• Engel und Heilige von jedem Tag
  • Bücher der Liebe, Bd. 1
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  • Bücher der Liebe, Bd. 3
  • Bücher der Liebe, Bd. 4
  • Bücher der Liebe, Bd. 5

Das Jahr 1945 (ohne Datum)

Ich meine, das Herz würde mir brechen. Es ist ein trauriger Anfang des neuen Jahres. Ich muß den Tränen freien Lauf lassen. Es ist doch sehr schwer. Um elf Uhr abends ist Jesus bei mir. Er ist in seltsamer Begleitung von Hilflosen, Krüppeln und Menschen, die zerlumpt sind. Ich ahne die Bedeutung. So wird es bald aussehen, überall Not und Elend.

Jesus spricht: "Arme habt ihr immer unter euch, Mich aber nicht." Ich antworte: "Herr, ich werde allen gut sein in den Tagen der Not und Drangsal." Dann ist die Muttergottes bei mir. Mit bangem Herzen schaue ich auf zu ihr. Sie spricht: "Ich opfere meine Tränen, die ich unter dem Kreuz vergoß, dieses Jahr für die gesunkene Menschheit auf. Das Jahr der Bitte ist um. Die Völker durfte ich führen und leiten. Noch tobt der Kampf. Weiter werde ich bitten. Ich schaute die Greuel und Sünden der letzten Tage; da weinte ich. Gedenket dieser meiner Tränen. Betet oft den Rosenkranz, damit die gefallene Menschheit sich wieder erhebt und Gott die Ehre gibt."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 5. Januar 1945

In der hl. Hostie schaue ich wieder das Jesuskind. Es breitet seine Hände aus, zeigt auf sein Herz und spricht: "Siehe an, Mein Herz! Groß ist es, daß alle darin wohnen können und ward es so klein, ward das Herz eines Kindes. Kannst du, Meine Seele, diese große Liebe erfassen? Ich liebe alle und Mein Verlangen besteht darin, auch von allen wiedergeliebt zu werden. Wer könnte nun grausam sein und einem Kinde die Liebe versagen? Zum Kinde wurde ich auch für die Kinder. Wie wohl tut es Meinem Herzen, wenn alljährlich die Kinder zur Krippe kommen. Oh, kommt alle zu Mir, ihr Mühseligen und Beladenen! Werdet auch wie die Kinder und ihr werdet den Frieden finden, den die Welt nicht geben kann. Leide die Nacht für den Unglauben, Lieblosigkeit und Herzenskälte der Menschen."

 

Samstag, den 6. Januar 1945, Dreikönigsfest

Freudig und geheimnisvoll sehe ich Jesus. Nach der hl. Kommunion sehe ich die drei Weisen. Sie bitten um die Gaben für das Christkind, um das Gold des Herzens, den Weihrauch des Gebetes, der Opfer und um die Myrrhe der Leiden. Sie sprechen: "Weit war einst unser Weg zum Christuskind. Vieles mußten wir leiden und ertragen. Schon damals gingen auch wir den Weg für die ungläubige Welt. Bis zum Ende der Zeiten wird man es hören, daß Könige aus fernen Ländern den Heiland suchten auf wunderbare Art. Wir fanden nur ein armes, schwaches Kind und erkannten Ihn doch an als den großen, unendlichen Gott, als den Erlöser der Welt."

 

Sonntag, den 7. Januar 1945

Nun weiß ich, warum der Herr gestern so freudig erschien. Mein Willy ist seit ein paar Tagen in Urlaub. Eine Zeit ging er in die Irre. Durch schweres Leid fand er den Weg zurück. Heute ging er mit mir zur Kirche.

 

Dienstag, den 9. Januar 1945

Ich knie in Ittenbach an der Krippe. Es kommt eine Schar kleiner Kinder. Sie möchten dem Christkind eine kleine Gabe in den Opferstock legen, aber sie haben nichts. Sie fragen einander: "Hast du einen Pfennig?" Ich schaue nach, und jedes Kind erhält ein kleines Geldstück. Das war ein Lachen und Freuen der Kleinen, daß ich selbst ganz froh wurde. Ich segne die kleine Schar, wohl zehn an der Zahl und weihe sie dem göttlichen Kind. Herr, laß sie immer so unschuldig bleiben, diese Kleinen. Dann sagte ich, daß sie wieder heimgehen müßten, weil die Mutter sich Sorgen machen würde. Sie verlassen das Gotteshaus, und ich bete noch für sie.

 

Mittwoch, den 10. Januar 1945

Nach der hl. Kommunion schaue ich den 12jährigen Jesus im Tempel. Ich höre: "Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was Meines Vaters ist?" Maria und Josef schrecken ein wenig zurück. Die Gottheit strahlt aus Jesu Zügen und vom Heiligen Geist umgeben, schaut Maria ihr Kind. Ihre Blicke vereinen sich und Maria beugt demütig ihr Haupt. Dankerfüllt nimmt sie ihr Kind, das ihr im Tempel von neuem geschenkt wird. Still und staunend steht St. Josef.

 

Donnerstag, den 11. Januar 1945

Ich klage mich an wegen meiner Schwäche und Armseligkeit. Das Jesuskind sagt: "War Ich doch auch arm und schwach. Trage mit Mir die Armseligkeit und Schwäche. Werde zum Kind mit Mir. Die Welt schaut auf das Schwache und Arme, Gott aber gebraucht es, um Seine verborgenen Pläne auszuführen."

 

Freitag, den 12. Januar 1945

An meinem Herz-Jesu-Bild sehe ich schon seit Wochen die rechte Hand sehr geschwollen. Ich wage eine Frage, was das bedeutet. Jesus spricht: "Für die Sünden, die gerade mit dieser Hand verübt werden, litt ich so große Schmerzen. Die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut, aber umgekehrt geht es zu oft. Sie sieht so viel Böses der Rechten."

 

Sonntag, den 21. Januar 1945

Ich durfte leiden. Heute tröstet St. Agnes mich. Dann ist Jesus meine Freude, der mich als Jüngling umgibt.

 

Mittwoch, den 24. Januar 1945

Wieder sehe ich Jesus als Jüngling. Er ist im Gebet, ganz einsam und verlassen. Schön und verklärt ist dieses jugendliche Angesicht. Von heute ab opfere ich dieses Antlitz dem himmlischen Vater bei der hl. Wandlung auf. Bei der hl. Wandlung schaue ich das Bild noch einmal, aber es ist Jeremias dabei. Was mag das bedeuten?

 

Samstag, den 27. Januar 1945

Nach der hl. Kommunion halte ich Zwiesprache mit dem lieben Heiland. Er spricht: "Warum, Meine Seele, ist es so dunkel geworden in den Städten? Warum sucht ihr jetzt das Salz? Habt ihr nicht immer Licht und Salz, das Ich euch gegeben habe? Ihr aber habt ausgelöscht diese Lichter, ihr habt dieses Salz von euch gewiesen. Nun ist euch auch das andere Salz genommen, damit ihr erkennt, daß auch für die Seele ein Salz sein muß. Dunkelheit herrscht um euch. Ihr findet den Weg nicht mehr. Ihr geht in die Irre. Kein Licht leuchtet euch. Die Gebote wollt ihr nicht erfüllen, darum habt ihr sie aufgelöst. Ich bin nicht in die Welt gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzulösen, sondern um alles zu erfüllen."

Die Nacht ist Leidensnacht. Ich leide für die Priester in den Ostgebieten. Ich sehe Maria, wie sie meine Bitten, Leiden und die Aufopferung der hl. Kommunion als eine Opfergabe dem Höchsten darbringt. Wie ein Nebelbild treten gefallene Priester hin zum Throne Gottes und bitten um den Frieden der Welt. Dann sehe ich Jesus, der ein Lamm auf Seinen Schultern trägt. Es wird wohl wieder so eine verirrte Seele kommen, der ich den rechten Weg zeigen darf.

 

Montag, den 29. Januar 1945

Es ist ein großer Opfer- und Sühnetag. Jesus sagt: "Du mußt heute viel Wasser zum Waschen bereit haben. Koche viel Kaffee und sorge für Brot." Jesus umgibt mich den ganzen Tag im Licht. Zweimal am Abend ging ich an die Tür, weil ich Klopfen hörte, aber es war niemand draußen. Um neun Uhr klopft es wieder. Es stehen drei Soldaten draußen. Ich nehme sie auf. Sie frieren und sind ganz ausgehungert. Ich versorge sie, und nach einer Stunde ruht alles. Ich bleibe auf und halte das Feuer an. Der Herr läßt mich erkennen, daß Er es war, der vorher zweimal klopfte. Es ist 12.45 Uhr. Es klopft wieder. Ich öffne die Tür. Ein Soldat steht draußen und bittet für seine zwölf Kameraden um Unterkunft. Er selbst wollte im Wagen schlafen. Ich sage ihm, daß hier alles ehrlich ist, daß niemand an den Wagen ginge. Er könnte auch im Warmen schlafen. Da ruft er sie alle. Ich sage leise: "Herr, in diesen nehme ich Dich auf mit den zwölf Aposteln."

Froh treten sie ein, daß sie jemand fanden, der sie aufnahm in der Nacht. Dicker Schnee liegt auf ihrer Kleidung. Schwarz sind sie, und mit ihren struppigen Bärten machen sie einen wilden Eindruck. Sie sagen, ich möchte nicht erschrecken, denn sie hätten über vier Wochen im Wald gelegen. Sie beben alle vor Kälte. Als sie eingetreten sind, klingt es wie ein Freudenruf: "Oh, hier ist ja noch Weihnachten! Wie schön, wie schön!" Dann stehen sie still und bewegt an der Krippe. Leise sage ich zum Jesuskind: "Freust Du Dich, Jesulein? Ich habe Dir Hirten gebracht. Sie huldigen Dir und beten Dich an." Dann führe ich sie in die warme Küche. Sie packen ihre Vorräte aus. Es sind verfrorene Reste von Brot, die sie auftauen wollten auf dem kleinen Herd, und Suppenreste in ihren Kochgeschirren. Ich nehme sie vom Ofen runter und sage: "Ich habe etwas anderes für euch, einen Waschkessel voll Wasser habe ich gewärmt, da könnt ihr euch zuerst waschen. In der Zeit decke ich den Tisch."

Meine fünf Brote und Zubehör gingen auf und drei große Kannen Kaffee. Wie sie so um den Tisch sitzen, sehe ich Jesus mit Seinen 12 Aposteln.

Die Soldaten waren so froh, daß sie wiederholt sagten: "Es ist wie bei Muttern zu Hause." Als sie alle satt waren, machten wir die Küche zu einer Lagerstätte. Darüber war es zwei Uhr geworden. Als ich hinaufging, segnete ich sie. Ich fragte sie, warum sie alle zu mir kamen. Sie erzählten, niemand hätte geöffnet, wenn sie anklopften. Ich sagte: "Die Menschen hier fürchten sich. Es wurde uns schon gesagt, daß wir eine Einquartierung von der SS bekämen, von der 6. Armee. Ich habe manchem gesagt, daß wir dennoch barmherzig sein müßten." Darauf sagten sie: "Wir sind nicht die Richtigen von der SS. Wir kommen aus verschiedenen Einheiten. Wir wurden gezwungen."

 

Dienstag, den 30. Januar 1945

Als ich zur Kirche ging, schlief noch alles. Ich ging zu meinem Bäcker und erzählte ihm, auf welche Weise mein Brot ausgegangen ist. Er sagte: "Wenn Sie barmherzig waren, will ich es auch sein. Ich gebe Ihnen fünf Brote noch einmal, da brauchen Sie mir nichts für geben." Schwer beladen komme ich heim. Da sind noch mehr gekommen, lauter Offiziere, der ganze Generalstab. Ja, sie hatten auch Hunger. Da habe ich wieder alles aufgeschnitten und sie satt gemacht. Ein junger Leutnant klopft mir auf die Schulter und fragt: "Darf ich wohl mit meinem Burschen bei Ihnen bleiben?" Ich sagte: "Das können Sie schon, aber ich weiß nicht, wie ich sie alle beherbergen soll." Er sagt: "Heute bleiben wir alle hier bis zum Abend. Nein, Sie sollen nicht überlastet sein. Wir haben einen Frisör unter uns. Er wird uns rasieren und die Haare schneiden. Gegen Abend werden die anderen verteilt im Dorf. Da muß ein jeder Opfer bringen, nicht Sie allein. Ich allein bleibe mit meinem Burschen bei Ihnen."

 

Donnerstag, den 1. Februar 1945

Sühne, nur Sühne will der Herr für die Greuel des Krieges. Immer wieder läßt er es sagen durch die Muttergottes. Schwer leide ich. Ich spüre, wie lange, spitze Dornen mich dauernd durchbohren. Heute schreibt mir Pater Damian und bittet, daß ich ein Opfer für die Aussätzigen werden möge. Er läßt mich einen Blick tun in das Elend dieser Menschen und in die Opiumhöhlen. Es ist so furchtbar, daß ich mit Jesus spreche: "Mich erbarmt des Volkes. Nimm mich auch noch als Opfer für diese an."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 2. Februar 1945, Lichtmeß

Ich komme heim. Dem jungen Leutnant, Kurt Krieg, merke ich an, daß er etwas auf dem Herzen hat. Er nennt mich 'Mutti'. Indem ich den Mantel ablege, fällt sein Blick erstaunt auf das Scheyrer Kreuz, das ich trage. Er bittet, ob ich ihm einige Minuten Gehör schenken wolle, er müßte mir etwas anvertrauen. Ich bekomme Einblick in sein Leben. Am Schluß betont er, daß er aus der Kirche austreten wolle, weil sich bei der Gestapo (Geheime Staatspolizei) seine Zukunftswünsche erfüllen würden. Er zweifelt und glaubt nicht an die Geheimnisse der Unbefleckten Empfängnis. Ich bete um Erleuchtung, daß ich das rechte Wort finden möge. Die Geheimnisse der Unbefleckt Empfangenen erkläre ich ihm. Ein anderes Bild schaut er nun in Maria. Dann kann ich ihm sagen, daß es bald anders komme, daß er nie zur Gestapo gehen würde. Ein Volk kann nur siegen im Siegeszeichen, im Kreuz des Herrn.

Er lauscht und sagt: "Ich habe Priester gefragt, die haben mich nicht so zufriedengestellt wie Sie. Nun sitze ich hier bei einer einfachen Frau und suche Rat. Ja, es leuchtet mir jetzt vieles ein, aber ich kann noch nicht, ich will auch noch nicht; ich muß erst nachdenken." Ich nehme seine Hand in die meine und sage: "Nein, Sie können jetzt noch nicht, nicht heute, auch nicht morgen. Es werden Jahre vergehen, bis die Gnade wirkt. So lange werde ich Sie mit meinem Gebet begleiten. Ihr Leben geht weiter, hart wird es sein, ein Spiel des Todes. In den Tagen der Heimsuchung kommen Sie zur Erkenntnis. Dann werden Sie sich erinnern, was Ihnen die einfache Frau sagte."

Er drückt mir wieder die Hände und sagt: "Muttichen, Sie haben mir meinen Frohsinn wiedergegeben. Ich war in letzter Zeit immer so bedrückt." Er erzählte mir von seiner Mutter, die ihn so verwöhnt hat, die ihn jeden Tag in Milch badete. Sie sei eine stolze Frau, die ihren Jungen nur für sich haben wollte. Wo das Kind in Stunden der Seelennot die Mutter brauchte, da fand es ein verschlossenes Herz. Ich sagte ihm, er möge seiner Mutter erzählen, wie er jetzt um eine Tasse Milch bitten müßte. Er müsse so die Schuld der Mutter büßen, die Milch für ihr Kind zum Waschen und Baden brauchte. Sie hätte diese Milch armen Kindern geben sollen.

Auf einmal steht Jesus als guter Hirt bei ihm, mit dem Lamm auf Seiner Schulter. Nun weiß ich, daß es dieser junge Mensch ist, dem der gute Hirt nachgeht. Der Bursche des Leutnants, Paul Freudenreich, ist ein sehr lieber Mensch, und im Charakter gleicht er meinem Hans. Ich schloß beide heute in den Sühnetag ein.

 

Priestersamstag, den 3. Februar 1945

Der junge Leutnant erlebte gestern nach Gottes Willen die Kreuzesleiden, die ich trug als Sühne. Er sagt heute: "Muttichen, ich war sehr besorgt um Sie. Ich wollte ihnen helfen. Ich wurde zurückgehalten, hier darf keiner helfen. Ich sah schon vieles, aber hier stehe ich vor einem Rätsel, daß man einem Menschen nicht helfen darf." Ich beruhigte ihn: "Es ist schon so. Bei diesem Leiden kann keiner helfen, selbst der Arzt nicht." Da kommt er auf mich zu und sagt: "Nun weiß ich es, warum wir nicht helfen können. Hier befiehlt Gott!"

Maria umgibt mich heute mit meinem verstorbenen Beichtvater, dem Priesterbruder. Sie segnen. Ich bitte um Segen für alle, die mir anvertraut sind. Eine Stunde später sehe ich ein großes Licht hinter dem Leutnant. Er geht weiter zum Standartenführer und dem ganzen Generalstab, der zu einer Besprechung bei mir weilt. Ich bekomme Einblick in die Seelen. (Es war SS-General Sepp Dietrich.) Es sind alles liebe Menschen, die aber vom Zeitgeist irregeführt sind. Sie fragen, ob sie immer hier zusammenkommen könnten zu besonderen Besprechungen. Sie hätten wohl meinerseits keinen Verrat zu befürchten. Ich erlaube es und sagte: "Ich bin doch kein Vaterlandsverräter!" Herr, führe sie wieder auf den rechten Weg.

 

Montag, den 5. Februar 1945

Paul Freudenreich ist heute so bedrückt; er sucht immer meine Nähe. Auf einmal sagt er: "Ich komme darüber nicht hinweg, über den einen Abend, da Sie wie leblos lagen. Ich habe erkannt, daß Sie irgendeine Verbindung mit Gott haben, darüber ich mich nicht recht auszudrücken weiß." Ich erwidere ihm: "Mein Kind, ich kann und darf nicht alles sagen. Das eine darfst Du wissen, daß bei mir die größte Liebe, die Gottesliebe ist. Alles darf man mir nehmen, nur Gott nicht. Wenn ich Ihn nicht mehr lieben und empfangen dürfte, würde ich sterben. Wer Gott über alles liebt, den läßt er schon hienieden schauen in Seine großen Geheimnisse. Diese Seele wird zur Flamme, die sich für Gott verzehrt. Wer zur Flamme wird, der muß leiden und büßen für seine und andere Schuld. In dieser großen Zeit, wo die Liebe so sehr erkaltet ist, braucht der Herr Opfer für die lieblose und verblendete Welt."

Paul schaut mich mit seltsamen Augen an. Dann kommt der Generalstab und hört wie immer den Sender ab, den sie bei mir aufstellten. Sie sind ganz bestürzt und sagen: "Eben kommt durch: Wir haben euch, wir wissen, wo die 6. Armee versteckt ist. Wir sind bald da."

