe des Vaters, die – einer lebenserhaltenden Sonne gleich – sich über die ganze Schöpfung ergießt. Und in diesem Licht der Liebe Gottes erkennen wir anbetend die Liebe des Sohnes, der in die Welt kam als Licht in die Finsternis. Und ebenso erkennen wir in diesem Licht die Liebe Gottes anbetend die Liebe des Geistes, schwebend über allem Gott zugewandten Leben, schwebend über unserem Herrn in seinem Erdenleben, über Maria, über der Kirche – und dieses spiegelt St. Alphai wider. Wir sehen ihn in unserer Zeit besonders über Maria stehen, der Gottesbraut, der Himmelskönigin, der ersten, größten, höchsten Empfängerin der Liebe Gottes, die bereits in den Gedanken des liebenden Gottes schlummerte, ehe die Erde ward.

Das höchste Geheimnis der Liebe des Geistes über Maria, wie es St. Alphai erahnen lässt, sind die Stunden der aufrecht stehenden Mutter unter dem Kreuz ihres göttlichen Sohnes. Durch dieses schwertdurchbohrte, dornenumwundene, alles Leid, allen heiligen Verzicht, allen Willen des Vaters bejahende Herz öffnet seither die Liebe des Geistes die Herzen aller Kinder Gottes und erhellt sie, tröstet sie, belebt sie, und alle Gotteserkenntnis geht seither diesen Weg des auf und niederwogenden Geistes Gottes über dieses schweigende Herz.

Gebet: Herr und Gott, lass mich in Dankbarkeit niederfallen vor Deinem Angesicht, dass Du uns Maria zur Mutter und Beschützerin gegeben hast. Von ihr sagt der Seraph: "Siehe alle unsere Herrlichkeit, was ist dies alles gegen das Herz unserer Königin?"

 

1. Januar – St. Assael 4. Chor

Ganz gleichmäßig und stark schlagen die Flammen aus der Schale, welche der Fürbitter dieses Tages, St. Assael, zu Gott emporhebt. Sie liegen in einer breiten Lichtbahn, von oben, vom Herzen Gottes kommend; diese Lichtbahn, von den Flammen St. Assaels wie glühend geworden, geht dann über den Engel herab der Erde zu.

St. Assael ist der erste der Sieben, die wie goldene Leuchter um Maria, die Königin der Engel, die Braut des Heiligen Geistes, stehen. Als Engel aus dem Chor der Herrschaften sind diese Sieben vor allem Engel der Liebe; sie stehen in der himmlischen Ordnung als erste in den drei Chören des Ringes der Ordnung und Allmacht Gottes; über sich haben die Herrschaften den Chor der Seraphim, die auch als erste in den drei Chören im Ring der Anbetung stehen; und sie haben unter sich die Mächte, die als erste in den drei Chören im Ring der Erlösung stehen. Diese ersten Chöre, Seraphim, Herrschaften und Mächte, liegen in der Licht- und Gnadenbahn der Göttlichen Liebe, die aus dem Herzen Gottes auf sie überströmt. Und so ist es gut zu wissen, wer über St. Assael im Chor der Seraphim und unter ihm im Chor der Mächte steht.

Oben steht St. Alphai, der erste der Seraphim des Geistes; er trägt das Wort "Es werde Licht!", er trägt den Gottesbegriff des Heiligen Geistes "der das Licht ist". Die Seraphim stehen immer zu dritt; es stehen bei St. Alphai noch St. Esch, der das heilige Feuer trägt, "den brennenden Gott", und St. Jehove, der die Glut der Liebe des Schöpfer-Gottes trägt. So fließen in der Lichtbahn der Liebe Gottes auf St. Assael schon die Gnaden und das Licht St. Alphais, Eschs und Jehoves, und lassen die Gabe des Heiligen Geistes, die Gabe des Verstandes, der Erkenntnis, in hohen leuchtenden Flammen emporschlagen.

Unter St. Assael stehen aus seinem eigenen Chor noch von den ersten sieben der Versiegelten Herrschaften St. Nehemiel, der die Liebe als Wachstum in den Gemeinden versiegeln wird, wenn in der Endzeit der große Ansturm des Bösen erfolgt, ebenso von den ersten sieben Engeln der Niederen Herrschaften, welche die Opferschalen der Menschheit tragen, St. Gazar, der das Lobopfer trägt. Noch tiefer unten im Chor der Mächte steht der erste der Sieben, die die Macht der Liebe tragen: St. Rachiel mit der Ordnung und Harmonie der Liebe. Alles, was die höheren Engel an gnadenhafter Fülle zu vergeben haben, das fließt schließlich in den Ring der Erlösung ein zum Heil des Menschen, zu seiner Heilmachung und Heiligung für die Ewigkeit.

Gebet: Heiliger, großer Engel, lass wenigstens den Widerschein der Flammen, welche du trägst, in mein Herz und meinen Geist fallen, damit ich Gott endlich erkenne und von Seiner Liebe getroffen werde. Amen.

 

2. Januar – St. Pachad 2. Chor

St. Pachad ist der Cherub "Du sollst ...!". In einer gewaltigen Größe, gleich einem Flammenschwert, steht an diesem Tage ein Cherub vor unsern Augen. Er trägt die Größe und Erhabenheit des Namens unseres Herrn und Erlösers, des Namens Jesus.

Wir beten im Introitus dieses Tages: "Dem Namen Jesu beuge sich jedes Knie im Himmel, auf Erden, in der Hölle; jede Zunge bekenne: Der Herr Jesus Christus thronet in Gottvaters Herrlichkeit!" Ihn allein sollt ihr hören!

Die Cherubim sind die Engel des Sohnes, die Träger des Wortes Gottes. Schon einmal hat die Menschheit die Worte gehört: "Du sollst", damals, als der Schöpfer dem Moses auf Sinai die 10 Gebote gab. Nun ist Gott selbst Mensch geworden und lehrt uns alles "du sollst" und geht uns den Weg voran. Wir wissen: Der Name Jesu sperrt uns alle Türen auf.

Gebet: Großer, heiliger Cherub, der du die gewaltigen steinernen Tafeln mit den "du sollst" trägst, lass uns dieses "du sollst" so lieben, als hieße es "du darfst"; lass uns die Gerechtigkeit Gottes mit der Liebe Gottes beantworten. Amen.

 

2. Januar – St. Urim 4. Chor

St. Urim, der Engel, der die gefesselte Liebe Gottes als Leben trägt, gehört dem IV. Chor an, den Herrschaften. Er ist gefesselt, weil die Liebe Gottes Sich Selbst Fesseln angelegt hat um des Menschen willen, um dem Menschen den völlig freien Willen zu belassen. So geht der Mensch zwischen der Liebe und der Gerechtigkeit Gottes, er geht in der Kraft und im Namen Jesu, denn "es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir selig werden können".

Das Wort "gefesselt" hat den gleichen Wert wie "versiegelt". In jedem der drei Chöre im Ring der Ordnung und Allmacht Gottes über die ganze Schöpfung, und das sind der 4. Chor der Herrschaften, der 5. Chor der Gewalten und der 6. Chor der Fürsten (auch "Kräfte" genannt), ist der mittlere Chorteil versiegelt oder gefesselt, weil seine gewaltige sprengende und kämpfende Tätigkeit erst mit der Endzeit freigegeben wird. So ist auch St. Urim noch gebunden. Er ist der erste jener vier Ecksäulen-Engel in diesem Chorteil der Versiegelten Herrschaften, welche auch "die Vier Winde, die Vier Wasser, die Vier Pfeile und die Vier Flammen" heißen, gebunden "am Euphrat", dem Bild für das Fließende Leben der Menschheit.

St. Urim ist wie eine gewitterschwangere dunkle Wolke, breit ausladend. Hinter dem Wolkendunkel steht der Allmächtige. Zur rechten Zeit wird Er hervortreten und Seine Engel über die Erde zur letzten Ernte und zum letzten Gericht rufen. Selig, wer dann den Namen Jesu schon auf seiner Stirne und in seinem Herzen fest verankert trägt!

Gebet: Heiliger Engel, der du in der Geheimen Offenbarung genannt bist mit deinen Brüdern als die Gefesselten am Ufer des Euphrat (Bild für den Lebensstrom) und der du als Symbol eine aus goldenen Dreiecken bestehende Kette trägst, lass uns im Namen Jesu das ewige Leben gewinnen. Amen.

 

2. Januar – St. Jebusiel 9. Chor

Zum Beginn des Jahres, von dem niemand weiß, wie viel Segen und wie viel Unheil es in seinem Schoße birgt, sendet uns St. Jesim, der Engel des Ja-Sagens zum Willen Gottes, einen seiner Helfer: St. Jebusiel, den Engel der Fremdlinge. Dieses Wort wird manche vielleicht hart treffen, sie werden erschrecken und fürchten, dieses Jahr könnte sie zu Heimatlosen und Obdachlosen, zu Flüchtlingen, Verschleppten und Vertriebenen machen.

Dieser Engel aber ist nicht grausam, er ist gut. Er ist groß, viel größer als seinesgleichen, er kann einen ganzen Heerzug behüten und dabei vom Anfang bis zum Ende reichen, so dass ihm nichts entgeht und nichts ohne seinen Schutz ist.

Fremdlinge müssen nicht immer Flüchtlinge sein. Ja, wir sollen sogar Fremdlinge sein und uns als solche auf dieser Welt fühlen. Denn sobald wir uns recht warm und wohlig irgendwo niedergelassen haben, hat es den Bösen längst gejuckt und er spuckt unversehens ganz tüchtig hinein und dann stehen wir jammernd und zerbrochen da, wenn wir uns nicht rechtzeitig auf unsere wahre Heimat besonnen haben, der wir Tag für Tag näher kommen und die uns niemand, nicht Tod noch Teufel, gegen unseren Willen rauben kann.

Der Engel des 9. Chores, zu denen St. Jebusiel gehört, sind Legionen und Aberlegionen. Sie sind aber in sich nicht nur siebengeteilt, sondern durch ihre Zuteilung in höhere Chöre ganz verschieden mächtig, genauso wie ein Knecht auf einem Gut durch seine Kraft und Treue schließlich der Verwalter des ganzen Gutes und die rechte Hand des Herrn selbst sein kann, durch den dann alles geht. Diese Engel tragen auch entsprechend große Aufgaben, die nicht an Raum und Zeit gebunden sind, sondern gleich den Aufgaben der höheren Chöre geistige Gebiete umfassen. Solche Engel finden wir auch vielfach als Tagesengel, weil ihre Aufgaben dem Menschen nahe sind und der Mensch diese Engel zu Hilfe rufen soll. Rufen wir auch St. Jebusiel zu Hilfe, wenn unserer Heimat Gefahr droht, dass er mit dem Schleier Mariens jeden Zugang zu uns verdecke, dass sein starker Arm uns den Weg freimache durch alle Bedrängnisse und Querschläge zum Frieden und zur ewigen Heimat.

Gebet: Herr, lass uns nicht das harte Los der Vertriebenen zuteil werden, sondern belasse uns in der Heimat und in der Geborgenheit der Heiligen Kirche, bis Du uns durch Deine Engel zur ewigen Heimat heimholst. Amen.

 

3. Januar – St. Selamiel 9. Chor

Die Vatergüte Gottes stellt uns jeden Tag einen Engel vor Augen, damit wir von ihm lernen, so wie er unsere Augen nicht von Gott zu lassen und uns durch jeden Tag und jede Stunde die Kraft und die Hilfe zu holen, die wir für unsere Erdenwanderung brauchen. Diese Kraft und diese Hilfe wird uns nur von Gott. Wir würden alle unsere Aufgaben viel erfolgreicher beenden, würden wir dem Beispiel des Engels folgen. Dann sollen wir auch am Engel die Herrlichkeit Gottes erkennen. Der Engel ist ja nur ein geschöpflicher Spiegel der unendlichen Liebe, Güte und Weisheit Gottes. Welch wunderbare Engel gibt es! Wir begreifen durch sie, was es heißt: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." Welche Liebe ist gleich dieser?

Jeder Engel kündet uns von der Liebe Gottes; auch der, den uns Gott heute vor Augen stellt: St. Selamiel, den Engel mit der Pflugschar. Er ist dem Engel der Tiefe und Innerlichkeit, der Sehnsucht nach Gott, St. Jophiel, zugeordnet, der sich "der Umpflüger" nennt. Mit der Pflugschar muss wohl auch St. Selamiel über den Acker unserer Seele gehen.

Er ist ein Engel des 9. Chores und darum von uns am leichtesten zu begreifen.

Die Seraphim, die Engel des 1. Chores, sind für uns nicht fassbar. Umso lieber haben wir die schlichten Engel, deren Glanz uns mit Freude und Sehnsucht nach Gott erfüllt, ohne uns umzuwerfen oder zu verbrennen.

Die Zahl der Engel des 9. Chores ist nicht abzuschätzen. Sie sind Engel des Lebens, und alle Schutzengel gehören diesem Chor an, ohne Ausnahme. Jeder Engel trägt die Symbolik seiner Aufgabe – durch die Barmherzigkeit Gottes für uns erkennbar – und an diesem Symbol können wir Engel und Aufgabe am leichtesten begreifen.

St. Selamiel ist ein stiller, großer Engel; sein Gewand trägt die dunklen Tiefen der Innerlichkeit und der Arbeit auf dem Ackerfeld Gottes. Dieses Ackerfeld Gottes ist unsere Seele. Der Engel hat als Symbol seiner Aufgabe eine Pflugschar. Damit muss er wohl über den Acker unserer Seele gehen und uns bereiten für den Ruf des Herrn: "Komme!" Die Pflugschar ist blank, aber man sieht, dass mancher Stein sie verletzt hat. Wie oft ist doch der Acker unserer Seele steinig!

Damit sehen wir auch gleich unsere Pflicht, die aus diesem Symbol der Aufgabe des Engels zu entnehmen ist: Seien wir doch bereiter Acker für den Herrn! Lassen wir uns von der Liebe Gottes umpflügen und nehmen wir das Wort des Herrn willig an, das uns unseren Weg weist. Lassen wir die Worte Gottes Frucht bringen in uns, damit auch die heiligen Engel einmal kommen können, Garben zu binden und die Ernte einzuholen!

Gebet: Herr, lass über mein Herz die Pflugschar Deiner Liebe gehen, damit Deine Engel auch für Dich ernten können! Amen.

 

3. Januar – St. Asmodel 6. Chor

Zwei Hohe Fürsten stehen beisammen, als wären sie gar nicht von einander zu trennen. Sie tragen Garbe und Fischernetz als Zeichen, dass sie ausziehen zur Ernte. Einer davon ist St. Asmodel, der Engel der Klarheit und der Kindschaft in Gott; der andere ist St. Barachiel, der Engel der Tapferkeit und des Heldengeistes. St. Asmodel soll uns von Gott vor Augen gestellt sein für diesen Tag, und es ist wohl notwendig, von der Klarheit und von der Hingabe an Gott zu hören.

