• Engel und Heilige von jedem Tag
  • Bücher der Liebe, Bd. 1
  • Bücher der Liebe, Bd. 2
  • Bücher der Liebe, Bd. 3
  • Bücher der Liebe, Bd. 4
  • Bücher der Liebe, Bd. 5

Samstag, den 10. August 1940

In einer Vision sieht sich Maria Magdalena in einer Kapelle. "Es ist Dämmerung. Den Altar sehe ich nicht. In der Bank, in der ich knie, hängt links an der Wand ein schönes Herz-Jesu-Bild. Da steht auf einmal rechts ein Priester an meiner Bank und reicht mir ein großes Paket mit den Worten: "Das ist für Sie!" Erstaunt sage ich: "Das soll mir gehören, solch ein großes Paket? Darf ich es öffnen?" Der Priester sagt: "Ja!" Ich öffne es und halte ein überaus schönes Kreuz in meinen Händen, größer als ich selbst bin. Noch erstaunter als vorher sage ich: "Das soll für mich sein, Hochwürden, solch ein schönes Kreuz?" Der Priester antwortet: "Ja, für Sie ganz allein." Ich erwidere: "Dann will ich es auch ganz für mich allein tragen, hinauf in mein Zimmer." Alles ist fort, ich meine, geträumt zu haben.

 

Sonntag, den 15. Juni 1941

Unser hochwürdiger Herr Pfarrer Johannes Dick, mein Beichtvater, gibt bekannt, daß unsere Pfarrgemeinde heute ganz feierlich der Muttergottes geweiht werde, als der Königin von Oberpleis. Er spricht: "Ich stelle euch einen Priester vor mit den Worten: 'Selig, die Verfolgung leiden.' An diesen Worten werdet ihr erkennen, wer er ist." Ich schaue hin zur Kanzel und bin erstaunt. Ich frage mich: "Wo bist du diesem Priester schon begegnet?" In meine Gedanken hinein steht vor mir die Vision vom 10. August 1940. Ja, er ist es, der mir das große Kreuz in der Kapelle schenkte. Was bedeutet das nun? Werde ich mit diesem Priester noch näher bekannt? Und was bedeutet das Kreuz?

 

Sonntag, den 27. Juli 1941

Hinauf gehe ich am Nachmittag nach Pleiserhohn zur Annakapelle, zur Feierstunde der hl. Mutter Anna. Vor der Burg Niederbach bleibe ich stehen und denke: "Was mag das für ein Haus sein?" Ich sehe immer zwei Schwestern in blauer Tracht. Da müßte doch eine Kapelle sein. Obwohl der liebe Heiland dort wohnt? Ich verwerfe diesen Gedanken und denke nun: Wenn du es wissen sollst, wirst du es schon erfahren.

 

Mittwoch, den 13. August 1941

In unserer Pfarrkirche Oberpleis bete ich nach der hl. Messe den Kreuzweg. Bei der 13. Station klopft mir ein Fräulein auf die Schulter und sagt: "Entschuldigen Sie, wenn ich Sie störe. Ich möchte Sie herzlich einladen, einmal zu uns auf die Burg zu kommen. Wir haben dort eine schöne Kapelle." Wieder einmal bin ich sehr erstaunt. Meine Gedanken vom 27. Juli werden Wirklichkeit. Ich verstehe aber die Einladung nicht. Darauf erwidere ich: "Es tut mir leid, ich kann jetzt nicht mitgehen. Ich habe jetzt und die ganze Woche keine Zeit. Wenn es recht ist, komme ich am Sonntag nach der Andacht." Das Fräulein erwidert: "Es ist gut, ich warte auf Sie."

Nun hatte ich erfahren, daß das ein Erholungsheim ist, das zwei Schwestern leiten. Ich wußte auch, daß es Besitztum vom Grafen Spee war. Warum lud man mich ein? War es nur die Kapelle oder war es noch etwas anderes? Daheim erzählte ich meinem Mann von dieser Einladung und sagte: "Ich werde auch hingehen. Es kann ja nicht schaden, wenn man Umgang mit bessergestellten Menschen hat."

 

Sonntag, den 17. August 1941

Nach der Andacht gehe ich zur Burg Niederbach. Von der Schwester Maria werde ich empfangen. Sie kennt mich nicht. Ich erkläre: "Ich wurde von einem älteren Fräulein eingeladen für heute, mir hier die schöne Kapelle anzusehen." Schwester Maria läßt mich eintreten und ruft das Fräulein. Es kommt. Wir gehen in die Kapelle. Wieder bin ich erstaunt. Das war die Kapelle, in der ich am 10. August 1940 in der Vision kniete. Da hing auch das Herz-Jesu-Bild. Ich lasse aber nichts verlauten. Doch still dachte ich wieder: "Was mag das alles bedeuten?"

Den Altar hatte ich nicht gesehen, aber heute sehe ich ihn. Wie schön er ist. Die Muttergottes thront dort mit dem Jesuskind, als ob sie es der Welt von neuem reichen wollte. Ich kann nun nicht anders, als eine Frage zu stellen: "Wie kommt es, daß man hier nichts davon hört und weiß? Seit zweieinhalb Jahren wohne ich hier. Von anderen Kapellen in den Ortschaften habe ich Kenntnis, aber von dieser hat noch niemand gesprochen." Das Fräulein erklärt: "Wir haben sie gut ein und einviertel Jahr; es hat noch schwer gehalten, den Altar zu schaffen. Das hat ein Siegburger Künstler gemacht." Wir beten und gehen in einen Raum, der wie ein kleiner Saal wirkt. Die beiden Schwestern, Maria und Josefa, kommen auch. Als es auf sieben Uhr geht, sage ich: "Jetzt wird es Zeit, daß ich heimgehe und das Abendessen bereite." Sechs Augenpaare sehen mich groß an und Schwester Maria fragt: "Sind Sie denn verheiratet?" Ich erwidere: "Ich denke doch, wenn man einen Mann und acht Kinder hat, daß man dann verheiratet ist." Sie sagt darauf: "Deshalb dürfen Sie doch wiederkommen." Was hatte man mit mir vorgehabt? Man hüllt sich in Schweigen. Gesucht hatten sie für einen Zweck eine jungfräuliche Seele, das entnahm ich aus dem Wort "deshalb". Ich nahm mir auch vor, ab und zu hinzugehen. Warum tat man so geheimnisvoll?

Auch wenn es nur für Minuten war, ging ich öfter nach der hl. Messe dort hin. Es zog mich etwas, aber ich wußte nicht, was. Gern betete ich dort. Ich meinte, die Muttergottes wollte etwas von mir. So sagte ich eines Tages zu ihr: "Du bist Mutter und ich bin Mutter. Sage mir doch am Feste Deiner Mutterschaft, was Du von mir willst?"

 

Sonntag, den 14. September 1941

Bin wieder nach der Andacht auf der Burg. Schwester Maria hat mich eingeladen, am anderen Tag, am Feste der Sieben Schmerzen Mariens, auch zu kommen. Sie sagt: "Wir haben eine schöne Feier. Es kommt auch der hochwürdige Herr Pater, der am 15. Juni die ganze Pfarrgemeinde der Muttergottes geweiht hat." Ich erwidere: "Es tut mir leid, nicht kommen zu können.

Gerade an diesem Tag habe ich der Gottesmutter versprochen, jedes Jahr dort zu sein, wo sie als Schmerzensreiche verehrt wird. Vor Jahren lag ich krank an zwei Operationen. Jemand hatte schwer gefehlt und wollte die Schuld mit Selbstmord büßen."

Ich lag mit meinem verwundeten Körper am Abend um 18 Uhr des 14. September bis zum anderen Morgen 6 Uhr auf den Knien und rang um die Seele. Da bekam ich die Nachricht, daß derjenige dort in seinem Blute lag. Ich ließ den Arzt kommen. Selbst elend und krank, pflegte ich diesen Menschen und hielt ihn vier Wochen verborgen, bis die Wunde geschlossen war. Um ein Haar, so betonte der Arzt, wäre das Leben ausgelöscht gewesen. Indem ich das sage, trifft mich ein Licht, und ich schaue in der Kapelle ein Bild der Schmerzensreichen. Sie spricht aus dem Licht: "Komme hierher! Hier kannst du auch die Sühne leisten." Zur Schwester sage ich nun: "Ich sehe dort ein Bild der Schmerzensreichen. Da kann ich auch hier meine Sühne leisten." Schwester Maria sagt: "Das können Sie bestimmt. Es ist die Schmerzensmutter von Maria Martenthal." Davon hatte ich noch nichts gehört.

 

Montag, den 15. September 1941

Ein schönes, feierliches Hochamt in der Kapelle der Burg. Danach ging ich heim, das Mittagessen zu bereiten. Um halb drei Uhr war ich wieder dort zur Feierstunde. Man hatte gerade begonnen. Was ging hier vor sich? Der Altar stand im Lichterglanz und Blumenschmuck. Der hochwürdige Pater fragte: "Wer hat die Weihe noch nicht gemacht?" Ich denke: "Das geht um die Muttergottes. Die kannst du auch machen." Ich war die zwanzigste. Eine weitere Frage lautete: "Wer hat das goldene Buch noch nicht?" Das kannte ich noch nicht, aber ich mußte es haben und zeigte auf. Kaum hatte ich das Buch, kommt Schwester Maria und sagt: "Frau Meyer, Sie dürfen die Weihe noch nicht machen. Geben Sie das Buch wieder ab."

Ich erwiderte: "Ich bin seit dem 12. Lebensjahr in der Skapulierbruderschaft und bin in Neviges der Unbefleckt Empfangenen geweiht. Ich verehre die Gottesmutter alle Tage. Ich bin schon Marienkind." Die Schwester erklärt: "Diese Weihe ist die höchste. Die sie machen, bereiten sich 30 Tage mit diesem Buch durch Betrachtungen vor. Warten Sie doch bis zum Fest der Mutterschaft. An allen Marienfesten werden hier Weihen vorgenommen."

Ein Licht trifft mich vom Altar und die Statue der Muttergottes wird lebendig. Ich höre die Worte: "Sei gehorsam und gib das Buch zurück. Warte bis zum Fest der Mutterschaft." Ich tat es. Was war das wieder? War das ein Gnadenbild? Seltsam! Nach der Feier ging ich zu Schwester Maria und erbat das goldene Buch zwecks Vorbereitung. Weil es aber keine 30 Tage mehr waren bis zum 11. Oktober, fragte ich: "Wenn ich am Tage zwei Betrachtungen halte, genügt das?" Ja, es genügte. Solch eine Weihe hatte ich auch noch nicht erhalten. Ich bat nun, das goldene Buch so lange behalten zu dürfen, bis ich es ganz studiert hätte. Das Buch war von Ludwig Maria Grignon von Montfort. Davon hatte ich noch nichts gehört.

 

Donnerstag, den 18. September 1941

Auf dem Heimweg nach der hl. Messe trifft mich ein Licht auf der Landstraße. Ich muß stehen bleiben. In dem Licht sind die Stufen von der Erde aufwärtsgehend bis in die Wolken hinein. Auf der dritten Stufe steht eine Schwester, weißgekleidet mit einem schwarzen Schleier. Der Schleier ist zugezogen. Ich frage: "Wer bist du?" Sie wendet sich und zeigt mir ein Kreuz. Alles ist fort. Auch am 24.9. habe ich diese Erscheinung auf dem Heimweg. Die Schwester steht höher. Sie zeigt ein größeres Kreuz.

 

Donnerstag, den 25. September 1941

Ich erzähle meinem Beichtvater von der Erscheinung. Er sagt: "Sie sind ein kleiner Spökenkieker. Die kommen alle aus Westfalen her. Haben Sie soweit alles gesehen, wird es auch aufgeklärt werden." Ja, es versteht mich niemand, wen sollte ich auch fragen?

 

Sonntag, den 5. Oktober 1941

Wieder sehe ich die Erscheinung auf dem Heimweg. Sie steht auf der höchsten Stufe, soweit ich sehe. Heute ist sie ganz weiß. Sie schlägt den weißen Schleier zurück und sagt: "Ich bin die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Ich führe dich bis zur Stunde. Weiter kann ich dich nicht führen. Siehe nun, wer dich jetzt führt." Sie zeigt mir heute kein Kreuz. Sie ist fort. Ich sehe goldene Tore. Ein wenig öffnen sie sich. Ein Lichtstrahl fällt heraus, der mich blendet. In dem Lichtstrahl steht die Gottesmutter. Sie reicht mir ein weißes Kreuz, an dem ich selbst im weißen Kleid hänge. Erschreckt frage ich: "Muttergottes, werde ich gekreuzigt werden?" Sie antwortet: "Ja, aber nicht wie du denkst. Du wirst unschuldig verurteilt werden. Darum siehst du dich im weißen Kleid. Fürchte nichts, wenn die Stunden kommen! Ich bin bei dir und schütze dich. Wer Jesus nachfolgen will, muß Seinen Weg gehen. Ich ging auch den Weg mit Ihm vereint. Leiden ist Gnade und Auserwählung." Alles ist fort. Ich gehe weiter wie im Traum.

 

Samstag, den 11. Oktober 1941

Nach dem Hochamt ist um zehn Uhr auf der Burg die Weihe an die Muttergottes, die vollkommene Hingabe nach dem hl. Ludwig Maria Grignion. Wie freue ich mich! Ja, ich fühle es, wie gehoben war ich schon beim Sprechen der Weiheformel. Die Stimme versagt mir, denn Tränen ersticken sie. Ich könnte jetzt nicht unter die Menschen. Drum blieb ich nach der Feier auch in der Kapelle. Es dauerte aber nicht lange, da kommt Fräulein Buntenbroich, die mich ja in dieses Haus eingeführt hat, und sagt: "Frau Meyer, sie sind so allein hier. Sie sind doch heute eine der Unsrigen geworden und gehören nun auch in dieses Haus. Alle sind beim Kaffeetisch, nur Sie fehlen." Ja, ich wollte mein Geheimnis nicht preisgeben, daß ich den ganzen Tag keine Nahrung zu mir genommen habe. Darum sage ich: "Es ist doch schon 11 Uhr und um 12 Uhr wird Mittag gehalten. Das kann ich nicht, in einer Stunde zweimal essen. Entschuldigen Sie bitte, ich wollte nicht unhöflich sein."

Sie geht, ich bete, was ich tun soll. Fortgehen kann ich nicht. Das wäre taktlos. Wenn Jesus mich frei macht, kann ich essen. Tut er es nicht, so muß ich befürchten, es kommt ein ekstatischer Zustand über mich. Oh, das möchte ich nicht, allen preisgegeben zu sein. Er braucht ja das Opfer für die Art Sünden, die durch Fasten geheilt werden. Ich kann dann nicht essen, weil ich wie gesättigt bin. Wenn ich Ihn empfangen habe, kann ich alles. Er ist alles in allem. In meiner Not wende ich mich an die Muttergottes. Auch sie scheint meine Not nicht zu sehen.

Dann kommt Schwester Maria mit derselben Bitte wie vorher Fräulein B. Ich sage ihr dasselbe. Ich merke, sie ist betrübt, aber sie geht. Nun kommt Fräulein B. noch einmal und sagt: "Sie wollen doch Schwester Maria nicht beleidigen! Kommen Sie doch mit. Tun Sie es doch im Gehorsam." – "Gut", sage ich, "dann tue ich es im Gehorsam." Ich gehe mit, alles Gute wird vorgesetzt. Mich freut nichts. Fräulein B. nimmt ein Brötchen und sagt: "Essen Sie das doch wenigstens. Das ist doch nicht viel." Ich tue es, werde aber unruhig. Als ich gegessen habe, sage ich: "Ich muß mal hinausgehen." Ich ging in die Kapelle und flehte: "Muttergottes, es kommt so schwer auf mich ein. Was ist das? Könnte ich doch heimgehen. Ich darf es aber nicht. Was soll ich tun? Hilf mir doch! Wenn nichts über mich kommt, dann wäre alles gut. Sage es meinem lieben Jesus, Er möge mich schützen. Soll Er es anders wollen, dann laß es doch so aussehen, als ob ich schliefe. Es wird mich doch niemand stören. Laß mich hier bei meinem Jesus und bei Dir bleiben, liebe Mutter."

So flehte ich. Schwer werden die Glieder. Ich weiß nicht, was um mich geschah. Ich habe nur die himmlische Frau angeschaut, die immer schöner wurde. Habe ich wirklich unter ihrem süßen, liebevollen Blick geschlafen? Ich weiß es nicht. Ich komme zu mir, aber ich sehe sie noch, sehe sie langsam entschweben. Der Schweiß bricht mir aus allen Poren. Ich hebe die Hände: "Habe Dank, liebe Mutter!" Ich bin noch allein, niemand hat etwas gemerkt. Ich sehe die Muttergottes nicht mehr, bin aber erschreckt, daß ich doch nicht allein bin. Eine Fremde, die von rechts an mich herantritt, spricht mich an: "Ist es Ihnen nicht gut?" – Ich darauf: "Es geht schon wieder." Sie: "Haben Sie das öfter?" – Ich: "Zeitweise, es kommt und geht." Sie: "Das sind aber keine natürlichen Zustände." Ich gebe keine Antwort darauf und denke, man will mich ausforschen, da kommen sie an die richtige Adresse. Sie aber, diese Frau, sagt erneut: "Sie glauben mir wohl nicht. Das hat die Muttergottes gesagt."

Ungläubig schaue ich sie an, gebe keine Antwort und denke: Das kann jeder sagen! Als wenn die Muttergottes jedem Neugierigen alles sagt, was dem anderen heilig ist. Die Frau merkt das wohl und sagt: "Damit Sie mir glauben, werden Sie gleich etwas sehen." Ich darauf: "Ich sehe gar nichts!" Indem ich das sage, sehe ich den Altar nicht mehr, sondern wunderbare Lichtgestalten – Jesus, Maria und Josef. Jesus ist zwölfjährig. In dem Augenblick sagt die Frau: "Jetzt aber, jetzt sehen Sie etwas!" Ich: "Ja, Jesus, Maria und Josef." Sie: "Das ist das Zeichen, das ich mir erbeten habe. Ist das nicht schön, daß wir uns hier vor dem Altar der Muttergottes gefunden haben? Ich gebe Ihnen meine Anschrift, wir werden uns schreiben, als Schwestern. Wir sind nicht allein. Hinter Ihnen kniet ein Lehrer, den dürfen wir auch einweihen."