Sie sagen mir: So müssen wir bis heute Abend 21 Uhr abrücken, sonst gibt es hier ein Blutvergießen." ... Ich segne Paul mit dem Scheyrer Kreuz. Er bittet um dieses Zeichen, aber ich habe nur noch das eine. Ich erzähle ihm vom blutenden Herz-Jesu-Bild und gebe ihm zwei, eins für seinen Leutnant. Ich erkläre ihm, wie er seine Kameraden damit segnen soll. Herzlich nehmen wir Abschied. Ich segne sie alle. Herz Jesu, laß alles gut werden!

 

Mittwoch, den 7. Februar 1945

Bei der Opferung sehe ich über dem Tabernakel einen Kelch und eine Hostie darüber, die immer größer wird. Jesus spricht vom Tabernakel aus: "Viele Tabernakel habe ich verlassen, weil Ich so wenig geliebt werde. Einziehen werde ich mehr und mehr in kleine Landgemeinden. Mein Herz ist voll der Freude, die Mir in diesen Kirchlein entgegengebracht wird. Ich werde alle segnen, die hinkommen hier (Ittenbach) zum hl. Ort, besonders die Kinder. Großes wird sich hier ereignen: Friede und Freude wird einziehen in alle Herzen." (Die Kirche von Ittenbach wurde nach dem Krieg zum Wallfahrtsort ernannt.)

 

Donnerstag, den 8. Februar 1945

Ich sehe die Kapelle in Eisbach, als wenn Maria dahin schwebte. Eisbach liegt im Siebengebirge bei Oberpleis. Sie spricht: "In dieser Kapelle, die mir geweiht ist, sind schon viele Tränen geflossen. Es kommt die Zeit, da Oberpleis eine Wallfahrtsstätte wird. Viele Menschen, die in den Tagen größten Leides hier verweilten, werden wiederkommen. Sie kommen zu mir, der Königin des Himmels und des Weltalls. Sie werden durch mich den Weg zum Herzen Jesu finden. Mein Wunsch ist es, daß in jenen Tagen in der Nähe dieser Kapelle ein Haus gebaut werde für Krüppel und andere Kranke. Marienschwestern sollen diese betreuen. Ich, die Schmerzensmutter, werde lindern ihre Schmerzen an Leib und Seele." – "Muttergottes, hast du mich ausersehen zu helfen, daß dein Wunsch erfüllt wird?" Maria: "Die Zeit wird es bringen. Ich leite alles! Vertrau mir."

 

Samstag, den 10. Februar 1945

Es war eine schwere Nacht. Mit dem Feuerkommando halte ich Nachtwache und bete für sie. Die Männer sind schon älter. Sie können bald nicht mehr. Um zwei Uhr dreißig in der Nacht hüllt mich ein großes Licht ein. Dann ist St. Elisabeth bei mir und sagt: "Ich bin mit dir und schütze dich in den Tagen der großen Drangsal und Opfer. Befolge, was ich dir sagte am 20. Juni 1944. Groß wird die Freude und der Lohn sein, den Jesus dir schenken wird." Jesus naht im weißen Gewand. Er segnet meine Mitschwester Juliane Konert (Recklinghausen), die ganz seine Leidenszüge trägt. Das kommt mir so seltsam vor. An einen Brief denke ich, wo sie fragt, ob ihre Leiden Strafe wären.

Der Herr spricht: "Nicht Strafe empfing sie aus Meiner Hand, sondern die große Liebe, die Meinen Auserwählten zuteil wird. Wer den Weg des Kreuzes geht, der muß ihn gehen bis zur Vernichtung. Nackt und bloß muß er sein, wie Ich am Kreuze. Wer sich allem entäußert, der feiert mit Mir glorreiche Auferstehung. Am jüngsten Tage werde Ich denen, die arm wurden wie Ich und um Meinetwillen einen besonderen Lohn schenken. Wer in der Sterbestunde nur Mich allein besitzt, zu dem komme Ich mit Meiner hl. Mutter und führe ihn mit der Engelschar in die ewige Heimat."

Dann sehe ich Jesus auf dem Berg, wo Er die acht Seligkeiten verhieß. Mit Ihm schaue ich, wie Er, indem Er sprach, hineinschaute in unsere Tage. Unsere liebe Frau von den Tränen naht. Sie gibt mir zwei Tränen. Auf dem Berg steht der Herr, groß und starr ist Sein Blick. Er schaut in die Gegenwart; Er sieht die Zukunft. Hände sieht er flehend, und Worte hört er: "Jesus, Sohn Davids, erbarme dich!" Wie Er so steht, da ist ein Leuchten in Seinen Augen, verklärt sind Seine Züge. Er half und hilft allen Armen. Er macht alle froh und glücklich, die Ihm vertrauen.

Dann schaut Er ernst. Sein heiliger Mund spricht: "Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich." Er schaut sie, die alles Seinetwegen verlassen, die der Welt entsagen, die arm sind um Jesu willen. Er sieht sie, die Ihm dienen in Klosterzellen, die Einsamen und schaut auf jene, die in ihrem Beruf die Pflicht erfüllen. Er schaut auf jene, die alles verloren, er schaut die Reichen, die teilen und verteilen. Er sieht die Zahl der Opferseelen und die Heiligen auf Erden. Er schaut die Not, das Elend, die Zerstörung und Verwüstung unserer Tage. Diese Generation, mit Ausnahme der wahren Kreuzesträger, will nicht mehr arm sein. Sie wollen reich sein und leben. Sie haben Gott den Krieg erklärt und Seine Gebote vernichtet. Der Herr nimmt die Kriegserklärung an und überläßt diese Menschen ihrem Schicksal.

Die nicht arm sein wollten, werden nun alle arm. Auch die Getreuen leiden mit, damit sie denen Vorbild sind, die brechen und verzweifeln an der Armut unserer Tage. Diese Armut muß kommen, damit das Geschöpf den Schöpfer wieder erkennt, der Macht hat zu geben und zu nehmen. Vor Seinen Augen ziehen die Fliehenden und voll Erbarmen wird Jesu Blick. Sein Blick verfolgt sie. Viele schauen sich um und begegnen diesem Blick: "Arm sind wir nun wie Du. Wir folgen Dir." Zurück geht Sein Blick zu denen, die vor Ihm sitzen und stehen. Hunger und Durst haben sie. Sie haben vergessen und überwunden; nur Sein Wort wollen sie hören.

Beglückend spricht Er: "Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden." Er sieht frohe Gesichter und schaut die Zahl, die das Wort Gottes annehmen und befolgen. Er schaut in unsere Zeit, sieht sich verborgen im Tabernakel. An Seinen Augen ziehen Scharen vorbei, die das Brot der Starken empfangen, Ihn selbst, den Heiland der Welt. Ein Lächeln umspielt Seine Züge. Er schaut die Kinder, die Ihn empfangen, aber auch die Heiden, die Ihn nicht kennen und empfangen. Er blickt auf die Schuldigen, die alle Gerechtigkeit ablegten. Zu welchen Stunden wird sich der Mensch bewußt, wenn die Seele hungert? Wieder fällt der Blick des Herrn auf jene, die in den Tagen der Not und Drangsal Hunger leiden. Liebevoll schaut Er auf jene, die das Brot teilen, die selbst hungern für andere.

Jesu Blicke fallen nun auf jene, die das Liebste verloren. Es rührt Sein Herz. Gütig spricht er: "Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden." Dankerfüllte Blicke sieht Er. Aber Er sieht weiter bis zum letzten Tag die Zahl, die da trauern und weinen. Sehnsüchtig schaut Er, daß sie zu Ihm kommen, der Trost und Ersatz bietet für alles Leid. Er folgt auch denen, die sich abwandten von Gott und in anderen Dingen ihren Gott sehen. Er sieht Tränen der Reue, Tränen über verlorenes Hab und Gut, Tränen über den Tod so vieler, die ihr Leben ließen. Er hört auch Lästerworte von denen, die Gott suchten in irdischen Dingen, die ihnen genommen wurden. Es muß so sein, daß sie Gott wahrhaft wiederfinden. Ich sehe Menschen mit ruhigem Blick. Sie haben weiche Hände, die überall helfen. Liebe Worte sprechen sie zu ihren Brüdern und Schwestern. Still und ruhig gehen sie ihren Weg, Liebe spendend überall. Segnend hebt der Wundertäter seine Hände und spricht: "Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen."

Andere ziehen vorüber. Jesus schaut betrübt und traurig. Er sieht sie, die im Streit liegen, sieht die Krieger, sieht die, die hadern und streiten mit Gott. Sein Blick wird wieder milde und gütig. Er sieht die große Zahl derer, die den Streit schlichten, die Unrecht leiden, um Schlimmeres zu verhüten. Er folgt ihnen, die sich demütigen und den Frieden zu denen bringen, die Haß und Neid entzweite. In ihre stillen Kammern dringt Er ein und hört sie beten für ihre Feinde. Freudig blickt Er auf die Schar vor Ihm und ruft: "Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden."

Reine, unschuldige Augen sehen Ihn an bei diesen Worten. Sie, die noch unschuldig sind, hat Er, der dort steht, nicht auch ein liebes Wort für sie?

Oh, Er kennt ihre Gedanken. Er gibt ihnen Antwort auf ihre fragenden Blicke: "Selig, die reinen Herzens sind, sie werden Gott schauen." Größer werden ihre Blicke und sie schauen in dem, der auf dem Berge steht, den Messias, den Sohn Gottes. Die Gottheit strahlt aus Jesu Augen. Er sieht die Schar der Reinen und Unschuldigen. Er sieht die, die um ihre Reinheit kämpfen, die allen Gefahren ausgesetzt sind. Er schaut die unschuldig Verurteilten, die lieber den Tod erleiden, als ihre Seele zu beflecken. Sein Blick trübt sich. Er schaut die, die ruchlosen Verführern in die Hände fallen. Er schaut auch alle, die büßen für diese Sünden. Er schaut die Verführten, die noch nicht erkannten, was mit ihnen geschah. Er sieht, wie sie entsagen, die kreuzigen ihren Leib. Sie gehören auch zu den Reinen, die Gott anschauen und Ihn erkennen. Der Herr schaut weiter in die Zeit der Ehescheidungen, wo man die Reinheit mit Füßen tritt. So nimmt er in unserer Zeit viele Kinderseelen auf in Sein Reich, damit sie die sündige Welt nicht kennenlernen. Sein Blick ruht auf den Opferseelen, die rein durchs Leben gehen. Sie sind ja die Werkzeuge für Gottes Pläne. In diesen Opferseelen geht Er selbst verborgen durch die Zeit.

Freudig versunken steht Er einen Augenblick. Wieder sieht er andere Augen: "Herr, hast Du für uns kein liebes Wort? Man hat uns im Leben oft wehe getan. Wir aber, wir haben vergeben und vergessen." Der Herr sieht auch in ihre Herzen und spricht: "Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen." Es ziehen vorüber alle, die anderen die Schuld nachlassen, die Erbarmen haben mit ihren Mitmenschen, ob sie Freund oder Feind sind. Er sieht auch, wie sie heilen ihre Wunden an Leib und Seele. Es folgt eine kleine Pause. Alle Augen sind auf Jesus gerichtet. Zum letzten Male spricht Er noch ein Wort der Verheißung, das die Krone der Verheißungen ist. Er stellt unter Beweis, wer Ihn wahrhaft liebt. Alles lauscht den Worten, die jetzt aus Seinem Munde kommen:

"Selig sind die, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und verfolgen um Meinetwillen und jedes Wort mit Unrecht wider euch reden. Groß wird euer Lohn sein."

Vor Seinen Augen ziehen vorüber, die für Ihn ihr Leben dahingaben, darunter die unschuldigen Kinder. Er sieht die Märtyrer, Seine Jünger, Seine Apostel, Seine verfolgte Kirche und die große Schar, die um Jesu und des göttlichen Wortes willen leiden. Er sieht viele Fürsten der Welt und den Fürsten des Abgrunds gegen Ihn im Kampf. Die um Ihn stehen, denken: "Das ist wahrhaft der Prophet, von Gott gesandt." Die Scharen teilen sich, jeder geht seinen Weg. Ich sehe Jesus allein.

Er spricht zu mir: "Bringe Trost deinen Brüdern und Schwestern. Groß ist die Erfüllung der Verheißungen in euren Tagen. Mich erbarmt des Volkes. Nicht alle dürfen verlorengehen. Arm sind die Menschen geworden und noch ärmer werden sie. Sie müssen erkennen, daß der Mensch zum Leben nicht viel braucht, daß man zuerst das Reich Gottes suchen muß, daß dann das Übrige zugegeben wird. Trägt die Welt jetzt die Armut im rechten Geist, wird ihr der Lohn der ersten Verheißung zuteil. Euch ist es gegeben, zu denen zu gehen, die hungern und dürsten. Viele Werke der Barmherzigkeit könnt ihr üben. Ihr könnt lindern das Leid, das groß geworden ist. Es gibt so viele Trauernde, die getröstet sein wollen. Manches sanfte, liebe Wort könnt ihr sprechen und viel Streit schlichten. Es gibt viel Gelegenheit, den Feinden Gutes zu tun und zu vergessen, was man euch antat. Wie viel Gelegenheit habt ihr, euer Herz rein zu bewahren und barmherzig zu sein. Jetzt beweist es, wer sich zu Mir bekennt, Meinetwegen leidet und Verfolgung erträgt. Groß wird euer Lohn sein."

 

Sonntag, den 11. Februar 1945

Die Unbefleckt Empfangene, die ich nur kurz sehe, spricht: "Gib acht auf alle Tage nach dem 8. März. Es treten große Ereignisse ein."

 

Freitag, den 16. Februar 1945

In den vorhergehenden Tagen umgab mich St. Elisabeth. Mein Haus ist zur Krankenstation geworden. Von morgens bis abends gehen Verwundete bei mir ein und aus. Ich sehe viel Leid. Es ist aber meine Freude, in den Kranken dem Herrn zu dienen. Er ist auch im Licht um mich. Er segnet die Kranken, und durch Ihn darf ich sie auch segnen. Heute ist mein Silberner Hochzeitstag. Zum ersten Male in den 25 Jahren knie ich mit meinem Mann an der Kommunionbank. Ich sagte zu ihm: "Wenn Du Gott so schnell die Treue wieder brichst, dann könnte man an der Echtheit Deiner Bekehrung zweifeln. Wenn ich allein zur hl. Kommunion gehen soll, dann gehe ich in ein Kloster und halte still den Tag." Ich betete, der Herr möge irgendetwas geschehen lassen, damit Satan nicht von neuem ihn in seine Gewalt bekommt. Gestern Abend spät sagte mein Mann: "Ist morgen Beichte? Ich möchte beichten." Ich fragte: "Wie kommst Du auf einmal auf den Gedanken?" Da sagt er: "Ich muß. Ich habe in der vergangenen Nacht etwas gesehen. Was es war, das sage ich nicht." Ich erwiderte: "Das will ich auch gar nicht wissen. Erneut wird Dir die Gnade gegeben. Ich werde anrufen, ob Du vor unserer Brautmesse noch beichten kannst." Das tat ich, und mein Mann konnte vor der hl. Messe beichten. Es war ein schöner Tag heute. Die Leute im Dorf brachten vieles, und ich konnte backen, konnte auch allen Soldaten, die im Dorf waren, Freude bereiten. Ich lud sie alle ein. Der Zeit gemäß, haben wir trotz der Soldaten still gefeiert. Im Lichte weilte Jesus in unserer Mitte. Am Nachmittag kam für kurze Zeit der hochwürdige Herr Pfarrer.

Von neun bis elf Uhr abends war ich in süßer Vereinigung mit Jesus. Ganz schön ist Er im weißen Gewand mit goldener Stola, im Zeichen der Freude und Gloria. Jesus läßt mich hineinsehen, was mein Mann sah. Es war etwas von der Hölle, die Qualen der Verdammten. Morgen trage ich die Leiden der Dornenkrone.

 

Sonntag, den 18. Februar 1945

Der Herr tut mir kund, daß ich die 40-tägige Fastenzeit mit Ihm erleben und halten darf. Wie Er, muß auch ich allem entsagen. Er läßt mich schauen; ich sehe hinein in die dunkle Nacht. Alles schläft. Ein einsamer Wanderer im braunen Bußgewand geht über Berg und Tal, geht durch die Straßen Jerusalems und schließt die Tore hinter sich. Er wandert weiter bis in die Wüste. Es ist Jesus Christus, der Herr. Er bereitet sich vor für den großen Opfergang, den Er bald antreten wird. Er kniet nieder, Engel, die Ihm folgten, weichen zurück. Nicht ihren Gott sehen sie, sondern einen Menschen, der voller Schuld ist. Ich schaute den Herrn, wie Er beladen ist mit den Gedankensünden der Welt. Ein Meer tut sich auf, gefüllt mit Schmutz, Unrat und greulichem Getier. Der Herr taucht Sein Angesicht hinein in dieses Meer und wird bedeckt mit all dem Unrat. Es fallen Tropfen auf Ihn. Sie werden größer zu Körnern und Eisblöcken, die Ihn fast erdrücken. Er zittert und friert. Es sind Sünden in Worten, die Er auf sich nimmt. Nun wird er beladen mit den Sünden der Werke. Es nahen kleine Tiere, die werden größer, werden zu Bestien. Fast unzählig sind sie. Sie stürzen sich auf Ihn, verwunden und zerfleischen Ihn. Über und über ist Er bedeckt mit häßlichen Flecken, die wachsen und dem Aussatz gleichen.

Der Herr spricht zu mir: "Warum ist braun das Gewand der Buße?" Ich weiß es nicht. Er gibt die Antwort: "Rot ist das Gewand der Liebe. Sie muß brennen wie Feuer und ist rot wie dasselbe. Versengt die Flamme das Gewand, wird es braun. Wird das Fleisch gekreuzigt durch Feuer, wird es braun und schmerzt. Die ihr Fleisch gekreuzigt haben, sind Büßer und tragen das braune Gewand mit Recht."

Am Abend bin ich zwei Stunden mit Jesus in der Wüste. Der Herr liegt im Sand und büßt. Der Unrat und der Schmutz werden größer; auch ich werde überhäuft davon. Heute leide ich die Verlassenheit.

 

Donnerstag, den 22. Februar 1945

Die Gedankensünden des 5. Gebotes sind furchtbar. Völker und Nationen haben durch Haß und Neid Gedanken der Vernichtung, des Mordes, der Verführung, der Rache und des Unfriedens. Leiden der Dornenkrone.

 

Freitag, den 23. Februar 1945

Ein Meer von Unrat und Schmutz sind die Gedankensünden des 6. und des 9. Gebotes. Die Sühne dafür ist Entsagung und Durchbohrung der Glieder.

 

Samstag, den 24. Februar 1945

Vom Kinde angefangen bis zum Erwachsenen sehe ich, wie groß auch die Gedankensünden des 7. und 10. Gebotes sind. Man nimmt es nicht so genau. Man erlaubt es sich selbst und weiß nicht Mein und Dein zu unterscheiden. Buße und Sühne sind gute Werke.

 

Sonntag, den 25. Februar 1945

Sühne für die Gedankensünden des 8. Gebotes. Es ist ein Meer für sich, diese Gedanken, die sich um die Unwahrheit drehen. Ein Grauen erfaßt mich. Die Sühne ist wieder die Dornenkrone.

