Gott ruft immer wieder aus Barmherzigkeit Menschen zu außergewöhnlichem Leben, Leiden und Sterben. Doch Er zwingt keinen Menschen dazu; denn Er achtet Sein Geschenk des freien Willens. So hat Er auch das 10-jährige Kind Maresa Meschenmoser am Tag ihrer ersten heiligen Kommunion (am 26. März 1933) zum Empfang der Heiligen Hostie mit einem für sie aus dem Tabernakel strömenden, sichtbaren Licht umhüllt und sie dabei gefragt: "Willst du Mein Opferlämmchen werden?" So fragte Jesus später das herangewachsene Mädchen noch einmal. Auf Grund dieses "Blancoschecks", den Maresa ihrem Heiland aus ganzem Herzen gab, erwuchs ihr Leidensweg. Sie erahnte ihn aber erst richtig, als Jesus 1949 beim Diktat ihres Weihegebetes sie "Schlachtopfer" nannte, was sie bis ins Innerste hinein tief erschrecken ließ. Sie stand ja erst am Anfang ihres Opferweges, den sie – durch Einsprechungen von Jesus geführt – begonnen und zum Abschluß ihres Lebens unter Einsprechungen von der Gottesmutter zu Ende gegangen ist.

Am 1. September 1953 aber sagte ihr Jesus ganz klar: "Es gibt keinen anderen Weg zum Himmel für dich, als diesen. Daß es ein Weg des Martyriums ist – das wird man erst nach deinem Tode sehen." Jesus erklärte ihr dazu auch einmal: "Es gibt auch ein geistiges Martyrium, das schwerer ist als das körperliche."

Maresa MeschenmoserSie war in keiner Weise frühreif. Sie mußte erst durch viele Prüfungen geläutert werden und erstarken. "Eine der schwersten Prüfungen" war eine über sie verhängte Seelenangst, durch die sie auch über die Einsprechungen kaum einmal froh werden konnte. Jesus sah ihre Not: "Die Angst, eine Betrügerin zu sein, wird dich bis zum Tode nicht verlassen!" Darum gab Er ihr den "Vater" (Beichtvater und Seelenführer) –, aber auch wegen ihrer Auslieferung an die Hölle und wegen der Angriffe von Seiten der Menschen: "Wärest du ohne Vater und seinen Schutz – die Welt hätte dich längst zu Tode getrampelt!" Der Vater war ihr aber auch von Jesus dazu gegeben, die von Ihm geforderte, vollkommene Verborgenheit ihres Charismas zu hüten, – wenn Brauch andererseits die Schwächen ihres ganzen Wesens – z. B. das Stehenbleiben auf dem Weg, nicht immer vermeiden konnte. Aber er half ihr in allen Schwächen weiter mit seiner so wunderbaren Geduld. 31 Jahre hindurch durfte Hochw. H. Pfr. Otto Timme sie so betreuen, stützen und ihr helfen bis zu seinem Opfertod am 4. September 1979.

Diese ganzen Jahre waren Vorbereitung – wie man ihr von oben sagte – und Hinführung zu ihrer Endphase, die mit dem Oktober 1979 – mit der Berufung ihres letzten Vaters begann. Jesus übergab jetzt die Führung Maresas Seiner Mutter Maria. Nach den letzten Stationen ihres Kreuzweges stand mit dem Tag "Mariä Verkündigung", 1982, vor ihr der Aufstieg auf den Kalvarienberg und führte nach unsagbaren Leiden und Qualen am 15. Oktober 1987 zu ihrem Sterben auf ihrem Kreuz. Sie hat gehalten, was Jesus von ihr verlangte: "Das kleine Lamm muß stumm sein (für die Menschen) auf dem Weg, bis es geschlachtet (gestorben) ist." Ihr geheimnisvolles, charismatisches Leben durfte vor ihrem Tode nicht bekannt werden – nicht einmal ihre eigene Mutter wußte darum. (Die jetzige Bekanntmachung durch das Buch ist Auftrag Jesu an ihren Beichtvater und Seelenführer). Ihre Nachfolge Christi war damit beendet; nicht aber ihr Weg: Er führte in den Himmel!

Franz Rudrof, Pfr.