Wir brauchen nur die Symbolik dieses Engels zu betrachten und seine Stellung in der himmlischen Hierarchie, so können wir ganz von selbst das herauslesen, was wir uns zunutze machen sollen.

St. Asmodel ist Fürst, Verwalter eines großen fernen Gestirns – denn alles steht unter Gottes Schutz in der Schöpfung; er ist aber auch unser von Gott bestellter Helfer. Er hält mit der einen Hand das Tau eines Fischernetzes, das zum Teil noch in den Wogen eines Wassers versenkt ist, zum Teil von Hunderten von Engeln gehalten und gehoben wird. In der anderen – in der vor sein Antlitz hin erhobenen Hand – hält er eine durchsichtige Muschel, ganz gefüllt mit Wasser. Und das Licht seiner Augen und das Licht von oben, von den Augen Gottes, bricht sich und spiegelt sich in diesem Wasser und macht es aufleuchten.

Dieses Meer, in dem das Fischernetz immer wieder, tagtäglich neu von den Engeln gehoben wird, das ist unser Leben, das sind die Schwingungen, der Auftrieb der Sehnsucht zu Gott und das Absinken ins Dunkle, wie Wogen. Die Fische, das sind unsere Taten; die Engel werden sie schon nach gut und schlecht sortieren. Das Wasser in der Muschel aber, das sind unsere Reuetränen; die Muschel ist ein Sinnbild für unsere Augen. Durch die Reuetränen in denen sich Gottes Angesicht und das Angesicht der Engel klar spiegeln können, erringen wir nicht nur die Klarsicht auf Gott, sondern auch jene Kindschaft, welche die ärgsten Sünder wiedergewinnen kann. Diese Kindschaft ist eine Hingabe an Gott durch das Blut und durch das Wasser. Die Hingabe an Gott durch das Blut ist die Hingabe des ganzen Menschen durch das Sterben, durch das restlose In-Gott-Hineinsterben jeden Tag. Das Wasser sind die Reuetränen.

Der große Engel St. Asmodel, zum 6. Engelchor der Fürsten gehörig, hat über sich den 3. Chor, die Throne, und zwar erhält er den Strom des Lebens über St. Malachim, jenen Thron Gottes in der Schöpfung, der gleicherweise die Wiege wie das Kreuz trägt, das Werden und Vergehen. Zwischen die Wiege und das Kreuz bettet St. Asmodel das Leben des Menschen; so ist es in Jesu Erdenleben eingeschlossen.

Gebet: Fürst der Klarsicht durch die Reuetränen, schmelze erst das Eis unserer Gleichgültigkeit und Herzenskälte, damit wird die Gnade der Reuetränen erbitten können, die der Schlüssel zum Herzen unseres Herrn ist. Amen.

 

4. Januar – St. Hassirim 5. Chor

Dieser Engel, der das Lob Gottes als Antwort der Schöpfung trägt, steht nicht allein vor Gottes Thron. Sein weiter Mantel umschließt eine ganze Legion Engel, umschließt die ganze heilige Mutter Kirche und darüber hinaus alle Gott lobenden Geschöpfe. Der gewaltige Engel hat eine ebenso gewaltige Harfe. Ihre Größe ist gar nicht abzusehen. Es sind Hunderte, ja Tausende von Saiten darauf, nicht abzählbar. Und sie alle klingen: Du hörst, o Mensch, das Rauschen der Wälder als Lob Gottes ebenso wie die betenden Mönche im Chor, das Zwitschern der Vögel wie die Jubellieder einer Prozession, den Glockenton der stillen Zwiesprache einer Seele mit Gott wie das die Himmel erschütternde Gotteslob eines Menschen in Not und Martyrium. St. Hassirim, der das Gotteslob als Antwort der Schöpfung trägt, gehört zum Chor der Gewalten, dem V. der neun Chöre der heiligen Engel. Die Gewalten stehen im Gnadenstrom der Kraft des Wortes unter den Cherubim und über den Erzengeln; sie sind Engel der Kraft (des Wortes), und ihr Name sagt schon aus, wie ihre Wesenheit ist: Gewalt.

Der Chor der Gewalten ist in sich dreigeteilt, wie die meisten Chöre dreigeteilt sind als Widerspiegelung des Drei-Einigen Gottes. Im ersten Drittteil stehen die Hohen Gewalten; sie stehen unter dem ersten Drittteil der Cherubim, nämlich unter jenem, welches dem Vater zugewendet ist. Von ihm empfangen sie die Gnadenströme der Kraft. Sie sind auch die Träger der statischen Gewalt; sie tragen den Grund und das Fundament der heiligen Kirche, die Majestät, die Schönheit und Güte des Gotteswortes, die Gotteskraft.

Das zweite Drittteil sind die Versiegelten Gewalten. Sie stehen unter den Cherubim des Sohnes; sie sind auch im besonderen Maße dem Sohn, der Erlösung zugewandt. Ihre Kraft aber ist gedrosselt, versiegelt für den harmonischen Ablauf der Schöpfung. Wenn sie ihre Siegel gelöst bekommen, werden sie ihre Tätigkeit einstellen, bis Gott sie ruft. Sie werden der Gerechtigkeit Gottes dienstbar werden und die Geheimnisse Gottes in der Schöpfung entsiegeln.

St. Hassirim gehört zum dritten Drittteil: Zu den Niederen Gewalten. Diese sind Engel der Kraft des Heiligen Geistes. Sie tragen die ganze Spannkraft des harmonischen Ablaufes der Schöpfung, die Gesetze und die Gewalt von Schöpfung und Geschöpf und sind den Menschen zugewandt. Zu ihnen gehören die Engel der Lob-, Sühne-, Bitt- und Dankopferkraft, die Engel von Strömung, Strahlung und Kraftfeld, die Engel der Schöpfungsgesetze u. a. m.

Jedes Drittteil umfasst 24 Engel, und jeder von ihnen hat noch eine Legion von Dienern und Helfern unter sich. Zu den Engeln von Niederer Gewalt gehören z. B. die Träger der Gesetze der Schwerkraft, der Fliehkraft, der Gestaltungskraft, der Ursache und Folge, die Träger der Gewalt, der Hingabe, des guten Wollens, der übersinnlichen Kräfte, u a. m.

Gebet: Gewaltiger heiliger Engel, nimm auch unser kleines armes Lob als Klang in deine Harfe, damit es Gott preise aus der Tiefe. Amen.

 

4. Januar – St. Dinah 9. Chor

Neben St. Hassirim, dem Engel der Gewalt, der das Gotteslob trägt, steht heute vor dem Thron des Allerhöchsten ein schlichter und doch wunderbarer Engel des 9. Chores; wie müssen wir Gott danken für diese uns so nahen Engel! Ihre Aufgaben sind so unserem Herzen und unseren Fähigkeiten, unsern Nöten und geheimen Wünschen angepasst, dass wir in diesem Kreis am liebsten heimisch werden möchten, um für immer dort zu bleiben! St. Dinah ist kein lichtüberfluteter, strahlender Engel, sein Licht geht von innen aus, so wie Licht in einem Alabasterkrug. Seine Gestalt steht im Schatten und erinnert an die liebste himmlische Mutter, wie sie den Menschen nachgeht und als Madonna della strada im Schatten der Torbogen steht, um auf die Armen und in Sünde Verlorenen zu warten. Man könnte sagen, er steht abseits, wie Maria, die Zuflucht der Sünder, abseits steht und wartet. Und er hat auch, gleich der Madonna della strada, der Mutter der Straße, einen weiten Mantel; unter diesem schützt er in eifersüchtiger Liebe jene Seelen vor dem Blick und Zugriff der Welt, die sich der Herr auserwählt hat für die verborgenen Opfer der Liebe und Treue. Aber während er und seine Schützlinge im Dunkel "Gott" stehen, nur erkannt von Gott, fängt dieser große Engel mit der einen Hand den breit herab flutenden Strahl der Liebe Gottes auf und leitet ihn mit der Kraft des Opferwillens seiner verborgenen Schützlinge über Menschen und Zeit und Raum. Die andere Hand aber hat er halb unter seinem Mantel verborgen und trägt dort über dem Arm ein weißes Linnen, das Hochzeitskleid mit den Namen seiner Schützlinge, die niemand weiß als Gott allein.

So steht er vor uns, St. Dinah, der Engel der verborgenen Treue. Er dient im 6. Chor der Fürsten dem Hohen Erzengelfürsten St. Jophiel, dem Engel der Tiefe und Innerlichkeit. Durch ihn ist St. Dinah ein Engel der Sehnsucht nach Gott; seine Aufgabe macht diese Sehnsucht verborgen, wie auch alle seine Taten sich viel mehr im Verborgenen abspielen, als vor den Augen der Welt. Aber er ist auch ein Engel der Bereitschaft, und das weiße Hochzeitskleid sagt, wie diese Bereitschaft sein soll: Weiß, wie die Lauterkeit des Herzens ist, einfach, wie die einfache Wesenheit Gottes ist, – und lang und groß, so wie die Liebe Gottes den ganzen Menschen umhüllt. Der Engel trägt ein Arbeitskleid; das heldenhafte verborgene Leben und Lieben seiner Schützlinge spielt mehr im Alltag als im Sonntag. Er hält die Hände seiner Schützlinge mit seinen eigenen Händen dem Herrn entgegen und – der Herr legt sein Herz hinein.

Gebet: Mein Gott, in Demut und Treue will ich das fiat mihi sprechen, nur erkannt von Dir, nur geführt von Dir, nur umhüllt und geborgen in Deiner Liebe. Amen.

 

5. Januar – St. Ghasel 6. Chor

Ein Fürst, strahlend wie ein blauer Berghimmel, bunt wie ein Blumengarten, voll Farben, Wärme und Wohlgeruch, so steht er heute vor Gottes Thron, St. Ghasel, der Stille Fürst, der Engel des Schmucksinnes.

Alles in der Schöpfung, von Gott geschaffen, kann Ihm zur Ehre dienen und dies gilt auch vom Schmucksinn. Dieser Fürst, der den Heiligen Drei Königen förmlich vorausgeht mit seinen glitzernden Perlen und Edelsteinen, mit seiner Freude an kostbarem Öl, an Narden und Sandelholz, an feinen Teppichen und Geweben, um sie alle dem Herrn der Welt zu bringen, dieser Fürst steht wie die lebendige schöne Schöpfung vor dem Herrn, damit das Auge Gottes mit Wohlgefallen darauf ruhe – "und Gott sah, dass es gut war".

Immer jedoch steht der Böse mit seinen Helfershelfern eine Stunde vor den Menschen auf, um all sein Mühen, seine Pläne und seine Arbeiten zu vergiften und abzubiegen und für Gott wertlos zu machen. So ist es auch hier. Das Glitzernde und Warme, in das der Mensch sich wohlig einhüllt, das seinen Sinnen schmeichelt, das hat sich der Böse zum Großteil als seinen Besitz, als sein Lock- und Betrugsmittel erobert. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wenn ein Mensch ein schönes, warmes Daheim hat, dann lockt ihn nicht so leicht etwas heraus in die Not, in den Kampf, in die Entsagung. Und wenn er Freude am schönen Besitz hat, dann will er ihn nimmer hergeben, er will nichts lassen und soll doch nur an dem Einen hängen, an Gott allein. So werden Schönheit und Besitz leicht der Fallstrick, den der Böse legt, um sich die Beute zu sichern. Man kann es auch in der Geschichte sehen. Diese Klöster, die alles Gott darbrachten, die ihren ganzen Schmuck- und Schönheitssinn in den Tempel Gottes verlegten, haben in ihren einfachen Zellen Heilige hervorgebracht. Denn man kann und soll das Schöne lieben, und es doch dem Einen zuordnen. Jene prachtvollen Landsitze alter Bischöfe voll Prunk und Herrlichkeit aber haben keine Heiligen hervorgebracht und sind Stätten reichster Beute des höllischen Widersachers geworden. St. Ghasel zeigt uns hier den rechten Weg. Schwere Truhen voll herrlicher Schätze haben diese Magier aus dem Morgenland dem Kind dargebracht. Und das Kindlein hat alles gesegnet und mit diesem Segen hat es auch den fernen Besitz dieser Männer gesegnet, und kein Teufel konnte ihn mehr erraffen. Immer soll das Erstlingsschaffen, immer soll das Erste und Schönste aus unserem Besitz Gott gegeben werden, dann ist Segen über Segen auf allem. Wenn der schönste Platz der Wohnung Gott gehört, dann hält es kein Teufel in diesem Heim aus.

Gebet: Großer Fürst, wir wollen immer in aller Ehrfurcht Gott als Ziel und Mittelpunkt unseres Schönheitsstrebens setzen, dann wird in unserem Daheim und in unserer Arbeit durch deine Hilfe auch immer Friede und die Schönheit der Liebe Gottes sein. Amen.

 

5. Januar – St. Jairiel 9. Chor

Ein Schutzengel soll uns heute durch die Barmherzigkeit Gottes vor Augen gestellt sein. Sind denn Schutzengel etwas anderes als sonst die Engel des 9. Chores? Ja und Nein. Alle Schutzengel dienen im 9. Chor der heiligen Engel, damit keine Seele auf Erden je sagen könne, sie habe einen mächtigeren Schutzengel gehabt und sei deswegen irgendwie auserwählter, oder umgekehrt, ihr Schutzengel sei schwächer gewesen als andere und sie habe deswegen weniger Freude für ihre Taten. Alle Schutzengel haben die gleiche Macht, keiner mehr oder weniger. Aber sie kommen nicht alle aus dem gleichen Chor, denn jeder Engel darf einmal Schutzengel sein. Und selbst wenn sie von jeher Engel des 9. Chores gewesen sind, so ist auch dieser Chor in sieben Teile aufgeteilt und in diesen Teilen anderen, höheren Chören zugewiesen als Helfer. Im besonderen sind aber alle Schutzengel in sieben große Machtbereiche Mariens gesammelt. Maria ist die Herrin aller Schutzengel und gibt jedem Schutzengel noch die jedem Machtbereich eigene Blickrichtung – über die Ehrfurcht, die Freude, den Gehorsam –, in welcher er seinen Schützling näher und leichter zu Gott führen kann.

Wir können es heute an diesem Engel sehen, an St. Jairiel, der die Tore öffnet. Er ist wohl ein Engel des 9. Chores, aber jenem Siebenteil zugehörend, welcher den Herrschaften, dem 4. Chor, als Helfer dient. Dadurch bekommt dieser Engel die besondere Prägung als Engel der Liebe, gleich den Herrschaften. Er dient Viraguel in der Gruppe der Träger der Schalen des Heiligen Geistes; Viraguel trägt in seiner Schale das Wasser der Gnade, und alle seine Helfer sind an dieser Aufgabe mitbeteiligt, sind in irgendeiner Weise Träger des Wassers der Gnade.