 

Montag, den 26. Februar 1945

Ich sehe wieder die Tropfen, die zu Eisblöcken werden. Ich sehe die Vernichtung des Gottesbildes und Kreuze. Sehe, wie man Götzenbilder aufstellt von Menschen, denen göttliche Ehre erwiesen wird. Mit dem roten Banner zieht man durch die Straßen und Gebiete. Die Luft ist voll sündhafter Worte.

 

Dienstag, den 27. Februar 1945

Wie Blitze gehen die Flüche, Lästerworte und Verwünschungen hinauf zu Gott. Die Blitze kommen zurück und fallen auf die, von denen sie ausgingen.

 

Mittwoch, den 28. Februar 1945

Die sündhaften Worte gegen das 3. Gebot klingen wie eine Verschwörung gegen Gott. Die Worte der Priester werden übertönt durch die Worte, die die Welt spricht gegen Gott und Sein Gebot.

 

Donnerstag, den 1. März 1945

Meine Leiden sind besonders große heute. St. Katharina steht mir bei. Wie ein Millionenheer sind die sündhaften Worte gegen das 4. Gebot. Sühne der ganzen Tage Schweigen im Gebet.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 2. März 1945

Die schamlosen und unreinen Worte sollen heute gebüßt werden durch besonders reine, liebe und gute Worte. Jesus gibt Gelegenheit zur Ausführung. Die Zahl der Verwundeten, die ein- und ausgehen, ist heute groß. So kann ich viel Liebes und Gutes sagen.

 

Samstag, den 3. März 1945

Sehe hinein die Seelen, die das Licht scheuen. Höre ihre Worte, Verabredungen und Besprechungen; höre, wie sie anderen schaden wollen. Jesu Angesicht ist betrübt. Ich sage: "Herr, laß Dein Licht leuchten, damit sie erschrecken ob ihrer bösen Worte."

 

Sonntag, den 4. März 1945

Buße für die Lügen, die wohl die schlimmsten Worte sind, weil aus der Lüge das ganze Elend in die Welt kam. Wie Riesen stehen die Worte da. Verzerrt, zitternd und frierend steht der Herr ob dieser Eisblöcke, die dauernd auf Ihn fallen. Er, der die Wahrheit selber ist, nimmt diese ungeheure Last auf sich. Ich zittere, bebe und friere mit. Es ist, als erdrücke mich eine Zentnerlast.

 

Montag, den 5. März 1945

Lange bin ich mit Jesus in der Wüste. Mit Ihm darf ich büßen die Sünden der Taten gegen das 1. Gebot: Unglauben, Irrglauben und Aberglauben. Große Tiere stürzen sich auf den Herrn. Sie drücken und würgen Ihn. Sie wollen angebetet sein, diese modernen Götzen! Sühne durch besondere Anbetung, Lob und Dank Gott dem Dreieinen.

 

Dienstag, den 6. März 1945

Ich sehe eine große Geißel zum Himmel steigen. Es sind alle Flüche und Verwünschungen, die sich gegen Gott richten. Wie schreckliche grauenhafte Tiere steigt es herab und fällt auf die Menschen zurück, die sich gegen Gott erheben und Seinen Namen auslöschen wollen.

 

Mittwoch, den 7. März 1945

Es steht bevor, was Maria mir sagte. Große Truppenverschiebungen sind in Oberpleis. Ein Heer von Flüchtlingen kommt und geht. "Mich erbarmt des Volkes." Ich erkenne sie. Es sind jene, die ich schaute im vergangenen Jahr. Heute ist Buße für die Entheiligung des Sonntags. Die so nahe oft waren beim Gotteshaus, müssen flüchten und beschwerliche Wege gehen.

 

Donnerstag, den 8. März 1945

Ich gebe heute acht nach den Worten der Gottesmutter auf das, was sich ereignen wird. Es ist schon ein Heer von Flüchtlingen, das kommt und geht. Es ist ein Hasten und Jagen. Die Tränen kommen mir mit beim Anblick der Gestalten, die durch Not und Elend gezeichnet sind. Ich sehe auch solche, die den Stempel der Sünde und des Lasters tragen. Noch mehr wie gestern erkenne ich sie, die ich schaute im vergangenen Jahr, all die Krüppel, die Armen, die Soldaten, die Verlassenen. Voriges Jahr fand ich keine Erklärung, warum diese kommen sollten. Nun weiß ich, sie kommen in den Tagen der Not. Sie gehen wieder und nehmen etwas mit von dem Segen, den Gott in der Stille und Einsamkeit erteilt. Ja, sie kommen wieder, wenn noch Größeres geschieht.

Man wird das 4. Gebot wieder hochhalten, damit Gottes Segen auf den Menschen ruht. Heute auch Sühne für die Sünden des 4. Gebotes in Werken der Liebe.

 

Freitag, den 9. März 1945

Der Sanitäter Staub, ein lieber Mensch, geht heute fort. Bekomme neue Einquartierung, Infanterie und ein Feierkommando. Leide sehr darunter, daß man bei der Schwere der Tage eine Kinovorstellung in meiner Wohnung macht. Die Front ist ganz nahe. Bange frage ich die Leute: "Was gibt es jetzt?" Ich tröste, wo ich kann, daß der Herr doch mitten unter uns ist, wenn wir auch von einem Wall von Feinden umringt sind. Vier Stunden büße ich die Sünden gegen das 5. und 6. Gebot – und daß man eine Kinovorstellung machte, die mein Mann erlaubte.

Die Leiden der 11. Station trug ich. Der Herr läßt mich schauen die Greuel, die kommen und ich kann niemandem etwas sagen. Ich bitte: "Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Ich sehe die Kämpfe, die in einigen Tagen stattfinden. Ich sehe Feuer über den Bergen, besonders in unserem Nachbarort Ittenbach, auch in Richtung Niederdollendorf. Furchtbar sehen unser Dorf Ruttscheid und Umgebung aus. Jetzt weiß ich, was die gelben Punkte bedeuten, die ich am 22. Februar auf dem Heimweg sah. Sie verteilen sich vor mir wie ein Heer in verschiedene Richtungen, besonders auf Ruttscheid. Ich denke: Warum wird dieses Gebiet, das der Muttergottes besonders geweiht ist, von solcher Gefahr umgeben?

Nach einer Weile sehe ich auf der Mitte des Ölberges (liegt in der Nähe von Ruttscheid) Jesus und St. Michael. Ich habe Vertrauen, das alles noch gut wird. Ich bitte und flehe: "Schone, Herr! Strafe nicht alle! Laß mich leiden für jene, die heute noch nicht erkennen." Man kannte meine Leidenszustände nicht und wollte mir helfen. Da kam ein Krampfanfall nach dem anderen. Da versagte plötzlich der Strom, und die Filmaufführung mußte unterbrochen werden. Ein plötzlicher Befehl zum Abmarsch kam. Ich höre und sehe nichts, nur büßen darf ich. Andere Soldaten kamen und wollten helfen, aber schlimmer wurden die Leiden. Als ich erwachte, schaue ich in fremde Gesichter. Morgens mußte ich ein schönes, großes Herz-Jesu-Bild nach Jesu Willen nach Oberpleis in das Geschäftshaus Dreesen bringen. Man ist erstaunt und auch erfreut darüber. Alles hat man, aber kein Herz-Jesu-Bild. Hätte man eines gehabt, hätte ich es nicht hinzubringen brauchen. Ich weiß, das Bild wird ein Segen für das Haus.

Man fragt mich, was wohl geschieht und ob unsere Kirche stehenbleibt. Was geschah, durfte ich nicht sagen, aber daß die Kirche stehenbleibt, außer einem Schaden am Turm, das durfte ich sagen.

 

Samstag, den 10. März 1945

Die ganze Landstraße ist unter Artelleriebeschuß. Man kann nicht mehr aus dem Hause. Ich kann nur meine Sehnsucht und mein Verlangen opfern. Jesus zeigt mir die Verwüstung meines Hauses, aber segnend umgibt Er mich. "Herr, Dein Wille geschehe!" Mit den zwei ältesten Töchtern, Inge und Edith, bin ich in größter Gefahr im Hause. Wir helfen den Soldaten, und ich muß ja auch noch kochen und sorgen. Mein Mann ist mit den anderen Kindern schon drei Wochen im Autobahnbunker. In der Feuerpause kommt dann schon mal einer und holt das Essen. Heute ist meine Sühne für die Sünden gegen das 6. und 9. Gebot.

 

Sonntag, den 11. März 1945

Heiliger Sonntag! Kann nicht in die hl. Messe, die Gefahr ist zu groß. Es ist ein Sonntag, an dem ich Jesus nicht empfangen kann. Im Gebet klage ich Ihm meine Sehnsucht und mein Verlangen. Er spricht: "Ich bin ja bei dir. Du nimmst doch teil an Meiner 40-tägigen Fastenzeit. Schaue auf Mich. Alles verließ Ich. Mein Sehnen geht hinauf zum Vater, aber Ich muß sühnen. Darum mußt auch du alles verlassen, selbst das Haus des Herrn." Furchtbare Angriffe sind heute und Einschläge ringsumher. Ich habe Vertrauen, denn Jesus steht segnend am Ölberg mit St. Michael. Ich singe ein Marienlied. Da kommt ein furchtbarer Einschlag. Das Haus bebt und zittert, Scheiben fallen klirrend heraus. Kurz vor dem Haus ist ein großes Loch gerissen. Die Buße ist heute für das 7. und 10. Gebot, weil man Mein und Dein gerade jetzt nicht unterscheiden kann. Plündern, rauben und stehlen ist furchtbar. Arm und ärmer werden die Menschen an Leib und Seele.

 

Montag, den 12. März 1945

Die Sühne ist heute für die Sünden gegen das 8. Gebot. Wie groß ist heute Lüge, Ehrabschneidung. Ein Grauen erfaßt Jesus. Man sieht das Maß der Lügen, sieht sich verfolgt und gepeinigt in den Seelen, die für Ihn Zeugnis ablegen.

Bei der jetzigen Einquartierung habe ich zwei evangelische Pastoren. Ich ahnte schon gleich etwas, aber bestimmt konnte ich nichts sagen. Durch die Muttergottes wußte ich es heute. Einer von den beiden sagte zu mir: "Sie haben da eine wunderbare Madonna. Das ist schon etwas Echtes, das ist kein Kitsch." Ich erwidere: "Ja, die Rosa Mystica, das ist eine wunderbare Darstellung." Er fragt: "Was ist das, Rosa Mystica?" Ich sage: "Nun müssen Sie doch Farbe bekennen. Sie können nun kein Verstecken mehr spielen. Ich merkte schon, daß Sie zwei Seelsorger sind, aber von welcher Konfession, das war die Frage. Wenn Sie katholisch wären, hätten Sie gewußt, was Rosa Mystica heißt."

Da sagt er: "Wo wir bisher waren, sind wir nicht aufgefallen, daß wir evangelische Pastoren sind. So schauten wir in vieles hinein. Jetzt, da Sie wissen, was wir sind, wollen Sie uns wohl nicht mehr?" – "Oh, nein, da seid ihr auf der falschen Fährte. Jeder Mensch ist unser Nächster. Wir müssen einander helfen und das Kreuz tragen. Nächstenliebe ist nicht auf Religion begrenzt." Da sagen beide: "Sie sind ein echter Katholik. Bei Ihnen könnte man schon anders überzeugt werden." Wir kamen ins Gespräch, und später wollten sie von mir katholische Zeitschriften haben. Ich gab sie gern und betete, daß Maria sie zum wahren Glauben führen möge. Beide waren sehr liebe, gute Menschen.

 

Dienstag, den 13. März 1945

Einer der Soldaten sagt mir: "Hier in diesem Haus muß etwas sein. Es geschehen hier sichtbar Wunder, das haben alle gesagt, die hier ein- und ausgehen. Einschläge sind rund um das Haus, aber noch keiner kam um." Ich antworte: "Oh, ja, hier ist schon was, das hl. Herz Jesu, das alle beschützt. Kein Soldat wird bei mir umkommen. Im Haus selbst geschieht nicht eher etwas, bis der letzte Soldat das Haus verlassen hat."

Dann zeige ich ihnen die Heiligtümer von Mirebeau, die blutenden Herz-Jesu-Bilder, die blutigen Altartücher und Kelchtücher, die ich zur Aufbewahrung habe, bis die Gefahr vorüber ist. Eine ganze Schar von Soldaten umgibt mich. Andächtig wie Kinder lauschen sie, was ich erzähle. Ich segne sie mit den Heiligtümern und gebe jedem ein Bild mit. Jesus hat mir geoffenbart, daß ich die letzten 16 Tage mit Ihm sühnte für die Sünden, die man gegen die Werke der Barmherzigkeit begeht.

Unsere Gegend steht ab zwei Uhr unter starkem Bordwaffenbeschuß. Ich bitte: "Herr, laß die Kugeln auf freies Gelände fallen. Laß unsere kleinen Häuser nicht umfallen wie die Streichhölzer." Ich gehe in den Garten und halte betend und segnend das Scheyrer Kreuz zum Himmel, gegen die Flieger. Auf einmal ist Ruhe. Alle Kugeln fielen auf freies Gelände. Gott dankend gehe ich ins Haus zurück. Um sieben Uhr sehe ich ein großes Lichtkreuz, das dann zum Doppelkreuz wird. Es verschwindet und zeigt sich nach einer halben Stunde wieder. Darauf ist ein H und ringsum weitere, kleine H's. Alles wird kleiner und verschwindet. (Bedeutung: Das große H ist Hitler, die kleineren seine Anhänger. Bald werden sie alle vernichtet und verschwinden, weil sie das Volk in die Irre geführt haben, weil sie ihm alles genommen.)

 

Mittwoch, den 14. März 1945

Abends um 22 Uhr sehe ich ein großes Feuer auf der Autobahn. Ein Wagen geriet in Flammen. Laute Hilferufe hören wir alle. Niemand kann helfen. Der arme Mensch muß verbrennen. Oh, Gott, sei seiner Seele gnädig. Mein Nachbar kommt weinend und sagt, daß seine Anne tot ist. Ich hatte Frau Schellberg gewarnt, nicht durch den Beschuß zu gehen. Ich sage: "Ich habe eine große Familie und kann nicht gehen." Sie wollte Geld holen und kam nicht wieder. Drei Kinder von 11, 10 und 4 Jahren haben keine Mutter mehr und der Vater ist in Gefangenschaft. Die beiden älteren gehen dieses Jahr zur 1. hl. Kommunion. Nun müssen die Großeltern die Kinder aufziehen.

 

Freitag, den 16, März 1945

Die Soldaten sind alle fort. Die Gefahr wird von Stunde zu Stunde größer. Ich komme nicht mehr zum Kochen. Ich bete. Der Herr will nicht, daß ich noch bleibe. So gehe ich abends um 18 Uhr in den Bunker. Ich nehme nur die Heiligtümer von Mirebeau mit und mein großes Stehkreuz. An Kleidung habe ich nur das, was ich anhabe. Ich sage zum lieben Heiland: "Willst Du, daß ich noch mehr Kleidung behalten soll, wirst Du sie erhalten. Meine Tagebücher und Schriften kann ich auch nicht mitnehmen. Erhältst Du sie, dann weiß ich, daß ich weiterschreiben muß. Werden sie vernichtet, bin ich vom Schreiben entbunden. Erhalte bitte meine schönen Bilder, die ich zurücklassen muß. Unsere Soldaten sind fort, jetzt werden die anderen kommen. Laß sie gesegnet sein."

Dann betrete ich den Bunker. Ich erkenne, warum ich hingehen mußte. Sie hadern und streiten untereinander. Sie erkennen nicht den Ernst der Zeit. Es sind keine Marienkinder, wie sie es sein sollten. Ein geistlicher Studienrat, Doktor Horstkamp von Düren, ist mit seiner Haushälterin auch hier. Er ist evakuiert im Dorf, dort, wo ich die Milch kaufe. Er sagt zu mir: "Kommen Sie auch endlich. Sie kommen mit dem Kreuz?" Ich antworte: "Es ist die höchste Zeit, daß hier das Kreuz aufgestellt wird. Können Sie nicht einmal beten lassen? Können Sie uns nicht am Passionssonntag die hl. Messe halten?" Er antwortet: "Wir müssen schon Rücksicht auf die anderen nehmen. Es sind auch Andersgläubige dabei." Ich: "Schadet das etwas? Wenn sie meinen, es ginge noch ohne Gebet, können sie ja den Bunker verlassen, während wir beten. Sie brauchen nur eine Probe zu machen, daß wir beten wollten. Wer dagegen ist, möchte die Hand hochheben." Er tat es und fragte an. Keine Hand zeigte sich. Wir beteten einiges und zuletzt den Rosenkranz. Es wurde ruhiger, auch bei den Kindern. Wegen der hl. Messe wollte er mich morgen sprechen.

 

Samstag, den 17. März 1945

Nachdem alle am Morgen etwas gegessen hatten, ging ich zum Herrn Studienrat wegen der hl. Messe für morgen. Er sagt: "So wie Sie es wünschen, kann ich es nicht. Ich habe keinen Altarstein. Ich: "Den habe ich bei mir. Es sind wohl die höchsten Reliquien, die es gibt. Gehen Sie auf meine Gedanken nicht ein, offenbare ich nicht, was ich besitze." Er: "Ich habe auch keine kirchlichen Gewänder." Ich: "Unser Herr trug, als er die erste hl. Messe im Abendmahlssaal feierte, nur sein Gewand, das Er immer trug. Ich weiß und verstehe, daß Sie sich an Rom halten müssen, aber wir sind in großer Not und Gefahr. Da sind wohl Ausnahmen gestattet. Ein Priester hat immer geweihte Kleidung." Er: "Dann habe ich keine Hostien und keinen Kelch." Ich: "Hostien besitze ich. Man schickte sie mir vor drei Jahren. Es wurden manchen Opferseelen Hostien ausgehändigt, für den Fall, daß eine Not käme und dann dem Priester geholfen würde." Er: "Diese sind zu alt." Ich: "Hochwürden, zu alt, das sagen Sie. Wenn Sie die Worte der Allmacht darüber sprechen, ist es Jesus Christus. Er ist nicht alt, Er ist und bleibt der große Wundertäter und Brotvermehrer. Ich weiß, daß bei der hl. Messe beide Gestalten sein müssen, aber in der Not wird Gott nicht so genau sein, denn der Leib Christi ist ja unter der Gestalt des Brotes ein lebendiger Leib, der auch Sein hl. Blut besitzt. Haben Sie keinen Kelch, dann formen Sie Ihre Hände zum Kelch. Gott wird das andere tun. Oh, wie ist auch bei den Priestern der Glaube und das Vertrauen so klein." Er: "Ich muß mir das alles erst durch den Kopf gehen lassen. Wir wollen am Nachmittag gegen vier Uhr noch weiter darüber sprechen."

