1. Juni – St. Jesu 1. Chor

"Das Licht kam in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen." Dieses Wort prägt die Wesenheit dieses Engels, der in der Mitte der einundzwanzig Seraphim steht, der höchsten Engel, der klarsten geschöpflichen Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes. Dieser eine Seraph, der selbst wie eine lichte Hülle um den Namen seines Herrn und Gottes liegt, wird bis zum Ende der Zeiten von der Finsternis, von der Menschheit nicht begriffen werden.

Und doch steht er an einem Tage des Jahres für diese Finsternis vor dem Thron Gottes als Fürbitter, mühsam zu beschreiben. Alle Tage bis zum Ende der Zeit ist er durch sein Sein vor den Augen Gottes die Erinnerung für den Vater an Sein Wort, das der Engel St. Gabriel einst Maria überbracht: "Und du sollst Ihm den Namen Jesu geben." Wir sind alle viel zu sehr Finsternis, um diesen Moment wirklich begreifen zu können, da der Vater mit diesem Wort das Geheimnis des Dreieinigen Gottes hob und Sich und Seinen Sohn und den Heiligen Geist Maria als Gabe darbot, um den Tod Seines Sohnes als Mensch festzulegen. Die höchste Spitze der Menschheit, Maria, berührte in Jesus den Dreieinigen Gott; den Vater, den Sohn, den Geist.

Jesus, der Retter, ist gekommen, und die Finsternis hat Ihn nicht begriffen. Er ist gekreuzigt worden, gestorben und begraben, wieder auferstanden und in den Himmel auf Seinen Thron von ehedem heimgekehrt. Und seither steht Er für uns vor dem Vater und zeigt millionenmal Seine Wunden und Sein durchbohrtes Herz. Seither steigt Er millionenmal bei jedem heiligen Messopfer herab und wird Fleisch und Blut und opfert Sich für uns Finsternis, die wir Ihn nicht begreifen wollen. Und Er verströmt Sein Blut – man weiß ja gar nicht wie oft und für wen.

Dies alles in den geschöpflichen Spiegel umgesetzt, ist der Engel, der da in der Mitte der Seraphim steht, von dem man nicht sagen kann: "Ist er es? Bist Du es?" Auch er verströmt sich, man weiß nicht wohin, denn seine Lichtbahn ist nicht abzusehen. Es steht kein Engel direkt unter ihm als nur ganz tief unten auf der Erde der Engel der Reue (St. Baranael). Ganz in seinen Lichtkegel getaucht ist Maria. Der Lichtkegel umgibt sie dreifach wie eine Gloriole, denn er ist des Vaters, des Sohnes, des Geistes. Es liegt immer das Gotteswort "Ich Bin" als Wesensbegriff des Dreieinigen Gottes in dieser seraphischen Gestalt, wie das "Ich komme!" als Antwort der Menschheit. Zwischen diesen beiden Worten neigt Sich das Herz des Erlösers zum Herzen Seiner Mutter. Hier berühren sie sich. Darum steht dieser Seraph, dessen Königin Maria ist, dessen Herr unser Herr Jesus ist, heute, am Beginn des Herz-Jesu-Monats.

Gebet: Heiliger, Starker, Unsterblicher Gott, Der Du in die Finsternis herabgestiegen bis, lass uns durch Deinen Engel, Deine Mutter, die Du uns Selbst zur Mutter gegeben hast, emporgehoben werden an das Herz der Himmelskönigin, um von dort durch ihre Hände in Dein Göttliches Herz, o Jesus, Du unser Retter, gelegt zu werden. Komm, o Herr, komm! Amen.

 

2. Juni – St. Gazar 4. Chor

Während in diesen Tagen noch das starke Licht des Seraphs St. Jesu hereinfällt und von der Erde her der Engel der Reue, St. Baranael, seine Hände zum Himmel streckt, steht heute in der Lichtbahn das Gnadenstromes der Liebe die Gestalt eines Engels. Er kommt aus dem Chor der Herrschaften von Niederer Gewalt und ist der erste der sieben Opferschalen-Engel: St. Gazar, der Träger des Lob-Opfers. Wir kleine Menschen singen vom Beginn des Herz-Jesu-Monats an: "Gelobt, gebenedeit soll sein zu jeder Zeit das heiligste Herz Jesu in alle Ewigkeit ...!" Die Engel stimmen in unser Loben ein, es ist ihnen die erste und die schönste und wichtigste Aufgabe. Darum steht auch unter den sieben Opferschalen-Engeln als erster St. Gazar, der das Lob-Opfer im Namen der Geschöpfe und als ihre Antwort Gott entgegenhält. Über ihm, in der Reihe der Engel des 1. Chores, leuchtet der Seraph St. Alphai auf, der das Wort trägt: "Es werde Licht!" Als Gott Seinen Schöpfungsplan in die Tat umsetzte, war dies Sein erstes Wort hinein in das Dunkel: "Es werde Licht!" So steht es in der heiligen Schrift, und ebenso schlicht folgt der nächste Bericht: "Und es ward Licht."

Das Licht-Werden ist der Beginn der Geschöpflichkeit. Die Engel, diese Ersterschaffenen Gottes, sind Lichtgestalten, reine Geister voll Licht. Sie nannten sich zuerst auch: "Söhne des Lichtes", und der ersterschaffene Engel war der "Lichtträger", "Luzifer", welcher später bei der Prüfung der Engel von Gott abfiel und in die Finsternis stürzte. St. Alphai, der Seraph, trägt das Wort: "Es werde Licht" als ein immerwährendes Zeugnis des Lichtwerdens in der Schöpfung durch den Schöpfer, den Dreieinigen Gott.

Der als nächster Engel der Liebe unter St. Alphai steht, ist St. Assael, der erste der sieben Engel aus dem Chor der Hohen Herrschaften, welche die sieben Geistgaben tragen, und er hält die Schale voll Flammen weithin sichtbar über die Schöpfung: Das Licht der Erkenntnis aller Geschöpfe, welche die Unsterblichkeit ganz (wie die Engel) oder teilweise (wie die Menschen) tragen dürfen als ein Teilhaben am Licht Gottes in Verstand, freiem Willen und Entscheidungskraft.

Gott schuf uns schon in das Licht hinein. Wir Menschen sind förmlich der Schlusspunkt Seiner Liebestaten in der Schöpfungszeit, der Höhepunkt der Liebestaten Seines Herzens. Wenn daher die heiligen Engel die Antwort der Schöpfung in sieben Opferschalen Gott in unserem Namen entgegentragen, so haben sie richtig erkannt, dass das erste und wichtigste Opfer der Menschheit das Lob-Opfer sein muss. Im Lob Gottes als Gottes-Dienst sind wir am meisten eins mit den heiligen Engeln. Es ist die erste Aufgabe des Menschen und der ganzen Menschheit, Gott zu loben, so wie man für eine Gabe dankt.

Die erste Gabe, für die wir danken müssen, ist, dass wir sind, dass wir durch Seine Allmacht und Güte sein dürfen, denn das ist das Größte, das wir erkennen: Dass wir durch Den, Der immer war und ist und sein wird, auch sein dürfen, ja, dass wir, durch unseren Herrn Jesus Christus von unserer Sündenschuld befreit, einmal in alle Ewigkeit bei Gott im Himmel sein dürfen! Was haben wir zu loben und zu danken!

Gebet: Aus dem Mund von Kindern und Armen hast Du Dir Lob bereitet, o Gott! Lasse uns von diesem heiligen Engel des Lob-Opfers lernen, unser ganzes Leben, unsere Worte und Werke Dir ein immerwährendes Lob-Opfer sein zu lassen. Amen.

 

3. Juni – Die vierzehn himmlischen Nothelfer

Die heiligen Engel sind die Mittler zwischen Gott und Mensch. Sie stehen über dem Menschen und unter Gott. Sie spiegeln in größter geschöpflicher Klarheit die Liebe Gottes, die Kraft Gottes, das Leben Gottes in Seiner Heiligkeit und Weisheit, in Seiner Allmacht und Gerechtigkeit hinab auf die Erde. Sie spiegeln aber auch die Antwort der Schöpfung: Die Liebe, die Kraft und das Leben der Menschheit, vorab der Braut Christi auf Erden, der heiligen Kirche, ebenso in größter Klarheit hinauf vor die Augen des Heiligen, Starken, Unsterblichen Gottes. In dieser ihrer Stellung und Aufgabe verbinden sie die ringende Kirche auf Erden mit der triumphierenden Kirche im Himmel um den Thron Gottes in allen Geschehnissen des Zeitablaufes.

Es sind daher für die Not der ringenden Menschheit nicht nur vierzehn Nothelfer unter den Heiligen (die heute schon ganz in Vergessenheit geraten sind), sondern auch vierzehn Nothelfer unter den heiligen Engeln. Es ist gut, sie näher kennenzulernen, denn ihre Hilfe für diese Zeit wird notwendig und fruchtbar sein.

Die vierzehn himmlischen Nothelfer sind ebenso dem Kranz der heiligen Engel entnommen, wie die vierzehn heiligen Nothelfer aus dem Kranz der Heiligen stammen. Sie stehen zu sieben und sieben und haben in ihrer Mitte die Himmelskönigin, die Hilfe der Christen, die Mutter der Barmherzigkeit, die Immerwährende Hilfe. Sie sollen einzeln mit je einer Beschreibung und einem Gebet genannt werden sein:

1. St. Mirachiel, Engel der Macht des Glaubens. Er steht auf der Erde, er ist den Menschen nicht ferne. Vor allem jene, die als Konvertiten dem Corpus Christi Mysticum eingegliedert werden, stehen unter seiner besonderen Fürsorge. Er trägt als Aufgabe vor dem Herrn die Glaubenskraft. Er soll angerufen werden gegen Glaubenszweifel, in Gefahren des Abfalls vom Glauben, gegen Verdunkelung des Glaubens, Verwischung und Verschleierung des Glaubens durch Versuchung und schlechte Umgebung.

Gebet: Heiliger Engel, der du uns gegen alle Nöte des Glaubens von Gott zur Hilfe gegeben bist, hilf uns aus unserer Weglosigkeit, aus diesen schweren Glaubenszweifeln. Wir können unseren Herrn und Gott und den Weg nicht mehr sehen. Stelle uns das Licht der Erkenntnis wieder auf unseren Weg, gib uns die Kraft, wieder aufzustehen und im blinden Glauben Gott anzubeten und Ihm die Treue zu bewahren. Hilf uns, großer, heiliger Engel der Glaubenskraft, aus unserer Not! Wir wollen deine Hilfe den anderen kundtun und so die Verehrung der heiligen Engel fördern. Amen.

2. St. Ariguel, Engel der Barmherzigkeit. Er ist aus dem Chor der Herrschaften von Hoher Gewalt. Er ist Engel der Liebe und der Heimholung, der mütterlichen Hilfe und des Trostes. In seiner Aufgabe steht ihm zur Rechten jener Engel, der den Schleier Mariens trägt, zur Linken jener gütige Engel, der sich "Schemel Gottes" nennt (St. Azariel und St. Gerudiel). St. Ariguel trägt als Aufgabe vor dem Herrn die heilige Caritas. Er soll angerufen werden von den Flüchtlingen und Heimatlosen, den Arbeits- und Obdachlosen, den Entrechteten und Geknechteten, den Einsamen, Verlassenen, Witwen und Waisen; es sollen ihm die vermissten Lieben anempfohlen werden.

Gebet: Du hilfreicher, gütiger Engel, dem Gott unsere Not ans Herz gelegt hat, sieh her, wie wir hier knien! Bitte doch Gott mit deiner ganzen Kraft, dass Er uns barmherzig sei, dass Er dieses Kreuz von uns nehme oder doch erleichtere, dass wir nicht darunter zerbrechen. Zeige uns in deiner Güte die Türe des himmlischen Vaterhauses, wo alle Not ein Ende hat. Gib uns die Kraft, den Weg des Kreuzes zu gehen, wie lange Gott will und wie Gott will und wohin Gott will. Bete du das Sanctus für uns, wenn unsere Lippen vertrocknen, damit nur unser Herz lebendig bleibe. Schiebe den Schemel Gottes unter unsere müden Füße und lass uns vom Schleier Mariens zugedeckt sein. Amen.

3. St. Diurim, Engel der Gewalt des Göttlichen Willens. Er stößt vom Himmel herab mit der ganzen Wucht des Göttlichen Willens, und er steht auf der Erde, das Kreuz zu stützen, das als Torheit der Welt und als Friede und Seligkeit der Kinder Gottes von der Erde bis in den Himmel ragt. Er ist unbestechlich und unantastbar, er lässt den Willen Gottes nicht abbiegen. Aber er lehrt mit der ganzen Kraft und Liebe, die ihm zu Verfügung steht, diesen Willen Gottes zu lieben, dass es höchstes Glück für uns wie für die Engel bedeutet, diesen Willen Gottes erfüllen zu dürfen, dass das "fiat mihi" eine Selbstverständlichkeit wird, eine Liebespflicht.

Er soll angerufen werden gegen jeden Eigenwillen, gegen Starrsinn, gegen jeden von Gott abgebogenen Willen, der nicht von Gott, sondern vom eigenen Ich diktiert wird und den Ich-Götzen Belial zum Vater hat; gegen Häresien, Verranntheiten und Verstiegenheiten, die nicht eingesehen werden wollen, gegen Hochmut und Ungehorsam.

Gebet: Gewaltiger Engel, der du aussiehst, als würdest du das Kreuz nicht in der Torheit, sondern in der Sicherheit des Sieges einsetzen und stützen, lehre uns diese Sicherheit und Überzeugung, dass nur allein der Wille Gottes für all unser Denken und Handeln maßgebend ist. Gib uns die klare Überzeugung der unbedingten Souveränität Gottes über uns. Gib uns die Demut, uns auch den unerforschlichen Ratschlüssen Gottes zu beugen und den Göttlichen Willen restlos zu erfüllen, ohne Murren, ohne Trotz, ohne Bedingungen. Gib uns jene Liebe Mariens, die das "fiat mihi" uns vorsprach, und doch im Bewusstsein des kommenden Kreuzes das Magnificat betete. Lass uns nicht verlorengehen, großer Engel, und tu uns lieber Gewalt an, denn es ist besser, jetzt vom Willen Gottes gebeugt zu werden, als ungebeugt den Qualen der Verdammnis zu verfallen. Amen.

4. St. Ezechiel. Er ist aus dem Chor der Fürsten. Es ist Göttliches Gut, das er verwaltet: Das lebendige Leben in der Statik, im Gleichmaß, im zähen Kampf um Göttliches Erbgut im Menschen, denn er ist der Engel der Treue und weicht keinen Schritt von dem Platz, den ihm Gott angewiesen. Er trägt als Aufgabe und Symbol den einen Denar (denn eines nur ist notwendig: Gott). Der Name des Engels ist: "Gott macht stark."

Er soll angerufen werden gegen den Wankelmut, gegen die Labilität und Willensschwäche, gegen die Verführbarkeit, gegen den zu schwachen Widerstand dem Bösen und seinen Einflüsterungen gegenüber.

Gebet: Großer Bruder, du Halt in allen Schwankungen, die mich hin- und herwerfen wie ein Schilfrohr im Sturm, ich bitte dich, lass mich nicht los. Ich bin wie ein Haus mit lauter offenen Fenstern, durch die der Sturm des Bösen wehen kann, wann und wie er mag. Schließe du meine Fenster der empfindlichen Ohren, der neugierigen Augen, der unüberlegten Zunge, des ichbetonten Herzens. Stelle deine Engel davor, die Engel der unerschütterlichen Treue, der tiefen, gleichmäßigen Liebe, des zähen, demütigen Willens, mich immer und so tief als möglich zu beugen. Gib mir die Gnade, an deiner Hand immer den schwereren Weg, das größere Opfer anzunehmen und nie zu wanken. Amen.

5. St. Thaamim, Engel der Gewalt des restlosen Eifers für Gott und Seine Ehre, ist der Engel der Antwort auf den eifersüchtigen Kampf Gottes um jede einzelne Seele. Er senkt in jede Seele, die sich Gott restlos hingibt, den glühenden Pfeil des Eifers für die Ehre und die Liebe Gottes. Er trägt die von seinem Pfeil verwundeten Seelen in der Gewalt der Kraft des Wortes immer von neuem in das Kampffeld für Gott. Es ist seine Aufgabe, die Seelen immer brennend zu erhalten. Er soll angerufen werden gegen die Lauheit und Gleichgültigkeit, vor allem bei Priestern, in Klöstern, Pfarreien und kirchlichen Ämtern, gegen das Abstumpfen der Seele, gegen alle Nivellierung.

Gebet: Du rastloser, herrlicher Engel mit dem Bündel Blitze in deiner Hand! Deine Pfeile brennen Wunden der Sehnsucht nach Gott, die sich nicht mehr schließen. Nimm die Stumpfheit von unserer Seele, dieses gemächliche "Leben und leben lassen", dieses "Tu mir nichts – ich tu dir auch nichts!" Es ist nicht gleich, was wir tun und wie wir es tun. Nichts ist verborgen, was nicht offenbar werden wird, und nichts fällt unter den Tisch, das uns nicht von den Engeln öffentlich vorgehalten würde. Brenne uns, heiliger Engel, damit wir wie störrische Esel angetrieben werden. Schlage uns und schiebe uns, damit wir unser Ziel erreichen, das Gott uns gesteckt hat, und wir vor dem Gericht bestehen können. Amen.