Das ist auch St. Jairiel. Er öffnet den Menschen die Tore zum Haus der Gnade, zur heiligen Kirche. Die heilige Kirche allein ist die Gnadenträgerin, in ihr sprudelt die Quelle des ewigen Lebens und wird nicht versiegen bis zum Ende der Zeit. Wie viele Menschen gehen am Tor der heiligen Kirche gleichgültig oder unwissend vorüber! Aber wie oft kommt es vor, dass sie auf einmal unbewusst getrieben werden, "sich einmal diese Kirche anzuschauen", und schon ist der Ansatz gegeben, dass die Gnade auch an dieses Herz klopfen kann! Einst stand der Engel Jairiel auf Golgotha, als der Heide mit der Lanze das Herz des Herrn aufriss und so das Tor zum Quell des ewigen Lebens, der ewigen Liebe, öffnete. Nun will dieser Engel jedem, der guten Willens ist, Jesu Herz zeigen und diese Liebe, will ihm und auch dir, o Mensch, das Tor öffnen zur wahren und ewigen Heimat im Herzen des Herrn.

Gebet: Herr, lass das Tor meiner Seele geöffnet werden durch Deine heiligen Engel, dass ich Gnade finde vor Dir! Amen.

 

6. Januar, Fest der Erscheinung des Herrn – St. Jahwe 1. Chor

Sowohl der natürliche wie der gläubige Mensch wollen Gott den Herrn als Herrscher und König über sich sehen, um zu Ihm aufschauen zu können, um sich von Ihm leiten zu lassen. Darum sahen auch die auf den Erlöser harrenden Gerechten des Alten Bundes den Messias immer als König und erwarteten von Ihm die Aufrichtung eines irdischen Reiches. Darum war die Enttäuschung unter den Anhängern Jesu einer Katastrophe gleich, als sie mit dem bitteren Tod Christi am Kreuz ihre Hoffnung auf dieses irdische Königreich vernichtet sahen.

Aber sagte denn nicht der Herr: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt!"?

Erst durch das Licht des Heiligen Geistes ist den Jüngern und nach ihnen der ganzen heiligen Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen die Erkenntnis des wahren Reiches Christi aufgegangen, jene Erkenntnis, welche schon Maria zu Bethlehem hatte, als der farbenprächtige Zug aus dem Morgenland vor dem elenden Stall hielt und ihrem in so arme, billige Stöfflein gehüllten Kinde kniend die herrlichsten Schätze Asiens darbrachte. Diese Männer aus der Ferne stießen sich nicht an der äußeren Armut und Alltäglichkeit, die Gnade des Heiligen Geistes arbeitete schon in ihnen und die Engel Gottes führten sie sicher aus der Ferne zu Jesus, dem König des Himmels und der Erde.

O, wenn uns einmal die Augen der Ewigkeit aufgehen werden und wir an den Engeln erfassen können, wer und wie groß erst der Herr, unser Gott, ist!

Der gute Schutzengel hält seine Hände vor unsere Augen, wenn wir heute den Blick zum Throne Gottes richten, damit wir nicht geblendet umsinken. Vor dem Throne Gottes hält heute ein Seraph Wacht, so groß, so gewaltig, so leuchtend, dass es uns fast das Herz zersprengt. Wie lächerlich stellen wir die Seraphim dar, als vielgeflügelte Engelsköpfchen – und wie majestätisch, unfassbar und unerforschlich sind sie in Wirklichkeit, Wesen, die man in keine menschliche Form mehr pressen kann und doch Persönlichkeiten gleich den gewaltigsten Herrschern sind. Wenn Gott sie uns, vielfach verhüllt, im Bild jubelnder, in unendlicher Schnelligkeit um sich selbst und um Gott kreisender Flammen gleich Sonnen, immer drei zusammen, sehen lässt, mit Augen innen und außen und Flügeln innen und außen, wer kann dies sich vorstellen als höchste Seligkeit eines Geschöpfes?

Jener Seraph, der heute vor dem Throne Gottes als besonderer Fürsprecher der Menschen Gott lobt und dient, ist dem Sohn zugeordnet, Jesus Christus. Heute feiert ja die heilige Kirche förmlich den Geburtstag der Christ-Königs-Anerkennung durch die Welt.

St. Jahwe heißt der Seraph, "Allmacht Gottes". Sein Licht leuchtet auf dem Herrenweg Christi, des Königs, durch Zeit und Raum. Seine beiden Brüder, der Seraph des Vaters, St. Elchim, der "Sieger", und der Seraph des Geistes, St. Adonai Zebaoth, "Herr und König", geben ihm das königliche Geleite. Aber bei aller Herrlichkeit und Majestät heißt der Weg: Liebe, glühende und siegende Liebe Gottes! Die Seraphim breiten ihre Flügel wie Teppiche unter die vom Throne Gottes zu uns herabschreitende, sich herablassende Königsliebe. An ihnen können wir erkennen, wer kommt: Der Herr der Schöpfung, der Herr der Menschheit, der Herr der Engel. Wenn der Engel St. Jahwe zu seinem Bruder St. Adonai schaut, so sehen wir die Ferne nahe kommen, damit das Auge des Königs darauf ruhen kann. Und wenn St. Jahwe zu seinem Bruder St. Elchim schaut, so sehen wir die Tiefe in die Höhe wachsen, damit der Fuß des Siegers darüberschreiten kann. Sehen wir aber St. Jahwe selber an, so sehen wir in das Reich der Seligkeiten, der Himmel aller Liebe des Königlichen Herzens Jesu, das wie ein Kleinod das Herz Mariä in Sich birgt, in welchem Mutterherzen wir alle eingeschlossen sind!

Gebet: Herr, durch Deine Engel können wir erst erfassen, wie groß, wie herrlich Du bist. Mit ihnen und zu Füßen unserer Königin Maria wollen wir Deine Majestät anbeten, Deine Liebe, aber wohl am meisten Deine Barmherzigkeit, dass Du uns nicht verwirfst! Amen.

 

6. Januar – St. Jechud 3. Chor

Droben im Ring der Anbetung vor dem Throne Gottes kniet Maria, die Königin des Himmels und der Erde. Sie hat zwei Begleiter neben sich: Zur ihrer Linken St. Roph, den Engel der Erde; zu ihrer Rechten St. Jechud, den Engel der Kirche. Der Engel der Erde kniet hier für die ganze Menschheit, für die irdische Herablassung Gottes zu Seiner Schöpfung. Der Engel der Kirche kniet hier für die Auserwählte, die Braut Christi, für die himmlische Vermählung Gottes mit Seiner auserwählten Schöpfung.

So wie diese drei völlig voneinander verschiedenen, herrlichen und gekrönten Geschöpfe Gottes, so sind in Anbetung und Vor-Symbol die drei mit allen Gaben Gottes gekrönten Männer aus dem Morgenland vor ihrem Gott gekniet und haben ihn angebetet. Zu diesem Gedenken stellt uns Gott heute den Engel der Kirche, St. Jechud, vor Augen. Er kommt wie St. Roph aus dem 9. Chor der heiligen Engel. Nur ist er schon immer an diesem Platz gestanden (St. Roph ist erst nach dem Engelsturz an die Stelle eines Empörers hinaufgehoben worden). Darum lastet auch auf den Zügen St. Rophs bei aller Kindlichkeit und Heiligkeit eine durch Gott verklärte Schwermut, wissend um die geknechtete und befleckte Erde. In St. Jechud aber ist der Priester, der "alter Christus", an dieser höchsten Stelle vor Gott geehrt. St. Jechud kniet hier als Hoherpriester, doch auch als Lastträger. Die ganze Last und Not der heiligen Kirche findet in diesem Engel ihren höchsten Ausdruck und höchsten Fürbitter.

In seinem reichen Mantel sind alle "Freunde Gottes", alle Heiligen eingetragen für alle Ewigkeit. Er trägt das Buch, in welchem wir das Wort Gottes erkennen, und den Kelch mit der Patene. Aber unter den beiden Händen dieses königlichen Engels liegt auf seiner Brust die Dornenkrone seines Herrn, die Jesus Christus Seiner Kirche vermacht hat. Kein wahrer Priester ist seit Petri Zeiten ohne Dornenkrone gewesen: Klein oder groß, drückend oder beseligend, als Schmerz oder als Gespött oder als Erfolglosigkeit zu tragen. Sie gehört zu jedem Priester, wie sie zu unserem Erlöser gehört. Und selig der Mann, der die Dornenkrone bei seiner Rechenschaft vorweisen kann; ihm wird das Wort gelten: "Du guter und getreuer Knecht ..."

Gebet: Heiliger, Starker, Unsterblicher Gott, lass Dir für die unschätzbare Gnade des Priestertums danken und Dich um Deiner Kirche willen bitten um viele und wahre Priester nach Deinem Herzen, damit die Ernte groß und gut werde und heimgeholt werden kann. Amen.

 

6. Januar – St. Bihnah 3. Chor

Ein Mensch kann sich einen Engel, der zugleich ein Thron ist, recht schwer vorstellen. Man muss auch hier den Begriff "Thron" in geistiger Hinsicht nennen. Die Throne – der dritte der neun Chöre der himmlischen Geister – tragen einerseits das Prinzip der Statik in der Schöpfung, anderseits fließt durch und über sie der Gnadenstrom des Lebens. Sie sind Engel des Göttlichen Willens im Begriff: "Es werde!" Sie tragen die Schöpfungsgedanken Gottes und führen sie aus. So bauen sie dem Schöpfer einen Thron in der Schöpfung und einen über aller Schöpfung. Drei Throne bauen den Thron Gottes in der Schöpfung und sieben stehen wie Säulen um ihn herum. Sie ragen von der Schöpfung herauf; sie sind die Huldigung an Gott für das schon Gewordene. Drei aber bauen den Thron Gottes über aller Schöpfung, während sieben um sie stehen. Zu diesen dreien gehört der Engel dieses Tages, St. Bihnah, der Thron des Geistes. Sie sind drei Engel wie wunderbare himmlische Säulen, gegen die unsere Gestirne kleinen Bällchen gleichen. Sie sind der Thron für das Leben, das lebendige Göttliche Leben in seiner Dreiheit widerspiegelnd. Bina ist der Grundname aller drei Engel, aber jeder trägt diesen Namen in anderem Klang, in anderer Färbung:

Binah, der Thron des Vaters, hat in seinem Namen den knappen, guten, warmen Klang des Seins allen Lebens aus der Statik des Vaters; Binna, der Thron des Sohnes, hat in seinem Namen die kraftvolle, kämpferische Dynamik des Lebens aus dem Sohn; Bihnah, der Thron des Geistes, trägt in seinem Namen, der weich wie ein Echo klingt, die Einsicht in das Göttliche Leben der kommenden Zeit; er trägt das Prinzip der geheiligten Menschheit, hineingenommen in die Zeitlosigkeit der ewigen Seligkeit. Als Thron des Geistes ist er zugleich der Thron der Liebe, jener Thron, der im Namen der Seraphim besonders den Geist anbetet und sich tief vor dem Göttlichen Herzen Jesu neigt, dem Inbegriff aller Liebe in der Geschöpflichkeit. Durch dieses Göttliche Herz unseres Herrn geht die Brücke vom Vater zum Sohn, vom Sohn zum Geist, vom Dreieinigen Gott über die drei Bina hinab zur Geschöpflichkeit.

Gebet: Voll Sehnsucht wollen wir die Hände nach Dir ausstrecken, Heiliger Geist! Auf Deinem Thron der Liebe, der Heiligkeit, der ewigen Seligkeit, auf Deinem Engel neige Dich, komm, Tröster, komm! Amen.

 

7. Januar – St. Nicael 5. Chor

Herr, wunderbar hast Du die Dienste der Engel und der Menschen geordnet! Du hast in die Aufgabe der Engel die Menschen eingebaut und die Aufgabe der Menschen unter die Obhut Deiner Engel gestellt!

Deutlich tragen dieses die Engel von Hoher Gewalt an sich: Sie sind Engel des Bündnisses Gottes mit den Menschen. Als Engel der Gewalt sind sie von einer großen, statischen, nüchternen Kraft und Treue. Als Hüter eines Bündnisses Gottes mit den Menschen kümmern sie sich in großer Gerechtigkeit um die Belange Gottes und scheuen auch nicht davor zurück, Gewalt anzuwenden, wenn dieses Bündnis nicht eingehalten wird.

Den Gott uns heute als Fürbitter vor Seinem Thron erkennen lässt, ist einer der zwölf, welche das Bündnis Gottes mit dem Alten und dem Neuen Bund tragen. Diese zwölf sind wie Hochburgen, groß und mächtig, sie stehen mit den Füßen auf dem Boden der Schöpfung und tragen die Gesetzestafeln, die Bücher der Richter und der Könige, der Apostel und Evangelisten, der Kirchenväter und Kirchenlehrer.

St. Nicael ist der sechste dieser zwölf. Er trägt die Gewalt Jessis, des Vaters Davids und aller heiligen Menschen vor des Herrn Geburt. Er trägt die Liebe, Geradlinigkeit und Gottesfurcht aller Heiligen des Alten Bundes, die vor allem die Verheißungen Gottes an sich tragen als heiligstes Vermächtnis. Er trägt den Bund Gottes der Verheißung des Messias bis zu St. Johannes, dem Täufer, dem Größten der je aus einem Weibe geborenen Menschen. Er hat als Zeichen dessen neben dem Buch der Worte Gottes einen Stab, an dessen oberem Ende das junge Reis aus dem Stamme Jesu wächst, die Rose aus der einfachen, starken Wurzel: Maria, die reine Magd, die uns den Messias gebracht hat.

Gebet: Herr, lass uns die wunderbare Führung des Menschengeschlechtes durch Dich preisen, Der Du schon Jahrhunderte vorher in dem einfachen Mann Isai (Jesse) den Stammvater des Geschlechtes Davids Dir auserwählt hast, aus dem einst hervorgehen sollten Maria und Joseph, Mutter und Nährvater für Deinen Einzigen Sohn. Amen.

 

8. Januar – St. Admisiel 7. Chor

Er steht im Kleid des Diakons als unser Fürbitter vor Gottes Thron, mit der goldenen Tunika und einem versiegelten Buch in den Händen. Er hat ein fast strenges Denkergesicht und seine schmalen Lippen künden von einem starken, gebändigten Willen. Neben ihm auf hohem Leuchter brennt die Fackel des Glaubens, sie brennt gerade und steil auf und flackert nicht.

Dieser hohe Engel ist St. Admisiel, der siebente der sieben Mächte des Glaubens. Er trägt die Macht der Zucht des Glaubens.

Die Mächte sind vor allem Engel der Liebe. Ihre Eigenart ist, die Ströme der Gnade, die vom Throne Gottes herab über die beiden großen Ringe der Anbetung und der Ordnung und Allmacht Gottes in den Ring der Menschwerdung einströmen, aufzufangen und über die ganze Menschheit zu verteilen. Ihre Aufgabe aber ist es auch, die Herzen der Menschen so zu weiten, dass sie diese Gnaden auch aufzunehmen imstande sind, dass sie den Gnaden ein bereites Herz entgegenhalten.