Der Lehrer kommt hinzu und sagt: "Ich bitte um Ihre Adresse. Wir schreiben uns in der Liebe des Heilandes." Ich bin nun ganz verwirrt. Was sind das für Menschen? Was wollen sie von mir? Die Frau will meine Schwester sein; der Lehrer spricht vom Schreiben in der Liebe des Heilandes! Oh, das sind Spione! So etwas ist im Leben noch nicht an mich herangetreten. Ich möchte wissen, was ich in der Liebe des Heilandes schreiben soll? Muttergottes, hilf mir! Ich freute mich auf diesen Tag, nun aber möchte ich ihn verwünschen. Was soll ich tun? Was wollen die mit meiner Anschrift? Sind mir doch fremd. Ich habe doch Arbeit genug mit meinen zwölf Personen. Dann soll ich noch schreiben? Und was?

Da wird es hell. Ich sehe die Muttergottes, sie lächelt und sagt: "Bekenne! Du mußt!" Wie betäubt bin ich. Ich soll bekennen. Ich bete zum Heiligen Geist. Die Muttergottes sehe ich nicht mehr. Wie Licht kam es um mich, und ich sehe alles, was bisher niemand wußte. Das sollte ich nun preisgeben, das niederschreiben. Meine Zunge löste sich, und ich vertraute mich diesen Menschen an, die in mein Leben gestellt wurden am heutigen Tag. Ich gab nun dem Lehrer meine Anschrift, aber nach der seinen fragte ich nicht. Das interessierte mich in dieser Stunde noch nicht. War mir alles noch so fremd und neu. Sie verabschiedeten sich von mir.

Schwester Maria kommt wieder und sagt: "Es ist vier Uhr. Den ganzen Tag haben Sie nur ein Brötchen gegessen und kein Mittag. Jetzt wird es Zeit, daß Sie doch zum Kaffee etwas zu sich nehmen." Ich wundere mich, daß es so spät ist. Wende nun nichts mehr ein. Ist mir alles gleich und gehe mit zum Kaffee. Frau Wewerink, so heißt diese Frau, und der Lehrer sind auch wieder da. Frau W. ist von Dülmen. Ich denke, daß beide von dort sind und glaube, daß es wohl Heilige sind, weil sie doch solche Zeichen der Muttergottes bekamen. Ich weiß auch, daß es die Stadt ist, in der Anna Katharina Emmerick lebte. Sie sind vielleicht noch aus dem Emmerick-Haus? Beide sitzen bei mir.

Nun will ich doch noch essen. Ein Stückchen Kuchen. Maria W. fragt mich, ob ich die Gebete der hl. Birgitta kenne. Ich verneine. Sie liest sie mir vor, auch die Offenbarung. Darin ist eine Stelle, wo es heißt, daß Jesus 5.480 Geißelwunden an seinem Körper trug. Ich sehe ihn ja seit 1930 so oft an der Geißelsäule. Ich freue mich, bin aber betrübt, heute die große Zahl der Geißelwunden zu wissen. Indem Freude und Schmerz in mir sind, durchzieht ein schwerer Krampf meinen Körper. Ich sehe Jesus wieder an der Geißelsäule. Ich falle vom Stuhl. Man hebt mich auf. Ich verlange, in die Kapelle getragen zu werden. Man tut es. Man will mich auf Kissen betten. Ich sage: "Bringt mich zum Altar." Ich höre: "Das geht nicht in diesem Zustand." Eine andere Stimme: "Tut ihr doch den Willen." Als ich die Altarstufen berühre, löst sich der Krampf. Ich danke. Hinter mir sind Stimmen: "Beten Sie laut, wir wollen mitbeten." Ich tue es. Alle beten.

Frau Maria W. und der Lehrer verabschieden sich, weil sie mit der Bahn fortmüssen. Der Lehrer schenkt mir einige schöne Bilder und Gebetszettel. Wir gehen in den Saal zum Abendessen. Es ist sieben Uhr. Nun wollte ich am Abend recht gut essen. Ich nehme die Gabel, da verkrampft sich meine rechte Hand. Die Gabel entfällt mir. Mit Humor sage ich noch: "Wäre ich ein Jude, so dürfte ich nicht mehr essen, aber jetzt gerade werde ich es tun." Die Gabel entfällt mir wieder. Der ganze Körper ist im Krampf. Ich sehe Jesus wieder an der Geißelsäule. Eine Stunde liege ich so. Es ist acht Uhr, als ich zu mir komme. Ich habe keinen Mut mehr, zu essen. Zu Schwester Maria sage ich: "Ich habe keinen Mut mehr. Ich kann nicht alles sagen. Heim gehe ich jetzt." Sie sagt darauf: "Dann nehmen Sie drei Frauen mit, die Sie begleiten." Ich erwidere: "Ich kenne meinen Weg. Eine Stunde habe ich Zeit, dann bin ich wieder daheim. Habe vom heutigen Tag je zwei Engel bei mir. Da fürchte ich nichts. Daheim sind sie in Sorge um mich. Diese Zustände kommen oft Stunde um Stunde. Also gute Nacht!" Die Frauen gingen doch mit, aber an der Kirche schickte ich sie um. Daheim sprach ich nichts von dem Erlebten. Die Nacht verlief ruhig. Was soll aus mir noch werden?

 

Samstag, den 12. Oktober 1941

Heute ist ein Tag des Dankes. Ich stehe am Spültisch und singe: "Jungfrau, Muttergottes mein." Ein Licht hüllt mich ein. In dem Licht steht die Muttergottes und reicht mir einen Dornenkranz. Ich frage: "Was bedeutet das?" Sie antwortet: "Das ist das Geschenk des heutigen Tages. Du bist nun ganz mein Kind geworden."

 

Sonntag, den 2. April 1943

Ich leide heute für einen bedrängten Priester. Ich betrachte das hl. Antlitz. Es ist heute so zerrissen und blutig. Die Dornenkrone legt sich doppelt um Jesu Haupt. Die Schmerzen darf ich mitempfinden. Sie dringen ein bis in die Fußspitzen. Der ganze Körper zuckt in einem großen Schmerz. Dem himmlischen Vater opfere ich das hl. Antlitz auf für den Priester. Er leidet seelisch so sehr. Am Abend bete ich für ihn und bitte vor dem Herz-Jesu-Bild: "Herr, mache mit mir, was Dir gefällt. Hilf, göttliche Liebe, daß der Priester zu seinem Recht kommt." Jesus lächelt freundlich verklärt, und so weiß ich, daß Er helfen wird.

 

Samstag, den 3. April 1943

Muß heute mit Walter (jüngster Sohn, starb 1993) nach Siegburg zur Operation. Hat den Arm gebrochen. Solange mein Kind noch im Ätherrausch lag, hatte ich eine schöne Beschäftigung. Es war eine Anzahl Kranker da, die verunglückt war. Ich durfte Helfen beim Verbinden. Ich freute mich über die dankbaren Blicke. Um ein Uhr fahre ich mit dem Kind zurück. Ihm wird es übel. Daheim sage ich: "Höre mal, Walter, es ist jetzt Fastenzeit. Der liebe Heiland hat auch soviel leiden müssen. Du kannst jetzt auch etwas für Ihn tun. Du darfst einen Tag lang nichts essen. Opfere das und deine Schmerzen auf. Er wird sich gewiß darüber freuen." Das Kind erwiderte: "Ich weiß, daß der liebe Heiland 40 Tage gefastet hat. Da kann ich auch mal fasten und leiden für Ihn."

 

Sonntag, den 4. April 1943

Muß auch heute mit Walter nach Siegburg zum Krankenhaus. Ehe wir gehen, sagt er zu den Mädchen: "Ich darf aber etwas Schönes für den lieben Heiland tun. Ich darf für ihn leiden." Wir gingen zuerst in die hl. Messe in die Servatiuskirche und besuchten Jesus in der Kapelle des Krankenhauses. Nachdem der Arzt sein Gutachten abgegeben hatte, wanderten wir noch zur Annakirche. Die Mädchen hatte ich mitgenommen. Es war so eine schöne Predigt von Kelch und Hostie. Ja, so wird es sein und bleiben, bis der Herr wiederkommt. Wenn alles vergeht, Kelch und Hostie werden bleiben. Für ein Kind setze ich mich ein, das schon vier Wochen liegt, dem der Blinddarm geplatzt ist und alles vereitert. Es liegt hoffnungslos, aber ich habe Hoffnung. Das Kind mit seinem Leiden ist das Gegenopfer. Jesus wird gut sein.

 

Montag, den 5. April 1943

Eine große Verlassenheit ist in mir, so als wäre der liebe Heiland nicht mehr da. Wenn ich rufe und flehe, so steht Er gebunden vor mir. Ich darf wiederum diese Schmerzen mit Ihm tragen, die diese Stricke Ihm verursachen. Ich betrachte die Worte, die Bruder Heinrich mir schrieb: "Wir müssen alle den Kreuzweg gehen." Ja, wir gehen ihn. Wenn nur alle ihn richtig gingen.

Er teilt sich immer in zwei Gruppen. Der Schächer zur Rechten des Heilandes am Kreuz ging mit Liebe und Reue, der zur Linken mit Fluch und Spott. Das Paradies war nicht sein Endziel. So auch die Menschen unserer Zeit. Die auf der rechten Seite gehen gern den Kreuzweg. Mit Jesus halten sie aus, auch wenn am Ende der Tod steht, mag er noch so grausam sein. Ihnen winkt ja großer Lohn, die Freude des Paradieses.

Die zur Linken müssen auch den Kreuzweg gehen. Mit Fluch und Spott ergreifen sie das Kreuz und merken nicht, daß der Fluch auf sie zurückfällt. Ihr Lohn ist das höllische Feuer.

 

Donnerstag, den 8. April 1943

Jesus sagt mir: "Wie Ich, ist die Welt gebunden. Sie können sich nicht wehren. Müssen das über sich ergehen lassen." Es ist Abend. Große Sehnsucht kommt über mich. Jesus reicht mir Seinen hochheiligen Leib in großer länglicher Form. Maria zeigt dann ihren lieben Sohn. Die Armen Seelen kommen zur Anbetung. Sie bitten für die Kinder. Um zwei Uhr sehe ich den Garten der Heiligsten Dreifaltigkeit. Eine Blume steht da, die Maria, die Reine, darstellt. Sie ist so schön, daß ich es nicht beschreiben kann. Ein Röslein geht hervor aus dieser Blume. Die Rose wächst und wird gewaltig groß. Das Innere hat die Form einer Hostie. Rechts und links sind je sechs Blätter. Das ist die Kirche im Anfang. Dieses Bild wird mir noch näher erklärt.

 

Samstag, den 10. April 1943

Ich bin in Ittenbach bei der Schmerzensreichen und bete für den bedrängten Priester. Maria lächelt. Oh, sie wird helfen! Beim Kreuzweg erklärt Jesus besonders die 10. Station: "Ich wurde nicht gefragt! Entblößt stand ich vor Meinen Peinigern, der Schande und der Schmach preisgegeben. Nackt und arm werden die Kinder dieser Tage dastehen. Sie werden auch nicht gefragt, wenn ihnen alles genommen wird. Sie sind entblößt von allem. So wird es sich zeigen, wer noch weiter Mir folgt auf Meinem Kreuzweg. Die furchtbarsten Leiden wurden Mir zuteil, nachdem man Mir alles genommen hat. Darum seid bereit, es kommt bald!"

 

Passionssonntag, den 11. April 1943

Um 12 Uhr reicht Maria mir die Dornenkrone. Leide sehr. Opfere alles für den leidenden Priester. Abends um neun Uhr sehe ich das große Licht, von 12 kleineren Lichtern umgeben. Jesus, lieber Jesus, hilf Deinem Priester!

 

Mittwoch, den 14. April 1943

Sehe nach der hl. Kommunion das dornengekrönte Antlitz. Die Augen schauen so traurig. Ich darf mitleiden. In dem Augenblick spielt die Orgel: Oh, Haupt voll Blut und Wunden ...

 

Palmsonntag, den 18. April 1943

Darf mit Jesus Angst und Not leiden für die Kinder unserer Tage. Jesus sagt: "Sie, die Mich erst empfangen haben und Mir Hosanna zuriefen, die werden in großer Zahl sich von Mir abwenden. Die Kreuzigungsrufe werden in euren Tagen wieder neu erklingen. Bete, Meine Seele, und gedenke der Kinder."

 

Gründonnerstag, den 22. April 1943

Große Verlassenheit seit Sonntag. Ich gedenke der vertriebenen Priester, Schwestern und Ordensleute. Und der gefallenen Krieger. Ein wehmütiges Gefühl kommt über mich. Mit Jesus darf ich empfinden, was einst in seiner hl. Seele vorging. Am Tage vorher betete Er lange und bereitete sich vor auf das große, erhabene Opfer, das Er für uns Sünder darbringen wollte. Doch ergriff Wehmut Seine Seele. Mit Ihm darf ich hineinsehen in die Jahrtausende: "Werden die Menschen der Zeit sich Meiner immer erinnern? Werden sie an Mich denken, wenn Ich nicht mehr unter ihnen weile; welch großes Opfer hat Meine Liebe für sie gebracht?" In Seiner Allwissenheit beantwortet er diese Frage mit einem Nein. Er erhebt sich zum Gebet und ein freudig verklärter Glanz liegt in Seinen Zügen. Das sehen auch Seine Jünger, die mit Ihm zu Tische sitzen.

Nach der hl. Kommunion werde ich in den Abendmahlsaal versetzt. Die Zwölfe sehen sich erstaunt an. Der Herr ist heute so traurig und doch tut Er so geheimnisvoll. Sie verstanden Ihn nicht in allem, was Er tat; und daß Ihn einer von ihnen verraten würde. Es kam zu einem Streit, den Jesus schlichtete. Dann sehe ich sie still sitzen wie kleine Kinder, die auf etwas warten. Staunen liegt auf ihren Gesichtern, als Jesus sich vom Mahle erhebt und das Denkmal Seiner Liebe einsetzt. Dann erfassen sie, was Jesus tat. Ihr Staunen verwandelt sich in Freude. Demütig mit gefalteten Händen knien sie vor Ihm. Sie durften ja die Ersten sein, die Seinen hl. Leib und Sein hl. Blut empfingen. Es ergreift mich. Möchten doch alle mit solcher Liebe und Andacht Jesus empfangen wie die Apostel. Bitten wir sie, und sie werden uns eine große Andacht und Liebe erflehen.

Eine große Freude habe ich auf dem Heimweg. Eine Frau gesellt sich zu mir und sagt, daß ihr Mann gelobt habe, wieder zur Kirche zurückzukehren. Er habe etwas erkannt, als er in einer Nacht in großen Schmerzen lag. Welch eine Freude! Schon lange bete ich für ihn. Ich gehe in mein Zimmer, und als ich das Kreuz erhebe und den Bannspruch bete, kommt der Nachbar vorbei und bleibt sinnend unter meinem Fenster stehen. Er geht weiter, als mein Gebet zu Ende ist. So will ich noch mehr tun für ihn, daß bald die Gnadenstunde schlägt.

 

Karfreitag, den 23. April 1943

Armseligkeit und Schwäche umgibt mich. Ich will wachen und schlafe ein. Um zwei Uhr wache ich auf und hole das Versäumte nach. Um fünf Uhr lese ich die Leidensgeschichte. Dabei werde ich in den Ölgarten versetzt. Schmerz durchzieht meine Glieder. Judas naht und küßt den Herrn. Liebevoll sieht ihn der Heiland an. Judas Seele ist aber für die Gnade nicht mehr empfänglich. Sie feilschen um Geld und andere vergängliche Dinge. Jesus und Seine Lehre kennen sie nicht. Das sieht Jesus. Er läßt die Soldaten aufstehen und sich fesseln. Große, unendliche Liebe.

Ich gehe zum Gottesdienst. Meine Begleiterin ist die hl. Maria Magdalena. Einen Blick läßt sie mich tun in die Vergangenheit. Sie ist im Gebet versunken. Da schreckt Pferdegeklirr und lautes Geschrei sie auf. Sie geht zum Fenster und sieht einen langen Zug von Menschen, die sich seltsam benehmen. Mit einem Male steht sie wie eine Bildsäule. Einen Menschen sieht sie, der Hauptperson in diesem Zug ist. Oh, Er ist fast kein Mensch mehr, so entstellt sieht Er aus. Auf Seinen Schultern trägt Er die Kreuzesbalken. Blutbefleckt ist Sein Gewand und Stricke hat Er um seinen Leib. So schleppt Er sich mühsam weiter. Da, auf einmal erkennt sie Ihn. Sie stürzt zum Haus hinaus, Ihm nach. Den Händen der Peiniger will sie Ihn entreißen. Doch sie kommt nicht hindurch. Sie sind rauh und wild, und man stößt sie immer wieder zurück.

Sie sucht einen anderen Weg. Ehe sie ihr Ziel erreicht, ist geschehen das Grausamste, das je die Erde gesehen hat, der Gottesmord. Am Kreuz sieht sie Ihn hängen, ihren Herrn und Meister. Klagend und weinend bricht sie unter dem Kreuz zusammen. Zu Füßen des Gekreuzigten ruft sie aus: "So muß ich Dich finden, mein Geliebter! Ich, die Sünderin, hätte dieses verdient. So leidest Du nun diesen Tod für mich, für uns und unsere Schuld." Sie weint und achtet nicht auf das Blut Jesu, das aus Seinen Wunden auf sie fließt. Sie bleibt da und verläßt Ihn nicht.

Ich bin an der Kirche angelangt. Sie sagt: "Wie immer die Zeiten sein mögen, und wenn auch noch so groß der Abfall vom Heiland ist, so bleibe du Ihm treu. Folge Ihm, wie ich Ihm gefolgt bin. Er wird auch dich beglücken und erfreuen, wie Er auch an mir getan."

In stiller Wehmut knie ich im Gotteshaus. Jesus erscheint. Ich darf wieder die Dornenkrone tragen. Am hl. Grab weile ich mit den Kommunionkindern. Mit Jesus fühle ich die Verlassenheit.

Nach dem Kreuzweg am Abend halte ich noch eine stille Stunde am hl. Grabe. Da geschieht etwas Seltsames: Die toten Augen scheinen den letzten Blick auf mich zu werfen. Ich erschauere, aber ich mußte doch immer wieder hinsehen. Ja, für mich, für uns alle, starbst Du, Herr. Da sehe ich einen verklärten Zug in den Augen. Eine Wunde nach der anderen glänzt wie Edelstein. Einen Augenblick steht die Schmerzensreiche zur Seite. Dann ist es wieder still und traurig.

 

Karsamstag, den 24. April 1943

Freudig eile ich zum Gotteshaus. Heute darf ich Ihn, den meine Seele liebt, wieder in meine Seele aufnehmen. Osterfreude ist in mir, aber noch mit Wehmut gemischt. Nach der hl. Kommunion sehe ich ein Grab mit Blumen bedeckt. Ich schaue hinein und sehe Jesus darin liegen. Ich frage: "Herr, was bedeutet das?" Er spricht: "Gleich wie Ich Weihnachten in der Krippe der Herzen liegen will, so auch heute im Grabe des Herzens. Es ist das Grab deines Herzens. Der Priester hat Mich nun hineingelegt. Die Blumen sind alle die Opfer der Liebe und Entsagung, der Demut und der Reue. Die schönsten Blumen sind die Leidensblumen. Wenn ein Herzensgrab so geschmückt ist, da ruhe Ich gern bis zum Ostermorgen. Nun halte die Totenwache bis zur Auferstehung."