Es ist Nachmittag. Ich bin wieder mit dem hochwürdigen Herrn Studienrat zusammen. Er sagt: "Wie Sie es möchten, das geht nicht, nein, das kann ich nicht. Wir werden uns morgen in allen hl. Messen in der Welt einschließen. Ich werde gleich mit den Kindern die Meßgebete und Lieder einüben." Ich: "Ich kann und will Ihnen als Priester keine Vorschriften machen. Es sind hier 250 Seelen, die in Ihre Hand gegeben sind. Sie haben auch hier eine Pflicht, priesterlich zu wirken. Wie schön wäre es gewesen, wenn wir hier unseren Heiland hätten empfangen können. Es kommt eine Zeit der Not, die noch größer wird als diese. Dann werden viele Priester an der Erde liegen und das heilige Opfer feiern."

Ja, er übte mit den Kindern die Meßgebete und Lieder ein. Ich dankte ihm dafür. Diese Nacht war eine große Leidensnacht für mich. Die Anwesenden im Bunker verurteilten meine Familie, die mich liegenließ und mir nicht half. Das sagten sie mir, als der Leidenszustand sich ein wenig besserte. Ich sagte: "Was ich habe, dafür gibt es keine Hilfe. Ich komme von selbst wieder zu mir. Dann ist alles gut."

 

Passionssonntag, den 18. März 1945

Hochwürdiger Herr Studienrat macht bekannt: "Wir befinden uns augenblicklich in höchster Lebensgefahr. Wir wissen nicht, ob wir morgen noch leben. Wir wollen mit Gott alles gut machen und unsere Passion halten. Wir schließen uns an, an alle heiligen Messen, die jetzt gehalten werden." Wir beteten und sangen. Es wurde die Passion und das hl. Evangelium verlesen. Hochwürden hielt eine schöne Predigt, die wohl allen Mut und Hoffnung gab. Bei der hl. Wandlung beteten wir um die Wandlung unserer Herzen. Bei der hl. Kommunion flehten wir, daß Jesus in unsere Herzen einkehren möge. Nach der Feier ging ich wieder zum Priester und dankte. Er sagte: "Es bedarf nicht des Dankes." Ich: "Sie haben doch allen viel Trost gegeben, das bedarf schon des Dankes." Am Abend erhielten wir alle die Generalabsolution. Von Stunde zu Stunde stieg die Gefahr. Wir hatten keine Türen an unserem Bunker, nur Säcke am Eingang und am Ausgang. Da konnte sich schon ein Geschoß verirren.

Es wurde beraten, daß wir uns ergeben wollten, wenn die Amerikaner über den Berg kommen. Wenn Ruttscheid den Anfang machte, würde es für Oberpleis und Umgebung nicht mehr so bös aussehen. Außer dem Studienrat waren noch ein Arzt und ein Rechtsanwalt anwesend. Man stellte Frauen und Mädchen am Eingang und Ausgang auf, die in Englisch rufen sollten: "Nicht schießen, hier sind Frauen und Kinder, keine Soldaten." Um fünf Uhr am Nachmittag, sagten die drei Herren, es wären nur noch acht Mann von der Infanterie da, aber hinter dem Ölberg würden mehr als 300 Amerikaner liegen. Es war Nacht geworden, alle schienen verwirrt und kopflos. Die Kinder schrien, die Panzer rollten dröhnend über die Autobahnbrücke. Auf einmal drang Feuer durch die Decke. Im Bunker war Rauch und Qualm. Ich sagte: "Morgen ist St. Josefstag. Der hl. Josef ist ein großer Helfer. Rufen wir ihn doch an. Es war zum Weinen, wie sie alle beteten und sangen zum hl. Josef. Dann hörten wir, daß die Brücke in unserer Nähe gesprengt wurde. Dann ging ich in die Mitte und sagte leise: "Herr, Du weißt, was ich besitze, Dein hl. Blut, das bei der Wandlung in Mirebeau auf die Altartücher floß. Um Deines hl. Blutes willen rette diese Menschen, die Du auch in meine Hände gabst. Es soll doch bewiesen werden, daß diese Tücher und die Bilder echt sind. Du hast es mir gesagt, daß Du gerechtfertigt hervorgehst, und mit Dir Dein Schlachtopfer, Abbé Vachère. Zeige, Herr, wie groß die Macht dieser Heiligtümer ist. Hilf auch der Frau, die hier in Kindesnöten liegt ..."

 

Montag, den 19. März 1945, St. Josefstag

Unsere Frauen und Mädchen am Ein- und Ausgang des Bunkers riefen so lange, bis der Ruf zu den Amerikanern drang. Da stellten sie sofort das Feuer ein. Meine Tochter Inge ging mit der weißen Fahne hinaus und steckte sie in die Erde. (Anmerkung der noch lebenden Tocher dazu: "Der Rechtsanwalt und der Studienrat gaben mir die Fahne und sagten: "Sie sind ein junges Mädchen, die Amerikaner werden Ihnen nichts tun.") Es war morgens um sechs Uhr, als die Amerikaner den Bunker betraten. Sie gaben uns zu essen, verteilten Apfelsinen und Schokolade. Sie gaben die Erlaubnis, in die Häuser zu gehen, um etwas zu holen. Ich lag allein im Leidenszustand. Die werdende Mutter kam sofort zum 'Acher Hof' und schenkte zwei Stunden später einem Jungen das Leben.

Die anderen sagten, Not habe uns verbunden, wir müßten einander immer beistehen und helfen. Als ich so alleine da liege, ist Jesus bei mir und sagt: "Nur einer dankt, waren es nicht viele, denen ich gut war?" Ich antworte: "Herr, laß mich danken für alle. Ich will schon büßen für den Undank. Die Freude ließ sie an nichts mehr denken. Siehe, wie sie mich in ihrer Freude zertreten und verwundet haben, als ich ins Leiden fiel. Man könnte das für lieblos halten, aber rechne es ihnen nicht an."

Jesus sagt: "Errichte du eine Josefskapelle zur Erinnerung an diese Gnadenstunden. Ich verlieh dem hl. Josef die Macht, euch beizustehen und zu helfen." – "Herr, ich vertraue, Du wirst mir den Weg weisen, die Kapelle zu bauen." Jesus ist wieder bei mir und sagt: "Meine Seele, was der Priester nicht wagte, das sollst du jetzt vollziehen. Bringe das Dankopfer dar." – "Herr, wie kann ich das?" Jesus sagt: "Ich bin doch der Hohepriester im immerwährenden Opfer. Mit Maria und Josef bist du die Mitopfernde. Deine Sehnsucht, Mich zu empfangen, soll heute gestillt werden. Tue, was du dem Priester gesagt hast und forme deine Hände zu einem Kelch. Da hinein lege eine von deinen Hostien, die du besitzt. Ich selbst spreche die Lebensworte, und dann wirst du mit Mir vereint sein." Das Wunder geschieht. Mit Jesus bin ich ganz vereint im hl. Opfer. Als er die Wandlungsworte spricht, geht ein Zittern und Beben durch meinen Körper.

 

Freitag, den 22. März 1945

Drei Tage lag ich als Sühneopfer im Bunker. Nun stehe ich in meinen zerstörten Räumen. Am Passionssonntag, 18. März, erhielt unser Haus sechs Volltreffer. Es tut mir nicht leid. Hab und Gut opferte ich für alle im Dorf, damit nicht alles zerstört wurde. Nur eins tut mir leid, daß mein schönes Kommunionbild vom 3. April 1910 auch fort ist.

Jesus steht auf den Wolken als Hoherpriester im roten Gewand. In der Rechten hält er eine Hostie, in der Linken einen Kelch. Darüber ist Sein Herz, blutrot von goldenen Strahlen umgeben. Unter dem Bild stehen die Worte: "Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm." Wie es so oft war in all den Jahren, wenn ich nicht in die hl. Messe gehen konnte, hielt ich die geistige Kommunion an diesem Bild. Da ist Jesus an meiner Seite und sagt: "Kleine Seele, warum bist du traurig? Dieses Bild bekommst du wieder. Ich werde dir noch mehr schenken, wenn du ganz nach dem Willen Gottes lebst." Ich danke und sage: "Lieber Heiland, jeden Tag will ich mehr bemüht sein, mich ganz mit dem Willen Gottes zu vereinen. Gib Du mir Deine Gnade und Deinen Segen." Er ist fort und ich denke darüber nach, was Er mir noch mehr schenken könnte. Ich weiß doch, daß die hl. Kommunion das größte Geschenk Seiner Liebe ist.

 

Dienstag, den 20. März 1945

Man bringt mir etwas zu essen. Ich bin lahm, kann nicht aufstehen. Die Leute und die Kinder kommen nachts noch in den Bunker. Die Häuser sind voller Soldaten. Im Dorf sind 9 Tote zu beklagen, die nicht im Bunker waren. Eine Familie hat vier Tote und zwei aus einem anderen Haus. Sie waren in ihrem Keller. Eine Frau sagt, daß sie beim Vieh bleiben mußten. Das Vieh blieb am Leben, sechs Menschen fanden den Tod. Einer der Toten war ein Bauer, der auch Brot backte und uns schon mal eins gegeben hatte. In den letzten Tagen, da ich im Bunker lag und nicht kochen konnte, bat mein Mann den Bauern noch einmal um ein Brot. Der sagte: "Was ich noch habe, brauche ich selbst." Er saß am Fenster, als er von einer Granate getroffen wurde. Sie riß ihm den Kopf ab. So saß er acht Tage ohne Kopf am Fenster. Im Haus fand man noch 20 Brote, je fünf Pfund, Speck, Schinken und 20 Eimer Marmelade.

Ich sehe Maria als Friedenskönigin. Sie spricht: "Noch eine kleine Weile, dann wird Frieden sein für euch. Es ist nicht der echte, aber ihr werdet frei."

 

Mittwoch, den 21. März 1945

Heute habe ich Danktag zum hl. Josef für seine große Hilfe. Maria zeigt mir eine gefüllte Patene und sagt: "Das sind deine Opfer, ich trug sie zum Herrn." Ich kann heute noch nicht gehen.

 

Donnerstag, den 22. März 1945

Am Nachmittag gehe ich zu unserem Haus. Von sieben Räumen sind noch drei bewohnbar. Die Küche mit allem Zubehör ist noch ganz. Unser Eheschlafzimmer ist leer, nur von dem Hocker ist noch ein Stück da. In den anderen Zimmern steht nur noch wenig. Schutt liegt im Schlafzimmer und darauf meine Bücher und Briefe unversehrt. Ich erkenne, daß ich weiter schreiben muß. Ich stehe in dem leeren Raum und danke, denn ich hatte alles ja schon vorher geopfert. Das Bild von meiner 1. hl. Kommunion ist nicht mehr da. Wenn ich Sehnsucht hatte, legte ich mein Gesicht an dieses Bild und hielt traute Zwiesprache mit Jesus und bat Ihn, bei mir einzukehren ... Jesus war auf dem Bild und trug einen Kelch. Darüber schwebte – wie lebend – eine Hostie. Wie ich so dastehe, hüllt mich ein Licht ein und ich erschrecke, wie verklärt steht Jesus vor mir im weißen Gewand. Er sagt: "Sei nicht traurig, meine Seele, das Bild bekommst du wieder und noch mehr." Er ist fort.

 

Dienstag, den 27. März 1945

Bis zum 25. waren noch große Leidenstage. Die Gefahr ist noch groß, da die Front noch nahe ist. Heute gehe ich zum ersten Male wieder zum Hause des Herrn. In mein Glück versunken, bin ich auf dem Heimweg. Eine Bekannte spricht mich an und sagt: "Schauen Sie sich mein Haus an. Nur Trümmer sind es noch. Konnten Sie mir das nicht vorher sagen, daß so etwas über mich kommt? Sie sind daran schuld. Sie hätten mich warnen können!" Ich beruhigte sie und sagte: "Es liegt nicht in meiner Macht, die ganze Welt zu retten. Ich bin kein Prophet, der alles weiß. Ihr Gottvertrauen scheint nicht groß zu sein. Ein kleines Herz-Jesu-Bild wollte ich Ihnen geben, aber es war Ihnen zu klein. Im Glauben und Vertrauen hätte dieses Bild zur großen Hilfe werden können." Sie ging ihres Weges. Es tat mir weh, daß man so dachte. Mit Jesus trug ich heute die Schmach und Pein.

 

Karsamstag, den 31. März 1945

Mit Jesus leide ich in den Kartagen. Einsam und still weile ich heute am hl. Grab. Ich bin im Geschäft Dreesen, wo ich das Herz-Jesu-Bild hinbringen mußte. Freudig erzählt mir die Frau, daß ihnen kein Schaden zugefügt wurde. Es seien nur einige Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Unsere Kirche steht auch noch. Es ist nur ein Schaden am Turm. Dank Dir, Herr, daß Du uns das Gotteshaus ließest.

 

Sonntag, den 1. April 1945, Ostern

Meine Seele jubelt vor Freude am hl. Ostermorgen. Es schien, als wolle der Herr mich heute nicht teilnehmen lassen an Seinen Freuden. Ich bin so traurig. Da schreckt mich auf halbem Heimweg ein Licht. Jesus ist bei mir und sagt: "Warum bist du so traurig?" Ich erwidere: "Herr, Du weißt es ja." Der Herr spricht: "Groß ist die Zahl derer, die nichts wissen von dem Auferstandenen. Mit allen möchte Ich Auferstehung feiern. Oh, möchten Mich doch alle am Brotbrechen erkennen." Jesus will weitergehen. Ich bitte wie einst die Jünger von Emmaus: "Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden. Ja, bleibe bei uns allen."

 

Weißer Sonntag, den 8. April 1945

Ich denke mit Wehmut an meinen Weißen Sonntag vor 35 Jahren. Jesus zeigt mir eine Schar der Kleinen, die Ihn heute empfangen, die Er als Apostel in die Welt sendet. Er segnet sie besonders.

 

Mittwoch, den 11. April 1945

Heute treffe ich eine liebe Seele aus dem Ort Boseroth, Antoinette Lichtenberg. Ich gab ihr vor dem Beschuß viele Herz-Jesu-Bilder und sagte: "Sie müssen für Ihren Ort stehen und ich für meine." Sie erzählt: "Alle vom Dorf waren im Bunker. Ein Teil unserer Soldaten hatte sich festgesetzt. Wir befürchteten das Schlimmste. Da gedachte ich Ihrer Worte und habe mich entschlossen, nachdem alle gebetet hatten, nahm die weiße Fahne und steckte sie an das blutende Herz-Jesu-Bild. In der Rechten trug ich die Fahne, an der Linken hatte ich meinen Mann, den ich fast ohnmächtig mitzog. So ging ich den Amerikanern entgegen. Es fiel kein Schuß mehr. Alle waren wir wunderbar gerettet durch das heiligste Herz Jesu. Die Soldaten kamen in die Gefangenschaft.

 

Samstag, den 14. April 1945

Zu meinem lieben Jesus sagte ich: "Herr, Du bist noch kleiner geworden. Du gehst mit der Zeit. Wer ist so demütig wie Du?" Jesus sagt: "Mit Recht sagst du, daß Meine Gestalt noch kleiner geworden ist. Ich bin das Samenkorn, das von neuem hineingelegt wird in die Herzen der Menschen. Es wird herrliche Frucht bringen, da Meine Kirche bald im neuen Glanz ersteht. Bald ist der Weizen gesiebt, und der Triumph des Auferstandenen zieht durch die ganze Welt."

 

Sonntag, den 15. April 1945

Jesus zeigt mir eine große Herde. Sie tragen alle ein großes Kreuz. Es bedeutet, daß das Kreuz wieder zu Ehren kommt, denn ohne Kreuz ist kein Sieg.

 

Mittwoch, den 18. April 1945

Bis heute waren meine Leiden für die Gefallenen des Dorfes. Ich empfehle sie dem hl. Josef. Er führt mich in die hl. Stadt auf dem Berge Gottes. Von Gold und Edelsteinen ist sie gebaut. Dort lustwandeln die Seligen des Himmels. Ich sehe Maria kommen mit einer Schar Engel. Sie musizieren und streuen Blumen. Von jeder Blume fällt ein Licht auf die Erde. Das Licht leuchtet den Sterbenden, die St. Josef heimführt. Auch Jesus kommt mit Seinen Aposteln und vielen Priestern im Festgewand. Vor Freude rufe ich: "Wie schön ist die himmlische Heimat!" Ein Sehnen erfaßt mich. Dort möchte ich sein. Den Menschen möchte ich zurufen: "Oh, weinet doch nicht über eure zerstörten Städte und Dörfer. Die himmlische Heimat droben ist tausendmal schöner. Der Herr nahm euch das Irdische, das Vergängliche, um eure Blicke auf das Himmlische, das Ewige, zu lenken."

Die hl. Kommunion übergebe ich St. Josef. Sie wird zum Kinde, das von Strahlen umgeben ist. St. Josef opfert das Gotteskind dem himmlischen Vater für die Armen Seelen auf. Das Vaterherz wird weit von Liebe und Erbarmen, wenn der Sohn sich opfert als Kind. St. Josef segnet mich und will mir weiter hilfreich zur Seite stehen. Ich bitte auch um Segen für alle Lieben und die hl. Kirche.

 

Donnerstag, den 22. April 1945

St. Josef erklärt mir die Worte: "Er nahm zu an Alter und Weisheit vor Gott und den Menschen." – "Von klein an schützte ich den Gottessohn. Ich sah in wachsen. Ich durfte ihn schützen, und Er diente allen. Nun darf ich Seine Kirche schützen, deren Haupt Er ist. Ich liebte immer dieses hl. Haupt. Wer das Haupt liebt, der liebt auch die Glieder. Er diente allen und so dient auch die Kirche allen Menschen. So klein wie der Gottessohn war, so klein war auch die junge Kirche. So wie Er, nahm sie zu an Alter und Weisheit vor Gott und den Menschen. Nun ist von neuem ein Samenkorn in die Herzen der Menschen gelegt. Ich darf diese Kirche führen bis zum großen Triumph." – Am Nachmittag halten wir zum ersten Male wieder eine Dankprozession.

 

Montag, den 23. April 1945

Danktag für alles Gute in den Tagen der Not. Es erscheint mir der Tagesheilige. Ich erkenne St. Georg zuerst nicht. (Anmerkung: Der Tagesengel ist St. Hariel vom V. Chor der Gewalten, ein Engel der Endzeit, der Türöffner zum Herzen Jesu; St. Georg ist der Heilige des 23.4.) St. Georg spricht: "Auch ich war euer Schutz in den schweren Tagen. Noch eine kleine Weile, dann er klingen die Siegesglocken. Freude ist schon jetzt im Himmel über den neuen Triumph der Kirche. Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Harret aus in Gebet, Opfer, Sühne."

St. Markus erscheint mit der hl. Schrift und sagt: "Das Wort Gottes wird neu erklingen in aller Welt. Von allen Enden der Erde werden sie kommen und Christus annehmen."

Sühneleiden werden mir angekündigt; bis zum 28. eine große Verlassenheit.

