• Engel und Heilige von jedem Tag
  • Bücher der Liebe, Bd. 1
  • Bücher der Liebe, Bd. 2
  • Bücher der Liebe, Bd. 3
  • Bücher der Liebe, Bd. 4
  • Bücher der Liebe, Bd. 5

Dienstag, den 4. Februar 1947

In die große Freude hinein reicht mir der Herr den Leidenskelch. Ich weiß von nichts, ich fühle nur das Leid. Auf dem Weg zur Kirche begleitet mich Pater Wigbert. Er segnet mich und sagt: "Das Bild, das du schautest, ist kein Traum. Du hast nicht geschlafen. Du stirbst mehr und mehr und wirst nur für Jesus leben. Die Patene mit den Kommunionen ist geistige Speise als auch Kommunion, die mit Gott vereint. Diese sollst du weitergeben an die Schwestern. Bleibe aber in allem verborgen und demütig. Was es mit dem Feste der Unbefleckten Empfängnis für eine Bewandtnis hat, wirst du erfahren."

Dann kommen St. Gottfried und St. Georg. Sie trösten mich und sagen: "Weine nicht! Halte aus noch kurze Zeit, dann folgt die ewige Freude!"

 

Samstag, den 8. Februar 1947

St. Johannes von Matha spricht: "Der Un- und Irrglaube ist groß in euren Tagen. Erfreuet den Dreifaltigen Gott, indem ihr Ihm dient in Demut und Buße, indem ihr opfert für jene, damit bald ein Hirt und eine Herde werde."

 

Sonntag, den 9. Februar 1947

Heute ist ein Tag der Freude. Jesus weilt bei mir. Ich darf ins Theater gehen, wo die Jungfrauen das Märchenspiel 'Die Heinzelmännchen' aufführen. Ich wollte zuerst nicht hin. Was liegt mir an den Freuden der Welt. Jesus ist meine große Freude. Da habe ich zu meinem Bruder Antonius gesagt: "St. Antonius, ich bemühe mich um nichts. Sollte mir jemand eine Eintrittskarte bringen, dann will ich daraus ersehen, daß ich dort hingehen darf." Das war gestern Morgen und am Abend bringt mir Maria eine Karte. Ja, dann bin ich nach der Andacht ins Theater gegangen. Es war wohl ganz schön, aber die Freude, die ich bei meinem Jesus habe, die konnte ich hier nicht finden. Als ich daheim war, da rief ich: "Jesus, mein Alles, meine Liebe, komm und erfreue mich!"

Mein lieber Jesus kommt und sagt: "Ich freue mich, wenn du mich rufst, kleine Braut. Du hast keine echte Freude bei dem Spiel empfunden, aber es hat ein Sinnbild, ein Vergleich mit den Engeln. Schaue, was ich dir zeige."

Vor mir steht das Paradies vom 31. Oktober vergangenen Jahres. Ich sehe wie Adam und Eva von der Frucht essen. Die Schlange auf dem Baume der Erkenntnis windet sich vor Freude. Entblößt stehen die ersten Menschen, und das Erkennen der Sünde kommt über sie. Sie fliehen voreinander und verbergen sich. Da kommt es wie Feuer vom Himmel und sie vergehen vor Angst. Nicht der gute Vater spricht zu ihnen, sondern der erzürnte Gott in der Feuersäule. Seine Stimme, die sonst so milde war, ist, als wenn Berge sich versetzten. Als nun durch das Paradies die gewaltige Stimme erklang: "Adam, wo bist du?", da vergingen die beiden noch mehr vor Angst. Zitternd und bebend sehe ich sie vor dem gerechten Gott stehen. Nachdem der Fluch Gottes sie getroffen hatte, verlassen sie weinend das Paradies, notdürftig bekleidet mit Blättern. Engel stellen sich vor den Eingang, nachdem die beiden, Adam und Eva, in die kalte, unbebaute Welt gegangen sind. Die Engel schauen ihnen traurig nach.

Das zweite Bild schaue ich. Die Engel bestürmen das Vaterherz Gottes und besonders ein schöner, großer Engel, ein strahlendes Licht. Er erreicht das Herz des Vaters und bittet für die ersten und für alle kommenden Menschen. Was er spricht, das schreibe ich nun nieder.

Eine große Schar Engel erwählte der Vater nun als Schutz und Begleiter für die Menschen. Ich schaue weiter die Welt angefüllt und wo ein Kind geboren, sehe ich einen Engel herniederschweben.

Weiter sehe ich den Teufel, rasend vor Wut. Alle Höllengeister bietet er auf zum Kampf. Er stellt bei einem jeden Menschen einen Teufel zur Seite. Er triumphiert, weil er weiß, daß der Mensch nun mehr zum Bösen geneigt ist, und daß der Engel mehr und mehr weichen muß, wenn die Sünde, der Teufel, von der Seele Besitz nimmt. Furchtbar sind die Kämpfe der Engel mit den Teufeln, um die ihnen anvertrauten Seelen der Menschen.

Ich sehe auch unsere Zeit, die in der Gewalt Satans steht. Die Engel fliehen. Sie eilen zum Throne der Barmherzigkeit, sie eilen in der Nacht zu Jesus im Tabernakel und bitten für die gefallene Menschheit.

 

Dienstag, den 11. Februar 1947

Fest der Erscheinung in Lourdes ist heute. Nach der hl. Kommunion bin ich wieder in das Paradies versetzt. Ich sehe, nachdem der erzürnte Vater die Schlange verflucht hat, daß das Bild der Unbefleckten am Himmel erscheint und der Teufel mit grimmigen Blicken hinaufschaut.

Er spricht: "Sie wird mir den Kopf zertreten. Ich nehme den Kampf mit ihr und ihren Anhängern auf. Das Paradies muß ich verlassen, aber die Erde gehört mir."

Die heilige Jungfrau erscheint und sagt: "Der Freitag ist, wie dein Seelenführer dir sagte, der Tag gewesen, an dem die ersten Menschen sündigten. Darum mußte der Freitag wieder geheiligt werden und wurde es durch den Kreuzestod Jesu. Der Ungehorsam wurde gesühnt durch den Gehorsam Jesu bis zum Tode. Nackt und bloß waren die ersten Menschen nach der Sünde. Nackt und bloß sühnte Jesus die Sünde. Die Frucht am Baume war der Anlaß zur Sünde. Die Frucht meines Leibes, die hing am Kreuzesbaum, brachte Erlösung von der Sünde."

 

Mittwoch, den 12. Februar 1947

St. Katharina, die Dornengekrönte, weilt mit ihren Schwestern bei mir. Es ist eine große Schar. Es kommen auch Priester mit der Dornenkrone. Sie stehen und singen und musizieren vor Jesu Thron. Jesus neigt sich liebevoll.

 

Donnerstag, den 13. Februar 1947

Am 11.12.1946, als die Muttergottes mich bat, ein Opfer für Heede zu werden, tat ich es unter dem Gehorsam meines Seelenführers. Ich wollte außerdem ein sichtbares Zeichen für die Echtheit haben. Heute schreibe ich gerade von Heede, da bringt mir der Postbote einen Brief von Ostenfelde, von einem Bonifaz Müller. Er schickt mir ein Bild von der Muttergottes von Heede und schreibt, daß er mich am 18. sprechen wolle wegen der Ereignisse von Heede. Ich bin erstaunt. Nun kommt sie zu mir die Muttergottes und schickt mir einen Menschen, den ich nicht kenne und von ihm nichts weiß.

 

Freitag, den 14. Februar 1947

Die Leiden sind groß heute. Ich bin so schwach, aber alles zur Vorbereitung für die heilige Fastenzeit. Ich weile immer bei meinem lieben Jesus in der kleinen Zelle. Mit meiner Mitschwester Hedwig darf ich das Leid teilen.

 

Montag, den 17. Februar 1947

Größer waren die Leiden der letzten Tage. Jedes Glied ist mir wie gekreuzigt, aber ich wollte es ja für die vielen Sünden, die man an den Kindern verübt. Meine Glieder sind geschwollen. Jesus, mein Geliebter, ist bei mir. Er verläßt mich nicht.

 

Dienstag, den 18. Februar 1947

Nach der hl. Messe treffe ich mit Bonifaz Müller zusammen. Wir gehen auf die Marienburg. Er zeigt mir die begnadeten Kinder, denen die Muttergottes in Heede erschienen ist. Mich fesselt besonders Grete. Sie schaut ein wenig anders aus, als die anderen Mädchen. Herr Müller erzählt mir alles und vieles wird mir klar, warum für Heede noch weitere Opfer gebracht werden. Ich erhalte auch ein Bild von der Jungfrau der Armen. Ich freue mich darüber. Vieles weiß ich nun von den Leiden des Gnadenkindes Grete.

Auf dem Heimweg tritt die Muttergottes an meine Seite und spricht: "Erkennst du nun die Bosheit Satans, dem nichts heilig ist und warum ich Opfer für Heede suche. Vereine dich mit dieser Opferseele, die ich für die Pläne Gottes erwählt habe und bete für die anderen, denn nur im Gebet, durch Opfer und Sühne kann Großes geschaffen werden. Erkenne auch Bonifatius, den ich zu dir sandte, als deinen Bruder an. Du kannst ihm vertrauen und darfst ihm die Gottesgeheimnisse, die du schaust, mitteilen. Er ist eine große Seele. Halte das Geheimnis des Gnadenkindes für dich."

"Liebe, himmlische Mutter, wie du willst, so soll es geschehen. Ich bin ja dein unwürdiger Sklave und nicht wert, irgendeiner Gnade und Liebe. Aber du bist ja die Mutter der schönen Liebe. Halte besonders deine schützende Hand über das Gnadenkind Magarethe."

 

Aschermittwoch, den 19. Februar 1947

Die Leidensnacht ist vorüber. "Lieber Jesus, wie bist Du wieder so beleidigt worden in den Fastnachtstagen. Ich freue mich Jesus, daß ich in diesen Tagen eine besonders große und schmerzhafte Dornenkrone tragen durfte. Ich freue mich ja, daß Du alle meine Glieder drei Tage gekreuzigt hast. Es ist ja nicht viel, mein lieber Jesus, was ich tun kann in meiner so großen Schwäche und Armseligkeit, aber Du weißt ja alles, Herr, weißt, daß ich allein nur Dich liebe und siehst nur auf den guten Willen."

Mein Jesus steht vor mir, dornengekrönt und mit dem Kreuze beladen. Er spricht: "Folge Mir und nimm dein Kreuz mit." Das große Kreuz mit dem heiligen Antlitz nehme ich, folge nun meinem Jesus.

Wir steigen auf einen hohen Berg und sehen von dort aus wie durch einen Spiegel die Menschen dieses Jahres, die durch Seuchen und seltsame Krankheiten sterben. Sehe, die durch Wasser, durch Feuer und Unglücke, hervorgerufen durch Naturkatastrophen, umkommen. Wenn sie es wüßten, wenn sie erkennen würden, sie würden Buße tun; aber sie haben die Tage des Heiles nicht erkannt und es kommt nun ein neues Strafgericht über die Erde.

Ich sage zu Jesus: "Sag, Herr, was können wir tun, damit nicht alle verloren gehen?" Der Herr antwortet: "Sie haben das Licht ausgelöscht. Sie lieben die Finsternis. Weil sie die Finsternis lieben, lieben sie auch die Werke der Nacht und dienen dem Fürsten der Welt. Nun kommt über sie der Lohn für die Werke, die sie verrichteten für ihren Fürsten, dem sie dienen. Wir gehen heute zu den Kranken und bringen ihnen Trost, die Mir dienen. Sie sind immer fröhlich und freuen sich, daß sie für das Himmelreich leiden dürfen. Ich will sie segnen mit meinem Kreuz für die Fastenzeit. Schließe sie ein in dein Gebet und vereine dich mit ihnen in ihren Leiden, damit du auch Anteil an ihren Verdienste hast."

Dann bin ich gegangen mit meinem Jesus in die Hütten, in die Ruinen, in die Kellerwohnungen, in die Spitäler, in die Häuser der Reichen und auf Wegen und Gassen, wo nur ein Kranker lag. Alle sind sie gesegnet worden, nur die nicht, an deren Lager der Teufel stand und seine Hand ausstreckte, um die Seele in sein Reich, in die Hölle, zu bringen. Möge nun all den Gesegneten leuchten in dieser Zeit das heilige Antlitz.

 

Donnerstag, den 20. Februar 1947

Heute ist Jesu Antlitz so blutüberströmt. Ich frage: "Heiland, was bedeutet das? Ich kann Dich nicht so sehen, ohne zu weinen!" Jesus antwortet: "Was du siehst, das ist die Sünde, die Mich so zurichtet. Nimm dein Kreuz und folge mir."

Ich folge und wir gehen zu den seelisch Kranken, zu den Sündern. Das Grauen erfasst mich, als ich sehe die Vielheit der Sünden und der Laster. Ich sehe die Seelen vom Aussatz bedeckt, von Würmern und anderen ekelhaften Tieren behaftet. Gequält durch diese Tiere, liegen die Menschen im Banne der Sünde und sterben den geistigen Tod.

"Ach, Heiland, ich bitte um Gnade für sie. Laß ihre Seelen gesunden und heile sie doch, du himmlischer Arzt."

"Ja, kleine Braut, kämen sie nur alle zu Mir, zu ihrem Arzt, Ich wollte sie alle heilen. Ich suche aber mehr Samariter, die sie hinführen zur Mir. Opfere den Tag heute für die armen Sünder, damit vielen der Friede des Herzens gegeben werde. Opfere Mein blutiges Antlitz Meinem Vater für sie auf, damit Er Barmherzigkeit ihnen erweise. Satan ringt uni die Seelen und bringt sie zur Verzweiflung ob in der Not und all der schrecklichen Dinge, die da kommen werden."

Der hl. Eucharius spricht heute: "Um der Wohltaten, die mir einst die Stadt Köln erwies in meiner Verbannung, will ich für sie bitten, damit Gottes Strafgericht gemildert werde. Rufet mich an und richtet eure Bitten an mich!"

 

Freitag, den 21. Februar 1947

Jesus naht nach der hl. Kommunion und spricht erneut: "Folge Mir heute zu den Feinden des Kreuzes. Sie triumphieren schon jetzt, daß sie Mich vernichten wollen. Sie wissen aber nicht, daß viele Kreuze bereitstehen, sie zu Fall zu bringen. Man spricht von Gerechtigkeit, von Schuld, vom Gutmachen. Seid ihr in allem Gott gerecht, so werdet ihr untereinander auch gerecht handeln. Wer Gott gegenüber sein Herz frei hält von der Schuld, von Sünde, der hat auch den Menschen gegenüber keine Schuld. Es ist euch nicht gegeben, den Maßstab an den einzelnen zu legen und die Welt zu richten. Ich bin es, der Herz und Nieren erforscht und der auch die Welt richten wird nach ihren Werken. Betet vielmehr, wie ich es euch lehrte: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern! Betet ihr so, ihr alle, ihr Großen und Gewaltigen, ihr Beherrscher der Erde, dann werde Ich, der Erlöser, die Welt befreien von dem großen Übel, das jeden Tag mehr euch in die Gewalt Satans zieht. Noch ist es Zeit, die Heimsuchung abzukürzen durch Gebet, Fasten, Opfer, Sühne, Almosen und werktätiger Liebe. Ja, liebet einander wie Brüder und Schwestern, so wie Ich euch liebe, die Ich so teuer mit Meinem Blute erkauft habe. Tuet ihr keine Buße und meint, das wäre nur für die Kreuzesträger, für die Glieder meines Leibes, dann wird der gerechte Gott Gerechtigkeit walten lassen. Ihr werdet fliehen vor der Gewalt Seiner Stimme. Bei Ihm gilt kein Ansehen der Person, gilt kein Gesetz, das Er nicht gab. Er wird Rechenschaft fordern von euch, über die große Zahl der Hungernden, der Nackten, der Obdachlosen, der Kranken, der Toten und der Gefangenen. Habe Ich euch nicht das Gebot der Feindesliebe gegeben? Habt ihr es befolgt in dem Sinne, wie Ich am Kreuz es tat? Ein Wehe geht über die Erde. Seid ihr Christen nach Mir benannt? Nein, aber ihr seid Christen nach dem Antichristen genannt, der es Mir in allem nachmachen will, aber kein Teil an Mir hat."

"Lieber Jesus, ich will weiter für sie beten und sühnen, damit sie bald zur Erkenntnis kommen."

Mit St. Meinrad verbinde ich mich, daß bald durch Buße und Sühne der Vater im Himmel uns gnädig sein möge. Er ist ja ein großer Fürbitter auch für unsere Zeit.

 

Samstag, den 22. Februar 1947

"Folge mir!" Wieder höre ich Jesu Stimme und mit dem Kreuz und der Dornenkrone folge ich meinem Herrn hin in die Missionsgebiete. Es scheint fast, als wäre Stillstand eingetreten in die Verkündigung des Evangeliums. Der Teufel ist mit Macht in das Arbeitsfeld des Herrn eingedrungen und hat viel herrliche Saat vernichtet. Viele Tote schaue ich im Priester- und im Schwesterngewand.

Ich frage: "Sage doch, mein lieber Jesus, wie soll das enden, wenn man deine Priester so verjagt und dahin mordet? Das kann doch nicht zu einem Hirten und einer Herde werden."

Er antwortete: "Das Blut dieser Märtyrer ist der Samen für das eine Reich Gottes, das zu euch kommt. Aus diesem Samen gehen herrliche Blüten hervor und ihre Früchte sind so zahlreich, daß selbst die verstockten Juden sich dieser Früchte erfreuen und geheilt werden von ihrer Krankheit. Betet nur ohne Unterlaß, daß bald ein Hirt und eine Herde werde. Das Schiff der Kirche wankt, aber ich stehe am Steuer. Ich lenke die Ruder. Fürchtet euch nicht! Nach den Tagen der Trübsal werde Ich herrlicher leuchten, Ich, eure eucharistische Sonne."

Ich darf heute leiden für die Einheit der Kirche, besonders für die verfolgten Missionare. Heute steht mir St. Margareta von Cortona (Mystikerin OFM, Ordensgründerin, 1247-1297) und die ganze Fastenzeit mit ihrem Büßergeist zur Seite.

Sie spricht: "Du bist meine Schwester, weil du ja auch die Braut, die Tochter Jesu bist. Liebe nur Jesus über alles. Liebe auch Seine Priester, denn durch sie wirkt und redet Er."

 

Sonntag, den 23. Februar 1947

Heute darf ich Jesus folgen zu all den Kleinen, die sich vorbereiten auf die erste hl. Kommunion. Jesus freut sich und ich freue mich mit Ihm. "Segne sie, lieber Jesus! Sie sind ja alle Dein. Das Herz der Kleinen, es jubelt Dir entgegen, Du göttlicher Kinderfreund!" Freude geht über Jesu Antlitz, aber dann wird er traurig, der Blick, und ich frage: "Herr, was betrübt Dich?"

Er antwortet: "Schaue die vielen Kleinen, die man nicht zu Mir kommen läßt, die Mich nie kennenlernen, die schon in der Wiege das Gift der Sünde getrunken haben und aufwachsen in Sünde und Laster. Ein Teil wird gerettet und sie werden als Engel bitten für die sündige Welt. Die Kinder der Sünde aber, die aus dem Fleisch geborenen, sie werden aufwachsen und durch sie wird die Welt mit Greuel und Laster bedeckt werden. Sie sind das Unkraut, das wächst und tausendfältige Frucht bringt. Sie sind nicht berufen für das Reich Gottes, weil die Sünde nicht weicht von ihnen. Besser wäre es, sie wären nicht geboren, schon um der Ärgernisse durch sie. Es muß aber erfüllt werden, was über das Ende der Tage vorhergesagt wurde. Weine darum nicht über mich, wenn du Meinen zerrissenen, blutigen Leib siehst, weine vielmehr über diese Kinder, die nie im Lichte wandeln und nie zum ewigen Lichte gelangen werden. Satan wird auch viele, die Mich kennen und in deren Herz ich einkehre, von Mir reißen, um sie in den Abgrund zu ziehen. Betet schon jetzt für sie, denn es kommt eine Zeit, da niemand ist, der für sie betet. Wenn die Tage dann nicht abgekürzt würden, würde kein Mensch mehr selig werden. Nützet darum die Tage des Heiles und der Gnade aus, auch für jene, die nach euch geboren werden."

 

Montag, den 24. Februar 1947

Jesus ruft: "Heute, meine Braut, haben wir einen schweren Weg zu gehen. Ich will Mein Volk, das Mich kreuzigte auf Golgotha, segnen, damit die Binde von seinen Augen genommen werde und sie den lieben und Ihm folgen, den sie wie einen Verbrecher unter die Mörder getan haben. Der Fluch ist über sie gekommen, den sie herabgerufen haben, aber nicht vergebens sind Gebete der Kirche und der Gerechten für sie gewesen. Sie sollen wieder Segen empfangen und das Kreuz lieben, das ihnen eine Schande bedeutete. Auch durch die Martyrien ihrer Brüder und Schwestern ist ihnen Gnade zuteil geworden. Die Leiden, die jetzt noch über sie kommen, wird ihre Blindheit heilen und die Stunde ist nicht mehr fern, da sie vom Lichte des wahren Glaubens erleuchtet und durchdrungen werden."

Ich darf nun schauen die großen Verfolgungen und Aufstände. Der Kampf ist furchtbar, aber die Gnade rührt die verstockten Herzen. Wenn sie erkannt haben, werden viele für Christus ihr Leben geben. Der Herr wird mit ihnen sein und einen neuen Bund mit ihnen schließen. Betet darum viel für die Kinder Israels und tuet Gutes den Geringsten der Völker auf Erden. Der Herr wird es vergelten und Sein Segen wird mit allen sein.

St. Matthias umgibt mich heute. Er spricht: "Ich bin der Kleinste unter der erwählten Schar, die Zeugnis ablegen für Jesus Christus, den Sohn Gottes. Stelle mich unter die Zahl der Kleinen, Verborgenen, der Opferseelen. Rufet mich an und ich werde euch schützen und die Macht des Bösen von euch fernhalten. Traget geduldig und freudig das Kreuz, das der Herr euch zu tragen auf die Schultern gelegt hat. Bleibt stille, verborgene Arbeiter im Weinberge des Herrn. Wer ein großes Werk schaffen will, muß es in der Stille und Verborgenheit tun."

 

Dienstag, den 25. Februar 1947

Meine Leiden sind groß heute. Die Schmerzen der Dornenkrone rauben mir fast die Besinnung. Jesus wandert mit mir zu all den Besessenen. Ich rufe: "Lieber Jesus, da ist ja die halbe Menschheit vom Teufel besessen."

Er antwortet: "Ja, Satan ist losgelassen und will reiche Ernte halten. Wo er ein Haus findet, das kein Kreuz besitzt, da zieht er ein. Es gehen aber nicht alle Besessenen verloren. Folge mir nun und nimm ein großes Kreuz mit."

Ausgezogen bin ich mit dem Heiland und er sprach wie einst: "Nimm dein Bett und stehe auf! Geh, zeig dich den Priestern! Gehe hin, deine Sünden sind vergeben! Fahr aus, böser Geist!"

Er zog mit mir an die Lager, wo sie ruhten. Der Teufel ließ sie nicht ruhen. Gequält und gefoltert warfen sie sich hin und her und stöhnten. Wo dann zur gleichen Zeit eine andere Seele betete und sühnte für jene. Da ging ich still mit dem Herrn zu den Gequälten. Er segnete sie und sie wurden ruhig. "Nimm dein Bett und stehe auf!" Ja, das Herz ist auch ein Bett, darin die Seele ruht. Wie kann sie ruhen, wenn der Teufel das Herz besitzt und die arme Seele nicht zur Ruhe kommen läßt. Ist er ausgetrieben und Jesus wohnt in dem Herzen, dann kann die Seele wieder wandeln im Lichte der Gnade. "Nimm dein Bett, dein Herz, und wandle hin zu deinem Gott! Gehe, zeige dich den Priestern!" Diese Worte sprach Jesus zu vielen, an deren Seelen ich den Aussatz der Sünde sah.

Jesus spricht: "Sagt auch ihr, die ihr diese Kranken aus der Gewalt Satans reißen wollt, diese Worte. Wenn durch euer Beten, Fasten und Sühnen solch eine Seele vom Lichtstrahl der Gnade gerührt wird, dann muß sie sich den Priestern zeigen. Ich gebe ihnen doch die Gewalt, im Sakrament der Buße diese Aussätzigen zu heilen. Finden die Besessenen den Weg zum Priester, dann komme Ich und sage: Ziehe hin in Frieden, deine Sünden sind dir vergeben."

Furcht und Zittern befiel mich fast bei jenen, wo der Heiland rief: "Fahre aus, böser, unreiner Geist!" Wie Pest und Schwefelgeruch wurde die Luft und mit lautem Geschrei fuhren die Teufel aus den Seelen. Diese sind an der Zahl nicht so groß gewesen, die Gnade fanden.

Der Herr sagt: "Für diese opfern sich zu wenige. Wer sich für diese opfert, der muß sich in sein eigenen Fleisch schneiden, der muß allem entsagen und sich kreuzigen jeden Tag. Wenn ihr betet für die Besessenen, sprechet oft die Worte, die ich brauchte, wenn Ich die Teufel ausrieb. Opfert die Gebete und die Unschuld der Kleinen auf für sie, denn das ist eine Macht, die das Herz des Vaters erreicht."