Stille Wehmut ergreift mich wieder. Die hl. Engel rufe ich, um mit mir Totenwache zu halten. Nun ruhst Du still und allein in meinem Grab, o mein Jesus. Ich weine und halte die Wacht bis zum Ostermorgen. Darf ich, Herr, Dich dann glorreich sehn, ich, die Sünderin, ich, die Magdalena?

 

Ostern, den 25. April 1943

Versetzt werde ich, wo der Herr glorreich auferstand. Ein neues Felsengrab steht vor meinen Augen. Ein großer, schwerer Stein bedeckt den Eingang. Die Wache geht auf und ab. Auf einmal sinken sie hin. Aus dem Inneren dringt ein großer Lichtstrahl, der die Wächter trifft. Sie versinken in einen tiefen Schlaf. Der Engel der Menschheit Jesu durchschreitet sie und macht den Eingang frei. Das Totengemach ist erhellt von der Herrlichkeit, die von Jesus ausgeht. Noch sehe ich Ihn nicht. Nur die Leichentücher liegen. Nur der Engel sitzt auf einem Stein. Da wachen die Schläfer auf und fliehen. Ich wache auf.

Freitagabend sah ich das Kind am Fester sitzen, dem der Blinddarm geplatzt war. So kann es doch Ostern daheim feiern. Ich segne es und bitte weiter für seine Genesung. Ich bin im Levitenamt um zehn Uhr. Nach der Kommunion steht Jesus verklärt vor mir. Er segnet mich. Ich bitte um Segen für meine Familie und alle meine Brüder und Schwestern. Die Wundmale leuchten.

 

Freitag, den 30. April 1943

Eine große Sehnsucht ist in mir. Die Welt möchte ich verlassen, möchte zu meinem Heiland. Er sah wohl das Sehnen meines Herzens. Er ist bei mir und zeigt mir Seine leuchtenden Wunden. Um sechs Uhr zeigt Jesus mir Seine Herzenswunde. Sie ist so schön. Der Sonne Glanz verblaßt vor diesem Strahlenmeer. Ich sehe aber einen dunklen Punkt. Ich bitte: "Herr, was bedeutet dieser Punkt?" Jesus spricht: "Das ist doch die Stelle, wo die Lanze Mein Herz durchbohrte. Es ist der Eingang zur Quelle. Der Eingang ist die Seitenwunde. So sprudelt die Quelle, so muß sie auch geöffnet sein. Longinus war Mein Werkzeug. Er öffnete die Stelle für euch, damit ihr schöpfen könnt aus dieser Quelle. Seit dieser Stunde steht sie offen für euch." Einen Augenblick sehe ich Longinus, dann ist alles fort.

Anmerkung des Herausgebers: Diese Aussage des Herrn ist ein deutlicher Hinweis auf seine Lehre von der Barmherzigkeit, wie Er sie an die hl. Schwester Faustine vermittelt hat. Durch Papst Johannes Paul II. wurde bei der Heiligsprechung von Schwester Faustine der Sonntag der Barmherzigkeit für die ganze Kirche zur Feier am ersten Sonntag nach Ostern verkündet. Kurz nach der Heiligsprechung erschien im Clausen-Verlag das Buch von Pfarrer Dr. Andreas Witko: Die hl. Schwester Faustine und ihre Aufgabe. Der polnische Autor überreichte dem Papst das Buch in Rom.

 

Samstag, den 1. Mai 1943

Nun ist der schöne Mai gekommen. Ich sehe Maria, die lächelnd hernieder schaut. Ich bitte um Segen für morgen, für die Erstkommunikanten. Der Tag ist heute so schön, aber ich denke an die vielen Sünden, die heute begangen werden.

 

Dienstag, den 4. Mai 1943

Ich sehe Afrika, auch Stalingrad. Sehe soviel Blut fließen durch den Führer Adolf Hitler. Habe auch, so oft ich den Tag für ihn hielt, durch irgendein Hindernis nie eine hl. Messe und die hl. Kommunion bekommen. Ich frage nun Jesus, woran das liegt. Er sagt: "Schau!" Ich schaue, als sehe ich Golgotha. Der Herr ist gliedweise gekreuzigt. Ich sage: "Herr, so bist Du doch nicht gekreuzigt worden." Er sagt wieder: "Schau!" Da sehe ich Adolf Hitler und unzählige Scharen seiner Anhänger unter dem Kreuz. Jesus sagt: "Siehe, so kreuzigen Mich diese!" Ich: "Dann, Herr, sind sie Feinde des Kreuzes. Deine Feinde sind auch meine Feinde. Herr, ich bitte Dich, rotte sie aus! Nimm ihnen die Macht!" Ich bete den Exorzismus über den Führer und seine Anhänger.

 

Mittwoch, den 5. Mai 1943

Unerwartet steht Mutter Anna Hillker in der Tür. Ich habe sie gleich liebgewonnen. (Sie war die Haushälterin von Abbé Vachére in Mirebeaux in Frankreich, der durch die blutenden Christus-Bilder in die Geschichte der Mystik einging und in den Tagebüchern von Maria Magdalena eine bedeutende Rolle spielt.)

Um sieben Uhr sehe ich den lieben Heiland. Erst erkenne ich Ihn nicht. Leise sagt er: "Maria Magdalena." Da erkenne ich Ihn an der Stimme. "Siehe, Meine linke Hand, mit Meiner Rechten habe ich euch da hineingeschrieben. Sie führt zum Herzen, wo ihr Ruhe findet für eure Seelen. Große Unruhe wird kommen ob des großen Sterbens der Kinder. Wie man Mich nicht kennt, kennt man auch den Tod nicht, der durch die Reihen geht. Es dürfen nicht alle verloren gehen. Am Feste der Unschuldigen Kinder werden viele Kinder für Mich sterben."

Um neun Uhr wird mir eine Maschine gezeigt, die viele hinwegrafft, besonders Kinder. Ich bete für die Peiniger und bitte Jesus um die Kreuzesleiden.

 

Donnerstag, den 6. Mai 1943

Heute ist ein großer Tag. Mutter Anna Hillker zeigt mir große Heiligtümer. Es sind die blutenden Herz-Jesu-Bilder, wohl 20 verschiedene Blutungen. Es sind die Altartücher, die bei der Konsekration von Abbé Vachére mit Blut getränkt wurden und andere Tücher, mit denen er das Blut abtupfte oder wo das Blut in Strömen über die Decken des Altares floß.

 

Sonntag, den 9. Mai 1943

Treffe heute hochw. Pater Heider. Ich grüße, er sieht vorbei. Gestern habe ich besonders für ihn gebetet. Ich frage den Heiland: "Was tat ich dem Priester, daß er mich wie Luft behandelt? Ich weiß, daß er gegen mich ist. Das tut weh, Herr, doch ich will es tragen." Jesus sagt: "Du bist ja ein Opfer für die Priester. Dessen Opfer du bist, durch dessen Verachtung mußt du gehen. Mußt auch leiden durch sie und für sie. Verlange nicht, gesucht zu werden. Es kommt aber eine andere Zeit. Da wird man dich suchen. Lasse dich aber nicht suchen und finden. Hat man Mir Glauben geschenkt? So wird man auch dir keinen Glauben schenken. Ich allein genüge dir."

Um zwei Uhr auf dem Kirchgang begleiten mich Maria und Josef. Jesus gibt mir Frau Hillker heute als Mutter Anna. Ich habe wieder eine Mutter. Tausend Dank, Herr!

 

Montag, den 10. Mai 1943

Heute kommt meine Schwester Maria aus Dülmen. Sie bringt mir eine Blume mit, den Christusdorn. Jesus will, daß diese Blume in einen Totenkranz eingeflochten werden soll.

 

Mittwoch, den 12. Mai 1943

Mein Theo muß heute wieder fort. Der Urlaub ist zu Ende. Ist ein schwerer Leidenstag heute. Gestern durfte ich nach Afrika schauen. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist sehr groß. Unter vielen sehe ich einen, der im Sterben liegt. Ich darf ihn segnen. Mein Blick geht weiter. In Oberpleis sehe ich eine weiße Kapelle stehen, die ein spitzes Türmchen hat. Eine Wallfahrtsstätte wird erstehen. Ich sehe viele Kranke und Krüppel.

(Anmerkung des Herausgebers: Dies ist der erste Hinweis auf die mit Oberpleis verbundene Offenbarung von Maria als der Christusbringerin. Dabei handelt es sich um eine Endzeitprophetie. Nach einem neuen Krieg in Europa wird die Gottesmutter zusätzlich zu ihren bekannten Heiligtümern in Deutschland noch andere einrichten, bei denen sich die Überlebenden sammeln werden. Einer dieser Orte wird Oberpleis sein, ein anderer Hausen am Bussen in Baden-Württemberg. Beide Orte und ihre Geschichte werden von Maria Magdalena in den Tagebüchern immer wieder erwähnt. Darum haben wir mit Nachforschungen begonnen und haben – dank Gottes Gnade – erstaunliche Entdeckungen gemacht.)

 

Sonntag, den 16. Mai 1943

Mache in Ittenbach einen Krankenbesuch. Muß noch viel beten. Abends sehe ich die Maienkönigin. Sie segnet alle, besonders die Kranken. Sie reicht mir den Leidenskelch, angefüllt mit kleinen Blumen und scheinbar wertlosen Kleinigkeiten. Es ist das, was die Welt nicht beachtet, aber wertvoll ist vor Gott. So wollen wir wetteifern in der Liebe Gottes.

Ein wunderbares Erlebnis hatte ich heute früh in unserer Pfarrkirche. Zwei Vögel hatten sich eingeschlichen. Sie zwitscherten und machten viel Lärm. Mir tat der Priester leid. Ich betete zur Muttergottes, daß die Störung aufhöre. Der Priester singt die Präfation. Ein wunderbarer Vogelgesang begleitet ihn. Schöner konnte der Lobgesang nicht sein. Dann verstummen die Sänger. Bis zum Schluß der hl. Messe bleiben sie stumm. Sie umfliegen nur still den Altar. Beim "Deo gratias" geben sie noch einen Ton ab, als wollten sie sagen: "Gott sei Dank!" Dann verlassen sie in einem Flug die Kirche. Die kleinen Tiere fühlen sich in der Gegenwart des Herrn. Wie beschämend ist das für die Menschen. Die Tiere verstummen und so viele verspüren nichts im Gotteshaus. Jesus selbst machte mich darauf aufmerksam: "Siehe hin, wie sie Mich verherrlichen!"

Die Gottesmutter wünscht, daß sie in dem Bild mit dem geneigten Haupt noch mehr verehrt wird.

 

Dienstag, den 18. Mai 1943

Ich sitze um vier Uhr am offenen Fenster. Die Kinder sind bei mir. Ich sehe Blätter fallen, als wären es weiße Rosenblätter. Sie fallen in meinen Garten. Zu den Kindern sage ich: "Seht doch einmal, was da für seltsame Blätter fallen!" Sie fragen: "Wo denn? Wir sehen nichts." Als ich ihnen zeige, wo sie hinfallen, sagen sie, sie sähen nichts. Viermal wiederholt sich das Spiel. Was soll das wieder bedeuten?

 

Mittwoch, den 19. Mai 1943

Heute sehe ich die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Sie sagt: "Ich will dir helfen. Ich warf gestern die Rosenblätter. Sie sind ein Zeichen der Liebe." (Als Zeichen seiner Liebe ließ Christus für die "kleine hl. Theresia" Rosenblätter fallen.)

 

Donnerstag, den 20. Mai 1943

Ein Brief aus Gelsenkirchen bezeugt, daß durch das blutende Herz-Jesu-Bild (von Abbé Vachére) die Familie van den Boom im Luftschutzkeller wunderbar geschützt wurde.

 

Dienstag, den 25. Mai 1943

Ich knie vor der Muttergottes. Das Jesuskind zeigt so ernste Züge. Auf meine Frage spricht es: "Siehst du die vielen Kinder eurer Tage, die man von Mir fernhält? Für sie litt Ich schon als Kind, als Ich nach Ägypten floh. Sie, die nun heute auch fliehen müssen, für sie litt Ich. Ich wollte aber nicht umsonst leiden. Darum müssen viele sterben, damit der böse Feind keine Gewalt über sie hat. Sie werden Mich begleiten am Ende der Tage, wenn Ich komme, Gericht zu halten. Unerklärliche Krankheiten werden ausbrechen. Bei denen stehen die Ärzte vor Rätseln."

Am Abend um 19.30 Uhr steht Maria vor mir. Sie trägt ein rotes Gewand, leicht gegürtet mit einer Kordel. Sie trägt eine neunzackige Krone. Auf der Mitte ist ein Herz in Gold gefaßt. Sie sagt: "Das Herz ist die Liebe. Ich bin die Königin der Liebe. Größer unter den Menschen hat keiner meinen Sohn geliebt als ich. Die neun Zacken bedeuten die Chöre der Engel. Ich bin ja die Königin der Engel. Das rote Gewand trage ich für die Märtyrer unserer Zeit, deren Königin ich auch bin." Sie entschwebt.

 

Montag, den 31. Mai 1943

Ich sehe Maria während der Andacht. Ein Strahlenmeer umgibt sie. In einer Hostie, die auch von Strahlen umgeben ist, zeigt sie den Heiland. Dann entschwebt sie.

 

Mittwoch, den 2. Juni 1943

Mache eine Wallfahrt nach Heisterbacherrott zum hl. Judas Thaddäus. Nachdem ich mit der Reliquie gesegnet bin, sehe ich das göttliche Herz voller Blut, von vielen Schwertern durchbohrt. Durch Blut und Schwerter dringen wieder die wunderbaren Strahlen. Ich frage nach der Bedeutung. Jesus spricht: "So durchbohren heute die Menschen Mein Herz, daß das Blut nicht aufhört zu fließen. Viel größer als alle Schmach ist die Liebe, die aus Meinem Herzen kommt. Die Strahlen der Liebe sind so groß, daß sie Blut und Wunden durchdringen." Maria naht und kniet vor dem durchbohrten Herzen. Die Strahlen des heiligsten Herzens hüllen sie ganz ein. Sie dringen hin zu uns. In dem Augenblick singt der Chor: "Nur für Jesus allein laß ein Sonnenstrahl mich sein."

 

Dienstag, den 8. Juni 1943

Ich knie vor dem Bild unserer Lieben Frau mit dem geneigten Haupt. Die Bitten des Tages lege ich nieder. Ich sehe das Bild wachsen zu einer Größe von einem Meter. Weit wird mein Zimmer. Es kommen Kranke, Arme, Schwache, große Sünder, Väter, Mütter, Greise, Kinder und so viele Notleidende. Mit gehobenen Händen stehen sie vor dem Bild. Immer und immer wieder neigt Maria ihr Haupt. Auf den Gesichtern der Hilfesuchenden, die von dannen ziehen, liegt ein heiliger Frieden. Plötzlich steht Jesus über dem Bild. Er spricht: "Mein Herz wird weit und voller Erbarmen, sobald einer Meine Mutter in diesem Bilde verehrt. Es rührt Mich, wenn sie immerfort ihr Haupt neigt und die Bitten der Notleidenden annimmt."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 11. Juni 1943

Nach der hl. Kommunion sehe ich das göttliche Herz, geteilt in eine rechte und eine linke Seite. Es ist blutleer, wie einst am Kreuze. Ich bitte um Erklärung. Jesus spricht: "In der rechten Seite Meines Herzens ruhen, gleich Johannes, alle reinen und gerechten Seelen. Sie genießen mit Mir die Wonnen und Freuden Meines Herzens. Die linke Seite ist der Zufluchtsort der Sünder. Wenn sie den Weg zu Meinem Herzen gefunden haben, so gelangen sie durch die Seitenwunde zu diesem Ort des Friedens." Dann blutet das göttliche Herz. Strahlen dringen durch das Herz hinab ins Fegefeuer. Hell wird der Ort und viele Seelen gehen gereinigt zu den ewigen Freuden.

Wird viel gesühnt im Herz-Jesu-Monat, so gelangen viele Arme Seelen ins himmlische Vaterland. Weiter gehen Strahlen in die Hölle. Der Ort zittert und bebt. Die Qualen der Verworfenen werden größer ob dieser Herrlichkeit.

Maria spricht: "Das göttliche Herz ist auch eine Sparkammer. Die Wunde ist der Einwurf, wo ihr alle Nöte und kleinen Opfer einwerfet. Sie tragen dort hundertfache Zinsen, die euch die ewigen Güter vermehren." Auf einmal kommt es wie Angst über mich, so als zeige mir der böse Feind Trugbilder. In dieser Not bitte ich um Hilfe. Da sehe ich eine Monstranz auf lichten Wolken, darin das göttliche Herz in strahlender Schönheit. Engel nahen in goldenen Gewändern. Sie fallen auf ihr Angesicht.

 

Donnerstag, den 17. Juni 1943

Habe Sehnsucht und Verlangen nach dem Himmel. Nach der hl. Kommunion sehe ich nichts, aber eine Stimme höre ich: "Du kannst noch nicht aufgelöst werden. Du mußt noch andere Opfer bringen. Kannst du jetzt die Jünger verstehen, als der Herr von ihnen schied? Groß war ihre Sehnsucht. Leide mit ihnen und sie bitten für dich."

 

Freitag, den 18. Juni 1943

Ich stehe am Fenster, es ist neun Uhr. Ich grüße Jesus von Ferne. Da sehe ich die Apostel. Sie reichen mir die Hand: "Komm mit uns zur Mutter." Weiter sagen sie: "Als der Herr nicht mehr bei uns war, da erst erkannten wir, wie gut es war, daß er diese Seine Mutter auch uns zur Mutter gegeben hat. Zu ihr gingen wir, die großen Männer, und suchten Trost. Bei ihr schwanden die trüben Gedanken. Zusammen im Gebet vereint, warteten wir auf die Gnade, da wir Stärke und Kraft durch den Heiligen Geist erhalten wollten."

 

Samstag, den 19. Juni 1943

Die Sehnsucht ist noch größer. Ich rufe: "Lieber Heiland, holst Du mich oder bin ich noch nicht würdig?" Nach der hl. Kommunion zeigt mir Jesus eine große Herde und spricht: "Für diese mußt du noch sühnen und opfern." Er zeigt mir Kranke und Hilflose. Er schenkt mir eine Kinderseele und sagt: "Bitte besonders für dieses Kind!" Dann sehe ich nur Gesichter, verzweifelt, vergrämt, hilfesuchend und verlassen.

