1. September – St. Myrrhael 6. n. Chor

Jeder Engel ist eine Persönlichkeit für sich, ausgeprägt und einmalig. Wer Engel schablonenhaft malt, dutzendweise mit gleichen Gesichtern, der hat Engel weder je erkannt oder verspürt, noch über die Größe dieser Ersterschaffenen Gottes richtig nachgedacht.

So wie Gott jeden Engel als Persönlichkeit erschaffen hat, so will Er auch, dass jeder von uns Menschen eine Persönlichkeit sei der Seele nach. Gott ist die wahre, vollendete Persönlichkeit – und sind wir nicht geschaffen nach Seinem Bild und Gleichnis?

St. Myrrhael, der Stille Fürst, den Gott der Herr uns heute vorstellt, ist in seiner Wesensaufgabe der Engel der Persönlichkeit, Engel des persönlichen, gottgeeinten Lebens, der auch die Gottsucher und Gotthungrigen den persönlichen, manchmal steilen Weg führt. Er soll von allen jenen angerufen werden, die durch ihre Wesensprägung schon ein festes inneres Gefüge erhalten haben und sich schwer tun, besonders bei der Abgewöhnung von Gott nicht wohlgefälligen Wesenszügen (Schärfe, Schwäche, Maßlosigkeit, Misstrauen, Trotz usw.). Er soll aber auch von allen jenen angerufen werden, die durch ihren Beruf und ihre Lebensaufgabe wahrhaft Persönlichkeiten sein sollen, wie alle Priester und Gottgeweihten, Lehrer und Erzieher, Mütter und an wichtigen Posten Stehende.

Damit ist auch schon die zweite Aufgabe St. Myrrhaels berührt, die er nicht von Anfang, also von seiner Erschaffung her, sondern zeitgebunden erhalten hat durch seine Berufung in den besonderen Dienst Mariens. Es sind zwölf Engel, welche wir jeweils im Dienst der besonderen Aufgabe Mariens sehen, und diese zwölf wechseln in bestimmten Zeiträumen, damit alle Engel einmal auch Engel vom besonderen Dienst Mariens sein können.

St. Myrrhael steht heute vor uns als der achte dieser zwölf. Jedem von ihnen ist eine feststehende Aufgabe für die ganze Dauer seines Dienstes zugewiesen. Er hat auch eine bewegliche Aufgabe, die ihm jeweils gegeben wird und die in den Rahmen seines ganzen Aufgabengebietes fällt. Er hat die feste Verwaltung bestimmter Gebiete auf der Erde und eine geistige Betreuung, die den Ort wechseln kann. Er ist in diesem Rang Träger einer besonderen Gnade.

So hat St. Myrrhael als feste Aufgabe das Leben in Orden, Klöstern und Pfarreien, in gottgewollten Gemeinschaften und das Leben der Priester zu betreuen. Er hat als bewegliche Aufgabe das Schlichten und Beseitigen von Streiten, Spaltungen und Häresien innerhalb dieser Gemeinden. Er hat als feste Verwaltung den Erdteil der Abendländer, die ihm ohnedies als Stiller Fürst zur Betreuung zugefallen ist. Er hat als bewegliche Verwaltung die Stifte, Diözesen, Neugründungen. Er trägt als besondere Gnade die gelübdemäßige Bindung, besonders die Gnade des Gehorsams.

Gebet: So wie Gott uns haben will, so forme uns, du großer, heiliger Engel, denn nicht das ist maßgebend, was wir glauben, im Leben werden zu müssen, sondern nur das eine ist wichtig: So zu sein und das zu sein, was nach Gottes Willen ist, aber dies ganz. Amen.

 

2. September – St. Hathanael 5. n. Chor

Der Engel aus dem Chorteil der Niederen Herrschaften, der das Lobopfer als Antwort der Menschheit an Gott trägt, bringt es Gott als ein zweifaches Opfer dar:

Als Lobopfer des Alten Bundes – als Lobopfer Abels,

als Lobopfer des Neuen Bundes – als Lobopfer Jesu Christi durch Seine Geburt. Aber auch jener Engel, der heute vor Gottes Thron als Fürbitter der Menschen steht, St. Hathanael, trägt ein Lobopfer. Er ist ein Engel der Gewalt: Er bietet dieses Opfer nicht von unten herauf dem Vater-Gott an, er trägt dieses Lobopfer förmlich vom Thron Gottes hinweg in alle Länder und alle Zeiten. Er trägt als Symbol ein dreifaches Herz.

Er trägt das Symbol des Göttlichen Herzens unseres Herrn Jesus Christus, Der zuerst, noch ehe Er in den Schoß der Jungfrau stieg, aus ganzem Herzen im Beisein aller Engel dem Vater das Lobopfer der kämpfenden Treue darbrachte.

Der Engel trägt aber auch das Symbol des Unbefleckten Herzens der Gottesmutter Maria, welche das letzte Lobopfer im Namen der Menschheit mit den letzten Menschen der Erde ihrem Sohn darbringen wird im Beisein aller Engel: Das Lobopfer der schweigenden Treue.

Und endlich trägt der Engel das Symbol des an Gott geketteten Herzens des Menschen, der gleicherweise in das Herz des Herrn wie in das Herz der Mutter hinein bestimmt ist, das in und mit diesen beiden Herzen und im Beisein aller Engel dem Dreieinigen Gott das Lobopfer darbringt: Das Lobopfer des Gehorsams.

So trägt St. Hathanael gleich – St. Gazar das Lobopfer und doch anders: Im Lobopfer St. Hathanaels liegt vor allem der Wille Gottes zur Erlösung und Heimholung der Menschheit. Von jedem Punkt der Erde und zu allen Zeiten soll dieses Lobopfer der Herzen emporsteigen, und es wird erst dann verstummen, wenn der Siegesjubel "Consummatum est" ("Es ist vollbracht!") beginnt im Beisein und von der Millionenzahl aller Engel und Heiligen.

Nicht umsonst steht St. Hathanael auch als Vertreter aller Schutzengel vor Gottes Thron. Kein Engel ist so wie der Schutzengel diesen drei das Lobopfer darbringenden Herzen nahe und verwandt;

Durch Maria fühlt er die Herzen schlagen,

durch den Menschen erlebt er die Menschwerdung Gottes,

durch den Herrn ist er zur Freude des Schutzengeldienstes gerufen worden. In St. Hathanael bringen heute alle Schutzengel dem Dreieinigen Gott ihr Lobopfer dar.

Gebet: Heiliger Engel, nimm auch meinen Schutzengel und mich armen Sünder in deine Gewalt des Willens zur Erlösung und bette mich in die Herzen Jesu und Mariä, damit ich von dort das Lobopfer darbringen kann. Amen.

 

3. September – St. Zaphkiel 2. Chor

Die dreimal sieben Cherubim, jeder eine ungeheure Welt der Kraft Gottes, sind die Widerspiegelung Gottes im Wort als Ausdruck der Kraft. Sieben von ihnen übernehmen vom Schöpfer-Vater die fundamentale Statik und das Gewicht, den Wert und die Tragweite des Wortes Gottes. Sieben von ihnen sehen nach dem Wort, Das um der Menschen willen zur Erde stieg. Sie dienen dem Erlöser und tragen den tiefen Sinn, die Weisheit und Gegensätzlichkeit, Kraft und Torheit des Wortes für die Menschheit in seiner Göttlichen Unbegreiflichkeit. Sieben aus ihnen tragen die Liebeskraft, das Licht und den Trost in die umwandelnde Sprachgewalt des Wortes durch den Heiligen Geist.

So sind die Cherubim dreimal anders und doch gleich in ihrer Wesensstruktur. Wenn der Mensch ihre Kraft erleben müsste, so wäre das gleich dem Sturze einer Atombombe, einer gebündelten Blitzstrahlenmasse. Die Cherubim tragen ihre Kraft unverhüllt nur vor Gott. Sobald sie den zweiten Ring der Allmacht Gottes oder den dritten Ring der Erlösung betreten, müssen sie sich ihrer Wirkkraft soweit entkleiden, dass sie für die niederen Chöre und die Menschen tragbar werden.

St. Zaphkiel, der Cherub des Geistes, ist heute – nur in der barmherzig abschwächenden Kraft Gottes – einen Augenblick lang in Wesenheit und Aufgabe zu erkennen. Er wirkt wie das Herabfließen eines ungeheuer breiten, gar nicht abzusehenden Lichtstromes, der in der Tiefe unter dem Läuterungsort der Menschen hindurchgeht und diesen mit seiner Lichtbahn nach oben an den Himmel bindet. Sein Name ist vor Gott: "Herabneigung Gottes"; er trägt die Sich zur Erde herabneigende Güte, Milde und Barmherzigkeit Gottes bis zum Läuterungsort und umhüllt diesen, wie eine Mutter ihr Kind umfängt. Durch dieses Licht der Liebe wird die leidende Kirche schon in die Erhabenheit und Heiligkeit des Himmels hineingezogen.

Es ist ein Zug geheimnisvollster und innigster Liebe des Herrn, dass einerseits diesem Cherub der Läuterungsorte auch der barmherzige Gnadenstrahl für die Priester und Gottgezeichneten, besonders für die gefährdeten, weltzugewandten und abgestumpften gegeben ist, und dass andererseits dieser Cherub von Gott zum Begleiter jenes heiligen, schlichten Papstes auserkoren war, welcher der heiligen Kirche an einem Wendepunkt als ein neuer Sämann vorstand, der tiefste Demut und Gehorsam mit glühendster Liebe zum Heiligsten Brot verband, der um das Kindsein vor Gott in der Endzeit wusste. (St. Pius X.)

Gebet: Barmherziger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, lass Deine Gnadenströme über Deine heiligen Engel bis zu uns fließen, lass durch sie das priesterliche Wort heilend, wandeln, wegweisend, groß, zündend, heilig und wahr sein, dass es im Sinne des ewigen Wortes von Sünden löse, die Türen des Fegfeuers öffne und allen Fernen und Lauen den Weg weise. Amen.

 

3. September – St. Abdael 9. Chor

Von den Stufen des Thrones Gottes herab können wir ihn verfolgen, wie er hinuntersteigt zur Erde gleich dem heiligen Tarcisius, dem Gottesträger, der, den Herrn im Brot – auf seiner Brust und seine Hände fest darüber angepresst – im heidnischen Rom hierhin und dorthin trug, um den gefangenen, sterbenden Christen den letzten Wunsch zu erfüllen.

Der zarte Engel, der da abwärtssteigt, noch voll Licht und Himmelsseligkeit, ist St. Abdael, der Engel "Trage Mich!". Er ist dem Engel der Kirche zugeteilt, der auch Engel "Maria" heißt und auch der Grundpfeiler für die vier Ecksäulen des zweiten Ringes der Ordnung und Allmacht Gottes ist. Die Ecksäulen versinnbildlichen das Haus Gottes in der Schöpfung, und der Engel "Maria" ist das Fundament, das Bild Mariens und gleichzeitig das Bild der Kirche, auf welcher das Haus Gottes in der ganzen Schöpfung steht. Und so, wie dieser Engel das Bild der schwachen und doch unzerstörbaren Kirche trägt, so trägt St. Abdael das Bild des ohnmächtigen und doch Göttlichen Brotes, Das zu St. Abdael und durch ihn zu den Menschen sagt: "Trage Mich!"

Es ist in der Stille des Tabernakels immer wieder ein Engel zu sehen, der kommt und geht. Er kniet sich mit ausgebreiteten Armen vor den Tabernakel hin, die Tabernakeltür springt auf, und der Herr im Brot sagt zum Engel: "Trage Mich!"

Mit einer goldenen Monstranz und einem ganz reichen Vespermantel, den ihm die Tabernakel-Engel umgetan haben, geht er wieder fort. In der Monstranz ist aber nicht die weiße, kleine Hostie zu sehen, sondern das blutrote, liebeglühende Herz des Herrn. Dieses Herz trägt der Engel auf das Geheiß der Seelen, die ihn bitten, dorthin, wohin diese Seelen den lieben Herrn bitten zu gehen. O, und wie gerne lässt sich unser Herr schicken in die Herzen der Menschen, in weiteste Fernen, nur um lieben und trösten und heilen zu können.

So geht es Tag und Nacht und Jahr um Jahr. Der Engel "Trage Mich!" trägt den Herrn, und bei Gott ist es eingeschrieben, wie oft er getragen hat, wir brauchen dies gar nicht zu wissen. Wir brauchen nur im Dunkel zu knien, wenig bekannt und wenig beachtet, und Diener des Herrn zu sein und Seinen Durst nach Seelen zu teilen und Seine Wünsche Ihm von Seinen Augen abzulesen und Ihm unsere kleinen Schritte, unsere kleinen Seufzer, unsere winzigen Taten hinzuhalten und zu sagen: "... aus Liebe, Herr, aus Liebe! Siehe diesen Kranken! Sieh diese Not! Sieh diese Gefahr! Sieh diesen Armen! Hilf, Herr, hilf!" ... und der helle Engel St. Abdael eilt schon zum Tabernakel. Gibt es etwas Beglückenderes als solche Liebe Gottes?

Gebet: O Herr, lass Dich tragen in die Herzen aller, die brennen sollten, anstatt zu schlafen, damit sie aufwachen durch Deine Liebe! Amen.

 

4. September – St. Hanani 9. Chor

Lebensnah und warm und gütig steht er hier, als wäre es nur ein Schritt von ihm bis zu uns. Er hat ein sprechendes Gesicht, als wüsste er von allem Leid der Welt und von aller Freude, die einem in diesem Leben begegnen kann auf dem Wege zu Gott. Er hat einen großen Ölkrug neben sich voll duftenden Öls und eine kleine Schöpfkelle in der Hand, von der noch Öl herabtropft. – Es ist St. Hanani, der das Zerbrochene heilt. Er ist ein Engel aus dem 9. Chor, St. Gedulah dienend, einem jener Engel aus dem Chorteil der Niederen Herrschaften, die "Engel von Wort und Antwort" heißen. St. Gedulah trägt in den Aufbau aller Schöpfung die Liebe.

Auch St. Hanani ist Träger der Liebe Gottes. Die Liebe Gottes ist nicht ausschöpfbar, ist hundertfach und tausendfach anders: Als brennender Anruf und als leise Stimme im eigenen Herzen, als aufpeitschende, antreibende Kraft und als linder, barmherziger Trost, als Angel mitten in der sündhaften Welt, um Beute für den Herrn zu holen, und als Licht dem verlorenen Sohn über dem Tor des Vaterhauses.

Hier ist die Liebe aufgezeigt im Bild des Ölkruges. Öl ist das Zeichen der Heilung und Heiligung (Chrisma). Wir stehen Zeit unseres Leben, solange wir nur im Stande der Gnade sind, unter der Segnung, Heilung und Heiligung der milden, barmherzigen Liebe Gottes. Sie ist es, die uns wie eine Sonne wärmt und belebt, die uns wachsen und blühen und Frucht bringen heißt, sie ist es, die das Zerbrochene in uns wieder heil macht und die Wunden der Seele heilt.

