1. November – St. Thiriel 2. Chor

Wenn schon die Aufgabe eines Engels des 9. Chores so groß ist, dass wir erschauern – denken wir nur an St. Chaled, den Engel der Verborgenheit, an St. Nerud, den Engel der einfachen Weisheit, an St. Osed, den Engel der Armen, oder an St. Teliel, den Engel der Natur –, wie groß sind dann erst die Aufgaben eines Cherubs, von dem die Heilige Schrift sagt, dass Gott auf ihm über die Himmel flog? Können wir überhaupt erahnen, was das heißt: Gott als Gott tragen können?

In dieser Macht steht St. Thiriel heute vor Gottes Thron; die Menschen würden sagen: Selbst einem Göttlichen Wesen gleich, so strahlend. Er ist der Patron aller Schutzengel. Da heute alle Heiligen ihren Festtag im Himmel und auf Erden haben, so haben auch deren Schutzengel ihren Festtag, und die Schutzengel sind die Lieblinge der Gottesmutter. Von Maria hat der Schutzengel bei seinem Eintritt in sein Schützer-Amt das Mütterliche, das Erbarmungsvolle, das Verstehende erhalten. Es ist ein auch uns Menschen ganz beglückender Liebesbeweis Gottes an Maria und Mariens an die Schutzengel, dass gerade an diesem Tag, an dem alle Heiligen und mit ihnen ihre Schutzengel ihren Festtag haben, vom Stellvertreter Christi auf Erden, dem Pastor Angelicus, die feierliche Dogmenerklärung der Leiblichen Himmelfahrt Mariens vom Zentrum der Kirche, von St. Peter in Rom aus, über die ganze Welt verkündet wurde.

Mit einer apokalyptischen Handbewegung löst St. Thiriel einen Wurf aus. Ein Stern fällt vom Himmel: Maria mit den heiligen Engeln! Eine Welle der Empörung läuft über die ganze gottlose Welt. Nun ist die Zeit da! "Wer nicht mit Mir ist, der ist gegen Mich!" – Mensch, steh auf an der Hand deines Engels und erkenne: Etwas Halbes gibt es nicht! Die Freuden der Welt werden dir bitter werden. Du wirst deine Süßigkeit und alle Süßigkeit, die es nur gibt, in Maria und den heiligen Engeln finden, die dich dorthin führen, wo unser aller Ziel und Heimat ist: Zum Herzen des Herrn!

St. Thiriel ist nicht nur jener gewaltige Engel, dessen Mantel, aus den Flügeln der Schutzengel gebildet, weit über die Erde wallt, wenn er zu Füßen der Himmelskönigin kniet, sondern er ist dreifach in Sein (Thiriel-Vedad-Hanael) und Aufgabe: Er hat als eine Aufgabe das "dunkle Licht" zu tragen: Den dunklen Glauben, die dunkle Liebe; Er hat als andere Aufgabe, über allen Schutzengeln zu stehen; er hat als dritte Aufgabe, den Wurf zu tun. Er steht als Engel vom Dienst mit der dritten Posaune vor dem Herrn.

Gebet: Sei uns Patron und Führer, St. Thiriel, du Cherub "Dunkles Licht" der Liebe Gottes! Lass uns fest verwurzelt sein in der heiligen Kirche Gottes, geborgen unter dem Mantel Mariens und heimgeholt werden in das Herz unseres Herrn als unsere Heimat. Amen.

 

2. November – St. Sadiel 8. Chor

Die heilige Kirche hüllt sich heute in dunkle Trauergewänder, und die Engel der Kirche knien an diesem Tag als Fürbitter vor Gottes Thron. Konnte denn das Blut des Herrn nicht alle Menschen heimholen, konnte der Herr nicht durch Seine Liebe einfach zur Liebe zwingen? O unerforschlicher Ratschluss Gottes!

Nicht nur aller ihrer Kinder gedenkt heute die heilige Mutter, auch aller, die noch fern der wahren Erkenntnis Gott suchten und noch nicht fanden, die gut sein und das Rechte tun wollten. Allen diesen Seufzenden vor der Himmelstür wenden heute Mutter und Kinder, Mensch und Engel, ihre Blicke zu.

Von den Engeln hat die größte Fürbittkraft heute St. Sadiel, der Erzengel, der Patron der Kirche, der Kirchen und Klöster, der Engel der Anbetung und der Ehrfurcht vor Gott, der Hüter des heiligsten Altarssakramentes.

St. Sadiel hat über sich St. Makariel, die Hohe Gewalt: "Hoherpriester nach dem Herzen Gottes." Während aber St. Makariel schon viel näher zu Gott in dem starken, gewaltigen Licht der Erkenntniskraft steht, ist St. Sadiel dem Menschen viel näher, er ist der Führer aller Tabernakel-Engel, der Hüter aller Tabernakel. Er steht in und über der heiligen Kirche, und die Kinder der Kirche sind seine Kinder und die Sorge um das ewige Glück oder die ewige Verdammnis der Menschen ist seine Sorge. Wenn er in seinem goldenen Vespermantel für die Braut Christi auf Erden, die heilige Kirche, vor Gottes Thron kniet, so nimmt er symbolhaft immer die ganze Kirche mit vor das Angesicht Gottes, alle Gläubigen mit ihren Hirten.

Das tut er auch heute. Auch heute nimmt er die ganze fürbittende Kirche mit und stellt dem Herrn alle die Verstorbenen des ganzen Jahres in heißer Bitte vor Augen. "Immerwährendes Licht schenke ihnen, o Herr!" St. Sadiel trägt das Licht als Symbol nicht nur für die auf der Erde wandelnden Kinder Gottes. Seine Fürsorge erstreckt sich weit über Tod und Grab hinaus bis zur Himmelstür, bis er seine Schützlinge geborgen weiß in der Heimat. Die Engel St. Sadiels sind die Lichtträger; sie tragen aber auch das Licht als Lösegeld bis in die Läuterungsorte. Sie tragen das Licht der Erkenntnis zu all den Betenden und Schweigenden vor dem Herrn. Sie tragen das Licht unserer Gebete hinauf vor den Thron des Allerhöchsten. Sie tragen das Licht der Gnade bis in die fernsten Teile der Erde, bis in das Dunkel und den Todesschatten; denn es gibt keine Zeit und keinen Ort, wohin die Gnade nicht ginge, wenn sie Einlass bekommt in das wartende, bereite, zerknirschte, aufhorchende Menschenherz.

So wie gestern St. Thiriel, der Cherub, im Namen aller Engel an diesem Hochfest Mariens neben St. Sederim, dem Engel Roms, vor Gottes Thron stand, so ist heute St. Sadiel neben St. Makariel im Namen der Kirche vor dem Herrn stehend für die ganze Einheit der heiligen Kirche. Er vereinigt in seinem Symbol des Lichtes das absolute "Licht-Sein" der heiligsten Eucharistie, durch die wir selbst "Licht" werden im Einssein mit dem Herrn im Brot, mit dem "Licht-Tragen", der Fürbittekraft unserer Gebete, unserer Anbetung, unserer Hingabe, unserer Opfer und unserer Sühne für den Nächsten. Er weist unserem Licht-sein-Wollen und Lichttragen-Wollen den Weg zur Rettung und Heimholung, zum Heilmachen und Heiligen. Er steht hier für alles Maß und alle Ordnung in der heiligen Kirche auf unserem Weg zu Gott, er steht hier für alle Reinheit, für alle Ehrfurcht vor Gott, für alles Licht und alles Sein vor Gott.

Gebet: Lass Dich, o Gott, mit allen Deinen Engeln und Heiligen loben und preisen, lass Deine heiligen Engel unser kleines Licht in ihr eigenes großes Licht hineinnehmen, damit unsere Liebe vor Dir brenne wie eine Fackel; lass uns Asche werden vor der Welt und Brot vor Dir, Du unser Herr und Gott! Amen.

 

3. November – St. Barabbiel 9. Chor

Er hat ein geschürztes Gewand, als ob er vom Acker käme, und eine leinene Sämannstasche hängt um seine Schultern. Er steht wie ein Knecht, wartend auf seinen Herrn, die brennende Laterne neben sich. Er muss wohl in die Finsternis hinaus, so will es der Herr, denn Er spricht zu ihm: "Geh über den Acker und sammle das Samenkorn, das noch draußen liegt."

Der Engel, dem dies Wort gilt und der heute von Gott uns vor Augen gestellt wird, ist St. Barabbiel, der Engel der Armen Seelen. Er gehört zum 9. Chor der heiligen Engel, dient aber dem Engel der Gewalt des Willens Gottes zum Gericht aus dem Chor der Hohen Gewalten. So liegt die Aufgabe St. Barabbiels auch innerhalb dieser Zeit des Gerichtes und der Rechtfertigung.

Wenn die Seele des Menschen sich vom Leibe trennt, muss sie vor den Richterstuhl Gottes, mag sie wollen oder nicht. Sie wird vor ihr Leben gestellt, das nun vor ihren Augen abrollt mit der Genauigkeit des feinsten irdischen Messgerätes. Alles, was gedacht, gesagt, getan ist, steht wieder vor ihr. Hier, vor den Augen des Allwissenden Gottes, Dem nichts verborgen war, spricht sie sich selbst das Urteil, nur legt Gott auf den Trotz Seine Gerechtigkeit, auf die Reue Seine Liebe. Und mit dem Wort der Liebe aus dem Mund Gottes: "Geh hinaus und wasche dich; dass du rein werdest!" wird der König, Bürger oder Bettelmann eine Arme Seele, sie sühnt, was noch ungesühnt ist, und aus der Dunkelheit der Sühne aufsteigen darf zum ewigen Licht der Seligkeit im Himmel.

Oft kommt es vor, dass die Schuld eines Menschen auch eine Sühne auf der Erde selbst verlangt, besonders für Menschen, die auf Erden zum Bitten zu stolz waren. Vor diesen sollen wir uns nicht schrecken, wenn wir das Jammern, Bitten, Schluchzen oder sonst ein Geräusch wie Rascheln, Klopfen usw., hören. Diese Armen können sich ja meist gar nicht anders bemerkbar machen als durch primitive, der Natur angepasste Geräusche. Denken wir immer, bei ihnen steht der gute Engel St. Barabbiel mit seiner Laterne, der ihnen hilft, einen Fürbitter zu finden. Er geht mit dem Licht hinaus in die Dunkelheit der Welt, überall dorthin, wo noch eine Schuld nach Sühne ruft. Und hat er dann diese erbarmungswürdige Arme Seele gefunden, dann geht, nein, fliegt er, um ihr Hilfe zu bringen. Er rührt das Herz hellhöriger Menschen, das Herz guter Beter an, dass sie ihr Fürbittgebet wie lindes, heilendes Wasser über diese Armen fließen lassen in der Kraft der heiligen Mutter Kirche, bis der Arm der Gerechtigkeit Gottes vom Arm der Liebe und Barmherzigkeit Gottes aufgehoben ist und St. Barabbiel die Seele ihrem eigenen Schutzengel in die Arme legt. Nun ist das Samenkorn – bildhaft – in der Tasche des Sämanns wieder geborgen, nun wird es heimgeholt ins Vaterhaus. Niemals dürfen wir glauben, die Gerechtigkeit Gottes sende die Armen Seelen als Schreckmittel, aber niemals sollen wir auch verzagen, als sei unsere Schuld rettungslos unsühnbar. Das Wort gibt uns Mut: "Und wären deine Sünden rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee", wenn wir nur bereuen. Und wie langmütig Gott ist und wie sehr Er verzeiht, sehen wir an der Aufgabe St. Barabbiels, dem Helfer und Fürbitter der Letzten.

Gebet: Du milder, geduldiger und scharfäugiger Knecht Gottes, lass auch uns hellhörig und scharfäugig werden, um die Not der Seelen zu verstehen und sie lindern zu können, damit sie eingebettet werden in die Heilsmittel der heiligen Kirche und damit in die ganze Liebe Gottes. Amen.

 

4. November – St. Nekurim 5. n. Chor

Vor den Augen der Welt verborgen, ja, verborgen innerhalb der Chöre der heiligen Engel, liegt "das Verborgene Herz" im Chorteil der Niederen Gewalten. Drei Engel als Widerspiegelung der Drei-Persönigen Gottheit tragen die Kräfte des Verborgenen Herzens, den Kraftimpuls des Göttlichen "Werde!" in die Schöpfung hinein: St. Nekurim, die Gewalt der geheimen Strömung, St. Menim, die Gewalt der geheimen Strahlung, St. Sim, die Gewalt des Willens-Kraftfeldes. Je mehr es der Endzeit zugeht, desto mehr werden wir des Schlagens des Verborgenen Herzens innewerden. St. Nekurim trägt die Gewalt der Strömung. Damit ist das wie in unterirdischen Wasserläufen, wie in den Adern des Körpers kreisende und fließende Leben gemeint, dessen Gesetze von Raum und Zeit und Maß und Art und Periodizität noch nicht ausgeschöpft sind. Der Mensch und jedes Geschöpf, ganze Familien und Völker, ganze Generationen und Zeiten, ja, die Prägung des Antlitzes von Kirche und Erde werden durch die Gewalt dieser Strömung bestimmt. Es gibt nichts in der stofflichen Schöpfung, was nicht der Kraft der geheimen Strömung unterliegen würde; es wird nur nicht alles von den Menschen eingesehen. Am meisten wirkt sich die Kraft der geheimen Strömung in der stofflichen Schöpfung aus, von dort auf die Seele wirkend, während die Kraft der Strahlung sich über die stoffliche und geistige Schöpfung erstreckt, das Kraftfeld jedoch aus Strömung und Strahlung kommt und auf die geistige Schöpfung einwirkt.

