1. März – St. Myriel 5. n. Chor

Gott ruft uns auf verschiedene Weise an. Zuerst wohl über das Wort: Das Wort Gottes liegt in der Heiligen Schrift, das Wort Gottes ist niedergelegt in Hunderten von Schriften der Heilligen, der Kirchenväter und Kirchenlehrer. Wir hören das Wort Gottes von Kindesbeinen an, von der Mutter, in der Schule, bei der Predigt, im eigenen Herzen.

Dann ruft uns Gott an durch das Kreuz: Nicht umsonst ist unser Herr uns mit dem Kreuz vorangegangen und hat gesagt: "Wer Mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach!" Das Kreuz ist Anruf Gottes zum Glauben, zur Hoffnung, zur Tat, zur Besinnung und Umkehr zu Gott; es ist aber noch mehr Anruf zur Liebe, zum Mitleiden, zum Mitopfern, zum Mitsterben und Mitsiegen.

Aber der stärkste Liebesanruf des Herrn geht von der Eucharistie aus. Dieser Anruf ist der tiefste, geheimnisvollste und ergreifendste, denn hier ruft der gefangene, entmachtete, verlassene Gott. Die Welt versteht Ihn und diese Sprache nicht mehr. Aber wer liebt, der hört diesen Anruf Tag und Nacht, und er lässt ihm keine Ruhe.

Jeder von uns hat schon einen solchen Anruf Gottes an sich erfahren. So ist uns auch der Engel nicht mehr fremd, der heute vor Gottes Thron als unser Fürbitter steht: Ein Engel des Anrufes Gottes, St. Myriel, aus dem Chor der Gewalten. Die Stellung des Engels hängt immer mit seiner Aufgabe zusammen. Ist der Anruf Gottes nur Liebe, so wird den Anruf sicher ein Engel der Liebe aus dem Chor der Herrschaften oder der Mächte tragen. Hier aber ist der Anruf Gottes Gewalt: Der Anruf des Herrn im Brot ist Gewalt, alle Torheit des Kreuzes ist Gewalt, jedes Wort Gottes ist Gewalt.

St. Myriel gehört den Niederen Gewalten an, die den Willen Gottes mit der Kraft und Liebe und Harmonie des Heiligen Geistes hinaus in die Schöpfung tragen. So geschieht auch der Anruf Gottes immer über die Kraft des Heiligen Geistes, und nur wer vom Heiligen Geist berührt ist, versteht den Anruf und kann Ihm Antwort geben. Darum hat auch St. Myriel von der bewegten Weite des Heiligen Geistes: Auf seinem Gewande trägt er über die ganze Breite das Zeichen des heiligen Kreuzes, über seinem Haupte aber, schwebend und unterstützt von den beiden emporgehaltenen Händen, die Lichtscheibe des Heiligsten Brotes.

Gebet: Herr, zwischen zwei Engel hast Du uns gestellt: Hier den Engel des Anrufes, der uns Dich vor Augen hält, und da den Engel der Antwort.

O lass uns zwischen beiden Engeln vor Deinem Angesicht stehen! Amen.

 

2. März – St. Aduachiel 6. h. Chor

Jede Zeit hat ihre Heiligen – und auch ihre Engel. Wir sehen dies ganz deutlich an den sich immer mehr der Endzeit und ihren Schrecken nähernden Zeichen, an den grausigen Kriegen und fürchterlichen Kriegsmethoden, an den Brandfackeln der Christenverfolgungen, die da und dort immer heftiger emporlodern. Je mehr der Mensch in der Gnade und Barmherzigkeit Gottes Kenntnis vom Reich Gottes und seiner ewigen Heimat erhält, desto mehr werden ihm auch die großen Zusammenhänge klar, um die er sich jahrhundertelang nicht mehr gekümmert hat, weil ihm die Erforschung der Materie und der materiellen Kräfte wichtiger war als das Reich Gottes und seine eigene Seele. Nun aber schreckt die Menschheit auf, die drohende totale Zerstörung der Erde ist doch keine Phantasie oder Hysterie mehr.

Zwei stehen heute vor dem Thron Gottes, ein heiliger Mensch und ein Engelfürst. Jeder von ihnen trägt ein Licht; der eine, der Heilige, als eine Osterkerze, der andere, der Engelfürst, als einen erhellenden Blitz. Bei beiden soll das Licht Zeugnis von ihrem Werk und ihrer Aufgabe sein. Der Heilige ist Heinrich Seuse, der Engelfürst ist St. Aduachiel.

Der Heilige leuchtet im Dom der Kirche Jahrhunderte voraus. "Die Liebe ist das Größte", sagt er, "lebet doch die Liebe! Ihr dürft den inneren Menschen nicht verkümmern lassen, er ist der ewige! Der äußere Mensch ist nur der zeitliche Teil von eurem Sein!"

St. Aduachiel, der Hohe Fürst, sagt uns: "Wenn ihr Menschen glaubt, durch Astrologie und Magie, durch Okkultismus und Spiritismus in die Geheimnisse des Reiches Gottes eindringen zu können, so geht ihr den falschen Weg. Die wahre Sicht in die Welt Gottes geht über den Glauben und die Demut."

So heißt St. Aduachiel auch "Zeugnis Gottes". Die Hohen Fürsten stehen immer zu zweit; so steht auch bei St. Aduachiel ein zweiter Fürst, St. Ohriel, dessen Name "Licht Gottes" bedeutet und dessen Symbol ein Rad ist, das auf das große Gericht weist.

St. Ohriel ist der Engel der Langmut und Geduld, der Großmut und Weitherzigkeit. Die beiden Fürsten ergänzen einander; der eine verleiht den Engeln des anderen den Weitblick und die Entschlossenheit, und die Seinen empfangen wiederum die Güte und das Verstehen.

Gebet: Niemals werden wir euch, ihr großen Fürsten und heiligen Engel, ganz verstehen und euer Tun nachahmen können, doch bitten wir, erhellt unseren Weg zu Gott, dass wir nicht irregehen, und gebt uns den klaren Blick und den Mut, aber auch die Geduld bis zum letzten Augenblick. Amen.

 

3. März – St. Serasel 6. Chor

Gott hat ihn zum Verwalter bestellt über alles Besitztum, das vor den Augen des Herrn tatsächlich Besitztum darstellt. St. Serasel, der Stille Fürst, kniet heute vor dem Throne Gottes als unser Fürsprecher. Er hat seine beiden Hände wie zu einer Muschel geformt, und in der rechten inneren Hand, die über der linken liegt, ist in der Mitte als Symbol das Herz unseres Herrn Jesus Christus zu sehen, als unser einziges und wahrstes Besitztum, da Sich unser Herr so an uns verschenkt hat, wie es sonst niemandem möglich wäre.

Es heißt im Evangelium, dass sogar die Haare unseres Hauptes gezählt seien, und das soll bedeuten, dass nichts dem Auge Gottes entgeht – also auch kein Besitz, und sei er noch so unbedeutend und verborgen.

Was haben wir an Besitz? O, sehr viel: Die Geborgenheit einer Heimat, eines Heimes, einer Familie, eines Menschen; ein reelles äußeres Besitztum, das wir an Kleidern, Büchern und Sonstigem unser eigen nennen; wir besitzen von Gott aus einen Leib und eine Seele, für die wir Rechenschaft ablegen müssen; wir besitzen Gesundheit, wir besitzen nicht zuletzt als großes Besitztum unseren geistigen Anteil in der heiligen Kirche, wir besitzen die Liebe der himmlischen Mutter, die Hilfe der heiligen Engel und das Herz unseres Herrn. Aber wir hängen meist an den kleinen Dingen und an unserem uns so wichtig erscheinenden Ich mehr als an diesem Größten: Dem Herzen Gottes.

Die Fürsten sind Engel des Lebens, und sie verwalten alles Leben auf Erden – auch das unsere. So ist also unser Leben auch ein Besitztum vor Gott – und vielleicht das größte, weil wir durch dieses Leben Gott Selbst besitzen dürfen im Heiligsten Brot. Was gibt es Größeres? Welches Besitztum reicht an dieses heran?

Dies alles lernen wir durch St. Serasel erkennen. Wir lernen die Wertung allen Besitzes vor Gott; wir wissen nun auch, mit welchem Recht er und alle Stillen Fürsten sich "Schutzengel der heiligen Kirche" nennen dürfen. Die ganze heilige Kirche stimmt ihren Besitz und die Wertung allen Besitzes nach dieser Richtlinie ab: Das Wort Gottes, die Liebe des Herzens Gottes, das Heiligste Brot.

Gebet: Herr und Gott, Du schenkst Dich uns täglich in unbegreiflicher Herablassung und Langmut, und jede solche Besitzergreifung von Dir bleibt in alle Ewigkeit als unser leuchtender Besitz festgehalten. Wie hast Du in Liebe voraus gesorgt, dass wir auch im Besitztum vor den Augen Deines Vaters und des ganzen himmlischen Hofes als die Deinen bestehen können! O Gott, wie können wir je vergelten, was Du an uns getan? Danken wollen wir Dir und Dich lobpreisen! Amen.

 

4. März – St. Ave 9. Chor

Das Ave Maria, zuerst im Kämmerlein von Nazareth durch Engelmund gesprochen, ist wie ein Senfkörnlein gewesen. Denn nun ist aus dem Ave Maria in der heiligen Kirche ein Baum geworden, der bis in den Himmel ragt. Der Engelsgruß wird in allen drei Ringen der neun Engelchöre gebetet, gesungen, gejubelt.

Es gibt Lieder und Bücher, es gibt Orden und Offizien, auf dem Ave Maria, der Marienverehrung aufgebaut. Es gibt auch große Engel, welche das Ave Maria wie eine leuchtende Schale tragen. Aber ihrer wird heute nicht so sehr gedacht, wie des Ave Maria in der Tiefe, das ein schlichter und doch wunderbar leuchtender Engel trägt: Der Engel dieses Tages, St. Ave, der die Marienglocke läutet. Er ist dem Chor der Gewalten zugeordnet, und zwar dessen letztem Drittteil, das den Willen Gottes in Ordnung und Harmonie hinausträgt in die Schöpfung und wieder hereinholt und vor Gottes Thron bringt. In diesem Drittteil sind zwei Engel, sowohl des Anrufes als auch der Antwort. Sie tragen den Anruf Gottes und die Antwort des Menschen, sie tragen den Schrei der Menschen zu Gott und die Antwort Gottes darauf. St. Ave trägt den Anruf des Menschen an Gott und die Antwort Gottes auf diesen Ruf aus der Tiefe gemeinsam mit dem Engel der Gewalt, St. Myriel.

St. Ave läutet die Marienglocke. Er steht in der dämmerigen Tiefe des Kirchenraumes, er steht wie hinter einem Vorhang. Das soll bedeuten, dass er die Dunkelheit des Menschen trägt, der doch eins mit der heiligen Kirche ist. Der Mensch sieht nicht in den geöffneten Himmel, wohl aber sieht der Himmel ihn, und Maria neigt sich über seine versiegelten Augen. Was wird das für ein "Ephetha!" geben, wenn die Zeit der Prüfung vorbei ist und Maria der Seele die Binde von den Augen nimmt!

Noch läutet der Engel: In Treue und Beharrlichkeit steigt das demütige, blinde Ave Maria des Menschen dem Glockenklang des Engels entgegen: Liebesgruß auf den Anruf jener, von denen der Herr sagt: "Selig, die nicht sehen und doch glauben!" – ihr Lohn wird groß sein im Himmel!

Gebet: Maria, himmlische Mutter, dir ist keine Tiefe zu tief und keine Ferne zu fern, um alle nach Gott hungernden und frierenden Seelen unter deinen Schutzmantel und in deine linden Arme zu nehmen.

Ich will kein besseres Los als die anderen, aber lobe du, Mutter, den Herrn für mich, liebe du, Mutter, den Herrn für mich und bitte, dass Gottes Wille an mir geschehe. Amen.

 

5. März – St. Aramphael 4. v. Chor

Die Engel der Endzeit, wie wir sie aus der Geheimen Offenbarung kennen, flößen uns Furcht und Schrecken ein. Und doch sind sie Engel der Liebe. Sie sind aus dem Chor der Herrschaften, welche direkt unter den Seraphim stehen und den Strom der Liebe, herabstürzend aus dem Herzen Gottes, von diesem ersten Chor aller Engel erhalten. Wie schwer wird es uns, zu begreifen, dass die Liebe Gottes auch schlagen kann und schwer verwunden, dass sie auch durch die Gerechtigkeit Gottes zu uns spricht! Es ist wirklich die Gerechtigkeit Gottes von uns Menschen leichter zu begreifen als die Liebe Gottes!

Heute ist ein solcher Engel der Endzeit unser Fürbitter. Was hat er bei uns zu tun? Ist es denn schon Endzeit? Nein; aber wir sollen ihn genauso kennenlernen wie seine Brüder, wir sollen ihnen lieben lernen; denn es sind nicht alle Engel der Endzeit so, dass wir bitten; "Geh vorbei, verschone uns!"

