• Engel und Heilige von jedem Tag
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Montag, den 1. Januar 1944, das neue Jahr 1944, Beschneidung

Jung ist es noch, das neue Jahr. Ewig jung und schön ist sie, die es sich erwählt hat: Maria. Nach der hl. Kommunion sehe ich sie mit ihren Engeln vor dem Thron der Dreieinigkeit. Sie bittet, die Völker und Nationen in diesem Jahr besonders führen zu dürfen. Ich bitte den hl. Engel, ein wenig lauschen zu dürfen und mir zu helfen, das Gehörte in Worte zu kleiden.

Mariens Bitte und Gebete
Das alte Jahr versank in Weh und Leid.
Was wird es bringen für die Ewigkeit?
Das Weltentor geht auf, und wer tritt ein?
Das neue Jahr! Was bringet es mit, wie wird es sein?

Es bringe mit die Himmelskönigin.
Sie steht am Anfang, sie stehet zu Beginn.
Sie wird uns führen in diesem Jahr.
Sie steiget hernieder mit ihrer Engelschar.

Sie steigt hinauf und steht vor Gottes Thron.
Sie bittet ihren Gott, sie bittet ihren Sohn.
Laß führen mich die Völker auf der Erd'.
Damit es einmal, einmal Friede wird'.

O hab Erbarmen um der Gerechten all'.
Die beten und opfern im Erdental.
Sie leiden für Dich und die Sünder.
Erbarme Dich, erbarme Dich der Menschenkinder.

Wohl haben die Frevler Deinen Zorn verdient.
Und Dich beleidigt durch die große Sünd'.
Die einstens stürzte die Engel all.
Und brachte die ersten Menschen zu Fall.

Alle hast Du nach Deinem Bild erschaffen.
Doch wurden sie untreu und Satans Sklaven.
So gedenke, mein Sohn, der Stunde.
Da die Engel brachten die Friedenskunde.

Sie verkündeten Dich, den Heiland der Welt.
Es blickten auf die Hirten zum Himmelszelt.
Es kamen die Könige aus fernem Land.
Und Hirten und Könige haben dich gekannt.

Ehe ich mußte fliehen mit Dir.
Kamen Kinder und huldigten Dir.
Die Kleinen ließen für Dich ihr Leben.
Ihr junges Blut haben sie für Dich dahingegeben.

Als kam Deine Zeit, da zogest Du segnend aus.
Brachtest den Frieden in manches Haus.
Hast die Kranken geheilt an Seel' und Leib.
Sprachest vorm Leiden: Ich immer bei euch bleib!

Setztest ein der Liebe Sakrament.
Drin wolltest Du bleiben bis ans End.
Starbst am Kreuze für die Sünder.
Machtest sie zu Gotteskindern.

Gingest glorreich aus dem Grab hervor.
Schlossest auf des Himmels Tor.
Als Du fuhrest in des Vaters Reich.
Sandtest wieder Deine Engel gleich.

Zu den Jüngern sprachen sie.
Eurer Meister, der verläßt euch nie.
Wie Er fuhr gen Himmel auf.
Kommt Er wieder, wenn vollendet ist der Zeiten Lauf.

Sandtest wieder dann den Heiligen Geist.
Der all die Guten lehrt und unterweist.
Der die eine heil'ge Kirche führt.
Und erleuchtet ihren Führer, ihren Hirt.

O mein Sohn, mein Jesus, frage ich:
Warum opferst Du noch immer Dich?
Warum ließest Du Dich schließen ein.
Um der Seelen Preis und Trank zu sein?

Darum fleh' ich nun recht inniglich.
Und weiß, mein Kind, du erhörest mich.
Nicht umsonst hast soviel Opfer Du gebracht.
Hast an aller Seelen Rettung nur gedacht.

Doch aufgestanden ist der Hölle Macht.
Und Satan spricht: So wird's gemacht:
Den Geist des Stolzes und der Verblendung streu' ich aus.
Ich treibe damit die Seelen zur Kirche hinaus.

So bitte ich noch einmal Dich.
Laß nicht umsonst hier stehen mich.
Laß ziehen mich mit meiner Engelschar.
Zu führen die Seelen in diesem Jahr.

Bringe dem Vater diese Bitte dar.
Wenn Du opferst dich auf dem Altar.
Den Kampf, den nehm' ich auf mit Luzifer.
Mit meinen Engeln schlag' ihn und das Höllenheer.

Der Heiland darauf huldvoll spricht:
Deinen Bitten widerstehen kann ich nicht.
Will bestürmen nun das Vaterherz.
Das auf Erden werd' gelindert Not und Schmerz.

Der Vater voller Huld erzeiget sich.
Er gewähret die Bitte gnädiglich.
Dank, Anbetung bringet Maria dar.
Mit der heiligen Engelschar.

"Heilig, Heilig, Heilig! Dreimal Heilig!"
Singt der Engel Chor, über alles Heilig.
Ist und bleibet unser Gott.
Er, der Herrgott, Sabaoth!

 

Montag, den 3. Januar 1944

Gestern und heute leide ich sehr für den Namen Jesu. Es ist, als wären meine Glieder von Feuer durchbohrt. Zwischen zwei und drei Uhr sehe ich einen Aufstand der Hölle. Sie hören den Namen Jesu und müssen sich beugen. Das ist die größte Verdemütigung der Verdammten. Jede Verdemütigung bereitet ihnen große Qualen. Wir können uns keine Vorstellung davon machen. Je mehr und andächtiger der Name Jesu verehrt wird, desto größer ist die Wut der Hölle und ihre Qual. Ich sehe wie sie beraten, die allerseligste Jungfrau zu bekämpfen. Sie wüten und fluchen immer von neuem, weil sie in ihrer Demut das "Ja" gab und so uns Jesus gab, vor dem die Hölle zittert. Besonders wollen sie auch die Menschen quälen, die voll Ehrfurcht und Demut sich vor Jesu Namen beugen und ihn andächtig verehren.

 

Dienstag, den 4. Januar 1944

Heute reicht Maria mir das Jesuskind. Es ruht auf einer Wolke über einem Kelch schwebend. Ich möchte es festhalten, aber noch bin ich erdgebunden. Einmal, mein Jesus, in der ewigen Heimat, werde ich Dich ewig schauen und besitzen dürfen.

Von drei bis vier Uhr schaue ich die Welt. Sehe unzählige Menschen, besonders Sterbende, die andächtig den Namen Jesu sprechen. Sie besiegen damit die Hölle. Der Teufel stellt alles an, um diesen Namen aus den Herzen der Menschen zu reißen, besonders stellt er den Marienkindern nach.

Ich sehe weiter, wie schön fromme Menschen sind, die mit Andacht den Namen Jesu sprechen. Von ihren Lippen geht ein Strahl aus, der hinaufdringt zur heiligsten Dreifaltigkeit. Diese Strahlen gehen vom Throne Gottes in die Hölle und bereiten den Verworfenen neue Qualen.

Nach dieser Schau bin ich eine Weile mit Jesus vereint. Er spricht: "Du bist schwach und hilflos geworden. Trage es mit dir, damit du auch andere Leiden mit Mir tragen kannst, die deiner warten."

Um 11 Uhr abends reicht Maria mir wieder ihr liebes Kind, wieder auf einer Wolke, über dem der Kelch schwebt. Ich frage heute, warum sie es mir so reicht. Sie spricht: "Kelch und Hostie nie vergeht, bis zum Ende der Zeiten dieses Wunder besteht."

 

Mittwoch, den 5. Januar 1944

Es ist halb drei Uhr. Maria spricht: "Ich bin der Turm Davids!" Dann darf ich die hl. Drei Könige begrüßen.

 

Donnerstag, den 6. Januar 1944

Wieder kommt das Jesuskind auf lichter Wolke. Es segnet nach allen Himmelsrichtungen. Indem es segnet, erscheint hinter Ihm das Kreuz. Von vier bis fünf und von neun bis zehn Uhr darf ich Anbetungsstunden mit den Heiligen Drei Königen halten.

Dann spricht Jesus: "Ich lag auf Stroh. Diese leeren Halme standen einst in Blüte auf dem Felde. Sie gaben Brot für die Menschen. Ich habe sie geheiligt, indem ich darauf ruhte. Weil sie gesegnet wurden, sind alle Halme, die im Frühling aus der Erde sprießen, gesegnet. Sie neigen sich vor ihrem Gott. Ihr, die ihr diese Geheimnisse kennt, geht mit stolzem Haupt vorüber an eurem Gott. Ich habe das Brot schon dadurch bei meiner Geburt gesegnet. Ich erwählte es, um verborgen darunter eure Seelenspeise zu sein. Oh, achtet das Brot, damit es euch nicht genommen wird!

Ich habe auch die Geschenke der hl. Drei Könige geheiligt. Gold gab man Mir. Ich sah schon damals in die Zeit, da man mir wiederum Gold gab für mein heiliges Blut. Treibt darum mit dem Gold nicht Sünde.

Weihrauch schenkte man mir. Das ist und bleibt Meine Freude, wenn dieser süße Duft zu Mir emporsteigt. Noch süßer ist der Weihrauch der Opfer und Gebete.

Myrrhe legte man Mir in Meine kleinen Hände. So recht ist sie das Sinnbild Meiner Leiden und hat Mich begleitet von der Wiege bis zum Grabe. So lege Ich, die ihr Meine Nachfolger und Kämpfer seid, eine wenig von dieser Myrrhe in eure Hände. Durch Leiden gelangt ihr zu den Freuden, die Ich für euch bereithalte. Darum folgt Mir, dem armen leidenden Jesus, von der Krippe bis zum Kreuz, damit ihr auch mit Mir glorreich auferstehen werdet."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 7. Januar 1944

Bin in Ittenbach. In Anbetung versunken, sehe ich das heiligste Herz Jesu über dem Altar schweben. Die Herzenswunde steht weit offen. Viele gehen hinein. Über, unter und von den Seiten ist das göttliche Herz von lauter Herzen umgeben. Jedes Herz weist einen Anker auf, der reicht bis zum göttlichen Herzen.

Ich denke darüber nach und höre des Engels Stimme: "Das sind alle, die kein Herz mehr besitzen. Das sind die Bräute des Heilandes. Sie haben Ihm ihr Herz gegeben. Sie sind verankert in Ihm. Denen kann der böse Feind nichts mehr anhaben, weil sie ja ihr Herz nicht mehr besitzen."

Dann sehe ich Engel herniedersteigen zur Anbetung vor dem Allerheiligsten. Auch Maria kommt. Sie zögert aber. Der Priester am Altar wird unruhig. Das Velum wird nicht gebracht. Er steht auf und holt es selbst. Da nimmt die Muttergottes den Platz des Priesters ein und leistet Anbetung und Abbitte. Sie steht wieder auf, als der Priester kommt. Nach dem Segen entschwebt sie mit der Engelschar.

 

Samstag, den 8. Januar 1944, Priestersamstag

Warte auf das Auto. Der Bus muß früher gefahren sein. Es treibt mich etwas nach Ittenbach, wo halb 9 Uhr noch eine hl. Messe ist. Nach der hl. Messe knie ich noch lange an der Krippe. Mochte mich nicht trennen. Der Pflicht gedenkend, nehme ich Abschied. Ich mache die Kirchentür auf und mein Blick fällt auf ein Haus gegenüber der Kirche. Da sehe ich am offenen Fenster ein Kind von eineinhalb Jahren. Es steht im Nachtgewand. Mit einem Füßchen steht es schon draußen auf dem Fensterbrett. Wie es mich erblickt, stockt es. Ich rufe den Schutzengel des Kindes an, damit er helfen möge. Über die Mauer konnte ich nicht herüber. Dem Kinde rufe ich zu: "Kindchen, du darfst nicht heraussteigen! Da fällst du und bist tot!"

Ich nehme das Scheyrer Kreuz und zeige es dem Kinde und sage: "Schaue einmal darauf!" Ich segne das Kind. Es schaut mich groß und fragend an, wagt aber nicht, weiterzugehen. Ich bete nur: "Herr, banne mit Deinem Kreuz das Kind, bis Hilfe kommt!" Nach einer Zeit bemerke ich im Hof eine Frau, die die Asche ausgeschüttet hat. Ich rufe ihr zu: "Hallo, Sie da, ist das Ihr Kind da oben im Fenster?" Erschreckt sagte sie: "Mein Gott, was soll ich tun, ach, es schlief doch noch, als ich herunterging."

Ich erwidere: "Ich stehe wohl schon 10 Minuten und zeige dem Kinde das Kreuz. Gehen Sie vorsichtig und fassen Sie es von hinten, ich bleibe so lange stehen." Eilends geht sie ins Haus. Ich unterhalte mich noch mit dem Kind. Dann wird es sachte von der Mutterhand gefaßt. Das Fenster schließt sich. Meine Mission ist beendet.

"Herr, Dein hl. Kreuz hat wieder ein Wunder gewirkt! Tausend Dank dafür!" Ich erkannte wieder Gottes Vorsehung. Von der Krippe konnte ich mich nicht trennen. So war ich die letzte, die das Gotteshaus verließ. Dem Engel des Kindes dankte ich auch besonders. Unterwegs sehe ich ihn und sage ihm, daß ich dieses Kind gern der Muttergottes weihen möchte. Er trägt meine Bitte zu Maria. Sie nimmt es an. Ich weihe ihr dieses Kind. Sie segnet es mit dem Jesulein. Dann erklärt sie mir die Worte: "Ich bin der Turm Davids!"

Sie spricht: "Es gefiel dem Herrn in seiner Liebe und Güte, daß ich aus dem Geschlechte Davids hervorging, daß ich Ihm Mutter wurde. Der Sohn Gottes stiftete eine Kirche, die bis zum Ende der Zeiten besteht. Auf Petrus, den Fels baute Er diese Kirche. Auf daß diese Kirche weit sichtbar wurde, durfte ich der Turm dieser Kirche sein. Durch mich gelangt ihr alle zu Jesus. Wenn nun die Zeit der großen Verlassenheit über die Erde kommt, wo die Gotteshäuser mehr und mehr verschwinden und die Priester weniger werden, so wird man weite Wege gehen müssen. Seid aber nicht trostlos, wenn euch keine Kirchtürme aus der Ferne winken und kein Glöcklein euch zum Gotteshaus ruft.

Wenn sie alle Gotteshäuser vernichten, so wird doch die Kirche Christi nicht vergehen. Ich aber, der Turm dieser Kirche, der elfenbeinerne Turm, der Turm Davids, der bleibt stehen. Diesen vernichtet kein Feind und keine Höllenmacht. Dem müden Wanderer und allen, die ihr Glieder dieser Kirche seid, wird er aus der Ferne winken und den Weg zeigen. Dann rufet zu mir in der Not. Ich werde euch führen und retten. Dann wird auch die Zeit kommen, da die Kinder Israels diesen Turm sehen und den wahren Weg zur Kirche finden.

 

Dienstag, den 18. Januar 1944

Große Leidenstage liegen hinter mir. Ich darf teilnehmen an den Leiden des hl. Antlitzes. Der Herr will aber, daß ich zum Arzt gehe, damit die Teilnahme an Seinem Leiden im Verborgenen bleibt. Nach der hl. Kommunion sehe ich ein großes Ährenfeld. In der Mitte steht der Herr. Die Ähren neigen sich und bilden sich zum Kelch.

 

Donnerstag, den 20. Januar 1944

Jesus zeigt mir heute Schaubrote. Er spricht: "Mein heiliges Sakrament ist den Schaubroten des alten Bundes gleichgestellt. Die Welt glaubt, das wäre nur für die Priester. Wie leide Ich unter der Lieblosigkeit dieser Tage. Sühne doch diese Sünden! Die Kinder hält man fern von Mir. Einkehren möchte Ich in jedes Herz. Einsam und verlassen wohne Ich im Tabernakel. Möchte die Welt erkennen, was ihr zum Heile dient!"

 

Freitag, den 21. Januar 1944

Nach der hl. Kommunion sehe ich den Knaben Jesus bei der Arbeit. Josef geht fort. Da wird es wie Licht im kleinen Raum. Verzückt steht der Jesusknabe und betet. Vom Vater und dem Heiligen Geiste ist Er umgeben. So überrascht Ihn Maria. Sie kniet nieder vor diesem Glanz.

Dann gehe ich zur Krippe. Ich erschrecke ein wenig. Vor mir steht Unsere Liebe Frau von den Tränen. Sie läßt mich schauen ihre Tränen vor und nach der Geburt Jesu. Sie schenkt mir eine ihrer Tränen als Weihnachtsgeschenk. Damit kann ich auch weinen über Christi Leiden.

Ich bitte auch für meinen lieben Bruder Heinrich um eine Träne, ja ich bitte um zwei, für beide Augen. Kostbar sind diese Tränen und nicht leicht erhält man sie. Ich gehe zur Mutter mit geneigtem Haupt. Auf einer Patene reicht sie mir vier weitere Tränen, zwei für den Bruder und zwei für mich. Wie Edelsteine leuchten sie. Hell werden daran die Augen für jedes Weh und Leid. Um halb vier Uhr putze ich die Zimmer. Unsere Liebe Frau von den Tränen steht vor mir und erinnert mich, daß ich vergaß, am Morgen die Taufe zu spenden über die, die am Tag und in der Nacht tot geboren wurden.

 

Samstag, den 22. Januar 1944

Beim Dämmerschein sehe ich eine lichte Gestalt. Zuerst glaube ich, es wäre Jesus. Es ist aber der hl. Johannes. Er entnimmt aus dem Kelch, den er trägt, die hl. Hostie und reicht sie der Muttergottes. In seinen Händen wird die hl. Hostie zum Kinde. Das geschah immer, sooft er sie der Muttergottes reichte.

 

Sonntag, den 23. Januar 1944

Ich sehe Jesus als Sonne der Gerechtigkeit. Seine Augen sind wie Feuer und strahlend ist der Blick. Ein Strahlenmeer geht von dem Herrn aus. Vieltausendmal schöner als die Sonne ist Er. Er hat auch etwas Strenges, Gebietendes in Seinen Zügen. So sah ich Ihn noch nie. Wie wird es den Bösen ergehen, wenn der Herr so erscheint? Ich spreche ganz leise: "Jesus!" Da kommt Er näher. Je näher Er kommt, desto schöner und strahlender wird Er. Wieder konnte ich nichts anderes sagen als "Jesus!" Bei jeder Anrufung kommt Er näher, und immer schöner wird Er.

Dann spricht Er: "Ich bin die Sonne der Gerechtigkeit. Man spricht soviel von Vergeltung. Mein aber ist die Rache! Ich werde einem jeden vergelten nach seinen Werken. Vor Meinem Glanz wird die Erde beben und die Frevler werden zittern!"

Bis zum 29.01. sind Leidenstage für die mir empfohlenen Leiden anderer. Trost ist in diesen Tagen Mein Jesulein über dem Kelch, auf der Wolke schwebend. Auch der hl. Johannes reicht mir das Jesulein. Er hat so etwas Liebes an sich. Denen, die ihn darum bitten, will er die Liebe zum Heiland erflehen.

 

Samstag, den 29. Januar 1944

In den vorhergehenden Tagen sah ich wiederholt drei große Schwerter aufleuchten. Nun wird es mir erklärt. Das erste Schwert ist das Schwert der Leiden. Das zweite das Schwert der Abtötung und Entsagung. Das dritte Schwert ist das Schwert des Spottes und der Verachtung. Mit diesen Schwertern muß eine gottliebende Seele ausgerüstet sein. Nimmt sie diese Schwerter, werden ihr zur Freude die Opfer, die der Herr verlangt.

Heute sehe ich das Meer. Ein furchtbarer Sturm wütet, der vom Meere sich über die ganze Erde ausbreitet. Häuser, Gebäude und Kirchen wanken. Voller Furcht sind die Menschen. Sie ringen ihre Hände zum Himmel und rufen: "Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!" Scheinbar hört der Herr auf diese Stimmen nicht. Vor dem Meer steht Er, in dunklem, flatterndem Gewand. Er sieht sich das Spiel an. Er läßt es sich gefallen, daß durch die Stürme Sein Haar zerzaust und Sein Gewand zerrissen wird.

Mit einem Male streckt Er seine Hände aus. Ernst wird der Ausdruck in Seinen Augen. Still wird es auf dem Meer, still auf der Erde und still in der Kirche.

Am Nachmittag von drei bis vier Uhr sehe ich weiter. Wie einst, so wird der Herr auch bald den Stürmen unserer Zeit gebieten. Wenn dann die große Stille eintritt, werden die Frevler vor Angst vergehen, die Gottlosen und Lästerer werden zittern und beben.

Nun habe ich, was ich seit Jahren nicht mehr kannte: einen furchtbaren Hunger, daß es mir oft übel wird. Gewöhnlich tritt das in der Nacht oder gegen Morgen auf. Mehrere Male war ich in Versuchung zu essen. Ich sagte mir: "Du mußt aushalten, sonst kannst du Jesus nicht empfangen!"

 

Sonntag, den 30. Januar 1944

Ich klage Jesus heute meine Not. Auf dem Heimweg spricht Er zu mir: "Du mußt Hunger leiden für die, die an Leib und Seele hungern. Also mußt du doppelt hungern. Auch sollst du deine Liebe zu Mir beweisen. Ich lasse es zu, daß der böse Feind dich versucht. Es ist keine Sünde, wenn du ißt. Du stehst vor der Wahl. Du darfst den Leib zufriedenstellen, aber du weißt auch, daß Ich nicht einkehren kann, wenn er zuerst seine Nahrung erhalten hat. In dem Falle mußt du schon auf Mich verzichten."

Ich: "Herr, Du prüfst mich sehr. Zu groß ist aber meine Liebe. Dich soll ich lassen, weil der Leib aufbegehrt! Er will den ersten Platz haben. Nein, Dich liebe Ich Herr. Den Leib kreuzige ich Deinetwegen. Du wirst mir beistehen, wenn es mir auch schon mal übel wird. Ohne Dich kann ich nicht leben."

Gütig sieht mich der Herr an und spricht: "Die Prüfung hast du bestanden. Du darfst teilnehmen an meiner 40-tägigen Fastenzeit. Wenn der Teufel es wagt, Mich, den Gottessohn, zu versuchen, wieviel mehr wird er die Menschen versuchen? In dem opfere ich den Tag auf, damit noch recht viele das himmlische Manna genießen!"

 

Mittwoch, den 2. Februar 1944, Lichtmess

Ich bin auf der Burg. Der Himmelskönigin empfehle ich alle ihre Kinder. Ich bitte sie, daß alle ein Lichtlein werden, die die dunkle Welt erleuchten. Nach der hl. Kommunion gebe ich Jesus an sie zurück zur Anbetung. Sie reicht einen Kelch. Die hl. Hostie schwebt darüber. Sie wird zu einem großen Licht. Engel kommen zur Anbetung. Lange knie ich versunken vor der Lichtträgerin, die das ewige Licht trägt.

Ein Engel spricht: "Das ist der erste Gang Jesu in den Tempel." Ein Greis darf ihn tragen, und das Kind führt den Greis. Das war der erste Simon. Später bei der Kreuztragung war es auch ein Simon. Auch er wurde geführt. Der dritte Simon, Petrus, ist das Oberhaupt der Kirche geworden. Er wurde auch geführt." Man muß darüber nachdenken. Kelch und Hostie – beim letzten Abendmahl:

Die Ich euch geliebet.
O, vergeßt es nicht!
Die Stunde kommt, sie ist schon da.
Wo Ich das Opfer wird' auf Golgotha.
Doch ehe Ich von euch werde scheiden.
Ein Denkmal setz' Ich ein vorm Leiden.

Nahm in Seine heil'gen Hände Er das Brot:
Durch der Allmacht Worte ward es wahrer Mensch und Gott.
Dankte abermals und reicht den Kelch mit Seinem Blut.
Seinen Jüngern hin, das höchste Gut.
Oh, großes Geheimnis, wie so wunderbar.

Kelch und Hostie; in dir birgt sich Gott auf dem Altar.
Melchisedech schon schaute einst von fern.
In Kelch und Hostie Leib und Blut des Herrn.
Als herniederstieg der Herr als Kind zur Erd'.
Kamen aus fernem Land Könige, die Ihn geehrt.
Einen goldenen Kelch, den schenkten sie dem Jesulein.
Als lebend'ge Hostie lag Es in dem Krippelein.

Kleine, heilige Hostie, so her und rein.
Großer Gott und doch ein kleines Kindelein.
Oh, heiliger Kelch; du birgst für alle Zeit.
Das teure Heilandsblut, sei hochgebenedeit.
Kelch und Hostie; Liebensdenkmal unseres Herrn.
Dich wollen wir anbeten und anschauen gern!

Oh Gott, der Du so groß und doch so klein.
In Kelch und Hostie wohnest Du ganz allein.
Vor Dir müssen die Knie beugen sich.
Oh, großes Geheimnis; wer verstehet Dich?
Die Ähren auf dem Felde, sie bilden sich.
Zu einem Kelch, Oh Jesus, nur für Dich.

Kleine, ungezählte Kelche draußen steh'n.
Ein einzig Körnlein tragen sie und man kann sehn.
Wie sie werden alle zu dem einen Brot.
Das nährt den Leib, bewahrt die Seele vor dem Tod.
Und auch der Weinstock gibt so gern.
Seine Trauben her für das Blut des Herrn.

