• Engel und Heilige von jedem Tag
  • Bücher der Liebe, Bd. 1
  • Bücher der Liebe, Bd. 2
  • Bücher der Liebe, Bd. 3
  • Bücher der Liebe, Bd. 4
  • Bücher der Liebe, Bd. 5

Dienstag, den 1. Januar 1946

Mein Theo hat Hochzeit heute. Ein schönes Levitenamt wird als Brautamt gehalten. Ich habe arme Soldaten eingeladen, weil die Geladenen aus dem Dorf nicht kommen wollten. Sie hatten die gleichen Entschuldigungen wie im Evangelium.

 

Mittwoch, den 2. Januar 1946

Ich weile still an der Krippe. Epharim naht und spricht: "Wenn die Menschen so einfältig werden wie wir Hirten es waren, wenn sie den Glauben finden an dieses große Geheimnis der Menschwerdung, dann werden sie auch den wahren Frieden finden. Es werden wie damals bei der Geburt Jesus, so auch jetzt Menschen sein, die für Christus und andere, die gegen Christus sind. Er wird immer der Eckstein sein, den die Bauleute verwerfen."

 

Mittwoch, den 9. Januar 1946

Nach der hl. Kommunion sehe ich eine schöne Braut. Sie spricht: "Ich bin die Heilige des Tages. Der Herr verlieh mir besonders große Gnaden. Ich durfte immer Seine Braut sein und bleiben. Wie süß ist der Herr. Mit himmlischen Wohlgeruch erfüllt Er die reinen Seelen. Er ist ja der Liebhaber der Keuschheit. Bleibe Ihm treu. Ich stehe dir zur Seite in deinem Leiden und komm mit den Bräuten Christi, wenn der Herr dich holt." Es ist die heilige Basilissa. (Die hl. Basilissa wurde 290 in Nikodemien, heute Türkei, geboren und starb als Kind den Märtyrertod.)

 

Sonntag, den 13. Januar 1946

In den letzten Tagen sind meine Glieder sehr geschwollen und mein Gesicht ist ganz entstellt. Ich ging heute zur Kirche, weil die Sehnsucht und Liebe zu groß ist. Ich mußte mich am Nachmittag wieder hinlegen. Das hl. Antlitz des Herrn schaue ich. Jesus spricht: "Mein Angesicht sahest du so schön. So schön sind die Seelen derer, die Mein hl. Antlitz verehren. Die Schönheit ihrer Seelen spiegelt sich wieder auf Meinen Angesicht. Ich wiederum werde Meine Leidenszüge auf ihr Antlitz prägen. Daran soll man Meine Opferseelen erkennen."

Es naht St. Gottfried und spricht: "Ich besaß auch die große Sehnsucht und weinte viel. Es ist eine große Gnade, Tränen zu vergießen vor Sehnsucht nach Gott und aus Liebe zu Ihm. Bereite dich vor und rüste dich auf jene Stunde, die dich ganz mit dem Dreieinigen Gott vereint. Wenn du ganz traurig bist, so rufe mich an und ich bringe dir himmlischen Trost."

 

Sonntag, den 20. Januar 1946

Schon vom 10. Januar an darf ich die Leiden des hl. Antlitzes tragen. Bis zum 26. darf ich sie tragen. In diesen Leidenstagen sind der hl. Josef, die hl. Genoveva und der hl. Gottfried bei mir. Heute auf meinem Kirchweg begegnet mir die kleine Christel Höhn. Sie ist andersgläubig. Sie geht aber jeden Sonntag und auch an Werktagen in die hl. Messe. Wenn ich sie treffe, ist immer ein frohes Leuchten auf ihrem Gesicht. Sie geht immer allein, wenn sie zur Kirche geht. Ich habe sie gern, diese kleine, sonnige Gottesblume. Sie ist an mir vorbei. Sie weiß nicht, warum sie mich heute so besonders froh ansieht. Jesus ist an meiner Seite. Er spricht: "Weihe Mir dieses Kind und segne es. Sie trägt eine große Liebe zu Mir, diese Kleine." Ich tue es und bete, daß Christel immer der besondere Liebling des Heilandes bleiben möge.

 

Samstag, den 26. Januar 1946

Nach der hl. Kommunion schaue ich Maria mit dem Jesuskind auf der Weltkugel. Sie ist von Engeln umgeben und spricht: "Wie einst unter dem Kreuze und bei der hl. Wandlung bin ich Opferpriesterin."

 

Donnerstag, den 31. Januar 1946

Ich sehe Jesus segnend auf der Weltkugel. Dann sehe ich Ihn als König auf dem Thron. Es kommen Priestermärtyrer im weißen Gewand. Auf ihrem Gürtel tragen sie das Lamm Gottes, blutend. Zwei Priester schreiten voran und führen Abbé. Vachère. Alle Priester tragen ein Licht. Sie knien vor dem Thron nieder. Der Herr spricht: "Zu Meinem Schlachtopfer erwählte ich dich vor der ganzen Welt. In die letzte Zeit Meiner Wiederkunft habe Ich dich hineinschauen lassen und dir geoffenbart, welch Strafgericht über die sündige Welt kommen werde. Du fandest ebenso wenig Glauben wie Ich, das Lamm, das man zur Schlachtbank führte. Du ließest dich verurteilen und selbst Meine Braut wandte sich ab von dir. Ich aber, der Ewige, der Allwissende, war und blieb bei dir, selbst in der Einsamkeit. In allem bist du Mir ähnlich geworden. Wohlan, du guter getreuer Arbeiter in Meinem Weinberg, jetzt sollst du den Lohn empfangen, der dich in der ganzen Welt verherrlichen wird. Auch durch deine getreuen Anhänger bin Ich trotz der Gottlosigkeit hingetragen zu vielen Armen und Verlassenen. Sie haben die Kraft erfahren, die von jenen Bildern ausgeht. Nimm nun die Krone, die allen zuteil wird, die zur Ehre der Altäre gelangen. Bald wirst du ein Licht und eine Leuchte der Kirche sein." Tiefgebeugt und demütig kniet Abbé Vachère vor dem Herrn, der ihm eine wunderbare Krone aufsetzte. Ich kann nicht mehr hinschauen, bin wie geblendet. Im gleichen Augenblick enthüllen alle Priester ihr Licht und ein Meer von Licht erstrahlt. Sie singen ein Danklied, das niemand singen kann, als nur die, die so den Herrn lieben, wie diese. Ich kann es kaum fassen. Ich bitte fast um ein Zeichen.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 1. Februar 1946

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus im weißen Gewand. Ein Strahlenglanz umgibt Ihn. Sein Herz leuchtet schöner wie die Sonne. Er steht auf einem Berg und Freude verklärt Sein Antlitz. Engel erscheinen und dienen Ihm. So oft nun auf der Erde der Name 'Jesus' andächtig ausgesprochen wird, so verklärt sich das hl. Antlitz schöner. Die Engel überkreuzen ihre Hände und neigen tief ihr Haupt.

Ich schaue hinein in das Fegfeuer. Wenn auf Erden andächtig gebetet wird: "Mein Jesus Barmherzigkeit", dann geht ein Strahl der Liebe vom heiligsten Herzen ins Fegfeuer und die Sehnsucht der Seelen wird größer. Sie ringen ihre Hände und ihre Seufzer sind nur ein Rufen nach Gott. Wenn die Verdammten das andächtige Beten des Namens Jesus hören, werden ihre Qualen größer. Sie winden sich in Schmerzen und möchten sterben, aber sie können es nicht. Einander machen sie sich Vorwürfe. Die Kinder verfluchen ihre Eltern, die sie nicht die Ehrfurcht vor dem Namen 'Jesus' lehrten.

Am Abend führt Maria mich in den Blumengarten der Priester, in dem seltsame Blumen sind. Sie haben große braune Blätter und eine große Knospe in der Mitte. Wird solch ein Kind geboren, so trägt der Engel des Kindes vor seiner Geburt ein Samenkorn zu Erde und senkt es ins Herz der Mutter. Zur gleichen Stunde schließt sich die Knospe im Himmelsgarten. Die Blume hat weiße Blätter, in Form ähnlich wie die der Rose, nur größer. Im Innenteil der Blume sind eine Reihe roter Blätter, auf denen kleine, weiße Kreuze sind. In der Mitte ist ein kleines, weißes Blätterherz, so groß wie eine Linse. Die roten Blätter sind außen gelb und tragen die Form eines Kelches. Erklärung: Der Stamm mit den Zweigen und Blättern ist die Kirche. So still und rein wie die Rose, so schön wie sie, so soll auch die Seele des Priesters sein. Die goldgelben Blätter versinnbildlichen den Kelch. Die roten Blätter versinnbildlichen das Blut des Herrn. Der Blütenstaub, weiß und klein, aussehend wie ein Herz, versinnbildlicht den eucharistischen Heiland. Die Kreuze sind die Leiden der Priester. Sie werden ja mit dem eucharistischen Heiland ans Kreuz geheftet.

 

Sonntag, den 3. Februar 1946

Jesus und Maria begleiten mich mit Engeln zur Kirche. Jesus sagt: "Ich weiß um deine Sehnsucht. Ich höre so gern, wenn eine Seele verlangt nach Mir. Rufe Mich. So oft du dich sehnst nach Mir, so oft eile Ich hin zu dir. Mit himmlischem Frieden werde Ich dich jedesmal beglücken." Nach der Andacht knie ich am Altar der Muttergottes. Ein Laufen und Trippeln stört mich schon eine ganze Zeit im Gebet. Dann schaue ich doch einmal und sehe einen dreijährigen Jungen, der andauernd durch die Kirche läuft. Das Kind kommt zur mir, da ich es rief. Ich nehme es bei der Hand und führe es zur Krippe. Der Kleine setzt sich hoch auf die Bank. Ich erzähle ihm vom Jesuskind und vom verborgenen Heiland, der im Tabernakel wohnt. Der Kleine sagt: "Wo ist denn der Altar?" Ich nehme ihn bei der Hand und erkläre ihm alles vom verborgenen Jesus, der uns hier sieht, auch wenn wir Ihn nicht sehen und der die Kinder so gern hat. Weiter sage ich zu ihm, daß der liebe Heiland ein großer König sei, vor dem man immer, wenn man in der Mitte vom Altar vorbeigeht, die Knie beugen muß. Ich belehre ihn, wie es gemacht wird. Der Kleine übt sich und freut sich nach einer Zeit, als er es ganz schön gemacht hat. Er sagt: "Jetzt knie ich immer vor dem lieben Heiland. Ich bleibe auch bei Ihm." Er beugt nun dauernd seine Knie, bis ich sage: "Jetzt wollen wir ein wenig beten." Er fragt wieder: "Was ist das, beten?" Ich: "Beten ist, ganz lieb und fromm mit dem lieben Gott sprechen."

Er: "Ich kann noch nicht beten, ich bin noch so klein."

Ich: "Wenn du, mein Bübchen, auch noch so klein bist, so mußt du doch schon beten. Der liebe Heiland hat die Kinder so gern. Er freut sich, wenn sie ihre kleinen Hände falten und sagen: Jesuskindchen klein, usw. oder Lieber Gott, mach mich fromm, usw." Die Gebete betete ich mit ihm und sagte: "Wenn du das immer betest, hat Jesus dich gern und du darfst einmal zu Ihm in den schönen Himmel kommen. Der ist noch viel schöner wie diese Kirche." Wir beten noch etwas zusammen. Dann bitte ich, er möge ein wenig still sein, da ich auch für mich noch beten möchte. Er schaut mich an und sagt: "Bete mal laut. Ich will mal hören, ob du auch beten kannst." Ich tat es und er hörte aufmerksam zu. Dann frage ich, ob das schön war. Da sagte er: "Ich meine, das konntest du noch schöner machen." Es wurde Zeit, daß ich heimging. Ich fragte, wo der Kleine wohne. Er sagt: "Da, um die Ecke. Ich gehe nicht mit. Ich bleibe immer hier in der Kirche." Er lief wieder fort zum Altar hin. Ich gehe zum Altar des hl. Antonius und bitte um Hilfe. Nach einigen Minuten kommt ganz aufgeregt eine Frau in die Kirche und ruft: "Franz, ich suche dich schon lange. Was machst du hier?" Er antwortet: "Ich bleibe hier, ich gehe nicht mit. Ich muß hier bleiben, bei dem großen König." Mit Geschrei läuft er fort durch die Kirche und ruft: "Ich bleibe hier bei dem König."

Ich sage der Mutter, daß ich mich schon 2 Stunden mit dem Kind befasse und hätte nicht fort gekonnt, weil ich nicht wußte, wem das Kind gehörte. Die Mutter sagte dann, daß Kind sei schon oft fortgelaufen. Immer wieder hätte sie es aus der Kirche geholt. Dann nimmt sie ihren Jungen auf den Arm und verläßt das Gotteshaus. Seltsam, wie der Herr sich oft den Kinderseelen offenbart. Eine geheime Macht treibt sie zu Ihm. Die Mutter betet nicht mit dem Kind, aber der Herr zieht es schon an sich. Ich durfte ihn die ersten Gebete lehren. Möge es immer gesegnet sein im Leben. Ich werde es nicht vergessen. Der Kleine erzählte mir auch, als ich ihm erklärte wo Jesus wohnt: "Da bin ich schon heraufgeklettert. Da ist es schön."

 

Montag, den 4. Februar 1946

Jesus zeigt mir seinen rechten, geschwollenen Fuß. Er sagt: "Als die große Nadel Mein Haupt durchbohrte, war der Schmerz so groß, daß er durch den ganzen Körper bis in die Füße drang, die dann aufschwollen. Du darfst teilnehmen an diesen Leiden. Trage sie für jene, die ihre Füße anderswo hinlenken, als zu Mir."

Ich höre heute, daß man gerade in unserem Dorfe schlecht über mich redet, spottet und bösartig meine Aussprache nachmacht. "Es ist gut so, Herr. Vor Dir muß man zum Tor werden, der Leute Spott und Verachtung. Ich werde sie segnen und beten für sie, wie Du ja auch für Deine Feinde und Übeltäter gebetet hast." (Wir kamen aus Gelsenkirchen und sprachen nur Hochdeutsch und hier spricht man ein plattdeutschen Dialekt der Rheinländer.)

 

Dienstag, den 5. Februar 1946

Nach der hl. Kommunion. Ich sehe eine grüne Wiese, einen großen Stall und Schafe; die weiden. Der Wiese gegenüber ist eine Wildnis. Viele Schafe irren umher. Sie möchten herüber zur grünen Weide, aber ein großes Wasser trennt sie. Sie sind auch ohne Hirt. Jesus spricht: "Siehe, soviele irren noch umher. Ein Meer trennt sie vom guten Hirten. Helft ihnen, daß sie das Schiff Maria finden, in dem sie hinübergelangen zu Mir, dem guten Hirten, in dem ein Schafstall und auf dem eine Weide ist, die ewig grün ist."

 

Donnerstag, den 7. Februar 1946

Ich sehe den hl. Josef. Er ist so schön. Meine beiden Engel sind bei ihm. Er reicht mir eine Kerze. Ich weihe mich ihm: "Heiliger Josef, ich bitte dich, nimm mich an als deine Pflegetochter. Gleich wie ich Maria meine inneren und äußeren Güter übergeben habe, so gebe ich mich auch dir hin, mit Leib und Seele, mit Gut und Blut. Sei mein Schutz und Schirm auf allen Wegen. Eile hernieder in meiner letzten Stunde; um meine Seele in die ewige Heimat zu führen."