So steht auch St. Hanani Tag und Nacht vor uns, und seine Schöpfkelle wird nie leer. Er weiß besser um die erkrankten und wunden Stellen in unserer Seele, seine Augen sehen schärfer als die unseren, seine Hand ist sicherer als unsere eigene. Er verlässt uns nicht, denn die Liebe Gottes ist getreu. Er ist uns gerade als Engel des 9. Chores der brüderlichste und verständnisvollste himmlische Helfer nächst unserem eigenen Schutzengel. Öl ist auch Nahrung im irdischen Sinne, wie Liebe die Nahrung der Seele ist im geistigen Sinn. So wird auch St. Hanani unsern Leib und unsere Seele nie verhungern und vertrocknen lassen, sondern heilen, stärken, beleben, heiligen und bereiten für unsern Herrn und Gott.

Gebet: Du gütiger Engel, der du bis in die letzten und verstecktesten Falten unserer Seele siehst, lass uns die Kraft der heilenden und heiligenden Liebe Gottes teilhaftig werden, damit wir einst als rechte Schächer und doch heil und heilig im letzten Gericht befunden werden. Amen.

 

5. September – St. Kepharnim 5. v. Chor

Wer weit werfen will, muss fest stehen können, und wer den Pfeil seiner Liebe und Sehnsucht auf seinen Herrn und Gott als sein einziges Ziel richtet, der muss den Bogen seiner Seele weit spannen können, sonst bleibt dieser Pfeil noch im Irdischen stecken, sonst wird er gehemmt und aufgehalten durch die vielen Mauern, die der Mensch meist selbst zwischen sich und seinem Ziel, Gott, aufgerichtet hat.

Ehe wir den Wunsch und Willen haben, unsere Liebe im Herzen des Herrn eingebettet und beantwortet zu sehen, ist es darum wichtig, dass wir fest stehen und dass wir die Mauern, die zwischen unserer Liebe und der Liebe unseres Herrn und Gottes aufgebaut sind, einreißen oder überfliegen können.

Beides, das Fest-Stehen und das Mauern-Einreißen, vermögen wir nur mit der Hilfe Gottes und Seiner heiligen Engel. Dazu hat Er sie uns ja gegeben, dass sie uns helfen. Und sie helfen gerne. Ihre Kraft lässt sich mit keiner irdischen Kraft vergleichen, denn können wir uns jene Kraft vorstellen, die einen Berg sich bewegen und an einen anderen Ort sich begeben heißt? Überschätzen wir unsere eigene Kraft nicht, sie kann nicht einmal einen Hügel oder ein Haus auf unser Wort hin ohne technische Hilfe bewegen. Wir brauchen sehr wohl die Hilfe dieser mächtigen Geister, der Ersterschaffenen Gottes, denn die Mauern, die wir uns selbst gebaut haben, die Mauern der geistigen Trägheit, der Weltlust, der Ichsucht, des Zweifels, der Gewohnheitssünde werden wir kaum ohne überirdische Hilfe so weit einreißen, dass die Spannkraft unserer Liebe ungehindert bis zum Thron Gottes vordringen und dort Wurzeln fassen kann.

Darum hat uns der gütigste aller Herren auch für dieses Ziel und für diesen Weg einen Engel bestellt: St. Kepharnim, den Engel der Spannkraft. Er gehört zum Chor der Gewalten in der Mitte aller Engelchöre, und auch innerhalb dieses Chores gehört er zur Mitte, zu den Versiegelten Gewalten. Alle Engel der Gewalten aus diesem Chorteil sind Dynamiker, ob sie gleichsam eine Elementargewalt wie die Stoßkraft oder Spannkraft tragen, oder ob sie auf Befehl Gottes die menschliche, sich Gott anheimgegebene Seele von ihren Verstrickungen an die Umwelt lösen und für Gott binden. Gewaltige Engel weist dieser Chor auf, wie den Engel des Widerspruchs oder den Keltertreter oder den Engel der Wunderkraft. Mit der Spannkraft, welche St. Kepharnim zu tragen hat, ist nicht bloß das Naturgesetz gemeint, sondern ebenso sehr die seelische Kraft, welche uns wird in der lebendigen Freude aus Gott, im lebendigen Eifer für Gott und im lebendigen Kindsein in Gott. Diese Spannkraft ist ein Wert, den man sich nicht mit Herumschlagen und Wichtigtun erwirbt, sondern im unerschütterlichen Glauben an die Hilfe Gottes und der Himmelskönigin. Erst mit dieser Hilfe werden wir fest stehen und weit werfen können, werden wir im Stande sein, das Herz Gottes zu erreichen.

Gebet: Heiliger Engel der Spannkraft, gib meiner Seele Flügel, dass sie über alle Hindernisse und Hemmungen hinweg mit der Hilfe Mariens und unter deiner Leitung das himmlische Rasthaus der Seelen, das Herz unseres Herrn, erreiche. Amen.

 

6. September – St. Matha 9. Chor

St. Matha steht hier im Namen aller jener Schutzengel, deren Schützlinge in schweren Zeiten mit der Führung und Betreuung der Jugend zu tun haben.

Er ist ein Engel des 9. Chores und dem großen Verwalter der Erde, St. Gabriel, zugewiesen, dem Engel der Verkündigung, dem Kinderfreund und Hüter des heiligen Sakramentes der Taufe.

Durch St. Gabriel ist er dem dritten der sieben Machtbereiche Mariens eingegliedert, in welchem die Himmelskönigin alle Schutzengel sammelt. Und da jeder Engel einmal innerhalb der Zeitlichkeit einen Menschen führen darf, um auch aus dieser Tiefe der Erde herauf seinen Herrn und Gott loben und preisen zu dürfen, so werden bis zum Ende der Zeit alle Engel durch einen dieser sieben wunderschönen und mütterlich angeordneten Machtbereiche Mariens gegangen sein.

Der dritte Machtbereich trägt das Wort: "Höret Seine Stimme!" Das gilt auch von St. Matha, dem Jugend-Betreuer. Der Schutzengel ist nicht auf einem Spaziergang durch diese Zeit, er ist Bote Gottes und Künder Seines Wortes an uns. Gerade die Schutzengel der Jugenderzieher und Lehrer sollen heute mehr denn je angerufen und gehört werden – liegt doch in der Jugend auch die Zukunft des Corpus Christi Mysticum!

Die Engel des 3. Machtbereiches leiten ihre Schützlinge an, Knechte und Mägde Gottes zu werden im wahrsten Sinne des Wortes. Sie lehren ihre Schützlinge die contemplatio, die Betrachtung des Wortes. Sie lehren sie, neben der Arbeit die Stille zu lieben, eben um das Wort zu durchdenken und es richtig an die Hörenden weiterzugeben. Diese Schützlinge können auch von ihren Schutzengeln die Gnade des Gehorsams vermittelt erhalten. Nur der Gehorsam schafft die richtige Stille in der Seele, aus der das Verständnis für das Wort kommt.

St. Matha trägt ein schlichtes Schutzengelgewand und einen Stab. Der Stab soll andeuten, dass die Kinder und die Jugend geführt werden sollen zu Gott – nicht gelockt mit einer Flöte, wie es ein Rattenfänger tut, um dann die Jugend in den Abgrund zu stürzen, sondern sie sollen mit dem Hirtenstab der heiligen Kirche gelenkt und gesammelt und in die eine Richtung gewiesen werden, die allein die wahre ist: Gott.

Gebet: Heiliger Engel, der du gleicherweise für die Führenden wie für die Geführten vor Gottes Thron stehst, erbitte uns die Gnade, dass jedes Wort aus unserem Munde an unsere Schützlinge dein Wort sei, so als ob du es sprächest: Von Gott kommend, für Gott arbeitend, zu Gott führend. Amen.

 

7. September – St. Thumim 4. v. Chor

Er ist nur aus weiter Ferne für einen Augenblick zu sehen, so wie man, geblendet beim Anblick der Feuersglut durch die geöffnete Türe eines Hochofens, diese Glut nicht lange ertragen kann. Gott in Sich ist völlig unfassbar, auch für die Engel. Und wenn Gott Sich der Schöpfung zuwendet, so muss Er die obersten Engelchöre mit so viel Widerstandskraft gegen Seine eigene Göttlichkeit ausstatten, Er muss Sich und Seine Engel mit so viel "Schleiern" umgeben, damit sie nur gerade so viel Liebe, so viel Leben, so viel Kraft aufnehmen, dass weder sie selbst zerbrechen noch jene, denen sie das Leben, die Kraft und die Liebe Gottes in ihren tausend Spiegelungen weitergeben.

St. Thumim ist eine der Ecksäulen aus dem Chor der Herrschaften, und zwar jener mit dem Siegel der Endzeit. Er hält die Stoß- und Tragkraft und die Anziehungs- und Beharrungskraft der Liebe Gottes, die gefesselt ist, weil sonst an dieser Glut und dieser Kraft die Schöpfung verbrennen würde. Wohl strömt durch die Ecksäule "Gerechter Gott" die Liebe Gottes als Anruf an die Schöpfung, durch die Ecksäule "Weiser Gott" die Liebe Gottes als Weisheit, als das schweigende Geheimnis, durch die Ecksäule "Heiliger Gott" die Liebe Gottes als schöpferisches Leben.

Hier aber strömt durch die Ecksäule "Allmächtiger Gott" die Liebe Gottes als Opferliebe, und sie ist wie ein gefesselter, brausender Strom, dröhnend und zitternd in zu engem geschöpflichem Raum. Glühend kommt sie über den Seraph St. Esch herab, den Feuerträger der Liebe, und stürzt sich in St. Thumim in das selbstgewählte Opferbecken. Die opfernde Liebe Gottes begegnet von hier ab in den Engeln, welche unter St. Thumim stehen, der Opferliebe der Menschen: Dem Gelübde der Treue, dem Starkmut und Bekennertum, den Engeln der Wandlung zu Gott. Sie ist Opferkraft durch alle Chöre abwärts. Wie zittert sie im Fürsten des Sturmes, oder im Fürsten der kämpfenden, dienenden Demut! Und wenn heute Menschen aufstehen mit einer flammenden Opferliebe, einem durch nichts zu erschütternden Bekennermut, so können wir hinter ihnen jenen schweigenden, glühenden Riesen erahnen, St. Thumim, der durch die Jahrtausende die opfernde Liebe Gottes als die Tragkraft hält, anziehend und hinaus stoßend im Rhythmus des Herzens, bis Gott die Siegel löst, die das Bündnis Gottes mit den Menschen darstellen. Werden diese Siegel gelöst, so fällt das Bündnis Gottes mit den Menschen, es reißt hier an dieser Stelle auseinander. Dann ergießt sich die Liebe Gottes, das Letzte fordernd, zuerst über die Engel, die dadurch ihre Macht verdoppeln und nochmals verdoppeln und so siebenmal potenziert erhalten und wie Flammen und Berge und Sonnen und Wasserfälle über die Erde kommen werden. Und die Erde wird zu rauchen und zu kochen beginnen, und zuerst werden die Dämonen des Abgrundes vor Schadenfreude und Witterung eines riesigen Aasfeldes beweglich werden – bis ihnen die glühende Lava der Liebe Gottes, die jetzt Gerechtigkeit Gottes heißt, über ihren Rücken brennt und sie erinnert, wer Herr ist und wer Knecht.

Gebet: Liebe Gottes, die dann Gerechtigkeit heißt, du glühendstes und schweigendstes aller Geheimnisse Gottes, lass mich in Dir sterben, da ich ohne Dich nicht zu leben vermag. Amen.

 

8. September – St. Hanael 2. Chor

"Lob Gottes" nennt sich dieser wunderbare Engel, der wie eine Feuersäule anmutet, wie jene Feuersäule, welche die Israeliten durch das Rote Meer führte und vor ihnen herzog. Er ist aus dem Chor der Cherubim, der Schützer des Heiligen Vaters auf Erden.

Die Cherubim, der zweithöchste Chor der Engel, erhalten vom Engel des Wortes, der in geheimnisvoller Symbolik auf dem Hauch Gottes steht, den Strom der Kraft des Wortes. Sie sind daher die obersten Diener des Wortes, das Fleisch wurde, um die Menschen zu erlösen. Aber in der Heiligen Dreifaltigkeit ist das Wort vom Vater und vom Geist nicht zu lösen, sie sind Drei in Einem und Einer in Drei.

Es spiegelt sich diese untrennbare Dreipersönlichkeit in den obersten Engelchören wider: Die Seraphim sind auch drei in einem und einer in drei; sie tragen das Geheimnis des Dreieinigen Gottes am deutlichsten unter allen Engelchören. Es ist jeder von ihnen in einer fließenden, kreisenden, immerzu jauchzenden Bewegung, geschöpflich und doch für die Menschen nicht fassbar, dreifach und doch einfach um den Thron des Allerhöchsten zu erahnen. Sie sind das waagrechte Prinzip der Liebe. – Die Cherubim sind das senkrechte Prinzip der Kraft, der stürzenden Wucht, der lodernden Flamme, der dynamischen Macht des Wortes. Auch sie tragen das Geheimnis des Dreieinigen Gottes; sie tragen es in ihrem Angesicht: Eines dem Vater, eines dem Sohn, eines dem Geist zugewendet, und doch ist jeder ein Cherub.

St. Hanael ist Cherub. Er steht im dritten Siebenteil dieses Chores, das einen Cherub weniger zählt: Ismael, der in die Tiefe stürzte. Das dritte Siebenteil ist dem Geist zugewendet, wie das zweite Dem Sohn, das erste dem Vater. Alle drei Siebenteile bilden den einen Chor der Cherubim, der Träger des Wortes. Durch den gesamten Chor als solchen wie durch jeden einzelnen Engel zieht sich dieses Geheimnis des Dreieinigen Gottes.

So hat auch St. Hanael ein dreifaches Antlitz; das ist nicht nur nach allen Seiten, sondern noch mehr nach auf- und abwärts gerichtet. Das hellste, das jubelnde ist das eine; es ist wie eine Flamme, wie lauter Licht, wie ein in Licht umgewandeltes Sanctus; in ihm ruht der oberste geschöpfliche Gedanke der "ewigen Anbetung".

Das andere Antlitz ist das jenes Cherubs des Vaters, der sich nennt St. Vedad – "Das Verbindende Wort". Es ist der Braut Christi zugewendet und ist ein geflügeltes Antlitz; es trägt die Liebe des Vater in der Treue zum Wort hinein in die Kirche, es trägt die obersten geschöpflichen Anrufungen der Kirche an den Vater im Namen des Sohnes.

Das dritte Antlitz ist das jenes Cherubs des Sohnes, der sich nennt St. Thiriel – "Dunkles Licht Gottes". Es ist der ringenden Menschheit zugewendet. Es sieht auf alle Schutzengel und vermittelt ihnen das dunkle Licht in der Gnade des blinden Glaubens, des blinden Gehorsams; das dunkle Licht ist den Menschen Prüfung und Pforte zugleich.

So ist St. Hanael wie eine Säule aus Licht, aus dem Licht der Treue zum Wort, zum Lob des Herrn.

Gebet: Heiliger Engel, der du Grundpfeiler der heiligen Kirche bist als Träger des Lobes und der Anbetung Gottes, lass die Ströme der Kraft zum Loben und Preisen bis in unsere Tiefen fließen, damit wir aus dieser Tiefe heraus in ewiger Anbetung deinen und unsern Herrn loben und preisen. Amen.