 

Pfingstsonntag, den 20. Juni 1943

Erneuerungstag haben wir heute, weil der Bischof im vergangenen Jahr an diesem Tag die hl. Firmung spendete. Ein Kind kniet zwischen zwei Erstkommunikanten. Es hat heute seinen Kommuniontag, weil es am Weißen Sonntag krank war. Nach der hl. Kommunion sehe ich die Apostel im Halbkreis in weißen Gewändern. Über ihnen in strahlender Schönheit die Immaculata. Durch eine lichte Wolke bricht der Strahlenglanz der Gottheit. Maria hält segnend die Hände über mich, auch die Apostel. Diese sprechen: "Empfange den Heiligen Geist." Ich bitte um die Gaben des Heiligen Geistes für alle.

 

Dienstag, den 22. Juni 1943

Ich knie vor dem Antoniusaltar und sage zum Jesuskind: "Wie konntest Du es zulassen, daß die Schwestern in Düsseldorf im Annakloster so schwer heimgesucht wurden?" Das Jesuskind sagt: "Sie wollen doch heilig werden. Dann müssen sie auch so arm werden wie Ich. So tragen sie in Wirklichkeit erst Meinen Namen."

 

Mittwoch, den 23. Juni 1943

Ich knie vor dem Marienaltar. Weil Maria betrübt schaut, frage ich nach dem Warum. Sie spricht: "Gottes Zorn ist entfacht über die Mütter und Frauen der jetzigen Zeit. Einst, auf dem Kreuzweg, sprach mein Sohn: 'Weinet nicht über Mich, sondern über euch und eure Kinder.' Sie werden weinen und wehklagen über ihre Kinder, aber niemand wird helfen. Sie wollten keine Kinder und schieben dem Schöpfer die Schuld zu. Er macht sie nun frei und nimmt ihnen alles, was für sie eine Lust ist. Wenn keine Häuser mehr sein werden, die die Kinder aufnehmen, dann werden sie hinsehen müssen, wie die Kleinen sterben, ohne ihnen zu helfen. Ihre Engel aber freuen sich, daß sie zugezählt werden zu denen, die dem Lamm folgen."

 

Dreifaltigkeitssonntag, den 27. Juni 1943

Vertieft bin ich in das große Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit. Es überwältigt mich so, daß ich rufe: "Halt ein, o Herr, das ist zuviel für meinen kleinen Verstand!" Eine Stimme spricht: "Was dir gegeben wird, das schreibe nieder. Es ist für die Zukunft. In jenen Tagen, da die Drangsal auf der Erde größer wird, werden die Menschen nach Gott und Seinen Geheimnissen verlangen. Um der Gerechten willen hat der Herr aus dem Volke Seelen bestimmt, die Zeugnis von Ihm ablegen." Maria zeigt mir den Herrn im Grabe. Lange schaue ich auf die friedlichen Züge des Herrn. Dann frage ich: "Liebe Muttergottes, was hat dieses Bild mit dem Dreifaltigkeitssonntag zu tun?" Es wurde mir nichts gesagt.

 

Montag, den 28. Juni 1943, St. Aloisius

Alle Kinder stelle ich unter seinen Schutz. Heute sehe ich das Geheimnis klar. Über Jesu Grab steht eine Wolke, weiß, aber schwarz umflort. In Gestalt einer Taube schwebt der Heilige Geist unter der Wolke. Strahlen gehen von Ihm aus. In der Mitte aber sind die Strahlen schwarz. Das ist schwer verständlich. Stunde auf Stunde wird mir dieses Bild weiter erklärt: Der Heiland liegt im Grabe. Sein Opfer ist vollbracht. Sein Vater, der Seinen geliebten Sohn für uns dahingegeben hat, konnte Ihn nicht allein im Totengemach lassen. In einer Wolke stieg Er hernieder und hielt die Totenwache. Unter der Wolke ist der Heilige Geist. Die Glut Seiner Strahlen dringen ein in das Herz Jesu. Vereint mit dem Vater und dem Heiligen Geist erhebt sich der Sieger über Leben und Tod und geht glorreich aus dem Grabe hervor.

Die schwarzen Strahlen von der Mitte ab sind das Zeichen der Trauer. Um zwei Uhr am Nachmittag grüßt mich der hl. Aloisius. Er zeigt mir Kreuz und Totenkopf mit den Worten: "Denke daran, vergiß es nicht!"

(Es handelt sich um den hl. Aloisius von Gonzaga, Mönch SJ, geb. 9. März 1568, gest. 21. Juni 1591 in Rom, der sein kurzes Leben den Schwerkranken widmete. Steckte sich bei der Pflege der Pestkranken an. Er wird häufig dargestellt mit den Attributen der Lilie, des Kreuzes und des Totenkopfes).

 

Dienstag, den 29. Juni 1943

Ich sehe das Geheimnis weiter. Jesus lag im Grabe als Sinnbild der Opferung. (Heilige Messe) Vor dem Herz-Jesu-Bild bete ich für das Vaterland. Der Herr schaut betrübt und spricht: "Die gottlosen Städte werden ausgelöscht. Zum Himmel rufen die Menschen um Erbarmen. Der Herr hört nicht auf ihr Flehen. Sie wollten Ihn nicht kennen, Er kennt sie auch nicht. Sie bauten auf ihre Kraft, und mit dieser Kraft versinken sie."

 

Mittwoch, den 30. Juni 1943

Bei der hl. Wandlung wird das Geheimnis weitergegeben. Im Grabe liegt das Opfer. Die Liebe des Vaters steigt hinab zum Sohn. Der Geist der Liebe geht vom Sohn aus, der als Gott nicht sterben konnte. Die Strahlen durchdringen Jesus. Wie Rubine leuchten die Wunden. In Herrlichkeit geht Er aus dem Grabe hervor. Heilige Wandlung. Vorbild der Heiligen Messe. Opferbrot liegt auf dem Altar. Bei der Opferung lebt es noch nicht. Der Priester bittet den Vater, daß er den Geist senden möge. Durch den Heiligen Geist und die Worte des Priesters kommt Leben. Es wird der Leib des Herrn. Auch hier ist die Heiligste Dreifaltigkeit. Jede Stunde werden die Bilder schöner. Über dem Ganzen schwebt frei eine Krone.

 

Donnerstag, den 1. Juli 1943, Fronleichnam

Schön war wieder unsere Prozession. Jesus wird sich gefreut haben über die Huldigung der schlichten Menschen. Wohl ist der Raum begrenzt. Der Herr muß den Platz räumen vor Seinen Geschöpfen. Er darf nicht mehr segnend durch die Fluren und Felder ziehen. Er ist ein Verkehrshindernis geworden. Einen Platz bei den Toten gab man Ihm. Sie aber standen in weißen Kleidern in großer Zahl und gaben Ihm das Geleit. Als das Evangelium vom hl. Matthäus verlesen wurde, stand Er da und mit Ihm eine Schar in weißen Kleidern. Männer waren darunter mit ehrwürdigem Aussehen und langen Bärten. Ich dachte: Wer mögen diese sein? Matthäus kommt näher und sagt: "So wisse denn, es sind jene, die 4000 Jahre auf den Erlöser warteten."

Immer größer wurde die Schar bei jeder Station. Beim Johannesevangelium kommen Engel aus allen Chören, Priester und Heilige in weißen Gewändern. Sie huldigen dem Herrn im Sakrament. Abseits steht eine andere Schar mit geballten Fäusten. Sie können nicht herüber, weil eine Kluft sie trennt. Ein Strahl des Herrn trifft sie aus der Monstranz. Der Boden entweicht unter ihren Füßen und der Abgrund verschlingt sie.

 

Freitag, den 2. Juli 1943

Vor meinem geistigen Auge steht eine große Hostie, gleich einer Sonne im Strahlenglanz. Ich höre eine Stimme: "So warte Ich Tag und Nacht. Verlassen bin Ich. Die Menschen der neuen Zeit brauchen die Sonne des Lebens nicht mehr. Sie schämen sich Meines Zeichens, des hl. Kreuzes. Zertreten und blutig liege Ich am Boden. Achtlos schreitet man über Mich hinweg. Ein anderes Zeichen tragen sie und geben göttliche Ehre dem, dessen Zeichen sie tragen. Auslöschen werde Ich ihre Namen aus dem Buch des Lebens. Wo ist die Befolgung des ersten Gebotes Du sollst den Herrn deinen Gott anbeten und Ihm allein dienen. Gottesblut tränkt die Erde und erfordert Sühne. Daher werden die Frevler vernichtet und ihr Blut tränkt auch die Erde. Wer eingeschrieben steht im Herzen Jesu, der kommt hindurch durch die Zeit der großen Drangsale." Abends in der Andacht sah ich in der Monstranz die heilige Hostie doppelt. Die obere war kleiner zur unteren. Die untere war ganz schwarz. Auf dem Heimweg spricht der Engel: "In der kleinen Hostie siehst du, wie klein der Glaube an den verborgenen Heiland ist. Die schwarze, die große Hostie bedeutet den großen Unglauben. So schwarz wie die Seele der Ungläubigen ist, so schwarz sehen sie auch dieses Geheimnis. Sie glauben nicht und erkennen nicht den, den der Vater für uns gesandt hat. Sie erkennen nicht die göttliche Liebe, die Tag und Nacht bei uns weilt."

 

Dienstag, den 6. Juli 1943

An dem Fest liege ich von zwei bis fünf Uhr in einem ohnmachtähnlichen Zustand. Habe beim Erwachen große Schmerzen in allen Gliedern. Drohe zu ersticken. Um sieben Uhr erklärt mir St. Petrus diesen Zustand: "Ich lag gefesselt im Gefängnis, daß mich die Glieder derart schmerzten, daß ich ohnmächtig wurde. In diesem Zustand trat der Engel des Herrn zu mir und löste die Ketten."

 

Mittwoch, den 7. Juli 1943

Ewige Anbetung ist heute. Als ich nach der Betstunde der Schwestern und des 3. Ordens heimgehen will, spricht des Engels Stimme: "Da du das Opfer für die Kinder bist, so bleibe auch in dieser Stunde." Auf dem Heimweg kommen wieder die Weißen Väter in ihren weißen Gewändern. Heute haben alle ein Kreuz, worüber ich mich wundere. Sie aber sprechen: "Wie glücklich wären wir gewesen, wenn wir in unserer Zeit den Trost des Kreuzes gekannt hätten. Die heutige Welt aber schmäht und verachtet das Kreuz, durch das wir alle erlöst wurden. Weil sie dieses Zeichen nicht mehr wollen, noch anerkennen, so werden sie sich selbst überlassen sein. Wir aber ziehen mit St. Michael mit dem Kreuz voran, als Streiter Gottes."

Ernst werden ihre Züge und sie sprechen weiter: "So wisset, warum Kirchen und Dome zerstört werden. Dunkelheit ist über die Erde gekommen, weil man die großen Lichter auslöschte. Diese Lichter sind alle die Priester, die man vertrieb, die man tötete um des göttlichen Wortes Willen. Der Herr ist erzürnt, daß man ihre Häuser und Klöster schändete. Der Heiland will nicht mehr wohnen in ihrer Mitte. Darum läßt er zu, daß die großen Kirchen und Dome zerstört werden. Die Kirchen und Dome werden von den Kindern der Welt nur als Kunstbauten betrachtet und bewundert. Er aber, der Herr, der wohl der größte aller Künstler ist, will keine leeren Kunstbauten haben, Er will in Demut und Liebe angebetet werden von den Kindern der Welt. Er will verherrlicht werden. So wird man kleine Kirchlein suchen und selbst dort ganz klein werden, um dem großen, unendlichen Gott die Ehre zu geben, die Ihm gebührt."

Sie beten mit mir wie am Sonntag. Maria und Josef, Engel und Heilige kommen auch.

In der Nacht zwischen drei und vier Uhr sehe ich eine große Not, die sich über die Erde ausbreitet. Ein großes Sterben entsteht unter dem Vieh. So werden die Züchtigungen größer, weil auf die Stimme Gottes noch immer nicht gehört wird. Während der Heiligen Messe am anderen Tag sehe ich an den unteren Stufen des Altares blutend und zertreten das Lamm Gottes. Auf dem Altar steht strahlend eine Monstranz, die von betenden Engeln umgeben ist.

Jesus klagt: "Blutend und zertreten liege Ich als das immerwährende Opfer an den Stufen des Altares. Wer steigt nun mit Mir als Opfer hinauf, um zu sühnen? Wer wird mit Mir eine Opferhostie? Wo finde Ich Gegenliebe. So warte Ich demütig an den Stufen des Altares, bis der Priester Mich hinaufbringt zum Opfer. Wo bleibt die Liebe und die Andacht bei der hl. Wandlung, wenn Ich herniedersteige? Nur die Engel leisten Sühne und Anbetung. Würdet ihr an jedem Tage verstehen, was euch zum Heile diente."

 

Donnerstag, den 8. Juli 1943

Fest des Kostbaren Blutes. Sehe nach der hl. Kommunion das hl. Antlitz. Acht tiefe Stirnwunden von der Dornenkrone, die ihre Bedeutung haben. Sie weisen auf die acht Seligkeiten hin. Eine breite, klaffende Wunde, die die Stirn aufriß, ist der Weg, der hinführt zu den Seligkeiten. Der Heiland spricht wie schon einmal: "Lese in Meinem gebenedeiten Antlitz, es ist das schönste Buch. Ich will dich lehren, wie du daraus lesen und beten kannst. So schaue hinein. Schweige aber noch über das, was du siehst." Dann steht das Kreuz groß vor mir. Jesus blutet aus allen Wunden. Gottesblut tränkt die Erde. Das Kostbare heilige Blut sollte nicht von der Erde aufgenommen werden. Unter dem Kreuz versunken, fast leblos, kniet eine Gestalt, Maria Magdalena. Sie fängt das hl. Blut des Erlösers auf. Heiliges Blut, laß nahe werden, die fern sind.

 

Freitag, den 9. Juli 1943

Eine große Freude habe ich heute. Der Nachbar hat sich bekehrt im Krankenhaus von Oberkassel. Seine Frau erzählte es mir. Er hat die gleiche Krankheit wie mein Vater. Tausend Dank, Jesuherz! Nun schenke mir eine andere Seele.

 

Mittwoch, den 14. Juli 1943

Mein Nachbar ist wieder daheim. Heute hat er auch den lieben Heiland empfangen. Man rief mich, weil seine Frau und ihre Schwestern evangelisch sind. Gestern verhinderte ich, daß ihm der evangelische Pastor das Abendmahl brachte. Der Kranke hatte gefrühstückt und hatte Verlangen nach der hl. Kommunion. Weil unser Herr Pastor nicht kommen konnte, wollte der andere ihm das Abendmahl geben.

 

Sonntag, den 18. Juli 1943

Habe das Haus voller Obdachloser. Es ist viel Arbeit, aber ich tue es gern. In Köln gibt es bis jetzt 42 000 Tote. Würde doch bald der ersehnte Frieden kommen. Jesus will, daß ich Mutter Anna Hillker schreiben soll, daß die Heiligtümer (Anmerkung: Die blutgetränkten Altartücher des Abbé Vachére) in Sicherheit gebracht werden müssen.

Am 3. August bete ich auf dem Heimweg den freudenreichen Rosenkranz. Die Krippe steht vor mir. Ein Schattenbild: Der Vater in der Höhe und der Heilige Geist umschweben die Krippe.

Am anderen Tag sehe ich eine große Wolke am Horizont. In der Wolke liegt ein großes Schattenbild, als ob jemand schlafe. Darüber schwebt die Taube. Unter der Wolke steht ein Kelch, gefüllt mit Blut. Ich sehe, wie das Blut aus dem Kelch über die Erde fließt. Der Schatten in der Wolke wacht auf. Es ist der Vater. Ich höre: "Das Blut Meines Sohnes schreit von der Erde auf zu Mir." Ja, der Vater ruht. Er ist in einen Ruhestand gesetzt worden. Die Menschen brauchen Ihn nicht, weil sie sich Seine Kraft angemaßt haben. Er läßt sie gewähren. Er hört auch nicht, wenn sie in der Not zu Ihm rufen. Sein Sohn wird in diesen Tagen immer mehr gekreuzigt. Diese schrecklichen Leiden des Heilands, besonders in der hl. Eucharistie, rühren das Vaterherz.

Er wacht auf aus der scheinbaren Ruhe. Sein Zorn und Seine Gerechtigkeit zermalmen die, die sein wollten wie Er. Priestersamstag sehe ich Maria auf Dornen. Aus den Dornen wachsen wunderbare Blüten. Sie sagt: "So wächst die Kirche aus den Dornen neu hervor." Am Sonntag gibt mir der Priester zwei Hostien auf die Zunge. Eine opfere ich auf für eine verlassene Ordensschwester, die an diesem Tage nicht zur hl. Kommunion gehen kann. Jesus zeigt sie mir. Sie liegt in einem Kerker auf der Erde. Sie ist bleich und abgezehrt. Gerne hätte ich mehr gewußt. Jesus aber sagt: "Wenn du es weißt, wirst du nicht ruhen, bis sie befreit ist. Sie leistet aber große Sühne und muß den Kelch bis zur Neige trinken."

 

Dienstag, den 10. August 1943

Es ist 17.30 Uhr. Ich sehe Maria tief versunken im Gebet in ihrem Kämmerlein. Hell und licht wird plötzlich der Raum. Jesus steht verklärt vor Maria. Er hebt die Hände segnend gen Himmel und spricht: "Du Auserkorene und Begnadete unter allen Menschen! Nun ist die Stunde gekommen, da ich Meine Engel zu dir sende, um dich heimzuholen ins himmlische Vaterhaus. Gedient hast du auf Erden, nun sollst du werden die Königin des Himmels und der Erde." Maria antwortet: "Dein Wille geschehe an mir." Sie stimmt das Magnifikat an und versinkt in Verzückung.

 

Sonntag, den 25. August 1943

Ich durfte leiden, durfte 14 Tage die Schmerzen der Dornenkrone und andere Schmerzen tragen. Ich war auch krank. Heute ist ein Freudentag: Ich durfte die Himmelfahrt Mariens schauen. Als die Zeit gekommen war, sandte Gott wiederum den hl. Erzengel Gabriel hinab zur Jungfrau ins Totengemach. Er sprach: "Stehe auf, du schönste der Frauen. Heimkehren sollst du heute, Tochter des ewigen Vaters. Der himmlische Vater erwartet dich, daß du Ihm Helferin seiest. Komm, ich führe dich mit der Engelschar hinauf zu deinem göttlichen Sohn, du reinste und erhabenste der Mütter. Als Fürbitterin sollst du sein bei Ihm bis zum Ende der Zeiten. Erhebe dich, du weiße Lilie, du Braut des Heiligen Geistes. Die göttliche Liebe sehnt sich nach der Geliebten. Ziehe ein ins Brautgemach, daß du gekrönt werdest zur Königin der Liebe. Liebe sollst du schenken in die Herzen der Menschen, daß sie Gott wieder lieben lernen. Wir führen dich hinauf vor Gottes Thron, du Wohlgefallen der Heiligsten Dreifaltigkeit, damit du auch unsere Königin seiest, du Königin der Engel."

