1. Mai – St. Sadiel 8. Chor

Auf alten Altarbildern wird der mittlere der sieben Erzengel, der Engel der Kirche, dargestellt mit einem Licht, einer Fackel oder einer Laterne. So ist es auch: St. Sadiel steht vor Gottes Thron als der große Schutzengel und Fürbitter der heiligen Kirche. Er trägt symbolhaft ihr Licht, das sie von Gott empfangen hat, um es hinaus leuchten zu lassen in alle Fernen und Finsternisse und Dunkelheiten und Abgründe dieser Welt.

Maria, die Königin der Apostel, ist unter dem Kreuz als die Testamentsvollstreckerin im "Siehe da deinen Sohn" zugleich als die Kirche angesprochen worden. Somit gilt auch der Kirche das gleiche Wort wie ihr: "Selig werden mich preisen alle Geschlechter." Denn wer die Kirche findet, findet das Leben. Wer aber in der heiligen Kirche neben Jesus, unserem Erlöser, und Maria, Seiner Mutter, steht, das ist St. Joseph, der Nährvater, der demütige Zimmermann von Nazareth, dem der Vater im Himmel die Betreuung Seines Einzigen Sohnes Jesus Christus, neben Maria, Seiner Mutter, anvertraut hat.

So wie die heilige Kirche das Fest der heiligen Familie feierlich begeht und wie sie zu vielen Malen Maria, die Mutter des Herrn, die Seligste Jungfrau, ehrt, so gedenkt sie heute in Freuden dieses stillen, demütigen Mannes, ihres Schutzherrn, der gerade durch seine schweigende, tätige Liebe und Gottverbundenheit zum Schrecken der Hölle geworden ist.

Darum ist St. Sadiel als Engel der Kirche in seinem Rang als Erzengel auch ein Kämpfer. Er trägt die Waffenrüstung des Glaubens, den festen Schild der Hoffnung und das blitzende Schwert der Liebe Dessen, Der Sein Leben hingab aus Liebe für die Seinen: Jesus Christus. Die Kirche ist ja die Summe aller an das Wort, an den Erlöser Glaubenden, sie ist die nie leer werdende Schatzkammer der Gnaden. Sie ist die Braut Christi, hundertmal geschlagen von der Welt und hundertmal aus aller Knechtung wieder auferstanden. So wie St. Joseph der Schützer Mariens auf Erden war, so ist er für alle Zeit der Schützer der Kirche geworden, das Vorbild für jedes echte "ora et labora", der Patriarch aller Arbeiter, aller Schaffenden, aller Knechte und Mägde, Handwerker und Väter. Und wie er einst den kleinen Jesusknaben und Dessen Mutter im Haus von Nazareth behütete, so behütet er jetzt jedes Haus, das man ihm anvertraut, und jede Kirche, jeden Tabernakel, vor dem St. Sadiel, der Engel der Anbetung, Wache hält.

St. Sadiel ist zugleich auch der Engel der Ehrfurcht, die allein die feste Struktur der heiligen Kirche aus dem Wort und aus der Lehre Jesu bildet. Ohne Ehrfurcht würde die Kritik längst alle Pfosten zernagen, weil Glauben eine Gnade und ein Geheimnis ist; aber Gnade kann man weder erforschen noch erarbeiten und erzwingen, sondern nur ehrfürchtig erbitten und demütig empfangen.

Gebet: Heiliger Engel der Kirche, stehe an der Pforte jedes Gotteshauses mit Maria, der Mutter, und rufe uns, hole uns hinein! Wehre ab die Dämonen der Trägheit, die unsere Arbeit unfruchtbar machen; wehre ab die Dämonen der Feigheit, die uns hindern, unseren Glauben zu bekennen; wehre ab die Dämonen der Zeitvergeudung, die unsere Kraft, unseren Mut mit ihren Lockungen schwächen. Zieh uns hin zur Mutter, die uns das Leben gebracht hat, Jesus Christus, ihren Sohn, unsern Herrn, damit wir mit ihr und St. Joseph und allen Aposteln und Heiligen den Vater im Himmel preisen und in Ihm den Dreieinigen Gott! Amen.

 

1. Mai – St. Purim 4. v. Chor

Er ist ein Engel der Liebe aus dem 4. Chor der Herrschaften und gehört zu den drei Gerichts-Engeln der Endzeit. Er hat Gewalt über das Böse und über den Bösen, so wie jede Liebe auf Erden Gewalt hat, auch das Schwere, das Dunkle durch das Blut Christi zu lösen und alles zum Besten gereichen zu lassen.

Noch ist St. Purim versiegelt. Noch kann der böse Feind auf der Erde umhergehen und sein Unkraut mitten unter den Weizen säen. Aber er weiß auch genau, dass er nicht mehr viel Zeit hat und darum bäumt er sich so auf und sucht an Beute für die Hölle zu erringen, was er nur erraffen kann.

Denn wenn das Siegel St. Purims gelöst wird, ist die Zeit der Langmut und Geduld Gottes vorbei und bricht das helle, das unerbittlich helle Licht an, das alles offenbar werden lässt, was in Finsternis getan und scheinheilig zugedeckt wurde. Wenn St. .Purim ausgeht, zum Gericht zu rufen, so gilt sein Ruf wie ein Schwert, das er im Namen des Sohnes zückt: "Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich!" Dann ist Erntezeit. Der Ruf St. Purims gilt allen, die in der Kirche aufwuchsen und Maria sich als Mutter erwählten und die dann ihre Liebe verrieten und verkauften um die Silberlinge eines bequemen, ich-süchtigen Lebens oder sinnlichen Rausches. Der Ruf des Engels gilt aber auch allen jenen, die sich an Gott, an Maria, die Kirche, an das Kreuz gebunden haben und als lauter und getreu von Gott befunden wurden.

Wenn St. Purim heute, am Fest St. Josephs des Werktätigen, des Arbeiters, steht, so unterstreicht dies die Bedeutung dieses großen Mannes, der so im Verborgenen gewesen und der von der heiligen Kirche als Schutzherr erwählt ist und wie eine Mauer vor ihr steht, um sie und alle ihre Kinder vor dem Aufbäumen der Hölle zu schützen. Heute kann wohl niemand mehr sagen, es gäbe das Böse und den Bösen nicht auf der Welt, dies sei nur eine Menschenerfindung und alles lasse sich rechtfertigen und entschuldigen. Wenn der Menschensohn kommen wird mit Seinen Engeln, um zu richten, dann gibt es nur mehr ein Licht: Das Licht der unerbittlichen Wahrheit; und dann gibt es nur mehr ein Maß: Jenes der Gerechtigkeit Gottes. Niemand kann Kinder Gottes, kann Eigentum Gottes ungestraft vernichten. Wenn Gerichtszeit ist, dann ist auch zugleich Erntezeit, und die Engel Gottes werden rufen und den Weizen von der Spreu sondern. Wenn auch Gott jetzt diese Prüfungszeit zulässt – Er ist der gerechte Vergelter, und Er lohnt im Höchstmaß Seiner Liebe.

Gebet: Herr und Gott! Wenn uns Deine großen Boten zum Gericht laden, lass das Werk unserer Hände, das wir unter den Schutz St. Josephs gestellt haben, nicht wertlos vor Deinen Augen sein, sondern sieh hin auf die Mutter der Barmherzigkeit, die Zuflucht der Sünder, die Hilfe der Christen, und um ihrer Mutterschaft willen an uns lass Dein Erbarmen uns entgegenkommen, lass Deine Barmherzigkeit unser Kleid vor dem Richterstuhl Gottes sein und Deine Liebe das Zeichen deines Eigentums auf unserer Stirne. Amen.

 

1. Mai – Die Himmelsreiter

Vor dem Thron des Allerhöchsten ist heute der Thron Mariens durch Aralim Enneth aus dem Chor der Throne aufgebaut. Sie, die Königin aller Engel, preist heute im Namen aller Engel und aller Menschen den Dreieinigen Gott. Über sie wölbt sich der dreifache Lichtbogen, der Himmel und Erde einschließt und verbindet.

Der erste Lichtbogen aus unfassbarem Licht Göttlicher Liebe nimmt Maria als das auserwählte Geschöpf in den innersten Ring der Schöpfung um die Majestät des Dreieinigen Gottes hinein; er wird von dem Engel der Kirche und dem Engel der Erde gestützt und getragen.

Der zweite Lichtbogen ist der Regenbogen des Bündnisses Gottes mit den Menschen im Hinblick auf Maria und durch Maria. Er geht von einem Ende der Schöpfung, getragen von St. Schemmajim, dem Träger des bräutlichen Jubels, bis zum andern Ende der Schöpfung, getragen von St. Alphareth, dem Träger der Antwort der Liebe; er schließt den gütigen Schöpfer und Maria, die Mutter aller Lebendigen, in die Schöpfung ein.

Der dritte Lichtbogen ist die Himmelsleiter. Sie steht auf Erden auf und geht auf der einen Seite hinauf über Maria bis zum Herzen Gottes. Sie ist gestützt von St. Ariel, dem Engel der Kindschaft in Gott. Und sie geht vom Herzen Gottes über Maria herab auf der anderen Seite zur Erde und ist dort gestützt von St. Levanael, dem Engel der Marienminne. Die Himmelsleiter hat ihren geschöpflichen Spiegel im natürlichen Regenbogen der Erde. So wie dieser erscheint, wenn die Sonnenstrahlen auf die Wasser des Regens auftreffen, so wölbt sich die Himmelsleiter vom Herzen Gottes zum Herzen des Menschen, wenn die Sonne der Liebe Gottes auf die Wasser der Reuetränen und die Wasser der Gnade scheint. Auf dieser Himmelsleiter steigen die Engel aller Chöre auf und ab, die Schutzengel der Menschen. Sie sind in Zahlen und Namen nicht anzugeben, sie tragen die Liebe Gottes über Maria herab zu den Menschen und die Bitten der Menschen über Maria hinauf zu Gott. Glauben, Treue und Demut tragen die Engel aus dem Machtbereich Mariens, dessen Verwalter St. Michael ist; man kennt sie an der tiefblauen Farbe der Gewänder. Die Reue, die Sühne, die Innerlichkeit tragen die Engel St. Jophiels, der einen andern Machtbereich Mariens verwaltet; ihre Gewänder sind in den Falten violett. Andere Erzengel verwalten mit ihren Engeln weitere Machtbereiche Mariens: St. Raphaels Engel in blutrotem Gewand tragen die Liebe, den Schmerz und den Trost; St. Gratiels Engel, kenntlich an seinem Hellrot in den Gewandfalten, tragen die Hingabe, die Weihe, das Bekenntnis; St. Sadiels Engel in goldenem Gewand tragen das Licht der Gotteserkenntnis, die Ehrfurcht, die Anbetung; St. Gabrieles weiße Engel tragen den Gehorsam, die Armut und den Frieden; und in grünschillernden, regenbogenfarbenen Gewändern tragen die Engel St. Ariels die Freude, das Wachstum, die Kindschaft, alle im Dienste Mariens, deren sieben besonderen Machtbereichen sie zugeteilt sind.

Gebet: Ihr heiligen Engel, die ihr über das Herz Mariens zum Herzen Gottes aufsteigt und wiederkommt, uns zu helfen, lass uns allezeit in eurer Hut geborgen bleiben. Amen.

 

2. Mai – St. Haleochim 7. Chor

Immer wieder stellt uns der Herr in der Göttlichen Gegensätzlichkeit vor Augen, dass Seine Gedanken nicht unsere Gedanken, Seine Wege nicht unsere Wege sind – nicht nur im irdischen, auch im himmlischen Raum.

Von den vier Enden der Schöpfung aus baut Er die gewaltigen Ecksäulen auf, die von der Erde bis zum Thron Gottes über allen Himmeln ragen, jeweils gebildet von den vier stärksten Engeln jedes der mittleren Chöre. Er baut diese Ecksäulen auf der Schulter eines einzigen Engels aus dem Ring der Erlösung auf. Nach menschlichem Maß setzt man das Fundament eines mächtigen und hohen Baues besonders stark und breit und tief; hier ist es ein schmaler Engel, an dem nichts auffällt wie der weite Mantel. Es ist St. Haleochim, der Engel "Maria", der das "Ecce ancilla Domini" trägt und der zugleich der Engel des Corpus Christi Mysticum ist. Er steht in den Reihen des VII. Chores, der Mächte der Kirche. Gott mutet diesem Engel viel zu; aber es sieht nicht aus, als brächte er unter der ungeheuren Last zusammen. Er ist schmal wie der Weg zur Himmelspforte, und doch steht er hier für die Macht des ganzen mystischen Leibes Christ. Alle bringt er unter seinen Mantel, der innen aussieht, als sei es der blutbefleckte Spottmantel des Herrn, als Ihn Pilatus der Welt zeigte: "Ecce Homo!" So wie Maria von Jesus nicht zu trennen ist, so ist auch der herbe Mantel des Ecce Homo vom braunen Mantel der Madonna della Strada, vom Schutzmantel Mariens nicht zu trennen, den St. Haleochim trägt. Es ist eines der zartesten Geheimnisse des Göttlichen Herzens Jesu, dass Er diesen Engel, der die Macht "Maria, Mutter der Kirche" trägt, zugleich Engel des Corpus Christi Mysticum sein lässt und Fundament der Ecksäulen.

Von der streitenden, kämpfenden und blutenden Kirche aus trägt St. Haleochim die nie verlöschende Macht der Anbetung durch Maria. Er trägt sie jenen voran, die von Golgotha weg bis zum Jüngsten Tage in nicht abreißender Kette den Weg durch die schmale Himmelspforte gehen. Sie folgen dem Licht des Engels, haben den Namen Mariä auf den Lippen und im Herzen. Maria selbst ist die Himmelspforte, durch die sie eingehen. Nur auf der Kraft des Lichtes, das aus den Schultern und Händen dieses Engels "Maria" bricht, ruhen die Ecksäulen. Von dem Licht Maria und dieser Macht sind sie bis zum Jüngsten Tage unterbaut und gefestigt.

Es sind zwölf Engel der Kirche, in deren Reihen St. Haleochim steht. In ihnen fließen alle Ströme der oberen Engelchöre zusammen; vor allem aber sind sie Träger der Liebe Gottes. Sie sind dreigeteilt wie die Seraphim: Vier dem Vater besonders zugeordnet, vier dem Sohn, vier dem Geist, aber alle dem Dreieinigen Gott. Der Chor der Mächte, dem sie angehören, ist der oberste der drei Chöre der Menschwerdung und Erlösung, der siebente von den insgesamt neun Chören. Unter ihm sind die Erzengel und Engel.

Gebet: Herr und Gott, lass uns von diesem Deinem Engel unter den Schutzmantel Mariens genommen werden. Wenn wir auch Deinen Spottmantel im Hohn und Hass der Welt erspüren, so können wir doch nie aus der Geborgenheit in der Macht Mariens, die uns den Himmel öffnen wird, herausfallen und werden gerettet sein. Amen.

 

3. Mai – St. Jesophar 9. Chor

Ein heiligmäßiger Priester lehrte die ihm Anvertrauten beten, sobald eine Versuchung, ein Angriff des Bösen sich nahe: "Durch das heilige Kreuzeszeichen mög' alles Unheil von mir weichen!" Er hat sicher die besten Erfahrungen mit diesem Stoßgebet gemacht, sonst hätte er es nicht immer und immer wieder anempfohlen.

Das heilige Kreuz ist das Siegeszeichen unseres Herrn Jesus Christus. Wir bezeichnen uns täglich immer wieder mit diesem Zeichen der Liebe, des Kampfes und des Sieges. Wir sehen im Kreuz meist nur das Schwere, das Opfer; dass wir es auch anders sehen sollen, das lehrt uns Gott heute durch diesen schönen, ja förmlich gewaltigen Engel, der für uns vor dem Throne Gottes steht: St. Jesophar, der die rettende Kreuzesliebe trägt. Die Engel des Kreuzes gehören meistenteils dem 5. Chor der heiligen Engel an, dem Chor der Gewalten. Die Gewalten übernehmen die Ströme der Kraft von den Cherubim und tragen in dieser Kraft den Willen Gottes in die Schöpfung und in die einzelne Seele. Auch St. Jesophar, obwohl Engel des 9. Chores, dient im Chor der Gewalten und hat in seiner Aufgabe auch die Macht dieses Chores. Er dient St. Cheloim, dem Anbeter aus der Tiefe, dem sechsten der Sieben Brüder der Seele aus den Versiegelten Gewalten. In der Aufgabe St. Cheloims liegt auch die Aufgabe St. Jesophars beschlossen: Denn erst müssen wir in die Tiefe, erst müssen wir durch die Schule Gottes gegangen sein, erst muss uns die Liebe Gottes gebunden und gelöst und in den Boden getreten haben, dann erst steigt die richtige glühende Anbetung aus der Tiefe zum Thron Gottes empor. Und dann setzt die rettende Kreuzesliebe ein in ihrer wahrsten und reinsten Art. Lassen wir uns doch durch das Kreuz des Herrn retten, indem wir es mit Liebe umfangen und tragen, es trägt uns weit über Golgotha hinauf bis in den Himmel hinein. Niemals soll sich ein Christ vor dem Kreuze ängstigen und von ihm wegschauen, er soll die Hände danach ausstrecken: "Ave Crux, spes unica!"

Allein können wir freilich niemals ein Kreuz richtig tragen; und wenn wir vor dem Kreuze fliehen, dann fällt es dem Fliehenden meist ganz schwer in den Rücken und schlägt ihn zu Boden. Nein, wir sollen im Kreuz unsere Rettung sehen, und in der Kreuzesliebe stellen wir unsere Liebe zu Gott unter Beweis. Wer Gott wahrhaft liebt, liebt auch das Kreuz und wird durch die rettende Kreuzesliebe seinen Lohn in der ewigen Herrlichkeit empfangen.

St. Jesophar trägt das Zeichen des Kreuzes leuchtend auf seinem Kleid; in seinen Händen trägt er, auf einem Linnentuch aufgedrückt, das Antlitz Jesu in der Passio. Das ist das Antlitz unseres Retters!

Gebet: Herr, nur Deine Liebe kann uns Sünder retten. Lass diese Deine Liebe durch Deine Engel über uns fließen und lass uns untergehen in Ewigkeit in diesem Meer Deiner Rettung! Amen.