Jesus naht im Freudengewand. Ein goldenes Gefäß trägt Er, aus dem süße Klänge kommen. Ich frage: "Herr, was bedeutet das?" Er spricht: "Das Gefäß, das du siehst, ist deine Sprache. So schön und kostbar ist die Sprache, ein goldenes Gefäß mit süßen Klängen. Wie schön wäre es, wenn dieses Gefäß mehr zum Lobe und zur Ehre Gottes gebraucht würde. Dieses Gefäß wird aber am meisten vom Schmutz der Sünde gefüllt. Auf Bitte des hl. Josef habe Ich dein Opfer angenommen. Es soll ja sein für die Sünden, die dem Herrn ein Greuel sind. Dann werde ich für die Welt und die Menschen dein Gefäße verschließen." Ich danke dem Herrn.

 

Samstag, den 9. Februar 1946

Nach der hl. Kommunion sehe ich den guten Pater Phillipp mit ausgebreiteten Armen. Er schaut Wolken, die sich teilen.

Halb in seiner Sonne ist Jesus dornengekrönt im weißen Gewand. Pater Phillipp spricht: "Dieses Bild trieb mich immer wieder mit größtem Eifer an, den Weg der Vollkommenheit zu gehen. Es war wie bei dir, wo es der Herr an der Geißelsäule ist." Dann sehe ich den hl. Franziskus, der weint. Ich frage: "Guter Vater, warum weinst Du?" Er: "Ich weine, weil meine gekreuzigte Liebe nicht geliebt wird, wie sie geliebt werden sollte. Wenn ich noch einmal zur Erde herniedersteigen könnte, dann würde ich umherziehen und allen Menschen von der gekreuzigten Liebe predigen."

 

Sonntag, den 10. Februar 1946

Die hl. Anastasia zeigt mir ein unscheinbares Kästchen und spricht: "Unscheinbar wie dieses Kästchen sollst du sein. Die Welt wird dich nicht beachten, weil du klein und unscheinbar bist. Sammle Edelsteine in diesem Kästchen und damit schmücke deine Seele. Den Leib schmücke mit Christi Kreuz. Die schönsten Edelsteine findest du nur im Gebet, im Opfer, in der Sühne und in der Entsagung. Bleibe in allem Gott getreu. Halte Seine Gebote und unterwirf dich in allem Seinem hl. Willen. Vergiß deine Brüder und Schwestern nicht in den Tagen der Not. Sage dieses allen, die Gott wahrhaft lieben, daß er auch die Krone des ewigen Lebens schenkt."

Einen schon lange Vermißten empfehle ich der seligen Katharina Emmerick.

 

Freitag, den 22. Februar 1946

Heute erhalte ich Nachricht von der Mutter des Vermißten, daß ihr Sohn lebt. Auf diese schnelle Erhörung schicke ich ein besonderes Dankgebet zum Himmel, damit die Selige bald zur Ehre der Altäre erhoben werde.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 1. März 1946

Tage der Sühne und Verlassenheit liegen hinter mir. Nach der hl. Kommunion sehe ich ein seltsames Bild. Groß und majestätisch schaue ich etwas. Ich finde für diese Gestalt nicht das rechte Wort. Es ist alles wie Nebel, wie Licht, wie Schleier. Ich fühle, daß ich immer kleiner werde, als sei ich schon Staub. Doch ich wage, ein wenig den Blick zu erheben. Es schwebt über das Weltall. Das schwebende Etwas kann ich mit meinem kleinem Verstand nicht enträtseln. Ich bitte Jesus um Erklärung. Nun sehe ich klar. Der Vater ist es, der ewig Unveränderliche, der über die Erde durch das Weltall schwebt. Ich bitte lange: "Vater im Himmel, Vater unser, laß uns nicht untergehen. Habe Erbarmen. Vatergott, die Not ist groß und wird noch größer. Ich bitte Dich, laß Dich versöhnen durch Deinen Sohn, Jesus Christus. Du bist nicht nur gerecht, Du bist auch die Güte und Liebe." Ich bete noch lange zum Vater und gebe die hl. Kommunion in die Hände Mariens, damit sie bitte mit dem hl. Josef und St. Nikolaus um Gnade und Barmherzigkeit.

 

Aschermittwoch, den 6. März 1946

Der Herr ist erzürnt über den Fastnachtstrubel. Er reicht mir ein großes Kreuz und spricht: "Trage es in dieser hl. Zeit, bis du ganz vereint bist mit diesem Kreuz, bis zur Selbstvernichtung." Es ist Leidenstag für mich. Ich höre einen Namen: Corussa. Der schwarze Tod geht umher und mit ihm Hunger und Not. Ein Licht schreckt mich. Ein Engel steht vor mir mit weißem Gewand. Darüber trägt er eine grüne, überkreuzte Schärpe. Die Hände sind auch überkreuzt. Er spricht: "Ich bin Lumen Dei – das Licht Gottes! Licht soll ich bringen auf die dunkle Erde, um die Seelen der Menschen zu erleuchten, damit sie umkehren von den Irrwegen und den Weg finden zu Gott. Der Herr gab große Gnade und ließ die Völker mahnen, Buße zu tun. Der Gottesruf ist nicht gehört und überhört worden. Nur die stillen Dulder, Büßer und Opferseelen haben ihn vernommen und die Sühne geleistet, die den Zorn Gottes besänftigen soll. Ihnen ist es zu verdanken, daß nicht noch größere Heimsuchungen gekommen sind. Kehret um und tuet Buße."

 

Sonntag, den 10. März 1946

Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Bis heute war es eine Vorbereitung für die Leiden, die du tragen darfst für die Bekehrung der Sünder. Das Evangelium des Tages spricht für diese Zeit. Der Versucher wagt es, auch an die Seelen heranzutreten, die mit Mir vereint sind, in denen Ich lebe. Er nutzt die Not der Zeit aus und will sie abhalten, Buße zu tun. Nur eine Zeit treibt er dieses Spiel. Übe weiter die Werke der Barmherzigkeit."

 

Dienstag, den 12. März 1946

Jesus spricht: "Eine große Verlassenheit wirst du tragen für die Sünder, die Gott verlassen haben. Zerstreut ist die Herde an allen Orten. Der Herr wird sammeln die Schafe aus allen Völkern und sie führen aus der Finsternis zum Licht. Noch ist die Zeit der Prüfung. Übet die Werke der Barmherzigkeit. Diese Zeit ist eine große Gottes- und Gnadenzeit. Gott ließ diese Zeit zu, damit ihr die Werke der Barmherzigkeit üben könnt. Seid wachsam. Euer Widersacher, der Teufel, geht umher und sucht, wen er verschlingen kann. Verlasset die Wege der Sünde, damit der Herr Barmherzigkeit euch erweise. Haltet nicht Gericht über die Zeit. Tuet vielmehr Buße, denn Gottes Pläne sind nicht eure Pläne. Was Er euch jetzt nimmt als Zweck zu eurer Heiligung, das schenkt er euch hundertfältig wieder nach den Tagen der Heimsuchung."

 

Donnerstag, den 14. März 1946

Schon drei Tage quält Satan mich. Ich drohe oft zu ersticken. Meinen hl. Engel rufe ich immer zu Hilfe. Er steht mir auch bei. Heute spricht er: "Seid barmherzig. Vergebet einander, wie auch der Herr euch vergibt. Teilet euer Brot mit den Hungrigen und bekleidet den Nackten. Seid gerecht und treibt nicht Wucher. Helft einander und wandelt nach des Herrn Geboten." Meine Leiden werden größer.

 

Freitag, den 15. März 1946

Heute spricht der hl. Engel: "Ein lautes Schreien geht hinauf zum Herrn: Du bist nicht gerecht, Gott. Wenn Du der gerechte Gott wärst, wie kannst Du diese Not zulassen? Der Herr läßt sagen: Seid ihr gerecht? Haltet ihr Meine Gebote? Abgewandt habt ihr euch und seid verkehrte Wege gegangen. Wer Böses tut, muß sterben. Kehret um zu Mir und ihr werdet leben." Meine Verlassenheit wird größer. Die Sündenlast drückt, die ich hinzunahm zu meiner Schuld. Der hl. Engel tröstet mich immer wieder.

 

Sonntag, den 31. März 1946

Heute spricht der hl. Engel: "Viele im Fleisch Geborene werden die Erde erfüllen. Sie werden Kinder der Sünde sein. Ein Wehe geht über die Erde, wenn diese ihre Kinderschuhe ausgezogen haben. Sie werden sich erheben wider Gott und Sein Gebot. Sie werden ihre Eltern verachten und ein freies Leben führen. Ihre Mütter werden mehr weinen als jene, die Jesus tröstete auf seinem Kreuzweg."

 

Montag, den 1. April 1946

Der hl. Engel spricht weiter: "Der Herr klagt: Ein Volk wächst heran, das Mich nicht kennt. Mein heiliges Wort wurde ihnen vorenthalten, Meine Gebote kennen sie nicht. Sie richten sich nur nach den Gesetzen der Welt. Ein Wehe geht über die Erde. Mein Weinberg ist so leer. Wo finde Ich mehr Arbeiter in Meinem Weinberg? Heilige Priester suche Ich, die sich opfern, wie Ich Mich geopfert habe und Mich noch immer opfere auf den Altären. Ich komme bald, Ich der König. Ladet ein alle zur Hochzeit des Lammes. Gehet auch auf die Straßen, in die Gassen, an die Ecken und Zäune und ladet alle ein zur Hochzeit. Das Mahl steht bereit."

In letzter Zeit sehe ich bei der hl. Wandlung die hl. Hostie von Strahlen umgeben. Über dem Kelch sehe ich ein Kreuz. Das hl. Blut sehe ich leuchten im Kelch. Der hl. Franziskus ist oft um mich und zeigt mir seine Wunden.

 

Priestersamstag, den 6. April 1946

Der hl. Engel spricht heute: "Erhebet eure Häupter und schauet auf den Herrn. Er erbarmt sich noch immer Seines Volkes und wird euch erretten. Er wird euch aus der Finsternis herausführen zum Licht, wenn ihr betet mit Andacht und Innigkeit: Unser täglich Brot gibt uns heute. Nicht Vorräte sollt ihr sammeln, sondern täglich um die Gabe Gottes beten, die ihr für Leib und Seele nötig habt. Er wird euren Hunger und Durst stillen und eure Häuser wieder aufbauen lassen. Ihr werdet Freude haben, und die Freude wird euch nicht genommen werden, so ihr dem Herrn dient und untereinander liebet wie Kinder des himmlischen Vaters."

 

Passionssonntag, den 7. April 1946

Mit Jesus will ich in die Verborgenheit gehen, sühnen, opfern und leiden. Meine Verlassenheit ist in dieser Fastenzeit sehr groß, daß ich den hl. Franziskus um Beistand bitte.

Er sagt heute: "Du leidest heute für die Sünder. Du mußt auch ihre Sünden auf dich nehmen, gleich wie Jesus es tat. Der Vater sah nicht mehr den Sohn, sondern einen, der die Schuld der ganzen Welt trug. Wenn dein Heiland schon so schwer litt, Er, der Unschuldige, wieviel mehr drücken dich deine und die Sünden anderer, da du doch ein armseliger Mensch bist. Du bist abhängig von der Gnade Gottes."

 

Montag, den 8. April 1946

Satan quält mich sehr. In meiner Not kommen mir Maria und viele Engel mit St. Michael zur Hilfe. Auch der hl. Josef und Franziskus helfen.

 

Mittwoch, den 10. April 1946

Mein hl. Engel spricht: "Tuet Gutes denen, die euch verfolgen. Betet für sie, daß die Liebe einkehre in ihre Herzen. Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Rächet euch nicht, denn der Herr rächt alles zu seiner Zeit, vergilt einem jeden nach seinen Werken. Teilt euer Brot mit dem Hungernden und eure Kleider mit den Nackten."

 

Donnerstag, den 11. April 1946

Nach der hl. Kommunion sehe ich einen schönen Heiligen. Ich frage, wer er sei. Er sagt: "Kennst du die Evangelisten nicht? Ich bin Matthäus." Ich frage, ob er eine Bitte habe. Er sagt: "Ich suche Opferseelen für mein Volk, denen ich das Evangelium schrieb. Nicht mehr weit ist die Ankunft des Herrn. Bevor der Herr kommt, sollen auch die Juden das Evangelium angenommen haben. Wer opfert sich für sie? Willst du das Opfer werden und für sie bitten?" "Ja, Matthäus, nimm mich für sie. Welcher Tag soll für sie sein?" Er erwidert: "Nehme den Montag, der dem Heiligen Geiste geweiht ist. Bitte Ihn, daß er die Juden mit Seinem Licht erleuchte, damit sie Christus annehmen und die Welt im Heiligen Geiste geheilt und erneuert werde."

 

Palmsonntag, den 14. April 1946

Seit Tagen leide ich für einen kranken Priester. Dieser ist aber als Leidensopfer erwählt und erkennt es noch nicht. Der Herr prüft ihn nun auf seine eigenen Worte hin, die er einmal auf der Kanzel sprach, daß das Gottwohlgefälligste Leiden sei. So will ich bitten, daß er diese große Gnade erkennt. Es ist E. L. aus Overath. Seinetwegen stellt Satan mir sehr nach. Wenn ein Priester reine Opferseele ist, das fürchtet er noch mehr. Mein Körper ist ein Krampfzustand vom Scheitel bis zur Fußsohle. St. Franziskus hilft und vertreibt Satan. Dann darf ich Jerusalem schauen. Eine unübersehbare Menschenmenge sehe ich, sogar auf den Dächern. Freudig erregt sind die Kranken auf ihren Bahren. Ich sehe die Tempeljungfrauen und viele Kinder. Alle sind weiß gekleidet. Ihre Sprache verstehe ich nicht. Sie winken mit Palmen und Ölzweigen. Ich höre das 'Hosanna'. Dann sehe ich Jesus nahen auf der Eselin. Er ist so schön, daß ich die Worte gebrauche, die man für Maria braucht: "Ganz schön bist Du, mein Freund, mein Jesus, ganz schön bist Du. Kein Makel ist an Dir." Immer wieder rufe ich 'Hosanna'. Jesus macht Halt und schaut in die Ferne. Auf meine Frage sagt mein guter Vater Franziskus: "Jesus sieht die Menschen der Jahrtausende, die ihn huldigen und das 'Hosanna' singen. Er freut sich darüber."

Dann, aus dieser Freude heraus, beginnen die Leiden für meinen Priester. Satan stellt mir nach und will mich vernichten. Er quält mich. Vor Not und Pein bitte ich: "Legt mir doch ein Kreuz auf meine Füße." Sie haben Angst und sind kopflos geworden. Ich bete, daß ich aus den Fesseln Satans herauskomme. Ich werde ein wenig frei, ziehe den heiligen Blutring ab und werfe ihn auf den Teufel. Er flieht. Das war ihm doch zuviel. Ich bin wie im Schweiß gebadet, aber der Krampf ist fort.

 

Montag, den 15. April 1946

Es ist der erste Montag, den ich für Israel halte. Die hl. Kommunion opfere ich in dem Sinne durch Maria und Matthäus auf. Ich bete lange. Ich sehe Golgatha. Die Juden fliehen vor dem Gott, den sie ans Kreuz schlugen. Im anderen Bild sehe ich, wie sie bittend und flehend ihre Hände erheben zu Jesus, dem Gekreuzigten. Dann erscheint der Bischof von Münster, Graf von Galen. Er salbt mich für die kommenden Leiden. Dann sehe ich Jesus mit Lazarus, Maria, Martha, Joachim, Anna, die Muttergottes, St. Josef, Franziskus, Antonius und Aloisius. Erfreut sage ich: "Herr, bleibe bei mir in den Leidensstunden." Aber er spricht: "Ich bin immer bei dir. Wenn du leidest, leide Ich mit. Ich wohne ja in deiner Seele, weil Meine Gottheit und Menschheit dich ganz durchdringt. So leide Ich in allen Opferseelen. Nur am Karfreitag bist du verlassen wie Ich am Kreuz. Darum bist du gesalbt worden. Bete dann für die Feinde, damit Liebe und Erbarmen in ihr Herz einkehre."