 

Mittwoch, den 26. Februar 1947

Quartembermittwoch. Jesus steht im weißen Gewand und dem Kreuz in der Hand vor mir. Engel aus dem Chor der Throne umgeben ihn. Heute trägt er keine Dornenkrone.

Er spricht: "Folge mir zu denen, die heute zum Priester geweiht werden. Ich will sie segnen und sie machen zu Trägern Meines heiligen Kreuzes. Die Dornenkrone trage Ich heute nicht an diesem Tage, an dem der Himmel voller Freude und Jubel ist über diese, die Mir nachfolgen. Die Dornenkrone erhalten sie von dem Volk, in dessen Mitte sie gestellt werden, von den Schafen, dessen Hirt sie werden."

Das war ein schöner Tag und Jesu Antlitz war nur erhellt von Freude. Bei jedem Priester sehe ich zwei Engel. Jesus segnet die Neugeweihten und spricht: "Würdig seid ihr nun, durch Meine Gnade hinaufzusteigen zum Berge Gottes, um zu schauen die Herrlichkeit des Herrn und zu feiern Seine Geheimnisse! Laßt euer Licht leuchten der Herde, die Ich euch anvertraue. Führet sie, nähret sie, heilet sie, opfert für sie, betet und leidet für sie, denn ein guter Hirt gibt sein Leben für seine Schafe. Seid wie ein Vater, der arbeitet und sorgt für die Familie. Seid wie ein Arzt, der sich der Kranken annimmt. Lebet heilig, damit durch euch viele heilig werden." Die Engel sprechen dreimal: Amen.

Ich bitte den Herrn, die Gnaden des Tages doch den armen Seelen zuzuwenden. Jesus erfüllt die Bitte und viele sehe ich, die rein und weiß eingehen in die ewige Herrlichkeit. Eine Freude ist in mir und ich rufe ihnen zu: "Bittet ihr nun droben, daß alle diese Priester heilig werden und Jesus treu bleiben bis in den Tod." Sie winken und ich bitte und bete für die Neugeweihten.

 

Donnerstag, den 27. Februar 1947

Ganz gebeugt unter dem Kreuz, triefend vom Blut, spricht Jesus: "Folge Mir heute und begleite Mich zu Meinen Opferseelen. Ich muß sie besonders segnen, denn der Satan stellt ihnen viele Hindernisse in den Weg. Wenn sie nicht wären, so hätte er eine größere Macht. Sie haben der Welt entsagt und sind nur bemüht, den Willen Gottes zu tun. Sie besänftigen den Zorn des Vaters." Weit und viel bin ich gewandert zu den vielen, vielen Seelen, die alles Jesus zuliebe geopfert haben. Den Segen Jesu fühlen sie und ich sehe einen Lichtstrahl, der vom Herzen Jesu ausgeht und sich senkt in ihre Herzen.

Der Herr spricht: "Ihr wißt um den Preis, den die Kreuzesleiden bringen. Ihr wißt, daß ihr sieget dadurch über Tod und Hölle. Kein Siegeszeichen ist so groß, wie das des Kreuzes. Lebt weiter still und verborgen in der Welt und bleibet Kinder eures Vaters im Himmel. Euch ist es gegeben, vielen die Tür zu öffnen und Mich einzuführen, damit Ich Gastmahl halten kann!"

Ich vereine mich heute mit den Opferseelen und bitte für sie, daß der Herr sie stärke in ihrem Leiden. "Zeige ihnen, Jesus, Dein heiliges Angesicht!"

 

Freitag, den 28. Februar 1947

Wieder segnet Jesus heute die neugeweihten Priester und ich folge Ihm weiter zu denen, die heute sterben. Wo ein Sterbender den Namen 'Jesus' spricht, da wird das Wort zum Licht. Die Seele wird hell und Jesus steht bei dem Sterbenden.

Er segnet sie und spricht: "Die Tore der ewigen Heimat öffnen sich. Ziehet durch sie hin, wo der Friede und die Freude wohnt. Vollendet ist die Pilgerfahrt und nun dürft ihr ausruhen von des Tages Last und Hitze. Kein Leid umgibt euch mehr und keine Träne fließt aus euren Augen."

Ja, da ist die Freude derer, die im Herrn sterben. Ich sehe aber auch furchtbare Kämpfe der Sterbenden und ein Ringen mit dem Tod, mit den Mächten der Finsternis. Wo für diese gebetet wird und ein Priester bei dem Kranken weilt, da ist auch Jesus und segnet sie. Wir gehen auch zu denen, die einsam und verlassen sterben, die in letzter Stunde noch die Gnade der Bekehrung erhalten. Ihre Schutzengel eilen hin zu Jesus und Er segnet sie, Er vergibt die Schuld.

 

Samstag, den 1. März 1947

Noch einmal darf ich Jesus heute zu den neugeweihten Priestern begleiten. Er segnet sie und Maria, die himmlische Mutter, breitet weit ihren Mantel über sie aus.

Sie spricht: "Empfanget ihr, meine Söhne, auch den Segen Eurer Mutter. Folget in allem meinem Jesus und traget Sein Kreuz mit Freuden, alle Tage. Helfend und für euch bittend, will ich euch zur Seite stehen. Vergeßt auch eure Mutter nicht, so werdet ihr nie verlassen sein."

Jesus geht weiter zu all den Marienkindern und segnet sie. Ich bitte, daß Maria heute ihre Gebete für die Neugeweihten annehmen möge, damit die Erde erfüllt werde von heiligen Priestern.

 

Sonntag, den 2. März 1947

Jesus steht vor mir mit dem Kreuz beladen und der Dornenkrone auf dem Haupte und spricht: "Folge Mir hin zu den Heimatlosen." Er segnet sie alle und sie hören Seine Worte:

"Warum seid ihr mutlos oder traurig? Seid ihr wirklich so heimatlos? Nein, ihr seid es noch nicht, aber ihr könnt es werden. Eure Heimat ist droben, wo die heiligste Dreifaltigkeit im Lichte wohnet. Hier seid ihr nur Pilger, die das Ziel, die Heimat, noch erreichen müssen. Ihr seid von Gott und müßt wieder hin zu Gott. Ich, der Ich euer Bruder wurde, Ich wurde und war heimatlos, weil Ich den Himmel verließ und zu euch herniederstieg. Habe Ich nicht alles verlassen und in Armut und Niedrigkeit gelebt? Was braucht ihr viel auf dieser Welt, die ihr nach kurzer Zeit wieder verlassen müßt? Wenn euch nun das, war ihr Heimat nennt, genommen ist, dann suchet euch ein anderes stilles Plätzchen, wo ihr Gott dient und Seinen Willen erfüllt. Es ist leichter, den Weg in die wirkliche Heimat einzugehen, wenn ihr alles abgelegt habt, wenn ihr Wanderer bleibt und Mir folget, – Mir, für den man auch kein Plätzchen hatte, wo Er Sein Haupt hinlegen konnte. Droben, in der wirklichen Heimat, werdet ihr erst verstehen, warum ihr diese Wege gehen mußtet. Kommet zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid! Mein Herz ist der Ort heiliger Ruhe, am dem ihr ruhen dürft.”

 

Montag, den 3. März 1947

"Selig die Armen im Geiste." – So klingt Jesu Wort zu den Armen unserer Zeit. Ich folge wieder, und Er segnet sie und ihre Häuser und Hütten.

Er spricht: "Traget eure Armut in Liebe und Geduld." Zuviel hing euer Herz an den irdischen Dingen, die doch nur kurze Zeit ihren Bestand haben. Es wurde zuviel damit gesündigt und Gott darüber vergessen. Einer erwarb sich noch mehr wie der andere. Wo ist nun all das Schöne, all die Herrlichkeit? Schauet die Trümmer, die Ruinen, sie künden es, wie gering die irdischen Dinge sind. Erwerbet euch die himmlischen Güter, die ewig bestehen. Suchet zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit und alles übrige wird euch hinzugegeben werden.

Wer dem Herrn dient, dem gibt Er es, was er braucht für dieses Leben. Helfet einander und teilet eure Habe mit denen, die ärmer sind noch als ihr, ihr, denen der Herr noch an Hab und Gut nichts genommen hat. Der Herr prüft alle und wenn ihr die Proben besteht, wird noch eine Zeit kommen, da euch alles wiedergegeben wird, was ihr verloren habt. Betet und sühnt, das wird euch retten."

 

Dienstag, den 4. März 1947

Gestern erhielt ich einen Brief von Maria B. Sie schreibt von ihrem Bruder. Ich mag den Heiland nicht um das Irdische fragen. Es ist notwendig zu wissen, ob ein Mensch lebt, oder ob er tot ist. Aber gestern Abend erschrak ich ein wenig. Den Brief wollte ich beantworten, der vor mir lag. Da geschah etwas. Eine lichte Hand faßte den Brief und eine Stimme höre ich: "Betet für mich. Ich brauche viel Gebet." Dann war es still. Ich muß annehmen, daß ihr Bruder tot ist.

Heute spricht Jesus: "Komm, meine Braut, laß uns zu denen gehen, die da hungern und vergehen vor Durst. Ich bin das Brot der Seele und des Leibes! Ich bin die Quelle, die nie versiegt! Die Erde ist an Gütern reich, so daß niemand zu hungern und zu dürsten braucht. Es ist aber gerade mit den Gottesgaben durch Unmäßigkeit, durch Schwelgerei und Vernichtung schwer gesündigt worden. Wieviel liegt auf dem Meeresgrund und wieviel wurde gebraucht für andere Zwecke, anstatt die Not zu lindern. Ihr traget die Folgen eurer Sünden und müßt nun hungern, weil ihr die Gaben Gottes nicht geachtet habt. Ihr wolltet auch das Brot der Seele nicht und so wurde euch auch das Brot des Leibes genommen. Wer in dieser Zeit ganz auf Gott vertraut, den verläßt Er nicht und stillt seinen Hunger und den Durst. Ihr sollt aber auch euer Brot mit dem Bruder und der Schwester teilen, damit Christi Gesetz erfüllt werde. Achtet die kleinste Gabe Gottes und Sein Segen ist mit euch."

 

Mittwoch, den 5. März 1947

Jesus spricht: "Laßet uns gehen zu denen, die da trauern, die da weinen um ihr Liebstes, das sie verloren. Segnen will Ich sie und auch die, die weinen wegen ihrer Sünden."

"Ja, mein lieber Jesus, wo ist ein Haus, wo nicht Trauer ist um ein liebes Wesen oder wo gibt es nicht viele stille Büßer, die trauern und weinen um ihre Schuld. Segne sie alle. Ich bin ja so glücklich, daß ich mit Dir gehen darf. Vergiß aber nicht alle meine Brüder und Schwestern, die in der Gottesliebe mit mir vereint sind und beten. Schenke ihnen einen besonderen Segen." Dann bin ich mit meinem Jesus zu all den Betrübten gegangen. "Habt ihr den Segen nicht gefühlt, ihr meine Lieben, als Jesus euch segnete? Höret Seine Worte:

Wenn euer Herz auch jetzt noch Trauer empfindet, bald wird alles Leid in Freude verwandelt werden. Sie gingen euch nur voraus, die ihr beweinet. Sie haben ausgekämpft, haben das Ziel erreicht. Sie bitten nun, daß auch ihr dahin erlanget, wo sie sich freuen, wo keine Träne geweint wird. Kurz ist der Schmerz der Trennung, aber ewig die Freude des Wiedersehens, der Vereinigung mit Gott. Ich kenne euer Leid, euren Schmerz. In Mir habt ihr für alles Ersatz, Ich bin der Trost in trüben Stunden. Oh, die ihr weinet über eure Sünden, seid besonders gesegnet. Eure Reuetränen sind ein Zeichen der Liebe zu Mir. Eure Engel freuen sich im Himmel und Mein Herz ist die Zuflucht für euch. Habt Vertrauen zu Mir. Ich bin ja euer Bruder, der Tröster der Verlassenen."

 

Donnerstag, den 6. März 1947

Heute muß ich sehr leiden. Kein Glied ist ohne Schmerz. Ich liege morgens durch einen Krampf, der durch den ganzen Körper zieht, an der Erde. Freude erfaßt mich. Schwester Juliane neigt sich über mich und tröstet: "Ich bin bei dir. Ich darf dir zur Seite stehen." Sie streichelt mich und ich erwidere ein wenig verwundert: "Julchen, du bist ja so schön. So habe ich dich noch nicht gesehen!" Sie antwortet: "Lieb Schwesterlein, ein wenig höher bin ich im Himmel und dem Throne Gottes näher. Je näher bei Gott, desto schöner und herrlicher ist die Seele, ist ihr Gewand. Durch freiwillige Leiden erhält die Seele ein besonders schönes Gewand, das Jesus, der König der Leiden, gibt."

"Dann sag doch, Julchen, daß Jesus mir noch mehr Leiden schicken soll. Hier auf Erden gebe ich nichts um schöne Kleider, aber droben, wenn ich mal ganz bei meinem Jesus sein darf, oh, da möchte ich ein ganz schönes Kleid tragen." Sie will es tun und sagt: "Jetzt muß ich gehen, denn Jesus kommt und will heute mit dir zu den Gefangenen gehen."

Jesus kommt und spricht: "Stehe auf, Geliebte! Der Tag wird schwer, denn viel Leid wirst du sehen und viele Tränen, die hinter Gittern und Mauern, die in einsamer Verbannung geweint werden. Ich will die Gefangenen, besonders die unschuldig oder durch Verwirrung leiden, besonders segnen."

Welch Leid sehe ich nun. Es greift mir ans Herz. Die meisten der Gefangenen sehen nicht mehr nach Menschen aus. Der Tod hat ihre Züge gezeichnet. Alles haben sie dahingegeben, zum Schatten sind sie geworden. Für wen? Durch wen? Für uns, die dahinleben, die nicht büßen, nicht sühnen wollen. Die nur das Leben leben wollen. Sie leiden, diese Unschuldigen, die Verwirrten, weil man nicht barmherzig ist, weil sie mitschuldig für die Schuld der Großen und Gewaltigen gemacht wurden.

Jesus segnet sie mit Seinem Kreuz und spricht: "Ich bin bei euch! Ich leide mit euch! Haltet aus noch eine kleine Weile. Heimführen werde Ich euch. Euer Vater im Himmel wird euch vergelten und euch alles geben, was die Menschen euch genommen haben. Ihr seid die Kinder der Trübsal, die, geschmückt mit weißen Kleidern, zur Hochzeit des Lammes erscheinen dürfen. Freuet euch, daß ihr Berufene seid! Ihr seid Meine Brüder, meine Schwestern, weil Ich der erste Gefangene war. Fürchtet nicht die Menschen, die nur Macht über euren Leib haben. Ihr Herz ist böse und Ich werde Vergeltung üben. Habt Vertrauen zu Mir. Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt."

Jesus segnet sie dreimal und in der Nacht sind wir zu ihnen an ihre armen Lager gegangen und Jesus hat sie nochmals gesegnet. So manchen sah ich noch beten oder sah bei vielen Schlafenden Tränen unter den geschlossenen Lidern hervorquellen. Bei Jesus Segen ging ein verklärter Zug über ihre Züge. Leise sage ich:

"Lieber Jesus, ich bitte auch für die Schuldigen, die gefangen sind. Laß sie nicht alle verlorengehen."

Jesus erwiderte: "Jeden Tag schenke Ich dir bis zum Osterfeste einen Schuldigen. Sühne für ihn und er wird gerettet sein. Wer bittet, der wird empfangen. Im Himmel wird Freude sein über ihre Buße. Betet viel für diese, damit Satan nicht seine ganze Gewalt an ihnen ausübt. So will Ich sie segnen, für die gebetet wird, daß sie ihre Sünden bereuen und ein gnädiges Gericht finden."

"Ich danke Dir, guter Jesus. Du willst ja nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 7. März 1947

"Ja, lieber Jesus, nur Güte und Liebe bist Du in dieser heiligen Zeit. Du segnest alle, machst alle reich mit Deinem Segen, mit Dir selbst, der Du unser Trank und unsere Speise bist. Wo gehen wir heute hin, mein Heiland?" Er antwortet: "Heute gehen wir zu denen, die ermordet, die überfallen werden." "Lieber Jesus, kannst Du nicht verhindern, daß so viele überfallen werden?" Jesus sagt: "Der Vater läßt es zu. Die Menschen müßten zur Erkenntnis kommen, wie weit es kommt, wenn Gott ausgeschaltet wird. Sie haben ihre Freiheit, nach der sie verlangten. Dieses Spiel nimmt nicht eher ein Ende, bis der Mensch erkannt hat, welchem Götzen er gedient hat und dient. Gott braucht Seine Geschöpfe nicht. Er lacht ihrer, die Ihm fluchen, die spotten und verstockt bleiben. Erhebet eure Häupter und bittet, daß die Drangsal ein Ende nimmt, die nur vom Teufel ist. Er verwirrt die Geister, und aus all dem Laster gehen diese Greuel hervor." Jesus segnet sie nun, die im Stande der Gnade solch einen gewaltsamen Tod leiden. Sein Segen geht weiter zu ihnen, die ich rufen höre: "Oh, Jesus, stehe mir bei, sei mir barmherzig."

"Ja, wir sind alle bedroht, überall lauert der Tod. Jesus, Du wirst uns helfen und Deine Engel senden, die uns schützen vor denen, die uns nach dem Leben trachten."

 

Priestersamstag, den 8. März 1947

"Heiland, guter Heiland, ich habe heute eine große Bitte: Segne doch den Heiligen Vater heute." Jesus gewährt mir die Bitte. Ich sehe den heiligen Vater im Gebet vertieft nach der hl. Messe. Allein kniet er noch. Es müssen große Bitten sein, ich sehe es an seinem Gesicht, das so flehend aussieht. Jesus segnet ihn und spricht: "In Meine Hand habe ich dich geschrieben und in Meinem Herzen dir eine Ruhestätte bereitet. Im Buche des Lebens ist dein Name besonders verzeichnet. Zum Vater bist du über alle Völker der Erde gesetzt. Dir ist es gegeben, die Verblendeten recht zu leiten und so beizutragen zum Frieden für die ganz Welt. Dir ist es gegeben, viele Söhne und Töchter, die sich von Meiner Braut trennten, zu ihr zurückzuführen und ein Opfer zu sein, für das Lob und die Verherrlichung Gottes." Ob er es fühlte, der Heilige Vater? Ein stilles Lächeln umspielt seine Lippen.

Gestern Abend betrachtete ich das Bild von der seligen Gemma Galgani. Sonderbar wird mir. Ihre Augen bewegen sich und der Mund verzieht sich zu einem Lächeln. Zeitweises umstrahlt sie ein helles Licht, und von ihrem Herzen gehen dauernd Lichtstrahlen aus. Ich will nun wissen, ob es echt ist oder ob ich mich täusche. Ich zeige meiner Edith das Bild und frage: "Fällt dir etwas Besonderes an diesem Bilde auf?" Sie schaut lange und sagt dann: "Nein, ich kann nichts feststellen." Dieselbe Antwort erhalte ich auch von meinem Theo, der gerade zur Tür hereinkommt. Ich rufe meinen kleinen Walter und sage: "Walter, ist sie nicht schön, diese Heilige?" Das Kind schaut, schaut eine Zeit und dreht schon mal das Bild. Auf einmal ruft es: "Sieh doch, Mama, sie bewegt die Augen! Oh, jetzt lacht sie und da, da am Mantel, da drunter her leuchtet es. Das kommt jetzt heraus, ein schönes Licht. Sie lacht wieder." Übereinstimmend sehe ich das gleiche. Die beiden anderen stehen dabei und sehen nichts, sie schauen nur von einem zum anderen. Ich sage nun: "Walter, die hl. Gemma hat dich wohl gern, sonst würde sie nicht mit dir lachen. Du mußt aber den Heiland auch so gern haben wie sie, dann wird sie für dich bitten, daß du in den Himmel kommst." Er ist begeistert und will nun von ihrem Leben etwas wissen.

Am Abend spät, sage ich: "Wenn du so immer gelacht hast, mußten dich alle Menschen gern haben. Sei doch meine Schwester und führe meine Tochter Inge." Sie antwortet: "Ich werde sie führen und für sie bitten. Ich war es, die am 1. November vorigen Jahres dir folgte und dich auf eine Gefahr hinwies." "Oh, Dank, Dank liebe Gemma! Sei weiter mir mit Rat und Tat zur Seite."

 

Sonntag, den 9. März 1947

Heute darf ich mich freuen. Mit meinem Jesus gehe ich zu den Sanftmütigen, die er segnen will. Still wie die Lämmer gehen die Sanftmütigen unter die Wölfe. Sie fürchten nichts, sie wollen allen gut sein, ob Freund oder Feind. Von ihnen geht eine Macht aus, vor der sich selbst die Herrscher der Erde beugen.

Jesus spricht: "Ich habe diese nach Meinem Herzen gebildet und will sie segnen, daß selbst die verstockten Herzen durch sie besiegt werden. Sie sind Kinder des Lichtes und an ihrer Liebe und Güte werden die kalten Seelen wieder warm. Wie Scharen wandeln sie umher, nur Gutes tuend, nur Liebe spendend. Sie vergessen sich selbst, aber Gottes Augen ruhen mit Wohlgefallen auf ihnen. Seid weiter ein Segen für die Menschen, ihr gesegneten Kinder Meines Herzens."

Ich freue mich mit ihnen und bin heute frei von Leiden. Mit der Schwester meines Seelenführers gehe ich nach Ittenbach zur Fastenpredigt. Simon von Cyrene wird uns hier vor Augen gestellt, der erst unwillig, aber dann freudig dem Heiland das Kreuz nachtrug. Oh, möchte er Vorbild zum Nachahmen sein, die heute ihr Kreuz nicht tragen wollen, damit auch sie bald freudige Kreuzesträger werden.

 

Montag, den 10. März 1947

Jesus segnet die Friedfertigen. Er spricht: "Ihr seid Kinder Gottes. Ich bin der Friede und habe der Welt den Frieden gebracht. Wer Mich besitzt, hat immer Frieden. Soviel ruft man nach Frieden und stiftet doch immer Unruhe und Streit. Wenn nun in den Familien schon kein Frieden ist, wie kann dann die Welt vom Frieden reden, noch auf Frieden hoffen. Gehet darum weiter, ihr Friedfertigen und seid den streitsüchtigen, lieblosen Menschen ein Segen. Aus eurem Schweigen und Verzeihen wird nur Segen hervorgehen. Der Herr wird vergelten und euch die Freuden des ewigen Lebens schenken, für das Unrecht, das ihr leidet für Ihn, für den Frieden."

 

Dienstag, den 11. März 1947

Jesus segnet heute die Neugeborenen. Ich bitte: "Lieber Jesus, laß keines von ihnen verlorengehen!" Er spricht: "Die aus Gott geboren sind, die gehen nicht verloren, weil Seine Gnade mit ihnen ist. Wenn sie auch einmal straucheln oder abfallen, da gehe Ich, der gute Hirt, ihnen nach und befreie sie, hebe sie auf. Die Kinder der Sünde sind nicht aus Gott. Sie sind gezeugt durch Einwirkung des Teufels. Sie haben keinen Teil an Mir. Ich sah diese schon damals auf Meinem Kreuzweg und sagte in Meinem Schmerz zu jenen: Weinet nicht über Mich, weinet vielmehr über euch und eure Kinder. Ich bin ja der göttliche Kinderfreund und habe die Kleinen so gern. Die ich heute segne, bleiben gesegnet und aus ihnen bereite Ich Mir Opferhostien, die sich auflösen, ganz in dem Willen Gottes. Ich brauche sie für die böse Zeit, da Satan auch seine Kinder, die er mit der ganzen Bosheit der Hölle ausrüstet, gegen Mich ziehen läßt, um Mich zu vernichten. Mit St. Michael ziehen die Gesegneten zum großen Gottesstreit."

 

Mittwoch, den 12. März 1947

Zum Sterben bin ich fast in Sorge um die ungeratenen Kinder, die ihren Eltern Sorgen machen. Jesus: "Ich will sie segnen, die noch einen Funken der Liebe in ihrem Herzen tragen, damit der Funke brenne und zur Flamme werde. Ich rufe ihnen die Worte des Tages zu: Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf daß du lange lebst im Lande. Haltet die Gebote Gottes und lebt nicht nach den Gesetzen der Welt oder nach den Gesetzen, die der Teufel in eure Herzen schreibt. Furcht und Schrecken wird über euch kommen, wenn ihr schauet die Dinge, die über den ganzen Erdkreis kommen. Soviel Mahnungen sind ergangen durch Meine Werkzeuge, die Ich erwählt habe für die Ausbeutung Meines Reiches. Ihr habt nicht darauf gehört, habt gelacht. Es muß nun ein neues Strafgericht über euch kommen, damit ihr wieder eure Eltern ehret!"