Oh wie rein, wie süß sind diese Gaben.
Die wir, Herr, von Dir empfangen haben.
In der Gestalt des Brotes und dem Wein.
Willst aus Lieb' Du immer bei uns sein.
Auf dem Altar Du immer opferst Dich.
In Kelch und Hostie, so geheimnisvoll, so wunderlich.

Aus Lieb' zu uns läßt schließen Du Dich ein.
In des Tabernakels kleinen Schrein.
Lebest und wohnest dort. Oh Jesus mein.
Als Gott und Mensch verborgen, ganz allein.
Kelch und Hostie, höchstes, schönstes Gut.
Anbetung Dir, Leib des Herrn, und dem heil'gen Blut!

Kommt her, ihr alle, die ihr seid beladen.
Der Heiland ruft, Er will euch laben.
Er will euch stärken jetzt und allezeit.
Für die Pilgerreise in die Ewigkeit.
Wenn auch alles wird vergehen.
Kelch und Hostie bis zum Ende bestehen.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 4. Februar 1944

Jesus offenbart mir, daß ich in dieser Fastenzeit mit Ihm den eucharistischen Kreuzweg gehen und auch die Leiden der Dornenkrone tragen darf. Er zeigt mir ungezählte Tabernakel, in denen Er ganz verlassen wohnt.

 

Priestersamstag, den 5. Februar 1944

Die Muttergottes erscheint halb vier Uhr früh. Mit ihr halte ich Anbetung. Dann folgt eine kleine süße Vereinigung mit Jesus. Dann steht Maria in einem schönen Licht. Eine Flammenschrift umgibt sie. Ich lese: "Maria, Muttergottes, Immaculata."

Maria, Morgenröte, Meerstern, wir dich grüßen.
Anmutige Tochter des Vaters, wir fallen dir zu Füßen.
Rose, so geheimnisvoll und so wunderbar.
Inbegriff aller Schönheit, Morgenstern; hell und klar.
Arche des Bundes, Mittlerin; Helferin; leite unser Schifflein immerdar.
Muttergottes, Mutter des Herrn; wir bitten dich:
Unsere liebe Frau, führe und schütze uns gnädiglich!
Tabernakel der Gottheit, du lebendige Monstranz,
Thron der Heiligsten Dreifaltigkeit, du bist die Liebe ganz.
Erhabenste, heiligste der Frauen auf Erden,
Retterin in aller Not, laß deine Kinder uns werden.

Gottesgebärerin, bitte für uns bei deinem Sohn.
Ort heiliger Ruhe, hilf uns erwerben die Himmelskron'.
Tal der Freuden, o erfreue uns mit deiner Frucht.
Tal der Tränen, o lindere die Not, die uns hier heimgesucht.
Echo des Himmels, erschalle weit und breit;
Siegerin, führe uns, daß wir erringen die Seligkeit.

Immaculata, du Unbefleckte; du Reine.
Maria, dir gleichet im Himmel und auf Erden keine.
Miterlöserin, Hohepriesterin, reinste der Frauen.
Allesvermögende, Unversehrte, laß Jesus uns schauen.
Königin der Engel, Krone der Erde, wir huldigen dir;
Ursache unserer Freude, erfreue alle hier.

Lichtträgerin, mit dem Göttlichen, ewigen Licht.
Anfang vom Paradies, Himmelspforte; vergiß es nicht!
Turm Davids, elfenbeinerner Turm, leuchte aus dem Fernen.
Aveglöcklein läute, rufe sie alle zum Herrn.

Die Ehre sei dem Vater, der dich erkoren.
Die Ehre sei dem Sohne, den du geboren.
Die Ehre sei dem Heiligen Geiste, der dich erwählt zur Braut.
Hochgelobt sei die heiligste Dreifaltigkeit.
Die dich, o Reinste, uns hat anvertraut. Amen.

 

Sonntag, den 6. Februar 1944

Jesus erscheint um 18.30 Uhr in wunderbarem, weißen Gewand. Er gibt mir die eucharistische Kreuzwegstation an. Von Aschermittwoch angefangen, darf ich in dieser heiligen Zeit diesen Kreuzweg gehen. Bei dieser Station darf ich drei Tage verweilen. Wer es einmal liest, der möge doch mit Jesus in der hl. Eucharistie diesen Weg zur Sühne gehen.

 

I. Station

Jesus, in der hl. Eucharistie, verurteilt sich selbst aus Liebe zu uns.

 

II. Station

Jesus nimmt das schwere Kreuz mit Freuden auf sich.

 

III. Station

Jesus wird zum ersten Mal durch Judas in der hl. Eucharistie geschmäht.

 

IV. Station

Die reine Liebe Mariens begegnet der göttlichen Liebe und tröstet sie.

 

V. Station

Der Lieblingsjünger, der hl. Johannes, steht dem Herrn bei, kämpft für Ihn und lehrt andere die Liebe.

 

VI. Station

Opferseelen kommen zur Sühne und fallen nieder vor dem heiligen Antlitz in der heiligen Eucharistie.

 

VII. Station

Jesus wird zum zweiten Mal durch Sein Volk, die Juden, durch Unglauben und Haß gekränkt.

 

VIII. Station

Fromme Frauen und Mütter kommen mit ihren Kindern zum eucharistischen Heiland.

 

IX. Station

Die größte Undankbarkeit in der hl. Eucharistie erfährt der Herr durch die Heiden.

 

X. Station

Beraubt und allem entäußert, ist Jesus in der heiligen Eucharistie.

 

XI. Station

Jesus wird an das eucharistische Kreuz geheftet.

 

XII. Station

Jesus heiliges Blut fließt unaufhörlich von diesem Kreuz.

 

XIII. Station

Engel leisten Sühne dem verlassenen Heiland in der heiligen Eucharistie.

 

XIV. Station

Jesus wird in das Grab der Gottesräuber gelegt.

 

Nachts von 12 bis 1 Uhr halte ich eine Marienstunde; in einem herrlichen Licht erscheint Maria, die Unbefleckte. Ich meine, himmlische Musik zu hören und bete: "Turm Davids, leuchte uns! Aveglöcklein, läute immerdar!" Beim Niederschreiben, nach einer Stunde, stört mich ein Licht. Was mag das sein?

St. Gabriel ist bei mir und spricht: "Ich bin es, der dich schauen ließ die schönen Worte, die Maria, die Reine, umgaben." Dann reicht Maria mir ein schönes Licht und sagt: "Nimm dieses Licht und trage es in die Herzen hinein."

Ja, komm, süßes Licht, ich darf dich tragen! Soviel Arme und Verlassene weiß ich, denen das Licht des hl. Glaubens nicht mehr leuchtet. Dort möchte ich dich hinbringen, daß du erleuchtest ihre Seelen.

 

Mittwoch, den 9. Februar 1944

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus in einem wunderbaren, weißen Gewand. Er trägt auf dem Haupt eine schöne Krone. Freudig sage ich: "Mein Jesus, wie bist Du so schön! Oh, bleibe doch so bei mir!" So spricht Er leise zu mir: "Kleine Seele, so wie du Mich schaust, so kehre Ich beim Empfangen der hl. Kommunion in jede Seele ein. Wer Mich besitzt, hat das ewige Leben." Warum suchen die Menschen dieses Glück nicht?

 

Samstag, den 12. Februar 1944

Ich betrachte das Bild der Mutter mit dem geneigten Haupt. Ich bitte für die Priester, die heute sterben: "Liebes Mütterlein, stehe ihnen bei und hilf', daß sie glücklich gelangen zum Hohenpriester, unserem Heiland Jesus Christus. Mache du ihnen das Sterben süß. Sage bitte "Ja" und neige dein Antlitz, holde Frau." Da bewegt sie die Augen. Ich sehe es zum ersten Mal. Wie schön sind diese Augensterne. Ich weiß, sie freut sich, wenn man für die Priester bittet.

 

Montag, den 14. Februar 1944

Meine Seele ruht in Gott. Jesus ist in der Nacht bei mir. Er belehrt mich über den Kreuzweg, den Er ging für uns, über den eucharistischen Kreuzweg, den Er geht bis zum Ende der Zeiten. Beide Wege haben ihre eigenes Kreuzigung und ihr eigenes Kreuz. Beide sind aber innig vereint und bilden ein Doppelkreuz. Dieses Doppelkreuz ist das Scheyrer Kreuz. Darum geht von ihm eine große Macht und ein großer Segen aus. Wie schon einmal spricht der Herr: "Mit diesem Kreuz werdet ihr alles besiegen!"

 

Dienstag, den 16. Februar 1944

Heute kommen viele Arme Seelen, auch schon Erlöste. Mein Hans ist auch da. Er zeigt mir seine Erlösung. Er sagt: "Erlöst bin ich, aber noch weit ist die Entfernung von Gott. Durch Gebet, Opfer und Leiden werden die Freuden größer und näher eilt die Seele zu Gott!" Ich bin wieder allein. Eine große Sehnsucht ergreift mich.

 

Sonntag, den 20. Februar 1944

Die Leiden der Dornenkrone durfte ich tragen in diesen Tagen für die Bekehrung der Sünder. Heute sehe ich eine Monstranz. Ganz zerstückelt ist die hl. Hostie darin. Ein schwarzes Kreuz steht über der Monstranz. Der geschmähte, gekreuzigte und eucharistische Heiland ist umgeben von Engeln in Trauergewändern.

 

Mittwoch, den 23. Februar 1944, Aschermittwoch

Die Leiden der Dornenkrone waren groß in den Tagen. Mein Gesicht ist sehr geschwollen und entstellt. Man fragt mich, was das sei. Ich schweige, sonst sind die Leiden wertlos. Montag spricht der Herr über die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes:

 

Der für uns im Garten Blut geschwitzt hat.

"Allein war Ich im Garten. Die Seele rang in bitterer Not. Mein göttliches Auge sah die großen Sünden und Beleidigungen bis zum Ende der Tage. Entsetzten ergriff Meine menschliche Natur vor diesem Meer der Sünden. Blutiger Schweiß benetzte Meine Stirn und den ganzen Körper. Tropfen fielen zur Erde und tränkten sie mit Meinem Blut. Dieses Blut ist der Samen geworden, aus dem die Märtyrer hervorgingen. Wie hätten sie die große Kraft gehabt, wenn nicht Ich das Samenkorn gelegt hätte. Wenn sie in schweren Stunden, da ihr Blut für Mich hingegeben, rufen: Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber! So bin Ich es, der sie stärkt und voller Ergebung beten sie mit Mir: Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!

Gern geben sie ihr Blut hin mit dem blutschwitzenden Heiland. Als Mensch kann Ich nicht mehr Mein Blut vergießen, aber diese, die Meine Leiden erdulden, sie geben freudig ihr Blut hin für Mich und die Sünden der Welt."

 

Der für uns ist gegeißelt worden.

"An der Geißelsäule stand Ich, über und über bedeckt mit großen Wunden. Für die Sünden des Fleisches litt Ich diese großen Qualen. Wie Mein unschuldiger Körper eine Kette von Wunden zeigte, so bot sich Mir vor Meinen Augen, als Ich Schlag auf Schlag die Schläge für diese Sünden erhielt, eine maßlose Kette der Unreinheit. Das ist der Triumph Satans, der weiß, daß nichts Unreines in das Himmelreich eingehen kann. Diese Meine Leiden reinigen den Aussatz dieser Seelen, wenn sie in Reue und Liebe zu Mir kommen und ihr Fleisch rein waschen in Meinem Blut. Sie werden aufschauen zu Dem, der an der Geißelsäule stand für sie. In Reue und Liebe wird sich die Seele verzehren und große Büßer werden hervorgehen. Dieses Mein Bild wird ihnen stets vor Augen stehen, und Tränen werden ihre Wangen benetzen."

 

Der für uns mit Dornen ist gekrönt worden!

"Die Erde war nach dem Sündenfall verflucht. Dornen und Disteln brachte dieser Fluch auf die Erde und in die Seelen der Menschen. Dadurch wurden sie mehr und mehr in ihre Sünden verstrickt. Wer sollte diese nun befreien?

Zu wem sollten sie ihre Zuflucht nehmen? Wer sollte sie retten, wenn sie am Rande der Verzweiflung standen? Immer werden sie so stehen, wenn das Gewissen aufwacht und anzeigt, was sie in ihrem Hochmut gesündigt haben. Dann stehe Ich wiederum da, angetan mit dem Spottgewand und das Haupt geschmückt mit der Dornenkrone. An der Dornenkrone erkennen sie den guten Hirten, der sie befreit von den Dornen und Disteln der Sünde. Geheiligt habe Ich die Dornen. Nehmet sie hin und verwundet damit eure Stirn, damit die bösen Gedanken weichen!"

 

Der für uns das schwere Kreuz getragen hat!

"Was tat Ich, daß Ich wie ein Verbrecher das Kreuz, an dem Ich sterben mußte, zur Richtstätte tragen mußte? Ich mußte vorangehen, damit alle Kreuzträger einen Führer haben. Das größte Kreuz trug Ich, euer Heiland und Erlöser. Wenn Ich es ohne Klage trug, warum sollt ihr es nicht tragen können! Kein Kreuz erhaltet ihr, daß ihr nicht tragen könnt. Folget Mir, denn Mein Joch ist süß und Meine Bürde ist leicht.

Durch das Kreuz brachte Ich Erlösung. Ihr, die ihr das Kreuz mit allen Freuden tragt, werdet von Sünden befreit, und es gibt euch Kraft zu allem Guten. Groß ist der Zug der Kreuzträger. Die Mir folgen bis nach Golgotha, die werden auch mit Mir Meine Herrlichkeit schauen. Wenn alle auf Erden führerlos werden, ihr Meine Kreuzträger, werdet nie führerlos."

 

Der für uns ist gekreuzigt worden!

"Am Holze geschah die erste Sünde und vernichtet war der Lebensbaum. Das Holz habe ich geheiligt durch Meinen Tod am Kreuze. Das Kreuz ist der neue Lebensbaum, der unter euch steht. Ich bin die Frucht an diesem Baum. Dieser Baum zeigt die wahre Erkenntnis des Guten und des Bösen. Warum kommen so wenige zu diesem neuen Lebensbaum? Ich habe es euch so leicht gemacht und die Frucht dieses Baumes auf die Altäre der hl. Kirche niedergelegt. Im hl. Opfer schaut ihr immer Mein Leiden. Bei der Grablegung, da suche Ich so oft ein Grab. Gib Mir deine Seele, damit Ich die gekreuzigte Liebe, darin ruhen kann. Wenn du diese Frucht immer genießt, dann hast du das ewige Leben. Oh gehe nicht vorüber, schaue auf zu Dem, den sie durchbohrt haben!"

 

Samstag, den 26. Februar 1944

Seit Tagen gehe ich mit Jesus den eucharistischen Kreuzweg. Ungezählte Kirchen sehe ich, wo der Herr Tag und Nacht allein weilt. Ab und zu kommt eine Seele, die für kurze Zeit bei Jesus weilt. Drei Tage umgibt mich ein Licht. Zittern und Beben befällt mich. Leide mit Jesus für die Gleichgültigkeit der Menschen. Heute sehe ich Millionen von Menschen, die an Kirchen, Klöstern, Priestern und Ordensleuten achtlos und spöttisch vorbeigehen. Der unter uns weilt, Er wartet Tag und Nacht, aber die Großen und Reichen ersticken in ihren Sorgen und Nöten. Sie finden keine Zeit für den verlassenen Heiland im hl. Sakrament.

 

I. Eucharistische Station, am 23. Februar geoffenbart, am Aschermittwoch

Jesus in der hl. Eucharistie, verurteilt sich selbst aus Liebe zu uns. Heiland: "Wie schön ist deine Seele! Wenn du es wüßtest, du würdest sie nie beflecken. Ich, dein Heiland, weiß es. Die Liebe ließ es mit dem Kreuzestod nicht genug sein, nein, immer wollte Ich unter euch bleiben, die Ich erlöst habe. Wohnen wollte Ich in ihren Herzen.

Weil Ich Speise sein wollte, verurteilte Ich Mich selbst, ja Ich verurteilte Mich zum vollkommenen Gehorsam Meinen Priestern gegenüber. Tag und Nacht bin Ich seit der Stunde im Tabernakel eingeschlossen, wie in einem Gefängnis. Wer ist es nun, der den Gefangenen der Liebe besucht, ihn bittet, in den geschmückten Saal seiner Seele einzukehren?

Wer erfaßt diese Meine große Liebe? Siehst du deinen Heiland, du Mein Ebenbild, du Meine Seele, so verlasse dich selbst, so wie Ich Mich verlassen habe. Verurteile dich zu Meinem Opfer und schenke dein Herz nur Mir allein!"

Demütig bete ich: "Wie könnte ich es anders als sagen, Herr, nimm mein Herz und laß es sein ein Brandopfer der Liebe! Wie Du, will auch ich alles verlassen und mich allem entäußern. Laß oft mich den Weg zu Dir finden, um Dich in Deinem Gefängnis zu trösten!"

Der Herr zeigte mir viele Kirchen und Klöster, wo er fast den ganzen Tag und die Nacht verlassen ist. Ich bete Ihn an in dieser Verlassenheit und leiste Sühne für die Kälte und Gleichgültigkeit der Menschen. St. Genoveva ist auch bei mir.

 

II. Eucharistische Station

Heute gehe ich mit Jesus die II. Eucharistische Station. Er spricht: "Keine Gestalt habe Ich mehr. Verstehst, du Meine Seele, was es heißt, alles herzugeben, selbst die äußere Gestalt? Kannst du verstehen, wie groß Meine Demut ist, daß Brotsgestalt Ich annahm. Dieses Kreuz der Selbsterniedrigung nahm Ich aus übergroßer Liebe zu dir an. Schaue Mich, deinen Heiland, an! In dieser Gestalt erkennst du Deinen Gott nicht. Das verlangt einen großen Glauben von dir. Brot gibst du dem Leib und Ich will das Brot deiner Seele sein. Aber wie bist du? Hochmütig und stolz stehst du vor Meiner kleinen Gestalt. Du schmückst nur deinen Leib, der einmal zur Erde zurückkehrt. Oh, schmücke doch mehr deine unsterbliche Seele, die Ich liebe und besitzen möchte.

Aber Spott und Hohn muß Ich über Mich ergehen lassen. Doch hört meine Liebe nimmer auf. Komme zu Mir, Ich bin sanftmütig und demütig von Herzen! Lerne von Mir! Nimm auch du das Kreuz des Spottes und der Verachtung auf dich!"

Ich bete: "Guter Meister, ja, ich folge Dir! Freudig wie Du will auch ich das Kreuz umfassen und mit Dir, statt Liebe, Spott, Hohn und Verachtung tragen! Ich leiste Sühne für die Spötter, für die Verachtung der Priester!"

 

Dienstag 29. Februar 1944, III. Eucharistische Station

Beim Blick zum Kreuz sehe ich vor dem Tabernakel eine blutige Hostie schweben, so groß wie eine Sonne. Des Herrn Stimme höre ich daraus: "Ich habe Mich danach gesehnt, mit Meinen Jüngern das Ostermahl zu essen. Größer noch war die Sehnsucht, mit ihnen vereint zu sein. Als Seelenspeise gab Ich Mich ihnen vor Meinem Leiden hin. Wie groß war Meine Freude, in diese Herzen einzukehren.

Doch muß Ich sagen: Ihr seid rein, aber nicht alle. Wie litt Mein Herz zu wissen, daß unter denen, die ich erwählte, ein Verräter war, der Mich zwang, in eine sündenbefleckte Seele einzukehren. Wie ist es seit der Stunde geworden? Viele Freuden hat Mein Herz empfangen durch die Priester, die sich würdig der Gewalt gezeigt haben, die Ich ihnen gegeben. Wie gern steige Ich hernieder, wenn sie die Wandlungsworte sprechen.

Doch unter Meinen Zwölfen war ein Verräter, ein Gottesräuber. Wehe, daß Ich es sagen muß, unter den Arbeitern in Meinem Weinberg sind immer wieder Verräter und Gottesräuber. Wie groß ist die Schuld, die sie auf sich laden und wie groß das Ärgernis, das sie geben. Es müssen zwar Ärgernisse kommen, aber wehe dem, durch den sie kommen! Komme nun, du Meine Seele, die du mit Mir den Leidensweg gehst, leiste Sühne für diese großen Sünden, damit nicht alle, die Verrat an Mir geübt haben von Meinen Priester oder die es werden wollten und auf halbem Weg umgekehrt sind, verlorengehen. Furchtbar ist der Kampf Satans, wenn Ich gezwungen werde, in diese Seelen einzukehren!

 

Freitag, den 3. März 1944, IV. Eucharistische Station, Herz-Jesu-Freitag

Jesus spricht: "Ich bin die Liebe! Schenke du, Meine Seele, Mir Gegenliebe, gib Mir dein Herz. Wo bleiben sie alle, die Ich erlöst, für die Ich gelitten und für die Ich verborgen im Sakrament der Liebe wohne? Kommet her zu Mir und ihr findet Ruhe für eure Seelen! Liebet Mich, euren Heiland, und ihr werdet glücklich sein! Doch wer schaut auf den armen, verlassenen Heiland? Oh, ihr Weltkinder, warum liebt ihr den Glanz der Welt! Am Ende stehe Ich doch und dann flieht der Glanz. Wie habe Ich euch geliebt und wie liebe Ich euch noch. Ihr erkennt Meine große Liebe nicht. Wenn ihr sie erkennen würdet, ihr würdet Mich lieben, wie Meine und eure Mutter Mich liebt. Sie sah zuerst Meine Armut und Schwäche. Sie folgte Mir bis unters Kreuz. Sie verließ Mich nicht, als alle Mich verließen. Gehet zu ihr und lernet von ihr die große Liebe! Sie umgibt Mich im heiligen Sakrament und tröstet Mich. Immer opfert sie Mich nach der hl. Wandlung auf. Wie groß war ihre Liebe, als Ich nach Meiner Himmelfahrt im heiligen Sakrament zu ihr kam. Wo finde Ich eine Seele, die Mich liebt wie sie? Gehet doch zur Mutter und an ihrer Hand geführt, kommet her zu Mir!"

Ich bete: "Ja Mein Heiland, ich bin noch so arm und schwach. Nicht immer sollst Du allein sein. Mit Maria will ich kommen, Dich trösten und lieben. Du bist mein Jesus und ich Dein Kind, das nun ganz Dein Eigen sein will. Du mein und ich Dein!"

Mit Maria vereinige ich mich, um die göttliche Liebe zu trösten. Sie kommt, die himmlische Frau, mit einer Zahl Kinder, die gleich nach der ersten hl. Kommunion gestorben sind. Sie knien vor den verlassenen Tabernakeln. Der Herr entsteigt seiner Verlassenheit. Er wird wie eine Sonne, die Maria ganz einhüllt. Die göttliche Liebe vereint sich mit der reinsten Liebe Mariens. Unsere Liebe Frau vom Heiligsten Herzen, bitte für uns, daß wir eine große Liebe zum Heiland im heiligen Sakrament erlangen!

 

Montag, den 6. März 1944, V. Eucharistische Station

Sehe den hl. Johannes beim Abendmahl verklärt wie einen Engel. Jesus spricht: "Viele sind berufen, aber wenige auserwählt. Alle sind sie für das eine Ziel, den Himmel, geschaffen. Das Himmelreich aber leidet Gewalt und nur die Gewalt gebrauchen, reißen es an sich. Damit ihr nun die Gewalt erlangt, blieb Ich unter euch, um eure Speise zu sein, die Kraft verleiht. Immer war Ich der Stein des Anstoßes. Danach war Ich des Zimmermanns Sohn.

In dem kleinen Nazareth lebte Ich, von dem es hieß: Kann denn dort etwas Gutes herkommen? Als Ich Meinem Volk das Brot des Lebens verhieß, sprachen sie: Wie kann uns dieser Fleisch zu essen geben! Auch die um Mich waren, Meine Jünger, sie verstanden diese Verheißung nicht, weil ihre Stunde noch nicht gekommen war. Nur einer, Johannes, verstand Mich. Groß und rein war seine Liebe, die der Liebe Mariens gleicht. Reine Seelen erfassen alles, denn sie dürfen Gott schauen. Wie wohl tat es Meinem Herzen, wenn dieser Jünger daran ruhte. Wie groß war Meine Freude, beim Abendmahl in diese reine Seele einzukehren.

Diese Liebe versüßte Meine Leidensstunden und ließ Mich den Verrat durch Judas nicht so bitter empfinden. Diese Liebe folgte Mir überall und ließ Mich selbst im Tode nicht allein. Weil die Liebe so groß und das Herz rein war, ließ Ich diese Seele schauen Meine Gottheit und die Herrlichkeit des Himmels. Es kann darum keiner solch ein großes Zeugnis von Mir geben, wie Johannes. Er kämpfte für Mich und predigte allen die Liebe. Weil er für Mich kämpfte, mußte er auch für Mich leiden. In seiner Verbannung war Ich ihm noch näher und er durfte schauen, was noch niemand der Sterblichen schauen durfte. Blicke, Meine Seele, auf zu ihm! Gehe hin und bitte ihn in Meinem Namen und er wird dich lehren die große Liebe zu Mir. Die Welt ist gegen Mich aufgestanden, doch der, der Zeugnis von Mir gab, dessen Worte werden wie Feuer brennen in den Herzen der Gottesleugner. Mag nun die Welt den eucharistischen Heiland schmähen und leugnen, so werden jene erfahren: was ein hl. Johannes schaute, das wird sich erfüllen. Er bleibt Mein Kämpfer bis zum Ende der Tage und hilft Mir, das schwere, eucharistische Kreuz zu tragen. Schließe dich, Meine Seele, diesem Jünger an. Du wirst den Weg des Kreuzes gern mit ihm gehen!"