St. Aramphael gehört zu den Herrschaften, versiegelt für die Endzeit. Drei sind Gerichtsengel und drei sind Ernteengel. Sieben sind Zornschalenengel und sieben gehen aus, die Gemeinden Gottes in der Endzeit vor den Schrecken der höllischen Mächte zu versiegeln. Zu diesen letzten sieben gehört St. Aramphael. Er ist der Engel der Liebe, der Sehnsucht, des Strebens. Wenn sein Siegel gelöst wird, dann geht er aus, in den Gemeinden Gottes alles Streben, das den Kindern der Welt gleicht, zu versiegeln, es wird in diesen Gemeinden nur mehr das Harren auf den Herrn sein. Und er wird alle Tore dieser Gemeinden versiegeln, ihr Streben nach außen gegen die Welt zu, damit die Liebe drinnen wohnen bleibe. Er wird die Liebe Gottes in den Gemeinden versiegeln und durch diese Liebe Gottes werden sie geschützt und gesichert sein. So wird St. Aramphael die Gemeinden Gottes bewahren für seinen Herrn in der Kraft des Liebesstromes Gottes, der über den Seraph des Geistes, St. Amen, den Engel der Anbetung aus Liebe, und über St. Viraguel, den Engel des Heiligen Geistes und Träger des Wassers der Gnade, zu ihm kommt. Die Liebe wird alles schützen.

Gebet: Wollest uns behüten, Engel Gottes, wenn es dunkel wird auf Erden, von den dräuenden Angriffen der Gottlosigkeit; wollest die Liebe Gottes in unser Herz und in unsre Gemeinden einschließen und sie dort versiegeln, dass sie bei uns bleibe, bis Gott selbst die Tore öffnet und uns heimholt. Amen.

 

6. März – St. Shasel 6. Chor

Kampf ist immer ein Ringen, in welchem einer den anderen zu überwinden, zu besiegen trachtet. Und seitdem der Ersterschaffene Gottes, der Lichtträger-Engel, den Urkampf zwischen dem Geschöpf und seinem Schöpfer angezettelt hat und St. Michael, der demütige Knecht Gottes, ihn durch die Kraft Gottes besiegte, tobt der Kampf unentwegt in der Schöpfung bis zum Jüngsten Tag.

So ist Kampf immer das Aneinanderprallen von Gegensätzlichkeit. Das Licht kämpft mit der Finsternis und das Feuer mit dem Wasser, der Starke mit dem Schwachen und das Gute mit dem Bösen. Es wird nach außen und nach innen gekämpft, mit den Waffen des Geistes und den Waffen tierischer Leidenschaft, edel oder zäh oder brutal.

Es ist ein Engel des Kampfes, St. Shasel, der heute als Fürbitter vor Gottes Thron steht. Er kommt aus dem Chorteil der Stillen Fürsten, welche sich "Schutzengel der heiligen Kirche" nennen. Zu viert stehen sie als Ecksäulen neben einander: St. Dichael, der Engel der Anbetung und Hingabe im Verborgenen,

St. Manuel, der Engel der Bereitschaft und Nothelfer bei plötzlichen Angriffen und Unglücksfällen,
St. Phatiel, der Engel der dienenden Barmherzigkeit, und
St. Shasel, der Engel des Kampfes als demütiger Knecht.

Ecksäulen sind sie, und wir erkennen daraus deutlich, was Gott für so groß und stark in Seinen Augen befindet, dass es tragende Kraft für das Reich Gottes auf Erden bedeutet.

Und es sagt uns gleichzeitig, dass wir auch selbst solche Ecksäulen vor Gott werden sollen, eine der vier Aufgaben der genannten Engel förmlich in unser Lebensprogramm aufnehmend, aber die anderen drei Aufgaben damit verbindend.

Vielleicht am schwersten wird uns die Aufgabe St. Shasels, denn es ist viel leichter, als Hochgemuter zu kämpfen denn als Dienmütiger, weil sich in das Hochgemute die Selbstsicherheit mischt, während der Dienmütige sich nur auf Gott stützt. Nur zu leicht wird aber – und das hat Gott vorausgesehen – aus dem Hochgemuten ein Hochmut, ein selbstsicherer Stolz, und das Herz kühlt aus, die liebende Unterordnung unter Gott weicht dem "Ich bin Ich!" Luzifers.

Darum steht St. Shasel, der Stille Fürst, unter St. Michael, dem Hohen Fürsten, als Vorbild und Helfer hier. So lässt Gott ihn erkennen.

Beide Engel sind Kämpfer, beide kämpfen mit der Waffe der Demut. Was für ein Unterschied ist denn zwischen beiden? Die Waffe St. Michaels ist die Demut als Kraft Gottes, die Waffe St. Shasels ist die Demut als Hauch Gottes. Hörst du den Unterschied heraus, Seele? Die Demut als Kraft Gottes richtet sich nach außen, vor allem gegen die angreifenden Mächte der Finsternis; die Demut als Hauch Gottes richtet sich nach innen, um die Seele des Menschen durch die demütige, werbende Liebe Gottes zu besiegen, um sie durch den Hauch Gottes in die Knie zu bringen zum Kleinsein- und Nichtsein-wollen vor Gott.

Gebet: Fürst der Demut, bekämpfe unsern Stolz bei Tag und Nacht, damit uns Gott, wenn Er in unser Herz einziehen will, als Besiegte und als Sein restloses Eigentum finde und Er als Sieger in uns wohnen bleibe in Ewigkeit. Amen.

 

7. März – St. Anarim 3. Chor

Wir können uns die Engel nur in einer für uns verständlichen und daher gültigen Gestalt, der des Idealmenschen, des verklärten, jugendlichen Menschen vorstellen.

Dies mag auch bei den Engeln des 9. Chores, welche den Menschen am nahesten sind, gelten, ebenso bei den Schutzengeln, welche ja alle für die Dauer ihres Schutzengeldienstes auf Erden dem 9. Chor der Engel zugewiesen sind um der liebenden Gerechtigkeit Gottes willen, damit kein Mensch bevorzugt oder benachteiligt sei.

Je höher es aber in den Chören Gott zugeht, desto vergeistigter wird die Gestalt in ihrer wahren Wesenheit. Und nur, wenn Gott solche Engel als besondere Boten zu uns sendet, nehmen sie eine menschenähnliche Gestalt an, damit wir sie und das Wort Gottes, das sie zu uns tragen, fassen können.

Wir können daher mit Recht sagen, dass die Engel vielgestaltig sind, aber als Geistwesen für uns verborgen, da ihre Wesenheit so groß und erschreckend ist, dass sie uns zerschmettern würde. Heute steht ein solch gewaltiger Engel aus dem 3. Chor, dem Chor der Throne, vor Gott als unser Fürsprecher. Er ist so gewaltig, wie es auch der Heilige dieses Tages, Thomas von Aquin, ist. So kniet der Mensch zwischen diesen beiden himmelan ragenden Säulen und schaut, von ihnen gelenkt, auf zum Himmel.

Die Throne sind Engel des Lebens: Sie stehen, Säulen, Riesen gleich, an ihrem Platz, und ihre Arme sind wie ungeheure goldene Torflügel, um das Leben aus Gott aufzufangen, das über ihr Angesicht strömt wie Wasser und Feuer, wie Licht und Glut und das sie hinunter gegen die Schöpfung zu als "Werde!", als Leben durch die Gnade Gottes weitergeben.

Während die ersten beiden Chöre der Seraphim und Cherubim noch ein jubelndes Einssein der Geschöpfe mit Gott durch die Liebe wie durch die Kraft der Weisheit darstellen, haben die Throne schon ein doppeltes und klar ausgeprägtes Hinschauen hinauf zu Gott wie hinab zur Schöpfung. So bilden die ersten drei und sieben Throne förmlich den Thron hinauf in die innerste Herrlichkeit der Unfassbarkeit Gottes und die anderen drei und sieben Throne den Thron der Herablassung Gottes in der Schöpfung, hinabschauend bis in die Tiefen des gebrochenen Menschen.

St. Anarim gehört zu den ersten sieben Thronen, von denen das Wort gilt: "O Gott, Der Du auf Engeln thronest." Aber es ist schon Gott inmitten Seiner Schöpfung, und die Engel, die ihn tragen, haben auch schon dieses Hinneigen Gottes, Der die Schöpfung will. Sie sehen also gleichsam wie Berge aus, die an ihrer oberen Breitseite den Dreieinigen Gott als Thron tragen, deren Spitze aber schon die Sendung in sich trägt. So hat dieser Engel die gebündelte Kraft der Wesenheit der einzelnen Schöpfungen, vor allem aber die Seelenkraft des Menschen als Aufgabe zu tragen bekommen. Da nun aber eine einzige Seele so viel wert ist vor Gott wie eine ganze Welt – was hat dieser Engel zu tragen!

St. Anarim sieht mit seinem Angesicht auf den Sohn, Den der Vater von Ewigkeit her gezeugt, für Den die Schöpfung geschaffen wurde. Dieses Zugewendetsein des Angesichtes bedeutet das Hingeordnetsein der ganzen Wesenheit; und hier bedeutet es: Kraft der Gegensätzlichkeit. Denn die Kraft der geschaffenen Seele wird vom Ungeschaffenen Gott wie von einem ungeheuren Magnet angezogen und wieder ausgesendet. Die Kraft der Unsterblichkeit der Seele bettet Gott in die sterbliche Hülle des Leibes. Starke Seelen braucht der Herr, Thronen der Engel gleich, die nicht wanken, nicht stürzen, sondern Ihn tragen von Geschlecht zu Geschlecht.

Gebet: Herr und Gott, nimm das "non sum dignus" ("ich bin nicht würdig") unserer Seelen an und erfülle sie mit Kraft, nur Dich, Der Du alles bist, hinein in die Schöpfung zu tragen. Amen.

 

8. März – St. Chochmah 4. Chor

An diesem Tag, da die heilige Kirche den Bekenner und Ordensstifter Johannes von Gott feiert, steht vor dem Thron des Allerhöchsten der siebente der zwölf Engel von Wort und Antwort, St. Chochmah, der in die Blüte aller Schöpfung die Weisheit trägt. Von dieser Weisheit spricht der Introitus der Tagesmesse und in der Epistel wird aus dem Buch der Weisheit gelesen: "Selig der Mann ..., der dem Golde nicht nachging und nicht auf Geld und Reichtum seine Hoffnung setzte ..." Gott will, dass Engel und Heilige unsere Helfer und Fürsprecher seien und wir von beiden lernen sollen.

So setzt er zu diesem Heiligen der Barmherzigkeit den Engel der Weisheit und die heilige Kirche verbindet beide in ihren Messopfertexten. Denn die Weisheit Gottes ist voll Verständnis und Liebe gegen die Schöpfung und die Liebe und Barmherzigkeit Gottes gibt sich dem Menschen in der Weisheit einer Mutter. Wunderbares vollbringt ein Mensch in seinem Leben, der beides erfasst hat: Die Liebe Gottes und die Weisheit Gottes.

St. Chochmah ist als Engel des 4. Chores, der Herrschaften, ein Engel der Liebe, er trägt die Weisheit Gottes als Engel der Liebe. Er ist anzusehen wie eine Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes, ausstrahlend in Liebe die Weisheit des Vaters wie einen lodernden Feuerberg, darauf der Mensch die Gesetzestafeln erhielt; – ausstrahlend die Liebe des Sohnes, Der uns die Mutter gab, die Mutter der Liebe, den Sitz der Weisheit; – ausstrahlend die Weisheit des Heiligen Geistes als das Licht der Gnade und der Heiligkeit, verschlossen und unerkannt für die Welt wie ein Buch mit sieben Siegeln. So ist er dreifach, eine dreifache Weisheit in Liebe gleich einer Blüte hineintragend in die Schöpfung, in die Erlösung, in die Heiligung – aber auch wieder dreifach die Antwort bringend: Die Antwort an den Vater in der gelebten, aktiven Weisheit, wie sie uns der Heilige dieses Tages weist; die Antwort an den Sohn in der Weisheit Mariä, die dem Schatz im Acker gleicht; die Antwort an den Geist, im Jubel der Engel, in der ewigen Anbetung.

Gebet: Allmächtiger, Dreieiniger Gott, der Du ebenso die Weisheit wie die Liebe und das Erbarmen bist, lass uns Dich anbeten und preisen durch Maria, durch alle Heiligen, durch alle Engel, in Ewigkeit. Amen.

 

9. März – St. Dichael 5. Chor

Die Engel stehen als reine, selige Geister um uns und über uns, sie begleiten, mahnen und leiten uns und tragen unsre Bitten himmelwärts. Aber wir können sie weder mit unseren irdischen Augen sehen, noch mit unseren irdischen Ohren hören, noch ihre Hand sichtbar und spürbar auf unsrer eigenen Hand ruhen haben. Gott weiß, wie gerne wir diese, unsre himmlischen Helfer besser, klarer erkennen und begreifen möchten. Aber Seine Weisheit verlangt von uns den blinden Glauben, die blinde Liebe, das blinde Vertrauen und wird uns darin zur Barmherzigkeit. Denn, achten und hören wir denn die Lehrer der Kirche, die Propheten, die Heiligen? "Selig, die nicht sehen und doch glauben", sagt der Herr und legt die schönere Krone auf den blinden Glauben – über die Krone für den Glauben und über die Rechtfertigung für das Wissen, das verpflichtet.

So ist es gut, dass dieser Engel, welcher heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht, unsern irdischen Augen verhüllt ist, denn seine strahlende Heiligkeit würde uns blenden und zu Boden schleudern. Er ist Gewalt, dem V. Chor der Engel angehörend, und trägt die Gewalt der Liebe des Dreieinigen Gottes zu Seiner Schöpfung. Und der Posaunenton seiner Stimme würde uns betäuben, obwohl diese Liebe, die er trägt, uns so viel zu sagen hat.

St. Dichael ist es, die Ecksäule der Liebe Gottes als Gewalt, und er sagt: "Die Liebe Gottes ist ewig, merke es dir, o Mensch! Niemals ist sie zu Ende, niemals lässt und verlässt sie dich, außer du wirfst selbst das Tor der Hölle hinter dir zu. Die Liebe Gottes ist unergründlich, du kannst sie nicht fassen, noch begreifen.