Drei Engel sind es, welche den Herzschlag der Schöpfung tragen. Jeder Engel trägt seine Aufgabe seiner Wesenheit nach wieder dreifach, denn jeder ist in sich eine Widerspiegelung des Heiligen, des Starken, des Unsterblichen Gottes. So trägt auch St. Nekurim eine dreifache Strömung: Den Kraftstrom des Lebens, das sind die Impulse zu Zeugung und Teilung und Mischung, ihre Erb-, Misch- und Folgegesetze; den Kraftstrom der Liebe, der nur mehr zum Teil in der stofflichen Schöpfung versickert, zum größten Teil aber durch Engel und Mensch zieht. Hier ist nicht der äußere Strom der Liebe gemeint, wie er über die Seraphim und Herrschaften und Mächte fließt, sondern der geheime Strom, der sich auch dem geistigen Auge (das den Strom der Liebe über die Seraphim durch die Gnade Gottes wohl zu sehen vermag) entzieht und nur in seiner Wirksamkeit kenntlich wird. – Das Zentrum dieses Stromes ist Maria. Die Ströme der Liebe fließen von allen Seiten zuerst zu Maria und von dort zur Erde als ein Strom aus dem Mutterherzen Mariens, so verborgen, wie sie selbst es war. – Die dritte Strömung ist die des Wortes, der Kraft des Geistes, der geistige Blutkreislauf in den Orden und Gemeinschaften, im Aufbau von Kirche und Staat. Es ist der Strom, der vom Wort, von einem Träger des Wortes ausgeht, von einem Heiligen, von einem Wallfahrtsort; der befruchtend und umgestaltend durch eine Zeit, durch ein Volk zieht, von Gott, dem Schöpfer, kommend, zu Gott wieder zurückströmend.

Gebet: Heiliger, gewaltiger Engel, lass uns des Segens und der Kraft des Verborgenen Herzens und all der Kraft der Strömung teilhaftig werden, die uns sicher in das Herz unseres Herrn und Gottes führt. Amen.

 

5. November – St. Ramael 5. n. Chor

Die drei Engel im Chorteil der Niederen Gewalten, welche zusammengehören und das "Verborgene Herz" heißen, waren früher, vor dem Sturz der Engel, ihrer sieben. Vier von ihnen sind in den Abgrund gestürzt und wenden nun Kräfte und Fähigkeiten gegen Gott und Seine Schöpfung an.

Aber doch sind diese drei verbliebenen Engel – das "Verborgene Herz" – nicht unbehütet. Vier große Ecksäulen stehen da, gebildet aus dem ersten, achten, sechzehnten und vierundzwanzigsten dieser Gruppe. Sie tragen die Opfer, die Opferkraft, als sichersten Schutz gegen alle satanische Strömung, gegen alle satanische Strahlung, gegen alle satanische Willensknechtung. So sind sie wieder sieben Engel, und wer Kind im Herzen ist, sieht in diesen sieben großen Engeln, welche in der Kraft Gottes hineinwirken in die Schöpfung mit ihren Kräften und Gnadengaben, die "sieben guten Geister" in den Erzählungen der Völker, welche dem Kind – also dem Menschen – ihre Gaben in die Wiege legen, das heißt, auf seinen Lebensweg mitgeben.

Und wollen wir diese sieben Engel mit den Augen des Kindes Gottes sehen, so sagt uns St. Nekurim, der Engel der geheimen Strömung, dass wir eines Lebensstromes sind mit unserem Herrn und Heiland und durch diesen Lebensstrom völlig Ihm gehören. – So sagt uns St. Menim, der Engel der geheimen Strahlung, dass wir zeit unseres Lebens von der Liebe aus dem Herzen Gottes angestrahlt und umgeben werden und wir nur die Fenster unserer Seele aufzutun brauchen, um diese Gnadenstrahlen der Göttlichen Sonne einlassen zu können. – So sagt uns St. Sim, der Engel des geheimen Kraftfeldes, dass unser Wille Ebenbild des Willens Gottes ist, dass dieser Wille einst unsere ewige Seligkeit oder unsere ewige Verdammnis bestimmt und dass wir gut daran tun, diesen Willen rechtzeitig in den Willen Gottes eingehen zu lassen. Und es zeigen uns die vier Engel der Opferkraft jeder von ihnen ein dreifaches Herz als Symbol:

Das Herz unseres Herrn, das Herz unserer Mutter und das an Gott und die Mutter gekettete Menschenherz. Diese drei loben und danken und sühnen und bitten den Himmlischen Vater. Kann Dieser solcher Macht widerstehen?

Einer der vier Engel der Gewalt der Opferkraft steht heute als Fürbitter vor Gottes Thron: St. Ramael, der das Dank-Opfer trägt, die Dankopfer-Kraft. Als im Abendmahlssaal der Herr Sich selbst zum Vermächtnis gab, sagte Er dem Himmlischen Vater Dank. Bis zum Ende der Zeit wird dieser Dank als jene Kraft ausgesprochen, welche mit dem Willen des Sohnes und Geistes den Willen des Vaters verknüpft und den Herrn in jedem heiligen Messopfer vom Himmel auf die Erde holt.

Auch die Dankopfer-Kraft Mariens liegt in der Heiligen Schrift festgelegt. Als die Base Elisabeth Maria als Mutter des Herrn begrüßte, dankte Maria dem Himmlischen Vater im Lobgesang des Magnificat. Und es heißt: "Bei diesen Worten hüpfte das Kind im Leibe Elisabeths", St. Johannes, von dem der Herr Selbst sagte, er sei der Größte aller vom Weibe Geborenen.

Von unserer eigenen Dankopferkraft wissen wir, dass jeder Dank an Gott uns neue Gnaden erwirkt; so wollen wir beten:

Gebet: Lass uns überall und immer Dank sagen, Herr, da wir eine ganze Ewigkeit mit unserem Dank an Dich nicht fertig werden! Amen.

 

6. November – St. Saba 9. Chor

Er ist der erste jener drei Engel, welche uns Gott in diesen Tagen vor Augen stellt. Jeder ist Träger der Liebe Gottes, und doch jeder ganz anders:

St. Saba steht hier für St. Thael aus dem Chorteil der Herrschaften von Hoher Gewalt; er ist der Engel der Verheißung, der dasteht für die Liebe und Milde des Vaters;

St. Agariel ist der zweite der drei Engel, aus dem Chorteil der Herrschaften mit dem Siegel der Endzeit, der Engel der Liebe und Gerechtigkeit des Sohnes. Er hebt die Hand zur großen Wandlung;

St. Hadaja steht hier für St. Gedulah aus dem Chorteil der Herrschaften von Niederer Gewalt; er ist der Engel der geheimen Zwiesprache mit Gott in der Liebe des Heiligen Geistes.

St. Saba steht unter St. Thael, dem Engel der wahren, Gott entgegen glühenden Frömmigkeit, welche die Gabe der Gottseligkeit wie eine Flamme auf der Öllampe in sich birgt. St. Saba ist von fast nicht mehr begreifbarer überirdischer Schönheit. Alle Worte der Verheißung werden in ihm Leben, sie machen ihn von innen her leuchtend wie durchscheinenden Alabaster. Er steht unter der Türe des Vaterhauses und hat diese Türe so weit geöffnet, dass die Fülle der Verheißungen sich in breitem Lichtstrom über die Erde ergießen kann. Das ganze Alte Testament, das Bündnis Gottes mit dem auserwählten Volke, ist voll von Verheißungen, und immer wieder stützt sich der Mensch jener Zeiten auf das, "was Du, o Gott, versprochen hast unseren Vätern".

Es gibt keine Zeit im Ablauf der Weltgeschichte, in der Gott den Menschen nicht Mut und Hoffnung gemacht oder Seine Verheißungen nicht erfüllt hätte – bis auf unsere Tage, in denen die Verheißungen des Göttlichen Herzens Jesu und des Unbefleckten Herzens Mariä wie leuchtende Sterne am Himmel über unserem Weg zu Gott stehen. Sie weisen uns den Weg, wie einst der Stern den Weisen aus dem Morgenlande den Weg gewiesen hat zum Ziel und Mittelpunkt von Raum und Zeit, zum Herrn im Samenkorn der Erlösung in Bethlehems Stall.

Und so ist die wunderbare Fülle der Verheißungen auch einem Samenkorn unter den Engeln anvertraut:

Einem Engel des 9. Chores, ganz nahe den Menschen, als wollte Gott der Herr damit den Menschen begreiflich machen, dass sie ja nur die Hand auszustrecken brauchen, um sich der Hilfe Gottes zu versichern, so sehr beugt Sich Gott herab in Liebe. – Dieser klare, leuchtende Engel gehört dem Chor der Herrschaften als dienender Engel an, und zwar jenen im obersten Drittteil, welche als siebenarmiger Leuchter vor Maria die Schalen mit den Gaben des Heiligen Geistes tragen.

Gebet: Herr, Der Du die Wahrheit bist, wir wollen uns mit beiden Händen an Deinen Engel klammern, der die Verheißungen trägt, und nicht nur glauben, nein, wissen, dass Du allein unsere Rettung, unsere Erlösung, unser Ziel und unsere ganze Sehnsucht bist. Amen.

 

7. November – St. Hadajah 9. Chor

Es ist ganz still in dieser unermesslichen Höhe vor Gottes Thron. Eine schlanke und sehr hohe Gestalt steht mit ausgebreiteten Armen vor dem Herrn. Zwischen den beiden Händen sieht man die Silhouette einer Brücke; aus dem Munde des Engels kommt ein Glockenton. Es ist St. Hadajah, der Engel der geheimen Zwiesprache zwischen Gott und der Seele. Er ist ein Engel des 9. Chores und St. Gedulah zugeteilt, dem vierten der zwölf Engel von Wort und Antwort. St. Gedulah trägt in den Aufbau der Schöpfung die Liebe. St. Hadajah sagt zum Herrn: "Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr, mein Gott! Siehe, wie die Deinen nach Dir dürsten, Du Quell aller Liebe! Siehe, wie der Acker der Kirche auf Dich wartet, Göttlicher Sämann! Siehe, wie der Feind an die Tore der Seelen klopft, Hirt und Herr! Lass mich die Brücke spannen von Dir bis auf das Schlachtfeld Deiner Liebe, in die Krankenstuben, vor Tabernakel und Beichtkammern, zu verlangenden, unruhigen, verzweifelten Herzen, damit die Seele die kleinen Schritte zu Dir wagen kann, damit sie über den Abgrund der Schwäche, der Lockung, der Hemmung hinwegkommt, damit sie Dich finden kann aus dem Blut, aus dem Schmutz, aus dem Nebel der Erde!

Herr, Deine Liebe will ich tragen in der Torheit des Kreuzes, wie einen kleinen Wassertropfen; wer ihn in Demut annimmt, und trinkt, wird überflutet werden von Deiner Liebe, wird nie mehr aufhören zu dürsten nach Dir!

Herr, Deine Liebe will ich tragen wie ein glühendes Schwert, das die Seelen der nach Dir Verlangenden aufbrennt und nicht mehr heilen lässt!

Herr, Deine Liebe lass mich tragen in die Hände Deiner Mutter, unserer Königin, die alles heilen und heiligen und heimholen wird in Dein Herz!"

Jeder Mensch hat einmal in seinem Leben eine Stunde der Besinnung; mag er noch so ferne stehen, mag er noch so tief gesunken sein, einmal muss er stillhalten. Denn das ist eine der vieltausend Gnaden der himmlischen Mutter aller Menschen, dass vor jedem Menschen einmal dieser stille Engel des Verständnisses zwischen Schöpfer und Geschöpf stehen darf, der die Worte der Seele direkt vor seinen Herrn bringt und die Worte des Herrn direkt ins Herz des Menschen. Ein Großteil der Menschen hält erst still in der Stunde des Todes, aber selbst da ist die barmherzigste aller Barmherzigkeiten Gottes bereit und wartet an der Brücke des Engels auf ein Wort des Menschen, und wenn es nur ein einziges ist: "Gott, Du bist! Sei mir armen Sünder gnädig!" Dann geht die Madonna della Strada, die Mutter aller Straßen der Welt, über diese Brücke des Engels zum Herzen des Herrn mit dem kleinen Samenkorn Mensch und mit ihrer großen Liebe.

Gebet: Heiliger Engel der Zwiesprache mit Gott, mögest du nicht bloß einmal, sondern zehnmal am Tage vor meiner Seele stehen, damit mich der Herr finde in der Zermürbung des Alltags. Amen.

 

8. November – St. Melchisiel 5. h. Chor

Von den Hohen Gewalten, dem oberen Drittteil jenes Chores, der in der Mitte der neun Chöre der heiligen Engel steht, heißt es:

Sie tragen die Gewalt der Heiligkeit, der Schönheit, der Ruhe, der Kraft und Milde, der Unzerstörbarkeit und Größe des Wortes (und der Verheißungen) Gottes; sie tragen den Grund und das Fundament aller Bündnisse Gottes der alten und neuen Zeit mit den Menschen, das Lob Gottes, die Gottesfurcht, die Gewalt der heiligen Kirche, ihre Kraft und Gerechtigkeit; sie sind wie schimmernde Hochburgen im Sonnenglanz der Kraft und Majestät Gottes, voll gebündelter Gewalt der Statik des Seienden Willens Gottes.

Sechs von ihnen tragen die Gewalt des Bündnisses Gottes mit dem Volke Israel, sechs von ihnen tragen die Gewalt des Bündnisses Gottes mit der heiligen Kirche.