Ich bete: "Ja, mein Heiland, ich kämpfe für Dich und an Deiner Seite. Ich leide für Dich, Du littest aus göttlicher Liebe für mich und leidest noch immer unter der furchtbaren Gottlosigkeit. Mit Johannes will ich Dir das Kreuz tragen helfen und andere Liebe lehren, damit sie zu Dir kommen, zu Dir, dem Armen und Verachteten, zu Dir, dem Heiland der Welt. Ich leiste Sühne für die Lieblosigkeit." Sehe Johannes als Greis auf Patmos. Der Heiland kommt zu ihm. Sehe auch die Scharen, die dem Lamme folgen.

 

Donnerstag, den 9. März 1944, VI. Eucharistische Station

Ich sehe in der Monstranz, in der hl. Hostie, das hl. Antlitz, bleich und abgezehrt. Die Wunden öffnen sich. Dann sehe ich Veronika. Sie kommt mit vielen Seelen, die am Herzen das hl. Antlitz tragen. Sie knien nieder. Auch Maria mit Johannes und Maria Magdalena kommen.

Der Herr spricht aus der Monstranz: "Tag und Nacht warte Ich ob einer Mich tröste, aber ich fand niemand. Nur Meine Treuen, die Mich nie verlassen, sie leisten auch hier vor dem Tabernakel Sühne. Sie haben der Liebe Balsam auf die Wunden Meines hl. Antlitzes gelegt. Ich habe wiederum das Bild Meines Angesichtes auf ihre Seelen gedrückt. Dieses Abbild wird nie verwischt werden. Sie leiden mit Mir, wenn man das eucharistische Antlitz anspeit, wenn man es schlägt mit all den Sünden, durch die Mir diese großen Wunden sind zugefügt worden.

Wie wohl tut es Mir, wenn die Opferseelen, die sich Mir aus Liebe zum Opfer hingegeben haben, zu Mir kommen und Sühne leisten. Sie besänftigen den Zorn Gottes und bewirken, daß nicht alle verlorengehen. Gib auch du Mir deine Seele, die ja Mein ist, die Ich dir gegeben habe, damit Ich das Bild Meines hl. Antlitzes darauf präge. Wenn du dieses Merkmal trägst, hat der Teufel keine Gewalt über dich und die böse Welt kann dir nichts anhaben. Betrachte Mein hl. Antlitz! Rührt es dich nicht, wie es über und über mit Wunden bedeckt ist? Siehe, das litt Ich für dich und alle Menschen! Betrachte die Wunden und Striemen, sie sind Zeugen Meiner Liebe! So du die Liebe lesen kannst aus diesen entstellten Zügen, so will Ich senken die große Liebe in dein Herz.

Mit Blut gefüllt sind Meine Augen. Die Tränen der Liebe und der Reue werden abwischen dieses Blut. Blutig und zerrissen ist Meine Stirn. So deine Hände sind gefüllt mit guten Werken und keine bösen, neidischen und stolzen Gedanken dich leiten, so wird Meine Stirn wieder schön werden, wenn diese deine Hände sich auf Meine Stirn legen. Siehst du Meinen Mund, wie gequollen er ist? Siehe, wie die tiefen Wunden und das trockene Blut alle Wunden von neuem aufreißen. Du kannst sie alle heilen, wenn du schweigst, so man dir böse, lieblose Worte zuruft. Balsam sind deine Lob- und Dankgebete. So du Mich überall vorher liebst, so erfreust du Mich und schließen werden sich die Wunden. Wenn Ich immer hören muß, die Gotteslästerungen, Fluchworte und schamlose Reden, wie dringt dann das Blut aus Meinen Ohren. Oh, leiste du doch Sühne dafür und was man heute nicht mehr Sünde nennt. Flüstere du Mir süße Liebesworte ins Ohr. Wie wohl tut es Mir. Ich bin ja dein Heiland und werde dir für jedes liebe Wort einen großen Lohn schenken. Siehe weiter, wie verunstaltet Meine Wangen und die Nase sind! Die Gefallsucht brachte Mir dieses bei und die Pestluft der unreinen Sünden.

Doch kannst du wieder Linderung bringen, wenn aus deinem reinen Herzen der Weihrauch deiner Gebete zu Mir emporsteigt. Dieser Wohlgeruch dringt hinauf zum Throne der Heiligsten Dreifaltigkeit und für jede Aufopferung Meines hl. Antlitzes wird der himmlische Vater dir besonders große Gnaden schenken!"

Ich bete: "Lieber Heiland, hier bin ich, Dein Opfer! Nimm mich ganz hin! Mit allen, die Sühne leisten, will ich mich vereinigen, Dich trösten und anbeten Dein hl. Antlitz. Gern und freudig will ich mit Dir leiden, damit alle Deine Wunden geheilt werden. Möge Dein hl. Antlitz tief in meiner Seele eingeprägt sein, hilf mir daß ich durch Sünde nicht neue Wunden Dir zufüge. Oh, Jesus, gib mir die Gnade!" Ich darf zur Sühne die Leiden der Dornenkrone tragen. Ich klage, weil ich den Meinen nichts davon geben kann, weil mich niemand versteht.

Jesus spricht: "Verstehst du, was Ich leide? Jünger hatte Ich um Mich gescharrt, die Mich nicht verstanden, die irre an Mir wurden, die Mich verließen in größter Not. Ein Volk erwählte Ich Mir. Alles wollte Ich ihm geben und gab es auch, aber wie ungezogene Kinder kränkten sie Mich. Meine Liebe erwiderten sie mit Undank. Wie Ich, so wirst auch du von den Deinen nie verstanden werden. Den Weg haben alle Heiligen gehen müssen. Du kannst Mich nur verstehen, wenn du alle Leiden mit Mir trägst!"

Bleich und abgezehrt sehe ich den Herrn im Spottgewand. Ich erschrecke. Er aber spricht: "Stolz und Überhebung, Neid und Rachsucht der Menschen sind schuld. Die Verachtung, mit der Ich im hl. Sakrament behandelt werde, schlägt mir größere Wunden in Mein hl. Angesicht, als damals die Dornenkrönung. Damals stand ein Volk gegen Mich, heute aber die ganze Welt. Aber wehe, wenn der Vorhang des Tabernakels zerreißt!"

Sehe dann, wie Maria nach der Kreuzabnahme die Wunden des hl. Antlitzes küßt. Tränen benetzen Jesu Angesicht. Dasselbe sehe ich beim eucharistischen Heiland. Viele Tabernakel öffnen sich. Aus dem Dunkel schwebt nur eine hl. Hostie, so groß wie eine Sonne, die das hl. Antlitz trägt. Maria naht mit ihren Engeln und küßt auch hier die Wunden, die sehr groß sind.

 

Sonntag, den 12. März 1944

Krönungstag des Heiligen Vaters. Der Tag ist für ihn. Ich sehe Jesus, wie Er den Juden das Brot des Lebens verheißt und wie sie Ihn steinigen wollen.

Heute spricht Jesus: "Oh, wenn ihr doch erkennen würdet, was euch zum Heile diente! Alles gab Ich hin für Mein Volk, alles tat Ich für sie, die Mich schmähten und haßten. Ja, wäre Ich in Herrlichkeit zu ihnen gekommen, sie hätten Mich zum König gekrönt. Nun kam Ich in Armut und Niedrigkeit, das verlangte Glauben, das verlangte großen Glauben, als Ich ihnen Mein Fleisch und Blut zur Speise geben wollte. Sie haben nicht an Mich geglaubt, erkannten Mich nicht als ihren Gott und lehnten auch Mein hl. Sakrament ab. Sie riefen Mein Blut auf sich und ihre Kinder herab. Es ist über sie gekommen. Doch erkennen sie noch immer ihre Schuld nicht und im blinden Haß gehen sie nun gegen den eucharistischen Heiland vor.

In wilder Wut, die noch größer ist als beim Kreuzestod, zerstören sie alles und lassen Mir nicht einmal das kleine Plätzchen im Tabernakel. Kirchen und Klöster fallen. Weil sie Mich hassen, hassen sie auch Meine Kirche. Der Teufel triumphiert. Er hat ja die Macht der Welt, und von ihm haben sie die Macht empfangen. Er wird ihnen auch den Lohn für ihre Taten geben. Triumph herrscht in der Welt ob Meiner Vernichtung. Helfer und Helfershelfer finden sie für ihre schwarzen Taten, aber der Vater lacht ihrer. Wehe, wenn Sein Tag gekommen ist! Dann werden sie Seine strafende Hand spüren. Wenn der Vorhang fällt, werden sich die Juden bekehren und werden sühnen, was sie gegen den eucharistischen Heiland gefehlt haben. Ihr Haß, Unglaube und Verblendung ist auf den größten Teil der Menschen übergegangen. Komme, du, Meine Seele, und erfreue Mich mit deinem Glauben. Siehe, wie zertreten Ich bin, ein Wurm am Wege! Welche Liebe würde tragen und dulden, was Ich im hl. Sakramente leiden muß. Bis zum Ende der Tage wollte Ich unter euch bleiben und ertrage um der Gerechten willen, die an Mich glauben und Mich lieben, den Spott und Hohn der glaubenslosen Welt."

Ich bete: "Mein Heiland, ich glaube an Dich, ich liebe Dich! Je mehr man Dich durch Unglauben beleidigt und durch Spott und Hohn kränkt, desto größer soll mein Glaube sein, desto größer die Sühne für die angetane Schmach. Oh, könnte ich doch alle Menschen in Liebe vereinen, daß sie mit Dir wieder versöhnt würden. Erbarme Dich auch der Kinder Israels, daß sie den Weg zu Dir finden!" (Jeden Montag Sühne für die verblendeten Juden.)

Meine Mitschwester Maria Wewerink (Dülmen) schenkte mir im vergangenen Jahr eine Blume, den Christusdorn. Wunderbar steht sie nun in Blättern und Blüten. Jesus sagt mir nun: "Sie wird bald entblättert sein und ihre Blüten fallen in einigen Tagen. Dann forme sie zum Dornenkranz, den du einmal tragen sollst als Krone zu deinem Sterbekleid. Du wirst viel teilnehmen an dem Leiden Meiner Dornenkrönung, so soll dein Haupt, wenn es im Tode sich neigt, eine Dornenkrone tragen, das Zeichen der Leidensbraut Jesu Christi!"

Von 12 Uhr nachts an habe ich eine Seelenschau. Am Seelenrand ist ein winzig kleines Licht, das langsam eindringt. Dann sehe ich noch andere Seelen. Die Seele wird mir gezeigt wie eine Sonne, die aus ganz feinem Licht und wie ein wunderbares, feines Kristallgewebe mit feinsten Adern ausgestattet ist. Der Anblick ist so schön, daß ich vor Freude rufe: "Wie schön ist die Seele!"

Oh, wüßte es der Mensch, er würde sie nie beflecken!

Ich sehe die Seele vor der Taufe. Sie ist schön, aber sie trägt einen dunklen Punkt, die Erbsünde. Ich sehe sie nach der Taufe. Sie ist wie eine leuchtende Sonne und wie ein Spiegelbild in wunderbaren Farben. Wo der dunkle Punkt war, die Erbsünde, da ist jetzt eine Taube, der Heilige Geist. Dann sehe ich eine Anzahl reiner, weißer Seelen, die das Bild des Heiligen Geistes tragen, die ihre Taufunschuld bewahrt haben. Je reiner sie sind, desto höher steigen sie in der Vereinigung mit Gott.

Der Herr zeigt mir, wie Er in Brotsgestalt einzieht in diese Seelen. Sie werden ganz eins mit Ihm. Er wohnt in der Mitte und ganz verankert wird die Seele mit Gott. Weiter sehe Ich wie es der Teufel anfängt, die Seele in ihrer Taufunschuld für sich zu gewinnen. Er nimmt die Gestalt eines Krebses an und schneidet mit der Schere langsam ein. Ist ein Teufel soweit, dann kommen noch mehr und zerstören das schöne Seelenbild. Zwei Seelen sehe ich, die vom Teufel verunstaltet werden. Ich gerate in einen heiligen Zorn.

Das Kreuz hebe ich gegen sie und bete den Exorzismus. Sie fliehen, aber zerrissen ist das schöne Spiegelbild der Seele. Die Opferseele, als Samariter, heilt diese Seelen, heilt sie, wenn selbst der Priester und Levit sie nicht heilen, wenn sie achtlos vorübergehen. Andere weiße Seelen sehe ich auf ihrer Mitte mit einem großen, schwarzen Kreuz. Durch Kreuz und Leiden sind sie weiß gewaschen. Ich sehe Seelen mit einem Licht. Das Licht vermehrt sich zu vielen Lichtern, die so täuschend wirken, weil es Irrlichter sind. Eine andere Seele naht sich diesen Seelen und erhellt sie mit ihrem Glanz. Im Glanz dieser Seele sehen die Verirrten das wahre Licht. Sie tragen dann das A und das O. Sie haben gefunden Den, Der Anfang und Ende ist. Dann sehe ich kleine, leuchtende Seelen, die von Blut zerrissen sind und einen ovalen Schatten tragen, die Erbsünde.

Das sind die Totgeborenen. Durch die Taufe der Opferseelen, die der Herr wünscht, werden sie rein. Der Schatten verschwindet und Licht werden sie, das wunderbar leuchtet. Auf dem Seelengrund tragen sie das leidende Angesicht Jesu, ohne Dornenkrone. Sie haben den Herrn durch Gedankensünden noch nicht beleidigt. Wohl litt der Herr für sie, weil sie mit der Erbsünde nicht zur Anschauung Gottes kommen konnten. Es sind die Märtyrer unserer Zeit und tragen mit Recht das Leidensangesicht unseres Herrn Jesus Christus.

 

Montag, den 13. März 1944

Weitere Seelenschau habe ich heute nach der hl. Kommunion. Ich sehe die Seele mit dem großen Kreuz. Der Teufel versucht alles, sie doch zu gewinnen. Er findet Nebeneingänge und dringt ein. Ich sehe die Seele mit dem großen Kreuz und den Rand, über und über bedeckt mit kleinen Kreuzen. Satan versucht auch hier alles, aber er stößt nur auf Kreuze, vor denen er flieht. Es ist die reine Seele, mit allen Kreuzen beladen, die der Welt ganz entsagt hat. Über sie hat Satan keine Gewalt mehr. Der Herr in Brotsgestalt und am Kreuze hat Seinen Thron hier aufgeschlagen. Dieselbe Seele als Marienkind trägt eine leuchtend weiße Rose am Fuße des Kreuzes. Aus der Rose gehen Lichter hervor, die der Seele einen besonderen Glanz geben. Sehe dann weiter, wie die Juden sich erheben mit Fäusten gegen Kreuz und Eucharistie. Leide mit Jesus das Sehnen nach den Seelen.

 

Mittwoch, den 15. März 1944, VIII. Eucharistische Station

Sehe Mütter und Frauen, die kleine und größere Kinder zum Heiland führen. Er spricht: "Lasset die Kleinen zu Mir kommen, ihrer ist das Himmelreich! Ich bin der große Kinderfreund, und die Kinderseelen gehören Mir. Warum bringt man nicht alle Kinder zu Mir? Mein Herz empfindet keine größere Freude, als einzukehren in diese unschuldigen Seelen. Ihnen ist die Macht gegeben, das Vaterherz zu erweichen und Seinen Zorn zu besänftigen. Betrübt ist Mein Herz ob der geringen Zahl der Kinder, die zu Mir kommen. Haltet sie doch nicht zurück, weil sie klein und unwissend sind! Ihr Glaube und ihre Liebe sind so groß, daß sie wohl wissen, wer zu ihnen kommt. Oh, fände Ich diesen Glauben unter euch. Vieles wäre nicht geschehen und der Heimsuchungen wären weniger gewesen. Gesegnet seid ihr Mütter, ihr Frauen, ihr Eltern, die ihr eure Kinder zu Mir bringt! Wehe aber denen, die sie fernhalten und gegen Mich aufhetzen, sie werden weinen und wehklagen über ihre Kinder. Denn sie werden es sein, die Mich nicht kennen und Mich deshalb vernichten wollen. Wenn ihr diese Greuel der Verwüstung überall sehen werdet, dann weinet nicht über Mich, weil man Mir alles nimmt, weinet über euch und eure Kinder! Doch aus der kleinen Schar, die fromme Frauen und Mütter zu Mir bringen, wird in neuem Glanz die Kirche auferstehen und Ich, der eucharistische Heiland, werde euer Glück und Friede sein. Stürme kommen mehr, und fester schließt man Mich ein, Mich den Gefangenen der Liebe, doch die kleinen Herzen, die für Mich schlagen, sie bleiben Mir treu. Ihre Treue und Liebe wird siegen. Im Kleinen liegt die Macht und auch der Sieg!"

Ich bete: "Göttliche Liebe, oh könnte ich Dir alle die kleinen Herzen schenken, nach denen Du Dich sehnst. Wie schön wäre es doch hinnieden, gehörten alle diese Kleinen nur Dir allein! Zum Paradies würde die Erde und Du wärest immer der König und Mittelpunkt unserer Herzen. Gern will ich mit Dir leiden, was man sündigt, wenn man die Kleinen von Dir fernhält. Hätte ich die Macht über die Herzen, alle würde ich zu Dir bringen. Göttlicher Kinderfreund, segne die Kinder, daß nicht alle verloren gehen! Nimm sie lieber auf in den Himmel, als daß sie verlorengehen!"

 

Donnerstag, den 16. März 1944

Leide heute für die Kinder. Als Sühne bringt man mir meinen Walter heim, blutig, von Steinen zerschlagen. Ohnmächtig liegt er auf meinem Schoß.

 

Freitag, den 17. März 1944

Habe weitere Seelenschau. Sehe die Seele vergiftet von der Sünde. Die leuchtenden Adern sind blau und beim Tod der Seele durch die schwere Sünde schwarz. Von allen Seiten brennt ein Feuer. Das sind die Freuden der Welt mit dem scheinbaren Glück. Sie tragen auch große Haken, und Würmer durchsetzen alles. Wie Nacht ist es in der Seele. Ich sehe diese Seele wieder, wenn die Gnade sie berührt. Sie wird unruhig, das Gewissen erwacht. Sie leidet große Qualen. In der Nacht um 2 Uhr kommt Jesus zu mir, zur Vereinigung. Er reicht mir die Dornenkrone.

 

Samstag, den 18. März 1944

Ich meine zuerst, es wäre der liebe Heiland, der nach der hl. Kommunion mir das Kreuz und eine Keule reicht. Dann erkenne ich den hl. Judas Thaddäus.

Er spricht: "Nimm sie, die Keule der Liebe, und schlage damit alle Menschen tot! Sage deinem Bruder, ich werde euch schützen gegen alle Anfechtungen!"

Dann sehe ich Märtyrer in großer Zahl, auch die Muttergottes als Königin der Märtyrer, alle in roten Gewändern. Ich erkenne es nicht genau, weil das Bild aussieht, als wäre eine Schleierwand gezogen. Die Märtyrer sind besonders schön, aber wir werden ihre Schönheit hier nicht voll schauen. Diese Krone muß ja besonders verdient werden. Eine Freude schenkt Maria mir. Ich sehe meinen Hans in einem langen, weißen Gewand. Auf seinem Haupt trägt er einen goldenen Blätterkranz. In der Rechten trägt er eine große Kerze, die nicht brennt. Ich frage nach der Bedeutung.

Er lächelt und spricht: "Du weißt doch sonst alles. Du bist nicht so dumm!" Ich denke an meinen Nachbarn Franz Breuer. Hans lächelt wieder und sagt: "Du hast Recht mit deinen Gedanken, daß er bald abberufen wird. Ich darf dabei sein, wenn er heimgeht. Der ganze Himmel freut sich schon über diese Seele. Bete und opfere du weiter für ihn. Dein ist die Freude." Hans lacht wieder und entschwebt.

 

Gehe heute die IX. Station

Der Herr spricht: "Kommet zu Mir, die ihr beladen, kommt, die ihr mühselig seid! Denen Ich das himmlische Manna geben wollte, Meinem Volke, sie wollten nicht, sie lehnten ab. Meine Jünger trugen Mein heiliges Wort und Mich, den eucharistischen Heiland, zu den Heiden. Viele Freuden erlebte Mein Herz unter euch, die ihr angenommen, was die Juden abgelegt haben. Große Kämpfe und Prüfungen habt ihr Meinetwegen erduldet. In Meiner Kraft habt ihr alles vollbracht. Groß und größer wurde die Zahl der Märtyrer und Bekenner. Wenn auch Stürme kamen, so gebot Ich zur rechten Zeit dem Sturm und es ward wieder still. Herrlicher und größer wurde Meine Kirche. Wenn auch große Sünder Mein Herz betrübten, so kehrten sie doch wieder zurück und ein Heer der Büßer kam zu Mir. Ich liebte die Verirrten mit noch größerer Liebe. Ein Freudenfest war im Himmel über die verirrten Söhne und Töchter, die ins Vaterhaus zurückkehrten. Lange sah Satan mit Neid hernieder und sann, wie er Mich aus der Welt vertreiben könnte. Wenn ich im hl. Sakrament durch die Straßen getragen wurde, dann bebte die Hölle. Ich habe doch alles gesegnet. Nun hat der Fürst der Welt die Waffen gefunden, die sie sich gegen Mich gestreckt haben. Den Geist der Verblendung streut er aus, mit der ganzen Höllenmacht ist er ausgezogen. Wölfe im Schafskleidern sandte er aus und sendet sie noch weiter aus. Unter dem Deckmantel der Liebe und des Opfers gewinnen sie die Seelen für ihre Idee. In der Größe ihrer Kraft, die Satan ihnen gegeben, vollbringen sie Wunderwerke und die große Masse folgt ihm. Wo eine große Macht steht, da folgen auch die Kleinen. Sie werden mit dem großen Strom fortgerissen. Wer da nicht fest steht, der fällt. Das Zeichen Meines hl. Kreuzes ist ihnen zum Ärgernis geworden. Mehr und mehr wird es vernichtet. Wenn dieses ganz vernichtet würde, hätte Satan das Spiel gewonnen. Doch habe Ich es Mir vorbehalten, Meinen Getreuen mit diesem Zeichen ein Siegel auf ihre Stirne zu drücken.

Meine Opferseelen werden Meine hl. Zeichen trotz Hohn und Spott tragen; und auch den Sieg erringen in diesem Zeichen über die Kinder der Welt. So viele Meiner Kreuze vernichtet sind, soviel größere Kreuze sind aufgestanden, die alle vernichten, die im Kampf gegen Mich ziehen. Weil sie das Kreuz nicht mehr wollen; ist ihnen der eucharistische Heiland auch ein Ärgernis geworden. Gotteswort und Gottesspeise ist nichts für aufgeklärte Menschen. Doch wehe, mit ihrer Weltanschauung verlieren sie die Gottesanschauung! Weit schlimmer wie die Juden gehen sie gegen Mich vor. Wenn Ich Mich noch einmal kreuzigen lassen könnte, Ich würde es gern tun. Die Leiden wären nicht so groß wie die Leiden im Sakrament der Liebe. Mein göttliches Herz ist eingehüllt in Schmerz und Trauer ob der Mir angetanen Schmach. Ein neues Volk erwählte ich Mir, und wie einst muß Ich heute noch sprechen: "Mein Volk was tat ich dir? Womit habe Ich dich betrübt? Ich kann es nicht sehen, daß alle verlorengehen sollen. Mein Zelt will ich aufschlagen in kleine, einsame Gegenden und Mich erfreuen an der Liebe der Einfältigen und Unmündigen. Aus ihrem Munde will Ich mir ein Lob bereiten. Durch sie wird noch einmal der Friede hergestellt. Viele werde Ich, ehe sie zum Gebrauch ihrer Vernunft gelangt sind, von der Erde hinwegnehmen. Als Engel Gottes werden sie bitten für die sündige Welt. Du, meine Seele, die du deinen Heiland noch liebst, lasse deine Liebe noch größer werden. Die Großen und Angesehenen haben Mich verlassen. Bleibe du bei Mir und leiste Mir Sühne. Wenn sie dich auch hassen und verfolgen um Meinetwillen, so können sie dir die Krone nicht nehmen, die Ich für dich hinterlegt habe!"

Ich bete: "Wie könnte ich Dich, guter Jesus, wo Du so betrübt und beleidigt wirst, verlassen. Mit noch größerer Liebe will ich Dich lieben und Dir dienen. Oh, gib mir Gnade und Kraft, zu sühnen die große Schmach, die man Dir angetan hat. Du von allen Seiten verwundetes und verachtetes Herz Jesu, im hl. Sakrament der Liebe, sei meine Wonne, sei mein Leben, sei mir Ziel und Ende!"

Erhalte die Nachricht, daß mein Sohn Willy schwer verwundet in Kreuzberg/Oberschlesien liegt. Gedenke seiner heute und seiner Frau Erika. Sehe eine furchtbare Vernichtung von Kirchen und Klöstern und Kreuze. Von 2 bis 3 Uhr sehe ich den hl. Josef schwebend auf einer Wolke. Wie er Ihn als Kind schützte, so hilft er auch dem eucharistischen Heiland.