Das sind die wunderbaren Worte nach der hl. Kommunion. Ich sehe das Grab Mariens, das Engel umstehen. Dann sehe ich Maria, weiß gekleidet. Ein weißer Schleier umhüllt sie, der weit über die Erde wallt. Um die Stirn legt sich ein breiter Goldreif. In der Mitte hat der Goldreif eine aufwärtsgehende Spitze, auf der ein großer goldener Stern steht. In der Mitte des Sterns ist ein leuchtender blauer Stein eingefügt. Die Füße sind ganz bedeckt von den wallenden Gewändern, so daß ich nur die weiße Spitze sehe. Die Ärmel des Kleides sind weit und wallend. Vor ihr liegt eine große Menge gefalteter Zettel, die eingerollt, mit einem weißen Ring versehen und mit einer weißen Rose geziert sind.

Die heilige Jungfrau spricht: "Das sind die Zeichen der mir anvertrauten und geweihten Seelen. Die Rolle enthält ein Zeichen. Es ist das Zeichen der Marienkinder, die es in ihrem Herzen tragen. Bei wem ich es nun finde, der ist mein und geht nicht verloren. Der Ring bedeutet die Verbindung mit mir. Die weiße Rose zeigt das Geheimnisvolle, die Stille und Reinheit an. Gehe heute in die Andacht der Marienkinder und gib acht auf die Predigt. Du wirst eine andere Erkenntnis erhalten. Andacht mit Aufnahme der schulentlassenen Mädchen in die Jungfrauenkongregation. Unser gütiger Pfarrer spricht darüber, daß die Frau der Schleier sei, das Verborgene, das Verschlossene. Eine kluge Frau rede nicht viel. Wenn sie so redet wie Maria, so verschwindet sie auch wie Maria, die auch nicht viel redete. Etwas Geheimnisvolles umgibt die Frau, die Dienerin ist wie Maria. Sie trägt die Geheimnisse Gottes verschlossen in sich. Als Frau oder Mutter, gleich wie sie steht im Leben, sie denkt nur an die, die sie umgeben. Sie selbst vergißt sich, und somit verschwindet sie wieder. Jede Frau sollte ein verschlossener Garten sein, dann sähe das heutige Weltbild anders aus. Der Mann ist als Herrscher in die Welt gesetzt, und er soll auch reden. Wie groß und erhaben bist Du, Herr. Schauen läßt Du mich die süßen Geheimnisse. Ich darf empfangen, darf weitergeben und dann wieder verschwinden in die Stille, ungenannt und namenlos. Wie Maria will ich versprechen: Mir geschehe nach Deinem Wort.

 

Montag, den 26. August 1943

Gestern Abend am Schluß der Andacht knie ich vor dem Marienaltar. Der hl. Engel spricht: "Wirkte nicht Gott schon geheimnisvoll bei der Erschaffung des Menschen? Gleich Adam konnte Er auch Eva aus Erde erschaffen. Doch bildete der Herr Eva aus dem lebenden Adam, der nur in einen tiefen Schlaf versank. Die Rippe ist ein Teil des Menschen, die nach außen hin wohl ein wenig fühlbar und sichtbar ist. Sie verschwindet aber ganz im Inneren des Menschen. Dort erfüllt sie ihre Aufgabe im Verborgenen. Die Frau ist vom Manne, vom lebenden Fleisch ein zweites, neues Leben, dem der Herr ein anderes Äußeres gab.

Als Gehilfin des Mannes stand nun die erste Frau da, sollte ihm dienen und für ihn leben. Für sich war sie nicht da, für sich mußte sie verschwinden. Aus dem Inneren des Mannes genommen, aus dem Verborgenen, mußte vom Anfang der Schöpfung an die Frau das Stille und Verborgene sein, das nur wenig nach außen tritt. Eva zerstörte die Weltordnung durch ihren Ungehorsam. Sie trat ganz nach außen, wollte herrschen und nicht mehr dienen. Sie machte den Mann zum Dienenden. Wer sollte nun nach Gottes Fluch diese Ordnung wiederherstellen?

Die Verheißene des Paradieses ist es, Maria, die Magd des Herrn, nannte sie sich. Sie trat vor der Geburt des Herrn ein wenig hervor, und dann verschwand sie wieder. Der Herr hüllte sie ein in einen Schleier, den nur wenige Menschen ein wenig lüften werden. Geheimnisvoll ist ihr Sterben und ihre Aufnahme in den Himmel. Das sind große Geheimnisse, die jene verstehen, denen es gegeben wird."

 

Dienstag, den 27. August 1943

Das Erlebnis bringt mich weiter zum Nachdenken. Evastöchter sind die meisten heute, Marienkinder sind auch da. Sie verschwinden aber, weil der Schleier sie einhüllt. Sie treten hervor, wenn Maria hervortritt, den Heiland anzukündigen, wenn Er kommt in Seiner Herrlichkeit. Evastöchter herrschen, wollen Gott gleich sein, und der Mann erfüllt den Willen der Herrscherin. Er ist der Dienende unserer Zeit geworden. Darum ein neuer Fluch Gottes, dessen Ordnung und Gesetz nicht mehr anerkannt werden. Es führt zum Untergang. Wie gut nun, daß wir eine Mutter im Himmel haben, die für uns bittet, daß wir nicht verlorengehen.

Es ist zehn Uhr am Abend. Ich esse eine Kleinigkeit und werde so müde und schwach. Im braunen Gewand steht Jesus vor mir. Ich frage, woher es kommt, daß ich immer so schwach werde, wenn ich etwas gegessen habe. Jesus sagt: "Du wirst schwach, damit du stark werdest für größere Leiden und Opfer. Immer mehr muß dein Leib gekreuzigt werden. Schaue einmal hinein in die Tage der heutigen Zeit. Zähle die Menschen, die nicht wissen, wo sie zur Nacht ihr Haupt hinlegen sollen. Tue Buße mit ihnen, leide für sie, daß sie nicht fluchen ob der Not und dabei das ewige Leben verlieren." Allein bin ich, nur das schöne Licht bleibt noch.

 

Mittwoch, den 28. August 1943

Fast drei Uhr ist es. Ich sehe die hl. Jungfrau. Sie zeigt mir ihre Grabstätte. Auf des Engels Ruf erhebt sich Maria. Alle Engel, die das Grab umstehen, treten hinzu. Geführt und begleitet von der himmlischen Schar, schwebt sie aufwärts. Meine Blicke folgen ihr. Ich höre auf einmal Stimmen: "Nun haben wir eine Mutter, die bittet für uns." In einiger Entfernung teilen sich weiße Flammen des Fegefeuers und Hände erheben sich flehend zur Mutter. Weiter geht der Flug in eine andere Richtung. Pestluft dringt zu mir. Ich drohe zu ersticken. Heiß und schwül wird es mir. Ich tue einen Blick in die Hölle. Entsetzlich sind die Qualen der Verworfenen. Da fallen sie alle zurück, und eine Stimme ruft: "Nun bin ich ganz besiegt, es zieht in den Himmel ein die mächtigste der Frauen. Doch nehme ich den Kampf auf mit ihr!" Ein Strahl der Schönheit Mariens trifft die Ausgestoßenen. Zurückgeschleudert werden sie in den Abgrund. Aufwärts geht es weiter. Die Sterne grüßen, die Sonne verbirgt ihren Glanz und der Mond steht einen Augenblick noch stiller und milder, als Maria vorüberzieht. Nun ist sie angelangt, und die ersten Engel, die sie oben erwarten, begrüßen sie als ihre Königin.

Einen letzten Gruß sende ich zu den himmlischen Höhen: "Maria, du bist der Morgenstern. Leuchte herab, du Stern des Meeres. Leuchte ihnen, die am Morgen des Lebens stehen, daß sie den rechten Weg finden. Du Sonnenstrahl der göttlichen Liebe, laß auch uns zum Sonnenstrahl werden, damit erwärmt werden unsere Herzen, die wir am Mittag des Lebens stehen. Du Mond, mit stillem Schein leuchte ihnen, die am Abend ihres Lebens stehen, daß sie ihren letzten Weg durch dich geführt werden und sicher gehen." Ich wache auf.

 

Donnerstag, den 29. August 1943

Heute ist der erste Todestag meines lieben Sohnes Hans. Das Jahresamt war im Kloster um 7.30 Uhr. Auf dem Heimweg – ich bin eben auf der Landstraße – wurde Alarm gegeben. Kurz darauf ist Großalarm, und die Flieger waren schon da. Die ersten waren über Bonn. Ich betete für die Menschen, die jetzt den Weg in die Ewigkeit machen mußten. Kaum hatte ich die Hälfte des Weges hinter mir, kam noch eine Welle, die von unseren Jägern angegriffen wurden. Direkt über mir kam es zu einem Luftkampf. Eine Frau hatte sich vor Angst unter einen Baum gekauert. Ein Kind war auch bei mir und rannte im Galopp über die Felder. Die Frau rief mir zu, ich sollte zu ihr kommen, weil die Flugzeuge mit Bordkanonen schossen. Ich rief ihr zu: "Ich habe ein anderes Mittel, das uns retten wird."

Ich nahm mein Scheyrer Kreuz in die Hand, stellte mich mitten auf die Landstraße, sprach den Bannspruch und hielt das Kreuz hoch gegen die Flieger. Ich stand wohl zehn Minuten so, da änderte sich das Bild. Der feindliche Flieger flüchtete vor dem Jäger über Gräfenhohn-Ittenbach. Als er über dem Ölberg war, warf er seine Bomben ab. Ich sah noch, wie das Flugzeug hinter den Bergen herunterkam. Vor unserem Wegkreuz stand ich eine Weile und dankte Gott. Rechts ging der Luftkampf weiter. Zwei Flugzeuge sah ich brennend herunterkommen. Eines explodierte in der Luft und fiel in lauter Stücken hinab. Die Kleidung von dem Piloten kam auch einzeln und zerstreut herunter. Einer Frau ging ein Stiefel haarscharf am Kopf vorbei. Das vierte, das abstürzte, sah ich nicht mehr, da ich schon auf meinen Zimmer war und betete. In Bonn wurde die Augenklinik getroffen, noch ein anderes Krankenhaus und die Beethoven-Halle. In Beuel fanden in einem Krankenhaus 15 Säuglinge und 10 Schwestern den Tod. Mein Jesus, Barmherzigkeit!

 

Samstag, den 31. August 1943

Nachtrag. Unreine Geister quälen mich, weil ich mich einsetze für die Sünder. Schwere Leibesentzündungen habe ich, daß ich meine, ich müßte ins Krankenhaus. Wie Brandwunden sieht alles aus. Die unreinen Geister höhnen: "Das sind die Folgen deiner Entsagung. Wofür bist du verheiratet? Folge unserem Rat und werde, wie es sich gehört für eine Ehefrau." In meiner Not rufe ich Jesus an und die Immaculata. Das Opfer für diese Sünden muß gebracht werden.

 

Freitag, den 1. September 1943

Ich sehe einen dunklen Gang. Ich meine, es sei ein Tunnel. Es war aber alles so seltsam ausgebaut. Da sehe ich in einem dunklen Nebengang einen Fürsten. Nach der Tracht mußte es ein arabischer Fürst sein. Nach seiner Haltung schließe ich, daß er sich verborgen hält oder geflüchtet sein muß. Dann kommt ein anderes Bild. Auf ihren Kamelen kommen die Araber herangesprengt. Ein wildes Feuer lodert in ihren Augen. Ich sehe auch die Juden. Ein wilder Kampf entsteht.

Am anderen Morgen will ich um 7.30 Uhr zur Kirche fahren. Bin noch nicht auf dem Weg, da fährt das Auto durch. Der Böse hat mir wieder einen Streich gespielt, denn ich höre sein höhnisches Lachen. Ich rufe zum Heiland: "Kannst Du es zulassen, daß ich die ganze Woche so verfolgt werde? Zeige doch Deine Macht, denn der Teufel will mich doch nur vom hl. Opfer fernhalten. Er weiß, welche Macht davon ausgeht!" Ich fange an zu laufen. Da höre ich eine Stimme hinter mir: "Frau, wo wollt ihr hin? Was lauft ihr so? Steig auf meinen Wagen, dann kommt ihr noch früh genug zum Zug." Ich sitze neben dem Mann und erkläre ihm, daß um diese Zeit kein Zug fährt. Er fragt: "Ja, wann fährt denn der Zug?" Ich erwidere: "Ich fahre mit keinem Zug, ich will nur zur Kirche." Er sagt: "Dann brauchen Sie doch nicht so zu laufen." Ich erklärte ihm, wann die hl. Messe beginnen würde, worauf er sagte, dann käme ich ja noch früh genug. Beim Abschied gebe ich ihm die Hand und segne ihn still. So tat es Jesus auch. Er wandelte 30 Jahre unter den Menschen, half ihnen, segnete sie, und sie kannten Ihn nicht.

 

Mittwoch, den 6. September 1943

Am Abend sehe ich ein Kreuz mit einer blutenden Hostie, aus der Hände und Füße hervorkommen. Das Wundmal der linken Hand weist noch ein Stück von einem Nagel auf. Er blieb stecken für die geheimen Sünden. Meine Leidenstage gehen weiter.

 

Mittwoch, den 13. September 1943

Heute jährt sich mein Vermählungstag mit Jesus. Alle Armen Seelen nehmen teil. Die hl. Väter, St. Michael, Maria und Josef, sind meine Begleiter. Bin so glücklich in der hohen Gesellschaft. Nach der hl. Kommunion gibt Jesus mir den Brautsegen. Ich weile an diesem Tag bei einem Schwerkranken bis in die Nacht. Ich bitte, seine Leiden tragen zu dürfen, damit er noch leben darf. Jesus nimmt das Opfer an.

 

Samstag, den 16. September 1943

Mit Jesus habe ich eine Zwiesprache über zerstörte Kirchen und Dome. Jesus spricht im Gleichnis zu mir: "Ein großer König verließ sein Königreich. Für eine Zeit wollte er verborgen leben in einem Königreich, das ein anderer besaß, der große Macht hatte. Doch er war grausam und stürzte alle, die ihm dienten, ins Verderben. Die Menschen gingen zu dem verborgenen König und bauten ihm viele schöne Häuser. Der König freute sich all der Gäste, die zu ihm kamen. Die Menschen aber blieben nicht so. Bald vergaßen sie den verborgenen König. Die Häuser, die sie ihm gebaut hatten, wurden immer leerer. Einsamkeit umgab den König. Sein Herz sehnte sich in großer Liebe nach den Menschen. Sein Feind sah, wie er sich sehnte nach jenen, denen er soviel Liebe zeigte. Er sann nach und fand Helfershelfer, die all die schönen Bauten zerstörten. Nun mußte der gute König weichen. Mit blutendem Herzen erlebte er, daß man seiner nicht mehr gedachte, daß man nur empört war, daß der Fürst mit seinem Anhang solch herrliche Kunstbauten zerstörte. Nun wollte der König nicht mehr sein, wo man seiner nicht mehr gedachte. Mit größerer Liebe zog er ein in die kleineren Häuser, zu den Armen und Verlassenen und teilte dort seine Schätze aus."

 

Sonntag, den 17. September 1943

Nach der hl. Kommunion bin ich versetzt in eine schleierhafte Umgebung. Am Ende steht die Himmelskönigin. Sie tritt aus weiter Ferne in reinem Licht hervor. Aus dem Nebelbild tritt St. Michael gerüstet mit seinem Chor hervor. Sie ziehen hinauf zu Maria, begrüßen sie und ziehen ihre Schwerter. Maria segnet die Engel und Michael ruft: "Wer ist wie Gott!" Mit der Mutter ziehen sie in den Kampf.

 

Montag, den 18. September 1943

Ich sehe ein Grab. Blaue Blumen zieren es, die wie ein M aussehen. Mit ausgebreiteten Händen schwebt Maria darüber. Trage heute die Schmerzen der dreifachen Dornenkrone. Jesus reicht mir in der Nacht den Leidenskelch vom Kreuz. "Herr, Dein Wille geschehe." Maria Magdalena reicht mir den Schwamm mit der Bitternis. Sie sagt, daß ich auf seltsame Weise eine Reliquie von ihr erhalte.

 

Dienstag, den 19. September 1943

Ich sehe das Licht; viele Lichter umgeben es. Plötzlich steht ein Schwert in der Mitte der Lichter. Ich wage die Frage: "Wer kommt?" Nun sehe ich Adolf Hitler entkleidet. So kommt es. Die Seele steht schwarz vor mir ... Ich spreche den Bannspruch.

 

Mittwoch, den 20. September 1943

Ich bin krank. Schwere Halsentzündung und lähmende Schmerzen an allen Gliedern. Liege verlassen allein.

 

Montag, den 25. September 1943

Gestern kam Hilfe. Es geht langsam wieder. Am 10.9. hatte ich so große Sehnsucht, daß ich rief: "Nun kann ich, Herr, nicht zur Dir kommen. Komme Du doch zu mir. Du kannst alles, so höre doch auf mein Flehen." Eine leise Antwort: "Verschlinge das Kreuz." Wie soll ich das nur machen. Ich frage weiter, wie das geschehen soll. Jesus gibt mir Weisung, eine Hostie mit einem Kreuzbild zu nehmen, mit Weihwasser zu besprengen und damit zu einem Bild zu gehen. Ich tue es. Er hebt segnend die Hände darüber. Glücklich bin ich, und die Halsentzündung geht ein wenig zurück. Am 11. mittags steht Maria am Bett und spricht: "Opfere diesen Tag für die verlassenen Priester auf." Segnend entschwebt sie. Am Abend kommt ein Arzt, den meine Nachbarin gerufen hat. Er stellt Muskel- und Halsentzündung fest. Muß liegen bleiben, da er eine Lähmung befürchtet. Ich frage Jesus, ob das sein muß. Er sagt: "Es ist eine Prüfung für die Deinen. Ganz will Ich dich für Mich haben. Sie müssen sich daran gewöhnen, wenn du nicht mehr unter ihnen bist." Der andere Tag ist mein Namensfest. Trostlos und verlassen liege ich hier. Mit meiner Irene, die auch krank ist, tröste ich mich und bitte sie, zu mir zu kommen, um die hl. Messe zu feiern. Dem Kinde gebe ich das Buch und will mit den Gebeten beginnen. Da steht Maria vor mir. Eine seltsame Straße sehe ich. Wie im Schleier ist die andere Umgebung ... Einen großen, reich verzierten, silbernen Wagen sehe ich. Darauf sitzt die himmlische Frau als Königin ... Rechts und links aus den Wolken treten kleine Engel und grüßen Maria. Sie öffnet den Wagen. In Form kleiner Sterne geht es aus ihren Händen zur Erde. Ich singe: "Laß mich ein Blümlein werden." Eine Zahl kleiner Blumenkinder grüßt im Halbkreis die himmlische Frau. Ich singe: "Ich möchte ein Sternlein werden." Maria sehe ich nun mit dreizackiger Krone. Die Mitte trägt ein Diadem mit einem großen, leuchtenden Stern. In die Krone eingefügt sind kleine Sterne, die verschieden leuchten. Der Mantel und die Schuhe sind ebenso besät mit Sternen. Ich bitte: "Sage, himmlische Frau, was bedeutet das? Wie soll ich dich nennen – Sternenkönigin?"