 

4. Mai – St. Ariel 8. Chor

Er nennt sich "der Regenbogenfarbene", dieser wunderbare, dem besonderen Dienst Mariens geweihte Engel. Es ist wirklich eine Freude, ihn begreifen zu dürfen. Er ist der Engel der Kindschaft in Gott, er vermittelt den Menschen das Geschenk des Kindseindürfens in allen Lebensaltern. Er gibt den Menschen jene fröhliche Unbekümmertheit, die im Wissen um die völlige Geborgenheit in Gottes Güte verankert ist. Er ist der Engel der Jugend und Freude in Gott, der jugendlichen Begeisterung, der flammenden Marienminne, des Löwenmutes im Kampf für Maria. Er ist der Patron von Ehe und Familie, er ist der Verwalter des Machtbereiches Mariens, "Quelle des Lebens", in welchem Maria ihre Kinder zu ihrem Sohn, der Quelle des Lebens führt. Er ist Engelfürst in der Gnade Gottes, er ist Erzengel seiner Wesenheit nach.

Es sind nur sieben Erzengel; sie bilden mit ihren Legionen von begleitenden Engeln den achten Chor der Engel. Aber aus ihren Reihen ist der Besieger Luzifers gekommen. Sie sind jene, welche mit dem Schild der Abwehr und dem Schwert des Angriffs über die Braut Christi auf Erden wachen; sie sind seit dem Sturz des obersten aller Engel und fast der Hälfte der himmlischen Heerscharen durch die Gnade Gottes zur Macht der Fürstentümer emporgestiegen, um den Kampf gegen die Mächte der Finsternis erfolgreich führen zu können. Maria, die Mutter aller Lebendigen, die Königin Himmels und der Erde, hat ihnen sieben Machtbereiche zugewiesen; in diesen können sie alle Schutzengel, all die dienenden Engel der Erde sammeln und ihnen ihr eigenes Gepräge geben.

St. Ariel ist einer dieser Sieben. Mit wehendem Haar, wie ein junger Löwe, mit tiefblauen Augen wie ein Bergsee, mit einem reichen grünen Gewand, das in den Falten in allen Regenbogenfarben schillert, trägt er den Krug als Symbol seiner Verwaltung jenes Machtbereiches, in welchem Kind und Jugend und Eheleute, die gottgewollte irdische Liebe und das Sakrament der Ehe besonders betreut werden, aber auch die glühende, begeisterte Bereitschaft zu jeder Stunde. Er erhält seine Kraft von den Strömen der Gewalten, besonders jener zwei großen Engel, von denen der eine die Gewalt des Göttlichen "Werde!" trägt, der andere aber "Führer zu Gott" heißt. Hinter diesen Gewalten steht vor Gottes Thron im innersten Ring der Anbetung der Cherub mit dem dreifachen Antlitz, das nach vorne das Herabneigen Gottes in liebevollster Güte zu seiner Schöpfung zeigt, nach rechts die Liebe und Zuneigung über Maria zur Schöpfung; nach links ist es das schweigende Antlitz des Versunkenseins in Gott.

Gebet: Allmächtiger, gewaltiger, herrlicher Gott, aus dessen Atem dieser Engel der Freude und des Kindseins vor Gott kommt, lass Dir danken, dass Du ihn zum Hüter unserer Jugend, unserer Kinder, unseres Frohseins bestellt hast. Lass unsere Liebe und Freude, unsere Bereitschaft und Begeisterung an ihm entzündet werden; lass uns aus seinem Krug von der Quelle des Ewigen Lebens trinken und immer durstiger werden nach Dir, o Gott! Amen.

 

5. Mai – St. Chaled 9. Chor

Es ist ein stiller, fast unscheinbarer Engel, der heute vor dem Throne Gottes steht: St. Chaled aus dem 9. Chor der Engel, St. Chaled, der Tabernakel-Engel, "Der das Licht anzündet".

Ob auch Millionen und Millionen von Engeln sind, jeder hat seine Aufgabe, jeder seinen Platz. Wenn uns Gott auch nur einen einzigen Tag die Engelwelt sichtbar machen würde, es wäre vorbei mit dem Stolz der Menschen, mit der Frechheit und der Gleichgültigkeit der Menschen, wohl aber auch vorbei mit der völlig freien Willensentscheidung, die der Herr unbedingt gewahrt wissen will. So hat alles im Licht Gottes einen großen Sinn, und es werden uns in Wahrheit die Augen aufgehen, wenn wir die irdischen Augen schließen. Es ist nicht so, dass uns die Engel des 9. Chores in Tätigkeit und Aufgabe ganz ähneln. Ihre Tätigkeit und Aufgabe ist ihrer Wesenheit angepasst, die sich so hoch über unsere erhebt, als uns die Erd- und Sündengebundenheit zu Boden zieht. Kein getreuer Engel sündigt, wird durch etwas zu Boden gezogen, verdunkelt oder tappt unentschlossen umher. Darum ist auch seine Aufgabe anders als die höchste Aufgabe der klügsten und heiligsten Menschen. (Und doch, wenn es unter den Engeln einen Neid gäbe, jeder von uns würde gar glühend beneidet um das, was unser Herr Jesus Christus für uns tat und noch tut, war durch Ihn an uns getan wird.)

So ist es auch mit diesem Engel; so still und verhüllt, er scheint, er steht an jenem Platz, an dem der Engel Mariens stand, ehe er emporgehoben wurde an das Herz des Dreieinigen Gottes. Er ist der Engel der stillen Verborgenheit. Er steht im Namen St. Chuds, des Engels der heiligen Orte, vor dem Tabernakel, die Kerzen anzuzünden, das ewige Licht nicht auslöschen zu lassen. Er steht im Namen St. Gabriels, des Hüters des heiligen Taufsakramentes, am Taufbrunnen und hält die Hand an die Gelöbniskerze des Kindes. Er steht im Namen St. Sadiels, des Engels der Erkenntnis, der Ehrfurcht, der heiligen Kirche, vor dem erwachenden Herzen des Kindes und zündet ihm das Licht der Liebe zu Gott an.

Er hat als Symbol das weiße Gewand der Jungfrau zu Nazareth, er hält den Zeigefinger hoch als Wegweiser zu Gott; er hat ein helles Licht auf diesem Finger, das nie erlischt.

Gebet: Du heiliger Engel Mariens, der du mitten unter uns stehst wie ein Leuchtturm mitten im Meer der Bedrängnis, zünde unsere Herzen an und lass sie nie verlöschen in Gottesminne und Marienminne, so wie dein Licht in alle Ewigkeit nie erlischt. Amen.

 

6. Mai – St. Danael 4. h. Chor

Es stehen zwölf Engel aus dem Chorteil der Herrschaften von Hoher Gewalt über den zwölf Toren des Neuen Jerusalem, die nach dem großen Gericht über die Schöpfung die zwölf großen Ströme der erlösten Menschheit aufnehmen werden. Sie sind, wie alle Engel aus dem Chor der Herrschaften, die großen Mittelstützen des Liebesstromes Gottes zur Erde; die obersten Stützen sind die Seraphim, die untersten die Mächte. Während sieben dieser Hohen Herrschaften die Schalen mit den Gaben des Heiligen Geistes tragen und vier für die Klugheit, das Maß, den Starkmut und die Gerechtigkeit als Ecksäulen der Schöpfung stehen, lassen diese zwölf Engel bis zum Jüngsten Tag die Liebe Gottes über die Menschheit verströmen, wie der Sämann den Samen auf den Acker sät. Dann aber wird Erntezeit sein; ihr Mühen hat Frucht getragen. Jeder der zwölf Engel sieht die Frucht der Liebe Gottes, die er heimholen darf. Er ist einer dieser zwölf, der dritte. Er steht über dem dritten Tor, dem der Feuerseelen.

Zwölf Stämme Israels sind es, die im Namen des Alten Bundes durch die zwölf Tore einziehen werden. Und die zwölf Apostel sind es, die im Namen des Neuen Bundes mit ihren Scharen hier einziehen werden. Jedes Tor hat einen Grundstein, der im Brustschild des Hohenpriesters des Alten Bundes und im Fischerring der Apostel des Neuen Bundes zugleich enthalten ist. Jedem Engel über dem Tor ist noch links und rechts vom Tor je ein Engel aus dem Chorteil der Fürsten von Hoher Gewalt zur Seite gegeben. Während er selbst für die Sendung von Gott her steht, stehen diese beiden für die heimkehrende Schöpfung hier; ihre Zeichen sind am Tor eingeschrieben.

Jedes Tor aber ist Maria. Immer wird die Menschheit durch Maria heimkehren. So steht auch auf jedem Torbogen der Gruß und Lobpreis, den diese drei Engel Maria darbringen in ihrer Wesenheit und in ihrer Aufgabe. Und jedes Tor wird jene erlösten Menschen aufnehmen, welche an diese drei Engel, an dieses Tor, an diesen Grundstein und diesen Gruß gebunden sind.

St. Danael trägt die Fülle der Liebe, mit welcher der Dreieinige Gott, der Allweise, Seine Tochter, Seine Mutter, Seine Braut überschattete. St. Danael ist der Engel Mariens als Sitz der Weisheit. Durch sein Tor – das Tor der Feuerseelen – wird Zabulon mit den Seinen einziehen und der Evangelist Johannes, der Lieblingsjünger Jesu und Betreuer Mariens, mit allen Feuerseelen, die durch Maria geglüht und geläutert worden sind. Der Grundstein dieses Tores ist so blau wie der Himmel, wie der Mantel der Jungfrau Maria.

Der eine Begleit-Engel St. Danaels ist St. Ariel, der junge Löwe, der Engel der Kindschaft in Gott, der Engel der Freude und der Jugend. Sein Gruß ist "Mutter des Erlösers!"

Der andere ist St. Levanael, der sich "Die Mondsichel" nennt, der zarte Engel der Marienminne. Sein Gruß ist: "Pforte des Himmels!"

St. Danaels Gruß aber lautet: "Du Sitz der Weisheit!" Die beiden Begleitengel St. Danaels sind es auch, welche die Himmelsleiter der Engel vom Himmel über Maria zur Erde und von der Erde über Maria zum Himmel stützen.

Gebet: Du großer, heiliger Engel mit der Triangel in der Hand, die Fülle der Liebe mit der Fülle der Weisheit und der Fülle des Kindseins vor Gott vereinend zu wundervollem Dreiklang, o lass diesen Klang uns hören und ihm nachgehen, bis wir heimfinden. Amen.

 

7. Mai – St. Anael 6. h. Chor

Gott hat das Kind in die Reihen der Engel und der Priester gestellt, den Menschen als Gleichnis und Vorbild. Es ist das natürlich reinste Gefäß Gottes unter den Menschen, Gefäß des Göttlichen "Werde!" des Vaters, so wie der Engel das reinste Gefäß der Kraft des Geistes ist, Maria ausgenommen, so wie der Priester der "alter Christus" sein soll. Vom Kind sagt unser Herr: "Wenn ihr nicht werdet wie ein Kind, könnt ihr in das Himmelreich nicht eingehen."

Unter dem Kindsein ist nicht nur das frühe und unberührte Entwicklungsalter des Menschen gemeint. Vor allem ist die Wesenheit des Kindes gemeint, das Einfache, Gläubige, Vertrauensvolle, Unbekümmerte, Wahrhafte und Reine. Diese Eigenschaften sind bei den reifen Menschen meist mehr oder weniger verschüttet oder zerstört; der Erwachsene ist meist nicht einfach, sondern kompliziert, seine Gläubigkeit ist durch Enttäuschung oder Kritiksucht zerstört, das Vertrauen ist einem oft berechtigten Misstrauen gewichen, die Unbekümmertheit geht in Sorgen um die Existenz verloren, die Wahrheit wird nach Vorteil oder Gefühl abgebogen, die Reinheit im späteren Leben kaum mehr geachtet, schmutzig ist man ja sowieso. Und doch will Gott das Kindsein; ja, Er knüpft sogar die Erreichung des ewigen Zieles, des Himmelreiches, an die Bedingung, erst Kind werden zu müssen.

St. Anael, das Kind, steht heute vor Gottes Thron. Er ist einer der schönsten Engel in seiner Lieblichkeit und Zartheit. Wie eine noch geschlossene Knospe steht er da. Er hat über seinem Gewand, das wie helles Morgenrot leuchtet, einen weiten Mantel, und der ist nicht seiner, er ist ihm umgelegt von einem, der hinter ihm steht: Von St. Hagiel, dem Engel des Schweigens. Beide sind Engel Mariens in besonderem Sinn. St. Anael gehört zu den Fürsten von Hoher Gewalt, welche die Schönheit und Harmonie, die Liebe und Gerechtigkeit Gottes in die Schöpfung tragen und Verwalter der stofflichen Schöpfung, auch aller Gestirne, sind. Auch St. Anael hat einen bestimmten und abgegrenzten Teil der Schöpfung zu verwalten.

Darüber hinaus ist er der Engel der Jungfräulichkeit, der Reinheit vor Gott. Und so wie Maria, die Allerreinste, als Letzte das Haupt Satans zertreten wird, so wird St. Anael, das Kind unter den Fürsten, die letzte Posaune tragen; sie wird den letzten und größten aller Kämpfe auslösen. Immer wieder müssen wir diese nicht begreifbare Gegensätzlichkeit Gottes anstaunen. St. Anael steht als reines, unberührtes Geschöpf Gottes im Chaos der untergehenden Welt; er bläst sie nicht, die Posaune; das tut St. Hagiel, und das Schweigen wird über die Menschheit kommen, die in den Fußstapfen Jesu Christ geht. Aber mit St. Anael wird das Kindsein wieder in den Menschen auferstehen, sie werden durch dieses Kindsein die letzten Zeiten freudig überstehen trotz Drachen und Mord.

Gebet: Heiliger Engel der Reinheit und Jungfräulichkeit, du stehst nicht als fordernder, in die Knie zwingender oder unbegreiflicher Engel vor uns, so weit entfernt von der heiligen Reinheit wir uns auch erkennen. Du bist uns nahe und lieb, weil du Kind bist; hilf uns, Kind zu werden, rein und lauter und wahr, froh und gläubig und unbekümmert in Gott. Amen.

 

8. Mai – St. Rem 5. v. Chor

Zum ersten mal in diesem Monat der Marienminne steht ein Engel vor Gottes Thron, der im Namen Mariä den Kampf gegen die Schlange führt. Auch er hat wie manche der Engel ein doppeltes Gesicht; das eine ist in hellen Strahlen nach aufwärts gerichtet, das andere dräut förmlich in Feuersglut dem Abgrund zu. St. Rem gehört dem Chor der Gewalten an, den Versiegelten Gewalten.

Es liegt ein Geheimnis in der Göttlichen Gegensätzlichkeit, das die Menschen erst in der Ewigkeit begreifen werden. Es ist nicht so, als würde nur alles Lichte, Helle, Liebliche das Gottzugehörende sein und alles andere von den Mächten der Finsternis ausgehen. Die Göttliche Gegensätzlichkeit, sei sie hier Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, ist wie ein der Menschen wegen gebändigter ungeheurer Kraftstrom aus zwei verschiedenen Welten. Man braucht nur an die Spannweite zwischen der Unendlichkeit der barmherzigen Liebe Gottes und der Unerbittlichkeit der Gerechtigkeit Gottes zu denken, an das Hineingehobensein Mariens in die zarteste knospenhafte Reinheit, die den Kampf mit dem fürchterlichsten, pesthauchumgebenen, qualmverhüllten Erzfeind jahrtausendlang zu führen hat. Eingebettet in die Göttliche Gegensätzlichkeit, versiegelt zum Wohle der Menschheit, sind die gewaltigen Engel des fünften Chores. Sie sind anders als die Versiegelten Herrschaften, die ihre Tätigkeit als Siegel- und Zornschalen-, als Gerichts- und Ernteengel erst mit dem Lösen ihrer Siegel aufnehmen, anders als die Versiegelten Fürsten, die mit dem Lösen ihrer Siegel ungehemmt wie Sturm, Feuer, Wasserflut über die Erde kommen werden. Die Versiegelten Gewalten tragen schon jetzt die ganze lebendige Spannung im Bereich des Seelischen. Je mehr ein Mensch in Gott hineinwächst, desto mehr wächst er auch gerade in diesen Chor hinein; Gott will errungen und bezwungen sein.

St. Rem, der Träger der Stoßkraft, ist allen Gotteskämpfern Freund und Bruder. Noch ist er gebändigt, versiegelt, seine Stoßkraft ist den irdischen Maßen angepasst. Körperlich, seelisch und geistig wirkt seine Kraft und Hilfe tragbar, wenn er auch oft das Letzte aus einem Kämpfer herausholt. Er ist, eingebaut in die Göttliche Gegensätzlichkeit, der Torheit des Kreuzes untertan. Er lässt seine Schützlinge binden und in den Boden treten und gleichzeitig wirft er sie in gewaltiger Stoßkraft wie eine Harpune mitten in die Reihen jener, die Beute Gottes werden sollen. Er stößt seine Schützlinge in der Hochglut der Liebe bis in das Herz der Königin, bis zum Herzen des Herrn. Er tritt sie mit der gleichen gewaltigen Stoßkraft bis in die Mitte des höllischen Lagers, um im Namen Jesu und Mariens die Gewalt der feindlichen Mächte zu binden. Er wird nach dem Lösen der Siegel einer der fürchterlichsten Gegner des Widersachers sein, da er das blaue Band Mariens als Umgürtung trägt.

Gebet: Hilf uns, du herrlicher, gewaltiger Engel, hilf uns und lass uns nie verzagt und kleinmütig stehen bleiben, wo wir in deiner Kraft vorwärts sollen. Lass uns nie ausweichen aus Feigheit und Bequemlichkeit, damit wir das Ziel erreichen, welches Gott uns gesteckt hat. Amen.