Eine Freude habe ich noch am Abend. Ein Mann, den der Geldteufel neun Jahre gepackt hatte, der hat sich gewandelt. Vergangene Woche gab er der Frau das Geld mit den Worten: "Ich will nun sorgen. Ihr gebraucht es ja so nötig." Das war wieder geschehen durch die Macht des Scheyrer Kreuzes.

 

Mittwoch, den 17. April 1946

Ich leide sehr. Der Versucher tritt an mich heran: "Warum leidest du? Schaue dir die Welt, die Menschen an. Meine Macht herrscht überall. Wer schaut noch auf die stillen Dulder, auf die Kleinen, die niemand beachtet. Folge mir. Du wirst Freude empfinden und glücklich sein." Enttäuscht bin ich und sage: "Weiche Satan. Du bist der Lügner und Betrüger von Anbeginn. Ich leide, weil ich ein Glied Christi bin und teilnehme am Erlösungswerk. Die Welt braucht dich nicht, schaue auf Golgatha. Du aber wirst bald gestürzt werden von deinem Herrscherthron. Die stillen Dulder werden dir die Seelen entreißen und hinführen zu Christus, dem König." Bis zum Morgen bleibt der Leidensengel bei mir.

 

Gründonnerstag, den 18. April 1946

St. Johannes begleitet mich zum Gotteshaus. Er zeigt mir den Abendmahlsaal. Wie Kinder sehen die Jünger, die Erstkommunikanten, drein. Nur einer schaut finster, Judas. Wie schön ist Jesus. Er trägt sich selbst in Seinen Händen.

Am Abend vereine ich mich mit Jesus im Leiden. Ich sehe die großen Blutstropfen, die die Erde tränken. Ich folge Ihm wie Er sich aufrafft und die Jünger bittet, eine Stunde mit Ihm zu wachen. Dann ist Er wieder allein, zittert und bebt an allen Gliedern. Er ruft zum Vater. Oh, wie groß ist doch die Sünde, die dieses Opfer fordert. Er erhellt die Dunkelheit. St. Gabriel stärkt Jesus. Ich leide mit Ihm bis zum Morgen.

 

Karfreitag, den 19. April 1946

Auf dem Heimweg ist Johannes an meiner Seite, auch Maria Magdalena. Johannes trägt einen Leidenskelch. Er spricht: "Alle wurden irre am Herrn, als die Jünger flohen. Ich wich nur zurück und folgte Ihm. Tiefer schaute ich die Geheimnisse der Gottheit Jesu. Wohl hätte ich helfen können, aber ich wußte, daß der Herr leiden mußte, daß Seine Stunde gekommen war, die Welt zu erlösen. So folgte ich von ferne, bis ich mit seiner Mutter und Maria Magdalena zusammentraf. Wir blieben bei Ihm, bis Sein Werk vollbracht war, bis Er friedlich lag im Totengemach. Ich kann daher das größte Zeugnis über die Geheimnisse der Gottheit Jesu ablegen."

 

Ostersonntag, den 21. April 1946

Jesus ist auf dem Weg bei mir. Er ist so schön. Er zeigt mir, wie Er in die Vorhölle steigt. Sie jubeln und freuen sich, die Gerechten des alten Bundes.

 

Weißer Sonntag, den 28. April 1946

Ich bin in Ittenbach. Mein hl. Engel sagt: "Gehe dort hinauf. Große Freude wirst du haben." Ich folge. Es war so schön wie in der Urkirche, wie die Täuflinge am Weißen Sonntag in die Kirche einzogen. Das Portal öffnet sich. In langen weißen Gewändern, mit Holzsandalen an den Füßen, stehen die Mädchen und die Knaben. Mit brennenden Kerzen in den Händen ziehen sie ein. Der Kinderchor, der vorausgeht, singt:

Wo willst du hin, du kleine Schar?

Zum König will sie.

Zur Hochzeit sind sie geladen.

Ziehet nun ein.

Er wartet der König, der Bräutigam.

Sie ziehen an mir vorbei und ich darf sie segnen. Um den Altar knien all die Kleinen. Ihnen gebührt ja heute der Ehrenplatz an der Tafel des himmlischen Königs. Ich sehe noch mehr Gäste da knien. Es sind die Schutzengel der Kleinen. Sie führen sie hin zu ihrem König, zum göttlichen Kinderfreund. Als sie Ihn aufnehmen in ihre kleine Herzen, da steht über der Monstranz eine Sonne. Sie leuchtet den Kleinen und all den anderen. Ob sie wohl die Wärme der eucharistischen Sonne verspürt haben?

 

Dienstag, den 30. April 1946

Ich erschrecke fast bei der hl. Wandlung. Die hl. Hostie wird strahlendes Licht. Rot wie in Blut getaucht, leuchten die Hände des Priesters. Ich wage zu fragen: "Herr, was bedeutet das?" Er antwortet: "Man redet viel über diesen, meinen Priester. Siehe, wie Ich ihn liebe, daß Mein Herz glüht und strahlt vor Freude.

Er wird so verurteilt und doch arbeitet er für Meine Ehre. Liebe ihn und bete für ihn." Ja, würde mehr gebetet für die Priester, anstatt daß man soviel Gericht hält.

 

Mittwoch, den 1. Mai 1946

Ich darf heute Maria schauen. Im wallenden, weißen Gewand steht sie auf weißen Wolken. Sie trägt eine goldene Krone mit einem großen Stern. Engel umgeben sie. Sie segnet die Erde. Maria öffnet ein Gefäß und nimmt ein blaues Tuch heraus, wie eine Stola. Sie legt es um mich und sagt: "Ich lege dir die blaue Stola der Treue um. Du wirst dadurch geschützt vor deinen Feinden und hast Macht über sie. Bete Freitags für die Feinde des Kreuzes. Satan kann dir nichts anhaben, da du unter meinem Schutz steht."

 

Samstag, den 4. Mai 1946

Die letzten Tage geht mein Herz über vor Sehnsucht und Liebe zu Jesus. Soviel Worte der Liebe sage ich Ihm immer wieder. Heute spricht Er: "Meine kleine Braut, ich freue Mich, wenn Ich so geliebt werde, entäußert von allem. Ich lasse dir die Kraft, solange du in Meinem Haus bist. Nachher mußt du dich deiner Schwäche und Armseligkeit bewusst werden, damit du demütig bleibst und nicht in Sünden fällst. Diese Schwäche schützt vor der Sünde."

 

Sonntag, den 5. Mai 1946

Bei unserem hochw. Herrn Pfarrer wird bei der hl. Wandlung die hl. Hostie wieder zum Licht. Beim Erheben des Kelches sind die Hände des Priesters wie in Blut getaucht. Eine Gestalt steht hinter ihm. Dann ist sie fort. Beim 'Agnus Dei' erscheint sie wieder und beugt sich mit dem Priester über die hl. Gestalten.

"Herr, wie liebst Du Deinen Priester! Es tut mir weh, daß soviele schlecht über ihn reden. Ich werde die Schuld gut machen, soweit ich es kann und die Ehre des Priesters wieder herstellen."

Am Nachmittag bin ich auf dem Heimweg. Jesus steht vor mir und zeigt mir Sein Herz. Ich verstehe nicht. Dann fällt mir ein, daß ich, weil ich gestört wurde, am Morgen die Begrüßung des hl. Herzens vergaß. Ich bitte um Verzeihung und hole das Versäumte nach. Jesus spricht: "Ich warte am Morgen, daß man um den Segen Meines hl. Herzens bittet. Sage das den Großen und Kleinen. Bittet um viel, ich gebe so gern."

 

Dienstag, den 7. Mai 1946

Ich bin auf der Marienburg zum Einkehrtag. Der Priester spricht: "Mutter, nicht zeigen sollst du uns Jesus, nein, schenke Ihn uns." Ich sehe sie und sie spricht: "Alle sollen teilnehmen an meiner Osterfreude. Verklärt kam mein geliebtes Kind zu mir nach Seiner Auferstehung. Übergroß war meine Freude, mein Herz jubelte und frohlockte in meinem Gott, meinem Heiland. Mein Kind, das das Herz seiner Mutter mit dem Glanz Seiner Auferstehung erfüllt. Ich schenke euch nun den Auferstandenen, den Verklärten, damit Er mit Seinem Lichte eure Seelen erleuchte und eure Herzen froh mache. Möge die Zukunft noch so dunkel vor euch liegen, ihr braucht nichts zu fürchten, da ihr das ewige Licht aus meiner Hand empfangen habt." Die Nacht ist Leidensnacht für jene, die keine Osterfreude haben.

 

Dienstag, den 14. Mai 1946

Bin sehr krank über acht Tage (Nieren). Ich leide für die, die an der Regierung sind. Jesus kommt immer geheimnisvoll zu mir. Es ist mein süßes Herzensgeheimnis.

 

Freitag, den 24. Mai 1946

Ich klage der lieben Gottesmutter, weil ich durch das Kranksein fast garnicht die Maiandacht besuchte. Sie tröstet mich. "Nur Freude hast du in Jesus. Du weißt, meine Tochter, daß dir auch die geistigen Freuden genommen werden. Jeder Blutstropfen gehört deinem Heiland, dessen Opfer du bist durch mich. Halte aus im Leiden. Das ist die größere Maiandacht. Sage es allen Kranken. Ich segne sie besonders im Mai. Das ist ihre Freude und ihr Trost."

 

Sonntag, den 1. Juni 1946

Nun geht es wieder. Die Krankheit ist überstanden. Jesus, Maria, Josef, die hl. Schutzengel und soviele andere Heilige waren meine Freude und Trost in der Zeit. Jesus erscheint heute im roten Mantel und reicht mir den Leidenskelch. Ich frage: "Herr, im Zeichen des Martyriums erscheinst du heute am 1. Tag des Monats, der Deinem hl. Herzen geweiht ist. Sag doch, warum trägst du einen roten Mantel und den Leidenskelch?" Jesus sagt: "Die Liebe wird dich verzehren in diesem Monat. Ganz zum Leidensopfer wirst du werden." Ich danke: "Herr, Dein Wille geschehe."

Auf dem Heimweg naht eine Frau, die viel und gern redet. In meiner Andacht möchte ich nicht gestört sein. Um nicht zu sündigen durch unnützes Geschwätz, bitte ich Jesus mir zu helfen. Da geht ein furchtbarer Schmerz durch meine Glieder. Ich wanke und muß mich in den Graben setzen. Die Frau meint, ich höre nichts und sagt: "Arme Frau. Sie wird auch noch nüchtern sein und nichts zu essen haben." Was weiß sie schon, wer meine Kraft und Stärke ist, wer meine Wege lenkt und leitet. Sie ist weitergegangen, denn Stille umgibt mich. Dann höre ich Jesu Stimme: "Ich ließ es zu, daß du schwach wurdest und befreite dich so von der Schwätzerin." "Herr, ich danke Dir. Du weißt, daß ich lieber leide, als durch unnötige Worte die so kostbare Zeit vergeude. Nur Dir will ich dienen, mit Dir sprechen, denn Du allein hast Worte des ewigen Lebens."

 

Sonntag, den 2. Juni 1946

Schon länger sehe ich die Buchstaben WWV, die ganz plötzlich da sind. Als ich auf dem Wege darüber nachdenke, ist mein hl. Engel bei mir und spricht: "Diese Buchstaben bedeuten: Wort, Wahrheit, Vergeltung. Durch Worte ist viel und wird noch viel gesündigt. Geheiligt soll jedes Wort sein, das aus eurem Munde kommt. Was ist Wahrheit? Dieses Pilatuswort steht groß in unserer Zeit. Alles ruft und schreit nach Wahrheit, aber man findet so wenig Wahrheit. Als Königin steht die Lüge da und führt die Welt. Wohin endet das? Man will vergelten. Das Wort 'Vergeltung' hat einen hohen Klang erhalten. Man hat aber nicht den gefragt, der allein das Recht hat, Vergeltung zu üben. Er, der Schöpfer aller Dinge, Er wird einem jeden vergelten nach seinen Werken. Das Schwert ist gewählt, dreimal schneidend. Die weiter damit umgehen und vergelten mit Macht und Gewalt, die werden umkommen. Weiter sahest du die Buchstaben: N und E. Sie bedeuten Not und Elend. Durch dieses Tun aller Völker wird die Not und das Elend größer. Das ewige Licht leuchtet hinein in eure Tage, in eure Not und euer Elend. Ihr erkennt es nicht und löscht es aus, wenn es euch leuchten will. Gehet hin und zündet eure Herzen an, an dem ewigen Licht, damit eure Seelen mit Licht erfüllt werden. Es naht die Zeit, da das Angesicht der Erde im Heiligen Geiste erneuert sein wird. Rufet ihn, den Tröster, Er bringt Rettung."

 

Mittwoch, den 5. Juni 1946

St. Bonifatius mahnt: "Bereitet euch vor auf die Ankunft des Heiligen Geistes. Nehmt Ihn auf wie Jesus im Sakrament der Liebe." Jesus naht wieder im roten Gewand und dem Leidenskelch. Ich verlange, ihn zu trinken. Nach diesem Verlangen segnet mich Jesus mit dem Kelch. Dann bin ich allein.

 

Sonntag, den 9. Juni 1946

Maria erscheint als Braut des Heiligen Geistes von Engeln umgeben. Sie trägt ein verhülltes Gefäß, wie ein Ciborium. Sie spricht: "Ich bin die Vermittlerin aller Gnaden. Nimm dieses Geschenk, die Gaben des Heiligen Geistes. Gib sie weiter, diese Gaben an alle, die danach verlangen, Kinder des Heiligen Geistes zu sein. Immer kommt Er im Sturm und ihr merkt es nicht."

 

Mittwoch, den 12. Juni 1946

Gestern war Einkehrtag für die Seele, deren Freudentag heute ist. Nun, nach langen Jahren des Wartens, können wir wieder frei handeln. Heute legte ich die hl. Profess im 3. Orden des hl. Franziskus ab. Zum zweiten Male erhalte ich den Namen der Büßerin Maria Magdalena. So soll es sein, in Buße und Sühne näher zu Gott. Die Muttergottes, St. Franziskus mit einer Engelschar, umgeben mich.

 

Freitag, den 14. Juni 1946

Dank sind die Tage dieser Woche für die großen Gnaden. Nach der hl. Kommunion sehe ich eine Krone. Darüber ist der gekreuzigte Heiland von Wolken umgeben. Daraus fällt ein Licht, das Strahlen verbreitet. Darüber denke ich nach auf dem Heimweg. Die Muttergottes ist an meiner Seite und sagt:

"Groß und erhaben ist das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit.
Der Vater ist die Krone der Schöpfung.
Der Sohn ist die Krone der Erlösung.
Der Heilige Geist ist die Krone der Liebe.
Aus Liebe hat der Vater die Welt erschaffen. Aus Liebe hat der Sohn sie erlöst. Aus Liebe hat der Heilige Geist sie geheiligt. Schenkt dem dreieinigen Gott eure Liebe."