St. Melchisiel, der heute als unser Fürbitter vor Gottes Thron steht, ist einer dieser zwölf Bündnistragenden. Er gehört zu den ersten sechs, die für den Alten Bund stehen. Er steht für Israel (Jakob) und alle Patriarchen hier; er trägt die Stammtafel.

Israeliten und Juden sind eins. Das Volk heißt nach Jakob, der von Gott "Israel" genannt wurde, Israeliten; es heißt aber auch von einem Sohne Jakobs, nämlich Juda, Juden. Beide Ausdrücke kommen nebeneinander in der Heiligen Schrift vor: "Habe acht, Hirt Israel, der du gleich einem Schäflein Josef weidest" (Ps. 79,2), ebenso im Magnificat: "... Er nahm Sich Seines Knechtes Israel an." Ebenso fragten – wie es bei Matth. 2,1-12 erzählt wird – die Weisen aus dem Morgenland den König Herodes: "Wo ist der neugeborene König der Juden?"

Leicht trägt dieser Engel nicht als Engel Israels. Sünde über Sünde hat dieses Volk auf sich gehäuft, und dunkel von Verrat, Mord und Abfall sind viele Blätter seiner Geschichte. Nur die Treue Gottes zu Seinem gegebenen Wort ließ dieses Volk nicht aus der Gnade fallen, bis alle Verheißung in Erfüllung gegangen war. In diesem Volk wurde Maria unbefleckt geboren, in diesem Volk wurde das Wort Fleisch, wurde Gottes Sohn Mensch.

St. Melchisiel ist von königlicher Würde. Er ist ein Seiender, er steht vor Gott und in Gott. Nur seine Krone liegt zerbrochen vor seinen Füßen, die Krone des Volkes Israel. Seine Königswürde hat dieses Volk endgültig auf Golgotha verspielt und verloren. Aus Königssöhnen sind Heimatlose geworden, ohne Bundeszelt und ohne Bundeslade.

Auch mit dir, o Mensch, hat Gott Seinen Bund geschlossen! Das Unterpfand Seiner Treue legt der Priester dir jeden Tag auf deine Lippen. Sieh zu, dass deinem Engel nicht deine zerbrochene Krone der Kindschaft Gottes einmal zu Füßen liegen muss.

Gebet: Herr, lass uns in Deiner Gnade bleiben und gleich einem neuen Volke Israel beten: "Von der Morgenwache bis zur Nacht harret Israel auf den Herrn, denn beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei Ihm ist überreiches Erbarmen, und Er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden." Amen.

 

9. November – St. Agariel 4. v. Chor

Er ist es, der die Hand zur großen Wandlung hebt, wenn ihm von dieser Hand das Siegel gelöst wird, St. Agariel, aus dem Chor der Herrschaften mit dem Siegel der Endzeit.

St. Agariel ist einer der drei Ernte-Engel. Der eine bringt die Garben, die Ernte, heim vom ersten Menschen angefangen bis zum letzten; beim letzten Menschen ist seine Ernte voll. Der zweite betet auf den Trümmern an, auf jedem Tod, auch auf dem Trümmerfeld der verdammten Seele. Auch er hat sein Siegel erst beim letzten Tod endgültig gelöst. Der dritte, St. Agariel, hebt die Hand zur großen Wandlung. Was ist das, die große Wandlung?

Alles Leben ist Wandlung, solange es den irdischen Gesetzen unterliegt. Alles irdische Leben unterliegt der großen Wandlung zum Tod; alles durch die unsterbliche Seele zu einer Ewigkeit bestimmte Leben wird über den Tod zur Ewigkeit gewandelt. Die letzte große Wandlung beginnt, wenn St. Agariel seine Hand hebt. Dann wird alles Gebein sich auf dem Trümmerfeld der Erde zusammenfügen und alle menschliche Kreatur auferstehen zum Gericht und zur Ewigkeit. Darum heißt auch St. Agariel: Ernte-Engel.

Er ist, wie alle Engel aus dem Chor der Herrschaften, ein Engel der Liebe, von den Seraphim bestrahlt, dem Heiligen Geist unterstellt. Er steht im Dienst des Richters Jesus Christus, aber er ist selbst nicht Richter. Die Welt würde sagen, er sei der "große Unparteiische", weil sie die Liebe Gottes zum Geschöpf und die Liebe des Geschöpfes zu seinem Schöpfer nicht im Engel erblicken kann. War etwa der heilige Johannes der Täufer, dessen Schutzengel St. Agariel ist, ein großer Unparteiischer? Er stand in der Mitte zwischen dem Alten Bund und dem Neuen Bund, wahrhaft an der Tür, denn er hat Jesus Christus als einer der Allernächsten nennen können und durfte nur Vorläufer, aber nicht Jünger sein. Aber er konnte drunten in der Vorhölle, wo die Gerechten auf den Erlöser warteten, wahrhaft die Hand zur Wandlung heben gleich seinem Schutzengel und künden von der baldigen Erlösung, "denn meine Augen haben Ihn schon gesehen. Er kommt bald, der Retter, Emmanuel, der eingeborene Sohn Gottes, Jesus von Nazareth". St. Johannes war Künder der großen Wandlung, wohl der größten, nämlich der Erlösung der Welt durch den Gottmenschen. Und der Geist St. Johannes steht seither fordernd, wandelnd, über dem Leben jedes Heiligen, der Geist St. Johannes ist der Geist jeder inneren Wandlung.

Hinter St. Johannes steht St. Agariel, sein Schützer. Über ihn hat Johannes den Geist der Wandlung nach Gott als die Aufgabe seines Lebens empfangen, nämlich die Menschen rufend aufzurütteln und zurückzuführen zu Gott. Johannes ist nicht allein: Hunderte von Heiligen mit diesem Namen stehen von Christi Geburt an bis zum Jüngsten Gericht wie eine Kette der Wandlung zu Gott unter dem Schutz St. Agariels, Hunderte verschiedenartigster Heiliger dieses Namens, nehmen wir nur St. Johannes Baptista, St. Johannes, den Evangelisten, St. Johannes vom Kreuz, St. Johannes Nepomuk, St. Johannes Vianney, u. a. Hinter allen zeichnet sich der große Ernte-Engel ab. Sobald der Mensch sich restlos Gott überantwortet zur Umwandlung, wann und wo und wie Gott will, da hebt sich der Arm des Engels. Der Arm des Engels ist das Symbol der nüchternen, konsequenten, fordernden Liebe Gottes, so wie die erhobene Hand eines Stationsvorstandes den Zug zum Abrollen bringt und nicht mehr aufhält.

St. Agariels Aufgabe ist apokalyptisch: Er hebt die Hand zur Wandlung in die Unverweslichkeit, in die Unsterblichkeit, in die Ewigkeit. Er hebt das Geschöpf hinein in das Haus Gottes, das in seinen Ecksäulen unten auf dem Platz des Jüngsten Gerichtes aufsteht und oben an das Himmlische Jerusalem anstößt.

Gebet: Heiliger Engel des Jüngsten Tages, von deiner erhobenen Hand aus werden die Engel mit den Posaunen über die Erde brausen, um alles zu wecken und zu wandeln. Lass uns nicht nur auferstehen, sondern auch umgewandelt werden, hinein in den einen verklärten Mystischen Leib Jesu Christi, den der Herr als Sein Eigentum anerkennen wird. Amen.

 

10. November – St. Ketherim 5. v. Chor

Der Thron Gottes ist in Wolken gehüllt. Eine große, fast dräuende Engelsgestalt löst sich aus dem Wolkendunkel. Sie hat einen Felsblock auf der Schulter, den sie mit der linken Hand stützt, wie wohl einst St. Christophorus das Jesuskind mit der Weltkugel gestützt haben mag, damit es ob Seiner Schwere nicht im Wasser untersinke. Dieser Engel ist St. Ketherim, der erste der sieben, welche sich "Die Sieben Brüder der Seele" nennen. Er ist der Engel des Aufbruches zu Gott.

Die Sieben Brüder der Seele sind aus dem 5. Chor der heiligen Engel, der Gewalten. Sie sind das, was schon ihr Name sagt: Träger der Gewalten des Willens Gottes. Gott will unsere Seelen, Er will, dass unsere Seelen gerettet werden, und zur Rettung der Seelen hat Er Millionen Engel ausgesandt. Die Gruppen der heiligen Engel zur Rettung der Seelen sind vor allem im Strom der Kraft (des Wortes) stehend, also in den Chören der Cherubim, der Gewalten und der Erzengel. Darunter sind die ausgeprägtesten Gruppen im Chorteil der Versiegelten Gewalten. Dort stehen auch die Sieben Brüder der Seele, von denen St. Ketherim der erste ist. – Diese sieben heißen:

St. Ketherim, der Engel des Aufbruchs zu Gott, mit dem Felsblock,
St. Harachim, der das Samenkorn zu schlagen hat, mit der Geißel,
St. Elim, der das Samenkorn zu binden hat, mit dem Strick,
St. Aljoim, der das Samenkorn in den Boden tritt, mit dem Schwert,
St. Thaamim, der Engel des rastlosen Eifers für Gott, mit dem glühenden Pfeil in der Brust,
St. Cheloim, der Anbeter aus der Tiefe, mit der hellen Rauchsäule,
St. Jesim, der Engel des Ja-Sagens, des "Fiat" Mariens, mit dem geläuterten Samenkorn.

St. Ketherim ruft den Menschen auf. Oft liegt dieser Mensch wie im Grab. Der Engel muss einen ganzen Felsblock wegwälzen, und dann findet er oft noch dessen Seele wie tot. Aber der Wille Gottes lässt diesen Engel in so hellem Licht in das Dunkel der Seele treten, dass sie aufwacht, dass wieder Leben in sie kommt. Das Nichtwollen oder Nichtmehrwollen muss sie selber abtun durch den Willen zu Gott, und das ist ein gewaltiger Aufbruch. Nicht früher lässt St. Ketherim von der Seele, als bis sie selber ans Licht der Liebe Gottes getreten ist, gleich Lazarus nach dem Wort des Herrn: "Komm heraus!" Und eher muss St. Ketherim einen ganzen Berg abtragen, als dass die Liebe Gottes einer solch gefangenen Seele vergäße.

Gebet: Herr und Gott! Wie oft wälzen wir selber Stein auf Stein vor unsere Seele, um uns vor Dir zu decken, vor Deiner fordernden Liebe, weil wir Dein Licht nicht ertragen und uns unser kleines Eigenlicht lieber und untertäniger ist. Erbarme Dich unser und sende Deinen Engel, dass er Stein und Schutt wegwälze und wir lebendig Tote Dein erbarmendes Wort hören: "Komm heraus!" Amen.

 

11. November – St. Jesod 4. n. Chor

Es ist für uns arme und engbegrenzte Menschen wirklich nicht leicht, die gewaltigen Chöre der heiligen Engel, die droben um den Thron Gottes anbeten, die über die ganze Schöpfung der Ordnung und Allmacht Gottes wegen verteilt sind und die endlich hier auf Erden dem Erlösungswerk Jesu Christi und der ganzen Menschheit dienen, auseinanderzuhalten.

Noch schwerer wird es uns, wenn wir vernehmen, dass es nicht bloß einen Engel – z. B. des Glaubens – gibt, sondern viele, dass es nicht bloß einen Engel Mariens gibt, sondern Tausende. Wie sollen wir diese unterscheiden können?

Gott hat uns Menschen das Wort als Fundament und Ebenbildlichkeit Gottes des Wortes gegeben. Es ist unser heiligstes Pfund, das wir tragen dürfen, um im Wort Gott zu begreifen, Gott in unser Sein und Tun tragen zu dürfen.

Droben, im obersten Ring der Anbetung, trägt unter den Cherubim, die dem Vater zugeordnet sind, einer, St. Jesod, das Wort als Fundament, vom Vater den Menschen um Seines Sohnes willen gegeben. Im zweiten Ring, der sich über die ganze Schöpfung erstreckt, im Chor der Herrschaften, in der großen Zwölfergruppe der Engel von Wort und Antwort, ist wieder einer, der St. Jesod heißt, und dieser St. Jesod, der das Wort als Gesetz in die Wurzel aller Dinge legt, ist heute unser Fürsprecher vor dem Thron Gottes.

Sie sind eine wunderbare, große und weite Gruppe, diese zwölf Engel von Wort und Antwort. Sie tragen das Maß, das Gesetz und die Wahrheit in Liebe in die Wurzel aller Dinge; und sie tragen die Gottesfurcht, die Liebe und Gerechtigkeit in den Aufbau aller Dinge; und sie tragen die Weisheit, die Schönheit und die Harmonie in die Blüte aller Dinge; und sie tragen die Macht, die Stärke und den Triumph Gottes aus der Frucht aller Dinge wieder hinauf zu Gott.

St. Jesod ist der zweite dieser zwölf. Wie ein Gigant, wie eine Säule hat er das von Gott der Schöpfung in Liebe und Weisheit gegebene Gesetz in Händen. Keine Macht der Welt vermag daran zu rütteln oder dieses Gesetz umzubiegen. Schon das Bild des Engels zeigt dies: Alles an ihm ist voll Maß und Kraft, voll Schönheit und Klarheit, voll Weisheit und Harmonie, aber auch voll unerbittlicher Konsequenz. Das Gesetz ist ebenso ein klares "Du sollst!" als ein liebendes "Du darfst!". Gott gibt Sein Gesetz in Liebe, sonst hätte Er es keinem Engel der Liebe zu tragen gegeben, der uns lehrt, auf das Gesetz Gottes in Liebe zu antworten und uns geborgen zu fühlen innerhalb des starken, unerschütterlichen Hauses der Gesetze, das uns die Vaterliebe Gottes gebaut hat.