Kannst du verstehen, dass die Liebe des Dreieinigen Gottes dir nacheilt und dich zu bezwingen versucht, sobald du auf der Flucht vor ihr erschöpft innehältst? Die Liebe Gottes ist gewalttätig, sie wartet nur auf den Augenblick, wo du dich ihr ergibst, um dich zu schmelzen, in Glut umzuwandeln. Die Liebe Gottes ist dunkel, sie verlangt, dass du die Tiefe des Nichtsseins vor Gott suchst, ehe sie dich ins Licht der Augen Gottes bringt; sie verlangt ein Gott-Schenken aus Liebe ohne Anspruch auf Belohnung. Sie reicht dir das Kreuz und die Dornenkrone, wo du lechzest nach dem Pulsschlag des liebenden Herzens Gottes. Die Liebe Gottes ist nüchtern, sie geht in Unerbittlichkeit deinen Schwächen nach und reibt an deinen verwundbaren Stellen, ohne deines Jammems zu achten. Ja, sie wirft dich in den Abgrund zerschlagener Hoffnungen, bitterer Enttäuschungen, damit du dich im Sturz selber verlierst und sie dich unten in der Tiefe als Nichts, wie ein kleines Kind auffangen kann und nicht mehr du selbst für dich willst und entscheidest, sondern sie für dich will und denkt und entscheidet. So ist die Liebe Gottes!"

Gebet: O Liebe Gottes, sei Du der Brand, der meinen Eigenwillen zu Asche macht, sei du der Hammer, der meine Herzenshärte zu Scherben schlägt, sei Du das Meer, das meine Eigenliebe verschlingt, dass sie nie mehr zum Vorschein kommt! O Du Gewalt, zwinge mich zu Boden und lege mir das Joch der Liebe auf, dann will ich dir danken in Ewigkeit! Amen.

 

10. März – St. Chiloel 6. Chor

Heute steht vor dem Thron des Allerhöchsten St. Chiloel, der Stille Fürst, der Schutzengel der heiligen Mutter Kirche, der Engel der Gelassenheit.

Er steht vor dem Herrn in einem weiten, dunklen Mantel und man kann nicht erkennen, wo die großen Flügel aufhören und der Mantel anfängt. Vor sich hat er einen hohen, verschlossenen Krug und er stützt sich auf ein blankes und blitzendes Schwert. Seine Lippen sind fest geschlossen, aber aus seinen Augen bricht die in Willenszucht gehaltene Liebe und Treue und die bedingungslose Bereitschaft.

So ist die Gelassenheit vor dem Herrn: Schweigend, aber wach, mit dem blanken Schwert des Sieges, vor allem über sich selbst, mit der Ruhe des Überwinders, des Überwinders auch jeder Unruhe. Sie kommen zur Gelassenheit, die Armen, die Reinen, die Traurigen, die von den Menschen Verschmähten und Verfolgten um Christi willen, die Zeugen des Glaubens. Sie alle bringen den vollen Krug mit, sie sind auf Erden gekeltert worden zu Wein für die himmlische Hochzeitstafel. Nun sind sie förmlich verschlossen, wie man den besten Wein verschließt und aufhebt. Sie stehen über den Dingen als Sieger um Gottes willen. St. Chiloel ist nicht nur der Engel der Gelassenheit; als Fürst und "Schutzengel" hat er zum irdischen Verwaltungsbereich die Nordländer, er ist also auch unser Engel. In einem gewissen Gegensatz zu den feurigen Südländern stehen wir ja, und so liegt unserer Natur ohnedies die Gelassenheit, aber bedenken wir, dass es eine heilige Gelassenheit sein soll, die mehr ist als angeborene Schwerblütigkeit und Kühle des Herzens wie des Geistes. Die heilige Gelassenheit steht im Gnadenstrom des Lebens und der Liebe, sie ist wie die Göttliche Gegensätzlichkeit in der einfachen Wesenheit: Wach in aller Ruhe, dienbereit als Sieger, Kreuz und Krone in einem.

Gebet: Großer Fürst unserer Länder, lehre uns die heilige Gelassenheit, wie sie Gott von uns haben will, die Gelassenheit, die alles um Deinetwillen gelassen hat, die bei allem Tun immer doch ruht in Gott. Amen.

 

11. März – Die Engel der Passion

Die Engel der Passion sind an keinen Chor gebunden. Jeder Chor der heiligen Engel hat mehr oder weniger in seinen Aufgaben Bezug auf das Erlösungswerk und dies umso stärker, je näher der Chor den Menschen steht.

Im Chor der Gewalten sind, wie schon der Name andeutet, jene Engel der Erlösungstat, welche die Wucht des Göttlichen Willens zum Kreuz, die vom Himmel zur Erde herabstürzende Kraft des Keltertreters tragen, die himmelstürmende Gewalt des Passio Domini, des Sieges auf Golgotha. Tausende von Engeln der Passion stehen in der Mitte der Engelchöre um St. Sederim; denn gibt es eine größere Gegensätzlichkeit als die Gewalt des Willens der Allmacht zur Ohnmacht, die St. Sederim auf seinen Schultern lasten hat, mehr als die Gewalt der Torheit des Kreuzes über allen Triumph der Hölle?

Unter den Engeln der Passion steht an oberster Stelle jener sechsgeflügelte Cherub St. Oriphiel, der dem Herrn am Ölberg den Kelch reichte. Er hat die Augen geschlossen, seit er den Herrn in Todesnot sah; er wird sie erst wieder öffnen, um der Braut Christi in ihrer Todesnot den Kelch der Stärkung zu reichen.

Dann stehen da die Geißel-Engel; sie sind Mahnung, Hilfe, Gewalt, die aufrütteln und stärken gegen die Versuchungen des Fleisches und des Geistes.

Und da stehen die Engel mit der Dornenkrone; jeder Dorn ist ein Lösegeld für unsere Sünden der Schwachheit, der Feigheit, des Hochmuts, der Ichsucht. Alle diese Engel wecken in uns die Unruhe zu Gott, wecken das schlafende Gewissen und bringen die Gewalt der Umkehr zu Gott. Wem sie solch einen geheiligten Dorn in die Seele senken, der kommt nicht mehr von Gott los, sein verwundetes Herz wird selbst zum Angelhaken der Liebe und wird den Kreuzweg des Herrn gehen in heiliger Zielstrebigkeit.

Und da stehen die Engel von Golgotha, welche die tiefsten und gewaltigsten Geheimnisse der Erlösung tragen: Die Engel mit den Nägeln und Marterwerkzeugen, mit dem Blut des geopferten Gotteslammes, mit dem Wasser des Todesschweißes.

Niemals werden wir die Wissenschaft des Kreuzes zu Ende studieren.

Wie die Perlen um den funkelnden Diamant der Erlösung stehen die Engel der Passio Mariä um die Erlösungstat des Herrn. Niemals können wir vom Triumph der Himmelskönigin sprechen, ohne dieser Engel ihrer Passion gedacht zu haben. Sie werden uns beim Gericht die gewaltigsten Fürsprecher sein, denn sie sind die Träger der Gewalt der Mutter.

Gebet: Heilige Engel der Passio Domini, reißt alle scheinheiligen Kleider und Masken von uns, damit wir vor Gott stehen als Sünder in unserer wahren Gestalt, schuldig am Blut unseres Herrn! Heilige Engel der Passio Mariä, breitet den barmherzigen Mantel der Mutter über uns, damit die Fürbitte der Schmerzensreichen unser Hochzeitskleid sei. Amen.

 

12. März – St. Ephasiel 5. h. Chor

Die großen heiligen Kirchenlehrer und Päpste sind wie Säulen im Bau der heiligen Kirche, im Himmel wie auf Erden. Darum ähneln sich die Symbole der großen Kirchenlehrer, die schon vor Gottes Thron knien, und die Symbole der Engel der Hohen Gewalten, welche als Zeugnis des Bundes Gottes mit Seinem Volke bestellt wurden.

Heute feiert die heilige Kirche das Andenken an den heiligen Papst Gregor der Große, und wir sehen ihn in seinen Händen ein Buch tragen und den Schlüssel. Das Buch ist das Zeichen für das Wort Gottes. Mit dem Wort Gottes hat St. Gregor das Leben der Kirche in seiner Zeit gefestigt und erneuert. Mit dem Wort Gottes hat er ganze Völker bekehrt, mit diesem Wort, das sein Leben und seine Nahrung war, ist er in den Kampf der Geister gezogen, dieses Wort ist das Ruhekissen geworden in seinem Sarg. Der Schlüssel ist das Zeichen für die Gewalt St. Petri, die auch auf ihn übergegangen ist "... und Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben ..."

Zu diesem großen Papst stellt Gott St. Ephasiel, die Hohe Gewalt, den Engel St. Petri und aller Apostel, Bischöfe, Lehrer und Priester. Auch dieser Engel trägt Buch und Schlüssel und seine Gestalt ist so machtvoll, er könnte selber der Fels sein, auf dem die heilige Kirche steht. Aber St. Ephasiel trägt noch ein Symbol, das ist das umgekehrte Kreuz St. Petri, das Zeichen seiner Demut, sein Siegeszeichen. Mit diesem Kreuz geht St. Petrus den heiligen Päpsten voran und dieses Kreuz ist die Angel des Gerichtes für jeden Priester in der Nachfolge St. Petri. Denn so hoch Gott den Priester heraushebt aus dem Volk, so tief muss sich der Priester selber beugen. Das Petrus-Kreuz sollte in jedem Priesterherzen den Diener des Herrn mahnen an die Demut und die wahre Nachfolge St. Petri.

Nur der kann das Wort Gottes als Vermächtnis tragen, in dem es heiliges Leben geworden ist, sonst erschlägt ihn einst dieses Wort als Schwert in der Hand des Richters.

Gebet: Herr und Gott, Du hast uns durch Deine Engel und Heiligen den Weg gewiesen über das Wort und die Liebe; gib uns auch die Kraft, diesen Weg in Demut und Treue zu gehen, im Zeichen des Kreuzes, das uns Rettung und Heil ist. Amen.

 

13. März – St. Johar 4. h. Chor

Ein Engel, der wie ein Spiegel Göttlicher Liebe nach allen Seiten Strahlen aussendet und ebenso ununterbrochen die Strahlen der Göttlichen Liebe empfängt, wird dem geistigen Auge heute durch die Barmherzigkeit Gottes sichtbar.

Es ist St. Johar, der Opferschalen-Engel. Er steht im 4. Chor der Engel, im Chor der Herrschaften, in jenem Drittteil, das, der Liebe des Vaters zugewendet, schon die ganze Schöpfung zu allen Zeiten und allen Orten mit der Liebe Gottes durchdringt und die Antwort des Geschaffenen Gott entgegenhält. Sie sind ihrer sieben, und sie stehen unter jenen sieben Engeln aus dem gleichen Chor, welche in ihren leuchtenden Schalen die Gaben des Heiligen Geistes tragen – im von uns fassbaren Bild von Licht (Erkenntnis) und Wasser (Gnade, Weisheit), Öl (Rat) und Wein (Starkmut), von Weihrauch (Gottesfurcht) und leuchtender Glut der Gottseligkeit.

Die sieben Opferschalen-Engel bilden durch ihre Gestalt gleichsam den Fuß des Kelches, durch ihre zu Gott emporgehobenen Arme die Silhouette des Kelches: Der eine Arm weist hin auf das Opfer des Alten Bundes, der andere Arm auf den obersten Opferpriester Jesus Christus. So trägt:

Der erste der Sieben das Lob-Opfer Abels, aber auch das Lob-Opfer Jesu Christi durch Seine Geburt;
der zweite das Weihe-Opfer Melchisedechs, aber auch jenes des Herrn durch Seine Darstellung im Tempel;
der dritte das Dank-Opfer Abrahams, aber auch jenes des Herrn zu Epiphanie;
der vierte das Bitt-Opfer Moses, aber auch jenes des Herrn am Ölberg;
das fünfte das Sühn-Opfer Davids, aber auch jenes des Herrn im Richthaus zu Jerusalem;
der sechste trägt das Versöhnungs-Opfer des ganzen Lebens Mariä, wie auch jenes des Herrn mit seinem Höhepunkt beim Abendmahl;
der siebente endlich trägt das Blut-Opfer von Golgotha. Die Martyrer-Opfer aller Zeiten und Orte sind hier beschlossen als eins im Herrn.

St. Johar trägt das Sühn-Opfer der ganzen Menschheit, und wir sehen es an David, diesem Geliebten, dem Stammvater Jesu Christi, dass nicht einmal der Gerechte aus sich heraus frei bleiben kann von Schuld; er fällt "siebenmal am Tage". Darum hat Jesus Seine schmachvolle Gefangennahme, den Verrat durch Seine Apostel, Seine peinigenden Verhöre bei Annas und Kaiphas, Seine Geißelung und Dornenkrönung und endlich Seine Verurteilung durch Pilatus und Sein eigenes Volk als Sühn-Opfer Seinem himmlischen Vater dargebracht. An der Größe dieses Opfers erkennt man die Größe der Schuld. Auch unsere eigene Schuld hat Jesus auf Sich genommen, auch für uns ist Er das lebendige Sühn-Opfer geworden. Und wir? Wir jammern schon, wenn wir bei der heiligen Beichte etwas mehr Buße bekommen, wenn wir für einen eigenen Fehltritt Sühne leisten müssen. Wir halten uns für solche Lieblinge Gottes, dass wir glauben, der Sühne und Buße nicht zu bedürfen. Gilt des Herrn Wort: "Komm und folge Mir nach!" nur für das Mitgehen bis zur Kommunionbank? Gott verlangt mehr von uns: Wir sollen nicht nur für unsere eigene Schuld einstehen, sondern auch für die Schuld unserer Brüder und Schwestern. – Tun wir das?