Ich leide heute viel für diese. Die Dornenkrone drückt und die Augen sind sehr geschwollen. Ich vereine mich heute mit allen Müttern, die um ihre ungeratenen Kinder weinen. Ich weiß ein Herz, das stets von Liebe brennt, das alle segnet, die in ihm sich einen. Ich weiß ein Herz, das meine Sorgen kennt, ihm weih und schenk ich mich und all die Meinen. "Herz Jesu gib, daß keines verlorengeht, für das ein Mutterherz in Sorge fleht. Gib, lieber Jesus, daß St. Benedikt erscheint." Jeden Tag soll ich mit den an deren Heiligen Ludwig Maria Grignion, Franziskus, Franz von Sales, Dominikus und Pater Wigbert um einen heiligen Seelenführer und um die Tugend der Heiligkeit anrufen. Er bittet auch für die Zeit der Not, den hl. Papst Gregor anzurufen, der wie damals noch dieselbe große Macht bei Gott hat. "Meine Treue und Mein Erbarmen begleiten ihn. Erhöhen wird sich seine Macht in Meinem Namen!" Diese Worte des Herrn beweisen die Wahrheit, wie hoch er den hl. Gregor erhoben hat.

 

Freitag, den 14. März 1947

Ich bin ganz durcheinander. Immer läuft das Radio. Ich kann mich nicht sammeln, aber niemand hat ein wenig Rücksicht. "Mein Jesus, oh laß meine Ohren taub werden, damit ich von der Welt nichts mehr höre als Deine Stimme, die zu mir spricht! Befreie mich doch, mein Heiland, von diesen Hindernissen."

Am Freitag spricht Jesus: "Folge Mir zu den Blinden!" Groß ist die Zahl, die der Herr mir zeigt, die blind sind. Ich möchte weinen, es tut mir so weh, daß so viele von der Welt, von all der Herrlichkeit, die Gott schuf und das Erhabenste, den eucharistischen Heiland, nicht sehen können.

Jesus segnet sie und spricht: "Traget das Leid für eure und der Welt Sünden, so habt ihr Teil an allen Gnaden, die der Vater seinen Auserwählten schenkt. Es ist besser, nichts von der Welt zu sehen und in der Gnade Gottes zu wandeln, als alles zu sehen und dereinst die Herrlichkeit des Himmels nicht schauen zu dürfen. Wandelt ihr hier in der Finsternis, werdet ihr droben wandeln im Lichte und schauen den Dreieinigen Gott. Opfert euer Leid auch für jene, die blind sind für die ewige Wahrheit.

Handelt ihr so, werden an euch die Werke Gottes offenbar werden. Ihr habt für diese Zeit eine besondere Sendung. Selig seid ihr Blinden, wenn ihr bittet, wenn ihr opfert für die Blinden, die sehen und doch nicht sehen."

 

Samstag, den 15. März 1947

Dornengekrönt und mit dem Kreuz beladen kommt Jesus mit meinem lieben Pater Wigbert. Jesus sagt: "Komm Geliebte, wir wollen heute die segnen, die bald dem ganz großen Orden der Allerheiligsten Dreifaltigkeit angehören werden. Sie brauchen schon jetzt den Segen, denn Satan wird seine letzte große Macht aufbieten, um alles, was sich dem Dreieinigen Gott weiht, zu vernichten."

Ich schaue die Erde so anders. Kleine Häuser, einfache Menschen, die zufrieden aussehen und eine gewisse Heiligkeit, als wenn es der Odem Gottes wäre, fesselt meinen Blick, mein Gemüt. Jesus segnet mit dem Kreuz und Pater Wigbert steht mit flehenden Händen. Ich bete für die große Sache Gottes.

Jesus spricht: "Viele kommen vom Morgen und vom Abend. Sie werden ihre Geschenke dem bringen, der sie schuf, dem, der sie erlöste, dem, der sie heiligte. Es wird ein großes Geschenk sein, die Liebe, die in allem, was sie tut, alles vermag. Aus Liebe wurde alles erschaffen, aus Liebe alles geheilt. Die bemüht sind und danach streben, die Heiligkeit, die sie empfangen haben in der Taufe, zu bewahren, die empfangen besondere Gnade. Der Herr schenkt allen diesen, die Ihm aus Liebe dienen und alles schenken, sich entäußern von allem, das große Geschenk Seiner Liebe. Sie werden Seine besonders auserwählten Kinder sein, die das Lob Gottes singen, die die Heiligste Dreifaltigkeit verherrlichen Tag und Nacht. Die Hölle wird zittern vor ihrer Macht. St. Michael steht diesen Auserwählten schützend mit seinem Chor zur Seite." Jesus segnet die vier Himmelsrichtungen mit dem Kreuz. Dann hält Pater Wigbert das Kreuz. Jesus nimmt die Dornenkrone vom Haupt und legt sie auf die Erde. Er spricht: "Der Segen des Kreuzes lasse aufgehen den Samen, lasse die Blumen blühen zum lieblichen Wohlgeruch der Heiligsten Dreifaltigkeit. Die Blumen hauchen ihr Leben aus für den Dreieinigen Gott. Der Teufel wird diese Blumen auszureißen versuchen, aber die Dornen Meiner Krone werden ihn verletzen, die Ich unter diese Blumen aufrichte. Er wird dadurch zu Fall kommen und Gott wird ihn im letzten Kampf vernichten. Michael steht wie im Anfang und kämpft mit all den Auserwählten für die Ehre Gottes, für die Macht und Herrlichkeit der Heiligsten Dreifaltigkeit."

"Oh, Jesus, Geliebter, wie schön muß das noch werden? Oh, juble und singe immerdar meine Seele dem Dreieinigen Gott. Vom Norden bis zum Süden, vom Osten bis zum Westen, am Tage wie bei der Nacht, im Himmel wie auf Erden, sei gelobt, geliebt, angebetet und verherrlicht von Ewigkeit zu Ewigkeit, die Heiligste Dreifaltigkeit! Jesus segnet mich nun und mein lieber Pater Wigbert gibt mir auch den Segen. Er spricht: "Heute darfst du leiden für den kommenden großen Orden!" Er lächelt so seltsam und dann bin ich wieder allen.

Tag und Nacht sind die Leiden sehr groß. Fast vergehen mir die Sinne. Immer wieder muß ich um Kraft bitten, damit ich meine Pflichten erfüllen kann. Den weiteren Tag und in der Nacht, wenn ich rufe, kommt mein lieber Pater Wigbert und segnet mich. Ich bin ja so unwürdig und doch so glücklich, für die große Sache Gottes leiden zu dürfen.

 

Dienstag, den 16. März 1947

Die Leiden der Nacht haben mich so schwach gemacht. Ich taumele hin und her, aber ich muß zum Hause des Herrn. "Pater Wigbert segne mich! Jesus, sei mein Jesus und hilf mir!" Mein Seelenführer segnet mich und wunderbare Kraft kommt in meine schwachen Glieder. Pater Wigbert sagt: "Dieser Tag ist für dich. Jesus wird dich segnen als Opfer für den Orden der Heiligsten Dreifaltigkeit. Es ist ein großer Tag heute, der dem hl. Bischof Heribert geweiht ist, der eine Leuchte der Kirche und eine Leuchte des rheinischen Landes ist. Du mußt erst leiden bis zum Abend. Vereine deine Leiden mit den Krüppeln und Lahmen, die Jesus gleich segnen wird." Er segnet mich. Mir wird so seltsam. Immer mehr versinke ich in mein Nichts, mein ganz armseliges Nichts. Jesus kommt: "Folge mir!" Still und schweigsam folge ich, Türen öffnen sich von den Palästen, von großen und kleinen Häusern, von Spitälern, von Lagern, von Gefängnissen und armseligen Hütten. Was ich sehe, es treibt mir die Tränen der Liebe und des Mitleids für diese Brüder und Schwestern in die Augen. Was ich weiter sehe, jene, die man der Welt nicht zeigt, die man nicht mehr zu den Menschen zählt, die Tieren gleich sind in Gestalt und in der Natur, das läßt mir bald den Atem ausgehen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Nur eines rufe ich: "Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich ihrer. Haben sie nicht auch eine Seele?" Er antwortet: "Aus dem Munde der Unwürdigen, der Säuglinge, will ich Mir Mein Lob bereiten! Dienet jenen und liebet sie, so dient ihr Mir, so liebt ihr Mich. Es ist euch gegeben, an ihnen Barmherzigkeit zu üben, damit über euch die Barmherzigkeit Gottes komme. Du schaust auf jene und Tränen füllen deine Augen. Sie sind euch gegeben als Zeichen. So ungestaltet, so häßlich, wie sie sind, sind sie nicht zu vergleichen mit einer Seele voller Sünden. Solch eine Seele ist viel häßlicher. Sie sind die Opfer für die Sünden der Welt. Würde die Welt sich bekehren und Buße tun, würden solche Krüppel und Lahme nicht mehr sein." "Jesus, lieber Jesus, segne sie besonders und ganz besonders diese, die von der Welt, vom Himmel, von Gott und allem Geschaffenen nichts wissen. Sie wissen nicht, welch große Opfer sie sind, aber herrlich wird und muß ihr Lohn sein." Sie werden besonders gesegnet und ich will mich mit ihnen vereinen im Opfer.

Am Nachmittag möchte ich zur Sühneanbetung für den Frieden der Welt. Es geht nicht. Alles verläßt mich. Allein bin ich. "Oh, Jesus, nun wollte ich zu Dir und bin so hilflos. Laß meinen Geist vor allen Tabernakeln knien. Gib mir Deinen Segen. Ich habe ihn so nötig. Ich bitte nicht mehr, nein, lieber Jesus, ich schreie, mein Herz schreit nach Segen. Höre mich, mein göttlicher Bräutigam, es schreit meine Seele nach Dir, es windet sich das Herz in wildem Schmerz. Segne mich, Herr!" Jesus kommt und spricht: "Leiste stille Sühne durch deine Seelenleiden, deine Sehnsucht. Es nützt nicht viel, wenn nur einige Tage Bittgebete für den Frieden verrichtet werden. Nein, jeden Tag muß gesühnt und geopfert werden. Es würden viele Leiden, die kommen, abgekürzt werden und der Friede eher gegeben werden. So kommt doch, was bestimmt ist." Jesus segnet mich.

Dann kommt St. Stephanus und eine Märtyrerin Stephana. Sie bleiben bei mir in den Leidensstunden. Am Abend spät erscheint Pater Wigbert. Er segnet mich und spricht: "Du weißt, daß ich es war, der für die Verlängerung deines Lebens betete. Du hast mir einmal erzählt, daß du als siebenjähriges Kind vor dem Tabernakel knietest und gesagt hast: Heiland, ich habe dich so lieb! Jetzt bin ich noch so klein, aber wenn ich einmal groß bin, dann will ich ganz etwas Großes für dich tun! – Ich nehme dich nun beim Wort. Heute will ich dich weihen als Opfer für den großen Sühneorden der Allerheiligsten Dreifaltigkeit." "Oh, lieber Pater Wigbert, zu klein und gering bin ich dafür, ein Kind der Sünde. Wie kann ich armes Geschöpf für den allerheiligsten dreifaltigen Gott ein würdiges Opfer sein? Wenn ich schon manches tat, aber das wage ich nicht. Erkläre mir, sage mir, warum? Gibt es nicht Opferseelen, die reiner und würdiger sind als ich? Die heilig sind?"

Es ist wohl 10 Uhr abends und um 2 Uhr wartet er noch auf meine Antwort. Ich rufe: "Liebe Gottesmutter, hilf mir doch! Oh, ich verstehe, ich fühle wie du gebangt hast vor dem Großen, als St. Gabriel zu dir kam mit der Botschaft. Du warst aber würdig, rein und makellos." Es bleibt aber still und Pater Wigbert spricht: "Gab der Herr dir nicht viele Talente? Noch hast du eins, mit dem du nicht gearbeitet hast. Arbeite damit und opfere dich für die große Sache Gottes. Wenn du auch nicht würdig bist, so kannst du doch als demütige Magd ganz dem Willen deines Seelenführers unterworfen sein. Ich habe für dich gebetet und du darfst mir vertrauen. Bist du mir gehorsam, bist du auch Gott gehorsam. Spreche nun nach, was ich dir sage: Heiligste Dreifaltigkeit, in Demut nahe ich mich Deinem erhabenen Throne. Nimm mich in Liebe und Güte an als Opfer für den großen Orden, der nur ein Lob und Preis Deiner Herrlichkeit sein soll. Segne mein unwürdiges Opfer und schenke mir durch meine himmlische Mutter die Gnade, in allem, mit dem Willen Gottes vereint zu sein. Aufgelöst und von allem Irdischen befreit, bitte ich Dich, Vater, um Deinen Segen!"

So sprach ich die Worte nach und ein Beben ging durch meinen ganzen Körper. Dann war es, als öffnete sich der Himmel. Gewaltig an Größe, nur ein Schleierbild, ein Hauch umgibt mich. Aus diesem Schleierbild kommen Hände, die ausgebreitet sind. "Oh, Vater, mein guter Vater, so bist Du mir wirklich gut. Ich kleines Wesen darf etwas tun für Dich, den gewaltigen Gott. Vater, ich danke Dir, ich lobe und preise Dich. Oh, ich will alles tun, so wie es in meinen Kräften steht, damit Du, dreifaltiger Gott, auf der ganzen Erde verherrlicht werdest."

Pater Wigbert spricht die Weiheformel, die ich nicht verstehen kann. Danach bete ich mit ihm die Dankgebete. "Für die heute empfangenen Gnaden sei gelobt und gepriesen Heiligste Dreifaltigkeit! In Deinem Lichte laß mich wandeln und bewahre mein Herz rein vor aller Sünde. Wer rein ist, darf nur hinansteigen zum Berge Gottes, zur Höhe des Lichtes. In allem will ich bemüht sein, den heiligen Willen Gottes zu erfüllen. Laß, oh Gott, Deine Kraft stets mit mir sein, denn wenn Du mich stärkst, vermag ich alles!" Noch einen letzten Segen erhalte ich, dann bin ich allein. Es ist vier Uhr morgens. Schlafen kann ich nicht mehr. Ich bete still und danke.

 

Donnerstag, den 18. März 1947

Wieder höre ich: "Folge Mir!" Heute ist Jesus voller Freude. Er geht zu denen, die reinen Herzens sind und spricht: "Seid gesegnet, ihr Erwählten Meines Herzens! Meine größte Freude ist eine reine Seele. Ihr seid Tempel des Heiligen Geistes, Wohlgefallen der Heiligsten Dreifaltigkeit, Ihr seid die Lilien, die unter den Dornen wachsen. Die Erstlinge seid ihr, berufen zur Hochzeit des Lammes. Eure Engel schauen immerfort das Angesicht eures Vaters. Groß wird der Lohn sein, den ihr empfanget und schön die Krone, die euch hinterlegt ist, weil ihr rein bliebet inmitten der Sünden und Laster. Bleibet weiterhin getreu und bewahret rein das Kleid der Unschuld." Weiter geht Jesus zu denen, die das Kleid der Unschuld befleckten, die es verloren hatten und durch die Buße wiedererlangten. Er spricht: "Seid auch ihr gesegnet. Eure Reuetränen habe Ich gesehen. Ihr seid gestrauchelt, seid gefallen. Meine Gnade war mit euch und hat euch wieder aufgerichtet. Seid nun bemüht, daß ihr treu bewahret, was ihr von neuem empfangen habt. Höret nicht auf die Welt, die euch durch ihre Lockungen und Vergnügen nur zur Gefahr wird. Kämpfet und büßet weiter. Kreuzigt das Fleisch und die Begierlichkeit. Euer Sinnen und Trachten lenket nach oben, dann hat Satan keinen Teil an euch."

 

Montag, den 22. März 1947

Zu allen Ordensschwestern gehe ich heute mit meinem dornengekrönten Jesus. Viele Klosterzellen tun sich auf, viele Krankenbetten schaue ich, wo eine Schwester steht. Viele Kirchen und Kapellen ziehen an meinen Blicken vorüber, wo Schwestern singen und beten. Jesus segnet sie alle und spricht: "Ihr habt der Welt entsagt um Meinetwillen. Ein Leben der Stille und Verborgenheit führt ihr, wie Ich es tat. Bleibet weiter so arm, so gehorsam und rein, wie Ich es war. Die Blicke der Menschen sind auf euch gerichtet. Seid ihnen Beispiel, seid ihnen Vorbild. Ihr könnt vieles durch Gebet, Opfer und Leiden. Nichts freut Mich mehr, als eine Ordensschwester, die meine Opferhostie ist. Traget durch Sühne bei, daß bald die Welt im Heiligen Geiste erneuert werde. Ich sehe und höre alles was ihr tut zur Ehren Gottes. Nicht der kleinste gute Gedanke geht verloren. Laßt nicht den Geist der Zwietracht ein in eure Häuser und eure Herzen. Er reißt nieder, was aufgebaut ist und vernichtet den guten Samen. Mein Herz war schon oft betrübt, als dieser Geist bei euch einkehrte. Betet für jene, die ihm zum Opfer fielen, damit sie wieder auf den rechten Weg gelangen."

 

Dienstag, den 23. März 1947

Jesus segnet alle Kinder der Welt. Laut ruft Er: "Lasset die Kleinen zu Mir kommen und wehret es ihnen nicht! Warum halten sich so viele Kinder zurück? Sehnsüchtig warte Ich, aber viele, viele Kinder lehrt man die Wege der Sünde gehen. Sie werden im Gericht Rechenschaft fordern von euch, die ihr ihnen Ärgernis gabet. Durch die großen Ärgernisse gehen die Kinder größtenteils den Weg der Sünde und des Verderbens. Warum haltet ihr sie fern von dem Weg zu Mir? Selig seid ihr in euren Kindern, die ihr Mir schenkt und weiht. Ich liebe diese Kleinen, die an Mich glauben. Ihre Unschuld und ihr Gebet besänftigt den Zorn des Vaters."

 

Mittwoch, den 24. März 1947

Mit Jesus und den Aposteln weile ich heute in Nazareth. Es ist nicht mehr so klein wie damals, es ist größer und schöner. Einen stillen, heiligen Ort besitzt es, den fast die wenigsten kennen. Jesus zeigt mir das Grab des heiligen Josef. Es ist überwuchert und von Gestrüpp umgeben. Alte Zeichen sind auf den Grabsteinen. Ich kann die Schrift nicht lesen. Jesus segnet das Grab und alle Apostel segnen es. Ich darf hineinschauen. Jesus spricht: "Was du geschaut, bewahre es in deinem Herzen. Die Stunde ist noch nicht gekommen, da die Welt es wissen darf. Hier, an dieser Stelle, wird sich Großes vollziehen und Gott wird verherrlicht werden. Wenn es jetzt offenbar würde, dann kämen viele und man würde nachgraben und forschen. Das liegt nicht im Plane Gottes. Sein treuer Diener muß noch verborgen ruhen, bis zur Stunde, die der Herr bestimmt hat, durch ein Wunder diese verborgene Stelle der Welt zu offenbaren!" Ich bin so froh und glücklich heute. St. Josef erscheint und segnet alle, die seinen Namen tragen. Der Heiland segnet sie auch und spricht: "Gehet zu Josef, er ist euer Schutz und Schirm, der Vater der Verlassenen und Armen. Vertrauet ihm, denn er hat große Macht. Der böse Feind kann euch nicht schaden, wenn ihr euch unter seinen Schutz stellt. Die Hölle fürchtet ihn und zittert vor dem stillen, verborgenen Schutzpatron der Kirche Gottes. Gehet zu Josef und auf seine Bitte wird die Not ein Ende nehmen. Er ist auch der Schutzpatron der Notleidenden. So ihr euch um ihn schart wie Kinder um den Vater, werdet ihr seine Hilfe erfahren."

 

Donnerstag, den 25. März 1947

Jesus spricht: "Selig seid ihr, besonders heute, die ihr Verfolgung leidet, um Meinet wegen." Ihr seid ja Meine Jünger, die Träger Meines Kreuzes. Es muß so sein, wenn ihr mit Mir glorreich auferstehen wollt. Haben sie Mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen. Leidet das Haupt, leiden auch die Glieder. Ihr, Meine Verfolgten und Geschmähten, haltet aus noch eine kleine Weile. Euer Karfreitag geht vorüber und die Ostersonne wird aufgehen über eurem Leid. Sie wird euch leuchten und eure Tränen werden zu Rubinen in der Krone, die Ich für euch hinterlegt habe. Es lebt euer König und Er kommt bald, euch zu Seiner Hochzeit zu holen. Wachet und betet! Seid bereit! Laßt euer Licht nicht ausgehen, wenn der Sturm auch noch so tobt! Mein Segen wird mit euch sein bis zu der Stunde, da Ich komme. Fürchtet nicht die Menschen, die dem Fürsten der Welt dienen. Er, dieser Fürst der Hölle, er führt sie, die ihm dienen, in den Abgrund, in die ewige Finsternis. Suchet allezeit den Herrn und freuet euch an dem Gesetz, das Er euch gab. Schauet auf euren Heiland, der alle Leiden zuerst trug für euch. Harret aus, bald seid ihr erlöst, bald komme Ich und vertrieben werden eure Feinde."

St. Joachim führt heute die hl. Euphrasia zu mir. Sie sieht aus wie ein Engel. Zwei Tage habe ich alle Heiligennamen angerufen und die der Engel, aber keine Antwort kam. Nun hat St. Joachim es mir gesagt. Sie steht besonders den Seelen zur Seite, die ganz mit dem göttlichen Willen vereint sein wollen. Pater Wigbert segnet mich heute besonders.

 

Freitag, den 26. März 1947

Ganz entrückt unter dem Kreuze, das dornengekrönte Haupt voller Blut, so daß es über das hl. Antlitz fließt, steht mein Jesus vor mir: "Komm, Meine Geliebte, Ich will die Familien segnen. Wie freue Ich Mich, wo noch gute Familien sind. Sie müssen nun besonders gesegnet sein, damit der böse Feind keine Macht über sie hat. Wo in den gottfremden Familien nur ein Opferlamm ist, werden auch diese durch das Sühneopfer gesegnet sein und durch diese vor dem Untergang bewahrt bleiben. Wie blutet aber Mein Herz, wenn Ich die endlose Zahl sehe, die das Sakrament der Ehe so furchtbar entheiligen. Sie haben sich eigene Gesetze des Fleisches gegeben. Wehe euch, die ihr das Gottesgesetz entheiligt habt, euch wird der Vater besonders richten. Den Segen habt ihr von Kindern und Kindeskindern genommen. Kinder der Sünde, des Fleisches, wandeln durch euch in Nacht und Finsternis. Im Gericht werden sie furchtbare Klagen gegen euch erheben. Haltet ein, kehret um vom Weg des Lasters und schauet auf zur hl. Familie, schauet nach Nazareth! Wird die Familie wieder geheiligt, ist die ganze Erde geheiligt. Seid nun gesegnet, ihr getreuen Familien. Seid gesegnet mit euren Kindern. Alle Not nimmt einmal ein Ende, alles mache Ich neu. Ich weiß, wie schwer es ist, auszuhalten in diesen Leiden und Prüfungen, die der Herr über so viele Familien verhängt hat. Nahm Er nicht den Vater, dort die Mutter, hier den Sohn, dort die Tochter? Blutete nicht das Herz der Braut über den Verlust des Bräutigams? Weinen nicht viele über ihre Kinder? Ist es nicht ein Suchen, ein Forschen, immer noch nach all den Vermißten? Ich soll euch Antwort geben? Warum geschah das Grausame und geschieht noch? So wisset denn, daß ihr alle Ebenbilder Gottes seid, aus Seiner Hand Eigentum zurückfordert, das Er euch gab für eine Zeit. Warum klaget ihr? Hat Er nicht allen, die ihr liebtet, eine bessere Heimat gegeben? Sie erfreuen sich nun der ewigen Seligkeit und bitten, daß auch ihr, die ihr noch verbannt seid, bald zu ihnen kommt. Alles ist vergänglich, aber ewig währet, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben."

St. Benediktus erscheint heute und spricht: "Traget weiter das große Zeichen, das euer Schild und Schutz ist. Sühne muß auch noch geleistet werden, weil Monte Cassino zerstört wurde. Viel Segen ist verlorengegangen. Tuet Buße! Kehret um zu Gott! Dienet Ihm wieder in Demut und zerknirschtem Herzen. Haltet alle Seine Gebote und erinnert euch stets der Gegenwart des Allerhöchsten. Leget ab Stolz, Überhebung, Eigenliebe, Ungehorsam, Unzucht, Haß, Neid und Rachsucht. Vergeltet nicht Böses mit Bösem. Tuet vielmehr Gutes und schaut auf zum Vater, der Seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse. Meidet die eitlen Freuden der Welt und suchet Jesus, der euch führt zu den ewigen Freuden, zum Vater." Weiter spricht St. Benediktus zu mir: "Deinen Seelenführer sahest du auf Dornen liegen. Er ging ein Leben des Dornenweges. Weil er auf diesem Weg zu der höchsten Vollkommenheit gelangte, wählte er auch die Dornen als letzte Buße für die Erlösung seiner Brüder und Schwestern aus dem Fegefeuer. Trage auch du, liebe Tochter, mit Freuden die Dornen und ihre Schmerzen. Vielen Seelen wirst du dadurch den Stachel der Sünde aus ihren Herzen reißen. Nun sei gesegnet und bleibe weiterhin das gehorsame Kind deines Paters Wigbert. Er meint es gut mit dir und seiner Schwester. Er will euch zur Heiligkeit verhelfen, will euch droben in seiner Nähe haben." "Dank, Dank, heiliger Vater Benediktus! Alles soll geschehen, wie du es gesagt hast. Wie gut ist doch der Herr! Lobe und preise Ihn meine Seele immerdar!"