 

8. September – St. Jesim 5. v. Chor

Ein Regenbogen wölbt sich zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Thron Gottes und dem kleinen Landstrich, der auf Erden dem Volk Israel gehört. Millionen und Abermillionen Engelstimmen preisen den Herrn. Sieben große Engel – die sieben Erzengel – tragen die Bundeslade, welche Maria darstellt, in der wie in einem kostbaren Schrein das Fleisch gewordene Wort ruht, über den Regenbogen. Sieben große Engel, Gewalten, stehen auf dem Acker der Erde bereit, die Bundeslade zu empfangen und auf den Boden zu stellen. Sechs von ihnen stehen, der siebente kniet. Dieser siebente ist St. Jesim.

In der himmlischen Hierarchie sind im Chor der Gewalten die Versiegelten Gewalten wiederum in der Mitte. Sie sind drei und sieben und wieder drei und sieben. Zwischen den ersten und den zweiten drei und sieben stehen die vier Ecksäulen.

St. Jesim ist der letzte der ersten drei und sieben, also der zehnte in seiner Schar; er ist in der Mitte der Seinen, die um die Ecksäulen stehen. Die Aufgabe, die er trägt, ist aber auch die Mitte aller Aufgaben, das wichtigste Wort, das der Göttliche liebende Wille dem Menschen nahe bringen kann, es ist das Wort Mariä: "Ecce ancilla Domini, Fiat mihi secundum Verbum tuum!"

St. Jesim ist der Engel des Ja-Sagens zum Willen Gottes. Weil er ein Engel der Gewalt ist, so ist auch sein "Ja" nicht Resignation oder Schwäche, sondern eine klare, freiwillige und bewusste Willensäußerung. Und der Mensch, der dies "Ja" und das "Fiat mihi" ehrlich zu allem Kreuz und zu aller Not spricht, der muss sich wohl Gewalt antun.

Die sieben Engel, als deren letzter St. Jesim steht, heißen auch "Die Sieben Brüder der Seele". Sie tragen alle in ihrer Aufgabe das Samenkorn: Die menschliche Seele. Der eine pflügt und der andere sät, der eine erntet und der andere löst das Samenkorn vom Halm und von seiner Hülle, der eine schlägt und der andere tritt das Samenkorn in den Boden. St. Jesim trägt das durchglutete, geläuterte Samenkorn, eingebettet und getragen vom Strom der Gnaden, dem Vater entgegen.

Gebet: Herr, lehre uns das stille, wunschlose, klare "Ja, Vater" zu allem, was Du sendest, damit uns auch einst das Wort Deiner Liebe werde: "Komme!" Amen.

 

9. September – St. Tana(el) 6. n. Chor

In einer unendlich gütigen Gebärde neigt Sich der himmlische Vater von Seinem Thron herab diesem Engel zu, der aussieht, als wäre er eben aus der Arche Noah gekommen: Die Symbolik vieler Tiere erkennt man um ihn, die sich wie Schafe um den Hirten sammeln. Auf der Schulter sitzen ihm die Vöglein, um seine Füße schmiegen sich Bär und Murmeltiere, und sogar in der Hand hält er etwas Lebendiges: Ein Vogelnest – das ist St. Tana(el), der Stille Fürst, der heißt: "Gott im Kind." Die Fürsten sind Engel des Lebens und erhalten den Strom des Lebens über die Throne. Außerdem aber sind die stillen Fürsten noch die "Schutzengel" der heiligen Kirche, Engel des Geistes, Engel der Liebe. Sie stehen im verborgenen und dienen in der Stille, daher ihr Name.

Unter diesen Stillen Fürsten sind sieben die Schutzengel der ganzen Erde, nicht nur der heiligen Kirche. Sie betreuen die Kinder, die Kranken und die Mütter, das häusliche Leben und das Gewissen, die Wissenschaft und Sitte.

St. Tana ist der Fürst der Kinder, und mit dieser Aufgabe hat er auch die Aufgabe der kindlichen Liebe zur Natur, zu allen Tieren und Blumen, zum Wald und zum Spielzeug. Zur wirklichen und geistigen Geburt soll man ihn anrufen. Nur wer Kind ist im Herzen, kann Tiere und Blumen so lieben, wie es St. Franziskus getan; nur wer Kind ist, kann mit all diesen Geschöpfen Gottes reden wie mit Brüdern und Schwestern. Sind sie nicht alle aus Gottes Vaterhand geworden?

Über allem liegt die Liebe und Weisheit Gottes, über allem fliegen die heiligen Engel und hüten und betreuen, was Gottes ist. Das Kind hat das ursprüngliche Paradiesesverhältnis zu den übrigen Geschöpfen, und immer wollen wir das Wort des Herrn vor Augen haben: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so könnt ihr in das Himmelreich nicht eingehen!"

Gebet: Du heiliger Fürst aller Kinder, lass auch uns Kind sein mit lauterem Herzen und mit der großen, reinen Liebe zu allen Geschöpfen, wie sie uns die Heiligen vorgelebt haben und wie es Gott Freude macht. Amen.

 

10. September – St. Lairiel 6. v. Chor

In einem gewaltigen Wetterleuchten steht der Engel dieses Tages vor seinem Herrn und Gott. Er hat das Maul eines riesigen Drachen – wohl der Endzeit – mit seinen beiden Händen so weit auseinandergerissen, dass Glut und Schaum und Geifer über die ganze Erde tropfen. Und überall, wo sie auftropfen, sind Bergwerke, in denen die Not zum Himmel schreit, sind Werkstätten, in denen am Untergang der Erde gearbeitet wird. Der Drache windet sich zwischen den Fäusten dieses riesigen Fürsten, der das Siegel der Endzeit über seinen Augen trägt. Das Siegel ist gelöst. Rolle hin, du Baustoff der Erde, klein bist du, Uran, und Gewaltiges wirst du vollbringen. Du wirst Beute sein des Drachen, und er wird an dir zugrunde gehen.

Denn über dem Drachen steht St. Lairiel, der Fürst mit dem Siegel der Endzeit. Er ist als Verwalter gesetzt über Blitze und Strahlen, über den Baustoff Uran, über die Elektrizität und alle Kraft- und Lichtstrahlen. Mit wissenden Augen geht der Mensch nun in dieses Reich hinein, gepeitscht von der Schlange: "Siehe, das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest ..." Aber ebenso sicher geht er wider seinen Willen dem Gericht zu, vor dem er Rechenschaft geben muss. "Was hast du mit diesem Meinem Eigentum, das Ich, dein Gott, geschaffen habe, getan?" Gott belässt den freien Willen dem Menschen bis in dessen letzte Entscheidungen. Freilich muss der Mensch einmal die Konsequenz daraus ziehen, denn er ist nicht Gott, er ist Geschöpf und bleibt für Zeit und Ewigkeit Geschöpf und Eigentum Gottes. Sogar der Drache in der Hölle ist Eigentum Gottes, wenn er auch in die Gott-Ferne stürzte. Und auch alle Baustoffe der Erde und alle Strahlungen und Wirkungen daraus sind Gottes und können ohne das Leben aus Gott nicht sein, selbst wenn sie der Böse als Beute in seiner Hand hält und damit gegen seinen Erzeuger, gegen Gott richtet. Auch sie, diese scheinbar wesenlosen, neutralen Dinge, werden einst laut Zeugnis geben vor Gott, für oder wider den Menschen.

St. Lairiel ist einer der zwölf Versiegelten Fürsten, die als Verwalter von Baustoffen der Schöpfung und ihren wesensverwandten geistigen Aufgaben ein weites Arbeitsfeld in der Schöpfung haben. So ist die geistige Parallele der eigenartigen Kraft-Licht-Wellen aus dem Raum der Natur in dem Licht der Wahrheit aus Gott zu sehen, das die Endzeit und das Gericht Gottes erhellt. Der Schein dieses Lichtes fällt über die Schrecknisse der Endzeit hinweg auf die Tore des Neuen Jerusalem, die uns wie die Tore der ewigen Heimat entgegen leuchten. Und das Licht St. Lairiels lässt in den Herzen und Köpfen der Menschen neben der Größe Gottes die eigene Kleinheit, die Abhängigkeit von Gott deutlich werden und weist den Weg zur Demut des Herzens und zum Bekennermut, auf der Seite Gottes zu stehen und zu kämpfen.

Gebet: Heiliger Engel, erbitte uns deine Strahlkraft für unsere Augen, dass sie die Liebe Gottes durch ihr Leuchten künden, erbitte uns die Strahlkraft für unsere Wort, dass sie die Herzen der Menschen für Gott erobern, erbitte uns die Strahlkraft für unsere Hände, damit sie segnen können, die Liebe Gottes hinein segnen in die Schöpfung! Amen.

 

11. September – St. Kadmiriel 7. Chor

Still kniet er, wie die Jungfrau von Nazareth einst gekniet hat. Sein "Sanctus" ist die Demut im Glauben. Er hält mit beiden Händen ein weißes Linnen vor sich, aber es ist kein Antlitz des Herrn darauf, kein Herz des Herrn, es ist leer, nur weiß.

St. Kadmiriel ist unter den sieben Engeln der Macht des Glaubens (aus dem 7. Chor der Mächte) jener, der in der Mitte steht. Er trägt die Demut Mariens im Glauben, er bringt uns diese Demut im Glauben nahe.

Demut ist Mut zum Dienen. Maria aber ist noch weiter gegangen. Ihre Demut ist schweigender, heiliger Verzicht in vollem Glauben. Weißt du, was dies heißt, Mensch, – glauben an einen Menschen und verzichten, glauben an eine Sendung und verzichten, glauben an den Herrn und verzichten, zurücktreten in die Dunkelheit und Gottverlassenheit? Maria war nicht sündefähig, wohl aber leidensfähig, und kein Mensch hat das Leiden Mariens je ermessen oder ausschöpfen können, das in ihrem Verzichten lag, gekrönt in alle Ewigkeit durch ihre Demut im Glauben.

Wir müssen erst glauben lernen, ganz fest glauben. Wir müssen so überzeugt sein, dass Gott ist, dass nichts uns diesen Glauben nehmen kann. Und dann müssen wir in der wahren Erkenntnis der Größe Gottes und unseres eigenen armseligen Nichts "Ja" sagen können zu allem, was Gott schickt, denn es kommt aus Gottes Vaterhand, die ist, die weise und gütig ist. Dann haben wir die Demut im Glauben.

Darum steht St. Kadmiriel nicht nur in der Mitte dieser Engel der Macht des Glaubens, er steht auch zwischen den zwei Marienfesten im September, Mariä Geburt und Mariä Namen, weil die Demut im Glauben die große Tugend Mariens war und ihre Krone. Die Demut im Glauben ließ sie das Unfassbare, dass Gott in ihr, in einer Jungfrau, unter Wahrung ihrer Jungfräulichkeit, Mensch werden wolle, glauben und dazu sprechen "Ecce ancilla Domini Fiat mihi secundum Verbum tuum".

Gebet: Herr, lass diesen Engel Tag für Tag vor unsern Augen stehen mit seinem leeren, weißen Linnentuch, damit wir klein und wunschlos werden vor Deinem Angesicht und dabei das Magnificat auf unseren Lippen nie verstummen lassen, geborgen in Dir, o Gott, für alle Ewigkeit. Amen.

 

12. September – St. Elohim 1. Chor

Der Seraph St. Elohim, der, um Maria und in ihr alle Engel Mariens zu ehren, vor Gottes Thron steht, ist nur von der Engelwelt her zu erfassen; der Mensch fällt nieder und hält sich sein Angesicht mit beiden Händen zu, um nicht zu verbrennen. Wer ist würdig, den Dreieinigen Gott in Seiner Herablassung zu Seinem Geschöpf zu sehen? Wer ist würdig, die Größe und Allmacht Gottes in ihrer äonenhaften und doch allernächsten Entfernung zum größten und wertvollsten aller Geschöpfe zu erfassen, wie sie sich rund um dieses Geschöpf lagert, es einhüllt mit der ganzen Majestät, da doch Gott Gott bleibt und Geschöpf Geschöpf? Wer kann die Grenzen umreißen und erkennen zwischen der Zeitlichkeit und Ewigkeit dieses gottliebsten Geschöpfes, von dem es heißt: "Er besaß mich im Anfang Seiner Wege, bevor Er etwas geschaffen hatte, von Anbeginn; von Ewigkeit her bin ich eingesetzt, von Urbeginn?" Wohl mag die Theologie sich tief in dieses Geheimnis hinein geschürft haben – den letzten Schleier lässt sich Gott nie nehmen, auch um Maria nicht. So trägt St. Elohim, der als zweiter in der Reihe der Seraphim steht, das Höchstmaß der Wucht und Größe der Liebe des Dreieinigen Gottes zu Seinem Geschöpf Maria – Tochter, Mutter, Braut zugleich, Jungfrau, Mutter, Königin! Sie, in dieser Liebe des Dreieinigen Gottes von Ewigkeit her vor Seinem Angesicht spielend, wurde Magd auf Erden, das Wort auf gottgemäße Weise empfangend und in der äußersten und bittersten menschlichen Armut unter dem Jubel aller Engelchöre in einem armseligen Stall zur Welt bringend! Sie, welche die Welt in Liebe umfasste gleich ihrem Herrn und Gott, wurde von dieser Welt zurückgewiesen, verlacht, verspottet und gekreuzigt gleich Ihm: Sie – das Geschöpf – unblutig, Er – der Gottessohn – blutig!

Noch erschütternder aber trägt dieser Seraph die Liebe Mariens zum Dreieinigen Gott, zu ihrem Gott. Weit über alles Geschöpfliche hinaus hat diese Liebe der verborgenen, unscheinbaren Magd, der Mutter Jesu, eine Kraft, so eine Kraft, dass sie die in Worten nicht beschreibbare Wucht der Göttlichen Liebe nicht nur aushält, nicht nur trägt, sondern darüber hinaus sie auf ihre Kinder zu verströmen imstande ist. Sie hebt mit der Antwort dieser ihrer Kinder zugleich ihre eigene Antwort wieder hinauf bis in den Ring der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. An dieser Kraft, diesem Starkmut der Liebe, dieser Größe der Liebe Mariens erkennt man ihren Ursprung, ihren Anbeginn, ihre Herkunft.

Es ist, als wäre ihre Liebeskraft ihrer Fürbittekraft gleich, die eine ohne die andere nicht vollendet, nicht denkbar, so sehr ist die Krone aller Geschöpflichkeit, Maria, hinein gebaut und hinein gehoben in das Licht, die Kraft, die Liebe, die Größe, die Heiligkeit, die Herrlichkeit, die Unendlichkeit des Dreieinigen Gottes.

Gebet: Heilig, heilig, heilige bist Du, Herr! Loben und preisen wollen wir Dich mit dem Höchsten, was wir als Geschöpfe haben: Mit Deiner eigenen Liebe, die wir erahnen können in Maria und in Deinen heiligen Engeln, die wir bergen dürfen in das Herz Deiner Mutter als den einzigen vor unserem Verrat sicheren Ort. Sie, die immer inmitten ihrer Engel vor Dir kniet, wird ihre Antwort für die unsere ausgeben in ihrer Liebe und sie Dir darbieten.