Gebet: Herr, gib mir die Kraft, doppelt lieben zu dürfen für alle jene, die Dich zu wenig lieben, Dir doppelt treu zu sein für alle jene, welche Dir die Treue gebrochen haben, gerne Dir das Kreuz nachzutragen für jene, welche ihr Kreuz weggeworfen haben. Amen.

 

14. März – St. Hazel 6. Chor

Die ganze Schöpfung ist rein aus der Hand ihres Schöpfers hervorgegangen, und sie spiegelt ihren Herrn und Gott in Seiner Weisheit und Schönheit, Kraft und Allmacht in tausend Weisen; sie ist ein einziges Lied der Verherrlichung Gottes. Auch die Materie, die erdhafte Natur, ist von Gott geschaffen. Sie ist das große Ackerfeld, das Fundament für den Aufbau von Pflanze und Tier. Und auch vom Menschen heißt es: "Gott nahm den Staub der Erde und formte daraus den Menschen und hauchte ihm den Odem des Lebens ein". Selbst wenn die Gelehrten beweisen wollen, dass der Mensch ein Entwicklungsprodukt sei, so bleibt doch sein Leib aus Materie und seine Seele als Hauch des Lebens aus Gott. Über alles hat Gott Seine Hand ausgestreckt und Sein "Werde!" gesprochen, und nichts ist so klein und gering, dass Gottes Vaterauge nicht darauf geschaut hätte. Alles steht unter diesem Göttlichen Schutz: Die Welten der Sterne wie das Gewimmel der kleinen Ameisen, und über alles hat der Herr Seine Engel als Verwalter und Durchführer der Göttliche Ordnung gesetzt.

Der Chor jener Engel, welche "die Verwaltenden" heißen, ist der Chor der Fürsten. Und ein solcher Fürst steht heute als Fürbitter da: St. Hazel, der Fürst über das Salz der Schöpfung. Gott zeigt ihn uns mit einem ehrwürdigen Antlitz, wie es oft Ältere haben, und eine große Weite und Stille ist darin. Man wird an ein Meer erinnert, das von den Kielen der Schiffe durchfurcht wird, an einen umgepflügten Acker eines Menschenlebens, das seine Prüfung bestanden und wahrhaft Salz geworden ist der Welt, wie Gott es von uns will. St. Hazel hält einen gläsernen Würfel in der Hand wie ein Haus, darin sich das Licht Gottes dreifach bricht und aus dem die Strahlen nach allen vier Seiten herausbrechen. Das soll bedeuten, dass die Gnade als ein Licht Gottes vom Vater her einbricht als Mahnung: "Ihr seid das Salz der Erde ..."; dass ebenso die Gnade vom Sohn her uns als die Gnade der Liebesreue, der Tränen gegeben ist; dass endlich die Weisheit des Geistes uns das Salz in der Schöpfung als Bild der Reinigung und Läuterung darstellt, des Bewahrens vor Fäulnis. Und das Ausstrahlen dieses Lichtes aus dem gläsernen Würfel in der Hand des Engels bedeutet das Überfluten der Gnade nach allen Orten und über alle Zeiten als Ordnung und Läuterung, als Bewahrung und Reinigung, als Kraft und Scheidung.

Im Bilde des Salzes ist auch die Gabe und Gnade der Tränen inbegriffen. Tränen sind beim Kinde etwas Natürliches, beim erwachsenen Menschen können sie Schwäche wie Freude, Reue wie Kummer oder Schmerz ausdrücken. Aber jene Tränen aus Zorn oder aus Schauspielerei sind die Vergewaltigung des Guten durch das Böse, wie wir es immer wieder finden; denn die Tränen sind uns von Gott als eine natürliche Erleichterung einer inneren Spannung gegeben, sollen aber nie der Sünde dienen. Als unser Herr am Ölberg die qualvollen Stunden der Todesangst durchlitt, rannen Seine Tränen hernieder, und als Er fast an dieser Qual der Angst zerbrach, mischten sich in Seine Tränen Hunderte von Blutstropfen aus Seinem ganzen Körper und heiligten das Wasser durch das Blut. Und wenn wir heute in das Weihwasser Salz geben, so ist das nicht bloß Bild der Reinigung und Läuterung, Bewahrung und Kräftigung durch die Wasser der Gnade, es ist für die heiligen Engel dieses Weihwasser mit Salz ein Bild für die Tränen der Gottesmutter, die sie hinauf hält zu Gott als fürbittende Allmacht, um Gnade für uns zu erflehen.

Gebet: Bewahre unser Herz und unsere Zunge, heiliger Engel, dass wir rein denken und sprechen und unser Tun nicht wie schales Salz von Gott verworfen werde. Erbitte uns die Gnade der Reuetränen und hilf uns, Gnade zu finden vor Gott durch die Tränen der Schmerzensmutter. Amen.

 

15. März – St. Eliazim 6. Chor

Leuchtend, zart und hell wie eine Blüte aus Licht steht heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron St. Eliazim, der Fürst der Gnade. Er ist einem leuchtenden Samenkorn gleich – Bild des Mannah, welches die Menschheit auf ihrem Wege durch die Wüste dieser Zeit einfach braucht als Nahrung, wenn sie nicht verhungern und ihr jede Kraft von Gott her und zu Gott hin schwinden soll.

Er ist von reiner, in sich geschlossener Zartheit – Bild der Hostie, des Geopfertseins, Brunnenstube der Gnade. Das schuldlose Opferlamm, das reine Priestertum, das geheilte Kindsein vor Gott spiegelt sich in ihm.

Wie eine Blüte hält er sein Haupt Gott hin, so dass sein Angesicht überflutet ist vom Licht der Liebe Gottes – Abbild Mariens. Er sieht völlig ungeschützt aus, förmlich wie eine Herausforderung an die ganze materialistische Welt, an das ganze dräuende Reich Satans. Den weiten Mantel um sich geschlagen, hält er mit beiden Händen dem Herrn das Herz Mariens entgegen, das die ganze Liebe und Barmherzigkeit Gottes mit unwiderstehlicher Gewalt an sich zieht und in Strömen von Gnade über die heilige Kirche und die ganze Menschheit fließen lässt.

Eines ist uns unverständlich: St. Eliazim steht im Chorteil der Versiegelten Fürsten. Wieso kann je die Gnade Gottes versiegelt sein oder werden? Da brauchen wir nur das Evangelium durchzulesen: Wenn unser Herr vom Weltgericht erzählt (Matth 24,37-44), dann erinnert Er an die Tage Noahs: Die Menschheit würde dahinleben in ihren Sünden, und die Gnade Gottes würde, wäre sie nicht Gottes ewiges Kind – solange es Gott gibt, gibt es auch Gnade – aussterben. So aber wird sie zum Samenkorn, das die Guten in sich aufnehmen bis zu dem Tage, an welchem Gott die Scheidung für das Endgericht beginnen wird. Er sagt dazu: "Da werden zwei auf einem Felde sein: Der eine wird aufgenommen (der die Gnade in sich trägt), der andere bleibt zurück." Wenn die Tage des Zornes Gottes beginnen und die Siegel der Engel alle gelöst werden, dann stellen die Versiegelten Fürsten ihre Tätigkeit ein und harren des Befehles Gottes. Es wird nichts mehr aufgebaut in der Schöpfung, sie wird dem Verfall preisgeben. Und die Gnade Gottes bleibt in den Herzen jener Menschen, welche sie in den Tagen der Prüfung und Bekenntnistreue aufgenommen haben. Die aber nicht rechtzeitig zur Einsicht kamen (siehe Apk. 16,9,1), können auch keine Gnade mehr erwarten. Wer die Zeit des Gnadenrufes versäumt hat, muss nun sehen, wie die Liebe Gottes sich zur Gerechtigkeit Gottes wandelt und jedem seine Ernte wird, was er gesät hat. Schon jetzt gilt der heißeste Kampf des Bösen diesem Engel der Gnade. Seinetwegen wünscht sich Satan den ersten Posaunenstoß zum Gericht herbei, denn dann legt St. Eliazim seine Aufgabe in die Hände seiner Königin zurück, und nur mehr sie allein kann durch ihre Fürbitte ein mildes Urteil erbitten.

Gebet: Du Königin aller Engel, du Gnadenmittlerin, vergiss unser nicht, wenn wir vor das Gericht Gottes geladen werden! Hilf uns, dass die Gnade in unserer Seele beheimatet bleibe und wir durch sie die Milde Gottes erfahren dürfen! Amen.

 

16. März – St. Ubiel 6. v. Chor

Wie eine gewaltige, holzgeschnitze Heiligenfigur steht er vor unseren Augen, die Arme weit ausgespannt und so in seiner Silhouette ein Kreuz bildend, wie ein Engel der Heiligung aller stofflichen Schöpfung. Er hat seine Augen wie zwei leuchtende, ganz aus der Tiefe kommende, brennende Öllampen der Bereitschaft unverwandt auf den Herrn gerichtet und hat als Symbol eine Säge neben sich. Es ist St. Ubiel aus dem Chor der Versiegelten Fürsten; St. Ubiel ist Fürst über einen Baustoff der Erde, das Holz.

Aus seinem Verwaltungsbereich ist das Zeichen der Schmach gekommen, an dem unser Herr auf Golgotha hing. Durch den Tod unseres Herrn am Kreuzesholz ist dieses Holz geheiligt und zum Siegesholz geworden, Zeichen der Erlösung der Menschheit, Zeichen der Torheit den Feinden Gottes. Zeichen des Sieges für alle, die in den Fußstapfen Jesu Christi gehen. Alles Holz steht unter dem Schutz und Segen dieses Fürsten. Aber auch alles geistig Verholzte, Verkrüppelte, aller Misswuchs, besonders an jungen oder durch Unglück niedergeworfenen Seelen, soll diesem starken Engel mit der Bitte um Abhilfe vorgelegt werden. Deshalb hat er ja als Symbol die Säge, welche bedeutet, dass er die Kraft hat, das Hohle, Taube, Wurmstichige abzuschneiden und aus allen Balken, die uns der Böse als Prügel zwischen die Füße wirft, ein Kreuz zu zimmern, das uns Siegeszeichen der Erlösung und Unterpfand von Gottes Barmherzigkeit ist.

Lasst uns ihm, dem Verwalter des Holzes, auch die millionenfache Not der Vertriebenen empfehlen, dass er ihnen allen bald wieder einen Dachstuhl über den Resten der zerrissenen Familien bereite. Lasst uns ihn auch für jene bitten, die aus besonderem Holz das Bild unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz, das Bild der Gottesmutter, die Bilder der Heiligen schnitzen, dass ihnen die Gnade sei, das Unsagbare doch würdig und auch ergreifend zu gestalten. Lasst uns dann auch für jene ungezählten Armen zu ihm aufblicken, die ein Bündel Holz im kalten Winter wie eine wahre Himmelsgabe begrüßen würden, dass er es ihnen sende durch jene guten Menschen, die noch nicht ausgestorben sind in unserer kalten Zeit.

Gebet: Herr, allmächtiger Gott, der Du das Holz auserwählt hast zu Deinem Siegeszeichen, lass uns durch die Hilfe des Engels, der das Holz behütet, jedes Kreuzholz lieben und gern auf unsere Schultern nehmen.

Lass uns denken, dass Krippe und Kreuz, der Tisch, an dem wir essen, und der Sarg, in den wir einst gelegt werden, aus Holz sind. Amen.

 

17. März – St. Chesed 4. Chor

Die Liebe Gottes ist unausschöpfbar. Sie ist wie ein tausendflächiger Kristall, und jede Fläche zeigt eine neue Seite der Liebe. Darum gibt es auch nicht bloß einen Engel der Liebe in den himmlischen Heerscharen, sondern Tausende; und jeder trägt die Liebe und trägt sie anders und einmalig.

Wir brauchen nur vom Engel der Liebe aus dem Herzen Gottes herab diesen Gnadenstrom zu verfolgen, wie er von Chor zu Chor, von Engel zu Engel den Menschen die Liebe Gottes entgegenträgt: Die Liebe des Vaters, des Sohnes, des Geistes, und wie diese Liebe die ganze Schöpfung durchflutet, unabsehbar bis in die kleinsten Geschöpfe, die weitesten Sterne.

Die Herrschaften – der 4. Chor – sind solche ganz besonders im Gnadenstrom der Liebe stehenden Engel. Sie tragen in ihrem obersten Drittteil die Liebe des Geistes zum Vater und zum Sohn hinab gegen die Schöpfung zu und von ihr herauf zum Himmlischen Jerusalem. Sie tragen in ihrem mittleren, versiegelten Drittteil die Liebe des Sohnes zum Vater und Geist als Engel der Endzeit, wo die Liebe Gottes zur eifernden Gerechtigkeit Gottes wird. Und sie tragen in ihrem untersten Drittteil die Liebe des Vaters zum Sohn und Geist hinein in die Schöpfung als Schönheit, Macht und Harmonie; und jener, welcher die Harmonie in die Blüte aller Schöpfung legt, steht heute als Fürbitter vor Gottes Thron: St. Chesed, der Engel der Harmonie der Liebe Gottes in Anruf und Antwort. Sie sind ihrer zwölf, welche die Liebe in ihrer Vielfalt hinein in die Schöpfung wie in ein Ackerfeld legen und die Frucht daraus wieder dem Himmel zurückgeben, und zwar:

Als Maß und Gesetz und Wahrheit, als Liebe und Ehrfurcht und Gerechtigkeit, als Weisheit und Schönheit und Harmonie, als Macht und Stärke und Triumph Gottes.