 

Samstag, den 27. März 1947

Jesus lädt mich noch einmal ein, mit Ihm zu gehen. Alle Priester sollen gesegnet werden für den großen Tag Gottes. Unwürdig fühle ich mich und doch so froh, daß ich mitgehen darf. Jesus segnet sie alle an den Stufen des Altares beim Beginn des hl. Opfers. Dornengekrönt steht Er, mit dem Kreuz in der Hand, bei Seinen Priestern am Altar. Er legt ihnen das Kreuz auf ihre Schultern und spricht: "Der Segen des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes komme über euch und bleibe allezeit bei euch! Viel Kraft und Stärke braucht ihr für den großen Tag Gottes. Er rückt näher und in bangen Wehen liegt die Erde. Helft weiter, die Erde zu retten vorm Untergang. Nun gehet hin und bringt die Heilsbotschaft zu denen, die im Finstern wandeln. Tröstet die Gefangenen, die Betrübten, die Trauernden. Ladet ein zum Hochzeitsmahl die Hungernden und Dürstenden. Holet aus den Dornen die verirrten Schäflein und bringet sie zu Mir, dem guten Hirten. Alle Länder und Nationen werden bald das Heil Gottes sehen. Durch Dornen und Disteln, über Trümmer und Ruinen werden sie eilen, um den Tag des Herrn zu sehen, den er bereitete im Angesichte aller Völker. Die Erde wird durchdrungen sein vom Lobe Gottes. Im heiligen Opfer empfanget ihr die Früchte Meines heiligen Kreuzes. Sie sind außen herb und bitter, innen aber süß. Schenkt sie weiter denen, die am Wege liegen und leiden, die verschmachten vor innerer Qual und Not. Erbarmet euch dieser Armen, damit die Erbarmungen Gottes allen zuteil werden. Seid Priester nach Meinem heiligen Herzen, sanft und demütig! Seid Opferpriester, so wie Ich auf Golgotha. Ein guter Hirt gibt sein Leben für seine Schafe. Bereitet die Wege des Herrn, daß bald ein Hirt und eine Herde werde!"

 

Passionssonntag, den 28. März 1947

Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Bereite dich vor in der Stille und Einsamkeit! Gehe mit deinem Seelenführer in die Wüste und schenke dich ganz dem Herrn in Demut und Bußgesinnung!" Pater Wigbert setzt mir die Dornenkrone auf und ich folge ihm in die Wüste. Es ist so einsam dort. Eine Stelle weist mein Seelenführer mir an zwischen zwei hohen Felsblöcken. Nichts sehe ich mehr, als durch eine Spalte das Blau des Himmels. Wir beten: "Sei hochgelobt und gepriesen, angebetet und verherrlicht, oh, Heiligste Dreifaltigkeit! In Demut und Bußgesinnung liege ich im Staube der Erde und erhebe mein Herz und Gemüt zu Dir! Ich danke Dir, daß ich zu Dir beten darf. Ich danke Dir, daß ich den himmlischen Vater, Vater nennen darf, daß ich Jesus, den Sohn Gottes, zum Bräutigam erwählen durfte und daß ich den Tröster, den Heiligen Geist, in der hl. Taufe empfangen habe und in der hl. Firmung durch Ihn zum Streiter Christi gemacht wurde. Für alle Gnaden, die ich arme Sünderin empfangen habe, danke ich. Segne mich nun, Heiligste Dreifaltigkeit, für den Leidensweg, den ich gehen darf. Laß Ihn für mich und viele ein Segen werden, damit nach diesem Leiden verherrlicht werde der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in alle Ewigkeit. Amen." Anschließend halten wir eine Betrachtung über die Erbsünde. Pater Wigbert sagt mir nun: "Die Wurzel allen Übels ist die Sünde. Die Sünde, die wir geerbt haben von unseren Stammeseltern, den Ungehorsam. Durch diese Sünde sind die anderen Sünden entstanden. Den freien Willen hat der erste Mensch entweiht durch seinen eigenen Willen, durch sein 'Nicht dienen wollen'. In der hl. Taufe wird diese Sünde getilgt, wird heilig die Seele im Heiligen Geiste. Luzifer ruht aber nicht. Seit seinem Sturz aus dem Himmel hat er Gott den Kampf angesagt bis zum jüngsten Tage. Sind nun die Eltern und Erzieher der Kinder nicht wachsam genug, so hat Luzifer leichtes Spiel, sich schon der kleinen Kinderseelen zu nähern. Seine süße Stimme lockt das Kind und es folgt ihm, wie Eva einst ihm folgte. Er weiß, durch den Eigenwillen, durch den Ungehorsam, gewinnt er die Seele. Hat er auf diese Weise die kleine, reine Seele wieder an sich gezogen, versucht er, dem Kinde auch die weiteren Sünden im schönsten Licht zu zeigen. So betritt der Mensch langsam, wenn auch erst nicht in der Erkenntnis, den Weg der Sünde.

Die Eltern sind es, die jeden Tag das kleine Unkraut, das der böse Feind in der Nacht bei ihren Blümelein, dem Kinde säte, ausziehen müssen, damit es keine Wurzeln faßt. Hat es einmal Wurzeln gefaßt, wächst es und breitet sich aus. Alles Gute und Schöne muß mit der Zeit ersticken und böse Tiere schleichen sich ein, die die arme Seele zugrunde richten. Oh, wie büßte Jesus diese Sünden des Ungehorsams! Er war gehorsam, ja gehorsam bis zum Tode am Kreuze! So konnte auch die allerseligste Jungfrau nicht sündigen, weil sie vor dieser Sünde bewahrt, ohne diese Erbsünde rein und makellos empfangen wurde. Sie war gehorsam und ganz vereint mit dem Willen Gottes. Darum wurde sie so hoch erhoben. Darum, meine Tochter, das ist die höchste Stufe des Gebetes, gelöst von allem, mit dem heiligen Willen Gottes vereint zu sein. Warum erbarmt sich der Herr der Völker noch nicht? Weil sie nicht gehorsam sind, weil sie ihren eigenen Willen in der Welt behaupten wollen. Die Gottesordnung haben sie zerstört und wollen eine neue Welt nach ihrem Willen aufbauen. Das führt zum Untergang, dadurch entsteht Not und Elend. Lernt die Welt zu Gott gehorchen und Seinen zu Willen erfüllen, wird kommen Sein Reich der Herrlichkeit und des Friedens. Nun denke darüber nach, meine Tochter, bete und sühne heute für den Ungehorsam der Welt!"

Mein lieber Seelenführer segnet mich und dann bin ich allein. Schmerz befällt mich in allen Gliedern. Sie schwellen an und entstellt ist mein Gesicht. Ich bete mit den Worten des Tages: "Schaff Recht mir Gott und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich, denn du bist ja mein Gott und meine Stärke. Sende mir Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie zu Deinem heiligen Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt. Schaue gnädig herab auf alle Völker. Sende uns Deinen Heiligen Geist, daß durch Ihn alles wieder erneuert werde." In meiner Einsamkeit erscheint Antonius, der Einsiedler, und stärkt mich, als der schwache Geist ermüden will.

 

Montag, den 29. März 1947

St. Gabriel begleitet mich. Er spricht: "Empfange meinen Segen! Die Leidenstore sind geöffnet. Jesus erwartet dich. Ich begleite dich hin zu Ihm. Wenn du Ihn empfangen hast, darfst du den Kreuzweg gehen."

Ich bin so glücklich in der Gegenwart des hl. Erzengels. Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Folge Mir!" Jesus sehe ich am Ölberg in Todesnot. Er zittert und bebt. Blutiger Schweiß bedeckt Seinen Körper. Er wird so schwach, daß St. Gabriel Ihn stärken muß. So gestärkt sehe ich Ihn von Seinen Feinden umringt, wie sie Ihn vor das Gericht bringen. Er wird gestoßen und geschlagen. Mein Herz windet sich im Schmerz und ich bekenne: "Herr, für mich leidest du, für unsere Sünden. Öffne unsere Augen und rühre unser Herz, daß wir Deine große Liebe erkennen. Oh, meidet doch alle die Sünden!" Ich sehe Ihn dornengekrönt vor Gericht. Oh, wie schaut Er aus. In Blut getränkt ist das Spottgewand, verunstaltet und voller Wunden der ganze Körper, das hl. Antlitz. Seine Feinde rufen: "Ans Kreuz mit Ihm!"

Und Er schaut sie noch liebevoll an. Bei diesem Blick hätten sie alle in sich gehen müssen. Sie sind aber wie besessen und die Gnade rührt ihre Herzen nicht. Die Richter schauen mit Hohn und Spott auf Jesus, hören auf die sinnlos tobende Menge und verurteilen Ihn. Sie verurteilen ihren Gott. Jesus nimmt schweigend und geduldig das Urteil an. Er sieht in dem Urteil den heiligen Willen Gottes. Oh, sehen wir immer in allem, auch in der Verurteilung, den Willen Gottes?

Jesus spricht: "Warum klagt ihr und lehnt euch auf gegen Gott und Seine Gerechtigkeit? Seine Gerechtigkeit hat man herausgefordert, weil man Seine Güte, Liebe und Seinen Langmut mit Undank, Lieblosigkeit und Bosheit vergolten hat. Alle sah Ich, als Ich vor dem Richter stand und die Schuld, eure Schuld, auf Mich nahm. Für eure Schuld nahm Ich das Todesurteil an und klagte nicht. So nehmet auch heute das Urteil an, das ihr verdient habt für eure Schuld. Wenn die Welt euch unschuldig verurteilt, so seht auf Mich, der alles zuerst trug. Vereint eure Leiden mit den Meinen und folget Mir. Wer Mein Jünger sein will, der muß den Kreuzweg ganz gehen. Schweiget, wie auch Ich schwieg. Lernet in allem, euch zu fügen, in den Willen des Vaters!"

 

Dienstag, den 30. März 1947

Heute, am hohen Feste weile ich im Heiligtum Mariens. Sie umgibt mich im schönen Licht und zeigt mir Jesus, wie Er beladen mit den Kreuzesbalken den blutigen Leidensweg geht. Er schaut nicht traurig, nein freudig. Warum? Er vergißt alle Schmerzen, Er sieht die vielen Tausenden, denen Er die Pforten des Himmels wieder öffnet, sie versöhnt mit dem Vater.

Jesus spricht: "Das tat Ich für euch, das Kreuz tragen, an dem Ich starb. Ich durfte euch ja den Himmel öffnen. Im Kreuz allein ist Heil und Segen. Seid auch ihr bereit, das auferlegte Kreuz freudig zu tragen? Tragt es nicht für euch, tragt es für alle, damit alle geheiligt werden im Heiligen Geiste. Krampf und Schmerz durchzieht meinen Körper. Ich muß die heilige Jungfrau um Kraft bitten, daß ich nicht versage. Das stundenlange Stehen fällt so schwer. "Hilf mir, Jesus, alle Bitterkeit zu überwinden."

Eine Schwester wird heute wieder eingekleidet. Das Glück strahlt aus ihren Augen. Eine stille Wehmut überkommt mich, weil ich nie so eine Schwester im Kloster sein durfte. Es ist gleich wieder überwunden.

 

Mittwoch, den 31. März 1947

Bleich und abgezehrt, ganz entkräftet, sehe ich meinen Jesus auf dem Wege nach Golgotha. Das Blut ist stellenweise eingetrocknet und Krusten und Borken entstellen das hl. Antlitz. Die verwundeten Hände können kaum die schweren Kreuzesbalken noch umfassen. Die hl. Füße sind auch so zerfleischt. So müde geht der Herr, er schleppt sich nur weiter. Oh, ich sehe, Er wird leichenblaß, Er taumelt, Er fällt, aber an den Stricken, die die wilde Horde an durchlöcherten, weiten Gurten angebracht hat, ziehen sie Jesus immer wieder hoch. Da, Er fällt ganz tief. Er liegt unter den Kreuzbalken. Das Blut fließt aus Mund, Nase, Ohren, aus den Wunden der Dornenkrone und aus vielen Körperwunden. Neue Blutflecken, blutige Rosen, dringen durch das weiße Spottgewand. Er wimmert nur und roh zieht man Ihn wieder in die Höhe. Da sehe ich, wie zerschunden nun das hl. Antlitz ist. Die rechte Wange ist ganz aufgeschlagen.

Mein Herz krampft sich vor Weh zusammen, aber diese rohen Menschen, sie lachen und spotten. Noch fester ziehen sie die Stricke an, daß der Herr nur wieder wimmert. Sie stoßen Ihn und zerren an Seinem zerfetzten Gewand. Blutig getränkt ist die Stelle, wo Jesus gelegen hat. Müde und zitternd sehe ich Ihn weitergehen. Vereint bin ich ganz mit Ihm. Die Kraft verläßt mich heute. Krämpfe und wilder Schmerz durchziehen den ganzen Körper. Die Dornenkrone drückt so, daß ich oft den Kopf halten muß. Es ist, als ob ich den Verstand verliere. "Oh, Jesus, was ist das alles im Vergleich zu Dir? Schon an dem Übermaß der Qualen und Schmerzen hätten sie in Dir den Sohn Gottes erkennen müssen. Aber die Macht der Finsternis umgab sie."

Jesus spricht heute: "Ich sah sie alle, denen das Kreuz zu schwer ist, sah sie, die immer wieder in Sünde und Laster zurückfallen. Stehet wieder auf, bleibet nicht liegen. Denkt an Mich, der Ich für euch den Leidensweg weiterging. Schwer lastet eure Schuld auf Mir und doch sagte Ich nicht: Ich kann nicht mehr! Holt euch Kraft und Geduld in Meinem Kreuze. Stehet wieder auf, wenn ihr fallet. Traget die Leiden der Zeit und ihre Not, die nur die Folgen der Sünden sind. Ihr Getreuen, vereint euer Kreuz mit dem Meinen und sühnt, wie Ich sühnte an der Erde. Wenn sie euch schlagen und verwunden, bleibet nicht liegen. Gehet weiter, wenn es auch schwer wird, zu sühnen für der Schuldigen Sünde. Ich gebe euch Kraft und Stärke."

 

Dienstag, der 1. April 1947

Jesus geht weiter unter Spott und Gelächter. Er schweigt. Die wunden Lippen bewegen sich. Er betet für sie, die ihn martern. Wenn Er fällt, ziehen sie Ihn wieder in die Höhe. Die Straße ist zu Ende. Schleppend wankt Jesus um eine Ecke, die in eine andere Straße übergeht. Es gibt einen Ruck, der Zug stockt. Vor Jesus steht Seiner Mutter. Mühsam schaut Er auf und seine blutigen Augen versenken sich in die Mitleid gefüllten Augen Seiner Mutter. Stumm stehen beide und schauen sich an. Dann geht ein Leuchten aus den blutigen Augen und wie Perlen sind die Tränen der Muttergottes. Der Blick des Sohnes sagt: "Mutter, es muß sein! Es ist Meine Freude, die Menschen wieder mit dem Vater zu versöhnen." Sie erwidert mit ihrem Blick: "Es geschehe, wie Du willst, wie es der Vater will!" Dann steht die Muttergottes allein und schaut ihrem Sohn nach. Man riß Ihn an den Stricken von der Mutter fort, man verstellt ihr den Weg, ja, man fürchtet, die Mutter werde dem Sohn helfen, Ihn befreien. Maria kann durch diese gedrängte Menge nicht durch. Ich sehe sie auf einem anderen Weg. Johannes ist bei ihr. Sie sind so schweigsam, sie beten. Jesus geht weiter.

Ich vereine mich mit Ihm und beim Beten des Kreuzweges flehe ich bei der vierten Station: "Herr, laß mich auch meinem verirrten Kinde begegnen, so wie Du Deiner Mutter begegnet bist. Hilf auch du mir, schmerzhafte Mutter!"

Jesus spricht: "Seid getrost, ihr leidtragenden Mütter. Erkennet Gottes Willen, wenn Er als Opfer den Sohn nahm, wenn das Kind leidet. Meine Jünger, Meine Kreuzesträger, müssen auch die vierte Station mit Mir gehen. Sehet in allem den Willen des Vaters, wie ihn Meine heilige Mutter auch erkannte und Mich nicht zurückhielt, das Opfer zu vollenden. Es ist hart und bitter für ein Mutterherz, das Kind zu opfern. Bin Ich nicht für euch von der Mutter gegangen? Eure Opfer sind nicht verloren, sind vereint mit dem Opfer Meiner und eurer Mutter. Lernet von ihr die starke Liebe, die alles hergibt für Gott, wenn Er das Licht sendet."

 

Freitag, den 2. April 1947

Müde und matt wankt der Herr weiter auf seinem Weg. Er taumelt immer mehr und fällt oft. Immer mehr Wunden kommen hinzu, das zeigt das blutbefleckte Kleid. Es kommen noch mehr Menschen, die Ihm folgen. Manch mitleidiger Blick trifft ihn. Sie können nicht helfen, stehen machtlos vor der rohen Gewalt, die Jesus umgibt. Er kommt fast nicht mehr von der Stelle. Die Kreuzesbalken haben tiefe Wunden in Seine Schultern gedrückt. Ich sehe einen starken, kräftigen Mann über ein Feld kommen. Man ruft ihn, er will aber weiter. Man hält ihn fest, sagt ihm etwas und zeigt auf Jesus. Ergrimmt schaut dieser Mann, der kein anderer ist als Simon von Cyrene, auf Jesus und wendet sich verächtlich ab. Er mag nichts mit Ihm zu tun haben. Er besinnt sich und ich sehe ihn durch die Menge auf Jesus zuschreiten. Spöttisch betrachtet er Ihn und mit einem Ruck reißt er Jesus die Kreuzesbalken von den Schultern. Er muß Ihm sehr weh getan haben, denn ein Aufschrei klingt an meine Ohren. Die Menge grölt und lacht. Hiebe, Faustschläge, Fußtritte gehen auf Jesus hernieder. Auch Augen, tränengefüllt, blicken Ihn an, aber sie müssen schweigen, die zu Ihm halten. Finster schreitet Simon mit den Kreuzesbalken hinter Jesus her. Er betrachtet ihn und bald weicht der finstere Ausdruck der Augen, er wird mitleidig. Die Gnade rührt an sein Herz. "Mein lieber Jesus, so will ich heute das ihnen auferlegte Kreuz tragen helfen, die so schwach sind, es nicht tragen zu können." Er spricht: "Wenn alles euch verläßt und niemand hilft euch das Kreuz zu tragen, helfet einander. Denket an den, der Mir half, wenn ihr allein steht im Leiden. Helfet einer den anderen das Kreuz zu tragen. Saget nicht: Was geht mich das Kreuz, das Leid der anderen Menschen an! Ich habe mit mir genug. Wer hilft mir? Überwindet, wenn es auch schwer fällt. Für jeden kommt einmal die Stunde, da er Hilfe braucht. Helfet einander, solange ihr könnt und eure Kräfte ausreichen, so werdet ihr in den Stunden der Einsamkeit, wenn das Kreuz zu schwer wird, auch nicht verlassen sein."

Ich bin nur Schwäche heute. Es ist, als ob die Lebensgeister fliehen wollten. Die Schmerzensmutter weilt bei mir. Sie spricht: "Ich segne dich, meine Tochter. Folge deinem Jesus weiter auf dem Leidensweg. Neue Kraft hast du empfangen. Hilf weiter den Schwachen, ihr Kreuz tragen, damit das Leid sie nicht erdrücke und ihre Seelen nicht noch mehr zerfleischt werden von den Dornen der Sünde." "Dank dir, du Schmerzensreiche, wo du hilfst, wo du mitträgst, da wird alles Leid in Freude verwandelt."

 

Samstag, den 3. April 1947

Simon folgt noch immer mit dem Kreuzesbalken. Ein großer, freier Platz steht vor meine Augen. Simon wirft die Balken hin und flieht über den Platz. Auf einmal steht er und sinnt. Dann läuft er wieder und folgt der Menge. Er kann aber nicht durch, sie ist zu dichtgedrängt. Er schließt sich dem Zuge an und sucht Jesus näher zu kommen. Die Kreuzesbalken luden die Schergen wieder Jesus auf. Er bricht zusammen, aber man reißt Ihn wieder in die Höhe. Das Schreien und Toben wird lauter. Eine Frau, die sich weiter durchdrängt, stößt man immer wieder zurück. Sie kämpft sich aber durch und ist bald in Jesu Nähe. Mitleidig schaut sie auf Ihn, auf Sein blutüberströmtes Gesicht. Sie nimmt den Schleier von ihrem Haupt und reicht ihn Jesus. Die Kreuzesbalken sind ja fest auf ihn gebunden und somit nimmt Er mit beiden Händen den Schleier und versenkt Sein Gesicht darin. Er gibt den Schleier der Frau zurück und im Augenblick reißt man ihn fort. Veronika weicht zur Seite und bricht in Tränen aus. Sie betrachtet den Schleier, von dem zwei Augen auf sie schauen. Jesus hat sein blutiges Angesicht darauf abgedrückt. Die erste ist sie, die in diesem Abdruck das Blut des Erlösers in ihren Händen hält. Sie küßt das hl. Antlitz und drückt es an sich. Dann folgt sie weiter, tiefgerührt, dem Zuge.

Mit Jesus bin ich vereint. So schwach bin ich. Der Schweiß bricht aus allen Poren. Ein Krampf befällt mich. Ich kann nicht liegen, kann nicht sitzen, muß wandern. Die Kinder schauen mitleidig, aber keiner kann helfen. Da trifft mich ein Licht.

Veronika steht vor mir. Sie spricht: "Schaue auf deinen Jesus, auf sein hl. Antlitz. Verkünde es der Welt, daß in diesem Antlitz alles geschrieben steht. Leset darin und es wird euch leichter werden, die Leiden und Prüfungen zu tragen." Jesus naht und spricht: "Helfet einander! Gehet nicht gleichgültig an des Nächsten Leid vorüber. Wenn ihr auch nicht immer helfen könnt, ein kleiner Liebesdienst hat oft viel Gutes getan. Überwindet die Selbstsucht und stellt keine großen Ansprüche. Für die Selbstsucht litt Ich so unsäglich. Ein gutes Wort hat oft großen Segen in sich. Es müssen nicht immer Heldentaten sein. Die Liebe sieht alles, sieht, was andere nicht sehen, wenn es noch so klein ist. Die Liebe liegt nicht in Worten, sie liegt in der Tat."

 

Palmsonntag, den 5. April 1947

Weiter geht Jesus. Blutige Spuren hinterlassen Seine Füße. Er kann nicht mehr, aber niemand hilft. Kolbenschläge gehen nieder auf Ihn. Unter der Wucht, da bricht Er ganz zusammen. Schwer ist dieser große, zweite Fall. Das Blut fließt und in einer Blutlache liegt der Herr. Einen Augenblick läßt man Ihn liegen, dann reißt man Ihn mit aller Gewalt hoch. Die Stricke schnüren seinen zermarterten Körper noch mehr zusammen. Straßenschmutz und Blut sind vereint auf seinem Gewand. Ich frage mich jetzt: "Ist das der Heiland? Man kennt Ihn nicht mehr. Ein Räuber, ein Mörder und gemeiner Verbrecher kann nicht schlimmer aussehen. Ja, es ist der Heiland. Nur Glaube und Liebe erkennt Ihn noch. Wenn alles an Ihm Ihn als den größten Verbrecher stempelt, so sieht der Glaube doch den Sohn Gottes.

Ein Meer voll Liebe schaut aus den blutigen Augen und die zerschundenen Lippen sind nur zum Gebet geformt. Oh, ein einfacher Mensch wäre von diesem harten Fall nicht mehr aufgestanden."

In der Kirche feiere ich heute den Palmsonntag und singe mit ihr das 'Hosanna' unserem Gott und König. Freude und Jubel umgibt mich. Es verläßt mich aber schon auf dem Heimweg die Kraft, und ich folge dem Herrn auf der siebten Station. Schwäche und Not, verbunden mit großen Schmerzen, kommt über mich. Allein bin ich. Niemand ist bei mir. "Herr, für Dich, mit Dir für alle, die immer wieder fallen, die Sklaven der Sünde sind!"

Jesus spricht: "Oh, könntet ihr erfassen, begreifen, was es heißt, für andere zu leiden! Die Leiden mit den Meinen zu vereinen, welch Heil und Segen geht daraus für die Welt hervor. Wie mancher Sünder, der in den Stricken Satans liegt und sich nicht befreien kann, würde durch diese Leiden gerettet. Wer anderen zur Gnade verhilft, dem wird noch größere Gnade geschenkt. Richtet auf, die wieder fallen, tröstet sie und zeiget ihnen den rechten Weg. Für die Verirrten und Schwachen fiel Ich so tief und schwer."