Sie spricht: "Die Sterne in der Krone sind Marienkinder, die besonders die hohen Geheimnisse erfassen und verstehen. Die im Mantel sind die, die Maria in allem lieben und verehren, aber nie bis zur Krone kommen. Das sind die meisten. Die auf den Schuhen sind die, die abwärts gingen und doch als weinende Sünder wieder mir zu Füßen knien. Wenn ein Sternlein dunkel wird, weiß ich, die Seele ist in Gefahr. Die Leuchtkraft nimmt es dann von meinem großen Stern. Ich bin der Stern in dunkler Zeit, der Stern des Meeres." Ich singe: "Ich möcht' ein Englein sein."

Ich sehe Maria als Königin der Engel auf ihrem Thron. Rechts und links nahen Engel in weißen Kleidern und huldigen zum Namensfest. Durch die Mitte herauf ziehen die Marienkinder in hellblauen Kleidern. Sie neigen ihr Haupt und singen ein Lied, das ich nicht verstehen kann. Dann spricht Maria zu mir: "Nun feiere die hl. Messe. Du hast die Wahl. Du kannst sie mit dem Heiligen Vater oder mit einem einsamen Priester feiern. Es ist heute deine Freude an diesem Tag." Da sehe ich den Heiligen Vater am Altar stehen. Ich möchte mitfeiern, doch es feiern so viele mit ihm. Ich entscheide mich für den einsamen Priester. Ich sehe eine Felsöffnung. Ein Franziskaner, hager, schlank, tritt hinein. Vor einer Felsentür bleibt er stehen und öffnet sie. Ich sehe einen kleinen Gang. Dann geht es drei Stufen aufwärts. Es folgt ein langer, dunkler Gang. Der Priester holt eine Lampe aus der Tasche. Er geht dreimal drei Stufen abwärts zur Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit. Sehe dann eine dunkle Felsenhöhle im Halbkreis ausgebaut. Dort zündet der Priester dunkle Lämpchen an, die an den Wänden hängen.

Ich sehe einen schmalen Altar. Darauf steht die Immaculata. Weil ich das nicht recht erkenne, frage ich: "Zeige dein Antlitz." Nun sehe ich klar Maria in weißem, wallenden Kleid und Schleier. Ich vermisse den Tabernakel. Auf meine Gedanken hin gehen Kleid und Schleier auseinander. Am Herz öffnet sich ein Türchen. Verborgen ruht der Herr am Mutterherzen. Alles schließt sich wieder. Ein schwarzes Kreuz steht unten auf dem Altar. Der Priester kommt angekleidet links aus einem Eingang. Weiß ist sein Gewand. Die Rückseite trägt das gleiche Bild nach der Statue auf dem Altar. Auf der Vorderseite hat er ein Kreuz.

Die hl. Messe beginnt. Ich bete mit. Ab und zu blickt der Priester auf, als höre er etwas. Bei der Epistel spricht der hl. Engel: "Nimm dein Buch und bete mit." Ich erwache. Die Epistel und das Evangelium bete ich aus dem Buch. Dann falle ich in den anderen Zustand zurück, bis zur hl. Kommunion. Will im Buch weiterbeten, falle aber in den anderen Zustand zurück. Am Schluß der hl. Messe geht der Priester in den linken Seiteneingang und legt die Gewänder ab. Er spricht: "Seltsam war es heute." Er fragt Maria. Sie lächelt und spricht: "Das ist mein Geheimnis, wer mit dir betete, so wie es auch mein Geheimnis ist, daß du hier feierst." Sinnend geht der Priester zur rechten Seite unter ein großes Kreuz. Blutbedeckt hängt der Heiland daran. Der Priester geht dann auf demselben Weg zurück, wie er gekommen ist. Ich sehe nichts mehr, möchte aber wissen, wo es war.

Der hl. Engel spricht: "Es ist dort, wo schneebedeckte Berge sind. Es ist Abbe Vachére. Mehr darfst du heute nicht wissen." Ich komme zu mir. Irene liegt wieder im Bett. Sie sagt: "Ich wartete, weil ich die hl. Messe mit dir beten wollte. Du lagst wie tot. Da habe ich allein gebetet. Dann bin ich nach unten gegangen, weil ich Hunger hatte."

Es ist neun Uhr abends. Ich grüble über die Krankheit nach. Da sehe ich Jesus. Er zeigt mir seinen mit Löchern durchbohrten Leib und sagt: "Trage diese Schmerzen mit Mir. Die kann kein Arzt heilen, weil sie für die Bekehrung der Sünder sind. Um der Verborgenheit willen gehe in eine ärztliche Behandlung." Der Herr reicht mir die dreifache Dornenkrone. Ich darf sie den ganzen Monat tragen für den Frieden. Bis zum Samstag bin ich ganz ohne Trost, verlassen und einsam. Um elf Uhr steht die Schmerzensreiche an meinem Bett. Sie zeigt mir die Kreuzesabnahme mit dem blutbedeckten, verwundeten Körper des Heilands. Seine Wunden sind grausamer, als je ein Krieg sie schlagen konnte. Getröstet bin ich in Jesu Wunden. Gestern versuchte ich aufzustehen. War ja Sonntag. Schwäche war noch sehr in mir. Als ich Jesus in mein Herz aufgenommen habe, gab Er mir wunderbare Kraft. So bin ich heute wieder zu Ihm geeilt. In Seiner Kraft kann man doch alles. Oh, wollte doch die Welt erkennen, was ihr zum Heile dient.

 

Donnerstag, den 28. September 1943

Zwei Tage waren die Schmerzen sehr groß durch die Dornenkrone. Heute geht es besser. Nach der hl. Kommunion sehe ich den Heiligen Vater. Er sieht so leidend aus. "Jesus, bitte, erhalte ihn uns noch! Er darf uns noch nicht verlassen." Jesus zeigt Sein Antlitz. Der Blick ist so entsetzt. Blutige Tränen sehe ich in den gequollenen Augen. Der Herr läßt mich schauen, was Er sah an Greuel und Verwüstungen in unseren Tagen. Er sah die vielen Morde und den gleichen Spott, der Ihm einst von den Juden zuteil wurde. Er spricht: "Ich litt diese Schmerzen, diese furchtbaren, für die Gedankensünden, die heute so schrecklich sind, da der eine die Vernichtung des anderen plant. Das Spottgeschrei der Juden hatte seine Anhänger von Anfang an. Die Zahl ist groß wie ein Kriegsheer, das gegen Mich zieht. Mein Kriegsheer ist auch gerüstet. Eine Wehe kommt über jene, die nur Böses sinnen Tag und Nacht. Der Tag der Vergeltung ist nahe."

 

Montag, den 2. Oktober 1943

Halte den Tag für den Führer Adolf Hitler. (Anmerkung des Herausgebers: Maria Magdalena glaubte, Hitler retten zu können.) Wieder habe ich die Enttäuschung, keine hl. Messe, keine hl. Kommunion. Ich bitte um Aufklärung. Jesus zeigt mir sein Kreuz. Der Führer und seine Anhänger stehen dabei. Spottreden führen sie, mit Hohn und Verachtung gemischt. Steine werfen sie auch. Vom Kreuz spricht Jesus: "Wer hat sich für Judas geopfert? Wie er sind auch diese, die noch einen größeren Verrat üben. Es sind die, deren Sünden weder in diesem noch in jenem Leben vergeben werden." – "Herr, nun verstehe ich. Zuerst wolltest Du doch, daß ich für ihn bete." Jesus: "Habe Ich Judas doch auch Gnade gegeben, umzukehren. Du siehst aber, wie der freie Wille, das größte Geschenk Gottes, mißbraucht wird. Wer dieses Gnadengeschenk im Willen Gottes gebraucht, wird auch zur Vereinigung im Willen Gottes schon auf Erden gelangen. Das ist auch ein großes Geheimnis. Wer sich dem Willen der finsteren Macht übergibt, wird auch von dieser Macht in den Abgrund gezogen." – "Herr, dann nimm diesem Verräter doch die Macht! Ich werde von dieser Stunde an auch gegen sie gehen, durch die Macht Deines heiligen Kreuzes."

 

Dienstag, den 3. Oktober 1943

Wie schon einmal, sehe ich Jesus gliedweise gekreuzigt. So wird er heute von vielen gekreuzigt, auch in der hl. Eucharistie. Wer sühnt den Frevel? – Mein Sohn Theo kam heute in Urlaub. Er sagt, daß er viel Gnade und Hilfe dem blutenden Herz-Jesu-Bild zu verdanken habe. Sehe auch St. Michael gerüstet mit seiner Schar.

 

Freitag, den 6. Oktober 1943

Ich sehe Maria als Rosenkranzkönigin. Sie trägt ein weißes Gewand mit einer weißen Kordel und einen Rosenkranz. Ihre Krone sieht aus wie ein Kelch, der geformt ist aus großen Perlen des Vaterunser. Darüber ist ein Kreuz. Auf Kelch und Kreuz sind Anker und Herz verschlungen. Sinnbild für: Glaube, Hoffnung, Liebe. Dann bildet sich die Krone weiter, dreireihig aus Perlen. Ave Maria.

 

Samstag, den 7. Oktober 1943

Von meiner Mitschwester (im Apostolat), Maria W. aus Dülmen erhalte ich die Nachricht, daß ihr Mann Theodor am letzten Tag im September tragisch ums Leben gekommen ist. Besonderen Segen erteilt heute die Gottesmutter.

 

Sonntag, den 8. Oktober 1943

Nach beschwerlicher Reise kam ich abends in Dülmen an. Die Muttergottes zeigt mir den Tod des Verunglückten. Als er auf das Rad aufsteigen will, sieht er Maria. Sie winkt, er hört das Magnifikat. Er fährt in ein Auto ... Er ist den Märtyrern zugezählt. Es war immer sein Wunsch, Märtyrer zu werden. So wird er im Tode des Anblicks des hl. Antlitzes Jesu gewürdigt und des Antlitzes des hl. Franziskus. Die Dornenkrone durfte ich heute für alle Reisenden tragen.

 

Montag, den 9. Oktober 1943

Heute wurde unser lieber Bruder Theodor am Feste unseres Ordensvaters zu Grabe getragen. Die Mitglieder des Ordens geben ihm das Geleite. Heute reicht Jesus den Freudenkelch.

 

Dienstag, den 10. Oktober 1943

Sehe Theodor in weißem Gewand und braunem Mantel. Aus der Tasche zieht er eine Anzahl Rosenkränze und reicht sie der Rosenkranzkönigin. Von vier bis halb sechs bin ich im Leidenszustand der Kreuzigung. Dann sehe ich den Thron der Rosenkranzkönigin. In der Mitte weiße Rosen, der freudenreiche Rosenkranz. Die Seiten sind wie Türen aus goldenen Rosen, der glorreiche Rosenkranz. Zu dem Thron führen drei breite Stufen aus roten Rosen, der schmerzhafte Rosenkranz. Kleine Engel in blauen Kleidchen nahen. Sie heben die Hände und singen: "Ave Maria, Muttergottes." Sie singen so schön, daß ich mit einstimme. Es naht ein Führer mit Engeln in weißen Kleidern. Er selbst trägt einen weißen Sternenmantel. Ich erkenne ihn: Es ist Theodor. Eine geöffnete Tasche legt er in den Schoß der Gottesmutter. Alles wird zu weißen Rosen. Die Rosen werden zu Lichtern, die auf die Erde fallen.

 

Mittwoch, den 11. Oktober 1943

Elf Uhr. Ich sehe Wasser. Hinein fällt das Bild vom hl. Antlitz und noch andere Bilder. So viele Bilder im Wasser, so viele Köpfe sehe ich im Meer. Über viele Wege und Berge kommt die Gottesmutter, wie sie in Kevelaer zu sehen ist. Dann sehe ich Wege wie Katakomben. Hinein gehen Weiße Väter. Weiter sehe ich schwarze Priester an unseren Altären. Es folgen Leiden der Kreuzigung. Danach darf ich ruhen am heiligsten Herzen Jesu.

 

Donnerstag, den 12. Oktober 1943

Der Priesterbruder von Bruder Heinrich erscheint um halb fünf mit 18 Armen Seelen. Er will Opfer für diese, die aus der Familie sind. Ich sehe weiter an den Quellen, Bächen und Gewässern Mädchen, die Wasser holen. Sie verschwinden dann in Gängen und Höhlen. Sie holen aus Winkeln und Ecken alte Bänke, Altäre, Statuen und reinigen sie. Ich sehe einen Priester, der einen Altarstein auf einen Altar legt. Dann bringt er das hl. Opfer dar. Um acht Uhr fünfzehn sehe ich die Mutter mit geneigtem Haupt. Sie zeigt mir, wie die Hölle aufsteht, noch mehr gegen sie angeht. Wieder sehe ich die kleinen Engel. Sie beten: "Ave Maria. Vater, höre uns." Es sind die Totgeborenen, die wir taufen dürfen. Sie erbitten uns den Frieden. Ich sehe noch mehr Verwüstung in Deutschland. Ja, es wird am Kreuz hängen.

 

Freitag, den 13. Oktober 1943

Mit Mutter Anna Hillker fahre ich nach Gelsenkirchen zu meinen Schwiegereltern. Es kommt ein Luftangriff. Ich bete mit ihr im Keller den Rosenkranz. Der Keller wird leer, alles rennt in den Bunker. Nur wir beide sind noch in dem Keller und beten weiter. Die Fortgelaufenen konnten das Beten nicht hören. Möge der Herr ihnen gnädig sein in der letzten Stunde. Dann fahre ich, weil der Herr es so will, mit Mutter Anna nach Essen. Ich sitze mit ihr am Tisch. Mir gegenüber hängt ein großes Herz-Jesu-Bild, ganz mit Blut bedeckt. Es zieht mich so an. Es wird leuchtend und belebt sich. Jesus spricht aus diesem Bild: "Ich gehe mit dir in die Einsamkeit für längere Zeit. Nach dieser Zeit gehe ich (in den Bildern und Tüchern) gerechtfertigt hervor und mit Mir Mein Schlachtopfer." Ich verstehe nicht recht, was Jesus meint. Als ich Mutter Anna diese Worte wiedergebe, sagt sie erfreut: "Ich weiß aber, was das bedeutet. Du bist es, du mußt die Heiligtümer mitnehmen! Ja, da weiß ich sie in guten Händen!"

Dann zeigt sie mir all die Bilder, die mit Blut getränkten Altartücher, auch kleine blutige Tücher. Sie erklärt mir alles. Sie zeigt mir auch ein Bild des Priesters –Abbé Vachére. Ich erkenne ihn; er ist es, mit dem ich am 12. September die hl. Messe feierte. Mutter Anna sagt: "Ich gebe dir nicht alles mit. Auf diese Weise habe ich die Freude, daß du noch einmal kommst, oder ich komme zu dir und bringe das andere." Ich sagte: "Wir werden uns vorläufig nicht mehr sehen. Was ich heute mitnehme, das werde ich auch nach den bösen Tagen wieder zurückbringen. Der Herr hat mir gezeigt, das über Essen etwas Furchtbares kommt. Wir werden abgeschnitten sein, nicht schreiben und nicht fahren können." Sie schien mir nicht zu glauben.

An dieser Stelle unterbrechen wir die Aufzeichnungen von Maria Magdalena Meyer und fügen das Kapitel über Abbé Vachére ein. Mehrere Leser haben uns bei den Nachforschungen tatkräftig geholfen. Wenn es eines Beweises bedarf, daß die an Maria Magdalena gerichteten Offenbarungen echt sind, dann ist es die wunderbare Geschichte des Abbé Vachére, dessen Erlebnisse sogar die Aufmerksamkeit eines Papstes erregten:

 

Die Geschichte des Abbé Vachére

Eine Leserin schickte uns diesen Auszug aus einer alten Schrift. Es ist die erste vollständige Darstellung des Lebens von Abbé Vachére, der in den Botschaften von Maria Magdalena vom Kostbaren Blut eine große Rolle spielt. Noch immer sind wir auf der Suche nach dem Karton mit den blutgetränkten Altartüchern, die sich einst im Besitz von Maria Magdalena befanden.

Der Text, dessen Quelle wir nicht kennen, lautet: "Die Stadt Mirebeau liegt im Departement Bienne in der Diözese Poitiers. Dort wohnte der Priester Msgr. U. Vachére de Grateloup, früher Generalvikar der Diözese Pescina, der am 17. Juli 1921 in seinem Schloße zu Mirebeau im 68. Lebensjahre gestorben ist. Er stammte aus einer altadeligen französischen Familie. Sein Großvater hatte zur Zeit der Französischen Revolution einen verfolgten Priester in seinem Schloße verborgen und längere Zeit verpflegt. Als der Priester das Haus seines Wohltäters verließ, erklärte er: "Gott wird Sie dafür belohnen, indem er Ihrer Familie einen Priester schenken wird." Ein Enkel dieses adeligen Herrn ist U. Vachére. In seinem Schloße hatte er auch eine kleine Kirche, die ungemein kunstvoll geschmückt und ein wahres Heiligtum ist, weil sich darin gegen 2000 Reliquien der Heiligen befanden. Vachére war gut bekannt mit der 1903 zu Rom im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Doktorswitwe Sacchetti, Begründerin des 'Mädchenschutzes'. Auch die als Seherin bekannte und im Jahre 1913 im Rufe der Heiligkeit verstorbene Zisterzienserin Benedikta Fren zu Witerbo kannte er gut. Als er 1906 in Italien war, schenkte ihm diese ihr Kruzifix, das sie während ihres langen Krankenlagers stets in den Händen gehalten hatte, und prophezeite ihm, daß bei ihm einmal wunderbare Dinge geschehen werden, weshalb er viel zu leiden haben werde; dieses Kruzifix werde ihm dann Schutz und Trost sein. Damals (1906) erhielt er auch aus dem Nachlasse der verstorbenen Witwe Sacchetti ein schönes Herz-Jesu-Bild, eigentlich elf gleichartige, die nach einem kostbaren Original, das angeblich eine wunderbare Entstehungsgeschichte hat, auf Papier angefertigt waren. Ein solches Herz-Jesu-Bild, das den Heiland fast in Lebensgröße bis zur Brust darstellt, stellte Abbé Vachére in seiner Kapelle zu Mirebeau auf den Altar unter das große Altarkruzifix. Dort stand es mehrere Jahre, ohne daß sich etwas zugetragen hätte. Am Feste Maria Geburt, den 8. September 1911, zeigten sich an der Stirne auf dem genannten Bild Blutflecken und Bluttropfen, die dann herunterrannen. Später begannen auch die Wundmale an den Händen und am Herzen zu bluten, bald stärker, bald schwächer. Zeitweise hörten die Blutungen auf und das Blut vertrocknete, blutete aber dann wieder von neuem.

