1. Juli – St. Esch 1. Chor

Licht und Flamme sind zweierlei: Licht bedeutet Helligkeit, Flamme bedeutet Wärme, Glut; aber sie hängen zusammen. So hängt auch der Seraph Alphai, der das Licht trägt, mit Esch, der den "Brennenden Gott" trägt, zusammen und mit dem Seraph Jehove, das heißt "Schöpfergott". Diese drei sind eins vor ihrem Herrn und Gott in der lebendigen Liebe. Aber innerhalb dieser Liebe sind sie wieder dreifach, der eine spiegelt das Licht der Liebe, der zweite die Glut der Liebe, der dritte den Liebenden und durch die Liebe Erschaffenden Gott.

Niemals werden wir mit menschlichem Verstand die Wesenheit der Seraphim erfassen können. Sie sind so in das menschlich nicht mehr ertragbare Licht des Dreieinigen Gottes getaucht, dass sie in ihrer Wesenheit sich mehr dem Dreieingen Gott – wenn auch in unermesslichem Abstand – als der irdisch erfassbaren Engelwesenheit begrifflich nähern. Schon allein diese vielfältige Spiegelung des Drei in Einem ist bei keinem anderen Engelchor in solch geheimnisvoller Klarheit zu treffen.

St. Esch, der Seraph, heißt "der Brennende Gott", "Gott, das Feuer". Die Liebe Gottes ist ebenso unendliches Licht wie unendliches Feuer, unendliche Weite, unendliches Mitleid, unendliche Güte, unendliche Gerechtigkeit, unendliche Seligkeit. Es könnten Tausende von Seraphim sein, jeder würde die Liebe Gottes nach einer anderen Richtung hin unendlich herrlich spiegeln wie ein vielfach geschliffener Kristall. So stehen die Seraphim um die Majestät des Dreieinigen Gottes, dreimal sieben und doch nur einmal sieben, jeder einfach und doch dreifach. Sieben Seraphim sind des Vaters – sieben des Sohnes – sieben des Geistes – und doch sind sie nur sieben, dem Dreieinigen Gott zugeordnet. So ist St. Esch dem Vater und St. Jehove dem Sohn und St. Alphai dem Geist zugeordnet Und so wie die Seraphim Augen nach außen und nach innen haben, so weckt St. Jehove mit seinen Augen nach außen bis ans Ende von Raum und Zeit die Seelen für Gott, und St. Alphai leuchtet sie an, dass sie Gott erkennen, und St. Esch fällt wie Glut und Feuer über sie, die sich Gott geöffnet haben und brennt sie zum Nichts vor ihren eigenen Augen. Und mit seinen liebeglühenden Augen nach innen zieht St. Esch diese aus Liebe zu Gott zu einem Nichts gebrannten Seelen zu sich, in das Geheimnis des liebenden Gottes hinein; und St. Jehove wandelt sie nach dem Wort des Herrn: "Siehe, ich mache alles neu!" zu neuen Feuerherden der Liebe; und mit dem Licht St. Alphais ausgestattet, ziehen sie wieder hinaus, dorthin wo Gott sie haben will, um sich von neuem durch St. Esch verbrennen zu lassen für Gott. Wer kann das Geheimnis dieses unseres herrlichen Gottes je ergründen? Kein Engel kann es.

Gebet: Allmächtiger Herr und Gott, nimm unsere Bereitschaft an, immer und jederzeit von Dir durchglüht, verbrannt und neu gewandelt zu werden zu Deiner Ehre und nach Deinem Willen, wann, wo und wie Du es willst. Amen.

 

1. Juli – St. Baranael 7. Chor

Das Blut unseres Herrn Jesus Christus wird in diesem Monat von allen Engeln im Himmel und allen gottverbundenen Menschen in der Heiligen Kirche ganz besonders verehrt.

Darum steht auch am 1. Juli ein Seraph als Träger der höchsten geistigen Liebe vor Gottes Thron – und ebenso leistet im Namen der Heiligen Kirche und aller Menschen ein Engel, der auf der Erde steht, die schuldige Ehrfurcht und Anbetung, St. Baranael, der Engel der Reue und der Reuetränen; er kommt aus dem Chor der Mächte, der sieben Mächte der Hoffnung.

Gott der Herr lässt ihn sehen als einen Engel, der einen Spiegel vor sich hält. In diesem Spiegel sieht man ein Samenkorn wachsen und blühen und reifen, aber es wächst und blüht und reift nach abwärts. Und der Engel hält beide Hände um den Spiegel:

Die eine Hand unter dem Spiegel zeigt mit ihrer Handfläche auch nach abwärts – und wenn das Samenkorn eine Seele darstellt und diese, also aufwärts schauend, Gott suchen will, so muss sie durch die Hand dieses Engels der Reue und der Reuetränen hindurchschauen, und das gibt dann das "dunkle Licht Gottes", welches den blinden Glauben, das blinde Vertrauen und die Reue durch die Selbsterkenntnis verlangt.

Die andere Hand über dem Spiegel zeigt mit ihrer Handfläche nach aufwärts. Der Spiegel scheint hindurch und füllt sie, aber mit Wasser, und es ist das Wasser der Reuetränen. In diesem Wasser spiegelt sich Maria, die Zuflucht der Sünder, die Mutter der Barmherzigkeit, unsere Hoffnung und Mittlerin, wie eine wunderbare Mondsichel; in diesem Wasser der Reuetränen spiegelt sich aber auch – über Maria – das göttliche Herz unseres Herrn und Sein Kostbares Blut wie eine leuchtende Sonne.

Alle Engel aus dem Chor der Mächte sind vor allem Engel der Liebe, weil sie, als Chor wie auf einer Himmelsleiter stehend, unter den Herrschaften und unter den Seraphim von diesen den Gnadenstrom der Liebe aus dem Herzen Gottes aufnehmen und weitergeben und verteilen. Aber weil in den Ring der Menschwerdung und Erlösung alle Gnadenströme gleichzeitig einfluten, so hat der Chor der Mächte als der oberste der drei Chöre der Engel in diesem Ring den ersten Anteil an allen drei Strömen. Der Gnadenstrom der Liebe wird von den Mächten der Liebe aufgenommen, der Gandenstrom der Kraft von den Mächten der Hoffnung und der Gnadenstrom des Lebens von den Mächten des Glaubens. St. Baranael ist als Engel der Macht der Hoffnung besonders auf den Erlöser hingeordnet, der die Hoffnung der ganzen Schöpfung ist. Und durch den Gnadenstrom der Kraft wird der Reue eines Sünders förmlich Macht über die Liebe Gottes gegeben, die im Bild dieses Engels als Spiegel zwischen seinen Händen ruht.

Gebet: Heiliger Engel, lass die Liebe die Ursache zu unserer Reue sein und vermittle uns die Gnade der Reuetränen. Nimm diese Tränen in deine Schale, damit Maria sie aufnehme und hintrage als bittende Allmacht vor Gottes Thron und der Herr Sich in Gnaden unser erbarme! Amen.

 

2. Juli – St. Jesod 2. Chor

Zuerst fällt unser Blick heute auf Maria, die Königin aller Engel. Mariä Heimsuchung wird heute gefeiert.

Maria! Ist sie nicht erst die Tochter des Vaters, ehe sie die Mutter des Sohnes und die Braut des Geistes wird? Musste sie nicht erst Braut des Geistes sein, ehe sie die Mutter des Sohnes ward? Ist sie nicht vor allem Mutter des Sohnes, wenn sie vor dem Thron des Dreieinigen Gottes als Königin des Weltalls und Antwort der ganzen Schöpfung kniet?

Es heißt zu Beginn des Johannes-Evangeliums: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort ..."

Das ist tiefer und geheimnisvoller, als die Menschen ahnen, wenn sie es am Schluss der heiligen Messe beten. Die Engel aber dringen vermöge ihrer großen Erkenntnis viel tiefer ein. Sie sehen im Wort die Hinordnung auf das göttliche Wort, den Sinn aller Sinne. Sie sehen im Wort die Antwort, und sie tragen vom Wort her das Wort zur einzigen wahren Antwort: "Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum Verbum tuum." Nach diesem Wort wird die Kirche und die ganze Menschheit die Antwort geben müssen, danach wird sie gerichtet werden.

Am Fest Mariä Verkündigung gedenken wir des Wortes, welches der Bote Gottes, St. Gabriel, zu Maria brachte, und wir gedenken der einzig gültigen Antwort, welche Maria damals im Namen der ganzen Schöpfung gab. Ein großer Cherub stand an jenem Tage als Fürbitter vor Gottes Thron, St. Malachiel, der Cherub des Sohnes, der Engel der Klarsicht auf Gott. Ist es nicht so, als würden wir heute sein Antlitz nochmals in schwächerem Maße, aber doch ganz klar wieder sehen?

Heute, am Fest Mariä Heimsuchung, steht wiederum ein Cherub als unser Fürbitter vor dem Thron Gottes: St. Jesod, der Cherub des Vaters, der das Wort als Grund und Fundament trägt und der mit St. Malachiel und St. Muriel einen Cherub bildet.

Das Wesen der drei höchsten Chöre der heiligen Engel: Der Throne, der Cherubim und Seraphim, werden wir Menschen immer als ein Geheimnis empfinden, für uns nicht fassbar und nicht bis ins letzte ausdeutbar: Wir sehen das heute an diesem Cherub. Jeder Cherub hat ein Antlitz dem Vater, aber ebenso ein Antlitz dem Sohne und ebenso ein Antlitz dem Geiste zugewendet und ist also gleich einer Dreiheit und doch Einheit. So hält dieser Cherub sein Angesicht dem Vater entgegen, Der das Wort von Ewigkeit her zeugte. So hält St. Malachiel in dieser Cherub-Dreiheit sein Antlitz dem Sohn entgegen, dem Wort, Der das Wort der Menschheit gab und Antwort einholen wird. So hält St. Muriel in dieser Cherub-Dreiheit sein Antlitz dem Geist entgegen, der die schönste, reinste Antwort, Maria, auf seinen Fittichen wieder vor Gottes Thron trug, die Braut des Geistes.

Gebet: Heiliger Engel, der du in dem Wort, das Maria heute sprach, im Magnifikat, all die Antwort, welche Gott genehm ist, zum Wort Gottes legst, hilf uns das Wort, Jesus Christus, und Sein Wort immer verstehen, hilf uns Maria lieben und ihre Antwort zu der unseren machen. Amen.

 

2. Juli – St. Thael 4. h. Chor

Ein herrlicher Engel wie dunkle Feuersglut leuchtet vor dem Thron des Allerhöchsten auf, und die Heiligkeit aus seiner Schale färbt die Himmel purpurrot bis ans Ende der Schöpfung. Es ist St. Thael, einer der sieben, welche im Chor der Hohen Herrschaften die sieben Gaben des Heiligen Geistes tragen und wie sieben Leuchter vor Maria, der Braut des Geistes, stehen. St. Thael trägt die Feuersglut in seiner Schale, die Geistgabe der Gottseligkeit (der Frömmigkeit).

Die Gottseligkeit stellt sich nie zur Schau. Sie ist wie das starke Glühen des heimatlichen Feuerherdes, von den beschützenden Mauern des Heimathauses umgeben. So glüht die Gottseligkeit nicht in aller Öffentlichkeit, sondern sie deckt sich mit der Verborgenheit des Alltags, der Liebe zu. Maria hat ihr Magnifikat auch nicht auf den Marktplätzen zu Jerusalem gejauchzt, sondern auf dem kleinen, stillen Pfad, der sie zu Elisabeths Haus führte, in die Arme ihrer getreuen, demütigen Base, die ihr entgegengeeilt war und sie als Mutter des Herrn erkannte und begrüßte. Das Magnifikat ist der schönste menschliche Ausdruck der Gottseligkeit, und so wie Mariens Antlitz in der Glut des Heiligen Geistes bei diesem Lobgesang geleuchtet haben mag, so leuchtet dieser große Engel in der Glut des Geistes, die er vor sich in seiner Schale trägt.

Gott setzt seine schönsten Perlen immer ins Verborgene, weil die Glut der Gottseligkeit schon jetzt die Mauern des himmlischen Vaterhauses auf die Erde herabzieht und die in Gott selige Seele durch diese schützende Liebe nur ihren Herrn und Gott erfreuen soll, nur für Ihn da sein und für Ihn blühen soll. Was wissen wir aus dem Leben Mariens doch so wenig, nur hin und wieder ein Wort, eine Tat, gleich einem Markstein, der mitten in das Erlösungsgeschehen eingebaut ist, immer als eine Antwort – in Wort und Tat. So ist auch heute das Fest Mariä Heimsuchung ein Fest der Verborgenheit, des verborgenen, stillen Wachstums alles Großen. Der verborgene künftige Täufer grüßt seinen verborgenen Erlöser. Die Mutter Maria antwortet der Mutter Elisabeth in beider Gottseligkeit mit dem Magnifikat.

St. Thael steht als Engel aus dem 4. Chor der Herrschaften unter dem Chor der Seraphim, den höchsten Engel der Liebe, unter denen jener gewaltige Seraph ist, der als Feuerrad der Endzeit von dem Ort, wo das Gericht sein wird, glühend hinauffährt zum Himmel und wieder hinab bis zu den Pforten der Hölle, rufend: "Heilig, Heilig, Heilig bist Du, Herr, Gott der Heerscharen! Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit!" Die Glut der Unerbittlichkeit Göttlicher Liebe fällt über St. Thael, wenn er zur gottverlangenden Seele sagt: "Schweige und bleibe im Verborgenen, im Verborgenen ist deine Hand vom Vater gesegnet, dein Wort vom Sohn, deine Liebe vom Geist." Dies hat sich in Maria bewahrheitet.

Gebet: Heiliger Engel, der du die Gottseligkeit in deiner Schale trägst: Ist es nicht schon Gottseligkeit, Gott erkennen, Gott lieben zu dürfen? Um wie viel mehr, Sein eigen sein zu dürfen in alle Ewigkeit!

Lass uns die Gottseligkeit nimmer verlieren, damit das Magnifikat, das Maria begonnen, nie mehr abreiße bis zu den Posaunen des Gerichtes. Amen.

 

3. Juli – St. Barachiel 6. h. Chor

Trotz ihrer oft sehr beweglichen Aufgabe sind besonders die Fürsten von Hoher Gewalt Träger der Statik, dem Schöpfer-Vater zugeordnet. Empfangen sie doch den Strom ihrer Kraft vom Engel des Lebens auf dem Haupt Gottes über den Chor der Throne, und zwar jener, welche die Säulen am Thron Gottes von der Schöpfung her und auf die Schöpfung zu bilden: Schemajim, Malachim, Ophajim. Diese drei sind die Manifestation des Willens Gottes gegen die Schöpfung zu und zugleich der obersten Göttlichen Gegensätzlichkeit, wie wir sie in den Begriffen Feuer-Wasser, Glut-Eis, Licht-Dunkel, oder Weite-Enge, Fülle-Leere, Werden-Vergehen usw. kennen. Durch diese Throne strömt das formgebende "Es werde!" jener Begriffe, welche zugleich das Fundament der stofflichen Schöpfung bilden.