 

Montag, den 6. April 1947

Ich möchte heute nicht aus dem Hause gehen. Alles ist weh in mir, alles ist geschwollen. Ich muß aber, will auch zu Jesus, um Kraft zu holen für den weiteren Leidensweg. Es muß gehen. Gegen 11 Uhr, im Geschäft, wird mein Herz so schwach. Wohl eine Stunde liege ich. Wie man mir erzählt, gingen Frauen mitleidig an mir vorüber. Sie bedauerten, daß sie mir nicht helfen konnten. Oh, dich durfte ja heute für sie leiden! Wie der Herr, so rufe ich auch den Frauen und Müttern zu: "Weinet nicht über mich, weinet vielmehr über euch und eure Kinder!" Das ruft auch mein Jesus ihnen noch heute zu, den ich sehe auf seinen Leidensweg. Er denkt nicht an seine Leiden, er tröstet die Frauen. Er schaut ja die Zukunft und alle die Kinder, alle die Frauen, die Satan in seinem Bann hat. Er sieht unsere Zeit und die letzte Zeit. Ein Weh, ein Schmerz, durchzieht des Heilands Herz. Spott und Hohn umgeben ihn. Fast sinkt er wieder unter der Last des Kreuzes, unter der Schwere der Schmerzen. Er denkt nicht an sich, denkt nur an die, die stehen und weinen über ihn. Sie würden nicht weinen, wenn sie erkennten, warum Gottes Sohn diesen schweren Weg ging. Nun weint ihr wieder, ihr Frauen und klaget über die Leiden der Zeit, über die Kinder. Wer versteht euren Schmerz? Gefühllose Menschen umgeben euch. Jesus aber ruft euch zu: "Ich habe es gesagt, daß ihr über eure Kinder weinen werdet. Wo Gott nicht ist, da ist der Teufel. Er legt seine Schlingen, und was ist ihm lieber als die Kinder, die Jugend. Alles zieht er in seine Gewalt, wenn ihr nicht achtgebet auf euch und eure Kinder. Erhebet die Herzen zu Gott und weint nicht über die, die Er als Opfer aus eurer Mitte nahm. Sie bitten für euch, damit die Not und Drangsal ein Ende nimmt. Sie bitten weiter, daß die Menschen zu Erkenntnis kommen und nicht mehr der Sünde dienen. Es muß auch gesühnt werden, was an den Kindern gesündigt wurde."

 

Dienstag, den 7. April 1947

Nach großer Leidensnacht folge ich Jesus weiter auf Seinem Kreuzweg. Ich kann es nicht mehr sehen, wie Er leidet. Er ist nur Schwäche. Er wankt und sinkt in sich zusammen. An den Stricken reißt man Ihn wieder hoch, zerrt Ihn hin und her. Durch Sein blutgetränktes, von Straßenschmutz beflecktes Gewand sehe ich frische Blutflecken sich bilden. Neue Wunden haben sie Jesus geschlagen und die alten vergrößert. Sein Antlitz ist mit Blut und Schmutz bedeckt. Haare und Bart sind dick verklebt mit Blut und Schmutz. Das hl. Antlitz ist eine Wundenstation für sich. Ich erkenne meinen Heiland nicht, wenn ich nicht wüßte, daß Er es wäre. Er klagt nicht, ist still ob all der Roheiten die Ihn umgeben. Nur ab und zu geht ein Zittern und Beben durch seinen zerfleischten Körper. Die Menge grölt, man ist bald am Ziel. Es geht den Kalvarienberg hinauf. Jesus wankt, er taumelt und fällt zurück. Er rollt ein Stück den Berg herunter und bleibt liegen unter der Last der Kreuzesbalken. Die Kanten des Kreuzes haben ihn noch mehr verwundet. Regungslos und leichenblaß liegt er eine Zeit. Man fürchtet, er würde wohl schon sterben. Ich sehe es an den Mienen.

Da beseelt den Dulder neue Kraft. Sie merken es und ziehen Jesus hoch. Weiter geht's den Berg hinauf, singend und grölend mit der Ihm umgebenden Masse. Ich sehe auch mitleidige Menschen und Kinder, die weinen. Es sind Kinder, die am Sonntag Palmen streuten für den Sohn Davids und der sie dann segnete. Sie verstehen heute das grausame Spiel nicht und weinen nun über Jesus. Alles ist Schwäche an Jesus, aber aus den blutgetränkten Augen da strahlt eine Liebe, die nur aus den Augen Gottes schauen kann.

Oh Jesus, du Starker, was lehrest du uns? Wie ungeduldig sind wir im Leiden, wie schwach, der Sünde zu widerstehen. Für unsere schweren, wiederholten Rückfälle in die Sünde leidest du so. Hilf der gefallenen Menschheit, für die Du so oft gefallen bist, damit sie wieder aufstehe!

Jesus spricht: "Ich sah sie alle, sah sie, die von Gott sich abwandten. Ich sah die Laster und schweren Rückfälle in die Sünde. Ich sah die Zeit, die Satan beherrscht und sich der Seelen für seine Pläne bemächtigt, um in den Menschen das Ebenbild Gottes ganz zu zerstören. All das machte Mich so schwach, daß der Körper bebte unter der Schwere der Leiden. Diese furchtbaren Sünden der letzten Zeit, sie brannten wie Feuer in Meinem zerfleischten Körper. Oh, hätte Ich nicht so gelitten, dann würde in dieser Zeit niemand mehr Gnade gefunden haben. Dann wäre keiner mehr gerettet worden. Ihr wißt nicht, was Ich euch verdient habe durch Meine Leiden auf dem Weg, durch das Fallen unter der Last der Kreuzesbalken. Erkennt die große Liebe, die alles duldete für euch, damit auch den Menschen in der gottlosen Zeit Gnade zuteil werde. Ihr, die ihr Gnade habt in dieser Zeit, sehet zu, daß ihr eure Brüder und Schwestern nicht liegenlaßt, wenn sie wiederholt fallen. Richtet sie auf und helft ihnen, das Kreuz zu tragen. Wer anderen den Weg zeigt, wird nicht irre gehen, wenn auch die Wegweiser durch die Teufelsmacht eine falsche Richtung zeigen. Wachet und betet, denn es naht der große Tag Gottes! Zieht an das Gewand der Buße! Höret nicht auf die Spottreden und auf die Gotteslästerer!"

 

Mittwoch, den 8. April 1947

Wieder ist eine Leidensnacht vorüber. Ich durfte ja leiden für die Sünder, die so schwach sind, die immer wieder fallen. Ich folge dem Heiland weiter auf seinem Leidensweg. Er ist angelangt auf dem Berg. Man reißt ihm die Kreuzesbalken von der Schulter. Er zittert und wird wieder so blaß. Die Dornenkrone reißt man von Seinem Haupt. In Strömen fließt das Blut über Sein hl. Antlitz. Er kann nicht mehr und setzt sich auf einen Stein. Es wir Ihm ein Trank gereicht, aber Er nimmt ihn nicht. Sie lassen Ihn sitzen und formen nun die Balken zum Kreuz, die sie aufeinanderschlagen. Sie lachen und spotten dabei. Das Kreuz liegt fertig auf der Erde. Nun gehen sie zu Jesus und reißen Ihm die Kleider von Seinem heiligen Leibe. Oh, es ist schrecklich, was ich da sehe. Durch das angetrocknete Blut sind die Kleider festgeklebt am Körper. Neue Wunden gibt es und frisches Blut bedeckt den Körper. Sünden und Laster begeht man in Gegenwart des Heilands. Er wankt nun zur Schlachtbank. Sie legen ihn aufs Kreuz. Die Vertiefung für die Nägel sind zu weit gebohrt. Hände und Füße werden gezogen und ausgerenkt, bis sie passen in die Vertiefungen. Der Körper krampft sich im Schmerz zusammen. Noch mehr krampft Er sich, als Hände und Füße angenagelt werden. Dann setzt man Ihm wieder die Dornenkrone auf. Ein Zucken und Beben geht durch Jesu Körper und erneut fließt Sein Blut. Über und über ist Er mit Blut bedeckt, kein gesundes Glied ist an Ihm, keine weiße Stelle mehr. "Oh Jesus, Du Mann der Schmerzen, Du Blutbräutigam!" Unter Hohn und Gelächter richtet man das Kreuz auf. "Nun hängst Du Jesus, nackt und bloß vor aller Welt, der Schande preisgegeben. Alles ist Dir genommen, selbst die Ehre Deines hl. Leibes. Nur Schmach und Erniedrigung sieht man an Dir, nichts bleibt Dir erspart."

Er antwortet: "Für dich, für alle, litt Ich Schmach und Schande. Ist nicht die Erde angefüllt mit dem Gifte der Unzucht? Zuerst galt dieser große Schmerz den Märtyrern der Unschuld, denen man auch mit Gewalt ihr weißes Kleid abreißt, so daß die Seele und der Leib bluten aus vielen Wunden. Dann die anderen, die ihre Ehre so preisgeben, ja, sie verkaufen für schnöden Mammon, für sie litt Ich unsäglich. Warum dient ihr dem unlauteren Geist und haltet euch nicht rein? Sehet Meinen blutigen Leib. Er zeigt, wie groß und schwer die Sünden des Blutes sind. Nicht eher ist Ruhe und Frieden, bis die Erde gereinigt und geheiligt ist durch den Heiligen Geist. Die Blutspuren des Lasters müssen verschwinden und jeder muß seine und des Nächsten Ehre heilig halten." "Herr, erbarme Dich wegen all der Sünden und aller Zügellosigkeiten! Unser Leiden und unsere verdienten Schmerzen trugst Du. Zerschlagen hat man Dich für unsere Schuld. Du aber hast es gewollt, hast uns die Pforten des Himmel geöffnet, erhöre es nun, mein Gebet, mein Flehen für die sündige Welt!" Große Schmerzen darf ich heute leiden, und die Leiden der Dornenkrone sind besonders groß. Der hl. Benedikt von Philadelphia ist bei mir. Weil ich die schwarzen Kinder so gern habe, will er mir besondere Liebe erweisen.

 

Gründonnerstag, den 9. April 1947

Freude ist in mir trotz der großen Leiden. Ich verweile eine Zeit in Betrachtung im Abendmahlsaal. "Jesus, mein lieber Jesus, wie groß ist Deine Liebe zu uns? Du gabest Dein Leben hin für uns und wolltest doch bei uns bleiben." Ich kann nicht länger verweilen in der Betrachtung.

Weiter schaue ich das Leiden des Herrn am Kreuze. Zwei Mörder stellt man rechts und links, gebunden an Kreuzen, neben Jesu Kreuz auf. Der an der linken Seite spottet und höhnt. Der an der rechten Seite verweist dem anderen die Spottreden. Das Höhnen und Spotten dringt auch von der Menge herauf, die unter dem Kreuz steht. Jesus aber blickt zum Himmel mit blutigen Augen und fleht: "Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!" Dann blicken die Augen ein wenig nach rechts zu dem Schächer. Ein Licht geht aus von Jesu Augen. Der Schächer sieht es, und das Erkennen kommt über ihn. Er sagt: "Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst!" Jesus antwortet ihm: "Heute noch wirst du bei Mir sein im Paradiese!" Ich sehe die Muttergottes mit Johannes kommen. Wie schmerzvoll schauen beide hinauf zum Kreuz. Stumm reichen sie sich die Hände. Weh sind ihre Herzen, aber sie dürfen Jesus nicht die Schwere der Leiden abnehmen. Er muß sein Opfer vollenden. Jesus sieht und fühlt die Liebe der beiden. Erneut tut er seinen Mund auf und spricht: "Weib, siehe da deinen Sohn, Sohn, siehe da deine Mutter!" Einen Augenblick ist Stille und Johannes drückt Jesu Mutter noch inniger die Hand.

Ein Weinen und Schluchzen höre ich. Eine Frau unter dem Kreuz fängt das Blut auf und trocknet Jesu Wunden mit ihren Haaren. Es ist Maria Magdalena. Ein alter Mann bricht unter dem Kreuz zusammen. Er stirbt. Es ist Balthasar, der bei Jesu Geburt war, einer der Könige. "Oh, welch Gnade, so zu sterben." Jesus windet sich vor Not und Schmerzen. Die Querbalken des Kreuzes biegen sich runter und an den Händen und Füßen werden die Wunden größer. Ich kann es nicht sehen, ich muß nur weinen. Die Spötter grölen und halten Trinkgelage. Sie teilen Jesu Kleider und verlosen das Gewand, das ohne Naht ist. Da tönt es vom Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?"

"Ja, verlassen bist du Herr! Die, die dir helfen wollen, können es nicht. Gott ist von Gott verlassen. Der Vater sieht nicht mehr den Sohn, sondern den Sünder, beladen mit der Schuld der ganzen Welt. Laß mich, Jesus, bei Dir bleiben in Deiner Verlassenheit! Du sühnst so furchtbar und ich, was tat ich? Jesus, erbarme dich, du leidest und wir sündigen."

Jesus spricht: "Von Feinden seid ihr umringt. Das Siegeszeichen, Mein Kreuz, wurde verworfen. Ein größeres Kreuz ist aufgestanden und hat die Menschen daran geheftet. Keiner kann sich von diesem Kreuz befreien, so er nicht sühnt, und Buße tut. Ich betete für Meine Feinde und ihr sollt das gleiche tun. Ich erbarmte Mich des Sünders und ihr sollt euch der Sünder annehmen und ihnen den Weg zum Paradiese zeigen. Ich gab Meiner Mutter einen anderen Sohn und ihr, warum nehmet ihr euch der Verwaisten nicht an? Sagt nicht: Die Not ist so groß, wir können es nicht. Wer sich eines anderen annimmt, hat sich Meiner angenommen und Ich werde diese Opfer besonders segnen. Am Kreuz war Ich verlassen, im Tabernakel weile Ich verlassen. Kämet ihr alle zu Mir, dann würde der Vater sich der verlassenen Menschheit wieder annehmen. Gott hat die Menschen verlassen, weil sie Ihm nicht mehr dienen, weil sie herrschen wollen!"

Ich muß große Sühne leisten die Nacht. Der Schweiß dringt aus alle Poren und eine große Not kommt über mich. Ein furchtbares Bild schaue ich. Es ist ein dunkler, kalter, grausiger, Ort den ich erblicke. Felsen, Berge stehen vor mir so kantig und wuchtig, als wenn sie mich jeden Augenblick zerdrücken, auf mich fallen wollten. Eine Schar Schwestern, schwarz verhüllt, zieht an mir vorbei. Die letzte bleibt bei mir stehen und sagt: "Gehe nicht weiter, dieses ist der Vorraum zur Hölle!" Ich erwidere: "Ich habe keine Angst, ich sah schon mehr!" Ich sehe nun einen wuchtigen Felsblock, der wie ein Tisch wirkt. Darauf liegt ein großes, schwarzes Buch. Ich trete näher und will das Buch ergreifen, aber die Schwester will mich zurückhalten. Ich nehme aber doch das Buch und schlage es auf. Lauter bekannte Gesichter erblicke ich. Die Schwester sagt: "Was du darin gesehen hast, das darfst du nicht sagen. Es ist das Buch des ewigen Todes. Von Ewigkeit her waren jene für die Vorhölle bestimmt."

Ich schaue Jesus weiter am Kreuz. Sein Leben ist bald ausgehaucht. Er windet sich in Qual und Schmerzen. Vom Kreuze tönen die Worte: "Mich dürstet!" Lachen und Spotten ist die Antwort. Lachend kommt ein wüster Mann näher und reicht Jesus auf einem großen Stengel einen Schwamm. Der Herr kostet die Flüssigkeit, die Galle und Essig ist. Im Schmerz verzerrt sich das Gesicht und die Lippen schwellen noch mehr auf. Die Spötter lachen noch mehr. Der Herr wird so still und Leichenblässe bedeckt ihn. Die Kreuzesbalken biegen sich noch mehr. Das Kreuz zittert, es wankt. Leise kommt es vom Kreuz: "Es ist vollbracht!" Noch blasser wird Jesus. Die Bläße leuchtet durch das Blut an seinem Körper. Die sterbenden Augen öffnen sich noch einmal und groß schauen sie zum Himmel. Eine Wolke teilt sich, aus der ein seltsam schönes Licht hervorgeht. Die letzten Worte Jesu gehen hinauf zu den lichten Höhen. "Vater, in Deine Hände empfehle ich Meinen Geist!" Ein Licht, Jesu Seele, vereint sich mit dem schönen Licht aus der Wolke. Die Wolke schließt sich und unter strahlendem Glanz der Sonne entschwindet das Bild meinen Augen.

Gott von Gott, Licht vom Licht. Nun wieder vereint, ein Gott, ein Licht. Ich sehe weiter, der Wind erhebt sich, ein gewaltiger Sturm braust über das Land. Die Sonne verfinstert sich. Es ist Nacht am Tage. Blutig scheint der Mond und wie entseelte Körper stehen die Sterne am Himmel. Die Erde zittert, bebt. Sie hüllt sich in Trauer um den Heiligsten der Menschen, der 33 Jahre auf ihr wandelte und sie gesegnet hat, gesegnet noch mit seinem Blut. Die Felsen zerspringen und die Gräber öffnen sich. Verwundert schauen die von den Toten Erstandenen durch das Dunkel. Sie schauen auf zum Kreuz und fallen auf ihre Knie. Ein Blitz wie ein Schwert fährt hernieder in den Tempel. Ein Geräusch höre ich, als wenn etwas berstet. Überall ist Verwüstung. Die Menschen, die vorher noch lachten und spotteten, sie kommen in eine Verwirrung. Eine Panik ist ausgebrochen. Tote gibt es jetzt. Sie wissen nicht, wie sie den Berg herunterkommen sollen. Die Getreuen knien stumm im Gebet unter dem Kreuz. Ein Schluchzen, ein Weinen und Klageworte klingen durch die Stille, die den Heiland hier jetzt umgibt. Es ist Maria Magdalena. Ein Soldat naht und mit der Lanze durchbohrt er Jesu Herz. Das letzte Blut und Wasser fließen heraus. Longinus und Maria Magdalena fangen das Blut auf. Dann steht Longinus und schaut auf zu ihm, den er durchbohrt hat. Ein Erkennen kommt über ihn. Er hat seinen Gott gefunden. Er erkennt, was der Herr tat durch seinen Kreuzestod. Wie Maria Magdalena, so kann auch ich nur weinen über das, was ich sehe. "Oh, Welt, schautest du einmal nach Golgotha und würdest schauen, was ich schaute, du würdest wieder wie damals zerspringen und dich in Trauer hüllen mit dem Firmament. Gottes Sohn stirbt nicht mehr, aber die Feinde des Kreuzes werden bald zerschmettert und versinken in Nacht und Grauen wie damals. Wir armen Sünder, wie unwürdig sind wir der Erlösungsgnade."

Ich leide still heute, Worte will der Mund nicht formen. Das Herz ist so voll Weh und Schmerz, fühlt sich so verlassen, weil auch im Hause Gottes alles öde und leer ist. In stiller Trauer kehre ich heim. Ein orkanartiger Wind tut sich auf. Ich sage: "Ist das deine Trauer, Bruder Wind, oder willst du das Spiel wiederholen wie einst auf Golgotha?" Wie tausend Stimmen klingt es nun an mein Ohr:

Es klagt der Wind!
Der Herr, der Ewige er rief: Erhebe dich!
Durch dich die Natur soll beleben sich.
Wind sollst du heißen und Bruder der Sonne sein,
Bruder sollst du sein, dem Mond und den Sternelein.

Ein Bruder ward ich der ganzen Natur,
alles sah ich im Wald und auf weiter Flur.
Ich sah zu Bethlehem die Engel niedersteigen,
leis' wehte ich zu ihrem Gottesreigen.

Sanft wehte ich dem Jesuskind, wenn Es schlief.
Ich begleitete es auf der Flucht, als der Engel rief.
Ich sah Es im stillen Häuschen zu Nazareth.
Mit dem Engel eilte ich nachts an sein Bett!

Den holden Knaben liebte ich sehr,
und sandte Ihm Kühlung, wenn brannte die Sonne sehr.
Als Er lehrend und helfend zog durch Stadt und Land,
als niemand Ihn kannte, habe ich Ihn gekannt.

Auf dem Meere gehorchte ich Seinem Wort,
ich folgte Ihm weiter von Ort zu Ort.
Ich sah, wie Er heilte die Kranken, die man gebracht,
und die kamen, wie Er betete zum Vater in stiller Nacht!

Ich sah wie Satan ergrimmte in wilder Wut.
Wie er gegen den Gesalbten schürte
das Feuer mit heißem Blut.
Ich sah Ihn verlassen im Garten knien,
sah Ihn flehen, sah Seine Jünger fliehn.

Da blieb ich bei Ihm, wie so oftmals schon,
jetzt, da Ihn alles verließ, als sie alle flohn.
Die Blätter der Bäume lud zum Gebet ich ein,
und klagend beteten wir mit zum Vater Sein.

Als sie führten Ihn gefangen hinaus,
da wollt ich wohl machen allen den Garaus.
Er aber, gebot mir wie einst auf dem Meer:
"Sei still, Ich bin dein Gebieter, dein Herr!"

"Erfüllet die Schrift muß werden,
was über den Messias gesagt ist auf Erden!"
Da ward ich still und umgab Ihn mit leisem Wehen,
so oft Er sank auf seinem Leidensweg, so oft Er blieb stehen.

Doch als das edle Herze brach und schlug nicht mehr,
da kam es über mich, da grimmte ich sehr.
"Schwester Sonne", sprach ich, "wie kannst du scheinen,
Bruder Mond und ihr Sterne, lasset uns weinen!"

Man mordete Ihn, seht wie er hängt am Kreuze dort,
oh, wie grausam sind die Menschen am Ort.
Er hat vollbracht Sein Werk, ist nun gestorben,
das ewige Heil hat Er der Welt erworben.

Nicht sehen und hören mag ich den Hohn und Spott,
ich treibe sie alle vom Orte jetzt fort.
Da hab ich getobt, daß vor Angst die Frevler vergingen,
daß ihre Glieder zu zittern, zu beben anfingen.

Sie flohen, sie stürmten den Berg hinab,
und viele, fanden am Karfreitag ihr Grab.
Schwester Sonne sie hüllte in Trauer sich ein,
es weinte Bruder Mond und leichenblaß
wurden die Sternelein.

Ich riß die Gräber auf, die Toten kamen hervor,
der Vorhang im Tempel, zerrissen, er hing wie ein Trauerflor.
Mit Wucht spaltete ich Felsen und Stein.
Die Erde erbebte, wir sangen das Totenlied zu Zweien.

Und als den Erlöser sie brachten zu Grabe hin,
mit leisen, sanften Lüften umwehte ich Ihn.
Noch stiller und sanfter wurde ich, als die Engel kamen,
und den gewaltigen Stein vom Grabe nahmen.

Es schliefen die Wächter, nur ich hielt Wacht,
da ging glorreich der Sieger hervor aus des Grabes Nacht.
Niemand sah Ihn, nur ich sah Ihn allein,
in strahlendem Licht, in Seiner Gottheit Schein.

Wache auf, Schwester Sonne, oh wache auf,
unser Herr und Gebieter steht von den Toten auf!
Da stand sie ganz golden am Himmelszelt,
wir brachten das erste Alleluja dem Herrn der Welt.

Mit sanftem Wehen begleitete ich Ihn noch eine Zeit,
die Er verklärt noch auf Erden hat geweilt.
Und als Er fuhr hinauf zum Vater Sein,
durfte ich Ihn begleiten mit den lieben Engelein.

Dann habe ich die Jünger aus ihrer Trauer geweckt,
und sie mit meinem wilden Brausen erschreckt.
Als Bote ging ich dem Gott der Liebe,
dem Heiligen Geiste voraus,
und kündete es den Jüngern im verschlossenen Haus.

So bin ich geworden nun ach schon alt,
es kommet der Herr wieder mit den Engeln bald.
Es schlafen aber die Menschen, sind innerlich tot,
kennen fast nicht mehr unseren Herrn und Gott.

Es grimmt mich, ich möchte es allen sagen,
möchte wie einst auf Golgotha dreinschlagen.
Es ist ja nur noch ein Karfreitag auf Erden,
wo führt es hin und was soll daraus werden?

Es wird so werden wie einst auf Golgotha,
sie werden zittern und beben, fern und nah.
Sie werden bald schauen die Herrlichkeit des Herrn.
Die Nacht weicht, es leuchtet der neue Tag auf, in der Fern.

Da will ich nochmals brausen mit Gewalt über die Erde,
wenn ertönt ein neues: "Es werde!"
Gekommen ist die große Erntezeit,
"vom Schlaf wacht auf, zur Stunde seid bereit!"

"Ja, lieber Bruder Wind, du hast Recht. Danke dir für deine Worte. Die Menschen wollen nicht mehr beten. So will ich mich mit dir, mit der ganzen Schöpfung vereinen heute und singen den Trauergesang."

Dann kam es über mich und ich durfte leiden für die sündige Welt.

 

Karsamstag, den 10. April 1947

Nach vollendetem Leiden kehre ich zurück nach Golgotha. Ein Mann mit einer kleinen Schar kommt den Berg hinauf. Es ist Josef von Arimathäa. Sie nehmen den Herrn vom Kreuze, waschen Ihn und nehmen Ihm die Dornenkrone ab. Dann hüllen sie Ihn in weiße Tücher ein. Maria Magdalena bittet die Muttergottes um den Schwamm und die Dornenkrone. Sie ist überglücklich. Das Kreuz wird eingegraben. Ich sehe Jesus auf dem Schoß seine Mutter. Sie streichelt das verwundete Angesicht und küßt die tiefen Stirnwunden der Dornenkrone. Der Herr wird dann auf das Totenbett gelegt. Es sieht aus fast wie eine Bahre. Der kleine Zug setzt sich in Bewegung und man trägt den Herrn in nächster Nähe zu Grabe. Es ist ein Felsengewölbe. Sie nehmen alle Abschied von Jesus. Nur Maria und Johannes bleiben noch. Johannes geht auch, und Maria ist allein mit ihrem toten Sohn. Sie kann sich nicht trennen und streichelt immer wieder das liebe Angesicht und küßt die Stirnwunden. Dann geht auch sie und Jesus liegt allein. Nein, er ist nicht allein. Der Engel Seiner heiligen Menschheit, St. Gabriel, hält mit einer Schar aus seinem Chor die Totenwacht. Der Erzengel, der ein Leben hindurch Jesus zur Seite stand, er steht auch jetzt bei dem Toten. Draußen schiebt man den Stein vor das Grab und alle gehen heim.