 

Samstag, den 15. Juni 1946

Jesus erscheint ganz weiß im roten Mantel. In der Rechten trägt er einen Kelch, darüber eine Taube schwebt. Ahnend sage ich: "Herr, schenke mir und allen den Heiligen Geist."

Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Mein heiligstes Herz ist die Quelle des Lebens und der Heiligkeit. Der Kelch mit Meinem Blute ist die Quelle aus der immer neues Leben strömt. Wo Ich bin und Leben spende, da ist auch der Heilige Geist und heiligt die Seele. Kommet alle oft, ja alle Tage. Der Heilige Geist kehrt dann auch alle Tage bei euch ein." Er segnet und eine Wolke verdeckt ihn.

 

Donnerstag, den 20. Juni 1946, Fronleichnahm

Vier Leidenstage sind hinter mir. Den Arzt wollte man holen, weil ich für meine Schwäche einen Zusatz an Lebensmittel nötig hätte. Jesus ist ja meine Stärke und Nahrung, die Kraft verleiht. Ich muß schweigen. Er ist ja das Geheimnis meines Lebens. Heute bin ich nur Freude mit Ihm allein, der segnend durch die Orte zieht.

 

Freitag, den 28. Juni 1946, Herz-Jesu-Fest

Nach der hl. Kommunion zeigt Jesus mir Seine Füße. Auf jedem Fuß ist eine rote Rose. Er ist so schön, daß ich in meiner Freude sage: "Herr, laß mich Dich umarmen. Darf ich es oder bin ich nicht würdig?" Jesus sagt: "Meine Füße darfst du umarmen und küssen. Die Rosen deuten auf die Liebe, die Mich bewog auf Erden zu wandeln." Dann sehe ich alle Seine hl. Wunden. Eine jede ist bedeckt mit einer weißen Rose. Jesus spricht: "Sei so still und rein wie diese Rosen. Dann stehen dir alle Pforten zu Meinen Wunden offen. Da wirst du geborgen sein."

 

Montag, den 1. Juli 1946

Blutig wie an der Geißelsäule erscheint der Herr mit dem Kelch in der Hand. Er spricht wie einst im Abendmahlssaal: "Trinket alle daraus. Das ist Mein Blut, das Blut des neuen Bundes, Geheimnis des Glauben, das für euch und viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das ist die eine, unversiegbare Quelle bis zum jüngsten Tage. Trinket alle daraus. Ihr werdet ewig leben. Es kommen Tage, da austrocknen die anderen Quellen, da das Meer in Blut getaucht ist. Die Menschen werden vergehen vor brennender Glut und vor Durst. Dann kommt zu Mir. Ich bin der Spender des Lebens. Wer schöpft aus Meiner Quelle, den wird nimmer dürsten."

 

Donnerstag, den 4. Juli 1946

Bis heute sind Sühnetage in der Stille und Verlassenheit. Für die Sünden des Fleisches mache ich heute zu Fuß eine Wallfahrt nach Eudenbach (Siebengebirge), acht Kilometer von hier. Ich merke, warum ich hierhin sollte. Eine alte Frau ist in der Kirche, die zur Beichte ging. Zwei Stunden bin ich allein hier bei meinem Jesus. Niemand kam zur hl. Stunde. Soviel ich vermochte, tröstete ich Jesus für die Kälte und Gleichgültigkeit in diesem Orte. Wie reich wurde ich an Gnaden.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 5. Juli 1946

Ich sehe Jesus blutend am Kreuz. Herz Jesu Quelle allen Trostes. Jesus spricht: "Offen steht die Quelle von Golgotha für die ganze Welt. Trinket daraus und badet darin eure Seelen. Ihr werdet leben, rein und heilig werden. Gestärkt werdet ihr durch diese Kraft für den großen Tag. Trost findet ihr durch Mein hl. Blut in den Tagen der Trübsal, die dem großen Tag Gottes vorausgehen."

 

Dienstag, den 9. Juli 1946

Einer lieben Seele schenke ich ein blutendes Herz-Jesu-Bild. Sie wundert sich, daß sie noch nichts davon hörte, da ihre Eltern von Frankreich sind. Sie erzählt mir von der Muttergottes von Banneaux. Ich staune und bekenne, daß ich davon noch nichts gehört habe. Sie ladet mich ein, um mir ein Bild zu zeigen und ein Büchlein, das von den Erscheinungen am Gnadenort spricht. Soll die Muttergottes wieder etwas Besonderes wollen?

 

Mittwoch, den 10. Juli 1946

Ich sehe einen großen Schleier, der sich über das Hochkreuz am Hochaltar zieht. Heute, wie schon oft, sehe ich den Corpus leuchtend. Jesus spricht heute: "Nie wird die Welt die Geheimnisse des Kreuzes verstehen, als jene, denen es gegeben wird, die bitten um die Früchte des Kreuzes. Wer sie genießt, wird ihre Kraft empfinden. Die anderen werden schwach bleiben, und der Fürst der Welt wird große Macht über sie haben. Sie werden den Schleier der Geheimnisse nicht durchdringen. Die Frucht scheint ihnen bitter. Oh, kenntet ihr doch die Süße der Früchte des Kreuzesbaumes, ihr würdet rufen: Herr, gib uns immer diese Frucht. Sie ist so süß und stärkt zum Kampf gegen die finstere Gewalt."

 

Donnerstag, den 11. Juli 1946

Ich muß mich immer anklagen wegen meiner Hinfälligkeit und Schwäche. Jesus tröstet und sagt: "Wenn die stark werden sollen, für die du bittest, muß du schwach werden. Ich betete für Meine Feinde am Kreuze und sie sahen auch nur Meine Schwäche. Wer schwach wird für andere, dem gebe Ich Kraft für die Auferstehung am jüngsten Tage. Wachet und betet. Seid bereit, gekleidet im hochzeitlichem Gewand. Laßt leuchten euer Licht."

 

Freitag, den 12. Juli 1946

Abends 6 Uhr stehe ich betend vor meinem Herz-Jesu-Bild. Auf einmal geht ein großes Leuchten aus von dem Bild. Ich erschrecke, weil es immer zuckt und aufleuchtet wie Blitze. Weil es ärger wird, frage ich bang: "Lieber Heiland, was bedeutet das?" Jesus spricht freudig: "Freude empfindet Mein Herz, daß das unbefleckte Herz Mariens immer mehr verehrt wird. Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohl ergehen und du lange lebest auf Erden. Das gilt nicht nur für den leiblichen Vater und die leibliche Mutter, das gilt auch für den Vater und die Mutter im Himmel. Wer diesen Vater und diese Mutter ehrt und liebt, dem ist der Gottessohn Bruder. Seid daher bemüht, eine große Gottesfamilie zu werden, wo die Liebe herrscht."

 

Samstag, den 13. Juli 1946

Zwei schreckliche Nächte sind hinter mir. Ich nähe an beiden Tagen bis ein Uhr nachts. Dann gehe ich schlafen. Kaum liege ich, da kommen in der ersten Nacht Hände und Arme bis zum Ellbogen, die Männerarme und -hände sind. Sie packen mich und drücken mir fast das Kreuz ein. Ich schreie vor Schmerz und rufe eine Stunde bis zwei Uhr: "Mein Jesus, Barmherzigkeit!" Dann ist der Spuk fort. Mir tut alles weh. Die letzte Nacht war es noch schlimmer. Dieselben Arme und Hände packen meinen Unterkörper. Ich schreie und rufe: "Mein Jesus, Barmherzigkeit! Wer ist dieser Teufel, den Du an meinen Körper läßt? Er will die unreine Sünde. Herr, alles tue ich, aber das nicht. Hilf mir doch." Das geht eine Stunde so. Um drei Uhr ist der Spuk vorbei. In Schweiß gebadet und weh vom Schmerz stehe ich auf und knie unter dem Herz-Jesu-Bild. Ich sage: "Herr, ich bete solange und stehe nicht eher auf, bist du mir sagst, welcher Teufel das war." Nach vier Stunden spricht Jesus: "Du hast Mich vor Wochen um ein Zeichen gebeten, als Adolf Hitler dir erschien. Genügt dir dieses Zeichen?" Ich: "Ja Herr, es genügt. Ich weiß, daß er ein Verlorener ist, für den man nichts mehr tun kann."

 

Sonntag, den 14. Juli 1946

Lumen Dei, der große Lichtengel erinnert mich heute, daß ich sein Erscheinen am 23. Juni nicht aufschrieb. Ich hielt es nicht für demütig. Es soll aber niedergeschrieben werden, damit später Seelen, die es lesen, sich diesem hl. Engel weihen. Er hat große Macht.

Am 23. Juni bin ich auf dem Heimweg. Ich wählte einen einsamen Weg, um ungestört zu beten. Ich werde schwach und fühle, daß eine Macht mich bannt. Lumen Dei erscheint. Er segnet mich und spricht: "Meine Schwester, Gottes Segen spende ich dir. Er, der Allmächtige sendet mich. Willst du ein Licht werden, das den Armen leuchtet in der Finsternis?" Ich erwidere schüchtern: "Großer erhabener Engel, Licht Gottes, Bote des Himmels, oh, ich danke dir für diese Freude, die Gnade. Ein Licht der Armen möchte ich schon werden. Ist aber dies Licht auch rein, nicht getrübt durch die Sünde? Leuchte möchte ich schon sein, aber sie sollen mich nicht erkennen, nicht wissen, was es für ein Licht ist, das dem Armen leuchtet in ihr dunkles Dasein. Bin ja nur eine Magd des Herrn." Der Engel spricht weiter: "Weihe dich mir. Ich werde dich führen bis zur letzten Stunde." Dann vollziehe ich die Weihe: "Heiliger Engel sei mein Führer auf allen Wegen. An deinem Licht laß mich anzünden mein kleines Lichtlein. Mit diesem Lichtlein will ich leuchten den Armen, die nicht hindurchschauen können durch die Finsternis der Sünde. Ich weihe mich dir, wie ich mich Jesus, Maria und Josef geweiht habe. Wenn mein kleines Lichtlein die Herzen angezündet hat, dann steige hernieder, Licht Gottes, und leuchte ihnen weiter, damit sie sehend werden. Laß sie schauen diesen Weg und ihn freudig gehen, der hinführt zum ewigen Licht." Noch einmal segnet mich Lumen Dei und schwebt aufwärts.

Seit gestern darf ich ganz schwere Leiden der sichtbaren Dornenkrone tragen. Nach der hl. Kommunion zeigt Jesus mir Sein blutendes Herz und spricht: "Ich bin der himmlische Arzt. Mein Blut ist Trank und auch Balsam für die dürstenden Seelen, für die, die krank sind."

 

Dienstag, den 16. Juli 1946

Gott läßt es zu, daß der Teufel mich quält ob der Sühne. Er macht mich zum Gespött. Stundenlang sitze ich so, mit dem Kopf fast den Boden berührend. Es schmerzt sehr, aber ich komme nicht hoch, eher tiefer. Gott läßt es eine Zeit zu, dann werde ich wieder frei durch Maria oder die hl. Engel. Heute am Skapulierfest sehe ich die Muttergottes ganz weiß. Sie trägt einen blauen Gürtel. Ich sah sie schon länger so, aber diesen Gürtel hielt sie in der Hand und legte ihn um mich, als ich das Opfer für die Gottesfeinde wurde. Habe immer gemeint, es sei eine Stola. Heute spricht sie seltsam und geheimnisvoll: "Eine große Freude wartet deiner."

Am Nachmittag bin ich bei Frau Deynet, der guten Seele, die mir von Banneaux erzählte. Sie gibt mir ein Buch von dem Gnadenort, in dem ich kurz etwas lese. Ich schaue auch im schwarzen Druck ein Bild der Erscheinung. Das ist mir alles neu, bisher nicht bekannt. Sie erzählt von ihrem Vater, der wunderbar dort geheilt wurde. Aus Dankbarkeit machten sie jedes Jahr wenigstens eine Wallfahrt dorthin. Dann sagt sie: "Ich habe noch ein großes Bild in meinem Schlafzimmer, so natürlich, wie Maria dem Kinde erschienen ist." Sie holt es. Als ich das sehe, vergesse ich, wo ich bin und hocherfreut sage ich: "Das ist ja Maria, ja, das ist sie. So sah ich sie oft in letzter Zeit, nur den Gürtel hielt sie in der Hand. Heute früh sah ich sie so wie auf diesem Bild. Ich meinte immer, es sei eine Stola. Das muß eine Bedeutung haben." Ich komme zu mir und sage zu Frau Deynet: "In meiner Freude vergaß ich mich. Von dieser Schauung durfte ich wohl nicht sprechen. Ich weiß, Sie sind eine feine Frau und werden es als Geheimnis bewahren, was sie hörten." Das versprach sie mir. Wir wurden von der Stunde an zwei Verbündete, die auf die Ehre der Muttergottes bedacht waren. In diesem stillen Bund nahmen wir ihren guten Mann hinein. Auf dem Heimweg denke ich über alles Gehörte nach. Wie seltsam oft die Wege Gottes und der Gnade sind.

Daheim in aller Stille erscheint Maria und spricht: "Du sahest mich, wie ich dir den Gürtel, die vermeintliche Stola, reichte. Die Gewalt, die Macht über die Gottesfeinde verlieh ich dir. Du weißt nun, wer ich bin. Du kennst jetzt das Bild: Die Jungfrau der Armen! Es ist Zeit, daß alle Nationen mich als die Jungfrau der Armen kennen lernen. Ich bin ja auch die Mutter der schönen Liebe, die Mutter der Barmherzigkeit. Mutter bin ich den Armen und Hilflosen, aber ich will ihnen auch Jungfrau sein, die Freude bringt, die Frohsinn und Liebe spendet." "Oh, Jungfrau der Armen, hilf uns. Hilf auch meiner Familie, wo vieles so zerrüttet ist, durch Satans Spiel und Macht. Sei eingedenk vor Gottes Angesicht, ein gutes Wort für uns zu sprechen, auf daß Er von uns wende Seinen Zorn." Weiter sagte sie dann: "Ich bin die Jungfrau der Kranken, der Notleidenden, der Verlassenen. Alle Nationen werden noch mehr heimgesucht werden, sofern sie nicht Gott allein die Ehre geben und die Werke der Barmherzigkeit üben. Linderung will ich den Kranken bringen. Das heilige Wasser von meiner Quelle soll in alle Länder verschickt werden und man soll es für die Kranken gebrauchen. Die anderen Hilfsmittel werden kaum noch vorhanden sein in den großen Tagen der Heimsuchung. Das Wunderwasser von Banneaux wird aber noch reichlicher werden. Viele Kranke werden gesund an Leib und Seele. Dann kommt die Zeit, da meine kleine Kapelle nicht mehr leer wird, ebenso wird man zur Wunderquelle eilen. Ist nicht die Welt voll Schmerz und Leid? Ich lindere alle Schmerzen. Habt Vertrauen zu mir, ihr Armen und Leidgeprüften. Ihr folgt dem Banner der armen Jungfrau von Bethlehem. Ihr müßt mit ihr hinauf zum Berg der Schmerzen. Sie führt euch auch zum Berg der Glorie, nach allen Kämpfen, nach allem Leid. Betet viel, betet innig mit Vertrauen die Novene zur Jungfrau der Armen. Betet auch drei 'Ave'. Das erste ist für die Bekehrung der Sünder. Das zweite ist für die Ausbreitung des Reiches Christi. Große Hilfe wird euch zuteil." Segnend schwebt sie aufwärts. Ich kann nur danken.