Die 24 Hohen Fürsten stehen über die ganze Schöpfung verteilt als deren Verwalter vor Gottes Thron; sie stehen fest und sicher. Im Ring der Anbetung ist jede Erinnerung an Luzifer ausgelöscht, außer bei Aralim Enneth, der in der Gegensätzlichkeit Gottes als der schwächste der Throne den Willen Gottes über Luzifer trägt. Im Ring der Ordnung und Allmacht Gottes, der die gesamte Schöpfung einbezieht, sind auch noch die Herrschaften – bis auf die Engel der Apokalypse – von den Mächten der Finsternis getrennt und mit Göttlichen Aufgaben betraut. Der Chor der Gewalten hat jedoch schon Kampfstellung bezogen, wenn dieser Kampf sich auch nicht hier, sondern im Ring der Menschwerdung und Erlösung auswirkt. Der Chor der Fürsten aber steht schon mitten zwischen den feindlichen Angriffszentren, die sich, je näher der Erde zu, immer mehr verdichten. Denn das ist das Ziel des dämonischen Hasses: Der Mensch!

St. Barachiel ist einer der 24 Hohen Fürsten. Sie stehen gleich zwölf Doppelsternen um Maria, die Königin. Als Verwalter der Schöpfung sind sie in erhöhtem Maß Engel Mariens, die ganze Schöpfung ihr zu Füßen legend. Sie sind über die Schöpfung verteilt, immer in Bezug auf die Erde als den Mittelpunkt, in Bezug auf den Menschen als das Ebenbild Gottes. Sie haben eine dreifache Aufgabe: Die Verwaltung der einzelnen Schöpfungsgebiete, die Aufgabe am Menschen, die Behütung innerirdischer Wesenheiten. Zu zwei und zwei gehen sie an ihre Aufgabe, und der eine gibt den Engeln des andern von seiner Wesenheit die Färbung.

St. Barachiel ist Engel der Endzeit, der Engel der Tapferkeit in der Zeit der Märtyrer und Bekenner, der Engel des Heldengeistes den verschleierten dämonischen Angriffen gegenüber, der Engel der Ernte mitten in der Hochkonjunktur der Feindmächte. Er wird mit seinem Fuß den ersten Leuchter umwerfen, das erste Gestirn aus seiner Bahn werfen. St. Barachiel ist der besondere Beschützer der Endzeit gegen alle Heimtücke, alle Schachzüge und alle Brutalität Satans. Er gibt den Engeln seines Begleiters, St. Asmodel, zu ihrer Ernte-Aufgabe den Heldengeist mit, dass sie diesen an die Letzten der Erde weitergeben.

Gebet: Großer Engel Mariens, hilf uns im Starkmut Mariens wachsam und großmütig sein, stark und gütig, klar und getreu, damit Ihm die Ehre sei, dem Vater, dem Sohn, dem Geist. Amen.

 

4. Juli – St. Ariochim 7. Chor

Er steht wie ein Geopferter vor dem Herrn, gebunden und still. Und es liegt in den gebundenen Händen des Herrn die ungetreue Stadt, über die Er weinte und sprach: "Jerusalem, Jerusalem, o dass du es doch erkannt hättest in den Tagen deiner Heimsuchung, was dir zum Heile ist ...!"

Der große, schweigende Engel ist St. Ariochim, aus dem Chor der Mächte, der vierte der zwölf Engel der Kirche. Er ist der Engel der Priester und Geweihten, aller jener, welche durch sakramentale oder gelübdemäßige Bindung Eigentum des Herrn, Seine Stadt, geworden sind.

Der Chor der Mächte, der oberste im Ringe der Menschwerdung und Erlösung, umfasst sieben Engel der Macht des Glaubens, sieben der Macht der Hoffnung, sieben der Macht der Liebe und außerdem zwölf Engel der Macht der Heiligen Kirche. So sind sie zusammen dreiunddreißig. Sie haben Legionen von Engeln zu ihrer Verfügung. Die Heilige Kirche hat eine Reihe von Engeln in allen Chören als ihre Helfer und Fürbitter, vom neunten Chor angefangen bis hinauf vor Gottes Thron zum Engel der Kirche neben Maria. Das soll uns sagen, dass die Heilige Kirche mit dem Reich der Engel fest verknüpft ist wie zu einem großen, weiten Fischernetz, in welchem sie die Seelen der Menschen als Gottes-Beute heimholen. Die Mächte der Kirche sind zu drei und drei, also viermal drei Engel. Und in diesen Dreiergruppen ist jeweils der erste dem Vater, der nächste dem Sohn, der dritte dem heiligen Geist zugewendet. So ist St. Ariochim, als erster, dem Schöpfer Gott zugeordnet und trägt die Statik des Seienden. Der Seiende ist hier der "alter Christus", der Stellvertreter Christi auf Erden, der Priester; der Seiende ist hier aber auch der an Gott unauflöslich Gebundene als der Stellvertreter Mariä, der Magd des Herrn. Er steht schweigend vor seinem Herrn, wie der Knecht schweigt, ehe der Herr ihn reden heißt. Und hier redet der Herr durch ihn zum Menschen, zum Priester:

"Gehe und komme! Gehe immer wieder hinaus in Meinen Weinberg, mühe dich ab, damit ich volle Keltern habe. Mühe dich ab, auch wenn ich dir den Erfolg zerschlage vor den Augen der Welt. Meine Kelter sollst du füllen in Armut und Treue, in der Liebe und im Gehorsam. Siehe die unbebauten Stellen in Meinem Acker, siehe die dürren Herzen. Nimm Mich als Brot und nimm Mein Blut und lass es in dir und über dich und alle die dir Anvertrauten fließen. Es ist dir Pfund, mit dem du wuchern sollst. Gehe in Meinen Fußstapfen, gehe in den Fußstapfen Meiner Mutter. Ich hungere und dürste und warte auf dich!"

Gebet: Heiliger, großer Engel aller Priester und Gottgebundenen, der du dein Engel den Priestern und Gottgeweihten als Begleiter mitgibst, binde auch mich als Erntegabe und nicht als Unkrautbüschel. Lass mein Herz aufglühen und sich binden für ewig an meinen Herrn und Gott, Den ich doch nie mehr lassen kann, Dem ich gehören will für alle Ewigkeit. Amen.

 

5. Juli – St. Najim 5. n. Chor

Drei großen Engeln hat Gott als Aufgabe gegeben, die Wandlung der Seelen zu bewirken und vor den Thron des Dreieinigen Gottes zu tragen:

Der erste ist aus dem Chor der Versiegelten Gewalten, er trägt als Symbol einen stürzenden Felsblock; es ist St. Ketherim, einer der Sieben, die der Seele Gewalt antun in der Liebe Gottes und um der Liebe Gottes willen.

Der zweite ist aus dem Chor der Niederen Gewalten, er steht heute als Fürbitter vor Gottes Thron, er hat das Senfkörnlein; es ist St. Najim, der Engel der Wandlung. Der dritte ist aus dem Chor der Hohen Fürsten, er trägt als Symbol die Muschel der ewigen Sehnsucht zu Gott, es ist St. Jophiel, der Engel der Tiefe, der Reuetränen. Sie stehen in der Reihe der Chöre direkt untereinander und doch hat die gleiche Aufgabe bei jedem einzelnen einen anderen Sinn. St. Ketherim bricht die Seele im Sturm auf, wie ein stürzender Felsblock tief das Erdreich aufreißt. Wie einen Felsblock stürzt er das Licht der Erkenntnis über die Seele, dass sie in die Knie bricht und glaubt, so aufrüttelnd wie das Pfingstwunder die Seelen glaubend machte.

St. Jophiel wandelt die Seelen im Wasser der Gnade und durch das Wasser der Reuetränen. Er ist der Umpflüger der Seelen, er bricht das dunkle Erdreich auf und legte es bloß und nackt im heiligen Bußsakrament vor den allerbarmenden Herrn. Er ist ein Engel der Passion; Passionszeit ist immer Frühling, und neues Leben kommt aus den Furchen, die St. Jophiel zieht.

St. Najim aber, der das Senfkörnlein trägt, ist ein Engel der Geburt der Seele. Er geleitet in der Harmonie des Aufbaus aller Schöpfung die Seele vom ewigen Urgrund in die zeitliche Hülle und birgt sie wieder aus der zeitlichen Hülle in die ewige Heimat. Und so wie St. Jophiel in seinem Rang als Hoher Fürst dem Vater und St. Ketherim als Versiegelte Gewalt dem Sohn zugeordnet sind, ist St. Najim Dem zugeordnet, von dem wir im Credo bekennen: "Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebenspender ..."

Die Wandlung ergreift immer den ganzen Menschen, und nicht nur eine der Drei Göttlichen Personen hat ein Interesse an der Wandlung der Seele, nein, der Dreieinige Gott Selbst will diese Wandlung und so spiegeln sich auch in jedem der drei Engel der Vater, der Sohn, der Geist.

Gebet: Heiliger Engel der Liebe, der Wandlung zu Gott, schütze alle Kindlein, die heute zur Welt kommen. Trage alle Seelen, die Gott heute von der Erde abberuft, heim ins himmlische Vaterhaus. Amen.

 

6. Juli – St. Levi 9. Chor

Nicht jeder, der "Herr, Herr ..." sagt, wird in den Himmel eingehen, sondern jener, der den Willen des Vaters tut, Der im Himmel ist. Der Wille des Vaters, der getan werden soll von den Menschen, liegt den Geboten Gottes und der heiligen Kirche, den Gesetzen der Schöpfung zugrunde. Er ist unantastbar und heilig, weise und gerecht und gilt ausnahmslos für alle Zeiten und alle Orte.

Der Wille des Vaters liegt dem Wort zugrunde, das der Sohn uns sagte, dass wir als Wort Gottes, als Wort unseres Herrn Jesus Christus, als Worte der heiligen Schrift kennen. Dieses Wort in seiner Treue trägt St. Levi, der Engel der Überlieferung. St. Levi ist ein Engel des 9. Chores, und das will besagen, dass Gott Seine Engel ohne Ausnahme mit der gleichen Liebe liebt, ob sie nun im 1. oder im 9. Chor stehen, dass Er allen Engeln Aufgaben zugewiesen hat, deren Größe wir nur zu einem Bruchteil ermessen können und worüber wir uns niemals ein Wert-Urteil erlauben dürfen. So kommt es oft vor, dass ein einfacher Engel eine scheinbar größere Aufgabe hat als ein Engel der höchsten Chöre. Wir wissen nicht, wo hier die Grenzen gezogen sind, denn gar zu bald stoßen wir ja an die eigene Grenze menschlichen Erfassens. St. Levi ist dem Chor der Hohen Gewalten und in diesem dem Engel der Hohen Gewalt ‚St. Nathanael‘ zugeteilt, der das Wort des Völker Apostels Paulus und aller Kirchenväter und Kirchenlehrer behütet.

Die Überlieferung ist heilige Pflicht und heiliges Erbgut. Hoch und fast streng steht daher heute St. Levi, einem Diakon gleich, vor Gottes Thron, unbeirrbar mit der kaum tragbaren Fülle des Lebens, der Ordnung und der Kraft durch das Wort. Unentwegt hängt sein Auge am Angesicht Gottes, klar und ungehindert fließt der Strom des Wortes vom Hauch Gottes über den Cherub, der die Gottesfurcht zu tragen hat, zu den Hohen Gewalten, den Behütern des Bündnisses Gottes mit den Menschen. Immer mehr sehen wir das Wort Kraft werden, Leben werden, besonders von den Hohen Gewalten abwärts zu den Erzengeln, die mitten im Ring der Menschwerdung um den Erlöser stehen. Nur vom Kreuz, vom Blut des Herrn her, können wir alle Gesetzgebung Gottes, alle Worte Gottes erfassen, nur von dort her kann die Welt erneuert werden.

Es genügt nicht, dass wir das Wort Gottes bloß hören. Wir müssen es auch leben. Es genügt nicht, wenn Gesetze hier sind, sie müssen auch eingehalten werden; nicht so, als müssten wir an ihnen wie an einem schweren Kreuz ziehen, sondern so, dass wir aus Treue selbst wollen, was der Wille Gottes von uns verlangt. Die Treue zu Gott kann auch den Einsatz unseres Lebens verlangen; denn erst in diesem bedingungslosen Gehen mit Gott und Einstehen für Gott wird das Königreich Christi auf Erden verwirklicht werden.

Gebet: Großer Engel der treuen Überlieferung des Wortes Gottes, erbitte uns die Kraft des Starkmutes und der Treue, dass wir das, was wir lebendig erhalten haben als kostbares Pfand, auch wieder lebendig weitergeben, damit Christus, der König, regiere in Ewigkeit. Amen.

 

7. Juli – St. Jesim 5. v. Chor

In dem Chorteil der Versiegelten Gewalten stehen sieben Engel, welche die Aufgabe haben, Gewalt an der Seele auszuüben: Die sieben Brüder der Seele.

So wie die Gewalten in der Mitte der neun Chöre der heiligen Engel eingereiht sind, so sind auch diese Sieben Brüder der Seele in der Mitte über jedem Weg eines wahren Gottsuchers. Und so wie unter dem Chor der Gewalten der Boden gegen die satanische Welt zu (symbolhaft) am schwächsten ist, so dass dort Gewalten auf Gewalten stoßen, so stehen auch die Sieben Brüder der Seele über der Zeit der ärgsten Angriffe des bösen Feindes.

Gewalt gegen Gewalt ringt hier um den Besitz der Seele, die meist in Dunkel gehüllt, die Ratlosigkeit und dem Zweifel, der Unruhe und der Verzweiflung anheimzufallen droht, stünden nicht diese sieben himmlischen Gewalten ihr helfend und ratend, weisend und tragend zur Seite. Sie sind: Ketherim mit dem Felsblock des Aufbruchs zu Gott. Dieser Engel ist so hell wie lauter Licht, er ist der Engel der Spannung des Werdens vor dem Aufbruch zu Gott.

Harachim mit der ledernen Geißel, die der Seele bestimmt ist, das Samenkorn vom Halm zu lösen. Er schlägt fest zu, er trennt den Menschen von seinen liebgewordenen Gewohnheiten, seiner Familie, seinem Werk, um ihn für Gott freizumachen.

Elim mit dem Strick (Riemengurt). Er hat die Aufgabe, den Menschen, nun von seinem Werk getrennt, zu binden, und das Werk, nun vom Menschen getrennt, an seine neue Sendung zu binden.

Aljoim, der Sämann und Knecht. Er hat die Aufgabe, den Menschen, das Samenkorn, von seiner früheren Aufgabe gelöst und an seine neue Aufgabe, Gott, gebunden, in den Boden zu legen, festzutreten. Er verlangt die Bereitschaft zum Letzten, die Trennung von allem, den blinden Glauben und Gehorsam.

Thaamim mit dem glühenden Pfeil in der Brust, der rastlose Knecht Gottes mit dem brennenden Eifer für die Ehre Gottes, der uns vorantreibt und lehrt, unser Werk durch Demut und Reuetränen fruchtbar zu machen.

Cheloim, der Anbeter aus der Tiefe, der die Hülle des Samenkorns sprengt in der einfachen Wesenheit Gottes und es ganz einfach macht, ganz in den Willen Gottes geborgen. Er hilft zum Glauben wider allen Glauben, zur Liebe ohne Echo, zum Säen, ohne die Frucht erleben zu wollen. Der siebente der Brüder ist:

St. Jesim; er ist es, der heute vor dem Thron Gottes als Fürbitter steht. Er ist anders als die andern, wenn er auch gleiche Gewalt ist und gleiche Gewalt hat. Seine Gewalt ist die der demütigen Lieben, die des "Fiat mihi secundum verbum Tuum", das den Himmel aufriss und Gott auf die Erde rief. Er hört auf jenen Engel, dessen Hilfe die von Gott schon eingefangenen Seelen am meisten bedürfen, St. Zaphkiel, dem Cherub "Herabneigung Gottes". O, bedarf seiner nicht die ganze Welt?