Gebet: Deine Liebe, o Himmlischer Vater, hat für uns die Gesetze geschaffen, damit wir einen Halt haben gegen die andrängenden dämonischen Lockungen, als wäre alles frei, als wären wir Götter. So sind wir geborgen und können in Ruhe und Liebe und Sicherheit Dir entgegengehen. Amen.

 

12. November – St. Cassiel 6. n. Chor

Er trägt eine lederne Geißel, die in den Riemen seines wie härenen Gewandes steckt. Hinter seinen fest geschlossenen Lippen ruht der ganze verzweifelte Notschrei der geknechteten Kinder des Einen liebenden Vaters – im Schweigen begraben.

Als unser Herr im Richthaus des Pontius Pilatus mit den dreifachen Ruten gegeißelt wurde, da schrie Er wohl bei den ersten fürchterlichen Hieben der natürlich gewachsenen, bedornten Ruten auf. Diese Hiebe galten allen Sünden des Fleisches, den Sünden dieses Körpers, den Gott der Vater einstmals und erstmals als Sein Bild und Gleichnis schuf, die unsterbliche Seele tragend, den Geist mit dem Willen, von dem allein Prüfung und Entscheid, Seligkeit oder Verdammung abhängen. Und der ärmste Herr wimmerte wie ein kleines, sterbendes Kind, als die stählernen Ruten als die letzte und höchste Pein in Seinem wunden Fleische wühlten, denn es war schon keine heile Stelle mehr an Ihm. Aber in der Mitte dieser Geißelung, da lagen die Lederriemen; diese galten den entstellten Makeln der Seele: Der Lieblosigkeit, der Treulosigkeit, der Herzenskälte, dem Neid und der Habsucht, der Lauheit und der Gleichgültigkeit. Bei diesen Hieben schwieg der Herr, als übermannten Ihn das Wissen und die Sicht auf diese grausam entstellten Geschwüre an den unsterblichen Seelen, die so rein und heilig aus Gottes Vaterhand in die Erde hinein gesenkt werden, die dort in den Menschen geschändet werden, beschmutzt, zerbrochen, für alle Ewigkeit erstickt, gemordet. Und in diesem von Jammer erstickten Schrei des Herrn, in diesem Schweigen liegt alles Elend, alle Not begraben, die wie durch den Skorpion über die Erde kommen (Offb. 9,3). Das Symbol des Skorpions gehört zum Götzen Baal und seinen Helfershelfer, welche die Ichsucht und Selbstvergottung über die Welt bringen und die sich steigern im selben Maß, als es dem Endgericht zugeht. St. Cassiel, der Stille Fürst, trägt diesen schweigenden Jammer seines Herrn und den des ganzen Corpus Christi Mysticum. Er trägt die Not aller Unterdrückten, Geknechteten, aller Obdachlosen, Arbeitslosen und Heimatlosen. Die lederne Geißel bedeutet die Erinnerung an die Geißelhiebe zu Jerusalem und an alle Geißelungen der gottgeeinten Seelen bis zum Ende der Zeiten durch die Welt, durch den höllischen Skorpion.

St. Cassiel ist der fünfte der sieben Engel vom Dienst an Gottes Thron. Von ihm heißt es in der Apokalypse 9,3, dass er kommen wird, wenn der Skorpion seine Herrschaft auf der Erde führt, wenn dem Stern, der vom Himmel gefallen ist, die Schlüssel zum Abgrund gegeben werden.

Wir wollen uns niederknien und Gott danken in tiefer Demut, denn der Stern, der da gefallen, das ist nicht ein Engel allein, sondern das ist der Engel, die Millionzahl der Engel aller Chöre, die gekommen sind, Maria die Ehre auf Erden zu geben, die die Hölle aufsperren und zum letzten Endkampf auffordern werden.

Gebet: Heiliger Fürst des Schweigens, lass uns mit deinen Waffen kämpfen: Der schweigenden Liebe, der schweigenden Sühne, dem schweigenden Alleinsein, um alles zu gewinnen, den Einen, Der alles ist: Gott. Amen.

 

13. November – St. Pheliel 7. Chor

Er wird immer dort stehen, wo sich eine Wandlung vollzieht, von der Zeitlichkeit in die Ewigkeit, von der Gebundenheit in die Gelöstheit, vom Kleinmut der Enge in den Großmut der Weite, von der Unruhe zur Ruhe in Gott, aber auch von der Abgestumpftheit in die Unruhe nach Gott.

St. Pheliel ist einer der sieben Engel aus dem Chor der Mächte, und zwar der Mächte der Liebe, die zusammen mit den Feuerseelen die Erde umpflügen werden mit der Saat der Liebe, mit den Tränen, dem Opfer, dem Schweigen, dem Gebet; der Sühne und aller Kraft der Liebe, die über Hindernisse springt und Berge ebnet. St. Pheliel trägt als Aufgabe die Macht des Opfers in aller Tiefe und Innerlichkeit der Liebe.

Das ist wohl richtig erkannt worden, dass nur ein ganzes Opfer, in aller Bedingungslosigkeit und Bereitschaft bis zum letzten gebracht, aufflammt vor Gott, ein halbes Opfer jedoch, wo man seinem Ich noch Bequemlichkeits- oder Mitleidskonzessionen macht, das brennt nur, es tut weh. Wenn Gott Sich gibt, so gibt Er Sich auch nicht halb oder teilweise, Er ist immer Gott, ungeteilt Gott, auch als schwaches Brot, auch in der Torheit des Kreuzes. Wie viele Schuppen müssen noch von unseren Augen fallen, wie viele Torflügel der Erkenntnis aufgehen, bis wir so weit sind, dem Herrn restlos als unserem Herrn das Verfügungsrecht über uns einzuräumen! Wie soll die opfernde Liebe grundlegend wandeln, wenn wir nach dem bequemen Wort gehen: "Tu du mir nichts, ich tu dir auch nichts!" und die Hand Gottes, den Meißel und das Schwert Gottes nicht aushalten wollen? So, wie die Macht des Glaubens Berge versetzen kann und die Macht der Hoffnung, des Vertrauens, Gott zu uns zwingt, so ist die Macht der Liebe die große Wandlerin. Die Wege der Macht des Opfers der Liebe sind uns wie kaum jemand anderem vorgetreten und vorgegangen im Opfer des Herrn von der Krippe bis zum Kreuz, im Opfer der himmlischen Mutter mit ihrem durchbohrten Herzen. So gehen auch alle unsere Opfer, die von unserem Engel empor getragen werden, zuerst ein in das Herz der Mutter, in das Herz unseres Herrn, und erst von dort aus geht die gesammelte, gebündelte Macht aller Opfer im Opfer des Herrn und Seiner Mutter wie ein unüberwindliches Kriegsherr zum Angriff der Liebe über auf das Herz des Vaters. Niemals kann Er solchem Ansturm der Liebe widerstehen, der gütigste, beste, barmherzigste aller Väter!

Gebet: O du uns o vertrauter Engel, mit welch rührender Liebe nimmst du alle unsere kleinen und kleinsten Opfer zu dir, um von unserer Armseligkeit doch noch irgendeinen Ewigkeitswert zu erringen und in die Herzen Jesu und Mariä zu tragen. Wie wollen wir dir danken, der du unser Herz nach jedem noch so kleinen, aber lauteren Opfer mit Freude und neuer Kraft erfüllst zu neuer Liebe und neuem Opfer! Amen.

 

14. November – St. Laodiel 5. h. Chor

Alles, was Gott, der Herr, uns an der Gestalt dieses Engels sehen lässt, ist Symbol und beherzigenswert für uns:

Der Engel gleicht einem Schwert; nicht jenem Göttlichen des Anrufes, das vom Himmel der Erde zu fährt, sondern eher der Antwort, also einem solchen Schwert, das von der Erde gegen den Himmel zielt. Wir wollen dem Herrn immer "Antwort" sein, wie Maria Antwort war und ist und sein wird.

Dieses Schwert steht mit seinem Griff auf der Erde auf, und sein Knauf hat Wurzeln, bis in die Tiefe, dem Abgrund zu. Bedenke, o Mensch, dass du Erde bist, Staub, und dass die Triebe deines erdhaften, körperlichen Seins hinunterreichen in die dunkle Tiefe der Erde, ja, oft bis in den Abgrund!

Das Schwert ist blutrot, und es hat seine Spitze oben im Herzen des Engels, also in dieser Gestalt. Und da dieser Engel St. Laodiel, aus dem Chorteil der Hohen Gewalten ist, nämlich aus jenen zwölf, die das Bündnis Gottes mit den Menschen tragen, und St. Laodiel im Namen des heiligen Apostels Jakobus und aller Büßer und Bekenner vor Gott steht, so bedeutet dieses Schwert die Antwort der Reue. Wir bereuen all das, was aus dem Abgrund, aus der Sünde, über uns gekommen ist, und die Spitze dieses Schwertes der Reue soll auch in unserem Herzen stecken und uns auf Schritt und Tritt verwunden, damit wir immer unserer Armseligkeit bewusst und so vor jedem Hochmut und allem Pharisäertum bewahrt bleiben.

Aus diesem schwertdurchbohrten Herzen aber brechen breite Lichtbündel über das Haupt und die erhobenen Arme Gott entgegen. Und der Strom der Reuetränen, die hier Regentropfen gleichen, geht nicht abwärts, der Erde zu, sondern aufwärts wie ein Springbrunnen, dem Herrn entgegen, Der dort oben über den Wolken in der Gestalt des zerschlagenen, gegeißelten, dornengekrönten Gottmenschen zu sehen ist. Denn kein Engel kann vor dem Angesicht des Vaters das Bild dieses entstellten Opferlammes reinwaschen, sondern nur die Reuetränen dessen, für den Sich unser Heiland so hinopferte. Denke, o Mensch, an den Wert deiner Reuetränen und an deine Aufgabe! Keine Reueträne ist umsonst, die du über deine und der Deinen Sünden vergießt. Du wäscht das Bild deines Erlösers vor dem Angesicht Gottes und aller Engel mit deinen Tränen rein. Die Kraft deiner Liebesreue ist wie ein helles Licht, welches das Herz des Himmlischen Vaters aufsprengt, auf dass sich Sein Erbarmen über uns und die Unseren ergieße.

Gebet: Du heiliger, großer Engel, lass uns nicht nur hie und da unserer Sünden gedenken, lass uns nicht bloß ein Lippengebet der Reue sprechen, sondern lass eine tiefe Reue unser Herz verwunden und lass uns Sühnende und Büßende sein, damit wir wie ein Schwert das erbarmende Herz Gottes treffen und wir durch diese Öffnung, die unser Schwert der Reue schlägt, einziehen können in das Herz unseres Herrn. Amen.

 

15. November – St. Geriel 7. Chor

Er trägt auf seiner Brust in hebräischen Lettern das Wort des Herrn: "Ephetha" – tu dich auf! Er trägt es wie ein Siegel, das aufsprengt, wem es übergeben wird. So, wie auf die Erschaffung des Menschen der Sündenfall folgte und dann in der Treue und Barmherzigkeit Gott die Erlösung durch unsern Herrn Jesus Christus, so war dem Wort des Vaters "Es werde!!" das "Nein!" des Geschöpfes zu seinem Schöpfer gefolgt und die Paradiesespforte schloss sich für immer. Und jetzt spricht der Herr "Tu dich auf, tu dich wieder auf!" zum Menschen, der blind und in Sünde verstreckt vor Ihm steht. O erlösendes Wort! Der Mensch wird nicht nur sehend, er wird an seiner Seele heil, die Seele steht wieder auf, von den Fesseln des Todes befreit.

St. Geriel, der dieses so kostbare Herrenwort trägt, ist aus dem Chor der Mächte und ein Engel der Hoffnung. Er trägt das Wort "Tu dich auf!" als Gottes-Erkenntnis. – Die Engel der Hoffnung sind keine Statiker wie die Engel des Glaubens; sie sind dynamisch drängend und vermitteln die Kraft des Wachsens und Werdens, auch das Neu-Werdens; ihre Strahlen sind wie Springbrunnen oder Wasserquellen.

St. Geriel spricht sein "Tu dich auf!" zum menschlichen Geist, der einmal Gott ganz nahe war und dann durch die Sünde verdunkelte. Der Engel spricht sein "Tu dich auf!" zu jeder schlafenden Seele, die sich selbst nicht aufraffen kann und wie begraben liegt unter dem Wust ihrer Sünden. Es ist die Aufgabe St. Geriels, diese geistig Blinden so aufzurütteln, dass sie Gott suchen und finden wollen, und wenn sie nur einmal wollen, dann erkennen sie Ihn auch.

Die Gotteserkenntnis ist etwas Fundamentales. Wir werden danach gerichtet, wieweit wir Gott erkannt und die Konsequenzen daraus gezogen haben. Wir werden aber auch alle einmal die vielen Weckrufe des Engels, die "Ephetha!" vor Augen gestellt bekommen, alle Worte, die Gott durch die heilige Kirche uns gesagt hat. Denn jedes heilige Bußsakrament ist ein "Tu dich auf!" für unsere Seele, alle Gaben des heiligen Geistes, jede Liebestat Gottes an unserer Seele sind ein solches "Ephetha!". Warum tun wir nicht auf? Warum haben wir tausend Ausreden? Weil das helle Sonnenlicht Gottes den eigenen Ich-Götzen, der mitten in unserem Herzen thront, zu sehr blendet. Wir wollen blind bleiben, weil es bequemer ist, wenig verantworten zu müssen als viel, wir sind mit der Regentschaft unseres Ich zufrieden.