 

Samstag, den 20. Juli 1946

Ich bin bei Gabriele Schoeller. (Schwester des ersten Seelenführers Benediktiner Pater Wygbert Schoeller, Abteil Siegburg.) Wir halten Gedankenaustausch. Dabei erfahre ich, daß der Herr einer großen Seele gesagt hat, daß es Sein Wunsch sei, daß einmal im Monat ein jeder Priester eine hl. Messe zu Ehren des Heiligen Geistes halten soll. Sie soll so gehalten werden, wie der Herz-Jesu-Freitag, mit Aussetzung des Allerheiligsten. Auf dem Heimweg denke ich darüber nach. Da ist Jesus plötzlich an meiner Seite und spricht: "Es ist das sehnlichste Verlangen Meines heiligsten Herzens, daß die Liebe, die vom Vater und vom Sohne ausgeht, mehr anerkannt und so geliebt werde, wie beide, der Vater und der Sohn. Große Gnaden werden der Welt zuteil, wenn der 3. Person der Gottheit das gleiche Maß an Anbetung und Ehre zuteil wird wie dem Schöpfer und Erlöser. Er ist der Heiligmacher, der alle heiligt und neu macht. Habt Vertrauen zu Ihm. Er ist ja nur Liebe."

 

Montag, den 22. Juli 1946

Ich leide für die Blinden. Die Glieder sind so lahm. Der Weg fällt doppelt so schwer. Als Kreuzträger muß es so sein. Nach der hl. Kommunion erscheint Jesus mit Lazarus und Maria Magdalena. Lazarus spricht: "Weinet nicht über eure Toten, die im Herrn sterben. Sie werden von Ihm zum Leben wieder erweckt werden. Man spricht soviel: Es gibt kein Jenseits, kein Wiedersehen, keine Auferstehung. Ich sage und bezeuge es vor aller Welt, daß Jesus der Sohn Gottes ist und Macht hat über Leben und Tod. Er rief mich aus dem Totenreich zurück ins Leben. Als Zeuge stehe ich vor der ungläubigen Menschheit, weil ich durch die Allmacht Jesu Christi schon einmal von den Toten auferstanden bin. So harret des Tages, da alle auferstehen werden. Gedenket oft der letzten Dinge und tuet Buße. Nicht weit mehr ist der große Tag des Herrn."

 

Dienstag, den 23. Juli 1946

In der Nacht war Maria Magdalena bei mir. Mit einem Schwamm wäscht sie mein Antlitz. Sie spricht: "Dieser getränkte Schwamm gab Meinem Herrn die ganze Bitternis in Seinen Leidensstunden. Auch dir wird nichts mehr schön sein, außer Jesus. Wenn du trost- und hilflos bist, alles dir bitter erscheint, dann schaue auf zu deinem Jesus, den man in letzter Stunde mit Galle und Essig tränkte. Gedenke dann des Tages, da ich dein Angesicht gewaschen habe. Eine große Ruhe wird über dich kommen. Ich bin bei dir in den Leidensstunden."

 

Mittwoch, den 24. Juli 1946

Es ist Abend 6 Uhr. Eine Gestalt steht vor mir im weißen Gewand. Sie sieht so geisterhaft aus. Um das Haupt legt sich ein Kreuz von leuchtenden Stäben. Ich zweifle an der Echtheit, denke an einen Teufelsspuk. Die Gestalt tritt näher und fordert mich auf: "Folge mir! Ich bin Elias." Mein Geist folgt ihm. Weit und schwer ist der Weg. Es ist sehr dunkel, nur die Stäbe leuchten, die Elias trägt. Je weiter wir gehen, desto heißer wird es. Ich drohe zu ersticken. Qualm kommt mir entgegen. Unzählige Hände greifen durch den Qualm, und Gestalten ragen hoch, die aber im Augenblick wieder versinken. Sie rufen um Hilfe. Sie verschmachten vor Durst. Ich verstehe nicht, was sie wollen. Es scheint, als wären hier Wahnsinnige. Feuer sehe ich überall. Es ist schlimmer als Blitze. Es ist mit 1000 Gewittern auf einmal nicht zu vergleichen. Elias spricht: "Das ist die Hölle des 20. Jahrhunderts. Du kannst sie nicht zählen, die darin sind. Furchtbar ist ihre Pein. Sie sündigten alle wider dem Heiligen Geist.

Siehst du das Feuer? Das ist der Zorn Gottes. Dann schreien jedesmal die Verdammten. Sie dürsten sehr. Im Leben haben sie geschwelgt in Wein und Alkohol. Nun leiden sie große Pein." Ich sehe weiter, ein Irrlicht, ein Hakenkreuz in Flammen und Feuer. Sie müssen immer darauf schauen, dann schreien sie furchtbar. Ich bitte: "Elias, führe mich fort. Ich ersticke, ich sterbe. Bitte meinen Heiland, Er möge mich matern, daß jeder Tropfen Blut langsam austrocknet unter großen Schmerzen, aber nicht, daß ich komme in die Hölle. Oh, wenn alle Menschen hineinschauen dürften, sie würden Buße tun." Wir gehen den Weg zurück. Ich bin aber so schwach durch das Furchtbare, daß ich nicht aufstehen kann.

 

Donnerstag, den 25. Juli 1946

In der Nacht mußte ich aufstehen und einen Bußgang mit bloßen Füßen im Zimmer machen. Die Statue der Unbefleckten mußte ich tragen und dabei den Rosenkranz der Unbefleckten beten. Es soll sein für die Kranken, die nicht aufstehen können, die beten für den Frieden der Welt. Es soll auch sein für den Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens. Maria ist bei mir mit der Heiligenschar.

 

Dienstag, den 30. Juli 1946

Ich sehe Jesus am Kreuz. Seine sterbenden Blicke sind auf mich gerichtet. Die Augen sind so blutig, der Blick so sehnsüchtig. Jesus spricht: "Siehe meine sterbenden Blicke. Lese darin die Sehnsucht nach eurer Liebe." "Jesus, sei meine einzige Liebe."

Herz Jesu, schließ uns alle ein.
Maria möge Schutz und Schild uns sein.

In der Not zu Sankt Josef geht,
im Kampf St. Michael uns beisteht.

Wir wollen beten, oft und viel,
dann wird nicht schwer der Reise Ziel.

 

Donnerstag, den 1. August 1946

Ich bin auf dem Kirchweg. Meine Gedanken sind bei der himmlischen Mutter. Da tritt im weißen Gewand und blauer Schärpe ein Engel an meine Seite. Er spricht: "Ich grüße dich, mein Schwester, im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, der hohen Himmelsgöttin, aller Engel und Heiligen. Ich bin der Engel der Jugend. Zu Gott muß ich sie führen. Ich suche aber Opfer. Willst du dich opfern für die Jugend?" Er begleitet mich in die Kirche. Da kommt eine fremde Schar mit ihren geistlichen Führer. Der Engel spricht: "Segne die ganz Jugend mit deinem Kreuz und weihe sie dem Herrn." Eine schöne Feierstunde erlebe ich. Ich hörte, daß die Jugend von Opladen sei, die in unserem Ort ein Zeltlager aufgeschlagen hat. Sie beteten und sangen so schön. Das wird Gottes Vaterherz schon erfreut haben. Wer aber opfert sich weiter für die Jugend?

 

Herz-Jesu-Freitag, den 2. August 1946

Wie Nebel und Schleier sehe ich die unendliche Gestalt des Vaters. Seine Hände umfassen ein großes Herz. Aus dem Herz steigt eine große Flamme. Diese teilt sich in viele Flammen. Das Herz ist der Sohn, die Flamme der Heilige Geist. Die anderen Flammen, Zeichen der Liebe, gehen vom Heiligen Geiste aus und zünden die Herzen an, die durch den Heiligen Geist erleuchtet und geführt werden. "Herz Jesu, Du Feuerbrand der göttlichen Liebe, erbarme Dich unser."

 

Priestersamstag, den 3. August 1946

Zwei Tage leide ich für einen Priester, der in der letzten Woche starb. Er mußte seine Herde mehr zum Herzen Jesu führen. Dafür leidet er noch. Der Bischof von Münster, Graf von Galen sagt mir: "Bitte für meinen Mörder, daß er Gnade finde. Durch ihn bin ich zum Mörder geworden." Dafür leiste ich besondere Sühne. Dann zeigt mir Jesus die weitere Not der Zeit. Sehe viele Märtyrer von Priestern und Ordensleuten. Noch mehr kommen hinzu, ehe abgeschlossen ist das 5. Siegel. Der Glaube stirbt noch mehr, die Liebe erkaltet noch mehr, nur Haß und Zwietracht herrschen. Die Flüchtenden nehmen bis zu diesem Zeitpunkt kein Ende.

Als ich aufwache, ist lieber Besuch bei mir. Ich entdecke, daß die Statue der Unbefleckten zerbrochen ist. Das geschah im Kampf mit Satan. Er wollte sich rächen. Ich werde die Statue nun gerade wieder in Ordnung bringen.

 

Sonntag, den 4. August 1946

Der Kirchgang ist schwer. Jesus ist meine Kraft und meine Liebe. Mutter Anna Hilker begleitet mich. (Frühere Haushälterin von Abbé Vachère.) Der Teufel quält mich sehr heute. "Es ist ja doch alles Schwindel. Ich werde dich ausliefern. Du gehörst mir. Du kommst doch in die Hölle." Ich rufe meinen Heiland und die liebe Gottesmutter. Alles bleibt still. Es sind Ölbergstunden. "Herr, wie Du willst, so geschehe es."

 

Mittwoch, den 7. August 1946

Nach der hl. Kommunion sehe ich den Himmel wie schwarze Nacht. Darin hängt Jesus leuchtend wie am Kreuz. Es ist aber kein Kreuz da. Lauter zuckende Blitze umgeben Ihn. Die Erde zittert, das Meer rauscht und geht über die Ufer. Wie Rufe klingt es aus dunklem Meeresgrund. Diesem Rufen folgen viele Menschen aus Not und Verzweiflung. Das Rauben, Morden, Plündern und Stehlen nimmt zu. Ein Wehe geht über das Wasser, ein Wehe über die Säuglinge. Die Ärzte stehen vor Rätseln. Die Seuchen nehmen überhand. Es ist ein grausiges Bild. Ich flehe um Erbarmen. Jesus aber sagt: "Der Zorn Gottes ist 3 x 3000 x 3000 ärger entbrannt, so werden auch Heimsuchungen 3 x 3000 x 3000 ärger sein."

 

Donnerstag, den 8. August 1946

Abends um 11 Uhr bin ich noch im Garten, um die Wäsche abzunehmen. Durch einen Leidenszustand ging es nicht eher. Ein Rascheln, als ob jemand durch Laub käme, erregt meine Aufmerksamkeit. Ich denke schon, es wären Diebe. Da sich das Geräusch verliert, schaue ich hinter die Hecke, ob sich jemand versteckt hat, der mich wohl erschrecken will. Ich sehe nichts. Ich rolle die Leine auf. Da wird das Geräusch stärker. So sage ich: "Es ist doch jemand hier." Wie aus dem Erdboden gewachsen steht Adolf Hitler vor mir. Der Schreck lähmt mich fast. Ich laufe fort, aber die Gestalt folgt mir. Ich bin in der Not, daß ich gleich nach Weihwasser verlange. Ich werde lahm und falle. Man gibt mir gleich den ganzen Weihwasserkessel. Ich mache ein Kreuz und werfe dem Unhold den ganzen Kessel nach. Er flieht, und meine Kräfte kehren zurück.

 

Freitag, den 9. August 1946

Mit meiner lieben Mutter Anna gehe ich zu einem heiligmäßigen Priester. Es ist ein Freudentag, der durch den Segen dieses Priesters gekrönt wird. Es ist der hochwürdige Pater Wigbert Schoeller, Benediktiner, der nun mein Seelenführer ist.

Mütterlein fuhr am Nachmittag wieder nach Essen. Ich habe sie so gern. Kaum ist sie fort, ist der Versucher an meiner Seite und raunt mir zu: "Gut, daß die alte Hexe fort ist. Die betrügt dich nur. Ihr kommt alle in die Hölle." Heiliger Zorn ergreift mich: "Weiche Satan und kreuze nicht immer meine Wege. Herr, hilf mir vor seinen Angriffen."

 

Sonntag, den 11. August 1946

Ich sehe Abbé Vachère auf einem goldenen Thron. Er ist ganz weiß. Auf seiner Krone leuchten 12 goldene Kugeln. Die Päpste erscheinen und verneigen sich tief. Verhüllt tragen sie ein Ciborium. Jesus kommt von rechts und spricht: "Siehe, so groß ist seine Glorie. Alles wird sich neigen vor ihm. Das ist der Triumph der Kirche. Ein neues Jerusalem ersteht bald. Die Zeit naht, da Mein Schlachtopfer von der Kirche aus den Krallen Satans befreit wird." Ich bitte um Segen für mich und alle Brüder und Schwestern. Der Segen wird erteilt. Alle Päpste knien nieder.

 

Montag, den 12. August 1946

Ich denke an Hans. Vier Jahre ruht er schon in Rußland. Bei Erhebung des Kelches sehe ich ein blutendes Lamm darin.

 

Dienstag, den 13. August 1946

Satan verfolgt mich wieder. "Du bist doch mein. Es nützt dir alles nichts. Bleibe lieber im Bett und bleibe zu Hause."

Ich bin so lahm, daß ich mich kaum erheben kann. Maria und die Heiligen helfen, daß ich für die hl. Messe um 8 Uhr zurechtkomme. Satan hat nicht gesiegt. Durch mein Opfer habe ich jetzt Freude. Ich bin ganz allein gewesen. Es ist wieder ein fremder Priester mit seiner Jugend da, die so schön singt. Beim Segen des Priesters kommt wie aus Wolken ein großer Arm mit einer Hand. Sie legt sich segnend über die Jugend. Vor Freude bitte ich: "Vater, bist Du es? Dann lege doch beide Hände auf die Jugend." Da kommt auch der andere Arm und die andere Hand. Segnend liegen beide Hände über der Jugend. Ein Dankgebet sende ich zum Vater.

 

Sonntag, den 18. August 1946

Ein furchtbarer Schmerz der Dornenkrone geht durch meinen Kopf. Ich verliere den Halt und falle. Vor mir steht die Himmelskönigin, ganz weiß. Neben ihr steht ein Engel im weißen Gewand. Er trägt eine Krone, die durch einen Schleier verhüllt ist. Er führt die Totgeborenen. Sie tragen alle Blumen und gehen zur Himmelskönigin. Der Engel enthüllt seine Krone. Sie wird zur Lichtkrone, und er selbst ist nur Licht. Ich erkenne ihn jetzt. Es ist Lumen Dei. Man könnte glauben, es sei Gott, so schön ist er. Wie schön muß erst Gott in Seiner Herrlichkeit sein. Lumen Dei führt diese Kinder, die Lichter der neuen Zeit, in die Stadt Gottes. Dort ist Festtag für sie, die von den Heiligen erwartet werden.

 

Montag, den 19. August 1946

Der Tag ist für das Volk Israel. Heute muß ich die Leere mitfühlen, die sie haben. Jesus entzieht mir Seine Liebe. Ich leide sehr. Der Engel des Trostes naht und spricht: "Verstehst du das Wort: Tausend Jahre sind bei dem Herrn ein Tag und ein Tag wie 1000 Jahre? Die Liebe kennt keine Zeit. Wahre Liebe zu Gott hat nur Gegenwart. Würdest du Gott lieben wie die Cherubim und Seraphim, und 1000 Jahre würde dir dann die Liebe entzogen, so würde es dir sein, als hättest du nur einen Tag Gott geliebt. Wer diese Liebe besitzt, kann ohne sie nicht leben. Wenn der Herr die Seele prüft und ihr die Gegenwart entzieht, meint sie, sie müsse sterben." "Guter, heiliger Engel, bitte für mich, daß ich bleibe in der Gottesliebe."