St. Chesed trägt in dieser Gruppe als neunter der Zwölf die Harmonie der Liebe Gottes. Er trägt sie als die Schönheit und Gesetzmäßigkeit und Weisheit Gottes hinein in die Blüte alles Erschaffenen; er trägt sie als Wahrheit und Gerechtigkeit und Glut der Liebe Gottes hinein in die Kraft und Spannung und (scheinbare) Gegensätzlichkeit der Erlösung; er trägt sie in Macht und Stärke aus der Schöpfung hinauf in der Heimholung des Geschöpfes zu Gott.

Darum ist St. Chesed auch anzusehen einem Lichtring gleich, dreifach leuchtend nach innen wie nach außen, gleichsam mit Augen nach innen wie nach außen, mit Flügeln nach innen wie nach außen, in einer Schönheit sondergleichen. Im Kern dieses Lichtringes trägt er die sonnengleiche Scheibe – Bild des Heiligsten Brotes – wie einen Spiegel, in dem man alles sieht, vom Dreieinigen Gott angefangen bis zum kleinsten Staubkorn auf Erden, einfach alles, in der wunderbaren Harmonie Gottes, in der alle Eigenschaften der Liebe in der Vielfältigkeit des Einsseins mit Gott enthalten sind.

So ist der Engel eine große Mahnung an uns: Diese Göttliche Harmonie in der Welt erkennen zu wollen im Zeitenablauf wie im Aufbau aller Dinge wie in unserm Leben. Selbst wenn die Sünde und ihre Folgen eine Disharmonie in unserm Sein wie in unserm Tun hervorrufen, immer bleibt das Bild Gottes in unsrer Seele, von dem wieder Harmonie ausstrahlt, wir müssen sie nur suchen und sehen wollen. Die harmonische Kinderstube und Familie, das harmonisch gepflegte Heim, das harmonische Verhältnis zwischen Seele und Leib, zwischen dem Ich und dem Du und dem Wir, zwischen Arbeit und Ruhe, zwischen Mensch und Engel und Gott, – dies alles soll, von Gott kommend und zu Gott führend, die große Harmonie der Liebe Gottes vollenden.

Gebet: Herr und Gott, Der Du von uns willst, dass wir die Schönheit und Harmonie der Liebe Gottes in uns aufnehmen, sie leben und sie hinaustragen in den Alltag, gib uns Kraft, sie wie unser Hochzeitskleid Dir rein und unversehrt wiederzubringen trotz aller Angriffe des Bösen, der uns zu einem Hohnmal der Disharmonie machen will. Amen.

 

18. März – St. Diachiel 6. Chor

Er trägt ein Herz in seinen Händen, und aus diesem Herzen entspringt eine Quelle, die wie ein kleiner Wasserfall über die Schöpfung springt und rieselt. Kniend hält er dieses Herz seinem Herrn und Gott entgegen. Auch er trägt wie seine Brüder St. Manuel, St. Shasel und St. Phatiel die weiße Knechtsbinde über die Stirne, obwohl sie alle Fürsten sind ihrem Range nach und zu den Ecksäulen der Stillen Fürsten gehören. Er ist St. Diachiel, der Engel des verborgenen lebendigen Lebens der heiligen Kirche, der Engel der verborgenen Anbetung.

Die Stillen Fürsten sind die Schutzengel der heiligen Kirche. Sie sind Verwalter der irdischen Länder, aber auch der Diözesen, Abteien, Pfarreien, Kirchengebiete. Sie dienen da und dort, wo sie der Herr einsetzt, als Nothelfer, im besonderen Dienst Mariens, in Notzeiten der Kirche, an gefährdeten Orten.

St. Diachiel steht über den bedrängten Ländern des Ostens und spannt von ihnen zu jenen Orten in der heiligen Kirche, wo das Göttliche Herz unseres Herrn in besonderer Glut und Liebe angebetet wird, den Bogen der Hilfe, der Gnade, des lebendigen Wassers. So bleibt das lebendige Leben der heiligen Kirche auch in ihren fernsten und oft äußerlich ganz abgeschnittenen Teilen wach und lebendig bestehen. So wie das Wasser aus dem Herzen des Herrn als Wasser des Lebens in der heiligen Kirche ununterbrochen quillt und fließt, so ist auch die verborgene Anbetung, die oft unter schwersten Belastungsproben steht und nur Gott offenbar wird, einem Herzen gleich, aus dem der Quell des lebendigen Wassers der Gnade wieder über andere fließt. Aus der Geborgenheit der heiligen Kirche fließt der Segen der Anbetung hinüber in die bedrängten Länder und auch sie antworten in verborgener Anbetung, nur nicht in Geborgenheit, sondern in Bedrängnis. Beide Arten der Anbetung sind wie befruchtendes Wasser über dem Acker der heiligen Kirche, und Bekenner und Lastträger und Opferseelen und Märtyrer werden aus diesem Boden kommen.

Gebet: Mein Herr und mein Gott, Du hast gesagt: "Wenn du beten willst, so geh in deine Kammer". Unsre Kammer ist das Herz und so soll unser Gebet immer aus dem Herzen und nicht nur von den Lippen kommen, denn die Lippen sind die Straße, die alles offenbar macht. Gib uns die Gnade, Herr, dass Dein Engel uns die Liebe zur verborgenen Anbetung ins Herz senke, damit unser Herz immer in Deinem ruhen möge. Lass uns durch diese unsere verborgene Anbetung auch befruchtende Quellen für jene bedrängten Gebiete erschließen, in denen die öffentliche Anbetung des verborgenen Gottes verhindert wird, die verborgene aber dennoch weiterbesteht. Amen.

 

19. März – St. Aglai 1. Chor

Einen Seraph zu beschreiben, dass er allen verständlich wird und doch er selbst bleibt in seiner Wesenheit, das wird mit menschlichen Ausdrucksmitteln nicht möglich sein.

Es ist schon schwer, einen Engel zu beschreiben, den eigenen Schutzengel, der doch nur Licht und Kraft des 9. Chores besitzt. Jeder Chor aber ist nach aufwärts siebenmal stärker an Licht und Macht und wird siebenmal schwerer fassbar und beschreibbar. Wie groß ist dann der Unterschied zwischen dem letzten und dem ersten der neun Chöre der heiligen Engel!

Und so ein Engel des 1. Chores, der am Gottnahesten ist, betet heute Gott an im Namen St. Josephs und des ganzen Corpus Christi Mysticum: St. Aglai, "Der Insich-alles-Seiende". Die Seraphim sind die höchsten Geistgeschöpfe, die es gibt in der ganzen Schöpfung, sie spiegeln den Dreieinigen Gott am klarsten wider, denn sie sind drei und doch nur einer, sie spiegeln Gott nach innen und nach außen und nach allen Seiten, sie haben Augen innen und außen und Flügel nach innen und nach außen. Sie sind in ununterbrochener, lebendiger Bewegung und entfernen sich doch nicht von Gott. Sie tragen die Wesenheiten Gottes als die ersten und nächsten geschöpflichen Spiegel, und sie spiegeln diese Wesenheiten nach links und rechts zu ihren Brüdern, mit denen sie immer zu drei und drei eins sind, und spiegeln diese Wesenheiten nach abwärts über den Strom der Liebe den niederen Chören und den Menschen zu, und sie spiegeln diese Wesenheiten wie eine Antwort, wie ein Spiegelbild wieder zurück, Gott entgegen.

So ist auch St. Aglai. Sie sind drei und doch einer; einer von ihnen ist St. Eheie, der Seraph des Vaters, der die Wesenhaftigkeit Gottes als die Einfache Wesenheit Gottes widerspiegelnd trägt. Der andere ist St. Jod, der Seraph des Sohnes, der die Göttliche Idee (des Einströmens Gottes in die Schöpfung), das "Werde" weitergibt. Der dritte ist St. Aglai, der Seraph des Geistes, der auf den In Sich Selbst alles Seienden Gott zeigt. Er ist, um ihn mit stammelnden Worten erklärlich zu machen, wie ein ungeheurer sprühender und in allen Farben leuchtender Wasserfall, der in sich leuchtet und nach außen leuchtet, um wieder alles in sich fließen und leuchten zu lassen.

Es ist ein Liebesgeschenk Gottes an St. Joseph, um ihm die Ehre zu geben vor allen Engeln und Heiligen, dass sich der, der da arm und gering und Zimmermann war, nun in der Antwort eines Seraphs an Gott in seiner Wesenheit spiegelt. Maria, die Braut des Geistes, spiegelt sich in St. Jod, dem Seraph des Sohnes, Joseph, im Seraph des Geistes, St. Aglai. Jesus Christus aber spiegelt sich in St. Eheie, dem Seraph des Vaters. O wunderbares Ineinanderfließen in Einheit und Gegensätzlichkeit! Freue dich, Mensch, dass deine Mutter, die Magd des Herrn, dass Joseph, der einfache Mann aus dem Volk, von den höchsten Seraphim, den Schöpfer preisend, so dem Dreieinigen Gott entgegengehalten werden!

Gebet: Heiliger Joseph, du stiller, bescheidener Mann und Nährvater der heiligen Familie, wie sehr zeichnet Gott dich vor allen Engeln und Heiligen aus, dass ein Seraph des Heiligen Geistes die Schönheit deiner Seele Gott als Antwort entgegenhält. Lasse dieses Licht deiner Seele über die Engel auch bis zu uns kommen, damit wir deinen Weg der einfachen Pflicht mit dieser Ruhe und Sicherheit gehen, wie du ihn gegangen bist. Amen.

 

19. März – St. Pachad 4. Chor

"Unter den Fittichen Seiner Treue wohnt die Gottesfurcht." Was soll das bedeuten?

Die Fittiche sind das Bild eines lebendigen, weiten Behütens. So sind wir zu allen Zeiten und an allen Orten unter der Göttlichen Treue geborgen, wie ein Vöglein seine Jungen unter seine Flügel birgt, wie der Engel seine Flügel um seinen Schützling schlägt. Nicht mit Zittern sollen wir zu Gott wie zu einem unnahbaren Tyrannen aufschauen, nicht in Ketten will uns die Gottesfurcht schlagen zu willenlosen Sklaven. Geborgen sollen wir sein, Frieden sollen wir finden und in Vertrauen zu Ihm aufschauen, Dessen Treue uns behütet. Aber in voller Klarheit sollen wir auch wissen, wer Gott ist. Darum muss im Glauben wie in der Liebe, in der Weisheit wie in der Wahrheit immer die Gottesfurcht vorhanden sein. Dies zeigt uns klar St. Pachad, der Engel der Gottesfurcht, welcher heute vor Gottes Thron als unser Fürbitter steht.

Er hat in seinen Händen eine große Schale voll Salz, und er sagt: "Siehe, Gottesfurcht ist das Salz der Schöpfung. Es reinigt dein Herz und bewahrt es in der rechten Stellung vor Gott. Weißt du nun, warum die Reuetränen dir so salzig erscheinen und den Spiegel der Gotteserkenntnis und der eigenen Schwäche so klar machen?

Gottesfurcht ist die Wurzel aller Gottesordnung in der Schöpfung. Sie ist die Grundlage des rechten Verhältnisses zwischen dem Geschöpf und seinem Schöpfer.

Gottesfurcht ist die Wurzel der Gottesliebe. Um der Liebe zu Gott das rechte Fundament zu geben, muss der Mensch Gottesfurcht haben. Durch sie wächst die Liebe gerade wie ein Baum Gott entgegen.

Gottesfurcht ist die Wurzel alles Gottesstrebens und aller Tugenden. Wie eine Speise ohne Salz schal schmeckt, weil ihr der Kern, die Würze fehlt, so sind die Tugenden kraftlos, wenn nicht die Gottesfurcht die Kraft des Willens stählt, auch über Prüfungen die Tugend zu bewähren.

St. Pachad gehört zu den zwölf Engeln aus dem Chor der Herrschaften, welche im Namen des Vaters ausgehen in die Schöpfung, die Liebe in zwölffacher Art einzupflügen für den Sohn, für Den alles geschaffen wurde. Und diese Zwölf kehren wieder heim im Namen des Geistes mit der Antwort der Gott zugewandten Schöpfung, tragend den Triumph der Wahrheit und Weisheit, der Gottesfurcht und der Ordnung, der Harmonie und Schönheit der Liebe Gottes. Wie zwölf befruchtende Wolken stehen sie über der Schöpfung; wie zwölf leuchtende Regenbogen steigen sie wieder empor. Die Seraphim leiten den Gnadenstrom der Liebe über sie, und das Sanctus der Engel und der Menschen läutet von der Schöpfung herauf, das Rauschen der Quellen und Wälder, das Dröhnen der Wogen und Wasserfälle dringt empor, und alle Kreatur gibt Antwort ihrem Schöpfer. So ist St. Pachad auch Vorbild für uns: Die Majestät Gottes nimmt uns unter die Fittiche ihrer Treue, indem sie uns in die Weisheit und Schönheit, in das Maß und in die Ordnung, in die Wahrheit, Liebe und Stärke des geordneten Schöpfungsablaufes einbettet. Keine Angst brauchen wie zu haben, aber die Gottesfurcht wird uns die rechte Antwort der Liebe finden lassen: Die Ehrfurcht vor Gott. Und damit lernen wir auch die Ehrfurcht vor allen Geschöpfen, die uns Zeugen der Liebe Gottes sind.

Gebet: Groß und gewaltig bis Du, Herr der Heerscharen, und unfassbar ist die Liebe, mit der Du Dich Selbst entäußerst, um uns an Dich ziehen zu können. Lass uns Dir dafür danken in der jubelnden Gottesfurcht des von Dir geliebten Eigentums! Amen.