 

Montag, den 20. März 1944

Ein Tag großer Leiden und Enttäuschungen. Nach der hl. Kommunion sehe ich die Vertreibung von Priestern und Ordensleuten aus ihren Klöstern. Die Klöster werden für andere Zwecke gebraucht. Viele andere werden verfolgt und vertrieben um Jesu willen. Nachts um 2 Uhr schaue ich Jesus in einem schönen Licht, das von 12 Lichtern, den Aposteln, umgeben ist.

 

X. Station

"Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt! Ich, das Gotteslamm, das sich jeden Tag opfert auf dem Altar, Ich bin so verlassen. Wenige nur erkennen den hohen Wert dieses höchsten Opfers. Kommet her zu Mir, daß eure Seelen rein werden in Meinem Blute. Kommt zu Meinem Liebesmahl. Ich will euren Hunger stillen.

Oh, warum laßt ihr die Seele hungern und dürsten. Ewiges Leben schenke Ich euch durch dieses himmlische Manna. Wer Mein Fleisch ißt, und Mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben. Ich habe viele Priester unter euch erweckt, die euch lehren und führen, die euch spenden Mein hl. Sakrament. Die Glocken vieler Gotteshäuser riefen wie oft so laut und luden euch ein, zu Meinem hl. Opfer zu kommen und Gastmahl mit Mir zu halten. Aber lauter klingt die Stimme der Welt und durch ihre verlockenden Freuden zieht sie die Seelen in ihren Bann. Satan hat in ihrer Mitte sein Zelt aufgeschlagen und den Kampf gegen Mich aufgenommen. Sein Ruf ist: Kommt, suchen wir die Seelen zu verderben!

In großen Scharen folgen sie ihm und Ich, der Heiland der Welt, bin verlassen wie im Anfang. Alles nimmt man Mir. Die Priester und Ordensleute, die Mich umgeben, die tötet man und verjagt sie aus ihrem Heiligtum. Die Kinder hält man fern von Mir und viele, die Mir bisher treu gewesen sind, haben sich abgewandt. Mehr und mehr bleibt der Tabernakel zu, weil nur kleine Scharen nach ihrem Bräutigam verlangen. So stehe Ich da, fast von allem entäußert. Wer kommt und tröstet Mich in der Verlassenheit? Wer schenkt Mir wieder, was der blinde Haß Mir genommen? Komme, du Meine Seele, die du Mir noch treu geblieben bist, hülle Mich ein mit deinem Tugendkleid! Gehe an die Ecken und in die Gassen der Stadt, gehe auf die einsamen Straßen und in die Hütten der Armen und Verlassenen! Lade sie ein zur Hochzeit des Lammes! Diese Armen und Verachteten werden auch im Himmelreich mit Mir zu Tische sitzen!" Ich bete: "Lieber Heiland, weil Du allem entäußert bist, will auch ich mich Dir zuliebe allem entäußern. Nichts kann mich trennen, nur Dich will ich besitzen, sollte ich meine Treue mit dem Tode besiegeln. Für Dich lebe ich, für Dich sterbe ich, für Dich suche ich Seelen zu gewinnen. Oh, Du verlassenes und so wenig geliebtes Herz Jesu, ich liebe Dich, segne mich!"

Der Tag ist für meinen Sohn Theo. Es ist, als wäre er um mich. Willy ist Opfer der Eucharistie, darum die Verwundung an einem Donnerstag. Trage schwere Leiden der Dornenkrone. Kind Ruth Schimmel, Opfer der Kinderlähmung aus Herten, wird nicht besser. Sie soll besonders dem eucharistischen Heiland geweiht werden. Ist Opfer Seiner Liebe.

 

Freitag, den 24. März 1944

Jesus spricht: "Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun. Ein Kreuz haben sie Mir gemacht, das die ganze Erde umfaßt. Die unreinen Seelen, in denen Ich einkehren muß, sie bilden auch ein Kreuz. An diesem Kreuz werde Ich durch die schwere Sünde abwechselnd, stückweise und gliedweise gekreuzigt. Diese Kreuzigung ist so schwer, daß Ich, wenn es ginge, noch einmal Mensch würde, um Mich an das Kreuz schlagen zu lassen. Es ist, wenn Ich in die Seelen der Gottesräuber einkehre, als wenn das Feuer der Hölle Mich umgibt. Die Sünde brennt mit heißer Glut und zermartert Meinen unschuldigen Leib. Satan triumphiert über diese Leiden, die ich erdulden muß. Er weiß, die Seele ist sein. Er hat gesiegt. Nicht genug dieser Qualen, läßt man Mir die kleine Zelle nicht, in der Ich wohne. Mit Gewalt arbeitet die Hölle, um Mich aus der Welt zu entfernen. Gefunden hat sie ihre Helfer und Helfershelfer, die alles vernichten und entfernen, was von Mir spricht und auf Mich hinweist. Meine hl. Lehren, die Ich gegeben, sind ihnen zum Märchen geworden. Als töricht und dumm gilt das Gotteswort. Man reißt es heraus aus den Herzen, und ganz besonders vergiftet man die Seelen der Kinder. Wie oft liege Ich zertreten am Boden, lachend und spottend geht man hinweg über Mich. Die Erde ist Mein Kreuz geworden, auf der man Mich zermalmen will. Verhülle dein Angesicht, du, Meine Seele, und traure um deinen Heiland, der so unsäglich leidet! Warum leide Ich nun so schrecklich? Ich denke an die vielen Kinder, die Mich nie kennenlernen. Es wird doch noch, wenn die Welt gedemütigt ist, eine große Schar der unschuldigen Kleinen kommen, die für die Frevler bittet. So viel und so oft Ich zertreten bin, so viel wird auch Mein Vater zertreten. Bedeckt wird die Erde sein von zerstückelten und auseinandergerissenen Menschen. Grauen wird die Menschheit erfassen und ihr Ende ist Verzweiflung, ist Mord gegenseitig. Diese Sünden können nur durch Gebet, Fasten und Entsagung gesühnt werden. Wo finde Ich noch mehr Opferseelen?"

Ich bete: "Gekreuzigte, eucharistische Liebe, was duldest Du für die sündige Welt? Allem will ich mich entäußern, damit die großen und schweren Sünden gesühnt werden. Du bist nur Liebe und erntest nur Undank dafür. Gib, Herr, mir Macht über die Herzen, daß noch mehr für Dich ein Opfer der Liebe und Sühne werden! Nicht ans Kreuz sollst Du, nein, in der Seele Brautgemach sollst Du wohnen. Sollst Deinen Königsthron in allen Gotteshäusern besteigen, alle Herzen mögen nur für Dich schlagen, und alle Zungen mögen nur Dir Lob singen!"

Leide mit Jesus unsäglich die ganze Nacht. Sehe den Herrn frei schwebend und zerstückelt. Das ist die eucharistische Kreuzigung. Bin heute auf der Burg.

Nach der hl. Kommunion sehe ich die Empfängnis Jesu im Schoße Mariens. Ganz in Licht gehüllt ist Maria. Der Heilige Geist schwebt über ihr; überirdisch, himmlisch schön ist dieses Bild.

Hochwürden Herr Pater Heider wünscht, daß wir vom 25.3.-25.12. jeden Tag 9 Ave beten zu Ehren der Menschwerdung Jesu. Er verspricht sich sehr viel davon, weil es auch das Jahr Mariens ist.

 

Samstag, den 25. März 1944

Nach der hl. Kommunion habe ich ein furchtbares Brennen in mir. Ich frage nach der Bedeutung, ob Jesus nicht gern zu mir gekommen sei.

Er spricht: "Leide mit Mir! So brennt die Sünde, wenn ich in unreine Seelen einkehre, das verwundet Mich ganz! Schaue dann diese Seelen, die durch das Tier zerrissen sind, und die Adern vom Gift der Sünde getränkt wurden. Alles ist schwarz und alles brennt. Auf dem Grund liegt der Heiland."

Dann sehe ich Maria und Josef, wie sie Jesus nach drei Tagen im Tempel wiederfinden. Ich finde es unerklärlich für die Fastenzeit.

Jesus spricht aber: "Das waren die ersten Stunden, da Maria und Josef an Mir irre wurden, bis es ihnen gegeben wurde. Sie kannten Mich und doch erkannten sie Mich nicht. Jünger hatte ich um Mich, die Mich kannten, aber Meine Leidensstunden noch nicht erkannten. Immer mehr wohne Ich noch unter euch. Man kennt Mich und erkennt Mich nicht. Seelen habe Ich für Mich erwählt, die weiter den Samen ausstreuen werden, wie Ich es tat und Meine Worte in die Welt tragen, die Ich ihnen sage. Man wird sie kennen und doch nicht erkennen. Wer es fassen kann, der fasse es."

Dann darf ich die schweren Leiden der Dornenkrone tragen, die mich fast arbeitsunfähig machen.

 

Montag, den 27. März 1944, XII. Eucharistische Station

Nach Erhebung der hl. Hostie bei der hl. Wandlung wird sie größer und zerrissen. Blut fließt aus allen Wunden. Bei Erhebung des Kelches kommt ein Licht hinter dem blauen Kreuzvorhang hervor und steigt in den Kelch. Das ist in Ittenbach. Von diesem Tage an darf ich nur eine Mahlzeit zu mir nehmen, als Sühne. Auch muß ich das Scheyrer Kreuz, weil ich es zum Segnen brauche, offen tragen.

Nachts von 1 bis 2 Uhr schwebt eine kleine, heilige Hostie vor mir her. Mein Herz ist nur Freude, und das Verlangen nach Jesus ist groß. Er stillt mein Verlangen und ich darf mich mit Ihm vereinen. Oh, ihr gesegneten Stunden der Nacht, seid mir gegrüßt, da mein Herr und Heiland zu mir kommt!"

Zur 12. Station spricht Jesus: "Wie schön wird deine Seele, wenn Ich sie wasche mit Meinem Blut. Mit Tau benetzt ist am Morgen die ganze Natur. Jedes Blümlein, jedes Gräslein und jedes Blättlein erfreut sich daran. Wie Rubine leuchtet dieser Tau im Sonnenglanz. Komme zu Mir und Ich benetze deine Seele mit dem himmlischen Tau Meines hl. Blutes! Ich bin die wahre Sonne, die deine Seele erwärmt. Dann werden die Tauperlen zu Rubinen und wie ein Edelstein leuchtet deine Seele. Wie aber verfährt die Welt mit deinem Heiland? Sie verlangt nicht nach diesem Tau, der erquickt und stärkt. Zertreten liege Ich an der Erde, gekreuzigt auf den Balken der Erde. Es ist der Same für die Märtyrer, der Fluch für die Gottesräuber. Das Blut schreit um Rache. Mein ist die Rache! Soviel Gottesblut die Erde bedeckt, soviel Menschenblut wird fließen, bis alles gesühnt ist, was man an Mir sündigte. Sühne, sühne, sühne, Meine Seele, denn groß sind die Tage der Heimsuchung! Sie werden größer sein als damals bei Meinem Kreuzestod!"

Ich bete: "Oh, mein Gott, meine Liebe ist so arm und schwach. Ich kann nichts anderes sprechen: Ich opfere Dir das kostbare Blut Deines vielgeliebten Sohnes auf, zur Sühne für unsere Sünden und die Anliegen der hl. Kirche! Laß diese Worte ein ewiges Sühnegebet sein!"

Nach der Vereinigung mit Jesus sehe ich viele meiner Lieben. Sie winken mir freundlich zu. Ich sehe auch meinen Hans in einem weißen Gewand und mit einem goldenen Blätterkranz. Dann darf ich Kinderseelen schauen. Sie sind reiner und schöner als Kristall. Ich sehe weiter an, wie die Verführer arbeiten. Sie trüben erst den Glanz. Dann kommt das Tier und zerreißt das Gnadenbild. Weiter sehe ich gute Seelen, die den Kampf mit dem Tier aufnehmen. Es sind Priester, Ordensleute und andere gute Seelen, die der gefallenen Kinderseele nachgehen und sie dem Verführer entreißen, damit das Tier die Gewalt verliert. Sehe kleine Seelen mit einem kleinen, blauen Streifen. Sie sind der Muttergottes geweiht und stehen höher. Dann sehe ich Kinderseelen in einer Quelle versinken. Dunkel ist der Eingang, aber hell der Grund. Rein gehen die Kinderseelen hervor. Es ist das Bußsakrament. Dann sehe ich Seelen, die vom Bild der Mutter umgeben sind. Das Gebet der Mutter reißt dem Verführer immer wieder die Seelen fort.

 

Dienstag, den 28. März 1944

Nach der hl. Kommunion schwebt eine blutende hl. Hostie vor mir her. Sie umschwebt mich den ganzen Tag. Ich leide sehr viel durch die Dornenkrone.

 

Donnerstag, den 30. März 1944, XIII. Station

Heute erhalte ich ein schönes Stehkreuz und das Bild der Mutter mit dem geneigten Haupt von meinem lieben Bruder Heinrich Johannes. Nach der hl. Kommunion sehe ich die Erde bedeckt mit blutenden Hostien. Engel umstehen sie.

Der Heiland spricht: "Das ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird! Das ist Mein Blut, das für euch vergossen wird! Ein Opferlamm bin Ich, das im immerwährenden Opfer Sühne leistet für die Sünden der Welt. Die verblendete Welt erkennt Mein Opfer nicht an. Sie hat Mich zum eucharistischem Schlachtopfer gemacht und Mich an die Erde, das große Kreuz, geheftet. Zertreten und zerrissen hänge Ich daran. Unaufhörlich fließt Mein Blut. Unreine Füße gehen über Mich hinweg und an ihren Schuhen klebt Mein Blut. Gottesblut tränkt die Erde und schreit um Rache. Ja, soviel Blut von Meinem hl. Blut durch Verunehrung die Erde benetzt, soviele Menschen werden an der Erde verbluten, bis gesühnt ist die große Schuld. Das Gericht haben die Frevler schon jetzt herabgerufen. Wer sühnt diese Sünden nun? Wo finde Ich mehr reine Opferseelen, die Mein Schlachtopfer werden? Komme, du Meine Seele und werde Mein Schlachtopfer! Ich gebe dir die Kraft, daß du für Mich leiden kannst. Nur durch Opfer und Leiden kann die Schuld gesühnt werden!"

Ich bete: "Nimm mich, Herr, hin als Dein Schlachtopfer für die Sünden der Welt! Mache mit mir, wie es Dir gefällt. Oh, möchten doch alle Dich erkennen, den guten Heiland! Möchten doch alle Dein hl. Blut verehren! Soviel Segen würde allen zuteil werden. Heiligstes Blut im Sakrament der Liebe, Dich bete ich an! Oh, hl. Blut im Opfer, sei mir gegrüßt und mache alle von Sünden rein!" Ich sehe Engel, die ihr Angesicht verhüllen. In Trauergewändern umgeben sie den verlassenen Heiland. Dieses Bild sehe ich drei Tage.

 

Sonntag, den 2. April 1944, XIV. Station

Sehe eine Seele mit dem Gottesraub, das Tier in der Seele und das Feuer der Sünde. Der Herr leidet furchtbar. Dann sehe ich die Wolke. Es ist der Vater. Ein Blitz fährt aus der Wolke. Es folgen noch mehrere. Ich erschrecke und fahre zusammen. Der Sünder wird unruhig.

Der Heiland spricht: "Wo finde ich ein Grab, in dem Ich ruhen kann? Wo finde Ich eins, ausgeschmückt mit den Blumen der Tugenden? Ja, es ist Meine Freude und Wonne, wenn Ich Mich mit diesen Seelen vereinigen kann. Sie bieten Ersatz für die Gottesräuber, die Mir ihre unreinen Seelen zur Ruhestatt geben. Zum Judas werden sie an Mir. Wie entsetzlich sind die Leiden, die Ich durch diese Seelen erdulden muß. Es ist, als wenn Ich in die Hölle hinabstiege. Wo der Teufel wohnt, da muß ich hinein. So kann er nicht gegen Mich an, aber wenn Ich in solch eine Seele einkehre, dann muß Ich die Höllenqualen leiden. Satan triumphiert, daß Ich diese Pein ertragen muß. Wer befreit Mich nun? Das kann nur der Vater mit dem Heiligen Geist. Ihre große Liebe befreit Mich wieder aus dem Grab der Gottesräuber. Wie einst als Ich bei der Kreuzabnahme auf dem Schoß der Mutter ruhte, so nimmt sie Mich, wenn Ich diesen Gräbern entsteige, in ihre Hände und opfert Meinen zerrissenen, blutigen Leib dem Vater als Sühne auf. Nur Brandwunden weist Mein ganzer Körper auf, verursacht durch den Brand der Sünde. Siehe, Meine Seele, das leidet dein Heiland immer noch! Die Liebe ließ Mich klein und verachtet werden und duldet sogar die Qualen der Hölle. Wenn nun Dein Herr und Gott so leidet, dann komme du doch und biete Mir Ersatz für die, die eine Judastat begehen. Bereite Mir eine Grabstätte in deiner Seele, die durch den Heiligen Geist geschmückt und gereinigt ist. Da will Ich dann ruhen, bis zu dem Tage, da du glorreich mit Mir auferstehen wirst. Ist der Karfreitag der Welt vorüber, so folgt auf ihn der Ostermorgen der Ewigkeit!"

Ich bete: "Nimm mich hin, Herr, nimm diese Seele, die Du mir gabst, sie soll Deine Wohnung sein, der Ort heiliger Ruhe, das Grab für Deinen hl. Leib. Ich bete Dich an, ich lobe und preise Dich! Bleibe bei mir, Herr, und laß nicht die Schatten der Nacht sich niedersenken in meine Seele!"

 

Montag, den 3. April 1944

Nach der hl. Kommunion sehe ich weiter von der Seele des Vortages. Der Heiland muß aus solch einer Seele wieder heraus. Das bewirkt die Liebe des Heiligen Geistes. Verbannt und zerrissen schwebt der Herr aufwärts. Maria nimmt Ihn in ihre Hände und opfert Ihn dem himmlischen Vater als Sühne auf. Engel kommen in Trauergewändern und spielen auf der Harfe. Ich komme zu mir. Seltsam ist mir. Das Volk singt am Schluß der hl. Messe: "Trauert ihr englischen Chöre!" – Es paßt zu dem, was ich eben schauen durfte. Die Leiden der Dornenkrone gehen heute weiter.

 

Dienstag, den 4. April 1944

Ich sehe weiter, wie Jesus als Sühneopfer der Gottesräuber voller Wunden am Throne des Vaters liegt. Die Engel haben die Harfe fortgelegt und knien tiefgebeugt vor dem Herrn. Ich sühne und bete mit. So unter großen Leiden mit Jesus vereint, endet der eucharistische Kreuzweg.

 

Mittwoch, den 5. April 1944

Heute bin ich frei vom Leiden. Eine Wallfahrt mache ich zum hl. Judas Thaddäus nach Heisterbacherrott. Weile tagsüber mit Jesus in Bethanien.

 

Karsamstag, den 8. April 1944

Leide Gründonnerstag für die Sakrilegien. Bin heute so hilflos wie die Jünger. Alle Kraft geht von mir. Karfreitag liege ich ganz als Leidensopfer. Kann nicht zur Kirche gehen.

Morgens um 9 Uhr setzt Maria mir erneut die Dornenkrone auf. Bis heute Morgen 4 Uhr war ich ganz vereint mit Jesus im Leiden. Schwach und elend fühle ich mich, doch ich muß zum Heiland, muß Ihn heute besitzen. Er soll in das Grab meines Herzens gelegt werden. Auf dem Weg zur Kirche tritt Maria Magdalena an meine Seite. Sie spricht: "Nimm die Dornenkrone, das einzige, was ich von meinem Geliebten habe! Trage sie zur Sühne auch in der Osterzeit weiter. Nimm auch den Schwamm! Er ist mit Bitternis gefüllt. Trage alle Bitternis für den Geliebten, der so wenig geliebt wird." Sie ging wieder von mir, und allein wartete ich auf den Ostermorgen.

 

Mittwoch, den 19. April 1944

Ich sehe die Jünger im verschlossenen Saal. Sie zittern vor Angst. Wie leid tut es mir. Sie fürchten, ergriffen und wie Jesus getötet zu werden. Da steht plötzlich der Heiland verklärt unter ihnen. Er ist nur Licht. Sie erschrecken zuerst. Der Heiland breitet seine Hände aus und spricht: "Der Friede sei mit Euch!"

 

Donnerstag, den 20. April 1944

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus verklärt. Die Wunden leuchten wie Sonnen. Er spricht: "Nur einer ist Erlöser! Ich bin der Lebensbaum inmitten des Paradieses. Sieben Quellen gab Ich euch in den sieben Sakramenten. Das Paradies ist das Kreuz, der Tabernakel!"

Ich bete: "Jesus, wie klingt Dein Name so süß!" Es erscheinen ungezählte Engel und umgeben den Auferstandenen. Weiter bete ich: "Erlöser, Du brachtest wieder das Paradies! Segensspender, o segne alle, die kommen zu Dir!" Segnend hebt der Auferstandene Seine Hände und ein Strahlenmeer umgibt Ihn. Ursprung der Gnaden, aus Deiner Quelle trinken wir!

Er zeigt mir die Gnadenquellen, Seine verklärten, heiligen Wunden, und mit leiser Stimme spricht Er: "Sieben Quellen gab Ich euch, sieben Sakramente. Wie mißbraucht werden so oft diese Gnadenquellen!" Verklärt schaue ich den Herrn nun im hl. Sakrament. Viele Hände sehe ich flehend ausgestreckt, die bitten um dieses himmlische Brot. "Heiland! In Dir allein das Heil nur ist!" Nun steht Er vor mir in leuchtend rotem Gewand und zeigt mir Sein Herz. "Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geiste Du bist!" Über Ihm erscheint das Auge Gottes und die feurige Zunge. In Verzückung kniet die hl. Jungfrau auf dem Boden im Stall zu Bethlehem. Wie ein Licht geht der Heiland aus ihrem Schoß hervor. Nur Licht ist der arme Stall. Jetzt steht vor mir die Krippe, und das schönste der Kinder darf ich schauen. Doch gleich wechselt das Bild, und als König sehe ich den Herrn, wie Er am Ende der Zeiten erscheint.

In den Abendmahlssaal bin ich versetzt. Dank-, Lob-, Bitt- und Versöhnungsopfer, bewahr uns vor dem ewigen Tod. Ewige Wandlung schaue ich jetzt. Ungezählte Priesterhände heben den Leib des Herrn. Er wird zu einer großen Hostie, zu einem Opfer. Seligmacher, wer Dich besitzt, trinkt Seligkeit!

Sehe viele Herzen und Seelen, auf deren Grund verborgen Jesus ruht. Ewiger, vom Lebensquell der Ewigkeit! Seelen sehe ich ausgestattet mit allen Gnaden, weil sie das ewige Leben, Jesus, im Herzen tragen. Liebe, unendlich groß, wie liebst Du die sündige Welt! Jesu Herz sehe ich weit geöffnet. So groß wie Seine Liebe, so weit ist Sein Herz für alle, die darin wohnen wollen. Immerwährendes Opfer, das dem himmlischen Vater gefällt!

Mein Blick wird weit, und ich sehe das ewige, immerwährende Opfer. Gott so groß und doch so klein, Mächtiger, Allgewaltiger, Du wolltest bei uns sein! Verklärt, majestätisch schön, sehe ich Jesus und gleich wieder unscheinbar klein in der Brotsgestalt. Engel beten Ihn an.

Dann tue ich einen Blick in die Hölle. Der Teufel mit seinem Anhang tobt ob der Gewalt, die der Herr Seinen Priestern gegeben hat. Sein Sinnen ist es nun, Jesus aus der Welt, aus der Kirche zu vertreiben. Allgütiger, im Tabernakel schließt Du Dich ein! Viele Tabernakel öffnen sich und ein Herz wird sichtbar, das sich sehnt nach den Menschen, das Gegenliebe erwartet. Christus König, laß uns ganz Dein eigen sein! – Der Herr ist so schön. Er trägt ein goldenes Königsgewand. König der Herzen will Er sein. Laßt Ihn einziehen in eure Herzen, damit ihr diesen König dereinst in Seiner Glorie schauen dürft! Engelbrot, Wegzehrung in der letzten Stunde. Viele Sterbende sehe ich nun, die nach der Himmelsspeise verlangen. Retter und Helfer, tue uns dann Deine Liebe kund! Wieder werfe ich einen Blick auf die Sterbenden. Wie ringen sie oft in letzter Stunde. Der Teufel versucht bei vielen, sie für sich zu gewinnen. Ich halte hierauf eine Anbetungsstunde vor dem Herrn im Sakrament. Jesus umgibt mich in dieser Stunde.

 

Sonntag, den 22. April 1944

Das Kreuz steht vor mir. Maria Magdalena erscheint mit der Dornenkrone. Ich soll sie tragen für den Unglauben, den man dem gekreuzigten und auferstandenen Heiland entgegenbringt.

 

Montag, den 24. April 1944

Ich knie in Ittenbach vor der Reliquie von Bruder Konrad. Ich will gerade gehen, da kommt eine Mutter mit einem achtjährigen Mädchen. Jesus sagt: "Bleibe noch ein wenig und segne die Mutter mit dem Kind! Das Kind weihe Mir, dem eucharistischem Heiland. Die Welt wird staunen ob der Dinge, die eintreten werden. Die Kinder will man fernhalten, aber sie sind doch Mein. Die Mir geweiht sind, die gehen nicht verloren!" Ich tat, wie mir der Herr befohlen. Ein Blick der Mutter streift mich, aber sie weiß doch nicht, was eben geschah. Unterwegs geht ein Vater vor mir her. Er hat im Wagen so ein Kleines. Der Herr spricht: "Auch dieses Kind weihe Mir!"