6. St. Samaliel. Er ist aus dem Chor der Cherubim und unter den vierzehn himmlischen Nothelfern jener des höchsten Ranges. Er allein von allen drei obersten Chören ist ganz der Not der Menschheit zugewandt. Er ist der Beter und Fürbitter. Unter dem Strom seiner Fürbittekraft steht jener Engel (St. Aljoim), der von Gott bestimmt ist, das Samenkorn (die Seele) in den Boden zu treten, damit es Frucht bringe für die Ewigkeit.

Er soll angerufen werden bei allen verzweifelten Anliegen.

Gebet: Herr und Gott, lass uns durch die Fürsprache Deines heiligen Engels geholfen werden. Er hebt Dir, o Gott, Dein kostbares Blut, mit verhülltem Angesicht entgegen. Er weist mit der Hand auf Maria, die bittende Allmacht, die Mittlerin aller Gnaden. Er legt Dir unser Herz, das der Verzweiflung nahe ist, in Deine Seitenwunde, Herr Jesus, auf dass Du es heilest, indem du sprichst: "Dein Glaube hat dir geholfen, es geschehe, um was du gebeten hast." Herr, Du hast uns doch nicht umsonst einen so großen Engel als Fürbitter gegeben! Lass uns um seinetwillen, um Mariens willen, um Deines Kostbaren Blutes willen geholfen werden! Amen.

7. St. Hajim. Er ist Engel der Macht der heiligen Kirche und klopft an die Herzen der Menschen, um sie für Gott zu wecken. Er ist der Engel des Gewissens und Engel des inneren Lebens der heiligen Kirche. Seine Aufgabe ist es, die Herzen der Menschen immer warm und lebendig zu halten.

Er soll angerufen werden gegen alle Hartherzigkeit und Lieblosigkeit, gegen alle Herzenskälte und Vorenthaltung des Lohnes, des Rechtes, der Liebe, gegen Misstrauen, Verleumdung, Ehrabschneidung, Falschheit und Lüge.

Gebet: O heiliger Engel, wie oft spüren wir dich an unser Herz klopfen und achten deiner nicht. Wie viel Sünden gegen die Liebe begehen wir selbst, und dabei bäumen wir uns auf, wenn uns einmal ein Unrecht geschieht. O gib uns ein solches Herz wie das unserer Mutter Maria, das alles leidet aus Liebe, das alles verzeiht aus Liebe, das schweigt, wenn ihm Unrecht getan wird, das betet für die Feinde, das in der Glut seiner Liebe zu Gott auch die anderen zum Glühen und Brennen bringt, das in der Gottesliebe allein sein Genüge und sein Glück findet und dadurch lebendig bleibt in Ewigkeit. Amen.

8. St. Nithasiel. Er ist ein Engel aus dem 9. Chor und dem Dienst Mariens, der Mutter der schönen Liebe, zugeteilt. Er ist den Menschen wie ein Bruder. Er steht in ihrer nächsten Nähe und versteht sie, denn er ist der Engel der Freundschaft, der nimmermüde Helfer in heimlicher und zärtlicher Fürsorge.

Er soll angerufen werden gegen Feindschaften und Entzweiungen, Hass und Rachsucht, Drohungen und Beleidigungen, Neid, Geiz und Bosheit. Er soll gebeten werden um das Heilen zerrissener Bande der Freundschaft und der Liebe.

Gebet: O gütiger, liebevoller Freund, der du in Liebe den Mantel Mariens über uns breitest, lass uns im Schutze Mariens auch geborgen bleiben vor jeder Feindschaft und Rachsucht. Wehre dem Bösen, der mit tausend Mitteln uns zu umgarnen und zu vernichten sucht. Verschließe unsere Sinne vor dem Schmutz aller Sünde und lass uns den geraden Weg über Maria zu Jesus, über Jesus zu Maria nicht verfehlen. Nur eines sollten wir fürchten: Das Gericht Gottes. Nur einer Freundschaft sollten wir uns versichern: Der Freundschaft Gottes. Sei du, Abgesandter Gottes, uns dazu Helfer, Freund und Wegweiser. Amen.

9. St. Sinah. Er ist Engel des 9. Chores und St. Zephiriel, Macht der nüchternen Klarsicht der Liebe im Engelchor der Mächte, zugeteilt. Er ist der Engel der Klarheit und ganz nahe dem Menschen. Er stützt ihn im besonderen Maße gegen alle geheimen Triebe, alle sinnlichen Versuchungen und Bedrängnisse von Leib und Seele. Er soll angerufen werden gegen alle Sünden der geheimen Triebe, gegen alles Lüsterne, Sinnliche, Kokette, Geile, Verführerische, alle ungezügelte Phantasie, gegen die Willensschwäche gegenüber der Lust, gegen alle Verworrenheit und Hysterie.

Gebet: Wie notwendig brauchen wir dich zur Hilfe, du Stütze unserer Schwachheit. Niemals werden wir allein den Pfahl der geheimen triebhaften Regungen aus unserem Fleisch reißen können. Niemals werden wir frei bleiben vom Schmutz der sinnlichen Anwürfe in Wort und Bild und Schrift. Hilf uns zur Klarheit und Lauterkeit, heiliger Engel Gottes, dass dem Tier in uns die Fesseln nie gelöst werden und es seinen Schmutz nie über uns werfe. Lass uns die nüchterne Liebe Gottes erkennen und nur nach ihr leben. Hilf uns zum lauteren Kindsein vor Gott, dann ist alles gut. Amen.

10. St. Manuel. Er gehört zum 6. Chor und ist einer der "Stillen Fürsten", welche auf Erden im Verborgenen der heiligen Mutter Kirche dienen. Er ist der Engel der Bereitschaft als Knecht und steht überall dort, wo plötzliche Angriffe des Bösen zu erwarten sind. Er wehrt die heimtückischen Überfalle und Katastrophen ab, die gegen die heilige Kirche oder Mitglieder der Kirche gedacht waren. Er soll daher angerufen werden bei gefährlichen Unternehmungen und drohender Gefahr, bei plötzlichen Überfällen, an unsicheren Orten, auf dunklen Wegen, gegen Annäherung unheimlicher Menschen.

Gebet: Heiliger, großer Engel St. Manuel, der du mit deinem großen Schild die Wucht aller heimtückischen Angriffe abwehrst und mit deinem blanken Schwert alle feindlichen Hiebe zurückschlägst, nimm uns unter deinen Schutz, denn der Böse geht um wie ein brüllender Löwe und schaut, wen er verschlingen könnte. Keinen Tag und keine Stunde sind wir vor seiner Bosheit sicher. Steh vor uns, um unseren Weg zu sichern, halte deinen Schild über uns und lass uns, geborgen in deinem Schutz, du Engel Mariens, das himmlische Vaterhaus erreichen. Amen.

11. St. Scheadar. Er gehört dem Chor der Versiegelten Fürsten an. Wenn sein Siegel gelöst wird, kommt der letzte Erntetag. Er nennt sich: "Der auf der Schulter trägt", denn er ist ein Engel der Ernte, der stofflichen wie der geistigen. Er trägt die Erntegarbe heim und trägt auch das verirrte und wiedergefundene Schäflein in den Schafstall zurück.

Er soll angerufen werden gegen Misswuchs und Verkrüppelung, gegen trockenen und sumpfigen Boden, gegen Unkraut, Dürre, Fäulnis, Querschläge, sowohl in Beziehung auf die Landwirtschaft als auch – in erster Linie – auf das Wachstum und das Reifen der Seele als Samenkorn und Frucht für die Ewigkeit.

Gebet: Großer Himmelsfürst, der du nicht nur als Verwalter aller Äcker und Felder bestellt bist, sondern auch über jene Ernte zu wachen hast, die für die himmlische Scheune bestimmt ist, halte den bösen Feind von uns fern, der in der Nacht und Dunkelheit, wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind, das Unheil sät. Gib uns Kraft, auch das Unkraut der Gewohnheits- und Charakterfehler aus unserem Herzen auszureißen, damit es nicht das wenige Gute, das wir vorweisen möchten, noch überwuchere und ersticke. Hole uns wieder zurück, wenn wir sagen: "Es nützt doch alles nichts!" und wir uns drücken wollen. Gehe uns nach und trage uns heim. Amen.

12. St. Raphael. Er ist neben St. Michael und St. Gabriel der den Menschen vertrauteste Erzengel. Sein Name ist: "Arznei Gottes." Er ist der Engel der Liebe und Patron der Ärzte und der Wanderer, er ist Engel der Scheidung und Entscheidung. Er trägt als Symbol das Horn gegen die dämonischen Angriffe.

Er soll angerufen werden bei wichtigen Entscheidungen, bei Reisen und Operationen, gegen Wassergefahr und Unglück auf Reisen, gegen Fehlentscheidungen und Gefangennahme, gegen Verschleppung, gegen giftige Speisen und Medikamente, gegen alle Not und alles Kreuz in der Liebe.

Gebet: Heiliger Erzengel Raphael, du fürsorglicher Betreuer unserer Wanderschaft, gib uns die Klarsicht, immer die Wahrheit zu sprechen und alle Fehlurteile in Liebe richtigzustellen. Lass uns immer die Liebe Gottes als einzige Richtschnur vor Augen haben und immer nach dem Willen Gottes entscheiden. Hilf die Kranken heilen, die Gefangenen erlösen, die Verschleppten wieder heimbringen in ihre Familien. Hilf uns auch, die Toten in Liebe zu begraben und ihrer in Treue zu gedenken. Lass uns so durchdrungen werden von der Liebe Gottes, dass wir nur mehr in ihr leben und in ihr sterben. Amen.

13. St. Bilael (Berael). Er ist einer der Stillen Fürsten, die ihre Namen nicht zu nennen pflegen, die im Stillen und Verborgenen arbeiten. Er hat große Arbeit zu leisten auf dieser Erde, und so wie er ist auch die meiste seiner Arbeit und der Hauptteil seiner Hilfeerfolge völlig im Verborgenen. Er hat als Aufgabe, den Bekennermut und Starkmut Gottes im entscheidenden Moment denen zu bringen, die durch die Gnade für Gott geöffnet sind.

Er soll angerufen werden gegen Feigheit und Menschenfurcht, gegen Schwindel, Vorteilshascherei und falsche Überredungskünste, gegen Korruption und Schiebertum, gegen dunkle Geschäfte und irdischen Vorteil, gegen Gottlosigkeit und Bedrängnis durch den Bösen.

Gebet: Wie sehr müssen wir die Augen niederschlagen, wenn wir an unseren Bekennermut denken, dass wir sogar im Alltag zu feig sind, den Herrn im Tabernakel zu grüßen, wenn wir an einer Kirche vorüberkommen. Dann aber, wenn wir in Ketten schmachten, dann rufen wir zu dir, Engel des Bekennermutes. Siehe unsere Schwäche, unsere Charakterlosigkeit! Wir bitten dich: Nimm sie von uns und mach uns stark, dass wir dem Namen "Katholiken" Ehre machen. Stehe uns bei, wenn es gilt, tapfer und treu zu Gott und zu Seinen Geboten zu stehen, und zeige uns die himmlische Siegeskrone, die Himmelspforte, die uns aufnehmen wird. Gib uns die Gnade, Gott immer zu bekennen und lieber zu leiden, als die Wahrheit um eines Vorteils willen zu verleugnen. Amen.

14. St. Berubiel. Er ist aus dem 9. Chor der Engel und unser treuer Freund. Er ist der Engel der Armut und St. Michael, dem Erzengel, zugeteilt. Er trägt die Aufgabe St. Michaels ganz nahe an die Menschen heran: "Wer ist wie Gott?" Er ringt um jede Menschenseele, dass sie sich löse, und hebt sie hinauf zur Einfachen Wesenheit Gottes.

Er soll angerufen werden gegen alle Kompliziertheit, Zersplitterung, Zerfahrenheit, Oberflächlichkeit, gegen Komplexe, Unrast, Ehrgeiz, Eigendünkel, Geiz und Reichtum.

Gebet: Du gütiger Engel der Einfachen Wesenheit Gottes, wie einfach siehst du aus, und wie schwer sind deine Gaben zu verwerten! Alles in uns sträubt sich gegen dich: Wir wollen wie vielflächige Kristalle glänzen, wir wollen etwas gelten, wir wollen alles gelesen und gesehen und getan haben und vergessen dabei das ganz einfache Sein vor Gottes Angesicht. Lehre uns die Armut des Geistes im richtigen Licht erkennen. Gib uns die Gnade, die Einfache Wesenheit Gottes zu erflehen und nichts zu wollen als Gott allein. Amen.

 

4. Juni – St. Josaphim 4. Chor

Die Ecksäulen im zweiten Ring der Ordnung und Allmacht Gottes sind kein eigener Chor. Sie werden aus den drei mittleren Chören: Den Herrschaften, den Gewalten und den Fürsten, zusammengestellt. Da jeder dieser Chöre in sich auch wieder dreigeteilt ist, es in diesem Ring also dreimal drei übereinanderstehende Chorgruppen gibt, so stehen auch aus jeder dieser Chorgruppen immer je vier der stärksten Engel als Ecksäulen am fließenden Leben der ganzen Schöpfung. Sie bilden symbolhaft die Ecksäulen zwischen Himmel und Erde: Sie verbinden den dritten Ring der Erlösung um die Erde mit dem ersten Ring der Anbetung Gottes über allen Seligkeiten. Sie sind wie Himmelsleitern; auf ihnen steigt der Heilige Gott; der Weise Gott, der Allmächtige Gott, der Gerechte Gott mit Seinen Engelscharen zur Erde nieder. Jede dieser vier Ecksäulen trägt einen ganzen Begriff von oben bis unten, jede dieser Säulen stößt nach oben durch das Wolkendunkel in den Ring der Anbetung, von wo das Himmlische Jerusalem sich einst niedersenken wird. Jede dieser Säulen hat in ihrer Tiefe als Grundstein ein Signum, ein Wort, nach dem einst die Menschheit am Tage des Gerichtes gerichtet werden wird.

St. Josaphim gehört zu jener Ecksäule, welche in ihrer obersten Krone "Chajoth" – Heiliger Gott – heißt und die Säule der Heiligkeit und Ewigkeit, der Reinheit und des Maßes, der heiligen Kirche und ihrer Unzerstörbarkeit ist. In ihrer Tiefe liegt das Signum "Deus Judex": Der Göttliche Richter wird über die Kirche und alle Reinheit und Lauterkeit richten, über alle Kirchen und Klöster und gottgeweihten Gemeinschaften. Das ist schon ein schwerer Anblick, dass gerade in dieser Ecksäule der Grundstein nicht "Agnus Dei" heißt wie bei der Ecksäule der Hoffnung und Weisheit, oder "Rex Gloriae" wie bei der Ecksäule der Liebe, oder "Filius Patris" wie bei der Ecksäule des Glauben. Da ist wohl zu sehen, dass die Träger der größten Gnadengaben auch die größte Verantwortung tragen.

St. Josaphim, aus dem 5. Chor der Gewalten, trägt den Willen Gottes zur Reinheit und Heiligkeit der Kirche. Er trägt ihn als Versiegelte Gewalt, neben St. Sederim, dem Engel des Widerspruchs, stehend. Der Wille Gottes ist hier wie eine glühende Esse, in der das Herz und die Zunge des lebendigen Corpus Christi Mysticum geschmolzen und geformt und geläutert werden. Darum trägt St. Josaphim eine große glühende Zange mit einem Schabmesser daran; über dem Arm hat er ein weißes Leinentuch, wohl zum Zeichen, dass Reinheit und Heiligkeit nicht zum Abgreifen für alle Welt offen liegen, sondern, geläutert wie Gold, am besten verdeckt, verborgen erscheinen.

Gebet: Herr und Gott! Brenne und schneide jetzt in der Zeit der Prüfung, schmelze uns in die rechte Form ein, damit wir einst vor Deinen Augen bestehen können und vom ewigen Feuer befreit sein mögen. Amen.

 

5. Juni – St. Amphiel 4. Chor

Jeder weiß, dass es ein Ende der Zeit gibt, groß und schrecklich. In der Geheimen Offenbarung des heiligen Apostels Johannes dürfen wir einen Blick in diese Endzeit tun. Aber niemand weiß den genauen Zeitpunkt des Beginnes dieser Endzeit, und ebenso weiß auch niemand den genauen Zeitpunkt des Endes aller Zeiten mit dem großen Gericht als Abschluss. Niemand? Wohl von den Menschen auf Erden niemand. Gott weiß ihn, und vielleicht auch die Engel und die Heiligen.

Aber das ist sicher: Diese Endzeit ist eine gewaltige Zeit! Denn auch die Engel der Endzeit sind ganz gesondert von den übrigen: Sie sind versiegelt, das heißt, ihre Kraft ist gebändigt, gedrosselt, weil sie zu groß für den normalen Ablauf der Schöpfung wäre.