 

9. Mai – St. Chajoth 4. h. Chor

In der himmlischen Hierarchie innerhalb der neun Chöre der Engel gibt es eine Gruppe, welche "die Ecksäulen" heißt. Zu dieser Gruppe gehört der Engel dieses Tages, St. Chajoth, der heißt: "Heiliger Gott". Die himmlische Hierarchie ist im Hinblick auf die Schöpfung – der besseren Verständlichkeit wegen – mit einer reichen Symbolik, einer Bildersprache ausgezeichnet, genauso, wie das Wort Gottes in den heiligen Evangelien vielfach in Bildern und Gleichnissen zu uns redet. Die Ecksäulen tragen das Symbol des Hauses Gottes in der Schöpfung. Sie sind wahrhaft Ecksäulen, förmlich an den vier Ecken der Schöpfung, die wir uns in der Verlängerung der vier Himmelsrichtungen: Nord, Süd, Ost und West aufgebaut denken können. Dort stehen dreimal drei Engel als je eine Säule übereinander. Sie stehen innerhalb des zweiten Ringes, des mittleren der drei Ringe, welche aus je drei Chören der Engel gebildet sind. Sie stehen also auf dem dritten Ring auf, der die Erde, das Zentrum des Erlösungswerkes, umschließt, und tragen den obersten Ring, den Ring der Anbetung, in welchem die Seraphim, Cherubim und Throne unaufhörlich die Majestät des Dreieinigen Gottes loben und preisen. Dieser zweite Ring heißt "Ring der Ordnung und Allmacht Gottes" und umspannt die ganze Schöpfung vom Thron Gottes abwärts bis zur kleinen Erde, auf der im Ring der Erlösung die Engel, Erzengel und Mächte des Menschengeschlechts auf seinem Weg zu Gott schützen und behüten.

In diesem zweiten Ring der Ordnung und Allmacht Gottes tragen die Herrschaften, die Gewalten und die Fürstentümer die Liebe, den Willen und die Ordnung Gottes in aller Heiligkeit, Weisheit, Allmacht und Gerechtigkeit Gottes hinaus in die Schöpfung. Jeder Chor ist in sich dreigeteilt, und in jedem solchen Drittteil stehen die vier stärksten Engel als Ecksäulen aufeinander, die Erde als Fundament zu ihren Füßen, über ihren Häuptern das Dach der Schöpfung: Den Himmel aller Himmel über allen Wolken.

St. Chajoth ist der oberste Engel einer solchen Ecksäule, nämlich der ersten, die von der Wesenheit des Dreieinigen Gottes "Heiliger Gott" abwärts geht über das Gelübde der Reinheit – über St. Makariel, der hohenpriesterlichen Gewalt der heiligen Kirche – bis zum Engel "Maria", welcher gleichzeitig der Engel des Corpus Christi Mysticum ist und alle vier Ecksäulen auf seinen Schultern trägt. Dieser Begriff Gottes als "Heiliger Gott" ist zugleich der Boden des ersten Ringes der Anbetung. Und so ragt St. Chajoth, obwohl zu den Herrschaften von Hoher Gewalt gehörend, doch als Krone der Ecksäulen in den Ring der Anbetung hinein. Wir können uns ihn vorstellen als den Gott-in-Seiner-Heiligkeit symbolhaft Tragenden durch die Kraft der Heiligsten Eucharistie und der Unbefleckten.

Gebet: Herr und Gott, vier gewaltige Ecksäulen von Engeln hast Du uns als Haus Gottes in der Schöpfung aufgestellt. Lasse uns in diesem Haus daheim sein und Dich, den Allheiligen Gott, mit allen Engeln loben! Amen.

 

10. Mai – St. Geosed 5. h. Chor

Sein Name ist "Schwert der Langmut Gottes". Das ist ein dunkles und schweres Schwert. Man kann es wohl nur recht erklären, wenn man den Engel näher betrachtet.

St. Geosed ist aus dem Chor der Gewalten. Er ist Hohe Gewalt, das heißt, er steht vor Gott, selbst wenn er voll Gewalt den Willen Gottes in die Schöpfung trägt. Er steht da für das Bündnis des Vaters mit der Menschheit durch den Glauben. Der Schöpfer verpflichtet Sich, ebenso an Sein Geschöpf zu glauben und ihm die Treue zu halten, wie sich das Geschöpf verpflichtet, an seinem Herrn und Gott zu glauben, auch wenn Gott Sich verhüllt. So steht St. Geosed hier für dieses Bündnis in Ewigkeit. St. Geosed ist aber auch Ecksäule und steht in der gleichen Reihe wie

St. Makariel, der in der Ecksäule "Heiliger Geist" für den Aufbau und die ganze Wesenheit der heiligen Kirche steht (denn die Kirche ist zuerst heilig); wie

St. Jochaanael, der in der Ecksäule "Weiser Gott" für das Bündnis unseres Herrn Jesus Christus steht, für den Neuen Bund Gottes mit den Menschen, durch den wir die Erlösung gefunden haben; wie

St. Dichael, der in der Ecksäule "Gerechter Gott" für die Liebesgewalt des Dreieinigen Gottes steht (und das Herz des Menschen unlöslich an Sich bindet); so steht

St. Geosed da als Gewalt des Glaubens in der Ecksäule "Allmächtiger Gott" und bindet die Allmacht des Sich zur Schöpfung herabneigenden Gottes an den Glaubenden.

Auch in der Vertikale müssen wir St. Geosed sehen, ehe wir das Schwert begreifen können, das er trägt im Strom der Kraft, welche den Gewalten über die Cherubim vom Engel des Wortes auf dem Hauch Gottes zukommt. In diesem Strom der Kraft hat St. Geosed über sich den Cherub St. Nachiel, den Engel der Bereitschaft, und unter sich den Erzengel St. Michael, den Kämpfer für Gott.

So ist das Schwert, das St. Geosed trägt, zweischneidig. Auf der einen Schneide trägt es die Langmut und die Allwissenheit Gottes, den Glauben Gottes an die Menschheit; auf der anderen Schneide trägt es die Bereitschaft des Menschen, den Glauben an die Kraft Gottes, die Treue. Immer werden wir die Langmut Gottes und die Treue Gottes finden, wenn wir auf der Schwertschneide der Bereitschaft für Gott und der unerschütterlichen Treue des Glaubens an Gott bleiben.

Gebet: Herr, lass das Schwert der Langmut bei uns bleiben, dass es uns decke vor dem Schwert Deiner Gerechtigkeit. Lass das Schwert Deines Glaubens gegen unseren eigenen Unglauben kämpfen und uns von aller Untreue gegen Dich für immer erlösen in Deiner Treue. Amen.

 

11. Mai – St. Ratiel 4. h. Chor

Um diesen Engel recht verstehen zu können, müssen wir die Offenbarung des heiligen Apostels Johannes aufschlagen an jener Stelle, wo er vom Himmlischen Jerusalem spricht: "Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. (Apok. 21,1) ... Ich schaute die heilige Stadt, das Neue Jerusalem, ... wie sie aus dem Himmel von Gott herniederkam, ... sie hatte eine große, hohe Mauer, zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel, und Namen waren darauf geschrieben: Die Namen der zwölf Stämme Israels ... Die Stadtmauer hatte zwölf Grundsteine, auf denen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes geschrieben standen ..." (Apok. 21,12-21) Die zwölf Grundsteine (Edelsteine) werden dann genannt, und es besteht die Verbindung zwischen ihnen und jenen Steinen, welche einst im Alten Bund der Hohepriester in symbolhafter Bedeutung auf seinem Brustschild trug.

So ist zu erkennen, dass die gesamte erlöste Menschheit mit ihren Führern des Alten wie des Neuen Bundes einst – nach dem großen Gericht – durch diese zwölf Tore in das Himmlische Jerusalem, in die ewige Herrlichkeit einziehen wird. Man kann nun diese Tore benennen nach ihren Grundsteinen (21,19) oder nach den Namen der zwölf Stämme Israels oder der zwölf Apostel, nach der Art der Scharen oder nach den Engeln, die über jedem Tor stehen, nach den Anrufungen Mariä, der großen Mittlerin, über jedem Tor: Alles zusammen bildet ein wunderbares Mosaik der Herrlichkeit Gottes und Seiner vielgeliebten Braut, unserer Königin und Mutter Maria, die uns hier sowohl als das Himmlische Jerusalem wie auch als triumphierende Kirche dargestellt wird.

Ein Engel aus dem Chor der Herrschaften, St. Ratiel, steht über dem zwölften Torbogen. Es ist das Tor der Martyrer und Bekenner, die als die letzten der Erde mit ihren Palmen und Garben dort einziehen werden, wie es schon durch Johannes (Apok. 6,10-12) angedeutet ist. Die Scharen der Bekenner werden jubelnd die Anrufungen Mariens singen, welche über jenem Tor stehen: "Du Gezelt Gottes! Du Mutter der Wandlung! Du Siegerin!" Sie werden geführt werden von Simeon aus dem Stamme Israel und vom Apostel Philippus, den Maria liebte wie eine Mutter. Die Engel, welche St. Ratiel zur Seite stehen, tragen die Erntegarben und das Fischernetz als Symbol, sie bringen Brot und Fisch für den Erntetag des Herrn. Maria nimmt sie auf und geleitet sie, denn nur über Maria kommt man zum Herrn und nur über Diesen zur ewigen Herrlichkeit Gottes.

Der Grundstein, der in dieses zwölfte Tor eingemauert ist, das ist der Bischofsringstein, der Amethyst, denn alle Bischöfe der letzten Zeit werden Martyrer und Bekenner sein. So ist dieser Stein zugleich das Bild einer kennzeichnenden Tugend der ganzen einziehenden Heiligenschar, und er ist gleicherweise auch auf dem Brustschild, welches St. Ratiel trägt, zu sehen. Dadurch wird St. Ratiel für uns ein liebender, starker Fürbitter der Letztzeit, vor allem für die Martyrer und Bekenner, die er beschützt bei Verfolgungen, die er stärkt im Bekennermut und die er im Namen der Siegerin Maria heimholt.

Gebet: Hilf uns, heiliger Engel, durch unser Leben Christus zu bekennen, damit wir an der Hand Mariens als Sieger einst einziehen dürfen in das Himmlische Jerusalem. Amen.

 

11. Mai – St. Makariel 5. h. Chor

Der große Engel von Hoher Gewalt, der heute vor des Herrn Thron steht, ist ganz in die Feuersglut des heiligen Kreuzes getaucht. Im Namen der heiligen Kirche steht er hier, das heilige Kreuz auf Erden auch vor Gottes Thron zu feiern, das heilige Kreuz hier vor den Augen Gottes und allen Engeln und Heiligen für die Kirche in Empfang zu nehmen.

Er ist der Engel der Gewalt: Er trägt nicht nur die Schmach Seines Herrn, er trägt auch die Gewalt und den Aufbau der Kirche als seine Aufgabe; er heißt nach dem Willen Gottes: "Hoher Priester des Herzens (Gottes)".

Das Himmelreich leidet Gewalt und auch die heilige Kirche leidet Gewalt. Darum steht die Hauptstütze der heiligen Kirche unter den Engeln des zweiten großen Ringes (der Ordnung und des Aufbaues der Schöpfung) im Chor der Gewalten. Dieser Chor ist in sich dreigeteilt: In die Hohen Gewalten, – sie tragen den Willen Gottes und das Bündnis Gottes in die Schöpfung, die Gewalt der streitenden und triumphierenden Kirche (die Gewalt der leidenden Kirche liegt in den Händen Mariens); in die Versiegelten Gewalten, – sie tragen alle Gegensätzlichkeit als Dynamik und Spannung, die Gewalt der Läuterung der Seele und die Wandlung zu Gott; in die Niederen Gewalten, – sie tragen die Kraft Gottes im harmonischen Ablauf der Schöpfung.

St. Makariel ist unter den vierundzwanzig Hohen Gewalten die erste der Vier Ecksäulen, die das ganze Gebäude der Schöpfung tragen.

Er ist Gewalt der Kirche; er hat über sich die Ecksäule des Gelübdes der Reinheit und die Ecksäule des Göttlichen Maßes, in die der Heilige Geist einströmt. Er hat unter sich die Ecksäule der Reinheit der heiligen Kirche, den gewaltigen Fürsten Deus Judex und den Stillen Fürsten des verborgenen Lebens der Kirche.

St. Makariel ist hohepriesterliche Gewalt – er holt sich seine Kraft auf Erden im Kampf für die Kirche aus dem Tabernakel. Darum trägt er als Symbol in reicher priesterlicher Kleidung das Licht des Heiligsten Brotes auf den Lippen; er ist dadurch von allen Engeln der kirchlichen Gewalt der stärkste, der Engel der Gewalt des Heiligsten Brotes. Denn, was aus dem Munde kommt, stammt aus dem Herzen; so kommt die Gewalt des Heiligsten Brotes aus dem Herzen Gottes über das Herz des Engels in das Herz der Kirche, den Tabernakel. Deshalb sehen wir auch in St. Makariel den Engel der Gewalt des Tabernakels. Er nimmt heute für seinen Herrn und Gott das Siegeszeichen des Heiligen Kreuzes in Empfang; er legt es als Siegeszeichen in die Hände Mariens, der Mutter der Kirche.

Gebet: Heiliger Engel Makariel, du Gewalt vor Gott, die heilige Kirche zu schützen und aufzurichten, lehre uns die Ehrfurcht vor der heiligen Kirche, vor allen ihren Handlungen und vor ihren Vertretern. Lass uns immer vor Augen stehen, dass alles in der Kirche vor den Augen des Vaters geschieht. Lass uns Gewalt gegen uns selbst anwenden, um immer zur heiligen Kirche gezählt und mit ihr gerechtfertigt zu werden. Amen.

 

12. Mai – St. Galathiel 8. Chor

In einer schier unendlichen Reihe ziehen sie am Lamm vorbei, alle, die sich Ihm weihten und diese ihre Weihe mit einem sichtbaren oder unsichtbaren Martyrium besiegelten. Einer bleibt stehen: Er ist kein Geopferter, er ist ein Engel. Er hat eine lange Reihe vor sich bis zu diesem heutigen Tage. Und hinter ihm – von diesem Tage ab – kommt wieder eine lange Reihe. Der Engel bleibt heute als Fürbitter stehen; er nimmt die Weihe wie ein Samenkorn in eine Bursa, die er auf seiner Brust trägt: St. Galathiel, der Erzengel. Bei einigen Engeln, und zwar bei den Erzengeln, sind zwei Namen für sie bekannt. Man kann daraus schließen, dass die Kenntnis dieses Engels zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten schon da war. So heißt St. Galathiel auch St. Gratiel, ebenso St. Sadiel und St. Salathiel, oder St. Jophiel – St. Joriphiel.

St. Galathiel ist ein kniender Engel, der Engel der Hingabe an Gott, der Engel des Kreuzes und der Passio. Er selbst nennt sich "der Brennende", denn nur in brennender Liebe kann die Hingabe an Gott auch mit dem Leben besiegelt werden. Er ist aus dem achten Chor der Erzengel, den Verwaltern des ganzen Erlösungswerkes, das unter der Herrschaft Mariens, der Königin Himmels und der Erde, in sieben große Machtbereiche gegliedert ist. St. Galathiel verwaltet den fünften Machtbereich, der heißt: "Wie ich euch geliebt habe ..." Es ist der Machtbereich der opfernden, bis ins Letzte gehenden Göttlichen Liebe, die von den Engeln St. Galathiels herab getragen wird in die Tiefe der Erde. Dort soll sie in den Herzen der Menschen als Samenkorn aufgehen durch die liebende Bindung an Gott, und Frucht bringen. O möge unser Herz kein steiniger Acker sein, kein Dornengestrüpp!

Die Ströme der Gnade, welche St. Galathiel empfängt und weiterleitet, sind jene des Starkmutes auf Grund des felsenfesten Glaubens, der unerschütterlichen Hoffnung, der himmelstürmenden Liebe. Sie sind aber auch Ströme des Friedens und der Gottseligkeit, welche St. Galathiel von jenen großen Cherubim erhält, die über ihm vor Gottes Thron stehen: von St. Tiphered, der die Schönheit und Ruhe des Wortes Gottes trägt, von St. Chamael, dem "Verhüllten", der die Anziehungskraft Gottes trägt, von St. Zachariel, der die Ausgewogenheit und Sicherheit durch Gott trägt. Die durch St. Galathiel brennend gewordenen Menschen lieben die Schönheit des Kreuzes, den Frieden des Opfers. Sie ziehen durch die Glut ihrer Liebe die anderen an sich, und sie werden auch im Martyrium nicht versagen. Wovor die Welt sich fürchtet – vor Kreuz und Leid und Tod – das alles hat in den Händen St. Galathiels an Schrecken verloren und wird sogar ersehnt. St. Galathiel trägt nicht umsonst in seinen Händen als Symbol das Räucherfass des Opfers. Es steigt ein Duft voll Süßigkeit und Schönheit daraus zum Thron des Allerhöchsten empor, und St. Galathiel, der die Seinen mit liebender Hingabe betreut, sorgt dafür, dass das Räucherfass seines Opfers durch die brennenden Seelen nie verlösche, damit die Barmherzigkeit und Liebe Gottes die Welt besiege.

Gebet: O Herr, entzünde in uns durch Deine heiligen Engel die Glut Deiner Liebe und die Flamme ewiger Hingabe, damit Du in uns und durch uns immer wieder von neuem die Welt besiegst und den Vater preisest in Ewigkeit. Amen.

 

13. Mai – Die Schutzengel, Tag der heiligen Schutzengel

Jeder Engel darf durch die Güte Gottes einmal das Schutzengelamt auf Erden ausüben. Er kann, gleich seinem Herrn Jesus Christus, im Raum der Erlösung den Menschen helfen, aus der Tiefe der Erde den Vater anzubeten, dem Sohn auf Seinem Erlösungswege nachzugehen und durch die Liebeskraft des Heiligen Geistes geläutert zu werden.

Erst durch das Schutzengelamt können die Engel den Dreieinigen Gott aus jener Perspektive schauen, die für die Erlösung des Menschen gültig ist und die Vollendung ihrer eigenen Erkenntnis bedeutet. Denn niemandem ist Gott so Vater wie jenen, die hinter Seinem Sohn stehen; niemand anderen hat der Sohn erlöst als jene, denen sie nun helfen dürfen; niemand ist so Träger der Läuterungskraft des Geistes als der Gottgeeinte Mensch, der in Christus durch Maria wiedergeboren wird zum ewigen Leben. So ist das Schutzengelamt das von den Engeln kniend erbetene und mit aller Freude und Kraft übernommene Gnadenamt für die heiligen Engel.