 

20. März – St. Ochotiel 5. n. Chor

In der Prüfung spalteten sich die Engel in Getreue und Ungetreue. Seither stehen sie im Kampf. Die Guten ziehen nach aufwärts, die Bösen nach abwärts.

Von den Gewalten ist die Hälfte mit Luzifer in die Tiefe gestürzt, vor allem die Naturgewalten. Es ist dies in der Sicht auf das Reich Gottes und die neun Chöre der hl. Engel in dieser Art gekennzeichnet, dass der Boden zwischen den himmlischen und höllischen Gewalten förmlich am dünnsten ist und immerfort zittert von der Wucht der gegenseitigen Spannung.

Ein Engel der Gewalt ist es, der heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht. Es ist St. Ochotiel, der Engel der Schwerkraft. Wir alle wissen, dass die Schwerkraft ein Naturgesetz ist. Diese behütet St. Ochotiel. Wenn der Widersacher nicht so starke Gegner unter den himmlischen Gewalten hätte, so wäre die Gesetzmäßigkeit auf Erden schon längst in die Brüche gegangen. Die soll uns bei St. Ochotiel erinnern, in welch stiller Treue er sich gegen die Zerrüttungsversuche und Umsturzangriffe der feindlichen Gewalten stemmt, um die Ordnung im Ablauf der Schöpfung aufrechtzuerhalten. Er hat als Symbol ein Lot, das an einem mit Querstrichen versehenen Dreieck befestigt ist. Breit und wuchtig steht er vor seinem Herrn wie ein Leuchtturm, auf den man sich verlassen kann. Zu seinen Füßen steckt ein Schwert, bis ans Heft im Boden versunken. Das Symbol St. Ochotiels soll uns auch an die Schwerkraft unserer irdischen Triebe gemahnen; wenn wir sie nicht durch ein festes Seil an Gott verankern, dann ziehen sie uns mit Wucht nach abwärts. Und je erdhafter wir uns anfüllen, umso schwerer hat es der Engel, uns hinaufzuziehen, denn alles in uns zieht dann nach unten. Das im Boden steckende Schwert aber soll den Kampf Gottes gegen den Abgrund, den Schlamm, den uns erstickenden Boden andeuten; unser Verhältnis zu allem, was uns nach abwärts zieht, soll ein Verhältnis des Kampfes sein. Das Dreieck, das im Lot befestigt ist, deutet auf die Souveränität Gottes über alle Gesetze der Schöpfung; die Querstriche sind Maßverhältnisse sowohl für das Naturgesetz der Schwerkraft als im geistigen Sinn für die Läuterungsgrade unserer Seele.

St. Ochotiel steht unter den Gewalten im dritten Drittteil, das den Willen Gottes zum harmonischen Ablauf der ganzen Schöpfung trägt, das den Willen Gottes in der Schöpfung festlegt und für dessen Durchführung sorgt. Alle Engel für den geordneten, gesetzmäßigen Ablauf der Schöpfung stehen in den Reihen der Gewalten, weil der Ansturm der höllischen Gewalten von ihren eigenen, Gott treu gebliebenen einstigen Brüdern abgehalten werden soll.

Gebet: Heiliger Engel Gottes, löse mich von der Schwerkraft meiner Triebe, die nach unten ziehen, und verleihe all meinem Streben die Wucht, bis zum Herzen Gottes vorstoßen zu können. Amen.

 

21. März – St. Belohim 3. Chor

Er ist ein Thron, dieser Engel, ja eher wie ein ungeheurer Turm sieht er aus. Seine Füße stehen breit auf der Erde, seine ungeheuren Flügel verlieren sich im Wolkendunkel. Er sammelt in sich wie in einer himmelhohen Opferschale allen in Gott getragenen Starkmut, alles Martyrium und alles Bekennertum, das um Gottes willen erlitten und ertragen wurde. Er hält die Gesetzestafeln flach über sich wie eine Patene; sie sind der Thron des Sohnes, des Herrn und Heilandes Jesus Christus, unseres Erlösers.

Im obersten Ring der Anbetung rund um den Thron des Allerhöchsten stehen die am schärfsten ausgeprägten, ja, man könnte sagen, extremsten Engelchöre, die Seraphim, die Cherubim und die Throne.

Die Seraphim sind die Engel der Liebe; sie sind nur Liebe, lebendigste, bewegteste Liebe, mit Augen innen und außen, mit Flügeln innen und außen, um sich selbst und um Gott sich drehend, Licht und wieder Licht. Die Cherubim sind die Engel der Kraft, des Wortes, sie sind nur Kraft, Erkenntniskraft und Anziehungskraft, Stoßkraft, Expansionskraft, Bindekraft. Sie sind wie aufwärts zuckende Flammen, wie abwärts sausende Schwerter, sie sind sechsgeflügelt und dreigesichtig. Die Throne sind die Engel des Lebens, sie sind nur Statik, sie sind verankert in Gott und in der Schöpfung nach allen Seiten, sie tragen das "Werde!" und das zu Formende und Geformte wie Eckpfeiler, wie Säulen, ihre Flügel sind schwer und wuchtig wie die Türen der Flügelaltäre.

Die Seraphim sind dreimal sieben und die Cherubim sind dreimal sieben weniger einen. Die Throne aber sind drei und sieben und nochmals drei und sieben und noch einer dazu, St. Aralim Enneth, der den Willen Gottes über Luzifer und sein Reich trägt.

St. Belohim, der heute vor unseren Augen steht, gehört zu den zweiten sieben Thronen. Diese tragen das schon Geformte, Geschaffene. Sie sind, in unseren Begriffen ausgedrückt, wie die Zentralregierung, die Zentralverwaltung, die Ministerien. St. Belohim ist der Thron des Starkmutes, der Standhaftigkeit, der Gesetzestreue, des Lebens innerhalb der festen Struktur der Gebote und Ordnungen Gottes. Durch ihn werden der Starkmut und die Standhaftigkeit in das Leben des Menschen geleitet, das Feuer der Liebe wird durch ihn starkmütig und der dunkle Glaube voll Leben und Standhaftigkeit. Er vermittelt den Märtyrern und Bekennern die Kraft bis zum Ende und reißt ihnen die Sicht auf den Thron der Herrlichkeit Gottes auf.

Gebet: Heiliger, starker, unsterblicher Gott, lass uns nie wanken in der Treue zu Dir, im Glauben an Dich; gib uns die Gnade des Starkmutes, damit wir Dich bekennen und Dein Blut unser Blut werde. Amen.

 

22. März – St. Cadiel 6. h. Chor

So wie Kopf und Herz nahe beisammen sind und einen Körper bilden, so liegen die Hingabe Jesu im Abendmahlsaal, da Er Sich als Speise den Seinen gab, und die Hingabe Jesu auf Golgotha, da Er Sich für die ganze Welt hingab, nahe beisammen. Und wie Christus, der Gekreuzigte, unser Haupt ist, so ist Christus als Brot unser Herz.

Ein Engel und ein Heiliger stehen heute vor Gottes Thron: Der eine steht hier für Christus den Gekreuzigten, der andere steht hier für Christus als Brot. Der für Christus den Gekreuzigten vor Gottes Thron steht, das ist der große Heilige der Schweiz, Nikolaus von der Flüe. Er ist dem Kreuz gefolgt und hat alles verlassen um des Gekreuzigten willen, mit dem Kreuz hat er seinen Siegeseinzug in den Himmel gehalten.

Der für Christus als Brot vor Gottes Thron steht, das ist ein Engel aus dem Chor der Fürsten, die als Verwalter der Schöpfung bestellt sind; es ist St. Cadiel mit dem Symbol des Brotes; er nennt sich "Wandlung Gottes" und ist der Verwalter des spendenden Lebens in der heiligen Kirche.

Die Hohen Fürsten, zu denen St. Cadiel gehört, sind Engel Mariens und tragen als besonderes Kennzeichen dieser ihrer Würde den blauen Mantel. Auch stehen sie zu zwei und zwei um Maria, ihre Königin, sie sind zwölfmal zwei, wie zwölf Doppelsterne um die Himmelsgestalt der Allerreinsten.

Weil sie zu zweit stehen, so soll auch jenes Engels gedacht sein, der zu St. Cadiel wie ein Bruder gehört; das ist St. Sadiel, der Engel der Kirche, der Anbetung, der Ehrfurcht vor Gott. Wie wunderbar ergänzen sich doch beide Engel: St. Cadiel, der das Brot trägt und das lebendige Leben in der Kirche hütet, und St. Sadiel, der Träger des lebendigen Lebens in der heiligen Kirche und der Hüter des heiligsten Altarssakramentes, der als Symbol die Leuchte hat; einer behütet die Aufgabe des anderen, beide stehen sie um das Zentrum der heiligen Kirche, Gott in Brotsgestalt.

St. Cadiel hat die Arme weit ausgespannt; er trägt über die ganze Spanne seiner Arme wie auf einer Patene die ringende Menschheit. Auf der Patene liegt als Symbol das Brot; es gilt gleicherweise für unseren Herrn, in dem die ganze Menschheit beschlossen ist, als für alle im Herrn Geopferten; aus dem Brot entspringen Quellen, die werden zu Strömen der Gnade für die ganze heilige Kirche.

Gebet: Wie Du, Herr, unersättlich bist in Deiner Liebe zu uns, lass uns um dieses Deines Engels willen unersättlich sein nach Dir, nach dem Brot, nach dem lebendigen Leben, das Du bist, unser Herr und unser Gott. Amen.

 

23. März – St. Chasim 7. Chor

Immer in diesen Frühjahrstagen erneuert sich das Andenken an die Erlösungstat unseres Herrn Jesus Christus. Darum legt die heilige Kirche an jedem Tag der Fastenzeit einen eigenen Messtext vor und auch Gott, der Gütige und Barmherzige, lässt neben den feststehenden "Tagesengeln" auch für alle beweglichen Feste des Weihnachts- und des Osterkreises sowie der Pfingstauswirkung einen besonderen Engel als unseren Fürbitter vor Seinem Thron stehen.

Über das ganze Kalenderjahr stehen die zwölf Engel der Macht der heiligen Kirche. Sie haben nicht nur die Zeiten unter sich, auch die ganze Struktur der heiligen Kirche, ihr inneres und ihr äußeres Leben, ihre Stände und die heiligen Orte.

Einer dieser zwölf Engel ist heute Fürbitter: St. Chasim, der Engel des Osterfestkreises. Wir wissen, dass die heilige Kirche den Osterfestkreis von Septuagesima an spannt. Er umfasst die Vorbereitungszeit, bestehend aus der Vorfasten- und der eigentlichen Fastenzeit, und dann die Osterzeit.

Die Mächte der Kirche stellen in ihrer Zwölfzahl die Antwort der geheiligten Schöpfung, der Kirche, an den Dreieinigen Gott dar im Namen der Engel, während die zwölf Apostel dieselbe Antwort im Namen der Menschen bringen. So gehören auch immer ein Engel der heiligen Kirche und ein Apostel der heiligen Kirche wie eine Säule zum Bau der heiligen Kirche im Himmel und auf Erden. Und wenn wir im Kirchenschiff die zwölf Kreuze als Zeichen für die zwölf Apostel sehen, so denken wir dabei an die 12 machtvolle Engel, die mit den heiligen Aposteln die unzerstörbare Kirche auf dem Felsen Petri stützen und behüten. Jeder der zwölf Engel trägt den Namen eines der zwölf Apostel auf seiner Brust und gibt diesen Namen weiter an die zwölf großen Engel auf den Toren des Neuen Jerusalem, welche ebenfalls die Namen der zwölf Apostel tragen.

St. Chasim trägt den Namen des Völkerapostels Paulus, der Christus wütend verfolgte, bis ihn vor Damaskus das Wort des Herrn vom geistigen Tod zur Auferstehung für Christus weckte. St. Chasim sieht aus wie eine mächtige Säule. Seine Füße stehen auf Golgotha, aber sein Blick geht über die heilige Stätten hinaus auf alle Kreuzstätten der heiligen Kirche auf Erden, bis hinein in den aufgerissenen Himmel, wo die letzte Verklärung und der letzte Osterjubel des auferstandenen Corpus Christi Mysticum in Ewigkeit nicht mehr enden wird.

Gebet: Heiliger Engel, lass uns deine Worte vom Leiden und Sterben unseres Herrn zur Mahnung und zum Wegweiser sein, damit wir dereinst im Osterjubel auferstehen können. Amen.

 

24. März – St. Gabriel 8. Chor

Über St. Gabriel, den großen Verwalter der Erde, den Engel der Hoffnung, zu schreiben, das würde viele Seiten ausmachen. Heute soll er vor uns stehen als Engel der Verkündigung.

Wir alle kennen das Evangelium vom Quatember-Mittwoch im Advent (Lukas, 1. Kap. 26.-38. Vers), das so beginnt: "In jener Zeit ward der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas mit Namen Nazareth zu einer Jungfrau gesandt ..." St. Gabriel steht hier in der Mitte, in der Fülle der Zeit, am Höhepunkt des ganzen Schöpfungsgeschehens. Er bringt den Wunsch Gottes zur allerreinsten Jungfrau, er steht hier mit der größten und wichtigsten Botschaft, die Gott je in die Schöpfung sandte, der Botschaft von der Menschwerdung Gottes. Er steht vor Maria, denn er ist der Abgesandte Gottes, und es ist ohne den ausdrücklichen Willen Gottes keinem Engel gegeben, in das Herz des Menschen hineinschauen zu können. So weiß er wohl um die Erhabenheit dieses Geschöpfes Gottes, er weiß die Verheißungen, die sich an die Geburt seines Herrn und Gottes knüpfen, aber noch ist Mariens Ja nicht gefallen, noch trägt er das Verlangen Gottes zur Menschwerdung unerfüllt mit sich. Erst als in die Stille hinein die Stimme der Jungfrau, das "fiat mihi" erklingt, das sie zur Mutter Gottes, zur Schmerzensreichen, zur Königin macht, da sinkt der große Bote Gottes in die Knie. Er ist der erste, der seinen Herrn im Moment der Eingießung in den reinsten Leib anbetet. Monate vorher stand St. Gabriel vor Zacharias, auch mit einer Verkündigung, jener der Geburt des heiligen Johannes. Aber Zacharias wollte nicht glauben. Der Engel schlug ihn mit Stummheit.