 

Dienstag, den 20. August 1946

Mit St. Genoveva naht die Muttergottes. Ich höre: "Schaue einmal in die dir anvertrauten Bücherkisten. Dort findest du das Buch. Lese darin. Wenn du an die betreffende Stelle kommst, sage ich dir, was ich will." Ich bitte um Segen, weil es mir seltsam vorkommt. Segnend entschwebt Maria. Ich darf auch St. Bernhard auf einem schönen Thron schauen. Es ist großer Festtag im Himmel an den Festen großer Heiligen, in Gott mit Seinen Heiligen und Engeln.

 

Donnerstag, den 22. August 1946

Satan naht in der Nacht und will mich zur Sünde verführen. Seine Hände drücken mir die Seiten ineinander. Auf mein lautes Schreien wird alles wach. Auf meine Hilferufe ist St. Michael bei mir und sagt: "Schlafe auf der Kreuzesreliquie und auf dem blutenden Herz-Jesu-Bild. Rufe meine Hilfe an und meinen Schutz, wenn du zur Ruhe gehst. Ich werde kämpfen, wenn der Böse naht. Der Herr läßt es zu, um dich zu prüfen. Lege die Kreuzesreliquie und den Kreuzesbalken unter dich. Gehe früh zur Ruhe und stehe um 1 Uhr auf. Büße und sühne, denn um die Zeit geht der böse Feind um. Ich bin mit dir, habe Vertrauen. Pax vobis." "Mein Jesus, Dein Kreuz ist mir nun Ruhestätte. Du ziehst mich ganz empor zu Dir. Wie gut bist Du!"

 

Sonntag, den 1. September 1946

Freudentag habe ich. Es ist ja der 4. Vermählungstag mit meinem lieben Jesus. Meine beiden Schutzengel und St. Michael umgeben mich. Ich darf einen jungen Mann besonders segnen, der ein Kind der katholischen Kirche wurde. Eine Gelähmte soll ich der Heiligsten Dreifaltigkeit weihen. Sie fühlt den Segen und lächelt mir freudig zu. Weil beide noch viel Gnade brauchen, darf ich die Leiden der Dornenkrone und eine große Verlassenheit 10 Tage für sie tragen. Ein stilles Leid trag ich noch und schaue nicht hindurch. Freitag, den 30. August erhielt ich durch Maria L. abends um 7 Uhr die Nachricht, daß ihr Bruder in Belgien gefallen ist und dort begraben liegt. Sie sagt: "Meine Mutter glaubt es nicht. Sie sagten doch, er käme wieder. Das muß ein anderer sein, der vielleicht die Jacke der Uniform von H. trug. Mutter läßt fragen, ob wir die Exequien für ihn halten sollen." Ich erwidere: "Ich verstehe selbst nicht, weil ich auf seine Rückkehr hoffte. Dann wären meine Aussagen ja Lüge. Natürlich muß das Totenamt gehalten werden. Die Nachricht ist amtlich. Wie weit meine Berichte Wahrheit sind, das weiß ich nicht, weil ich alles so hörte und sah, wie ich es euch mitteilte." Sie ging wieder. Trotz aller Freude heute werde ich nicht froh. Soll Satan mir einen Streich gespielt haben, der mich hier als Lügnerin stempelt? Ich leide so, daß ich es kaum wage, zur hl. Kommunion zu gehen. Jesus aber sagt: "Du hast keine Schuld. Alles ist Wahrheit." Ich verstehe es jetzt garnicht mehr. Heinis Vater hat eine Bäckerei im nächsten Dorf. Solange ich hier wohne, beziehe ich mein Brot von dort. Mit der Zeit bekam man durch ungewollte Zustände Einblick in mein mystisches Leben. Im Jahre 1941 nahm mich Frau Antonie L. mit nach Bonn-Hersel zu ihrer Schwester, die von den Ärzten aufgegeben war. Sie war zuckerkrank. Das Genick aufgebrochen, das Haar abgeschnitten. Ich legte ihr den Rosenkranz von meiner ersten hl. Kommunion auf und betete. Ich empfahl ihr, wenigsten jeden Tag 3 Ave zu beten. Nach 4 Wochen war sie vollständig ausgeheilt, kein Zucker mehr. Die Ärzte standen vor Rätseln. Nun glaubte man, ich könne alles bewirken und wissen. Weil von Heini schon ein halbes Jahr keine Nachricht war, drang man in mich, ob ich nichts wisse. Ich sagte: "Ich bin kein Prophet und auch nicht der allwissende Gott. Gott läßt mich schon in seine Geheimnisse schauen, die ja das Wichtigste für die Gottesliebe und Erkenntnis sind. Als Zugabe erhalte ich schon mal einen Einblick in andere Dinge. Vieles muß ich mir im Gebet unter großen Opfern erringen." Man fragte nicht weiter.

Eines Tages sehe ich Heini als Dominikanerpriester. Ich bin erstaunt und behalte das für mich. So glaubte ich, er käme wieder und würde Priester. Kurze Zeit später sehe ich ihn wieder so, von einer Kinderschar umringt. Er hatte Kinder so gern. Wie es nun so kam, ich wurde wieder mit Fragen bedrängt und gab selbst in meiner Freude mein Geheimnis preis. Da sagte Frau L.: "Unser Heini, der soll Priester werden, oh nein, niemals. Der muß die Bäckerei des Vaters übernehmen. Oh ja, jetzt ahne ich etwas. Er war immer so still verschlossen, saß hinter Bücher, die er keinem gab. Das wird und darf nicht wahr werden." Ich mache sie aufmerksam auf die große Gnade und daß die Bäckerei wohl der andere Sohn übernehmen könnte. Ich stoße auf Widerstand, der Sohn sei länger krank. Dann wurde mir weiter gesagt, als ich Heini nochmals so sehe: "Deinem Haus wird bald große Freude zuteil." Man läßt auch kein Totenamt halten, weil alle glauben an die Freude, daß Heini wiederkommt. Ich tue noch eins und sage, daß ich meinen verstorbenen Beichtvater Johannes Dick bitten wolle, uns allen zu helfen. So stehe ich jeden Tag an seinem Grabe und bete in dieser Sache.

 

Sonntag, den 8. September 1946

Um 12 Uhr kommen große Wagen mit Flüchtlingen. Sie stehen auf dem Kirchplatz. Ich weine ob des Elends, das ich sehe. Es tut mir leid, daß ich nichts bei mir habe. Ich erkenne sie. Sie sind es, die mir schon gezeigt wurden. Ich segne sie.

 

Mittwoch, den 11. September 1946

Am Bilde der Mutter mit dem geneigten Haupt sehe ich ein seltsames Licht. Nach der Bedeutung fragend, ist Jesus bei mir und sagt: "Achtet auf die Zeichen der Zeit. Im alten Bund bauten sie zu Babel einen Turm, der sollte hineinragen in den Himmel. Er wurde nicht zur Ehre Gottes erbaut, nein, zu Ehren der Menschen. Sie suchten ihren Ruhm und wollten in ihrem Stolz Gott gleich sein an Gewalt, Macht und Kraft. Der Herr machte dem Spiel ein Ende und verwirrte die Sprachen. Jetzt wurde wieder so ein Turm gebaut. Er sollte nicht bis in den Himmel, sondern bis zum Throne Gottes gebaut werden. Die Mächtigen und Gewaltigen wollten von diesem Throne hinaufsteigen zum Throne Gottes und herrschen als Könige. Sie führten wie damals eine Sprache. Der Herr gab ihnen von Seiner Macht, aber nicht Seinen Segen. Er ließ sie bauen, und sie freuten sich der Macht, die sie besaßen. Der Herr aber lachte und stürzte sie, als sie glaubten, bald die Höhe erreicht zu haben. Sie wurden verwirrt und flohen auseinander. Viele Sprachen begegnen sich. Man versteht sich auch nicht. Man will sich auch nicht verstehen. Es liegt nun an euch, Geduld zu üben in allen Bedrängnissen und Wirren, die über euch kommen. Lange hatte der Herr Geduld. Ihr habt Seine Geduld und Langmut mißbraucht und Seine Gerechtigkeit herausgefordert. Übet Barmherzigkeit einander, so wird auch der Herr noch einmal barmherzig sein. Helft nicht mit, den gestürzten Bau des neuen Babel wieder aufzubauen. Alle, die daran helfen, sind Gehilfen des Satans und versinken mit ihm in dem Schlund der Hölle. Er sucht wieder Bauleute für sich. Höret nicht auf seine Stimme, sondern vielmehr auf die Stimme Gottes, die da spricht durch Seine Auserwählten. Still gehen sie mit euch und tragen des Tages Last und Hitze. Sie suchen die, die müßig stehen und bringen sie in Meinen Weinberg. Kommet darum, wenn sie euch einladen. Den gleichen Lohn sollt ihr haben und teilnehmen an der Hochzeit des Lammes."

 

Sonntag, den 22. September 1946

Ich treffe wieder Frau L. Ich sagte ihr das, was mir mein Seelenführer gesagt hat. Sie gab sich aber nicht zufrieden damit und sagte: "Es tut mir auch leid um Sie, weil die Leute sagen: 'Da sieht man wieder, daß alles gelogen ist.'" Nun wußte ich, was im ganzen Umkreis von dieser Familie gesprochen wurde. Ich konnte mir die so oft höhnischen und verächtlichen Blick erklären. Ich werde noch mehr gequält, indem man mich fragt, ob nicht bald andere Nachricht käme. Der Teufel verfolgt mich schon. Der Bischof Graf von Galen erscheint in meiner Not und sagt: "Siehe, ich salbte dich für diese großen Leiden. Vertraue weiter und habe Mut." Mein hl. Engel ist bei ihm und sagt: "Der Herr verlangt das Opfer von dieser Familie, weil sie nicht opfern wollte. Sie können es sehen, daß du für ihr Kind in den Tod gehst, darum verurteilen sie dich, geben dir die Schuld an dem Tod ihres Kindes." Jesus sagt am Abend: "Ich prüfe diese Familie weiter, bis sie sich fügt in Gottes Willen. Viel Schuld war gutzumachen, darum das Opfer. Schweige weiter, der Herr macht alles gut. Bleibe in dieser Gegend ganz verborgen. Es ist hier Nazareth. Du wandelst auf Meinen Wegen."

 

Sonntag, den 29. September 1946

Eine Sühnewoche liegt hinter mir, für alle die mir wehe tun. Nur Lumen Dei ist mein Trost. Die Sehnsucht nach Gott ist groß. Ich sehe die Allmacht Gottes in einem Schleierbild. Lumen Dei spricht: "Die Sehnsucht nach Gott, wer sie besitzt ist groß; nur Gott kann sie stillen. Verstehst du, was Jesus für ein Opfer brachte, als er Mensch wurde, den Himmel und den Vater verließ? Wenn die Sehnsucht kam, ging er in die Einsamkeit, um sich mit dem Vater zu vereinen. Niemand versteht die Freude, die Jesus empfand, als Er in den Himmel auffuhr zum Vater, als der, der auch die Sehnsucht zum Vater hat, wie Jesus."

Wie oft schon, sah ich Heini als Dominikaner.

 

Montag, den 30. September 1946

Mein Walter fragt mich, wer diese Nacht im Zimmer war. Es habe jemand geleuchtet. Er habe erst gemeint, ich habe vor dem Altärchen gebetet. Dann sei es hell geworden und er meinte, ich leuchtete mit der Taschenlampe. Er hätte dann hingeschaut und eine Gestalt im langen, weißen Gewand gesehen. Die habe ihn angeschaut. Da habe er gesehen, daß ich es nicht war. Vor Angst und Schrecken sei er mit dem Kopf unter die Decke gegangen. Ich konnte nichts sagen, ich hatte geschlafen.

Lumen Dei sagte am Abend: "Die weiße Gestalt war Theodor, der verstorbene Mann deiner Schwester Maria. Ich war das Licht. Wenn du schläfst, kommen wir und halten Sühne weiter."

 

Mittwoch, den 2. Oktober 1946

Heute werden in unserer Pfarrkirche die Exequien für den gefallenen Heini L. gehalten. Man lud mich gestern dazu ein. Hier ist es üblich, auch wenn keine Leiche im Hause ist, sich am Trauerhaus einzufinden und dann gemeinsam betend zur Kirche zu gehen. Neuer Kampf für mich. Das Urteil der Menschen sagt mir nichts, aber der Gedanke, sie würden nicht andächtig beten, weil ich, die Lügnerin, mitging. So bat ich um ein Zeichen, daß es Gottes Wille sei. Jesus sagt: "Ich bin mit dir, hingehen mußt du. Entziehe dich allem und gehe allein."

Auf meinem Weg zum Trauerhause hält mich ein Fremder an. Er bittet um Auskunft über die Wege nach Ittenbach und Eudenbach und fragt, wie die Berge heißen. Durch diese Fragen war der Trauerzug fort, waren schon alle in der Kirche, als ich hereinkam. Eine Bank war leer. Ich ging da hinein. Nach der hl. Kommunion sehe ich über dem Altar meine verstorbenen Beichtväter Johannes Dick und Josef Berghoff von Gelsenkirchen. In ihrer Mitte ist Heini als Dominikaner, der heute spricht: "Verstehst du immer noch nicht, warum ich so erscheine? Lange weile ich schon dort oben. Du und Mutter haben Recht, daß ich nahe bin. Ja, ich bin ganz nahe, näher als sonst. Das Mutterherz kann es noch nicht ertragen, windet sich im Schmerz. Sie wollte mich nicht opfern. Darum ließ der Herr dich nicht klar sehen. Du hast wohl gesagt: Wenn der Herbst kommt, wird euch Freude zuteil. Nun heute teile ich dir die Freude mit. Gebe meiner Mutter die Zeilen kurz vor der Heimfahrt zu Gott. Diese Worte von der Freude verstandest du nicht. Du hast geglaubt, ich kehre wieder und würde Priester. Gott hat es anders bestimmt. Dafür wurde ich das Opfer. Ich habe gekämpft und zuletzt den Wunsch gehabt, ins Kloster zu gehen. Man hätte mich nicht gehen lassen. Da hat Gott bestimmt und mich dort oben in die Reihen der Priester den Dominikanern beigezählt. Ich bitte besonders für die Kinder, die ich so gern hatte. Die Kinder hätte ich um mich scharen wollen als Priester. Deshalb schautest du dieses Bild, meine Gedanken. Dein Seelenführer hat Recht, daß ich das Verlangen trug, ins Kloster zu gehen.

Liebe Eltern und Geschwister, weinet nicht um mich. Droben ist es so schön. Bald sind wir ja alle vereint. Ich ging ja euch nur voraus. Betet viel und seid weiterhin gut und barmherzig. Nicht umsonst hast du, lieber Vater und liebe Mutter, soviel Gutes getan. Dafür habe ich eine schöne Himmelskrone erhalten. Wenn ihr auch jetzt schwer geprüft seid, so wird der Herr eure Trauer in Freude verwandeln. Betet auch für sie, die soviel für mich gelitten hat. Gottes Segen sende ich euch allen, besonders dir, lieber Vater und dir liebe Mutter. Euer nun glücklicher Sohn Heinrich."