 

Donnerstag, den 26. April 1945

Ich erfahre, daß manche einen gewissen Haß auf mich haben, weil ich ihnen die Verwüstung durch den Krieg und die Zukunft nicht sagte und auch nicht sagen konnte. Der Herr läßt mich sehen, wie böse das ist. Er sagt: "So sind die meisten Menschen. Wenn sie nicht Zeichen und Wunder sehen, glauben sie nicht. Nach den Gottesgeheimnissen verlangen nicht viele. Ich habe es auch dir verborgen und erst dann gezeigt, als dich niemand mehr fragen konnte. Sie können es den vielen Opfern, der Sühne und den Gebeten der stillen, verborgenen Seelen verdanken, daß nicht alles verwüstet wurde. Auf Mariens Bitte sandte Ich St. Michael in größter Not. Saget auch Dank dem hl. Josef, für das, was er tat für euch. Wo an einem Ort nur eine Opferseele ist, da ist der Ort gesegnet. Es müssen noch Opfer gebracht werden, damit auch die Schuldigen sühnen und den Weg zu Gott finden."

 

Freitag, den 27. April 1945

Heute endet meine Novene zum hl. Antonius. Sie war für eine Frau, die einmal steinreich war. Nun wäre sie zufrieden mit zwei Räumen, um ihrem kranken Gatten noch frohe Tage zu machen. St. Antonius half. Heute fahren sie zurück in ihre Heimat.

 

Samstag, den 28. April 1945

Ich gedenke meines verstorbenen Beichtvaters und Seelenführers. Ich darf ihn sehen. Er spricht: "Ich habe euch schützen dürfen in den Tagen der Not. Meine Bitten erhörte der Herr. Weiter darf ich die Kirche schützen und segnen, die ich liebte. In der Christnacht werde ich alle segnen, die eingehen in dieses Gotteshaus. Friede wird sein für euch, und ihr werdet singen ein neues Gloria! Segnend schwebt er aufwärts. Groß bist Du Gott in Deinen Engeln und Heiligen!

 

Dienstag, den 1. Mai 1945

Da knie ich vor deinem Bild
und mein Herz ist mit Jubel erfüllt.

Drinnen flüsterts und klingt lind,
Du, meine Mutter, und ich dein Kind.

Und kniete ich stundenlang hier,
nichts anderes sagte ich dir,

als Worte, die mir am liebsten sind:
Du, meine Mutter, und ich dein Kind.

So jubele ich heute der Maienkönigin zu. Ich bitte um eine Freude für alle und daß Maria uns helfe und die Geißel des Krieges von uns genommen werde. Oh,. Maria, laß doch deinen Monat ein Wonnemonat sein. Nach der hl. Kommunion sehe ich sie mit dem Jesuskind. Eine große Schar von Engeln umgibt sie. Sie spricht: "Siehe, ich verkünde euch eine große Freude. Wie einst die Engel von Bethlehems Fluren den Heiland verkündeten, so schenke ich Ihn von neuem der Welt. Nur noch eine kleine Weile, wenn durch den Heiligen Geist die Erde erneuert wird, dann erklingen die Friedensglocken." Freude durch Maria ist der Tag heute.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 4. Mai 1945

Wir beten: "Herz Jesu, Du Sehnsucht der ganzen Schöpfung." Da sehe ich Jesus verklärt. Wie ein Schleier ist sein Gewand, das von Feuer durchflutet ist. Sein Herz leuchtet wie Feuer durch das Gewand. Ungezählte Hände sehe ich flehend sich zum heiligsten Herzen erheben.

 

Priestersamstag, den 5. Mai 1945

Der Tag ist für meinen verstorbenen Beichtvater. Beim hl. Opfer Rauch vom Altar aufwärts. Es ist kein Weihrauch. Der verstorbene Beichtvater erscheint und segnet meinen neuen Beichtvater. Der Herr zeigt mir durch den aufsteigenden Rauch, daß es der Weihrauch des Gebetes ist und Sein Wohlgefallen auf dem Priester ruht.

 

Mittwoch, den 9. Mai 1945

Ich fühle mich so verlassen, so schwach, so müde und matt. Ich bin auch hungrig. Von dem klage ich Jesus meine Not. Jesus spricht: "In dieser Osterzeit hast du die Leiden der Apostel und Jünger getragen. Darum brauchtest du mehr Nahrung. Solange Ich bei den Jüngern weilte, durften sie auch essen und sich freuen. Nach Meiner Himmelfahrt mußt auch du wieder Opfer bringen."

 

Donnerstag, den 10. Mai 1945, Christi Himmelfahrt

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus segnend auf einer Wolke stehen. Ich weine, es ist Sehnsucht. Ich möchte aufgelöst werden, um bei Christus zu sein. Noch muß ich den Willen Gottes erfüllen.

 

Sonntag, den 13. Mai 1945

Vom Freitag bis heute trug ich die Leiden der Dornenkrone für die Sünden wider den Heiligen Geist. Dann kommt eine schöne Zeit.

 

Sonntag, den 20. Mai 1945, Pfingsten

Nach der hl. Kommunion sehe ich ein helles Kreuz aus lichten Wolken kommen. Es leuchtet wunderbar, als Maria naht. Der Heilige Geist hüllt das Ganze ein. Sein Licht erhellt die Erde und dringt ein in die Herzen der Menschen. Am Nachmittag nach der Andacht komme ich nicht mehr weiter und setze mich in den Graben. Ich höre ein seltsam schönes Lied. Es neigen sich die Blumen wie im Reigen; Bruder Wind säuselt leise. Ich lade die ganze Schöpfung zur Anbetung und zum Lobe Gottes ein. Ich trage Jesus noch, unberührt von jeder Speise und jedem Trank.

 

Mittwoch, den 23. Mai 1945

Die Gnadenmutter von Hardenberg umgibt mich schon einige Tage. Sie tut so geheimnisvoll. Heute spricht sie: "Eine große Freude wird dir zuteil. Die erste warst du im Dorf, die ihren Sohn opfern mußte. Die erste wirst du sein, der nun Freude zuteil wird." Sühne ist heute für den Haß, Neid und all die Morde.

 

Donnerstag, den 24. Mai 1945

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus im weißen Gewand. Er trägt eine rote Stola. Verwundert frage ich: "Herr, was bedeutet das? Ich weiß, daß Du mir Freude bringst. Sage aber, mein Heiland, warum trägst Du die rote Stola?" Der Herr antwortet: "Ich habe dich in die Zahl der Märtyrer aufgenommen. Deine himmlische Mutter flehte für dich, weil du jeden Tag zu ihr um den Tod der Liebe betest. Ich erhörte ihre Bitte. Du wirst von dieser Stunde an ein großes Sehnen in dir tragen nach dem Geliebten Deiner Seele. Du wirst alle Tage weinen nach mir und dem Himmel. Das Sehnen wird so groß werden, daß jeder Tropfen Blutes dadurch aufgezehrt wird. Wie eine Blume welkst du dahin. Man wird vor Rätseln stehen. Nichts erfreut dich mehr. Du hast nur Freude in Mir und Meinem Hause. Eine Opferhostie bist du, die aufgeht in Mir. Ich suche noch mehr Seelen, die Meine Opferhostien werden. Sie müssen sich von der Welt ganz lossagen."

Danke, Herr, ich bin nicht würdig. Welch große Gnade. Ich darf Märtyrer der Liebe sein. Nimm mich, wie Du willst. Nimm mein Blut und Leben, jede Träne, zur Rettung der Seelen.

 

Mittwoch, den 30. Mai 1945

Am Montag hatte ich große Freude. Mein Willy kehrte heim aus russischer Gefangenschaft. Heute knie ich vor der Muttergottes. Das Jesuskind hebt siegreich das Kreuz, das wie Licht ist und wie Gold erscheint. Das Kreuz kommt wieder zu Ehren.

 

Mittwoch, den 30. Mai 1945, Fronleichnam

Nach langen Jahren zieht die Prozession wieder durch die Straßen und Fluren. Ich schaue eine Hostie mit Strahlen, die sich auf die Erde senkt. Mein Gott und mein Alles! Zu Deiner Ehre, oh Herr, will ich niederschreiben die Ereignisse und Begebenheiten meines Lebens, die mich immer inniger mit Dir, meinem höchsten Gut, verbunden haben. Dir, Meinem Heiland, habe ich mich für immer geweiht. Dein bin ich im Leben und im Tode. Mache mich zuerst heilig und dann heilige all die anderen, die ich Deinem heiligsten Herzen empfohlen habe. Gib mir zu allem Deine Gnade. Amen.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 1. Juni 1945

Herz Jesu, Du sollst allein in Meinem Herzen König sein. Wir beten: "Herz Jesu, Wonne aller Heiligen." Ich darf Jesus schauen, umgeben von allen Engeln und Heiligen und den Märtyrern. Große Sehnsucht erfaßt mich wieder. Oh, könnte ich schon bei Dir sein, Mein Herr und Mein Gott. Nichts ist mir mehr Freude als Du, meine gekreuzigte Liebe, die so wenig geliebt wird.

 

Dienstag, den 5. Juni 1945

Nach der hl. Kommunion zeigt mir Jesus erneut eine Schar der Beladenen, die Hilfe und Trost brauchen. Noch mehr Barmherzigkeit soll geübt werden in diesem Jahr. Ich sehe die neue Zeit, geheiligt im Heiligen Geiste. Bis dahin müssen noch große Opfer gebracht werden. Die Menschheit muß wieder neu die Demut und die Nächstenliebe lernen, die zur wahren Gottesliebe führt.

 

Freitag, den 8. Juni 1945

Ich trage heute die Leiden der Dornenkrone. Das göttliche Herz darf ich wieder sehen als Wonne aller Heiligen. Dann sehe ich Jesus als König auf Seinem Thron. Sein Herz leuchtet schöner als die Sonne. Engel und Heilige beten an das göttliche Herz.

 

Sonntag, den 10. Juni 1945

Es ist Abend. Mit Inge will ich Nachtwache halten. In letzter Zeit wurde so viel Raub und Überfälle durch die Polen ausgeführt. Ich höre schon ihre Stimmen. Darunter ist auch eine Frau, die sehr laut lacht. Sie kommen bis an meinen Garten. Es sind sechs Personen. Sie setzen sich und überlegen, wie sie es machen sollen. Dann lachen sie alle und erheben sich. Es ist schon Mitternacht.

Ich halte das Scheyrer Kreuz gegen sie und flehe: "Herr, zeige Deine Macht in diesem Zeichen! So oft hast Du geholfen. Laß auch diese, die nun sündigen wollen, anderen Sinnes werden!"

Da erhebt sich plötzlich ein furchtbarer Sturm und ein Unwetter zieht auf. Die Übeltäter fliehen. Ich danke dem Herrn für diesen sichtbaren Schutz. Zu meiner Tochter sage ich: "Nun können wir schlafen gehen. Bei diesem Unwetter kommt niemand mehr." So wurde bei mir das Wort des Herrn zur Wahrheit: "Rufe Mich an in der Not, Ich will dich erretten."

 

Dienstag, den 12. Juni 1945

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus leuchtend als Erscheinung von Mirebeau. Dann schaue ich das blutende Herz Jesu. Das Blut fließt in Strömen. Vor dem Bild kniet versunken der Priester, das Schlachtopfer des Herrn. Durch dieses Bild wird viel geschehen. Das wird anerkannt werden. Eine große Zahl Sünder wird gerettet werden. Danken wird man für manche Hilfe in der Not, in Gefahren und Krankheit.

 

Mittwoch, den 13. Juni 1945

Herz Jesu, Sehnsucht der ewigen Hügel. Ich sehe die Berge der Gottheit. Sie sind dunkel und steil. Unten ist der Aufstieg mit Dornen übersät. Ich sehe viele Gestalten, die aufsteigen. Unten stehen Menschen, händeringend und flehend. Ihr Blick geht zu den Höhen.

 

Donnerstag, den 14. Juni 1945

St. Meinolf kündigt seine Hilfe an in dieser schweren Zeit. Er hilft auch, daß das Kreuz wieder zu Ehren kommt und der Glaube neu belebt wird. Auch ich darf auf seine Hilfe bauen.

Die Muttergottes tut mir kund, daß sie es alleine ist, durch die wir den Berg der Sehnsucht besteigen können. Sie zeigt mir noch mehr Not und Elend und bittet, noch mehr die Werke der Barmherzigkeit zu üben.

 

Dienstag, den 19. Juni 1945

Herz Jesu, Thron der ewigen Liebe! Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus als König auf Seinem Thron, der von vier Seiten von Stufen umgeben ist. Cherubim und Seraphin umgeben Ihn. Sein Herz leuchtet. Engel und Heilige nahen mit Harfen und Palmen. Es ist fünf Uhr am Nachmittag. Von meinem Rosenkranz, der auf der Konsole liegt, sehe ich Rauch aufsteigen. Ich denke, daß etwas brennt. Ich schaue nach. Es kommt von der Stelle, wo der Rosenkranz und die Herz-Jesu-Medaille hängen.

Dann höre ich Jesu Stimme: "Ich bin das Brandopfer der Liebe. Mein Herz brennt Tag und Nacht. Die Glut der Liebe erlischt nie. Wo ein Bild Meines Herzens verehrt wird – mag es auch noch so klein sein –, da steigt der Weihrauch des Gebets und der Opfer hinauf zum Vater." (Auch Maria Magdalena wurde ein Brandopfer. Sie starb am 11. Januar 1984 in ihrem Zimmer in den Flammen, die durch Weihnachtskerzen ausgelöst wurden.)

 

Donnerstag, den 21. Juni 1945

Heute sehe ich den hl. Aloisius (von Gonzaga, 1591, Jesuit, Patron von Mantua und der Jugend) mit den reinen Seelen am Throne der Liebe. Nach der hl. Messe helfe ich bei der Ausgrabung von Frau Schellenberg, der Tochter des Nachbarn, die im Beschuß ihr Leben ließ. Ihr Vater bat meinen Mann, bei der Ausgrabung zu helfen. Ich witterte noch etwas anderes dabei. Man hatte daran gedacht, den Pelzmantel und die Stiefel zu retten, auch das Collier, den Ring und die Tasche mit den 640 Mark. Ich holte mir noch eine Zeugin aus dem Dorf. Die Tote lag auf einem Brett. Das Grundwasser hatte den Mantel und die Stiefel schon ganz verdorben. Der Hals war frei, ein Collier hatte sie nicht mehr. Ob der Schmuck und das Geld noch dort waren, ließ sich nicht feststellen. Der Totengräber sagte: "Keiner faßt die Frau an, sonst werfe ich das Grab gleich wieder zu. Wir sterben sonst an Leichenvergiftung."

Von allen Seiten wurden Kabel nach unten geleitet und an Armen und Beinen befestigt. Männer und Frauen zogen die Tote hoch. Dann schoben wir die eine Sarghälfte unter den Körper. Das war eine schwere Arbeit. Unsere Gesichter hatten wir verhüllt und Hände und Arme mit Lysol eingerieben. Das brannte wie Feuer. Der ganze Friedhof war voll der Pestluft. Die Männer schaufelten das Grab zu. Später kam die Nachbarin und klagte, warum wir nichts gefunden hätten. Wäre ihr Mann dabei gewesen, hätte er seiner Tochter den Finger abgeschnitten, um den Ring zu bekommen. Ich sagte ihr, ihr Mann solle sich schämen wegen solcher Gedanken. Ich schreibe dieses Erlebnis nieder als abschreckendes Beispiel. Die Tote lag, ehe sie begraben wurde, eine ganze Nacht draußen, an der Stelle, wo sie zu Tode kam. Da ist sie ausgeraubt worden.

 

Freitag, den 29. Juni 1945

Bei der hl. Wandlung sehe ich, daß die hl. Hostie zur Sonne wird. Herz Jesu, Du Sonne der Gerechtigkeit, ich bete Dich an. Jesus sagt: "Die Herz-Jesu-Medaille an deinem Rosenkranz hat Wunderkraft für Kranke und Sünder. Sprich dreimal: 'Herz Jesu, Brandopfer der Liebe, er barme Dich der Kranken – oder der Sünder.' Dann dreimal den Segen der Dreieinigkeit damit geben."

 

Montag, den 2. Juli 1945, Maria Heimsuchung

Maria reicht mir eine große spitze Dornenkrone, die ich den ganzen Monat tragen darf zur Sühne. Das große Sehnen ist über mich gekommen. Herr, wieviel Geduld muß ich noch haben bis zu dem Tage, da Du mich holst zu Dir? Ich lebe aber in dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe, daß mich jeder Tag näher bringt zu Dir. Bleibe bei mir, oh Jesus, daß ich ausharre bis ans Ende. Jesus zeigt mir darauf am Kreuz Seine hl. Wunden. Ganz trocken sind sie und aufgerissen. Bei jeder Bewegung, die der große Schmerz verursacht, bluten sie von neuem. Der Anblick ist so furchtbar, daß ich weinen muß. Wenn das einmal alle Sünder sehen würden, sie würden sich alle bekehren.

 

Mittwoch, den 4. Juli 1945

Ich knie vor dem Herz-Jesu-Bild. Der Herr schaut so traurig, und doch geht ein Leuchten über seine Züge. Schon vier Wochen sehe ich bei der Muttergottes ein kleines Licht. Was mag es wohl bedeuten?

 

Samstag, den 7. Juli 1945

Wieder schaue ich seit Tagen die Berge Gottes. Größer wird die Sehnsucht nach der ewigen Heimat. Mit Jesus im Tabernakel fühle ich mich einsam und verlassen. Ich bin bei Ihm, dem Gefangenen der Liebe. Schwester Sonne lade ich ein zur Anbetung. Ja, sie kommt. Der Altar ist eingehüllt in Strahlen. Es ist ein schönes Bild. Eingehüllt in diese Strahlen sind Engel, die mit mir Anbetung halten.

 

Dienstag, den 10. Juli 1945

Wieder knie ich in der Stille des Tabernakels. Ich lade Schwester Sonne wieder zur Anbetung ein. Sie kommt auch. Ihre Strahlen sehen heute wie Leitern aus, auf denen Engel auf- und niedersteigen. Mir ist so wohl und mein Herz ist voller Freude bei meinem verborgenen Gott, daß ich hierbleiben möchte. Aber die Pflicht ruft.

 

Mittwoch, den 11. Juli 1945

Ich stehe vor einer grausigen Grabstätte in Ittenbach. Das Haus ist fort mit neun lieben Menschen, bei denen ich oft weilte und ihnen Trost in schweren Stunden brachte. Von Frau Schneider fand man nur noch den Kopf und vom vier Monate alten Enkelkind Ärmchen und Beinchen. Öde und leer ist alles, ein Greuel der Verwüstung. Stücke fand man auch von den anderen. Die beiden Jungen von neun und zehn Jahren fand man gar nicht mehr. Sie waren alle so brav und fromm. Das geschah bei einem Bombeneinschlag am 15. März. Ich bete und weine.

Heute begleitet mich das Licht, der kleine Stern, auf dem Heimweg, den ich immer bei der Muttergottes sehe. Ich höre eine Stimme: "Ich bin es, deine Schwester Juliane. Ich darf um dich sein." Dann ist es wieder still. Einsam und in Gedanken an die Toten gehe ich weiter meinen Weg.

 

Donnerstag, den 12. Juni 1945

Nur wer die Sehnsucht nach Gott kennt, weiß, was ich leide. Sterben möchte ich. Da ist Jesus bei mir und sagt: "Ich werde immer bei dir sein, wenn du dich Mir schenkst, kleine Seele. Sei nicht traurig, sondern freu dich in Mir." Oh, mein Jesus, wie gut bist Du! Ich will mich immer freuen in Dir. Ich liebe Dich ja über alles in der Welt.