Alle Engel stehen in der Gnade, im Licht der Liebe, in der Kraft des ewigen Lebens; aber als Schutzengel sind sie die vollendeten Licht- und Kraftträger in der Tiefe der Erde. Die himmlische Hierarchie bezieht durch das Schutzengelamt die Menschheit und mit ihr die gesamte Schöpfung in ihren Wirkungsbereich ein. Es gibt ein Schutzengelamt im engeren und eins im weiteren Sinn. Im engeren Sinn ist jener ein Schutzengel, der nach Gottes Willen einen einzelnen Menschen führt und leitet als dessen geistiger Bruder. Im weiteren Sinn sind alle Engel der Erlösung (des Ringes der Menschwerdung) – also des siebten, achten und neunten Chores der Engel –, "Schutz-Engel", da sie in ihrer Aufgabe ganz auf Schutz und Hilfe für die Menschen ausgerichtet sind. Darum empfangen diese drei Chöre von allen höheren Chören die gesamte Fülle aller Gnadenströme Gottes, um nach allen Seiten hin für die Menschen Hilfe und Halt und Schutz zu sein.

Die Schutzengel sind alle ohne Ausnahme in ganz besonderem Maße der Himmelskönigin Maria unterstellt. Sie hat sie in ihre sieben großen Machtbereiche eingeteilt und stattet sie dort mit genau auf das ganze Heilswerk abgestimmten Weisungen und Hilfsmitteln für die Heimholung der Menschen aus. Diese sieben großen Machtbereiche geben jedem Engel, der auch als Schutzengel die Wesenheit seines Chores und die Eigenart seiner Persönlichkeit mitbringt, eine besondere Färbung.

So sind die Engel des ersten Machtbereiches Engel der Erkenntnis Gottes, der Anbetung, Lichtbringer.

Die Engel des zweiten Machtbereiches leiten an zum Kindschaftsverhältnis zu Gott, zur Freude in Gott, zu einer harmonischen Formung von Ehe, Familie und Jugend.

Die Engel des dritten Machtbereiches lenken das verborgene Leben der Knechte und Mägde Gottes.

Die Engel des vierten Machtbereiches bringen den Menschen die Tiefe und Innerlichkeit, den Sühnegedanken, die Liebesreue nahe.

Die Engel des fünften Machtbereiches sind die Brennenden, Barmherzigen, die Leiter der Opferseelen.

Die Engel des sechsten Machtbereiches haben mit ihren Schützlingen die Kämpfe gegen alle Dämonie zu bestehen.

Die Engel des siebten Machtbereiches sind Kämpfer für Gott auf allen Linien, die Stützen seines Thrones.

Außer den Machtbereichen haben aber noch alle Schutzengel ihre eigenen großen Vertreter in der nächsten Nähe des Thrones Gottes über allen Himmeln: Einen, der dem Vater zugeordnet ist, das ist St. Jehusal im aus dem Chor der Throne, eine der sieben Säulen der Schöpfung. In ihm wird Gottes Rat Wirklichkeit und geht als auszustreuender Samen hinab bis in die Reihen der Schutzengel. Dann einen, der dem Sohn zugeordnet ist, das ist St. Thiriel aus dem Chor der Cherubim, der heute als Fürbitter vor Gott steht, das "Dunkle Licht Gottes". Endlich einen, der dem Geist zugeordnet ist: St. Ananai, "Er wird euch alles lehren". Es ist der Geist, die Eigenprägung durch das Schutzengel-Amt, welche dieser Seraph ausstrahlt.

St. Thiriel, das dunkle Licht, die dunkle Liebe Gottes, ist aus den Reihen der dem Sohn im besonderen zugehörenden Cherubim. Er hat, wie alle Cherubim, ein dreifaches Antlitz: Dem Vater zugewandt ist das Antlitz jenes Engels, der das verbindende Wort trägt; dem Geist zugewandt ist das Antlitz des Engels, der das Lob Gottes trägt. In St. Thiriel selbst liegt das, was bei St. Sederim, dem Engel des Widerspruchs, der unter ihm steht, offen zutage tritt: Die geheimnisvolle Gegensätzlichkeit Gottes. Er wirft ein Licht um und zündet ein Licht an als Engel der Endzeit. Er jubelt und schweigt zugleich, er ist Flamme und Eckstein zugleich. Er ist – wie alle Cherubim – von gewaltigem, erschütterndem Anblick, ist Macht des Wortes, einer Ewigkeit würdig.

Aber als Schutzengel steht er heute hier im Namen aller Schutzengel, im grauen Kleid, mit gekreuzter Priesterstola. Die geschlossenen Augen und die flammenden Haare darüber, die Füße wie die Fänge eines Adlers oder die Pranken eines Löwen, sagen allein und ohne Worte von der verborgenen Macht, die hinter dieser schlichtesten aller Engelfiguren ruht.

Gebet: Herr, allmächtiger, ewiger Gott! Lass Dir immer und immer wieder danken für Deine Barmherzigkeit, die jedem von uns einen Engel zur Seite gestellt hat als besten Freund und Helfer. Lass diesen großen Engel, der heute im Namen aller Schutzengel vor Deinem Thron steht, nicht als Eckstein auf uns fallen, da wir in der Verantwortung des Pfundes stehen, das Du uns zu verwalten in die Hände gabst. Lass ihn uns Licht sein und Flamme, dass er unser Herz aufwärts reiße zu Dir und es ewig an Dich binde. Amen.

 

14. Mai – St. Sederim 5. v. Chor

Es ist, als wäre alles mit Blitzen geladen, als würde jeden Augenblick die Schöpfung in sich zusammenbrechen. Und das sind die Hände Mariens, die Reinsten, der Gütigsten, Mildesten, die einfach da sind, die alles heilen, beleben, heiligen. Diese beiden Extreme in einer Gestalt, das ist St. Sederim, der Engel des Widerspruchs, der Gegensätzlichkeit. Die Gegensätzlichkeit Gottes ist ein unergründliches Geheimnis. Sie ist der Kern des Lebens, des Göttlichen wie des geschöpflichen, des ewigen wie des vergänglichen; sie liegt in der Spannung der Bezogenheit des einen auf das andere, der Spannung zwischen Sein und Geschehen. Alle Gegensätzlichkeit der reinen Schöpfung liegt wie ein Spiegel, ein Bild und Gleichnis vor der Göttlichen Gegensätzlichkeit. Die höllische Nachäffung dieser Gegensätzlichkeit hat Luzifer wie ein Unkraut zwischen den Weizen über die ganze Schöpfung verstreut, die Menschen damit unsicher gemacht, getäuscht und verführt. Gottes Gegensätzlichkeit liegt in sich immer in Harmonie; Luzifers Gegensätzlichkeit ist immer Konflikt und Gebrochenheit. Die Engelchöre tragen die Gegensätzlichkeit Gottes in solcher Liebe in die Schöpfung, dass der Mensch dadurch erstarkt, gefestigt wird und eine Prüfung bestehen kann. So trägt der eine die Liebe als Sanftmut, der andere die Liebe als Brand, der dritte die Liebe als Wasser, der vierte die Liebe als Gerechtigkeit, der fünfte die Liebe als Erbarmen. So muss man St. Sederim verstehen. Er ist in der Mitte der Engelchöre; unter ihm zittert der Boden vom Toben der Hölle. In seiner einen Hand liegt das Siegel als das Bild der reinen Schöpfung, des gerechtfertigten Menschen, beschlossen im Siegel des Richterwortes: "Kommet, ihr Gesegneten!" – in seiner anderen Hand liegt das Siegel als Bild der gebrochenen Schöpfung, der Gottverneinenden Menschen, beschlossen im Siegel des Richterwortes: "Weichet, ihr Verfluchten!" Die Flammen der brennenden Liebe um das "Kommet, ihr Gesegneten!" und die Flammen der Hölle um das "Weichet, Ihr Verfluchten!" sind in den Händen St. Sederims die naheste Berührung aller Gegensätzlichkeiten. Und es ist das Geheimnis aller Gegensätzlichkeiten, dass St. Sederim, der drohendste, gewalttätigste, erschreckendste aller Engel ein Engel der Liebe ist, ein Engel Mariens, dass über ihm Maria steht, diese allbarmherzigste Mutter, dass unter ihm St. Raphael steht, "der Liebespfeil Gottes". Und dieser Engel der Liebe trägt Anfang und Ende der Schöpfung auf seinen Schultern. Ihm wird das Siegel – er ist der dreizehnte aus dem Chorteil der Versiegelten Gewalten – als letztem gelöst. Und er wird zu Füßen Mariens knien und der letzte und inbrünstigste Fürbitter der Menschen sein.

Gebet: Siehe, du großer, gewaltiger Engel, wie wir nur aus dem Widerspruch der gebrochenen Schöpfung bestehen! Hilf uns heraus aus der Sündehörigkeit, aus aller Gegensätzlichkeit der Welt! Erbitte uns die Liebe, in der alle Gegensätzlichkeit Gottes vereint und begreifbar ist. Führe uns zu Maria, deiner Königin, die die Liebe ist, das höchste Geschenk der Göttlichen Liebe an uns. Amen.

 

15. Mai – St. Ephthael 9. Chor

Mitten im Marienmonat steht ein schlichter Engel in lavendelblauem Kleid. Man sagt, in der Mitte liegt immer entweder die größte Stoß- oder Schwerkraft oder die schwächste Stelle. Hier liegt in der Mitte die größte Unbegreiflichkeit.

Die Zartheit und äußere Schwäche Mariens ist ihre Kraft, die Allerreinste ist die Zuflucht der Sünder, die unberührte Jungfrau ist Mutter und das starke Weib des Endsieges. Mit Recht steht der Engel des Widerspruches, der Engel der Gegensätzlichkeit, St. Sederim, dieser gewaltigste aller Engel, unter Maria, ja er trägt als Engel Mariens den blauen Mantel.

Der zarte Engel, der heute vor Gottes Thron steht, ist ein Engel St. Sederims. So ist er, wenn auch Engel des 9. Chores, heraufgehoben in die Mitte aller Engel, in die Reihe der Versiegelten Gewalten. Er steht vor St. Sederim und reicht ihm bis zu dieser Höhe, wo der gewaltige Engel vorne auf seiner Brust das Bild des schwertdurchbohrten Herzens seiner Königin trägt.

St. Ephthael heißt dieser Engel, das heißt: "Du bist offen gegen Gott!" Er trägt in einer großen Schale, die nach außen unscheinbar, ja förmlich sprüngig ist wie altes Porzellan, aber innen glänzt aus schwerem, purem Gold, das Nie-Gekanntsein der Gottesmutter auf Erden. Er trägt es in der Unbegreiflichkeit Gottes.

Nie gekannt, verkannt war Maria auf Erden; nicht einmal die Apostel, ihre nächste Umgebung, haben sie je richtig gekannt. Sie haben wohl in ihr die stille, heilige Mutter ihres Herrn und Meisters verehrt und haben sie später, nach des Herrn Himmelfahrt, voll Ehrfurcht besucht, aber gekannt hat sie nur Einer: Gott. Sie hat dieses Nichtgekanntsein, Niegekanntsein still und bejahend wie eine Opferschale getragen, eine Opferschale, in die Gott Seine unbegreifliche Liebe gelegt hat. Es ist ihr Schleier des dunklen Glaubens wie ein Regenbogen des Friedens Gottes mit den Menschen um ihretwillen darüber gelegen und dieser himmlische Schimmer liegt auch jetzt noch um diesen stillen Engel mit seinen mächtigen Flügeln, welche die Gewalt der zarten Jungfrau Maria über das Herz Gottes bedeuten.

Gebet: Herr und Gott, in Deiner unbegreiflichen Liebe zeigst Du uns immer wieder, dass die Werte dieser Welt keine Werte sind vor Dir und Du andere, höhere Werte für uns ausgesucht hast: Das heilige Schweigen, den heiligen Gehorsam, die heilige Demut, das heilige Nichterkanntwerden und Verkanntwerden um Deinetwillen. Lass uns begreifen und wollen, was Du unbegreiflicher Gott, in Deiner Liebe uns schon durch Maria hast vorleben lassen. Amen.

 

16. Mai – St. Viraguel 4. Chor

Der Seraph St. Elohim, der die Gotteskraft der Liebe trägt, welche das Geheimnis Maria umhüllt, strahlt diese Liebe Gottes zu Maria über alle Engel Mariens aus. Die Lichtbahn des Herzens im Innern dieses Seraphs umschließt aber vor allem jene sieben großen Engel aus dem Chor der Herrschaften von Hoher Gewalt, welche die Schalen mit den Gaben des Heiligen Geistes tragen und wie ein siebenarmiger Leuchter vor Maria, ihrer Herrin und Königin, stehen. Aus der Reihe dieser sieben Engel steht St. Viraguel heute vor des Herrn Thron. Es ist jener, welcher die weite und immerzu überfließende Schale der Gnade trägt.

Der Chor der Herrschaften hat im zweiten Ring (der Allmacht und des Aufbaues der Schöpfung) jene Stellung, welche im ersten Ring (der Anbetung) der Chor der Seraphim einnimmt und im dritten Ring (der Erlösung) der Chor der Mächte. Alle drei Chöre (der Seraphim, der Herrschaften, der Mächte) sind im besonderen Maß die Träger der Göttlichen Liebe, die aus dem Herzen Gottes quillt und vom Engel der Liebe aufgefangen und in die Schöpfung, den Engeln zu, weitergeleitet wird. In den Seraphim ist dieser Strom der Göttlichen Liebe am stärksten und unbegreiflichsten, in den Mächten schon irgendwie menschlich erfassbar und begreifbar. Der Chor der Herrschaften liegt in der Mitte dieser Liebesbahn zwischen Gott und Mensch. Er trägt die Unbegreiflichkeit der Liebe Gottes schon in geteilten Strömen, aber die Begreiflichkeit der Liebe Gottes liegt hier noch weit über dem Höchstmaß der menschlichen Fassungskraft.

Die sieben Engel, welche wie sieben Leuchter, geeint durch die Liebe, die leuchtenden Schalen voll Flammen (der Erkenntnis), voll Wasser (der Gnade), voll Öl (des Rates), voll Licht (der Weisheit), voll Wein (des Starkmutes), voll Weihrauch (der Gottesfurcht), voll Feuerglut (der Gottseligkeit) tragen, sie sind zugleich Wächter jener sieben Tore der Liebe, durch die über den Scharen der erlösten Menschheit die Engel einströmen werden in das Gezelt Gottes, in die ewige Glückseligkeit. Wenn auch die Zahl der Menschen und der Engel gleich sein wird, so soll in der geringeren Anzahl der Tore der Engel zum letzten mal jener Unglückseligen gedacht werden, die sich durch ihren Hochmut den Abgrund schufen, der ihr Erbe wurde. Aber so wie jedes der zwölf Tore des Neuen Jerusalem Maria ist – nur durch Maria kommen die Menschen ins Vaterhaus – so ist auch jeder der sieben Eingänge der Engel: Maria – nur durch Maria kommt man ins Gezelt Gottes.

St. Viraguel trägt die Schale des Wassers der Gnade. Maria ist ja die Gnadenverteilerin. Der Engel aber ist hier ganz Engel, er steht in seiner strahlenden Gestalt, die wie ein leuchtender, durchsichtiger Wasserfall anmutet, nicht auf der Erde, sondern er gibt die Fülle der Göttlichen Liebesgnadenströme an die Engel weiter und diese erst vermitteln sie in vielfachen Verzweigungen der ringenden Menschheit. Die Schale selbst strahlt in den Regenbogenfarben, denn Gnade ist Friedensbündnis mit Gott; es sind die dunklen Ströme der Gnaden der Liebesreue, wie die roten der Hingabe an Gott, wie alle die anderen zu sehen, die durch die sieben großen Erzengel den Menschen dargeboten werden. Die fortwährend aus der Schale überfließenden Wasser lagern wie in einer Wolke um den Engel, gleich einer Widerspiegelung der Wolkendecke zwischen dem ersten und zweiten Ring der Engelchöre. Diese Wolke ist aber zugleich Symbol für den geschöpflichen Himmel der Menschen und den Tau der Erde: Gnade ist Tau, sie setzt den klaren Himmel der Liebe Gottes mit seiner Wärme voraus und das Erwachen des Menschen aus dem dunklen Schlaf der Sünde zum Licht der Erkenntnis, sie verlangt Bereitschaft.

Durch das Tor der Gnade werden einst jene Engel einziehen, welche in besonderer Weise Engel Mariens und dadurch in ihrer Hauptaufgabe Gnadenbringer sind. St. Viraguels Tor ist: "Maria, voll der Gnade!" Unter den Engeln sind ihm verbunden: Der Cherub St. Hagiel, der Engel des Schweigens, St. Josuel, der Gewalt, der Führer der Menschen zu Gott, und in der Tiefe, im Namen der Menschheit, die sieben Erzengel.

Gebet: Heiliger Engel, der du das Wasser der Gnade in deiner leuchtenden Schale trägst und wie ein ewiger Leuchter vor Maria, unserer Herrin und Königin, stehst, wende dich zur Erde, die wie ein ausgetrockneter Acker vor den Augen Gottes liegt. Sende uns den Tau der Gnade, dass der von den heiligen Engeln ausgestreute Same wachsen und Frucht bringen kann zu eurer Freude, zum Preis Mariens, dass er Garbe werde für die himmlische Scheuer. Amen.

 

17. Mai – St. Jachim 6. v. Chor

An den vier Enden der Schöpfung hat der Allmächtige Gott in symbolhafter Weise Ecksäulen aufgebaut, welche den ganzen Bau der Schöpfung tragen. Diese Ecksäulen werden von den vier stärksten Engeln aus jedem Drittteil der drei mittleren Chöre gebildet, also von den vier stärksten der Herrschaften von Hoher Gewalt, den vier stärksten der Versiegelten Herrschaften, den vier stärksten der Herrschaften von Niederer Gewalt; ganz ebenso von vier Hohen Gewalten, vier Versiegelten Gewalten, vier Niederen Gewalten, vier Hohen, vier Versiegelten und vier Stillen Fürsten, so dass im ganzen neunmal vier Engel als Ecksäulen stehen und in jeder der vier Ecksäulen immer nach dem Rang einer über dem anderen, so dass die obersten schon in den Ring der Anbetung vor dem Thron Gottes hineinragen, während die vier untersten auf der Erde aufstehen, und zwar auf dem Engel "Maria", dem Engel der Kirche.