Als ich zu mir komme, bin ich ganz allein in der Kirche. Auf Umwegen ging ich nach Hause, weil ich wußte, daß man Ausschau hielt nach mir. Ich muß ja weiter schweigen. Oh, wie fühle ich mit dem guten Heiland, als man Ihn für einen Lügner und Volksaufwiegler hielt. Er schwieg ja auch zu allen Anklagen. Nur darf ich auf diesem Gebiete ein wenig mit ihm leiden. Er kettet meine arme Seele dadurch mehr an sich und entzieht mich noch mehr der Welt.

 

Freitag, den 4. Oktober 1946

Nach den Tagen des Leides tröstet mich heute mein hl. Vater Franziskus: "Ich werde dir Wegweiser sein. Wer könnte dir schaden, wenn du in allem Gott treu bist. Singe und juble wie eine Lerche deinem Schöpfer trotz allem Leid. Bringe ihm Lob und Dankeshymnen dar."

 

Sonntag, den 6. Oktober 1946

Ich bin in Ittenbach zur Ernte-Dankfest-Feier. Dort sehe ich die Muttergottes, wie die von Czsenstochoan. Wieder geht sie durch die Reihen der Toten und Flüchtenden. Sie spricht: "Seid doch barmherzig. Im Mai 1944 am Pfingstmontag flehte ich: Betet und sühnt für das Volk, das mich so verehrt hat, damit sie geläutert aus der Drangsal hervorgehen. Ihr wißt, daß sie alles verloren haben, alles verlassen mußten, daß Tausende verbannt sind und Tausende für euch in den Tod gingen. Sie sind Helden am Throne Gottes. Der Herr nahm aus ihren Reihen die Opfer für die Sittenlosigkeit, die herrscht in euren Reihen. Unübersehbar ist die Zahl der Frauen und Mädchen, die lieber in den Tod gingen, als zu sündigen gegen die Reinheit. Ihre Namen stehen im Buche des Lammes. Die Überlebenden sind zu euch gekommen. Wollt ihr Edelsteine sammeln, sei barmherzig. – Ihr haltet das Urteil ab, das über euch schwebt. So ihr nicht barmherzig seid, wird die gleiche Not über euch kommen, die diese Unschuldigen traf. Betet, sühnt, übt Liebe und Barmherzigkeit. Seid einander Brüder und Schwestern. Betet viel den Rosenkranz." Dann schaue ich Maria als Rosenkranzkönigin. Alle Päpste und Bischöfe stehen vor ihrem Thron. Rosenkränze tragen sie, die aussehen wie eine Kette. Diese legen sie um Mariens Thron.

Am Abend bin ich in der Andacht. Ein Priester aus dem Osten hält die Predigt. Es ist furchtbar, was er erzählt von den Leiden seiner Mitbrüder und Schwestern. Eine 75-jährige Ordensschwester, die eine Nähschule betreute, wurde getötet. Sie wollte 5 Mädchen schützen. Sie wurde von ihnen gerissen, in einem Stall gesperrt, wo man sie quälte bis zum Morgen. Dann war der Tod Erlösung für sie. Eine Frau kommt mit ihrer Tochter zu einem Priester und bittet um Schutz. Er führt sie in die Krypta und stellt sich selbst vor die Tür wie ein Engel. Man riß ihn fort, ermordete ihn und legte ihn an die Stufen des Altares. Dann hat man die Opfer grauenhaft zugerichtet und vor dem Altar die schändlichsten Sünden verübt. Die beiden Opfer legte man zu dem ermordeten Priester. Bei diesem Bericht spricht leise die Stimme des Herrn: "Das sind die unreinen Sünden, die Ich immer noch sehen muß, die man auch im Keller vor Meiner Verurteilung vor Mir tat." Der Priester spricht weiter: "An einem Bahnübergang sitzt eine Frau in eine Decke gehüllt. Eine Schwester vom Roten Kreuz kommt vorüber. Sie sagt: "Liebe Frau, ist es Ihnen nicht gut?" Antwort: "Doch, aber es geht nicht anders." Die Schwester: "Ich verstehe nicht. Warum sitzen sie denn so eingehüllt in eine Decke?" Die Frau: "Ich kann nicht weitergehen. Was unter der Decke ist, kann ich niemandem zeigen. Man hat mir alle Kleider vom Leibe gerissen. Weil ich nackt war, hat mir eine Frau, die aus dem Fenster schaute, die Decke zugeworfen." Die Schwester erbarmt sich und nahm die Frau mit. Dann, einen Vater hatten sie erschlagen. Mit 8 Kindern steht die Frau allein. Den Mann hatte sie mit den Kindern auf einer Karre heimgeholt. Sie will das 6 Monate alte Kind noch baden. Da klopft es. Sie wird aufgefordert, in 5 Minuten das Haus zu verlassen. Sie bittet, bis das Kind gebadet und angezogen sei. Nein, kein Erbarmen fand sie. Sie mußten den Säugling aus dem Wasser nehmen, schlug ihn in eine Decke und rannte aus dem Haus.

Das ist ein winzig kleiner Teil dieser Leiden. Ich opfere die ganze Woche für die Leidtragenden. Ich fühle, der Segen des Priesters begleitet mich. Abends kommt die Jungfrau der Armen mit vielen Heiligen und spricht: "Bete mit allen zu mir. Ich bin mächtig und kann helfen. Erforschet jeden Abend euer Gewissen nach den Werken der Barmherzigkeit."

 

Montag, den 7. Oktober 1946, Rosenkranzfest

Ich sehe die Märtyrer aus dem Osten, vor der Rosenkranzkönigin. Sie tragen ein rotes Gewand und auf weißem Gürtel das Lamm Gottes. Sie haben die Hände gefaltet und sprechen: "Maria, Muttergottes, wir liebten dich immer. Unser Leben gaben wir für Jesus und für dich, oh Mutter. Siehe, wir bitten für unsere Brüder und Schwestern, die noch leiden. Wenn doch die Welt mehr den Rosenkranz betete, so würde bald Ruhe und Frieden sein. Wir bitten, Muttergottes, hilf. Es ist so groß die Not." Meine Leiden werden größer. Mein hl. Engel ist bei mir.

 

Donnerstag, den 10. Oktober 1946

Mein hl. Engel sagt mir heute, warum der Teufel mir die Statue von der Unbefleckten zerschlug: "Satan hat keine Macht über sie, weil sie ohne Sünde ist. Weil er an sie selbst nicht herantreten kann, versucht er, ihre Bilder zu vernichten, die hinweisen auf ihre Reinheit und Unversehrtheit. Wenn er diese Bilder vernichten könnte, würden die meisten die Makellose nicht kennen und sie nicht um ihre mächtigen Fürbitten anflehen. Dann hätte er leichteres Spiel mit den Seelen."

 

Mittwoch, den 16. Oktober 1946

Vom Kreuze spricht Jesus: "Du leidest Hunger und Durst. Wenn du helfen willst, muß du dürsten wie Ich. Blicke auf zu Mir, dürste mit den Seelen und du wirst himmlische Freude haben in Mir." Ich danke dem Heiland, daß ich leiden darf. Ich darf auch leiden für die Verurteilten in Nürnberg.

Bei der hl. Wandlung sehe ich zwei Hände, die wie Schleier sind. Sie umfassen die hl. Hostie. Diese wird wie eine Sonne und leuchtet so sehr, daß ich die Hände nicht mehr sehe. "Jesus, du Abglanz der Vaters, Du eucharistische Sonne, leuchte den Verurteilten."

Am Nachmittag sehe ich einen hohen Berg. Hinter diesem Berg leuchtet die aufsteigende Morgenröte. Darin steht Maria. Vor dem Berg ist ein See. Maria spricht: "Ich bin die aufsteigende Morgenröte. Wer den hl. Berg besteigen will, dem leuchte ich und werde ihm den Weg zeigen. Er muß erst in dem See sich baden, damit er rein und gestärkt ist durch die Kraft des Wassers. Es sind nicht die Letzten, die verurteilt werden. Ihnen folgen noch viele. Betet, damit sie Kraft erhalten durch diese Quelle, um zum hl. Berg zu gelangen."

Bis Ende des Monats darf ich die Dornenkrone tragen.

 

Freitag, den 25. Oktober 1946

Ich bin wieder bei meinem Seelenführer. In der Kapelle spendet er mir einen besonderen Segen. Das Bild der Muttergottes ist heute besonders strahlend und der Heiland lächelt mir freudig zu. Ich hatte es nicht bemerkt, daß der Pater die Kapelle betrat, so versunken war ich. Ich merke erst, als er mich berührt und sagt: "Kommen sie jetzt. Sie sind schon gesegnet." Auf dem Zimmer angekommen, sagt er: "So, nun essen sie erst etwas. Sie haben noch nie etwas gegessen hier." Ich wende ein: "Wie kann ich, Herr Pater, sie wissen doch, wie es um mich steht. Ich muß doch mit der Bahn fahren. Da könnte etwas eintreten, was ich nicht gern hätte." Er läßt sich nicht abbringen und befiehlt mir: "Es wird gegessen." Ich gehorche. Er segnet wohl sechsmal die Speisen und sagt: "Das nächste Mal sagen sie mir, wie es gegangen hat." Leise spricht der Herr: "Du mußt deinem Seelenführer gehorchen. Ich gehorchte ja auch meinen Priestern." Während ich esse, sagt Herr Pater: "So ist es recht." Dann gab er mir noch sechs gelbe, rotbackige Äpfel. Ich bat, sie wohl mitnehmen zu wollen, aber nicht mehr zu essen. Er erlaubt es auch und sagte: "Die Frauen sollen eigentlich an einem Freitag keine Äpfel essen, wie Eva dem Adam an einem Freitag die Frucht gereicht hat." Ich erwidere: "Dann möchte ich es auch nicht tun. Ich werde ihnen schon das nächste Mal sagen, was mit den Äpfeln geschehen ist." Er sagt: "Der Herr hat mich erleuchtet über sie. Er verlangt das seltene Fastengebot von ihnen, weil Er sie als Werkzeug über die unreinen Geister gesetzt hat. Diese können nur durch Fasten und Almosen ausgetrieben werden."

Ich steige in die Bahn, die ziemlich besetzt ist. Ein kleines Mädchen bietet mir seinen Platz an. Unschuldige Kinderaugen schauen mich an. Ich kann nicht anders, ich segne das Kind, weihe es dem göttlichen Kinderfreund. Dann schenke ich ihm einen von den gesegneten Äpfel. Dankbare, freudige Blicke schauen mich wieder an. Ich steige aus. Es naht der Versucher: "Esse doch die schönen Früchte. Sie locken dich. Warum bringst du immer Opfer. Bist doch mein. Der Segen deines Priesters nützt dir auch nichts. Desto tiefer kommst du in die Hölle." "Heiland, hilf mir, sei barmherzig." Dann naht Er segnend mit den Aposteln. Ich weiß nun, wenn ich Ihn so schaue, fordert Er etwas von mir. So frage ich: "Herr, willst Du meine Äpfel? So nimm sie."

Allein stehe ich nun und warte auf den Bus. Jesus ist fort. Eine Frau fragt mich, ob der Bus schon fort wäre. Sie fragt mich nach unserer Gegend, wie es mit Obst bestellt wäre. Ich muß leider sagen, daß es aussichtslos ist, weil fast kein Obst da ist. Dann sagte sie: "Hätte ich nur ein paar Äpfel für meine schwerkranke Schwiegertochter. Ich möchte ihr gern eine Freude bereiten. Sie sagt so oft: Wenn ich doch nur einmal einen Apfel hätte." Die Frau zeigt mir einen Brief, indem die Schwiegertochter schrieb, daß ihr die linke Brust abgenommen sei. Ich greife in die Tasche und schenke ihr die Äpfel. Sie will erst nicht, und dann freut sie sich doch. Ich sage: "Bestellen sie, daß diese Äpfel von einem Priester gesegnet sind, der sie mir schenkt; sie wird wohl daran gesunden." Ich wünschte, ich hätte noch mehr gehabt.

 

Sonntag, den 27. Oktober 1946

Die hl. Kommunion opfere ich dem himmlischen Vater auf. Wie ein Nebelbild sehe ich Ihn auf Seinem Thron. Es kommen viele in weiße Gewändern mit einem großen, schwarzen Kreuz. Sie legen ihre Kreuze vor den Thron, die zu einem Kreuz werden. Der Engel erklärt: "Die in weißen Gewändern sind die, die aus der Trübsal kommen. Ihr Kreuz, das sie von Gott empfangen haben, legen sie freudig vor Seinen Thron. Alle die Kreuze vereinen sich zu einem Kreuz, das die Glieder Christi tragen."

 

Donnerstag, den 31. Oktober 1946

Maria spricht: "Der Propstei Hof ist und bleibt Eigentum der Kirche. Es kommt die Zeit, da Franziskaner dort einziehen, wenn die Prüfungen vorüber sind. Dann werde ich, die Unbefleckte, dort als Königin des Königs der Könige verehrt werden. Das Opfer wird für euch groß sein, aber der Lohn, der euch zuteil wird, ist noch größer."

 

Mittwoch, den 6. November 1946

Walter fragt, was das für ein Licht bei der Blutreliquie sei. Er sagt, daß es oft hell oder dunkel strahle. Es ist mein Geheimnis. Ich muß schweigen. Ich sage: "Jesus ist überall. Er ist das Licht, das leuchtet."

 

Mittwoch, den 20. November 1946

Bin zum Einkehrtag auf der Marienburg. Ich bin so bedrückt. Kann es mir nicht erklären. Weil ich keinen Platz habe, darf ich seitlich auf den Stufen des Altares knien. Jesus sagte: "Du darfst hier knien für einen, der nicht am Altar stehen kann." Wie seltsam. So muß es schon etwas Besonderes sein. Ich opfere den Tag für den, der nicht am Altare stehen kann. Bis 4 Uhr nachmittags bleibe ich ununterbrochen in der Kapelle. Eben verlasse ich sie, kommt Fräulein Gabriele Schoeller und sagt: "Wissen sie schon, daß mein Bruder so schlecht liegt?" Ich bin erstaunt, weil ich vor Tagen noch bei ihm war. Sie sagt: "Sie haben den Darm geöffnet. Er ist hoffnungslos. Es kam plötzlich. Er liegt in Beuel im Krankenhaus. Es kommt niemand außer mir zu ihm." Das tat mir so weh. Gern wäre ich noch zu ihm gegangen. Nun wußte ich, wer heute nicht am Altar stehen konnte. Ich betete und opferte für meinen Seelenführer, den ich so lieben gewonnen hatte. Er lebte ja auch in etwa verbannt, weil er zu deutlich die Worte der Wahrheit sprach. Er führte so ein heiligmäßiges Leben. Einmal sagte er zu mir: "Hat der liebe Gott es nicht gut mit mir gemeint, daß Er Mich in die Stille tat? Ich habe doch alles hier. Gott allein genügt. Ich kann mich Ihm so ganz hingeben, nur loben und danken." Die Schwestern freuten sich, solch einen Priester in ihrem Hause zu haben. Man sagte mir, daß er jede Nacht in der Kapelle Sühnestunden halte. Zum Knien hätte sie ihm anfangs ein weiches Kissen gegeben, da habe er sich das energisch verbeten. Ich fühle so mit ihm und man läßt mich nicht zu ihm.