Wie lange muss St. Geriel oft an einer Seele rütteln, bis sie auftut! Wäre er nicht ein Engel der zähen, unerschütterlichen, beharrlichen Hoffnung, vielleicht wäre er schon an uns vorbeigegangen und hätte uns in der selbstgewollten Blindheit belassen. Aber siehe! Da steht er, gerade jetzt steht er vor dir: "Tu dich auf!" Das flutende Licht der Gotteserkenntnis wartet auf dich.

Gebet: Heiliger Engel, gib uns das Verlangen, Gott immer mehr erkennen zu dürfen, um Ihn immer mehr lieben zu können. Sprich dein "Tu dich auf!" zu unserem schlafenden Geist, damit wir wach und bereit werden und dem Herrn entgegeneilen können, wenn Er kommt, ganz gleich wann immer. Amen.

 

16. November – St. Rasiel 7. Chor

Er ist wie reines, klares Glockengeläute, wie blitzendes, vielfaches Kristallfunkeln, wie die ebenmäßige Schönheit der Liebe – ein Engel aus dem Chor der Mächte, der großen schweigenden Kräfte des Erlösungsringes.

Es sind im ganzen Chor der Mächte dreimal sieben: Des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, und noch zwölf Mächte der Kirche. Die sieben Mächte des Glaubens gleichen einem siebenfach geschliffenen Spiegel, der die Tugend des Glaubens in siebenfacher Art ausstrahlt. Sie sind die Träger des Lebensstromes und aller Göttlichen Ströme der Bereitschaft, des Starkmutes und der Treue, der Wahrheit und des unerschütterlichen Glaubens. Die sieben Mächte der Hoffnung sind wie ein siebenflammiger Leuchter voll Bewegtheit, sie tragen das Wachsen und Werden, das bedingungslose Vertrauen, die Gottesfurcht und die Beharrlichkeit. Die sieben Mächte der Liebe endlich sind wie ein siebenfacher, Glocken- oder Orgelton, sie schwingen über die ganze Erde, sie tragen die Schönheit und das Maß, die Ordnung und die Tiefe und die Weisheit der Göttlichen Liebe.

St. Rasiel ist einer der sieben aus dem Chor der Mächte der Liebe. Er trägt das Maß der Liebe. In diesem Maß liegt die ganze Weisheit Gottes, jedem Geschöpf das richtige Maß an Liebe zuzuteilen, um die Schönheit und Harmonie, das Wachsen und Blühen und Reifen in der ganzen Schöpfung zu gewährleisten. In diesem Maß liegt die ganze Ordnung der Liebe; eine ungeordnete Liebe gibt es bei Gott nicht. In diesem Maß liegt auch die ganze Gerechtigkeit der Liebe Gottes, die keine Sympathie und Antipathie, kein Bevorzugen und Vergessen zulässt. Als Symbol des Maßes der Liebe trägt St. Rasiel ein flammendes Kreuz. Am Kreuz kannst du, Seele, die Liebe Gottes ermessen; hast du kein Kreuz zu tragen, so kannst du wie viele Heilige zitternd fragen, ob Gott dich in Seiner Liebe vergessen habe! Das Maß der Liebe ist nicht nur das Kreuz, sondern das flammende Kreuz. Die Glut deiner Seele ist das Maß für deine Liebe, o Mensch. Hast du das Höchstmaß der Liebe erlangt, so hat auch deine Seele das Höchstmaß an Glut erreicht. In dem Maß, wie das Kreuz, das St. Rasiel trägt, in die Tiefe deines Herzens eindringt, im selben Maß stürzt sich auch die Liebe Gottes in dein Herz wie ein Schwert. Und in dem Maß, wie das Kreuz St. Rasiels in deiner Seele aufleuchtet, im selben Maß brennt deine Liebe zu Gott empor.

Gebet: Heiliger Engel, in der Längsschneide deines Schwertes, im Längsbalken des Kreuzes, trägst du das Maß für die Aktivität der Liebe, und im schmalen Querbalken die Passivität der Liebe. Lass mich, o Engel, von dir dorthin gestellt sein, wo das Maß der Liebe Gottes es will; lass mich das Höchstmaß der Liebe Gottes erreichen. Amen.

 

17. November – St. Diurim 5. h. Chor

Wenn wir vom Thron Gottes abwärts die Chöre der heiligen Engel überblicken, fällt uns eine wunderbare Harmonie in ihrer Anordnung auf: Dreimal sieben – so klingt es bei den beiden obersten Chören, den Seraphim und Cherubim auf; drei und sieben – so geht vom Dreieinigen Gott über die Throne die gottgeeinte Schöpfung aus; sie tritt durch ein großes Wolkendunkel des Geheimnisses. Sind nicht Glaube, Hoffnung und Liebe der geheimnisvolle Mantel voll Licht, Farbe und Klang von Gott und die Seinen, der Mantel, den wir nicht greifen können, den wir nur ersehnen? Aber gerade durch diese drei – Glaube, Hoffnung, Liebe – kommen uns die nächsten Chöre näher. Sie sind aufgeteilt: In vier und sieben und zwölf, und einer steht in der Mitte. Der Glaube lässt sie vor unseren Augen erstehen, die Hoffnung bringt sie uns nahe zu unserer Hilfe, und die Liebe eilt ihnen entgegen voll Freude. Der uns heute als Fürbitter gezeigt wird, das ist der eine in seinem Chor: St. Diurim, der Engel der Hohen Gewalt, der Träger der Gewalt des Göttlichen Willens, "der dreizehnte in seiner Reihe".

Luzifer legt sich und seinen Schadensabsichten gerne die Zahl 13 bei, und die Welt hält daher diese Zahl für unheilbringend. Maria aber tritt auch hier der Schlange aufs Haupt, indem sie Engel ganz besonderer Aufgaben innerhalb ihrer Chöre als dreizehnte hervorhebt, wie sie ja auch die Gnadentage ihrer Erscheinungen von Fatima auf den Dreizehnten jedes Monats legte.

St. Diurim ist einer dieser mit besonderen Aufgaben bedachten Engel. Er stößt gleichsam vom Himmel herab mit der ganzen Wucht des Göttlichen Willens, er steht wie ein Berg aus Licht und Kraft auf der Erde, um das Kreuz zu stützen, das der Welt eine Torheit, uns aber Seligkeit und Halt und Ziel ist. Aber in diesem wunderbaren Schein von Glaube, Hoffnung und Liebe sehen wir, dass der Wille Gottes für uns heißt: Wille Gottes zum Kreuz!

Schaudert dich, Mensch? Möchtest du lieber haben, dass es hieße: Wille Gottes zum Leben, zur Freude? Sieh hin auf Maria, deine Mutter: Ihr schönster Ehrenplatz war nicht an der Krippe, sondern unter dem Kreuz. Dort hat der Wille Gottes sie geadelt als die Kirche, als die Mutter aller Menschen, als die Königin des Weltalls.

So fremd es klingen mag: Das Leben und die Freude gehen auch vom Kreuz aus, weil das Kreuz der Mittelpunkt der Schöpfung ist, das Zentrum. Mag die Welt sagen, dass Golgotha eine Torheit sei – wo die Mutter Jesu steht, da ist immer Weisheit. Und mag die Welt sich vor dem Kreuz als einer Last fürchten – wo Maria steht, ist immer lauterste Liebe Gottes.

Wie ein Mantel legt sich die geheimnisvolle Kraft der Aufgabe St. Diurims mit und durch Maria jedem Menschen um seine Schultern, der bewusst und freiwillig den Willen Gottes zum Kreuz bejaht, der ihn liebt und feststeht in diesem Willem Gottes. Ihm wird St. Diurim ein starker Helfer, der ihn vor allem Eigenwillen und allem Ungehorsam bewahrt und ihm den Frieden der Kinder Gottes ins Herz legt. Und das Kreuz, das St. Diurim auf dieses Menschenherz aufpflanzt, das ragt von der Erde direkt ins Herz Gottes hinein.

Gebet: Der du den Willen Gottes trägst, heiliger Engel, lass uns diesen heiligsten Willen lieben, auch wenn er Kreuztragen heißt. Lass uns in diesem Willen leben, lieben, leiden und sterben und einst durch diesen Willen in die Herrlichkeit Gottes eingehen. Amen.

 

18. November – St. Hassiel 6. h. Chor

Wie eine dräuende Gestalt aus der Endzeit steht er vor Gottes Thron, als hätte ihn der Herr zum Scharfrichter gegen die endzeitlichen Angriffe bestellt, die der heiligen Kirche drohen. Auch das Symbol ist danach: Die Rute, das Zeichen harter Schlagkraft der Gerechtigkeit Gottes. Der Name dieses großen Engels ist St. Hassiel, der Engel der Abwehr, der Hohe Fürst, der vor Gott heißt "Pfeil Gottes". Er steht vor einem Himmel voller Wolken und Blitze, aber seine Gestalt ist hell beleuchtet wie von innen heraus: Es ist die Liebe Gottes, die den Engel erschaffen, die ihn ausgesandt hat zur Hilfe für die Kinder Gottes, und die Liebe Gottes macht uns die Gerechtigkeit Gottes tragbar.

Die Gerechtigkeit Gottes ist ja niemals von der Liebe Gottes zu trennen. Und haben wir uns in die Liebe Gottes hinein geflüchtet, wird uns die Gerechtigkeit Gottes nicht in den Abgrund schleudern. Ja, umgekehrt: Wenn wir uns voll Reue und Sühnewillen der heiligsten Gerechtigkeit Gottes ausliefern, wird uns die Liebe Gottes entgegeneilen und heimführen.

Die Gerechtigkeit des Alten Bundes wusste nichts von Liebe. Es hieß dort: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Aber unser Herr Jesus Christus hat uns die Liebe gebracht, die das Größte ist, die alles überwindet, und im Neuen Bund nimmt die Barmherzigkeit Gottes jenen Platz ein, den im Alten Bund die Gerechtigkeit innehatte.

Das soll aber nicht sagen, dass Gott heute nicht mehr höchst gerecht sei. Nichts fällt bei Gott "unter den Tisch", nichts ist verborgen, was nicht offenbar wird bei Gericht, und jedem wird vergolten nach seinen Werken. Wenn wir St. Hassiel heute als gewaltigen Kämpfer sehen, den wir anrufen sollen bei allen Verfolgungen, so möchten wir uns doch auch in seine Liebe flüchten, wenn wir selbst ungerecht gegen andere waren. Er soll die Rute nicht an uns sparen, damit wir wie Kinder erzogen werden und die Liebe in heiligem Eifer hüten. Selbstzucht ist ein Wort, das uns St. Hassiel lehrt, Härte gegen uns selbst, aber Liebe und Barmherzigkeit gegen alle, die der Hilfe Gottes bedürfen.

Gebet: Großer Fürst der Gerechtigkeit Gottes, stärke uns im Kampf gegen die Feinde der heiligen Kirche und gib uns wachsame und klare Augen, immer das Rechte zu tun. Spare nicht die Rute an uns, damit wir das werden und das tun, was die Liebe Gottes von uns will. Amen.

 

19. November – St. Ephodiel 4. v. Chor

Die Liebe Gottes ist überall am Werke, am Anfang und am Ende der Zeiten, in der Schöpfung und in der Erlösung und in der Heimholung der Menschen. Es ist die Liebe des Vaters und die Liebe des Sohnes und die Liebe des Geistes, die da schaffen. Es ist eine Liebe, und jede schafft anders im Raum und in der Zeit und in ihrer Wesenheit – wer kann sie je ausschöpfen?

St. Ephodiel ist einer der sieben, welche als Engel der Liebe des Geistes, dem Sohn als dem ewigen Richter zugewandt, versiegelt sind für ihre Aufgabe in der Endzeit. St. Ephodiel siegelt in der Schönheit der Braut Christi die Gemeinden Gottes vor dem Ansturm der höllischen Mächte, vor den endzeitlichen Gräueln. Oft ist von der Schönheit im Reiche Christi die Rede, und es wäre falsch zu glauben, die heilige Kirche verneine die Schönheit und stemple sie zu einer Hörigen und einem Blendwerk des Bösen. Freilich ist die Göttliche Schönheit ziemlich das Gegenteil von der sogenannten Schönheit der Welt. Die Schönheit, die der Cherub St. Chamael trägt, ist die Anziehungskraft und Schönheit des Lebens, der Lehre und der ganzen Wesenheit des Gottmenschen Jesus Christus.

Die Schönheit, welche der Cherub St. Thiphered trägt, ist die Ruhe und Majestät und Reinheit des Wortes Gottes.

Die Schönheit, welche der Thron St. Arim trägt, ist die Schönheit, welche der achte der zwölf Engel von Wort und Antwort in die Blüte aller Schöpfung trägt, ist der innere Klang, die Farbigkeit und Freudigkeit aller gottgeschaffenen Dinge.

Die Schönheit aller Schönheiten aber ist Maria. Ihre Schönheit liegt symbolhaft vererbt in der heiligen Kirche als der Braut Christi. Die Schönheit der heiligen Kirche liegt in der Schönheit und Vollendetheit ihrer Heiligen, ihrer Liturgie, ihrer Kirchen und Klöster. Und diese Schönheit, welche die heilige Kirche in sich tragen wird bis zum Ende der Zeiten, diese Schönheit hat St. Ephodiel versiegelt, und sie wird in der Kirche bleiben, und kein Gräuel der Endzeit wird sie mehr vernichten können.

Gebet: Herr, Deine Schönheit ist Maria! Lass Maria wohnen in unseren Herzen, in unseren Gemeinden, in unserer Zeit, damit wir durch sie Deine Schönheit, o Gott, erahnen und ersehnen dürfen. Amen.