Einer aus diesen Engeln der Ecksäulen steht heute vor Gottes Thron, St. Jachim, der Fürst des Sturmes. Er ist die geflügelte Kraft Gottes im Starkmut, in der Treue, im Glauben. Er ist Verwalter über alle luft- und gasförmigen Wesenheiten; er ist wie eine Feuersbrunst im Sturm, so voll gewaltiger, wehender Kraft. Er gehört zu den Versiegelten Fürsten; wenn sein Siegel einst gelöst ist, werden nicht nur reale Stürme die vergehende Welt verheeren, St. Jachim wird vor allem durch die geistigen Stürme die Welt zur Scheidung und Entscheidung bringen.

Als Versiegelter Fürst ist sein Platz der zweitunterste in der Ecksäule; unter ihm steht St. Shasel, der Engel der Demut im Kampf als Knecht, über ihm St. Michael, der Engel des Glaubens und der Demut. Die Krone der Säule bildet St. Nezach, der Engel "Allmächtiger Gott". St. Jachim trägt ein Signum, ein Wort. Dieses Wort ist der Sammelname für die Wesenheit der ganzen Ecksäule von oben bis unten; auf diesem Wort ist die Ecksäule aufgebaut, dieses Wort ist eine der vier großen Begriffsrichtungen, nach denen die Menschheit am Jüngsten Tag gerichtet werden wird. St. Jachim trägt das Signum "Filius Patris"; denn diese Ecksäule trägt den Starkmut, die Kraft, die Treue, die Gewalt des Glaubens; und die Menschheit wird nach ihrem Glauben an Gott, nach ihrer Treue zu ihrem Gottesbegriff, nach ihrem Starkmut in der Treue und im Glauben, nach der Demut und Aufnahmebereitschaft im Glauben gerichtet werden. Dass aber der Fürst des Sturmes in diese Ecksäule eingebaut ist, deutet an, dass diese Engel geflügelt, dem schnellsten Sturmwind gleich, in aller Kraft ihrer Aufgabe obliegen und nichts ihnen widerstehen oder sie davon abhalten kann (darum heißt es auch, dass der Glaube Berge versetzt: Er bläst sie einfach fort).

St. Jachim aber ist, eben durch das Signum Filius Patris, auch ein Engel Mariens, denn Gottes Sohn ist in Maria Mensch geworden. Sie wird in dieser Ecksäule von den Engeln verherrlicht als fürbittende Allmacht, die im Herzen Gottes Ruhende, die Getreueste, Starkmütigste, die Königin des Glaubens, die Herrin aller geflügelten Himmelsgeister. St. Jachim kniet ihr zu Füßen.

Gebet: Herr, schenke uns durch diesen Sturmengel den geflügelten, windschnellen Gehorsam, den unwiderstehlichen, bergeversetzenden Glauben, den glühenden Starkmut. Lass uns selbst in den Zeiten der Not wie ein Sturmwind die Giftgase der Hölle hinweg treiben und die Unseren befreien! Amen.

 

18. Mai – St. Hallel 5. Chor

Der Engel des Anrufes. Im ersten Moment ist er wie scharfer Rauch, der aus dem Munde Gottes kommt und sofort die Tränen hervor treibt. Aber durch diese Tränen werden die Augen im Nu ganz klar und das Herz springt auf. O was für ein wunderbarer Engel! Wie die Gnade Gottes in Person! Weich und fließend wie die Liebe der Mutter, von dem durchdringenden Licht der Strahlen des Heiligen Geistes, von einer Wucht sondergleichen wie das Wort, das das Schwert bringt; und greifbar nahe und lebendig durch das "Werde!", das Gewordensein durch den Vater. Er hat die Hände weit vorgestreckt, um dich, Seele, die du dieses liest, zu umfangen, festzuhalten. Alles an dem Engel ist Sehnsucht, sich mitzuteilen, ist ein lebendig gewordenes Wort: "Gott! Höre auf Gott!"

St. Hallel ist Gewalt, man sieht es ihm an. Er ist Gewalt des Lebens, Gewalt in Harmonie, Gewalt im Aufbau; er will den Menschen durch seine liebende Gewalt führen, leiten und heimholen.

Er strahlt nach allen Seiten aus; es gibt keinen Menschen, der ihn nicht hören könnte. Vor seinem Anblick fliehen die Dämonen.

Er steht vor Gott zwischen dem Engel der Wucht und dem Engel der Antwort. Die Gewalten stehen unter den Cherubim. Die Hohen Gewalten empfangen ihre Kraft von jenen Cherubim, die dem Vater zugeordnet sind. Die Versiegelten Gewalten stehen unter den Cherubim des Sohnes, und die Cherubim, die dem Heiligen Geist zugeordnet sind, strahlen ihre Kraft über die Niederen Gewalten. St. Hallel steht mitten in der Lichtbahn eines großen Cherubs, der "Weisheit Gottes" heißt. Die Cherubim sind in ihrer Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes in geheimnisvoller Weise von einem dreifachen Antlitz. Und so hat St. Razael, die "Weisheit Gottes", sein Antlitz dem Heiligen Geist zugewendet. Er trägt aber auch das Antlitz St. Oriphiels, des "Keltertreters", der dem Herrn den Kelch reichte, und er trägt auch das Antlitz St. Pachads, der "Gerechtigkeit Gottes". So ist dieser Lichtstrahl auch dreifach: Er geht zu St. Hallel, und er geht zum Engel des Gerichtes Gottes, und er geht zu jenem mit dem Felsblock, der die Menschen zum Aufbruch bringt.

Gebet: Gewaltiger, lichter Engel! Lass meine Sinne immer geöffnet sein, das Wort, das du sagst, aufzunehmen, es schweigend im Herzen zu erwägen, wie Maria es tat, und nach diesem Wort zu leben und zu sterben. Amen.

 

19. Mai – Die Machtbereiche Mariens, Tag der Machtbereiche Mariens

Am Höhepunkt des Lebens der Mutter Jesu auf Erden steht der Schmerz, das Kreuz auf Golgotha. Um die Mitte ihres Herzens windet der Dreieinige Gott ihr die Lichtkrone Seiner Liebe, den Kranz der Schwerter, der Dornen. Aus diesem Kranz der sieben Schwerter durchs Herz sind Maria als Königin der Engel die Sieben Machtbereiche vom Dreieinigen Gott gegeben worden. Sie sind wie Berggipfel der Miterlösungstat Mariens, jeder inmitten eines unermesslichen Reiches.

In diesen geistigen Reichen regiert Maria. Diese Reiche erstrecken sich über die ganze Erde, soweit Menschen wohnen und denken können. Sie sind ja zum Heil der Menschen da, zur fortwährenden Heilung und Heimholung der Menschen. In diesen Reichen hat Maria sämtliche Schutzengel gesammelt, es gibt keinen Schutzengel, der nicht einem der sieben Machtbereiche angehörte. In jedem dieser Machtbereiche hat Maria einen der sieben Erzengel als Verwalter, denn die Erzengel sind ja die Führer der Engel und somit auch der Schutzengel. Und so steht auf jedem dieser Berge (Reiche) ein Erzengel; er trägt die Krone Mariens in siebenfach anderem Licht.

St. Sadiel steht inmitten des ersten Machtbereiches. Er trägt die leuchtende Krone der Tochter des Vaters. Er ist der Engel der Erkenntnis Gottes, der Anbetung, der Ehrfurcht, der Gottzugehörigkeit.

St. Ariel steht inmitten des zweiten Machtbereiches. Er trägt die leuchtende Krone der reinsten Jungfrau. Er ist der Engel der Freude, der Reinheit, der Schönheit, der Harmonie, der Kindschaft in Gott.

St. Gabriel steht inmitten des dritten Machtbereiches. Er trägt die leuchtende Krone der Magd des Herrn. Er ist der Engel des Gehorsams, des Friedens, der Armut und Einfachheit, des Gottschauens.

St. Jophiel steht inmitten des vierten Machtbereiches. Er trägt die leuchtende Krone der Miterlösung der Mater dolorosa. Er ist der Engel der Sühne, der Umpflüger, der Schweiger, der Engel der Tiefe und Innerlichkeit, der Liebesreue und Buße.

St. Galathiel steht inmitten des fünften Machtbereiches. Er trägt die leuchtende Krone der Braut Gottes. Er ist der Engel der Hingabe, der Brennende, der Engel des Opfers, der Barmherzigkeit, der Caritas.

St. Raphael steht inmitten des sechsten Machtbereiches. Er trägt die leuchtende Krone der Siegerin über die Hölle. Er ist der Engel der Schlagkraft gegen den Teufel, der Liebespfeil Gottes, der Engel des Schmerzes und der Heilung.

St. Michael steht inmitten des siebenten Machtbereiches. Er trägt die leuchtende Krone der Königin Himmels und der Erde. Er ist der Engel des Glaubens, der Demut, des Starkmutes, der Treue, des Bekennertums.

Jeder der sieben Machtbereiche trägt als Kennzeichen und Krone ein Wort, aus welchem man auch schon seine Aufgabe im Hinblick auf die heimzuholende Menschheit ersehen kann.

Im ersten Machtbereich: "Sein ist das Licht" sind die Schutzengel Lichtbringer.

Im zweiten Machtbereich: "Quelle des Lebens" sind die Schutzengel Vermittler von Harmonie, Freude, Zufriedenheit, Keuschheit.

Im dritten Machtbereich: "Höret meine Stimme" sind die Schutzengel Vermittler des Gehorsams, der Armut, des Friedens, des Magdtums der Seele.

Im vierten Machtbereich: "Dies ist mein Blut" sind die Schutzengel Umpflüger der Seelen, Vermittler von Innerlichkeit und Reue.

Im fünften Machtbereich: "Wie ich euch geliebt habe" sind die Schutzengel Kämpfer gegen das eigene Ich, Vermittler der totalen Hingabe an Gott.

Im sechsten Machtbereich: "Du wirst der Schlange das Haupt zertreten" sind die Schutzengel Schildträger der Abwehr des bösen Feindes durch die Liebe.

Im siebten Machtbereich: "Wer ist wie Gott" sind die Schutzengel Säulen der Kirche, Vermittler des Glaubens und der Treue zur Kirche.

St. Sadiel, der heute im Namen aller Machtbereiche vor dem Thron Gottes fürbittet, tut dies vor allem als Vertreter der heiligen Mutter Kirche. Er trägt wie ein Schild der Abwehr und der Mahnung an die Welt vor der Kirche her das Wort des Herrn: "Wer euch hört, der hört Mich!" Er ist der Brennspiegel, der die ganze Liebe des Herrn auf seine Kirche lenkt, der aber auch das Gebet der Kirche genau ins Herz Gottes leitet. Er trägt den reichen Vespermantel der Braut Christi, die immer geschmückt durch ihre Heiligen, durch ihre guten Werke vor ihrem Herrn und Gott stehen soll. Er trägt das Licht der Erkenntnis, das "allen im Hause leuchten" soll. Er trägt die gekreuzte Stola zum Zeichen, dass der Priester der erste und reinste Vertreter der heiligen Kirche sein soll und den Engeln gleichgestellt ist. Er nennt sich "der Goldschimmernde", um seinen Herrn und Gott vor aller Welt zu ehren, für Den das Beste nur gut genug ist.

Gebet: Ihr großen heiligen Verwalter des Reiches Mariens über der ganzen Schöpfung, lasset dieses Reich auch in unseren Herzen erstehen, lasset uns die siebenfache Krone der Herrlichkeit Mariens, da wir sie in unserer Armseligkeit nicht tragen dürfen, wenigstens schauen, um sie zu loben und zu preisen mit der ganzen Kraft unserer Seele. Setzt eure ganze Macht ein, dass jeder von uns in seinem Innenleben die Gewalt annehme, die dem Machtbereich Mariens gemäß ist, dem unser heiliger Schutzengel angehört nach dem Plane Gottes. Amen.

 

20. Mai – St. Chud 7. Chor

Nur betend können wir die Engel erfassen, nur kniend werden wir sie verstehen. Kein Engel aus diesem Heer von Millionen und Abermillionen Engeln ist gleich dem anderen, kein Gesicht ist gleich, kein Name ist gleich. Denn Gott liebt jeden einzelnen Engel und weiß um seine Aufgabe. Er wird ihn rufen das erste Mal, wenn er Schutzengel sein darf, das zweite Mal, wenn er mit seinem Schützling vor dem Gericht stehen soll, das dritte Mal am Jüngsten Tag.

Auch St. Chud wird dreimal gerufen sein und jedes Mal trägt er ein Buch; das erste Mal trägt er ein Buch, um seinen Schützling in der Heiligkeit der Orte der Erde einzuführen, der Kirchen und Klöster, der Kapellen und Klausen, aller Tabernakel, aber auch der Krankenstuben und Sterbezimmer. Das zweite Mal trägt er das Buch über alles Soll und Haben seines Schützlings, und alle heiligen Orte im Leben dieses Menschen werden durch St. Chud Fürbitter oder Ankläger sein. Das dritte Mal erst steht er in voller Macht hier, in der siebenfach verstärkten Macht der Endzeit, und trägt das Buch der Abrechnung, das Schuld und Sühne und alle gute Arbeit der Menschheit aufdeckt. Da wird jeder entweihte Ort zur Sprache kommen, jeder verstaubte Altar, jeder vernachlässigte Tabernakel. Und wer diesen Engel der heiligen Orte für schwächlich hält, weil er gleich seinem Herrn im Brot still ist und sich nicht wehrt, dem wird am Tag der Abrechnung das Zittern kommen über diesen getreuen Diener seines Herrn, dessen ruhigen, wachen Augen nichts entgangen ist.

St. Chud ist Macht. Er ist der zehnte der zwölf Engel der Kirche aus dem Chor der Mächte. Auch er ist Engel der Liebe und dadurch Engel Mariens, er ruft den Engel der Wunderkraft besonders auf die Maria geweihten Orte herab. Aber er ist auch Engel des Lebens, er steht hier für die Unzerstörbarkeit der heiligen Kirche – bis ans Ende der Zeit wird es heilige Orte geben. St. Chud ist auch Engel des Wortes und steht mit seinem Herrn in der Torheit des Kreuzes unter dem Gespött der Menschen bis ans Ende der Zeit auf Erden. Er ist einer der sieben Engel vom Dienst vor jedem Tabernakel, die den Ehrendienst Mariens vor dem Herrn auf Erden ausüben; er ist der erste der sieben. An jedem heiligen Ort mahnt er uns, zuerst des Herrn zu gedenken und Ihm die Ehre zu geben, immer zuerst auf den Herrn zu sehen und dann erst auf Kunstwerke oder Personen. Er mahnt uns, immer in der Gegenwart des Herrn zu sein und unser Angesicht nie von ihm abzuwenden, immer als Tabernakel der Liebe den Herrn zu umschließen. Er ist selber wie ein geöffneter Tabernakel, so, wie er heute vor dem Thron Gottes kniet auf seinem Buch, mit den zur Anbetung ausgebreiteten Armen und dem weiten Mantel Mariens.

Gebet: Großer heiliger Engel, lehre uns die Ehrfurcht vor jedem Haus Gottes und jedem Ort, an dem Gott weilt. Lehre uns das heilige Schweigen, du großer, schweigender Engel! Lehre uns die Torheit des Kreuzes zu lieben und nicht mehr vor ihm zu fliehen, um nicht einst als zu leicht befunden zu werden. Lass den Ort unsres Gebetes und unsrer Arbeit ein heiliger Ort werden, wo du dem Herrn einen Thron bereitest; lehre du uns feststehen und Macht werden durch dich, um unsern Herrn zu loben und zu preisen. Amen.

 

21. Mai – St. Rhasa 9. Chor

Vor Gottes Thron steht ein Engel, alle Türen unsrer Herzen gehen auf bei seinem Anblick, so nahe und deutlich steht er vor unsern Augen. Er trägt das Gewand der Wanderer zwischen zwei Welten, das Hirtenkleid mit der Pilgermuschel an der Schulter, in der einen Hand einen hohen Stab, in der anderen ein flötenartiges Instrument. Seine Augen strahlen voll Güte und Hilfsbereitschaft, voll Vertrauen und Glauben auf den Schöpfervater.

Es ist St. Rhasa, der Engel "Fürchte dich nicht!" Er ist aus dem 9. Chor, dem der Engel, der von allen Chören der geringste, der menschenähnlichste, der umfassendste ist. Darum hat er auch den Allgemeinbegriff "Engel" geprägt. Was wir unter einem Engel verstehen, das ist jener erhabene, lichtumflossene, nicht greifbare und doch sich in einer menschlichen Gestalt zeigende himmlische Geist, den uns Gott als Boten, als Hilfe, als treuen Hüter der Geheimnisse Seiner Liebe sendet.

Nur ein Siebenteil ist den Herrschaften zugewiesen und doch sind dies Legionen von Engeln. Nur ein Siebenteil ist den Gewalten zugewiesen und doch sind es Legionen von Engeln. Fünf Siebenteile sind so festen Chören zugewiesen und erhalten völlig die Färbung dieses Chores: Die Engel der Herrschaften tragen die Glut der Liebe mit ihren Herren oder das Siegel der Endzeit, die Engel der Gewalten tragen die Spannkraft des Willens Gottes gleich ihren Herren, die Engel der Fürsten sind in der Verwaltung eingesetzt und die Engel der Mächte über die Erde verteilt. Die Engel des Dienstes vor Gottes Thron und jene des Dienstes vor Maria haben wechselnde Aufgaben und die den Erzengeln zugeteilt sind, haben die sieben Machtbereiche und den Abwehrkampf gegen den bösen Feind zu besorgen. Kein Engel ist ohne Sinn oder ohne Aufgabe, jede Aufgabe übersteigt weit das höchste Können eines Menschen.