Gebet: O großer, gütiger und doch so gewaltiger Engel, der du das Herz des Menschen so fest mit beiden Händen hältst, dass es zu leuchten und zu glühen beginnt durch deine Kraft des Fiat, nimm mich und halte mich und durchglühe mich, dass ich nicht mehr aufhöre zu glühen für alle Ewigkeit. Amen.

 

8. Juli – St. Neosed 9. Chor

Es ist ein lieber Gedanke, den Schutzengel des heiligen Christophorus in diesem Engel zu sehen, denn St. Neosed in seiner Aufgabe könnte unser aller Schutzengel sein: Er trägt die Unbekümmertheit, die Zähigkeit und Unverdrossenheit des wahren Kindes Gottes.

Was unverdrossen ist, sehen wir auch wirklich am besten am Kinde: Es baut mit Eifer seine Sandburgen, bis sie einstürzen, und unverdrossen baut es immer wieder aufs neue. So unverdrossen war auch St. Christophorus, wenn er, der Legende nach, hin und her über den Fluss ging und die Pilger trug, herüber und hinüber. Seine Unverdrossenheit ist aber schon im Licht der Liebe Gottes gelegen, denn er trug hin und her und wieder hin und her, um dem König des Himmels und der Erde zu dienen, Der auch das tat, was die Welt geringschätzte und was doch tiefste Verdemütigung und Liebe war. Und schafft der Herr nicht auch in Liebe und unverdrossen immer wieder aufs neue an unseren Seelen, und wenn wir Ihn jeden Tag enttäuschen und das einreißen, was Er mühsam aufbaute?

Die Unverdrossenheit als Tugend trägt St. Neosed, ein schlichter Engel des 9. Chores, dem Versiegelten Fürsten St. Bairim zugeordnet, dem Fürsten des Wassers, der das Signum "Agnus Dei" für die Endzeit aufzubewahren hat.

Diese Unbekümmertheit und Zähigkeit sollten wir uns ganz besonders für unsere Alltagsarbeit vornehmen. Geht es uns denn nicht ähnlich wie dem Kinde und wie St. Christophorus? Wird uns unser Mühen nicht auch immer wieder gehemmt, versperrt, verhindert, zerstört? Müssen wir nicht hundertmal im Tag von der Arbeit weg? Was legt sich immer wieder zwischen uns und unser Ziel, vor den Abschluss, vor den Erfolg, vor unser ganzes Wollen? Denken wir an diesen gütigen, fröhlichen Engel, der ebenso gut Deo gratias heißen könnte, weil er für alles dankt mit frohen Augen, der ein Lamm als Symbol auf dem Arm trägt als Zeichen seiner Kindlichkeit, seiner Friedfertigkeit, aber auch seines Willens zum geopfert werden. Es soll uns nicht darauf ankommen, wie viel wir an einem Tag schaffen, wie viel wir erreichen und leisten. Es soll uns darauf ankommen, dass wir das, was wir leisten, ganz im Sinne Gottes, ganz in der Liebe Gottes, immer mit der Geduld Gottes, die der Herr auch mit uns haben muss, leisten. Wir sollen alles, was wir leisten, mit einem Dank an Gott beginnen und beenden.

Wir sollen keinem andern Herrn dienen wollen als nur Gott allein, also auch nicht unserer Bequemlichkeit, unserem Eigenwillen, dem Geld, dem Vorteil, der Lust, der irdischen Liebe, der irdischen Vergeltung. Gott allein soll unser ein und alles sein, und unverdrossen wollen wir wie Kinder alles tun, um Ihm Freude zu machen alle Stunden und alle Tage unseres Lebens.

Gebet: Herr, lass uns Kind sein, so sehr Kind, dass wir gerne und selbstverständlich die Hand dieses Engels mit dem Lamm ergreifen und uns von ihm führen lassen wollen, weil er die Scherben in unseren Händen unverdrossen zusammenfügt, bis Dein Bild daraus wird. Amen.

 

9. Juli – St. Gelomiah 9. Chor

Tiefe Dankbarkeit muss uns erfüllen im Wissen, dass Gott in Seiner wahrhaft Göttlichen Güte und Fürsorge Engel über Engel auf unseren Weg gestellt hat, die uns Brüder sind, Helfer, ja auch Freudenbringer. Wir sollen nicht nur wissen, dass der Weg zu Gott ein Kreuzweg ist, sondern wir müssen auch wissen, dass die Freude von Gott geschaffen ist und dass es freudige Engel gibt, Engel, die jubeln und singen vor lauter Freude.

Der sonnige, schlichte Engel, der heute vor Gottes Thron als unser Fürbitter steht, heißt "das Singvöglein" unter seinen Brüdern, den Engeln des neunten Chores. Es ist St. Gelomiah, der Engel der Dankbarkeit. Man sagt so gerne, dass die Dankbarkeit aussterbe auf der Welt. Das ist nicht wahr. Denn solange es einen Engel der Dankbarkeit gibt, wird es auch immer Menschen geben, die, von ihm betreut, dankbar sind. Und haben wir nicht Grund genug, Gott bis ans Ende unseres Lebens zu danken? Zu danken, dass wir Ihn, diesen herrlichen, wunderbaren Gott haben als unsern besten Vater; zu danken, dass Er, dieser beste aller Väter, uns Seinen Sohn gab, Der bis zum Jüngsten Tag in unserer Mitte bleiben wird als unser Weg, unsere Wahrheit und unser Leben; zu danken, dass wir Maria haben, diese liebste, beste aller Mütter; zu danken, dass Gott uns eine so weite, große Welt gegeben hat mit Blumen und Vögeln und so viel anderem mehr. Die Dankbarkeit öffnet immer das Herz des Gebers; wollten wir uns das doch merken! Sind wir also dankbar gegen Gott, recht, recht dankbar, so öffnen wir das Herz des himmlischen Vaters, dieses große, gütige, weite Herz, zu neuen Gaben, zu neuer Güte und Hilfe.

Die Dankbarkeit, welche dieser Engel trägt, ist aber noch mehr. Sie ist nicht bloß das gewohnheitsmäßige Danke-Sagen, sie ist echte Dankbarkeit des Herzens, das heißt, sie gedenkt des Gebers mit freudigem Herzen. So ist sie Zucht des Herzens; kein Falsch ist an ihr, keine Zwiespältigkeit, mit dem Mund "Danke!" zu sagen und mit dem Herzen geringschätzig zu denken. Sie ist Zucht des Willens, auch in Gedanken demütig zu sein und alles in sich klein zu schätzen; dann wird das, wofür wir dankbar sein sollen, auch ehrlich von uns geschätzt werden. Dankbarkeit setzt Demut voraus. Die demütige Dankbarkeit ist darum fröhlich, weil sie sich freut, Ursache zur Dankbarkeit zu haben. Und hat St. Gelomiah für uns in kindlicher Dankbarkeit gebeten, dann wird er wieder herabsteigen bis auf die Erde und wird sich eine große Schürze umbinden und in der Küche oder im Hühnerhof oder auf dem Acker mit den kleinen Vöglein auf den Bäumen um die Wette singen: "Liebster Herr Jesus ...!"

Gebet: Du lieber, strahlender Engel der Dankbarkeit, mach mein Herz weit und dankbar, dass ich so wie du mich freuen kann und so singen wie du! Amen.

 

10. Juli – St. Gesannah 9. Chor

Er ist heute für dich, Seele, bittend vor Gottes Thron, vom himmlischen Vater dir entgegengesandt, damit er dich an der Hand fasse, sagend: "Komm, tritt näher!" Es ist St. Gesannah aus dem 9. Chor der Engel. Die Weisheit Gottes, die wie ein schweigendes Geheimnis über der Schöpfung liegt, lässt auch diesen stillen Engel nur wenig sprechen, aber wie ein Mahnmal am Weg der Menschen zu Gott zur rechten Zeit eingreifen.

Ziellos und planlos laufen so viele Menschen auf dieser Welt umher wie Gelegenheitsarbeiter. Sie sagen, es rentiere sich nicht, etwas Zielhaftes anzufangen, weil doch immer alles über den Haufen geworfen würde. Dass es aber für jeden Menschen nur eine Aufgabe gibt: Gott zu erkennen und den Weg zu Ihm zu suchen und zu gehen, dass es nur ein Ziel gibt, das durch keine Katastrophen, keinen Krieg und keine Vernichtung an Tatsachenwert und Unbedingtheit verliert, daran denkt nur ein Bruchteil aller Menschen. ja, sie denken nicht einmal mehr daran, dass sie eine unsterbliche Seele haben, die nach Gott als ihrem Ursprung verlangt, sie denken nicht daran, dass eines Tages Rechenschaft von ihnen gefordert wird. "Was nützt es dir, wenn du die ganze Welt gewinnst, aber an deiner Seele Schaden leidest?"

So wie im Evangelium der König und Hausvater seine Knechte aussendet, die Gäste zur Hochzeit seines Sohnes zu laden, so sendet der Vater im Himmel Seine Engel aus, die Seelen zum himmlischen Hochzeitsmahl des Lammes zu laden. Und hier wie dort ist es das gleiche: Ausreden über Ausreden! Hier gehen die Existenzbedingungen in eine andere Richtung, dort verlangt die Abhängigkeit von Geld- und Arbeitgebern eine andere Haltung, die Freude am Diesseits, der Trieb, die Weltanschauung vereinbaren sich nicht mit der Aufforderung, zu Gott zu kommen.

Viele sind berufen, – alle, die das Zeichen der heiligen Taufe auf ihrer Stirne tragen. Aber wenige sind es, die aufstehen, die auf sich um ein hochzeitliches Kleid kümmern und sich auf den Weg machen, der oft weit und beschwerlich ist. Da kommen Zeiten der Ratlosigkeit, Querschläge und Wegbiegungen, wo man nicht mehr weiter weiß und weiter kann.

Dann schau auf, Seele! Da wird der Engel Gesannah vor dir stehen mit der gekreuzten Stola als Zeichen der priesterlichen Sendung, (denn der Weg zum himmlischen Hochzeitsmahl geht nur über die heilige Kirche). Er trägt in der Hand die Flöte des Engels, dem er zugeordnet ist, die Flöte St. Schemmajims aus dem Chor der Hohen Herrschaften, des Engels des bräutlichen Jubels. St. Schemmajim sendet seine Helfer und Freunde allen entgegen, die den Ruf "Komm, folge Mir nach" vernommen haben, – in Fabriksälen und Krankenstuben, in Schulzimmern, Küchen oder am Acker –, und die aufgestanden sind und den Weg vom Mantelsaum bis zum Angesicht Gottes sich vortasten, die nicht rasten werden, bis sie ihr Ziel erreicht haben.

Gebet: Lass uns nicht vom Weg abfallen oder umkehren, St. Gesannah, du starker Helfer, sondern führ' uns sicher zu unserem Herrn und Gott. Amen.

 

11. Juli – St. Ravanael 7. Chor

"Herr, mein Gott, lass mich ein Opfer Deiner Liebe werden!" Das steht als Wort über diesem Tag, das spricht der Engel uns vor, das sollen wir nicht nur nachsprechen, das sollen wir auch leben und an uns wahr werden lassen.

Nur wenn wir Gott so lieben, dass wir Ihm völlig vertrauen, was immer Er mit uns vorhat, nur wenn wir Gott so Herr über uns und über alles von uns und in uns sein lassen, dass alles gelobt und gepriesen sei, dann können wir ehrlich dieses Wort des Engels nachsprechen.

St. Ravanael steht heute als unser Fürbitter dort oben, wohin die Sehnsucht unserer Liebe eilt: Vor den Augen Gottes, vor dem Herzen Gottes.

Von den drei Chören der heiligen Engel, welche unser Herr zur Heimholung der Menschen in Seinen besonderen Dienst genommen hat, ist der Chor der Mächte der höchste. Es sind dreiunddreißig solcher großen Engel, welche den Chor der Mächte bilden, und jeder dieser dreiunddreißig hat Legionen von Dienern, Engeln, unter sich. Der Chor der Mächte teilt sich seiner Aufgabe nach in

sieben Engel der Macht des Glaubens,
sieben Engel der Macht der Hoffnung,
sieben Engel der Macht der Liebe, und
zwölf Engel der Macht der heiligen Kirche.

St. Ravanael ist einer der sieben, welche die Macht der Liebe über das ganze Erlösungswerk tragen. Er trägt die Macht des Opfers der Liebe.

Das erste Opfer der Liebe Gottes war wohl Gott selbst, war unser Herr Jesus Christus, Der Sich Selbst Seinem Himmlischen Vater für uns Menschen zum Opfer brachte. Und sagte Er nicht: "Wer Mich liebt, der folge Mir nach?" Ruft uns Gott also zur Nachfolge, so ruft Er uns auch zur Nachfolge im Opfer der Liebe. Wir Menschen hören das Wort "Opfer" gar nicht gern, wenn es uns gilt. Dass Sich Gott für uns opferte und auch andere Menschen sich für uns opfern, das wollen wir gerne anerkennen. Greifen wir darum nach der Hand dieses Engels, der es uns leicht macht und zeigt, dass es auch Dankopfer gibt und Lobopfer und Weiheopfer und Versöhnungsopfer, nicht nur Schmerz-Opfer. Lassen wir uns durch diesen brennenden, leuchtenden Engel von der Liebe Gottes überschütten und verbrennen, denn solche Liebe ist Seligkeit!

Gebet: Herr und Gott, Der Du am Kreuz für mich gestorben bist, Der Du das Opfer Deiner Liebe wurdest um meines Heiles willen, gib mir durch die Hand dieses Deines Engels so viel Liebe, dass ich jedes Opfer für Dich zu bringen imstande bin und fähig werde, aus Liebe das Opfer Deiner Liebe zu werden. Amen.

 

12. Juli – St. Chattatim 7. Chor

Die Mächte bilden den siebenten der neun Engelchöre. Sie sind in ihrer Zahl schwächer als die Herrschaften, Gewalten und Fürsten, sind aber dafür nicht mehr über die ganze Schöpfung verteilt, sondern nur mehr der Erlösung der Menschen auf Erden zugewendet. Auch die Dreiteilung innerhalb des Chores ist hier einer Vierteilung gewichen. Bei den beiden untersten Chören ist überhaupt keine solche Unterteilung mehr vorhanden, sie sind Brüder der Menschen, sind Diener, Knechte gleich ihrem Herrn Jesus Christus, sie stehen in den Reihen der Menschen, ja unter ihnen, um sie emporzuheben.

Der Mächte sind dreiunddreißig: Sieben Mächte des Glaubens, sieben Mächte der Hoffnung, sieben Mächte der Liebe und zwölf Mächte der Kirche.

St. Chattatim ist Engel der Kirche, der dritte der zwölf. Er ist der Engel der Pfingstauswirkung. Er steht auf der Erde, auf dem Boden der Kirche, und trägt eine Schale, der Form der leuchtenden Kreiselscheiben der Seraphim ähnlich, der Feuerräder. Diese Schale empfängt von oben die Flamme des Heiligen Geistes von den sieben großen Schalenengeln, welche die sieben Gaben des heiligen Geistes tragen. Und sie verströmt ihren Inhalt über die ganze Kirche. Der Engel selbst, der diese Schale mit ihrer leuchtenden Fülle trägt, ist reich geschmückt wie die Braut, die ihren Herrn erwartet; er ist geschmückt mit der Schönheit der heiligen Mutter Kirche, welche die Arme ausbreitet, den heiligen Geist in sich aufzunehmen. Er ist geschmückt mit dem Glanz der Heiligen, welche wie leuchtende Edelsteine in allen Farben die heilige Kirche zieren.