Dieses "zu groß" ist wohl hauptsächlich im Raume des Geistes zu verstehen, denn in der Endzeit werden sich in steigendem Maß die Geister unverhüllt und ungebändigt zum Kampf für oder gegen Gott gegenüberstehen. Es ist die letzte Phase des Engelsturzes und damit auch des Menschensturzes, die gewaltigste Phase des Kampfes der Scheidung in Gut und Böse mit allen Konsequenzen.

Einer der sieben Zornschalenengel steht heute vor Gottes Thron: St. Amphiel mit der sechsten Schale der fürchterlichen Zulassungen Gottes: Der Gottlosigkeit aus dem Osten.

Drei höllische Widersacher stehen auf der Erde: Der Drache gegen den Vater, das Tier gegen den Sohn, der Antichrist gegen den Geist. Der Drache speit die körperliche Vernichtung durch Pest und Krieg, Folter, Mord, KZ. Das Tier bringt die Vernichtung der lebendigen Seele durch Sterilisierung jeglichen Empfindens für Recht oder Unrecht, durch Vermassung der Herzen, durch Nivellierung in Lauheit und Gleichgültigkeit, durch Abfall von der Kirche, vom Wort Gottes. Der Antichrist bringt "den neuen Gott in Gold, in Freiheit, in Allmacht". Die große Dampfwalze der Gottlosigkeit rollt aus dem Osten an, von dort her, wo einst das Paradies stand, wo der Euphrat das Sinnbild des lebendigen Lebens war, denn er ist es nicht mehr. Sind die Posaunenengel schon die ersten Mäher auf dem Acker Gottes, so sind die Zornschalenengel schon die das Getreide Gottes Einfahrenden zur großen Wurftenne. Erschauernd sehen wir, wie sich die Gestalt St. Amphiels gleich einer weißen Wachskerze von der brennenden Erde abhebt. Aber er hat Augen, blau wie Vergissmeinnicht, wie der Mantel Mariens, und seine Lippen sagen: "Eja Mutter!" In diesen Augen liegt die Liebe Gottes zum Kind, und wer Kind ist im Herzen, dem geschieht nichts, der wird von der Mutter geführt, wie einst der Engel die Israeliten durch das Rote Meer führte.

Gebet: Herr, lass uns blind sein für die Welt und nur mehr Dich sehend, denn unser Herz zagt und zittert vor den Gräueln, die kommen werden. Hilf uns, Mutter Maria, gib uns deine Hand, nimm uns unter deinen Mantel! Amen.

 

6. Juni – St. Ophajim 3. Chor

Das Herz unseres Herrn Jesus Christus ist das Zentrum und das wahrhaft größte Göttliche Symbol Seiner Liebe. Es ist der Thron Gottes, dem Dreieinigen Gott in der Schöpfung errichtet. Sehet dieses Herz, dieses getreue, gehorsame, liebende und geliebte Herz, das flammende, das alles Werden und Vergehen, alles Lieben und Suchen und Ringen der Schöpfung in sich birgt!

Für die Menschen erfassbar ist das von brennender Liebe rote Herz unseres Herrn Jesus Christus; für die Menschen nicht mehr erfassbar ist das im blendenden Licht schneeweiße Herz Gottes.

Auch für die Engel ist das Herz Gottes das Zentrum der Schöpfung, weil Engel und Mensch in der Liebe harmonieren; in der Erkenntnis gehen sie auseinander, und in der Schwäche und Trägheit des Menschen, in seiner Schuld und Erlösungsbedürftigkeit stehen sie am weitesten von einander ab. Niemals wird der Mensch in das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Engeln eindringen können. Niemals sagt Gott: "Ich liebe diesen Engel", und niemals sagt ein Engel: "Ich liebe Gott". Darum ist das Symbol des Herzens für beide verschieden.

St. Ophajim, der Thron, trägt dieses Herz als den Thron Gottes, von der Schöpfung errichtet.

Den Thron Gottes über allen Himmeln in unverhülltem Licht tragen jene drei Throne, die eins und doch drei sind, die einen Namen und doch drei haben, den einen in dreimal verschiedenem Klang: Binah.

Den Thron Gottes, von der Schöpfung errichtet, tragen die drei Throne: St. Schemajim, St. Malachim und St. Ophajim. Sie stehen hier für das Leben Gottes in der Schöpfung, für das Wort Gottes in der Schöpfung, und St. Ophajim steht für die Liebe Gottes in der Schöpfung hier.

St. Ophajim trägt beide Herz-Symbole: Für die Engel das Bild des schneeweißen Herzens und für die Menschen das Bild des blutroten Herzens Gottes.

Über sieben Kaskaden stürzen die Fluten der Gnade aus diesem Herzen, das so groß scheint wie die Schöpfung selbst:

Die erste geht über das Sein des Dreieinigen Gottes in der Sicht auf die Schöpfung;

die zweite geht über das Sein Mariens in der Sicht auf die Schöpfung;

die dritte geht über das Sein der Engel in der Sicht auf die Schöpfung;

die vierte geht über das Leben, das Gott den Menschen gab durch das Herz Seines Sohnes;

die fünfte geht über das Wort, das Gott durch das Herz Seines Sohnes zu den Menschen sprach und spricht;

die sechste geht über die Liebe, mit der das Herz Jesu die Menschen erlöst, umfängt und heimholt;

die siebte endlich, versickernd in das Corpus Christi Mysticum, geht über die Versprechungen, die sich an die Verehrung des Heiligsten Herzens knüpfen.

Gebet: Herr und Gott, lass uns nichts wissen als Dich, lass uns nichts lieben als Dich, lass uns nichts sein als Dein Eigentum durch alle Ewigkeit. Amen.

 

7. Juni – St. Thrusiel 9. Chor

Um ihn richtig zu erfassen, kann man ihn nicht so ohne weiteres aus seinem Aufgabenkreis lösen, und es ist kaum verständlich, wenn man sagt, er stehe vor Gottes Thron als der stumme Teil des dunklen Regenbogens. Was ist das für ein Regenbogen?

Die heiligen Engel leben in der Anschauung Gottes in solch strahlend hellem Licht, dass ihre Augen sich erst an die Dunkelheit, in der wir leben, gewöhnen müssen, wenn sie uns dienen. Sie leben also in unserem Leben in einem "dunklen Licht". Dagegen ist aber ihr Sinn des Hörens so ausgeprägt, dass ihnen kein Laut entgeht in der ganzen Schöpfung.

Diese Töne ordnen die Engel aber nicht nach Gesang, Musik, Laut, Welle usw. wie wir, sie haben eine andere Einteilung: Sie ordnen diese Töne nach ihrem geistigen Ursprung und bekommen dabei sieben Gruppen, die – in Farben dargestellt – einem Regenbogen gleichen würden, in dem der erste und der letzte Ton wieder zusammenkommen und alle Töne sich wie ein Regenbogen von der Erde bis zum Himmel ziehen.

Der oberste und der unterste Ton (oben und unten im Sinne des Auseinanderhaltens zwischen dem erst- und dem letztgenannten Ton) ist der Lobpreis der Engel selber. Er schließt die Schöpfung und alle Töne der Schöpfung in sich ein, er wird von Seraphim vor Gottes Thron getragen.

Der zweite Ton – schon etwas dunkler – ist auf der einen Seite das Atmen der in Gottes Hand geborgenen und von Gottes Engeln gehüteten Natur, der Schöpfung; auf der anderen Seite ist es das Seufzen der Sehnsucht der Läuterungsorte, die schon Heilige beherbergen auf ihrer letzten Stufe zu Gott, die an sich nicht mehr sündigen können, aber auch noch nicht mitsingen können im Lobpreis der Engel.

Der dritte Ton ist das Ringen der Menschheit auf ihrem Wege zu Gott.

Der vierte ist wie das Stöhnen und Röcheln Kranker und Sterbender, es ist der Ton der Sünder, der verirrten Schafe. O, wenn wir sie nur noch alle zurückholen könnten!

Und dann, dann steht dieser Engel St. Thrusiel aus dem 9. Chor hier, eine der dunkelsten, ja zur Wehmut zwingenden Engelsgestalten, denn er steht hier für die leeren Stimmen der Verlorengegangenen, für ihre Lautlosigkeit vor Gott.

Jeder Engel ist unendlich selig seiner Wesenheit nach. Aber in seiner Aufgabe scheint er uns völlig von dieser erfüllt. Und so ist auch St. Thrusiel erfüllt vom Kummer des Gottmenschen, der himmlischen Mutter, der Kirche über die Verlorengegangenen, sei es Mensch oder Engel. St. Thrusiel ist eingehüllt in dem dunklen Mantel der Madonna della Strada, den Mantel, mit dem die Schmerzensmutter an den Straßenecken der Welt steht, auf den Heerstraßen, in den finsteren Vorstadtwinkeln, um wie auf der letzten Stufe vor dem ewigen Abgrunde die dahertaumelnden Seelen noch aufzufangen und zu bergen. Hier ist der Mantel nicht mehr so weit wie ein Fischernetz, hier ist er um die Gestalt des Engels geschlagen wie ein eingezogenes Segel. Der Engel ist stumm, er betet stumm an, er ist der getreue Stumme für die ungetreuen Verstummten.

Gebet: Maria, Mutter aller Gnaden, Mutter der Barmherzigkeit, in der letzten Stunde, um Deines Sohnes Blut und Wunden willen, lass uns nicht verloren gehen und verstummen vor Gott. Amen.

 

8. Juni – St. Aydiel 6. Chor

Er ist der Engel der gefährdeten Arbeiter. Er ist ein Stiller Fürst und daher Schutzengel der heiligen Kirche. Groß steht er heute am Fuß des Thrones Gottes. Er hat kein wallendes, fürstliches Gewand: An einem Riemen fällt ihm ein Tuch über die Hüften, und die ganze Gestalt ist hager, als würde er selbst mit seinen Arbeitern von der Glut der Sonne ausgedörrt und braungebrannt sein, stehend in Glut und Eis, Sonne und Regen, unter der Erde und auf der Erde.

Zwei erschreckend große und glühende Flügel wachsen ihm aus den Schultern, und da, wo sie ansitzen, steckt links und rechts ein Schwertgriff. Es sind – als würde dieser Engel seinen Namen "Stiller Fürst" zu Unrecht tragen – Flügel des Kampfes, und der Kampf beginnt bei den Flügeln, dem Zeichen der Hilfe Gottes für diese Arbeiter. Es sind gewaltige Flügel. Man könnte sie Flügel der Gegensätzlichkeit nennen, denn jede Schwinge ist Gegensätzlichkeit, trägt Licht und Dunkel, Torheit des Kreuzes und Weisheit des Kreuzes, Ohnmacht des Brotes und Macht des Brotes, Hilfe Gottes und Forderung Gottes, die rechte Hand Gottes: "Komme!" und die linke Hand Gottes: "Weiche!"

Es ist so, als stünde der Arbeiter im Brennpunkt aller Göttlichen und geschöpflichen Gegensätzlichkeit und allen Kampfes für und gegen Gott. Darum steht auch der Engel mitten unter seinen Schützlingen. Von den Thronen der Schöpfung, welche die Throne der Göttlichen Gegensätzlichkeit sind, holt er sich die Ströme des Lebens herab für seine Schützlinge, und er ruft Maria und alle Engel, er ruft die heilige Kirche in ununterbrochenem Zeichen zu Hilfe.

Der Arbeiter ist der Angriffspunkt der höllischen Feindmächte, der Arbeiter ist das Bethlehem, in welchem unser Herr immer wieder "Fleisch werden" will. Der Arbeiter ist der Geringste, und doch zugleich der Stärkste; er bedarf wirklich der größten Engelflügel, den Feind von innen und außen abzuwehren und den Weg für die Gnade frei zu machen. Die Heiligen unserer Tage werden aus diesem Boden herauswachsen, denn der Erzfeind will aus dem Arbeiter Masse machen; Gott aber formt in dem ringenden Arbeiter die Persönlichkeit.

Gebet: Herr und Gott! Stelle Deine Engel und Schutzengel, Deine Gewalten und himmlischen Mächte um diesen Brennpunkt im Kampf um das Reich Gottes, damit auch dort Dein Kreuz als Siegeszeichen in der Mitte stehe. Amen.

 

9. Juni – St. Pharachiel 7. Chor

"Wie ein Lamm wird Er zur Schlachtbank geführt und tat Seinen Mund nicht auf." Diese Worte, die unserem Herrn Jesus Christus gelten, werden wie ein leuchtendes Band von einem Engel getragen, der heute als Fürbitter der Menschen vor dem Thron Gottes steht. Es ist St. Pharachiel aus dem Chor der Mächte, der Mächte der Liebe. St. Pharachiel ist Engel Mariens. Sie hat das Lamm getragen, sie hat die Sanftmut gelebt, sie hat sie ihrem Kinde mitgegeben als Erbe, wenn man das menschlich so sagen darf. Denn das Kind kam als Schwert vom Vater her, Es kam als Einer, Der Feuer auf die Erde wirft, vom Geist her, aber von Seiner Mutter aus war Er jener, Der sagte: "Sehet, Ich bin sanftmütig und demütig von Herzen."

Sanftmut ist etwas anderes als Demut: Demut ist Mut zum Dienen, Sanftmut ist Mut zum Friedenstiften. Maria ist nicht nur Königin der Demut, sie ist auch Königin des Friedens. Sie ist die Beschwichtigerin des Göttlichen Zornes, jene, die immer und jederzeit die strafende Hand Gottes über unseren Häuptern aufhält. Sie rührte schon beim Strafgericht im Paradiese das Herz des Vaters durch ihre Reinheit, ihren Gehorsam, ihre Sanftmut und Demut und ließ es weiten in Barmherzigkeit. Sie rührt auch heute noch das Göttliche Vaterherz durch ihr nimmermüdes Da-sein und Flehen vor Gottes Augen.

Diese Sanftmut Mariens trägt St. Pharachiel symbolhaft als Macht durch die Schöpfung. Er ist der Engel der Macht der sanftmütigen Liebe, die zugleich den Mut zum Friedenbringen in sich birgt. Dieser Mut zum Friedenbringen ist nicht nachgiebige Willensschwäche; er ist Tapferkeit und kommt aus einer großen Tiefe und Opferbereitschaft des Herzens. Darum steht St. Pharachiel nicht umsonst neben dem Engel der Macht, welcher das Opfer der Liebe trägt.

Der Chor der Mächte – der siebente der neun Chöre der heiligen Engel – ist in seiner Gesamtaufgabe schon völlig der Erlösung der Menschen zugewendet. Er sammelt alle großen Gnadenströme, die geteilt durch die oberen Engelchöre fließen, in sich zusammen und lässt sie gebündelt auf die Erzengel und Engel weiterströmen. Trotzdem sind aber die dreiunddreißig großen Engelmächte in vier Gruppen geteilt: In die sieben Engel des Glaubens, die sich um den Glauben in der ganzen Schöpfung bemühen; und ebenso tragen sieben die Hoffnung, das Vertrauen auf Gott, über die Schöpfung. Und wieder sieben stehen für die Liebe. Zwölf große Engel aber tragen die Macht der heiligen Kirche.

St. Pharachiel steht in den Reihen der Engel der Macht der Liebe und trägt das blaue Band Mariens als Gürtel. Er hat den Mund geschlossen trotz seines Lobgesanges; er hält mit der einen Hand den dräuenden Rachen eines Löwen zu. Er ist so schlicht, wie wohl Maria zeitlebens war, aber er ist eingehüllt in die Liebe des Vaters, der Sohnes, des Geistes.

Gebet: Heiliger Engel der Sanftmut! Lehre uns die Tapferkeit der Sanftmut Mariens, die keinen Unterschied machte zwischen angenehm und unangenehm, zwischen sympathisch und unsympathisch, die durch ihre Sanftmut die Wegweiserin aller Opferseelen, Martyrer und Bekenner wurde, die als erste berufen ist, dem Lamm zu folgen auf den Thron des Siegers. Amen.

 

10. Juni – Die Tabernakel-Engel

Eine Woche lang vor Fronleichnam und eine Woche lang nach Fronleichnam stehen Engel des Brotes, der Hingabe, der Passio, der Gewalt Jesu Christi vor dem Thron des Allerhöchsten, um das Göttliche Geheimnis der Heiligsten Eucharistie zu ehren und anzubeten. Sieben Engel sind es heute, die als Fürbitter vor Gott stehen: Die sieben Tabernakel-Engel.

Sie stehen mit ihrer Macht, mit ihrer Liebe überall dort, wo ihr Herr und Gott in der demütigen Gestalt des Brotes von einem Tabernakel aus auf die Seinen wartet (o, so oft vergeblich wartet), von wo aus Er Schutz und Hilfe ist für den, der sich nur unter Seinen Schutz stellen will, von wo aus Er dem Vater im Himmel die schuldige Anbetung leistet, auf welche die Menschen meist vergessen. Diese sieben Engel sind von Maria selbst zusammengestellt. Sie werden den Machtbereichen entnommen, aber sie wechseln innerhalb ihrer Machtbereiche, damit jeder Engel einmal Ehrendienst vor dem heiligsten Brot leistet.