 

Sonntag, den 15. Juli 1945

Der hl. Schutzengel spricht zu mir: "Gehe einmal in den Garten." Ich tue es, weiß aber nicht, warum. Ich nehme mir, falls ich etwas finden sollte, ein kleines Eimerchen mit, in das ich ein wenig Fallobst legen will. Da sehe ich meinen Nachbarn Franz Breuer in seinem Garten sitzen mit seiner Frau. Er ist sehr krank, und seine Züge sind schon vom Tod gezeichnet. In der vergangenen Woche empfing er die Sterbesakramente. Er ist sehr erregt, schimpft über den gerechten Gott und die Kirche. Ab und zu geht ein furchtbarer Fluch hinauf zum Himmel. Ich trete näher und weise den Kranken zurecht. Er wird aber noch böser und sagt mir: "Was habe ich getan, daß ich so leiden muß. Ich habe keinen umgebracht, habe nicht geraubt und geplündert. Ein gerechter Gott?"

Ich beruhige ihn erneut und sage: "Was Sie da sagen, das sagen alle, die Gott verlassen haben. Er ist schon gerecht. Sie aber haben Seine Gebote nicht immer gehalten, wie Gott es will. Also war Ihr Handeln nicht gerecht. Für diese Strafe, die Sie verdient hätten, läßt Er Sie hier noch leiden. Das ist doch erträglicher wie die Hölle oder das Fegefeuer. Danken sollten Sie, daß Gott Ihnen noch Zeit zur Buße läßt." Mein Nachbar wird ruhiger und schweigt. Ich rede noch einige liebe Worte, dann gehen wir alle zum Abendessen. Ich bete im Stillen: Herr, vergib ihm, er weiß nicht mehr, was er tut. Nimm die Seele her zu Dir, bevor sie wieder in die Gewalt Satans fällt. Wenn es Dir gefällt, lade die Schuld auf mich und laß mich für ihn Buße tun.

 

Freitag, den 20. Juli 1945

Für diese Schuld trug ich bis heute die doppelten Leiden der Dornenkrone. Nach der hl. Messe umgibt mich ein Licht. Der hl. Engel zeigt mir eine Seele im Banne der schweren Sünde. Wie häßlich sieht sie aus, wie die dunkle, schwarze Nacht. Einen Teil dieser Seelen nehme ich an, besonders die, welche die unreinen Sünden verunstalteten, damit ich leide für sie. Auch eine Schau der Seelen mit den läßlichen Sünden habe ich. Wenn auch durch die Kreuze die Todsünde keinen Eingang findet, so wird das Lichtgewand der Seele sehr getrübt.

Schön und leuchtend sind die Seelen, die wirklich Tempel des Heiligen Geistes sind. Sie strahlen wie die Sonne. Sind selbst Sonnen. Die Sünder finden durch die Sonne die wahre Sonne: Jesus Christus. Schwer sind meine Leiden für die Sünden des 6. Gebotes. Am Abend klagt mir die Nachbarin ihre Leiden, die sie in gewisser Hinsicht durch ihren kranken Gatten erdulden muß. Ich schaue wieder einmal in ein Marterleben hinein.

 

Sonntag, den 22. Juli 1945

Maria Magdalena erscheint mir und läßt mich teilhaben an ihrer Freude, als sie den Herrn nach der Auferstehung sah. Eine zweite Freude kündigt sie mir an, die Bekehrung einer Frau, evakuiert, die auch Maria Magdalena heißt. Ich bete viel für sie und segne sie, so oft ich an ihrem Hause vorbeikomme. Heute ist sie in der Kirche.

 

Montag, den 23. Juli 1945

Kaum kann ich gehen, so schmerzhaft sind die Leiden der Dornenkrone. Es ist für meinen Nachbarn, damit der seine Gedanken nicht auf Sinnlichkeit, sondern Gott zuwendet. Der hl. Appolinarius umgibt und tröstet mich. Heute möchte ich das Gotteshaus gar nicht verlassen. Sehnsucht und Liebe fesseln mich, bei Ihm, dem Geliebten meiner Seele, zu bleiben. Aber die Pflicht gebietet mir die Trennung. Er ist ja bei mir, geht mit mir heim und hilft mir, die Pflicht zu erfüllen. Ich bitte Schwester Sonne wieder, ihre Strahlenkinder zu senden. Sie tut es. Wieder bildet sich eine Leiter, darauf Engel auf- und niedersteigen.

 

Donnerstag, den 26. Juli 1945

St. Anna darf ich schauen auf einem schönen Thron. Maria kommt mit einer Engelschar, die ihr huldigt. Mutter Anna, sei auch von mir gegrüßt aus diesem dunklen Erdental.

 

Sonntag, den 28. Juli 1945

Ich leide sehr in dieser Woche für den Nachbarn. Die Frau kam wieder und weinte. Ich bitte innig, daß der Herr helfen möge, daß Er die Schuld mir aufbürgen und den Mann bald heimholen möge. Ich bitte auch den hl. Antonius um Hilfe. Ein Lächeln ist seine Antwort. Heute erscheint mir die Schmerzensreiche. Sie zeigt mir ihr Herz, von sieben großen und vielen kleinen Schwertern durchbohrt. Sie spricht: "Siehe die vielen Wunden in meinem Herzen. Die Schwerter haben sie geschlagen. Es sind die Quellen des Heils für die kranke Menschheit. Wenn eine kranke Seele von diesen Gnadenquellen trinkt, so wird sie gesunden, und ich kann sie hinführen zur ewigen Quelle, zum Herzen meines göttlichen Sohnes, wo sie trinken darf vom Born des ewigen Lebens."

 

Sonntag, den 29. Juni 1945

Die Leiden der Dornenkrone sind über Nacht so groß geworden, daß die Augen fast zu sind. Ich kann kaum noch sehen. Ich leide es gern, wenn nur der Seele Licht gegeben wird. Die Schwester meiner Nachbarin sagt, daß er bewußtlos wäre. Meine Sehnsucht nach Jesus, nach dem Himmel, ist sehr groß heute. Ich bitte, daß dieses Verlangen und Sehnen in die Seele des Kranken übergehen möge, damit sie Ruhe und Frieden finden möge.

Nach der hl. Kommunion schaue ich Berge, von Dornen übersät. Auf jedem Dorn ist eine Rose. Auf der Spitze des Berges steht der Herr. Er ist nur Licht, von einer Wolke umgeben. Aus der Wolke kommt ein helles, strahlendes Licht: der Heilige Geist. Herz Jesu, Sehnsucht der ewigen Hügel, erbarme dich unser. Ich höre: "Ich nehme dir für kurze Zeit alle Freuden. Wie nichts erscheint dir die Welt. Eine große Verlassenheit umgibt dich. Es dient alles dazu, die Seele zu retten, für die du leidest." Oh, Jesus, Dir will ich ergeben sein. In Freuden und Leiden gehöre ich Dir allein.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 5. August 1945

Der Nachbar ist wieder zu sich gekommen. Er quält die Frau von neuem. Ich knie mich nieder und bitte das heiligste Herz Jesu: "Herr, nimm diese Seele und wasche sie rein in Deinem Blute, damit der unreine Geist sie nicht mehr quält. Gern nehme ich einen Teil ihrer Leiden auf mich, aber kürze ihre Lebenszeit ab." Auch den hl. Antonius flehe ich an: Mein lieber Bruder hilf mir, hilf der Seele, hilft der Frau. Antonius ist bei mir und sagt: "Vertraue auf meine Hilfe mit Maria und den anderen Heiligen. Du aber mußt noch schwere Leiden auf dich nehmen, damit die Barmherzigkeit herabkommt auf die Seele. Die Hölle kämpft mit Gewalt um sie."

 

Montag, den 6. August 1945

Es ist vier Uhr nachmittags. Meine Nachbarin holt mich. Ihr Mann ist wieder besinnungslos. Ich setze mich zu ihm ans Krankenbett und bete für ihn, damit der Teufel keine Gewalt mehr über ihn habe. Ich bleibe bis acht Uhr abends bei ihm.

Gestern Abend kehrte mein Sohn Theo heim. (Aus der Gefangenschaft in Italien.) Ich bin ganz erstaunt, weil ich vor kurzem sah, wie man ihn abführte, damit er erschossen würde. Er sagte auch, daß er zum Tode verurteilt worden sei. Wie ein Wunder war es, daß er in letzter Stunde frei kam. Auch hier erfuhr ich die Macht des Gebetes.

 

Mittwoch, den 8. August 1945

Gestern kam der Kranke zu sich. Er liegt ruhig. Am Abend war es wieder hoffnungslos mit ihm. Heute ist es noch schlimmer. Zeitweise ruft er: "Jesus, Jesus, komm zu mir!" Dann liegt er wieder still und winkt nur. Ich weiß es, er sieht den lieben Heiland. Wie schön ist es, eine Seele zu Gott zu führen. Ich rate der Frau, den Arzt zu holen und den Priester.

 

Freitag, den 9. August 1945

Schwer sind meine Leiden heute. Ich erkenne, daß noch viel getan werden muß für die Seele des Sterbenden. Ich werde geholt. Ich erkenne, daß der Mann nur noch Stunden zu leben hat. Das sage ich auch, finde aber keinen Glauben. Man holt keinen Arzt, man holt keinen Priester mehr. Hier bin ich allein auf die Hilfe und den Beistand Gottes angewiesen. Ich gehe in meine Wohnung, um Gebetbuch, Rosenkranz, Kreuz und Weihwasser zu holen. Dann lasse ich mir ein wenig Licht machen. Seine Lippen sind wie verbrannt von innerer Hitze und Qual. Mit einem Stäbchen, das ich mit Mull umwickelt habe, benetze ich seine Lippen mit Wasser. Er beißt sich fest und saugt das Wasser heraus. Ich bete den Rosenkranz und segne den Kranken oft. Weil man mir nicht glaubte, geht bis auf die Tochter alles zur Ruhe. Dann geht auch sie. Es tritt Herzensnot ein, Todesschweiß zeigt sich. Ich halte den schweren Mann auf meinen schwachen Armen. Wiederholt bete ich den Exorzismus. Jeden Seufzer und alle Not des Sterbenden opfere ich für seine Schuld, damit Gott ihm ein gnädiger Richter sei.

Der Kranke hört und versteht, denn er weint. Ich bitte seinen Schutzengel, seine Reuetränen zu Gott zu tragen. Um 12.30 Uhr erwacht die Frau: "Ach, Frau Meyer, Sie sind noch immer da? Wollen Sie etwas essen?" Ich antworte: "Ich esse in der Nacht nichts. Die Zeit ist auch überschritten, ich gehe nachher zur hl. Kommunion." Sie sagt: "Dann werde ich noch schlafen." Es ist morgens vier Uhr, da ist auf einmal bei dem Sterbenden ein rotes Licht, wie die Sonne so groß. Sehe ich dies bei einem Sterbenden, lebt er höchstens noch zwei Stunden. Die Frau wacht wieder auf und wundert sich, daß ich immer noch am Sterbebett sitze. Sie meint, ich sollte jetzt doch ein wenig schlafen. Ich sage: "Ein Opfer muß ganz gebracht werden. Jetzt, wo der Kranke die größte Hilfe braucht, darf ich nicht versagen." Sie glaubt mir nicht. Ich sage ihr, daß sie alle wecken soll, damit sie die letzte Stunde um den Sterbenden sind. Zögernd tut sie es.

Dann lege ich dem Sterbenden ein Reliquienkreuz von seiner Mutter auf und mein Scheyrer Kreuz. In dem Kreuz sind Reliquien von den 14. Nothelfern. Mit der Muttergottes, dem hl. Josef und dem hl. Franziskus rufe ich die 14 Nothelfer an. Sie kommen; ich sehe sie. In dem Augenblick hebt der Sterbende die linke Hand hoch und winkt. Als die Heiligen entschwinden, winkt er wieder. Was ich sah, das sah er auch. Ich weiß nun, daß er bereit ist, zu gehen, daß seine Seele rein ist, vor Gott zu erscheinen. Ich danke.

Die Anzeichen der Auflösung werden sichtbar, es ist fünf Uhr und zwanzig Minuten. Er sucht die Frau. Ich bitte sie, meinen Platz einzunehmen und Abschied von ihrem Mann zu nehmen. Sie sagt: "Auf Wiedersehen, Franz." Ich ergänze: "Auf Wiedersehen im Himmel." Er wird blaß, Herz und Puls schlagen nicht mehr. Nach zwei Minuten schlägt er die Augen wieder auf. Sein Blick ist gebannt auf seine Frau gerichtet. Was mag er haben? Die Augen schließen sich wieder. Da, er kommt wieder zurück. Sein starrer Blick heftet er sich an seiner Frau fest. Im Gebet wurde es mir gegeben; es geht um die Enkelkinder, die sie bei sich haben, deren Mutter im Beschuß getötet wurde und deren Mann in Gefangenschaft ist. Ich sage der Frau, sie solle ihrem Mann versprechen, die Kinder nie zu verlassen. Das Versprechen fällt ihr schwer, weil sie doch nicht die rechtmäßige Großmutter ist. Der Sterbende wartet, fast bittend wird sein Blick.

Ich bitte: "Ist das Versprechen denn so schwer? Der Herr wird schon helfen. Ich würde den Kleinen von vier Jahren zu mir nehmen." Da sagt sie: "Franz, ich sorge für die Kinder. Ich verlasse sie nicht." Da, ein letzter Atemzug, drei Tränen, die ich trockne, und die Seele ist hinüber in die ewige Heimat. Ich drücke dem Toten die Augen zu und bete die Gebete nach dem Verscheiden. Dann mache ich den Toten ganz fertig.

Dann knie ich vor dem Herz-Jesu-Bild: "Herr, freust Du Dich jetzt? Die Seele habe ich Dir nun wieder geschenkt. Du hast ja so gerne reine Seelen. Nun darfst Du mir eine andere schenken, die ich zu Dir führen darf." Der Herr lächelt und ein Leuchten geht über Seine Züge. St. Antonius ist bei mir und sagt: "Auf den Toten passen die Worte des heutigen Evangeliums, er mußte auch durch Feuer geläutert werden." Dann schenke ich dem Verstorbenen die hl. Messe und die hl. Kommunion. Jesus sagt: "Er wird erlöst, wenn deine Leiden für ihn beendet sind und er dadurch das Hochzeitsgewand verdient hat."

 

Sonntag, den 19. August 1945

Bis heute elf Uhr war ich sehr krank, alles für meinen Nachbarn. Ich bin noch nicht ganz hergestellt, kann aber zur Kirche gehen.

 

Montag, den 20. August 1945

Ganz krank bin ich wieder durch das Unwetter. So schwer legt sich alles auf mein Gemüt daß ich nur weine. Jesus ist bei mir und sagt: "Meine Tochter, Ich kenne deine Sehnsucht, deine Seufzer höre Ich und sehe deine Tränen. Sei nicht traurig, wenn du einmal den Willen anderer erfüllen mußt, das dich scheinbar von Mir ablenkt. Ich bin doch bei dir und verwandle Trübsal in Freude." (Maria Magdalena mußte am Vortag ihren Mann ins Kino begleiten.)

 

Samstag, den 25. August 1945

Maria als Königin der Freude umgibt mich. Sie sagt: "Du darfst nun ein wenig Freude empfangen. Nicht den ganzen Monat leidest du für den Nachbarn. Nach dem 21. November gehen die Leiden für ihn weiter."

 

Montag, den 27. August 1945

Heute verreise ich nach Gelsenkirchen und nach Herten zu meinem lieben Bruder Heinrich Johannes. Die Reise ist sehr beschwerlich. In Köln erinnert der Herr an Seine Worte: "Wenn ihr den Greuel der Verwüstung sehet, dann erhebet eure Häupter." Ich schaue auf den Dom, dessen Türme wie Mahnzeichen über der zerstörten Stadt ragen. Dann taucht das andere Bild auf, wo die Türme fehlen. Das geschieht in der zweiten Zeit, wie es der Herr sagte. Der Herr zeigt mir auch die Not unserer Tage, weil die wahre Liebe fehlt. Ich sehe viele, die ihr Brot trocken essen.

Abends bin ich erst in Rheinhausen. Der Zug soll erst am Morgen um 8.30 Uhr weiterfahren. Dann nimmt uns ein Güterzug mit.

 

Dienstag, den 28. August 1945

Es ist sechs Uhr früh. Wir sind in Wanne-Eickel. Dann bin ich bald bei meinem lieben Bruder und allen seinen Lieben. Wie groß ist die Freude des Wiedersehens. Ich betrachte ein schönes Bild der Muttergottes, das in Josefas Schlafzimmer hängt. Wie ein Mädchen von 15 Jahren sieht Maria aus. Das Bild belebt sich und Maria zeigt mir, daß sie so war, als sie den Heiland empfing. Ich sehe sie bei der Verkündigung überrascht und nachdenkend im Gebet. Bei der Empfängnis hüllt sie ein Licht ein. Dank und Andacht ist ihr Blick bei der Geburt Jesu. Alles verschwindet und ich sehe den 12-jährigen Christus, der die Züge Mariens trägt.

 

Freitag, den 31. August 1945

Gestern lernte ich die große Opferseele Hedwig Bernert kennen. Die Liebe vereinte uns gleich. Heute bin ich mit meinem Bruder Heinrich Johannes in Essen bei meiner lieben Mutter Anna Hillker. Ich bringe ihr die Heiligtümer vom blutenden Herz-Jesu-Bild wieder zurück. Das war ja auch der tiefe Grund meiner Reise. Das andere – noch mehr als ich in Aufbewahrung hatte – liegt unter den Trümmern. Mutter Anna ist arm geworden. In der Sedanstaße waren sechs Häuser ihr Eigentum. Sind alle dem Erdboden gleich. Sie hat noch ein ganz blutbeflecktes Herz-Jesu-Bild. Bei der Betrachtung sehe ich nur Blut, sodaß ich weinen muß.

 

Samstag, den 1. September 1945

Heute ist mein vierter Verlobungstag mit meinem lieben Jesus. Im St. Elisabeth-Kloster bin ich in Essen. Ich bin so glücklich und froh bei den vielen Schwestern. Meine liebe Mutter Anna führt mich dort hin. Jesus und Maria in weißen Gewändern und von Engeln umgeben grüßen mich. Nach der hl. Messe fahre ich nach Gelsenkirchen zu meinen Schwiegereltern. Ich sehe vorerst die furchtbare Zerstörung der Stadt und der Kirche. Ich gehe in die Propsteikirche am Neumarkt. Tot ist alles, ausgebrannt. Da steht ein Schild: "Betreten auf eigene Gefahr." Ich fürchte nichts. So oft kniete ich hier, als der Herr hier wohnte. Nun hat Er den Tabernakel verlassen. Nichts ist mehr von all der Schönheit. Nur ringsherum hängen noch die schönen Bilder von den Werken der Barmherzigkeit. Ich falte meine Hände und spreche: "Mein lieber Heiland, jeden Tag warst Du hier ausgesetzt und hast alle gesegnet, die zu Dir kamen. Nun ist alles öde und leer, ein Greuel der Verwüstung."