Wieder ein Blick, der mich trifft, aber der Vater weiß auch nicht, was gerade geschah. Samstag mußte ich ein Kind, das zwischen Vater und Mutter ging, dem hl. Michael weihen. Die Eltern schauten sich zeitweise um nach mir, aber sie ahnten nicht, was geschah. Der Herr wünscht, daß Brüder und Schwestern das gleiche tun. Die Kleinen werden Seine Generation, die für Ihn kämpft.

 

Dienstag, den 25. April 1944

Nachts von 3 bis 4 Uhr Vereinigung mit Jesus, dem Auferstandenen. Er erscheint als Priester mit zugedecktem Kelch. Nach der hl. Kommunion sehe ich Ihn verklärt auf einer Wolke mit der Siegesfahne und von Lilien umgeben. Er spricht: "Wo Demut, schweigende Liebe und Reinheit Mich umgeben, da ist Friede!"

 

Freitag, den 28. April 1944

Nach der hl. Kommunion sehe ich eine schöne Braut. Sie spricht: "Heute ist mein Tag. Ich werde so wenig verehrt, aber ich bin doch eine Braut Christi, die ihr Leben hingab für Ihn."

Ich glaube es nicht und bitte Jesus, daß Er diese Truggestalten von mir fernhalten möge. Am Tage erscheint sie mir wiederholt. Ich bin in Not und nehme zu Maria meine Zuflucht. Im Beten wird mir gegeben, daß es die hl. Theodora ist, eine große Märtyrerin. Ich bitte um Verzeihung und empfehle ihr besonders meinen Mann.

Dann sehe ich einen Gang und Stufen, die abwärts führen. Eine Schwester zeigt auf eine Kirche. Es ist die hl. Hedwig und die Kirche von Trebnitz. Sehe den hl. Johannes, der die Bräute Christi führt. Die Männer tragen ein Gewand wie der Heiland und eine Krone. Die Frauen tragen Schleier und Krone.

 

Sonntag, den 30. April 1944

Nach der hl. Kommunion sehe ich Bruder Konrad im Sterben. Er ist von allen Brüdern umgeben, so daß das Zimmer zu klein ist. Maria schwebt hernieder mit einer Schar Engel. Sie schwebt mit dieser reinen Seele aufwärts zu den ewigen Freuden.

 

Dienstag, den 2. Mai 1944

Beim Singen aus der Litanei: "Du bist der Tempel des Heiligen Geistes", sehe ich Maria ganz weiß, von Licht umgeben. Sie schwebt nur im Licht. Über ihr schwebt der Heilige Geist, und noch mehr Licht umgibt sie. Der Vater in der Wolke umgibt alles im Halbkreis. Den Blick kann ich nicht abwenden von diesem Tempel. Eine große Sehnsucht kommt über mich und ich wünsche, wohl recht oft in diesem Tempel weilen zu dürfen. Oh, Maria, du bist ja die eine, reine Jungfrau unter den Müttern. Du bist die eine, reine Mutter, unter den Jungfrauen. Hilf, Meerstern, daß wir so rein werden wie du, so keusch durchs Leben gehen wie du, so demütig werden wie du und so gottergeben sein wie du!

 

Samstag, den 6. Mai 1944

Die vorhergehenden Tage waren Leidens- und Sühnetage für die Schmach, die den Herzen Jesu und Mariä angetan werden. Ich durfte wieder im Tempel des Heiligen Geistes weilen. Alles ist in Gold gehüllt, und die schönsten Blumen sehe ich. Aus allen Engelchören knien Engel tief gebeugt. Zu Mariens Füßen knien ganz kleine, weiße Engel. Es sind die Totgeborenen, die der Braut des Heiligen Geistes huldigen. Sie sind ja die kleinsten Glieder am Leibe Christi, die Maria auch geboren hat und noch weiter gebären wird. Es naht Jesus mit Seinen Aposteln in weißen Gewändern. Im Gefolge sind Päpste und Bischöfe. Der Herr mit Seinem Gefolge schreitet mitten durch die Engel zu Maria. Es folgt noch Johannes, der die Bräute Christi führt. Wie schön ist es. Der Heiland ehrt so Seine Mutter, Er huldigt ihr in diesem Tempel. Wie stehen wir zu Maria? Lernen wir immer wieder von Jesus die Kindesliebe.

Nach Stunden bin ich wieder in diesem Tempel. Jesus öffnet jetzt Sein Herz. Gnadenströme gleich Sonnenstrahlen gehen von Seinem Herzen aus. Sie gehen zu Maria, die diese Ströme auf die Erde leitet. Alle Engelchöre singen das dreimal "Heilig". Wie öde scheint die Welt, wenn die Seele in diesem Tempel war.

 

Montag, den 9. Mai 1944

Erneut große Leidensstunden für einen Priester, der auf halben Weg umkehrte. Ich muß sehr ringen um die Seele. Ich darf aber heute wieder im Tempel weilen. Mein Herz ist nur Freude, und doch fühle ich mich so unwürdig.

 

Mittwoch, den 10. Mai 1944

Nach der hl. Messe gehe ich zum Grabe meines Vaters. Da wird Großalarm gegeben. Ich gehe zurück in die Kirche, zur Muttergottes. Ich will ein wenig Sühne leisten und bitten für die augenblickliche Not. Nach 20 Minuten war die Gefahr vorüber. Beim Hinausgehen sehe ich St. Josef und St. Katharina. Der hl. Josef wird weiterhin die Kirche schützen, wenn die Stürme auch noch so groß sind.

Die hl. Katharina spricht: "Ich bin die Patronin der Bekenner und der Sterbenden. Nun will ich auch die Patin der Totgeborenen sein. Im Tode betete ich für den Vater, durch dessen Hand ich die Märtyrerkrone empfing. Feuer und Schwefel vernichtete ihn. (Anmerkung: Die Bedeutung dieses Textes konnte nicht geklärt werden.) Feuer und Schwefel vernichten auch heute so viele Menschen. Ich bitte für diese. Ruft mich an in der Not!" Von 5 bis 6 Uhr habe ich süße Vereinigung mit Jesus, meinem Geliebten.

 

Samstag, den 13. Mai 1944

Jesus führt mir den hl. Pankratius zu. Er ist ein Liebling der Märtyrer. Viele Märtyrer sehe ich zum Tempel des Heiligen Geistes ziehen. Mit ihnen leiste ich Sühne. Meine Leiden sind groß am Tage, aber am Abend erhalte ich neue Kraft im hl. Opfer und der hl. Kommunion.

 

Dienstag, den 16. Mai 1944

Nach der hl. Kommunion bin ich mit den Opfern des Krieges im hl. Tempel. Die für Christus starben, tragen ein Kreuz auf der Brust. Die für das Vaterland ihr Leben hingaben, tragen ein Lamm, weil sie zum Schlachtopfer geworden sind. Sie bitten für die Welt und den Frieden. Dann umgibt mich ein schönes Licht und wird mir zum Trost für die Leiden in der Nacht.

 

Donnerstag, den 18. Mai 1944, Christi Himmelfahrt

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus, wie Er segnend auffährt. Es wird leer um mich. Ich fühle mich einsam. Mit den Jüngern leide ich das Heimweh nach Jesus.

 

Freitag, den 19. Mai 1944

Ich arbeite am Nachmittag im Garten. Im einfachen braunem Gewand ist Jesus auf einmal bei mir und sagt: "Es fällt dir schwer, das Unkraut herauszuhacken. Noch schwerer reißt man das Unkraut aus den Seelen. Es fehlen Arbeiter im Garten Gottes. Ich brauche noch viele Kräfte, damit die Seelen gerettet werden. Guten Samen habe Ich ausgestreut, doch Unkraut hat der Feind dazwischen gesät, das den guten Samen erstickt. Starke Wurzeln hat es geschlagen. Verloren sind die Seelen, wenn nicht Hilfskräfte kommen und Ordnung schaffen!" Der Herr läßt mich noch viele Seelen schauen, die in die Sünde verstrickt sind. Er nimmt mich als weiteres Opfer für die verstockten Sünder.

 

Sonntag, den 21. Mai 1944

Ein Freudentag. Nachdem der Herr im Herzen ruht, ließ Er es nicht genug damit sein, nein, ganz groß wurde Seine Liebe. Ich darf Ihn sehen im weißen Gewand und von Wolken umgeben. Er steht aber in einer Höhe, die unterhalb viele Stufen aufweist. Die Wolken teilen sich und eilends, dreimal sechs Stufen, steigt der Heiland hernieder.

Jubeln und singen möchte ich vor Freude. Was ist auch schöner und süßer, als Jesus, die unendliche Liebe! Am Nachmittag möchte ich mich im Gebet versenken, doch stört das Radio. Um drei Uhr wird das Märchen Rumpelstilzchen gegeben. Ich höre ein wenig zu und sage dann: "Oh, Heiland, könnte ich mich in Dein Märchenland versetzen!"

Ich bereue schon im nächsten Augenblick diesen Wunsch. Es erscheint ein großes Lichtkreuz. Im gleichen Augenblick bin ich auf eine schöne Wiese versetzt. Sie ist geschmückt mit den herrlichsten Blumen. Frühlingskinder, Blumenkinder, erblicke ich, die spielen. Da naht die himmlische Frau. Sie ist ganz weiß und trägt einen langen, wallenden Schleier, der von kleinen Blumenkindern getragen wird. Engel mit der Harfe begleiten sie. Auf ihren Armen trägt sie das Gotteskind. Es trägt einen Goldreif mit einem Kreuz und ein einfaches weißes Kleid, das die Füße bedeckt. Maria trägt eine Krone mit 12 Sternen. In der Mitte erglänzt ein großer Stern.

Die Krone des Kindes, der Reif, ist der Kreis, den Es um die Erde gezogen hat. In der Mitte steht das Siegeszeichen, das Kreuz. Wer in diesem Kreis steht, muß Kreuzträger sein und werden.

Die hinter dem Kreis stehen, haben kein Kreuz. Sie haben deshalb auch keinen Halt, keine Macht und keinen Sieg. Die Krone Mariens, der große Stern, ist sie selbst, der Meerstern, der uns allen leuchtet. Die 12 anderen Sterne sagen, daß sie unser aller Königin ist, des alten und des neuen Bundes. Sie steht über den 12 Stämmen Israels, sie steht über den 12 Aposteln.

Nun sehe ich weiter, wie die Blumenkinder einen Thron aus den Blumen machen. Maria setzt ihr Kind darauf. Die Engel umstehen den Thron und spielen auf der Harfe. Die Blumenkinder machen einen Reigen. Oft fallen sie vor dem Kinde nieder, sie knien vor Ihm und erheben flehend ihre Hände. Ich möchte wohl wissen, für wen sie bitten. Maria schaut lange den Kindern zu. Freude zeigt ihr ganzes Gesicht.

Ich wage die Frage und sie spricht: "Sie bitten für die Kinder Israels, daß sie nicht alle verlorengehen. Betet auch ihr für sie, da ich auch deren Königin und Mutter bin!" Dann nimmt sie ihr Kind und entschwebt, umgeben von den Engeln. Die Leiden in der Nacht sind für das Vaterland.

 

Montag, den 22. Mai 1944

Der dornengekrönte Heiland erscheint im weißen Gewand. Er trägt ein Kreuz und spricht: "Nur Ich bin Trost im Leid! So wie Ich aus den Trümmern hervorging, so wird der Glaube an Mich, der fast begraben ist, auch neu aus den Trümmern hervorgehen. Wie ein neues Licht wird er emporsteigen und leuchten den Völkern auf der Erde. Sie werden erkennen, daß nur der Glaube die Heilsquelle ist, aus der sie schöpfen können. Kommet zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken!"

 

Samstag, den 27. Mai 1944

Die ganzen Tage bin ich frei von Leiden, nur Jesus scheint Mir so weit. Maria, zu der ich bete, gibt mir zu verstehen, daß ich zur Vorbereitung auf das Pfingstfest mit ihr den Heimgang ihres lieben Sohnes miterleben darf.

 

Sonntag, den 28. Mai 1944, Pfingsten

Nach der hl. Kommunion sehe ich Maria im Trauergewand. Sie kniet zwischen zwei Lichtern. Ein ausstrahlendes Licht ist über ihr. Die beiden Seitenlichter werden so groß und vereinen sich zu einem Licht, mit dem das über Maria steht. Ich grüble unterwegs darüber, aber ich verstehe doch nicht recht.

Der hl. Engel hilft mir: "Das ist die büßende Liebe. Sie trauert, weil ihr geliebter Sohn in der Welt nicht erkannt wird. Ein Licht ist der Vater, eins ist der Sohn und das andere ist der Heilige Geist. Alle drei sind aber ein Licht, eine Liebe. Lernen wir vom Heiligen Geiste die große Demut, mit der Er alles schafft, der still wirkt in den Seelen und doch so unbekannt bleibt. Wenn Er die Welt erneuern soll, muß Vernichtung vorausgehen.

Die Nacht ist Sühne. Leide sehr an Krampfanfällen. Um halb 4 Uhr erscheint Pius X. Er fordert auf zur Sühne und Buße. Er bittet, in dieser Woche besonders des Heiligen Vaters zu gedenken, der sehr leidet für die Kirche und die ihm anvertraute Herde.

 

Montag, den 29. Mai 1944, 2. Pfingsttag

Ich sehe viele Tote, die grausam zugerichtet sind. Darüber gebeugt, geht die Muttergottes segnend von einem zum anderen. Ich meine, es sei die Immerwährende Hilfe, aber ich verstehe nicht recht. Denke auf dem Heimweg nur an dieses Bild, was es wohl bedeuten mag.

Da ist plötzlich Maria an meiner Seite und spricht: "Ich bin die schwarze Muttergottes von Tschenstochau. Gedenke, bete und sühne für das Volk, das mich immer so verehrt hat, damit es geläutert aus der Drangsal hervorgehe!"

Papst Pius der X. erscheint auch und fordert nochmals zu Sühne und Buße auf. Am Nachmittag halb 3 Uhr höre ich im Radio das Märchenspiel Dornröschen. Ganz langsam bin ich in Mariens Rosengarten hinübergegangen. St. Josef holt die schönste Rose. Beide sind wie Königskinder. Die Welt versinkt in einen geistigen Schlaf und erkennt die schönste Rose nicht. Dann sehe ich den Tod Mariens.

Die Apostel umgeben sie. Die Engel wecken dann die schöne Rose. Vom Heiland erwartet und geführt von den Engeln, tritt sie ein ins himmlische Königreich. Der Heilige Geist krönt Seine Braut zur Königin. Darüber waren zwei Stunden vergangen, als ich zu mir kam.

Ich bin allein. Ich gehe in den Garten. Ein Kinderschreien dringt zu mir aus des Nachbars Garten. Ich segne das Kind mit dem Scheyrer Kreuz und weihe es der Mutter Gottes. Beim dritten Segen verstummt das Schreien. Ich gehe in meine Wohnung zurück. Da steht auch schon die Frau vor mir und zeigt mir ihr fünfeinhalb Monate altes Kind, die kleine Maria Antoinette. Sie ist nach einem Bombenangriff evakuiert worden, und meine Nachbarin nahm sie auf. Die Frau sagt, daß das Kind sehr lieb sei, aber eben wollte es nicht mehr still sein. Plötzlich sei es doch still geworden und da habe sie es aus dem Wagen geholt, um mir ihr Liebchen zu zeigen. Nun lacht es mich an und reicht mir die Händchen. Ich nehme es auf den Arm. Glücklich bin ich, diese kleine Unschuld halten zu dürfen. Die Macht des Kreuzes war so groß, daß man das Kind zu mir brachte. Ich segnete es nochmals auf meinen Armen. Als Kind Mariens wird es nun gesegnet bleiben. Die Frau selbst war sich dessen nicht bewusst, warum sie mir das Kind bringen mußte.

 

Mittwoch, den 31. Mai 1944, Fest der Mutter der Gnaden

Freude an diesem Tag. Ich bin bei meinem Mütterchen. So nahe bei Maria, so ganz schön. Sie trägt das Königskind auf ihren Armen. Sie selbst, ihr Gewand und Schleier, sind nur Licht. Alles ist wallend weit und bedeckt die Füße. Sie steht in einem Oval und gleich einer Sonne trägt sie das Gnadenkind. Ein großes Licht umgibt sie, das aus der Höhe kommt. Es ist der Heilige Geist.

Strahlen gehen hernieder, die wie Tautropfen, wie Perlen auf die Erde fallen. Sie gehen durch Mariens Hände. Ich kann mich nicht trennen heute und bleibe nach der hl. Kommunion in der Kapelle. Am Nachmittag sehe ich Maria im Gefolge von Engeln und den Kindern, die nach der Taufe starben. Kleine Engel bilden einen Kreis, in den Maria das Jesuskind hineinsetzt. Es ist eine Wiese mit schönen Blumen. Die kleinen Engel fallen nieder und beten das Jesuskind an. Dann geht alles auf die Sternenwiese. An jedem Stern steht ein Engel, der die Bahn leitet. Diese Engel fallen auch nieder, beten Jesus an und huldigen der Mutter. Wie schön ist es dort oben über den Wolken. Wenn ich jeden Tag einen Gruß hinaufsende zu den Sternen, die Allmacht Gottes lobe und preise, so weiß ich auch all die Engel zu grüßen und sie zu bitten, unseren blauen Stern, die Erde, zu beschützen. Die Erde trägt das Kleid Mariens. Von dieser Erde, die die schönste und reinste der Frauen getragen hat, von der hat diese holde Frau sich auch ihre Kinder gewählt. Oh, würden wir stets dieses Glück zu schätzen wissen, ein Kind Mariens zu sein. Eigenartig wurde mir, als Pater Heider bekannt machte, daß er das hl. Opfer heute für den Heiligen Vater dargebracht habe. Das war ein schöner Einkehrtag heute auf der Marienburg in Oberpleis.

 

Donnerstag, den 1. Juni 1944

Jesus spricht heute zu mir: "Ich suche ein Opfer für Mein Herz, welches sich der Erfüllung Meines Willens wie eine Opferhostie darbringen möchte. Meine Tochter, willst du Mir dein Herz schenken, damit Meine leidende Liebe, die von der ganzen Welt verschmäht wird, darin ruhen kann?"

Wie kann ich Dir, Herr, die Bitte abschlagen. Ich gehöre nur Dir allein, tue mit mir nach Deinem Wohlgefallen. Du weißt aber, daß die Opfer rein und fleckenlos sein sollen und ich bin nichts als eine große Sünderin. So nimm mich, wie ich bin! Alles gebe ich für Dich zum Opfer hin! – Die Probe der Liebe mußte ich heute bestehen. Jesus fehlt mir, weil ich nicht zur hl. Messe kann. Der einsame Priester ist bei mir und feiert das hl. Opfer. So will ich heute auch ein Opfer der Verlassenheit sein, so wie es Gott will. Mit Jesus bin ich im Ölgarten. Ich sehe, wie Er zittert und bebt. Die ganze Natur, Bäume, Sträucher und Gräser zittern und beben mit dem großen Büßer. Ich bitte den Wind, leise zu wehen und den Herrn zu trösten. Der Wind hebt sich, Blumen und Gräser neigen sich ganz tief.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 2. Juni 1944

Es ist halb 5 Uhr. Meine Leiden sind zu Ende. Beim Beten in der Kirche darf ich etwas Wunderbares schauen. Eine große, strahlende Sonne sehe ich und darin das göttliche Herz. Die Seitenwunde steht offen und blutet. Der Heilige Geist umgibt die ewige Sonne. Umgeben wird das Bild von der Wolke. Hoch aus der Wolke ragt ein Schatten wie ein Kopf und zu beiden Seiten sind Schatten, die wie Hände aussehen. Ein Strahlenmeer geht aus von dem ganzen Bild. Dann naht die Friedenskönigin mit den Chören der Engel. Tief neigen sie sich vor dem Herzen Jesu.

 

Samstag, den 3. Juni 1944

Beim Beten: "Herz Jesu, Feuerherd der göttlichen Liebe", sehe ich das göttliche Herz von Flammen umgeben. In der Hostie ist das heiligste Herz Jesu durchbohrt von vielen Schwertern. Es ist ganz zerstückelt und blutet aus vielen Wunden. So verzehrt sich trotz aller Schmähungen und Beleidigungen das heiligste Herz Jesu für uns.

Jesus spricht: "Beim Kreuzestod hat ein Speer Mich durchbohrt! Schaue, wieviele es heute sind! Sieh, wie Ich leide! Das fordert Sühne. Du kannst sie nur leisten, wenn du dein Herz für Mich durchbohren läßt, da es ganz Mein Opfer wird!" Ich konnte nur sagen: "Nimm mich Herr, ganz zum Sühneopfer!"

 

Mittwoch, den 7. Juni 1944

Tage großer Verlassenheit waren es bis heute. Ich weine vor Sehnsucht und Liebe. In Gebet und Arbeit sitze ich vertieft an der Nähmaschine. Da kommt eine andersgläubige Frau zu mir. Sie ist entrüstet, daß Ordensschwestern hart über mich urteilen. Sie meinen, daß mein Kirchengehen nicht Gott wohlgefällig sei. Ja, ich durfte nun durch sie leiden, die ich liebte. Es tut weh, wenn man Gott liebt und in den besten Absichten verkannt wird. Es genügt mir aber, daß ich vor Gott meine Pflicht erfülle und nicht schuldig bin.

Als ich allein bin, ist Jesus bei mir und sagt: "Du betest: Herz Jesu, mit Schmach gesättigt! – Wie weh tut es dir, daß dich die schmähen, die du liebst. Kannst du jetzt verstehen, wie weh es Meinem Herzen tut, wenn Mich die schmähen, die Ich liebe? Leide mit Mir Schmach und Pein! Segne die, die dir wehe tun, und Ich bin dein Lohn!"

"Alles will ich tun, nur Du, Herr, verlaß mich nicht. Wenn sie mich von Dir fernhalten, dann bricht das Herz, dann sterbe ich vor Heimweh nach Dir. Deiner Mutter werde ich es sagen, daß sie noch fester den Schleier um mich zieht!"

Auf dem Friedhof heute früh treffe ich meinen Beichtvater, unseren guten, lieben Pfarrer. Ich sehe, daß seine Tage gezählt sind. Mühsam, die Glieder geschwollen, am Stock langsam gehend, bleibt er bei mir stehen. Er klagt mir sein Leid und meint, es würde wohl für ihn nicht genügend gebetet. Er wollte doch so gerne die Kirche renovieren lassen, da er das Geld dafür liegen habe.

Ich tröstete ihn und sage: "Es wird viel für Sie gebetet. Da liegt es nicht dran, aber Sie sind ein Opfer der Gemeinde. Ein Opfer hat selten Freuden, außer in Gott!" Da schaute er mich seltsam an. Er wird es erfassen, daß er sein Lebensopfer Gott schenkt. Die Nacht ist Sühne für Fronleichnam.

 

Samstag, den 10. Juni 1944

Ich bin in Betrachtung über die Liebe des Heiligen Geistes. Der hl. Engel naht und spricht: "Wer ist demütig? Die Welt heute schaut nur auf äußere Zeichen. Sie erkennen sich daran. Es sind Zeichen des Stolzes und des Hochmutes. Der dreifaltige Gott hat auch Seine Erkennungszeichen.

Der Vater ist verborgen im Zeichen der Wolke. Sie umgibt Seine Herrlichkeit. Wie demütig, wie herablassend ist der Sohn im hl. Opfer und als Seelenspeise. Wie demütig ist der Heilige Geist, der als Erkennungszeichen die Gestalt eines Tieres, einer Taube hat. Wie groß sind aber diese Zeichen. Wer es fassen kann, der fasse es!"

Unaufhörlich ziehen die Wolken über uns. Wer achtet auf ihren Lauf? Ohne Anfang und ohne Ende ist Gott. Für Gute und Böse sorgt der Vater. Wie Tau und Regen sich über die Natur ergießen, sie nährt und tränkt, so ergießt sich des Vaters Liebe und Güte alle Tage neu über Seine Geschöpfe. Ziehen schwere schwarze Wolken über euch, schreckt euch Blitz und Donner, so denkt ihr an euren Schöpfer, der oft Seinen gerechten Zorn über euch ergehen lassen muß, wenn Seine Geschöpfe sich gegen Ihn erheben. Wie aber die Sonne wieder leuchtet und euch erfreut nach düsteren Tagen, so ergießt sich des Vaters Liebe wieder nach Tagen, da Er im gerechten Zorn strafen mußte, von neuem über die Menschen und alles Geschaffene.

Wie groß ist das Zeichen der Wolke! Würden es alle verstehen, sie würden den Vater nicht betrüben, wenn sie aufschauten zum Himmel und den Vater in diesem Zeichen verborgen über sich wüßten.

Dann Jesus, wie demütig ist Er, daß Er die Gestalt des Brotes wählte, um unter euch zu bleiben. So demütig, so voll Liebe kann nur Gott sein. Brot essen alle Menschen und um Brot bitten sie den Vater im Himmel. Zur Speise wurde Gottes Sohn, damit die Seelen nicht Hunger leiden, sondern leben durch das Engelbrot. Der stolze Mensch sieht aber über Gott hinweg. Er will die Seele nicht sättigen, läßt sie hungern und stirbt den Seelentod. Möchtet ihr doch mehr die unendliche Liebe des Heilandes verstehen und Ihn wieder lieben, wie Er euch liebt. Möchtet ihr stets eine reine Seele haben, um Braut Gottes, Braut Jesu Christi zu sein!