Die Osterglocken rufen wie jedes Jahr und mit frohem und jubelndem Herzen folge auch ich ihrem Klang. Maria Magdalena begleitet mich. Auf dem Weg redet sie von der Liebe des Herrn. "So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengeht. Zuerst mußte dein Heiland nach Kalvaria, dann erst konnte Er Ostern halten. Blicke nur hinauf zu dem Weltensiegeszeichen, zum hl. Kreuz, und du wirst siegen. Darum kann die Welt nicht Ostern feiern, weil sie das Siegeszeichen, das Kreuz, nicht anerkennt. Lernt doch lieben das Kreuz und überall, wo es euch folgt, da ist auch Sieg. Wachet auf aus dem Schlaf der Sünde, es ist Zeit! Noch liegt es in eurer Hand, den Frieden mit Gott zu schließen, so ihr Ihn anerkennt als den Herrn und Gebieter. Er wird euch auch den Völkerfrieden schenken und als guter Vater sorgen für Seine Kinder."

Meine himmlische Mutter ladet mich zu einer trauten Stunde ein. Am Nachmittag bin ich im Geiste im trauten Stübchen in Nazareth. Soeben geht die Sonne auf. Maria kniet im Gebet. Da wird es so hell und licht. Viele liebe Engelein sind gekommen und sie umgeben den Heiland, der eben das dunkle Grab verlassen hat, der auferstanden ist. "Friede sei mit dir!" So grüßt Jesus seine Mutter. Da wird sie so ganz hell und schön. Der wehe Zug der vergangenen Tage weicht aus ihren Zügen und die Mutter, die ihr Kind einst zuerst anbetete, bei der Geburt, sie singt Ihm auch zuerst das "Alleluja!" Jesus weilt bei der Mutter. Ihr galt Sein erster Weg. Sie betet ihn an, sie singt und jubelt mit den Engeln. Jesus läßt Seine Mutter schauen bis an das Ende der Zeiten. Sie sieht die Leiden und Freuden der Kirche. Sie sieht die Leiden und Freuden Jesu in der hl. Eucharistie. Sie sieht sich selbst, verachtet, vom Teufel verfolgt und dann verehrt, selig gepriesen von allen Geschlechtern. Sie sieht die Erneuerung der Erde durch den Heiligen Geist und sieht sich, von Engeln begleitet, Christus, dem König vorausziehen. Wieder singt sie das 'Magnifikat' wie bei Elisabeth. Jesus segnet Maria, seine Mutter und entschwebt. Ein Leuchten bleibt zurück und die Osterfreude im Herzen Mariens.

Sie sagt: "Als ich so hineinschaute in das Weltgeschehen, da habe ich auch dich gesehen. Habe in dieser Stunde, da ich dich sah und noch eine große Schar, die mich liebte und lieben würde, den Heiland gebeten, mir diese Seelen alle zu schenken, damit ich sie formen dürfte für Ihn. Oh, mein Jesus kann nicht nein sagen, wenn ich bitte. So erhielt ich als erstes Ostergeschenk die Seelen, die Jesus und mich lieben."

"Meine liebe himmlische Mutter, wie sind wir dir zu Dank verpflichtet und wie undankbar sind wir oft gewesen. Laß mich oft ein stilles Stündchen mit dir halten, wenn es stürmt und tobt im Herzen. Dann laß mich mit dir nach Nazareth gehen!" Ich bin allein. Meine Gedanken sind noch angefüllt von dieser Osterfreude und ein frohes 'Alleluja' steigt hinauf zum Himmel. Die Wolken teilen sich, und verklärt schaue ich meinen lieben Jesus.

 

Montag, den 12. April 1947, 2. Ostertag

Mit St. Petrus, St. Jakobus und St. Johannes weile ich heute wieder bei der Mutter im stillen Stübchen zu Nazareth. Voller Freude sind sie hergeeilt, um der Mutter Jesu die Osterfreuden zu überbringen, die ihnen durch Maria Magdalena zuteilwurde. Maria lächelt geheimnisvoll und sagt, nachdem sie erzählt haben: "Lasset uns nun froh sein und ein Danklied anstimmen!"

Ehe die Sonne aufging, kam mein lieber Jesus in Begleitung Seiner Engel und bot Seiner Mutter den ersten Friedensgruß. "Ich bin die glücklichste Mutter auf Erden. Lasset uns nun Osterfest halten mit Dank und Freude im Herzen." Ich höre nun wunderbare Gesänge, die mich ganz der Welt entrücken. So wollte ich wohl immer Ostern feiern, in solch trautem, liebem Kreis.

Es kommen alle Apostel mit Jesus am Abend. Wie einst im Mai 1933 spricht Jesus: "Was willst du, das ich dir tun soll?" Ich erwidere: "Herr, segne alle, die an Dich glauben und schenke uns Deinen heiligen Frieden!" Dann breitet Er Seine verklärten Hände aus und sagt: "Der Friede sei mit euch!" Dann wird es dunkel, und wie Jesus kam mit den Aposteln, so ging Er auch. Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat.

 

Mittwoch, den 14. April 1947

Wie vergehen die Stunden, wenn Jesus bei der Seele weilt. Er ist ja mein, mein Geliebter. So greifbar nahe umgibt Er mich. Es tut mir so weh, daß die meisten Menschen diese Glück nicht zu halten vermögen. Ich darf schauen auf den See Tiberias, wo Jesus den Jüngern erschien. Wie freuten sie sich, als sie Ihn erkannten. Wie Kinder umgeben sie ihren Herrn und Meister. Er erfreut sich über diese Liebe und segnet sie und ihre Arbeit. Warum können die Menschen von heute nicht mehr diese Freude im Herrn empfinden? Es fehlt ihnen die kindliche Liebe, daraus der große Gottesglaube hervorgeht. Die Büßerin Maria von Ägypten fordert auch zur Buße auf und zur Liebe.

Sie sagt: "Ihr törichten Menschen, warum dient ihr der Sünde? Was ihr jetzt traget, ist der Sold der Sünde. Noch ist es Zeit, vieles abzuhalten, wenn ihr umkehret von den Irr- und Abwegen. Gott ist die Liebe, die Güte und die Barmherzigkeit. Liebet Ihn doch wieder wie einst in den Tagen der Kindheit und seine Güte und Barmherzigkeit werdet ihr erfahren."

 

Weißer Sonntag, den 18. April 1947

Ich weile in Ittenbach. Wie faßt es mich wieder, als ich sehe, die kleine Schar, die so glücklich heute ist, den lieben Heiland zum erstenmal zu empfangen. "Heiland, es sind die schönsten Blumen, die jedes Jahr der Frühling Dir bringt. Möchten sie nie verblühen."

Jesus verklärt vor mir. Freude erfüllt mich. Er weist in die Ferne und ich sehe eine endlose Schar in blutgefleckten, weißen Kleidern. Ich frage: "Herr, wer sind diese in den blutgefleckten Kleidern?" Der Herr antwortet: "Das sind die Opfer der Unschuld! Halte heute den Tag für sie! Die Zahl wird noch größer. Du verstehst es, weil du ein Opfer dafür wurdest." Ich sehe ein Bild. Von diesem geht ein großes Licht aus, das wunderbare Strahlen über die ganz Erde ausbreitet. Unter diesem Bild wächst eine dreifache Lilie. Ich verstehe nicht. Jesus aber sagt: "Das bist du." "Lieber Jesus, wie kann ich das sein, ich arme Sünderin! Die Sünde lernte ich kennen, ehe ich dich kannte. Nie war froh meine Jugend, meine Kindheit. Du hast mich wieder reingewaschen und ich wurde wieder froh. Dann stand ich vor dem Traualtar. Wie? Du weißt es, Herr! Seit der Stunde ging ich den lebenden Kreuzweg. Noch bin ich nicht in Golgotha. Eine Büßerin wollte ich sein, die zweite Maria Magdalena der neuen Zeit. Ich betete darum und durfte es werden im 3. Orden der Buße des hl. Franziskus. Als ich dem Herrn keine Kinder mehr schenken konnte, es waren 8, betete ich um die Tugend der Entsagung, der vollen Reinheit. Meine himmlische Mutter erfleht mir diese Gnade und seit 1942 darf ich so unberührt und rein leben. Wie froh und glücklich bin ich ob dieser großen Gnade. Du weißt, Herr, daß ich alle Tage von neuem darum bete, denn heute stehen wir und morgen können wir fallen."

Ganz im Sinnen gehe ich weiter und am Nachmittag weilt mein hl. Engel bei mir. Er führt mich in einen schönen Liliengarten. Die Muttergottes geht von Blume zu Blume und besprengt sie mit Tau aus einer goldenen Schale. Ein süßer Wohlgeruch verbreitet sich. Von Zeit zu Zeit naht ein Engel. Dann nimmt Maria eine Blume und reicht sie dem Engel. Dieser schwebt zu Erde und legt die Blume in den Schoß einer Mutter. Maria sagt nun: "Diese Blumen blühen nur für die Heilige Dreifaltigkeit! Ich ziehe sie auf, bis zu dem Tage, da das Kind im Schoße der Mutter zum Leben erwacht. Darum wachsen diese Blümelein unter dem Mutterherz weiter. Wenn sie das Licht der Welt erblicken, muß ich gerade diese mit einer besonderen Liebe und Sorge umgeben. Sie blühen nur für den Dreifaltigen Gott und er wird diesen, die sein besonderes Eigentum sind, auch eine besondere Erkenntnis der Gottesgeheimnisse geben. Sie haben aber im Leben größere Kämpfe zu bestehen, als die anderen, denn der Teufel sucht sie, um sie zu zertreten und zu vernichten, weil es seine Gegner sind, denen St. Michael zur Seite steht."

 

Sonntag, den 24. April 1947

Mit meinem lieben Jesus bin ich auf einem großen Berg. Er läßt mich einen Blick tun in die ferne Zeit. Wie erschreckend geht Bild für Bild an mir vorüber. Not und Elend erreichen den Höhepunkt. Der Fürst der Welt triumphiert. Überall ist Tod und Vernichtung. Man spricht vom Frieden, aber der Friede wird noch mehr genommen als gegeben werden. Es sieht fast aus, als ob auch die Kirche Gottes untergehen wollte. Es ist die Zeit der Bewährung. In der Ferne, wie am Horizont auftauchend, erscheint Maria, die Makellose mit einer unübersehbaren Schar Engel. Sie wird uns retten und helfen. Wer auf diese Stimme hört, der wird mit dieser himmlischen Siegerin den Sieg erringen.

Jesus spricht: "Die Tage der Trübsal stehen unter dem Schutz der himmlischen Mutter. Sie wird ihre Kinder nicht verlassen. Durch sie werden sie siegen unter der Fahne St. Michaels, der zum großen Gottesstreit mit seinem Chor gerüstet ist. Dem Dreifaltigen Gott wird die Ehre wieder gegeben, die Ihm gebührt. Ein Lob wird erschallen von einem Ende der Erde bis zum anderen. Verzaget darum nicht, eure Rettung ist nahe! Erhebet eure Häupter und gebet dem die Ehre, der Anfang und Ende ist!"

 

Montag, den 25. April 1947

Jesus, mein Geliebter, ist bei mir als Gärtner. Mit ihm weile ich im Liliengarten der Kinder. Es sieht aus, als ob der Frost hier die Blümelein getötet habe. Der Herr schaut betrübt und ich frage: "Mein lieber Jesus, warum schaust Du so traurig?" Er antwortet: "Diese Lilien sollten blühen für Mich, zu Meiner Freude. Doch siehe, was der Feind tat über Nacht. Zum Himmel schreien die Sünden der Jugend. Wo finde Ich noch reine Herzen? Wo sehen Mich noch Augen der Unschuld an? Ich sehe keinen Ort mehr, wo nicht das Laster der Unkeuschheit Einzug gehalten hat. Mit unreinen Händen und Herzen betritt man Mein Heiligtum. Wie oft mahnte Ich zur Buße und Besinnung. Die Zeit ist bald vorüber und der Erntetag naht. Seid bereit! Nur die Unschuld der Kleinen wird den Zorn des Vaters noch besänftigen!"

 

Freitag, den 29. April 1947

Ein Blick läßt Jesus mich tun in den Himmel. Wie aus einem unendlichen Meer von Glas und Kristall erhebt sich ein goldener Thron, auf dem die Heiligste Dreifaltigkeit herrscht. Die vier Evangelisten umgeben den Thron. Sie sitzen auch auf goldenen Thronen und sind ganz eins mit dem Willen Gottes. Ihre Liebe ist so groß, daß man sie fast mit dem Cherubim vergleichen könnte.

Jesus sagt: "Ich bin der Friede, die Freude, die Ruhe, der Lohn, die Seligkeit. Nur wer Mich besitzt, ist wahrhaft glücklich. Durch Mich kommt ihr zum Vater!" "Bleibe bei mir, bleibe bei uns allen, lieber Jesus, und führe uns zum Vater!" St. Markus weilt heute bei mir. Er mahnt mehr zur Buße und Einkehr für die großen Tage der Trübsal. Er spricht: "Seid bereit! Der Herr kommt bald! Ermüdet nicht im Verrichten der guten Werke. Ihr würdet mehr tun, wenn ihr wüßtet, welch herrlicher Lohn euch erwartet. Nach den Werken der Barmherzigkeit empfanget ihr den Lohn, werdet ihr gerichtet. Darum wetteifert in der Liebe und in guten Werken! Ich werde euch den Segen am Throne des Vaters erflehen."

 

Sonntag, den 1. Mai 1947

Die heilige Zita weilt bei mir. Sie sagt: "Ich liebe die Ärmsten der Armen, weil auch ich arm und gering war. Liebet die Armut, die ihr heut so arm geworden seid! Sie ist Gott wohlgefällig. Er macht euch frei vom Fürsten der Welt, der euch durch seinen Glanz und seine Pracht geblendet hat. Schauet wieder auf zu eurem Vater im Himmel und erfüllet Seinen heiligen Willen. Danket, lobet und preiset Ihn, und Er wird es euch vergelten. Betet und arbeitet! Beides fehlt heute der Menschheit. Wenn beides wieder vereint wird, dann wird auch wieder Segen kommen vom Herrn. Leget doch ab die Werke der Finsternis, die euch doch keine Freude geben, die bleibt. Freude gibt nur Gott, gibt nur Jesus im Sakrament der Liebe. Eilet hin zu Ihm! Bei Ihm findet ihr Ruhe für eure Herzen. Seid einander barmherzig, so wird der Herr auch barmherzig sein und euch wiedergeben, was ihr verloren habt. Verzeiht einander gern, damit auch ihr Vergebung eurer Sünden findet. Liebet einander, wie Heilige sich lieben." Es ist so schön in dieser heiligen Umgebung und Jesus ist auch zugegen. Viel gab sie mir auf den Weg, um noch mehr mit dem heiligen Willen Gottes vereint zu werden.

 

Montag, den 2. Mai 1947

Ein Freudentag ist heute. Theodora, die Braut Christi beehrt mich mit ihrem Besuch. Sie spricht zu ihren Brüdern und Schwestern, die um des Wortes Gottes willen leiden: "Freuet euch mit mir! Ich war auch nur ein schwacher Mensch wie ihr, aber die Kraft und Gnade Gottes war mit mir. Meine Liebe bewies ich meinem Bräutigam und Er schenkte mir die wunderbare Krone des Martyriums. Stehet fest im Glauben und bewahrt euch die Reinheit des Herzens. Ganz besonders stehe ich den Opfern der Unschuld zur Seite. Das ist meine Schar, die ich hinführe zu Jesus Christus, meinem Bräutigam. Haltet aus noch eine kleine Weile!" Auch Johannes vom Kreuz mahnt: "Schauet auf zu Ihm, der am Kreuz starb für euch. Schauet Ihn, der so unsäglich litt und in dessen Gegenwart die größten Sünden begangen wurden. Er litt zuerst, was ihr leidet. Er wird eure kranken und gemarterten Leiber wieder herrlich gestalten und sie kleiden mit besonderer Schönheit und Herrlichkeit!"

 

Mittwoch, den 4. Mai 1947

Eine andere Braut ist heute mein Gast. Jesus führt sie zu mir. St. Katharina von Siena. Sie ist so weiß, so verklärt und die Wundmale leuchten wie kleine Sonnen. Sie sagt: "Betet viel für die Bekehrung der Sünder! Helft Seelen retten und sie aus der Knechtschaft Satans befreien." Dann darf ich weilen in der heiligen Stadt. Die Seele singt und jubelt. Hier wohnt die wahre Liebe. "Die Erde ist so öde und kalt dagegen. Ja, im Hause Gottes sind viele Wohnungen. Drum verzaget nicht ihr Armen und Verlassenen, euer Vater, der euch arm machte, macht euch reich dort droben. Vertraut Ihm!"

 

Donnerstag, den 5. Mai 1947

Mai ist wieder. Der erste Gruß gilt Maria, der Maienkönigin. Mit besonderer Freude eile ich heute zum Hause des Herrn. Da bietet sich meinem Blick ein wunderbares Bild. Ich denk so ganz natürlich: Was ist das für eine wunderbare Statue der Muttergottes? Wo mag sie der Herr Pastor wohl her haben? Da sitzt auf dem Hochaltar vor dem Tabernakel die Muttergottes. Ihr Gewand ist blütenweiß, zart und weit wallend. Es ist so lang, daß es die erste Stufe des Altares berührt, so daß die Füße nicht zu sehen sind. Die Hände und Arme sind verschränkt übereinandergelegt. Sie trägt eine wunderbare goldene Krone, die aussieht, als bestände sie aus lauter kleinen Türmchen. Der Kopf ist ein wenig nach vorn übergeneigt. So sitzt sie da wie eine Königin, der man huldigen muß, als ob sie warte, bis alle an ihr vorüberzogen. Ich nehme nun Platz, aber mein Blick geht wieder zum Altar. Doch was ist das, was geht hier vor? Der Altar ist leer, die Muttergottes ist fort. So war es keine Statue, die ich bewunderte, es war Wirklichkeit, mußte eine Erscheinung sein. Ich wunderte mich schon, daß man diese Statue auf den Hochaltar setzte. Was bedeutet das nun? Es muß etwas zu sagen haben für unsere Pfarrei, aber was? Sie wird es mir wohl offenbaren, unsere liebe Frau und Mutter. Ein wenig zerstreut bin ich nun in der Andacht.

 

Freitag, den 6. Mai 1947

Herz-Jesu-Freitag im Mai. "Herz Jesu, Du Heil derer, die auf Dich hoffen!" Zwei Herzen, eng verbunden stehen in einer Sonne. Jesus, unsere eucharistische Sonne, leuchtet hinein in unsere Tage der Trübsal und Bedrängnis. Sein Herz steht weit offen, ladet alle Mühseligen und Beladenen ein. "Oh, setzt doch alles Hoffen auf den Herrn, Er ist euer Heiland, das Leben und die Auferstehung." Ein anderes Herz, mit Schwertern durchbohrt, ist eng mit Jesu Herz verbunden, das Herz Mariens.

 

Samstag, den 7. Mai 1947

Meine Gedanken weilen bei der himmlischen Mutter. Ich muß immer denken an das seltsame Bild. Heute sehe ich es wieder, aber es ist ein anderer Altar, auf dem Maria sitzt. Er ist weiß und wirkt wie ein Thron. Neun Stufen führen aufwärts. Auf jeder Stufe rechts und links kniet ein Engel aus den neun Chören. Den Blick kann ich nicht mehr abwenden. Maria spricht: "Ich suche die Kinder. Wo bleiben sie, die den Maialtar umgeben sollen? Was du hier siehst, das soll einmal so in Oberpleis stehen, solch ein Altar, an dem die Scharen vorüberziehen und ihrer Königin danken für die Gnaden und Wunder, die hier vielen an Leib und Seele zuteilwerden." "Ja, himmlische Mutter, wie soll ich das der Gemeinde und unserer Geistlichkeit sagen? Man wird mir wohl keinen Glauben schenken. Wo soll denn dieser Altar stehen?" Sie antwortet: "Wo er stehen soll, das will ich dir später sagen. Behalte einstweilen alles für dich, bis noch viel Großes geschehen ist. Ich werde Herz und Sinn der Priester und des Volkes zu lenken wissen. Eine besondere Gnadenstätte soll hier erstehen, sobald Deutschland, das Herz Europas, wieder ein Herz mit dem Herzen Gottes ist. Diese Gemeinde steht unter meinem besonderen Schutz und unter dem Schutz des hl. Ludwig Maria Grignion, den ich mit besonderen Gnaden auszeichnete und ihn schauen ließ bis an das Ende der Tage, wo ich eine große Schar aus dem Volke erwähle, die den Kampf mit der Schlange aufnehmen und für die Ehre der Dreieinigen kämpfen wird. Ich werde sie mit allen Tugenden meines Herzens schmücken. Man wird sie zuerst verachten, aber wenn sich meine Macht an ihnen erweist, wird man sie ehren und achten. Bete, sühne und opfere weiter im Verborgenen, bis zu dem großen Tage, da ich allein kundtue, was Großes der Herr durch mich getan hat." "Dank dir, himmlische Mutter! Ich bin deine Dienerin und die Dienerin aller Diener Gottes. Es soll geschehen, wie du es gesagt hast."

 

Sonntag, den 8. Mai 1947

Die hl. Monika tröstet mich: "Leidensopfer bist du und wirst du es noch mehr. Von vielen wirst du verkannt und verurteilt werden, ja auch von denen, die dir bisher treu zur Seite standen. Verzage nicht! Der Herr läßt es zu, um ein Größeres zu tun. Was du noch nicht erkennst, wirst du später besser erkennen, wenn du Tatsachen, wenn du Werken gegenüberstehst. Du mußt durch den Feuerherd der Göttlichen Liebe. Das sei mein Geschenk für dich, für den Tag deiner mystischen Vermählung mit Jesus Christus, dem König aller Könige. So werden auch die anderen Freunde des himmlischen Hofes dir Geschenke bringen in diesem Monat!"

Sie ist wieder fort. Wie seltsam klingt alles. "Ja, komme nur, süßes Leid! Es ist gleich, durch wen du kommst. Du führest mich doch nur näher zu Gott und durch dich kann ich die Armen Sünder glücklich machen. Bist ja das größte Stück vom Kreuz des Herrn. Ich liebe dich! Aber komme!"

 

Dienstag, den 10. Mai 1947

St. Johannes bringt mir das Hochzeitsgeschenk. Einen Kelch reicht er mir voller Bitternis. Er fragt mich: "Willst du ihn trinken? Wenn du ihn trinkst, wirst du wunderbare Kraft empfangen und die Liebe zu Gott, zu den Menschen wird größer. Je mehr die Menschen dir weh tun, desto größer wird deine Liebe zu ihnen, weil sie alle deine Krone schmücken." "Oh, so gib mir diesen Kelch, St. Johannes! Ich weiß, du bist bei mir, wenn die Stunden der Erfüllung kommen!" Mein guter Pater Wigbert segnet mich besonders heute. Er spricht: "Gehe nun in die Stille! Der Herr macht dich frei." Seltsame Worte. Ich verstehe sie noch nicht recht.

 

Mittwoch, den 11. Mai 1947

Mit einem seltsamen Geschenk naht Bischof Stanislaus mit dem hl. Stanislaus Kostka. Sie überreichen mir einen Totenkopf und ein Kreuz. "Nimm dieses und gedenke alle Tage der letzten Dinge. Mache dir Bruder Tod zum Freund, denn es kommt die Zeit, da der Tod nicht mehr Freund ist, sondern nur Vollstrecker der Befehle der göttlichen Gerechtigkeit. Wer aber ihn als Freund hat, der braucht nichts zu fürchten. Gehe an keinem Kreuz vorüber, das man dir gibt, das deinen Weg kreuzt. Die Kreuze, je größer sie sind, desto größer sind sie als Waffe gegen die Höllenmacht, die langsam näher rückt und die Menschheit in Tod und Verderben, in Verzweiflung und Not bringen will, wie es noch nicht gewesen ist auf Erden." "So will ich euren Rat befolgen und auch meinen Lieben alles mitgeben von dem, was ihr mir gegeben. Bittet für uns alle am Throne Gottes."

 

Donnerstag, den 12. Mai 1947

St. Michael steht mir zur Seite. Er fordert besonders alle Streiter Gottes zum Kampfe für die nächste Zeit auf. Er kommt weiter mit St. Gabriel und St. Raphael. Sie bringen ein Geschenk der heiligen Engel: "Nimm dieses Gefäß, das dir von außen das Angesicht Gottes zeigt, innen aber dein eigenes Antlitz trägt. Schaust du es an, kannst du nicht anders, als an Gott zu denken und Seinen Willen zu erfüllen. Schaust du hinein, so siehst du dich selbst und erkennst stets, wie klein und armselig du gegen Gott, das höchste Gut, bist. Erkenne dich selbst und du wirst Gott erkennen, wirst nur Ihn lieben." "So führet mich und leitet mich immerdar, ihr heiligen Engel, und bringet auch die Bitten all meiner Brüder und Schwestern vor Gottes Thron." Sie segnen mich und scheiden. "Oh, könnte ich mit euch gehen!"