Der Herr ist bei mir und antwortet: "Erhebe dein Haupt und blicke zum Himmel. Der Vater ließ es zu. Nicht länger konnte er ansehen die Schmach, die man Mir antat. Du siehst, daß die Bilder von den Werken der Barmherzigkeit noch hängen. Sie sind ein Mahnruf für diese Zeit. Enger werden die Menschen durch die Not zusammengeschmiedet. Einer soll und muß für den anderen sein. Nur wahre Nächstenliebe führt zur Gottesliebe. Nach den Werken der Barmherzigkeit werdet ihr gerichtet. Sie allein entscheiden für euch und eure Zeit."

 

Donnerstag, den 2. September 1945

Heute bin ich in Gelsenkirchen-Hessler auf dem Friedhof. Der sieht wie eine Wüste aus. Nach langem Suchen und Beten finde ich das Grab meiner Mutter. Es lag ganz tief vom Gestrüpp überwuchert. Meine Schwiegermutter ist bei mir, auch Walter und Hans-Dieter. Wir gehen auch in die Elisabeth-Kirche, die auch schwer beschädigt ist. Dort ging ich als Kind jeden Tag zweimal hinein, weil die Liebe mich hinzog zum Tabernakel und zum hl. Opfer. Dort empfing ich die erste hl. Kommunion, dort wurde ich gefirmt. Um diese Zeit war es noch die Maria Himmelfahrt-Kirche. Ich erfahre, daß in der Villa gegenüber der Kirche die Familie Knoop wohnt. Als ich noch im Elternhaus war, lebten wir mit dieser Familie zusammen. In den letzten zwei Jahren meiner Schulzeit betreute ich die Kinder von Frau Knoop, Hildegard, Ilse und Irmtraud. Es waren so liebe Kinder.

Wir machen einen Besuch. War das eine Freude des Wiedersehens. Die kleinen Mädchen sind nun hübsche Frauen geworden. Sie umarmen mich mit einer Zärtlichkeit, als wären es meine eigenen Kinder. Ich hatte Glück, daß sie gerade alle drei bei der Mutter waren. Ich bekam so viele schöne Blumen, daß ich Mutters Grab ganz neu ausschmücken konnte. Mein Walter sagt: "Woher kommt das, überall, wo ich mit dir hingehe, freuen sie sich und haben dich gern." Ich erwidere: "Kind, wenn du immer ordentlich und brav bist, kannst du jederzeit zu allen hingehen und auch unverhofft anklopfen." Wie ich so überall gerade in dieser Stadt die Verwüstung sah, stand ich vor einem Bild der Wahrheit. So sah ich das alles in der Nacht vom Weißen Sonntag. Damals glaubte ich, es sei der Weltuntergang. Ich erzählte das meiner Schwiegermutter und bat sie, über Schalke nach Bismarck zu gehen. Ich sagte ihr, daß gewisse Straßen nach meinem Kindheitsbild so aussehen müßten. Tatsächlich war alles so, wie ich es mit 12 Jahren sah.

Am Abend sagte mir der Vater, daß er sich bekehrt habe. Das war die größte Freude für mich. Dann sagt er, der mich immer so verfolgt hat: "Es ist doch gut, daß du standhaft geblieben bist." Ich bin ganz gerührt und sage: "Vater, ich danke dir für diese Worte. Nun ist alles gut. Hätte ich deinem Willen nachgegeben, würdest du mich heute verachten." Er sagt: "Wenn ich wieder besser bin, dann darf ich doch zu dir nach Ruttscheid kommen, da würde ich mich wieder erholen." Ich nehme ihm die Hoffnung nicht und sage: "Jetzt fürchte ich nichts mehr. Meine Tür steht dir zu jeder Zeit offen."

 

Dienstag, den 4. September 1945

Oft stand ich nachts auf und half dem Vater und segnete ihn. Er merkt nicht, wie schlecht es um ihn steht. Ich kann aber nicht länger bleiben, Walter muß in die Schule. Das war eine Rückreise! Ich war sechs Stunden zwischen Koffern eingeklemmt. Mußte achtgeben, daß diese rohen Menschen den Jungen nicht zerdrückten. Von Hohn und Spott bin ich umgeben. Ich bete für sie: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 7. September 1945

Meine Glieder, besonders die Füße, waren derart geschwollen von dem stundenlangen Stehen auf einer Stelle, daß ich nicht gehen konnte. Jesus sehe ich im weißen Gewand mit dem Freudenkelch. Am Nachmittag ist meine liebe Schwester Maria von Dülmen bei mir. Sie schenkt mir eine Christkönigsmedaille von dem hochwürdigsten Pfarrer von Nievenheim. Ich kenne den Ort nicht. Maria kommt mit dem Auftrag, mit dem ich noch nicht so recht fertig werde. Sie spricht von der dortigen Wallfahrtskirche und von sieben Fußfällen und damit verbundenen Gebeten. Nun möchte der Pfarrer wissen, wie die Fußfälle mit den Gebeten vor 200 Jahren waren.

Ich sage: "Wenn es Gottes Wille ist, daß ich die Einsicht bekommen, will ich darum beten. Ist es nicht sein Wille, bemühe ich mich nicht weiter."

 

Montag, den 10. September 1945

Gehe mit Schwester Maria Wewerink (aus Dülmen) zur Marienburg. Ich muß gleich beim hochwürdigen Herrn Pater Heider vorsprechen. Er verbietet mir schon wieder ein halbes Jahr den Zutritt zur Kapelle. Einen Befehl gibt er mir: "Gehen Sie zu Ihrem Herrn Pfarrer und sagen Sie ihm, daß ich es bestimmt habe; er soll Ihre Seelenführung übernehmen. Ich würde es tun, aber ich bin zu weit entfernt. Wenn er Ihnen erlaubt, nach einem halben Jahr, dann dürfen Sie wieder kommen. Erlaubt er es Ihnen nicht, dann dürfen Sie gar nicht mehr kommen."

Weiter sagt er: "Es gehen viele Gerüchte herum, aber ich ging den Dingen nach. Das rührt nicht von Ihnen: aber es ist doch besser, Sie bleiben fern für eine Zeit. Man redet sogar von einem Wunderwasser." Ich schweige. Am Abend bitte ich Maria um Erleuchtung wegen der Fußfälle. So wie sie jetzt gebetet werden, wurden sie vor 200 Jahren schon gebetet.

 

Mittwoch, den 12. September 1945

Jesus reicht mir heute eine große Opferpatene, auf der ich selbst liege. So will ich immer eins sein mit Ihm im hl. Opfer. Maria, die Unbefleckt Empfangene, hüllt mich in einen blauen Mantel ein und spricht: "Mit meinem Gewand sei gekleidet. Gehe weiter still und verborgen durch die Welt. Arbeite für das Reich Gottes, rette Seelen."

 

Samstag, den 15. September 1945

Die Schmerzensreiche spricht zu mir: "In Ittenbach ist angezündet ein Licht. Es brennt weiter und wird zur Flamme, die sich verbreitet. Von der Wärme werden viele Menschen erwärmt werden. Sie kommen hin zu dem Ort, den ich für die Verherrlichung meines Sohnes bestimmt habe." Maria segnet mich und entschwindet. Ich schaue, daß Ittenbach bald ein Wallfahrtsort wird.

Anmerkung: Die Geschichte basiert auf Tatsachen, die in den letzten Kriegstagen dort geschehen sind. Das Pastorat war besetzt durch die SS. Die US-Soldaten rückten ein, aber die SS wollte sich nicht ergeben. Ein Ultimatum wird bis 15 Uhr gestellt. Ergeben sie sich nicht, wird das Haus zusammengeschossen. Es gab viel Ärger mit der SS, doch am Ende ergaben sie sich doch. Die Schwester von Herrn Pfarrer Hambüchen, eine Nonne, wohnte nebenan mit einigen Nonnen, die sich aber im Keller des Pastorats aufhielten. Diese Nonne bat die hl. Jungfrau um Schutz für ihr aller Leben. Wenn sie lebend herauskämen, so versprach sie, würde sie der Muttergottes zu Ehren ein Bild von ihr malen. Solange sie malte, stand die Muttergottes bei ihr als Modell. Als es fertig gemalt war, kam auch die Muttergottes nicht mehr. Dieses Bild hängt in der Kapelle zur Schmerzhaften Mutter in Ittenbach. Kardinal Frings erhob Ittenbach zum Wallfahrtsort. Jedes Jahr kommen Pilger von überall her, um die Madonna zu verehren.

Heute beginnt hier die Glaubenswoche, die ein Dominikaner hält. Er spricht: "Ich bin gekommen, daß Kreuz wieder in euren Herzen aufzurichten. Drei Kreuze hat man geschändet." Es war das Kreuz des Herrn, von dem man den Corpus entfernt hat. Zu beiden Seiten hingen die Schächer. Ja, man hat Christus entfernt vom Kreuz. Leere Kreuze stehen überall, unter deren Last die Menschen zusammenbrechen. Der Herr kann vom Kreuz aus nichts mehr an sich ziehen, kann nicht segnen, weil er nicht mehr daran hängt. Darum geben wir dem Heiland seinen Platz wieder, damit der Segen des Kreuzes wieder auf die Erde kommt.

Es steht aber in unserer Mitte ein heiliger Berg, der Maria heißt. Von diesem Berg rollt ein Stein, der das Bild zerschmettert, das auf Lehmfüßen steht. Die Welt hat solch ein Bild errichtet, aber durch Maria wird es vernichtet. Sie tritt mehr hervor und bringt uns Christus als den großen König, vor dem sich die Knie beugen, im Himmel, auf Erden und unter der Erde. Nur Güte und Liebe kann die Menschheit wieder vereinen.

Von der Burg Vogelsang höre ich, daß dort das Bild eines Menschen stand, der die Macht über die Erde hatte. Er wurde aber zum Schattenbild, weil er den Herrn zum Schattenbild machen wollte. Überall, wo der Schatten dieses Menschen, der Gott vernichten wollte, hinkam, da war Enttäuschung. Güte und Liebe waren nicht anwesend. Bei diesen letzten Worten stehen die Bilder vor mir, die ich sah im August 1944.

 

Sonntag, den 16. September 1945

Bei der hl. Wandlung wird die hl. Hostie zum Licht. Aus dem Kelch strahlt leuchtend rot Jesu Herz. Jesus spricht nach der hl. Kommunion: "Am Kreuze gab ich euch die Mutter, die Schmerzensreiche, die alles Leid kennt und versteht. Gehe hin zu dieser Mutter. Man wird erst hierher kommen (nach Ittenbach) zur Schmerzhaften Mutter. Dann wird man weiterziehen zur Königin nach Oberpleis. Die Königin wurde euch auch später gegeben. Euer Leid klagt der Schmerzensreichen, und Hilfe bringt euch die Königin, die allen hilft und helfen kann. Sie ist ja so reich und gibt so gern von ihrem Gnadenschatz der armen Menschheit."

Auf dem Heimweg ist Jesus als Wanderer an meiner Seite und spricht: "Kennst du Mich nicht? Verborgen gehe Ich durch diese Zeit. Ich klopfe so oft an, aber man öffnet Mir nicht. Wie schlecht werden die Werke der Barmherzigkeit geübt." Dann muß ich mein Kreuz und den Rosenkranz auf die Erde legen und den Segen der Heiligsten Dreifaltigkeit erflehen. In dieser Woche darf ich die Leiden der Dornenkrone tragen.

 

Donnerstag, den 20. September 1945

Schon acht Tage sehe ich die Buchstaben T, O, S. Dahinter steht der Herr. Heute erklärt der Herr: "Die Buchstaben bedeuten Tod oder Sieg. Das Zeichen des Kreuzes hinterließ Ich euch. In dieser Zeit wird die Macht des Kreuzes sich zeigen. Gekreuzigt ist die ganze Welt. Rechts und links neben Mir sind die Schächer. Die Gekreuzigten zur Rechten werden siegen, weil sie sich zu Mir bekennen. Die zur Linken gehen in den Tod, weil sie brechen an der Last des Kreuzes und weil sie verzweifeln. Die große Finsternis des Karfreitages ist da. Die ausharren, feiern mit Mir Auferstehung. Die Schuldigen werden wie einst fliehen vor den Dingen, die da kommen werden. Sie werden vergehen vor dem Herrn und in die Nacht des Grauens versinken. Von neuem aber wird Mein Kreuz das Siegeszeichen sein."

Dann erklärt mir der Herr, warum das Scheyrer Kreuz ein Doppelkreuz ist: "Am ersten, großen Kreuz, starb Ich für euch. Ein zweites Kreuz gab man Mir in der hl. Eucharistie. Dieses Kreuz, mit dem ersten vereint, gibt ein Doppelkreuz. Groß ist daher dieses Zeichen, ein Zeichen des Sieges, wo es verehrt wird."

 

Samstag, den 22. September 1945

Ich hatte Mehl gespart und den Kindern für gestern – Freitag einen Pflaumenpfannkuchen versprochen. Sie waren enttäuscht, als ich nichts gebacken hatte. Ich hatte die Tage verwechselt und gemeint, es wäre erst Donnerstag gewesen. Nun will ich es heute tun. Jesus ist um mich und sagt: "Heute ist ein Festtag. Bringe alles Gute auf den Tisch und backe auch etwas. Nun wird mir klar, warum ich die Tage verwechselt habe. Im Stillen dachte ich wohl: Wenn der Vater wieder einmal an seinem Platz sitzen würde. Meinen Teil würde ich ihm geben. Er aß auch so gern Pflaumenkuchen. Nun kommt Jesus und spricht so geheimnisvoll. Ich werde Seinen Willen freudig erfüllen. Der Tisch ist gedeckt, und alle sitzen daran. Da klopft es und herein tritt ein Mann, bleich und ausgehungert. Ich stutze ein wenig, denn er gleicht meinem Vater.

Er sagt: "Ich komme aus dem Lager Belsen. Habt ihr für einen armen Menschen ein wenig zu essen?" Er zeigt seine Papiere und ich sehe, daß er bereits in vier Lagern war. Ich lade ihn ein, sich an den Tisch zu setzen. Ich weiß, Jesus ist hier in Gestalt eines Gefangenen. Mein Gast sagt: "Nach vielen Jahren habe ich heute wieder einmal ein gutes Essen." Eine Stunde bleibt er und erzählt von den Leiden der Gefangenen. Beim Abschied wußte er nicht, was er uns vor Freude wünschen und sagen sollte. Er mußte noch bis nach Wesel. Er fragte, ob es möglich wäre, daß er seine Angehörigen wiedersehen würde. Ich sagte: "Der Herr, der Sie so wunderbar führte, gewährt Ihnen auch diese Freude noch." Ich machte seinen Rucksack noch voll, daß er nicht zu hungern brauchte. Wir begleiteten ihn hinaus. Noch ein letzter Händedruck und ein Vergelts Gott!

 

Montag, den 24. September 1945

Ich schaue Maria als aufsteigende Morgenröte, die aus der Dunkelheit hervortritt und rot leuchtet. Je mehr sie hervortritt, desto schöner wird sie, als wäre sie nur von Gold umgeben.

 

Dienstag, den 25. September 1945

Nach der hl. Kommunion sehe ich einen Engel in dunkelgrünem Gewand mit einem großen Kreuz. Er spricht: "Große Kreuze harren deiner. Ich stehe dir mit dem ganzen Chor zur Seite. Du bist ja das Opfer für die Priester und mußt für sie und durch sie leiden."

 

Freitag, den 28. September 1945

St. Michael erscheint mit einer großen Schale. Er trägt darauf die Sehnsucht nach Gott. Dann reicht er mir ein großes Kreuz und die Dornenkrone. "Trage die Dornenkrone für die Menschen dieser Zeit, damit wieder die Sehnsucht in ihnen nach Gott geweckt wird."

 

Samstag, den 30. September 1945

Es ist der Todestag des Gatten meiner Schwester Maria W. Ich sehe ihn und höre: "Betet viel den Rosenkranz im kommenden Monat. Grüße meine kleine, weiße Rose. Stürme sind gekommen und wollen sie entblättern. Sie werden zittern und frieren ob der Kälte und Lieblosigkeit ihrer Umgebung. Sie wird welken und der Herbstwind verweht ihre Blätter. Wo diese Blätter hinfliegen, da erwärmen sie wieder ein kaltes Herz, das in Liebe zu Gott entzündet wird. Sie wird sich in Liebe verschenken, bis sie so nackt ist wie der Herr am Kreuze. Dann kommt Er selber und setzt sie in Seinen Frühlingsgarten, wo sie verklärt und reiner blühen wird zu Seiner Ehre. Ewig schöner Frühling wird sein für sie. Die Freude, der Friede und die Seligkeit in Gott wird ihr nie mehr genommen werden."

 

Mittwoch, den 4. Oktober 1945

Ich sehe ein großes Kreuz. Daran hängt der Herr, blutend aus allen Wunden. Jeder Tropfen Blut wird zu einer wunderbaren roten Rose. Die kleine hl. Theresia naht und spricht: "So sah auch ich dieses Bild. Die große Liebe zog ein in mein Herz. Willst du wahre Gottesliebe haben, dann mußt du dein Blut hergeben für Jesus. Du bist ja ein Glied an Seinem Leibe. Er heiligt sein Blut. Jeder Tropfen wird auch eine Rose, die du einem armen Sünder schenken kannst. Gäbe es mehr Nächstenliebe, wäre die Gottesliebe das Schönste auf Erden."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 6. Oktober 1945

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus im weißen, wallenden Gewand. Er trägt einen goldenen Mantel und eine goldene Monstranz. Er segnet Seine Opfer mit der Sühnekommunion, die sie opfern. Er spricht: "Ich warte auf Sühnekommunionen. Voll ist die Welt von Haß, Neid und Zwietracht. Wer sühnt diese Sünden? Wer wird Meine Opferhostie? Kommt alle zu Mir, Ich will euch erquicken."

 

Priestersamstag, den 7. Oktober 1945

Die Rosenkranzkönigin sehe ich auf ihrem Thron. Wie schon so oft höre ich das Ave Maria der Totgeborenen. Die hl. Kommunion gebe ich Maria. Sie wird zum Jesuskind auf ihrem Schoß.

Da fallen weiße Rosen und decken das Kind zu. Maria lächelt und wird immer schöner. Das sind die Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes, die die Freuden der Gottesmutter vermehren. Die Kleinen steigen empor und heben ihre Hände zum Jesuskind. Engel aus allen Chören nahen und die Heiligen, die die Wundmale tragen. Sie huldigen der Himmelskönigin.

Maria spricht heute: "Näher rückt die Stunde der Ankunft des Herrn. Nicht das Kind bringe ich zur Welt, sondern den König der Herrlichkeit. Boten habe ich bereits ausgesandt und vielen meiner Kinder gesagt, was sie verkünden sollen. Man achtet aber nicht auf diese Stimmen, ja, man glaubt es nicht. Überall werde ich mit meinen Kindern verfolgt. Die Welt ist so groß, doch muß ich ausschauen nach einem stillen Ort, wo die Kleinen und Demütigen sind, die, die im Verborgenen arbeiten für Christi Reich." Dann sehe ich den zwölfjährigen Jesus. Das verstehe ich noch nicht.