O lass Dich durch Maria und diesen Seraph heute loben und preisen, Du Heiliger, Starker, Unsterblicher Gott. Amen.

 

12. September – St. Arim 3. Chor

Die Throne, der dritte der neun Engelchöre, sind die Engel des Lebens. Sie sind außen anders als innen, auch ihrer Wesenheit nach. Nach außen hin sind sie die Träger der Statik, sind wie Säulen und Berge und Burgen und Throne, gestützt nach oben und unten und nach allen Seiten. Nach innen aber sind sie voll drängenden, immer neu werdenden Lebens, jeder eine andere drängende und anders werdende Welt.

Der Engel St. Arim, der heute vor Gottes Thron steht, ist nach unseren Begriffen nur scheinbar dem Namen nach Engel. Denn er sieht aus wie eine schimmernde, sonnenüberflutete Burg mit sieben Türen und sieben Toren darinnen, leuchtend in allen Regenbogenfarben. Es ist St. Arim, der die Schönheit von Gottes Werk trägt, vom schönsten Werk Gottes, von Maria.

Während die Seraphim und Cherubim in ihrer Einteilung drei mal sieben sind, als Schöpfer (3) und Schöpfung (7) miteinander und ineinander verbunden, sind die Throne erstmals "und"-Träger, sie sind drei und sieben und nochmals drei und sieben. Hier tritt die Schöpfung aus dem Schöpfer heraus, hier lässt Gott die Schöpfung selbständiges Leben werden.

Die ersten drei Throne sind der Thron Gottes Seiner Selbst über allen Himmeln – die zweiten drei Throne sind der Thron Gottes in der Schöpfung. Diese drei Throne sind die drei Säulen, dem Vater, dem Sohn, dem Geist zugeordnet, sie tragen das Göttliche Leben.

Die ersten sieben Throne sind wie Berge mit der Spitze nach unten in ihrer gemeinsamen Symbolik, sie sind am Thron Gottes verankert und geben das Göttlichen "Es werde!" nach abwärts der Schöpfung zu. In ihnen wird alles Form. Die zweiten sieben Throne tragen das schon geschaffene Leben in Gottesfurcht, im Licht, im Starkmut, sie tragen es in der Ordnung und im Maß, wie es ihnen vorgeschrieben ist, wiederum Gott entgegen – mit der Bergspitze nach aufwärts. St. Arim ist einer der ersten sieben Throne. Er trägt das "Es werde!" aller zu schaffenden und geschaffenen Schönheit. Die vollendete Schönheit aller Schöpfung ist Maria, in ihrem Namen ruht der Wille des Schöpfers zur Schöpfung, zur Schönheit der Schöpfung. Tota pulchra es, Maria!

Und so wie der Name Mariens von Gott herausgestellt ist als wunderbarer Name, auf dem Wunderkraft liegt, so sollen auch wir Menschen diesen Namen heilig halten und an das Symbol der schimmernden Burg im Licht des Dreieinigen Gottes denken, das die Schönheit der ganzen Schöpfung beinhaltet und in sich bündelt. Schönheit in der Liebe, Schönheit in der Kraft, Schönheit im Maß.

Gebet: Herr und Gott, lass Deinen heiligen Engel die Schönheit unserer himmlischen Mutter weit vor uns auftun, damit wir glauben und hoffen und lieben lernen und selber wie Throne die Schönheit der Himmelskönigin tragen dürfen. Amen.

 

13. September – St. Jehod 7. Chor

"Herr, siehe deinen Knecht!" Er ist wie eine große Mutter, die viele Kinder hat, und alle haben sie Raum im Herzen dieser Mutter. Er ist prächtig anzusehen und machtvoll, er ist auch Macht, Macht der heiligen Mutter Kirche, die Raum genug hat, alle Menschen aller Zeiten und Länder und aller Stände in sich zu sammeln. Die Engel der heiligen Kirche sind wie eine Hierarchie innerhalb der großen himmlischen Hierarchie, die hinaufreicht in den Ring der Anbetung zum Engel der Kirche zur Rechten Mariens.

Alle drei Chöre des großen zweiten Ringes der Ordnung und Allmacht Gottes sind in sich dreigeteilt und zu einem Drittteil Engel der Kirche. Im dritten Ring der Menschwerdung und Erlösung aber steht der Chor der Mächte, der neben je sieben Engeln des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe noch zwölf Engel der Macht der Kirche für die besondere und naheste Betreuung der Braut Christi auf Erden bereitgestellt hat.

Von diesen zwölf ist St. Jehod der zehnte. Er ist der Engel aller in Gott gegründeten und um das Zentrum Gott sich scharenden Stände.

Er ist Engel des Lebens, denn er lässt die Stände in der Kirche wachsen und reifen wie das Ährenfeld unter der Sonne, um zu rechter Zeit für seinen Herrn die Scheuer zu füllen. Er ist aber auch Engel der Kraft des Wortes, denn nur das Wort des Herrn baut und formt diese Stände, den ehelichen und den ehelosen, den mönchischen, den Arbeiter-, Lehrer- und Krankenstand und Hunderte anderer. Er ist Engel der Liebe, denn er breitet den Schutzmantel Unserer lieben Frau wie eine besorgte Mutter über alle ihm Anvertrauten. Er kennt alle Nöte der Seinen und trägt sie vor Gottes Thron. Er soll angerufen werden, besonders bei der Berufswahl und bei Standesschwierigkeiten. Über ihm stehen im Aufbau der himmlischen Hierarchie die Engel der Beharrlichkeit und der Harmonie, die Engel über den Toren des Neuen Jerusalem, durch die alle Stände einziehen werden in die himmlische Seligkeit, und zuoberst der wie eine Sonne blitzende Seraph St. Jod, der die Göttliche Idee über alle Schöpfung trägt.

Gebet: Alle Zungen der Menschen sollen Dich preisen, Herr, aller Augen sollen auf Dich gerichtet sein und aller Hände zu Dir erhoben, damit alle eins seien, Dein Volk, o Herr, in Ewigkeit. Amen.

 

14. September – St. Thelamim 5. v. Chor

Da stehen vier Engel wie die Knotenpunkte des hierarchischen Aufbaues der Schöpfung: Der große Ansager, der große Wandler, der große Rächer, der große Wecker. Es sind die vier Ecksäulen in den Versiegelten Gewalten: St. Josaphim, der Engel der Kirche, des Maßes, der Reinheit. Die heilige Kirche ist gottbestellt Ansagerin vor allen Geschöpfen.

St. Delim, der Engel der Hoffnung, des Schweigens; er trägt die Gewalt, die Menschheit zu wandeln durch die Armut im Geist, die Weisheit.

St. Sederim, der Engel des Widerspruchs, der Gegensätzlichkeit Gottes, er ist Engel der Liebe und der Gerechtigkeit zugleich. Er wird die Liebe Gottes in der Gerechtigkeit Gottes rächen.

St. Thelamim, der Engel der Gewalt des Glaubens, des Starkmutes; der Glaube kann Tote wecken.

Alle vier haben das Schwert auf den Rücken gebunden zum Zeichen, dass sie in der Torheit des Kreuzes ihre Macht ausüben.

St. Thelamim, der in seiner Macht aussieht wie eine riesige Burg Gottes, ist Gewalt im Gnadenstrom des Allmächtigen Gottes, der den Glauben und die Treue, die Demut und den Starkmut den Menschen bringt. Jeder Gnadenstrom ist ein Abwärtsfließen und ein Aufwärtssteigen. Die Göttlichen Gnaden fließen nach abwärts in die Herzen der Menschen, die Antwort des Menschen steigt in der Kraft dieser Gnade aufwärts, bis an das Herz, das immer auf uns wartet.

Der Anfang der heiligen Kirche und das Ende ihrer irdischen Wirksamkeit werden sich in ihrer geistigen Größe und irdischen Bedrängtheit als gleich groß gegenüberstehen, und Maria wird Anfang und Ende in sich zusammenschließen. An diesem Anfang der heiligen Kirche, wie wir ihn aus der Apostelgeschichte erfahren, können wir auch die Gewalt des Glaubens, des Starkmutes und der Bekennertreue ermessen, wie sie gegen das Ende zu erforderlich ist und wie wir sie auch schon hie und da an den Heiligen unserer Tage unverkennbar sich abzeichnen sehen. Einer Ecksäule gleich muss unser Glaube sein, das Schwert des Starkmutes und der Treue muss untrennbar mit uns verbunden sein. Dann können auch die heiligen Engel mit uns arbeiten!

Gebet: Heiliger Engel, du Ecksäule und Gewalt des Glaubens, umgib uns mit den Mauern der beharrlichen Treue und des Bekennermutes, damit auch unser kleiner Starkmut wachsen und sich in der Stunde der Not bewähren kann. Amen.

 

14. September – St. Phased 9. Chor

Bei Gott gibt es keinen "Zufall". Und so ist es nicht Zufall, sondern Weisheit Gottes, dass heute, am Fest der Kreuzerhöhung, zwei Engel als Fürbitter vor Gottes Thron stehen: St. Thelamim, der große Weckrufer, und St. Phased, der Engel der Sühneweihe. Was will uns Gott damit sagen?

"Maria spricht zu euch, immer wieder. Baut das Reich Mariens auf Erden auf, in Meinem Namen und für Mich! Denn das Christ-Königs-Reich ist das Reich des Gerichtes, es kommt, wenn das Reich Mariens auf Erden steht."

"Das Reich Mariens bringt die Engel mit sich auf die Erde. Sie sind die Wegbereiter für dieses Reich. Maria aber erhöht (ehrt) Mein Kreuz. Sie steht vor euch als Unbefleckte, damit euer Herz und euer Geist wieder zur Einheit und Lauterkeit zurückkehren. Wie wollt ihr anders in den Reihen der Engel stehen und kämpfen als mit reinem, lauterem Wesen? Maria aber steht vor Mir so, wie sie unter dem Kreuze stand – für euch! Sie erhöht Mein Kreuz vor allen Himmeln und so hat sie die stärkste Fürbittekraft. Sie hat diese beiden Engel heute ausgewählt: Den Engel, der euch weckt, und den Engel, der euch die größte Fürbittekraft vermittelt. Haltet euch an ihrer Hand!"

St. Phased ist einer jener Engel, welche aus dem 9. Chor, dem schlichtesten Chor der Engel kommt, aber doch gewaltige und entscheidende Aufgaben tragen. Wie viele von diesen Engeln sind und dienen in den höchsten Stellen – St. Eja, der Engel der Liebe, der an die Stelle Luzifers gerückt ist in den Chor der Seraphim, oder St. Roph, der Engel der Erde droben im gottnahesten Ring der Anbetung! Auch St. Phased hat ein großes Amt: Er ist der siebente der Tabernakel-Engel, jener Engel, welche mit Maria und ihren Scharen immer um jeden Tabernakel stehen.

St. Phased vertritt die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes an dieser Stelle. Er hat die tiefste Stimme, wie ein Orgelton, und betet die Komplet. Er ist der Engel des Gerichtes und setzt seinen Fuß auf die Schuld des Menschen und seine Schwertspitze auf das sühnewillige Herz. Er, der immerdar Gottes Angesicht schaut, wird keine Seele verlorengehen lassen, die sich in der Sühneweihe der Gerechtigkeit Gottes in wahrer Bußfertigkeit ausgeliefert hat.

Gebet: Mein Herr und Mein Gott! Dein Engel möge mich führen auf den rechten Weg der Liebesreue und Sühne, führen zu Deinem Kreuz zum Sterben mit Dir und für Dich, und führen in Deine barmherzigen Arme. Amen.

 

15. September – St. Roph 3. Chor

In dem unsagbaren Licht der Liebe Gottes kniet St. Roph, der Engel der Erde, wie der Geringste der Engel und doch der schönste – eben weil er der Geringste ist. In ihm hat der Allmächtige Gott die demütige, kristallklare Einheit und Schönheit der Magd und Königin Maria vor den Engeln geehrt; er kniet hier im Namen aller Schmerzen der Erde durch die Knechtung der Schöpfung von Seiten der gestürzten Engel.

Er trägt die Un-Schuld der Schöpfung wie ein reines Kind, und in seinem Sein ist dieses Wesen des Kindes so ausgeprägt, dass er bei der Engelprüfung den Begriff "Gott" so fest mit seinen beiden Händen umschlossen hielt, also mit seinem ganzen Sein umfing, dass er förmlich in Gott stehen blieb am gleichen Platz und wohl fraglos und ohne zu grübeln bis zum Ende der Zeit so stehen geblieben wäre. Mit allen getreuen Engeln aber hat sich auch in ihm seine Wesenheit während dieser Prüfung geläutert von der anerschaffenen (vorprüflichen) natürlichen Anschauung Gottes (parallel der vorprüflichen natürlichen Anschauung Gottes durch den ersten reinen Menschen Adam vor seinem Fall) zur gnadenhaften Visio beatifica. In diesem Licht brach in der Klärung seiner großen Aufgabe eine neue große Erkenntnis in ihm auf: Der Begriff der Allerreinsten Jungfrau und Mutter des Erlösers, der Unbefleckten und Schmerzensmutter.

Aus der Tiefe der Erde und dem Wirkfeld seiner Aufgabe hat Gott diesen Engel an die Seite Mariens gestellt, und dort kniet er nun, fürbittend für die Schmerzen aller Beladenen, Geknechteten. Er kniet hier für alle Schmerzen der Passio des Herrn und Seiner Mutter, für alle Schmerzen der Gebärenden und Sterbenden, für alle Kreuzträger und Lastträger, alle Wunden und Müden. Er kniet zur Linken Mariens mit einem weiten Schutzmantel, der von den Schultern Mariens über ihn und die Schöpfung gelegt ist. Die zerrissene Sklavenkette an seinen Händen besagt, dass die Erlösergnaden stärker sind als alle Ketten der Erbschuld. Zur Rechten Mariens kniet der Engel der Kirche, der als Symbol die Dornenkrone trägt. Und wie in St. Roph alle Mütter und ihre Schmerzen vor Gott hin gehoben werden, so stellt St. Jechud, der Engel der Kirche, durch seine Aufgabe alle Priester vor den Herrn.

Gebet: Allmächtiger Gott, Der Du die Engel erschaffen Dir zum Lob und zur Ehre, für uns aber als Leuchten am Himmel und als Helfer, lass Dich von uns sündigen Menschen anbeten durch diesen Engel voller Liebreiz und voll Einfühlung in jeden Schmerz, ja, lass Dir danken für den Schmerz, weil durch ihn das Herz des Herrn und das Mutterherz Mariä, vollgefüllt mit Liebe, geöffnet wurden und wir nun dieser immerdar ausströmenden Liebe teilhaftig werden. Amen.

 

15. September – St. Sabbatiel 4. v. Chor

Mit der Sünde ist das Leid in die Schöpfung gekommen. Wohl hat der Sündelose kein Leid aus Schuld, doch der Sühnende schon. Sündelos, ohne Erbschuld, war unter den Menschen nur eine einzige: Maria. Aber sie ist die Mutter des sühnenden Gottmenschen Jesus Christus, und sie ist mit Ihm die große Sühnende geworden. Mit ihrem Wort: "Ecce ancilla Domini, Fiat mihi secundum Verbum tuum" hat sie sich freiwillig zu ihrem Sohn, zur Menschwerdung, zur Erlösung, zur Sühne-Übernahme und dadurch zum Leid bekannt.