St. Admisiel ist ein Lehrmeister unter den Mächten des Glaubens, wie der Hoffnung und der Liebe. Die Zucht verlangt ein Erziehen, nicht Verziehen. Die großen Ordensstifter haben die Kraft dieses Engels in Händen. Kein Orden könnte ohne die Zucht des Glaubens, die Zucht der Hoffnung, die Zucht der Liebe bestehen. Wie ein wogendes Meer von Schilf würde das Heer der Gottgeweihten sein ohne diese heilige Zucht, welche ihren Willen stählt, ihren Geist schult und sie innerlich und äußerlich stark und widerstandsfähig macht.

Ein schönes Bild der Unterschiede zwischen den Mächten des Glaubens und der Hoffnung und der Liebe ist dieses, dass die Mächte des Glaubens einem siebenfach geschliffenen Kristall gleichen, der die Tugend des Glaubens in siebenfachem Glanz und siebenfacher Kraft ausstrahlt – ,dass die Mächte der Hoffnung einem siebenfachen Reis aus einem einzigen Samenkorn gleichen, das zu einem Baum wird, der über die ganze Erde seinen Schatten gibt, dass endlich die Mächte der Liebe einem wunderbaren siebenfachen Ton gleichen, der über die ganze Menschheit schwingt und alles zum Mittönen bringt, unwiderstehlich machtvoll und doch ganz zart. So müssen wir uns die Aufgabe St. Admisiels als so eine klare, die Größe und die Majestät Gottes spiegelnde Kristallfläche vorstellen, die auch das Bild des zuchtvollen Menschen auffängt und in die Größte und Güte Gottes hinein hebt.

Gebet: Heiliger Engel, lass unser Herz stark und tapfer werden in der Zucht des Glaubens, dass wir ohne zu wanken auch die opfervollen Wege der dunkeln, fordernden Liebe Gottes gehen können, immer gleich treu und demütig, immer gleich liebend und bereit. Amen.

 

9. Januar – St. Brial 9. Chor

Auch die heiligen Engel können Lastträger sein, das sieht man an dem Engel dieses Tages. Er steht mit einem Fuß auf einer Brücke über einem tiefen Abgrund, mit dem anderen Fuß am Ufer. Breit und wuchtig steht er hier, und doch liegt in seinem Gesicht der Ausdruck eines Kindes. Er reicht die Lasten von einem Ufer zum anderen, denn die Brücke ist ganz schwach. Und hüben und drüben stehen Menschen und Engel, die geben und nehmen und danken und wieder gehen. Der Engel auf der Brücke ist St. Brial, "der Starke". Er ist einer der Engel aus dem 9. Chor, die nicht nur bestimmte Gegenden, Häuser, Pfarreien zu betreuen haben; er ist einer von denen, die über die anderen gesetzt sind durch eine überzeitliche, allgemeine Aufgabe, so wie ein Verwalter über ein ganzes Gut und nicht nur über eine Arbeit gesetzt ist. St. Brial ist dem Chor der Mächte zugeteilt, dem dritten der sieben Engel der Macht der Hoffnung, St. Abariel, dem Engel der Beharrlichkeit.

St. Brial trägt alle Wesenheiten, aber auch alle Gnaden der Lastträger. In einer unwandelbaren Treue zu seinem Herrn und Gott steht er auf seinem Platz, überall dort, wo Menschen nicht weiterkönnen vor Sorgen und Lasten und Angst. Er nimmt ihnen ganz sachte den Kummer, die Sorge, die Not, die Last. Er reicht sie über die Brücke dem Schutzengel; nun geht es leichter. Die Brücke ist das Sinnbild für eine Entscheidung, für ein Stocken und Nicht-mehr-weiter-Können, aber auch für einen neuen, besseren Anfang am anderen Ufer, den der Mensch leichter findet, wenn seine Last ihn nicht am Aufschauen hindert.

Er trägt nicht nur die Treue, er trägt auch den frohen Mut, er trägt die Zähigkeit. Er hilft den Menschen, durchzuhalten und den Mut nicht sinken zu lassen. Er weitet auch den Blick des Menschen für die Not des anderen und lehrt ihn, selbst so ein Lastträger zu werden, der den anderen über die Brücke hilft.

Gebet: Heiliger Engel, welch ein Trost ist es für uns, zu wissen, dass du auf uns wartest, wenn wir nicht weiter können, dass du uns in seelischer Not, in der Angst hilfst über die dunkle Brücke, dass wir durch dich den Weg wieder finden ins himmlische Vaterhaus. Amen.

 

10. Januar – St. Bethel 6. v. Chor

Da steht er, der Schmied Gottes! Auch ein Schmied kann ein Fürst sein, und St. Bethel ist ein Fürst. Er gehört zum 6. Chor der heiligen Engel, zum mittleren, versiegelten Drittel jener Fürsten, welche wie gebändigte Löwen die Baustoffe der Erde zu behüten haben, die Erze und Erden; das Holz und das Gestein, das Öl, den Zucker und das Salz, so geringfügig es uns auch vorkommt. Auch St. Bethels stofflicher Verwaltungskreis umfasst die ganze Erde: Er ist Fürst über alles Metall als Baustoff und Wesenheit der Schöpfung.

Weit greift seine Macht hinaus bis auf ferne Gestirne, die wir weder kennen noch ihre Zusammensetzung oder ihre Wirkungsweise ahnen. Millionen Lichtjahre trennen uns von ihnen. Die Macht des Engels aber hält das Hier und das Dort zusammen. Wir kennen sogar nur zum Teil die Metalle dieser Erde; was wissen wir von ihren Wesensstrahlen, von ihrem Kraftfeld?

Gebändigt hält der Engel alles unter seinen Händen, zum Wohl der Menschheit. Aber umgeben ist er von Legionen aus der höllischen Gegenseite, welche hinter den Menschen her sind, um Stück für Stück der Ordnung der Schöpfung zu entreißen und aus dem Angesicht der Erde ein Trümmerfeld zu machen. Noch birgt die Erde fast unermessliche Schätze an Metallen. Je tiefer aber der Mensch die Zersetzung hineinwühlt in dieses schon so tief zerfurchte Antlitz, desto dünner werden die Ketten, welche die Weisheit Gottes um alle Kraft der Metalle gelegt hat, damit der Mensch Herr bleibe. Wie gut, dass St. Bethels Aufgabe im geistigen, übernatürlichen Raum eine noch größere ist:

Den Willen des Menschen zu schmieden, zu formen, dass er wie Stahl wird, biegsam und doch unbesiegbar von den Mächten der Finsternis, dass er zu einem Schwert werde für Gott! Darum steht auch St. Bethel in seiner Aufgabe gleichsam vor uns an einem Amboss, darum ist sein Schmiedehammer grausam schwer und voller Wucht, unserem unbändigen, ungezügelten Eigenwillen angepasst. Einmal werden wir es ihm danken, wenn er uns geschmiedet hat zu einem brauchbaren Werkzeug in der Hand Gottes.

Gebet: Heiliger Fürst, wie schwer machen wir Menschen dir deine Aufgabe. Das Metall, das du betreust, verwenden wir zum Morden in größtem Ausmaß. Und unseren Willen zu schmieden überlassen wir vielfach dem Ichgötzen! Hilf uns, heiliger Fürst, zu einer Tapferkeit des Herzens und einer Zähigkeit des Willens, die uns befähigen mögen, unter deiner Hand und deinem Hammer auszuhalten, bis wir in unwandelbarer Treue selbst soweit sind, Gott in uns und um uns mit Schwert und Schild zu verteidigen! Amen.

 

11. Januar – St. Sobroniel 5. n. Chor

Dort, wo im geistigen Raume der Boden gegen die Hölle zu am schwächsten ist, wo sich himmlische und höllische Kräfte in scheinbar gleichem Ausmaße gegenüberstehen, dort sind die Träger des Willens Gottes über die Schöpfung, die Engel des 5. Chores der Gewalten, groß und unbeirrbar und wahrhaft gewaltig vor unseren Augen aufgestellt.

Jeder dieser Engel mutet an wie eine Festung, wie ein mächtiger Kraftspeicher oder wie eine ungeheure, leuchtende Kreiselscheibe, die ihre Funken über die ganze Schöpfung sprüht. In diesen Bildern zeigt uns Gott das, was jeder dieser Engel ist: Gewalt!

St. Sobroniel, der nach der Güte Gottes heute als unser Fürbitter vor dem Thron Gottes steht, gehört zu jenem unteren Drittteil dieses Chores, das in der Kraft und Beweglichkeit des Heiligen Geistes die Gesetze in die Schöpfung trägt, die Kraft der Großmut der Liebe Gottes, der Schönheit der Liebe und des Opfers, der Hingabe und des Göttlichen Anrufes.

St. Sobroniel trägt die Gestaltungskraft hinein bis in unser Herz, dass es sich dehnt und die Fesseln der Gewohnheit, der Bequemlichkeit und Eigenliebe sprengt, dass es die heimlichen Brunnen der alles gestaltenden und alles überwindenden Liebe in sich aufspringen fühlt. Wenn sich nur einmal unser Herz Gott öffnet! Dann hält es der Engel in aufleuchtender Freude dem Göttlichen Bildhauer hin, der es formt und so gestaltet, dass Himmel und Erde ihre Freude daran haben in Zeit und Ewigkeit!

Aber wir müssen mittun! Der Engel, der heute an unser Herz klopft – vergessen wir es nicht! –, er ist Gewalt! Gewalt der Liebe Gottes, die nicht nur gibt, sondern auch nimmt, die schlägt und heilt, die schmilzt und neu macht. Legen wir alles, was wir im Leben schon zerbrochen und zerrissen und befleckt haben an uns und anderen, mit hinein in diesen Göttlichen Schmelzofen, voll gläubigen Vertrauens und mit unserem ganzen guten Willen. Gott, Der die Schönheit ist und die Kraft, die Harmonie und das Maß, Er wird unser Angesicht erneuern!

Gebet: Du heiliger Engel der Gestaltungskraft, binde uns die Hände, damit wir uns willig vom Meißel Gottes bearbeiten lassen, um das zu werden, was der Herr will. Amen.

 

12. Januar – St. Abariel 7. Chor

Als Luzifer sich gegen Gott empörte, riss er Tausende und Abertausende von Engeln aller Chöre mit sich. Die reichste Ernte hielt er im Chor der Throne, im Chor der Gewalten und im Chor der Mächte. Von allen diesen drei Chören fiel die Hälfte aller Engel ab. Darin lag ein Schachzug des höllischen Gegenspielers: Denn der Chor der Throne steht im ersten Ring der Anbetung und sollte, wenn er brach, diesen Ring zur Unordnung bringen und so den Thron Gottes über allen Himmeln stürzen. Der Chor der Gewalten, im zweiten Ring der Ordnung Gottes, sollte durch seinen Sturz den gleichen Zweck erreichen, nämlich den Thron Gottes im zweiten Ring – den Thron in der Schöpfung – zu stürzen und so das Chaos über die ganze Schöpfung zu bringen. Der Chor der Mächte liegt im dritten Ring der Erlösung, und auch hier war es Luzifers Wunsch, durch den Zusammenbruch dieses Chores den Plan Gottes zu verhindern.

Gott sieht lange zu. Man meint, Er höre nicht und sehe nicht. Aber nichts ist vergessen. Wenn es an der Zeit ist, dann ist Er auch da, dann wird das Wort des Gerichtes gesprochen, und selig, wer ausgeharrt hat im Guten!

Dieses Ausharren im Guten trägt der Engel dieses Tages, St. Abariel. Er ist der Engel der Hoffnung, der Macht der Hoffnung, der Zähigkeit, der Beharrlichkeit. So wie das Vertrauen eine Macht ist, die Gott schließlich zwingt, so ist auch das Ausharren im Guten eine Macht, die Gottes Herz bezwingt.

St. Abariel hat trotz seiner Größe einen ganz leichten, weichen Schritt; er krümmt kein Gräslein, wenn er über die keimenden Felder geht und den Segen des Himmels spendet, den Tau. Er weckt das Keimen zur rechten Zeit, das Wachsen und Blühen, er übermittelt den Geschöpfen die Beharrlichkeit, trotz aller inneren und äußeren Hemmnisse ihrer Bestimmung treu zu bleiben. Er bringt den Menschen alle Gnaden und Gaben der Geduld und Treue, der Zähigkeit und Beharrlichkeit, des Wartens auf die milde Hand Gottes zur rechten Zeit. Darum hält er auch beide Hände ausgestreckt vor sich. Gott füllt sie mit dem Licht der Gnaden, die nach abwärts wie Tau in den Acker der Erde und der Seelen versickern.

Gebet: Herr, lass uns immer voll Andacht beten: "Aller Augen warten auf Dich, Du gibst Speise und Trank zur rechten Zeit, Du tust Deine milde Hand auf und erfüllest alles, was da lebt, mit Segen! Amen."

 

13. Januar – St. Thola 9. Chor

Er steht vor uns im Gewand eines Gärtners und hat eine Wurfschaufel neben sich. Er biegt mit viel Zartheit und Geduld die jungen Stämme, um sie vor dem Erfrieren zu schützen, zur rechten Zeit mit ihren Kronen an den warmen Boden. Er hüllt sie in Laub und lässt keinen hocherhoben stehen. Er hat alle Behelfe bei sich, Bast und Wachs und Kerbmesser. Es ist St. Thola, der getreue Verwalter, der die jungen Stämme zur Erde biegt.

Er ist Engel des 9. Chores und dem vierten Chor der Herrschaften zugeteilt, dem fünften der zwölf Engel von Wort und Antwort, St. Pachad, der die Gottesfurcht in den Aufbau aller Schöpfung legt.

Um die wahre Gottesfurcht zu erlangen, muss man klar und wahr sein, ja man muss wenigstens innerlich jung sein, sonst hat man nicht die richtige Gottesfurcht, diese liebende und froh sich beugende Ehrfurcht, sondern einfach Angst vor Bestrafung.

So ist auch St. Thola ein Engel der Gottesfurcht. Er beugt die Seelen, die noch nicht verholzt und vertrocknet sind, rechtzeitig und tief genug in den Boden, nicht mit den Füßen, sondern mit dem Haupt, also mit dem Geist. Denn im Geist sitzt der Hochmut, das "non serviam", das stolz erhobenen Hauptes lieber abbricht, als sich vor Gott beugt.

Über jeden von uns kommt einmal die Dunkelheit oder der Dünkel. Wenn wir das Beugen nicht gelernt haben, dann erfrieren wir entweder im eigenen Hochmut oder wir zerbrechen in der Dunkelheit und Lieblosigkeit der Welt. Beugen wir uns aber vor Gott, dem Allein-Heiligen, dem Allein-Starken, der alleinigen Majestät, dann wird Gottesfurcht zur Gottesliebe und in der Wurzel ruht die Demut. Dorthin geht unser Weg.

Gebet: Wenn wir auch seufzen, Herr, und das Zu-Boden-Beugen als eine ungerechte Verdemütigung erachten, lass Deinen heiligen Engel uns biegen bis in den Boden hinein vor Dir und um Deinetwillen, denn Du bist die Weisheit, die Fürsorge, die Liebe; Du siehst weiter als wir, was uns frommt für die Ewigkeit, Du machst es immer recht. Amen.