Aus dem ersten Machtbereich steht heute hier St. Chaled. Er ist für St. Chud hier, dem Engel der Kirche, der die heiligen Orte hütet. Er zündet die Kerzen an und lässt das ewige Licht nicht verlöschen. – Er zündet auch in den Herzen der Menschen das Licht der Gottesliebe und der Gotteserkenntnis an. Er betet die Matutin und ist der erste und höchste Schwingkreis: Jener der Anbetung.

Aus dem zweiten Machtbereich steht heute hier St. Tarael, für St. Alphareth aus dem Chor der Herrschaften, dem Engel der Antwort. Er behütet Kirche und Kirchengut in weitem Umkreis. Er legt seinen Mantel unter des Priesters Füße, wenn dieser den Herrn trägt. Er betet die Laudes und ist gleichsam der zweithöchste Schwingkreis: Jener des Lobes.

Aus dem dritten Machtbereich steht heute hier St. Lelajah, für St. Jochaanael, die Hohe Gewalt "Der weithin hallende Ruf". Er ist der Helfer der Priester und ruft die Seelen zum Tabernakel. Er betet die Terz in dem dritthöchsten Schwingkreis: Jenem der Aufopferung.

Aus dem vierten Machtbereich steht heute hier St. Hajim. Er ist in der Mitte und zugleich Engelfürst unter lauter Engeln aus dem 9. Chor; er kommt aus dem Chor der Mächte und ist der Engel der Wandlung. Er klopft an die Herzen der Menschen und ruft sie zur Besinnung und Umkehr. Er steht für St. Jophiel hier. Er betet die Sext als der vierte Schwingkreis, nämlich der Sühne und Wandlung, die Mitte.

Aus dem fünften Machtbereich steht hier St. Habejah, für St. Seraphiel, der Ecksäule aus dem Chor der Herrschaften von Niederer Gewalt. Er ist der Engel der Sendung. Er zeichnet für seinen Herrn die Stirne der Seinen und öffnet ihnen die Augen. Er betet die Non als der fünfte Schwingkreis: Jener der Weihe.

Aus dem sechsten Machtbereich steht hier St. Frugiel, für St. Hassiel, dem Hohen Fürsten und Engel der Abwehr. Er trägt in der Torheit des Kreuzes die Fesseln, die ihm die Gottgezeichneten durch ihren verbogenen Eigenwillen, ihren Stolz und Trotz anlegen. Er ist jetzt der Spott der Dämonen und wird einst fürchterliche lebendige Anklage den "Frommen" sein. Er betet die Vesper als der zweittiefste Schwingkreis: Jener der Fürbitte.

Aus dem siebenten Machtbereich steht hier St. Phased, für St. Hariel, dem Türöffner zu Gott, dem Engel aus dem Chor der Niederen Gewalten. Er ist Engel des Gerichtes. Nichts entgeht seinen scharfen Augen und Ohren, nichts bleibt ihm verborgen; ihm entgeht keiner. Er vertritt die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Jeder muss über die Schneide seines Schwertes zwischen dem letzten Atemzug des sterblichen Lebens und dem ersten Atemzug des ewigen Lebens. Er betet die Komplet. Er ist gleichsam der tiefste Schwingkreis und reiht sich an den höchsten Schwingkreis wie der Donner an den Blitz an, denn sein Schwingkreis ist wie Donnerrollen. Er schließt den Kreis der Engel um den Tabernakel.

Gebet: Ihr heiligen Engel des Tabernakels, hebt mich siebenmal empor, wenn ich siebenmal falle, verzeiht mir siebenmal um des Herrn willen, Der ja für mich hier wartet und immer wieder barmherzig ist. Gebt mir so viel Kraft mit, wenn ich vom Tabernakel fortgehe und an meine Tagesarbeit muss, dass der Gedanke an den Herrn nie verlöscht und mich brennt zu immerwährender Anbetung. Amen.

 

11. Juni – St. Athasiel 4. Chor

Vor Gott steht die Menschheit gleichsam in der geheiligten Zwölfzahl – waren doch die Träger des Alten Bundes die zwölf Stämme Israels, die Träger des Neuen Bundes die zwölf Apostel um den Herrn, auf denen Er Seine Kirche aufbaute. Diese Menschheit wird einmal, wie es der heilige Apostel Johannes beschrieben hat, durch zwölf Tore in das Himmlische Jerusalem einziehen in die ewige, glückselige Stadt des Friedens und der Vollendung, die nach dem Jüngsten Gericht durch die Wolken kommen wird wie eine Braut (Apk. 21,3).

Alles in Gott und durch Gott ist voll Sinn und Weisheit, voll Maß und Ordnung.

So liegen auch in den zwölf Toren des Neuen Jerusalem ein tiefer Sinn und eine große Weisheit, ein Göttliches Maß und eine vollendete Ordnung: Sie sind wie die goldene Schließe eines Ringes, den die zweimal zwölf "Ältesten" mit den zwölf Steinen als Symbol der festen Schöpfung und mit zwölf Zeichen als Symbol des ganzen Himmels um den Thron des Allerhöchsten bilden.

Diese großen Zusammenhänge können wir auch an dem Engel erkennen, der heute vor Gottes Thron als unser Fürsprecher steht, St. Athasiel über dem sechsten Tor, dem der Opferseelen. Opferseelen können Feuerseelen sein mit Mut wie ein Löwe, um den schwersten Kampf – gegen sich selbst – zu bestehen, mit einem scharfen Blick wie ein Adler, um die Ehre Gottes selbst aus großer Entfernung und Dunkelheit sofort herauszufinden und emporzuheben, Opferseelen müssen liebesglühend und dabei ganz von Herzen demütig sein. Darum hat auch St. Athasiel als Stein in seinem Fischerring, den er für den heiligen Apostel Matthäus trägt, einen Sardis, unsern Karneol, einen blutrot leuchtenden Edelstein. Dieser ist auch in der Mitte des Brustschildes aus zwölf Edelsteinen für die zwölf Stämme Israels und hier für den Stamm Juda. (Denke, Seele, an die Opferkraft dieses Stammes, der in Maria seine Krönung findet). Der Sardis (Bild glühender Härte) ist zugleich Grundstein im sechsten Torbogen des neuen Jerusalem; der Gottesstadt. Im Torbogen ist eine "Perle", d. i. ein Zeichen, das die Engel "das Kämpfende" nennen; die Menschen sagen dazu: "Löwe". Opferseelen müssen Löwenmut haben! Darum werden die erlösten Scharen der Menschheit, welche dort durch dieses Tor einziehen, von St. Michael, dem Bannerträger, dem Besieger Luzifers, geleitet werden und von St. Methusiel, dem Engel des Sieges, der die Palme trägt. Und jubelnd werden über ihnen die Cherubim schweben, die Engel des Schwertes und der Kraft.

Gebet: Lass uns Dich sehen, Herr, in jedem Opfer, und darum jedes Opfer lieben, weil wir darin mit Dir gegen uns kämpfen dürfen. Amen.

 

12. Juni – St. Mun 5. n. Chor

Das Wort "Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe", das der Schöpfer nach dem Sündenfall zu dem höllischen Versucher sprach, das liegt der Wesenheit dieses Engels zugrunde.

St. Mun ist der Engel der Hingabe an Gott. Es ist so, wenn man auch glaubt, nicht recht gehört zu haben: Er ist der Engel der Hingabe an Gott, der verborgenen Hingabe. Er ist ganz anders als St. Schemmajim aus dem Chor der Hohen Herrschaften, dem Engel des bräutlichen Jubels, der wie eine lodernde Wolke aus lauter Sonnenstrahlen anmutet, ein Engel der jubelnden Hingabe. Er ist auch anders als St. Galathiel aus dem Chor der Erzengel, diesem brennenden, knienden Engel mit dem Rauchfass des Opfers, dem Engel der das Leben und die totale Kraft des Körpers fordernden Hingabe, der opfernden Hingabe. Er steht im Verborgenen, er ist verhüllt. Er ist Gewalt.

Gewalt ist nicht bloß ein Name oder ein leerer Begriff; von den himmlischen Gewalten ist ein einziger Engel so viel wie alle Gewalten der Erde zusammengenommen. Darum kann auch St. Mun alle Seelen betreuen, die in verborgener Hingabe an Gott der Feindschaft zwischen Maria und dem Satan preisgegeben sind. Diese verborgene Hingabe eines Lebens voller Kämpfe kann nur mit der Gewalt des Himmels geschützt und durchgehalten werden, ihr Spiegelbild ist Veronika am Kreuzweg. Kein Mensch wusste, wie sehr und tief ihre Seele bereits an Gott hingegeben war. Sie musste eine breite Dornenhecke der jüdischen Sitten und Gebräuche, der Vorwürfe der eigenen Familie, der Verachtung und des Spottes ihrer Umgebung durchstoßen, damit der Herr auf dem weißen Linnen, dem Symbol ihrer eigenen Lauterkeit, Sein Antlitz aufprägen konnte. Dieses "Schweißtuch der Veronika" trägt St. Mun, umhüllt von seinem großen, schützenden Mantel.

Es sind die Niederen Gewalten noch im besonderen dem heiligen Geist zugeordnet. So ist auch die verborgene Hingabe, die St. Mun trägt, vor allem eine geistige. Die Schützlinge St. Muns sind Mönche oder Klosterfrauen, Märtyrer oder Mütter und Witwen, Kranke und Krüppel, Kämpfer auf scheinbar verlorenen Posten und Verkannte, Belächelte. Sie sind groß vor Gott, sie haben Gewalt über Sein Herz, sie haben in jener Feindschaft, die Gott zwischen Satan und seinem Samen und Maria und ihrem Samen gesetzt hat, den Satan und alle seine Helfershelfer besiegt.

Gebet: Großer, heiliger Engel der Hingabe, lehre uns wieder das Schweigen, das die Welt verlernt hat! Lehre uns, das Böse durch die Liebe Gottes zu besiegen, lehre uns die Freude am verborgenen Opfer, an der verborgenen Hingabe, die niemand weiß als Gott allen. Lass uns Gewalt üben gegen uns selbst und bitte für uns, dass der Herr uns Sein Antlitz aufpräge, wie Er es Veronika tat. Amen.

 

13. Juni – St. Hod 2. Chor

Um diesen Engel zu begreifen, muss man beten können, muss man sich selbst vergessen und nur Gott, Gott allein mit aller Liebe umfassend, anbeten können. Denn von diesen drei obersten Chören der Engel: Der Seraphim, der Cherubim und der Throne, ist jeder Engel wie eine Welt für sich. Er ist eine Welt, von Gott geschaffen und zwischen Gott und dem Menschen stehend, das Göttliche und das Menschliche in sich sammelnd.

St. Hod ist ganz Lob Gottes, er ist uns völlig unfasslich im Lob Gottes, er ist nur zu ahnen im höchsten Ausdruck des geschöpflichen Gotteslobes.

Seine Wesenheit nach ist er Cherub, Cherub des Vaters. Die Cherubim sind Träger des Wortes, der Kraft, so wie die Seraphim Träger der Liebe, wie die Throne Träger des Lebens sind. Aber jeder dieser drei obersten Chöre spiegelt den Dreieinigen Gott wider, am meisten die Seraphim. Sie sind sieben und doch dreimal sieben, denn jeder ist einfach und doch sind drei. Die Cherubim sind dreimal sieben weniger einen, Ismael, der mit Luzifer in den Abgrund stürzte: Sie sind wie geflügelte Felsstürze hin zur Tiefe der Erde und wie lodernde Flammen dem Himmel entgegen. Sie sind in einem Drittteil dem Vater zugewendet, in einem Drittteil der Erlösung durch den Sohn, in einem Drittteil dem Heiligen Geist. So hat jeder ein dreifaches Antlitz, eines dem Vater, eines dem Sohn, eines dem Geist zugewendet; die Lücke aber durch Ismael bleibt zum ewigen Gedenken.

St. Hod trägt das preisende, lobende Wort. Das Wort, das Gott zu Sich Selbst spricht in ewiger unendlicher Seligkeit, das kann kein Geschöpf fassen oder verstehen. Das von den Menschen ausgehende, Gott preisende, lobende Wort, konnte nur durch das Wort, den Sohn Gottes zu seiner höchsten Stufe und Vollendung gelangen, darum sind die Cherubim die Begleiter des Wortes, die Träger dieses Wortes. Weil aber der Sohn zuerst und am meisten Seinen Vater lobte und lobt, so ist der Träger dieses Lobes innerhalb seines Chores dem Vater zugeordnet, so ist sein Antlitz dem Vater zugewendet. Das Antlitz, das dem Sohn zugewendet ist, das ist jenes des Cherubs St. Samaliel, des Fürbitters. Das Antlitz, das dem Geist zugewendet ist, das ist jenes des Cherubs St. Agriel, "Licht Gottes". So ist das Lob Gottes in seiner höchsten Stufe Lob, Licht (Liebe), Fürbitte. Das Lob umfasst das lebendige Leben des Anbetens, des Dankens; das Licht, die Liebe umfasst das Wort der Weihe, der Hingabe, des Opfers; die Fürbitte umfasst das Lob für andere, das Dastehen für andere, die Sühneleistung für andere.

St. Hod trägt, von oben her lichtdurchflutet, von unten her flammenumlodert, vielgeflügelt von allen Seiten, das Lob Gottes wie einen Lichtring, wie einen Erdball. Er ist nicht klar abzugrenzen, man sieht in ihm gleicherweise das Siegeszeichen des Kreuzes wie das Herz des Gottmenschen, er beinhaltet gleicherweise die makellosen Hände der Allerreinsten, die das Magnificat sprach, wie das schwertdurchbohrte Herz, das die Königin Himmels und der Erde als ihr Siegeszeichen trägt. Dies alles ist höchstes Gotteslob, höchstes Licht der Liebe, höchste Fürbitte.

Gebet: Göttliche, unfassbare Majestät, Vater, Sohn und Heiliger Geist, mögest Du durch das Herz unseres Herrn und Seiner reinsten Mutter als Mittler unserer höchsten Anbetung ewig gelobt und gepriesen werden. Amen.

 

14. Juni – St. Nazariel 5. n. Chor

Zwei große Engel, ziemlich in der Mitte aller Engelchöre, tragen den Sühnegedanken: St. Johar, einer der Opferschalenengel aus dem Chor der Herrschaften.

Er trägt das Sühnopfer als Antwort der Menschheit; und St. Nazariel, eine der Ecksäulen aus dem Chor der Gewalten. Er trägt die Sühnopferkraft.

Heute steht St. Nazariel für uns vor Gottes Thron, und er mutet an wie ein anderer Christophorus: Gewaltig wie ein Berg – strahlt er doch den Willen Gottes in glühender Kraft hinaus in die Schöpfung gegen die Menschheit zu, und mit ebenso glühender Anziehungskraft hebt er das Sühnopfer der Menschheit, das Lamm Gottes, auf seine Schultern und mit dem Lamm Gottes den ganzen Sühnewillen der Menschheit.

Als Ecksäule der Niederen Gewalten sehen wir ihn von Engeln umgeben, links und rechts und oben und unten. Er sieht aus wie ein Kreuz, von Engeln gebildet: Da steht links von ihm St. Hathanael mit der Lobopferkraft, voll der Kraft der heiligen Kirche. Und da steht rechts von ihm St. Seraphiel mit der Dankopferkraft, voll des Feuers des Heiligen Geistes.

Da stehen über ihm St. Delim und noch darüber St. Saddim, und da fließen die Wasser der Weisheit, der Hoffnung und Einfalt in die Sühneopferkraft ein.

Da stehen unter ihm St. Gabriel, St. Bairim und St. Manuel, welche das Knecht-Gottes-Sein, die Verborgenheit, den Frieden und die Bereitschaft tragen. Innerhalb seines Chor-Dritteils aber steht St. Nazariel inmitten zweier wunderbarer Engel: Der eine ist St. Mun, der Engel der verborgenen Hingabe, die nach außen hin passiv aussieht, aber doch eine ganz ungeheure Gewalt über das Herz Gottes ausübt. Der andere Engel ist St. Najim, der Engel der Wandlung, der das Senfkörnlein trägt. Innerhalb dieser Gruppe wirkt St. Nazariel wärmer, liebender. Er reißt den Sühnewillen der Menschheit nicht mehr so empor; er trägt ihn behutsam wie eine kostbare Gabe, bittend: "Herr, nimm mich ganz mir und gib mich ganz zu eigen Dir!"

Gebet: Herr und Gott, gib mir, ich bitte Dich, durch Deinen heiligen Engel die Kraft, glaubend zu sühnen, hoffend zu sühnen, liebend zu sühnen und Deine Gerechtigkeit in Barmherzigkeit umzuwandeln. Amen.

 

15. Juni – St. Machanael 9. Chor

Die Klage des Herrn ist für den, der Ihn wahrhaft liebt, herzzerreißend. Man muss die Augen schließen. Vorerst kann man den Engel gar nicht sehen, der die Klage des Herrn trägt, diese Klage um Seine irrenden Schäflein, um Seine Braut in Not, um Seine ungetreue Stadt.