Täuschen wir uns nicht über die Macht der Engel! Wenn sie auch unsichtbar sind, sie sind da. Und wenn sie auch nicht laut zu uns reden, sie hören desto besser und unser Herz hört sie auch sehr gut, nur wollen wir es oft nicht wahrhaben. Die Engel sind Boten Gottes, immer sind sie im Auftrage Gottes um uns. St. Gabriel ist nicht nur der Erzengel, der die Priester und Gottgeweihten, die Verborgenen und die Knechte und Mägde Gottes behütet, der über dem heiligen Sakrament der Taufe steht, er ist auch der Hohe Fürst, der Verwalter der Erde, der mit dem Büchlein einst zur Abrechnung kommen wird. Und er ist der Verwalter des 3. Machtbereiches Mariens "Höret meine Stimme!"; er sammelt alle Schutzengel unter sich, die den Menschen die Hellhörigkeit und den flügelschnellen Gehorsam vermitteln. Als Engel vom Dienst ist er der Bote gewesen, der Träger der Worte Gottes an die Menschen. Er ist der Engel der Hoffnung und des Friedens.

Gebet: Heiliger Erzengel Gabriel, hilf uns zur Lauterkeit und Bereitschaft, hilf uns, Ruhestatt des Herrn zu werden. Amen.

 

25. März – St. Eloha 1. Chor

So still es im Kämmerlein zu Nazareth war, als St. Gabriel, der getreue Bote, mit dem Wort des Herrn zur Jungfrau Maria trat, so wenig still war es droben im Himmel, ehe St. Gabriel zu sprechen begann.

Droben, vor dem Thron des Allerhöchsten, traten die Engel der Sendung wie ein ungeheures leuchtendes Kreuz zusammen: Die Engel der Sendung des Vaters wie der Schwertgriff, geführt vom Vater Selbst, wie der Querbalken des Kreuzes; die Engel der Sendung des Sohnes wie der lange Schwertschaft, vom Himmel gegen die Erde zu, geführt vom Sohn Selbst; Engel des Geistes war einer in drei, ein dreigebündelter Seraph; er war der Knauf des Schwertes, das ein Kreuz war; gegen die Erde zu war die Spitze gerichtet.

Dieser Seraph an dem Knauf des Schwertes der Sendung steht heute vor unseren geblendeten Augen. Es ist St. Eloha, der sich nennt: "Der alles Wissende, der gerechte Gott." Er ist die Mitte jener Engelgruppe, die als "Engel der Sendung", von Gott aus Engeln verschiedenster Chöre zusammengestellt, zu wichtigen Aufgaben ausgesandt werden. Zu St. Eloha gehören in der Seraphsdreiheit seine Brüder St. Jai, Seraph des Sohnes, "Unser Gott", Träger der Verbindung Gott-Mensch, und St. Ananai, Seraph des Geistes, "Er wird euch alles lehren", Träger des Göttlichen Lehramtes.

Ist es nicht erschütternd, dass nicht die Liebe des Vaters, sondern die Gerechtigkeit des Vaters dieses Schwert gegen die zarte Jungfrau richten ließ? Und mit welch Göttlicher Sicherheit wusste der Vater, dass Maria allein imstande sei, als erste auf Erden dieses Schwert aufzufangen und in ihr Herz aufzunehmen: Das Wort, Das in ihr Fleisch wurde, dieses Wort, das durch die Erlösertat das größte Feuer auf die Erde geworfen hat, Das jemals die Schöpfung beleuchtete, Sich. Mag auch das "Urlicht" Luzifers ein gewaltiges Feuerwerk sein – gegen dieses Licht, Jesus Christus, ist es tiefste Finsternis, und das Licht hat die Finsternis besiegt.

St. Eloha ist Seraph des Vaters. Er spiegelt als höchstes Geistgeschöpf die Allwissenheit und Gerechtigkeit Gottes hinab auf die Erde. Und wenn der Sohn auch das Schwert ist, der Erlöser, so ehrt Er doch zu Anfang und immerdar den Vater. Wir können in St. Eloha, diesem ungeheuer erhellenden Blitz, wiederum die Untrennbarkeit des Dreieinigen Gottes nicht nur im Sein, sondern auch im Tun erkennen: Der Seraph des Vaters an der Spitze der Sendung des Sohnes und als Träger der Sendung des Geistes. – Wer kann die Gerechtigkeit und Weisheit und Liebe in diesem Geheimnis des Dreieinigen Gottes ausschöpfen!

Maria aber schaut dieses Schwert. Und was sie schauend und erschauernd ahnte, das sagt ihr kaum ein Jahr später der Prophet: "Und deine Seele wird ein Schwert durchdringen ...!"

Gebet: Gib, Herr, unseren Sinnen die Kraft zu erkennen, was Du von uns willst, und gib uns – jetzt an der Hand Deiner Engel – die Kraft zum "fiat mihi", das uns Maria vorgesprochen hat. Amen.

 

25. März – St. Malachiel 2. Chor

Nie werden wir die Gnaden Gottes erfassen können, auch kein Engel kann dies. Zitternd beugen wir uns, und zitternd beugt sich der Cherub vor Gott nieder, wenn Gottes Gedanke Wort wird: Wort des Lebens, Wort der Kraft, Wort der Liebe, dreifaches Wort, und doch ein Wort allein. Die Wucht dieser Gewalt des dreifachen Wortes Gottes hat der Cherub zu tragen. Ist es erklärlich, dass uns diese Engel vorkommen wie stürzende Berge, wie niedersausende Schwerter, wie ungeheure Flammen?

Auch sie sind dreifach; nicht so wie die Seraphim, die dreifach in ihrem ganzen Wesen sind, sondern dreifach in ihrem Antlitz. Jeder Cherub hat ein dreifaches Antlitz: Ein Antlitz dem Vater, eines dem Sohn, eines dem Geist zugewendet. So bilden auch hier drei Cherubim einen Cherub und sind doch drei. Sie sind nach den Seraphim die höchste geschöpfliche Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes. Drei Cherubim – und doch nur einer – sind heute vor das Auge Gottes gestellt; sie sind:

St. Jesod, der Cherub des Vaters; er trägt das Wort, das am Anfang war: "Alles ist durch das Wort gemacht worden";

St. Malachiel, der Cherub des Sohnes; sein Name ist: "Auge Gottes." Er trägt die Klarsicht auf Gott als Fundament und ist Engel vom Dienst in der Endzeit, die Menschen zur Klarsicht Mariens und der Engel führend und die zweite Posaune tragend;

St. Muriel, der Cherub des Geistes. Er ist der Begleiter der Apostel und trägt die Antwort an Gott – Maria – wieder in den Himmel.

St. Malachiel, dem guten Engel "Auge Gottes", ist die ganze Engelerkenntnis zu danken. Durch diesen Engel wird dem Menschen Klarsicht auf das Reich Gottes. Durch diesen Engel hat sich das Reich der himmlischen Geister den Menschen entgegen geneigt. So ist ihm wohl am meisten zu danken, dass er nach dem Willen Gottes, zur Ehre Gottes und in der Liebe Gottes uns einfache, armselige Menschen immer wieder einen Blick in die Herrlichkeit des Reiches Gottes tun lässt im Gebet, in der Betrachtung, im Ja-Sagen zu dem, was Gott mit uns vorhat. Was St. Malachiel in den himmlischen Reihen ist, sehen wir an den drei Cherubim. Sie senden die Lichtbahn des Wortes, der Kraft, abwärts: St. Jesod über den Engel Israels und den Engel der Geburt auf St. Gabriel; St. Muriel über den Engel des Gotteslobes und den Engel der Großmut Gottes ebenfalls auf St. Gabriel; St. Malachiel über die Sieben Brüder der Seele auf St. Gabriel. Hinter St. Gabriel schimmert immer St. Malachiel hervor. In der Apokalypse heißt es von ihm, ohne seinen Namen zu nennen, dass durch ihn ein großer, feuerglühender Berg ins Meer geworfen wird. Das ist das Schwert der Engel, das die Menschen zur Entscheidung zwingt für oder gegen Gott.

Gebet: Großer, guter Engel "Auge Gottes", wir bitten dich, gib dein Bemühen nicht auf, unsere Augen und unseren Geist zur Klarsicht für die ewigen Dinge zu öffnen. Amen.

 

26. März – St. Teliel 9. Chor

Ein riesenhafter Engel, doch schlicht wie ein Knecht, steht heute in der Barmherzigkeit Gottes vor unserem Auge, St. Teliel, der Engel der Liebe zur irdischen Schöpfung. Er ist aus dem 9. Chor und eigentlich der Träger der Liebe zur verborgenen, stillen, unberührten Schöpfung. Er untersteht St. Phanael, dem Engel der Macht der Liebe, der Weisheit der göttlichen Liebe. Aber Gott hat ihn der Himmelskönigin Maria zugewiesen als einen der zwölf Engel vom besonderen Dienst.

Maria, die Mutter des Menschgewordenen Wortes, ist nach ihrer Aufnahme in den Himmel zur Königin gekrönt worden und hat damit alle Würden und Rechte einer Königin erhalten. Die sieben Erzengel sind zu Verwaltern ihrer großen Machtbereiche gesetzt und außerdem versehen zwölf Engel den besonderen Dienst um den Thron ihrer Königin. In den sieben Machtbereichen werden sämtliche Schutzengel der Menschen gesammelt und betreut. Über die Schutzengel hat Maria noch leichteren Zugang zu den Herzen der Menschen, die sie für ihren Sohn erobern will. Die zwölf Engel vom besonderen Dienst vor Maria haben vor allem Verwaltungsaufgaben, feste und bewegliche, sie verwalten irdische und geistige Gebiete und vermitteln besondere Gnaden.

St. Teliel ist der siebente dieser zwölf Engel, er steht hier als der Engel der Natur. Er hat von Maria, der Königin der Erde, auch die Obsorge über die irdische Natur. Er hat für den geordneten Ablauf der Schöpfung, soweit sie Tiere, Pflanzen, Steine, Erde betrifft, zu sorgen, auch für ihre Verwendung durch den Menschen; er hat die Naturwissenschaften dem Menschen in der Blickrichtung auf Gott nahezubringen, er hat den gottverbundenen Menschen die Liebe Gottes zur Schöpfung immer sichtbarer werden zu lassen, er trägt als besondere Gnade, die mit dieser Aufgabe zusammenhängt, die Natürlichkeit, welche der Spiegel ist, den St. Roph, der Engel der Erde, Gott entgegenhält, darin sich die einfache Wesenheit Gottes in Liebe der Erde zu spiegelt. Wie ein Wanderer geht nun St. Teliel über Berg und Tal und schaut nach dem Rechten. Er ist Patron der Gärtner und aller Arbeiter in Feld und Garten und Wald, er bittet bei den Forschern um Rücksicht und Liebe zur stofflichen Schöpfung, die ja aus Gottes Vaterhand hervorgegangen ist. Er betreut in Liebe die verborgene Schönheit in der Natur und macht vieles heil, dass der Mensch zerstört hat.

Gebet: O heiliger Engel der Natur, lass uns die Schöpfung um uns im rechten Licht Gottes sehen, im Maß und in der Ordnung, damit wir gebrauchen, was Gott gebraucht wissen will und in und mit Seiner Schöpfung Ihn von ganzem Herzen loben und lieben. Amen.

 

27. März – St. Chochod 7. Chor

Die heilige Mutter Kirche ist die Trägerin des Vermächtnisses unseres Herrn Jesus Christus. Sie steht in Maria, der Mutter, vor unseren Augen, wenn sie und St. Johannes die ewigkeitsgültige Bestimmung Jesu annehmen: "Sieh deine Mutter – siehe deinen Sohn". Von hier aus geht das Wort "Mutter Kirche". Sie ist in geheimnisvoller Weise Kind, Braut und Mutter zugleich: Der Neue Bund Gottes des Vaters mit Seinen Kindern, die sagen dürfen: "Abba!" Sie ist die Mutter des Johannes, aller Priester, aller Menschen. Sie ist die Braut des Herrn im Geist, die ruft: "Kommt!" Sie ist die Ringende, Leidende und Triumphierende zugleich. Sie ist die Schatzwalterin des Wortes und der Kraft des Erlösers und aller Erlösergnaden in ihrem Lehramt, Hirtenamt und königlichem Priesteramt, zu allen Zeiten und an allen Orten.

Der große Engel, der heute in einem reichen Gewand und mit einem Buch mit Siegeln als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht, ist St. Chochod aus dem Chor der Mächte, dem siebenten der neun Chöre. Er ist der letzte der zwölf Engel der Macht der heiligen Kirche; er trägt die Macht der heiligen Zeiten.