Oh, beuget die Knie vor Ihm! Wie groß müßte euer Dank sein, daß Jesus unter euch wohnt und Sein Zelt in eurer Mitte aufgeschlagen hat! Wie demütig ist der Heilige Geist. Ganz im Stillen wirkt Er. Er nimmt die Gestalt des Tieres an, der Taube. Verkannt und geschmäht ist Er. Den meisten Menschen ist Er der unbekannte Gott. Groß ist aber Sein Zeichen. Er lehrt euch, in diesem Zeichen so rein und einfältig wie die Taube zu sein. Im schnellen Flug bringt die Taube die Botschaft an alle Orte. Er, der große Gott, ist euer Botschafter, der euch an alles erinnert, was das Wort Gottes verkündet hat.

Wer Ihn sucht und Ihn gefunden hat, dem schenkt Er Seine sieben Gaben, den führt Er ein in die großen Gottesgeheimnisse. Er dringt in die Seele ein und macht sie zum Tempel des Allerhöchsten. Er bewacht den Eingang der Seele und wehrt ab das unreine Tier, den Teufel. Wie gern zieht der Heilige Geist ein, wenn die Opfergabe den Balsam der Liebe auf die kranke Seele gelegt hat. Dann bereitet Er das Brautgemach für den ewigen König, Jesus Christus."

 

Sonntag, den 18. Juni 1944

Ich war sehr krank die letzte Woche und bin noch nicht ganz hergestellt, aber die Sehnsucht nach Jesus treibt mich zum Hause des Herrn. Meine Schmerzen und Leiden opferte ich für meinen gelähmten Beichtvater auf. Ich traue meinen Augen nicht, als er wieder gestützt am Altar steht. Ja, das Opfer bringt das heilige Opfer dar. Ich freue mich nun doppelt, für ihn gelitten zu haben. Er ist schon ein Heiliger. Unterwegs ist der hl. Judas Thaddäus an meiner Seite. Er reicht mir eine Keule. Erschreckt frage ich: "Werde ich auch so erschlagen wie du?" Er spricht: "Nimm sie, die Keule der Liebe! Damit schlage alle Menschen tot."

 

Montag, den 19. Juni 1944

Mein Zustand ist wieder schlimmer. Fieber ist von neuem eingetreten. Ich habe auch keine Linderung, weil ich meine Tabletten einem kranken Kinde gab. So will ich leiden für die Schwestern, die so böse über mich urteilten. Ich bitte den einsamen Priester, mit mir die hl. Messe zu feiern. Um halb ein Uhr kommt er und feiert die hl. Messe wieder in der Grotte.

Heute steht nicht die Muttergottes auf dem Altar, sondern der Heiland. Er trägt ein langes, weißes Gewand, aus dem rotgolden Sein heiliges Herz leuchtet. Der Priester öffnet das Herz und im Inneren ruht der eucharistische Heiland. Engel kommen in weißen Gewändern. Sie tragen Lichter und umgeben Jesus. Der Priester trägt ein weißes Messgewand mit dem Heiland, wie er segnend die Hände ausbreitet. Ebenfalls tragen zwei Priester, die dienen, das gleiche Gewand. Auch Schwestern vom Heiligen Geist sind anwesend. Bei den Kollekten kommen 12 Jünger und stehen zur Rechten des Altares. Beim Evangelium kommen die 12 Apostel und stehen zur Linken des Altares. Johannes zuerst. Beim Credo kommen viele Päpste und knien in der Mitte, an den Stufen des Altares. Bei der Opferung erscheint eine Wolke über dem Altar. Die neun Chöre der Engel kommen beim Sanktus. In ihrer Mitte sind St. Michael, St. Gabriel und St. Raphael. Der Heilige Geist, die Taube, umschwebt alles. Bei der Wandlung knien hinter dem Priester sechs Päpste. Durch die Mitte kommt Maria und hält das Messgewand. Tiefes Schweigen herrscht, alles ist gebeugt, und die Engel breiten die Hände aus. Nach der heiligen Wandlung umgeben die Apostel den Priester.

Maria bleibt, bis die hl. Kommunion vorüber ist. Als alles vorüber ist, bleiben die Schwestern zur Sühnestunde. Der Priester geht wieder unter das blutige Kreuz und spricht: "Wie lange werde ich noch für die Schuld der Menschen büßen? Wann wird die Kirche mich als Dein Schlachtopfer anerkennen?" Der Gekreuzigte beugt sich und spricht: "Solange mußt du leiden, bis eine reine Seele sich für dich opfert!"

Mein Verlangen bei der hl. Kommunion ist so groß heute. Ich bitte Jesus, bei mir einzukehren. Da leuchtet das Herz-Jesu-Bild wie eine Sonne. Jesus spricht die Lebensworte und kehrt bei mir ein. Am Tage umgibt mich oft ein Schatten. Was mag das wohl sein? Eine Stimme höre ich: "Ich, der Priester, bin es, der nur ein Schatten blieb, als er starb!" Ich frage darauf den lieben Heiland: "Dieser Priester wird doch droben kein Schatten sein?" Da durfte ich ihn ganz fern sehen, wie ein Nebelbild. Ganz weiß sah ich ihn, und eine Krone trug er. Er muß sehr schön sein. Auf mein Flehen sandte Jesus ihn. Nun weiß er, wer am 12.09.1943 mit ihm die hl. Messe feierte.

 

Dienstag, den 20. Juni 1944

Mein Zustand ist noch schlimmer. Angina, beide Halsseiten sind sehr mitgenommen. Oft erscheint mir das hl. Antlitz. Die Tränen kommen mir ob der entstellten Züge. Was sind schon unsere Leiden im Vergleich zu den Leiden des Herrn. Die Augen, die geschwollen, blutig und verklebt sind, schauen mich liebevoll an. Ich weine nur. Dann sind auf einmal die Augen so wunderbar schön. Ich sage: "Herr, wenn ich nur immer diese schönen Augen schauen dürfte, ich würde um dieses Anblickes willen gern leiden, mein ganzes Leben. Mit den Tränen der Liebe und Reue will ich abwischen das Blut aus Deinen Augen!"

Um 10 Uhr halte ich die Kommunionmesse für die Kinder. Bei der hl. Wandlung umspielt ein Lächeln Jesu Züge. Ich bitte Ihn, einzukehren in mein Herz. Ich erinnere Ihn an Seine Worte: "Bittet, und ihr werdet empfangen!" Da wird Er ganz Liebe und beglückt meine arme, sündige Seele. Dann bin ich wieder allein.

Da steht plötzlich der hl. Aloisius (von Gonzaga, 1568-1591) bei mir und sagt: "Denke daran, morgen ist mein Tag! Ich hätte auch eine Bitte. Ich möchte, daß du die Heiligen mit einem Gruß ehren möchtest, wenn sie kommen!"

"Mein lieber Bruder Aloisius, wie soll ich euch grüßen? Gelobt sei Jesus Christus, sag ich nicht! Das sage ich nur, wenn der Heiland kommt, oder zu einem Heiligen, der Jesus trägt, sage ich: 'Grüß Gott!' Oder im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit grüße ich euch!" – Der letzte Gruß gefiel ihm. "Eine große Bitte habe auch ich. Morgen, an deinem Tag, möchte ich im Hause Gottes sein. Denke an mich und ich denke an dich. Kann ich gehen, werde ich dich doppelt verehren!"

Petrus zeigt darauf die Schlüssel und sagt: "Dem Heiligen Vater nimmt man die Schlüsselgewalt. Niemand hat ein Recht dazu. Jesus hat sie nur dem Oberhaupt Seiner Kirche gegeben. Es bleibt trotz aller Stürme doch gebunden, was er gebunden und gelöst, was er gelöst hat. Betet und sühnt, denn Gottes Gerechtigkeit ist herausgefordert! Er wird sie zermalmen, die sich Seinen Anordnungen widersetzen!"

St. Paulus schaut mich nur an und ich frage: "Du hast doch sicher auch eine Bitte?" Lange lange schaut er mich an. Erneut sage ich: "Das kann ich nicht wissen, was du von mir willst!" Darauf zeigt er mir seine Hinrichtung und sagt: "Für diese, die unschuldig so sterben wie ich, dafür bete alle Tage und empfehle sie meiner Fürbitte!"

Meine Tränen fließen. Da erschreckt mich der Teufel. In Tiergestalt steht er an der Tür und sagt: "Ich habe auch einen Wunsch. Ich werde nicht rasten und ruhen, bis die Opferseelen verschwunden sind. Diese sind ein ganz großes Hindernis für mich."

Ich rufe: "Weiche Satan! Nie wird dir das Vorhaben gelingen. Die Königin der Opferseelen ist Maria. Sie wird dir den Kopf zertreten. Den Opferseelen kannst du nichts anhaben, denn sie haben ja kein Herz mehr. Das haben sie dem lieben Heiland gegeben!" Ich zeige ihm das Kreuz und bitte: "Herr, zeige Deine Macht!" Da flieht Satan. Der Gekreuzigte hat wieder gesiegt. Nun bin ich allein. Ich merke, meine Krankheit weicht.

 

Mittwoch, den 21. Juni 1944, Aloisius

Es fiel schwer, aber ich stand auf, im Vertrauen auf die Hilfe des Heiligen. Jesus belohnte mein Opfer und machte mich frei von Schmerzen. Nach der hl. Kommunion sehe ich einen Kelch schwebend und darüber eine Hostie in der rechts ein A und links ein O steht.

Jesus spricht: "Klein bin Ich in dieser Brotsgestalt. Die Form aber ist das Zeichen des Ewigen. Ohne Anfang und ohne Ende ist sie, gleich wie Ich von Ewigkeit ohne Anfang und ohne Ende bin!"

Beim Beten sehe ich ungezählte Speere und Lanzen aus der Luft kommen, die sich in der Hostie über dem Kelch festsetzen. Es sind die bösen Worte und Reden des Spottes und Hohnes, der Lieblosigkeit, der Verachtung, des Fluches und der Schamlosigkeit. Wie Lanzen und Speere treffen sie den Herrn im Sakrament.

 

Samstag, den 24. Juni 1944, St. Johannes der Täufer

Zur Gratulation gehe ich zu meinem Seelsorger und Beichtvater. Ich finde ihn so sehr schlecht und leidend. Er ist so geduldig. Was kann ich tun, als Jesus bitten, daß ich mitleiden darf. Ich fühle es auch daheim. Ich möchte nicht immer krank erscheinen, weil man meine Opfer doch nicht versteht. Ich klage ein wenig, weil mir die Arbeit doch so schwer wird.

Jesus ist bei mir und sagt: "Du bist ein Opfer für die Priester. So wirst du am Samstag immer irgend ein Leiden haben. Halte den Samstag wie einen Feiertag und teile dir die Arbeit anders ein!" Danke Herr, alles geschehe nach Deinem Willen!

 

Der in den Himmel aufgefahren ist.

"Eine Wohnung wollte Ich für euch bereiten, darum ging Ich zum Vater. Verklärt ging Ich aus dem Grabe hervor, verklärt weilte Ich noch eine kleine Zeit unter denen, die Ich liebte. Ein verklärter Leib ist aber nicht für die Erde. Er gehört droben in die Wohnungen des ewigen Lichtes. Die Stätten, die Meine Leiden schauten, sollten auch teilhaben an Meiner Herrlichkeit, um der Nachwelt ein Vermächtnis zu hinterlassen und den Glauben an Meine Gottheit zu bestärken. Aus eigener Kraft stieg ich aus des Grabes Nacht hervor und mit eigener Kraft fuhr Ich auf zum Vater. Die kleine Schar Meiner Treuen war Zeuge Meiner Herrlichkeit, Meiner Gottheit. Wenn nun der Tröster kommen sollte, mußte Ich die Erde verlassen, damit Er Seinen Wirkungskreis aufschlagen konnte. Weil Ich alle Menschen erlöste, durch Meinen Kreuzestod, so waren unter den Erlösten auch die, die in der Vorhölle warteten, die Gerechten des Alten Bundes. Zu ihnen mußte Ich, damit sie zur Anschauung Gottes gelangen konnten. Wohl bin Ich zum Vater aufgefahren, aber im Sakramente der Liebe bin Ich unter euch geblieben. Kommet oft zu Mir, damit ihr das Leben in euch habt! Dann werdet ihr mit Mir glorreich auferstehen und mit Mir, wenn Ich dereinst Gerechte und Böse scheide, die Himmelfahrt zum Vater machen."

 

Der uns den Heiligen Geist gesandt hat.

"Das Blut deines Bruders schreit von der Erde auf zu Mir. Wer ist denn mein Bruder? Bin ich denn der Hüter meines Bruders? Vom gerechten Abel bis zum Ende der Zeiten werden diese Rufe zum Himmel dringen und das Vaterherz betrüben. Hätte Ich euch als Waisen zurückgelassen, so wäre schnell alles vergessen, was Ich gelehrt und gelitten habe. Darum stiftete Ich Meine Kirche und gab ihr ein Oberhaupt, das durch den Heiligen Geist erleuchtet und geführt wird. Er muß die Seelen heiligen und befestigen im Glauben, muß sie stärken im Kampfe gegen die Sünde. Wenn man sagen wird: Es gibt keine Sünde – so wird Er die Welt recht belehren. Wenn man sogar den Brudermord für Gott wohlgefällig betrachtet, wird Er zu erkennen geben, wie groß diese Sünde ist. Er wird Seinen Geist und durch Seine Liebe die gefallene Menschheit wieder aufrichten. Er wird an alles erinnern, was Ich gesagt habe. Die Seelen, die durch Mein Fleisch und Blut ewiges Leben in sich tragen, werden durch den Heiligen Geist immer wieder geheiligt und zu Tempel Gottes gemacht. Bittet oft um Seine sieben Gaben, die Er euch so gern schenkt. Er ist ja der Liebhaber reiner Seelen. Durch Seine Wunderkraft geht auf der Same, den Ich, euer Heiland, ausgesät habe. Von Seinem Geiste geführt, leben die Gerechten und finden den Weg durch Mich zum Vater!"

 

Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.

"Die Mutter muß beim Sohne sein. Diese Mutter lebte still und verborgen. Wie hat ihr Herz sich nach Mir gesehnt, als Ich zum Vater aufgefahren war. Ich stillte ihre große Sehnsucht. Ich erfüllte ihren heißen Wunsch, mit Mir vereinigt zu sein. Dieser reine Leib, der durch Mich, durch Mein Wohnen geheiligt war, der durfte nicht der Erde zur Verwesung gegeben werden. Mit den himmlischen Chören der Engel stieg Ich selbst hernieder und holte sie, die Mir Mutter war und ist, die sich Magd des Herrn nannte und doch die Reinste ist, die voll der Gnade ist. Sie mußte bei Mir sein, mit Leib und Seele vereint, um so wirklich erst dort oben als eure Mutter für euch zu bitten. Wie kann Ich ihr eine Bitte abschlagen. Sie ist ja Meine Mutter und sie ist die Tochter des ewigen Vaters. Wenn sie Mich bittet, bringe Ich diese ihre Bitten zum Vater. Weil es Seine Tochter ist, die bittet, wird Sein Herz gerührt. Erbarmen und Liebe erweist Er denen, die zu Maria ihre Zuflucht nehmen. Darum gehet zur Mutter und laßt euch führen durch sie! Werdet ihre Kinder, und Ich will euer Bruder sein!"

 

Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.

"Maria, sie ist die Krone der Schöpfung! Ungekrönt ging sie durchs Leben. In ihrer großen Demut hätte sie auf Erden auch nicht als Königin geehrt sein wollen. Dort oben aber, wo sie über alle Engel und Heilige gesetzt wurde, wo sie ganz nahe dem Thron der Heiligsten Dreifaltigkeit ist, da gebührt ihr die Krone. Wer erniedrigte sich auf Erden mehr als sie? Groß war ihre Demut. Der Heilige Geist, dessen Braut sie ist, mußte in der Herrlichkeit da droben Seine Braut, Seine Geliebte, zur Königin krönen. Wurde sie nun Königin des Himmels, Königin aller Engel und Heiligen, so wurde sie auch Königin der Erde. Der Dreifaltige Gott hat euch allen nun eine Königin gegeben, die die erhabendste aller Frauen ist. Alle dürft ihr zu ihr kommen und eure Bitten in ihre Hände legen. Sie hat eine große Macht, weil sie frei über alle Gnadenschätze verfügt. Von diesen Schätzen schenkt sie ihren Kindern so gern, macht sie alle, wenn sie zu ihr kommen, glücklich und froh. Durch sie gelangt ihr zu Mir und dürft dereinst teilnehmen am Hochzeitsmahle des Lammes. Ehret und liebet eure Mutter und Königin, wie sie auch der dreifaltige Gott liebt und so hoch erhoben hat! Nichts Neues sprach Ich, oh Seele, zu dir. Weil aber die großen Geheimnisse noch sehr angefeindet werden, habe Ich sie erneut im Zeichen der Wahrheit dir anvertraut! Man wird diese Worte gebrauchen als sicheren Beweis dafür, was durch Meine Kirche gelehrt und zu glauben befohlen wird!"

 

Samstag, den 1. Juli 1944, Fest des Kostbaren Blutes

Ich bin in Ittenbach. Wie so oft jetzt, war auch heute ein Exequien für einen gefallenen Krieger. Ein Weinen und Schluchzen geht dauernd durch das Gotteshaus. Die junge Frau, die ihren Gatten nach einjähriger, glücklicher Ehe opfern mußte, ist untröstlich in ihrem Leid. Zwei Fremde knien etwas später zusammen an der Kommunionbank, sie und ich. Zwei Fremde und doch zwei Freunde, die den gleichen Heiland in ihr Herz aufnahmen, Ihn aufopferten für den einen, der sein junges Leben hingeben mußte. Ich ließ die junge Frau vor mir hergehen, segnete sie mit dem Scheyrer Kreuz und bat den guten Heiland, ihr Trost und Stärke zu sein in ihrem Leid. Unterwegs begegne ich einer Kinderschar. Ich darf sie alle segnen, diese Frühlingsblumen, und sie dem göttlichen Kinderfreund weihen. Dann wieder Leiden. Ich sehe Jesus am Kreuz, blutend aus allen Wunden.

 

Sonntag, den 2. Juli 1944

Bin frei von Leiden und halte den Einkehrtag auf der Marienburg. Ich gedenke besonders der gesegneten Mütter und aller Marienkinder. Ich sehe Maria von einem großen Licht umstrahlt. Nach der hl. Kommunion geht das Licht weiter bis zur Statue des seligen Ludwig Maria Grignon. Maria zeigt an, daß er durch sie zum Licht geworden ist, das leuchten wird in einer dunklen Zeit, wenn andere Lichter erlöschen.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 7. Juli 1944

Vom 3. bis heute waren große Sühnetage. Ich bin von Schmerz durchbohrt, bin einsam und verlassen. Es kann nicht anders sein in Christi Kreuznachfolge. Der Herr reicht mir oft den Leidenskelch und St. Katharina steht tröstend zur Seite. Ich bin wirklich gerädert gewesen, daß ich die Tage verwechselte. Nach der hl. Kommunion weile ich wieder im Zelt des Allerhöchsten und opfere durch Maria meine Leiden auf. Sie zeigt mir einen Opferkelch, angefüllt mit Weihrauch.

 

Samstag, den 8. Juli 1944

Der Herr zeigt mir Seinen zerrissenen Leib. Weil Er Wunden trug für die Sünden des Fleisches, gab Er mir kund, daß ich im Juli für diese Sünden besonders büßen und leiden muß.

Er spricht: "Wer denkt daran, diese Sünden mitzubüßen. Für diese Sünden floß in Strömen Mein Blut, weil sie auch die Sünden des Blutes sind. Darum wirst auch du leiden, bis jeder Tropfen Blut von dir gewichen ist!" Er zeigt mir, wie so oft schon, wie groß die Schmerzen durch die Annagelung waren. Ein Krampf war Sein ganzer Körper. So werde ich es auch mehr leiden dürfen. Herr, wie Du willst, Du machst glücklich Dein Kind, Deine Braut, durch Teilnahme an Deinen Leiden. Nur wer Dich im Leid versteht, kann Dich so recht erst lieben.

 

Mittwoch, den 19. Juli 1944

Ganz nahm mich der Herr vom Tage der Ankündigung Seiner Leiden an Sein Kreuz. Ich werde von vielen, die mich sehen, bemitleidet, wegen des schlechten Aussehens. Was wissen sie schon? Maria zeigt mir heute einen Kelch, halb gefüllt mit Blut. Sie gibt mir kund, daß sie mehr Opferseelen suche, die ihr Blut opfern, damit der Kelch gefüllt werde. Im Halbdunkel sehe ich ein Kreuz. Jesus blutet aus allen Wunden. Die hl. Väter des alten Bundes nahen und sprechen: "Du allein bist das Lamm, das gewürdigt war, das Buch der sieben Siegel zu öffnen. Vom Kreuzestod bis zum Ende der Zeiten tränkt Dein Blut die Erde. Erlöst hast Du alle, aber nicht alle wollen erlöst sein. Aufgestanden sind sie gegen Dich und verunehren, ja sie verachten Dein hl. Blut. Ihrem Blut haben sie göttliche Kraft gegeben. Wir wollen Dir jetzt größere Ehre und Liebe erweisen für all das, was die sündige Welt in ihrer Verblendung Dir antut!" Sie knien nieder, alle mit dem Kreuz beladen.

Dann wechselt das Bild. Ein großes Licht erscheint. Es ist der Vater. Dann folgt ein zweites Bild, das in der Mitte ein Herz hat, von Strahlen umgeben. Es ist Jesus Christus. Von beiden Lichtern geht ein drittes aus. Es ist der Heilige Geist. Nun vereinen sich die Lichter zu einem Licht. Nur das Herz bleibt und blutet. Ewige Opferung! Maria kommt mit einem Kelch und fängt das Blut auf. Die hl. Väter legen ihre Kreuze nieder, kreuzen ihre Arme und beugen sich tief. Dann beginnen meine Leidensstunden vor dem ewigen Licht bis morgens halb 6 Uhr.

 

Donnerstag, den 20. Juli 1944

Jesus kommt nach der Sühne zur kurzen Vereinigung. Weil der Herr es will, opfere ich nochmals mein Blut zur Sühne auf: "So nimm es hin, o Herr!" Wenn jeder Tropfen einem Sünder die Gnade der Bekehrung brächte, wie glücklich würde ich sein, wenn diese Seelen auch glücklich werden in Dir, oh Gott. Den ganzen Tag darf ich weiter leiden. Um halb 1 Uhr bin ich im Garten. Ich segne dauernd mit dem Scheyrer Kreuz. Es ist ein furchtbarer Luftangriff. Ein Flackgeschoß kommt durch die Luft. Ich segne und bete, daß es keinen Schaden anrichten möchte. Mein Sohn Theo, der im Urlaub weilt und unterwegs war, sagt, daß er alles beobachtet habe, daß das Geschoß in der Luft explodiert sei. Ein Dankgebet sende ich nun zum Himmel.

 

Samstag, den 22. Juli 1944

Halb 6 Uhr früh. Zur kurzen Vereinigung ist Jesus bei mir. Er spricht: "Leide mit Mir in diesem Monat, der Meinem hl. Blute geweiht ist. Ein Meer der Sünden sehe Ich und habe es gesehen, die durch das Blut, das Fleisch, verübt werden. Man nennt es nicht mehr Sünde. Die Begierde muß gestillt werden. Durch die Augen zieht der unreine Geist in die Seelen. Ich, euer Heiland, bin inmitten dieser Pestluft, die von diesen Sünden ausgeht. Wieviel Ströme des Blutes vergoß Ich für diese Sünden. Sieh an, wie verunstaltet Mund und Nase sind! Die Sinnlichkeit richtet Mich so zu!" Ich schaue nun das blutige Antlitz. Dann erscheint auf einem Berg die Muttergottes von Kevelaer und zeigt ihr göttliches Kind. Ich sehe das Bild noch einmal nach der hl. Kommunion, als gesungen wird: "Durch das Kind auf deinen Armen, wirkst du Wunder ohne Zahl. Gib, oh Maria, daß bald Friede werde, bitte!"

 

Mittwoch, den 26. Juli 1944

Ich sehe Maria ohne Jesuskind am Wasser der Burg stehen. Sie zeigt in das Wasser. Ich verstehe nicht. Sie spricht: "Großes wird noch geschehen in Oberpleis. Hüte dieses Geheimnis noch und schweige. Nur deinem Bruder darfst du es anvertrauen. Sooft du an meinen Tagen hierher kommst, nimm ein Gefäß mit Wasser mit, aus diesem Teich, aus der Quelle, die ich dir zeige. Gieße etwas Weihwasser hinein. Wasche jeden Tag Gesicht und Hände damit. Sowie der erste Samstag Sühne und Buße ist für dich, für die Beleidigungen, die meinem Herzen zugefügt werden, sei auch die Waschung Sühne und Buße. Befolgst du alles, erkläre ich dir das Geheimnis."

Sie entschwebt. Dann sehe ich St. Anna auf lichter Wolke. Sie trägt ein weißes Gewand mit blauem Umhang.