Da ist Er in den Schmutz der staubigen Straßen Jerusalems gefallen, um den Menschen zu beweisen, dass Er alles tun will, um sie zu retten, wenn sie nur wollen. Aber wollen sie denn? Wartet der Herr nicht Tag und Nacht in allen Tabernakeln der Welt auf die Liebe der Menschen, auf ihren Willen, sich retten zu lassen? Wer kann die Kälte und Gleichgültigkeit, die Lauheit und Ehrfurchtslosigkeit ausmessen, die der Herr auf diesen Seinen Thronen auf Erden erdulden muss?! Die Menschen, für die Er alles auf Sich nahm und nimmt, sie verstopfen sich die Ohren mit dem Wust der Welt und des Alltags, um Ihn nicht hören zu müssen. Sie rennen tausend irdischen Dingen nach, um Ihn nicht sehen zu müssen. Und selbst, wenn Er sichtbar in der Gestalt des Brotes am Altar steht, tun sie so, als sei Er unsichtbar, um Ihn nicht erkennen zu müssen, um vor der Welt und dem eigenen sehr wichtigen Ich als "frei" zu gelten, ohne Zwang und ohne Bindung. Die Freiheit der Kinder der Welt gilt den Menschen mehr als die unverwelkliche Krone der Freiheit der Kinder Gottes, weil diese Krone um ihrer Echtheit willen weniger Propaganda macht, weniger den Menschen besticht und verlockt, weil sie wartet und schweigt, während die andere Freiheit mit dreißig Silberlingen erkauft werden kann, die klingeln und unaufhörlich locken, überreden und endlich höhnen und verfluchen.

O Herr, liebster Herr, was sollen wir tun, damit Deine Klage zur Freude werde? Alles, was Du sagst, ist so voll Liebe, so voll wärmster Sehnsucht, herzbewegender Wehmut, es ist mehr liebender Ruf als Vorwurf.

Knie, Mensch, knie und bete doch Deinen Herrn und Gott an! Liebe Ihn doch, sag es Ihm jeden Tag, jede Stunde, dass du Ihn liebst ...

Nun ist der Engel zu sehen. Er ist jetzt anders, als er später sein wird. Er ist Engel des 9. Chores und St. Boromim zugeteilt, jenem dunkel-flammenden Engel, der jetzt versiegelt den Anruf Gottes trägt, wahrhaft in der Torheit des Kreuzes gesiegelt und nur jenen verständlich, die den Herrn und Sein Kreuz bejahen. Er ist auch jener Engel, der, wenn in den apokalyptischen letzten Tagen sein Siegel gelöst wird, an den Ufern des Euphrat – des Lebensstromes der Menschheit im bildlichen Sinne – mit gewaltigen Armen die Gerechtigkeit Gottes herab zwingen und den Gehorsam der Menschheit herauf zwingen wird.

St. Machanael kniet heute vor Gott gleich der lichten Gestalt des unscheinbaren Göttlichen Brotes und ist ganz verhüllt. Er ist wie ein nie verstummendes Lied vor dem Thron des Allerhöchsten. Und dieser Engel der Klage wird die Klage der untergehenden Welt sammeln und abwägen, bis sie das Maß der Klage des Herrn erreicht hat. Dann wird die Gerechtigkeit Gottes voll Liebe die Hand zur Heimholung heben.

Gebet: Du naher, liebender Engel, der du trotz der Liebe Gottes, die du darstellst, uns ein großer, bitterer Vorwurf bist, lass uns nie vergessen, dass diese Göttliche Liebe unsere Heimat ist, unser Ziel, unsere Seligkeit. Amen.

 

16. Juni – St. Mirachar 6. v. Chor

In einer wunderbaren hierarchischen Ordnung steht jeder himmlische Chor an seiner Stelle, steht jeder einzelne Engel an seinem Platz. Die Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes vollzieht sich in der ganzen Länge, Breite und Tiefe des Reiches Gottes. Die Widerspiegelung in der Länge sehen wir in je drei untereinander stehenden Chören, den

Seraphim Cherubim Thronen

Herrschaften Gewalten Fürsten

Mächten Erzengeln Engeln.

Sie sind drei in einem gemeinsamen Strom. Die Widerspiegelung in der Breite sehen wir in je drei nebeneinander stehenden Chören; sie sind drei in einem gemeinsamen Ring. Die Widerspiegelung in der Tiefe sehen wir in der dreifachen Unterteilung in jedem Chor; sie sind drei in einem gemeinsamen Chor.

Das Wort "wenn das Samenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht" tragen drei Gewalten (St. Elim, St. Mun und St. Najim) in dreifach anderer Art, und doch ist es ein Wort, ein Sinn, ein Samenkorn. Das gleiche Wort, aber im Sinn des Ja-Sagens zum Willen Gottes, tragen wiederum drei Engel:

St. Mirachar, der Versiegelte Fürst des jubelnden Aufbrechens, des Frühlings – auch der Seele; St. Jesim, die Versiegelte Gewalt, der letzte der Sieben Brüder der Seele, der Engel des "fiat mihi"; St. Nehemiel, die Versiegelte Herrschaft, die das Wachstum der Welt versiegelt für Gott.

St. Mirachar steht heute vor dem Thron des Allerhöchsten. Er ist wie St. Ariel, wie ein junger Löwe, er schüttelt seine Lockenmähne, dass die Lichtfunken nur so herumspritzen. Sein Siegel bedeutet "Segen der Erde", bedeutet quellendes, immer neues Leben – auch der Seele –, neues Aufblühen, neues Hoffen, neues Glauben und neues Lieben, neue Bereitschaft und neue Treue. Er bedeutet ein anderes Ja-Sagen zum Willen Gottes, ein anderes "fiat mihi": Ein jubelndes. Das Ja-Sagen zum Willen Gottes, das St. Jesim aus dem Chor der Gewalten trägt, das spricht die Demut Mariens. Und das "Ja", das St. Nehemiel aus dem Chor der Herrschaften trägt, das wieder ein anderes: Das ist die Fülle Gottes, die auf Anruf zu den Menschen kommt, so wie St. Mirachar das "Ja" als Antwort der Schöpfung trägt. So ist es wieder dreimal ein "Ja", und doch sind es drei "Ja" und sind nur ein "Ja".

Gebet: Groß und gewaltig bist Du, Herr und Gott, in Deinen Geschöpfen, Deinen Engeln, die das Geheimnis der Dreieinigkeit in tausend Widerspiegelungen in die Schöpfung hineintragen.

Lass auch unsere Seele Dir "Ja" sagen, immer reiner und klarer, immer jubelnder und bereiter, immer wahrhafter und getreuer. Amen.

 

17. Juni – Die Engel des Regenbogens

Vor dem Throne Gottes in der Schöpfung wölbt sich, scheinbar rund um die ganze Schöpfung gehend, ein wunderbarer siebenfarbener Regenbogen, von Engeln getragen, aus Wellen von lauter Tönen, aus dem Hauch der Menschheit gebildet, aus dem Lobpreis der Engel, aus den Sehnsuchtsseufzern der Armen Seelen. Er ist das Zeugnis der Geschöpfe vor ihrem Schöpfer.

An den Rändern ist er am hellsten. Dort halten die Engel ihren Lobpreis empor: Auf der einen Seite, in hellstes Licht getaucht, der Seraph des Geistes, St. Akaba, der das Wort trägt: "Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes." Er schöpft mit Legionen von Engeln der Liebe den Lobpreis aller Engel, welche schon ihren menschlichen Schützling der himmlischen Seligkeit zugeführt haben oder die noch im Erlösungswerk dienen; am anderen hellen Ende steht der Seraph des Vaters mit Legionen von Engeln der Lebens, St. Elchai, der das Wort trägt: "Milde Gottes." Alle tragen den Lobpreis Mariens als Tochter des Vaters, als Mutter des Sohnes, als Braut des Geistes, als Königin aller Engel; alles Marianische fließt hier zusammen zu einem wunderbaren strömenden Preislied.

Gegen die Mitte zu wird der Regenbogen dunkler. Noch sind leuchtende Farben an die hellen Ränder angeschlossen. Auf der einen Seite neben St. Akaba steht mit seinen Regenbogenträgern ein gewaltiger Engel wie flammendes Morgenrot, wenn die Sonne aufgeht, mit Flügeln wie ein Dach über die Schöpfung hin, wie der Saum des Königmantels Mariens, der über die ganze Erde bis in den Himmel hinauf reicht. Es ist der Cherub St. Zaphkiel; er trägt das Wort: "Herabneigung Gottes." Er neigt sich zu den Armen Seelen und nimmt ihr Seufzen wie die Stimme eines Kindes auf, das noch schlaftrunken ist, wie das Seufzen der Sehnsucht knapp vor der Erfüllung. Ein Tag ist diesen Seelen ja wie tausend Jahre – und doch sind tausend Jahre nur ein Tag im Vergleich zur Ewigkeit; denn das Fegefeuer ist noch ein Ablauf und ein Gewandeltwerden, während Himmel und Hölle ein Sein darstellen.

Auf der anderen Seite, neben St. Elchai, dem Seraph, ist ein versiegelter Engel aus dem Chor der Herrschaften, St. Urim, der die gefesselte Liebe Gottes als Leben trägt. Er ist erschreckend, gewaltig, und die ganze grünende, lebende, bewegte Schöpfung spiegelt sich in ihm. Es ist alles Maß an ihm, und das Atmen der Schöpfung, das er zu tragen hat, ist wie das Atmen eines Ährenfeldes oder wie der leise Wellenschlag eines Sees, hineingehoben in den Regenbogen als Lobpreis der Schöpfung. Neben St. Urim aber, gegen die Mitte zu, steht St. Abbael, die Gewalt des Kreuzes. Er fängt den Herzschlag der ganzen ringenden Menschheit mit seinem großen blauen Mantel auf und leitet ihn hin zum Kreuz, welches er stützt, das aufragt von der Erde bis zum Himmel.

Dann stehen zwei Engel in der Mitte des Regenbogens, der dort dunkel wird bis ins tiefste Violett, fast schwarz. Der eine Engel ist St. Eliguel aus dem 9. Chor der Engel, der die Schätze der Reichen zu zählen hat. Wo er kann, wechselt er die Schätze in Gebet und Sühne, Almosengeben und geduldiges Ertragen von Krankheiten ein. Aber viele Menschen wollen ihre Schätze nicht hergeben; dann werden sie ihnen zur bitteren Anklage und die Menschen selbst zu verirrten Schafen, deren zerbrochene Stimmen dieser Engel einholen muss.

Der andere Engel ist St. Thrusiel, der Stumme. Er steht hier für die ewig Verlorenen, deren Stimme vor Gott verstummt ist für immer und die doch einmal Kinder Gottes und Erben des Himmels waren. Für sie ist das Blut des Erlösers umsonst geflossen. Und darum schweigt der Engel in Trauer über dieses Eigentum Gottes, das die Verlorenen auch in ihrem selbstgewählten Los bleiben. Im Regenbogen klafft die leere Stelle, und der Engel ist wohl der einzige unter seinesgleichen, der nicht mehr für die beten darf, für die er hier steht.

Gebet: Herr und Gott, wie unbedacht leben wir in den Tag hinein, ohne Deines Wortes zu gedenken: "Nichts ist verborgen, was nicht offenbar wird" und: "Nützet den Tag, denn es kommt die Stunde, wo niemand mehr wirken kann!" Wir bitten Dich um Vergebung, dass wir so oft den Lobpreis der Schöpfung durch unsere unnützen Worte und die vielen anderen Sünden misstönig gemacht haben. Ihr großen, heiligen Engel Gottes, helft uns, es von heute an recht zu machen, damit unser Lobpreis dem euren immer ähnlicher werde. Amen.

 

18. Juni – St. Assim 3. Chor

In den beiden obersten Chören der Engel, den Seraphim und Cherubim, sind Schöpfer und Schöpfung noch ganz innig verbunden. Der Begriff Drei steht für den Schöpfer, der Begriff Sieben für die von Gott her eingesehene und mit Ihm verbundene Schöpfung. So sind dreimal sieben Seraphim, dreimal sieben Cherubim. Bei den Thronen aber, dem dritten der neun Engelchöre, tritt die Schöpfung plastischer hervor: Nicht mehr als ein im Göttlichen Sein noch förmlich geborgenes geschöpfliches Sein, sondern als ein aus Gott herausgetretendes, werdendes und gewordenes Sein. So sind auch nicht mehr dreimal sieben Throne, obwohl es einundzwanzig Throne gibt, sondern es sind drei und sieben und nochmals drei und sieben und dazwischen steht einer. Die ersten drei sind der Thron Gottes, des Dreieinigen; sie sind drei und doch eins, sie haben einen Namen, und doch drei. Die zweiten drei sind der Thron Gottes, von der Schöpfung errichtet. Sie sind drei getrennte Welten: Die ersten sieben Throne sind Träger des Göttlichen "Werde!" in seinen Uranfängen zum stofflichen, zum seelischen, zum geistigen Leben. Die zweiten sieben sind die von Gott geschaffene feste Form in ihren Gesetzen und Gesetzlichkeiten.

St. Assim gehört zu den ersten sieben Thronen über allen Himmeln. Diese sieben Throne sind Symbol für die ersten sieben Schöpfungstage; in ihnen wird alles Form. Sie sind noch ganz Spiegel der Wesenheit des Schöpfers, und doch schon jeder eine Welt für sich, verbunden mit allen Plänen Gottes. St. Assim trägt das Göttliche "Werde!" in der gebündelten Weisheit der Planung. Er ist der oberste Träger des der Schöpfung unbegreiflichen Ratschlusses Gottes, der den Menschen nicht fassbaren weisen und weitblickenden Gedanken Gottes. In Ihm ist die Schöpfung noch eingebettet in ihrem Herrn und Gott wie das Kind Jesus Christus, Das einst das Kreuz tragen sollte, in Seiner Mutter Maria unter ihrem Herzen eingebettet war. Welch ein Unterschied: Diese Schöpfung ist eingebettet im Herzen Dessen, Der einst in sie hinabsteigen wird in Seine größte Tiefe, um sie wieder heimzuholen an Sein Herz! Darum umgibt der Schöpfer schon jetzt Seine Schöpfung mit Seinen weisesten, fürsorglichen, liebenden, lebenserweckenden Gedanken, obwohl Er alles voraussieht: Den Fall Seiner Geschöpfe aus Ihm heraus in das Dunkel und all die Schmach, die Ihm, dem Dreieinigen Gott, angetan wurde und noch angetan wird bis zum Ende der Welt. So ist St. Assim in der Symbolik seines Chores wie das Auge Gottes innerhalb des Dreieckes als das Symbol des Dreieinigen Gottes, das alles sieht und alles weiß und alles in Sich, den weisesten, barmherzigsten Gott aufnimmt und heimholt.

Gebet: Herr, Der Du über allen Himmeln thronst, sieh mit Deinen Augen auch in mein armes, dürres Herz und bring es zum Leben und Blühen für Dich. Lass Dich, o Gott, bergen in meinem Herzen, in dem Du das Höchstmaß meiner Liebe finden mögest für Dich, Du großer, Du herrlicher, Du weisester Gott! Amen.

 

19. Juni – St. Gethuliel 7. Chor

Unter erwachsenen Mensch wird kaum etwas schwerer verständlich sein als die Tugend der Einfalt: "Einfältig" heißt "dumm" bei den Menschen, und Dummheit gilt nicht als Tugend. Und doch sagt unser Herr als ersten Satz bei den Acht Seligkeiten: "Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich." Auch die "Armen im Geiste" werden von der Welt schlechthin als "die Einfältigen", die "Dummen", arm an Gaben des Geistes bezeichnet, und insofern hat sie recht: Die Armen im Geiste, das sollen Einfältige sein!

Wenn wir durch eine einfache Glasscheibe schauen, so ist sie klar und durchsichtig. Legen wir aber viele Scheiben aufeinander, so erscheinen sie immer grüner und undurchsichtiger. Hat der Mensch sich viele Schichten (des Zweifels, des Misstrauens, der Gewohnheitsfehler, der Lauheit und Gleichgültigkeit) aufgeladen, so kann das Licht der Gnade nicht mehr so leicht hindurch wie bei einem Kinde, das alle diese Schichten nicht hat. Ein Kind ist einfältig, und von ihm sagt der Herr: "Wenn ihr nicht werdet wie diese Kinder, so könnt ihr in das Himmelreich nicht eingehen." Er macht die Erreichung der Himmelspforte direkt von dieser Einfalt abhängig, die das Kind besitzt und die es so durchsichtig macht für das Licht Gottes, dass dieses ungehindert hindurchstrahlen kann. Einfalt ist gegründet auf der einfachen Wesenheit Gottes. Darum spiegelt Sie Gott im Kind, in dessen Unschuld und Unberührtheit am meisten. Einfalt ist heiligste Armut, fröhliche, unbekümmerte Unkompliziertheit. Von ihr sagt der böse Feind, dass sie gefährlich sei, "denn gegen die Einfalt eines Kindes sind die bösen Mächte machtlos".