In dem zwölfgeteilten Credo, das von diesen zwölf Engeln der Macht der heiligen Kirche zum Thron des Allerhöchsten emporsteigt, trägt St. Chattatim die wunderbare Melodie "der empfangen ist vom heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau, Mensch geworden".

So ist auch die heilige Kirche immer wieder der Spiegel Mariä, der Jungfrau, den Heiligen Geist empfangend. Und das Licht, das Wort, Das da herabsteigt, wird auf dem Altar Fleisch und Blut Jesu Christi, wird unser Herr, Der Mensch wurde und für uns gekreuzigt und begraben, Der von den Toten auferstand und zum Vater in den Himmel heimkehrte.

Die zwölf Engel tragen das Credo so:

Sebastim, der Engel der Weihnacht trägt den Anfang;

Chasim, der Osterengel: "Und an Jesum Christum ..."

Chattatim, der Pfingstengel: "Der empfangen ist vom Heiligen Geiste ..."

Ariochim, der Priesterengel: "Gelitten unter Pontius Pilatus ..."

Haleochim, Engel des Corpus Christi Mysticum: "Aufgefahren in den Himmel ..."

Machaanajim, der Engel der Struktur der heiligen Kirche: "Von dannen er ..."

Hajim, der Engel des inneren Lebens der Kirche: "Ich glaube an den Heiligen Geist ..."

Arathim, der Engel des äußeren Lebens der Kirche: "Die heilige katholische Kirche ..."

Selamim, der Weiheengel: "Gemeinschaft der Heiligen ..."

Chud, der Engel der heiligen Orte: "Nachlass der Sünden ..."

Jehod, der Engel der Stände: "Auferstehung des Fleisches ..."

Chochod, der Engel der Zeiten: "Und das ewige Leben".

Gebet: Engel der Liebe Gottes in der Kirche, lass den Heiligen Geist in uns wirken, dass wir wachsen und blühen und reifen auf dem Acker Gottes und Brot Gottes werden. Amen.

 

13. Juli – St. Hamaliel 6. h. Chor

Wenn von einer Gegensätzlichkeit Gottes gesprochen wird, so sind hier die durch den Herrn erschaffenen entgegengesetzten Begrifflichkeiten gemeint, sowohl als Schöpfung (Tag-Nacht, Feuer-Wasser, Glut-Eis) wie als Spannungen (Weite-Enge, Fülle-Leere, usw.), nicht die in Gott selbst ruhende, für uns als Gegensätzlichkeit erscheinende Polarität der höchsten Liebe und Barmherzigkeit und der völlig unbestechlichen Gerechtigkeit, der höchsten Wesenheit und Allmacht und der Torheit des Kreuzes.

Der Chor der Gewalten, der in der Mitte aller Chöre steht und Träger des Willens Gottes sowohl in seiner Statik, als in seiner Harmonie und Weisheit, aber auch in seiner Gegensätzlichkeit ist, spiegelt nach den drei Thronen St. Schemmajim, St. Malachim und St. Ophajim am stärksten diese Göttlichen Gegensätzlichkeiten wider. Im Chor der Fürstentümer finden wir sie bei den Versiegelten Fürsten stark, bei den Stillen Fürsten gar nicht, unter den Hohen Fürsten besonders bei den dreien: St. Raphael, St. Michael, St. Hamaliel.

St. Raphael, der sich "Liebespfeil Gottes" nennt, der Engel der Liebe und des Schmerzes, trägt gleichzeitig das Horn des Geisteskampfes gegen die höllische Übermacht. Er ist ebenso Patron der Opferseelen wie der Ärzte und der Wanderer.

St. Michael, "Kraft Gottes", ist in ebenso hohem Maß der Engel der Demut wie Besieger Luzifers und besitzt höchste geschöpfliche Kraft. Er ist der Retter vor dem ärgsten Feinde mit seinem gezüngelten Schwert und zugleich Knecht Gottes und der fürsorglichste Patron der Sterbenden.

St. Hamaliel, der heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht, heißt "Milde Gottes"; und doch ist sein Symbol das geöffnete Siegel, das heißt, dass er der Engel der Letzten Dinge ist. Wenn die Siegel aller Engel gelöst sein werden und Rauch und Qualm der untergehenden Welt zum Himmel steigt, dann, o Engel St. Hamaliel, was willst du dann noch mit der Milde Gottes erreichen? Und doch ist es so. Niemals können wir die Gedanken Gottes ausmessen. Seine Barmherzigkeit und Güte und Milde sind ohne Grenzen, und es ist so wunderbar zu wissen, dass die Milde Gottes bis zum letzten Augenblick währen wird.

St. Hamaliel ist einer der vierundzwanzig Hohen Fürsten. Sie sind von Gott zu Verwaltern der Schöpfung bestellt. Sie haben sichtbare, große Schöpfungsgebiete zu verwalten, sie haben aber auch geistige Bereiche unter ihrer Obhut. St. Hamaliel ist Engel der Einkehr, Engel der Vigil. Vor jedem großen Fest feiert die Heilige Kirche die Vigil, das ursprüngliche Abendopfer, die Nachtfeier. So wird St. Hamaliel auch vor dem großen Fest der allgemeinen Heimkehr der Kinder Gottes in ihr Vaterhaus die letzte Nachtfeier halten in der Milde Gottes, nicht im Zorngericht. O Güte Gottes, wer kann Dich ausschöpfen?

Gebet: Milder Fürst der Einkehr, sende uns Dein Licht in der Dunkelheit der Tage, dass wir den rechten Weg finden mit der brennenden Lampe der Bereitschaft in unseren Händen, dass wir alle Angst lassen und uns nur mehr auf Gott als unser Ziel besinnen. Amen.

 

14. Juli – St. Mephraim 3. Chor

Aus der Tiefe herauf kommt die Antwort des Menschen auf den Liebes- und Gnadenanruf Gottes. Gott ruft die Seele, Er erweckt in ihr Sein Echo. Er füllt ihr Herz mit Sehnsucht, Er nimmt sie als Sein Eigentum.

Der Mensch kann Gott nichts anderes entgegenbringen als sein armseliges Herz, als sein gebrochenes, hilfloses Sein.

Aber Gott, dieser Starke, Heilige, Unsterbliche Gott – Er nimmt auch die arme Gabe an. ja, Er baut Sich aus diesem armen Herzen von der Tiefe der Erde herauf einen Thron, wahrlich in der Torheit des Kreuzes, und auf diesen Thron gestützt, betet der Sohn den Vater an.

Es ist ein Thron mit der Breitseite nach unten zu sehen und mit der Spitze nach oben. Es ist ein Engel, so unfassbar es klingt: Ein Engel sammelt die ganze Gott dargebotene Gabe, alles Eigentum Gottes, nimmt sie auf seine Schultern und bringt sie Gott dar.

Was sind alle Fürsten der Erde gegen diesen gigantischen Engel, der Welten spielend auf seinem Rücken tragen kann?!

St. Mephraim, "die Gott dargebotene Gabe", so heißt dieser Thron. Die Throne sind drei und sieben und wieder drei und sieben und dazwischen steht einer: St. Aralim Enneth, das Zünglein an der Waage. In St. Aralim Enneth begegnet das Geschöpf zuerst der Unbegreiflichkeit Gottes, denn dieser schwächste aller Throne trägt den Willen Gottes über das ganze Reich Luzifers. – Links von ihm stehen zehn, und rechts von ihm stehen zehn Throne.

Die ersten drei und sieben sind der Thron Gottes über aller Schöpfung und die Träger des Willens Gottes der Schöpfung zu. Die zweiten drei und sieben Throne sind der Thron Gottes in der Schöpfung und die schon gewordene und nun Gott dargebotene Form.

St. Mephraim ist ein Thron der zweiten sieben. Er trägt die Gott dargebotene Gabe, die Gottes Eigentum geworden ist. Er baut daraus von der Erde bis zum Himmel einen Thron für den Erlöser Jesus Christus. Die Fülle des ewigen Lebens, die St. Mephraim vom "Engel des Lebens" empfängt, ballt er in die Seinen: Die Gott dargebotene Gabe; er macht sie damit voll ewigen Lebens und engelgleich, ewigkeitswerthaft. Er lässt aber auch den Strom des Lebens über sich herabfließen auf die Fürsten, die ebenso Engel des Lebens sind, besonders auf die Stillen Fürsten, nur in schwächerem Maß. Diese sind die Vermittler des ewigen und unendlich strömenden Lebens an Gottes Eigentum in der Schöpfung und Schutzengel der heiligen Kirche.

Gebet: Gott, in Deiner unendlichen Liebe hast Du einen so großen Engel ausgesucht, Dein Eigentum auf Erden zu sammeln und auf seinen starken Armen Dir entgegenzubringen. Herr, Du gütigster, lass mich auch zu Deinem Eigentum gezählt werden! Lass mein ganzes Sein und Tun zu einer Dir wohlgefälligen Gabe werden, durch die Du gepriesen seiest in Ewigkeit. Amen.

 

15. Juli – St. Manuel 6. n. Chor

Vor Gottes Thron steht ein Engel, wahrhaft ein Beschützer, ein Nothelfer! Unter dem großen, weiten Mantel, der ihn als Engel Mariens kennzeichnet, trägt er ein langes Schwert und einen glänzenden Brustschild mit dem Namen "Maria". Der schmale, schlichte Reif in seinen braunen Locken – viel schlichter als ihn die anderen Engel aus dem Chor der Fürsten tragen – deutet auf einen Stillen Fürsten. Es ist der "Engel der Bereitschaft als Knecht": St. Manuel. Die Engel aus dem 6. Chor (der Fürsten) sind zur Verwaltung der Schöpfung bestellt. Die Hohen Fürsten haben die Verwaltung über die großen Welten rund um die Erde, sie verwalten aber auch ideelle Reiche auf Erden: Den Frieden, den Trost, die Langmut Gottes, die Abwehr, usw. Und schließlich sind ihnen sogar Tiere, Steine und Pflanzen (siehe ihre Heilwirkung) zur Obhut unterstellt.

Die Versiegelten Fürsten werden ihre volle Macht erst mit dem Lösen ihrer Siegel erhalten. Freilich wird sie dann, da ihre Träger ernste Kämpfer sind, der apokalyptischen Endzeit angepasst sein. Jetzt aber verwalten sie – in der Ordnung Gottes gebändigt und gesiegelt – innerirdische, stoffliche Wesenheiten wie Metalle, Elemente, Baustoffe der Erde, aber auch Nacht und Tag, die Jahreszeiten; und in ihrer Mitte steht der Fürst der Gnade, mit völlig anderen Aufgaben betraut, wie eine Blüte unter dunklen Früchten.

Die Fürsten von Niederer Gewalt werden auch die "Stillen Fürsten" genannt, denn sie dienen im Verborgenen, da und dort; sie betreuen Erdteile und Länder, Diözesen und Abteien; sie werden die Schutzengel der heiligen Kirche genannt. Sie haben die größte Fürbitte- und Dienkraft in wahrhaft fürstlichem Ausmaße. Sie nennen sich selten mit Namen, denn sie wollen im Verborgenen dienen; sie nennen sich immer zuerst mit ihrer Aufgabe.

St. Manuel ist im wahrsten Sinne des Wortes Engel der Bereitschaft, denn er steht überall dort, wo der heiligen Kirche selbst oder Aufträgen der heiligen Kirche, wo Kindern Gottes Gefahr droht. Und so man ihm nicht die Hände bindet dadurch, dass man an alles andere denkt, nur nicht an Gott, sondern Gott um Hilfe bittet, da zieht er sein Schwert und hält Überfälle und Angriffe von Seiten der dämonischen Unterwelt sicher und ruhig ab, so ruhig, wie eben ein Knecht für seinen Herrn arbeitet. Darum ist St. Manuel auch einer der 14 himmlischen Nothelfer, der neunte, den man anrufen soll bei plötzlichen Gefahren, Bedrängnissen, Überfällen aus dem Hinterhalt, auf nächtlichen, unsicheren Wegen und bei allen heimtückischen Angriffen, auch bei Gewitter, Hagel, Lawinengefahr. Er gehört zu den vier stärksten Engeln dieses Chorteils.

Gebet: St. Manuel, himmlischer Helfer in Not und Gefahr, hilf uns durchkommen und bewahre uns an Leib und Seele vor allem Schaden im Namen unseres Herrn Jesus Christus, im Namen des Kostbaren Blutes, im Namen der Unbefleckten, allerreinsten Jungfrau Maria! Amen.

 

16. Juli – St. Hagiel 2. Chor

Überall, wo wir den Hauch Gottes verspüren, die Gegenwart Gottes, die Welt Gottes, steht das Schweigen, das heilige Schweigen. Nicht nur in der Natur, im stillen Wald, auf den weiten Höhen, auch vor dem Tabernakel in der einsamen Kirche, auch in den Kreuzgängen der Klöster, ja, auch im Sterbezimmer, denn dort hört die Welt des Lebens auf und die Ewigkeit reicht herein.

Einer der stillsten und dabei größten Engel, an dem man sich nicht sattsehen kann, unter dessen Mantel man für immer geborgen sein möchte, das ist der Engel des Schweigens: St. Hagiel.

"Aus dem Schweigen und dem Gebet wächst die Gestalt des neuen Lebens", das haben schon alle Heiligen und alle Ordensstifter gewusst. Schweigen ist das notwendige Ausruhen der Seele, so wie der Schlaf für den Körper notwendig ist. Ein Mensch ohne Schlaf geht ein und eine Seele ohne Schweigen verkümmert.

Wie unendlich weise und fürsorglich ist Gott! Er hat einen Cherub damit beauftragt, Träger des Schweigens zu sein, einen Cherub Seines Sohnes. Die Cherubim sind Träger der Kraft, über sie fließt in erster Fülle der Strom der Kraft des Wortes. Es ist dies eine Souveränität Gottes, einen Engel des Wortes, der Kraft des Wortes, das Schweigen tragen zu lassen. Noch dazu einen Engel – nicht des Heiligen Geistes, sondern des Sohnes, Der gesagt hat: "Ich bin nicht auf die Erde gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Und doch: Auch Schweigen ist eine Ewigkeitskraft. Auch Schweigen ist ein Schwert, das zur Gesundung schlägt. Ein Orden, der nicht mehr schweigen kann, hat sein ewiges Ziel verloren, selbst die caritativsten Ordensmitglieder müssen schweigen können.

"Und Maria bewahrt die Worte schweigend in ihrem Herzen." Maria ist die Königin der Engel. So trägt der große, stille Engel unter seinem weiten blauen Mantel, der so groß ist, als hülle er die ganze Himmelsbläue samt der Menschheit ein, auf seiner Brust, sorgsam mit seinen beiden Händen geschützt, bildhaft das Herz Mariä, vom Schwert durchbohrt, das Symbol der schweigenden Liebe, der opfernden Liebe, der heiligen Liebe. Sie war die größte Schweigerin und das heiligste Geschöpf. Und in dieser Kraft des Schweigens wird sie die starke Frau, das geordnete Kriegsheer, die Hilfe aller Christen. So wird auch in der Kraft des Schweigens der Cherub St. Hagiel am Ende der Tage die Posaune heben und der letzte Posaunenstoß wird vom Engel des Schweigens ausgehen und den Himmel aufreißen. Noch ist er stiller Behüter aller Beter, noch ist er der Führer in alle Gottgeborgenheit, noch ist er der leuchtende Heimholer ins himmlische Vaterhaus. Noch fließt der Strom der Kraft über ihn auf die Engel der Gewalten: Den Engel des göttlichen "Komme!", den Engel der Anbetung aus der Tiefe. Die Brüder St. Hagiels – sie sind immer zu dritt vereint als Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes – sind St. Chesed, der den milden, gütigen Willen des Vaters zum Helfen und Verzeihen trägt, – und St. Zaphkiel, "Herabneigung Gottes", der Engel der Läuterungsorte.