 

Freitag, den 28. Juli 1944

Nach der hl. Kommunion kommt Jesus 3 x 3 Stufen abwärts. Ich frage nach der Bedeutung. Jesus sagt: "Stufenweise geht es aufwärts zu Gott. Ist die Seele im Leben schon mit Gott vereint, neigt der dreifaltige Gott sich hernieder und nimmt Wohnung in der Seele. Wie die Seele stufenweise aufwärts geht auf dem Weg der Vollkommenheit, so steigt Gott stufenweise abwärts zur Seele und formt sie ganz zu Seinem Ebenbild!"

 

Samstag, den 29. Juli 1944

St. Joachim und St. Anna begleiten mich zur Kirche. Die Immaculata reicht mir nach der hl. Kommunion einen Kelch mit Blut. Es grimmt mir im Leib. Es ist Sühne für die unwürdigen Kommunionen.

 

Sonntag, den 30. Juli 1944

Jesus spricht über Epistel und Evangelium: "Meine Brüder habe Ich zu euch gesandt. Ich habe sie alle zu Lichtern gemacht. Wie einst als Ich über Mein Volk klagte, so muß Ich auch über euch klagen. Das Wort des Priesters findet so wenig guten Boden. Auslöschen will man diese Lichter. Wo sie ausgelöscht sind, herrscht Finsternis. Der Geist der Finsternis hat hier seinen Samen ausgestreut und tausendfältige Frucht ist hervorgegangen. Vor Götzendienst haben Meine Brüder gewarnt, aber die Welt ist zu einem großen Götzentempel geworden. Zur Warnung wurden die Worte für euch niedergeschrieben, damit nicht über euch komme, was einst über das Volk kam, das nur an Essen und Trinken, an Spiel und Tanz dachte. Wer nur an den Leib denkt, wird ein Diener der Sünde. So versuchten sie Gott und trieben Unzucht. Weil nun die Welt Mich versucht hat, sind auch die Strafen über sie gekommen. Die Sünden des damaligen Volkes stehen in einem großen Licht.

Wenn auch Tausende hinweggerafft werden und nur Bosheit und Vernichtung triumphiert, so gedenkt man nicht der Worte, die euch zur Warnung gegeben wurden. Im Vergnügen und in der Sünde sucht man Befriedigung. Oh, wenn ihr doch alle Buße tun würdet, um des Vaters Strafgericht mildern zu können! Wie Ich einst über Jerusalem weinte, so weine Ich über euch, für die Ich auch gelitten habe und auch noch furchtbar leide in der hl. Eucharistie. Möchtet ihr doch erkennen und zwar an diesem Tage, was euch zum Heile dient! Aber es ist euch verborgen, weil ihr dem Geist der Verblendung zum Opfer gefallen seid. Ihr folgt den Irrlichtern, die aufgestanden sind und euch in den Abgrund stürzen.

Darum, weil ihr die Zeit der Heimsuchung nicht erkannt habt, wird der eine des anderen Feind. Not und Bedrängnis werden auf der ganzen Erde sich ausbreiten. Die Kinder werden gegen euch aufstehen und euch zu Boden schmettern. Der eine erkennt in dem anderen den Bruder und die Schwester nicht mehr. Man sinnt nur auf Mord und Rache. Meine Häuser sind keine Bethäuser mehr. Man hat sie zu Räuberhöhlen gemacht. Doch werde ich die schützen, die noch beten, die noch opfern und die mit Mir leiden. Ich werde auch ihre Gotteshäuser vor dem Untergang bewahren. Betet und sühnet, damit noch einmal die Welt durch den Heiligen Geist erneuert wird."

 

Dienstag, den 1. August 1944

Jubel und Freude ist der Tag in Maria, die ich im Lichte schaue. Um 2 Uhr schaue ich St. Hubertus. Er bittet um mehr Verehrung. Er ist der Zahl der Streiter Gottes angeschlossen. In großer Not und Gefahr bringt er Hilfe.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 4. August 1944

Ich sehe Jesus auf einem Berg. Wie Feuer leuchtet Sein Herz aus Seiner Lichtgestalt. St. Dominikus mit einer Schar seiner Brüder, alle Lichtgestalten, nahen, fallen nieder, beten an und bitten flehend. Der Herr breitet die Hände aus und Lichtstrahlen gehen hernieder auf die Erde, in die Herzen der Menschen, die das hl. Herz Jesu anbeten und verehren. Sie werden zu Lichtern, die den armen Sündern leuchten auf ihrem Weg und Gnaden durch sie erlangen, den Weg zum Herzen Jesu wieder zu finden.

 

Sonntag, den 6. August 1944

Nach der hl. Kommunion sehe ich Maria ganz weiß. Sie steht in einem Licht von wunderbaren Farben, über ihr sind drei Lichter. Eine Krone schwebt von den Lichtern hernieder auf Mariens Haupt. Am Nachmittag gehe ich zum Krankenhaus und nehme Abschied von einer lieben Toten, die ich liebte wie eine Schwester, Maria Dresbach.

 

Montag, den 7. August 1944

Heute wird die liebe Maria D. zu Grabe getragen. Ich sehe sie jugendlich schön, ganz weiß, eingehüllt in einen langen, wallenden Schleier. Nur ihr Gesicht ist frei. Sie lächelt mir zu und entschwebt. Ja, Du liebe, gute, fromme Seele, nun umgeben dich himmlische Freuden!

 

Dienstag, den 8. August 1944

Bin bei Wilhelmine Müller, Siegburg. Sie zeigt mir ein Bild von einem Geistlichen, bei dem sie Haushälterin war. Mir wird gegeben, daß er noch leidet. Für ihn muß noch viel geopfert werden. Erfreut sagt Minchen: "Dann ist er ja nicht verloren. Ich bangte so um ihn. Er war so gut, aber dann war er immer gemütskrank. Eines Tages erhängte er sich im Wald." Ich kann sie beruhigen, da er die Tat in geistiger Umnachtung beging. Sie, Minchen, ist die Opferseele für ihn. Jetzt will sie noch mehr Gutes tun, damit die Seele dieses Priesters bald erlöst wird.

Abends von 20 bis 22 Uhr sehe ich den Führer Adolf Hitler. Er ist umgeben von seiner Schar, die die Hände nach oben streckt. In der Ferne ist das Volk, das ihm gleichfalls so huldigt. Durch seine Selbstliebe und den Schein der Demut hat er das Volk gewonnen und damit die Macht über die Mehrzahl. Links von ihm, etwas abseits, steht Jesus wie ein Schattenbild. Dieses Bild verschwindet.

Adolf Hitler sitzt auf einer kleinen Anhöhe allein. Seine Sinne scheinen verwirrt. Von links nähert sich ein Schatten und steht hinter ihm. Der Schatten wächst bis ins Unendliche, der den Menschen vor ihm erdrückt. Der Schatten ist wieder Jesus. Adolf Hitler wird nun zu einem Schattenbild. Er erkennt, als Schattenbild kann er kein Volk mehr irreführen noch täuschen. Er wird verzweifeln wie Judas. Ich denke an seine Seele und bitte, ob keine Rettung mehr möglich ist.

Der hl. Engel spricht zu mir: "Das Urteil fällt Gott selbst. Seine Gerechtigkeit verlangt es, weil dieser Mensch soviel Menschen- und Gottesblut hat fließen lassen!"

Dann sehe ich ein drittes Bild. Adolf Hitler verfällt der Melancholie. Da steht vor ihm seine Mutter, ganz weiß. Er erschrickt. Sie droht mit dem Zeigefinger und verschwindet. Dann erscheint eine lichte Gestalt in Ordenskleidung. Sie gleicht ihm, könnte eine Schwester von ihm sein. Sie droht auch mit dem rechten Zeigefinger und verschwindet.

Ich sehe das vierte Bild: Eine zerstörte Stadt. Es ist Berlin. Ich sehe das Brandenburger Tor. Hastig und aufgeregt laufen die Menschen durcheinander. Es sieht aus, als trügen sie Trauerkleidung. Ich sehe aber keine Beerdigung, keinen Leichenzug. Dann sehe ich ein schwarzumrandetes Zeitungsblatt. Die Überschrift ist Adolf Hitler. Ich will weiterlesen, aber das Zeitungsblatt verschwindet. Wie seltsam!

 

Donnerstag, den 10. August 1944

Ich sehe Maria, die Himmelskönigin. Es ist ein seltsames Bild, das ich zuerst nicht verstehe. Maria steht auf einer Höhe. Umgeben ist sie von Rauch und Qualm. Sie wankt und fällt rückwärts. Das Bild vergeht und ein zweites taucht auf. Ich sehe ein großes Tier, Satan. Er schnaubt vor Wut. Es wird mir gezeigt, daß das erste Bild seine Gedanken sind. Er gedenkt, Maria zu stürzen. Wie dumm ist er.

 

Freitag, den 11. August 1944

Ein wunderbares Licht kommt aus dem Tabernakel. Ich bin nur Freude, nur in Gott versenkt.

 

Samstag, den 12. August 1944

Heute ist das zweite Jahresamt von meinem Hans. Die Erinnerung an seinen Tod tut weh, aber Gott hat doch alles wohl gemacht. Sein Wille geschehe, wenn ich es auch nicht verstehe. Dann sehe ich die Muttergottes. Wie schon oft in diesem Monat, Ich meine, sie wäre heute besonders schön. Ich sehe sie wie Schleier, wie Licht. Dann darf ich bis zum Feste ihrer Himmelfahrt leiden für alles an Schmach, was die Kinder der Welt ihr antun.

 

Dienstag, den 15. August 1944

Ich bin zum Einkehrtag auf der Marienburg. Bei der Predigt kommt rechts ein Licht und geht zur Muttergottes. Ich darf wieder ihre Himmelfahrt schauen, so, wie ich sie 1942 sah. Sehe auch die Engel wieder, die Spalier bilden.

Weiter sehe ich unzählige Himmelsbewohner, die Maria begrüßen. Sie ist wie Licht, und ein Kranz von weißen Rosen schmückt ihr Haupt. Geführt wird sie von ihrem Sohn und zu ihrer Linken ist St. Gabriel. Die Tore der ewigen Stadt öffnen sich. Das Licht, das herausflutet, blendet mich.

Ich rufe: "Es ist genug der Herrlichkeit! Ich bin nicht würdig mehr zu sehen, bin nur ein sündiger Mensch. Halte mich, Herr, nur in Deiner Gnade, daß ich Dich dereinst schaue in Deiner Herrlichkeit!"

Ich komme zu mir. Vor mir ist eine alte Frau, die die vollkommene Hingabe machen will. Ich sehe, daß der Tod sie umgibt. Maria setzt ihr liebes Kind auf den Schoß der Frau. Diese wird sehr unruhig. Sie weiß ja nicht, was im Augenblick geschieht.

 

Mittwoch, den 16. August 1944

Wie Brandwunden sieht es aus an meinem Körper. Die Sühne muß weitergehen. Auf dem Weg zur Kirche begegnen mir Leute, die sagen, daß die hl. Messe heute ausfällt. Ich bin traurig:

"Ohne Dich, mein Heiland, soll ich heute sein. Ich kam doch zu Deinem Hause. Du kannst ja Wunder wirken, Du, der große Wundertäter. Ich bleibe doch hier, ich vertraue auf Dich, Herz Jesu!" Mit allen Priestern vereinige ich mich nun, die zur Stunde das hl. Opfer feiern. Bei der hl. Kommunion wird mein Verlangen so groß, daß ich wünsche, ein Priester käme und brächte mir den Heiland. Auf einmal dringt eine Stimme an mein Ohr: "Möchten Sie gern kommunizieren?"

Der Priester im weißen Ornat steht hinter mir. Er kam von einem Versehgang zurück. Ich hatte ihn nicht bemerkt. Wie groß war nun meine Freude: "Dank sei Dir, tausend Dank, mein lieber Jesus, daß Du diesen Priester in meiner Seele lesen ließest! Dank sei Dir, Du großer Wundertäter! Du hast mich nun so glücklich gemacht. Laß doch diesen Priester mehr in den Herzen lesen, damit er sie hinführt zu Dir, dem guten Hirten! Oh, mein Heiland, für diese Liebe heute soll meine Liebe zu Dir noch größer werden!"

Dann sehe ich die Muttergottes auf dem Hochaltar im Mantel. Sie trägt eine schöne Krone. In ihrem Herzen sehe ich ein Licht, das mich anzieht. Ich gehe näher hin zu ihr. Da sehe ich das Licht nicht mehr, aber in ihrer Krone leuchtet ein kleiner, blauer Stern.

Ich sinke in die Knie und Maria spricht: "So wie Du sahest das Licht an meinem Herzen, so ruhte Jesus als ewiges Licht neun Monate an meinem Herzen. Nach dieser Zeit, als sie erfüllt war, ging das Licht hinein in die Finsternis und wurde nicht erkannt. Er nahm Fleisch und Blut an und lag vor mir als mein Kind, als Gott, den ich zuerst anbeten durfte!" Dann offenbart mir Maria, was der kleine blaue Stern in ihrer Krone bedeutet.

Sie spricht: "Der blaue Stern bist du, einer von den Sternen in meiner Krone. Weil du, mein Kind, deinen Heiland von Kind an aufgesucht und geliebt hast, weil du die großen Verfolgungen stillschweigend getragen hast, darum übte ich Liebe an dir und habe dich ausersehen, ein Sternlein meiner Krone zu sein. Darum werden dir viele Gottesgeheimnisse kundgetan, damit du der sündigen Welt ein Licht werdest, das weiterhin leuchtet, und alle Sterne meiner Krone setze ich hinein in die Welt, damit diese Lichter, die von mir ausgehen, denen leuchten, die leben in der Finsternis, denen leuchten, die den rechten Weg verloren, damit sie das ewige Licht wiederfinden!" Lange kniete ich, weinte ob solcher Gnade und Liebe!

 

Donnerstag, den 17. August 1944

Ein Mann von Köln war bei mir. Ich sollte helfen, aber wie? Er hatte 4.000 Mark unterschlagen als Angestellter einer Bank. Er bangte nur vor der Strafe. Ich bete. Jesus sagt: "Sage ihm: Suchet zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit, alles übrige wird euch hinzugegeben werden!"

Ich sage dem Beamten: "Nach diesen Worten erkenne ich, daß Sie sich um Gott und Seine Gebote bisher nicht gekümmert haben. Jetzt, nach dieser Tat, gedenken Sie Seiner. Ich werde weiter für Sie beten, daß Ihnen Gnade gegeben wird!"

Ehe ich mich versehe, ist der Mann auf und davon. Die Nachbarn, die das gesehen hatten, fragten: "Was war das für einer? Der rannte ja wie ein Wilder, der von der Polizei verfolgt wird. Ehe Sie heimkamen, marschierte er schon über eine Stunde die Dorfstraße auf und ab!" – Ich antwortete: "Er hat schon ein großes Leid, aber ich weiß auch nicht, wie ich da helfen kann!" Mir tat seine Frau mit den vier Kindern leid. Ich konnte nur beten und opfern, daß er einen gnädigen Richter findet.

Die Muttergottes steht vor mir und sagt: "Du mußt waschen für die armen Sünder. Jeden Tag darfst du einen durch mich zu Jesus führen. Du mußt die Schuld des Betreffenden auf dich nehmen.

Darum mußt du dir die Sinne, das Haupt, Hände und Füße waschen. Dieses Wasser hat durch mich Wunderkraft und treibt die Teufel aus den Seelen, die im Banne der Sinnlichkeit liegen. Es heilt auch andere körperliche und geistige Leiden."

Am Nachmittag bin ich auf der Wiese bei der Wäsche. Jesus ist bei mir und spricht. "Noch mehr wirst du leiden. Du bist ganz ein Opfer für die Sünder geworden. Die Sünder, die ganz in der Sünde verstrickt sind, besitzen nicht die Kraft, sich allein emporzurichten. Darum muß ich Opferseelen haben, die sich für die armen Sünder opfern, ihnen helfen, ihre Schuld auf sich nehmen und sie führen und leiten, bis sie durch die helfende Gnade soweit sind, daß sie den Weg zu Gott finden. So können auch deine Leiden nicht abgekürzt werden. Wie Ich das Opfer ganz brachte, so müssen auch Meine Opfer das gleiche tun." Ich danke Dir, mein Heiland. Wie Du es willst, so soll es an mir geschehen.

 

Freitag, den 18. August 1944

Halte den Tag für den Mann aus Köln. Ich spreche den Exorzismus über ihn. Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus als guten Hirten. Freudig zeigt Er mir ein verlorenes Schaf. Jesu Worte gestern haben den Mann aufgerüttelt. Jesus gibt es mir zu erkennen. Nun findet der verlorene Sohn heim ins Vaterhaus. Ich freue mich. Jesu zeigt mir eine zerrissene Herde. Ich sage: "Herr, wenn ich die suchen und zusammenführen soll, dann mußt Du mir noch viele und große Gnaden schenken. Wie weit und wie rauh sind oft die Wege. Wenn ich sie aus den Dornen holen soll, so werde ich blutig und zerrissen sein. Dann wirst Du mein Arzt sein und die Wunden heilen. Wenn ich das Eis von diesem kalten Herzen nehmen soll, oh Jesus, dann brauche ich ein Herz, das Feuer gibt, um das Eis zu schmelzen. Alles will ich für Dich tun, aber gib mir von Deinem hl. Herzen Feuer, damit ich anzünden kann die armen, kalten Herzen, daß sie brennen in Liebe zu Dir! Herz Jesu, Glutofen der Liebe, erbarme Dich ihrer!"

 

Dienstag, den 22. August 1944

Bis heute hatte ich nur Freuden im Herrn. Als Licht umgibt Er mich. Als Priester sehe ich Ihn oft mit dem Freudenkelch. Dann halte ich wohl traute Zwiesprache mit Ihm. So gehen die Stunden wie Sekunden, wenn die Seele ruht in Gott. Wer Jesus liebt, trinkt Seligkeit vom Lebensquell der Ewigkeit. Laß mich, Gottesherz, Dir singen, frohen Herzensgruß Dir bringen! Dich voll Jubel zu empfangen, nach Dir steht stets mein Verlangen, laß Zwiesprache halten mich mit Dir!" Morgens halb 6 Uhr lege ich wie immer alle Bitten und Anliegen wieder vor das Bild der Mutter mit dem geneigten Haupt. Ein großes Licht erhellt mit einem Male das Bild. Bei jeder Bitte neigt Maria ihr Haupt. Ich trete näher, um mich zu überzeugen, ob es wohl eine Täuschung der Dämmerung ist. Es wiederholt sich aber das gleiche. Bei der Friedensbitte neigt sie ihr Haupt und das Licht geht von links nach rechts. Ein feines Lächeln umspielt ihre Züge und eine abgeklärte Ruhe.

 

Mittwoch, den 23. August 1944

Auf dem Heimweg halte ich Zwiesprache mit meinem hl. Engel. Er spricht: "Der Herr litt auch für Seine Mutter, deren unbefleckte Reinheit in den Schmutz gezogen wird von den Weltkindern. Sie glauben wohl an eine Mutter, wie es jede andere ist, aber nicht an die Makellose, die Jungfrau, die unversehrt blieb. Wer das nicht glaubt, der glaubt nicht an Gott Vater, nicht an Gott Sohn, nicht an Gott Heiliger Geist.

Der Vater bezeugt die Wahrheit durch den Auftrag und die Worte, die der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria überbrachte. Der Sohn bezeugt die Wahrheit durch das Wohnen, neun Monate im Schoße der Jungfrau. Der Heilige Geist bezeugt diese Wahrheit durch Überschattung der Jungfrau Maria."

 

Samstag, den 26. August 1944

Die Tage von Mittwoch bis heute waren Leidenstage für meinen schwerkranken Beichtvater und unseren lieben Seelsorger. Vergangenen Sonntag und Dienstag stand er noch am Altar wie ein Opferlamm. Ich muß weinen, wenn ich ihn so sehe, so wie den leidenden Heiland. Gestern wurde bekannt gegeben, daß ein erneuter Schlaganfall eingetreten sei, daß er im Sterben liege. Heute früh um halb vier Uhr bete ich den Freudenreichen Rosenkranz. Da spricht der hl. Engel: "Bete jetzt besonders für deinen sterbenden Seelsorger!"

Dann sehe ich Engel herniedersteigen, viele Heilige und Priester. Ich frage: "Wohin geht ihr?" Da nahen die Unbefleckt Empfangene und Jesus selbst. Der Todesengel trägt den großen Leidenskelch und tritt hin zu dem sterbenden Priester. Er will noch nicht sterben. Ich sehe seine Gedanken. Ihm liegen die Seelen der Gemeinde am Herzen, die Kinder, die er so liebt und unser Gotteshaus, das er doch renovieren lassen will. Er hat ja das Geld dafür liegen. Gott aber will das Opfer. Ich bete für ihn um Ergebung in den hl. Willen Gottes. Bitte auch, daß der Herr seine Leiden abkürze und mir den Rest seiner Leiden schenken möge. Ich bitte die Muttergottes, sie möge ihn heute, an ihrem Tag doch holen. Es ist halb 5 Uhr am Nachmittag. Die Muttergottes erscheint und sagt: ,,Du darfst für ihn weiter leiden. Seine Leiden sind abgekürzt!"

Um 6 Uhr in der Andacht wir bekanntgegeben, daß unser guter Seelsorger, mein Beichtvater und Führer, um halb 5 Uhr heute Nachmittag gestorben ist.

 

Sonntag, den 27. August 1944

Seit der Stunde, da ich bat, die Leiden meines Beichtvaters zu übernehmen, trage ich die Leiden der Dornenkrone und einen Teil der Kreuzesleidens. Ich freue mich, daß ich es darf, für meinen Beichtvater und Führer – Johannes Dick.

 

Montag, den 28. August 1944

Ich sehe meinen Beichtvater heute im weißen Gewand, und er zeigt mir ein schweres, großes Kreuz. Der hl. Engel sagt: "Solange der Leib noch auf der Erde steht, wirst du ihn so sehen!"

Am Abend um 8 Uhr bin ich im Pfarrhaus, um Abschied zu nehmen von diesem guten Priester, den alle liebten. Er liegt im violetten Meßgewand. Friede und Ruhe sind ausgeprägt in seinen Zügen. Ja, ein Heiliger ist heimgegangen. Schmerz und Trauer erfaßt mich. Er kannte meine Seele, er führte mich. Wo finde ich, Herr, einen neuen geistlichen Vater, dem ich alles so sagen kann, wie ich diesem alles sagen konnte. Wenn sie soweit sind, daß sie mich verstehen, dann sterben sie und allein bin ich wieder. Ja, oh Jesus, ich habe Dich. Gott allein genügt. Die Welt aber urteilt so anders. Wie es Dir gefällt, will ich weiter unerkannt und unverstanden durchs Leben gehen!

Dann darf ich von 11 bis halb 12 Uhr im Zelt des Allerhöchsten weilen. Habe auch eine schwere Knochengelenkentzündung am rechten Fuß. Alles sei für den Heimgegangenen geopfert.

 

Mittwoch, den 30. August 1944

Ganz gelähmt war ich zwei Tage. Ich weiß ja, wofür. Mein Beichtvater erschien oft mit dem Kreuz und der Dornenkrone. Der hl. Engel erklärt: "Das trug er auch im Leben. Von neuem, immer geweiht von ihm, reicht er es dir als teures Vermächtnis."

Heute wird der gute Hirte zu Grabe getragen. Er soll noch einmal um die Kirche getragen werden, an alle Stätten, die er so liebte. Es regnet in Strömen. Ich bete: "Lieber, guter Heiland, ein Heiliger ist gestorben. Du wirst doch nicht zulassen, wenn seine sterblichen Überreste zum letzten Male die Wege getragen werden, die er so liebte und so oft ging, daß es dann regnet! Gib mir das kleine Zeichen, daß der Regen aufhört und über seinem Grabe die Sonne scheint, daß er ein Heiliger ist." Die Bitte wurde mir erhört. Der Regen hörte auf. Als man den Sarg in die Erde senkte, trat die Sonne hinter den Wolken hervor und leuchtete wunderbar über seinem Grab. – Viele sagten: "Seht doch, wie wunderbar!" Die Sonne leuchtet auf einmal in sein Grab hinein, als wollte sie Abschied nehmen. Ich dankte und bat, daß der Herr am anderen Tage doch Regen senden möge für die vielen Blumen und Kränze, die das Grab schmückten, damit sie noch lange frisch blieben.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 1. September 1944

Die Bitte um Regen für die Blumen wurde auch erfüllt. Heute halte ich die zweite Erneuerung meiner Vermählung mit Jesus. Maria, die Unbefleckte, naht mit Engeln aus ihrem Chor. Sie neigen sich, und große Freude kommt über mich. Ich rufe meinen Heiland, meinen Bräutigam. Er kommt als Priester und zeigt mir ein großes Lilienfeld, auf dem ich arbeiten soll. Der weitere Tag ist trostlos, die Dornenkrone schmerzt.

 

Samstag, den 9. September 1944

Maria zeigt mir die große Not, die über unser Vaterland kommt. Sie will allen Mutter sein, auch denen, die sich abwandten von ihr, und denen, die sie nicht kennen. Heute bekomme ich Einquartierung von Herford und Herten.