St. Gethuliel ist einer der lebensnahesten Engel aus dem 7. Chor der Mächte. Dreimal sieben Mächte sind es, welche die Macht des Glaubens, die Macht der Hoffnung, die Macht der Liebe tragen; ihnen angegliedert sind noch die zwölf Mächte der heiligen Kirche. St. Gethuliel gehört den Engeln der Macht der Hoffnung an. Sie sind zu sieben und tragen das Vertrauen, den Starkmut, die Einfalt des Herzens, die Reue, die Beharrlichkeit, die Erkenntnis und die Gottesfurcht. Sie behüten auch gleichzeitig das Werden, Wachsen und Reifen, die Kraft und Reinheit der irdischen Schöpfung. St. Gethuliel trägt die Einfalt des Herzens wie eine durchsichtige Glaskugel, in der sich das Licht und die Liebe Gottes ungehindert und unverdunkelt spiegeln nach allen Seiten und ohne Hindernis.

Dieser Engel hat eine unter seinesgleichen ganz seltene Eigenart: Er kann wie ein Silberglöcklein lachen, und man meint, er würde seine Glaskugel jetzt wie einen Ball zur Höhe werfen, in den Schoß Gottes hinein. Wenn er heute als Fürbitter vor Gottes Thron steht, so nahe dem Herz-Jesu-Fest und eingebaut in den Herz-Jesu-Monat, so hat dies der Herr in großer Weisheit gewollt: Rüttelt nicht an der Herz-Jesu-Verehrung, urteilt nicht falsch und neunmalweise! Geht zum Herrn wie die Kinder, geht hinein in dies Herz und schöpfet mit der Einfalt der Kinder, und euer wird das Himmelreich werden!

Gebet: Liebster Vater im Himmel, lass uns diesen Engel ganz fest halten und von ihm das unbekümmerte, vertrauensvolle, lebensfrohe Kindsein lernen und Dir, Vater, und Dir, liebster Herr Jesus, und Dir, Heiliger Geist, zujubeln, heute und immerdar. Amen.

 

20. Juni – St. Meriel 7. Chor

Es gibt unter den heiligen Engeln, je nach der Art, wie sie ihre Aufgabe tragen, stille und jubelnde, flammende und verhüllte, zarte und mächtige. Der heute vor Gottes Thron steht, ist ein Schweiger.

Der Chor der Mächte, dem St. Meriel angehört, ist schwer verständlich. Er steht schon im Nebel, der über der Erde lagert, und es haben die Engel dieses Chores ihre Füße auf der Erde. Der Chor steht im Gnadenstrom der Liebe. Aber hier, im Ring der Erlösung, fließen alle drei Gnadenströme zusammen, um den Millionen Engeln, welche auf Erden dienen, alle Hilfe und alle Fähigkeit stärkster Gnadenvermittlung zukommen zu lassen.

So sind auch die Engel dieses Chores, obwohl Engel der Liebe, Empfänger auch der beiden anderen großen Gnadenströme: Der Kraft und des Lebens. Das sieht man deutlich an St. Meriel, der die Glaubenstreue trägt.

Er ist ein Statiker. Als Engel der Liebe steht er doch auch mit beiden Füßen im Gnadenstrom des Lebens, der von den Thronen über die Fürsten zu ihm kommt. Treue ist etwas Statisches; verbunden aber mit der leuchtenden, brennenden Liebe Gottes und dem Göttlichen Wort "Es werde!" weitet die Treue den Menschen von innen heraus und macht ihn lebendig, weit und groß. Die Glaubenstreue gibt ihm die Sicht auf die Treue des Schöpfers und spiegelt diese wider, wie eine ruhige Wasserfläche die Sonne widerspiegelt. Dieser Chorteil der Mächte wirkt auch in die Schöpfung hinein, das heißt, seine Macht ist imstande, wieder neues Leben aus verwüsteten, vertrockneten, ausgebrannten Bodenflächen hervorzuholen. Es gilt dies aber gleichzeitig auch für die vertrockneten, verwüsteten Seelen.

In seiner Symbolik steht St. Meriel vor uns in priesterlicher Kleidung, denn die Treue, vorab die Glaubenstreue, will Gott in allererster Linie in seinen Priestern, seinen Stellvertretern auf Erden, verankert wissen. Der Engel hält vor sich in beiden Händen ein goldenes Haus, wie einen Tabernakel, wie eine Bundeslade. Aber die Wände dieses goldenen Hauses sind nicht totes Metall, sie sind gebildet aus den lebendigen Taten der Glaubenstreue. Darum schimmert das Gold an manchen Stelle rötlich oder grünlich oder bläulich, je nachdem, ob die Glaubenstreue in ihrer Kraft und Macht den Mut zum offenen Martyrium erzeugte oder den Starkmut des verborgenen Leidens und Sühnens, oder die Bereitschaft, das Vertrauen, die Zähigkeit zum Durchhalten. Man kann einzelne Worte (Begriffe) erkennen, die Gott zuerst den Menschen mitteilte und die der Mensch, der heilige Mensch, in seiner Antwort Gott wieder entgegenhält: Das "Ecce!", das hat zuerst der Heilige Geist gesprochen, als der Vater das "Credo!" den Menschen lehrte und der Sohn Sein "Adsum!" dem Vater entgegenhielt. Der in Gott geborgene Mensch erkennt in diesen Worten die Treue des Schöpfers und beantwortet sie, wenn auch mit gebrochener Kraft, so doch mit seinem besten Willen gegengleich: Das Ecce spricht Maria im Namen der Menschheit, das Credo die heilige Kirche im Namen der Menschheit, das Adsum aber hat jeder Mensch selber zu sprechen.

Gebet: Herr und Gott, lass uns durch diesen Engel begreifen, dass aus der schweigenden Treue der blinde Glaube kommt, der im Heldengeist Deiner Heiligen zu Dir aufblüht. Amen.

 

21. Juni – St. Mattatiel 4. v. Chor

Man kann Gott mit den Augen des Glaubens sehen, mit den Augen der Gottesfurcht, mit den Augen der Bereitschaft des Sühnewillens, mit den Augen voll Reuetränen oder voll Liebe. Man kann Gott aber auch ohne Augen sehen im dunklen Glauben: "Gott ist", und das ist ein Geheimnis. Dieses Geheimnis trägt St. Mattatiel. Er ist aus dem Chor der Herrschaften, dem 4. Chor der neun Engelchöre, der unter den Seraphim seinen Platz hat und über den Mächten, Erzengeln und Engeln steht. Das sind die Chöre, die vor allem den Strom der Liebe Gottes tragen: Die Seraphim, die Herrschaften und die Mächte. Die Herrschaften stehen in der Mitte. Aus ihnen sollen dreimal sieben Engel genannt sein, die aber nicht wie bei den Seraphim und Cherubim nebeneinander stehen, sondern untereinander innerhalb der Dreiteilung des Chores selber: Sieben sind in den 24 Herrschaften von Hoher Gewalt, sieben sind in den 24 Versiegelten Herrschaften und sieben sind in den 24 Herrschaften von Niederer Gewalt; sie stehen untereinander.

Die sieben Engel der Herrschaften von Hoher Gewalt tragen die Gaben des Heiligen Geistes. Sie sind im besonderen dem Heiligen Geist zugeordnet. Die sieben Engel der Herrschaften von Niederer Gewalt tragen die Antwort der Menschen an Gott in den sieben Opferschalen: Dem Lob-, Weihe-, Dank-, Sühn-, Bitt-, Versöhnungsopfer und dem Opfer des Gott-Menschen Jesus Christus. Diese sieben sind im besonderen dem Vater zugeordnet.

Die sieben Engel aus den Versiegelten Herrschaften aber sind im besonderen dem Sohn zugeordnet. Sie werden ausgehen zu siegeln die Völker und Länder, die Gemeinden Gottes und Gemeinschaften. Zu diesen sieben gehört St. Mattatiel.

Er ist der Engel des Erkennens, der Erkenntnis der Liebe, der Sicht auf Gott. So steht er in der Mitte zwischen St. Malachiel, dem Cherub, und St. Ezechiel, dem Fürsten. St. Malachiel trägt die Klarsicht auf Gott und die ganze himmlische Hierarchie. Er ist wie ein weites Passage-Durchhaus: Man kann das ganze Reich Gottes überblicken. St. Ezechiel trägt die Sicht auf Gott in nur einem Sinn: Eines nur ist notwendig: Gott! Für ihn ist alles andere nebensächlich, für ihn gibt es nur ein Blickfeld, einen Weg, eine Erkenntnis: Gott.

St. Mattatiel steht in der Mitte: Sein Blickfeld ist Gott im Herzen Seiner Geschöpfe; sein Weg ist der Weg der Rechtfertigung, der Sühne, der Liebe; seine Erkenntnis ist das Geheimnis des dunklen Glaubens an Gott, der dunklen Hoffnung auf Gott, der dunklen Liebe zu Gott. Dieses Geheimnis versiegelt er in den Tagen des Wehklagens und scheidet damit Gut und böse. Die Guten werden den dunklen Glauben leben; den andern wird auch dieses Licht noch genommen, das Licht der inneren Sicht, des mahnenden Gewissens. Noch ist er selbst versiegelt, gleich seinen Brüdern, und jeder dieser sieben trägt seine Aufgabe als Symbol (der eine als eine Binde über die Augen, der andere als einen Strick über die Hände, der dritte als Kette an den Füßen, usw.).

Er gibt seine Aufgabe weiter über den Engel mit der Opferschale der Sühnopferkraft bis hinunter in den Ring der Menschwerdung zum Engel der Macht der Tiefe und Innerlichkeit der Liebe.

Gebet: Du großer Engel, der du kommen wirst zu siegeln die Gemeinden des Herrn, ich bitte dich, siegle auch mich und bewahre mich im dunklen Glauben, in der dunklen Hoffnung, in der dunklen Liebe für meinen Herrn und Gott, damit ich in Treue befunden werde, wenn der Herr kommen wird, und an deiner Hand auferstehen kann zum ewigen Leben. Amen.

 

22. Juni – St. Selamim 7. Chor

Im Reich Gottes ist alles lebendig. Selbst Statik kann lebendig sein und höchst lebendig sogar vor den Augen Gottes, wenn sie durchflutet ist von dem Leben aus Gott, von der Gnade in Gott, von der Kraft durch das Wort.

"Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." Das Wort ist Jesus Christus, unser Herr. Sein Wort liegt als heiliges Vermächtnis in lebendiger, gnadenhafter, kraftdurchströmter Statik in der heiligen Kirche. Die heilige Kirche ist das große Gnaden- und Heilszentrum der Erde. Millionen Engel gehen wie auf einer Himmelsleiter zur heiligen Kirche auf Erden herab und von ihr zum Thron Gottes hinauf alle Stunden und Tage bis ans Ende der Zeit. Unter diesen Millionen Engeln sind solche vom ersten bis zum neunten Chor, anbetend, fürbittend, leitend, führend, abwehrend und kämpfend, scheidend und aufbauend, säend und erntend, schneidend und heilend.

Der Engel, der an diesem Tage vor Gottes Thron steht, ist ein Engel der Kirche: St. Selamim, der die Macht der heiligen Sakramente, der kirchlichen Weihen und Segnungen trägt.

Die Macht der heiligen Kirche auf Erden gleicht dem Knecht auf dem Acker, in den der böse Feind jede Nacht von neuem das Unkraut sät. Und der Knecht müht sich im Schweiße seines Angesichtes. Er weiß von der Unzerstörbarkeit der Kirche und vom Gnadentau über dem Acker, aber er hat alle Mühe, mit dem Schwert des Glaubens überhaupt festzustehen und sich mit dem Schild der Treue zu decken. Über seiner Arbeit steht das Zeichen des Kreuzes, das der Welt eine Torheit und ein Ärgernis ist. Und die Macht der heiligen Sakramente ist umschlossen von der Ohnmacht des Heiligsten Brotes, von Dem niemand ahnt, dass Es die Quelle der Unzerstörbarkeit und Unbesiegbarkeit ist.

Als Beschützer für das Heiligste Brot und als Knecht in der heiligen Kirche hat Gott den Priester bestellt. Wir lesen heute im Messtext des heiligen Priesters Paulinus: "Das ist der Knecht, getreu und klug. Der Herr hat über sein Gesinde ihn gestellt, damit er zur rechten Zeit das Maß des Brotes ihnen reiche". Unter "Brot" sind alle heiligen Sakramente und Gnadenmittel als Nahrung der Seele gemeint. Dem Priester zur Seite steht der Engel, ihm ganz besonders ist er Helfer und Führer. Der Engel schöpft mit seiner Macht aus den Gnadenquellen Gottes: Den Quellen des Lebens, der Kraft und der Liebe. Der Priester aber bindet und löst in der Kraft des Wortes die Menschen und führt sie in der heiligen Kirche zu Gott.

St. Selamim steht vor uns mit seiner gekreuzten Stola, dem priesterlichen Zeichen und trägt auf einer kleinen goldenen Schüssel das Wort des Herrn an die taube Menschheit: "Epheta!" – Tu dich auf für Gott.

Gebet: Herr, gib uns durch Deinen heiligen Engel die Gnade, uns auftun zu können Deinem Wort, Deiner Liebe, damit wir das ewige Leben erlangen. Amen.

 

23. Juni – St. Kepha 4. n. Chor

Das Fest St. Johannes des Täufers ist im Himmel weitaus größer als auf Erden. Es wird durch drei Tage (nach unserer Zeitmessung) von den heiligen Engeln gefeiert. An jedem dieser Tage nimmt der Engel, welcher als Fürbitter der Menschheit vor Gottes Thron steht, Bezug auf diesen großen Heiligen. Als erster St. Kepha, die Ecksäule der Treue; nach diesem, am 24., St. Jochaanael, "Weithin hallender Ruf" und nach diesem als letzter St. Ashariel, der versiegelte Engel mit der fünften Zornschale Gottes.

St. Kepha ist aus dem Chor der Herrschaften. Sie sind Engel der Liebe und tragen in eben dieser großen Göttlichen Liebe ihre jeweiligen Aufgaben. Sie sind alle von wunderbarer Leuchtkraft und Größe wie weite Länder, in denen man die Aufgabe des Engels in hundert verschiedenen Arten und Lösungen erkennen kann. Deutlich ziehen durch diesen Chor die Ecksäulen, jeweils die vier stärksten Engel aus jedem Chorteil, einer über dem andern wie Säulen. Als die "Vier Winde", die "Vier Wasser", die "Vier Geister" und die "Vier Flammen" leuchten sie in die Endzeit und stoßen mit ihren Kronen wie mächtige Kapitäle als "Heiliger Gott", "Weiser Gott", "Allmächtiger Gott", "Gerechter Gott" an den Thron Gottes über allen Himmeln.

St. Kepha und seine drei Brüder sind in die Ecksäulen eingebaut als die liebende Antwort der Menschheit an Gott, und zwar tragen sie in der Form der gelübdemäßigen Bindung an Gott die Reinheit, Armut, Treue und den Gehorsam. St. Kepha holt von den Ecksäulen-Engeln über sich die Gnade des Allmächtigen Gottes und die Liebe als Kraft in seine Aufgabe herein und hilft den Menschen, ihre Gelübde in Treue und Starkmut zu bekennen und zu leben. Das Himmelreich leidet Gewalt, und unser Herr hat nicht umsonst zu Petrus gesagt: "Du bist Petrus, das ist Fels, und auf diesem Felsen will Ich Meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen."

"Kepha" heißt Petrus, heißt Fels. Die Treue ist vor Gott wie ein Fels, der feststeht in allen Stürmen und Brandungen, auf dem aufgebaut werden kann und der nicht zerstört wird. Die Treue gilt vor Gott im kleinen Bereich des Alltags wie im großen Bereich des ganzen Lebens und der ganzen Aufgabe: Immer ist sie einer Säule gleich, ob nun darauf die Pflicht ruht, Knecht oder Magd, Lehrer oder Mutter zu sein, oder Christus zu bekennen, die heilige Kirche zu stützen, zu tragen. Und wir sehen an diesem Engel St. Kepha: Es ist leichter für die Treue, wenn sie gleichzeitig durch verwandte Bindungen gestützt ist. Der gehorsame Mensch, der lautere Charakter, die reine Seele werden auch getreuer sein als ein Mensch, der eine Bindung an Gott nur mit inneren Vorbehalten eingeht.

Gebet: Herr und Gott! Deine Treue lässt Deine Erbarmung nie versiegen und Deine Liebe nie aufhören. Lehre uns durch Deine Engel die wunderbare Treue, damit wir in Deiner Kirche feststehen wie Säulen und unseren Mitmenschen in den schweren Stürmen dieser Zeit Halt seien und Richtung zu Dir! Amen.