Gebet: Herr und Gott, lass Deinen Engel des Schweigens bei uns wohnen, damit wir innerlich still werden, gerne schweigend betrachten, gerne hineinschauen in die Ewigkeitsweite, damit wir Dich hören lernen, Deine Worte bewahren und in der schweigenden, opfernden, heiligen Liebe Dich finden. Amen.

 

16. Juli – St. Zea(el) 6. n. Chor

Er sieht aus wie eine alte morgenländische Plastik, so seltsam: Aus einem reichen, dunkelgrünen Brokatmantel schälen sich zwei lange, weite Ärmel und die ineinander verschlungenen Hände sind ganz verdeckt; sie halten, an die Brust gepresst, ein Buch mit vielen Siegeln. Das Antlitz sieht aus, als seien kreuzweise Schnitte darüber gezogen, und über den Augen trägt er eine Binde. Aber der Saum seines Mantels umspannt den ganzen Erdkreis.

Dies ist St. Zeael oder St. Zea, "der Alte", einer der Stillen Fürsten, die im Verborgenen dienen und der dritte jener sieben, welche "Engel der ganzen Menschheit" heißen.

St. Zeael trägt symbolhaft Gott als "Gott in der Weisheit", weil er das aufgegangene Samenkorn der göttlichen Weisheit über die ganze Erde hin zu verwalten hat. Das ist eine gewaltige Aufgabe, und Tausende von Engeln stehen im Dienst dieses Fürsten. Sie behüten die stille, verborgene Weisheit, die im Grund jedes Volkes ruht, sie behüten die Menschen, denen Gott ein Maß (groß oder klein, Gott weiß es) von Weisheit anvertraut hat; besonders behüten sie Priester, Forscher, Lehrer, Väter und Mütter, sie behüten alle Bücher und Schriften außer jener Gottfeindlichen Presse, mit denen der Böse und seine Scharen die Welt überschwemmen.

Es sind vierundzwanzig Stille Fürsten. Unter den Thronen stehend und von diesen den Strom des Lebens empfangend, sind sie Engel des Lebens und dadurch dem Vater zugeordnet, wie der ganze Chor der Fürsten: Dieses Drittteil aber ist außerdem von der Liebe und Tiefe und Weisheit des Heiligen Geistes bestrahlt. So kann St. Zeael, der heute vor Gottes Thron steht, seine Aufgabe auf dem Fundament des Lebens mit der Kraft der Weisheit des Heiligen Geistes tragen. Der grüne Mantel bedeutet wohl, dass die Weisheit Gottes trotz all ihrer Schönheit unter den Geschöpfen von vielen inneren und äußeren Leiden umhüllt ist; denken wir nur an die unzähligen Fälschungen der Weisheit Gottes in Irrlehren, verbogenen Gottesbegriffen und Weltanschauungen, Forschungen und Büchern. Die Schnitte im Antlitz dieses Engels deuten auf die Schmach, die unserm Herrn und Gott in Seiner Kirche durch die satanische Weisheit zugefügt wird. Die Binde über den Augen sagt uns, dass die Weisheit Gottes auch ohne Augen zu sehen ist, über die Gnade. Und der Saum über den Erdkreis deutet auf die weltumspannende Weisheit Gottes. Kein Ort und keine Zeit werden einmal sagen können, sie hätten nie etwas von der Weisheit Gottes gehört oder gesehen oder gespürt.

Gebet: Deine Weisheit, o Herr, hast Du uns in der Torheit des Kreuzes, in Deiner schweigenden Passion, im Tabernakel, dem Thron Deiner schweigenden, grenzenlosen Liebe, in Maria und unsern Schutzengeln gegeben; lass uns sie begreifen und leben. Amen.

 

17. Juli – Die Engel der Sendung

Wie ein leuchtendes Kreuz stehen heute sieben Engel vor Gottes Thron. Sie sind voll Licht des Geistes, sie sind voll Kraft des Sohnes, sie sind voll Majestät des Vaters. So sind sie dreifach: Dem Vater, dem Sohne, dem Geist zugewendet, und doch wie eins, eine Aufgabe tragend.

Sie sind die Engel der Sendung. Drei von ihnen tragen im besonderen die Sendung des Vaters, drei tragen im besonderen die Sendung des Sohnes, einer aber, ein Seraph, trägt die Sendung des Geistes.

Die Engel der Sendung des Vaters bilden gleichsam den Querbalken dieses leuchtenden Kreuzes. Sie kommen aus dem IV. Chor der Herrschaften und sind Engel der Liebe. Aber sie sind gefesselt: Sie sind Ecksäulen der Versiegelten Herrschaften. So liegt die Sendung des Vaters: "Wachset und mehret euch!" noch gedrosselt auf ihren Schultern:

St. Urim ist gefesselt, damit dieses Wort des Vaters nur durch das Maß und die Ordnung der Liebe schöpferisch ins Leben einströmen kann:

St. Saddim ist gefesselt, damit die Weisheit der Liebe dieses Wort immer ein Geheimnis bleiben lasse, unterstellt der Fürsorge Gottes;

St. Thumim ist gefesselt zum Zeichen, dass die Menschheit sich der Kraft der Göttlichen Liebe unterwerfe und nicht der Ungehorsam, der Trieb, die Rachsucht sich auf Erden mehren.

Die Engel der Sendung des Sohnes sind wie der Längsschaft dieses großen Kreuzes, wie ein Schwert, das von der Höhe des Himmels herunterfährt in die Tiefe. Sie tragen das Wort des Sohnes: "Folge Mir nach!", jeder Engel in der seinem Chor gemäßen Auswirkung.

St. Vehujah, aus den Reihen der Cherubim, der Vier Lebenden Wesen, das Wort Gottes aus dem Munde des heiligen Apostels Johannes tragend. Er bildet gleichsam den Griff des Schwertes, das der Dreieinige Gott in Händen hält, Der durch den Sohn sagt: "Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert", denn "wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich".

St. Jochaanael, aus dem Chor der Gewalten, trägt die Sendung als einen weithin hallenden Ruf: "Ihn sollt ihr hören, Der als Licht in die Welt gekommen ist, die Finsternis hat Ihn aber nicht begriffen."

St. Hajim setzt dieses Wort "Komm und folge Mir nach!" als die Kreuzesnachfolge im Raum der heiligen Kirche als Sendung auf; er klopft an die Herzen der Menschen mit der Macht der Liebe des Göttlichen Herzens.

Der Seraph aber, der in der Überschneidung der beiden leuchtenden Balken, förmlich über dem Kreuz der Sendung und dieses bewegend, zu erkennen ist, trägt die Kraft der Sendung des Geistes. Dieser Engel aber ist jeder Sendung persönlich eigen. Immer ist es ein Seraph, der vom Vater und vom Sohn ausgeht als Träger der Sendung des Geistes, wie hier St. Elohim genannt sein soll, der Träger der Gotteskraft. Er bildet mit St. Jesu, dem Seraph des Sohnes, und St. Anaritha, dem Seraph des Geistes, einen Seraph, durch den der Geist mit dem Vater und dem Sohn das Wort der Sendung spricht und Maria, die Gnadenmittlerin, als Beschützerin und Verwalterin der Sendung einsetzt.

Gebet: Heiliger, Starker, Unsterblicher Gott! Dein ist die Schöpfung und unser aller Leben. Wecke uns, o Herr, durch Deine Engel und gib uns die Kraft, Deiner Sendung zu folgen, wohin immer sie uns ruft und wann immer Du willst! Amen.

 

18. Juli – St. Jesophim 4. v. Chor

Immer wieder fällt eine zeitliche Welt in Trümmer, sei es das Leben eines einzelnen Menschen (bedeutet die Mutter für die Kinder manchmal nicht auch eine ganze Welt?), sei es eine Gemeinschaft oder ein Land oder eine Zeit. Aber immer steht ein Engel auf diesen Trümmern, auf dieser zerbrochenen Schöpfung Gottes, ob Mensch oder Ruine, und betet auch von hier aus den Schöpfer an. Es ist St. Jesophim der Ernteengel. Der vierte Chor der Engel, der Herrschaften, das sind die Engel der Liebe, die über die ganze Schöpfung gehen. Und gerade in diesem Chor hat der Allmächtige Gott die versiegelten Engel der Endzeit, wie sie uns aus der Geheimen Offenbarung bekannt sind, zusammengefasst:

Die sieben, die ausgehen, die Gemeinden Gottes zu versiegeln, und die drei, die zum Gericht rufen.

Und wieder die sieben, welche die Zornschalen über die Erde zu gießen haben, und wieder die drei, welche ausgehen werden zu ernten.

Zu diesen letzten gehört St. Jesophim. Er steht in der Mitte der drei, nämlich zwischen St. Samariel, der die Frucht einbringt, und St. Agariel, der die Hand zur missen Wandlung hebt.

St. Jesophim folgt St. Samariel, der die Frucht einholt; er kommt auf ein abgeerntetes Feld. Aber ernten wir nicht stets ab, jeden Abend und nach jeder Arbeit und nach jedem Jahr, nicht erst am Ende des Lebens? Und stehen wir nicht oft schon am Abend bei der Gewissenserforschung auf den Trümmern unserer Vorsätze, unseres Wollens, unserer Pläne und unserer Arbeiten?

Noch ist ja St. Jesophim versiegelt, noch ist seine Gewalt nicht ins Riesenhafte gewachsen, um inmitten der Trümmer einer untergehenden Welt dem ewigen Richter die Anbetung zu leisten. Noch ist dieser Engel der Anbetung und der Erbarmung für uns der Engel des Trostes, der Engel der Hoffnung, der uns dem Mut verleiht, immer wieder von neuem anzufangen, voll gläubigen Vertrauens auch unsere Trümmer dem Herrn vorzulegen, jenem gütigsten aller Herrn, Der immer wieder sagt: "Siehe, Ich mache alles neu!", "Siehe, Ich bin bei dir!", "Komm zu Mir!" In dieser Sicht verliert St. Jesophim alle Schrecken der Endzeit, er ist wahrhaft ein Engel der Liebe. So ist es auch erklärlich, dass er nach dem unerforschlichen Ratschluss Gottes wie in der Torheit des Kreuzes unter St. Schemmajim steht, dem leuchtenden Engel des bräutlichen Jubels, dessen Name bedeutet: "Die Vereinigung des Göttlichen Feuers mit dem irdischen Wasser" (als Symbol des geschöpflichen Lebens). St. Schemmajim hält den Regenbogen des Friedens der blühenden Welt am Morgen und der untergehenden Welt am Abend. St. Jessophim steht darunter und leitet aus den Trümmern heraus das ewige, neue Leben wieder zu Gott. Die volle und bedingungslose Anbetung Gottes auf unseren Trümmern bringt auch uns jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann.

Gebet: Herr und Gott, wenn wir vor den Trümmern unserer Arbeit, unseres Lebens stehen, sende uns diesen gütigen Engel, damit er unsere Tränen trockne und uns in den Stunden der Verlassenheit jene Anbetung lehre, die Dir genehm ist und Ewigkeitswert hat. Amen.

 

19. Juli – St. Lasdael 5. n. Chor

Wer glaubt, die Liebe Gottes sei nur einem Säuseln gleich, einem Windhauch über die Kornfelder hin, der hat die Liebe, diese Gottgewalt, noch nie an sich gespürt. Wenn die Liebe der Menschen zueinander schon rüttelt und wandelt, wie erst die Liebe eines so herrlichen, unausschöpfbaren Gottes!

Die Liebe Gottes ist überall zu spüren, wo sie nicht durch den Menschen selbst, durch die Sünde, durch den Einfluss des höllischen Feindes vertrieben, verraten und geschändet wurde.

Die Liebe Gottes ist so groß, eben Göttlich groß, dass sie sich durch nichts übertreffen, überbieten lässt. Wo die Liebe des Geschöpfes schon strauchelt, gelähmt und geschlagen durch ihre Gegner, da steht noch immer die großmütige Liebe Gottes über allem, über jeder Menschenseele. Sie sucht mit Göttlicher Genauigkeit nach den kleinen und kleinsten Anhaltspunkten im Leben dieses Menschen, um ihre Großmut auf einen Gotteslohn und nicht nur auf die reine Barmherzigkeit aufbauen zu können. Diese Gewalt der förmlich nach Belohnen-Können suchenden Liebe, die Gewalt der Großmut Gottes, trägt dieser herrliche Engel, anzusehen wie ein Träger des ewigen Lebens, St. Lasdael, der Engel der Großmut Gottes, des Gotteslohnes. Er ist aus dem Chorteil der Niederen Gewalten und steht, eingehüllt in den Königsmantel Mariens, überflutet vom Licht und Glanz des Heiligen Geistes, heute als Fürbitter vor Gottes Thron. Aber er trägt – scheinbar wie in der Torheit des Kreuzes – einen Denar.

Ist wirklich in diesem einen Denar die ganze Großmut Gottes enthalten? Dieser eine Denar ist das Symbol für den höchsten Gotteslohn, für unsern Herrn Jesus Christus Selbst.

Gibt es etwas Größeres, als dass Gott Sich Selbst uns als Lohn gibt, als dass der Schöpfer Himmels und der Erden uns Seinen einzigen Sohn als Lohn anbietet? Nichts kann solche Großmut Gottes übertreffen. Was haben wir nur getan, dass Gott solche Großmut auf einen Lohn aufbaut?

Gott können wir niemals verdienen, niemals. Aber unser Herr Jesus Christus ist auf die Erde herabgestiegen und hat Sich Selbst in einem einmaligen Göttlichen Liebesakt, der in Seiner Größe die gesamte Liebe aller Schöpfung um ein Unendliches übersteigt, dem Vater zum Opfer gebracht, in unserem Namen und für uns. In dieses Opfer sind alle unsere großen und kleinen Opfer, unsere tapferen und winzigen Taten, getan in der Einheit mit dem Willen und der Liebe Gottes, hineingenommen in den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus. Sie werden zu kleinen Wellen auf dem unendlichen Meere der Liebe unseres Erlösers. Und so werden sie von der Großmut Gottes auch Göttlich mit Gotteslohn belohnt.

Gebet: O heiliger Engel der Großmut, sieh uns knien im Staube der Erde, unwürdig, auch nur den Saum deines Kleides zu berühren. Gib uns die Kraft, die Großmut Gottes ertragen zu können, indem wir alles, alles lassen und nur mehr Ihm leben, Ihm sterben und Ihn ewig loben. Amen.

 

20. Juli – St. Delim 5. v. Chor

Als erste der acht Seligpreisungen nannte unser Herr: "Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich." Es muss wohl etwas sehr Großes um die Armut im Geiste sein, dass sie unser Herr allen anderen voranstellt, dass Er, so wie den Kindern das Himmelreich, ihr die ewige Seligkeit verspricht, nur auf Grund ihres Vorhandenseins in der Seele. Die Welt schätzt diese heilige Armut nicht, sie belächelt sie, sie verspottet sie, und das ist ein Zeichen ihrer Echtheit; sie geht die Nachfolge Christi in der Torheit des Kreuzes. Aber im Himmel gilt sie groß. Sie wächst unter dem Schutz des Engels der Einfalt, der noch auf der Erde steht, empor, sie wird von dem großen versiegelten Engel der Gewalt, St. Delim, aufgenommen und versiegelt, bewahrt wie eine Braut, so wie St. Franziskus sagte: "Meine königliche Braut, die Armut." St. Franziskus hat mit den Augen der Liebe noch viel weiter gesehen als nur über den einfachen Habit der Minderbrüder hin; er hat "die Armut im Geiste" gesehen und geliebt, diese heilige, königliche Armut, die nichts mehr begehrt als Ihn, die nichts mehr liebt als Ihn, die nur mehr aufs Ganze geht, auf die einfache Wesenheit Gottes; diese Armut hat die heilige Kirche mit neuem Leben durchflutet, sie macht den Menschen wieder zum Kind Gottes. Ohne die Armut im Geist kann man nicht Kind vor Gott werden und bevor wir nicht Kinder sind, können wir in das Himmelreich, Gott, nicht eingehen.