 

Samstag, den 14. Mai 1947

Der Herr läßt mir heute besondere Freude zuteilwerden. In einem wunderbaren Lichte darf ich die Muttergottes schauen. Sie ist im Oval von lauter Wolken umgeben. Über ihr ist mit ausgebreiteten Armen der Vater. Um das Herz der Muttergottes ist eine lichte Wolkenschicht, in der das göttliche Kind sitzt. Vom Vater geht ein Licht aus, das sich ausbreitet zu beiden Seiten und sich mit dem Kinde vereinigt. Wunderbar schaue ich hier die Heiligste Dreifaltigkeit. Maria ist hier als die Mutter in Ewigkeit. Sie trägt keine Krone, nur wallende Haare. Ihr Gewand sieht aus, als ob es aus Gold und Silberstreifen bestände. Es ist nur Licht. Licht ist Maria, vom Licht der Heiligsten Dreifaltigkeit eingehüllt. "Mater in eternum, ich grüße dich!"

 

Montag, den 16. Mai 1947

St. Pankratius kommt auch mit vielen Märtyrern. Sie reichen mir ein Gefäß und sprechen: "Lege darin die Ruhe deines Herzens! Wir bringen sie zum Throne der Barmherzigkeit. Nimm dieses kleine Gefäß als Geschenk. Es ist gefüllt mit den Tränen der Sehnsucht. Unruhiger wird dein Herz, bis es ruht ganz in Gott. Vor Sehnen wirst du vergehen und niemand weiß, was dir fehlt, niemand kann dir helfen. Dein Blut wird nur für deinen Bräutigam allein fließen, bis jeder Tropfen Opfergabe für Ihn wird." "Stehe mir bei mit deiner Engelschar, damit ich Gott ein würdiges Opfer sein darf!"

 

Mittwoch, den 18. Mai 1947

Sehnsucht ist so groß. Die Osterzeit geht zu Ende. Da wird mein lieber Jesus wieder weiter entrückt sein. Er ist ja immer da, lebt ja in der Seele und die Seele durch Ihn. In der Osterzeit ist Er aber so ganz greifbar und nahe, ich könnte Ihn nur umfassen. Er kommt, ist da mit der himmlischen Mutter, mit der Apostelschar. Abschied feiern wir.

Jesus spricht:" Ich bin ja bei dir, kleine Braut alle Tage, bin Ich bei euch allen und bleibe es bis zum Ende der Welt. Die Osterzeit wird wohl mehr von dem Glanz Meiner Gottheit erhellt und besonders nahe bin Ich allen Seelen, die ganz mit Mir vereint sind. Wie damals, so muß es eine Abschiedsstunde geben, wo Ich die Erde, die Seelen verlasse mit Meinem Glanz, wo Ich nur wieder das immerwährende Opfer, die Speise im Sakrament der Liebe bin. Seid nicht traurig, es ist nur eine kleine Weile, und dann komme Ich in Glanz und Herrlichkeit als König, um alle, die Mir dienen in die ewigen Freuden zu führen. Ich werde nun Feuer auf die Erde senden, damit sie erwärmt werde, damit die Herzen entbrennen in Liebe zu Gott. Der Heilige Geist wird unter gewaltigem Brausen wie damals den Erdkreis erfüllen. Seid dann bereit, wachet und betet, damit ihr Teil habt an dieser Gnadenzeit, in der die Erde neu gestaltet wird!"

Jesus segnet mich und um mein Herz legt sich ein Druck, die Sehnsucht wird größer. Es muß sein. Lieben heißt ja leiden.

 

Donnerstag, den 19. Mai 1947, Christi Himmelfahrt

Ganz nahe ist Jesus, wohl zum letztenmal. Die Seele jubelt, sie singt nur und jauchzt vor Freude. Noch weilt der Geliebte bei mir. "Oh könnte ich mit zum Vater gehen! Es ist noch nicht Gottes Wille. Vater, Dein Wille geschehe!" Engel steigen hernieder. Nur Licht und Glanz schaue ich. So treten wir ein in das Haus des Herrn. Nach dem Evangelium erlischt die Osterkerze. Ein Licht geht aus von ihr und steigt aufwärts in Begleitung der Engel. Eine Träne aus meinem Auge gibt Jesus und den Engeln das Geleit. "Heiland, was nun? Doch gleich kommst du wieder in der heiligen Kommunion und machst mich glücklich."

Die Muttergottes steht bei mir mit den Aposteln: "Warum trauerst du und weinst du? Habe nicht ich zuerst Abschied nehmen müssen, Abschied oft von meinem Kind und habe nicht geweint. Vertraue dich meiner Leitung mehr an und du wirst Freude haben, die dir niemand nimmt! Gehe nun ganz in die Stille und harre des Tages, da dein Jesus dich holt in des Vaters Reich. Es bringen nun die Apostel dein Hochzeitsgeschenk." Sie treten näher, so wie 1933 in ihren Festtagsgewändern. Ich empfange ihren Segen. Nun reichen mir alle ein Licht: "Nimm diese Lichter", spricht St. Petrus, "und gehe damit zu den einsamen, verlassenen und verirrten Priestern. Sei ihnen Leuchte, wenn sie meinen, ohne Trost und Hilfe zu sein. Es kommt die Zeit und sie rückt näher, wo es aussieht, als ob die Kirche Christi von den Fluten der Sünde überspült würde, ob sie in diesem Sündenmeer unterginge. Es ist aber nicht so. Die Hölle tobt, aber die Streiter Gottes stehen unter St. Michaels Führung bereit, zu kämpfen für die Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit, für die Kirche Christi. In diesen Tagen der Drangsal und des Kampfes brauchen die Priester ein besonderes Licht, das ihre Dunkelheit erhellt, das ihnen Wärme spendet für die Kälte und Greueltaten, die sie von den Menschen erdulden müssen, in deren Mitte sie stehen. Diese Lichter laß leuchten, damit noch viele kommen und ein Licht daran anzünden, um für Gott und Seine Kirche zu streiten!"

"Ja, so will ich den Weg gehen, den ihr heiligen Apostel mir zeigt. Seid meine Führer und steht allen bei, die ihr Leben einsetzen für den Dreieinigen Gott!" Nach der hl. Kommunion kommt mein Lieber Vater Franziskus. Er hat auch ein Geschenk, die ganze Schöpfung. Er spricht: "Du schaust mich verwundert an! Das alles gehört dir, ist dein, wenn du es zum Lobe Gottes gebrauchst. Jeden Tag lade die Schöpfung ein und du wirst eine Sprache lernen, wirst schauen, wie tief anbetend sich Tag und Nacht die ganze Schöpfung vor Gott neigt in einem ewigen Lob und Dankgebet. Sie wird mit dir jubeln in der letzten Stunde, wenn du heimkehrst ins Vaterhaus. Als heiliges Erbe wird die Erde deine sterbliche Hülle hüten und sie ihrem Schöpfer geben, wenn der Posaunenschall der Engel ertönt!"

"Dank dir, guter, heiliger Vater Franziskus! Da will ich gleich Schwester Sonne rufen, damit sie hierbleibe, wenn alle heimgehen und Jesus allein ist. Komm, Schwester Sonne und halte Tabernakelwacht in jedem Kirchlein, wo keine Seele kniet vor unserem Herrn und Gott!" Sie kommt mit ihren Strahlen durch die Fenster und viele Engelein hält sie auf diesen Strahlen. Sie sagt mir etwas Schönes: "Horcht alle, was Schwester Sonne verkündet. Sie jubelt dem Herrn heute besonders am Himmelfahrtstage."

Schwester Sonne
"Es werde Licht!", so sprach der Herr,
da stand im Strahlenkleid ich über Land und Meer.
Der Allmächtige mir tat nun kund:
"Zeige an den Tag und seine Stund.
Spende Wärme, Licht und Leben,
das du sollst der ganzen Schöpfung geben."

Darauf sagte ich: "Dein allheiligen Willen, Höchster,
werde ich stets erfüllen."
So künde ich viele tausend Jahre an,
was mein Gebieter befahl und gehe die Bahn.
Die Er mich ließ gehen bis zum Ende der Zeit,
wo dann nur leuchtet die Sonne der Ewigkeit.

Als der Schöpfervater Sein Werk vollbracht,
habe ich mit Ihm den Sonntag gemacht.
All meine Strahlenkinder sandte ich zu Seinem Thron,
lobte auch Seinen vielgeliebten Sohn.
Und den Heiligen Geist, der von beiden ausgeht,
es war mit den ersten Menschen das erste ewige Gebet.

Lange durfte ich schauen auf ihr Glück,
dann ward an einem Tag traurig der Blick.
Gottes Gebot, sie hatten es übertreten,
es half kein Bitten und auch kein Beten.
Für immer schlossen des Paradieses Tore sich,
der gütige Vater von ihrer Seite wich.

Als sie sich von allen verlassen meinten,
als still sie auf ihren Wegen weinten,
da habe ich sie erfreut mit meinem Licht:
"Habet Vertrauen, so ganz verlassen seid ihr nicht.
Ich bin das Sinnbild vom Allerhöchsten Gott,
erfüllet wie ich Seinen Willen, hat's keine Not."

So sah ich ein Werden und Vergehen,
sah Städte und Dörfer durch Menschenhand entstehen.
Ein Wachsen und Vermehren der Natur,
und still schritt der Herr durch Feld und Flur.
Es seufzten die Menschen, die groß geworden an Zahl,
unter dem Fluch durch der Stammeseltern Fall.

Durch die Sünde wurde größer Leid und Not,
wie konnte ich scheinen, wenn Ernte hielt der Tod.
Viertausend Jahre hörte ich Seufzen und Weinen:
"Wann wird der Erlöser, der Retter erscheinen?"
Dann kam die Stille, die heilige Nacht,
da Gottes Sohn den Frieden auf Erden gebracht.

Im pupurem Kleid stand ich am Himmelszelt,
und grüßte das Gotteskind, den Herrn der Welt.
Wenn sie es hielt auf ihren Armen, die reinste der Frauen,
dann hab ich wohl müssen ins Kämmerlein schauen.
"Gelt, Jesulein, ich darf Dich erfreuen mit meinem Schein,
sollst nicht frieren, ich will bei dir sein."

Ich blieb bei Ihm, folgte Seinem Schritt,
in Seinen Kinderjahren ging überall ich mit.
Als später Er linderte viel Not und Schmerzen,
da freute ich mich mit dem edlen Gottesherzen.
Nur wenig Liebe fand Er, der Gottessohn,
doch Undank viel und Spott und bitterer Hohn.

Bei Seinem Tod ich konnte nicht mehr erscheinen,
mit allen Himmelslichtern mußte ich weinen.
Doch als Er glorreich aus dem Grab erstanden ist,
da stand ich bei Ihm, dem heiligen Jesus Christ.
Viel schöner war Er, die ewige Sonne nun,
ich jubelte Ihm vor Freud und Wonne drum.

Als Er Abschied nahm und fuhr zum Vater sein,
umgeh ich Ihn mit viel tausend Engelein.
Wohl hatte Er die Erde verlassen,
Seine Liebe kannte nicht Grenzen noch Maßen.
Verborgen blieb Er hier als Speise
für uns zur Stärke für die weite Reise.

Doch wie verlassen und einsam ist Er,
der Menschen Liebe erkaltet immer mehr.
Am Tage schicke ich oft meine Strahlenkinder,
als Trost für den Undank der Sünder.
Nicht möcht ich mehr stehen am Himmelszelt,
ob all der Schmach, die leidet der Herr der Welt.

Ich will Ihm noch dienen und Seinen Willen tun,
bald werd ich vom meiner Arbeit ausruhn.
Wenn Er kommt, die Sonne der Ewigkeit,
majestätisch im herrlichen Königskleid,
der König und Herrscher aller Zeiten,
um Seinen Getreuen das Hochzeitsmahl zu bereiten.

 

Mittwoch, den 4. Juni 1947

Bald bin ich am Ziel der Reise: Nievenheim. Ich kenne den Ort nicht. Auf Einladung des hochw. Herrn Pfarrers Wilhelm Knor und weil Jesus es will, fahre ich dorthin. Ich frage einen jungen Mann, der mir im Zug Auskunft gibt. Jesus läßt mich vorher schon etwas sehen von dieser Gegend. Der Junge Mann sagt, daß es noch zwei Stationen sind. Ich sehe von fern ein Kirchlein, das ich schon sah. Das muß Nievenheim sein. Ein langer Waldstreifen wird sichtbar, der mir bekannt erscheint. Was ich sah, muß vor 200 Jahren gewesen sein. In langen Prozessionen sah ich Pilger, die einzogen in dieses Kirchlein. Ihre Tracht war auch nach dieser Zeit. Ich bin am Ziel. An der Bahn steht der hochw. Herr Pfarrer und meine Mitschwester Anna Gruttorffer. Liebevoll ist der Empfang. Dann sitze ich mit Anna im Garten. Ich möchte wohl zum Gotteshaus gehen. Es fesselt mich die kleine Muttergotteskapelle. Ich meine, Maria und Kind lächeln mir zu. Hochwürden zeigt mir all das Schöne. Bei der Pieta im Beichthäuschen geht von dem Bilde ein seltsames Leuchten aus. Ich trete näher. All die tausenden blutigen Wunden sehe ich an Jesu Körper. Ich frage, wer das Bild wohl gemalt hat, so natürlich mit all diesen Wunden. Da sehen mich die beiden erstaunt an und Anna sagt: "Was du siehst, das sehen wir nicht. Jesus hat keine Wunden auf Seinem Körper auf diesem Bild." Jetzt bin ich erstaunt und sage: "Ich sehe nichts anderes, als die vielen Wunden."

Ich weiß aber jetzt, daß unzählige Sünden hier vergeben sind durch Jesu hl. Wunden. Dann weise ich auf eine Tür, die in das Innere der Kirche führt. Man sagt mir, daß sie schon Jahrzehnte verschlossen sei. Ich sah sie in der Vision. Ich sah an dieser Tür einen unterirdischen Gang, der durch die Kirche rechts zu einem Altar führt, von dem ich nur das Unterteil sah. Ich sage auch, daß dort Heilige liegen. Man bestätigt mir meine Aussage. Dann stehe ich vor dem Hochaltar wie gebannt. Ich darf mich auf die Stufen des Altares knien. "Wie herrlich thronst Du hier, Göttlicher Salvator. Segne mich und die mich führen zu Dir. Du hast mein Herz erfreut. Laß mich diese Freude weitertragen in alle Herzen, Dir zum Lob und Dank."

Christus König, Gottes Sohn,
hier knien wir vor Deinem Thron.
Ich bitte Dich, so recht herzinniglich,
schenke allen den Glauben an Dich.
Laß uns hoffen, Erlöser der Welt,
daß Deine Liebe die Menschenherzen erhellt.

König der Leiden, König der Freuden,
König der Liebe, sei Licht uns hinnieden.
Sei Wegweiser den Verirrten,
daß sie Dich finden, den guten Hirten.
Und die solange waren Dir fern,
sei ihnen Retter, sei ihnen leuchtender Stern.

Schaue auf alle mit Deinem Gnadenblick,
laß wandeln die Kinder in der Unschuld Glück.
Gottgeweiht laß aufwachsen die Jugend
und schmücke sie mit dem Gewand der Tugend.
Fromm und stark mache Männer und Frauen,
daß mit Liebe sie helfen Dein Reich zu erbauen.

Die da stehen gebeugt an der Schwelle der Ewigkeit,
segne sie, schenk ihnen das Hochzeitskleid.
Du bist so gütig, bist so reich,
schenke Priester uns, den Engeln gleich.
Senke in ihre Herzen Deiner Liebe Glut,
die sie verzehrt für Dich, oh höchstes Gut.

König der Könige, König der Erde,
aus Deinem Mund ertöne das ewige 'Werde'.
Deine Segenshände breite aus über Feld und Flur,
weihe Haus und Hof, die ganze Natur.
Vereint laß Gebet und Arbeit sein,
Du schenkst die Gnade, Du bist das Gedeihn.

Salvator Mundi, die Heimat uns erhalt,
befreie uns bald aus Satans Gewalt.
Völkerkönig die Völker führe und leite,
ziehe voran mit Deinem Königsgeleite.
Auf daß bald die Friedensglocken erklingen,
und im Dank sich himmelnah schwingen.

Christus König, Herr der neuen Zeit,
in Nievenheim stehst du für alle bereit,
die Mühseligen und Beladenen zu erquicken,
die geknickten, gebrochenen Herzen zu beglücken.
Willst allen Freund und Berater sein,
Bruder und Arzt den Kranken sein.

Du machst wieder reich und froh die Armen,
den Hungrigen schenkst Du Dein Erbarmen.
Mit Liebe nimmst Du Dich der Verlassenen an,
führest die Verirrten auf die rechte Bahn.
Segnest, die Haß und Verfolgung leiden,
bist den Gerechten ein König der Freuden.

Wer zu Dir kommt am heiligen Ort,
lasse ihn ohne Deinen Frieden nicht fort.
Laß ihn gesunden an Seel' und Leib,
daß Dein Segen und Gnade bei ihm bleibt.
Salvator Mundi, wir beten Dich an,
zünde die Herzen an Deiner Königskerze an.

Jesus schenkt mir ein Lächeln von Seinem schönen Thron. Viel Schönes schaue ich. Das Reliquiar mit Reliquien von Bethlehem berührt mich, aber noch mehr berührt es mich, als Hochwürden mir eine Reliquie zeigt, von der ein wunderbares Licht ausgeht. Ich frage, was da von dem lieben Heiland drin sei. Erfreut sagt der gute Herr Pfarrer: "Jetzt weiß ich, das diese echt ist! Bei der großen Reliquie von Bethlehem erlebten sie nichts und diese hier ist in Licht gehüllt?" Ich darf meinen Ring an beide Reliquien anrühren.

 

Donnerstag, den 5. Juni 1947, Fronleichnam

Von heute ab bin ich im Pfarrhaus. Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Nun freust du dich, daß du in dem kleinen Königreich Deines Königs weilen darfst, kleine Braut. Von neuem werde Ich hier meinen Thron aufschlagen und Nievenheim segnen. Alle Nationen werden Mir huldigen, nach den Tagen der Trübsal." Groß und majestätisch sehe ich Jesus. Er ist nur Licht. Segnend entschwebt Er. Dann zieht Er verborgen unter der Brotgestalt durch die Gemeinde. Ich sehe die Schutzengel aller Teilnehmer der Prozession. Alle, die Kleinen, die am Weg stehen, durfte ich segnen und sie der Heiligsten Dreifaltigkeit weihen. Dann bin ich in der Muttergotteskapelle. Als Königin der Freude sehe ich sie. Ihr Gewand ist weiß. Es weist am Saum, Ärmel und Halsausschnitt breite Goldborten auf. In einem Goldgurt trägt sie den Rosenkranz der 7 Freuden. Sie trägt auch einen Schleier. Sie sagt: "Diese Kapelle soll in ein goldenes Haus umgewandelt werden. Ich bin das goldene Haus, das den König der Könige trug. Mein Gewand soll golden sein."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 6. Juni 1947

Freude umgibt mich. Ganz bin ich in Gott versenkt. Am Abend bin ich mit Schwester Anna im Gotteshaus. Meine Glieder werden schwer. Jesus naht und reicht mir den Leidenskelch. Sühne soll ich leisten diese Nacht für eine Besessene und für die kalten und lauen Christen im Ort. Der Leidensengel erscheint im dunkelgrünen Gewand.

 

Priestersamstag, den 7. Juni 1947

Die vergangene Nacht durfte ich die Leiden der Annagelung durchkosten. Um 6 Uhr früh liege ich noch mit Krampfzuständen an der Erde. Ich bitte um Kraft, daß ich zur hl. Messe gehen kann. Um 7 Uhr geht es. Ich kann kaum gehen. Alles tut weh. Viele Stellen am Körper sind blau und rot unterlaufen. Ob man mir helfen wollte und hat mich angefaßt? Heute ist der Tag für den Hochw. Herrn Pfarrer. Ich wollte nicht gleich an die Kommunionbank gehen. Dann merke ich, daß keine hl. Messe mehr ist. "Lieber Jesus, darf ich Dich heute nicht empfangen?" Jesus spricht: "Ich erprobte dich in der Liebe und in der Demut."

Schwester Anna bittet für mich und dann zieht Jesus in meine Seele ein. Jesus läßt mich Seinen Triumph in dieser Gemeinde schauen. Es ist Sein Wunsch, daß Sein hl. Bildnis in der Prozession getragen wird nach dieser bösen Zeit. Ich sehe Männer wie Herolde gekleidet, einen Triumphwagen, der wie ein Thron aussieht. Darauf steht das Königsbild des göttlichen Salvator Mundi. Die Muttergottes hat auch Wünsche. In ihrem goldenen Haus wünscht sie die 4 Fensternischen zu Altären gebaut. Links soll sein die Geburt Jesu und die Anbetung der Könige. Rechts wünscht sie die Kreuzigungsgruppe und Kreuzabnahme.

Der Heimweg ist so schwer, die Glieder sind wie ausgerenkt. Ich erfahre, daß der gute Pfarrer mir helfen wollte als ich litt. Das darf nicht sein. Ich muß leiden wie Jesus und darf in der Sühne nicht aufgehalten werden. Jesus sagt: "Du wolltest heim, aber das ließ ich nicht zu. Du bist mein Opfer und stirbst mehr und mehr."

 

Sonntag, den 8. Juni 1947

Nach der hl. Kommunion schenkt mir Jesus durch Maria die umsessene Seele. Nun kann ich mehr helfen. Der linke Seitenaltar fesselt mich. Verklärt erscheint der Auferstandene der hl. Jungfrau und dem hl. Josef. Jugendlich schön, wie ein Mädchen von 15 Jahren, schaut die hl. Jungfrau zum Auferstandenen auf. Mit gesenktem Blick kniet Josef auf seinem Stab gestützt. Sonderbar ist dieses Bild. Der hl. Josef hat die Auferstehung des Herrn doch nicht mehr erlebt. Maria war älter als 15 Jahre bei Jesu Auferstehung. Jesus erklärt: "Das Bild stellt eine Schauung von Maria und Josef dar. Sie, die Reinste, die Mich trug in ihres Herzens Schrein, sah Mich schon nach Meiner Auferstehung. So schaut sie verzückt auf zu Mir. Josef, der in Mein öffentliches Leben nicht hineinsah, ließ ich darum Meine Auferstehung schauen, um ihn zu erfreuen und zu stärken in seinem Glauben an Meine Gottheit. Als er Mich so sah, da senkt er beschämt sein Haupt, weil er Maria verlassen wollte, da er das Geheimnis Meiner Menschwerdung noch nicht kannte."

 

Montag, den 9. Juni 1947

Ich darf auch Opfer für diese Gemeinde sein. Ich bat den Vater in Jesu Namen. Da kommt es wie ein Hauchbild. Der Vater neigt sich. "Ich danke Dir Vater, wie bist Du schön!"

Die Muttergottes sagt mir heute: "Ich schmückte dich als Braut für Christus, deinem König. Als Seine Braut wirst du auch sterben."

 

Dienstag, den 10. Juni 1947

Ich möchte heute heim. Jesus sagt: "Du mußt noch bleiben. Es kommt Freude für dich!" Ich meine, er lächelt. St. Antonius sagt zu mir: "Sei unbesorgt, die Nachbarn helfen." Ich bat ihn um seine Hilfe. Nach der hl. Kommunion sehe ich den göttlichen Salvator wieder so nahe und schön. Er spricht: "Komm, Meine Geliebte! Ich führe dich zum Vater. Was du heute schaust an Herrlichkeit, das laß dein Geheimnis bleiben. Den Glanz der Gottheit kannst du noch nicht schauen, da würdest du sterben. Einen kleinen Teil darf die Seele kosten!"

Ich sehe ein Herz wie Licht. Ein feuriger Strahl geht davon aus und senkt sich in mein Herz. Ich fühle, es geschieht etwas in mir. Nun wird mein Herz nicht ruhen, bis es ruht im Herzen Gottes. Dann sehe ich viele mit Bündeln beladen, die wie Wanderer den Weg zu diesem Lichtherzen nehmen. Eine andere Schar sehe ich weit entfernt, die dient den Freuden der Welt. Ich höre eine Stimme: "Ich, der Ich bin, Ich mache alle frei, die Ich berufen habe für Mein Reich. Wenn ihr zum Vater kommt, braucht ihr nicht viel, nur ein liebendes Herz. Euer Vater ist reich und macht euch alle reich. Es ist besser, jetzt arm zu sein, um reich zu werden in Gott, als reich zu sein und erst arm zu werden durch den ewigen Tod!"

Der gute Pfarrer gab mir ein Buch zu lesen: "Das Reich des göttlichen Willens." Ich finde eigentlich nichts Neues darin. Ich stelle fest, daß ich mich schon eine Zeit in diesem Reich bewege. Für manche Dinge in meinem Leben fand ich nicht den rechten Sinn. Nun sehe ich klarer durch dieses Buch. In der Kapelle sagt mir die Muttergottes, daß sie in der Kapelle ein Deckengemälde wünscht: "Die Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit." Jesus spricht am Abend: "Die Großen und die Gelehrten verwarfen und verachteten Mein Bildnis und warfen es auf die Straße. Ich belohnte die Treuen der Kleinen und wies den Weg, wo Ich an der Stelle Meinen Königsthron aufrichten wollte. Bleiben sollen die alten Wallfahrtsgebete. Sie müssen geändert werden, wenn man Meinem Willen entspricht und die Fußfälle ändert, die nur auf Meinen Königsthron hinführen. Die Fußfälle sollen in der Kirche an den Pfeilern errichtet werden!"