St. Rhasa hat einen Hohen Fürsten als seinen Herrn: St. Aduachiel, der sich "Ewiges Zeugnis Gottes" nennt. St. Aduachiel ist der Engel des felsenfesten Vertrauens auf Gottes Hilfe und Vatergüte, der Engel des Scharfblicks, der als Symbol den die Dunkelheit erhellenden Blitz trägt. Die Hohen Fürsten stehen immer zu zwei und zwei und geben einander als Ergänzung ihre Eigenart. So gibt der Hohe Fürst St. Ohriel, der angerufen werden soll gegen Verzagtheit und niederen Flug der Seele, den Engeln seines Bruders St. Aduachiel die Bezogenheit aller Sicht und allen Wissens auf Gott und das nötige Licht dazu im Hinblick auf das Göttliche Gericht. Der Hohe Fürst St. Aduachiel aber gibt den Engeln St. Ohriels die Gabe, den Menschen das Opfer, das rastlose Einarbeiten in den Dienst Gottes und das Gottvertrauen nahezubringen. So ergänzt immer der eine den anderen. St. Ohriel trägt als Symbol das Rad des gerechten Gerichtes und seine Engel klopfen an das Gewissen der Menschen.

St. Rhasa aber klopft im Vertrauen des in Gott geborgenen Kindes: "Fürchte dich nicht!", Gott ist gut, Gott ist barmherzig, Gott ist dir nahe, Seele! Lasse alles, was dich unruhig macht, sorge dich nicht, ob du im Kampf bestehen wirst, Gott wird für dich kämpfen. Höre auf die einfache Melodie "Gott ist mein Retter, meine Liebe, mein Ziel".

Gebet: Dein ist mein Acker und mein Herz, Herr, lass über beides die Pflugschar Deiner Liebe gehen! Amen.

 

22. Mai – St. Rugiel 9. Chor

Er hat ein purpurrotes Gewand der Lieben, der Hingabe, aber auch der Martyrer. Er hat ein scharfes Schwert des Angriffes, aber er schützt sich nicht mit einem Schild der Abwehr, er streckt nur die Hand aus. Und doch ist er ein Engel der Abwehr; hinter ihm schnaubt ein Ross, gewaltig wie das eines apokalyptischen Reiters. Ist das ein Engel Mariens?

Wir täuschen uns, wenn wir glauben, die Liebe Mariens sei nur weich und fraulich und hingebend. Sie ist ebenso stark wie der Tod; sie ist eine Flamme, die ununterbrochen emporlodert aus der Mitte der heiligen Kirche bis zum Thron Gottes; sie ist ein geordnetes Kriegsheer und eine Mauer aus Granit. Sie ist die geschöpflich reinste Widerspiegelung der Göttlichen Gegensätzlichkeit, denn nie ist Maria anders als Jesus: Sie redet im Schweigen, sie siegt im Erleiden.

Diese "marianische Gegensätzlichkeit" trägt St. Rugiel. Er ist Engel des 9. Chores, jenem Siebenteil angehörend, das den Fürsten in ihrer Aufgabe hilft. St. Rugiel dient St. Hassiel, dem Fürsten von Hoher Gewalt. St. Hassiel heißt: "Pfeil Gottes"; sein Symbol ist die Rute. Er ist der größte Fürst der Abwehr gegen die Mächte der Finsternis, denn er trägt die Schlagkraft der Gerechtigkeit Gottes in seiner Rute. So ist auch St. Rugiel Engel der Abwehr, aber als Engel Mariens: Die Liebe soll den bösen Feind abwehren, die Liebe soll mit dem Schwert die Bahn schlagen für die Gnade Gottes, die Liebe wird über die Äcker der Martyrer wie ein Sieger reiten und die unter der Siegespalme schlafenden "Heimkehrer" in den Schoß Mariens tragen.

Das Schwert St. Rugiels wird von der Liebe Mariens geführt. Die Liebe Mariens gilt in der Welt genauso viel wie die Torheit des Kreuzes. Sie ist genauso arm und schlicht, wie Maria es war zeit ihres Lebens. So ist auch das Schwert ganz schlicht, aber es leuchtet, als ob die Tränen Mariens und aller Frauen des Corpus Christi Mysticum es immerfort blank waschen würden. Die erhobene Hand des Engels wehrt dem sich heranwälzenden satanischen Dunkel, aber sie ruft ebenso klar und schlicht die Menschen zum Wachsein auf, zur Bereitschaft, denn "niemand weiß den Tag noch die Stunde, wann der Menschensohn kommen wird".

In der "marianischen Gegensätzlichkeit" ist St. Rugiel ebenso hingebend, liebevoll und fürbittend wie unerbittlich in den Forderungen der Liebe, der Ehre Gottes. Auf seiner hohen, klaren Stirn steht das Signum "Sedes Sapientiae", auf seiner Brust aber jenes der Torheit des Kreuzes.

Gebet: Du großer, heiliger Engel! Richte die Spitze deines Schwertes gegen unser Herz, dass es durch dich aufbreche zur Liebe und sich nimmer schließe. Lass unsere Liebe stark sein wie der Tod und verzeihend und verstehend, wie es die Liebe der Mutter Jesu war. Nimm uns in deinem roten Mantel heim als Erntegabe der Liebe für unsern Herrn und Gott. Amen.

 

23. Mai – St. Jessaphar 4. Chor

Überall, wo auf Erden ein Tabernakel das Höchste Gut umschließt, ragt darüber hinaus bis über alle Wolken zum Thron Gottes das Zeichen St. Jessaphars, des siebenten Opferschalenengels, der das Versöhnungsopfer Mariens trägt. Er hat die Schale, den Kelch aus Gold.

So wie im obersten Ring der Anbetung der Chor der Seraphim den Strom der Liebe Gottes empfängt und weiterleitet, so stehen unter ihm im zweiten Ring der Allmacht Gottes, der unendlich groß ist, die Herrschaften, im vierten Rang der Engelchöre. Auch die Herrschaften sind Träger der Liebe; am deutlichsten kenntlich in ihrer Aufgabe sind im ersten Drittteil, den Herrschaften von Hoher Gewalt, die sieben Schalenengel, welche die Gaben des Heiligen Geistes tragen und wie sieben Leuchter um Maria stehen. Unter ihnen, im letzten Drittteil, als Herrschaften von Niederer Gewalt, stehen die sieben Opferschalenengel um das Opferlamm Jesus Christus. Und so wie die sieben Schalenengel bei der Herabkunft des Heiligen Geistes das Licht, das Feuer, die Flammen von oben herab auf die Erde verströmen, so ragen die sieben Opferschalenengel wie Opferaltäre von der Erde herauf bis zum Thron Gottes. Jeder der sieben trägt in seiner Schale die Antwort der Menschheit als Lob- und Weih- und Dank- und Blut- und Bitt- und Sühn- und Versöhnungsopfer. Jeder hat eine andere Schale aus den Stoffen der Erde: Aus Türkis und Saphir und Amethyst und Rubin und Silber und Topas und Gold. St. Jessaphar trägt die Schale aus Gold mit sieben Edelsteinen in den sieben Regenbogenfarben. Er hält das Opfer Mariens als Versöhnungsopfer dem Herrn hin, dass es in geheimnisvoller Weise eins werde mit dem Opfer des Abendmahlssaales und allen Mess-Opfern auf Erden. Maria ist der Beginn der Versöhnung durch Jesus Christus. Sie hat den Erlöser umschlossen, mit ihr hat der Alte Bund des Allmächtigen Gottes mit Seinen Knechten geendet und der Neue Bund des Liebenden Vaters mit Seinen Kindern begonnen. Noch innerhalb ihres irdischen Lebens hat ihr Sohn, Der ihr Gott ist, das größte Versöhnungsopfer aller Zeiten im Abendmahlssaal gehalten. Dieses Versöhnungsopfer, das Maria mit dem Herrn Selber hielt, trägt symbolhaft kniend der leuchtende Engel St. Jessaphar. Über ihm steht der Engel mit der Schale der Gottseligkeit voll Feuersglut und überschüttet ihn und den Kelch – die Schale – mit glühendem Licht. Unter ihm aber stehen die Engel der Macht der Liebe und tragen die Gewalt und Macht und Schönheit des Versöhnungsopfers über die ganze Menschheit nach den Worten des Herrn: "Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken!"

Gebet: Maria, reinste, herrlichste Frau, aus dem Kelch dieses leuchtenden Engels strahlt deine Güte, dein Opfermut, deine Barmherzigkeit, deine glühende Liebe, deine Kraft, deine Lieblichkeit und deine Unversehrtheit wie ein siebenfacher Glorienkranz um das Göttliche Brot. O Mutter, versöhne uns mit dem Vater, dem Sohn, dem Geist und lass uns durch dein Versöhnungsopfer auf ewig gerettet und geborgen sein. Amen.

 

24. Mai – St. Amen 1. Chor

Die Furchtbarkeit und Herrlichkeit der Seraphim, der obersten geschöpflichen Träger der Liebe Gottes, ist am ehesten noch mit der Apokalypse vereinbar, da dort alle Engel in einem vielfach erhöhten Maß von Kraft und Gewalt wirksam erscheinen.

Drei Seraphim bilden in der Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes einen Seraph, einen dreipersönlichen und doch einen in dreien. Siebenmal treten uns so je drei Seraphim gegenüber. Die Einheit der letzten drei nennt sich "Feuerrad der Endzeit". Sie trägt neben dem charakteristischen Merkmal aller Seraphim den Flügeln innen und außen, den Augen innen und außen, der um sich und um Gott kreisenden Bewegung noch ein ganz besonderes Kennzeichen: Das des Feuerrades.

Hier sieht es aus, als hätte dieses ungeheure Feuerrad seine Richtung verloren; denn statt der um den Thron Gottes kreisenden Bewegung geht dieses wie in einem gewaltigen Wurf hinaus über den ersten Ring der Anbetung und hinein in den zweiten Ring und auch durch diesen hindurch bis in die Tiefe des dritten Ringes der Erlösung und von dort wieder zurück zum Thron Gottes.

Der erste der drei Seraphim, St. Elion, "der Starke", fährt in der Gerechtigkeit Gottes hinab gegen Süden, umkreist die Erde und kommt im Norden wieder herauf, rufend: "Angebrochen ist die Gerechtigkeit Gottes, von nun an soll herrschen die Hand des Richters auf Erden!"

Der zweite der drei Seraphim, St. Jessi, läuft hinab nach Osten und kommt unter der Erde gegen Westen wieder herauf, rufend: "Wacht auf, wacht auf und tut euren Mund auf zur Klage, denn der Tag des Zornes ist angebrochen!"

Der dritte der drei Seraphim aber, St. Amen, der heute vor Gottes Thron für uns bittet, fährt glühend hinauf, senkrecht zum Himmel und wieder hinab bis zu den Pforten der Hölle, rufend: "Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr, der Heilige, der Ewige, der Gerechte Gott!"

Er ist also nicht voll Zorn oder Strafgericht, er ist voll Anbetung. Sein Name ist "So sei es!" Darum steht er auch an diesem Tag als Fürbitter, da die heilige Kirche das Fest Mariens, Hilfe der Christen, feiert. Sie ist Hilfe der Christen wirklich und wahrhaftig, und von Gott her kommt die Bestätigung durch Seinen Seraph: "So sei es!" St. Amen ist Seraph des Geistes, Seraph der Liebe, Seraph der Endzeit.

Gebet: Herr, wenn diese letzten Schreckenstage über uns hereinbrechen, lass Deine heiligen Engel uns Hilfe und Rettung sein; lass sie uns Deine Liebe und Barmherzigkeit bringen, da wir vor Deiner Gerechtigkeit doch nie bestehen können. Amen.

 

24. Mai – St. Pharim 5. v. Chor

Es ist eine irrige Ansicht, "Engel" sei ein Sammelname für einen vagen, verschwommenen, veralteten Begriff, oder Engel seien keine Persönlichkeiten. Sie sind weitaus mehr Persönlichkeit als die Menschen; es gibt bei ihnen keine Halben und Lauen und Toten wie bei den Menschen. Jeder Engel ist eine Persönlichkeit, welche weit die irdischen Maße übersteigt.

Die Gewalten als die mittleren der neun Chöre sind wohl die am meisten zu Persönlichkeiten geprägten Träger der den Menschen zugewendeten Gewalt Gottes. Sie sind Gewalt auch als Träger der Armut, der Sanftmut, der verborgenen Opfer, ja der sühnenden Gottverlassenheit. Der dreigeteilte Chor der Gewalten umfasst dreimal 24 Gewalten: Die 24 Hohen Gewalten tragen die Statik der Göttlichen Gewalt im Alten und Neuen Bund, das Bündnis mit den Menschen; die Versiegelten Gewalten tragen die Dynamik der Göttlichen Spannkraft und Gegensätzlichkeit und wirken in der Bändigung ihrer Gewalt – durch ihr Versiegeltsein für die Endzeit – zum Segen für die Schöpfung; die Niederen Gewalten sind die Träger der Gewalt des Göttlichen fließenden Lebens als Aufbau, Ordnung und Harmonie der Schöpfung.

St. Pharim gehört zu den Versiegelten Gewalten. Sie stehen zweimal zu drei und sieben; in ihrer Mitte sind die vier Ecksäulen mit St. Sederim, dem Engel des Widerspruchs, als dreizehnten und als Mitte aller Engel. St. Pharim ist der dritte der ersten drei, von denen der erste die Gewalt des stofflichen Lebens, das Göttliche "Werde!" trägt, der zweite die Gewalt über die Sünde, das Göttliche "Weiche!" St. Pharim trägt die Gewalt Mariens als Gewalt der Liebe des göttlichen "Komme!" Maria ist die Mittlerin dieser Göttlichen Gewalt, alle Liebesgewalt Gottes geht über Maria. Sie ist es, die sich vom Thron der Majestät Gottes herab neigt und die Fülle der Gnaden durch ihre Hände abwärts strömen lässt. Sie ist es, die mit der Gewalt ihres Herzens die Menschen anruft: "Kommet doch, kommet zu meinem Sohn!" Sie ist es aber auch, die im Namen der Menschen und mitten unter ihnen stehend, dem Liebesruf Gottes antwortet, die alle ihre Kinder vor sich dem Vater entgegenhält, dass Er Maria nicht an Sich ziehen kann, ohne alle ihre Kinder mit an Sein Herz zu nehmen.

St. Pharim ist wie ein riesiger, leuchtender, sonnenhafter Magnet; er enthält auch alle Schönheit der Engel, die in Maria als Königin der Engel gipfelt. Auf ihn fließt die Kraft des großen Cherubs St. Chamael, des Trägers der Göttlichen Anziehungskraft. St. Pharim strömt seine Kraft in gleicher Fülle auf den Engel des Ja-Sagens zum Willen Gottes und auf den Engel der Wunderkraft. Unter ihm stehen in breiter Reihe die Engel der Kirche und die sieben Erzengel.

Gebet: Herr, lass uns aufwachen durch die Gewalt dieses Engels, der mit dem Werben des liebevollsten und gütigsten aller Wort, mit dem Göttlichen "Komme!", an unser Herz pocht.

Gib uns die Gnade, dieses Wort nie zu überhören, damit Du uns einst nicht überhörest, wenn wir an der Himmelstüre um Einlass bitten. Amen.

 

25. Mai – St. Jesirach 4. Chor

Die Geheimnisse Gottes sind nur an ihrer Peripherie zu erahnen, auch Engel und Heilige können sie nur nach dem Maß ihrer eigenen Fassungskraft begreifen. Entschleiert erkennen kann nur Gott allein Sich Selbst.

Da sind zwölf große Engel aus dem Chorteil der Herrschaften von Hoher Gewalt; sie stehen weit über der Erde über den Toren des Neuen Jerusalem. Sie geleiten die Menschen zur ewigen Heimat und erwarten sie mit ausgebreiteten Armen, wie man heimkehrende Kinder erwartet. Da sind aber auch zwölf große Engel aus dem Chorteil der Herrschaften von Niederer Gewalt. Sie nennen sich "Engel von Wort und Antwort" und stehen mit ihren Füßen auf der Erde; sie tragen die Geheimnisse Gottes als Anruf an die Schöpfung hinein bis ins kleinste Geschöpf in der Ordnung und Allmacht Gottes.

Einer dieser zwölf Engel von Wort und Antwort steht heute vor Gottes Thron, ein Engel Mariens, der elfte der zwölf. Alle zwölf sind Engel der Liebe; sie tragen die Liebe Gottes in einer geheimnisvollen und uns nicht fassbaren Art in die Schöpfung. Sie gehen zu drei und drei und tragen diese Geheimnisse in die Wurzel, in den Aufbau, in die Blüte und in die Frucht aller Schöpfung. Sie tragen Gottes Maß, Gesetz und Wahrheit, sie tragen Gottes Liebe, Gottesfurcht und Gerechtigkeit, sie tragen Gottes Weisheit, Schönheit und Harmonie, sie tragen Gottes Macht, Stärke und Sieg.

St. Jesirach, der elfte der zwölf, trägt die Stärke des Dreieinigen Gottes in die Frucht aller Schöpfung. Er trägt sie in die Frucht und aus ihr zum Throne Gottes.

Jeder Engel ist geheimnisvoll in seiner Art und von den Menschen nicht restlos begreifbar. Aber jene Engel, welche diese großen Wesenheiten Gottes tragen, die zugleich für die Schöpfung nicht zu entschleiernde Geheimnisse sind, haben noch mehr Geheimnisvolles an sich als viele andere.

So ist es auch mit diesem Engel. Er ist Engel Mariens, der Zarten, Reinen, der unvergleichlichen Blüte, und sieht doch dem gewaltigen Engel des Widerspruchs, St. Sederim, gleich, nur nicht so massiv geschnitten, sondern eher scharf und schmal wie ein Schwert, das von Gott aus zur Erde herabgefahren ist und nun dort in der Schöpfung feststeckt. Das Alpha und das Omega (es gleicht einem T; bedeutet aber so viel wie Omega), das auf den Schultern St. Sederims aussieht, als wäre es mit Blut gezeichnet, ist bei St. Jesirach durchsichtig wie ein Abendhimmel, wie Regenbogenfarben, ohne Härte und Grauen. Diese Stärke Gottes ist ein Geheimnis der Liebe. Sie ist durch Maria aufgehalten, sie ist durch sie durchgezogen, sie ist zur Liebes-Stärke des Gütigsten Vaters geworden. Dieses wunderbare Geheimnis der Liebe Gottes zu Maria und seine Auswirkung auf so große, entscheidende Wesenheiten Gottes ist in etwa auch ersichtlich in den gewaltigen Waagebalken, die St. Jesirach über sich hält. Sie scheinen auf seinen flammenden Haaren zu ruhen, die aufwärtslodern und oben wie Spitzen von Schwertern aussehen. Auf einem der Waagebalken ruht die ganze zusammengeballte Stärke Gottes, des Dreieinigen, Der in Sich Stärke ist; auf dem anderen ruht das Geheimnis Maria, wie ein zarter, duftender, unberührter Schleier, und dieser Schleier hält die ganze Stärke Gottes durch den verbindenden Balken "Liebe" im Gleichgewicht.