Sühne ist für jene Seele Gnade, die in den Fußstapfen des Herrn und Seiner Mutter geht und sühnt aus liebendem, reumütigem Herzen. Aber es kommt eine Zeit, da der Herr zum Richter wird, da die Gnaden nicht mehr wie Ströme über die Erde fließen und vielfach ungenützt versickern. Das ist die Zeit des Endkampfes. Von oben herab treten die Engel zum Kampf an, von unten bricht die Hölle los. Dann wird die Erde erzittern in ihren Fugen, und es wird nur mehr ein Für oder Gegen Gott geben. Wer mit der Welt paktiert, wird Gott verlieren, und wer die Mahnmale der Engel übersieht und ihre Weckrufe überhört, wird vor den versiegelten Toren dem Höllenbrand nicht entgehen. Der Mensch ist den Geduldigen Gott gewohnt, den Schweigenden, Wartenden, den "Nothelfer". Nun aber stehen die Zornschalen Gottes über dem Menschen, getragen von den Engeln der Liebe aus dem Chor der Herrschaften, zum Zeichen, dass Liebe und Gerechtigkeit Gottes zusammengehören. Heute, am Feste der Schmerzen Mariä, lässt Gott in Seiner Barmherzigkeit einen der Zornschalenengel sehen: St. Sabbatiel.

Er steht noch ganz still. Seine Zeit ist noch nicht gekommen. Er trägt sein Siegel wie einen goldenen Gürtel über seiner Brust; darauf steht: "Fiat". Sein Kleid ist von einem unberührten Weiß. Erst wenn er niedersteigen wird, den Befehl Gottes auszuführen, wird dieses Kleid immer dunkler werden wie schwarzblauer Gewitterhimmel. Seine Zornschale heißt: "Zerbrich!" Und die Welt, "die große Buhlerin", wird zerbrechen in dem Teil, der "Macht" (Krieg) heißt, und wird zerbrechen in dem Teil, der "Trieb" (Lust) heißt. Die aber das Zeichen Gottes auf ihrer Stirne tragen, werden unter dem Mantel der Mutter der Schmerzen geborgen bleiben.

Gebet: Heiliger, Starker, Unsterblicher Gott! Geh nicht mit uns ins Gericht, ehe Du nicht aus den Händen Deiner Mutter Dein eigenes Blut, für uns vergossen, als Lösegeld für uns angenommen hast. Amen.

 

16. September – St. Thaddim 5. n. Chor

Der eine Engel ist am leichtesten über den Opfergedanken zu begreifen, wie St. Mun, der die verborgene Hingabe trägt, ein anderer wieder über die Bereitschaft, wie St. Boromim, der Engel des flammenden Anrufes der Liebe, ein dritter über die Besinnlichkeit, wie St. Jophiel, der Umpflüger, oder St. Hagiel, der Engel des Schweigens.

Den Engel dieses Tages können wir am leichtesten über die Anbetung Gottes erfassen, obwohl er weder Seraph noch Cherub noch Thron ist; er ist ein Engel aus dem Chorteil der Niederen Gewalten. Jeder Engel trägt Gott in irgendeiner Aufgabe oder Sendung. Ist es vermessen zu sagen, dieser Engel trage die Genialität Gottes? Man kann sich kaum satt sehen an ihm; er spiegelt in tausend Farben, er klingt in hundert Tönen, er ist eine einzige wunderbare Flamme zwischen Gott und Mensch.

St. Thaddim trägt die Gewalt des Göttlichen schöpferischen Funkens, zu dem die Menschen "Genialität" sagen. Genialität finden wir auf der Erde bei Gut und Böse, ja, der Böse hat bei genialen Menschen meist sehr viel mehr Einfallstore und Einbruchstellen, und diese Menschen reizen ihn weitaus mehr als der Durchschnitt der Masse. Brennt doch der Göttliche Funke aufwärts. Seit aber Luzifer, der Lichtträger, sein Licht, abwärts brennend, mitgenommen hat in diese Zeitlichkeit, um den Menschen zu verderben, kann der Göttliche Funke ausgelöscht und durch einen getarnten, abwärts brennenden Lichtfunken ersetzt werden, der dem Funken der göttlichen Schöpferkraft täuschend ähnlich sieht, aber nicht mehr Gott zum Ziele hat, sondern das Gold, die Ehre, die Sucht, das Ich, den Hass.

Der Göttliche Funke stürzt, ehe er Tat wird, in den menschlichen Geist. So ist das Zeichen einer gottgeeinten Genialität der dahinter stehende Mensch. Ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. Ist aber ein Mensch, der nach Gott strebt, von diesem Göttlichen Funken angerührt, so lässt es ihm keine Ruhe. Er wird nicht nur äußerlich schöpferisch arbeiten, sei es in der Kunst, sei es im Erzieherberuf, sei es irgendwie am Aufbau von Kirche und Staat, Heimat und Handwerk – er wird sich unbedingt angetrieben fühlen, auch seiner Seele einen schöpferischen Schwung zu geben. Er wird weit werden, gelassen und doch weit werfend. Er wird den Hausverstand sich zu Füßen legen und mit den Armen in die Unbegreiflichkeit Gottes hineinlangen, denn Talent ist etwas anderes, und Genie ist etwas anderes. Der Hausverstand ist der Boden für das Talent, die Unbegreiflichkeit der Liebe Gottes der Schöpfer-Arm für das Genie. Beides ist gut und notwendig im lebendigen Leben der Schöpfung, keines ist schlechter als das andere; das eine ist das Brot, das andere ist der Wein. Und hat nicht der Herr beide gewandelt in Sein Fleisch und Blut?

Gebet: Bruder Engel, lass mich klein bleiben, arm und gering. Rühre nur ganz im verborgenen meine Seele an, dass sie schöpferisch werde im Opfer, in der Sühne, in der Liebe, ein kleiner Funke am großen Dornbusch, auf den Gott Sich herablässt, um angebetet zu werden. Amen.

 

17. September – St. Oriphiel 2. Chor

St. Franziskus kniete auf Alverna, ganz eingetaucht in die Liebe des Herrn. Jesus kommt auf Seraphsflügeln, und das Blut unseres Herrn fließt in einem Lebensstrom mit dem Blut des Poverello zusammen.

Zum Andenken an dieses Blut unseres Herrn, das sich in tiefen Wunden mit dem Blut des heiligen Franz vereinigte, steht heute ein Cherub des Sohnes anbetend vor Gottes Thron:

St. Oriphiel, der "Keltertreter". St. Oriphiel hat damals auf Gethsemani dem Herrn den Kelch gereicht, keinen Kelch voll Trost, aber einen Kelch voll Kraft. Die Cherubim sind die Träger der Göttlichen Kraft, sie sind voll Dynamik und von einer unvorstellbaren Wucht. Auch in St. Oriphiel ist diese Wucht derart zusammengeballt, als würde Gott die ganze Schöpfung als Kelter unter Sich haben und sie treten und treten, dass das Blut nur so fließt. Und dabei ist das ganze Blut nur allein das Blut Jesu Christi, des Erlösers, unseres Herrn und Gottes.

St. Oriphiel ist dunkel und leuchtend zugleich. Er ist das Bild für das dunkle, warme, vom Herzen Mariä in den Leib Jesu Christ geflossene Blut, darstellend das Leben durch den Vater. Und er ist das Bild für das leuchtende, lichtdurchströmte Blut, das sich in jedem Kelch voll gewandelten Weines in der Gnadenfülle des Heiligen Geistes uns als das wahre Blut Jesu Christi gibt. So trägt auch St. Oriphiel als Symbol den Kelch, dunkel und leuchtend zugleich.

Die Dynamik ist die Wesenseigentümlichkeit der Cherubim. St. Oriphiel trägt diese Dynamik gleich einem sausenden Schwert, welches die Zeit der Gemeinschaft haarscharf von der Zeit der Verlassenheit trennt, welches mit seiner Spitze genau auf die Erlösungstat ausgerichtet ist. Um dieses Ziel zu erreichen, durchschneidet das Schwert alle Bande des Blutes, der Geborgenheit, der Freundschaft und Liebe, um frei zu sein von jeglicher Beeinflussung. Der himmlische Vater lässt der Passio völlig freien Lauf. Er gibt nur die Kraft zur Ausführung, ohne von der Richtung abzudrängen.

So trägt St. Oriphiel im Symbol des Kelches die Kraft Gottes zur Erlösungstat, die gerechte Liebe des Sohnes zu Seinem Vater. Der Kelch, den St. Oriphiel seit Golgotha mit dem dunklen und leuchtenden Blut des Herrn trägt als Gedenken an diese Stunde auf Gethsemani, war damals dem Herrn gereicht worden mit Myrrhe als Symbol der verstehenden, weisen, gerechten Liebe Gottes. Alles Bittere klärt, es stärkt auch. Und die beiden cherubinischen Brüder, die mit St. Oriphiel in der Widerspiegelung des Dreieinigen Gottes eins sind, St. Pachad und St. Razael, beide tragen gleicherweise mit an dieser weisen, gerechten Liebe des Wortes.

Gebet: Herr, lass uns Deine Gerechtigkeit an der Hand Mariens, der Mutter, erwarten, da wir nicht die Kraft haben, ohne sie Gethsemani und Golgotha zu tragen. Amen.

 

18. September – St. Cheloim 5. v. Chor

Sein "Sanctus" klingt ganz nahe, und doch muss man in die Tiefe steigen und immer tiefer; es wird sehr eng, so schmal, dass nur mehr das Samenkorn allein Platz hat. Dieses Samenkorn ist die Seele auf ihrem Wege zu Gott, und die Seele in dieser Tiefe trägt St. Cheloim, der heute für uns und die ganze heilige Kirche bittet. St. Cheloim ist einer der "Sieben Brüder der Seele". Das sind sieben mächtige Engel aus dem Chorteil der Versiegelten Gewalten; sie sind zur Läuterung der Seele auf ihrem Weg zu Gott bestellt. Der eine bricht das Erdreich auf, der andere schlägt zu, einer löst das Korn vom Halm, und ein anderer tritt es in den Boden, einer ist die treibende Kraft im Samenkorn, und einer lässt die Hülle sprengen. Der letzte trägt die Vollendung, das "Fiat" Mariens, das "Ja" zum Willen Gottes, zu dem, was immer der Herr verfügt.

St. Cheloim ist der Anbeter aus der Tiefe. Erst musst du, Seele, immer tiefer in den Boden, du musst dich in den Abgrund deiner Reue stürzen, dann erst fängt dich der Herr Selbst in der tiefsten Tiefe mit Seinen Armen auf. Wenn du meinst, es geht nimmer, es ist am Ende mit aller Kraft, mit allen Werten, die du noch besaßest, mit aller Zuversicht – dann fällst du direkt in Gott hinein, in Seine Gegenwart, in Seine Liebe, in Seine Hilfe. Und dann dreht dich Gott ganz sacht von Sich ab und übergibt dich St. Cheloim, der schon kniend auf dich wartet. Dieser lehrt dich zuerst anbeten aus dieser Tiefe, wunschlos anbeten. Und dann lehrt er dich glauben ohne Beweise, nur auf dem einen aufbauend: "Gott ist." Er lehrt dich hoffen gegen alle irdische Voraussetzung und Hoffnung, nur aufbauend auf dem Wort "Vater". Er lehrt dich lieben, ohne auf ein Echo und auf Lohn und Befriedigung zu warten, einfach lieben, bedingungslos wie Maria, wie Joseph, wie ein heiliger Franz geliebt hat. Er lehrt dich den Acker Gottes umpflügen mit deinem Herzblut, ohne umzuschauen, ob eine Saat aufgeht. Er lehrt dich das Wort Gottes, die Liebe Gottes aussäen, ohne auf eine Frucht zu harren. Er lehrt dich, einfach da zu sein für Gott und für nichts anderes mehr.

Und bist du dann so weit – das kann Tage, das kann Jahre dauern –, dann übergibt dich St. Cheloim seinem Bruder St. Jesim. Der breitet den Mantel Mariens über dich, der führt dich heim.

Gebet: Heiliger Engel St. Cheloim, der du Gewalt antun sollst meiner Seele, damit sie die Hüllen und Krusten sprenge, die sie wie ein Gefängnis einschließen und abhalten von der rückhaltlosen Liebe, der bedingungslosen Hingabe, ich bitte dich, ringe mit meiner Seele in deiner ganzen Gewalt, dass ich vor mir selbst gerettet werde und als letzter Zöllner und Schächer die Türe des Vaterhauses finde. Amen.

 

19. September – St. Chajah 9. Chor

Er ist zarter, aber viel heller, als sonst die Engel des 9. Chores sind. Denn er steht in der gnadenvollen Lichtbahn des seraphischen Vaters Franziskus, der immerfort den Herrn bittet, die Seinen mit jenen Augen anzusehen, mit denen er selbst zu seinen Lebzeiten vom Herrn angesehen wurde.

St. Chajah steht heute vor uns, der Engel mit dem hochzeitlichen Kleid. Er ist ein Engel des 9. Chores und gehört zu St. Gabriel, dem großen Knecht Gottes, dem Begleiter Mariens, dem Verwalter der Erde, dem Patron der Priester und Mystiker, der Verborgenen und Gottgezeichneten.

Er trägt das hochzeitliche Kleid nicht an sich, er trägt es über seinen Arm gelegt. Er ist vom Herrn hinaus gesandt, zum Hochzeitsmahl zu laden. Der Herr allein weiß, wem das Kleid gilt; der Herr allein weiß, ob Er dieses Kleid wieder so rein vor Seine Augen bekommt, wie Er es St. Chajah mitgab.

Aber da steht die Mutter. Immer steht sie dort, wo der Herr, ihr vielgeliebter Sohn, helfen und heilen soll. Sie steht auch an den Straßen und Zäunen, wo die Armen und Geringen, die Lieblinge des heiligen Franz, die Kranken und Krüppel den Platz haben, den ihnen die lachende Frau Welt zuweist. Ja, dort steht die Mutter, nicht am Tisch dessen, der genug Schüsseln hat, um viele Menschen satt zumachen, nicht nur sich und seine Familie. Und dorthin, an diese Zäune und Straßen, wo die Lieblinge Gottes stehen und liegen, dorthin geht St. Chajah mit seinem hochzeitlichen Kleid.

Der heilige Vater Franz hat schon gewusst um die Zielrichtung der Liebe Gottes und hat seine ganze Seraphsliebe auch dorthin gerichtet: Zu den fratres minores, die es zu jeder Zeit und an jedem Ort gegeben hat und geben wird, man braucht dazu kein Kapuziner zu sein, ja, nicht einmal eine Tertiarschwester; eine Seraphsliebe lässt sich gar nicht in Grenzen festlegen. Und darum geht auch der Strahl der Liebe des heiligen Franz von Assisi mit St. Chajah und seinem hochzeitlichen Kleid.