 

20. November – St. Misachar 4. n. Chor

Erst kommt die Anbetung, sagen die heiligen Engel, dann kommt der Dank und dann die Bitte. So stehen auch in der Reihe der sieben Opferschalen-Engel, welche die Antwort des Menschen auf den Liebes- und Gnadenanruf Gottes tragen, zuerst die Engel des Lobopfers, des Weihe-Opfers, des Dankopfers. Und so, wie es in den Messgebeten zu Gott heißt: "Durch dieselben versöhnt, gewähre allen Verzeihung, welche Deine Barmherzigkeit anrufen", so kommt auch bei den sieben großen Opferschalen-Engeln St. Misachar, der Engel des Bittopfers, an drittletzter Stelle. Setzen wir Menschen unsere Bitten nicht immer an die erste Stelle? Lernen wir von den heiligen Engeln!

Der Chor der Herrschaften hat eine ganz andere Eigenprägung als der Chor der Gewalten. Auch der Chor der Gewalten trägt Lob- und Dank- und Bittopfer, aber er trägt diese Opfer als Kraft, als Gewalt, die dem Himmel Gewalt antut. – Der Chor der Herrschaften in seinen sieben Opferschalen-Engeln trägt das Opfer der Menschheit als Gabe, als ein Gott wieder dargebrachtes Pfund, anbetend dargestellt und nicht Gott gleichsam drängend, wie es die Gewalten tun.

St. Misachar trägt das Bittopfer. Er trägt es zweifach: Als Opfer des Alten Bundes, als ringendes, ja inbrünstiges Flehen Mosis und aller Altväter. Dieses Bittopfer ist ein auch äußerlich aktives Flehen; es geschieht mit dem Herzblut der Bittenden und pocht an das Herz des Gebetenen, an das Herz des Vaters. – Das ist das eine Opfer.

Das andere Opfer, das St. Misachar trägt, ist das Bittopfer unseres Herrn am Ölberg: "Vater, wenn es möglich ist ..." Dieses Bitten ist anders als das der Vorväter, welche Gott-Vater eindringlichst an Sein Versprechen erinnerten: "... Was Du unseren Vätern versprochen hast ... den Eid, den Du geschworen hast ..." Das Bitten unseres Herrn am Ölberg ist das demütige, ja man könnte sagen, wunschlose Einordnen in den Willen Gottes: "Aber nicht Mein Wille, sondern Dein Wille geschehe!" – Wir sind keine Altväter, wir sind hineingestellt in die Fußstapfen unseres Herrn Jesus Christus, die uns nicht durch das Rote Meer in das Gelobte Land, sondern hinauf auf Golgotha führen. Wir sind nicht der Hohepriester, der den Opferstoß anzündet, sondern wir sind das Opferlamm, das geopfert wird. Nicht das ist die Bitte des Neuen Bundes: "Herr, gib meinen Feinden tausendfach zurück, was sie mir angetan!" Dies ist die Bitte unseres Herrn: "Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!"

So trägt St. Misachar die aktive und die passive Bitte. Er trägt sie, als unter dem drittletzten der sieben Engel mit den Gaben des Heiligen Geistes stehend, mit Starkmut. Nicht nur Moses musste starkmütig sein, und mehr als einmal hat ihn Gott auf seinen Starkmut geprüft. Auch unser Herr Jesus Christus musste den Starkmut nicht allein in der Stunde der Passio, sondern Jahr um Jahr vorher schon üben. Gott Vater hat Seinen Sohn Mensch werden lassen bis in die letzten Konsequenzen des Erlöserwillens. Er wird auch unser Opfer fordern bis zum letzten, wie Er es von Maria, der zarten Frau, gefordert hat. Aber ist nicht die Dogmenerklärung der leiblichen Himmelfahrt Mariens die Antwort auf dieses letztmögliche Hinopfern? Gott lässt Sich an Großmut nicht übertreffen.

Gebet: Heiliger Engel, lehre uns die rechte Reihenfolge im Beten, dass zuerst die Anbetung kommt und dann das Danken. So wird das Herz Gottes in Liebe geöffnet für die Erfüllung unserer Bitten. Amen.

 

21. November – St. Jod 1. Chor

Im Opfer neigt sich Gott. Er neigt Sich zu Abel, zu Noah, zu Abraham, die in zitternder, großer Ehrfurcht vor Ihm stehen.

Aber nun leuchtet ein neues Opfer auf, einmalig:

Es ist in der Fülle der Zeit. Maria, die Schönste, die Reinste, die von Gott Erkorene, noch ein Kind und ihrer Sendung unbewusst, will opfern, freiwillig und stürmisch drängend. Sie will sich selbst Gott zum Opfer darbringen. Und es ist ein Opfer reinster Liebe.

Wenn wir das Fest Mariä Opferung auf Erden feiern, dann ist es, als schweigen alle Himmel. Gott neigt Sich zu Maria. Die irdische und die himmlische Liebe begegnen sich auf der goldenen Brücke, die der Seraph St. Jod, der Seraph des Sohnes, als die Göttliche Idee vom Himmel zur Erde und von der Erde zum Himmel spannt. Es ist die ausströmende Liebe, die herabstürzt in ein eigens dafür bereitetes Gefäß von einmaliger Schönheit, Reinheit und Kraft, von spiegelnder Klarheit.

Nur die höchsten Engel vermögen solche Geheimnisse Gottes zu tragen und zu ertragen, vor allem die Seraphim, die Engel der Liebe. Die Göttliche Idee ist ja Liebe und immer nur Liebe und alle anderen Wesenheiten sind in ihr enthalten. Das "Werde!" zur Schöpfung ist Liebe, das "Weiche!" zur Abwehr des Schlechten in der Schöpfung ist Liebe; am meisten Liebe aber ist das "Komme!". Mit dem Schlüssel "Liebe" kann man aber alle Türen aufsperren, kann man das Herz Gottes zu jeder Zeit öffnen, und diesen Schlüssel hatte Maria, wie niemand anderer vor und nach ihr, schon als Kind in Händen.

Sie nimmt die Göttliche Idee in sich als etwas Selbstverständliches auf. Sie ist ja die Antwort der ganzen Schöpfung, sie ist die einmalige Antwort des von Gott direkt angesprochenen auserwählten Geschöpfes. Sie lebt und bewegt sich in diesem Göttlichen Raum wie in ihrem Vaterhaus. Sie steht im Wert vor Gott über allen Seraphim, auch über diesem gewaltigen Seraph, der, dreifach und doch einfach, die Göttliche Idee als ein unfassbares Geheimnis von dem Dreieinigen Gott über den Gottmenschen Jesus Christus herab gegen die Schöpfung spiegelt.

In seiner persönlichen und wesenhaften Einfärbung bildet der Seraph St. Jod eine Einheit mit dem Seraph des Vaters, St. Eheie, der uns das Geheimnis der Wesenhaftigkeit Gottes über die Liebe erahnen lässt, und mit dem Seraph des Geistes, St. Aglai, den wir wohl am schwersten verstehen in dem Geheimnis "Der in Sich alles Seiende". Sie sind einer in dreien und drei in einem, so will es die Nähe Gottes für diese höchsten aller Engel.

Gebet: Großer heiliger Seraph, der du uns die Göttliche Idee im Wort und in der Liebe nahezubringen suchst, trage unser Stammeln hinauf vor das Herz Mariens, damit es dort aufgenommen und mit ihrem Hohenlied der Liebe vor das Angesicht Gottes getragen werde. Amen.

 

21. November – St. Zepharim 3. Chor

Alle Geschehnisse in der heiligen Kirche auf Erden finden ihre Widerspiegelung vor Gottes Thron: Jedes Kirchenfest, jeder Tagesheilige wird zugleich mit dem Tages-Engel gefeiert. Damit will Gott vor der ganzen Schöpfung dokumentieren, dass die heilige Kirche als die Stellvertreterin und Braut Christi wie im Himmel genauso auf Erden allzeit vor Gottes Thron steht, anbetend, liebend, fürbittend. Während heute im Himmel und auf Erden der Tempelgang der seligsten Jungfrau Maria gefeiert wird im Fest Mariä Opferung, stehen an den Stufen des Thrones Gottes zwei Engel wie Flammen: Ein Seraph und ein Thron. Das soll nicht nur die Erhabenheit dieses Festes andeuten, sondern zugleich der sichtbare Beweis sein der unendlichen Liebe, mit welcher der Vater, der Sohn und der Geist von Anbeginn an Maria umgaben.

Der flammende Seraph heißt St. Jod, die Göttliche Idee (der Erlösung). Er ist wie ein ungeheurer Spiegel, in dem Sich Gott Selbst spiegelt, in dem das Wort der Liebe zwischen Vater und Sohn und Geist hin und her flutet, in welchem der Dreieinige Gott Sich Selbst darstellt. Dieser Spiegel der Darstellung spiegelt heute hinunter in die Geschöpflichkeit auf die Darstellung des allerreinsten, allerschönsten Geschöpfes im Tempel Gottes.

Und neben St. Jod, dessen Anblick man nicht ertragen kann, ist ein Thron wie eine ungeheure Kerzenflamme auf einem siebenarmigen Leuchter, der einem Dom mit sieben Kirchen gleicht, jede Kerzenflamme ist wie eine Kirche, wohlgeordnet wie ein Kristallsystem. Dieser Thron ist St. Zepharim, der erste der sieben Throne der Schöpfung. Der Chor der Throne könnte wohl neben dem Begriff des Lebens auch den Begriff des Maßes tragen. Alles in diesem Chor ist voll Maß, selbst in der Gegensätzlichkeit. Da sind drei Throne, die den Thron Gottes über allen Himmeln bilden, und sieben Throne stehen um sie herum. Und der erste dieser sieben ist St. Zephirim, der die in Gott und im Gottesreich wohlgeordnete Frömmigkeit trägt von der Opferung, dem "Ja"-sagen des Menschen an, bis zur Gottseligkeit; alles Streben, alle Kraft, alle Wissenschaft und Arbeit zielt ja hinein in das Reich Gottes. Dieser Thron ist wie ein Licht von der Erde bis zum Himmel. Im Licht dieses Thrones sehen die Engel die Jungfrau Maria wie auf einer Himmelstreppe langsam emporsteigen, zart und holdselig, und des Jubels ist unter ihnen kein Ende.

Gebet: Himmelskönigin, lieblichste Magd des Herrn, trag uns arme Sünder, die wir dein Herz tausendmal durchbohrt haben, in deinem Herzen mit hinauf vor den Thron Gottes als das Opfer, das du Gott darbringst mit deinem Leben. Amen.

 

22. November – St. Chun 9. Chor

Es ist eine Freude Mariens, sich auch an ihren Festzeiten mit schlichten Engeln zu umgeben, solchen, die ihre Worte tragen oder ganz auf sie Bezug haben. St. Chun mit der Harfe ist ein solcher. Er ist Engel des 9. Chores und den Niederen Gewalten zugeordnet, St. Theorah, dem Gottesfrüchtebringer. Er trägt das Wort über Maria aus dem Buch der Weisheit: "... es war meine Wonne, Tag für Tag vor Ihm zu spielen ..."

Das ist ein Wort, das sich wie ein Regenbogen hoch über den Himmel unserer Begriffe spannt, und wohl nur ein Geist, der hoch und weit fliegen kann, wird dieses Wort klar erkennen. Unter "Spielen" können wir Menschen im übertragenen Sinn das Erfreuen Gottes, das Entzücktsein Gottes an Maria schon durch ihr Sein vor Gott verstehen. Sie ist wie ein tausendfach leuchtender Kristall, der an jeder Schnittfläche eine andere Perspektive ergibt, welche Engel und Mensch in Jubel und Anbetung Gottes ausbrechen lassen.

Und wenn wir dieses Wort auf die Erde herab zwingen und richtig spiegeln wollen, so können wir sagen, dass das, was für Maria, die Sündelose, ein "Spielen" war, uns doch rechte Mühe kostet, dass dieses spielende Sein vor Gott für uns Menschen übersetzt heißen müsse: "Es ist unsere Wonne, Tag für Tag in Anbetung und in rastlosem Eifer für alles Gute, Gottgewollte und zu Gott Hinführende zu sein vor Gott." Wenn wir so sind vor Gott, immer nur an Ihn denken wollen, immer Ihn erfreuen wollen durch einen neuen kleinen Liebesbeweis – in Form eines froh getragenen Opfers, in Form einer neuen Gabe, wenn wir immer wieder zu Ihm zurückkehren wie der Ball in die Hand des Kindes, dann ist auch unser Leben ein liebendes Sein vor Gott, ein Spielen des Kindes an der Hand der Mutter Maria. Auch das Kind nimmt sein Spiel todernst, und es kann ihm harte Mühe kosten, auf Wunsch der Mutter von etwas zu lassen, mit dem es sich beschäftigt, es kann heiße Tränen vergießen, wenn die geliebte Puppe ins Wasser fällt oder wenn es sich wehtut. Was ist unser Tun hier auf der kleinen Erde, an der Auswirkung der unendlich machtvollen Engelaufgaben, an der Ewigkeit gemessen, sieht es nicht wie ein Spielen aus?

Aber Gott nimmt dies unser "Spielen" sehr ernst. Er hat uns einen Engel für Schritt und Tritt zur Seite gegeben, damit unser Fuß nicht strauchle, und er "spielt" vor Gott, er singt für uns das Gloria und das Credo und das Sanctus, das Agnus Dei und das Domine non sum dignus, er spielt auf der Harfe unsern Jubel, und er spielt auf der Harfe unser Sanctus aus der Tiefe.