Gebet: Herr, wir beten Dich an in Deiner großen Herrlichkeit! Wir klammern uns an die Stärke der Liebe Mariens, um dadurch Deine Stärke, o Gott, als Liebe empfangen zu dürfen. Amen.

 

26. Mai – St. Emmanuel 5. h. Chor

Der Chor der Gewalten, welcher in der Mitte aller Engelchöre steht, trägt den Willen Gottes in die Schöpfung. Die Hohen Gewalten tragen diesen Willen Gottes in der Statik der Seienden; sie sind wie schimmernde Hochburgen. Die Versiegelten Gewalten tragen diesen Willen in der Dynamik der in der Fülle ihrer Kraft Gebändigten, Versiegelten; sie sind wie riesige Kraftwerke. Die Niederen Gewalten tragen die Kraft des Willens Gottes als flutendes, antreibendes Leben durch die Schöpfung; sie sind die Pflüger und Früchtebringer, die Wandler und Türöffner, die Ordner und Aufbauer; sie sind wie leuchtende Kreiselscheiben.

St. Emmanuel gehört zu den Hohen Gewalten. Die Gewalten werden vom Strom des Wortes über die Cherubim gespeist. Sie übernehmen aber in einzelnen Engeln – je nach ihrer Aufgabe – auch von den Seraphim und Thronen Liebes- und Lebensströme, um damit den eigenen Kraftstrom noch besonders zu färben. So ist St. Emmanuel als Gewalt dem Sohn, dem Wort, zugeordnet, als Hohe Gewalt noch im besonderen dem Vater, dem lebensspendenden Schöpfer; dadurch empfängt er auch den Lebensstrom von den Thronen her. Er ist außerdem Engel Mariens und empfängt Ströme der Liebe von den Seraphim her sowie auch das formgebende "Es werde!" von jenem Thron, der die Schönheit Mariens als formgebend gegen die Schöpfung zu weitergibt. Die Engel Mariens wie auch die Seraphim sind dem Geist zugeordnet. Und so muss es auch sein, wenn St. Emmanuel, "Gott mit uns", der Träger des Göttlichen Angesichtes ist.

Das Göttliche Angesicht ist immer das des lebendigen Dreieinigen Gottes. Niemals können wir das Angesicht des Vaters in diesem wunderbaren Lichtring vom Angesicht des Sohnes trennen, niemals den Sohn vom Geist, niemals den Geist vom Vater. So muss auch St. Emmanuel als Träger des Göttlichen Angesichtes Träger des Antlitzes des Dreieinigen Gottes sein, der Göttlichen Form in Schöpfung und Geschöpf. Er hat nicht nur sein Angesicht am Angesicht Gottes hängen, sondern sein eigenes Angesicht ist zugleich das Siegel, mit dem Gott symbolhaft Seine Schöpfung prägt. Jedes Geschöpf trägt dieses Angesicht Gottes als Anruf und Antwort, als Zeichen, dem widersprochen wird, als Torheit des Kreuzes, als Licht und als Zeichen je nach seiner Art in gewandelter Form. Immer drückt der Dreieinige Gott Sein Angesicht auf die Schöpfung, immer aber ist Maria als Mittlerin dazwischengeschaltet. Es sind fast nicht begreifbare Fäden, und doch sind sie von höchster Weisheit und von klarstem Willen zum Wohl der Menschheit. Immer wird sich Maria zuerst dem Göttlichen Angesicht im Namen der Schöpfung darbieten, das Siegel zu empfangen, und immer wird Maria durch den Engel in mütterlicher Liebe das Eigentum Gottes siegeln für die Ewigkeit.

So steht St. Emmanuel vor uns, unbeweglich, und doch vibrierend in der Gewalt der Liebe Gottes. Er ist umhüllt vom Licht des Dreieinigen Gottes; er trägt in seinen Händen die Schale mit Mariens Anbetung wie eine duftende Wolke, die sich zwischen Schöpfer und Geschöpf legt und alles verklärt und heiligt.

Gebet: Heiliger Engel, arbeite an unserm Leben und lasse nicht nach, bis auch unser Angesicht das Angesicht Dessen trägt, Dem wir gehören wollen, Jesus Christus, in Ewigkeit. Amen.

 

27. Mai – Die zwölf Engel vom Dienst vor dem Thron Mariens

In ihren sieben Machtbereichen hat die himmlische Königin die sieben großen Erzengel als Verwalter eingesetzt. Aber zu ihrem besonderen Dienst hat sie noch zwölf Engel, die, wie zwölf Sterne um die Sonne, um ihren Thron stehen. Diese zwölf wechseln. Jeder Engel darf einmal Engel vom Dienst vor dem Thron Mariens sein. Sie wechseln immer im siebenten Jahr ihres Dienstes, und sie werden von Maria selbst bestimmt. Die Länge eines solchen Jahres deckt sich nicht mit unserer Zeitrechnung. Das Wechseln eines Engels trifft immer mit Marienerscheinungen auf Erden zusammen, weil das Wechseln immer ein Fest der Liebe bedeutet und Maria immer ihre Kinder auf Erden einbezieht und den Menschen für diese Zeit besondere Gnaden anbietet. So lernen die Engel vom Dienst sofort bei ihrem Eintritt die Liebe Mariens zu den Menschen aus allernächster Nähe kennen. Sie dürfen Maria begleiten, sie knien auch neben ihr, wenn sie sich als Fürbitterin an den Dreieinigen Gott wendet.

Diese zwölf Engel werden aus allen Chören genommen. Sie haben feste und bewegliche Aufgaben. Sie haben auch feste und bewegliche Verwaltungen, und sie tragen besondere Gaben.

In diesem Dienst lieben die zwölf Engel es nicht, mit ihrem Namen angerufen zu werden, sondern man soll sie mit ihrer Aufgabe oder mit ihrer Verwaltung rufen. Die Aufgaben bleiben bestehen, die Engel wechseln. So kann heute ein Thron Engel Afrikas sein und als nächster ein Fürst. Diese Engel bringen dann jedes Mal ihre eigene Prägung mit, welche auch auf die Führung der Menschen Einfluss hat.

Der erste der zwölf ist der Engel Gottes. Er hat als feste Aufgabe, den Gottesbegriff lebendig zu halten auf der ganzen Erde bei allen Menschen.

Er hat als bewegliche Aufgabe, Berufungen zu wecken der völligen Loslösung vom Irdischen und der Hingabe an Gott.

Er hat als feste Verwaltung die heiligen Stätte, an denen der Sohn Gottes auf Erden weilte und die dadurch über alle Maßen geheiligt sind für Maria, alle Engel und Heiligen. Er hat als bewegliche Verwaltung die Orte, an denen der Stellvertreter Christi auf Erden weilt und von wo aus die heiligen Kirche geleitet wird.

Er hat als besondere Gnade das Einssein mit Gott.

St. Alphai ist heute vor dem Herrn der erste der zwölf. Er ist Seraph und gehört jenem Drittteil seines Chores an, das dem Heiligen Geist noch besonders zugeordnet ist. St. Alphai hat den Heiligen Geist am Pfingstfest begleitet. In seiner eigenen Wesenheit als Seraph "Der das Licht ist", lässt er den Strom der Liebe als Erkenntnis Gottes, als Wachstum der Lieben, als Lobopfer Gottes, als Macht der Ordnung der Liebe bis zu St. Chattatim, dem Engel der Pfingstauswirkung fließen.

Der zweite der zwölf ist der Engel der Botschaft. Er hat als feste Aufgabe den Weckruf an die Kinderseelen, das Aufwachen der Seelen für Gott.

Er hat als bewegliche Aufgabe, Worte und Wünsche des Herrn, Mariens, der Engel oder Heiligen zu geleiten oder selbst zu übermitteln.

Er hat als feste Verwaltung die Sinnesorgane des Menschen: Ohren, Augen und Mund, auch das Gehirn.

Er hat als bewegliche Verwaltung die Betreuung der an wichtigen, exponierten oder gefährdeten Stellen stehenden Menschen und ihrer Schutzengel.

Er hat als besondere Gnade die Armut des Geistes.

St. Chochmah aus dem Chor der Herrschaften von Niederer Gewalt ist heute dieser zweite der zwölf vor dem Herrn. Er ist jener, der die Weisheit trägt in die Blüte aller Schöpfung. In seiner Wesenheit als Herrschaft ist er dreifach, und wieder dreifach in der Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes durch die Schöpfung. Er strahlt das Leben, das Wort und die Liebe Gottes durch Maria hindurch nach allen Seiten aus als tiefste Weisheit und zurück zum Ziel, der einfachen Wesenheit Gottes.

Der dritte der zwölf ist der Engel der Heimholung. Er hat als feste Aufgabe, die Seelen jener, welche Gottes Eigentum sind, in der Todesstunde heimzuholen.

Er hat als bewegliche Aufgabe, je nach dem Befehl des Herrn diese Seelen, die dem Herrn als Angel oder Fischernetz dienen, auszuwerfen und die Beute Gottes mit den helfenden Engeln heimzuholen. Er hat als feste Verwaltung alle Ruhestätten der Kinder Gottes. Er hat als bewegliche Verwaltung die jeweiligen Orte der Beute Gottes, meist mitten im feindlichen Gebiet. Er hat als besondere Gnade das Einlösen der Ablässe und besonderen Versprechen, welche der Herr und Maria geben.

St. Hagiel ist heute vor dem Herrn der dritte dieser zwölf. Er ist aus dem Chor der Cherubim, aus dem zweiten Drittteil, das dem Sohne in besonderer Weise zugeordnet ist. So ist er auch im besonderen Maße als Engel der Heimholung geeignet. Er steht heute als Engel für alle zwölf, vom Herrn herausgestellt, vor dem Thron Gottes. In seiner Wesenheit als Cherub, als Engel des Schweigens, lässt er den Strom der Göttlichen schweigenden Kraft abwärts zu jenem Engel der Gewalt fließen, der das Göttliche "Werde!" trägt, und von dort in die Tiefe. Jede Heimholung ist ein "Werde!" zur ewigen Seligkeit. St. Hagiel wird in der Endzeit die geheimen Brunnen der Göttlichen Kraft wieder aufsprengen und die Menschen wieder das Segnen lehren.

Der vierte der zwölf ist der Engel der Gesetze. Er hat als feste Aufgabe die Überwachung des harmonischen Ablaufes der Gesetze Gottes. Er hat als bewegliche Aufgabe die harmonische Anpassung der Menschen je nach Zeit und Ort an die Ordnung Gottes. Er hat als feste Verwaltung die kirchliche Hierarchie auf Erden. Er hat als bewegliche Verwaltung die Strafgerichte Gottes und ihren Vollzug je nach Gottes Befehl. Er hat als besondere Gnade den Frieden.

St. Georah ist heute vor dem Herrn dieser vierte der zwölf. Er ist aus dem Chor der Gewalten, aus dem letzten Drittteil dieses Chores, den Niederen Gewalten. In seiner Wesenheit als Engel der Schönheit der Göttlichen Liebe im Ablauf der Zeiten empfängt er den Kraftstrom des Wortes vom Cherub St. Zachariel, der das Gleichmaß trägt, die Göttliche Ausgewogenheit. Er lässt diesen Strom nach abwärts zu den Engeln der Struktur der heiligen Kirche und der Schöpfung fließen bis zu St. Michael, dem Engel des Glaubens und der Treue.

Der fünfte der zwölf ist der Engel der Reinigung. Er hat als feste Aufgabe die Läuterung der Seelen. Er hat als bewegliche Aufgabe die Durchführung der vom Herrn gewünschten verschiedenen Sühnewege und die Herabholung der dafür in Frage kommenden Engel als Hilfe. Er hat als feste Verwaltung die Läuterungsorte. Er hat als bewegliche Verwaltung die jeweiligen Beichtstühle der seeleneifrigen Priester (Umpflüger). Er hat als besondere Gnade die Reuetränen.

St. Aralim Enneth ist heute vor dem Herrn dieser fünfte der zwölf. Er ist aus dem Chor der Throne jener eine Versiegelte; er ist verhüllt. Er trägt das Geheimnis des Willens Gottes über die Herrschaft Luzifers.

Obwohl er der schwächste Thron ist, gleicht er doch einem brüllenden Löwen mit Adlerkrallen, mit Stierhörnern und Engelsflügeln. Er ist immer in Rauch und Wolken gehüllt, und doch ist er wie ein Kind. Er steht über St. Sederim, dem Engel des Widerspruches und der Gegensätzlichkeit, der ein Engel der Liebe und ein Engel Mariens ist. Der Strom des Lebens geht über ihn und die Ecksäulen hinunter zum Fürsten der Gnade und zum Engel "Maria" auf dem Boden der Erde.

Der sechste der zwölf ist der Engel des Herzens. Er hat als feste Aufgabe die Förderung der Herz-Jesu- und Herz-Maria-Verehrung. Er hat als bewegliche Aufgabe, an exponierten (Kampf-) Stellen auch die Freude, den Frohsinn, die Herzensgläubigkeit, den Starkmut des Herzens zu festigen. Er hat als feste Verwaltung die Wallfahrts- und Gnadenorte der Erde. Er hat als bewegliche Verwaltung die Kongregation, die Legion, die Caritas und alles, was im religiösen Leben auf Marienminne, Liebe und Barmherzigkeit aufgebaut ist. Er hat als besondere Gnade das Wunder.

St. Hajim ist heute vor dem Herrn dieser sechste der zwölf. Er ist der Engel der Kirche aus dem Chor der Mächte. Seiner Wesenheit nach ist er der Engel des inneren Lebens der Kirche, der an die Herzen schlägt. Er steht unter den Engeln der Glaubenskraft, des Vertrauens, der Liebe als Anruf. Er ist der Träger des lebendigen Lebens und der immerwährenden Quelle der Kraft aus dem Tabernakel.

Der siebente der zwölf ist der Engel der Natur, die Gott geschaffen hat und liebt. Er hat als feste Aufgabe den geordneten Ablauf der Schöpfung. Er hat als bewegliche Aufgabe, bei jenen Menschen, die sich aufgeschlossen zeigen, die große und klare Brücke der Liebe Gottes zwischen Schöpfer und Geschöpf immer sichtbarer werden zu lassen.

Er hat als feste Verwaltung die ganze Natur, das Tier-, Pflanzen- und Mineralbereich und alle Elemente zu überwachen. Er hat als bewegliche Verwaltung alle Verwendungen daraus für den Menschen, für Chemie, Technik, Handel; er bringt die Naturwissenschaften für den Menschen in die Blickrichtung auf Gott. Er hat als besondere Gnade die Natürlichkeit, die der Spiegel der Einfachen Wesenheit Gottes ist.

St. Teliel ist heute vor dem Herrn dieser siebente der zwölf. Er ist aus dem 9. Chor der Engel und untersteht St. Phanael aus dem Chor der Mächte, dem Engel der Klugheit in der Liebe. Er ist der Engel, dem die Engel der Natur auf der ganzen Erde unterstehen: Jene der Berge, der Landstriche, der Quellen. Er ist der Engel der Gärtner, der Forscher, der Engel der Verborgenheit.

Der achte der zwölf ist der Engel der Orden. Er hat als feste Aufgabe das Leben in den Ordensgemeinschaften, Klöstern und Pfarreien, das Leben der Priester zu überwachen. Er hat als bewegliche Aufgabe die Schlichtung der Spaltungen und Schismen, das Aufdecken von Häresien. Er hat als feste Verwaltung den Erdteil der Abendländer. Er hat als bewegliche Verwaltung die Abteien, Stifte, Diözesen, Klöster. Er hat als besondere Gnade die Bindung, den Gehorsam.

St. Myrrhael ist heute vor dem Herrn dieser achte der zwölf. Er ist aus dem letzten Drittteil des Chores der Fürsten: Den Stillen Fürsten. Seiner Wesenheit nach ist er der Engel der Persönlichkeit, des persönlichen, individuellen Lebens des einzelnen. Er führt auch die Gottsuchenden auf diesem Weg. Er steht unter dem mittleren der zweiten drei Throne Gottes in der Schöpfung, St. Malachim, dem obersten Engel der Gegensätzlichkeit.

Der neunte der zwölf ist der Engel der Arbeit. Er hat als feste Aufgabe, die Untrennbarkeit von Gebet und Arbeit den Menschen selbstverständlich zu machen. Er hat als bewegliche Aufgabe die rasche Hilfeleistung mit der beistehenden Gnade. Er hat als feste Verwaltung den Erdteil Amerika. Er hat als bewegliche Verwaltung die jeweiligen großen gefährdeten und heißumstrittenen Arbeiterzentren. Er hat als besondere Gnade die Ruhe und Sicherheit.

St. Aydiel ist heute vor dem Herrn dieser neunte der zwölf. Er gehört zu den Stillen Fürsten, dem letzten Drittteil aus dem Chor der Fürstentümer. Seiner Wesenheit nach ist er der Engel des Scharfsinnes, des Hausverstandes, der Nüchternheit, der Erkenntnis, der präzisen Durchschlagskraft. Unter ihm stehen alle Engel der Arbeit, alle Engel der Berufe.

Der zehnte der zwölf ist der Engel der Erleuchtung. Er hat als feste Aufgabe, Gott durch die Sinne in den Menschengeist zu tragen. Er hat als bewegliche Aufgabe, immer wieder einzelne Menschenseelen von diesem Gottesgeist der geheimen Gedanken zu durchdringen und in genialer Weise für Gott arbeiten zu lassen. Er hat als feste Verwaltung das Morgenland. Er hat als bewegliche Verwaltung alle auf dem Boden Gottes gewachsene Kunst, die Kunstschätze und die Künstler. Er hat als besondere Gnade die Gestaltungskraft.

St. Sahjiel ist heute vor dem Herrn dieser zehnte der zwölf. Er ist aus dem Chorteil der Stillen Fürsten. Seiner Wesenheit nach ist er der Engel der inneren Kraft, aber auch der stillen Träume, der unerfüllten Sehnsucht und Liebe, die nur durch Gott Selbst gestillt und befriedigt werden kann. Deshalb leuchtet er vor Gott wie ein ganz heller Stern. Er war es, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe führte.