"Chajah" heißt "Vater". Die Liebe des Vaters hat das hochzeitliche Kleid geprägt und in die Welt gesandt. Jeden Tag können wir uns in der heiligen Kommunion das hochzeitliche Kleid holen, das strahlende Kleid der Gnaden. Denn schickt nicht auch der Vater die Knechte aus, zum Hochzeitsmahl Seines Sohnes zu laden? So müssen wir hinter St. Chajah die Liebe des Vaters sehen, aber auch die Liebe des Sohnes, Der Selbst das Kleid ist, das unsere Blöße vor dem Vater verdeckt. Der unser Licht und unsere Tür und unser Weg und unser Alles ist. Und wir müssen hinter St. Chajah auch die Liebe des Heiligen Geistes sehen, Der die Liebe ist, Der jene Liebe bringt, die den Seraphim eigen ist, jene Liebe, von der der heilige Apostel Paulus sagt: "Und wenn ich die Sprache der Engel redete ... und hätte die Liebe nicht, so ... nütze es mir nichts."

So steht St. Chajah hier im Namen aller Schutzengel, die das weiße Kleid dem Täufling bringen; er steht im Namen der Engel der Wandlung zu Gott, die das weiße Kleid wiederbringen; er steht hier im Namen der Mutter, der Unbefleckten, die uns als Jungfrau und Mutter mit dem weißen Kleid zur ewigen Hochzeit schicken wird, sie selber.

Gebet: Heiliger, großer Engel, wollest auch mir das Kleid, das die Liebe des Vaters mir zugedacht hat, behüten und bringen zur rechten Zeit. Amen.

 

20. September – St. Berael 6. n. Chor

Die Stillen Fürsten, das sind die Engel des 6. Chores im dritten Chorteil, die Fürsten von Niederer Gewalt. Sie werden auch "Schutzengel der heiligen Kirche" genannt, weil sie der heiligen Kirche zur Seite stehen voll Hilfsbereitschaft, voll Kraft durch den Heiligen Geist, Dem sie in besonderer Weise zugeordnet sind. Einer dieser Stillen Fürsten hat heute den Tag seiner Fürbitte vor dem Thron Gottes. Es ist St. Berael, (auch St. Bilael genannt), der Fürst der Tiefe, des klaren Gewissens. Er gehört zu einer Gruppe von sieben Engeln, welche "Schutzengel der Erde" heißen, weil sich ihr Aufgabenbereich weit über den Raum der heiligen Kirche, über die ganze Erde spannt.

Im mahnenden Gewissen hören wir unseren Schutzengel. Im Mahnen kämpft der Engel durch uns hindurch gegen den Bösen. Im klaren Gewissen betet der Engel durch uns hindurch Gott an. Nennen wir also St. Berael den Fürst des klaren Gewissens, dann bedeutet das soviel, dass er hinter jedem betenden Schutzengel steht, denn die Grundstruktur aller Engel ist ja auf die visio beatifica, die beseligende Anschauung und darum Anbetung Gottes ausgerichtet. Die Aufgaben sind bei jedem Engel verschieden, aber das Beten hat jeder in gleichem Höchstmaß. So ist St. Berael der Lehrer und Meister aller Schutzengel, die unter seiner Leitung ihren Schützlingen zu einem klaren Gewissen verhelfen können.

Jeder Engel darf einmal Schutzengel sein, und er sehnt sich aus ganzer Seele danach, zum Schutzmantel Mariens gehören zu dürfen, durch Maria wie durch einen Dom hindurch ziehen zu dürfen, durch seinen Schützling in der heiligen Taufe klar auf Gott sehen zu können, im Herzen seines gottgeeinten Schützlings Gott einen Thron bauen zu dürfen – diese Freuden übersteigen alle Freuden der Menschen außer jener der heiligen Kommunion!

Zu den großen Pflichten jedes Schutzengels gehört es, vor allem für das gute, wache und klare Gewissen seines Schützlings zu sorgen, und hier hilft ihm St. Berael mit seiner Macht und seinem Gnadenlicht; denn jeder Mensch hat irgendwelche Einbruchstellen für den Bösen; hier den Trotz, dort die Empfindlichkeit, da die Menschenfurcht – die müssen abgeschirmt werden. Und jeder Mensch hat auch irgendein Türchen für den Schutzengel offen: Einer reagiert auf die Liebe, auf Hilfsbereitschaft oder auf Anerkennung, oder er braucht nur ein Bild des Herrn, der himmlischen Mutter anzuschauen und schon ist er offen für Führung und Zuspruch. Dies alles muss sich der Schutzengel zu eigen machen, und hier hilft ihm wieder St. Berael. Denn die Liebe Gottes will ja jeden Menschen richtig geführt und für den Himmel bereitet wissen. Darum hat St. Berael als Symbol eine siebenfarbige Flamme als Mittler der Gaben des Heiligen Geistes; er ist der stille Führer von Engel und Mensch über die Erde.

Gebet: Du heiliger Schutzengel der Erde, der du in jedem Menschen das Gewissen wach hältst, lasse auch mich durch mein Gewissen immer klarer meinen heiligen Schutzengel hören und so den Willen Gottes befolgen. Amen.

 

21. September – St. Melech 2. Chor

Was wir als Engel bezeichnen, ist meist diese menschähnliche Lichtgestalt mit großen Flügeln, deren Anblick uns zu Boden wirft und welche dann gewöhnlich mit klarer Stimme eine Botschaft des Herrn ausrichtet.

So kennzeichnet tatsächlich Gott den Boten, Seinen Boten. Er muss ihm unsertwegen eine abgegrenzte, menschliche Erfassbarkeit geben, muss ihn also menschlich erfassbar umsetzen für Hirten, Männer, Frauen und Kinder, Er muss der Stimme dieses Boten einen himmlischen Klang geben, damit die Botschaft auch richtig begriffen wird. Doch der Anblick des Engels ruft durch sein übernatürliches Licht immer das Öffnen der Seele für die Botschaft hervor, und dies Licht ist begleitet von einem inneren Bewusstsein der Seligkeit, ein gutes, himmlisches Wesen vor sich zu haben.

Aber nur im Bereich der Menschen ist das so. Wo Gott Sich nicht an den Menschen bindet, wo Er unter Engeln spricht, wo die reine Welt Gottes, der Engel und der himmlischen Seligkeit anfängt, da hört das liebliche, menschliche Entzücken, der kleine menschliche Gedankengang auf.

Hier kreisen Feuerräder von unendlichen Dimensionen und sind doch nichts vor dem Einen: Gott. Hier haben die Engel Flügel nach innen und außen, sie haben drei Antlitze und doch nur eins, sie stehen mit den Füßen auf der Erde und ragen mit ihren Häuptern in die Wolken um den Thron Gottes, sie sind wie Säulen, nach oben und nach unten und nach allen Seiten hin verankert, sie sind wie züngelnde Flammen und stürzende Berge, wie ungeheure Kreiselscheiben und Lichtseen. Das alles ist nur Ausdruck ihrer inneren Wesenheit und alles, alles zusammen nur Verherrlichung des Einen: Gott.

Mitten unter den Cherubim stehen, nein, kreisen Vier Lebende Wesen. Sie sind Engel im Rang der Cherubim und doch keinem Engel gleich, sie gleichen Menschen und sind doch keine Menschen; sie sind Lebende Wesen. Sie sind das Leben gewordene Wort des Wortes, sie sind Tat der Tat, sie sind der Blitz von oben und das Donnergrollen bis zum Jüngsten Tag von unten, sie sind das feurige, immerwährende Menetekel an den Wänden der Welt, sie sind das dem Munde des Evangelisten entsprungene, aus der Hand des Evangelisten entlassene Kind, das lebendige Evangelium. Sie sind einmalig, weil das Evangelium einmalig ist. Die Vier Lebenden Wesen sind wie ein ungeheures Feuerrad, einfach und doch vierfach. Sie kreisen, eins nach vorwärts und eins nach rückwärts, eins nach aufwärts und eins nach abwärts, und doch alle gleichzeitig um den Thron des Allerhöchsten im gleichen Rhythmus wie der Lichtring des Dreieinigen Gottes. Denn sie tragen das Wort und damit auch jenes Wort: "Und das Wort ist bei Gott und Gott ist das Wort." Sie schauen gleichzeitig nach allen vier Himmelsrichtungen überall hin: Überall ist das Wort. Und sie schauen: Der Löwe nach dem Feuer und der Adler nach der Luft und der Stier nach der Erde und der Engel nach dem Wasser, dem Urbild der Schöpfung. – Sind nicht nach einer uralten Sage die Engel aus den Tränen (der Liebe) Gottes geworden? – Und so schauen sie alle Wesenheiten.

Nichts entgeht ihrem Blick, denn sie haben Hunderte von Augen nach außen und nach innen. Ihre Stimme bildet zusammen den vierbuchstabigen Namen Gottes, den niemand aussprechen kann als das Wort. Nicht nur der Adler und der Löwe, auch der Stier und der Engel haben Krallen, damit sie sich überall anhalten können, an allen Geschöpfen.

Heute ist der Engel zu sehen, St. Melech (Melach), ein wahrhaft königliches Wesen. Er ist wie ein Blitz, von dem höchsten Punkt der Schöpfung kommend, zu dem tiefsten Punkt fahrend und ebenso wieder zurück, auf- und abwärts. Als Träger des Wortes Gottes ist er einem Menschen ähnlich und doch von völliger Reinheit und einfacher Wesenheit, stehend am untersten Punkt. Als Engel-Träger des Wortes ist er voll flammender Lichtkraft, hinauf züngelnd bis zum Engel des Wortes auf dem Hauch Gottes, bis zum höchsten Punkt der Geschöpflichkeit. Er fährt durch und neben dem Löwen und dem Stier und dem Adler, von denen jeder halb Engel und halb Symbol ist, auf- und abwärts und nach allen Seiten; seine Lichtbahn ist nicht abzusehen und abzuschätzen. Wie im Spiegel wiederholt sich dieses in allen drei Ringen der himmlischen Hierarchie.

Bei einem der Cherubim hält die Bewegung dieses Lebenden Wesens immer inne, um hier die innere Beziehung gerade zu diesem Cherub anzudeuten: Es ist St. Pachad, der Cherub des Vaters, der die Gottesfurcht und die Gerechtigkeit des Wortes trägt. So mag sich wohl auch der heilige Apostel und Evangelist Matthäus durch Gottesfurcht und Gerechtigkeit ausgezeichnet haben. St. Pachad trägt in seinem Antlitz noch das Antlitz St. Razaels, der Weisheit Gottes; sicher hat die Weisheit des Heiligen Geistes den großen Apostel bei der Abfassung seiner Schrift überschattet. Und das Antlitz St. Pachads trägt als drittes Antlitz jenes St. Oriphiels, des Keltertreters, der dem Herrn den Kelch reichte. Das Leiden unseres Herrn war der Brennpunkt der Gedanken und Predigten dieses Apostels.

Gebet: Herr, Du hast das Wort in unsere Finsternis gesandt, und wir haben es nicht begriffen. O lass durch Deinen Blitz diese Finsternis aufreißen, damit unsere Augen wach werden und hell und wir Dein Göttliches Wort nicht verschlafen. Amen.

 

22. September – St. Kyriel 7. Chor

Wie oft werden wir in den Gebeten der heiligen Kirche an seinen Namen erinnert! – immer, wenn wir beten: "Kyrie, eleison" – Herr, erbarme Dich unser!" Das ist auch das Grundmotiv des Wesens dieses fast gar nicht mehr absehbar großen Engels aus dem Chor der Mächte, der Mächte der Hoffnung.

"Kyrios!", o Herr, Herr, wie groß bist Du, wie herrlich sind Deine Werke! Dieser Engel lehrt uns, schon aus dem Wissen "Gott ist" alle Hoffnung zu schöpfen auf Erlösung, auf Gegenliebe, auf Vergeltung, auf Erhörung, auf Barmherzigkeit und auf das ewige Leben. Ist nicht schon im "Kyrie, eleison!" dies alles enthalten? Unsere Sinne sind nur zu stumpf, um es herauszuhören. Darum stellt uns der Herr einen so großen Engel vor Augen, in dessen Namen alle diese Hoffnung aufklingt und der uns sagt, dass in Gott allein – und nur in Gott – alle Hoffnung zu finden ist.

St. Kyriel ist einer der sieben, die als Macht der Hoffnung wie ein großes Umspannwerk über der Erde der Erlösung und Heimholung der Menschen dienen. Die 33 Engel der Mächte sammeln alle die großen Gnadenströme, welche über die ganzen oberen Chöre herabfließen, in sich und ballen sie so zu einer ungeheuren Macht zusammen.

Da sind die Mächte des Glaubens; – kann nicht der Glaube Berge versetzen? Konnte nicht Petrus in seinem festen Glauben über die Wellen des Sees wandeln?

Und da sind die Mächte der Hoffnung, des Vertrauens, das, einem Felsen gleich, in allen Stürmen unbesiegbar steht und die Macht Gottes förmlich herab zwingt. Und ebenso viele Engel der Macht der Liebe hat der gütigste Vater zu unserer Hilfe gesetzt. Sie tragen das lebendige Erlöserherz zur Erde und das lebendige Herz des antwortenden Menschen wieder hinauf.

Und endlich sind im Chor der Mächte die zwölf Engel der Kirche, welche die Säulen des Hauses Gottes auf dem Erdenrund bauen und festigen und unzerstörbar und unveränderlich stehen bis zum großen Gericht.

In den sieben Mächten der Hoffnung trägt St. Kyriel die Gottesfurcht. Die wahre Gottesfurcht ist keine Angst, sondern die tiefste Ehrfurcht, auf der Erkenntnis Gottes gegründet. Hätten die Menschen eine wahre Gottesfurcht, würde wohl die Hälfte aller schweren und auch lässlichen Sünden unterbleiben. Könnte ich denn in der Erkenntnis der Allgegenwart eines so unfassbar gewaltigen Gottes Ihm durch eine bewusste Sünde wirklich ins Gesicht schlagen? Wir wollen lieber dem Engel St. Kyriel gleichen, der seine Hände Gott entgegenstreckt, der die ganze Erde dem Herrn entgegenhält, damit Er segne, erhalte und verzeihe. Kyrie eleison!

Gebet: Heiliger Engel der Gottesfurcht, rüttle mit deiner Macht unsere schläfrigen Sinne, unsere verstockten Herzen auf, lass sie erzittern vor der Majestät des Dreieinigen Gottes, damit wir die Gnade des Kindes Gottes endlich erfassen und danken und danken. Amen.

 

23. September – St. Sesachar 6. v. Chor

Die himmlische Hierarchie ist bis in die kleinsten Gruppen im Maß und in der Ordnung aufgebaut. Die drei großen Ringe der Anbetung, der Ordnung Gottes und der Erlösung durch Gott umfassen je drei Chöre der heiligen Engel. Und jeder Chor hat klar umrissene Unterteilungen, wie dies am schärfsten bei den drei mittleren Chören der Herrschaften, Gewalten und Fürsten hervortritt.