St. Delim, die Versiegelte Gewalt, neben St. Sederim, dem Engel des Widerspruchs, stehend, trägt das versiegelte Geheimnis der Braut Armut. Wer soll den Bräutigam besser kennen als die Braut? Und wen kennt der Bräutigam, der himmlische, besser als diese Seine Braut? Noch ist sie verschleiert, und die Welt kennt sie nicht. Aber einst werden wir sehen, dass in der unausschöpfbaren Gegensätzlichkeit Gottes die Armut im Geiste die höchste Weisheit war, der größte Schatz im Acker, die seltenste Perle. Wer sie gefunden hat, hat das Größte gefunden, die Klarsicht auf den einen Gott zu, auf das eine Ziel, das allein nur notwendig ist.

Arm im Geist werden heißt sich freimachen von aller Kompliziertheit der Welt, heißt den einen Denar, den Dreieinigen Gott, in Seiner Werthaftigkeit erkennen und, in rücksichtsloser Konsequenz gegen sich selbst, gegen alles, was man ist und hat, eintauschen, um Ihn zu besitzen. Darum steht in der Reihe des Stromes der Gnade, der über St. Delim fließt, über ihm der hohe Engel der Weisheit, unter ihm der Engel des Friedens. Die Armut des Geistes ist so – bildhaft – höchste Weisheit, sie bringt allein den wahren Frieden der Seele.

Gebet: Großer, heiliger Engel, wie ein kostbares Gefäß trägst du deinen Schatz, den wir nur erahnen können in seinem Wert, vor Gott. Lass doch ein Tröpflein dieser Gnade auf unsere Seelen fließen, damit wir alle Anhänglichkeit an den Reichtum dieser Welt lassen. Vermittle uns nur ein Fünklein der Erkenntnis der einfachen Wesenheit Gottes, dann werden wir immer hungern und dürsten nach dem Einen und nur nach dem Einen, Der die Blöße des Reichen bekleiden wird. Amen.

 

21. Juli – St. Nezach 4. n. Chor

Es ist ein Geheimnis, dass manchmal ein Name zwei verschiedene Engel bezeichnet:

Es gibt einen Engel aus dem Chorteil der Hohen Herrschaften, St. Nezach, der an der Spitze der Ecksäule "Allmächtiger Gott" steht. Der aber uns heute gilt, ist St. Nezach, der zehnte der zwölf Engel von Wort und Antwort aus dem Chorteil der Niederen Herrschaften. Diese Engel tragen Gott hinaus in die Schöpfung in zwölffach verschiedener Weise:

Drei tragen Maß, Gesetz und Wahrheit in die Wurzel aller Schöpfung, drei tragen Liebe, Gerechtigkeit und Gottesfurcht in den Aufbau,

drei tragen Weisheit, Schönheit und Harmonie in die Blüte,

und drei tragen Macht, Stärke und Triumph in die Frucht aller Schöpfung.

So tragen sie Gott überall hin in die ganze Schöpfung und nehmen deren Antwort wieder mit sich vor Gottes Thron.

St. Nezach trägt die Macht Gottes in der Torheit des Kreuzes, im Maß Seiner verborgenen, gefesselten Liebe. Niemals wird Gott Seine Macht zeigen, um den Menschen zu imponieren, wie es der Widersacher tut, oder um sie unter Seinen Willen zu zwingen. hier liegt der Unterschied zwischen der Ecksäule: St. Nezach und dem Engel von Wort und Antwort; St. Nezach. Dieser letzte hier dient, gleich Seinem Herrn Jesus Christus, Der von sich sagte: "Sehet, Ich bin gekommen, wie einer, der dient." St. Nezach geht von Gott gesendet über die Erde, und wer Gottes Größe und Macht erkennen will, kann sie tausendfach erkennen. Aber so wie die Liebe Gottes gefesselt ist, damit sie nicht gleich einem glühenden Sturzbach sich über die Erde ergieße, so ist auch der Engel St. Nezach in seiner Macht gefesselt, angepasst seinem dienenden Herrn. Er trägt seine Augen verschlossen, denn wenn Gott sie öffnen heißt, dann wird wohl eine Vielzahl von Blitzen aus seinen Augen brechen und sehr rasch eine Entscheidung herbeiführen. Er hat auch seine Stimme so gewaltsam gebändigt, dass sie nur der Hellhörige unter den Menschen vernimmt. Wird sie aber gelöst, dann wird bei dem Schlachtruf dieses Engels die Welt ins Wanken geraten. Auch seine Hände hat St. Nezach gebunden über seinem gewaltigen Schwert liegen. Gnade Gott dem, den nach dem Wegfall der Fesseln die Klinge trifft! So gewaltig wird dieser Engel sein, der jetzt demütig über die Erde geht und die Menschen lehrt, dass die Macht Gottes in dieser Prüfungszeit der Menschen im Dienen liegt, im Opfern, im Sühnen, im Lieben, Leiden und Sterben um Gottes willen, dass Gott sich meist unscheinbare Menschen, verborgene Klosterleute, Kranke, Kinder aussucht, um der Welt ohne Zwang oder Knechtung zu zeigen, wo in dieser Zeit der Prüfung und Bewahrung die Macht Gottes sich erweist. Immer hat auch die heilige Kirche in Notzeiten ihre größte innere Macht, ihre meisten Heiligen zum Himmel geschickt.

Gebet: Heiliger Engel der Macht Gottes in der Torheit des Kreuzes, die Barmherzigkeit Gottes hat dich uns gesandt! Durch dich wollen wir freudig bleiben unter der Last des Kreuzes, sie wird in der Stärke Gottes auch unsere Stärke werden und im Kreuz werden wir siegen gleich unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

22. Juli – St. Zarachiel 4. v. Chor

Herr, mein Gott, groß und gewaltig sind Deine Gerichte, und gepriesen seist Du in Ewigkeit!

"Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!" Dies gilt für all jene, welche "Das Tier", so heißt es in der Geheimen Offenbarung – anbeten oder sein Zeichen auf der Stirne tragen. Das Tier ist der höllische Widersacher in seinen hundert und aberhundert Verkleidungen und Abwandlungen. Immer neu schlüpft er in eine andere Hülle – in die des großen Sieges, des Volksbefreiers, des Welterlösers, des Geldkönigs und Industriefeldherrn, des sensationellen Gesundmachers, des neuen Heilandes, des bezwingenden Redners, des großen Tyrannen. Er hat hundert Gestalten, und wir können nicht leugnen, ihm begegnet zu sein, sein Zeichen in allen möglichen Abänderungen zu kennen.

Gott sieht zu, schweigend und in wahrhaft Göttlicher Langmut. Es ist alles eingebaut in die Schöpfung; der Hausvater lässt auch das Unkraut wachsen bis zur Ernte. Dann aber wird der Weizen vom Unkraut getrennt. Das ist im großen Weltgeschehen die Zeit des Gerichtes, die Endzeit. Bevor der Richter aus den Wolken kommen wird, sendet er noch einmal ganz gewaltige Engel aus, die Versiegelten Herrschaften und die sieben Posaunenengel, die Welt ein letztes mal aufzurütteln und an die Allmacht und Souveränität Gottes zu erinnern. Zu diesen Versiegelten Herrschaften gehören die vier Engel, die an den vier Enden der Welt stehen, am Euphrat, dem Lebensstrom (Apk. 9,14), ferner die Gerichtsengel (Apk. 14,6) und die Ernte-Engel (Apk. 14,14) und auch die Engel mit den Zornschalen. (Apk. 15,1-29)

Einer der großen Zornschalen-Engel steht heute vor Gottes Thron. Sollte das Gericht beginnen? Immer beginnt das Gericht; das hat die heilige Magdalena, deren Fest wir feiern, genau gewusst und sich rechtzeitig der Gerechtigkeit Gottes schon im Leben ausgeliefert. Denn wer sich freiwillig dem Gericht Gottes übergibt, dass es ihn lebend und als Büßer erfasse, der liefert sich der Liebe und Barmherzigkeit Gottes aus. Die fürchterlichen Strafgerichte, welche diese Zornschalenengel über die Erde ausgießen, treffen ihn dann nicht mehr; ihm begegnet dieser große Engel als Engel der Liebe. So wird das Wort vom Gericht, von der Gerechtigkeit und der Liebe Wirklichkeit werden.

St. Zarachiel ist es, der heute vor dem Angesichte Gottes steht, der vierte der sieben Zornschalenengel (Apk. 16,8). Ihn hat die heilige Magdalena schon gesehen, als sie noch taumelnd von Sinnenglut und Liebesfeuer war. Sie hat sich dem Herrn zu Füßen geworfen, sie hat Ernst gemacht mit dem Gericht über sich selbst. Sie hat den Boden um das Kreuz auf Golgotha mit ihren Reuetränen benetzt, sie hat jahrelang geweint. Wer tut das heute noch? Sie hat St. Zarachiel mit den klaren Augen der Erkenntnis gesehen, hat erkannt, dass diese Glut, die er über die Erde ausschüttet, die Strafe ist für die Sinnen-, Hass- und Racheglut der Menschen, hat aber auch erkannt, dass die Reuetränen alle Glut löschen und das Herz des Herrn als sicherste Zuflucht öffnen.

Gebet: Herr, liebster Herr, lass unsere Reuetränen der Schlüssel zu Deinem Herzen sein, ehe es zu spät ist und wir im Feuer des Gerichtes den Weg nicht mehr finden! Amen.

 

23. Juli – St. Cholim 5. v. Chor

"Empfangen haben wir, o Herr, inmitten Deines Tempels Dein Erbarmen!" Dieses Psalmwort müssen wir vor Augen haben, wenn wir den großen Engel, der heute Fürbitter ist, St. Cholim, aus dem 5. Chor der Gewalten, richtig verstehen wollen. St. Cholim ist Versiegelte Gewalt. Er ist der Engel der Gewalt der seelischen Not, des Leides, der Schmerzen. Wie von Feuersglut erfüllt, leuchtet er von der Erde heraus. Seine Augen sind feucht wie von Tränen, und die riesenhafte Gestalt hält in Händen ein zerbrochenes Schwert.

Unser Herr Jesus Christus hat der Hand des Vaters das Schwert der Gerechtigkeit entwunden, die es hielt, und hat es durch die Gewalt Seines Leidens, Seiner Not und Seiner Schmerzen und durch Seinen Tod am Kreuze zerbrochen. Die seelische Not steht um so viel über der körperlichen Not, als die Seele über dem Körper steht. Und das Höchstmaß an seelischer Not hat der Erlöser am Ölberg und in Seiner Gottverlassenheit am Kreuze für uns getragen. Damit hat Er alle unsere seelische Not für immer in die vollzogene Erlösung eingebettet, und unser Leid, unsere Not, unsere Wunden liegen in den Wunden unseres Herrn, in Seinem geöffneten Herzen wie ein Kind im Mutterschoß geborgen. In der Kraft dieses Erlöserblutes, das täglich für uns um Erbarmen zum Himmel ruft, jeden Tag und jede Stunde und in allen Teilen der Welt, ist St. Cholim imstande, das Schwert der Gerechtigkeit, das wir jeden Tag aufs neue herabrufen durch unsere Schuld, unsere übergroße Schuld, zu zerbrechen. Übrig bleibt die unendliche Erbarmung Gottes, die unsre Not trägt, die unser Elend tragbar, heilungsmöglich und ewigkeitswerthaft macht.

Nicht umsonst hat Gott einen Engel der Gewalt mit dieser Aufgabe betraut. Alle unsere Schmerzen sind in den Schmerzen des Herrn geborgen, alle unsere Not ist in Christi Gottverlassenheit geheiligt und wird einst unsere Krone, unsere Herrlichkeit sein.

Wenn dieser Engel einst entsiegelt wird, dann wird wohl die Not die Erde überfluten. Aber für uns trägt sie der Engel, der sie mit siebenfacher Gewalt in die Erbarmung Gottes hinein schleudern wird, so dass wir in den Stunden der Not mit ebenso siebenfacher Gotteskraft das tragen und überwinden können, was die Liebe des Dreieinigen Gottes uns tragen heißt. Niemals sind wir vergessen, niemals fallen wir aus den Augen des Vaters, aus den Händen des Sohnes, aus der Opferschale des Geistes. Immer werden wir beten können: "Auf Dich, o Gott, habe ich vertraut, ich werde nicht zuschanden in Ewigkeit."

Gebet: Heiliger Engel aller Schmerzen und aller Not, hilf uns durch deine Kraft, die Liebe des Vaters, die uns schlägt, zu erkennen;

hilf uns in der Kraft des Sohnes alles Leid bejahen und Gott darbringen;

lass uns in der Kraft des Geistes immer klarer das Licht sehen, das Maria mit ihrem siebenfach durchbohrten Herzen als das reinste und heiligste "Fiat mihi" uns vorangetragen hat und das auch uns "Ja" sagen heißt durch sie, unsere liebste Mutter. Amen.

 

24. Juli – St. Philoim 5. v. Chor

Die Engel aus dem Chorteil der Versiegelten Gewalten sind nicht nur Träger des Willens Gottes über die Seele des Menschen hinein in die Schöpfung, sie sind auch Träger der Göttlichen, uns unverständlichen Gegensätzlichkeiten. Eine solche Gegensätzlichkeit tritt uns heute im Fürbitter dieses Tages entgegen: In St. Philoim, dem Engel der Prüfungen und Zulassungen. Er gehört zu den sieben "Gottesgewalten". Und ist nicht die Prüfung, die Zulassung Gottes eine solche Gewalt und doch zugleich Liebe?

Sehen wir Prüfungen und Zulassungen Gottes als Liebe Gottes an? Wohl nur in seltenen und meist nur in leichten Fällen, sonst ringen wir die Hände und flehen ohne Unterlass um Abwendung dieses Übels. Wir schieben alles der Böswilligkeit des Teufels, der "Tücke des Schicksals" in die Schuhe und meutern und hadern mit Gott.

Hadert Gott je mit uns, wenn wir Ihn beleidigen, wenn wir Ihn im Tabernakel warten und warten lassen? Freilich, Gott ist der Gütigste, der Langmütigste, der Barmherzigste – und wir sind eigensinnige, oberflächliche, gemütsrohe Kinder. Aber trotz unserer Armseligkeit und Gebrochenheit sollen wir Gott verstehen lernen. Darum müssen wir zu allererst glauben an die Liebe und unendliche Weisheit Gottes. Wir müssen hoffen auf die Barmherzigkeit und Hilfe Gottes. Wir müssen Ihn lieben, Der uns vorangegangen ist in Kreuz und Leid, damit wir nie allein seien, und Der die bitterste Gottverlassenheit für uns erlitten hat, damit wir niemals verlassen seien. Glauben wir so und hoffen und lieben wir so, dann werden wir die Prüfungen, die Gott uns auflastet, als unser Kreuz in der Nachfolge Christi mit anderen Augen sehen.