Man hat oft auf Leinen das herabträufelnde Blut aufgefangen. Auch die hl. Hostie blutete zuweilen bei diesem Altare während des hl. Meßopfers (20mal zu verschiedenen Augenblicken nach der Wandlung); einige solcher blutbefleckten Hostien sind erhalten. An einer (vom 27. Mai 1912, der Engel dieses Tages ist St. Hajim, der Engel der Herzen Jesu und Mariens) hat sich ein schönes Herz gebildet, woran man alle Äderchen sieht. Zum letzten Mal wurde die Hostie am 18. Februar 1914 blutig, und zwar floß schon bei der Wandlung so viel Blut aus, daß sie nicht mehr in die Höhe gehoben werden konnte. Zu fünf verschiedenen Malen war bei der hl. Messe im Kelch rotes, warmes Blut und hatte auch den Geruch und den Geschmack des Blutes. Professor Nazari an der Medizinischen Fakultät in Rom hat das Blut, das vom Herz-Jesu-Bild floß, untersucht und als Menschenblut bezeichnet.

Hunderte und Tausende Menschen haben schon die Blutungen gesehen, und in der Kapelle haben auch vor dem Herz-Jesu-Bild wunderbare Krankenheilungen stattgefunden, sogar die Totenerweckung eines Kindes, das die Ärzte nach der Operation für tot erklärt hatten. Bemerkenswert ist es, daß das Bild besonders an solchen Tagen blutete, wo große Sünden und Greueltaten in der Welt begangen wurden; so z. B. am 20. September 1911, wo – wie immer am 20. September – die Freimaurer in Rom tobten und den Heiligen Vater verhöhnten. Auch vor Ausbruch des Weltkrieges und vor großen Schlachten blutete es sehr stark. Infolge der starken Blutungen rann oft das Blut bis zum Fuße des Altares herab. Durch die vielen Blutungen ist es fast entstellt und an sich zur Andacht wenig geeignet.

Am 16., 17. und 18. Oktober 1911 und später ließ sich öfters eine Stimme hören, die vom Bilde herkam und zukünftige Ereignisse offenbarte; auch erhielt Vachére Unterweisungen und Aufträge. Die Aufträge wurden ausgeführt, aber zumeist ohne Erfolg; sie betrafen z. B. Mittel zur Abkürzung des Krieges, die Reform der Priesterschaft, die mitunter verweltlicht ist, auch Vorkehrungen zum Schutze der Jugend gegen den zunehmenden Unglauben usw. Am 2. November 1911 erhielt er den Auftrag, an den Papst zu schreiben, auf daß dieser den Priestern auf der ganzen Welt für immer das Recht gebe, am 2. November dreimal die hl. Messe für die leidende Kirche darzubringen. (Am 10. August 1915 erfüllte Papst Benedikt XV. diesen Wunsch.) Einmal mußte Vachére den dringenden Auftrag Christi an den Papst richten, auf daß der Heilige Vater allen Priestern, besonders den an der Front stehenden, anbefehle, täglich den Exorzismus, der vom Papst Leo XIII. verfaßt ist, zu verrichten, um die Macht der Hölle abzuschwächen, die die Haupturheberin alles Bösen in der Welt, namentlich der Kriege und Revolutionen, ist. (Leo XIII. hat mit Breve vom 18.05.1900 reichliche Ablässe jenen Priestern verliehen, welche die Exorzismusformel beten. Laut Kongreß Abl. 16. Juli 1892 erhalten jene Priester, die darum ersuchen, von ihrem Bischof die Vollmacht, den von Leo XIII. verfaßten Exorzismus in satanam et angelos apostaticos zu verrichten. Formulare des genannten lateinischen Exorzismus sind zu haben bei Friedrich Pustet in Regensburg.)

Die geheimnisvolle Stimme redete Abbé Vachére an mit dem Namen: "Ma victime, prêtre, Mein Opferpriester!" (Der Sinn ist offenbar: "Mein Priester, der meinetwegen leiden muß.") Erwähnt sei noch, daß das blutende und sprechende Bild zuweilen die Gesichtsfarbe wechselte, die Lippen und die Augen bewegte und einen Wohlgeruch (der weder dem Weihrauch noch dem Blumengeruch ähnlich war) verbreitete, der im ganzen Hause und sogar im Garten wahrgenommen wurde.

Im Jahre 1911 ließ sich der Bischof Humbrecht das blutende Bild nach Poitiers kommen und sandte es später zurück mit dem Auftrage, es den Gläubigen nicht mehr zu zeigen. Im März 1912 kam aber der Generalvikar von Poitiers und nahm das Bild, das in seiner Gegenwart wieder zu bluten anfing, in Besitz. Bald darauf blutete ein zweites Herz-Jesu-Bild auf dem Besitztum des Vachére. Dieser hängte nämlich im Februar 1913 im Arbeitshäuschen ein Herz-Jesu-Bild auf, um dadurch seine Arbeiter vom Fluchen abzuhalten. Es dauerte nicht lange – es war in der Karwoche am 19. März 1913 – so fing auch dieses Bild zu bluten an. Das Blut floß gleichzeitig von sämtlichen Wunden des Heilandes, von der Seitenwunde, von den Handwunden und vom Kopfe, nämlich von den Wunden der Dornenkrone. Das Bild blutete bis zum Ausbruch des Weltkrieges zu Beginn August 1914. Das Blut am Bilde war dann einen Zentimeter dick.

Vachére muß nun verleumdet worden sein; denn er erhielt 1914 von der kirchlichen Behörde die Zuschrift, daß er vom hl. Offizium in Rom am 22. April 1914 exkommuniziert worden sei. Als Grund wurde insbesondere angeführt, daß er ein neues blutendes Bild der Schaulust der Gläubigen vorgezeigt habe. Vachére fuhr nun wiederholt nach Rom. Schon im Juni 1912 war er bei Pius X. gewesen, um ihn zu bitten, auf daß die wunderbaren Vorfälle mit dem Herz-Jesu-Bilde kirchlich untersucht werden.

Der Papst wurde durch den Anblick der 23 Fotographien, die verschiedene Zeitpunkte der Blutung des Bildes wiedergaben, und der blutenden Hostien (die auf Wunsch des sprechenden Bildes nach St. Peter in Rom übertragen werden sollten), tief gerührt.

Auf Befehl der vom Bilde kommenden Stimme begab sich Vachére 1920 nach Rom. Daraufhin hat Papst Benedikt XV. dem Bischof in Poitiers den Auftrag gegeben, die wunderbaren Vorgänge zu Mirebeau kirchlich zu untersuchen.

Dazu mag folgender Vorfall im Vatikan am 25. März 1920 beigetragen haben: Als Vachére daselbst die aus Mirebeau mitgebrachten blutbefleckten Leinen vorzeigte, wurden diese vor aller Augen plötzlich hochrot, wie frisch blutig. Und als er das von der Dienerin Gottes Benedikta Fren geschenkte Kruzifix vorwies, vergoß dieses reichlich viel Blut, was diesmal zum erstenmal mit dem Kruzifix geschah.

Dadurch schien die Ehre und Unschuld dieses Priesters auf wunderbare Weise verteidigt und die Echtheit des Wunders zu Mirebau indirekt bestätigt. (Ein Bericht darüber befand sich im "Volksfreund" zu Straßburg Nr. 19 am 9. Mai 1920.) Im Mai 1920 war Vachére neuerdings im Vatikan und zeigte dort die wunderbare Hostie mit dem Herzen vor. Erwähnenswert ist, daß das Herz-Jesu-Bild zu Mirebeau seit dem Karfreitag 1921 zu bluten aufgehört hat. Seit jener Zeit blutete aber öfters das von der Zisterzienserin Benedikta Fren herstammende Kruzifix. Der Umstand, daß mit den Offenbarungen zu Mirebau Verfolgungen verbunden waren, wäre kein schlechtes Zeichen. Denn ist eine Sache von Gott, dann ist sie in der Regel Widersprüchen und Verfolgungen ausgesetzt. Bei den Offenbarungen der hl. Maria Margareta Alacoque war es nicht anders. Solche auffallende Vorkommnisse haben gewöhnlich eine ganz besondere Vorbedeutung, wie der Weltkrieg gezeigt hat.

Auch in dem historisch berühmten Aachen (man denke nur an Karl den Großen und an Rudolf von Habsburg) haben laut Zeitungsberichten in einer Privatwohnung (Hühnermarkt 19) in der Zeit vom 7. Juni bis zum Herz-Jesu-Fest, Freitag, den 11. Juni 1920, eine Herz-Jesu-Statue zu bluten und daneben ein Herz-Jesu-Bild zu weinen und zu bluten angefangen. Ein genauer ausführlicher Bericht findet sich in der Schrift 'Grabinski, Wunder', Seite 153 (1923, Franz Borgmeyer, Hildesheim).

Manche machen es sich sehr leicht, indem sie in derartigen Fällen, ohne eine kirchliche Untersuchung abzuwarten, gleich mit "Unfug" und "Schwindel" und dergleichen herumwerfen. Soviel steht fest: Je mehr sich die Menschheit dem Ende der Welt nähert, in umso erschreckender Weise werden sich Wunder und Weissagungen mehren, sowohl wahre, als auch falsche."

 

Samstag, den 14. Oktober 1943

Nach der hl. Kommunion zeigt mir Jesus das Sterben von Maria W. in Neuss. Sehe sie in einem Bett. Die Muttergottes steht bei ihr mit Engeln. Zu Füßen steht auch St. Franziskus mit einer Schar weißgekleideter Jungfrauen. Sie tragen lange Schleier und haben die Hände gefaltet; die Engel haben sie überkreuzt. Die Muttergottes tritt von links an das Bett und reicht ihr die Hand.

 

Freitag, den 20. Oktober 1943

Tage der Verlassenheit liegen hinter mir. Mein Sohn Theo war wieder in Urlaub. Ich freue mich, wenn er kommt. Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus, der spricht: "Nur einer ist Erlöser! Ich bin es, der da gibt und der nimmt, um euch zu führen auf Meine Pfade. Frei muß das Herz und die Seele sein, wenn Ich dort mit Meinem himmlischen Vater und dem Heiligen Geist wohnen soll." Er zeigt mir Sein Antlitz und spricht: "Siehe, das litt Ich für dich und alle Menschen. Betrachte die Wunden und Striemen. Sie sind Zeugen Meiner Liebe. So wie du die Liebe lesen kannst aus diesen entstellten Zügen, so will Ich senken die große Liebe in dein Herz. Mit Blut gefüllt sind Meine Augen. Die Tränen der Liebe und der Reue werden abwischen dieses Blut. Blutig und zerrissen ist Meine Stirn. So deine Hände gefüllt sind mit guten Werken und keine bösen, neidischen, rachsüchtigen und stolzen Gedanken dich leiten, so wird Meine Stirn wieder schön werden, wenn deine Hände sich auf Meine Stirn legen.

Siehst du Meinen Mund, wie geschwollen er ist. Siehe, wie die tiefen Wunden und das trockene Blut alle Wunden von neuem aufreißen. Du kannst sie alle heilen, wenn du schweigst, so man dir böse, lieblose Worte zuruft. Balsam sind deine Lob- und Dankgebete. So du Mich überall verherrlichst, so erfreust du Mich und schließen werden sich die Wunden. Wenn Ich immer hören muß die Gotteslästerungen, Fluchworte und schamlosen Reden, wie dringt dann das Blut aus Meinen Ohren. Oh, leiste doch Sühne dafür, was man heute nicht mehr Sünde nennt. Flüstere du Mir Liebesworte ins Ohr! Wie wohl tut es mir! Ich bin ja dein Heiland. Ich werde dir für jedes liebe Wort einen großen Lohn schenken. Siehe weiter, wie verunstaltet Meine Wangen und Meine Nase sind. Die Gefallsucht brachte Mir dieses bei und die Pestluft der unreinen Sünden. Doch du kannst wieder Linderung bringen, wenn aus deinem reinen Herzen der Weihrauch deiner Gebete zu Mir emporsteigt. Dieser Wohlgeruch dringt hinauf zum Throne der Heiligsten Dreifaltigkeit. Für jede Aufopferung Meines hl. Antlitzes wird der himmlische Vater dir besondere große Gnaden schenken."

Dann sehe ich St. Elisabeth, die spricht: "Ich werde führen die kleine weiße Rose, bis sie ruht in Mariens Schoß. Zur Seite werde ich ihr stehen in allen Stürmen des Lebens." (Gemeint ist die verstorbene Maria W.)

 

Montag, den 23. Oktober 1943

Knie vor dem Marienaltar. Maria weint über die Jungfrauen. Der freudenreiche Rosenkranz soll mehr gebetet werden. Maria spricht: "Meine Glorie ist so groß, daß sie nicht vermehrt werden kann. Meine Freuden aber können vermehrt werden im Beten des freudenreichen Rosenkranzes."

 

Donnerstag, den 26. Oktober 1943

Fühle mich krank. Leide für die Sünden des sechsten Gebotes. Sehe Christus als König. St. Michael mit seinen Streitern und viele Engel neigen sich vor Ihm und huldigen Ihm.

 

Freitag, den 27. Oktober 1943

Bin auf dem Weg zur Kirche. Höre Schritte hinter mir. Die Muttergottes ist an meiner Seite. Sie legt einen Schleier um mich. Dann geht der hl. Schutzengel vor mir her. Und St. Michael. Ich sehe nun Maria und Josef, St. Katharina, St. Theresia, St. Elisabeth und St. Genoveva. Maria erklärt die Aufopferung Jesu im Tempel als Sinnbild der Aufopferung nach der hl. Wandlung. Dann sehe ich Maria über eine Wiese kommen, mit Kindern, die wie Frühlingsblumen aussehen. Ob es die Ungetauften sind? Segnend schwebt sie dann aufwärts. Ich gehe alleine weiter, bitte die Vögel, mit mir in das Lob Gottes einzustimmen. Sie kennen mich schon und singen oft mit mir auf einsamen Wegen.

 

Samstag, den 28. Oktober 1943

Heute ist der Tag für meinen lieben verstorbenen Beichtvater Josef Berghoff (Gelsenkirchen). Er starb 1928. Ich bin so froh heute, so frei von Leiden. Ich weiß, daß er, der Gute, der alles an die Armen gab und nichts sein eigen nannte, im Himmel ist. Oh, bitte für mich und die Meinen, du, hl. Josef, daß wir unser Ziel nicht verfehlen. So betend, sehe ich ihn. Er segnet mich und spricht: "Nur weiter Mut und Freude zum Kreuz Christi. Ich führe dich weiter."

 

Mittwoch, den 1. November 1943, Allerheiligen

Maria und Josef begleiten mich. Maria spricht: "Heute ist allen Heiligen eine große Macht gegeben, eine besondere. Die Bitten, die sie vor Gottes Thron niederlegen, finden so weit Erhörung, als es im höchsten Willen steht." Nach der hl. Kommunion sehe ich eine große Schar in weißen Gewändern und Schleiern. Sie ziehen hinauf zu Gottes Thron. Dort werfen sie die Schleier zurück und fallen auf ihr Angesicht. Alle Engel und Heiligen treten zurück. Auf meine Frage, wer diese sind, von denen ein wunderbarer Glanz ausgeht wie von tausend Sonnen, höre ich eine Stimme: "Es sind die ganz reinen Seelen, die eine große Macht haben. Sie dürfen hintreten zum Throne Gottes. Sie bitten so lange und bleiben liegen auf ihrem Angesicht, bis sie erhört worden sind." Gestern nahm ich Abschied von der Rosenkranzkönigin. Ich sehe Jesus als König. Umgeben ist er von 12 Päpsten, 12 Bischöfen und 12 Priestern. Sie bitten für die Heilige Kirche. Jesus spricht: "Noch eine kleine Weile, Ich komme bald!" Ja, Herr Jesus, komm!

 

Donnerstag, den 2. November 1943

Auf dem Kirchweg werden meine Glieder so schwer. Ich setze mich in den Graben. Maria ist bei mir und erklärt den freudenreichen Rosenkranz: "Als ich vom Heiligen Geist empfing, habe ich euch alle empfangen. Auf mein Wort stieg Gottes Sohn zur Erde. Auf das Wort des Priesters bei der Wandlung steigt Er auch herab. Ich ging mit dem Herrn im Herzen zu Elisabeth. Am Herzen des Priesters ruht Er und geht zu den Kranken. So ist mein Gang Vorbild. Geboren habe ich Jesus klein und verborgen. Den Armen und den Königen zeigte ich mein Kind. Auch der Priester zeigt den Herrn den Armen, Reichen, Königen zur Anbetung bei der hl. Wandlung. Die Aufopferung nach der Wandlung ist meine Aufopferung Jesu im Tempel nach dem Vorbild Simeons. Ich fand mein Kind wieder im Tempel. Meine Kinder, die große Sünder sind, finde ich wieder im Hause Gottes, durch das Bußsakrament."

 

Freitag, den 3. November 1943

Ich darf einen ganzen Monat für die Armen Seelen die Leiden der Dornenkrone tragen und eine große Verlassenheit. St. Josef zeigt mir, welche große Macht er hat. Auf die Bitten der hl. Kirche führt er die Erlösten in den Himmel.

 

Freitag, den 10. November 1943

Sonntag war wieder schwerer Alarm. Schutz auf dem Heimweg war mein Scheyrer Kreuz. Heute zeigt Jesus mir alle Seine Wunden. Wir sollen sie mit weißen Rosen zudecken, das ist die Liebe und die Reinheit. Es ist morgens um 3.30 Uhr. Um viertel nach acht bin ich in Ittenbach in der hl. Messe. Nach der hl. Kommunion zeigt Jesus mir die Opferseelen, für die ich den Tag halte, daß alle im Himmel sind. Ich sehe den Heiligen Vater in einem weißen Gewand. Er dankt für die Verdemütigungen. Jesus offenbart mir den Tod unseres Seelsorgers. Nicht mehr ein Jahr, und er wird eingereiht unter die Schar der Heiligen. Jesus hat mir gesagt, daß er ein Heiliger ist. Ich habe einen heiligen Beichtvater, welch eine große Gnade ist das.