Und so müssen wir auch diesen Engel sehen. Er hat eine große Harfe vor sich stehen. Jede Wesensart von uns ist eine Saite. Wenn sie für Gott anklingt, trägt dieser Engel unsern Willensakt, zu einem Ton umgewandelt, wie ein Lied unserm Herrn vor: Unsere Liebe, unser Streben, unseren Gehorsam, unsere Bereitschaft, unser "Ja"-Sagen, unser Schweigen, unser Verzeihen.

Gebet: Herr, lass uns selbst zu einem Lied der Liebe werden vor Deinem Angesicht. Amen.

 

23. November – St. Morael 6. n. Chor

Jeder Chor der heiligen Engel ist irgendwie durch einen unserer Sinne besonders erfassbar. Und es wäre gut, dies zu wissen, weil wir dann auch unsere Engel, jene des Tages oder jene, die uns auf Grund einer besonderen Aufgabe neben unserem heiligen Schutzengel gegeben sind, besser verstehen können.

Der 9. Chor der Engel wird von uns am besten über das Hören erfasst. Das sind die Engel, die zu uns reden, uns mahnen, die mit und für uns vor Gottes Thron anbeten, singen und lobpreisen.

Der 8. Chor der Erzengel wird von uns am besten über das Sehen erfasst. Das sind die Engel, welche unser geistiges Auge schärfen und leiten, die Angriffe des Bösen und auch unseren Weg zu Gott zu erkennen.

Der 7. Chor der Mächte wird von uns am besten über das Fühlen erfasst. Das sind die Engel, welche unser Herz weiten für die Liebe, unseren Sinn weiten für die Hoffnung, unseren Geist weiten für den Glauben, unser ganzes Verständnis weiten für die heilige katholische Kirche.

Der 6. Chor der Fürsten wird von uns am besten über das Begreifen von Verwaltungsbezirken erkannt, denn alle Fürsten sind Verwalter, Regenten.

Der 5. Chor der Gewalten wird von uns am besten über die Spannkraft, den Druck erfasst. Das sind die Engel, die mit ihrer Gewalt den Willen Gottes durchsetzen.

Der 4. Chor der Herrschaften wird von uns am besten über den Schönheits-Sinn, über Duft und Wohlgeruch erfasst, sogar die Versiegelten Herrschaften über die Schönheit der Majestät und Allmacht Gottes.

Der 3. Chor der Throne wird von uns am besten über den statischen Begriff von Thronen, Domen, Säulen erfasst, voll Wucht das Göttliche "Es werde!" tragend.

Der 2. Chor der Cherubim wird von uns erfasst im Begriff des Schwertes, der Flamme, des Kreuzes, der Vertikale.

Der 1. Chor der Seraphim wird von uns erfasst im Begriff der flammenden, beweglichen Horizontale, vieläugig, vielflügelig.

St. Morael, der heute als Fürbitter dieses Tages vor Gottes Thron steht, ist einer der Stillen Fürsten, deren Verwaltungsbezirke sich über die ganze Menschheit erstrecken. Er hat das große geistige Gebiet der Moral und Sitte und Ethik aller Zeiten und aller Völker zu hüten. Er trägt in der einen Handfläche die Gebote Gottes eingezeichnet, in der anderen Handfläche den Namen Jesu. Durch unseren Herrn Jesus Christus ist die Moral und Ethik und Sitte auf das Kreuz hin geordnet. Das erste Gebot ist die Liebe.

Gebet: Heiliger Engel, lehre uns die Nachfolge Christ einzubauen in all unser Denken und Handeln, in unsere Absichten und Gebräuche, damit das Kreuz überall in der Mitte stehe und alles sich danach richte. Amen.

 

24. November – St. Merua 4. n. Chor

So wie die Wesenheit der Fürsten die Verwaltung ist und die Wesenheit der Gewalten eben die Gewalt, so ist die Wesenheit der Herrschaften das heilige liebende Tun – zum Unterschied von den über ihnen stehenden Seraphim, welche das heilige, liebende Sein als Wesenheit haben. Das heilige, liebende Tun, ist es nicht allen Chören wesenseigen? In einem gewissen Maß schon, denn alle Engel sind heilig, und alle sind Engel der Liebe. Aber hier ist diese Heiligkeit und Liebe ganz besonders wesenseigen, und sie ist nicht nur wesenseigen, sie ist Aufgabe und Sendung zugleich.

Dieses heilige, liebende Tun tragen vor allem die Ecksäulen, die vier stärksten Engel jedes Chordrittteils. Die obersten vier Ecksäulen der Herrschaften sind nach aufwärts dem heiligen Sein zugewendet als "Heiliger Gott", "Weiser Gott", "Allmächtiger Gott", "Gerechter Gott". Aber nach abwärts tragen sie das Maß, die Klugheit, den Starkmut und die Gerechtigkeit als die Tugenden, als das Pfund, mit dem wir wuchern müssen.

In den untersten vier Ecksäulen aus dem Chor der Herrschaften steht St. Merua als der zweite; er trägt die Bindung des Menschen an Gott durch das Gelöbnis der freiwilligen Armut. Der Mensch versteht unter Armut alles, was irgendwie mit Not an etwas zusammenhängt: Armut ist Not an Geld, Not an Besitz, Not an irdischen Bequemlichkeiten und Sicherungen. Der Engel aber versteht unter Armut die heilige Einfachheit, die einfache Wesenheit, das Alles-verlassen-haben um Gotteswillen. Und der Mensch, der wie St. Franziskus die heilige Armut kennen und lieben gelernt hat, weiß, dass sie der Weg ist, der kürzeste und sicherste Weg der Nachfolge Christi. Sagte der Herr nicht Selbst zum reichen Jüngling: "Verkaufe alles, was du hast, und dann komme und folge Mir?" Alles verkaufen heißt hier, alles weggeben, auch geistig von sich stoßen, was einem lieb ist. Die Anhänglichkeit an Orte und Zeiten und Menschen, an gewohnte, ererbte oder liebgewordene Dinge oder Bräuche zeigt uns, dass wir noch immer nicht arm sind. In dem Maße aber, als die heilige Armut von uns Besitz ergreift, in demselben Maße werden wir froh und leicht und glücklich, ja, die heilige Armut macht reich an Ewigkeitsgütern.

Die Armut im Geist ist Reichtum vor Gott, dieser "Armen" ist das Himmelreich. Die Armut ist Kraft in der Kraft Mariens, die nach irdischen Begriffen wahrhaft arm war und die heilige Armut der einfachen Wesenheit Gottes lebte. Die Armut weitet das Auge für die Sicht ins Ewige.

Das Liebesverhältnis des einfachen Menschen zu Gott ist das Fundament für den Menschen. Das wahre Liebesverhältnis zu Gott gibt nur Ihm allein die Ehre, es lässt alles andere versinken und den geliebten Herrn allein sichtbar und immer leuchtender werden.

Gebet: Herr, Majestät des Dreieinigen Gottes, lass mich an Dich gebunden sein durch die allein gültige Weisheit des Dich-schauen-Dürfens, die nur über die heilige Armut und Lauterkeit errungen werden kann. Amen.

 

25. November – St. Malchidiel 6. h. Chor

Wenn die Engel auch – vom Menschen her gesehen – nur Geist sind, zeitlos und geschlechtslos, so wird doch jeder Engel durch seine Aufgabe – außer durch seinen Chorcharakter – in einer Weise geprägt, die ihn uns klein oder groß, älter oder jünger, mehr männlich oder mehr mütterlich erscheinen lässt. Denken wir nur an St. Anael, das Kind unter den Fürsten, oder an St. Makariel, den priesterlichen Engel, der an Melchisedech erinnert, denken wir an St. Aralim Enneth, den schwächsten der Throne, oder an St. Sederim, den wuchtigsten der Engel. So sehen wir in St. Malchidiel, dem Hohen Fürsten, der heute vor dem Herrn für uns bittet, ganz deutlich den Mann.

Und wahrhaft männlich sind seine Aufgabe und sein Symbol. Er steht als Fürst zu zweit – es stehen zwölfmal zwei Hohe Fürsten um Maria, die Königin Himmels und der Erde. St. Malchidiel – sein Name ist: "Herrschaftswürde Gottes" – ist auch königlich in seinem purpurroten Gewande mit der Siegerkrone, der Siegerpalme und dem scharf geschliffenen Schwert. Er steht mit seinem "Zwillingsbruder" St. Galathiel nicht nur in der Aufgabe der Verwaltung von sichtbaren Schöpfungen Gottes, sondern vor allem in der uns Menschen zugewendeten Aufgabe der Stählung im Kampf gegen die höllischen Mächte. St. Galathiel (oder Gratiel), der Erzengelfürst, ist der Engel der Hingabe an Gott, der Patron der Martyrer und Bekenner, der Engel des Kreuzes und der Passio. St. Malchidiel aber und seine Engel legen zu dieser Aufgabe ihre eigene ganz wunderbar eingefügt dazu: Die innere Zucht des Sich-nie-Nachgebens, des Sich-nie-Gehenlassens, die Sicherheit des Sieges für Gott. Ja, St. Malchidiels Kraft ist es, welche die Martyrer und Bekenner sogar jubeln und singen lässt vor ihrem Tode. Das Kennzeichen St. Malchidiels ist das geschliffene Schwert. Er sagt Kampf an den Mächten der Widergöttlichkeit und des Hasses, der Knechtung und Unterdrückung, der Brutalität, der Falschheit und des Meineides, der Hintertücke und Raffiniertheit. So soll man ihn auch anrufen, wenn man von diesen höllischen Mächten bedrängt wird.

Gebet: Herr und Gott, Du hast uns so viele und große Hilfe durch Deine heiligen Engel zur Seite gestellt; gib uns auch, wir bitten Dich, die Gnade, diese Hilfe immer zur rechten Zeit zu erkennen, uns ihrer zu erinnern und sie aus ganzem Herzen anzufordern. Denn Deine heiligen Engel hast Du uns ja zu Brüdern und Beschützern gegeben, und sie warten nur, bis wir freiwillig ihre Hände ergreifen, da sie in uns armen Sündern Dir mit Freuden und mit ihrer ganzen Kraft dienen und mit uns Dir die Ehre geben wollen. Amen.

 

26. November – St. Neomeniel 5. h. Chor

Wie viele Menschen gibt es, die das Wort "Gesetz" gar nicht gerne hören! Alles bäumt sich in ihnen auf gegen Dinge, die ihre Freiheit beschränken, die ihnen Schranken setzen. Aber es ist nicht unerbittliche Strenge und Machtausdruck Gottes, in Gesetzen Seinen Willen durchzudrücken; es ist vielmehr Weisheit und Liebe, die Harmonie, die Schönheit, den Frieden der Schöpfung zu erhalten und ihr eine Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten, zu entwickeln und Ihm näherzukommen. Dazu musste der Plan Gottes dem Menschen, der durch die Erbsünde in seinem Willen geschwächt und dem Bösen zugeneigt war, in klaren Weisungen zugänglich gemacht werden. Dies können wir heute an dem Engel dieses Tages erkennen, an St. Neomeniel, aus dem Chorteil der Hohen Gewalten. Er gehört zu den sieben heiligen Gottesgewalten, welche die Aufgabe haben, uns die Gesetze Gottes zu vermitteln.

Diese sieben Engel heißen so, weil sie den Willen Gottes mit der ganzen Gewalt und Macht, die diesem Chor eigen ist, im Namen des Vaters, des Schöpfers Himmels und der Erden, über die Schöpfung tragen. – Der erste trägt den Willen Gottes, des Vaters, zum geschöpflichen "Werde!" und damit auch zur Menschwerdung Seines eigenen Sohnes. – Der zweite trägt diesen Willen Gottes, des Vaters, zur Heilwerdung und Rettung der Menschen und damit zur Erlösungstat Seines Sohnes. Er trägt die Gewalt des Kreuzes über die ganze Schöpfung und die Macht aller in Gott getragenen Kreuze auf Erden. – Der dritte der sieben ist St. Neomeniel; er trägt den Willen Gottes, des Vaters: "So sei es!" über die Schöpfung. Der vierte trägt den Vaterwillen Gottes zu Maria, der fünfte diesen Willen zu Friede und Versöhnung um Jesu und Mariä willen, der sechste trägt diesen Willen als Angesicht des Herrn; er ist der Engel der Göttlichen Form in Schöpfung und Geschöpf. Der letzte erst trägt den Willen Gottes, des Vaters, zu Gerechtigkeit und Gericht.

St. Neomeniel steht vor uns in hoher, heiliger Gelassenheit. Weiß er doch um die Freiheit der Kinder Gottes! Je gottnaher das Geschöpf, desto mehr wird das Gesetz zur Freude, zur Wonne: "Und meine Wonne ist es, Tag für Tag vor Ihm zu spielen, allezeit zu spielen auf dem Erdkreis" (Spr. 8,30). Denn die Liebe sieht doch dem Geliebten alle Wünsche von den Augen ab, und was Er will, das will die Seele auch. Freilich, so war es im Alten Bunde nicht: Dort herrschten Gesetz und Gebot in unerbittlicher Gerechtigkeit. So trägt auch St. Neomeniel die steinernen Tafeln der Gebote Gottes, an denen nicht zu rütteln und zu deuteln ist. Aber ein flutendes Licht der Liebe liegt darüber, der Glanz der Weisheit Gottes, "Schild für die, so schuldlos gehen, Schutz der Pfade des Rechtes". (Spr. 2,7) Unser höchstes Gebot ist ja die Liebe! Sollten wir da den Willen Gottes, des Vaters, nicht über alles lieben?