 

Samstag, den 23. November 1946

Zwei Tage des Harrens und des Bangens sind vorüber. Wenn ich zur Kirche gehe, muß ich an Gabrieles Wohnung vorbei. Die Fenster sind immer noch verhangen. Sie ist von Beuel noch nicht zurück. Es muß nicht gut aussehen um den Zustand meines Seelenführers. Ich greife zum Gebet zur hl. Cäcilia, die er so sehr verehrte. Er liebte ja auch die Musik so sehr. Nach der hl. Kommunion sehe ich ein seltsames Bild. Maria sitzt auf einem wunderbaren Thron, ganz weiß. Der Thron ist von ihren Chorengeln und von St. Michael mit seinem Chor umgeben. Ihre Häupter sind schweigend gesenkt. Maria sagt ihnen etwas, das ich nicht verstehe. Dann kommt St. Cäcilia. Sie schreitet mit einer Harfe durch die Mitte zur Muttergottes. Vor ihrem Thron spielt sie:

"Verlasset die Erde, die Heimat zu sehn.
Die Heimat der Seele so herrlich und schön.
Jerusalem dort oben, von Gold erbaut,
ist dieses die Heimat der Seele Braut.
Ja, ja, ja, ja, diese allein,
kann Ruheplatz und Heimat der Seele nur sein.

Drum auf, liebe Seele, die Heimat ist nah,
noch ein kleines Weilchen, so ist sie schon da.
So kämpfe nur mutig und mach dich bereit,
schon winket die Krone, nach Kampf und nach Streit.
Freude, Freude, ewig Freud,
erwartet den Dulder nach Trübsal und Leid."

Alles entschwindet. Ich sehe nichts und höre nichts mehr. Ich weine sehr und wende mich an die Muttergottes: "Oh, Maria, ich brauche nicht mehr zu fragen. Du wirst deinen guten Priester wohl heute noch in die ewige Heimat holen. Da werde ich schnell wieder ein Waisenkind. Er aber, der Gute, wird mich vom Himmel aus weiterführen, bis Gott einen anderen Priester an meine Seite stellt. Oh, wie schön muß sein Heimgang zu Gott sein, der nur noch in und mit Gott lebte." Schweigend und betend verbringe ich den Tag.

 

Sonntag, den 24. November 1946

Ich knie am Felicitas Altar in unserer Pfarrkirche. Meine Gedanken sind bei meinem Seelenführer. Da ich auf dem Kirchweg noch die zugezogenen Fenster bei Gabriele sah, wußte ich, daß sie noch nicht da war. Ich bitte meinen hl. Engel, mir das Bedrückende des Gemütes zu nehmen. Dann ist er an meiner Seite und sagt: "Dein Seelenführer ist tot. Nun gedenkt er deiner am Throne Gottes." Ich bin wieder allein. Bei der Predigt klopft mir jemand auf die Schulter. Es ist Maria Wewerink von Dülmen. Sie sagt: "Weiß du schon, daß Herr Pater Wigbert gestern Nachmittag um 4 Uhr gestorben ist?" Ich schaue sie an, weil ich sie hier nicht vermutete. Keiner, außer mein hl. Engel, sagte mir etwas. Sie mußte von Dülmen kommen und mir das hier sagen. Ich kann die Tränen nicht zurückhalten. Da sagt sie: "Weine doch nicht." Ich schweige und wende mich wieder der Predigt zu. Nach der hl. Wandlung erscheint Jesus freudig und segnet mich. Er sagt: "Ich bringe dir den großen Segen deines Seelenführers. Er ist in der Seligkeit, aber er nahm ein 14-tägiges freiwilliges Fegfeuer auf sich als letzte Sühne, um seinen Priestern am Ort der Läuterung von der Liebe Gottes zu predigen. Dieses erbat er sich schon im Leben, falls er keine Feuerleiden zu erdulden hätte. Gott hat ihm diese Bitte gewährt. Bis zum Tage seiner Glorie wird dir jeden Tag ein anderer Heiliger seinen Segen bringen." Ich danke. Wie soll ich noch weinen, da ich solch einen großen Fürbitter am Throne Gottes habe.

 

Dienstag, den 26. November 1946

Gabriele ist noch nicht zurück. Den Lebenden durfte ich nicht mehr sehen. So bitte ich den hl. Antonius mir zu helfen, den Toten noch einmal zu sehen. Ich weiß auch nichts von einer Beerdigung. Nach der hl. Messe läuft mir Gabriele in den Weg. Ich lege ihr meine Bitte vor. Da sagte sie: "Ich habe doch bereut, daß ich Sie nicht an das Sterbebett meines Bruders ließ. Er hat auf Sie gewartet. So oft die Tür aufging, haftete sein Blick sehnsüchtig daran und dann sah ich jedesmal seine Enttäuschung. Wenn Sie ihn noch einmal sehen wollen, müssen Sie schon sofort nach Beuel fahren. Morgen in aller Frühe wird er nach Siegburg überführt. Donnerstag ist die Beisetzung auf dem Michaelsberg." Ich danke ihr und dem hl Antonius. Schnell mach ich meine Einkäufe. Die Einkaufstasche bringe ich in die Schule, daß eines der Kinder sie mit heimnimmt. Ich gebe Anordnung was Inge schnell kochen soll. Dann fahre ich nach Beuel, wo ich gegen Mittag ankomme. Die Schwestern sind so nett und führen mich gleich zu dem Toten. Da lag er nun friedlich im schwarzen Habit und violetter Stola. In seinen Zügen lag für mich etwas, als habe ihn irgendwas das Sterben erschwert. Dann kam es über mich. Ich achtete nicht auf die Schwestern, die den Sarg umstanden. Ich legte meine Hände auf seine kalte Stirn und sagte: "Zum letzten Male schaue ich dieses liebe Gesicht, das von der Liebe Gottes gezeichnet war." Ich streichele seine Wangen und sagte: "Was ich im Leben nie getan hätte, das darf ich jetzt. Nimm dieses Zeichen vereinter Gottesliebe mit in die Ewigkeit und gedenke meiner." Da meinte ich, ein Lächeln umspielte seine Züge. Der herbe Zug war fort oder war es Täuschung meiner Gefühle? Dann nahm ich seine Priesterhände und sagte: "Nun ruhen sie, die soviel gesegnet haben. Ich muß sie noch einmal umfassen, noch ein letzter Segen soll es sein." Ich erschrecke und sinke in die Knie. Der hl. Engel ist da und sagt: "Bleibe knien. Eine Schwester kommt mit Weihwasser. Da ist auch sein Segen." Dann kam die Schwester, besprengte die Leiche und uns mit Weihwasser. Ich glaubte an diesen Segen und fühlte ihn. Dann luden mich die Schwestern für 2 Uhr ein, in der Kapelle für den Verstorbenen zu beten.

Beim 3. Gesetz des schmerzhaften Rosenkranzes sehe ich meinen Seelenführer im schwarzen Habit, so wie er im Sarg liegt, aber ohne Stola. Er winkt und sagt: "Komm, sieh den Ort der Leiden, wo ich meinen Brüdern die Liebe Gottes predige."

Ich schaue in die Dunkelheit und Verlassenheit, die verlassene Priesterseelen sehen, an die niemand denkt. Ich vereinige mein Beten mit meinem Seelenführer für die verlassenen Priester. Dann wurde es Zeit, daß ich zur Bahn kam. Ich treffe im Wartesaal Gabriele. Sie sagt: "Was haben Sie mit meinem Bruder gemacht?" Ich erwidere: "Ich konnte nicht anders. Ich tat ja nichts Böses. In jedem Priester schaue ich Christus. So war mein Handeln. Die Schwestern waren ja dabei, die ihnen erzählten, was ich tat." Da sagte sie: "Ich klage Sie nicht an. Ich war höchst erstaunt, als ich meinen Bruder heute sah. Gleich fiel mir der lächelnde Zug bei ihm auf. Ich fragte die Schwestern, ob ich recht sehe, denn er hatte einen traurigen niedergeschlagenen Zug in seinem Gesicht. Die Schwestern sagten mir, der freundliche Zug sei gekommen, als Sie ihm den letzten Beweis der Liebe gaben. Nun bin ich so froh, daß Sie noch bei ihm waren." Dann freuten wir uns zusammen, da uns ja der Segen und das Lächeln eines heiligen Priesters begleitet.

 

Donnerstag, den 28. November 1946

Einen Heiligen trägt man heute zu Grabe, aber im Kloster wissen sie es noch nicht. Ich bin in Siegburg auf dem Michaelsberg, wo mein guter Seelenführer, den ich nur so kurz kannte, heute beigesetzt wird. Es tut mir so weh und ich verweile noch eine Zeit am Grabe. Nach dem Totenamt bin ich mit Gabriele heimgefahren in stillem Gedenken an den lieben Toten, der nun unser Fürbitter droben ist. Ich fühle, daß er um mich ist.

 

Dienstag, den 3. Dezember 1946

Jeden Tag bekomme ich den Segen nach der hl. Wandlung von meinem Seelenführer. Ich bereite mich auf mein Sterben vor. Schon zu Anfang des Jahres wurde der 9. Dezember mir angekündigt als mein Sterbetag. Maria, die Unbefleckte, erscheint und spricht: "Du, mein Kind, mußt zu mir nach Hardenberg-Neviges kommen. Gehe zuerst zu deinem Bruder Heinrich Johannes. Er soll mit dir fahren." "Oh, ich danke, liebe Mutter, welch eine Gnade habe ich. Vor meinem Sterben darf ich noch zu dir, an heiliger Stätte."

 

Freitag, den 6. Dezember 1946

Ich bin in Herten. Sie freuen sich alle. Ich schweige, warum ich hier bin. Als ich von der Wallfahrt spreche, wollen sie wohl mit. Man macht Einladungen an liebe, gute Seelen.

 

Samstag, den 7. Dezember 1946

Bruder Heinrich geht zur Bahn wegen der Reisekarten. Er kommt zurück mit dem Bescheid, daß die Wallfahrt am 8. nicht gemacht werden kann, da die Fahrtverbindung schlecht ist durch Ausfall verschiedener Züge am Sonntag. So wird die Wallfahrt auf den 9. verlegt. Da freue ich mich noch mehr. Dann werde ich sterben am hl. Gnadenort Mariens. Am Abend habe ich einen Leidenszustand, als läge ich auf Dornen. Dann schaue ich meinen Seelenführer, der büßend auf Dornen liegt vor den Toren des Paradieses. Mit ihm büße ich bis tief in die Nacht hinein.

 

Sonntag, den 8. Dezember 1946, Unbefleckte Empfängnis

Ich bin in der St. Antonius Kirche in Herten. Da sehe ich vor der Wandlung die Muttergottes über dem Altar als die Jungfrau der Armen. Dann sehe ich, wie am vorhergehenden Tag, meinen Seelenführer, wie er sich erhebt von den Dornen. Aus der Verlassenheit des Fegfeuers kommt eine große Schar Priester. Die Tore der Stadt Gottes öffnen sich und die Priester ziehen ein in die Seligkeit. Dann kommt ein Leuchten. Maria mit ihrem Hofstaat und St. Michael mit seinem Chor erscheinen und führen meinen Seelenführer durch die goldenen Tore zu einem schönen Thron, darauf sich Maria setzt. Mein Seelenführer, ich sage schon der hl. Wigbert, kniet wieder vor der Muttergottes. Sie hält ihre Hände über ihn.

 

Montag, den 9. Dezember 1946

Eine große Zahl Wallfahrer schloß sich in Essen an. In Neviges angekommen, wohnten wir zuerst der hl. Messe in der Wallfahrtskirche bei. Nach der hl. Kommunion, eben auf dem Platz angekommen, steht die Muttergottes vor mir und reicht mir eine Patene. Ich verstehe nicht und frage: "Was willst du liebe Mutter? Bin ich nicht würdig gegangen oder was bedeutet das?" Da sie nichts sagt, sage ich: "Willst du deinen Jesus, so nimm Ihn zum Lob und zur Anbetung." Da sehe ich das Jesuskind auf der Patene, mit dem sie entschwebt. Es ist Mittag. Ein Leidenszug ist in mir. Man fragt, warum ich auf einmal so blaß sei. Ich sage nichts. Man beschließt, zum Kreuzberg zu gehen und die Stationen zu beten. Ich soll nicht mit, weil sie meinen, ich sei nicht in Ordnung. Ich gehe aber doch mit, weil ich mich freue, vor meinem Sterben noch einmal den Kreuzweg zu gehen. Ich komme selbst in die Kreuzesleiden ganz hinein. Bei der 12. Station breche ich wie sterbend zusammen. Ich fühle wie das Leben flieht. Dann bin ich wie in einer Zwischenstation, die ich nicht beschreiben kann. Nach Aussagen komme ich nach einer Stunde wieder zu mir. Ich bin enttäuscht, daß ich noch lebe. Ich höre, daß sie den Himmel bestürmten, daß ich dem Leben wiedergegeben wurde. Bei der letzten Station kommt der gleiche Zustand über mich. Dann spüre ich ein neues Leben in meine Adern. Zu Dank verpflichtet, halte ich die Sturmandacht. Da erscheint die Muttergottes aus den Wolken und segnet uns. Um vier Uhr sind wir wieder in der Wallfahrtskirche. Da steht die Muttergottes wieder bei mir. Sie zeigt mir eine Patene, auf der ein kleines, blutenden Herz liegt. Sie spricht: "Siehe das Herz meines Kindes, wie es blutet. Oh, du weißt nicht, was man meinem Kinde und mir in Heede antut. Ich suche noch ein Opfer für Heede." Ich erwidere: "Muttergottes, aber mich nicht, nein, das kann ich nicht. Ich will mit den Gerichten nichts zu tun haben. Für diese Sache könnte ich ja mein Leben lassen." Sie schweigt und bleibt stehen. Da erscheint Pater Wigbert. Ich freue mich, da ich meine, daß er mir helfen will. Er spricht: "Ich bin immer noch dein Seelenführer. Ich fordere dich im Gehorsam auf, ein Opfer für Heede zu werden." Es war schwer für mich, aber ich tat es. Dann sehe ich die Kirche von Heede. Darüber schwebt die Muttergottes. Ich sehe Festzüge von Priestern, das Volk und weißgekleidete Kinder. Fahne an Fahne reiht sich. Da sage ich: "Wenn es so schön einmal wird, dann lohnt sich das Opfer." Am Abend ist mein Seelenführer wieder bei mir und sagt: "Ich war es, der um Verlängerung deines Lebens bat. Du mußt die Aufgaben, die ich nicht mehr habe ausführen können, an meiner statt jetzt ausführen. Für dich hat der Herr ein anderes Opfer erwählt. Aus dem Nebendorf wird plötzlich eine Frau sterben. Das wird man nicht verstehen können, weil sie gesund ist und ein blühendes Aussehen hat. Das wirst du gewahr, wenn du heimkommst. Du wirst auch die Gesinnung der Angehörigen erkennen." Dann bin ich allein mit meinen Gedanken. Wie sonderbar ist alles.

 

Samstag, den 14. Dezember 1946

Ich bin bei Schwester Josefa, Bruder Heinrichs Schwester. Ich schreibe. Ein Licht hüllt mich ein, daß ich glaube, es wäre die Sonne. Ich erschrecke ein wenig, als die Muttergottes als Jungfrau der Armen bei meinem Pult steht. Sie spricht: "Mein Kind, ich habe einen großen Wunsch. Einen Orden möchte ich gegründet haben von ganz reinen Seelen, die sich die Jungfrauen der Armen nennen. Sie sollen gekleidet sein genau nach meiner Erscheinung. Ihre Regel soll so sein, daß sie übereinstimmt mit meinen Bitten als Jungfrau der Armen. Es können auch Mütter eintreten in diesen Orden. Sie nennen sich Mütter der Armen. Sie tragen dunkelblaue Kleider und Schleier."

"Liebe Muttergottes, das ist schwer für mich. Soll der Wunsch erfüllt werden, mußt du mir die weiteren Wege zeigen oder die erleuchten, die deine Sache leiten und bearbeiten."