 

14. Januar – St. Galaad 9. Chor

Er steht vor uns wie ein leuchtender Sommertag und es ist ein Summen um ihn wie von Bienen um einen blühenden Baum oder wie rauschende Wälder. Er hat Balken über der Schulter und neben sich Säge und Axt, denn er baut ein Haus. Er nennt sich St. Galaad, "die gute Heimat". Der Chor der Engel ist in sieben Teile aufgeteilt und trotzdem ist jeder Siebenteil nicht zu überzählen, so viele Engel sind in jedem Chor. St. Galaad ist dem 8. Chor der Erzengel zugeteilt, dem Engel der Jugend und Freude in Gott, St. Ariel, dem Regenbogenfarbenen. Durch ihn erhält St. Galaad das Fröhliche, Begeisterungsfähige, denn seiner Wesenheit nach ist er eher verträumt und still. Er ist ein Baumeister, er baut uns ein Haus von der Erde hinauf bis zum Herzen Gottes. Er baut es unter dem Schutzmantel Mariens; da ist unsere wahre Heimat, in Maria und im Herzen Jesu. Er lässt uns ahnen, wo unsere wahre Heimat ist und dass wir überall nur Fremdlinge sind, Gäste, Heimatlose, außer dort oben. Er gibt uns aber auch die nötige Kraft, denn die Erzengel stehen unter den Gewalten und diese wieder unter den Cherubim und alle sind sie Engel der Kraft, des Wortes. Er reißt unsere Herzen auf in Sehnsucht nach dieser wahren und einzigen Heimat, er gibt uns die nötige Schwungkraft und Begeisterung, dass wir aus unserer Stumpfheit aufstehen und diese Heimat suchen gehen, sie mit den Engeln bauen und dort wohnen bleiben, dass wir uns diese Heimat weder zerspotten noch verschütten lassen.

Gebet: Du Engel der Heimat, der du unsere Heimat behütest, uns aber auch mit deiner erhobenen Hand gleich einem Wegweiser zur ewigen und einzig guten Heimat hinweisest, siehe die tausendfach schreiende Not aller Heimatlosen und Geknechteten! Bitte für diese Armen und auch für uns Sünder, dass wir unsere wahre Heimat nie aus den Augen verlieren, sondern sie mit deiner Hilfe zu einer wahrhaft guten Heimat für uns alle machen. Amen.

 

15. Januar – St. Semiel 5. h. Chor

Er ist der Schutzengel und Helfer des Stammvaters Abraham und wir können manche Hilfeleistung von ihm und den heiligen Engeln durch die ganze Vorzeit hindurch aus der heiligen Schrift lesen.

Mancher wird sich fragen: "Warum steht in der Heiligen Schrift so viel von den heiligen Engeln und warum ist es dann später im Laufe der Jahrhunderte so still darüber geworden? Wir haben kaum etwas davon gelernt."

Nehmen wir da das Beispiel unseres eigenen Lebens: In der frühen Kindheit war unser junges Leben sehr erfüllt vom festen Glauben an unsern heiligen Schutzengel. Wir haben nie auf das Gebet um seine Hilfe vergessen und oft sichtbar hat er in unser Leben eingegriffen, schützend, helfend, aus der Not rettend. Aber dann, als wir größer geworden sind, sind auch Ideenkreise in unserm Geist größer geworden, welche sich mit dem Ich mehr und mehr befassten. Den kindlichen Blick auf unsern stillen Begleiter haben wir irgendwo verloren, wir waren zu sehr mit uns selbst beschäftigt und waren uns selbst genug. Und da ist er ganz still zurückgetreten. Er ist nie von unserer Seite gewichen, aber wir haben ihn nie mehr gerufen, nie mehr zu Rate gezogen. Es ist unsere Schuld, die Stille um den heiligen Engel.

Und genau so ist es im Leben der ganzen Menschheitsgeschichte: Erst hat die junge Menschheit gläubig zum Himmel, zu den himmlischen Helfern aufgeschaut – und da haben die heiligen Engel auch in der Liebe und im Willen Gottes gerne und oft geholfen. Wir brauchen nur an vielen, vielen Stellen die Heilige Schrift aufzuschlagen. Aber dann ist die Menschheit sich immer mehr selbst genug geworden und der böse Feind war geschäftig, das Bild des Engels als häretisch, als unnotwendig und schließlich als eine Art Nebensächlichkeit im Glauben und nur noch im Raum der Kunst geduldet hinzustellen. Und an dieser Stelle sind wir jetzt. Würde das Böse rings um uns nicht so gefährlich und drohend aufwachsen, vielleicht hätten wir noch immer nicht den Anruf Gottes, uns mehr die Hilfe Seiner gewaltigen Diener zu sichern, gehört.

Auch der Engel, der heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht, St. Semiel, ist einmal ein stiller Schutzengel gewesen und hat den Stammvater Abraham über Steppen und gefährliche Wege aus dem Lande Ur über Ägypten bis nach Südpalästina geführt. Heute sehen wir ihn in seinem Chorteil der Hohen Gewalten, voll Majestät und Macht das Bündnis Gottes mit Abraham und allen Patriarchen tragen, und seine ausgestreckte Hand weist in die Ferne, wo das Auserwählte Volk über die ganze Erde verstreut noch vielfach herumirrt und sich erst langsam, nach fast 2.000 Jahren, wieder zu sammeln beginnt.

Gebet: Heiliger Engel, lehre du uns den unerschütterlichen Glauben, den Abraham hatte, und die Treue, niemals auch nur einen Schritt von Gott zu wanken, damit der Segen Gottes immer bei uns bleibe! Amen.

 

16. Januar – St. Vedad 4. n. Chor

Die Wahrheit ist ein Licht, das töten kann. Darum hält St. Vedad, der dritte der zwölf Engel von Wort und Antwort aus dem Chor der Niederen Herrschaften, seine Hände wie schützend vor dieses Licht, das aus der Wahrhaftigkeit Gottes bricht. Er hat die Wahrheit in die Wurzel aller Dinge in der ganzen Schöpfung zu tragen. Er kann sie nur in der Gnade tragen, sonst ist die Wahrheit, die aus Gott bricht, untragbar – auch für einen Engel.

Zwölfmal hat Gott die Schöpfung angerufen, dass sie durch die Engel, die Knechte und Diener Gottes, Seine Wesenheiten als Gaben empfangen, damit wie mit einem Pfund wuchern und der letzte der zwölf die Frucht heimbringe. Er hat die Schöpfung viergeteilt für diese Gaben, so dass jedes Vierteil drei Gaben empfange. Die Vierteilung entspricht dem Geschöpflichen, während die Dreiteilung dem Göttlichen entspricht. Die Schöpfung erscheint hier im Gleichnis eines Samenkorns, das zuerst Wurzeln schlägt und dann oberständig aufbaut; es kommt zur Blüte und dann zur Frucht. In die Wurzel aller Dinge legt Gott zuerst das Maß, das wir nur zu einem kleinen Teil begreifen – meist wohl gar nicht. Dann legt er das Gesetz hinein (dem wir nach stöbern mit all unserem Forschungsdrang und Fürwitz und Ehrgeiz, nicht um Gott darin anzustaunen und zu loben, sondern um es nachzumachen und uns die Gewalt über die irdischen Kräfte anzueignen ... "Ihr werdet sein wie Gott ..." Durch Jahrtausende kranken wir an diesem Gift). Und auf das Gesetz legt Gott die Wahrheit, die unerbittlich offenbar wird zu dem Zeitpunkt, den Gott bestimmt, und woran kein Lebewesen der Schöpfung, weder der Mensch noch selbst der Engel etwas ändern kann. Und jedes Geschöpf erkennt die Wahrheit nach dem Maß seiner Fassungskraft, und niemand kann sagen: "Ich wusste von nichts". Diese Wahrheitserkenntnis mit dem dazugehörigen Willensakt, das ist die Prüfung, das ist die Gerichtsfrage: "Wie hast du die Erkenntnis gelebt?" Der Vater fragt nach der Wahrheit des Lebens, das wir gelebt, der Sohn nach der Wahrheit des Wortes, das wir gesprochen, der Geist nach der Wahrheit unseres Herzens, unserer Liebe. So geht St. Vedad durch die Schöpfung als klare, ernste, kaum begreifbare Gestalt, mit dem Licht in seinen Händen, mit der Lauterkeit des Kindes, mit dem Opfergeist des Priesters, mit der Unerbittlichkeit des Engels.

Gebet: Wahrheit Gottes, die du dich zeigst hinter dem schützenden Engel, lass auch uns wahr sein wie ein Kind, opferbereit wie ein Priester, unerbittlich in der Selbstzucht wie St. Vedad, der dich, o Wahrheit Gottes, in die Wurzel aller Dinge zu legen beauftragt ist. Amen.

 

17. Januar – St. Jessim 3. Chor

Wenn uns Gott in Seiner Barmherzigkeit jeden Tag einen Engel als Fürbitter darstellt, so geschieht dies immer in einer für uns Menschen doch irgendwie fassbaren Weise. Er lässt also die Gestalt des Engels in einem menschlichen Gewande erblicken, damit der himmlische Zweck erreicht werde, dass der Mensch im Engel seine Hilfe und Stütze, seinen heiligen Beschützer und Wegweiser, sein Vorbild sehe. So ist die Gestalt des Engels uns gegenüber in ein für uns fassbares Gewand gekleidet, während der Engel Gott gegenüber in seiner wirklichen Wesenheit steht. Diese ist für uns – besonders bei den höheren Chören – weder richtig darstellbar, noch richtig begreifbar. Können wir uns etwa Wesen mit Augen innen und außen, mit Flügeln innen und außen, vorstellen? Können wir uns Berge vorstellen mit Füßen aus Erz und Kronen aus Gold? Darum stellt uns Gott St. Jessim, der die Mystik trägt, aus dem Chor der Throne, als Engel vor Augen – freilich von einer Wucht und Größe, die erschrecken macht. Aber ist die Mystik in Gottes Augen nicht eine Gotteserkenntnis aus dem dunklen Glauben? Und alle Gotteserkenntnis ist das Haus, das wir bauen, das einzige, richtige und dauerhafte Haus, in dem wir wohnen in alle Ewigkeit. Es soll uns die Größe dieses Engels mahnen, unser Haus Gottes so groß und so stark zu bauen, wie wir nur können. St. Jessim steht verschleiert vor uns, denn Gott zeigt sich dem dunkeln Glauben nicht. Aber im Engel bricht von innen her durch seine Augen, seinen Mund, seine Hände ein ganz starkes, ja fast untragbares Licht. Wenn die Mystik, das heißt Geheimnis Gottes, auch nach außen hin verschleiert ist, so trägt sie Gott innen in strahlendem Licht. St. Jessim hat auch ein seltsames und gewaltiges Instrument in Händen, eine breite, kurze Orgel, mit drei mächtigen Pfeifen. Diese drei Pfeifen sind wie Säulen so stark; sie sind Symbol für die drei Throne der Schöpfung: St. Schemajim, St. Malachim, St. Ophajim. Sie sind auch Symbol für die drei Ströme: Des Lebens, der Kraft und der Liebe, die durch diese drei Throne fließen.

St. Jessim holt sich den Strom des Lebens aus der ersten Säule, nämlich den dunklen Glauben, die Kraftquellen von heiligen Orten und Zeiten, und gibt alles an die Stillen Fürsten weiter. Er holt sich den Strom der Kraft aus der zweiten Säule: Die dunkle Hoffnung, die Kraftquellen von den Heiligen, und gibt alles an die Versiegelten Fürsten weiter. Er holt sich den Strom der Liebe aus der dritten Säule: Die letztliche Liebe, die Kraftquellen der heiligen Kirche, und gibt alles an die Hohen Fürsten weiter.

Gebet: Herr, nimm Du alle falsche Mystik von uns, die doch nur dem eigenen Geltungsdrang entspringt, und gib uns den dunklen Glauben, die dunkle Hoffnung, die dunkle Liebe. Amen.

 

18. Januar – St. Moriel 4. h. Chor

Es steht in der heiligen Schrift, Offenbarung 21,9-22, wie einer der sieben Engel, welche die sieben Schalen voll der letzten sieben Plagen haben, zum heiligen Apostel Johannes kam und sagte: "Komm, ich will dir die Braut des Lammes zeigen!" Und er brachte ihn auf einen großen und hohen Berg (das bedeutet, er eröffnete ihm die Sicht auf das, was er ihm zeigen wollte), und zeigte ihm die heilige Stadt Jerusalem, die aus dem Himmel von Gott herniedersteigt und die Herrlichkeit Gottes an sich trägt. "Sie hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren, und über den Toren zwölf Engel, und Namen sind darauf geschrieben, die Namen der zwölf Stämme Israels. Und die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine und darauf die Namen der zwölf Apostel des Lammes ..."

Den Gottes Güte heute als unseren Fürbitter uns vor Augen stellt, der ist einer dieser zwölf Engel auf den zwölf Toren des Neuen Jerusalems. Es ist St. Moriel, der erste der zwölf. Er ist mit seinen elf Brüdern aus dem Chorteil der Hohen Herrschaften und ein Engel der Liebe. Wenn die Scharen der Erlösten nach dem großen Weltgericht einziehen werden in die ewige Heimat, dargestellt im Bild der Stadt Gottes, des Neuen Jerusalem, dann werden sich zwölf Tore ihnen öffnen und zwölf Engel der Liebe werden ihre Arme ausbreiten, die seligen Heimkehrer zu empfangen. St. Moriel steht über dem Tor, das bei den heiligen Engeln "Tor der Ecksteine" heißt und durch das einst für den Neuen Bund der heiligen Apostel Petrus mit den Seinen einziehen wird, mit jenen, welche wie er Felsen für die Kirche bedeuteten, auf denen sie stehen konnte in den Stürmen der Zeit. Darum sieht auch St. Moriel selbst so aus wie ein Fels, so unbezwingbar stark. Er steht auf einem Eckstein, als wäre er mit ihm verwachsen, und seine Hand hält emporgehoben den Bau der heiligen Kirche. Die Menschen, welche hier einziehen, sind wie Felsen zur Lehre Christi gestanden, sie haben die heilige Kirche gleich Säulen aufgebaut und gestützt und geziert, sie werden immerdar eine Zierde des Reiches Gottes auch im Himmel und für alle Ewigkeit bleiben.

Gebet: O Maria, von der es über diesem Tor heißt: "Du Turm Davids, du Königin der Apostel, du Mutter der heiligen Kirche", lass uns an der Hand der heiligen Engel auch zu festen Stützen der heiligen Kirche werden, dass wir sie auf unsern Schultern tragen und verteidigen können, sie aber uns einst in die ewige Seligkeit hineinträgt. Amen.