Der elfte der zwölf ist der Engel der Gelassenheit. Er hat als feste Aufgabe die Betreuung der Kranken. Er hat als bewegliche Aufgabe das Auflösen von Unruhezentren, Streikherden und giftigen Atmosphären. Er hat als feste Verwaltung die Inselwelt der Erde. Er hat als bewegliche Verwaltung alle Krankenstuben, Spitäler, Kliniken, Sanatorien. Er hat als besondere Gnade die Gelassenheit.

St. Rehajiel ist heute vor dem Herrn dieser elfte der zwölf. Er ist St. Manuel unterstellt, dem Stillen Fürsten, der Ecksäule der dienenden Bereitschaft. Seiner Wesenheit nach ist er Engel des Verzichtes, des kindlichen Beugens unter den Willen Gottes. Der ihm von seiner Fülle gibt, ist St. Jessim, der zweite der sieben Throne der Schöpfung, der Engel, der die Mystik trägt.

Der zwölfte der zwölf ist der Engel der Mission. Er hat als feste Aufgabe die Betreuung der Heidenländer. Er hat als bewegliche Aufgabe den Priester- und Schwesternnachwuchs, der aus aller Welt kommt. Er hat als feste Verwaltung den Erdteil Afrika. Er hat als bewegliche Verwaltung die Missionshäuser und Niederlassungen auf der ganzen Erde, die Seminarien und Lehranstalten für die Missionen. Er hat als besondere Gnade die kindliche Ehrfurcht und die Opferbereitschaft bis zum Letzten.

St. Ombael ist heute vor dem Herrn dieser zwölfte der zwölf. Er gehört zu den Stillen Fürsten, dem letzten Drittteil des Chores der Fürsten. Seiner Wesenheit nach ist er der Engel der Mütter, der mütterlichen Hilfsbereitschaft, der Häuslichkeit, der Familienzusammenarbeit.

Gebet: Himmlische Königin und Mutter Maria! Gleichwie ein Kranz von zwölf Sternen dein Haupt umgibt, so stehen diese zwölf Engel von deinem besonderen Dienst vor deinem Thron. Allezeit sendest du sie aus zur Rettung und zum Segen; sie tragen deine Mutterliebe und deine fürsorgende Hilfe in Klosterzellen und Krankenstuben, zu Gelehrten und zu Arbeitern, zu Müttern und zu verborgenen Kämpfern für das Reich Gottes, hin in alle Erdteile.

Heute aber sendest du sie als unsere besonderen Fürsprecher vor den Thron des Allmächtigen Gottes. Lege auch deine Kraft dazu, o Mutter, damit diese Fürbitte besonders wirksam werde und wir in Treue und Beharrlichkeit mit deinem Segen die Nöte und Schwierigkeiten unseres Lebens bezwingen können. Amen.

 

28. Mai – St. Hajim 7. Chor

Wenn auch gestern die zwölf Engel vom besonderen Dienst vor Maria, der Königin, genannt waren, so soll doch einer uns heute ganz besonders vor Augen stehen: St. Hajim, der siebente der zwölf Mächte der Kirche, der Engel der Wandlung. Er ist neben St. Haleochim, dem Engel des Corpus Christi Mysticum, der als Engel "Maria" das Fundament der vier Ecksäulen bildet, derjenige unter den zwölf Engeln der Macht der heiligen Kirche, der mit mehreren Aufgaben zugleich betraut ist.

So ist St. Hajim in seinem Chor der Mächte der Engel der inneren Macht und des inneren Lebens der heiligen Kirche, der Engel der Wandlung, der an die Herzen klopft.

Er ist als der sechste der zwölf Engel vom besonderen Dienst vor Maria, der Königin, der Engel des Herzens. Als solcher hat er eine feste Aufgabe: Die Förderung der Verehrung der Heiligsten Herzen Jesu und Mariä. Seine bewegliche Aufgabe ist die Festigung der Herzensgläubigkeit. Als feste Verwaltung hat er die Wallfahrtsorte und Gnadenorte, als bewegliche Verwaltung das religiöse Innenleben der Kirche.

Er ist aber auch noch der siebente der vierzehn Nothelferengel. Dort ist er der Engel des Gewissens. Er weckt die Menschen und hält ihre Herzen warm und lebendig. Er soll angerufen werden gegen alle Hartherzigkeit und Lieblosigkeit, gegen Misstrauen und Lüge.

Er steht außerdem in der Mitte der sieben Tabernakelengel, wiederum als der Engel der Wandlung. Hier sind die Engel des vierten Machtbereiches Mariens unter St. Jophiel, dem Umpflüger, um ihn. Sie rufen mit ihm die Menschen zur Besinnung und zur Umkehr auf.

St. Hajim weist uns immer zum Tabernakel hin. Er klopft mit der vorgestreckten Hand an unser Herz, an unser Gewissen; er hat neben sich als Symbol eine Wallfahrtskirche. Er hat über sich den Engel der Treue, die Liebe als Leben, und den Seraph St. Elchim, den Träger der Allmacht Gottes.

Gebet: Heiliger Engel der Wandlung, klopfe an unser kaltes und hartes Herz und lass nicht nach, bis wir dir öffnen und damit der Gnade Einlass gewähren. Lehre uns die Liebe des heiligsten Brotes erkennen und hilf uns, nach dieser schweigenden, helfenden, sich verschenkenden Liebe des Herrn zu leben und zu sterben. Amen.

 

29. Mai – St. Heliel 5. Chor

Im Kirchengebet am 29. September, am Fest des heiligen Erzengels Michael, beten wir: "O Gott, in wunderbarer Ordnung verteilst Du der Engel und der Menschen Dienste; verleihe gnädig, dass die, welche im Himmel als Deine Diener immer vor Dir stehen, unser Leben auf Erden beschirmen!"

In diesem Gebet ist der Wesenszug jener Engel genannt, die uns so fremd anmuten und von denen einer heute vor Gottes Thron als unser Fürsprecher steht. Das sind die Hohen Gewalten, die Engel des Alten Bundes, die Engel Abrahams, Israels, Davids, Josues, Henochs, Jessis. Haben diese Engel uns gar nichts mehr zu sagen?

Sie stehen vor Gottes Thron. Ihre Schützlinge sind schon im ewigen Frieden. Aber die Aufgabe dieser Engel ist noch nicht vorbei. Wenn ein Vater eine Lebensaufgabe begonnen hat, wirkt da nicht noch in Kindern und Kindeskindern seine Kraft, seine Idee, sein Einfluss?

Jeder dieser Engel trägt die Kraft und Macht seiner Schützlinge und seiner ganzen Zeit. Diese Kraft und Macht wirkt noch nach durch die ganze heilige Kirche, den Neuen Bund Gottes mit den Menschen. Sagt Gott nicht Selbst: "Nicht um die Gesetze aufzulösen, bin Ich gekommen, sondern um sie zu erfüllen"? Was damals von Gott in Sein Volk gesät wurde an Ewigkeitssamen, das trägt noch Frucht von Geschlecht zu Geschlecht: Die Treue, die Unbestechlichkeit, die Zähigkeit, die Gerechtigkeit, das Maß. Die Worte der heiligen Schrift über diese Vorfahren bleiben bis zum Jüngsten Tag in Gültigkeit.

St. Heliel, unser Fürbitter an diesem Tag, ist der Engel Josues und aller Richter. Darum hat er auch als Symbol eine Waage. Die beiden Waagebalken sind: Liebe und Gerechtigkeit. Im Alten Bund sagt man statt Liebe – Treue, denn die Liebe ist das Kennzeichen des Neuen Bundes. Für den Menschen des Alten Bundes war Gott der Herrscher, der Gesetzgeber, der Schöpfer-Gott; erst durch unsern Herrn Jesus Christus haben wir gelernt, Vater zu sagen, und durch die Liebe Jesu und Mariä sind wir der Liebe Gottes nahe gekommen. Aber wir wollen von St. Heliel das klare Erkennen lernen, das ebenso Liebe wie Gerechtigkeit ist, die klare Scheidung und Entscheidung. Und wir wollen lernen, dass Liebe und Gerechtigkeit eine stehende Gewalt sind wie ein Fels Gottes, der ist, weil er ist.

Gebet: Hoher Engel des Bündnisses Gottes mit den Menschen in Liebe und Gerechtigkeit, lasse auch uns den Willen Gottes lieben und von ihm gebunden werden, dass alles, was wir tun, zu Seiner Ehre, nach Seinem Willen und in Seiner Liebe geschehe. Amen.

 

30. Mai – St. Osed 9. Chor

"Gott ist gut, o, Gott ist gut!" Dieses Wort kann der Einfachste und Geringste denken und sprechen, es ist die schlichteste Wahrheit. So schlicht und wahrhaft einfach ist heute auch der Engel, der all unser Stammeln und Bitten, unsere heimliche Not und die Wünsche unseres Herzens – mögen sie auch wie gefangene Vöglein wirr herumflattern – mit seinen guten, stillen, ruhigen Händen emporhebt zum Thron des Allerhöchsten.

St. Osed, der Engel der Armen, ist es. Unter "arm" versteht die Welt immer den Mangel an Geld. Geld aber ist im Himmel und vor allen Augen, die Gott sehen, gleich Null. Die Armut ist im Himmel etwas ganz Heiliges. Wer die heilige Armut gelobt hat und liebt, der ist reich, der ist seligzupreisen. Und die Armen im Geiste, das sind diejenigen Menschen, die das Wort richtig erfasst haben: "Eines nur ist notwendig!" Das ist Gott, und die nach diesem Wort leben, nach dieser einfachen Wesenheit Gottes, haben alles.

Die Armen, die St. Osed betreut, das sind die anderen Armen: Das sind die Geringen, die von der Welt beiseite Gestellten, aber auch die Bedauernswerten, die voll innerer Nöte sind, voll Dunkelheiten; die außen oder innen bestraft, verkrüppelt, weglos tastend sind. O, diese brauchen einen großen, guten Engel! Und das ist er. Wenn er auch nur aus dem 9. Chor ist, so ist Gottes Weisheit zu preisen, denn niemand kann die Not des Menschen so gut verstehen wie jene Engel, welche dem Menschen am nächsten stehen.

Die Engel des 9. Chores sind nach Gottes Willen zumeist den höheren Chören als Hilfe zugeteilt. So ist es auch hier: St. Osed dient einem Engel von Hoher Gewalt, St. Dichael, dem Träger der Liebesgewalt des Dreieinigen Gottes. So sehr liebt Gott diese Armen, dass Er sie von den Gnaden der Liebesgewalt des Dreieinigen Gottes überströmen lässt. Sagt doch der Herr Selbst: "Die Letzten (Geringsten) werden die Ersten sein!" Jener große Cherub, der "Dunkles Licht" heißt (St. Thiriel), gibt über St. Osed diesen Armen die Gnade des dunklen Glaubens, von dem unser Herr einst zu Thomas sagte: "Selig, die nicht sehen und doch glauben!" Der Engel des Göttlichen Angesichtes (St. Emmanuel) prägt diesen Armen das Antlitz Christi auf, damit sie, so gezeichnet, einst von den Engeln in ihre ewige Heimat getragen werden. Unser Herr ist ja zu den Armen gekommen, und nicht zu den Reichen, – zu den Kranken, denn die Gesunden bedürfen des Arztes nicht. O, wie wohl tut dieses Wort unserer kranken Seele! Wie wollen wir diesen Engel der Armen lieben und nach ihm greifen!

Gebet: St. Osed, du starker, barmherziger Engel, du sagst so warm: "Gott ist gut!" Ja Gott ist wirklich gut! Wie wollen wir danken, danken! Amen.

 

31. Mai – St. Binah 3. Chor

Maria steht in ihrem Sohn als Seine Mutter zwischen Gott dem Allmächtigen Vater, dem Schöpfer Himmels und der Erde – und der nach Erlösung ringenden Menschheit. Sie ist nicht nur der Thron des Sohnes dadurch, dass sie Ihn in ihrem eigenen Schoß in die Welt hineintrug, sie ist Thron des Geistes, Der Sich auf sie niederließ und sie, die Allerreinste, Überschattete. Und ebenso ist sie Thron des Vaters, gerade am heutigen Fest: Maria, Königin der Welt.

Ein Engel spiegelt dieses Fest vor unsere Augen, damit wir es besser verstehen. Es sind eigentlich drei Engel, die zusammen ein Engel sind, drei Throne, die zusammen ein Thron sind. Alle diese drei Engel aus dem Chor der Throne bilden die Säulen zum Thron des Allerhöchsten über allen Himmeln. Sie sind die geschöpfliche Widerspiegelung der Allerreinsten Dreifaltigkeit im Gnadenstrom des Lebens, so wie die Seraphim eine ähnliche Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes im Gnadenstrom der Liebe in sich tragen und die Cherubim eine solche im Strom der Kraft des Wortes, immer dreimal anders, und doch immer dreimal der gleiche Heilige, Starke, Unsterbliche Gott.

So haben auch diese drei Engel einen Namen, der nur dreimal einen anderen Klang trägt: Binah.

Binah, der Thron des Vaters, spiegelt die große, gleichbleibende Statik der lebendigen Liebe, Majestät und Macht des Vaters.

Binnah, der Thron des Sohnes, spiegelt die lebendurchglutete Dynamik der Erlöserkraft des Sohnes.

Bihnah, der Thron des Geistes, spiegelt das lebendige Heilen und Heimholen aller Geschöpflichkeit in die Göttlichkeit durch den Heiligen Geist.

Diese drei Engel als Thron des Allerhöchsten ruhen über allen Engeln, denn Gott ruht über allen Engeln.

Denken wir nun, dass Maria nicht nur Mittlerin aller Gnaden, sondern zugleich Königin aller Engel ist, so sehen wir hier die Brücke, und wie alle Ströme der Gnaden zuerst über Maria, die Mittlerin, fließen, und durch sie über alle Engel ohne Ausnahme hinein in die Herzen der Menschen, wenn diese nur die Gnade erkennen und erfassen.

Die Flügel dieses Engels sehen wir so groß wie die Seitenflügel eines gotischen Altars, der auf der Erde aufsteht und mit seiner Spitze bis zum Thron Gottes des Vaters reicht. Maria steht in der Mitte, die Immaculata, und gerade als Immaculata ist sie die reinste, unberührte Mutter des Lebens. Der Engel steht hinter ihr; wir sehen nur seine Flügel und die Hände, die links und rechts von Maria zwei breitausladende Schalen tragen. Aus diesen Schalen strömt das Wasser der Gnade, das über Maria kommt, weiter und hinunter über die Chöre der Engel der Erde zu.

Gebet: Herr und Gott, Der Du uns von allen Seiten mit himmlischen Helfern und den Strömen Deiner Gnade umgibst, lass uns durch sie Dich immer mehr erkennen, immer mehr lieben, immer mehr anbeten und preisen. Amen.

 

31. Mai – St. Levanael 6. Chor

Der Engel, der wie eine zarte Mondsichel – bildhaft – die Unbefleckte trägt, schließt mit diesem Tag die Reihe der Engel Mariens. Es ist St. Levanael aus dem Chor der Fürstentümer. Wie ein Edelknabe steht er vor seiner Königin: Schmal, zart, die Taube auf der Schulter, in goldenes Licht getaucht, als wäre er ein Bruder St. Anaels, des Kindes, der so wie er Hoher Fürst ist.

Die Hohen Fürsten stehen in der Schöpfung Gottes in ihrer Aufgabe oder Verwaltung immer zu zweit. Sie ergänzen einander: Der eine gibt den Engeln und Schützlingen des andern noch eine besondere Färbung. So steht bei St. Michael, dem Engel des Glaubens und der Demut, der Engelfürst St. Methusiel, der den Engeln und Schützlingen St. Michaels das Königliche, das in Liebe Herrschende, die Gabe der Intuition vermittelt. So steht bei St. Gabriel, dem Engel der Hoffnung und des Friedens, der Engelfürst St. Dirachiel, der den Engeln und Schützlingen St. Gabriels die Gnade der Stille und des verborgenen Schauens auf Gott vermittelt. So steht bei St. Raphael, dem Engel der Liebe und des Schmerzes, der Engelfürst St. Nariel, durch den die Engel St. Raphaels über den Schmerz und die Liebe den Trost und das Licht Gottes ihren Schützlingen vermitteln.

So ist es auch bei St. Levanael: Sein Begleiter ist der Erzengelfürst St. Ariel, der Engel der Jugend, der Kindschaft in Gott. St. Levanael vermittelt den Engeln und Schützlingen St. Ariels die Schönheit der Marienminne, die zarte Blume der keuschen Liebe.

Gott tut nichts ohne Sinn, und so ist auch die Doppelstellung der Fürsten in ihrem Verwaltungsgebiet von Gottes Weisheit eingesetzt. Denn überall in der stofflichen Schöpfung um das Zentrum der Erlösung – die Erde – hat Luzifer seine Großen und Mächtigen verschanzt, und es ist hier das erste Mal, dass die heiligen Engel ganz nahe den Dämonen gegenüberstehen.

Nach dem Willen Gottes können Engel und Dämonen sich nur im Menschen bekämpfen. Jedem Engel steht ein Dämon gegenüber, manchmal auch mehrere. So steht auch gegen den zarten Engelfürsten St. Levanael ein gefürchteter Dämon, der die Schützlinge St. Ariels und St. Levanaels mit Verwünschungen, Behexung und Zauberei, Wahrsagerei, Besessenheit, Nihilismus, Pantheismus, Atheismus, Verschwörung und Indolenz bedroht.

Aber St. Levanael ist Engel Mariens im wahrsten Sinn des Wortes, und damit ist sein Sieg sicher und endgültig, da seine Königin der Schlange das Haupt zertritt. Reinheit und Einfalt ist Dummheit bei den Mächten der Finsternis; und sagten diese nicht selbst einmal: "Gegen die Einfalt eines Kindes sind alle unsere Mächte machtlos"?

Gebet: Hoher Engelfürst, lehre uns die zarte und schamhafte Liebe zu Gott und zu Maria, die, wie eine unberührte Blüte, Gottes Wohlgefallen erregt, und erbitte uns die Gnade, in deinem Glanz und mit deinen Augen einst Maria schauen zu dürfen. Amen.