 

Mittwoch, den 19. November 1943

Ein großes Licht erhellt in Ittenbach den Altar. Ich denke darüber nach. Jesus läßt mich seine Freunde erkennen, weil ein guter Priester in dieser Gemeinde ist.

 

Montag, den 20. November 1943

Leide heute sehr für die Armen Seelen. Mein Körper ist ein Brand. Dann wechselt alles in Zittern und Frieren. Wo Gott fehlt, ist keine Wärme. Die Seele zittert vor Sehnsucht. Ist die Sehnsucht ungestillt, verbrennt das Herz vor Liebe.

 

Dienstag, den 21. November 1943

Bin zum Einkehrtag auf der Burg. Pater Heider liest von der Ausbreitung des Reiches Christi. Hinter ihm sehe ich ein dunkles Oval. Es verschwindet und zeigt sich zum zweiten Male, aber etwas heller. Es verschwindet wieder und zeigt sich zum dritten Male ganz hell. Es trägt das Bild der Immaculata. Jesus erklärt: "Dunkel liegt noch die Zukunft über dieser Gemeinschaft, die er führt. Große Kämpfe stehen bevor ... Der Sieg kommt durch die Muttergottes." Bei der Aussetzung des hochwürdigen Gutes sehe ich durch die hl. Hostie einen hellen Streifen. Der Herr spricht: "Nur durch Mich führt der Weg zum Himmel, zum Licht. Die Mutter führt ihre Kinder auf diesem Weg. Geteilt sahst du diese Hostie durch diesen Weg. Ein Weg führt nur zu Mir und doch gibt es zwei Führungen. Die erste ist durch Maria, die eine Leuchte auf der rechten Seite des Weges ist. Die zweite, der Weg den sie selbst ohne Führung oder durch die Heiligen suchen, verliert sich in der Weite. Dann gehet alle zur Mutter. Sie führt euch gut und sicher!"

 

Donnerstag, den 23. November 1943

Vergangenen Dienstag offenbarte mir Jesus: "Du, Meine Seele, stehst ganz im Anfang Meiner Leiden. Dein Leib wird mehr und mehr und mehr dahinsinken, bis er reif ist."

 

Montag, den 27. November 1943

Nachts zwei Uhr. Als feiner Herr naht sich der Teufel. Er sagt: "Ich befreie dich von Leiden und Opfern. Es hilft dir doch nicht, was du tust. Du schädigst dich selbst und das ist Sünde. So bist du doch mein!"

Ich nehme das Kreuz: "Fliehe Satan! Seht das Kreuz des Herrn!" Er weicht vor dem Kreuz. Dann werden mir die Qualen des Fegefeuers für die unreinen Sünden gezeigt. Oh, sie sind so entsetzlich, daß 100 Jahre schwere Leiden auf der Erde nicht damit zu messen sind. Sie rufen und weinen immer. Das Feuer zehrt an ihnen und schwarzer Rauch entsteigt dort, wo sie büßen. Sie bezeichnen sich selbst als Unwürdige. Gedenken wir ihrer im Gebet, die furchtbare Strafe für ihre Sünden leiden.

 

Dienstag, den 28. November und Mittwoch, den 2. November 1943, 1. Advent

Ist ein großer Leidenstag. Montag nach der hl. Kommunion, Adam und Eva sehe ich nach dem Sündenfall. Sie sitzen beide auf einem großen Stein. Sie beratschlagen, was sie tun sollen. An ihren Mienen sehe ich es, die Sprache verstehe ich nicht.

Des Engel Stimme spricht: "So wurden sie einsam und verlassen. Gott wollten sie gleich sein. Elend und Not war die Folge dieser großen Sünde. Das ging der Ankunft des Erlösers voraus. Die heutige Welt besitzt den gleichen Stolz und die gleiche Überheblichkeit. Die Gesetze Gottes sind umgeworfen. Wie durch die ersten Menschen Not und Elend die Sünde brachte, so sind auch heute die Folgen, an der alle tragen. Das geht der Wiederkunft Christi voraus."

 

Samstag, den 2. Dezember 1943

Auf dem Heimweg ist Maria an meiner Seite und spricht: "Ich bin die geheimnisvolle Rose!" Ein wenig erstaunt und erschreckt schaue ich auf zu ihr. Sie spricht weiter: "Ich blühte still und rein im Garten Gottes. Doch mußte auch ich das dunkle Erdental betreten. Still und rein blühte ich weiter im Tempel des Herrn. Der Vater im Himmel wachte über mich, bis ich zur vollen Blüte entwickelt war. Er setzte mich dann hinein in die Welt, damit Seine kleine Rose auch durch Sturm und Wind stark würde.

Als Schutz stellte er eine Lilie mir zu Seite, die Josef hieß. Die Lilie und die Rose lebten nun zusammen. Unberührt und rein blühten beide Blumen weiter zur Ehre Gottes. Eine große Prüfung sandte der Vater über seine Blumen. Die weiße Taube, der Heilige Geist, fand Gefallen an dieser Rose. Er stieg hinab und senkte den Hauch der Gottheit in den Blütenkelch der weißen Rose. Schöner und reiner blühte sie weiter.

Weil nun der Hauch der Göttlichkeit den Blütenkelch berührt hatte, entwickelte sich neues Leben im Schoße der weißen Rose. Eine Knospe sproß hervor. Sie war rot getränkt vom Herzblut der weißen Rose. Die Lilie sah die Veränderung und wandte sich ab von der Rose. In einer Nacht sandte der Vater einen Engel, der der Lilie das Geheimnis der Rose kundtat. Die Lilie schützte von dieser Stunde an die kleine, weiße Rose. Nun wußten beide um ein großes Geheimnis. Demütig neigten sie sich vor dem Herrn und sprachen das eine Wort: Advent!

Ich bin wieder allein. Ich hatte nicht gemerkt, daß ich weit gegangen war und mußte wieder zurück.

 

Donnerstag, den 7. Dezember 1943

Ich muß nach Thomasberg, eine Stunde von hier. Es ist zwischen vier und fünf Uhr. Eine Anzahl Franzosen kommen mit ihren Pferden. Eins ist sehr wild. In Gedanken schlage ich den verkehrten Weg ein. Ich muß zurück. So kam ich wieder an die Stelle, wo die Franzosen waren. Ein Bild des Entsetzens bot sich mir. Das Pferd, dem ich aus dem Weg gegangen war, kam hochaufgebäumt auf mich zu. Schaum war in seinem Maul. Der Mann hatte die Gewalt über das Tier verloren. Als er sich aufrichten wollte, wurde das Tier wilder und schleifte ihn nur so mit sich. Ich stellte mich an den Pfeiler der Brücke. Auf einmal wurde das Tier so wild, daß es sein Opfer unter sich zog und ein großes Stück auf eine Wiese schleifte. Viele Menschen hatten sich angesammelt, aber keiner half. Auch die anderen Pferde wurden wild. Ich trat näher und betet: "Herr, hilf doch, es geht um ein Menschenleben!" Im Augenblick konnte das Tier den Mann unter sich zertreten. Ich nahm den Gebetsring und den Heiligblutring, machte ein Kreuz und betete den Exorzismus. Kaum war ich zu Ende, da ließ das Tier sein Opfer los. Es stand und wieherte ganz freudig, als wollte es sagen: "Nun habe ich euch alle mal bange gemacht." Es ließ sich streicheln. Auch die anderen Tiere wurden ruhiger. Ein Dankgebet schickte ich zum Himmel und ging weiter. Ich denke nach, warum ich zweimal an dieselbe Stelle kam.

Da steht im braunen Gewand Jesus vor mir und spricht: "Ich bin der Herr über Leben und Tod! Du willst Mein verborgenes Leben kennenlernen. So wie du heute, so stand auch Ich mitten unter den Menschen. Ich segnete sie und half ihnen. Doch kannten sie Mich nicht, weil Meine Stunde noch nicht gekommen war. Als ich bekannter war und öffentlich auftrat, erkannten Mich viele wieder. Als Ich verurteilt wurde, waren es auch jene, die sich gegen Mich erhoben, denen Ich in Meinem verborgenen Leben Gutes tat. So wird es allen ergehen, die Mir nachfolgen.

Solange sie verborgen leben, haben sie ihre Ruhe. Sind sie erkannt worden, wird man sie verfolgen und verurteilen. Das Urteil der Welt ist ein anderes als das Gottesurteil."

 

8.-10. Dezember 1943

Der hl. Engel half mir beim Weihnachtsgedicht. Ich sah mich vor der Krippe stehen. Das Jesulein streckte seine Ärmchen nach mir aus. Näher wollte ich treten. Da sehe ich über seinem Haupte ein großes Licht. Es blendet mich, ich weiche zurück.

Am 5.12. nach der heiligen Kommunion, sehe ich die hl. Väter. Ich höre ihre Stimmen: "Bereitet werden die Wege durch viele Seelen, die der Vater ausersehen hat, die Ankunft seines Sohnes vorzubereiten."

Am anderen Tage habe ich meinen eigenen Advent. Ich gehe nach Ittenbach. Werde wieder einmal enttäuscht. Der hochwürdige Herr ist erkrankt und die hl. Messe wird nicht gefeiert. Allein bin ich in der dunklen Kirche. So nahe bei Dir, Heiland, und doch so fern. Mein Advent! Der Tag soll für die gefallenen Krieger sein. Meine Gedanken gehen hin zu ihnen.

Die Zahl der heiligen Engel: "Du mußt heute mit ihnen leiden. Groß ist die Zahl, die sich sehnte, noch einmal vereint mit ihrem Gott zu sein, die letzte Reise anzutreten. Auch sie gingen durch diesen dunklen Advent, gleich wie die Seelen des alten Bundes, die 4000 Jahre warten mußten. Kannst du ihre Sehnsucht verstehen?

Im Anfang besaß der Mensch alles und Gott war der Inhalt seines Lebens. Der Mensch aber wurde stolz und wollte Gott gleich sein. Gott nahm alles Herrliche und Schöne. Hinein ging es in den dunklen Advent. Der Sohn Gottes wollte uns ein neues Paradies bringen. Doch der stolze Mensch lehnte wieder ab.

Nun ist der zweite Advent da, der noch dunkler ist als der erste. Feiere nun die heilige Messe allein mit den Priestern, die heute auch kein heiliges Opfer darbringen können!"

Ich tue, wie mir befohlen. Bei der Opferung werde ich aus der Betrachtung herausgerissen. Es muß mich jemand gerüttelt haben. Wie von Ferne vernehme ich die Frage: "Ist Ihnen schlecht geworden?" Ich antworte: "Ich bete doch nur!"

Dann umgibt mich wieder heilige Stille. Die heilige Wandlung feiere ich nun. Ungezählte Priesterhände sehe ich, die den verborgenen Heiland zur Anbetung erheben. Diese Hände bilden vereint eine weiße Rose. Sie umklammern den Kelch, in dem ruht die rote Rosenknospe, wie in Mariens Schoß. Oh, großes Geheimnis, wer kann dich erfassen? Wer kann dich verstehen?

Noch bin ich ganz hingerissen von all' dem Wunderbaren; da steht Abraham vor mir. Er segnet mich und spricht: "Du sollst ein Segen sein. Gehe und arbeite für Christi Reich und alle seine Kinder!"

Die Worte des Herrn finden nun ihre Erfüllung: "In dir sollen gesegnet sein, alle Geschlechter der Erde! Ich werde euch schützen und führen."

Das kam ungeahnt. Ich muß weinen. Ich bitte um Kraft für mich und alle, die an der Ausbreitung des Reiches Christi arbeiten. Ich darf einen Blick tun auf Soldatengräber und Schlachtfelder. Da fallen von den Priesterhänden, die sich erheben zu heiligen Wandlung, unzählige Rosenblätter leise ab auf manch' frühes Grab; über ihnen schwebt der Kelch, aus dem dornengekrönt der Heiland emporsteigt. Bei der hl. Kommunion reicht Maria mir eine rote Rosenknospe.

Am Feste Maria Empfängnis sehe ich in St. Annas Schoß eine wunderbare weiße Rose, ganz von Engeln umgeben. Ich bin auf der Burg.

Der Tag ist für alle Marienkinder. Ich bitte Maria um einen besonderen Segen. Sie ist so gütig. Schwebend kommt sie und breitet segnend ihre Hände aus nach allen Himmelsrichtungen.

 

Sonnabend, den 9. Dezember 1943

Auf dem Heimweg werden mir Worte gegeben zu dem Bilde, die weiße Rose in St. Annas Schoß.

 

Sonntag, den 10. Dezember 1943

In der Nacht durfte ich viele Stunden in die Gefängnisse hineinschauen, in denen die Armen Seelen des alten Bundes auf ihre Befreiung durch den Erlöser warteten. Der hl. Engel spricht: "Diese Zeit war ein Vorbild der jetzigen Zeit. Einem Führer, der die Macht haben wollte, mußten sie gehorchen. Sein Wille war Befehl. Die Kerker und Gefängnisse füllten sich. Dasselbe Bild steht nun vor unseren Augen." Auch dieser Advent geht vorüber. Jesus, der Retter, wird bald kommen. In meiner Vision habe ich helfen wollen. Bin dabei so unglücklich gefallen, daß ich mir das linke Auge und die Gesichtshälfte aufschlug an der Badewanne. Ich hatte sie bereitgestellt. Für die Leidenden dieser Zeit opferte ich die Schmerzen.

 

Mittwoch, den 13. Dezember 1943

Nach der heiligen Kommunion sehe ich einen Stern. Der Herr spricht: "Es ist der Stern, den du erbeten hast, als du für den Frieden zur Weihnachtszeit gefleht hast. So wisse denn: In heiliger Nacht brachte ich einst den Frieden, aber nur denen, die guten Willens sind. Die Guten und Gerechten werden immer den Frieden haben, auch in den Tagen der Trübsal. Der andere Friede ist von der Welt genommen. So war es im Anfang, so steht es auch heute nach dem Sündenfall. Der Vater hat sich die Stunde vorbehalten, die niemandem geoffenbart wird. Die ihr den Herzensfrieden besitzt, traget diesen Frieden weiter, damit an euch sich die gefallene Menschheit aufrichte!"

Dann schaue ich den Herrn am Kreuz. Alle seine Wunden sind mit Rosen zugedeckt. Wie vor ein paar Tagen lösen sich Blätter und fallen nieder. Eine süße Stimme spricht: "Ich decke zu die Toten und lindere die Schmerzen der Kranken und Verwundeten!"

 

Samstag, den 16. Dezember 1943, Nachmittag, zwischen 3 und 4 Uhr

Ich sehe Jesus, 30-jährig. Er nimmt Abschied von der Mutter. Als Mensch fällt es ihm schwer. Auf Marias Zügen liegt eine stille Wehmut. Sie weiß, nun ist die Stunde da, wo sie ihr geliebtes Kind hergeben muß. Nach ihrem 1. Advent sah sie ein kleines, hilfloses Kind vor sich.

Nach ihrem 2. Advent sah sie den Heiland nach der Auferstehung in seiner Herrlichkeit. So wird sie Ihn auch uns bringen in Herrlichkeit, wenn dieser Weltadvent zu Ende geht. Schon tagelang sehe ich die Buchstaben "PX".

 

Montag, den 25. Dezember 1943, Weihnachten

Leidenstage liegen hinter mir. Ich durfte teilnehmen an den Leiden, die Maria durch die beschwerlichen Wege erduldete vor der Geburt ihres Kindes. Die Mitternachtsschläge sind eben zu Ende, da zwingt mich ein Licht auf die Knie. In einen Felseingang schaue ich hinein. Maria kniet auf dem kalten Boden. Unter ihrem Herzen ist sichtbar eine große, weiße Rose. Sie öffnet den Blütenkelch und hervor geht die rote Rosenknospe. Sie entfaltet sich. Drinnen liegt das Gotteskind. Der gelbe Blütenstaub steigt höher und wird zur Krone, die das kleine Haupt schmückt. Die roten Blätter werden zum Mantel, die das liebliche Kind einhüllen.

Nun liegt es da, das Jesuskind. Maria kniet vor ihrem Kind und betet es als erste an. Eine weiße Wolke schwebt über allem. Über dem Kinde leuchten die Buchstaben "PX". Der Heilige Geist umstrahlt alles. Engel nahen in großer Zahl, besonders Gabriel mit seinem Chor, zur Anbetung. St. Josef steht abseits. In seiner Demut wagt er nicht, näher zu treten. Wie schön es ist. Ich darf mit anbeten. Es ist drei Uhr, als ich aufwache. Wenn es alle einmal erleben würden, es würde in Wahrheit ein Fest der Liebe.

 

Dienstag, den 26. Dezember 1943, 2. Weihnachtstag

Ich bin noch so mitgenommen durch die Leiden. Meine Sprache will noch nicht so recht. Ich kann nicht singen. Dem Jesuskind klage ich es.

Es spricht zu mir: "Alles verließ ich, liege hier arm und schwach. Die Sprache habe Ich als kleines Kind auch geopfert und immer noch in der hl. Eucharistie. Höre nun mit mir, wie all die guten Menschen Gott loben und preisen."

So froh war ich und kniete nach der Andacht noch lange an der Krippe. Alles sage ich dem holden Kind, die großen und die kleinen Anliegen. Ein Lächeln ist die Antwort. Wie glücklich macht so ein Lächeln. Warum können in Dir, holdes Kind, nicht alle glücklich werden? Weil sie nicht mehr kindlich sind, weil sie kein Vertrauen zu Dir haben, weil sie Dich nicht suchen.

 

Freitag, den 29. Dezember 1943

Ein schönes Bild darf ich heute schauen: Kinder von Bethlehem kommen zum göttlichen Kind. Sie hörten von einer fremden Frau, die ein schönes Kind hat. Nun stehen sie und schauen zum Jesulein. Einige haben Spiele mitgebracht. Wie aber das göttliche Kind sie anschaut, haben sie ihre Spiele vergessen. Es war ihnen wohl eigen zumute. Sie werden hier schon gesegnet. Mit gefalteten Händen stehen sie da und lauschen, was Maria ihnen von ihrem Kinde erzählt. Sie dürfen am Schluß alle dem Jesulein ihre kleinen Hände geben. Sie blieben gesegnet für ihr ganzes Leben. Sie waren dabei, als später der Heiland durch sein Volk verurteilt wurde. Bete besonders heute für die Kinder, daß Jesus sie segne.

 

Sonntag, den 31. Dezember 1943

Mit dem Herz-Jesu-Freitag nahm dieses Jahr den Anfang und mit einem Sonntag geht es zu Ende. Es gehört dem lieben Heiland. Die Sühne ist nicht geleistet worden, die er verlangt hatte. Leidenstag habe ich heute.