 

19. Januar – St. Essaim 9. Chor

Ein Schutzengel kniet vor dem Thron des Allerhöchsten. Er hat dem Herrn die Hände hingehalten und diese Hände tragen etwas ganz Kostbares –, die Krone Mariens, die zarte himmlische Krone, die Maria unsichtbar zeit ihres Lebens getragen hat, selbst ihr nicht bewusst, den Engeln aber eine Freude und dem Drei-Einigen Gott Wohlgefallen und Gerechtigkeit. Niemand hat diese Krone im Leben gesehen, aber gefühlt hat man es, dass Maria königlich sei, gefühlt an ihrem Herzensadel.

Diese zarte Krone trägt St. Essaim, der Engel des Herzensadels. Adel lässt sich nicht erlernen, er ist etwas Gegebenes. Aber jede Seele wird adelig erschaffen als Gottes Ebenbild. Jede Seele ist in ihrem Anbeginn ein Wunder an Reinheit. In den Augen des Kindes sieht man noch die adelige Gottesseele, bis sie von den Menschen besudelt, betrogen, belogen, geschändet und "der Zeit angepasst" wird.

St. Essaim ist dem 5. Chor zugeteilt, den Gewalten. Dadurch wird auch die Gabe des Herzensadels zu einer Gewalt, die hässliche Reden verstummen macht in Gegenwart einer reinen Seele; zu einer Gewalt, die der Seele Starkmut und Größe verleiht. St. Essaim ist dem Engel von Hoher Gewalt, St. Sophitiel, zugeordnet, der die Tugenden Mariens wie einen Schatz durch die Schöpfung trägt. Aus diesen Tugenden schöpft St. Essaim; er schöpft die Sanftmut, die Frömmigkeit, den Starkmut, die Demut, die Geduld, die Lauterkeit, den Edelmut, die Hilfsbereitschaft, den Takt, den Weitblick, die Schweigsamkeit und die Treue. Als Schutzengel hängt er mit dem Engel der Hingabe an Gott zusammen, dem Patron der Opferseelen, der Märtyrer und Bekenner. Die Hingabe an Gott wird durch St. Essaim eine verborgene, schweigende, die sich nur Gott öffnet, sonst niemandem.

Gebet: Heiliger Engel, der du uns in der Krone, die du trägst, die Tugenden und die Schönheit der Seele Mariens vor Augen stellst, verleihe uns die Gnade, nach unsern Kräften diese Tugenden nachzuahmen, sie den andern vorzuleben, vorzulieben, vorzuopfern, vorzusterben. Amen.

 

20. Januar – St. Amiel 7. Chor

Er steht vor einer großen, mächtigen goldenen Flügeltüre wie ein Türöffner zum Thronsaal der Majestät Gottes und trägt ein ganz starkes Licht, das still und steil brennt, nicht lodernd gleich einer Fackel. Sein Kleid ist das der Diakone der heiligen Kirche, die Tunika. Sein Angesicht ist unbeweglich versunken und verankert in der beseligenden Anschauung Gottes. Nur durch Gott sieht er auf uns, von Gott her trägt er seine Aufgabe zu uns. Es ist St. Amiel, der fünfte der sieben Mächte des Glaubens, die mit den Mächten der Hoffnung und der Liebe und den Engeln der heiligen Kirche den 7. Chor in der Engel-Hierarchie bilden.

Die zum Chor der Mächte zusammen gefasst wurden, sind alle Engel der Liebe, weil sie von den Seraphim aus dem Ring der Anbetung herab über die Herrschaften den Gnadenstrom der Liebe aus dem Herzen Gottes empfangen und weiterleiten können. Und doch sind sie auch Engel des Lebens, besonders die sieben Mächte des Glaubens mit ihren Legionen Engeln. Sie machen das Leben des Menschen durch die Glaubensgnade erst zu einem wirklich lebendigen Leben. Und sie sind auch Engel der Kraft, besonders die sieben Mächte der Hoffnung, weil sie den Menschen helfen, dass ihr Wille zu Gott und zum Guten erstarke und sich geradlinig auf das Ziel des himmlischen Vaterhauses richte.

St. Amiel trägt die Macht der Wahrheit des Glaubens. Glauben heißt: Nicht wissen und doch das Vorgestellte unbedingt für wahr halten. Ohne die Glaubensgnade tappt der Mensch im Dunkeln und findet sich allein nicht zurecht. Er braucht ein Licht, das ihm die Wahrheit des Glaubens an Gott, den Drei-Einigen, an die Erlösung durch Jesus Christus, an die heilige Kirche klar vor Augen stellt. Dieses Licht trägt St. Amiel; mit seiner Hilfe erkennen wir die Wahrheit jedes Wortes Gottes, erkennen wir die Allmacht und Majestät, die Allwissenheit und Gerechtigkeit, die Güte und Barmherzigkeit Gottes. Das Licht St. Amiels ist klar und einfach, voller Nüchternheit der Wahrhaftigkeit, das keine Ausschmückung oder Verdeckung, keiner Beschönigung oder Verteidigung bedarf. Er stellt den Menschen auf den Boden der Bereitschaft und Treue, der Demut und Lauterkeit. Es verlangt den ganzen Menschen ohne Kompromisse oder Bedingungen. Was nicht ganz wahr ist, ist unwahr. War aber wahr ist, braucht nur ein "ja, ja" oder "nein, nein", mehr nicht. So ist die Wahrheit des Glaubens immer verbunden mit der Einfachheit, der Klarheit. Und wie kommt der Mensch zu dieser Gnade, die Wahrheit des Glaubens zu erkennen und zu leben? Der Klein-Gläubige wird sie nie erhalten. Also müssen wir groß-gläubig werden, wir müssen zu unserem Willen zum Glauben auch die schweigende Großmut legen, bedingungslos anzunehmen, was der Glaube lehrt und befiehlt, weil Gott es ist, Der uns lehrt und befiehlt. Dann wird Gott immer diese unsere Großmut übertreffen und mit göttlichem Licht der Klarheit lohnen.

Gebet: Herr, wenn wir kleingläubig werden, weil wir kurzsichtig im Geist von Geburt aus sind, dann sende uns diesen großen Engel mit seinem klaren, stillen Licht, dass er uns schweigend in die Tiefe der Wahrheit des Glaubens mitnehmen möge, uns festige und stärke! Amen.

 

21. Januar – St. Tiphered 4. n. Chor

Die zwölf Engel von Wort und Antwort aus dem Chorteil der Niederen Herrschaften tragen wie in einem Regenbogen die Wesenheiten Gottes hinein in die Schöpfung. Sie gehen zu drei und drei; sie tragen Liebe, Gottesfurcht und Gerechtigkeit in den Aufbau aller Dinge, sie tragen Weisheit, Schönheit und Harmonie in die Blüte aller Dinge, sie tragen Macht, Stärke und Triumph aus der Frucht aller Dinge hin vor den Thron des Allerhöchsten.

Der heute vor unseren Augen als Fürbitter steht, ist der achte der zwölf Engel von Wort und Antwort, St. Tiphered, der die Schönheit trägt in die Blüte alles Seins. St. Tiphered steht vor uns mit dem Symbol des geöffneten Siegels. So ist der Tabernakel die Blüte am Lebensbaum der Kirche, und die heiligen Engel zeigen uns die Schönheit dieser Blüte, die da ist: Der verborgene Gott Selbst. Er hat Sich vor uns unter sieben Hüllen verborgen: Vor unsern fünf Sinnen, ja auch vor unserem sechsten Sinn, denn kaum ein gewöhnlicher Sterblicher kann ohne Hilfe von oben oder unter eine geweihte Hostie von einer konsekrierten unterscheiden. Und Er hat Sich vor unserem Geist, auf den wir uns so viel einbilden, verborgen. Niemand kann dieses Geheimnis der Menschwerdung durchdringen und ausschöpfen. In der Gnade des dunklen Glaubens aber erkennen wir die Schönheit unseres Herrn als Brot.

Das ist das Zentrum; von hier aus strahlt die Schönheit, die in der Unberührtheit liegt, in der Makellosigkeit, der Lauterkeit, in der Liebe, im Opfer, über die heilige Kirche. Die Schönheit dieses Geheimnisses ist vom Geist getragen, sie ist die innerste Schönheit, die zarteste Blüte. Um sie liegt die Schönheit des Ebenbildes Gottes, die uns begegnet in Maria als Mensch, in unserem Herrn als Kind, als Mann, in aller Schönheit, Klarheit, Unschuld und Größe, die sich nach außen im Menschen widerspiegelt und seine körperliche Schönheit trägt. Sie ist in der Menschwerdung des Sohnes geheiligt, in der Jungfrau und Mutter Maria, und spiegelt sich in der Unschuld und Unberührtheit des reinen Menschen. Sie ist die zweite Blüte der Schönheit. Als der Vater das "Werde!" zusammen mit dem Sohn und im Geist sprach, hat St. Tiphered seine Aufgabe, die Schönheit in die Schöpfung zu tragen, aufgenommen und wird sie erst beenden, wenn alles auf Erden versiegelt ist. Diese dritte Schönheit, die Schöpfung, in die Weisheit und Güte Gottes eingebettet, können wir stündlich erkennen, von der Schneeflocke angefangen bis zur Wettertanne auf der Höhe und dem Adler, der darüber kreist.

Gebet: Engel der Schönheit aller Dinge, lass uns mit Dir Gott loben für alles, was Er geschaffen, denn Er hat alles in Schönheit getan. Amen.

 

22. Januar – St. Aradim 3. Chor

Kraft und Gewalt der Throne sind wie Berge, die vom Himmel bis zur Erde herab reichen, die von der Erde aufstehen und bis zum Himmel ragen.

Den Gottes Güte uns heute vor Augen stellt, damit wir die Wesenheit der Throne richtig erfassen in ihrem Sein und ihrem Tun, in der Art und Macht ihrer Fürbitte, dieser Engel ist St. Aradim, von den ersten sieben Thronen aus dem 3. Chor, der sich droben im Ring der Anbetung rund um den Thron Gottes befindet.

Die Throne sind die obersten geschöpflichen Träger des Gnadenstromes des Lebens aus Gott, der gleichsam aus dem Haupt Gottes wie ein ewig strömender Quell hervorbricht und das Göttliche "Werde", das "Sei" zur Schöpfung hinab trägt. Diese Throne sind drei und sieben und nochmals drei und sieben. Die ersten drei bilden den Thron Gottes über allen Himmeln und die ersten Sieben ragen wie Berge mit der Spitze nach unten vom Ring der Anbetung herab bis zur Erde, siebenfach die Auswirkung des Göttlichen Schöpferwortes zur Erde geleitend. Die zweiten Drei bilden den Thron Gottes inmitten Seiner Schöpfung, die zweiten Sieben stehen gleichsam auf der Erde auf als die Behüter des schon Gewordenen, das sie nun mit der Gewalt der Anziehungskraft Gottes hinauf geleiten zum himmlischen Ziel. Ein einziger Thron ist mitten in diese Gruppen gestellt wie ein Kind unter Männergestalten: Der Thron Mariens, St. Aralim Enneth.

St. Aralim hat eine für uns Menschen gar nicht abschätzbare Aufgabe: Die gebündelte Ordnung und Gesetzmäßigkeit in die ganze Schöpfung und jedes einzelne Geschöpf zu leiten, alle Geschöpflichkeit in die Ordnung und das Maß und Gesetz Gottes einzubeziehen. Und nicht nur das: Das Göttliche "Werde" ist auch immer voll Weisheit und Wahrheit, voll Macht und Stärke, voll Schönheit und Harmonie. Auch darüber muss St. Aradim wachen. So gewaltig müssen wir ihn uns vorstellen, als ob seine ungeheuren Flügel des Gehorsams gegen Gott die ganze Schöpfung umfassen würden. Er steht am Wort Gottes auf, denn das Wort, der Sohn, ist der Herr und der Richter der Schöpfung. Und der Engel ist so groß, dass er wie eine Himmelsleiter wirkt, an welcher der einzelne Mensch und die ganze Schöpfung in der Ordnung und der Macht des Wortes hinaufwachsen, bis zu den Stufen des Thrones Gottes. Ganz klar ist der Engel, und das bedeutet für uns, dass seine Aufgabe eine selbstverständliche Forderung an uns ist.

Begeben wir uns hinein in diese Klarheit, so werden wir nicht nur die Schönheit und Harmonie der Göttlichen Ordnung erfassen, sondern auch die Macht und Gewalt der Anziehungskraft der Göttlichen Liebe an uns erfahren. Legen wir ruhig alle unsere innere Un-Ordnung in die Hände dieses Engels, er wird sie mit seiner Fürbitte in die Hände Dessen geben, Der gesagt hat: "Siehe, Ich mach alles neu!"

Gebet: Allmächtiger, ewiger Gott, lass uns immer Deinen Willen im Gesetz und in der Ordnung erkennen und mit der Kraft und der Hilfe Deiner Engel in aller Treue erfüllen. Dich liebend und lobend in alle Ewigkeit. Amen.

 

23. Januar – St. Jai 1. Chor

Eigentlich sind alle Engel, da sie Maria zur Königin haben, auch Engel Mariens, ebenso wie sie als Geistwesen Engel des Geistes sind. Und doch gibt es hier viele Unterschiede, von großen, auffallenden bis zu den feinsten. Am deutlichsten sind diese Unterschiede im zweiten Ring der Ordnung und Allmacht Gottes, weil hier auch die einzelnen Chöre samt ihren Unterteilungen scharf ausgeprägt sind und nach Zahlen genommen die stärksten Chöre darstellen.

Je höher hinauf wir schauen, desto mehr blendet uns das Licht, desto näher kommen sich alle Gnadenströme an Kraft und Licht in ihrem Ursprung. Um diesen Ursprung stehen zuerst die Seraphim, dann die Cherubim und dann die Throne. Die Seraphim stehen am höchsten im Gnadenstrom der Liebe, im flutenden Licht des Heiligen Geistes, selbst wenn sie innerhalb ihres Chores in drei Teilen je dem Vater, dem Sohn und noch einmal dem Geist zugeteilt sind. Denn es strömt über den Geist die Liebe des Vaters ebenso in die Schöpfung ein wie die Liebe des Sohnes, wie die Liebe des Geistes Selber.

Heute, an diesem stillen Marienfest, da die heilige Kirche die Vermählung der Jungfrau mit dem heiligen Joseph feiert, steht droben vor dem Angesicht Gottes an den Stufen des Thrones ein Seraph im Namen der heiligen Kirche: St. Jai, der heißt "Guter Gott". – Die Seraphim sind schwer in wenigen Worten zu beschreiben. Sie stehen so nah dem unfassbaren Lichtring des Drei-Einigen Gottes, dass nur durch Gott Selber und die heiligen Engel eine Kenntnis über sie zu uns gelangen kann. Sie sind dreifach und doch einfach, widerspiegelnd den Dreieinigen Gott, den Vater, den Sohn, den Geist. So bilden drei Seraphim einen Seraph, wie drei Göttliche Personen ein Gott sind. Sie haben uns ganz unverständliche Namen, die sich nur auf Gott Selbst beziehen und der erste, oberste geschöpfliche Spiegel einer der Wesenheiten Gottes sind.