Es steht ja droben auf der Himmelsleiter zu Gott über St. Philoim, dem Engel der Prüfungen und Zulassungen, der Cherub, der die Klarsicht auf Gott trägt (St. Malachiel). Diese Kraft müssen wir uns zunutze machen: Nicht nur die Prüfungen und Zulassungen Gottes als Aufforderung zur Treue, zum Gehorsam, zum Opfer, zu Einkehr und Buße und als Liebesgruß vom Kreuze her zu tragen, sondern in dieser Zeit die Klarsicht auf den Göttlichen Willen, die Liebe Gottes und die weiseste Göttliche Absicht in jedem einzelnen Fall immer mehr zu vertiefen. Stehen ja auch neben St. Philoim in seinem Chor die Sieben Brüder der Seele, welche den Willen Gottes an der Seele zu ihrem Heil erfüllen sollen, sofern sie einwilligt und sich Gottes Führung hingibt.

Unser ganzes Erdenleben ist ein großer Prüfungstag für unsere Seele. Wie wollte ein Prüfungskandidat bei einer Prüfung bestehen können, wenn er sich nicht prüfen lassen will? So werden auch wir geprüft zu unserem Heil, und je mehr wir geprüft werden, eine desto herrlichere Krone ist für uns bereit, die wir nach dem Willen Gottes erringen können.

Gebet: Herr, lass uns durch diesen Deinen Engel, der uns den Kelch reicht und das Kreuz, erkennen, dass alles, was Du uns tust, Liebe ist und dass uns alles, wenn wir Dich lieben, zum Besten gereicht: Zu unserer eigenen Seligkeit. Amen.

 

25. Juli – St. Sachael 4. h. Chor

Zwölfmal im Jahr stehen Engel vor Gottes Thron, welche unter sich einen Torbogen haben vom Himmlischen Jerusalem. Das sind die zwölf Engel, welche auf den Toren dieser Himmelsstadt stehen (Apk. 21,12). Sie sind aus dem Chor der Herrschaften, dem vierten der neun Chöre der Engel, und sie sind Engel der Liebe, Engel des Heiligen Geistes.

Sie sind anders als sonst Wächter heiliger Tore:

Sie tragen alle einen Brustschild gleich den Hohenpriestern des Alten Bundes. Das soll bedeuten, dass sie hier auf den Toren des Neuen Jerusalem auf die Scharen des Alten Bundes warten, welche, von den zwölf Stämmen Israels angeführt, hier nach dem Jüngsten Gericht in die ewige Herrlichkeit einziehen werden. In diesem Brustschild sind zwölf Edelsteine, für jeden Stamm ein Edelstein, und jeder Engel behütet ganz besonders einen aus diesen zwölf Steinen, den er dann noch einmal als Fischerring an der Hand trägt. Dieser Fischerring bezieht sich auf die Apostel, und so wartet jeder der zwölf Engel auch auf einen Apostel, der durch dieses sein Tor mit seinen Scharen des Neuen Bundes einziehen wird. Der Stein ist dann noch ein drittes mal vertreten als Grundstein des Torbogens eines dieser zwölf Tore.

So sehen wir heute St. Sachael vor Gottes Thron stehen als unseren Fürbitter. Er ist der Patron der Büßer, er hütet das fünfte der zwölf Tore, das Tor der Büßer und Beladenen. Durch dieses Tor werden die Geringsten einziehen, die dann zu den Ersten zählen werden, die Lastträger, die ihre Schuld mit Reuetränen abwaschen. Der Stein, den St. Sachael unter sich im Torbogen und als Fischerring an seiner Hand und noch einmal in der Mitte des Brustschildes trägt, ist der Sardonyx; er steht für den israelitischen Stamm Levi, er steht ebenso für den heiligen Apostel Jakobus den Älteren, der mit dem Herrn auf dem Berg Tabor war und später einer der ersten Blutzeugen unter den Aposteln wurde.

Zwei Engel stehen zu beiden Seiten St. Sachaels, zwei Fürsten: St. Jophiel, der Träger des Sühne- und Bußgedankens, der Hüter des heiligen Sakramentes der Buße, der Umpflüger; und St. Ezechiel, der Getreue, der den Einen Denar trägt, den Einen Lohn für alle: Gott. Alle drei Engel werden mit jubelndem Dank gegen Gott den Scharen der Büßer und Beladenen den Himmel öffnen: "Kommet, ihr Gesegneten!" Sie werden dieses Tor öffnen, über dem geschrieben steht:

Maria, du goldenes Haus, du Mutter vom Guten Rat, du Hilfe der Christen!

Gebet: Maria, Mutter, hilf Du uns mit deinen getreuen Engeln, dass wir Sünder und Zöllner heimfinden an Eurer Hand in den Frieden der ewigen Heimat des Himmels. Amen.

 

26. Juli – St. Japhed 9. Chor

Ein großer, schlichter, unendlich gütiger Engel steht vor uns: So schlicht und gut muss wohl die heilige Mutter Anna in ihrem Leben ausgesehen haben. Es ist der Engel, "Der die Tränen trocknet", St. Japhed aus dem 9. Chor der Engel, zugeteilt einem Engel aus dem Chor der Herrschaften, St. Misachar, der die Schale des Bittopfers aller Zeiten und Orte als Antwort der Menschen auf den Ruf Gottes trägt.

Der 9. Chor der Engel ist den Menschen am nächsten. Er versteht deshalb alle menschlichen Nöte am besten von allen Engelchören. Darum sind auch diese Engel den höheren Chören in einer großen Vielzahl zugewiesen, weil sie die Gewalt und die Aufgabe der höheren Chöre den menschlichen Maßen anzupassen imstande sind, weil sie alles menschlich tragbar machen, wirklich Brüder der Menschen sind.

So hält auch dieser Engel in einer mütterlichen Gebärde dem Herrn auf Seinem Thron über den Wolken ein schlichtes, weißes Linnentuch entgegen. Wie viel Tränen magst du damit getrocknet haben, du guter, großer Engel?

Jene Tränen trocknet er, die wir aus Sehnsucht nach Gott weinen in heißer, brennender Liebe; sie sind die wertvollsten. Und gleich nach ihnen kommen jene, die wir aus ebenso brennender Liebesreue vergießen, gleich Magdalena am Stamm des Kreuzes. Und dann kommen die Tränen des Mitleids mit der Not des Nächsten, die Tränen der Trauer über gottgefügte Trennung. Und nicht zuletzt trocknet er mit seiner gütigen Hand unsere Tränen der Ratlosigkeit, der irdischen, materiellen Not, der Heimatlosigkeit, des Kummers, ja der Verzweiflung. Durch die Hand des Engels trocknet die Liebe Gottes, trocknet Maria, die Trösterin der Betrübten, unsere Tränen. Sagt nicht sie, die beste aller Mütter, auch zu uns: "Kind, von nun an heilt es!"?

So ist der Engel, der uns die Tränen trocknet, zugleich jener, der aus der Tiefe unserer Not unser Bitten und Flehen zu Gott trägt, er ist der Engel der mütterlichen Fürsorge. Er ist zugleich Engel des Vertrauens, denn das Vertrauen ist eine Macht, die Gott zu bezwingen imstande ist. Er ist der Engel der jene Wunden, die uns Gottes Gerechtigkeit oder Weisheit schlägt, mit dem Wort Mariens "Fiat mihi secundum verbum Tuum!" wieder heilt. Er ist der Getreue, der in nimmermüder Geduld immer wieder die Barmherzigkeit Gottes für uns anfleht, der die Dämonen der Verzweiflung oder Rachsucht von uns abhält, der uns Schritt um Schritt jener Göttlichen Hand entgegenführt, die auf ewig alle Tränen auf unserem Angesicht trocknet und alle Trauer von uns nehmen wird.

Gebet: Herr und Gott, Du selbst hast am Grab des Lazarus geweint; so hast Du die Tränen geheiligt. lass Dir durch diesen guten Engel unsre Tränen vor Augen halten, damit sich Dein Herz voll Erbarmen zu uns neige und wir Deiner Hilfe teilhaftig werden, jetzt und im Gericht. Amen.

 

27. Juli – Die Engel der Rechenschaft

Einmal steht jeder Mensch vor der Rechenschaft Gottes, unausweichbar. Einmal muss er Rechenschaft geben, mag er wollen oder nicht.

Wie notwendig ist es, daran zu denken, dass wir alle nur Verwalter sind, Verwalter vieler Pfunde außer dem einen Pfund, das Gottes ist, unserer Seele.

So ist auch die erste Frage Gottes an den Menschen: "Was hast du mit deiner Seele gemacht?"

Wenn wir erst in der Stunde unserer Rechenschaft beim besonderen Gericht daran denken, was wir mit unserer Seele gemacht haben, erst dann, wenn Prüfungstag ist für die Ewigkeit, dann werden wir wohl zu zittern anfangen.

Wie gut und fürsorglich ist der Himmlische Vater, dass Er uns Seinen Sohn sandte, Der uns die Möglichkeit wiedergab, das Vaterhaus zu erreichen. Wie gut ist doch der Vater, dass Er uns Augen und Ohren und ein lebendiges Herz gab, um Ihn, den Dreieinigen Gott, erkennen, sehen, hören und lieben zu können.

Wie gut ist unser Herr Jesus Christus, Der Sein Blut und Sein Leben für uns gab, damit wir im Gericht bestehen können. Wie gut ist der Herr, dass Er uns im heiligen Bußsakrament zu jeder Zeit die Hand reicht und unseren Schuldschein zerreißt.

Wie gut ist unser Herr, dass Er uns nicht in Ruhe lässt und mahnt und zieht und nicht rastet, bis die Gnade bei uns Einlass findet, bis die heiligen Engel uns beistehen können.

Wie gut ist Maria, die immer da ist, die Mutter der Barmherzigkeit, die Pforte des Himmels.

Wie gut ist Gott in Seinen Engeln und Heiligen, die bei uns sind Tag und Nacht, die nur darauf warten, von uns gerufen zu werden, um uns helfen zu können. von dieser Sicht aus müssen wir diese sieben großen Engel anblicken, die uns Gott heute als Helfer und Mahner darstellt, die jedem einmal begegnen.

Es ist gut, sie vorher zu kennen, sie sich schon vorher zu Freunden zu machen. Der erst ist St. Hariel, Engel der Gewalt, der Türöffner zu Gott. Er reißt mit Gewalt den Blick der Seele von der Erde und allem Irdischen los und wendet ihn der Gerechtigkeit und dem Gericht Gottes zu. Er öffnet der Seele die Tür (die Sicht) ins Ewige. Er ist nicht der Engel des Todes, er öffnet auch dem lebenden Menschen, der sich freiwillig dem Gericht Gottes stellt, die Tür zum Richter und zur Rechenschaft. St. Hariel ist es, der uns zur tiefen Reue aufrüttelt und mahnt, dass wir uns noch als lebende Menschen dem Gericht Gottes stellen sollen, um der ewigen Liebe Gottes teilhaftig zu werden.

Der zweite ist St. Samaliel, der Cherub, der Fürbitter. Er steht im Namen Marien hier, mit dem weiten, blauen Mantel der Königin. In ihm vereinigen und bündeln sich die Fürbitten aller Engel und Heiligen und der ganzen ringenden Kirche, und diese Macht der Fürbitte schließt sich mit jener der himmlischen Mutter selbst zusammen.

Wir brauchen Fürbitter; o glaube niemand, auf Grund seiner guten Taten allein die Gerechtigkeit Gottes besiegen zu können! Können wir nur einem einzigen Tropfen des Blutes unseres Herrn, der unsere Gleichgültigkeit und Ehrfurchtslosigkeit anklagt, etwas entgegenhalten, das uns entlastet? Wie werden wir einst danken, so viel Engel erkannt und rechtzeitig um ihre Fürbitte angerufen zu haben! Wie werden wir der himmlischen Mutter danken, die immer da steht, wo die Not des Kindes am größten ist, die unsere immerwährende Hilfe ist.

Der dritte ist St. Michael, der Erzengel-Fürst, der Kämpfer gegen die Mächte der Finsternis, der überall dort eingreift, wo sich die Seele dem Herrn ausliefert. Denn dort ist auch immer der Böse mit seiner Macht, um die Bindung der Seele an Gott zu verhindern. Über die Fürbitte lächelt der Böse – und wenn der Engel die Tür zu Gott aufreißt, das sieht der Böse nicht, denn er ist blind für das Licht Gottes. Aber überall, wo St. Michael steht, ist Kampf, der bis zum Ende der Zeit nicht aufhören wird. Luzifer wird seine Niederlage niemals verwinden. Darum ist St. Michael, wenn er einen Menschen beschützt, immer belagert von den Teufeln der Rachsucht, von den Furien der Schuld, von den Millionen Versuchern zur Verzweiflung, von den fahlen Dämonen der gegen Gott gereckten Faust des Geschöpfes, das "Nein" zu Gott.

Aber St. Michael ist Sieger. Er ist der Engel der Demut bis ins Letzte, der Bereitschaft bis zum Letzten. Er bindet den freien Willen des Menschen, der sich Gott willig zum Gericht überantwortet, unauflöslich an seinen Herrn; keine Hölle und kein Teufel kann ihn dort losreißen, solange der Mensch Gott zu eigen sein will.

Der vierte ist St. Sederim, der Engel des Widerspruchs, die Mitte aller Engel, Ecksäule der Versiegelten Gewalt. In allen Engeln spiegelt sich Maria, aber in St. Sederim wohl am klarsten als die größte Liebe Gottes in ihrer wahrhaft Göttlichen Gegensätzlichkeit. Maria steht über St. Sederim als Unbefleckte (o, so zart und rein, fast durchscheinend!) und dabei ist sie das starke Weib "mit der Sonne bekleidet", das über Tod und Teufel und Hölle Siegerin ist.

So steht auch St. Sederim hier in dieser göttlichen Gegensätzlichkeit. Er hat in der einen Hand das Siegel, die Macht des Göttlichen Wortes "Komme" und in der anderen Hand versiegelt die Macht des Göttlichen Wortes "Weiche" und dabei reißt er, während St. Michael alle Teufel abwehrt, mit einem Ruck die Seele aus der Umklammerung aller Mächte der Finsternis. Nun steht sie da, bloß und mit Wunden bedeckt, ihr ganzes Leben ist an ihrem Leib zu sehen.

Der fünfte ist St. Gabriel, der Erzengel-Fürst. Er trägt das Buch der Rechenschaft. Erschrick nicht, Seele! Siehe auf die gütigen Augen dieses Engels! Nicht nur deine Schuld steht in diesem Buch, auch alle kleinen und kleinsten Taten, mit reinem Herzen und in der Liebe Gottes getan, sind fürsorglich aufgezeichnet. Alle Fürbitte Mariens, alle Hilfe der Engel und Heiligen sind dort eingetragen. Diese himmlischen Schätze werden dich heimholen. Habe Vertrauen!

Der große Verwalter der Erde ist zugleich der Verwalter aller Rechenschaftsbücher, die von den Schutzengeln gebracht werden. Er ist der Engel des Vertrauens, des Gehorsams, der stillen Treue; mit seinen guten Händen bettet er die Seele voll gläubigen Vertrauens in die Gerechtigkeit Gottes. Denn Gottes Gerechtigkeit ist Liebe.

Der sechste ist St. Haleochim, der Engel "Maria". Er ist Engel der Kirche, Engel des ganzen Corpus Christi Mysticum. Er begleitet den Menschen bis über die Rechtfertigung zur Rettung, er lässt ihn nicht im Stich, wie auch die Kirche die Seele nicht im Stich lässt. Er stellt das Göttlichen Recht der Löse- und Bindegewalt der Kirche vor Gottes Thron auf, gemäß den Worten des Herrn: "Was immer ihr auf Erden ... binden werdet, das soll auch im Himmel gebunden sein." Niemals wird Gott seine Kirche vergessen.