 

Montag, den  11. September 1944

Gestern war ein schwerer Angriff auf einen Kölner Zug. Unteroffizier Frank und Jäckele erzählen mir auch von schweren Angriffen auf Siegburg und Troisdorf. Sie erleben am Abend mein Kreuzesleiden und bemitleiden mich sehr. Sie ahnen etwas, aber verstehen, das ist schwer. Sie sind aber zugänglich für die Gnade und nehmen die wundertätige Medaille und das blutende Herz-Jesu-Bild, das ich ihnen schenke. Maria, als die Gnadenmutter von Hardenberg-Neviges, umgibt mich den ganzen Tag. Beim Abendgebet, vor dem Bild der Mutter mit dem geneigten Haupt, erscheint rechts ein großes Lichtkreuz. Eine Stunde später ist das Bild nur Licht, in dem ich den Heiligen Vater schaue. Was mag es wohl bedeuten? "Gedenke heute aller, die unterwegs sind."

 

Dienstag, den 12. September 1944

Die Dorfkinder kommen und gratulieren. Ich freue mich darüber, über die Liebe der Kleinen. Nach der hl. Kommunion setzt Jesus mir die Dornenkrone auf. Ich trage sie bis abends 19 Uhr für die Verunehrungen des Namens Mariä. Dann gehe ich nach Ittenbach. Es ist dort Glaubenswoche. Die Predigt von der Mutterliebe ist so schön. Da steht die eigne Mutter und noch vielmehr Maria, die himmlische Mutter. Schöne Worte, die der Priester sprach, will ich mir einprägen: "Mutterherz ist reich, Mutterhände sind weich, Mutterwort ist lind. Hast ein Weh, zur Mutter geh', mein Kind!"

Die Muttergottes führt mich in der Nacht zu den Verlassenen und Sterbenden, groß ist die Zahl. Maria bittet für mich um die sichtbare Dornenkrone. Sie soll ein Zeichen für die Ungläubigen sein. Die Schmerzen sind oft so groß, daß sie mir fast die Sinne rauben. Der H. H. Pater sagt, daß er von Neviges komme und 71 Jahre alt sei. Nun wird mir klar, warum ich den ganzen Tag die Gnadenmutter von Neviges schaue.

Ich danke der lieben Mutter für den Gruß, den sie in unsere Berge sandte. Dann kam ein lieber Namenstagsgruß aus Dülmen von einer großen Leidensseele, Katharina Holtermann. Die liebe Gottesmutter gab ihr Worte als Trost für mich, die Katharina übermitteln sollte. Ich will diese Worte in mein Tagebuch eintragen:

"Geliebte Tochter, ich grüße dich im Namen der Heiligsten Dreifaltigkeit! Du bist mein Lieblingsblümlein in meinem Blumengarten, den ich mir so gern anschaue. Oh, Liebling, bleibe in meiner Liebe! Ich habe dich in mein Herz geschlossen. Ich sehe alle deine leidvollen Tage und segne sie. Halte aus auf dem Weg, den du betreten hast! Laß dich nicht wankend machen! Herrlich ist der Lohn, der deiner wartet. Alle deine Opfer und Leiden sind mit goldenen Buchstaben eingezeichnet im Buche des Lebens. Keiner vermag sie auszulöschen. Die Liebe des grundgütigen Heilandes ist dein Anteil. Habe Mut und Vertrauen, Er wird dein Lohn sein für Zeit und Ewigkeit. Ist es dir schwer, dann eile zur Mutter, die auf dich wartet, um dir Trost und Freude zu bringen ins wunde Herz. Ich werde dir gern aus meinem Gnadenschatz mitteilen. Oh, liebes Kind, sei nochmals gesegnet im Namen der Heiligsten Dreifaltigkeit."

Wie groß sind diese Worte, zuviel für mich, die arme Magd des Herrn. Ich kann nur weinen.

 

Donnerstag, den 14. September 1944

Wieder nimmt mich Maria mit durch die Reihen der Unglücklichen und Gefallenen. Sie segnet alle.

 

Freitag, den 15. September 1944, Fest der 7 Schmerzen

Heute ist ein großer Tag. Feierlich werde ich durch den H. H. Pater Heider dem schmerzhaften, durchbohrten Herzen Mariens als Opferseele geweiht. Das Formular mit meinem Versprechen lag bei der hl. Wandlung mit auf der Patene. Ein Opfer bin ich heute mit Jesus.

 

Donnerstag, den 21. September 1944

Nur Leidenstage waren es seit der Opferseelenweihe mit großer Verlassenheit. So muß es jetzt sein. Bin heute in Ittenbach. Beim Kreuzweg, bei der 12. Station, liege ich über 2 Stunden im Leidenszustand. Es muß niemand in der Kirche gewesen sein in der Zeit. "Dank Dir, Herr, daß ich allein mit Dir leiden durfte für die Greuel dieses Krieges. Es ist ja nur noch ein Morden!"

 

Samstag, den 23. September 1944

Schwere Fliegerangriffe. Ich leide sehr. Heute sagt freudig die Muttergottes: "Dein Sohn kommt!"

 

Sonntag, den 24. September 1944

Heute erhalte ich Bescheid, daß mein Sohn Theo in Mayen liegt. Ich soll hinfahren. Die Muttergottes will nicht, daß ich hinfahre, die Gefahr ist zu groß. Freudig sagt sie wieder: "Der Sohn kommt!" Dann läßt Maria mich teilnehmen an ihrem Schmerz bei der Begegnung mit Jesus auf Seinem Kreuzweg.

Sie spricht: "Ich wartete auf Ihn, Meinen Sohn. Er mußte an dieser Wegkreuzung vorüberkommen. Wie entstellt sah Er aus. Wer hätte Ihn noch erkannt? Ein Mutterauge erkennt das Kind, und das Mutterherz fühlt den Schmerz mit dem Kinde. Ihr Mütter alle, die ihr eure Kinder sucht, die den Kreuzweg gehen müssen, schaut auf mich, meinen Schmerz. Sagt, gibt es einen Schmerz, der dem meinen gleicht? Für euch ging ich zuerst meinem Kinde nach, damit ihr nicht verzaget, wenn euch die Kinder genommen werden. Wenn ihr nun dem Schmerzenskind begegnet, Ihm in die Augen schaut, und darin leset: Mutter, es muß sein, ich gehe den Opfergang, so seid stark, schließet euch an mich an, die ihren Sohn von Seinem großen Opfergang nicht zurückhielt. Das Opfer eurer Schmerzensmutter soll euch ein Trost sein für die Zeit, da ihr keinen anderen Trost empfanget!"

 

Montag, den 25. September 1944

Welch eine Freude! Mein Sohn Theo kommt abends um 21 Uhr. Er hat alles verloren. Es schadet nicht, ist alles zu ersetzen. Ich danke der lieben Gottesmutter.

 

Dienstag, den 26. September 1944

Ich fühle mich so trostlos und verlassen. Den Tag halte ich für meinen Sohn. So muß durch alles, was er im Krieg schon erlebte, sein Inneres so sein, wie ich mich heute fühle. Eine Unruhe ist in mir, daß ich zweifle an mir selbst. Gedanken kommen, ob der Versucher wohl sein Spiel mit mir treibt. In diese meine Herzensnot hinein spricht Jesus: "Kommen wird einmal die Stunde, wo alle Unruhe aufhört. Führe aus, was du begonnen und arbeite treu in Meinem Weinberg! Ich bin dein Lohn! Schreibe, lies, singe, seufze, schweige, bete und ertrage alles Widrige. Das ewige Leben ist all dieser und noch größerer Kämpfe wert. Nicht auf einer Höhe darfst du stehenbleiben, damit du nicht vom Sturm gepackt in die Tiefe stürzt."

Herr, so will ich demütig und gehorsam sein! Meine Zustände haben sich seit drei Tagen geändert. Im wachen Zustand schaue ich vieles, wie man natürlich sieht. Nur bin ich dann so geistesabwesend. Wie es auf die Umgebung wirkt, weiß ich nicht, aber mein Mann, der schon gar nicht mitleidig ist, bemitleidet mich. Man meint, ich sei krank.

 

Montag, den 2. Oktober 1944

Beim Kreuzweg der 6. Station spricht Jesus: "Betrachte die Liebe, die Mir folgte auf Meinem Leidensweg! Folge Mir auf diesem Wege, erweise Liebe deinen Schwestern und Brüdern, die mit dem Kreuz beladen gehen. Schaue auf sie, sie tragen Mein Leidensgesicht! Reiche ihnen das Schweißtuch der Liebe, damit sie Mein Angesicht darauf erblicken und Trost erhalten. Lege du den Bann über die Waffen. Bitte die Rosenkranzkönigin um Hilfe!"

 

Dienstag, den 3. Oktober 1944

Ich bin allein. Mein Mann fährt mit Edith nach Gelsenkirchen. Bei der Betrachtung der hl. Wunden zeigt der Herr mir Sein heiliges Haupt, wie es aussah, als man Ihn vor der Annagelung die Dornenkrone abnahm. Sehe große Wunden, die aussehen wie ein Labyrinth von blutigen Wegen.

Jesus spricht: "Das ist Mein hl. Haupt vor der Annagelung. In diese großen und furchtbaren Wunden setzten sie Mir die Dornenkrone wieder hinein, als Ich am Kreuze hing. Für die Sünden des Hochmutes und der Abgötterei litt Ich diese erneuten, großen Qualen. Wenn dein Haupt auch einmal diese Zeichen trägt, so denke daran, daß dein Heiland sie zuerst trug. Niemand und kein Arzt wird dir Hilfe bringen. Vor welchem Opfer du auch stehen magst, Ich werde dir die Schmerzen zu tragen helfen und der Schutz Meiner hl. Mutter umgibt dich!" Jesus kehrt auf wunderbarer Weise ein in mein Herz. Den ganzen Monat darf ich die Dornenkrone tragen.

 

Freitag, den 6. Oktober 1944

Sehr schmerzhaft ist heute die Dornenkrone. Der Hinterkopf bis zu den Ohren und die Stirn bis zur Nasenwurzel sind voller Beulen, die leuchtend rot sind.

 

Samstag, den 7. Oktober 1944

Nach der hl. Kommunion schaue ich die Rosenkranzkönigin, umgeben mit weißen, roten und goldenen Rosen. Aus jeder Rose kommt ein Licht. Jedes "Ave" ist ein Licht für einen Sünder.

 

Montag, den 9. Oktober 1944

Gestern war Großangriff auf Königswinter und Dollendorf. Bin bei Familie Schneider in Ittenbach. Wir beten, ich segne und bete den Exorzismus über die Waffen. "Herr, beschütze und bewahre uns!" Heute gedenke ich meines verstorbenen Beichtvaters. Ich sehe ihn im weißen Gewand. Er zeigt mir einen versiegelten Brief. Es bedeutet, daß ich meine Geheimnisse verborgen halten soll und still weiterleiten soll, was der gute Hirt nicht mehr ausführen konnte. Er spricht: "Sei gesegnet! Sei vorsichtig, wenn der andere Pfarrer eingeführt wird! Halte dich verborgen! Die Mystik ist nicht sein Gebiet!"

 

Mittwoch, den 11. Oktober 1944

Bin auf der Marienburg beim Einkehrtag. Sehe nach der hl. Kommunion das Herz Jesu und das Herz Mariä von Flammen umgeben.

Der hl. Engel spricht: "Diese beiden Herzen, die im Leben so eng miteinander verbunden waren, haben stets in vereinter, großer Liebe geschlagen für das Heil der Welt. Darum durfte der reine Leib Mariens mit dem großen, liebenden Herzen nicht der Verwesung anheimfallen. Die Herzen, die auf Erden vereint geschlagen, alles vereint geduldet und getragen haben, sind nun seit der Himmelfahrt Mariens wieder so eng verbunden und vereint wie im Leben. Diese unzertrennlichen Herzen dürfen auch in der Verehrung nicht getrennt werden. Großes wird geschehen, wenn sich an die Herz-Jesu-Weihe, die Herz-Mariä-Weihe anschließt!"

Nach der Ansprache am Nachmittag erhalte ich den Auftrag: "Jetzt ist es Zeit. Hole das Wasser! Es sieht dich niemand!" Ich gehe hinaus an die gewohnte Stelle. Mit einem Male bemerke ich, daß mich etwas berührt. Ich drehe mich um und sehe, daß ein Schaf hinter mir steht. Es sieht mir zu. Ich streichle das Tier. Meine Flasche ist gefüllt. Ich will nun zurück zur Kapelle. Da geht das Schaf gegen mich an. Ich streichle es wieder. Da wird es wild und stößt mich in den Rücken. Ich wehre es nun ab, aber es wird ganz wild und verfolgt mich. Ich erreiche die Treppe, aber es kommt mir nach, ganz wild. Ich finde keine Zeit, die Flasche in die Tasche zu tun. Da stößt das Schaf unter die Flasche, daß die Hälfte des Wassers hochspritzt. Schnell einen Griff und verschwunden bin ich hinter der Tür. Ich bin doch ganz erschreckt, aber niemand hat etwas gesehen. Herr Pater H. schaute mich wohl an und auf die Flasche, aber er sagte nichts. Mir ging es jetzt durch den Sinn: "Ist das alles echt oder ein Blendwerk Satans?"

In meine Gedanken hinein spricht Maria: "So groß ist die Kraft des Wassers, daß der Teufel schon jetzt versucht, zu verhindern, daß die armen Sünder dadurch geheilt werden. Er weiß, wenn sie geheilt sind von der Blindheit, dann sehen sie klar und gehen zu dem großen Arzt, der die Seelen heilt im hl. Bußsakrament. Du bist nun mein erstes Werkzeug für dieses Wunderwasser geworden. Deshalb will der Teufel dich vernichten. Gegen alle Angriffe werde ich dich schützen. Ich mußte es zulassen, damit du jetzt schon siehst, wie groß die Macht des Wassers ist, daß die Hölle dagegen aufsteht. Noch mußt du über alles schweigen.

Nur unter dem Schweigegebot darfst du deinem Bruder die Geheimnisse anvertrauen. Die Welt darf erst nach deinem Tode erfahren, daß ich dich zuerst für meine Pläne erwählte und erprobte. Bleibe mir weiter getreu und ich werde mit dir sein auf allen Deinen Wegen!" Maria umgibt mich den ganzen Tag. Segnend scheidet sie nachts um 3 Uhr.

 

Sonntag, den 15. Oktober 1944

Am 12. war der 3. Jahrestag der Aufsetzung meiner Dornenkrone. Gestern war Vaters 3. Todestag. Ich schließe ihn besonders ein in meine Leiden. Bin in Ittenbach. Komme in Gefahr durch Großalarm. Nur ein Mann ist in der Kirche. Heute empfange ich zum ersten Male eine halbe Hostie. Ja, die Himmelsspeise wird geteilt, aber doch bleibt Christus ungeteilt. Ich halte Sühne bis 11 Uhr.

 

Dienstag, den 17. Oktober 1944

Eine Freude habe ich durch eine Bekehrung durch das blutende Herz-Jesu-Bild. Ich gab es einer Frau, die aus dem Aachener Gebiet geflüchtet war. Sie stellte es auf ihren Schrank. Sie erzählte mir: "Mein Mann kommt auf Urlaub. Er sieht das Bild und fragt nach der Bedeutung. Ich erkläre ihm, soviel ich weiß. Da sagt er: "Ich bin Gefahren ausgesetzt, überlasse mir das Bild!" Ich war stutzig darüber, weil er schon lange seinen Glauben verlor. Er dient den modernen Götzen. Er bekleidet eine Stelle im Grenzgebiet und kann darum öfter in Urlaub kommen. Ich gab ihm dieses Bild. Ich möchte um ein anderes bitten für mich und für jedes Kind eins. Wir wollen sie in Beutelchen auf der Brust tragen. Nun will ich von dem Mann weiter erzählen. Er war in vergangener Woche wieder in Urlaub. Ich sah eine Veränderung an ihm. Er sieht so froh und glücklich aus.

Dann erzählt er: ,Ich ging fort von euch und halte in der Tasche das Herz-Jesu-Bild umklammert. Es trieb mich etwas hin und her. Um Ruhe zu finden, ging ich in einem kleinen Ort in eine Kirche. Mir begegnet nur ein altes Mütterchen, das gerade aus dem Beichtstuhl kam. Ich fragte sie, ob denn heute Beichte wäre. Sie bejaht meine Frage. Eine Gewalt trieb mich in den Beichtstuhl. Dann hatte ich nach der Beichte das große Glück, die hl. Kommunion zu empfangen. Der Beichtvater sagte, daß er die Verantwortung auf sich nehmen könne. Ein Soldat stünde immer in Gefahr und so dürften Ausnahmen gemacht werden."

Die Frau sagte weiter: "Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wie glücklich mein Mann jetzt ist. Er hat nun erlaubt, daß unsere beiden Jungen, 9 und 10 Jahre alt, nächstes Jahr mit zur ersten heiligen Kommunion gehen dürfen. Die Kinder werden jetzt in Oberpleis in den Unterricht gehen. Seine 80-jährige Mutter nimmt nun freudig an dem Glück ihres Sohnes teil. Ja, auch ich dankte vor Freude. Möge Abbe Vachére, des Heilandes Schlachtopfer, durch solche Fälle bald gerechtfertigt werden."

Mein Willy, der Urlaub hat, gerät in Bonn in einen Angriff. Abends kehrt er heim mit einer Kopfverletzung.

 

Freitag, den 20. Oktober 1944

Am Bilde von Adolf Hitler sehe ich wieder die Flammen. Dann sehe ich den hl. Johannes. Er spricht: "Ich werde dir ein Zeichen geben, wann diese Bilder vernichtet werden sollen. Es kommt über Nacht!"

Auf dem Heimweg von der Kirche werde ich von Tieffliegern beschossen. Ich bete den Exorzismus und halte das Scheyrer Kreuz gegen sie. Sie steigen höher und fliegen über Mich hinweg. Die Leiden der Dornenkrone sind sehr groß in den letzten Tagen. Heute sind sie mit Blutungen verbunden. Es sind furchtbare Angriffe auf Königswinter, Dollendorf, Godesberg, Oberkassel, Köln und das Ruhrgebiet. Meine Leiden sind für die Bedrängten.

 

Mittwoch, den 25. Oktober 1944

Meine Leiden sind noch größer. Jesu Antlitz schaue ich nur. Noch mehr vereine ich Meine Leiden mit denen, die so grauenhaft ums Leben kamen. St. Paulus bittet heute besonders für die unschuldig Hingerichteten. Mein Mann muß auch fort zum Westwall.

 

Mittwoch, den 1. November 1944, Allerheiligen

Bis heute trug ich die Dornenkrone. Mein Kopf bis in die Stirn hinein ist voller Beulen. Sie schmerzen und brennen sehr. Ich trug sie mit Liebe, wie Jesus auch litt aus Liebe zu uns. Heute wird Mir eine Schar Heiliger gezeigt. Ist alles wie ein Nebelbild.

 

Donnerstag, den 2. November 1944, Allerseelen

Ich sehe verlassene, Arme Seelen, die sich bewegen, als wären sie in einem Labyrinth, aus dem sie nicht herauskommen. Andere sehe ich, die heller scheinen. Sie sind der Erlösungsgnade sehr nahe. Heute ist Leidenstag für die Armen Seelen.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 3. November 1944

Ich komme von Ittenbach und gehe durch unseren Garten. Ich betrachte Jesu Leiden auf dem Weg. Kurz vor unserem Hause falle ich sehr unglücklich. Ich dachte, ich hätte mir das linke Auge ausgeschlagen. So will ich, weil ich in Jesu Leiden versenkt war, diesen Sturz mit Jesu erstem Fall unter dem Kreuz vereinen, für die Armen Seelen, für die der Herr fiel. Zum ersten Male unter dem Kreuz fiel.

 

Herz-Mariä-Samstag, den 4. November 1944

Es ist Sühnetag für die Beleidigungen, die dem hl. Herzen Mariä zugefügt werden. Jesus spricht: "Wie weh tut es Meinem Herzen, wenn Stolz und Hochmut sich erheben gegen die demütigste der Frauen, gegen Maria, Meine und eure Mutter. Werdet wie Friede, und Ruhe kommt in eure Herzen. Friede und Ruhe wird sein in der Welt."

 

Sonntag, den 5. November 1944

Heute ist Einführung unseres neuen Seelenhirten. Wie ich ihn betrachte, gefällt er mir. Er spricht, daß er uns der gute Hirt sein will. Er kommt von Bonn, von St. Marien, und heißt Johannes Wichert. Ich kann nicht verstehen, warum ich vorsichtig sein soll, aber ich werde gehorsam sein.

Heute sagt mir der Herr: "Der Fall vom Freitag gehört hinein in Meine Kreuzesleiden. Du wirst noch oft fallen für die Sünder. Ich fiel auch so oft für sie!" Leide nachts für den neuen Pfarrer.

 

Montag, den 6. November 1944

Der neue Seelsorger hält um halb 9 Uhr ein Amt für die Gefallenen und Verstorbenen der Gemeinde. Bei der hl. Wandlung erkenne ich, wie tief er ist. Sehe den verstorbenen Seelsorger, der seinen Nachfolger segnet. Ich bete mit: "Herr, laß ihn ein Segen sein! Sende uns heilige Priester!"

 

Freitag, den 10. November 1944

Die Muttergottes sagt heute: "Die Greuel des Krieges hören nicht auf, bis die Weltweihe an mein Unbeflecktes Herz gemacht ist. Ich habe durch viele Seelen auffordern lassen, zu Buße, Sühne und Rosenkranzgebet. Man zweifelt und überhört meine Stimme. So wird noch Schlimmeres über die Erde kommen, bis der Mensch zur Einsicht kommt. Mit der Macht, die er vom Geiste der Bosheit empfing, schafft er überall Vernichtung. Er vernichtet aber nur sein Werk. Mit dieser Vernichtung schafft er nur Elend."

 

Sonntag, den 12. November 1944

Mit Jesus halte ich Zwiesprache nach der hl. Kommunion über die Worte: "Ich sinne Pläne des Friedens, nicht des Verderbens! Rufet Mich an in der Not, so will Ich euch erhören und eure Gefangenen aus allen Orten heimführen!" Jesus sagt: "Ich bin der Friedenskönig. Ich habe die Schlüssel des Himmels und des Abgrundes. Durch Mich kommt ihr zum Vater. Wer gegen Mich ist, fällt in die Hände Satans. Wer ihm folgt, ist ein Feind des Kreuzes. Darum, weil die Welt zum Feinde des Kreuzes wurde, kam das Verderben über sie. Ihr Blut und ihren Leib haben sie zu ihrem Gott bestimmt. Der Heilige Geist kann in diesem geschändeten Tempel nicht mehr wohnen. Satan hat die Macht, und dieser Macht beugt sich eine große Masse. Erhebet eure Herzen alle zu Gott! Ich mache euch frei. Ich bringe euch den Frieden, den Frieden der Welt und der Kinder Gottes. Ich habe gesagt, die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen und die Friedfertigen werden Kinder Gottes genannt werden. Gedenket Meiner Worte! Leistet Sühne und Gott wird wieder versöhnt. Dann komme Ich mit der Friedenskönigin und bringe der Welt den Frieden!"

 

Freitag, den 17. November 1944

Die hl. Hostie wird zum Licht. Darin sehe ich das Jesuskind. Maria naht mit Engeln und den Opfern des Krieges. Sie bitten:

Frieden, Frieden, brachtest Du einst auf Erden.
Laß auch jetzt bald Frieden werden!
Lenke die Herzen, führe sie zum Licht.
Oh, vergiß die Seelen nicht.

Die wandeln im Dunkel der Nacht.
Mach hell ihre Herzen, in heiliger Nacht.

Oh, steige als Kind noch einmal hernieder.
Bringe den Frieden und die Freude wieder.
Versöhne, was lieget noch im Streit.
Verbinde, was lang schon entzweit!
Lindere die Not und stille die Schmerzen.
Laß ruhig werden die kranken Herzen.
Ein ewiges Gloria erklinge weit und breit.
Dir, dem Kinde Jesu, allezeit!

Breite segnend Deine lieben Hände aus.
Segne jede Hütte, segne jedes Haus.

Friede und Versöhnung bist Du allein.
Kind von Bethlehem, mach alle Herzen rein!

 

Mittwoch, den 6. Dezember 1944

Ich schlief von halb 1 bis 4 Uhr. In der Zeit ereignete sich etwas, das mein 8jähriger Walter erlebte. Er fragt mich am Abend: "Sag mal Mama, was war das für ein Licht in der Nacht bei der Muttergottes, die kein Jesuskind hat?" Er meinte die Unbefleckte Empfängnis in meinem Schlafzimmer. Vor ihr liegt auf einem offenem Glasteller mit einem Deckchen verhüllt mein süßes Jesulein. Ich sagte, daß ich geschlafen habe und kein Licht gesehen.

Er erzählt: "Ich wurde wach und konnte nicht mehr schlafen. Da stand ein rotes Licht vor der Muttergottes. Es war größer als das Licht einer Kerze. Es ging vor der Muttergottes hin und her. Dann ging es weg, ganz tief. Ich wollte sehen wo es hinging, ich war nicht bange. Da sah ich, daß es bei dir am Bett stand. Es blieb lange stehen. Dann ging es wieder zu der Muttergottes. Es bewegte sich noch ein paar Mal hin und her. Dann war es fort. Ich bin dann wieder eingeschlafen!"

Ich sagte: "Walter, das Licht ist der liebe Heiland. Die Muttergottes hat uns den Heiland, das Licht der Welt, gebracht."

Ende des Jahres 1944. Geschrieben von Maria Magdalena Meyer, Königswinter. Genannt: Maria Magdalena vom Kostbaren Blut.