 

24. Juni – St. Jochaanael 5. h. Chor

Was St. Johannes der Täufer in seiner uns in der Heiligen Schrift überlieferten Gestalt (Schilderung der Herbheit) besitzt, das hat an strahlender Herrlichkeit jener Engel von Hoher Gewalt, St. Jochaanael, der an diesem Festtag des heiligen Johannes vor Gottes Thron steht, besonders als Fürbitter der Heiden, der von fern her Kommenden, Suchenden. Gott will durch die strahlende Schönheit dieses Engels bezeugen, dass sowohl das Sein wie das Tun dieses Heiligen von großer Gottwohlgefälligkeit waren. So ist es auch in unserem Leben: Die Armen und Geringen, die Verkannten und Verspotteten werden einmal von den Klugen und Reichen mit Erschrecken angestaunt werden ob ihrer Gottnähe, die sie ihr ganzes Leben lang suchten. Und was uns selbst oft Dunkelheit ist in unserem Gottsuchen und Kreuztragen, das ist dort oben im Licht der Engel von strahlendem Lobpreis Gottes; was uns Opfer und Tränen und vielleicht das Leben kostet, ist dort oben Krönung und Sieg. Die heilige Armut hat im Himmel ein königliches Kleid und die Demut einen Thron. Und so trägt St. Jochaanael das goldene, leuchtende Kleid der Liebe und Gerechtigkeit, das St. Johannes für seinen härenen Kittel eingelöst bekam, als unser Herr Jesus Christus mit den Erlösten aus der Vorhölle in den Himmel einzog.

So wie der Täufer eine Ecksäule im Bau des Hauses Gottes auf Erden dargestellt hat, so ist auch der Engel St. Jochaanael eine Ecksäule in dem von Engeln getragenen Haus Gottes über die ganze Schöpfung. Und wie der Täufer in der Mitte der Zeit steht, so sehen wir auch den Engel in der Mitte der Engelchöre wie der Ecksäulen, also an wichtiger, entscheidender Stelle.

Knapp vor dem Erlöser ging der Täufer über die Erde. Er war der Rufer in der Wüste, und Jesus bezeichnete ihn selbst als den Größten von allen Menschen, die – auf natürlichem Wege – von einem Weibe geboren wurden. Das ist Wahrheit. Denn sowohl Jesus wie Maria sind hierin Ausnahmen: Jesus durch Seine mit Seiner Menschheit verschmolzene Gottheit, Maria durch ihre unbefleckte Empfängnis. Das männlich-irdische Vater-Wirken tritt bei beiden zurück, der Heilige Geist mit Seinem Wirken in den Vordergrund.

Knapp vor dem gewaltigsten aller Engel, der in der Mitte aller Legionen und Chöre die Göttliche Gegensätzlichkeit als Engel des Widerspruchs trägt, vor St. Sederim, steht als "Weithin hallender Ruf", als Träger des Wortes Gottes wie des Evangeliums, der Frohbotschaft, St. Jochaanael, die Gewalt. Unter den Gewalten ist der Boden gegen die gestürzten Engel zu am dünnsten und scheint zu zittern.

Alle Macht bietet der Widersacher auf, Gott in Seiner Schöpfung, in Seinen Engeln und Menschen zu überwältigen und zu entmachten. Er stopft all seine Gewalt gegen die Natur und seine Macht über die Heidenvölker in diese Mitte, um von hier aus zu sprengen – mit Atomwaffen, aus der Natur wie aus dem Geist kommend.

Aber Gott hat in seiner Weisheit nicht umsonst den Täufer auf diesen Brennpunkt gestellt – und in den Engelreihen St. Jochaanael auf die gleiche Stelle. Der Täufer ist der größte Verwalter, Helfer und Fürbitter, der nicht nur in seinem Leben "in der Wüste" lebte, sondern der auch heute noch mitten in der Wüste verdorrter, vertrockneter, blindgewordener Menschen und Völker die Fürbittgewalt des Größten der vom Weibe Geborenen offenbart. Die Engel hält das Wort Gottes, umbrandet und bedrängt von allem heidnischen, gifttragenden Wort, hoch über Welt und Zeit und lässt es Licht werden zur Erleuchtung, Kraft werden zum wahren Gottsuchen durch die Gnade Gottes.

Gebet: Herr, Du hast den heiligen Johannes von Dir sagen lassen, dass Du mit dem Feuer und dem Heiligen Geiste taufen wirst, und wir wissen aus Deinem Mund, dass jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, umgehauen wird. Lass Deinen Engel, der hier steht als Zeichen des Bündnisses Gottes mit der Kirche, und doch die Wurfschaufel in der Hand trägt zum Zeichen, dass er gewillt ist, als Dein Knecht die Tenne Gottes zu reinigen, wenn der Weizen eingebracht werden soll; lass ihn uns Hilfe und nicht Rächer sein! Lass uns Weizen werden unter der Leitung Deiner Engel, und nicht einst als Spreu verworfen sein. Amen.

 

24. Juni – St. Ashariel 4. v. Chor

Der eine Engel dieses Tages hebt die Hand mit dem Wort Gottes in die Höhe zum Zeichen, dass das Wort Gottes hinausgeht in die Schöpfung, getragen von Menschen und Engeln, um zu säen, zu wecken, zu retten. Dieser Engel ist St. Jochaanael.

Der andere Engel dieses Tages aber schließt die Hand um das Wort Gottes, das wie eine Sonne über der Menschheit leuchtet, und wenn sich das Wort Gottes vom Menschen zurückzieht, wird es finster auf der Erde. Dieser andere Engel ist St. Ashariel.

St. Jochaanael ist eine Ecksäule aus dem Chor der Gewalten. St. Ashariel aber ist einer der sieben Zornschalenengel aus dem Chor der Herrschaften.

Die Herrschaften – der 4. der neun Chöre der heiligen Engel – sind Engel der Liebe stehend im Rang unter den Seraphim, von denen sie den Strom der Göttlichen Liebe erhalten. Niemand von uns Menschen kann sagen: "Gerade so schauen sie aus!", denn wenn sie sich den Menschen zeigen, so nehmen sie nach dem Willen und Wunsch Gottes eine uns begreifbare Engelgestalt an, die sich von den anderen Chören durch eine wunderbare Weite und Helligkeit und einen Duft, wie von Nadel- und Sandelholz und Weihrauch unterscheiden. Sie sind als Engel der Liebe in besonderer Weise Engel des Geistes.

Die Endzeit der Schöpfung aber ist auch in besonderer Weise dem Heiligen Geist zugeordnet. In der Endzeit erreicht der Geist in der Menschheit seine höchste Blüte. In der Endzeit scheiden sich die Geister: Es gibt nur mehr ein Für oder Gegen Gott. In der Endzeit werden die Geister Gottes, die Engel, in ihrer größten Machtenfaltung gegen die Geister der Finsternis zum Kampf antreten.

In diesem Chor befinden sich die Engel der Endzeit. Aber noch sind sie zum größten Teil versiegelt zum Zeichen, dass ihre Zeit noch nicht gekommen und ihre Kraft bis dahin gedrosselt ist. Da stehen die Sieben, die ausgehen, die Gemeinden Gottes in der Endzeit vor den Gräueln der Verwüstung zu siegeln. Da stehen die Drei, die ausgehen, zum Gericht zu rufen. Da gehen die sieben Zornschalen-Engel, und wiederum drei, welche die Ernte heimbringen. Und die vier Ecksäulen dazwischen tragen das Leben, die Weisheit, die Kraft und die Liebe Gottes versiegelt; sie werden am Ende den Bau des großen Hauses der Schöpfung einreißen.

St. Ashariel, der fünfte der sieben, trägt die Göttliche Zornschale des Wortes voll Gerechtigkeit und Liebe. In Liebe ist das Wort ausgegangen, es ist bis zum Thron des Tieres in den Abgrund vorgedrungen; nun wird es in der Gerechtigkeit Gottes wieder eingezogen wie ein Netz. Und jetzt ergießt sich der Zorn Gottes über die Bösen auf Erden wie flüssige Lava, wortlos, gnadenlos über alle Gottlosigkeit und Wertlosigkeit einer Menschheit ohne Gott. Die Zornschalenengel aber übergeben ihre Macht den sieben Erzengeln, um im Triumph den Weltenrichter zum Jüngsten Gericht zu tragen.

Gebet: Herr und Gott, Du Wort, Das Fleisch geworden ist, um uns Menschen zu retten und ewig selig zu machen, lass die Engel Deines Zornes an uns vorübergehen, da wir Dein Blut und Dein Kreuz und Deine Liebe an Stirne und Händen und im Herzen tragen und nicht von Dir zu trennen sind. Amen.

 

25. Juni – St. Harachim 5. v. Chor

Das erste, das man nicht sieht, aber fühlt, das ist der Schmerz. O Herr, Der Du für uns gegeißelt worden bist, erbarme Dich! Es ist nicht nur ein körperlicher, noch mehr ein seelischer Schmerz. Alles ist versunken, jedes Gefühl der Geborgenheit, sei es in einem Menschen, in einer Familie, in einer Heimat. Gelöst ist die Gebundenheit an die Umwelt, an Pflicht und Liebe – o Herr, nur von Dir löse mich nicht! Wer bist du, Engel, dass du solches tust?

Da steht er vor Gottes Thron, unerbittliche Gewalt seines Herrn Jesus Christus. "Der Knecht soll nicht über seinem Herrn sein und der Schüler nicht über seinem Meister."

St. Harachim ist es, einer der Sieben, die neben St. Sederim im Chorteil der Versiegelten Gewalten stehen: Träger der Spannung Göttlicher Gegensätzlichkeit. So ist es auch hier. Die Liebe Gottes ist Gewalt, die Liebe schlägt und zerschlägt. Sie löst die Hülle vom Weizenkorn, indem sie die Seele von allem löst. Sie lässt das Samenkorn in den Boden treten, in den Ackerboden Gottes, durch die heiligen Engel. Sie lässt es kreuzigen, lässt es sterben, damit es hundertfache Frucht bringe für die Ewigkeit.

St. Harachim trägt die lederne Geißel. Mit dreierlei Geißeln wurde einst unser Herr geschlagen: Mit Ruten für die Sünden des Triebhaften, Sinnlichen; mit Lederriemen für die Gewohnheitssünden der Seele; mit eisernen Widerhaken für die Sünden wider den Geist. Dies alles erduldete Er für die Seinen, dies alles nahm Er auf Sich. Zum Andenken an diese Geißelung trägt St. Harachim das Symbol der Geißel, und in der Göttlichen Gegensätzlichkeit schlägt er hier die Geißel zum Heil. Sie trennt die Seele von ihrem Werk, von ihrer Aufgabe, von ihren Wünschen und Plänen, von ihrer Umgebung. Sie lässt sie dem Gerichte Gottes und der Barmherzigkeit Gottes anheimfallen, sie macht sie reif für den Zugriff Gottes.

Diese sieben Versiegelten Gewalten, unter denen St. Harachim als der zweite steht, tragen den eifersüchtigen Kampf Gottes um Sein Eigentum, Seine Seelen; sie tragen die Schwere des Kampfes der Nachfolge Christi. Ihre Gewalt geht nach innen; sie ist durch das Siegel so weit gedrosselt, dass sie nicht mehr in der Allmacht Gottes, sondern nur in der Torheit des Kreuzes wirkt. Mit dem Lösen ihrer Siegel stellen sie ihre Tätigkeit ein und übergeben ihre Macht den sieben Erzengeln.

Gebet: Herr, was Du tust, ist Liebe. Lass mich diese große Wahrheit immer mehr erkennen und gib mir die Kraft, stillzuhalten, wenn Deine Liebe über mich kommt. Amen.

 

26. Juni – St. Jeroboel 9. Chor

Jeder von uns hat diesen Engel schon gehört, der das Wort des Herrn trägt: "Steh auf!" Wer in Reuetränen vor seinem Herrn und Gott kniet, hört diese Worte. Wer nach dunkler und schwerer Nacht seine Augen auf den Herrn richtet, hört sie. Wer einen Halt sucht und sich zaghaft vortastet, der spürt seine Hand, die ihn hochhebt. Er steigt in die tiefste Tiefe den Irrenden, den Kranken, den Sinkenden, den Mutlosen, den Verlassenen nach. Seine Hand ist gütig wie die einer Mutter, ist stark wie die eines Vaters. Sei gegrüßt, du Engel, der uns neue Zuversicht gibt. Wie gut ist Gott!

St. Jeroboel ist aus dem 9. Chor der Engel. Er hat einen großen und gütigen Engel über sich: St. Jophiel, den Umpflüger, den Engel der Wandlung zu Gott. St. Jeroboel ist so gut, so schlicht wie er; er trägt das gleiche grüne Pilgerkleid. Aber während das Symbol St. Jophiels die Muschel ist (der ewigen Sehnsucht nach Gott), hat St. Jeroboel eine Fackel, die er hoch über sich hält. Mit der anderen Hand hilft er den Seelen auf, immer und immer wieder. Tausend- und abertausendmal sagt er: "Steh auf!", eindringlich und mitreißend. Er ist ein treuer Diener seines Herrn, immer bereit, immer wachsam. Am schnellsten eilt er zu jenen Seelen, die um des Herrn Jesus Christus Selbst willen in Liebe oder in Reue oder in Sehnsucht leiden.

Und mag er auch im letzten Chor der Engel stehen, eine wunderbare Lichtbahn der Gnade strömt aus dem obersten Ring der Anbetung über ihn. Denn keiner ist gering vor Gottes Augen. Aus den Reihen dieser Engel hob der Herr den Engel Mariens als Engel der Liebe an Sein Herz; in diese Reihen der Engel stellt Er sämtliche Schutzengel, auch aus den höchsten Chören. St. Jeroboels Lichtbahn der Gnaden kommt über die Cherubim herab. Dieser Strom von Gottesfurcht, Wissen um Gott und Kraft aus Christi Leiden fließt über die Engel der Gewalt des guten Willens und des Aufbruches zu Gott, über die Gewalt der sühnenden Gottverlassenheit und der Wandlung zu Gott. Es ist wie eine Himmelsleiter um diesen gütigen, liebreichen und starken Engel: Stufe um Stufe fließen die Gnaden herab, und in ihrer Kraft hebt er eine Seele nach der anderen auf und stellt sie an diese Himmelsleiter, damit sie mit Hilfe aller Gnaden emporsteige bis in das Herz ihres Herrn und Gottes.

Gebet: Heiliger Engel, der du mir von Gott zur Rettung gesandt bist aus der Schwachheit meines Wollens, aus der Tiefe meiner Reue, aus dem Dunkel meiner Verlassenheit, nimm meine Hand und stelle mich dorthin, wo Gott mich haben will. Hilf mir, dass ich den Weg und den Mut und das Licht nicht verliere und heimfinde in das himmlische Vaterhaus. Amen.

 

27. Juni – St. Samaliel 2. Chor

Zuerst sollen wir Gott loben und preisen und anbeten! Dazu ist das Geschöpf da; es ist zur Verherrlichung seines Schöpfers geschaffen. Dann aber soll eines dem andern helfen, ganz besonders der Mensch, einer dem andern. Zu diesem Helfen gehört auch die Fürbitte.

Der Engel sagt: "Erst kommt die Anbetung, dann der Dank und dann die Fürbitte."

Aber der Mensch hat die Prüfung nicht bestanden und so hat sich bei ihm alles verkehrt. Er ist tiefer und tiefer gesunken, und ohne den Erlöser hätte kein Mensch mehr in den Himmel eingehen können.

Auch heute noch ist beim Menschen viel verkehrt. Er will zuerst haben und für sich haben, und dann erst bittet er für den andern. Nur der Engel ist gleichgeblieben nach der Prüfung. Während der Böse endgültig abfiel, ist der Engel in seiner Aufgabe geblieben: Anbetend, dankend, fürbittend.

Einer der schönsten und mächtigsten Fürbitter aus der Engelwelt steht heute vor dem Thron des Allerhöchsten: St. Samaliel aus dem Chor der Cherubim. Ihn umhüllt ein weiter, blauer Mantel. Zwischen seinen Lippen trägt er ein Schwert, zum Zeichen, dass sein Wort Kraft bedeutet, Wucht, Dynamik. In seinen Händen trägt er die erbarmende Liebe Gottes nach abwärts wie eine Flamme. Er trägt aber auch nach aufwärts die Kraft der Fürbitte von Jesu Blut und Wunden und die Kraft der Fürbitte Mariens, der Immerwährenden Hilfe. Sein Mantel bedeutet die umhüllende und schützende Kraft der Gottesmutter. St. Samaliel ist Cherub des Sohnes und steht in der Mitte aller Cherubim. Über ihn fließt der Gnadenstrom des Wortes herab vom Hauch Gottes. Er aber hebt seine Augen und Hände auf zur Immerwährenden Hilfe und sagt: "Geht zu Maria, sie hilft immer!" Als Cherub ist St. Samaliel noch mit zwei anderen Cherubim verbunden, denn sie sind immer drei, die nach dem Vater, dem Sohn, dem Geist schauen. Das Antlitz des Cherubs St. Hod sieht nach dem Vater; er ist Preis Gottes. Das Antlitz des Cherubs St. Agriel sieht nach dem Geist; es ist Dank Gottes. Und das Antlitz St. Samaliels ist Fürbitte in und mit und durch den Sohn, unsern Herrn Jesus Christus. Nach abwärts gibt St. Samaliel seine Kraft und Macht weiter an die Gewalten, die Brüder der Seele und die Engel der Spannkraft, der Stoßkraft, der Bittopfer- und Sühnopferkraft, an die Engel der Macht der Hoffnung und der Macht der heiligen Kirche, an die sieben Erzengel. Und von dort strahlt sie aus über sämtliche Schutzengel, die wieder mit ihren Flügeln den Mantel bilden für Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe.