Die zwölf Engel der Macht der heiligen Kirche sind die von Gott bestimmten Vertreter der heiligen Kirche in den Reihen der heiligen Engel sowohl von der Erde herauf als zur Erde hinunter. Denn alles, was die heilige Kirche auf Erden bindet, ist im Himmel gebunden, und was sie löst, das ist im Himmel gelöst. Die heiligen Zeiten der Kirche auf Erden werden zur gleichen Zeit wie eine herrliche himmlische Widerspiegelung droben vor dem Thron des Allerhöchsten gefeiert. So sind die heiligen Zeiten eine Macht sowohl auf Erden wie im Himmel. Auch Minuten sind Zeitablauf! Wie sehr wird das priesterliche Ego te absolvo über einen reuigen Sünder als Freude im Himmel gefeiert! Welche heilige Stille ist im Himmel, wenn auf Erden zur Heiligen Wandlung geläutet wird! Wir wissen selber von der Macht des Weihnachtsfestes, z. B. in der Christmette, die auch die fernstehenden Taufscheinkatholiken ergreift. Wir wissen von der Macht der Karwoche und dem Jubel des Osterfestes, das auf der ganzen zivilisierten Welt in irgendeiner Form, sei es selbst in einer verzerrten, gefeiert wird. Ist nicht die Auferstehung des Herrn das Symbol des Anfanges eines neuen Lebens, von der ganzen Natur nach den Gesetzen des gütigsten Vaters schon vorausbestimmt? Diese Macht der heiligen Zeiten trägt St. Chochod vor Gottes Thron und holt die Macht heiliger Orte und Stände mit herein. Damit ist vor unseren Augen das Bild der heiligen Kirche wohlgefügt, "und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen".

Gebet: Herr, an Deine eigenen Worte wollen wir uns halten. Wir wollen Dich, Herr, an uns binden, denn es will Abend werden auf der Erde. Großer, heiliger Engel der Kirche, stehe uns bei! Amen.

 

28. März – St. Boromim 4. v. Chor

Es ist, als wäre die Endzeit angebrochen. Dunkel und dräuend wälzen sich über die Erde die Wetter und Drohungen der Mächte des Abgrundes. Blitze flammen über den Himmel. – Da steht vor dem Thron des Allerhöchsten ein fast schwarz anmutender Engel, majestätisch, und doch erschreckend mit seinen schier ins Unendliche wachsenden Flügeln. Es ist St. Boromim, einer der Versiegelten Engel aus dem Chor der Herrschaften.

St. Boromim ist Ecksäule. Die Ecksäulen verbinden den Ring der Anbetung um den Thron des Allerhöchsten über allen Himmeln. Sie stehen an den vier Enden der Schöpfung und werden von allen Chören des mittleren Ringes der Allmacht und Ordnung Gottes gebildet. Aus jedem der Chöre mit ihren Unterteilungen sind die vier stärksten Engel wie Säulen übereinandergestellt; so sind sie viermal neun Engel. Die obersten vier Engel ragen schon in den Ring der Anbetung hinein.

St. Boromim steht mit noch anderen drei in diesem gewaltigen Haus Gottes gleichsam am Kapitäl, knapp "unter dem Dach der Schöpfung", versiegelt für die Endzeit. Seine Begleiter sind:

St. Urim, der die gefesselte Liebe Gottes als Lebenskraft, als drängende Bewegung dieser Liebe hin zur Schöpfung trägt;

St. Saddim, der die gefesselte Liebe Gottes als Wasser der Gnade, der Weisheit und Vor-Sehung der Schöpfung nahebringt;

St. Thumim, der die gefesselte Liebe Gottes als Kraft der Zeugung und Gestaltung, des Maßes, der Gesetzes, der Stoßkraft jeder Einheit durch die Schöpfung trägt. Von diesen Engeln heißt es in der Apokalypse: "Bindet die vier schwarzen Engel los an den Ufern des Euphrat!", denn sie werden, sobald ihre Fesseln gelöst sind, die Ecksäulen sprengen. Über der zusammenstürzenden Schöpfung wird sie wie auf einer Wolke Deus Judex, den Gott-Richter, zur Erde, zum Gericht senken. St. Boromim trägt in der einen Hand zusammengepresst eine Vielzahl von Blitzen, denn er ist der Knecht des flammenden Anrufes wie der leidenschaftlichen Bereitschaft, einem gebändigten Sturmwind oder einer geballten dunklen Wolke gleich. Aber in der anderen Hand hat er ein schmales Kreuz. Und während er mit ungeheurer Kraft die Blitze zum Gehorsam zwingt, klopft er mit dem Kreuz in Demut an die Türe der heiligen Kirche, der Braut Christi: Er klopft in der Torheit des Kreuzes, bis der Herr sein Siegel löst. Dann freilich wird er mit einem Löwenschrei den Tag der flammenden Gerechtigkeit Gottes auslösen.

Gebet: Du gewaltiger Engel des Anrufs Gottes, du hast auch meine Seele aufgerüttelt, dass sie sofort die Hand ihres Engels ergriffen und festgehalten hat. Lasse deine Stimme Anruf der Liebe bleiben und nie zur Posaune des Gerichtes werden. Amen.

 

29. März – St. Rananiel 6. Chor

Wie der Knabe im Evangelium von der wunderbaren Brotvermehrung, kniet er zu Füßen seines Herrn und Gottes. In seinen Händen hält er Brot und Fisch; das Brot als Symbol für das Samenkorn, die Pflanze –, den Fisch als Symbol für alles Getier auf Erden. Beide, Pflanzen und Tiere, dienen dem Menschen nach dem Willen Gottes und werden gesegnet und vermehrt bis zum Ende der Welt.

Gott hat nichts ohne Sinn erschaffen, und alles aus der Hand Gottes ist im Maß und in der Ordnung aufeinander abgestimmt nach Raum und Zeit, nach Art und den Gesetzen der Natur. So ist auch alle Pflanzen- und Tierwelt Gottes Werk und unter die Verwaltung mächtiger Engel gestellt; das heißt für uns, dass wir auch vor diesen uns dienenden Schöpfungen Gottes, Pflanze und Tier, der Ehrfurcht vor Gott nicht ermangeln sollen.

Der große Engelfürst, St. Rananiel, der versiegelte Fürst, den uns Gott heute an den Stufen seines Thrones sehen lässt, ist der himmlische Verwalter von Pflanze und Tier und aller tierischen und pflanzlichen Stoffe, die zum Aufbau und zur Erhaltung und zum geregelten Ablauf aller Vorgänge in der Schöpfung notwendig sind.

St. Rananiel überwacht und pflegt in uns die Ehrfurcht vor den Kleinen und Schwachen und Hilflosen, den unserer Macht und unserer Willkür Ausgelieferten. Er lehrt uns, Gott auch im Kleinen und Geringen zu sehen und zu verehren, er lehrt uns die Zucht, nicht nur über die von uns Abhängigen, sondern auch über uns selbst. Er gibt uns die stille, ruhige Hand, das klare, gütige Auge, das Wissen um Nutz und Frommen der ganzen Natur für uns Menschen. Er öffnet unser Herz für die Freude an den wunderbaren Schöpfungen der Natur und für das Maß der Hinordnung aller Schöpfung an den Schöpfer. So ist er auch über alle natürlichen Heilmittel gesetzt, die Gott erschaffen hat zum Segen und zur Heilung alles Geschöpflichen, vor allem des Menschen.

Gebet: Großer, heiliger Engel, lehre uns die Ehrfurcht vor den in unsere Hand gegebenen und hilflosen Schöpfungen Gottes. Lehre uns das rechte Maß in der Verwaltung aller Baustoffe der Natur, damit alles dem Willen Gottes, der Ehre Gottes und der Liebe Gottes entsprechen möge. Amen.

 

30. März – St. Hona 9. Chor

Immer wieder lässt der Herr einen Engel aufstrahlen in einem neuen Glanz, der uns das Herz warm macht und in uns den Wunsch erweckt, gerade dieser Engel möchte doch unser Schutzengel sein, von dem wir noch nichts wissen.

St. Hona steht heute vor Gottes Thron, der Engel "Allezeit sollt ihr beten!" Er sieht aus, als hätte er das ganze Licht innen, und so leuchtet er von innen heraus in einer Glut, wie wenn er den Tabernakel in sich trüge. Aber der Glanz und die Glut leuchten auch um ihn herum in den sieben Regenbogenfarben und hüllen ihn in die Erkenntnis Gottes, des Friedensfürsten, des Guten Hirten, der Heimat ein. Er hat ein Musikinstrument in der Hand wie eine große Muschel, aber aus lauter rundgeformten goldenen Stäben; jeder Stab hat einen anderen Ton, und jeder Ton löst den nächsten wieder aus, so ist eine immerwährende Melodie in diesem Instrument. Der Engel steht ganz still, er hat den blauen Mantel Mariens um, der von den Regenbogenfarben von außen und von der Glut des Herzens von innen her beleuchtet ist.

Durch das Musikinstrument hat er sich verraten und durch den Regenbogenglanz: Er gehört zu den Regenbogenträgern des 4. Chores. Der eine Regenbogenträger ist St. Schemmajim, der Engel des bräutlichen Jubels, zu ihm gehören die musizierenden Engel der Chöre; der andere Regenbogenträger ist St. Alphareth, der Fürst der Antwort, zu ihm gehören die singenden Engel der Chöre. Er hat als Symbol eine Muschel, die immerzu rauscht. St. Schemmajim hat eine mit sechs Saiten bespannte Flöte. Diese beiden großen fürstlichen Engel spannen den Regenbogen des Friedens, der Versöhnung, der Sehnsucht und des Einsseins mit Gott über die Schöpfung; sie hüllen ihre Königin Maria in die siebenfachen Strahlen des Heiligen Geistes ein.

So ist St. Hona, im Gnadenstrom der Liebe stehend, der vom Engel der Liebe auf dem Herzen Gottes über die Seraphim auf die Herrschaften herabkommt und von dort sich in breiter Bahn über die Mächte ergießt. Die Engel der Macht, der Tiefe der Liebe wie auch St. Hona, sind von ihm eingehüllt und lassen diese Liebe weithin über alle Seelen strömen, die, von der Liebe Gottes eingefangen, nichts anderes mehr sein wollen als Knecht, als Magd des Herrn.

St. Hona sagt uns: "Das Leben zu lieben, ist leicht; das Leben aber zu tragen und zu ertragen – in der Liebe Gottes – ist schwer.

Das Kreuz des Herrn zu lieben in Heiligkeit, das Kreuz in Wahrheit dem Herrn nachzutragen, ist blutiger Kelter Gottes. Gott zu lieben im Licht und in der Fülle des Geistes ist Göttlich, Gott aber zu tragen und zu ertragen in Seiner Wucht, ist zermalmend."

Gebet: Heiliger Engel, hilf uns, das Leben zu tragen, das Kreuz zu tragen, Gott zu ertragen in allen Forderungen Seiner Liebe. Amen.

 

31. März – St. Geliel 7. Chor

St. Geliel, der heute als unser Fürsprecher vor Gottes Thron über allen Himmeln steht, ist der Engel des Starkmutes, der unerschütterlichen Hoffnung. Er trägt das Wort: "In te, Domine, speravi; non confundar in aeternum." ("Auf Dich, o Herr, habe ich gehofft, und ich werde in Ewigkeit nicht zuschanden.") Er lässt den Menschen in dieser Hoffnung wachsen wie eine Zeder des Libanon, von keinem Sturm umzureißen. Er hält auch das Wachstum und das stille, verborgene Heldentum der Märtyrer, Bekenner, Lastträger und Opferseelen in seiner Hand. So müssen wir ihn sehen: Nicht klein und zart, sondern groß wie eine holzgeschnitzte Heiligenfigur; alles in ihm ist großgeschnitten und einfach und klarlinig. Er hält in der Hand als Symbol das Reis aus der Wurzel Jesse, das seine Wurzeln in der gleichen Tiefe verankert hat, in welche der Herr Jesus Christus herabgestiegen ist für uns, und das seine Blüte vor den Augen des Dreieinigen Gottes am Thron Seiner unendlichen Majestät und Herrlichkeit leuchten lässt. Das Reis ist unsere liebe Frau, Maria, die Tochter des Vaters, die Mutter des Sohnes, die Braut des Geistes. Sie ist wohl von allen Frauen die starkmütigste Frau. Die Welt und alle Himmel, alle Heiligen und alle Engel haben sie als ihre rechtmäßige Königin.

St. Geliel, der dieses wunderbare Reis aus der Wurzel Jesse schweigend und demütig trägt, ist aus dem Chor der Mächte. Dieser Chor ist zweigeteilt: In die je dreimal sieben Mächte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und in die zwölf Engel der Macht der heiligen Kirche. St. Geliel gehört zu den sieben Engeln der Macht der Hoffnung. Diese sind in ihrer Wesenheit – ähnlich den Cherubim – wie himmelan züngelnde Flammen, wie Springbrunnen, wie aufwirbelnder Wind, wie sich öffnende Blumen oder wie in die Tiefe rauschende Wasser; sie werden am ehesten fassbar in ihrer Schutzengelgestalt, in welcher ihre dynamische Eigenart stark hervortritt. Sie erhalten ja auch, obwohl sie im Gnadenstrom der Liebe stehen, als Engel der Hoffnung den Strom der Kraft über die Cherubim und die Gewalten und noch den Gnadenstrom des Lebens über die Throne und Fürsten.

So sind sie mit den reichsten Gnadenschätzen beladen. Durch die Macht der Hoffnung, des starkmütigen Vertrauens, können wir daran Anteil haben.

Gebet: Heiliger Engel Gottes, lehre uns rechtzeitig den Starkmut und schone uns nicht, damit wir in der Stunde der Bewährung und Prüfung bestehen können nach Gottes Willen, zu Seiner Ehre und in Seiner Liebe. Amen.