Und so ist die heilige Kirche in der Stunde des Gerichtes unser Verteidiger und wendet Gottes Gerechtigkeit in Verzeihung um.

Zuletzt steht noch einer da, er steht vor dem knienden Schutzengel des Menschen, der darauf wartet, die Seele wieder in Empfang nehmen zu dürfen: Dieser siebente ist St. Jophiel, der Engel der Wandlung zu Gott. Die Aufgabe dieses stillen Erzengels gibt jener St. Michaels, St. Gabriels oder St. Raphaels nicht nach an Größe, nur arbeitet er immer in der Tiefe.

Eine Wandlung nur an der Oberfläche ist kein Werk St. Jophiels. Er zieht der Seele die letzten Schleier von den Augen, die sie von der Erkenntnis Gottes trennen. Er wandelt sie so, dass sie sich aus der Tiefe ihrer Reue heraus an den Anblick der Gerechtigkeit Gottes in vollstem Vertrauen und in tiefster Anbetung gewöhnt; dann macht er ihr den Anblick der Liebe Gottes, selbst wenn sie noch einmal zur Erde zurück müsste, tragbar. Er legt die Seele wieder zurück in den Arm des Schutzengels, der sie dorthin trägt, wo Gott sie haben will: In die Seligkeit, in den Läuterungsort oder zurück in das Kampffeld der Erde.

Die Engel der Rechenschaft sind uns große Mahner:

1. Nach der Erkenntnis von Gottes Willen zu streben;
2. die Gnadenmittel der heiligen Kirche zu gebrauchen;
3. uns willig der Hand Gottes zu überlassen;
4. uns rechtzeitig der himmlischen Fürbitter zu versichern;
5. jeden Tag und jede Stunde bereit zu sein;
6. die Hand des heiligen Schutzengels nie auszulassen;
7. unser Rechenschaftsbuch immer in Ordnung zu halten.

Gebet: Ihr großen heiligen Engel der Rechenschaft, wollet mir nicht Ankläger, sondern Helfer und Verteidiger sein. Amen.

 

28. Juli – St. Ursalim 6. n. Chor

"... et homo factus est ..." Der Christ betet dies täglich im Credo ohne Zittern – kein Engel kann dies. Wenn etwas einen Engel zutiefst erschüttert, so ist es das Geheimnis der Menschwerdung seines Herrn und Gottes mit all der Schmach, die seither dem Erlöser zugefügt wird. O Majestät Gottes, die kein Engel unverhüllt erträgt, die sich aus Liebe in Göttlicher Gegensätzlichkeit entmachtet bis zum willenlosen Brot, bis zur Hilflosigkeit am Schandpfahl des Kreuzes! Wie dankt es der Engel seinem Herrn, dass Er in dieser Tiefe der Menschwerdung die Königin der Engel, die einzig gültige Antwort der Schöpfung an den Schöpfer, das auserlesenste, reinste aller Geschöpfe, Maria, Sich zur Mutter erkor!

Jede Stätte, wo der Herr auf Erden weilte, ist den Engeln heilig. Unter den Stillen Fürsten, den Schutzengeln der heiligen Kirche, hat das Amt der Betreuung der heiligen Stätten St. Ursalim erhalten, der dreizehnte der vierundzwanzig. St. Ursalim, der Fürst der verborgenen Betreuung der heiligen Stätte, ist einer der seltsamsten Engel. Er ist scheinbar blind, er sieht seine Aufgabe nicht. Was den Engel bewog, freiwillig den Sinn des Sehens seinem Schöpfer als Lösegeld für die Schande anzubieten, die den heiligen Stätten zugefügt wird, das wird bis zum Ende der Tage ein Geheimnis zwischen dem liebenden Gott und dem liebenden Engel bleiben. Der stille, riesenhafte Fürst wird trotzdem seiner Aufgabe gerecht. Er trägt eine seiner Größe und seinen Kräften angepasste Schale voll Erde; er hat zu seinen Füßen einen ungeheuren Königsmantel, vor dem er anbetend kniet. In der Schale ist alle Erde, die sich je mit Christi Blut mengte – was ist seit Golgotha lästerlich an gewandeltem Wein zur Erde geschüttet worden! Diese Erde ist gleichzeitig Symbol für alle Stätten, über die der Fuß des Herrn ging, sie ist Symbol für alles zur Erde geflossene Blut des Corpus Christi Mysticum, für alle geheiligte Erde; alle Reliquien befinden sich unter dem Schutz dieses Engels.

Überall, wo sich der Leib des Herrn außerhalb der Tabernakelschreine befindet, ist ein Engel St. Ursalims als Hüter und Anbeter bestellt. Sogar bei von den Hörigen Satans geschändeten heiligen Gestalten in Brot und Wein kniet ein Engel und betet mit seiner ganzen Inbrunst. Diesen geschändeten Leib des Herrn sammeln die Engel St. Ursalims, er wird Splitter für Splitter an diesen riesigen Königsmantel gefügt, der bis ans Ende der Zeiten dem Herrn, dem Richter aller Geschöpfe, übergeben wird, fürchterlichste Anklage allen denen, die das Wort: "et homo factus est ..." auf so grauenvolle Weise geschändet haben.

Gebet: Großer, heiliger Engel, wir bitten Dich demütig, verleihe uns die rechte Erkenntnis und das heiße Verlangen, Gott immer und überall vor den Händen des Feindes zu schützen und Ihn in allen heiligen Stätten und geheiligten Gegenständen von Herzen zu loben und zu preisen. Amen.

 

29. Juli – St. Phanael 7. Chor

Die Liebe ist immer neu, sie ist nie auszuschöpfen und nie auszumessen. Das Hohelied der Liebe wird nie verstummen, solange es einen Tabernakel auf Erden gibt, solange ein Kreuz auf Erden steht, solange unsere Liebe Frau über diese Erde wandert, zusammen mit ihren Engeln und mit ihren Kindern als Wegmutter zur ewigen Heimat.

So sind auch die Engel der Liebe so zahlreich, man kann sie gar nicht überblicken. Sie stehen in jedem Chor, sie stehen überall im Himmel und auf Erden. Denn auch die Liebe Gottes ist überall. Hier leuchtet sie und dort lohnt sie, hier mahnt sie und dort brennt sie, hier bringt sie ein Kreuz und dort holt sie heim. Immer wieder sind andere Engel im Dienst der Liebe Gottes, der Herr hat keinen Mangel an blitzschnellen und freudigen Dienern.

Ein solcher Diener des Herrn steht auch heute hier, es ist ein Engel der Liebe aus dem Chor der Mächte, dem siebenten der neun Engelchöre. Er trägt die Klugheit der Liebe.

Es ist St. Phanael. Der Klang dieses Namens kommt schon einmal in der Heiligen Schrift vor, wo erzählt wird, wie der junge Jakob mit dem Engel gerungen hat; er nannte diese Stelle "Phanael", "Begegnung mit Gott". So ist es; im Engel begegnen wir Gott, hier begegnen wir der Liebe Gottes, die sich uns als Klugheit der Liebe, als Weisheit der Liebe schenkt.

Diese Klugheit der Liebe erklärt uns der Herr selbst im Gleichnis von den zehn klugen Jungfrauen. Auch sie waren voll Liebe, sie warteten in Liebe. Aber nur die Hälfte dieser Jungfrauen war auch noch klug dazu, dachte weiter als nur an den Augenblick. Und sie taten recht daran. Gott verlangt auch mehr von uns, wenn er uns Gnaden schenkt. Glauben, hoffen, lieben, vertrauen, gehorchen, das können Andersgläubige auch, ja sogar die Heiden. Unser Glauben, unser Vertrauen, unser Hoffen, unsere Liebe, unser Gehorsam müssen größer sein. Sie sollen da erst anfangen, wo jene der Heiden und Irrgläubigen enden, wir müssen also mehr tun als diese. Unser Glaube wird dann heilig, wenn wir um Gottes willen glauben, das, was er uns zu glauben vorstellt. Unsere Hoffnung wird dann heilig, wenn wir von Gott alles um Seiner Selbst willen erhoffen und wir uns nur mehr an Gott halten. Unsere Liebe wird dann heilig, wenn wir lieben, ohne auf Antwort oder Lohn oder Trost zu warten. Unser Gehorsam wird dann heilig, wenn er über die menschliche Einsicht hinausgeht. Dies lehrt uns die Klugheit der Liebe und eine solche heilige Klugheit ist wahrlich eine Macht. Wer sie besitzt, der hat auch Macht über die Liebe des Herrn, zu dem wird der Herr nie sagen: "Freund, ich kenne dich nicht!"

Gebet: Großer heiliger Engel der Macht der Liebe, lehre uns die heilige Klugheit der Liebe voll klarer Planung und geordnetem Maß, damit, wenn Gott uns ruft, Er uns wachend findet. Amen.

 

30. Juli – St. Johaim 9. Chor

Ein stiller Engel mit einer gewichtigen Aufgabe ist es, der heute vor Gottes Thron als unser Fürbitter steht, St. Johaim, der Zahlmeister Gottes. Er ist ein Engel des neunten Chores und St. Geburah zugeordnet, dem sechsten der zwölf Engel von Wort und Antwort, der die Gerechtigkeit trägt in den Aufbau aller Schöpfung. St. Johaim war schon vor vielen Jahren einmal in einem Bild zu sehen; da stand er vor einem großen Dom und zahlte den Arbeitern aus, die Feierabend machten. Der Dom war die heilige Kirche, und die Arbeiter, die Feierabend machten, waren die, welche heimgingen zu Gott. Und er zahlte damals mit großen Nägeln aus, spitz wie die Dornen der Dornenkrone des Herrn und groß wie die Kreuznägel auf Golgotha. Es lag ein tiefer und überzeitlicher Sinn in diesem Symbol, dass die Liebe Gottes mit ihren Werten zahlt und nicht mit unsren. Und wenn wir heute fragen, warum der Lohn so vieler ehrlicher Mühen und rechtschaffener Taten vom Herrn wirklich nur mit Kreuznägeln ausgezahlt wird, so gibt uns das Herz unseres Herrn, das Herz unserer Mutter Antwort. Denn die Liebe sieht viel weiter als bis zum Ende unseres Lebens, sie sieht unseren Lohn in der Ewigkeit, und sie sucht uns wie eine ehrgeizige Mutter, wie jene Mutter der beiden Söhne des Zebedäus, möglichst weit hinaufzubringen bei der Lohnauszahlung in der Ewigkeit. Wie sehr mag das Herz des Herrn in Liebe für seine Mutter geschlagen haben, und doch blieb ihre Liebe auf Erden äußerlich unbeantwortet und ohne Lohn. Und wie sehr mag das Herz der Mutter von menschlichen Gefühlen bewegt worden sein, dass ihrem Kind die auferlegte Last nicht zu erdrückend werde – Gefühle der Sehnsucht nach ihrem Kind, Gefühle der Verteidigung ihres Kindes –, und doch hat das Herz der Mutter diese schwerste aller Prüfungen einer Mutter bestanden, sie hat keinen Finger gerührt für ihr Kind vom Ölberg bis Golgotha, sie stand aufrecht unter dem Kreuz. Sie trat schweigend ins Dunkel zurück in den ersten Jahren und Jahrzehnten der jungen Kirche. Sie ging uns den Weg voran, den wir zu gehen haben in der Nachfolge Christi, wissend, dass die Lohnauszahlung Gottes in der Ewigkeit ist.

Aber noch etwas anderes sagt uns dieser stille Engel: Gott lohnt nicht nur das Gute mit Ewigkeitswerten, Gott rechnet uns auch das vor, was schlecht war an unserer Arbeit: Unsere Fahrlässigkeiten, Lauheiten, Bosheiten, Falschheiten; wollen wir da auch, dass Gott mit Ewigkeitswerten bestraft? Da nützt keine Vogelstrauß-Politik, der Zahlmeister stehet so sicher am Ende unserer Lebensarbeit da, wie auf den Tag der Abend folgt. Denken wir darüber nach und handeln wir danach, erbitten wir uns die Gerechtigkeit Gottes in der Zeitlichkeit, damit uns die Liebe Gottes in der Ewigkeit werde.

Gebet: Himmlischer Zahlmeister, niemals sind wir eines Lohnes würdig, aber unseres Herrn Blut und unserer Mutter Fürbitte sind Werte, die wir zur himmlischen Zahlung mitbringen, auf dass wir Barmherzigkeit finden mögen. Amen.

 

31. Juli – St. Razael 2. Chor

Alle Engel des heiligen Geistes sind viel schwerer zu fassen als jene des Sohnes, welche uns auch in den höchsten Chören noch irgendwie begreifbar sind. So sind uns im obersten Ring der Anbetung um den Thron Gottes über allen Himmeln von diesen drei gottnahen Chören der Seraphim, Cherubim und Throne die Cherubim als Engel der Kraft, des Wortes, als Begleiter des Sohnes Gottes und hin geordnet auf Seine Erlösung, am fassbarsten.

Wir wissen aber, dass der Chor der Cherubim als Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes in sich dreigeteilt ist: Ein Drittteil schaut hin auf den Vater, Der dem Sohn, dem Wort und damit auch allem Gotteswort die lebendige Kraft mitgibt, die Wahrheit, die Weisheit, die Schönheit; ein Drittteil schaut auf den Sohn, Der als Licht auf die Erde kommt, als Schwert, als Weg, als Keltertreter und Guter Hirt, als der Mittler und der Richter. Und ein Drittteil der Cherubim schaut auf den Geist, Der in die heilige Kirche Seine Gaben des Heils und der Tröstung verströmt. Zu diesem letztgenannten Drittteil gehört auch St. Razael, der Cherub des Geistes, der heute als unser Fürbitter vor dem Thron Gottes steht. Er ist Engel des heiligen Geistes, Der die vom Vater und vom Sohn übernommene Weisheit über die heilige Kirche ausgießt.

Alle Kraft und Weisheit, die vom Vater über die heiligen Engel zu uns kommt, trägt das Merkmal der Dynamik. In dieser Dynamik gehen die Missionare hinaus zu den Menschen in Finsternis und Todesschatten, in dieser Dynamik wächst das in den Boden gefallene gute Samenkorn des Wortes Gottes in den bereiten Herzen und bringt hundertfältige Frucht.

St. Razael aber zeigt deutlich die Eigenprägung der Engel des Geistes: Wie ein Sturm braust er über die Apostel hin; nun ist ihre ganze Furcht gewichen, als wäre sie nie dagewesen. Sie predigen laut und unbekümmert. Die Gabe der Erkenntnis lässt ihre Worte klar und wahr sein. St. Razael vermittelt sie ihnen. Aber nicht nur diesmal und nicht nur ihnen: Jeder von uns, der seine Kraft seinem Herrn und Gott anbietet, der sich vom heiligen Geist formen und leiten lässt, wird auch von Seinen Engeln geführt werden und die tiefe Weisheit des Wortes Gottes, des Willen Gottes und der Liebe Gottes an sich erfahren.

Gebet: Heiliger Geist, Du Herr und Lebensspender! Wir sagen Dir Dank für alle Gnaden und Gaben, die Du uns durch Deine Engel sendest, die wir übernehmen, anstaunen und bewahren dürfen. Ganz besonders danken wir Dir für die Gnadengabe der Weisheit, die Dein heiliger Engel über die heilige Kirche immer noch ausgießen darf, die wir aufnehmen in den heiligen Schriften wie Dürstende inmitten der Wüste dieser Welt. Amen.