Diese Chöre sind in sich dreigeteilt: Je 24 Engel sind von Hoher Gewalt und dem Vater als Engel der Schöpfung zugeordnet; je 24 sind von Niederer Gewalt und dem Heiligen Geist als Engel der Kirche zugeordnet, und je 24 Engel sind mit dem Siegel der Endzeit dem Sohn als Engel des Schwertes, des Kampfes, des Gerichtes zugeordnet. St. Sesachar gehört zum 6. Chor der Fürsten, zu jenen, die mit dem Siegel der Endzeit dem Sohne zugewandt sind. Die Fürsten sind alle Verwalter, sowohl Verwalter der Schöpfung, aller geschaffenen Gestirne, als auch Verwalter bestimmter ideeller oder materieller Schöpfungsgebiete. Die Fürsten mit dem Siegel der Endzeit sind in sich geteilt in zwölf und sieben und vier und einen in der Mitte: St. Eilazim, den Fürsten der Gnade.

Die ersten zwölf haben neben den ideellen Aufgaben noch die Baustoffe der Erde wie Salz und Kalk, Kiesel und Kohle usw. zu verwalten; die vier, die als Ecksäulen stehen, sind Verwalter der großen elementaren Begriffe von Feuer, Wasser, Luft und Stoff. Die sieben, zu denen St. Sesachar gehört, sind die Verwalter der Gezeiten, sowohl der vier großen Jahreszeiten als auch der Tag-Gezeiten.

St. Sesachar nennt sich "der Aufgehende". Er ist der Verwalter über das Licht des Tages, aber auch der Engel der Tätigkeit, der Tagesarbeit. Er lehrt uns die Tätigkeit in Gott, er lehrt uns den Alltag heiligen, den Tag wie ein Verwalter Gottes als ein Gut betrachten, über das man Rechenschaft geben muss bis ins kleinste. Nur der ist ein getreuer Knecht und Verwalter, der alles vor seinen Herrn bringen kann zur Kontrolle. St. Sesachar lehrt uns auch, dass die Tätigkeit in Gott, ja, auch die Tätigkeit des Alltags ein Licht ist, das den anderen leuchtet; dass wir in der Heiligung des Alltags leuchten sollen, damit es die anderen sehen, die nur so in den Tag hinein leben oder die nach Heldentaten schmachten und darüber die Heiligung des Alltags vergessen. Jeder Tag soll ein Abbild der Sonne sein, die aufgeht für Gott und auf Gottes Geheiß und ebenso im Maß und in der Ordnung untergeht nach Gottes Geheiß.

Gebet: Fürst des Tages, du heiliger Engel, sei auch uns Licht und Vorbild im Alltag, damit unsre Arbeit hell sei und leuchte vor den Augen Gottes und unserer himmlischen Mutter Maria. Amen.

 

24. September – St. Adonai 1. Chor

Maria, die Allerreinste, die Himmelskönigin, kniet vor dem Thron des Allerhöchsten und hält ihr Herz dem Vater entgegen. Und unter diesen ausgestreckten Händen steht ein Seraph mit einer Krone. Die Lichtströme, die aus dem Herzen der Königin brechen, fließen und stürzen über ihn und abwärts über alle Engel, die in der Lichtbahn des Seraphs stehen: Die Engel der Gnade und der Liebe, der Sehnsucht und des Opfers, bis hinunter zu St. Chattatim, dem Engel der Macht der Kirche, der schon auf der Erde aufsteht und alle die Gnaden- und Lichtströme, die Kraft- und Liebesströme mit der Kraft des Heiligen Geistes den Menschen ins Herz leitet. Wie weit ist es von dieser Himmelshöhe bis hinunter ins Dunkel, wo der schuldige Mensch in Ketten zur Mutter um Hilfe schreit, ja, wo auch die Unschuld hinter Gittern seufzt – für uns Menschen nicht ausdenkbar! Und doch ist diese Entfernung bis zum Herzen der Mutter klein, weit geringer, als es die Entfernung zum Herzen der Mitmenschen oft ist.

Die heilige Kirche feiert heute das Fest "Maria vom Loskauf der Gefangenen". Unter ihren weiten Schutzmantel hat sie alle diese Armen geborgen, die zu Recht oder zu Unrecht hinter Gefängnisgittern schmachten. Es sind Millionen! Der Seraph, der unter ihren Händen steht, um die Ströme der Barmherzigkeit, des Trostes, der Hilfe aufzufangen und weiterzuleiten, ist St. Adonai, der da heißt: "Herr und König", der Seraph der Liebe des Heiligen Geistes.

Maria ist die Braut des Heiligen Geistes. So sagt der Engel St. Gabriel: "Der Heilige Geist wird dich überschatten, und du wirst einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, und Seines Reiches wird kein Ende sein."

Die Ströme der Liebe und Gnade, die von Marias Händen über den Seraph fließen, sind eine Brautgabe des Heiligen Geistes an die Mutter des Erlösers, Der in die tiefste Tiefe stieg und dem verirrtesten Schaf nachging als guter Hirte. St. Adonai, der Seraph, steht im Namen des Heiligen Geistes zu Füßen Mariens. Er ist der königliche Diener, und wohin sich die Herrin wendet, dorthin wendet auch er sich mit der ganzen Fülle seiner ihm von Gott anvertrauten Gaben. Maria aber wendet sich den Ärmsten zu, den Entrechteten.

So steht auch St. Adonai, der dreifach Königliche, der mit St. Elohim, dem Seraph des Vaters, und St. Jahwe, dem Seraph des Sohnes, drei ist und doch nur einer, als Fürbitter der Gefangenen vor Gottes Thron. Er hält sich an Maria, denn nur sie allein ist die fürbittende Allmacht, die Besiegerin der Schlange, die Mutter des Herrn; sie kann die Not der Menschen besser verstehen, weil sie als Mensch jeder menschlichen Not näher steht als der Engel. Und während sie alle die Armen unter ihren Schutzmantel nimmt, zündet der Seraph in der Kraft des Heiligen Geistes voll werbender Liebe und in den Herzen der Brüder und Schwestern innerhalb der großen heiligen Mutter Kirche das Verlangen an zu helfen, zu retten, zu befreien. Ist es nicht ein wunderbares Zeugnis der unendlichen Liebe Gottes, dass ein so hoher Engel von der höchsten Gewalt diese Aufgabe an den ärmsten Menschen zugewiesen erhielt? Er soll helfen und heilmachen und heiligen – er mit der Krone! – im tiefsten Staub der menschlichen Not.

Gebet: Allmächtiger Herr, Der Du in wunderbarer Ordnung Deine Liebe über die heiligen Engel bis hinter die Gefängnismauern strömen lässt, lass das Höchstmaß unserer Liebe Dir Antwort sein. Amen.

 

24. September – St. Miguel 9. Chor

Die Liebe ist nicht auszuschöpfen oder auszumessen, weder bei Gott noch bei Seinen Engeln und Heiligen. – Tausendfach ist sie anders, tausendfach neu aufleuchtend, strahlend wie eine Sonne, blutend wie ein geöffnetes Herz, durchsichtig wie ein Kristall, aufwühlend wie ein geflüstertes Liebeswort, glättend wie die Hand einer Mutter. Es wird heute im Himmel und auf Erden gefeiert "Maria vom Loskauf der Gefangenen". Unter ihrem weiten Schutzmantel birgt die Mutter aller Mütter ihre gefangenen Kinder, und der Seraph der Liebe, der Engel des Herzens Mariä, St. Adonai, steht zu ihrer Rechten und lässt Ströme von Barmherzigkeit und Strahlen des Weckrufes hinab gleiten über die heilige Kirche und über alle jene, welche in Gefangenschaft schmachten, des Leibes und der Seele.

Zur Linken Mariens aber steht heute ein Engel der Liebe, der wie ein Bote der Erde mit seinen Füßen und den Falten seines Gewandes hinab ragt in das Dunkel der nach Erlösung schmachtenden Menschheit. Es ist, als wäre er ein Bruder St. Rophs, des Engels der Erde. Aber seine Hände, die er wie zu einer Schale ganz weit ausgestreckt Gott entgegenhält, kennzeichnen ihn als zum Chor der Herrschaften gehörig. Es ist St. Miguel, der die Liebe trägt im Leid. Er ist hell wie eine Flamme und nur in den Faltentiefen glühend: Wenn das Leid sich zur reinen Gottesliebe durchgerungen hat, ist es das sieghafteste Licht. Das sehnsüchtig Gott zugewendete Antlitz des Engels fleht um Liebe, denn je mehr Leid ein Mensch trägt, desto mehr Liebe braucht er, damit er nicht versteinert oder zerbricht. Wer hat die wärmste und lebendigste Liebe? Der Engel deutet auf die Mutter, die Mutter deutet auf ihren Sohn.

St. Miguel dient dem vierten der zwölf Engel von Wort und Antwort, St. Gedulah, der in den Aufbau aller Schöpfung die Liebe Gottes trägt. Die Liebe baut auf, weckt die zusammengebrochene Hoffnung zu neuem Mut, macht alles Leid zu goldenen Kronen für die Ewigkeit. So sendet auch St. Gedulah St. Miguel aus, oft auf seltsamen und verschlungenen Wegen, in den Abgründen der menschlichen Gefangenschaften das Licht der Liebe Gottes aufleuchten zu lassen, in das Leid die Liebe zu tragen. Wer erträgt auf Erden die meiste und größte Gefangenschaft? Unser Herr im Tabernakel! Die Mutter kniet vor Ihm, die Engel knien um Ihn. Von diesem Zentrum aus lernt der Mensch die Liebe im Leid, von diesem Zentrum aus geht auch alle Erlösung der Gefangenen.

Gebet: Heiliger Engel Gottes, unser Helfer und Fürsprecher, siehe die Ketten, mit denen wir gefesselt sind dem Leibe und der Seele nach! Nur die Liebe kann sie sprengen. Öffne uns die Türe zum Herzen der Mutter der Barmherzigkeit, dass sie uns loskaufe mit dem Blute ihres Sohnes und uns die Freiheit der Kinder Gottes wiedergebe. Amen.

 

25. September – St. Sichael 9. Chor

Ein schlichter Engel im Gewand des Schutzengels steht vor dem Thron des Allerhöchsten und er ist uns so nahe, als wäre er der Bruder, den wir am notwendigsten brauchen, dessen Hand wir nicht auslassen dürfen auf unserem Weg zu Gott.

Er steht in der Lichtbahn der Mächte der Liebe; alles, was er tut und uns tut, ist von diesem Licht überflutet. Er nennt sich: "Der das Brot bricht im Hellen und im Dunklen", St. Sichael aus dem 9. Chor der Engel, St. Phanael zugeteilt, der Macht der Klugheit der Liebe.

Am Brotbrechen haben die Jünger einst den Herrn erkannt, am Brotbrechen erkennt man den Engel. Denn was die Welt Brotbrechen nennt, das ist Asche, das ist Stein ohne jenes Leben, das uns allein trägt bis in die Ewigkeit. So ist das Brot, das uns dieser Engel reicht, voll Ewigkeitswert und geheiligt, selbst wenn es das tägliche Brot unseres irdischen Lebens ist.

Er bricht uns das Brot im Hellen: Das ist das Brot Gottes der Erkenntnis, die ewige Nahrung unserer ewigen Seele, die uns wachsen und weiten lässt und hineinleben in das Reich Gottes. Und er bricht uns das Brot im Dunklen: Das ist das Brot der Erde, das Brot der dunkeln Scholle, das wir brauchen in unserer Tiefe des Erdenkampfes, um nicht nur unsere Seele, sondern auch unseren Leib zu stärken und zu heiligen, denn der Engel lehrt uns beten vor jedem Essen und Trinken, keine Gabe Gottes soll uns werden ohne Dank an den Göttlichen Spender.

Er bricht uns das Brot im Hellen, er bricht es den reinen, sündelosen Seelen in den Gnadenkräften des Tabernakels, und er bricht es mit der gleichen Fürsorge im Dunkeln den Zöllnern am letzten Platz. Der Kranken wegen ist der Herr gekommen, der Schächer wegen, und sie brauchen das Brot des guten Hirten, der jedem der verirrten Schafe nachgeht und nicht rastet, bis Er es gefunden hat. Er bricht und reicht uns das Brot des himmlischen Trostes, das unsere Seelen erquickt und stärkt, und er reicht uns das harte Brot der Trockenheit und Dürre auf Gottes Befehl im Maß der Klugheit der Liebe, die wir erst in der Ewigkeit begreifen werden. Er lässt uns in aller Gottverlassenheit nicht sterben, so gerne wir möchten, und gibt uns solange Kraft, wie der Herr es will. Erst dann, wenn uns das letzte Mal auf Erden der Herr im Brot gereicht wird, dann gibt uns der stille, große Engel St. Sichael selbst als Hostie, als Brot in die Hände der Mutter, die uns dorthin legt, wo unser Platz ist am Tisch des himmlischen Hochzeitsmahles.

Gebet: Heiliger Engel, der du vor Gott bist mit deinem Brot in den Händen, lass auch uns sein vor Gott, lass uns Brot sein in den Händen Gottes, unseres Herrn, dass Er über uns spreche: "Das ist Mein Leib." Amen.

 

26. September – St. Dirachiel 6. h. Chor

Mitten in der Hast des Alltags steht ein Engel mit dem Ölzweig als Symbol des Friedens in der Hand. Es ist ein Engel Mariens; es ist St. Dirachiel, der Hohe Fürst. Keiner der Fürsten ist uns ferne, alle haben sie ihre Aufgabe, sei es die ideelle oder die irdische, ganz nahe dem Menschen. So kann man mit Recht sagen, sie sind Fürsten und Mitknechte der Menschen zugleich.

Die Hohen Fürsten sind wie eine Doppelreihe von Sternen rund um das Haupt ihrer Königin; sie dienen Maria als der Tochter des ewigen Vaters. Die Fürsten mit dem Siegel der Endzeit dienen Maria, der starken Frau und Miterlöserin, als der Mutter ihres Herrn.

Die Stillen Fürsten, die Schutzengel der Kirche, aber dienen Maria in der Glut der Liebe des Heiligen Geistes in aller Verborgenheit als der Braut des Herrn. Die 24 Hohen Fürsten sind in ihrer Aufgabe zu zweit. Sie sind wie der himmlische Spiegel des Seins zu zweit als eins, gegen die Erde zu, wie Mann und Frau in ihrer Verbundenheit, nur dass es eine körperliche Verbundenheit zwischen den Engeln nicht gibt. Der eine Engel formt die Wesenheit und Aufgabe des andern, beide zusammen ergeben das harmonische Ganze.

St. Dirachiel ist die sanfte, stille Ergänzung zu St. Gabriel, dem Erzengelfürsten. In der Heiligen Schrift heißt es: "... da kam Gabriel, der Mann, eilends dahergeflogen ..." (Dan. 9,21). Von St. Dirachiel könnte man dies Wort sagen: "Im Schweigen und im (betrachtenden) Gebet wächst die Gestalt des neuen Lebens." – Er ist ganz Auge, so wie St. Gabriel ganz Ohr ist. St. Gabriel ist der Engel des geflügelten Gehorsams, St. Dirachiel ist der Engel der Mystik, des Hineinschauens in das Licht und die Liebe Gottes. St. Gabriel hat das Buch der Abrechnung als getreuer Verwalter in der Hand, St. Dirachiel legt darüber den Ölzweig des Friedens. Dadurch wird aber auch St. Gabriel zu einem Engel des Friedens, während St. Dirachiel durch St. Gabriel das Maß der nüchternen Liebe Gottes erhält und der unerschütterlichen Hoffnung des Knechtes auf seinen Herrn. Beide zusammen ergeben das Spiegelbild der Jungfrau zu Nazareth für den Himmel. In St. Gabriel sieht der Herr aller Heerscharen das Spiegelbild des Gehorsams, der Bereitschaft der demütigen Magd zu Nazareth, in St. Dirachiel sieht Er die in Betrachtung versunkene, schweigende Jungfrau von Nazareth.