So stellt St. Jai als "Guter Gott" die oberste Verbindung Gott-Mensch dar. Er ist die oberste Engel-Brücke zwischen Gott und Mensch, Wie wunderbar, dass zuerst der gute Gott Sich dem Menschen zuneigt, nicht der Sieger oder der Starke. Der gute Gott kommt zu uns und Er wählt Sich als erstes Menschenkind Seiner großen Liebe Maria aus, – in sie hinein legt Er sich.

Mariä Vermählung, das ist die festliche Erinnerung an die Güte Gottes, Maria für ihr Kind innerhalb ihres Lebens den äußeren, rechtlichen Schutz zu geben. St. Joseph aber ist durch die Gottgewollte Verbindung mit Maria der Schutzherr der heiligen Kirche und aller Engel der Kirche geworden, er ist auf seiner rechtmäßigen Stelle neben Maria vor allen Engeln der Mann Gottes, dem die ganze Verteidigung gegen die ungeheure höllische Macht obliegt.

Zu St. Jai aber, dem Seraph Guter Gott, gehört der Seraph des Vaters, St. Elohim, "der Alles-Wissende", und der Seraph des Geistes, St. Ananai, "Er wird euch alles lehren". Im letztgenannten Seraph finden wir den Hinweis auf die Demut St. Josephs, der völlig zurücktritt und von dem wir kein persönliches Wort besitzen.

Gebet: Herr, lass die Glut Deiner Seraphim auch unsere Herzen entzünden, lass in ihnen auch für Maria und Joseph einen Thron bereitet werden, einen Thron der Liebe. Amen.

 

23. Januar – St. Sophitiel 5. h. Chor

Wie es auf der Erde verschiedene Menschengruppen gibt, welche sich auf Grund einer gemeinsamen Aufgabe, einer gemeinsamen Art der Denk- oder Lebensweise oder um eines gemeinsamen Zieles willen eng zusammengeschlossen haben, so müssen wir uns vorstellen, dass es auch in der Welt der heiligen Engel solche Gruppen gibt innerhalb jedes Chores.

In dem Engel, den uns Gott heute vor Augen stellt, St. Sophitiel, aus dem Chorteil der Hohen Gewalten, können wir dies erkennen. Dieser Chorteil besteht aus einer Zwölfer-, einer Siebener-, einer Vierergruppe und einem einzelnen Engel in ihrer Mitte. Die Zwölfergruppe trägt das Bündnis Gottes mit den Menschen des Alten und Neuen Bundes. Die Vierergruppe beinhaltet die Ecksäulen, tragend das Bündnis Gottes mit den Menschen im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe und in der Gewalt der heiligen Kirche. Der eine trägt den Willen Gottes zum Kreuz, die sieghafte Gewalt der Torheit des Kreuzes.

St. Sophitiel steht in der Mitte der Siebenergruppe: Der erste der sieben trägt im Hinblick auf die Geburt Christi die Gewalt der Unschuld über das Herz Gottes,

der zweite trägt im Hinblick auf den Opfertod Christi die Gewalt des Kreuzes (und aller Kreuze) über das Herz Gottes,

der dritte trägt im Hinblick auf den Sohn, Der den Willen des Vaters erfüllte und das Gesetz vollendete, die Gewalt der Kirche über das Herz Gottes,

der vierte ist St. Sophitiel. Er steht in der Mitte dieser Gruppe. Er trägt im Hinblick auf die Unversehrtheit, die Schönheit, die Tugenden und die Schmerzen Mariä die Gewalt der Gottes-Gebärerin über das Herz Gottes,

der fünfte trägt im Hinblick auf die Erlösung die Gewalt des Wortes Gottes über das Herz Gottes,

der sechste trägt im Hinblick auf das Angesicht Christi die Gewalt aller Gottgezeichneten und Gottgebundenen über Gottes Herz,

der siebente endlich trägt im Hinblick auf das Gericht die Gewalt der Liebe und Gerechtigkeit Gottes über das Herz Gottes.

So stehen diese sieben "Prägenden" bereit, den Willen Gottes an der Menschheit zu erfüllen, um sie heimzuholen als eine vollendete Braut. St. Sophitiel trägt seine Aufgabe gleich einem Geschmeide, von einem Mantel, einer Wolke verhüllt zum Zeichen, dass alle Tugenden im Hinblick auf Maria den Frauen der Erde angeboten werden, aber im Verborgenen, damit der wunderbare Schmelz dieses Zierats nicht vom Gift und Staub der Welt berührt werde und verloren gehe.

Gebet: Maria, Jungfrau, Mutter und Königin, wir wollen dich grüßen und preisen ob deines Tugendglanzes mit allen Engeln und Heiligen, jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.

 

24. Januar – St. Nathaniel 5. h. Chor

So wie die vierundzwanzig Ältesten die menschlichen Vertreter der Schöpfung vor dem Thron Gottes sind, so sind die vierundzwanzig Engel: Die zwölf Schutzengel auf den Toren des Neuen Jerusalem (aus dem Chor der Hohen Herrschaften) und die zwölf Hohen Gewalten, die Engel-Betreuer und Engel-Vertreter vor dem Thron Gottes.

Von den vierundzwanzig Ältesten sind zwölf aus dem Alten Bund und zwölf aus dem Neuen Bund.

Die zwölf Engel auf den Toren des Neuen Jerusalem aber tragen gleichzeitig das Zeichen der zwölf Stämme Israels wie das Zeichen der zwölf Apostel, sie stehen also für alle vierundzwanzig hier.

Die zwölf Hohen Gewalten teilen sich jedoch wieder in sechs, die das Bündnis Gottes mit dem Alten Bund, mit dem Volk Israels, tragen, und sechs, die das Bündnis Gottes mit der heiligen Kirche, dem Neuen Bund, tragen.

Der Fürbitter dieses Tages, St. Nathaniel, gehört zu den letztgenannten sechs Hohen Gewalten; er trägt als der dritte der Sechs für den Neuen Bund das Buch (die Schriftrolle) für den heiligen Apostel Paulus und alle Kirchenlehrer und Kirchenväter. Er trägt das Buch zugleich mit einem Schwert; das soll nicht nur das Siegeszeichen des heiligen Apostels Paulus sein, der enthauptet wurde, sondern soll auf die Kraft des verkündeten Wortes hinweisen. Sagt nicht der Herr selbst: "Ich bringe das Schwert ..."? Ihn allein, den Herrn, sollen wir hören! Vom Ihm sagt St. Paulus: Er ist erschienen im Fleische, beglaubigt durch den Geist, kundgetan den Engeln, verkündet den Völkern, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.

Gebet: Herr, nach Deinen Mahnungen wollen wir die Heilige Schrift lesen und immer wieder lesen als das Buch aller Bücher, damit wir durch die Weisheit gestärkt und durch ihre Liebe entzündet werden mögen. Amen.

 

25. Januar – St. Goribiel 4. h. Chor

Wie eine leuchtende Feuersäule steht er vor dem Herrn, wie jene, die damals das israelitische Volk durch das Rote Meer führte. Er ist Glut und Mahnmal und Lockung zugleich, zwingend und hilfeverheißend, er wirkt wie ein gewaltiger Dynamiker inmitten der den Seraphim ähnlichen Herrschaften voll fließenden Lebens. Die Seraphim tragen die Liebe Gottes und verströmen sie auf die Herrschaften und Mächte. Die Dynamiker des obersten Ringes der Anbetung aber sind die Cherubim, sie verströmen die Kraft des Wortes auf die Gewalten und Erzengel.

St. Goribiel fängt beide Ströme auf: Als Engel der Herrschaft von Hoher Gewalt steht er, der zweite in der Reihe der zwölf Engel auf den Toren des Neuen Jerusalem, unter dem Liebesstrom der Seraphim und hat zu seiner Rechten den Erzengel St. Raphael, den "Liebenpfeil Gottes", zu seiner Linken den Engel des liebenden Trostes und der Heilung. Aber St. Goribiel steht auf dem Tor der Priester, und alle Priester sind des Sohnes und fallen somit unter die Betreuung der Cherubim an oberster Chor-Stelle. So bekommt St. Goribiel auch von dieser Seite her den gewaltigen Strom der Kraft. Beide, Liebe und Kraft, liegen auch in seiner Aufgabe und seinen Symbolen. Er trägt den Brustschild des Alten Bundes wie ein Hoherpriester für den Stamm Ephraim, den Stamm der Liebe, er trägt den Fischerring des Neuen Bundes für den heiligen Apostel Paulus, den gewaltigsten Dynamiker unter allen Priestern. Das Tor der Priester, das er zu hüten hat, ist aus Saphir; er ist der Stein des Sieges, Siegelringstein und Stein der Endzeit.

Den zwölf Aposteln sind verschiedene Stufen der Engel zugeordnet und es ist bezeichnend, dass gerade dem heiligen Paulus, diesem Dynamiker, die Seraphim zugeordnet sind. So erkennt man die Auswirkung St. Goribiels als unter den Seraphim stehend, unter jenem gewaltigen, dem Sohn zugeordneten Seraph, der "Jehove" heißt, "Schöpfer-Gott". St. Jehove ist wie alle Seraphim dreifach und doch einfach; der andere Seraph ist St. Esch, der "brennende Gott", der vor dem Vater steht; der dritte Seraph ist St. Alphai, "Es werde Licht", der vor dem Geist steht. Die Auswirkung aller dieser großen Engel kann man beim heiligen Apostel Paulus genau beobachten.

St. Goribiel ist Engel der Priester, von viel höherer Kraft in seiner Wirkung, als es der Engel der Priester in den Reihen der Mächte der Kirche ist. In St. Goribiel flammen die Gaben des heiligen Geistes, die Ströme des Wortes und der Liebe, die versiebenfachte Kraft der Endzeit in weitaus größerer Intensität auf durch seine Zugehörigkeit zum Chor der Herrschaften. Er ist Kraft der Priester, Wegweiser der Priester, Liebesglut für die Priester, Eckstein und Fischerring und Torbogen für die Priester.

Gebet: Du leuchtender Engel der Priester, hilf unsern Seelenführern zu solcher Liebesglut, dass sie leuchten, wie du vor dem Angesicht Gottes leuchtest, dass sie Ecksteine werden, wie der heilige Apostel Paulus ein Eckstein war und ist, dann werden die Wogen der Welt ihnen nichts anhaben. Amen.

 

26. Januar – St. Vidiel 5. n. Chor

Ein Engel der Gesetzgebung steht heute vor dem Thron Gottes. Er hat ein schwingendes Lot in der Hand; es ist Symbol seiner Aufgabe. Er trägt das Gesetz Gottes über die Schöpfung, über die Erde: Das Gesetz der Schwungkraft. Alles in der Schöpfung ist von einem wunderbaren Maß und einer ineinandergreifenden Ordnung wie das Räderwerk eines feinen Mechanismus. Alles hat der Schöpfer bedacht bis ins Atom der Natur und bis in die feinsten Falten unserer Seele.

Der Engel mit dem schwingenden Lot, St. Vidiel, ist aus dem Chorteil der Niederen Gewalten. Das Gesetz der Schwungkraft gilt zuerst der stofflichen Schöpfung. Die Handhabung und Auswirkung dieses Gesetzes im Maß und in der Ordnung Gottes bedeutet Aufbau und Blüte in der Schöpfung. Die Knechtung dieses Gesetzes durch die Mächte der Finsternis zum Zwecke der Zerstörung (man denke an die Bomben!) bedeutet den Niedergang und zuletzt die Auflösung der Schöpfung. Als Naturgesetz ist die Schwungkraft neutral. Sie kann im Sinne Gottes positiv, und sie kann im Sinne Satans negativ verwendet werden; dies liegt in unserer Hand. Dass sie von großer Wichtigkeit ist, zeigt ihre Behütung durch einen Engel der Gewalt, von dem schon der Name sagt, dass er mehr ist als eine Macht und mehr als ein Fürst.

Drei große Naturkräfte werden von den Versiegelten Gewalten behütet: Die Stoßkraft, die Spannkraft und die Beharrungskraft; sie werden in der Endzeit eine wichtige Rolle spielen. Die Niederen Gewalten tragen die Schwerkraft, die Schwung- oder Fliehkraft, die Kausalkraft und die Gestaltungskraft. In diesen Gesetzen liegen andere Gesetze beschlossen.

St. Vidiel und alle Engel, welche solche Gesetze tragen, haben aber daneben als geistige Aufgabe, dieselben Gesetze auch ins Geistige zu übertragen und zu behüten. So trägt St. Vidiel die dreifache Kraft Gottes: Als Gotteskraft des Lebens, des Wortes und der Liebe. Er trägt sie voll Gesetzmäßigkeit in das große geistige Schöpfungsreich der Seele hinein als Schwer-, Schwung- und Gestaltungskraft, die der Seele Standfestigkeit und Fülle und Inhalt geben. Jedes Wort senkt sich in die Seele, und "es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird". Und die Liebe sinkt bis auf den Grund des Herzens und fasst dort Wurzeln, und nur die tiefe Liebe zählt vor Gott, nicht die seichte, oberflächliche.

Gebet: Herr, lass die großen Schöpfungsgesetze auch an uns wirksam werden. Lasse sie uns formen und uns einen festen Boden geben, worauf Du Dein Haus bauen kannst, und doch uns so viel Schwung verleihen, dass wir die ganze Schöpfung mit uns zu Dir in die Höhe reißen können. Amen.

 

27. Januar – St. Rubiel 5. h. Chor

Das Bild dieses Engels ist voll Leben; das Schönste an ihm sind die Augen: Wie zwei tiefblaue Bergseen, ganz klar und groß und leuchtend. Man kann bis auf den Grund sehen, wie sich die Sonne der Liebe Gottes in ihnen spiegelt.

Er trägt auf frischen junggrünen Zweigen ein ruhendes weißes Lamm; doch trägt er es mitten durch hoch auflodernde Flammen. Er ist mächtig aussehend, wie eine wehrhafte Burg und hat doch ein reines, kindliches Angesicht.

St. Rubiel, aus dem Chorteil der Hohen Gewalten, ist der zehnte in der Zwölfergruppe, welche nach dem Willen Gottes das Bündnis des Allmächtigen mit den Menschen, mit Seinem auserwählten Volk, trägt.

Der 5. Chor der Engel, in der Mitte der neun Chöre stehend, macht seinem Namen Ehre; gewaltig sind diese Engel in ihrem Sein wie in ihrem Tun. Sie scheiden die oberen Chöre, die Sieger, von den unteren Chören, den Kämpfern. Sie stehen wie große Burgen in der Geschichte der Menschheit, über sie wachend als Hohe Gewalten, sie zum Kampfe zwingend als Versiegelte Gewalten, ihnen helfend und leitend beistehend als Niedere Gewalten.