Gebet: Siehe an unseren guten Willen, du heiliger Engel, und lass unsere Liebe zum Vaterwillen Gottes immer mehr wachsen und erstarken, damit wir nur mehr wollen, was Gott will, und Sein Gesetz von uns in Freude erfüllt und geliebt werde. Amen.

 

27. November – St. Advisiel 7. Chor

Von ihm heißt es: "Er weitet das Herz des Menschen im Vertrauen auf Gott:

Er lässt das Herz des Menschen wie eine Blume hineinwachsen in den dunklen Glauben und in die dunkle Liebe.

Er wirft für den bittenden Menschen das Vertrauen wie eine Harpune in das Herz Gottes und hält es in Liebe und Glaube und Hoffnung fest."

Er ist St. Advisiel aus dem Chor der Mächte, der erste der sieben Engel der Hoffnung; er trägt das Vertrauen. Und wieder wird ausgesagt über die sieben, welche als Engel der Mächte die Hoffnung tragen: "Sie sind wie ein siebenfaches Reis aus einem winzigen Samenkorn – wie es im Evangelium heißt –, aus dem ein Baum wird, der weithin Schatten gibt und auf dem die Vögel des Himmels rasten und nisten. Sie sind dynamisch und drängend, sie haben das Wachstum der Erde unter sich und das Wachstum aller Geschöpflichkeit."

So ist auch St. Advisiel, der heute nach dem Willen Gottes als unser Fürbitter vor dem Thron des Allerhöchsten steht, ein Engel voll drängender, aber gütiger Kraft. Er weiß den rechten Weg: Er führt über die Mutter. Sie ist die bittende Allmacht, ihr versagt Gott keinen Wunsch. Und wenn schon das menschliche Vertrauen eine Macht ist, welche das Herz Gottes zwingt und bezwingt, welche Macht muss denn die himmlische Mutter haben, deren Vertrauen das Höchstmaß aller irdischen Macht darstellt? St. Advisiel ist als Engel Mariens die helfende Hand für uns. Er legt unsere Hand in die Hand der Mutter aller Schmerzen, der Mutter der Barmherzigkeit. Von dort ist der kürzeste Weg zum Herzen Gottes.

Gebet: Heiliger Engel des Vertrauens, halte unsere Hand fest in den Dunkelheiten und Irrfahrten unseres Lebens! Kaum geht für uns hier in der Welt irgendwo ein Licht der Hoffnung auf, einer Hoffnung auf Besserung unserer und der Unseren Lage, so fährt auch schon der Sturmwind des Bösen darein und vernichtet alles. Das zeigt uns nur zu deutlich die Vergänglichkeit alles Irdischen und dass es für uns hier nirgends eine Bleibe gibt. Desto mehr aber schauen unsere Augen der Ewigkeit zu. Du, gütiger Engel, hilf uns, das Ziel des himmlischen Vaterhauses nie mehr aus den Augen zu verlieren! Lege das Vertrauen Mariens zu Bethlehem, in Kana, auf Golgotha in unsere Herzen, dann können wir jeden Ansturm bestehen und im Vertrauen mit Maria den Herrn erreichen. Amen.

 

28. November – St. Enned 9. Chor

Es ist kaum ein Engel so Kind wie dieser. Zart und klein gegen die anderen, mit Augen wie zwei leuchtende Sternlein, steht er wie verloren auf der untersten Stufe der Hölle zu, wo der Qualm und Stank jeden Atem erstickt. Er hat einen Ball mit der Hand aufgefangen, der Ball ist die Seele. – Wer hat den Ball geworfen? O Seele, gib dich nicht dem Bösen als Spielball hin! Es könnte sein, dass der Ball weit über den Kopf von St. Enned hinweg über das letzte Tor vor der Hölle von dem geworfen wird, der dir im Leben schöntut und dir von Vorteil und Lebensbefriedigung und von "es merkt ja niemand" vorredet. Von dort, hinter dem letzten Tor, kann dich niemand mehr zurückholen.

St. Enned ist Engel des 9. Chores und dem Chor der Herrschaften zugeordnet, dem versiegelten, gewaltigen Engel St. Esdrael, der auf Erden alles Unkraut sammelt und es im Bogen vor die Füße des ewigen Richters wirft. Dieser zarte Engel steht in der Torheit des Kreuzes dort, wo Dante einst jene Worte sah: "Lasciate ogni speranza!" – lasset alle Hoffnung zurück! Und doch ist es die größte Barmherzigkeit Gottes, dass dieser zarte, kleine Engel, der von allen Dämonen als höchst lächerlich und bedeutungslos übersehen wird, dort steht. Denn mit einer Geschicklichkeit sondergleichen hält er den Kontakt mit den Anrufen und Hilferufen und Fürbitten der heiligen Kirche und den ringenden Brüdern auf Erden aufrecht. Er fängt in der Luft die fallenden Seelen auf und gibt sie dem Schutzengel zurück. Er ist es, dessen weiche Kinderhände die sterbenden verstockten Sünder an ihre Kinderzeit erinnern, an den Schoß der Mutter und an die ersten Kindergebete, die dann der sterbende Mund noch flüstert. Und damit findet ein letztes, allerletztes Wort noch den Weg zu Gott. Darum muss ja St. Enned ein Kind sein; nur ein Kind findet in dieser Ausweglosigkeit instinktiv die Geborgenheit durch die Mutter, die Hand des Vaters, den raschesten Weg zu Gott, die geschützteste Stelle, um im letzten Moment wie ein Vöglein der Schlinge des Bösen zu entwischen.

Klein, ja unnütz schaut so eine Seele im Symbol des Balles aus gegen die Riesenmacht der Kämpfer hüben und drüben. Und doch gleicht dieser Ball dem ganzen Erdball und allen Gestirnen, und jede einzelne Seele steht unter dem Kreuz des Herrn. Das Herzblut Jesu Christi ist für sie geflossen, und das Heiligste Brot wartet und wartet auf sie. Lass nicht spielen, o Mensch, mit deiner Seele! Sie ist königlicher Abstammung. Du wirst königlich belohnt mit der ewigen Seligkeit, wenn du sie rettest für den Herrn; du wirst ebenso gerecht bestraft mit der ewigen Hölle, wenn du sie verlierst und tötest.

Gebet: Du Engel der letzten Rettung durch die Barmherzigkeit Gottes, lass niemanden von uns verlorengehen, lass uns hoffen auf deine Hilfe, lass uns immer bereit sein. Amen.

 

29. November – St. Ephrael 4. h. Chor

In einem weiten, silbrigen Mantel, der ihm von der Schulter herabfließt, über den Torbogen der goldenen ewigen Stadt hinunter in die Schöpfung bis auf die Erde, so steht er vor dem staunenden Auge. Ein Leuchten geht von seinem Antlitz aus, ein Glanz des Friedens und der heiligen Reinheit. Er steht auf einem Tor, das vom Grundstein aufwärts im satten Grün des Edelsteins Smaragd schimmert. Ist etwa deshalb Grün das Zeichen der Hoffnung, weil am Torbogen St. Gabriel steht, der Mann Gottes, der Engel der Hoffnung?

Die Liebe glaubt alles, sie hofft alles. Und die wahre Liebe ist auch die wahre Heiligkeit und die wahre Einheit; sie hat in sich Glaube und Hoffnung, es gibt keine Hoffnung ohne Glauben und ohne Liebe, die drei sind eins.

Es ist ein wunderbarer Torbogen, auf dem als Fürbitter an diesem Tag St. Ephrael steht, der Torbogen, durch den nach dem Gericht die Reinen, die Lauternen, einziehen werden. Neben Issachar, dem Israeliten, der die Reinen der vorchristlichen Zeit anführen wird, steht der stille, gütige heilige Apostel Andreas, an dessen Wahrzeichen, dem Andreaskreuz, alle Wogen der Hölle auf Erden machtlos zerschellen. Rein und lauter sein heißt eben Kind sein vor Gott, und gegen die Einfalt eines Kindes sind alle höllischen Mächte machtlos. Diese beiden Anführer haben eine große Schar hinter sich. Nicht nur alle jene, welche unbefleckt von Sünde dem Lamme folgen, auch jene, welche sich im Blut des Lammes gewaschen haben und rein und lauter, geläutert vor Gott befunden wurden, ziehen zum smaragdenen Tor, das klar und tief wie ein Waldsee, die lautere Frömmigkeit und das Geöffnetsein vor Gott, die klare, kindliche, reine Treue, die unerschütterliche Hoffnung auf Gott versinnbildet. Die Gewalt des reinen Kindes überwindet alle Fußangeln und Minenfelder, alle jähen Abstürze und Gifthauche des Bösen und hat immer den Schlüssel zur Himmelstür in der Hand.

Es sind drei Engel, welche dieses Tor der Reinen, das vierte der zwölf Tore des Neuen Jerusalem über allen Himmeln, behüten: St. Ephrael, der Engel aus dem Chor der Hohen Herrschaften, der Engel der Reinen, der Kinder, steht gerade über dem Tor. Drei Inschriften sieht man an diesem Tor, sie gelten Maria: Du Reis Jesse, Du Unbefleckte, Du Königin aller Reinheit.

Links und rechts vom Tor stehen zwei Hohe Fürsten als Verwalter dieses Gutes Gottes: St. Gabriel, der Engel der Verkündigung an die Allerreinste, und St. Dirachiel, der Engel des Friedens in Gott. Mögen uns diese Engel zur ewigen Heimat geleiten!

Gebet: O Tor der ewigen Heimat, schicke uns deine Engel entgegen, dass wir Kind werden vor Gott, alle Angriffe des bösen Feindes überwinden und eingehen in den Frieden und die Heiligkeit Gottes. Amen.

 

30. November – St. Madim 3. Chor

Erst sieht man, wie sich der Abgrund öffnet und tausendfaches Gewürm hervorquillt. Es schiebt sich über die Erde in höllischer Glut, gerade so, wie sich die Lavamassen unaufhaltsam daher wälzen. Aber dann sieht man die heilige Stadt, den Felsen Petri, und davor steht ein seltsamer Engel mit einem wuchtigen Andreaskreuz, an dem sich die ganzen Massen des höllischen Abgrundes brechen und stauen.

Der Engel ist nicht der Schutzengel von St. Andreas, obwohl dieser eigentlich heute vor Gottes Thron stehen sollte. Der Schutzengel von St. Andreas steht hinter dem Thron dieses Apostels in der Schar der vierundzwanzig Ältesten inmitten der Cherubim und Seraphim und Throne im obersten Ring der Anbetung. Der Engel aber, der das Andreas-Kreuz dem höllischen Angriff entgegenhält, ist einer der sieben Throne, welche um den Thron Gottes, von der Schöpfung errichtet, stehen; es ist St. Madim, der das Licht der Seligkeiten trägt. Dazu sind die Engel vor allem da, Gott, den Allmächtigen, den Heiligen, Starken, Unsterblichen, zu loben und zu preisen in alle Ewigkeit. Es ist ein wirklich Göttlicher Liebesbeweis, dass heute zum Fest dieses so im stillen brennenden und verbrennenden, kindlich reinen Apostels Andreas jener Engel aus dem Chor der Throne steht, der die Gottseligkeit trägt, nicht der Engel, sondern der Menschen, als Thron Gottes, von der Schöpfung errichtet. Sagt unser Herr nicht Selbst: "Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen?" Diese Seligkeit, das Verlangen des lauteren Menschen, Gott anschauen zu dürfen, und sein gestilltes Verlangen in der Seligkeit, das trägt St. Madim, der sechste der sieben Throne, der das Licht der Gottesgebärerin über die nach Gott verlangenden, herzensreinen Menschen und ihren Weg zur ewigen Gottschauung breitet. So trägt St. Madim auch das schon in die Tat umgesetzte Wort "Werde" zur Belohnung und ewigen Seligkeit des vollendeten Menschen, er trägt die Seligkeiten der Menschen. Jeder Mensch, der in die ewige Seligkeit eingegangen ist, sei es direkt oder über das Fegefeuer, ist vollendet, denn was ihm mangelte, das haben unseres Herrn Blut und Wunden, unserer Lieben Frau Schmerzen und Fürbitte ersetzt und geschenkt.

Nichts ist der Hölle mehr zuwider als ein demütiger, herzensreiner Mensch, denn er ist ein Abbild der Gottesmutter und ihres Kindes, des Göttlichen Opferlammes. Darum richtet sich seit jeher der Ansturm der Hölle vor allem gegen jene Menschen, die der Herr ob ihrer Herzenslauterkeit und ihres Verlangens nach Ihm besonders an Sich zieht oder ziehen will auf ihrem Weg. Dort steht dann St. Andreas als Vorbild und Schützer. Er, der mit seinem Engel immer stille Zwiesprache pflegte, er steht uns mit allen Engeln im Kampf gegen die höllischen Mächte zur Seite, sein Kreuz ist ein unüberwindliches Hindernis gegen den Ansturm der Mächte des Abgrundes.

Gebet: Herr und Gott, in geheimnisvoller Weisheit und unendlicher Liebe hast Du die Reinen, die Engel und die Kinder, die Menschen, die in Lauterkeit und kindlichem Sinn in Deinem Herzen geborgen sind, als Hindernisse und Kämpfer gegen die Mächte der Finsternis bestellt. Du hast Deinen Priester zwischen diese beiden, Engel und Kind, eingebaut als unsere Schutzwehr auf Erden, die in Deinem Namen und unter der Führung der Königin Himmels und der Erden uns Hilfe und Rettung sein sollen auf unserem Weg! Lass Dir danken dafür, Du Gütigster Herr, Lass Dir danken in alle Ewigkeit. Amen.