So trägt St. Gabriel, heute hinter St. Dirachiel stehend, die beiden Tauben der Armut, St. Dirachiel aber die goldene Rose der Königin des Friedens, der Rosa Mystica, mit seinem Ölzweig. Und beide singen sie das Hohe Lied der Liebe: Das Magnificat.

Gebet: Lass mich bereit sein, o heiliger Engel St. Dirachiel, auf den leisesten Wink und das Wort unseres Herrn zu achten, und führe mich an deiner Hand im Schweigen und im Gebet zu Maria, der Magd des Herrn, unserer Königin und Mutter. Amen.

 

27. September – St. Pharasim 5. n. Chor

So, wie man den Chor der Mächte nur von innen her verstehen kann nach dem Maß der Göttlichen Liebe, so ist auch der Chor der Gewalten am klarsten von innen her zu begreifen nach dem Maß der Göttlichen Kraft, welches diesen Engel innewohnt. Diese Kraft wirkt sich im Chor der Gewalten dreifach aus:

Im ersten Drittteil – der Hohen Gewalten – ist die Göttliche Kraft Besitz, im zweiten Drittteil ist sie Spannung, im dritten Drittteil ist sie Aufbau.

Der Engel, der heute für die Menschen bittet, ist aus dem dritten Drittteil des Chores der Gewalten: St. Pharasim. Er trägt die Liebe Gottes in den Aufbau der Schöpfung. Auch St. Dichael aus dem Chorteil der Hohen Gewalten trägt die Liebe Gottes als Ecksäule, aber es ist jedes Mal eine andere Seite dieser tausendfachen Liebe Gottes. St. Dichael trägt die Liebe als Anruf und Antwort, als Liebe von oben und Gehorsam von unten. St. Pharasim aber geht mit dieser Liebe hinaus in die Schöpfung; er trägt die eifersüchtige Liebe Gottes um die Schöpfung: "Ich bin der Herr, Dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben Mir haben!" Wer kann die Liebe Gottes ausschöpfen oder auskosten bis zuletzt, verstehen bis ins letzte? Das ist keinem Geschöpf möglich, denn nur Gott allein versteht Sich Selbst, genügt Sich Selbst. Gegen die Menschen zu ist die Liebe Gottes das schönste und unausschöpfbarste Geheimnis, das es überhaupt auf Erden gibt, jeden Tag neu, jeden Tag anders. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Spannweite dieser Liebe eben Göttlich ist, dass die Liebe Gottes die nüchternste und die konsequenteste ist, die es je gab oder gibt. Auch die Liebe Gottes kann ans Kreuz schlagen, und sie tut es besonders bei jener Seele, die Gott liebt. Und je näher eine Seele Gott kommt, mit desto eifersüchtigerer Liebe umgibt Gott dieses Geschöpf. Er schneidet ihm alles ab, was Seiner Liebe auch nur im entferntesten Eintrag tun könnte: Ja, wir müssen an das Wort der großen heiligen Theresia denken, die zum Herrn sagte: "Nun glaube ich schon, das Du, o Herr, wenig Freunde hast, wenn Du mit ihnen so umgehst wie mit mir." Das ist die eifersüchtige Liebe Gottes, die mit ihrer Göttlichen, wahrhaft nüchternen und unendlich weitsichtigen Liebe die ewige und unendliche Herrlichkeit Stück um Stück in der Seele, die Er liebt, aufbaut und vollendet.

Gebet: Du großer, gewaltiger und doch so liebevoller Engel, lass auch mich der eifersüchtigen Liebe Gottes teilhaftig werden, denn selbst wenn sie wehtut und immer noch mehr fordert, so ist dies ja Liebe, und was ist liebenswerter und begehrenswerter als diese Liebe? Amen.

 

28. September – St. Orphar 6. v. Chor

Manchmal steigt die drohende Macht der dämonischen Welt so sehr in die Höhe, dass auch das Bild des heiligen Engels, unseres Fürbitters vor Gottes Thron, davon beleuchtet wird. Und es geht nicht an, diesen Schein wegzuwischen: Gott will, dass wir diesen Engel auch in seiner Aufgabe kennen lernen und uns seiner Hilfe versichern.

Jeder von uns weiß, dass die Nacht eine beliebte Angriffszeit des Bösen ist. Spricht man nicht von "lichtscheuem Gesindel" und dass, wer recht tut, "das Licht" nicht zu scheuen braucht? Also: Wer unrecht tut, sucht das Dunkel. In der Nacht geschehen die meisten Einbrüche und Verbrechen, in der Nacht wird die heilige Unschuld geraubt, wird die geheime Sünde getan, die Schwarze Magie zur Blüte gebracht. Gegen dieses Unheil hat uns Gott einen Helfer gesetzt, es ist St. Orphar, der Versiegelte Fürst. Der Chor der Fürstentümer ist mit der Verwaltung der stofflichen Schöpfung betraut. Daneben hat er auch ideelle Aufgaben, die sich über den ganzen Ring der Erlösung erstrecken. Es sind 24 Hohe Fürsten, in ihrer Mitte die 7 Erzengelfürsten. Und es sind 4 und 12 und 7 Versiegelte Fürsten und noch einer. Die Stillen Fürsten nennen sich selten mit Namen; sie sind die Schutzengel der heiligen Kirche und der Erde, der Diözesen und Ordensgemeinschaften; sie dienen im Verborgenen.

Von den 24 Versiegelten Fürsten sind die vier stärksten die Ecksäulen: Der Fürst des Sturmes, der Fürst des Wassers, der Fürst des Feuers und der Fürst des Stoffes. Dann sind 12 mit der Verwaltung aller stofflichen Wesenheit betraut: Kalk und Kiesel, Salz und Öl, Holz und Metall, usw. Einer ist in der Mitte: St. Eliazim, der Fürst der Gnade. Dann sind noch sieben; sie sind Fürsten (Verwalter der Jahres- und Tageszeiten.

St. Orphar gehört zu diesen sieben. Er nennt sich "Der Liegende". Er ist der Fürst der Ruhe, aber auch des nächtlichen Gebetes, des Gebetes der Ruhe. Er ist der Knecht, den der Herr zu jeder Stunde bereit findet. Er ist jener, der den bösen Feind vertreibt, der nächtlich Unkraut sät. Er ist der Engel der Willenszucht. Er erhält seine Kraft vom Strom des Lebens über die Throne, und zwar von jenem Thron, der die gebündelte Ordnung und Gesetzmäßigkeit in die gottgewollte Form gießt.

Er ist aber auch jener, der, symbolhaft, flach am Boden liegend, den Gegner abhorcht, und nichts entgeht ihm an Anschlägen des Bösen. Er kämpft vor allem gegen die Dämonen der Willensschwäche, die in den Menschen wirken, gegen die Dämonen der irdischen "Weisheit", der Falschheit und Berechnung, der Verschleierung und Feigheit, der Lüge, des Argwohns und Misstrauens, der geheimen Triebsünde, der Herzenskälte und Lieblosigkeit.

Er vermittelt den Menschen die Ruhe des Geborgenseins in Gott, aber auch das wache Gewissen und die Willenskraft, die Freude an der nächtlichen Anbetung als Sühne für jene, welche die Nacht zur Sünde benützen.

Gebet: Herr, lass uns durch Deinen großen Engel wach gehalten werden, wenn der böse Feind Anschläge gegen uns sinnt; gib uns durch ihn aber auch die Ruhe, die der Welt völlig abhanden gekommen ist: Die Ruhe des Gebetes, der Betrachtung, die Ruhe in Gott. Amen.

 

29. September – St. Michael 8. Chor

Er hat Schild und Schwert abgelegt, auch den breiten Siegermantel, der ihn als Kämpfer und Besieger Luzifers auszeichnet, und kniet gebeugten Hauptes an den Stufen des Thrones Gottes. Alles an ihm ist schlicht und klar und gerade, und die Demut Mariens liegt um ihn wie ein Glorienschein.

St. Michael hat heute seinen Festtag auf Erden und die Auszeichnung im Himmel, als Fürbitter der ganzen Menschheit an diesem Tag vor Gottes Thron gerufen zu sein. Einst war er einer der zwölf Erzengel, der Hüter der Erde, ehe Luzifer die Entscheidung aller Engel heraufbeschwor. Auch er, St. Michael, wurde damals ins Dunkel gehüllt gleich allen Engeln. Gott schwieg, und jeder Engel musste für sich bewusst und freiwillig entscheiden, ob er dem jetzt so stummen, verborgenen Gott die Treue halten oder mit Luzifer, dem Lichtträger, ein neues, von Gott "freies" Leben beginnen wollte.

Da war es mitten in dieser Ratlosigkeit der Engel St. Michael (nein, Gott machte es den Seinen nicht leicht!), der mit seinem Ruf: "Wer ist wie Gott?" die anderen zur Besinnung brachte und so die Spaltung: Hie Gott – hie Luzifer herbeiführte. Nun war es ein klares Kämpfen, und St. Michael stützte sich nicht auf die eigene Kraft, sondern auf die Kraft Gottes. Ja, er warf Gottes Liebe Selbst als die Göttliche Kraft auf den Widersacher und verwandelte ihn damit zur Schlange, zum Drachen, der in den Abgrund stürzte und Tausende und Zehntausende mit sich riss, der noch und noch stürzt bis zum Ende der Zeiten. Dann erst hat er ausgestürzt. Dann erst ist er am tiefsten und gottfernsten Punkt der Schöpfung angelangt.

Aber St. Michael ist nicht umsonst, vom Herrn befohlen, durch den Chor der Mächte des Glaubens hindurch gezogen, um das Ehrenamt eines Hohen Fürsten, Fürsten der himmlischen Heerscharen, anzutreten. Er hat auf den Chor der Mächte des Glaubens, durch den er zog, abgefärbt, und der Chor der Mächte färbt noch auf ihn ab. Wie St. Michael durch seinen Kampf mit Luzifer am Anfang der Zeiten steht, so stehen auch die Mächte des Glaubens am Anfang, im Grundfundament jedes Menschen.

Und weil St. Michael Kämpfer ist, so sind es die Mächte des Glaubens auch. Und weil die Mächte des Glaubens für das ganze Sein der Schöpfung stehen vom Anfang bis zum Ende, so steht St. Michael nicht nur am Anfang, sondern auch am Ende als der Patron sowohl der Kämpfer als auch der Sterbenden, die er mit starker Hand beschützt vor den letzten und schwersten höllischen Angriffen und hinüber geleitet zum neuen Anfang der ewigen Seligkeit, welche die Menschen mit den heiligen Engeln teilen.

Die Erzengel haben wohl die zahlreichste "Verwandtschaft", wenn man so die direkten Beziehungen der einzelnen Engel untereinander bezeichnen kann. Direkt über dem Erzengel St. Michael stehen der Engel, welcher das Bündnis des Schöpfers mit der Menschheit – im Glauben – trägt, und der Cherub der Bereitschaft. Durch die Mächte reicht die Verbindung St. Michaels über die Herrschaften zu den Seraphim; und als Fürst hat er die Throne über sich. Immer aber bleibt er der schlichte demütige Knecht Gottes, schweigend und voll Kraft des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes.

Gebet: St. Michael, lehre uns kämpfen durch Demut, lehre uns siegen durch Gehorsam und Schweigen, lehre uns lieben und treu sein wie Maria. Amen.

 

30. September – St. Machaanajim 7. Chor

Groß steht er hier wie ein gotischer, silberglänzender Dom in blitzendem Sonnenlicht. Er steht im Licht aller Gnaden Gottes; er formt die Gnade zu Aufgaben, die Aufgaben zur festen Struktur der heiligen Kirche. Und er steht auf dem Felsen Petri, wohin ihn Gott gestellt hat als Hüter Seines Hauses auf Erden, Seines Gezeltes. Es ist der fünfte der zwölf Engel der heiligen Kirche: St. Machaanajim. Der Herr hat Seiner Braut eine wahre Himmelsleiter von Engeln gebaut, von den Legionen Engeln des 9. Chores angefangen über alle Chöre aufwärts bis zu dem Engel der Kirche, der zur Rechten Mariens, der Mutter der Kirche, kniet, der die Dornenkrone seines Herrn trägt und damit wieder den symbolhaften Ring bis hinunter zur Erde schließt.

Über den Legionen von Engeln, welche der heiligen Kirche auf Erden dienen, stehen die sieben Erzengel. Sie tragen die Fundamentaltugenden der heiligen Kirche: Die Ehrfurcht und den Gehorsam, den Glauben und die Hoffnung, die Liebe und den Sühnewillen, die Hingabe an Gott. Über diesen Erzengeln (vor dem Sturz Luzifers waren es zwölf) steht der Chor der Mächte: Des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und der Macht der Kirche.

Dieser Chor der Mächte, der wie ein riesiges Umspannwerk alle Gnadenstrahlen von den sechs oberen Chören auffängt und gebündelt an die sieben Erzengel weiterleitet, ist einer der am schwersten verständlichen Chöre, denn er ist anders als die übrigen:

Nach außen bildet er zwei große Gruppen, die – wie ein symbolhafter geistiger Spiegel von Mann und Frau auf der Erde – zwei sind und doch eins, die eine Gruppe zur anderen untrennbar gehörend und doch ganz verschieden. – Die eine Gruppe ist wie das Tun des Schöpfers gegen die Schöpfung zu; das sind die schweigend hauchenden, heilenden und weitenden Mächte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. – Die andere Gruppe ist wie das Sein der Kirche als Vertreterin der gesamten Menschheit vor dem Schöpfer; das sind die zwölf Mächte der Kirche.

St. Machaanajim ist auch ein solcher Seiender. Er trägt die Struktur der heiligen Kirche als etwas, das ist, unwandelbar und unzerstörbar: "... una sancta catholica et apostolica ecclesia". Aufgebaut auf den Worten des Herrn wie auf einem Fels, den die Hölle umtost, und mit den zwölf einfachen Fischerleuten als Fundament, wächst der Bau der heiligen Kirche empor und wird weiter wachsen bis zum Jüngsten Tag, durch das Wolkendunkel hindurch bis zum Thron des Allerhöchsten. Dieser Bau ist die große Himmelsleiter, von dem Herrn Selbst für die Seinen errichtet, mit fest gefügten Staffeln und Stützen, auf der die Engel niedersteigen und auf der die Menschen mit ihren Engeln emporsteigen. "Steil ist der Weg", sagt der Herr. Leitern stehen meist ziemlich senkrecht! Aber St. Machaanajim stützt und trägt diese Leiter mit seinen Tausenden von Engeln. Auf wen sollten wir uns sicherer stützen können als auf des Herrn Braut, von Engeln gehalten und geleitet?

Gebet: O Engel, der du den Bau der heiligen Kirche sicher fügst und mit starken Armen hältst, lass auch uns in diesem Bau geborgen und darin Kind sein. Amen.