Von den zwölf Engeln der Hohen Gewalten tragen sechs das Bündnis Gottes mit Seinem auserwählten Volk, den Israeliten, von Abraham an, dem Gott zuerst das Wort gab: "Zum großen Volke will Ich dich machen und Ich will dich segnen und deinen Namen berühmt machen. Segnen werde Ich, die du segnest – und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde" (Gen. 12,2-3) – bis zu unserm Herrn Jesus Christus, Der den Alten Bund Gottes beschloss und den Neuen Bund im Seinem Volk, der heiligen Kirche, mit Seinem Blut besiegelt.

Diesen Neuen Bund Gottes tragen wiederum sechs Engel, schimmernd im Glanz des Heiligen Geistes. Von Jesus Christus sagte ja einst Johannes, der Täufer: "Sehet das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt! Der ist's, von dem ich sagte: Nach mir kommt ein Mann, Der mir vorangegangen ist; denn Er war eher als ich. Um Ihn kundzutun, kam ich und taufte mit Wasser. Doch Der mich mit Wasser zu taufen sandte, Der hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabschweben und auf wen du Ihn Sich niederlassen siehst, Der ist's, Der im Heiligen Geiste tauft. Und ich habe es gesehen und bezeuge: Dieser ist der Sohn Gottes!" (Joh. 1,29-35)

St. Rubiel, unter den sechs Engeln des Neuen Bundes stehend, trägt den Bund des Herrn mit den Reinen, den Lauteren, Wahrhaften, in den Worten "Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen" (Matth. 5,8). Zu diesen Reinen gehören nicht nur alle Kinder, auch jene, die das Wort des Herrn "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr in das Himmelreich nicht eingehen", befolgten, und diesen Weg des Kindseins vor Gott gingen. Für diese zumeist verborgen im Leben Stehenden ist auch der heilige Apostel Andreas als Hüter bestellt, weil sie gleich ihm in der Feuersglut der Liebe ihre Seelen rein gebrannt und jung erhalten haben – für den Herrn.

Gebet: Heiliger Engel, lasse die Flammen der Liebe auch unser Herz reinigen, damit es lauter und ein Tabernakel sei für den Herrn! Amen.

 

28. Januar – St. Berjael 9. Chor

Er stützt sich auf einen großen Schild, darauf der Namenszug der Himmelskönigin steht. Er ist schlicht, aber groß, und seine Züge sind markant wie die eines Kriegers. Seine Aufgabe ist ja auch der Kampf. Er ist es, der heute vor Gottes Thron als Fürbitter steht, St. Berjael, der "Verteidiger". Die Engel des 9. Chores, in fünf Siebenteilen den höheren Chören als Helfer zugeteilt, nehmen zugleich mit der Aufgabe, die diesem Chor entspricht, auch die Arbeitskraft dieses Chores an. So sind die Engel, welche höheren Chören zugeordnet sind, meist auch schon im Bild sehr groß und mächtig an Gestalt, nur die Leuchtkraft dieses Chores haben sie nicht, weil die Leuchtkraft das Zeichen der Erkenntnis und somit der Wesenheit des eigenen Chores ist. Die Leuchtkraft gehört zur Wesenheit und daher zum Sein dieses Chores, die Arbeitskraft gehört zur Aufgabe und daher zum Tun dieses Chores. Die Engel des 9. Chores nehmen in den höheren Chören wohl teil an der Aufgabe und daher zum Tun dieses Chores. Die Engel des 9. Chores nehmen in den höheren Chören wohl teil an der Aufgabe, also am Tun, nicht aber an der Wesenheit, also am Sein des höheren Chores.

St. Berjael, "Der Verteidiger", ist dem Chor der Mächte zugeordnet, den Engeln der Kirche. Der in der Mitte der Engel der Kirche steht, St. Haleochim, ist der Engel der Rechenschaft, zu ihm gehört St. Berjael. St. Haleochim heißt auch "der Engel Maria", weil er für die Macht Mariens in der Kirche steht. Und diese Macht ist so groß, dass St. Haleochim auf seinen Schultern alle vier Ecksäulen des zweiten Ringes der Ordnung und Allmacht Gottes zu tragen vermag. Er steht bei jedem Gericht an der Seite des Menschen im Namen der Mutter Kirche, mit allen seinen Helfern. Einer der wichtigsten Helfer ist St. Berjael, der wie der beste Advokat alles, was nur zum Guten zählen kann im Leben des Menschen, hervorholt und vor Gott trägt, der mit seinem breiten Schild, darauf der Namenszug Mariä steht, alle höllischen Anklagen zurückweist. Zugleich mit St. Haleochim lässt er den Menschen in dieser seiner schwersten Stunde, der Rechenschaft, nicht im Stich. Er stellt die Binde- und Lösegewalt der heiligen Mutter Kirche, die kein Kind vergisst, dem Göttlichen Richter vor Augen, er deckt mit den Sühneleistungen von Brüdern und Schwestern die Blößen des Menschen zu, er steht ihm bei, bis er gerettet ist.

Gebet: Mit gläubigem Vertrauen flehen wir dich, heiliger Verteidiger, an, erwirke uns Gnade und Barmherzigkeit, wenn wir vor Gottes Richterstuhl stehen, und lass uns an deiner Hand eingehen in die ewige Herrlichkeit. Amen.

 

29. Januar – St. Zachariel 2. Chor

Wenn uns auch das Reich der himmlischen Geister unfassbar und voller Wunder vorkommt, mit unserm Verstand nicht begreiflich, so ist es doch von Gott aus in sich wohl geordnet, voll Maß und Gesetzmäßigkeit, voll Schönheit und Harmonie.

Den niedersten Chor, die Engel, können wir Menschen noch am ehesten erfassen; gehören ja zu diesem Chor alle unsere guten, geduldigen, getreuen Schutzengel, die wir tätlich unsichtbar um uns fühlen in Mahnung und Warnung, in Hilfeleistungen aller Art. Die drei obersten Chöre aber, die Seraphim, die Cherubim und die Throne, können wir uns am wenigsten vorstellen. Doch fühlen wir deutlich, dass es viel mehr und andere Unterschiede zwischen ihnen geben muss, als bloß sechs oder vier oder zwei Flügel, als die verschiedene Pracht ihrer Gewänder.

So wollen wir demütig niederknien und an der Hand unseres gutes Schutzengels nur in großen Umrissen die Ordnung und die Unterschiede der drei obersten Chöre anschauen; führt uns ja gerade der Engel dieses Tage, St. Zachariel, der Cherub, in diese Richtung, hin vor den Thron Gottes, um den diese drei obersten Chöre gleich einem Ring versammelt sind, Ihn, den Allmächtigen Dreieinigen Gott, zu loben und Seines Winkes gewärtig zu sein.

Alle drei obersten Chöre sind klare Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes in der höchsten geistgeschöpflichen Form. Die Seraphim, der 1. Chor, sind Engel des Heiligen Geistes, Engel der Liebe Gottes. Sie sind jeder dreifach und doch einfach, sie sehen nach dem Vater, dem Sohn, dem Geist, wie drei Flammen und doch eine Flamme. Die Cherubim, der 2. Chor, sind Engel des Sohnes, Engel des Wortes, der Kraft und Weisheit, Begleiter des Sohnes auf Seinem Erlöserweg. Die Throne, der 3. Chor, sind Engel des Vaters, Engel des Göttlichen Lebens, der Macht Gottes, der Schöpfung; darum sind sie auch die Stabilen, gleichsam Festgefügten, während die Cherubim die Drängenden, Dynamischen sind, die Seraphim wieder die Leuchtenden, Beweglichen.

So müssen wir auch St. Zachariel sehen. Von den dreimal sieben Cherubim tragen die ersten den Blick des Sohnes auf den Vater und vom Vater über den Geist hin zur Schöpfung; die zweiten tragen den Blick des Sohnes hin zur Menschwerdung und Erlösung, zu Kreuz und Brot und Kirche; die dritten tragen den Blick des Sohnes auf den Geist, der mit Ihm und durch Ihn die Schöpfung heimholt zum Vater. In dieser letzten Gruppe steht St. Zachariel. Er trägt das Gleichmaß, die Ausgewogenheit und Harmonie des Göttlichen Wortes, das in unsere Herzen gesenkt wird gleich einem Samenkorn, damit es Frucht bringe für die Ewigkeit. Der Engel ist nur erahnbar: Er hat sechs Flügel, die sich in den Wolken verlieren; er hat ein Schwert, das er vor sich wie einen Waagebalken hält: An der Schwertspitze hängt die Weltkugel, am Schwertknauf liegt das Göttliche Wort, so klein und doch so schwer, dass es leicht die ganze Erde im Gleichgewicht hält.

Gebet: Lass und, o Herr, aus der Wirrnis unserer Zeit durch Deine heiligen Engel heimfinden in die Herrlichkeit und Harmonie Deines Reiches für alle Ewigkeit! Amen.

 

30. Januar – St. Abarim 9. Chor

Wenn er auch sein Angesicht unverwandt am Angesicht Gottes hängen hat, so ist seine Aufgabe an seinen Symbolen kenntlich: Sie ist der Kampf.

Er hat Bergschrofen und Schnee unter sich und hält auch noch über sich einen überhängenden Felsblock. Der Engel ist St. Abarim, aus dem 9. Chor der Engel, aber den Versiegelten Fürsten dienend zugeteilt. Er hütet die Berge.

Welch eine große, gewaltige Aufgabe! Der Mensch fragt sich, hat eine so große Aufgabe nicht ein Engel aus einem höheren Chor inne?

Die Engel des 9. Chores sind dem Menschen am nächsten. Sie verstehen auch alles Irdische, die Lebensvorgänge auf der Erde, die Eigenarten der Menschen und ihre Nöte am besten. So ist auch St. Abarim jenem Fürsten zugeteilt, der von Gott über alles Gestein und die Kräfte der Erde gesetzt ist. St. Ophel, der Fürst, hütet neben dieser irdischen Aufgabe auch noch das unbewusste Sehnen der Herzen aller Menschen nach Ihm, die Anziehungskraft zwischen dem Geschöpf und Gott. Er hat ordnend und leitend die gute von der schlechten Anziehungskraft zu scheiden und die Strahlkraft der Gesteine zu lenken.

Es ist St. Abarim auch eine geistige neben der irdischen Aufgabe: Für beide steht er als Engel des Lebens heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron. Die irdische Aufgabe ist schon genannt: Er hat das Leben auf allen Bergen zu behüten. Und wohl kaum viele andere Engel sind so mitten in verderbliche Angriffe gestellt wie dieser Engel. Der Dämon der Katastrophen sucht immer wieder Unheil plötzlich zu stiften durch Lawinen und Murbrüche, Hagelschläge und Wolkenbrüche, Steinschlag und zündende Blitze, Erdbeben und Hochgewitter. Oft und oft leistet der Mensch dem Dämon noch Hilfe, indem er gedankenlos glühende Asche wegwirft, unbedenklich um des Geldes willen den Wald abholzt. In den Zeitungen lesen wir von den Todesstürzen leichtsinniger Touristen; was aber der gute Engel alles rettet aus Lebensgefahr, was er schützt an Haus und Vieh, an verstiegenen Menschen, verlaufenen Kindern, wie oft er glimmende Brände löscht, den stürzenden Wassern noch einen Weg bahnt, davon erfährt nur Gott allein.

Die geistige Aufgabe lehnt sich an die irdische an: Der Engel hütet auch die Reinheit der Berge, er gibt der Bergluft die Kraft der auf die Seele des Menschen wirkenden Klarheit und Reinheit; er zündet in den Herzen der Menschen die Liebe zur Bergheimat an, zu den Bergen, zur Stille in der Natur. Er vermittelt auch die Gotteserkenntnis durch die Weisheit Gottes, die Schönheit und Harmonie, die wunderbare Gesetzmäßigkeit, die der Mensch in der Natur findet. So hütet er die Berge für Gott und die Menschen.

Gebet: Herr, Dich zu finden auf lichter Berghöhe, ist schön; aber Dich zu finden in der Heimat der Kirche, ist tausendmal schöner. Am schönsten ist es, wenn Du Selbst in der heiligen Kommunion einkehrst ins eigene reumütige und sehnsüchtige Herz, Komm, o Herr, komm! Amen.

 

31. Januar – St. Methusiel 6. h. Chor

Der Kampf begann schon unter den Ersterschaffenen Gottes und setzte sich von da an über die ganze Schöpfung zu allen Zeiten und an allen Orten fort. Ohne Kampf gibt es keinen Sieg. Schon damals, als St. Michael, der demütige Erzengel, den Lichtträger Luzifer, den ersten aller Engel, mit seinem ganzen Anhang in die Tiefe stürzte, hat Gott mit dem Schwachen den Starken besiegen wollen. Ist ja der Chor der Erzengel der vorletzte gegen den ersten Gottnahen, aus dessen Reihen Luzifer fiel. In unserm Herrn am Kreuz und in Seiner Mutter findet dieser Ratschluss Gottes, ein Schauspiel für die ganze Schöpfung, seinen Höhepunkt. Den Starken mit dem Schwachen zu besiegen, ist der Welt eine Torheit, uns aber höchste Weisheit und beglückendes Bewusstsein, wodurch auch wir Armen, Schwachen im Kampf für das Reich Gottes mittun dürfen.

Der heute vor Gottes Thron steht, St. Methusiel, ist einer der vierundzwanzig Hohen Fürsten, die wie zwölf Doppelsterne um das Haupt ihrer Königin, der Herrin Himmels und der Erde, leuchten. Die Hohen Fürsten stehen immer zu zweit; sie versinnbilden die zweimal geheiligte Schöpfung: Einmal geheiligt durch ihre reine Erschaffung und reine Hinordnung auf Gott, noch einmal geheiligt durch ihre Befreiung vom Joch des Bösen durch die Erlösung. Die Erlösung ist die reinste, heiligste Freude für Maria; so sind ihr die Hohen Fürsten Erinnerung daran und Schmuck zugleich.

Zu St. Methusiel hat Gott St. Michael gestellt, und ihre Aufgabe ist die harmonische Ergänzung zu ihrem so wunderbar aufeinander abgestimmten Sein vor Gott: Trägt St. Michael, der Demütige, Starke, den Kampf, so hält St. Methusiel, der Siegesfrohe, im Symbol der Palme den Sieg hin. Ist St. Michael der unerschütterlich Glaubende, so ergänzen der Weitblick, die Intuition und Entschlossenheit St. Methusiels diesen demütig unerschütterlichen Glauben zu einer großen Kraft. St. Michael vermittelt den kämpfenden Menschen die Kraft durch Gott; St. Methusiel lehrt den regierenden, herrschenden Menschen, dass der Sieg allein Gottes ist durch Seinen Willen und Seine erbarmende Liebe. Beide Engelfürsten wehren von den Menschen die Dämonen der Glaubenslosigkeit, des Zweifels, des Größenwahns, der geistigen Dürre und Entseelung, des Hochmutes und der sinnlichen Leidenschaften ab.

Gebet: Ihr großen heiligen Engelfürsten, steht uns bei im Kampf gegen die Mächte der Finsternis, haltet den Schild des Glaubens über uns und reicht uns einst die Palme des Sieges. Amen.