 

Dienstag, den 9. Oktober 1945

Maria erklärt heute: "Die größten Freuden empfand mein Herz, als ich im Tempel mein geliebtes Kind wiederfand. Ich werde dir die sieben Freuden zeigen. Sagen allen, daß sie oft den Rosenkranz der sieben Freuden beten sollen. Es vermehrt meine Freuden. Alle, die so beten, lasse ich teilnehmen an meinen Freuden. Sie werden dadurch einen großen, inneren Frieden erhalten.

 

Donnerstag, den 25. Oktober 1945

Tage großer Verlassenheit liegen hinter mir. Heute höre ich die Stimme des Herrn: "Halte aus, mag kommen, was da will." Ja, Herr, alles leide ich für Dich. Wie Du willst, soll es geschehen.

 

Sonntag, den 28. Oktober 1945, Christ-Königs-Fest

Ich darf Jesus schauen auf einem Thron. Der ganze himmlische Hof huldigt Ihm. Ich sehe Nievenheim in neuem Ganze erstehen.

 

Donnerstag, den 1. November 1945, Allerheiligen

Ein Freudentag ist heute für mich. Am Abend um neun Uhr wird mir die Dornenkrone gereicht. Auf jedem Dorn ist ein Licht. In dem großen Leiden in diesem Monat haben die Heiligen mir ihre Hilfe zugesagt.

 

Freitag, den 2. November 1945

In diesem Monat darf ich für die Armen Seelen die Dornenkrone tragen. Der Herr zeigt mir nach der hl. Kommunion Sein heiligstes Herz. Es ist blutüberströmt. Die heiligen Blutstropfen fallen ins Fegefeuer. Jesus sagt: "Heute ist der blutige Herz-Jesu-Freitag."

 

Samstag, den 3. November 1945

Wie Schleier schaue ich Wolken. Zwei Hände dringen durch und fassen ein Kreuz. Es bleibt vor mir stehen. Mein hl. Engel spricht: "Ganz verlassen wirst du sein. Sie stehen gegen dich auf. Das größte Leid mußt du tragen. Es muß aber so sein, damit du den Kreuzweg des Herrn würdig und wahrhaft gehst. Ich stehe dir bei mit den Engelchören. Küsse nun dieses Kreuz, an dem du angenagelt wirst und übergib dich in die Hände des himmlischen Vaters. Er hat ja das Kreuz gesegnet. Groß sind die Gnaden, die dir zuteil werden, für die du stirbst am Kreuz." Ich bin allein. So eigenartig ist mir. Es klingt so geheimnisvoll, das Sterben an diesem Kreuz. Ich weiß es nicht, wie es kommt, Freude und Liebe erfüllen mein Herz auf einmal. Oh, sei gegrüßt, heiliges Kreuz meines Herrn.

Der Engel ist wieder bei mir: "Verstehst du nun, wie groß die Sehnsucht der Armen Seelen nach Gott ist? Schaue, wie sie weinen und seufzen. Leide mit ihnen und du wirst dich auch mit ihnen freuen." Ich schaue. Das Wehklagen der Armen Seelen rührt mein Herz. Ich gedenke heute der verstorbenen Päpste, Bischöfe und Priester. Es ist Arme-Seelen-Priestersamstag.

 

Freitag, den 9. November 1945

In meiner Verlassenheit umgibt mich zeitweilig ein helles Licht. Heute spricht mein Engel: "Ich bin das Licht. Ich bin bei dir. Ich bin dein Trost in der Verlassenheit. Bis zum Weihnachtsfeste wirst du den Herrn nicht mehr schauen." Ich bin wieder allein.

 

Sonntag, den 11. November 1945

Auf dem Kirchweg denke ich nach über die Dornenkrone mit den Lichtern. Die Gottesmutter ist bei mir und erklärt: "Jede Dorne verursacht einen Schmerz. Opferst du diese Schmerzen für die Armen Seelen, so wird jeder Dorn ein Licht. Das Licht, das vom Leid ausgeht, leuchtet den Armen Seelen und führt sie zum ewigen Licht."

 

Sonntag, den 18. November 1945

Gestern wurde ich zu Frau Steg, einer Nachbarin, gerufen. Beim Holzschlagen sprang ein Stück gegen ihr Schienbein. Sie hat eine böse Wunde. Ich rate, zum Arzt zu gehen, da ich hier nicht weiter helfen kann als beten. Der Engel erscheint mir heute mit St. Leopold. Sie segnen und trösten mich. Bei der hl. Kommunion schaue ich die geistigen hl. Wasserquellen. Ströme des lebendigen Wassers fließen auf die Erde nieder. Wieder schaue ich hinein in eine Notzeit. Ruhelos sind die Menschen. Der Hungertod steht hinter ihnen, bis sie seine Beute werden. Vor diesem Massensterben steht die Sünde gegen das 7. und 10. Gebot. Dieses Spiel hält an, bis die Welt zur Einsicht kommt und die Gebote Gottes hält. Bis dahin sind diese Menschen sich selbst überlassen. Wer nicht umkehrt, wer keine Buße tut, findet keine Gnade.

Dann schaue ich die Not der Armen Seelen, die die Werke der Barmherzigkeit nicht geübt haben, wie es Gott verlangt. Die nicht arm im Geiste sein wollten, sind ganz arm und verloren. Verzehrt von Not sind jene, die andere hungern und dürsten ließen, obwohl sie helfen oder mehr tun konnten. Gegenseitig klagen sie sich im Orte der Läuterung an, die nicht sanftmütig und friedfertig waren; die kein Mitleid mit den Trauernden hatten. Diese können nur durch Seelen erlöst werden, die sanftmütig, friedfertig und mitleidig sind. Dann schaue ich den Ort der Qual, wo Seelen für unreine Sünden leiden. Sie können nur durch Seelen erlöst werden, deren Licht der Reinheit ihnen leuchtet. Groß sind die Leiden der Ungläubigen und derer, die ihr Kreuz nicht tragen wollten. Sie sind in Finsternis und Verlassenheit.

 

Montag, den 19. und Dienstag, den 20. November 1945

St. Elisabeth (von Thüringen, ihr Festtag ist am 19.11) ist bei mir mit einem großen Kreuz und segnet mich. Das gleiche ist heute am 20.11. Viele Engel und Heiligen kommen auch mit einem Kreuz. In der Mitte steht ein leeres Kreuz. Bei der hl. Wandlung opfere ich Jesus durch sie für die Armen Seelen. Ich sehe eine Hostie aufwärts steigen an das leere Kreuz. Ströme des hl. Blutes fließen in das Fegefeuer und auf die Erde. Wie groß ist doch der Wert einer hl. Messen.

 

Mittwoch, den 21. November 1945, Fest Mariä Opferung

Ich weine vor Sehnsucht nach Gott. Da umgibt mich ein schönes Licht, mein hl. Engel. Er ist so gütig. Er zeigt mir ein schönes Bild, wie St. Anna die kleine Maria zum Tempel bringt. Maria ist so schön wie eine kleine Braut. Sie steht vor dem Hohenpriester, der das hl. Kind Gott weiht. Der Priester hebt segnend die Hände. Da hüllt ein großes Licht das Kind Maria ein.

Heute bin ich wieder bei Frau Steeg. Der Arzt hat Knochenfraß festgestellt. Ich segne sie, denn sie steht Gott fern.

 

Mittwoch, den 28. November 1945

Seit einer Woche habe ich eine schwere Halsentzündung. Das Fieber hat nachgelassen. Mir fehlt Jesus in der hl. Kommunion. Darum empfinde ich die Verlassenheit noch mehr. Mein Engel steht mir zur Seite. St. Eusebius reicht mir den Leidenskelch. So werden noch andere Leiden kommen.

 

Donnerstag, den 29. November 1945

Diese Nacht durfte ich die Leiden der Annagelung und Kreuzigung tragen. Eine große Not litt ich. Der hl. Engel sagt: "Du littest für die große Not, die dein Nachbar am Sterbetag hatte. Er sehnte sich nach einem Priester und nach Jesus, aber von seinen Angehörigen verstand ihn niemand. Gott ließ das zu, weil er im Leben viele Gnaden durch seinen Unglauben verwirkte. Bis zum Weihnachtsfeste darfst du seine Leiden tragen, die er noch hätte tragen müssen."

 

Freitag, den 30. November 1945

Meine Seele hungert und dürstet. Ich bin aufgestanden vom Krankenlager. Der Weg fällt mir schwer, aber ich muß meinen Jesus haben. Er hilft mir schon. Ich schaue wieder ganz arme, verlassene Seelen. Riesenberge sehe ich, ganz weiß, als sei es Eis oder Kristall. Sie zittern und beben vor Kälte. Andere irren umher von einem Labyrinth in das andere. Es sind die Zweifler, die an der ewigen Wahrheit gezweifelt haben. Mitleid erfüllt mich: "Hat euch denn niemand geraten?" Sie seufzen: "Oh, zweifelt doch nie an Gottes Wort und Gebot. Tut es nicht, damit ihr diese Zweifel nicht durch solch ein Fegefeuer büßen müßt." Ich nehme Abschied von den Armen Seelen heute am letzten Tag des Monats und von den Heiligen. Ich darf aufwärts schauen und sehe die Erlösten, die durch Gebet, Opfer und Sühne ihrer Brüder und Schwestern eingehen in die ewigen Freuden.

 

Samstag, den 1. Dezember 1945

Mein Geist ist entrückt in die Zeit, da sie auf den Erlöser warteten. Es befremdet mich nicht. Es sieht auf dem Bild genau so aus wie die heutige Welt. Nur ein Unterschied ist da in den Trachten und Kleidern, in Sitten und Gebräuchen. Not und Elend schaue ich genauso wie heute. Menschen sind gefangen und eingekerkert. Sie rufen nach dem Messias: Wann kommst du Verheißener und machst uns frei? Wie lange ist es noch Nacht für uns?

Die Propheten sehe ich, wie sie den Heiland verkünden. Man lauscht, man wartet. Zeit der Bewährung wie heute. Dann lädt Maria mich ein. Ich sehe ihr stilles, verborgenes Leben. Niemand ahnt, welch ein großes Gottesgeheimnis sie trägt. Ihre Vorbereitung ist nur Opfer und Gebet. In der überglücklichen Freude sind ihre Züge ganz verklärt. Selbst vor Joseph ist sie wie ein verschlossener Garten. Er schaut überrascht, entgeistert; er kämpft und mag doch nichts sagen. Sie fühlt, sie weiß, was er denkt, aber sie hütet ihr Geheimnis.

Oh, Maria, laß mich ein verschlossener Garten werden, in dem der Herr nur lustwandelt.

 

Sonntag, den 2. Dezember 1945

Nach der hl. Kommunion sehe ich Moses mit den Gesetzestafeln auf Sinai. Es scheint, als brenne der Berg. Er spricht: "Noch zürnt der Herr, weil Seine Gebote immer noch mit Füßen getreten werden. Was man in der Not versprach, hat man nicht gehalten. Bessern sich die Menschen nicht, geht die Züchtigung weiter. Es wird alles genommen, in dem und mit dem der Mensch sündigt. Tuet Buße und harret auf den Herrn. Christus der König bringt euch den Frieden von Bethlehem."

Meine Leiden für den Nachbarn gehen weiter. Bin hinfällig, kraftlos und aufgeschwollen.

 

Freitag, den 7. Dezember 1945

Ich schaue Maria in Erwartung. Freude spiegelt sich in ihrem Angesicht, daß bald die große Zeit gekommen ist. Der hl. Antonius erscheint mit dem Evangelienbuch. Er will mir Lehrer sein.

 

Mittwoch, den 12. Dezember 1945

Die hl. Väter umgeben mich. Abraham spricht: "Trage in Liebe und Sehnsucht den Advent. Wie groß war mein Sehnen nach dem Erlöser. Wie erprobte mich der Herr in der Liebe. Meinen Sohn hätte ich geopfert, so weh es mir tat. Wie herrlich lohnte der Herr meine Liebe und meinen Gehorsam. Man nimmt dir auch die geistigen Freuden. Das ist dein Advent. Ich segne dich mit allen heiligen Vätern." Ich bitte um den Segen für alle, die mit mir verbunden sind. Dann steigt Maria auf Wolken hernieder und reicht mir eine dreifache Lilie, das Zeichen der Reinheit vor dem dreieinigen Gott. Dann reicht sie mir das blaue Gewand der Treue. Sie reicht mir den weißen Schleier als Sinnbild der Trägerin der Geheimnisse Gottes.

Sie spricht: "Ich führe und leite dich. Ich hüte dich vor den Kindern der Welt. Mehr noch wirst du eindringen in die Geheimnisse Gottes. Du wirst aber verborgen und unscheinbar bleiben. Das sei mein Geschenk am heutigen Tage. Bleibe mir treu, und ich bin immer bei dir." Sie entschwebt. Welch ein großes Geschenk der himmlischen Mutter.

 

Donnerstag, den 13. Dezember 1945

Gestern war großer Leidenstag. Ich weine vor Sehnsucht. Ein Kreuz schwebt zu mir. Eine Hand hält es. Sehe den hl. Stanislaus. Er spricht: "Siehe, wie dein Heiland sich nach Liebe und Opferseelen sehnt, die Ihm alles schenken. Ich hörte dich weinen. Wer liebt, der muß auch leiden. Harre aus! Kurz ist die Prüfungszeit, aber groß und schön die Freuden der himmlischen Heimat."

 

Freitag, den 14. Dezember 1945

Nach der hl. Kommunion sehe ich eine Schar der Gerechten des alten Bundes. Sie tragen auf der Brust ein Kreuz. Dann sehe ich einen Sarkophag. Ich kenne ihn nicht, der darin liegt. Ich höre des Engels Stimme: "Verehre diesen, den großen hl. Bischof. Groß ist seine Macht, besonders in der Notzeit. Es ist der hl. Psyridon." (Der 14.12. ist der Festtag des hl. Psyridon von Trimithon, der um 346 Bischof auf Zypern war.)

 

Samstag, den 22. Dezember 1945

Auf dem Kirchweg begleiten mich Adam, Noe und Abraham. Adam spricht: "Wie schaute es aus in der Welt. Wie im Anfang der Verheißung; so liegt sie in Ketten der Sünde. Ich kann nun nicht mehr büßen, ich kann nur bitten, daß Erkenntnis kommt, damit Gottes Strafgericht ein Ende nimmt." Darauf spricht Noe: "Ich baute die Arche und nahm alles darin auf, was der Herr befahl. Im neuen Bund baute der Herr selbst die Arche: Maria, die Mutter des Erlösers. Damals wurden alle gerettet, die eingingen durch die Arche des neuen Bundes, Maria. Durch sie allein gelangt ihr zu Jesus und zum Vater." Da spricht Abraham: "Ich wurde erprobt im Opfer. Ich gab mein Liebstes her. Weil ich Gottes Willen erfüllt, schenkte Er mir von neuem den Sohn. Hätte doch die Welt den großen Opfergeist, so würde der Herr auch doppelt wiedergeben, was er euch genommen hat." Segnend entschweben sie.

 

Heiliger Abend 1945

Ich bin wieder auf dem Zimmer, um still zu beten und allein zu sein. Da erscheint Jesus in Seiner göttlichen Schönheit wie am 29. Mai 1933. Er sagt: "Siehe, ich will heute bei dir geboren werden."Ich erwidere: "Herr, das kannst Du, denn Deine Herzenskrippe habe ich bereitet." Er sagt: "Nicht wie du es denkst, kleine Seele, anders wird heute Meine Geburt bei dir sein. Nimm eine Hostie von denen, die du besitzt und lege sie auf die kleine Glasschale. Es muß aber eine mit dem Kreuzbild sein." Zitternd und bebend führe ich den Befehl aus. Der liebe Heiland segnet die Hostie und sagt: "Das ist Mein Fleisch und Mein Blut. Das ist das Geschenk Meiner Liebe für dich. Nenne Mich gekreuzigte Liebe, rote Rose, bescheidenes Blümchen. Nicht am Bild selbst hast du Mich empfangen, wenn die Seele verlangt nach Mir, sondern in diesem Denkmal der Liebe. Verlasse alles. Erfülle in allem Gottes Willen, und Ich bleibe in dieser Gestalt, in der du Mich am liebsten hast, immer bei dir."

Ich bin allein. Ich meinte, es könnte ein schöner Traum sein, aber es ist wahr, ich besitze Ihn, den die Welt nicht fassen kann. Ich will immer dankbar sein und mich dieser Gnade würdig erweisen.

 

Dienstag, den 25. Dezember 1945, 1. Weihnachtstag

Die heilige Nacht mit ihrer Stille erdrückt mich fast. Ich bete: "Komm, liebes Jesulein, oh komm. Schenkst Du mir keine Weihnachtsfreude?" Ein Licht erhellt meinen Raum. Ein Greis steht vor mir. Verklärt und schön sind seine Züge. Ich frage: "Kommst du von Gott? Was ist dein Begehr?" Er lächelt ein wenig und sagt: "Ich bin Ephraim, einer der Hirten, die einmal an der Krippe des Heilandes standen. Komme mit und schaue, was ich einst schaute. Bet Lahur, das Dorf in der Nähe von Betlehem, erblickte ihn. Fromme Hirten verrichten ihr Abendgebet. Einer betet besonders lange und bedeckt mit seiner Stirn die Erde. Er betet immer noch, als die anderen zur Ruhe gehen. Er ist bewegt: "Herr, wie lange noch soll ich auf den Messias warten? Soll ich in die Unterwelt gehen, ohne den Messias geschaut zu haben, auf den ich hoffe seit Kindheitstagen?" Dann erhebt er sich und geht zur Ruhe. Im Schlaf flüstert er: "Komm, oh Herr. Komm und verweile nicht länger."

Auf einmal schreckt er auf. Ein wunderbares Licht fällt ihm in die Augen. Der ganze Raum wird zum Licht. Auch die anderen Hirten erwachen und schauen sich gegenseitig an. Sie schauen verwirrt in das Licht, das näher kommt. Sie sinken in die Knie und erblicken eine Gestalt. Sie hören eine Stimme: "Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, Christus der Herr. Dies soll euch zum Zeichen sein. Ihr werdet ein Kindlein finden, in Windeln gehüllt und in einer Krippe liegend." Während der Himmelsbote noch spricht, erscheinen unzählige Engel und singen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die guten Willens sind."

Wie einst die Hirten, so fühle auch ich den Himmel auf Erden. Dann kniete auch ich an der Krippe. Vergessen war der düstere Advent mit allem Leid. Das Licht ging von der Krippe aus und erhellte mein armes Herz. Es zieht bei mir ein das Himmelskind. Nun ist Weihnacht.

 

Freitag, den 28. Dezember 1945

Die angesagte hl. Messe fällt aus. Die Kirche ist leer. Der Priester betet noch. Ich frage, ob ich wenigstens noch zur hl. Kommunion gehen kann. Es wird mir abgesagt, der Priester habe keine Zeit. Noch nie erhielt ich eine solche Antwort auf meine Bitte. Das war eine große Demütigung. Ich bat den Herrn, der so viele Wege der Liebe hat. Er kommt und Er kann doch alles.