Gebet: Großer Fürbitter vor Gottes Thron, bitte auch für uns und lass uns durch das kostbare Blut unseres Herrn und durch Maria, unsere Mutter, geholfen werden. Amen.

 

27. Juni – St. Jonael 4. h. Chor

Manche Engelgestalten kann man nur betend richtig erkennen. Das ist besonders bei den Engeln des Heiligen Geistes der Fall. Ein solcher Engel steht heute, am Feste Mariä von der Immerwährenden Hilfe, vor Gott. Es ist St. Jonael aus dem Chor der Hohen Herrschaften. Wie die Mitte eines hohen goldenen Leuchters und selbst wie ein Licht mutet er uns an. Sie sind ihrer sieben, einander ähnlich in ihrer wunderbaren Reinheit und Klarheit; nur die Farbe ihrer Gewänder ist verschieden, eigengeprägt sind ihre Gesichter und verschieden ist der Inhalt der großen leuchtenden Schale, die jeder trägt. Die sieben tragen die sieben Gaben des Heiligen Geistes wie eine Morgengabe an Maria. Sie sind:

St. Assael mit der Schale voll Flammen der Erkenntnis (Verstand)
St. Viraguel mit der Schale voll Wasser der Gnade (Weisheit)
St. Phael mit der Schale voll Öl des Rates (Rat)
St. Jonael mit der Schale voll Licht des Evangeliums (Wissenschaft)
St. Sorel mit der Schale voll Wein des Starkmutes (Starkmut)
St. Thamael mit der Schale voll Weihrauch der Gottesfurcht (Gottesfurcht)
St. Thael mit der Schale voll Glut der Gottseligkeit (Frömmigkeit)

St. Jonael steht in der Mitte dieser sieben und mit Recht. Ist doch das Wort des Herrn das wahre Licht, und wir haben kein anderes Wort von solcher Gültigkeit wie dieses. Mögen wir auch den Vorwurf der Dummheit und Rückständigkeit von Seiten der Welt in der Torheit des Kreuzes tragen, einmal kommt das Licht auch in die Dunkelheit jener, die uns heute verlachen, und sie werden sagen: "Wer sind diese? Sind es nicht jene, die wir verlacht und verfolgt haben?"

Hoch hebt St. Jonael das Licht des Evangeliums empor. Es soll einmal keiner sagen können, er habe es nicht gesehen, obwohl das Taufwasser über seine Stirn geronnen ist. Das Wort des Herrn ist unser Weg und unsere Richtung und der Zeuge für uns vor dem Gericht. Auch dieser Engel steht nicht vor uns, damit wir ihn staunend betrachten, sondern damit wir die Größe und Werthaftigkeit des Wortes Gottes erkennen und danach leben. Durch dieses Licht sollen wir selber Licht werden für andere und sollen sie heimführen zum Vaterhaus und zum wahren Ziel.

Gebet: Mein Herr und mein Gott, beschämt müssen wir erkennen, dass wir nur einen Bruchteil Deiner Worte wissen und kaum den zehnten Teil des heiligen Evangeliums so gut kennen und so auswendig wissen, wie die Bibelforscher und Adventisten in ihren Schriften bewandert sind. Gib uns durch Deinen Engel des Evangeliums die Kraft, dieses Dein Wort hochzuschätzen, zu lieben und immer wieder zu durchdenken, damit wir dann auch unser Leben ganz danach einrichten und durch das Licht des Evangeliums es auch andern vermitteln, beitragend zu Erhellung unserer dunklen Zeit. Amen.

 

28. Juni – St. Abbael 5. h. Chor

Das, was uns am Weg zu Gott seufzen macht, das ist das Kreuz. Das, was allein unsere Rettung ist, das ist das Kreuz. Wenn wir unser Kreuz richtig tragen, dann spüren wir auch die Liebe, die dahinter steht, denn heißt es nicht: "Wen Gott lieb hat, den züchtigt Er?" Das Kreuz also, das uns unser Herr zu tragen gibt, ist Liebe Gottes.

Auch Maria, die Auserwählte, die Freude des Dreieinigen Gottes und der Jubel aller Engel, war Kreuzträgerin. Sie hat das Kreuz symbolhaft zum ersten mal in den weitausgespannten Armen des sie grüßenden Engels St. Gabriel erblickt, als er ihr die Botschaft ihrer Auserwählung brachte. Und sie sah es in seiner ganzen grausamen Realistik, als sie an jenem grauen Morgen, da ihr Sohn vor Pilatus stand, über den Zimmermannsplatz ging und es dort zusammengefügt wurde. Denn als sie selbst unter dem Kreuz stand, da sah sie nur mehr ihr Kind, das dort hing, und alles andere war versunken. Durch unseres Herrn Tod ist das Kreuz unser Siegeszeichen geworden.

St. Abbael hält dieses Siegeszeichen. Er, der uns heute von Gott gezeigt wird, ist ein Engel der Mitte. Das Kreuz steht immer in der Mitte. In der Mitte aller Engelchöre sind die Gewalten. St. Abbael ist Hohe Gewalt. Von ihnen heißt es, dass sie wie schimmernde Hochburgen seien. Sie tragen die Gewalt des Feststehenden, des Da-Seienden, des Vollendeten. Das Kreuz steht fest, es ist auch vollendet mit seiner Mitte auf Golgotha. Die Millionen und Abermillionen Kreuze der Seinen, die um den Herrn stehen, reichen bis zum Jüngsten Tag, dann erst ist die Zahl der Kreuze abgeschlossen, dann ist der Sieg des Kreuzes vollendet.

St. Abbael hält das Kreuz, es ragt von der Erde bis vor den Thron Gottes. So wie St. Abbael in der Mitte steht und das Kreuz fest in die Erde rammt, so stehen um ihn herum die Millionen Schutzengel und rammen das Kreuz, das die Liebe Gottes ihren Schützlingen zugedacht hat, fest in das Herz der von ihnen Geführten. Steh fest, steh fest und halte dich an deinen guten Engel! Er stützt dich und dein Kreuz und es ist die Liebe Gottes, die euch drei, den Engel und dich und dein Kreuz, einhüllt und ins Verborgene führt, in das Schweigen des Kreuzweges der Liebe.

Gebet: In der Not des Kreuzes steh uns bei, du großer Engel, dass wir die Blickrichtung nie verlieren, dass unser letzter Blick dem Kreuz unseres Herrn und Seiner Liebe gelte, dass unser Kreuz auch unser Siegeszeichen werde. Amen.

 

29. Juni – St. Anaritha 1. Chor

Je mehr sich der Engel in seiner Wesenheit Gott nähert, desto unbegreiflicher und unfassbarer wird er uns. Wenn ein Seraph mit lächelndem Jünglingsantlitz, gefalteten Händen, vielen Flügeln, mit Stirnband und wallenden Gewändern dargestellt wird, so ist das ebenso unbeholfen wie die hölzerne Taube an einem Strick, die man oft in Kapellen und Dorfkirchlein von der Decke herab im Wind baumeln sieht und die den Heiligen Geist darstellen soll.

Wohl ist etwas Wahres an beiden primitiven Darstellungen: Der Heilige Geist ist in Gestalt einer wunderbar lichten Taube erschienen, und die Seraphim haben viele Flügel. Aber das berührt nur ein ganz fernes Echo, einen ganz schwachen Spiegel der Wirklichkeit. Es ist die äußerste Grenze der liebenden Herabneigung des Himmels zu unseren einfältigen Augen. So wie der Heilige Geist nicht darstellbar ist, so kann auch den Seraph niemand darstellen, wie er wirklich ist, denn er ist die höchste geschöpfliche Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes.

Ein Seraph sind immer drei Seraphim zugleich, und drei Seraphim sind ein Seraph. Je einer ist ganz dem Vater zugewendet, einer dem Sohn, einer dem Heiligen Geist, und doch sind alle drei zusammen einer, der dem Dreieinigen Gott zugewendet ist.

Ein Seraph ist menschlich nur darstellbar, wenn er sich seiner Macht entkleidet und als einfacher Schutzengel dient; sonst hat er keine menschlich darstellbare Gestalt. Man könnte ihn mit einem großen See voll flüssigen Lichtes vergleichen oder mit einem kreisenden, funkelnden Feuerrad.

St. Anaritha, der heute vor Gottes Thron sichtbar wird, der Seraph des Geistes, ist jener, über den die Wandlung des Menschen fließt; er ist der zum Leben in Gott und zur Liebe in Gott Wandelnde. Sein Name ist: "Ich will Feuer auf die Erde werfen und was will ich anderes, als dass es brenne?" Das Feuer ist der Gottmensch Jesus Christus. Der Vater ist der zum Leben Erweckende, der Sohn der das Leben zu Gott Zurückführende, der Heilige Geist der das Leben Erleuchtende. Zu St. Anaritha gehört jener Seraph des Vaters, welcher Träger der Gottesfurcht ist, und jener Seraph des Sohnes, der sich nennt "Jesu, der Retter, der kommt."

Die Kraft, die von diesen drei Seraphim ausgeht, könnte die Erde aufjauchzen machen, in die Knie zwingen und zum Brennen bringen, wenn nicht Gottes unerforschlicher Ratschluss mit einer einzigen Handbewegung den freien Willen des Menschen als das allein Gültige in der Rechtfertigung und Heimholung der Menschheit allem vorgestellt hätte. Das ist die Demut solcher Engel: Zu schweigen, Jahrtausende stillschweigend zuzusehen, wie ihr Herr und Gott von diesem freien Willen der Menschen gehöhnt und geschändet wird!

Gebet: Herr und Gott! Nur in unserm Nichtsein sind wir in Dir geborgen vor diesen gewaltigen Engeln, die Du uns als Mitknechte gegeben hast! Amen.

 

29. Juni – St. Jophiel 8. Chor

Das ist die für Menschen nicht ergründbare Gegensätzlichkeit Gottes: Gott wird Mensch! Er, der Ewige, stirbt als Mensch. Der Herr über alles Leben, Der die Macht über alles, alles Geschöpfliche hat, stirbt den Verbrechertod am Kreuze vor aller Welt.

Das ist Gegensätzlichkeit Gottes: Er baut Seinen Neuen Bund des Friedens, Er baut Seine heilige Kirche auf zwölf ungebildeten, einfachen Fischern, Zöllnern, Handwerkern und Bauern auf, jene Kirche, die, unzerstörbar bis zum Ende der Zeit, alle Angriffe sichtbarer und unsichtbarer Art überdauern wird.

So spiegelt sich die Göttliche Gegensätzlichkeit auch heute, am hohen Feste der Apostelfürsten Petrus und Paulus, vor dem Thron des Allerhöchsten: In ihrer ganzen Pracht sind die 24 Ältesten vor dem Lamme erschienen. Da stehen die beiden großen Schutzengel der beiden Apostelfürsten: St. Sederim, der Engel der Gegensätzlichkeit, der Begleiter St. Pauli, und der Engel der Kirche, der Begleiter St. Petri, links und rechts vor dem Herrn. Aber in der Mitte als schlichter Erzengel mit dem Schild der Abwehr und dem Schwert des Angriffes steht der stillste aller Erzengel: St. Jophiel.

Er ist keiner jener sieben Engel vom Dienst, welche damals das menschgewordene Wort zur Erde geleiteten. Er ist auch keiner der Gottnahen Seraphim, welche als erste Geschöpfe die Gedanken Gottes erfassten von der Menschwerdung des Sohnes und der Gründung der heiligen Kirche. Er ist "der Umpflüger" in der Mitte der sieben, die im besonderen Dienst der Magd des Herrn, Maria, stehen und ihre sieben großen Machtbereiche verwalten. Sein Machtbereich ist: "Dies ist Mein Blut." So ist er in besonderer Weise Engel der Passio Christi, auch der Passio Seiner Kirche. Er ist der Engel der Tiefe und Innerlichkeit, des Schweigens, der Wandlung zu Gott, der Verwalter des heiligen Bußsakramentes, einer der wichtigsten Ecksteine im Fundament der heiligen Kirche. Er vermittelt den Menschen das Nicht-mehr-loskönnen von Gott, die ewige Sehnsucht nach Ihm, unserem einzigen Ziel, die Liebe zum Kreuz, die Herz-Jesu-Verehrung. Er führt sie Stufe um Stufe, Schicht um Schicht des Läuterungsweges, bis in das Herz unseres Herrn. Es ist der schlichteste Engel, der die beiden großen Apostelfürsten durch seine Wesenheit verbindet.

So steht er auch heute an diesem Festtag in der Mitte; er spricht das Hohelied der Kirche, das so lautet:

"Kommet und preiset den Herrn, Seine Weisheit und Güte. Er hat mich gezeugt in Seinem Herzen, noch ehe Er zur Erde stieg. In jeder Wandlung zeugt Er mich aufs neue, so dass ich lebe wie Er: Aufs neue und in Ewigkeit. Ich war im Sohn, als der Vater den Sohn zeugte von Ewigkeit her, ich war im Herzen Gottes beschlossen. Er hat mich mit Ecksteinen umgeben, Er Selbst ist der Eckstein meiner Mitte, Er ruht in mir, wie ich an Seinem Herzen ruhe ..."

Gebet: Wie eine tiefe, warme Glocke ist deine Stimme, o Engel St. Jophiel; lass sie nie mehr verklingen in meiner Seele, lass mich wach bleiben durch dich, damit ich dem Bräutigam, wenn Er kommt, entgegengehen kann mit meiner Lampe. Amen.

 

30. Juni – St. Alphareth 4. n. Chor

Zwischen dem Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus und dem Fest des Kostbaren Blutes unseres Herrn Jesus Christus steht an diesem Tag ein Engel der Antwort der Schöpfung an den Schöpfer, St. Alphareth, der erste aus dem Chor der Herrschaften von Niederer Gewalt, den Trägern der Liebe Gottes durch die Schöpfung. Der Chor der Herrschaften ist allein schon eine ganze reiche Welt Gottes für sich. Da sind die Hohen Herrschaften: Zwölf von ihnen stehen auf den Toren des neuen Jerusalem; vier von ihnen stehen als die obersten Ecksäulen, die schon in den Ring der Anbetung hineinragen; sieben von ihnen tragen die Schalen mit den Gaben des Heiligen Geistes. Und der eine, der vierundzwanzigste, ist St. Schemmajim, der Engel des bräutlichen Jubels zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Da sind die Versiegelten Herrschaften: Sieben von ihnen gehen aus, die Gemeinden Gottes zu siegeln in der Endzeit; drei von ihnen gehen aus, zum Gericht zu rufen. Und wieder gehen sieben von ihnen aus mit den Zornschalen, und drei von ihnen ernten; und vier stehen als die Vier Winde, die Vier Wasser, die Vier Geister; die Vier Flammen an den Enden der Schöpfung.

Und da sind die Niederen Herrschaften. Zwölf sind die Engel von Wort und Antwort; sie gehen seit Anbeginn über die ganze Schöpfung mit der Wucht des Anrufes Gottes in Liebe und Gerechtigkeit und Weisheit. Und es stehen sieben hier mit den Opferschalen der Menschheit. Und sowohl im Hohen Teil als im Versiegelten Teil sind je vier Ecksäulen; hier tragen sie die freiwillige Bindung des Menschen an Gott als dessen Antwort: In der Reinheit, der Armut, dem Gehorsam und der Treue. Der erste aber dieser vierundzwanzig ist St. Alphareth. Von ihm zu St. Schemmajim spannt sich ein Regenbogen: Der Weg der Liebe Gottes zum Menschen und die Antwort des Menschen in Liebe an seinen Herrn und Gott. Heute steht St. Alphareth hier mit seinem Symbol der breiten, glänzenden und sich innen wunderbar spiegelnden Muschel. Was von St. Schemmajim an Glanz und Licht, Ton und Farbe, Fülle und Schönheit der Liebe Gottes über die Schöpfung ausstrahlt, das spiegelt sich in dieser wunderbaren Muschel, gepaart mit der Antwort, der Liebe und der Sehnsucht des Geschöpfes. Was von St. Schemmajim her vom Ewigen in das Zeitliche fließt, das strömt durch St. Alphareth vom Zeitlichen wieder ins Ewige zurück. Darum ist auch sein Name: "Anfang und Ende, gewandelt durch die Liebe Gottes."

Gebet: Du hoher Fürst der Antwort des liebenden Menschen an den liebenden Gott, der du den Regenbogen des ewigen Bündnisses, des ewigen Friedens einst über den Thron Gottes, über das Neue Jerusalem spannen wirst, lass uns auch darunter stehen, lass unsere Antwort an Gott von dir aufgenommen werden und unserem Herrn und Gott genehm sein. Amen.