Die mir offenbarten Fußfälle sind:
1.) Die Geburt Jesu. Der König ist geboren!
2.) Die Anbetung der Könige und Huldigung dem göttlichen Königskind.
3.) Die wunderbare Brotvermehrung. Sie wollten Ihn zum König machen, die Wundertäter.
4.) Der Einzug Jesu in Jerusalem als König.
5.) Vor Pilatus: "Bist Du ein König?" – Jesus: "Ja, Ich bin ein König!"
6.) Die Auferstehung Jesu. Der Herr über Leben und Tod, König des Lebens.
7.) Die Himmelfahrt. Der himmlische König besteigt Seinen Thron im Himmel als Gottmensch.

Ich darf einen Blick in das Grabgewölbe der Kirche tun. Johann Conrad Schlaun ist nicht unter den Toten. Er ist nicht immer in Münster geblieben, sondern nach Erfurt gegangen, wo er auch begraben ist. Ich zittere und bebe heute vor innerer Kälte. Nur im Heiligtum des Herrn verspüre ich nichts. Jesus sagt: "Bist du nicht Opfer dieser Gemeinde? Auch Ich friere schon lange hier durch die Kälte und Gleichgültigkeit der Menschen, durch ihre Lieblosigkeit." Auch die Muttergottes klagt: "Wie lange stehe ich schon hier und halte Ausschau. Kalt gehen die meisten ihres Weges!"

 

Mittwoch, den 11. Juni 1947

Den H. H. Pater B., der Glaubenswoche hält, liebt Jesus, denn ich sehe ihn in Licht eingehüllt auf der Kanzel. Der Herr zeigt mir zwei Seelen, die heute zu mir kommen. Sie sind mein Geschenk zum Herz-Jesu-Fest. Ich sehe auch ganz große Sünder, die den Weg in den Beichtstuhl finden. Ja, möchten viele sich den Frieden der Seele holen. Gern will ich für sie beten. Es ist Nachmittag. H. H. Herr Pfarrer kommt mit einem anderen Priester und sagt: "Dem müssen Sie helfen!" Nachdem ich allein mit dem fremden Priester bin, frage ich: "Hochwürden, wo fehlt es, wo kann ich helfen?"

Er liegt vor mir auf den Knien und sagt: "Segnen sie mich! Ich kann nicht mehr. Ich bin so schwermütig. Ich leitete 25 Jahre eine Pfarrei. Der Bischof muß mich jetzt entbinden. Ich kann der Herde nichts mehr sein!" Ich erwidere: "Das alles sagt ein Hirte einer kleinen unscheinbaren Frau. Ich kann Sie nicht segnen, wie Sie es denken. Sie haben die Segensgewalt. Sie werden mich jetzt segnen. Dann, wenn der Herr ihnen Erleuchtung gibt, wenn ich Sie segnen darf, werde ich es tun. Sie werden doch, wo Gott sie prüft, nicht einfach die Herde verlassen. Die halbe Menschheit ist wohl schwermütig. Weil Sie es auch sind, gestalten sie danach die Predigten und trösten Sie die Schwermütigen und Leidgeprüften. Ich werde beten und auch leiden für Sie. Es wird wieder gut werden. Sie werden Gott danken, daß sie Priester bleiben, denn zu Bauernarbeit, jetzt in dem Alter, sind Sie nicht mehr tauglich und nicht geschaffen." Ich tröstete diesen Kranken noch mehr. Auf einmal wurde er wieder froh. Er segnete mich. Dann legte er mir seine Stola um und sagte: "Ich übertrage Ihnen meine priesterliche Gewalt. Sie müssen mich segnen!" Ich erkannte es und tat es. Ich fügte hinzu: "Sie sollen von nun an ein Segen sein und bleiben!" Ich freute mich, einen Priester froh gemacht zu haben durch die Liebe Jesu.

Dann kam ein Bübchen zu mir. Es schlief in meinem Bett. Ich meinte, meinen Walter in ihm zu sehen. Ich segnete das Kind und bat Jesus, doch einen Priester aus ihm zu machen. Von Anfang an bemerkte ich, daß der H. H. Pater mich beobachtete. Ich richte es so ein, daß sich unsere Wege nicht kreuzen. Ich muß doch verborgen bleiben. Er hat sein Zimmer über dem meinen. So höre ich gut, wenn er geht und kommt. Ich merke aber, daß er etwas will. So bete ich um ein Zeichen. Sollte er aus sich bei mir anklopfen, dann würde ich ihn empfangen. Es ist abends halb 10 Uhr. Es klopft. Der Pater bittet um Einlaß. Ich bin ein wenig erstaunt, weil es schon spät ist, aber die Abendpredigt ist um 8 Uhr. Ich frage: "Was führt Sie in dieser Stunde noch zu mir?"

Er sagt: "Ich höre so manches da oben. Sprechen Sie immer mit dem lieben Gott?" Ich: "Am Tage sind es schon Personen, die zu mir kommen. In der Nacht, ja, dann spreche ich mit Gott. Bin ich so laut, daß Sie es hören? Stören wollte ich niemand!" Er: "Was tun sie so den ganzen Tag?" Ich: "Die Frage kann ich nicht ganz beantworten. Ich kann nicht über alles sprechen. Ich helfe, daß die Woche gut wird und schreibe. Was ich schreibe, ist nicht für jeden." Er: "Ich bin in der Bedrängnis. Ich weiß nicht, was ich morgen predigen soll!" Ich: "Sie armer Priester! Haben Sie den Heiligen Geist vergessen? Predigen sie aus der Zeit. Sie müssen die Seelen anziehen. Ihre Predigten waren bis jetzt gut. Ich könnte Ihnen ein Tagebuch geben. Da ist schon etwas, was nicht meine Worte sind. Jesus sprach sie nicht für mich allein." Er dankt und gibt mir Einblick in sein Priesterleben.

 

Donnerstag, den 12. Juni 1947

Am Montag führte der H. H. Herr Pfarrer eine Leidensseele zu mir. Sie ist 37 Jahre alt und fühlt sich ganz unglücklich. Seit 2 Jahren ist sie verheiratet, aber schon nach einem halben Jahr ist der Mann wieder fort von ihr und lebt mit einer anderen. Sie hat seit dem 14. Lebensjahr epileptische Anfälle gehabt, dann hörten sie auf. Sie war schon 35 Jahre geworden, die Anfälle kamen nicht mehr. Der behandelnde Arzt sagte, daß sie geheilt sei. Sie könne, wenn sie wolle, heiraten. Das tat sie. Sie hatte anderthalb Jahre eine glückliche Ehe. Dann plötzlich traten die Anfälle jeden Freitag mit großen Blutungen auf. Ihr Mann hatte zuerst Mitleid. Dann entsetzte er sich und sagte: "Mit solch einer Frau kann ich nicht zusammenleben." Er verließ sie. Sie klagt sich nun an, daß sie durch diese Anfälle den Mann vertrieben habe. Während ihrer Erzählung wird mir Einsicht gegeben, daß sie schon 23 Jahre die große Opferseele für Nievenheim ist. Sie trägt die Kreuzesleiden und die Dornenkrone. Ich sage zu ihr, daß es keine Anfälle sind, daß sie Jesu Leiden trägt und davon nicht mehr befreit wird. Sie habe keine Schuld, daß der Mann von ihr ging. Der Herr machte sie frei für sich. Nun ist sie glücklich. Sie sagt zu mir, daß sie schon oft den lieben Heiland, die Muttergottes und den hl. Franziskus sah. Sie hätte es nicht gewagt, jemandem zu erzählen. Ich segne sie und bitte Jesus, sie zu stärken in ihrem weiteren Opfer und sie zu erleuchten für seine Pläne. Heute ist der Tag für den hochw. Herrn Pater Böhmer. "Herr, gib ihm Feuer in seinen Worten, daß die Herzen in Liebe zu Dir entbrennen!"

Ich habe vor, nach der 2. hl. Messe heimzufahren. Nach der hl. Wandlung werden meine Glieder so schwer. Ich kann mich nicht erheben. Der Herr setzt mir die Dornenkrone auf für die Gemeinde. Er sagt: "Ich ließ es zu, es muß sein. Die Menschen müssen schon einmal etwas sehen, wenn sie es auch nicht gleich verstehen. Es wirkt aber nachher!"

In der 3. hl. Messe habe ich erst ein wenig Kraft, um zum Tisch des Herrn zu gehen. Auch für meine Priester durfte ich leiden, damit sie größere Gnaden erlangen.

Es ist 10 Uhr. Ich bin noch lahm, daß ich die Kirche noch nicht verlassen kann. Der hochwürdige Herr Pfarrer kommt und sagt: "Ich suchte sie schon. Der Herr Pater Böhmer will mit ihnen nach Knechtsteden fahren zur 'Schmerzensreichen'!" Ich erwidere: "Das läßt mein Zustand nicht zu." Kurze Zeit später kam eine kleine Kutsche vorgefahren. Man trug mich hinaus und dann ging es mit dem hochw. Herrn Pater Böhmer und Schwester Anna nach Knechtsteden. Bei der Schmerzensreichen lege ich alle Bitten nieder. Über dem Altar ist ein Bild der Apostel. Die treten einander auf die Füße. Herr Pater fragt mich, was das bedeute. Das weiß ich auch noch nicht, aber der hl. Petrus will es mir am Abend erklären. Vor dem Kloster sehe ich viele Leute.

Jesus sagt: "Segne sie und denke an sie!" Ich erfahre nun, daß die meisten sehr gottlos sind. Ich will an die denken, daß sie ihren Lebensabend in Gott beschließen. Am Altar des Heiligen Geistes bete ich besonders für den hochw. Herrn Pater. "Erleuchte ihn mit Deinem Licht, Heiliger Geist, besonders rüste ihn aus mit all Deinen Gaben. Schenke ihm von Deiner Macht, von Deinem Geist, damit er das rechte Wort findet, das die Herzen ergreift und sie hinführt zu Gott, der Quelle des Lichtes."

Auf der Heimfahrt fühle ich mich wohler. Die Kräfte kehren wieder zurück. Ich war ja bei der Mutter. Herr Pater meint: "Jetzt sehen Sie doch besser aus als auf der Hinfahrt." Der ganze Tag ist Freude. Ungezählte Seelen sehe ich in Jesu Herz. Schwindet ihre Kraft, so träufelt vom Gottesherzen das hl. Blut über sie und stärkt sie neu. Am Abend erklärt mir der hl. Petrus das Bild: "Wie wir einander immer auf die Füße getreten sind, das heißt, weil der eine sich vor dem anderen demütigte, darum ist unsere Glorie im Himmel sehr groß. Als der Herr unseren Streit schlichtete und uns durch ein Kind beschämte, da haben wir untereinander gewetteifert in der Demut."

 

Freitag, den 13. Juni 1947, Herz-Jesu-Fest

Ein Tag des Dankes ist er für alle Gnaden, Liebe, Freude, die mir hier zuteilwird. Ich verbinde den Dank mit der Bitte, daß viele in dieser Glaubenswoche heimfinden zu Gott. Ich werde hineingenommen in die Liebe der Heiligsten Dreifaltigkeit. Ich kann es nicht in Worte kleiden, wie Gott sich selbst liebt. Diese Liebe ist so groß, so schön, so zart, so edel und vollkommen, daß es nichts Schöneres gibt. Die drei göttlichen Personen gehen ganz in einem flutenden Licht auf. Wo finde ich Worte, das zu beschreiben? Es ist unaussprechlich. Gott ist auf unsere Liebe nicht angewiesen. Vor all der Größe und Schönheit bleibt stumm der Mund. Nur ein ewiges 'Heilig' möchte ich singen.

 

Samstag, den 14. Juni 1947

Es ist ein Leidenstag für den schwermütigen Priester. War bis 3 Uhr nachts auf. Da brachte mir der gute Herr Pastor gestern Abend ein Kissen, auf dem Reliquien liegen. Soldaten müssen sie 1945 liegengelassen haben. Das ist schon eine Probe. Ich vertraue auf Jesus. Er wird mir helfen. Von abends 6 Uhr bis Mitternacht betete ich zum hl. Antonius.

Da sagt er mir: "Ich sehe, daß die Reliquien auf einem blutigen Tuch liegen!" "Ja, mein lieber Antonius, da ist mir geholfen!" Nach einer weiteren Stunde sagt er: "Nimm einmal das Kissen auseinander!" Ich tue es. Es ist ein großes Tuch mit lauter aufgeklebten Leinenbildern, mit Antonius, Agathon, Franziskus, Johannes, Nepomuk, Ignatius von Loyola, Rochus, Maria die Büßerin und auf der Mitte ist ein Doppelkreuz. "Ja Antonius, da weiß ich noch lange nicht, was das für Reliquien auf der Vorderseite sind. Du wirst mir das andere auch noch sagen. Ich werde jetzt einen Rosenkranz beten." Um 2 Uhr sagt er: "Schaue einmal unter die Bilder!" Ich löse sie vorsichtig. Unter jedem Bild ist auch eine Reliquie von dem Heiligen. Das weiß ich, aber nicht, was auf der Außenseite auf dem Tuch ist.

Ich wende mich an den hl. Agathon.

Um 3 Uhr spricht er: "Das blutende Tuch ist von mir. Das andere findest du unter meinem Bild!" Da finde ich ein kleines Zettelchen. Darauf steht: "Dös san de heiligen Reliquien der Heiligen drei Könige. Sie sollen angewandt werde in größter Not und Gefahr, bei Ausbruch von Pest und Seuchen."

"Oh, tausend Dank, meine lieben Heiligen!" Ein Loblied sang ich noch und legte mich zur Ruhe. Ich fühle mit dem Priester all das Schwere, was ihn bedrückt. Sogar das Beten fällt mir schwer.

 

Sonntag, den 15. Juni 1947

Bis in der Frühe durfte ich leiden. Dann zieht Freude in mein Herz. Der gute Pater meint: "An Ihnen liegt es, daß heute der Schluß gut wird!" Was soll ich tun, als den Heiligen Geist zu bitten: "Komme herab mit Sturmesbrausen! Eine feurige Zunge lege auf das Haupt des Priesters. Seine Worte laß zu Feuer werden, das eindringt in die Herzen der Menschen."

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus besonders schön. Ich bitte Ihn um besonderen Segen für alle. Dann war im Pfarrhaus großer Festtag. Am Nachmittag bis zur Andacht weilte ich auf dem Bauernhof im Kreise der Familie Gruttorffer mit Schwester Anna. Alle waren gut zu mir. Um 5 Uhr war die Schlußandacht. Ich war auf der Orgelbühne und betete noch besonders zum Heiligen Geist für den hochw. Herrn Pater, für das rechte Wort. Ich fühlte die Macht. Ich sah sie herniedersteigen auf ihn, der dort stand und predigte. Ein Licht hüllt ihn ein. Er spricht wie einer, der Macht hat. Man lauscht, man hängt an seinen Lippen, ja man weint. Feuer sind alle seine Worte. "Oh Jesus, das Schönste fand ich, als er sprach, wie alle Namen von Anbeginn der Welt verblassen, verschwinden, sterben und vergessen werden; mögen sie noch so groß sein. Nur Dein Name ist ewig jung, stirbt nicht, geht nicht unter, lebt. Er lebt, Dein Name, bis zum Ende der Tage, bis in alle Ewigkeit." Jesus freute sich darüber und segnete Seinen Priester besonders.

Dann kam mir etwas seltsam vor. Vor 3 Tagen erschien mir Friedrich II. und bat um Gebet, weil er noch im Fegefeuer sei. Nun spricht Herr Pater von ihm und seiner Schuld, die ich nicht kannte. Es wundert mich, daß dieser Friedrich nicht in die Hölle kam. Ich will an ihn denken, daß er bald erlöst wird. Als Herr Pater im Hochamt die hl. Kommunion austeilte, sehe ich ein schwarzes Kreuz auf seiner Stirn. Das Kreuz geht mit ihm. Er ist ein Gezeichneter Christi, der im Kreuze siegen wird über die Herzen. Er wird aber ganz vom Heiligen Geiste erfüllt sein.

Bei der Salvatorprozession fühle ich eine besondere Freude und Segen. Jesus nimmt mich in Seine Freude, ich weile vor Seinem Königsthron. Engel huldigen Ihm. Maria erscheint mit den Bräuten Christi. Auch St. Michael kommt mit seinem Chor zu Huldigung. Rechts kommt Pius X. mit einer Schar Priester, die wunderbar singen. Sie tragen ein verdecktes Gefäß. Beim Öffnen entströmt ein wunderbarer Duft, wie Gold und Silber zieht es hin zum Königsthron. Mein hl. Engel sagt: "Sie bringen die Gebete und Opfer der Gemeinde zu Jesu Thron." Dann schwindet das Schöne all. Nur St. Michael ruft: "Christus siegt!" Nur Freude ist noch dieser Tag. Hier im Ort sprechen sie nur noch von der wunderbaren Predigt.

 

Montag, den 16. Juni 1947

Wir nehmen Abschied. Hochw. Herr Pater Böhmer ist noch bis ein Uhr bei mir. Er sagt: "Sie haben Recht behalten, als sie in Knechtsteden sagten, daß Sie beteten, daß mein Beichtstuhl nicht mehr leerstehen würde. Bis 11 und halb 12 nachts saß ich in den letzten Tagen im Beichtstuhl. Es kamen viele, die 20-30 Jahre Gott und der Kirche fern waren. Es kam auch eine Zahl, die ein heiligmäßiges Leben führen. Das sind meine Priesterfreuden." Wir sprachen noch über vieles. Am Schluß sagte ich: "Ich werde Sie nie vergessen! Im Gebet und Opfer bleiben wir vereint. Ich werde Ihnen darin nahe sein und verbunden, wie eine Mutter mit ihrem Kind." Noch einmal kniete ich am Hochaltar. Ich opferte Gott in voller Hingabe meinen Willen. Ich dankte für diese gnadenreiche Zeit. "Oh, mein Geliebter, göttlicher Salvator, segne den lieben, guten Pastor besonders und alle, die so gut zu mir waren. Für all die Leidtragenden bitte ich, besonders für die Vermißten." Auf meine Bitte antwortet Jesus: "Von Rußland kehrt fast niemand mehr heim! Ich brauche Opfer, die als Samen aufgehen für die Einheit der Kirche und für die Bekehrung Rußlands. Tränen werden noch viele fließen. Wehklagen wird man über die Vermißten und Gefangenen, aber Gott ist der Lenker allen Geschehens, der Herr über Leben und Tod." Jesus reichte mir nach der hl. Kommunion den Leidenskelch und spricht: "Von dieser Stunde forme Ich dich ganz zum Leidensopfer." "Dank, mein Jesus, Du mein Herzenskönig!"

 

Samstag, den 6. Juli 1947

Heute biete ich mich als Schlachtopfer an für Abbé Vachère. Der Vater nimmt an, ich aber bin noch nicht fähig dafür. So warte ich, was Gott will.

 

Donnerstag, den 31. Juli 1947

Der ganze Monat war Leidens- und Sühnemonat für die unreinen Sünden. Ein jeder Tag brachte andere Kreuzesleiden. Trost und Stärke brachte der hl. Engel.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 1. August 1947

Ein Licht erschreckt mich. Ich meine, es sei der hl. Josef. Ich höre: "Ich bin es, St. Paulus. Denke heute an jene, die unschuldig hingerichtet und gemartert werden!" Dann vernehme ich einen wunderbaren Rosenduft. Das ist die kleine Theresia vom Kinde Jesu.

 

Samstag, den 2. August 1947

Gestern war der Graf von Spee (Besitzer) auf der Marienburg. Es stand in Absicht, daß die Schwestern das Haus verlassen sollen. Ich gehe in die Kapelle und bete zur Muttergottes. Sie weist mich auf Jesus hin. Plötzlich erscheint ein großes Licht bei der linken Kreuzwegstation. Ich verstehe, aber mich bangt ein wenig vor dem Leiden der Annagelungen. Ich spreche mein 'Ja' zum Opfer. Das Licht ist fort. Ich weiß schon heute, daß durch mein Opfer die Schwestern bleiben.

 

Sonntag, den 3. August 1947

Schon länger als eine Woche verfolgt mich eine Fledermaus. Mein hl. Engel sagt heute: "Das ist Friedrich II. Er ist der Teufel, der in der Familie sitzt, der deine Töchter umgibt und deinen Mann umgarnt. Er folgte dir bis Nievenheim ins Heiligtum!" "Warum tat er das, warum ist er in der Familie?" Der Engel: "Die Seitenlinie deines Vaters weist im Stammbaum auf ihn zurück. Es ist ein Fluch, der in die Generationen geht." Ich: "Kann dieser Fluch nicht von den Familien genommen werden?" Der Engel: "Ja, durch vollkommenes Opfer und Sühne!" "Bitte, hl. Engel, daß ich das werde, um den Fluch zu nehmen, der auf allen lastet." Der hl. Engel: "Ich werde weiter bitten und Maria, unserer Königin, dein Angebot überbringen. Siehe, der Teufel hält sich auch gern in der Nähe des Beichtstuhles auf. Die Priester tun gut, oft die Eingänge des Beichtstuhles auszusegnen mit Weihwasser." Ich bete den Exorzismus.

 

Mittwoch, den 6. August 1947

Ich stehe betrachtend vor dem blutenden Herz-Jesu-Bild. Es wird leuchtend. Jesus spricht: "Schaue Mich an! Betrachte, wie weit Meine Liebe ging. Diese Liebe will Ich dich lehren. Ich werde dich formen, so wie du Mich siehst." "Herr, Dein Wille geschehe."

 

Dienstag, den 26. August 1947

Es erscheint der Bischof von Münster, Graf von Galen, Pius X., Benedikt XIV., St. Franziskus, Antonius und alle Priester, die in meinem Leben standen. Sie bezeichnen meine Stirn mit einem Kreuz und weihen alle meine Glieder. Nun bin ich ganz geweiht als Opfer für die Priester. "Herr, ich danke für die Gnade der Auserwählung!"

 

Freitag, den 29. August 1947

Ich sehe schreckliche Bilder. Ich sehe die Landesgrenzen nach allen Himmelsrichtungen besetzt. Ich sehe furchtbare Waffen, die noch nicht in Aktion gesetzt sind. Eine sieht aus wie ein Tintenfisch. Die Wirkung ist furchtbar. Die Fangarme sprühen Feuer nach allen Seiten. Andere Waffen sehen aus wie Bälle mit und ohne Schweif, wie Kometen. Wo sie hinfallen, ist totale Vernichtung. Ich sehe eckige Waffen; man legt sie in die Erde. Wie Feuer fressen sie sich weiter, vermehren sich, wühlen die Erde auf. Es ist furchtbar. Wieder andere färben das Wasser wie Blut. Ich sehe künstliche Nebelerzeugung. Durch die Einatmung werden die Menschen schwarz und gelähmt. Es ist ein furchtbarer Tod. "Herr, bewahre uns vor dem, was die dämonische Macht zur Ausführung bringen will und ersinnt!"

 

Herz-Jesu-Freitag, den 3. September 1947

Jesus reicht mir den Leidenskelch. Ich werde nun Opfergabe für die Schwestern auf der Marienburg.

 

Sonntag, den 3. September 1947

Meine Kraft schwindet sehr. Schmerzen durchbohren meinen Leib. Ich soll zum Arzt. So muß ich es tun.

 

Montag, den 4. September 1947

Mein Hausarzt überweist mich zum Frauenarzt. Es sieht bedenklich aus. Soll erst einige Wochen liegen. Dann will man weiter sehen, was zu machen wäre. Ich bitte Jesus, doch das, was da krank ist, an eine andere Stelle des Körpers zu leiten. Ich vertraue; er kann ja alles, der gute Seelenarzt.

 

Freitag, den 15. September 1947

Heute muß ich wieder liegen. Meine Angehörigen schimpfen, weil ich gestern aufstand und in die Kirche ging. Oh, meine Sehnsucht war so groß. Das wußte die Muttergottes wohl. Darum erflehte sie mir Kraft. Jetzt habe ich Jesus wieder empfangen. Nun habe ich auch größere Leidenskraft. Die Priester kommen doch so wenig zu den Kranken.

 

Donnerstag, den 28. September 1947

Heute ist Festtag der Seele. Wenn ich auch liege und leide und nicht die hl. Kommunion empfangen kann, ist Jesus doch bei mir und kehrt in Lichtgestalt in meine Seele ein. Heute kommt der Priester und bringt mir meinen Jesus in der kleinen weißen Hostie. Da liebe ich ihn so sehr in dieser kleinen Brotgestalt und empfange Ihn auch lieber so als in der Lichtgestalt. Kommt Er in Lichtgestalt, ist es für mich außergewöhnliche Gnade, so unverdient. Empfange ich Ihn der Brotgestalt, ist es immer Erfüllung seines Willens. Er will es doch, daß wir Ihn so empfangen, um das Leben zu haben. Nun ist sie da, die glückliche Stunde. Vereint ist die Seele mit Jesus. Nachdem ich eine Weile in Dank und Anbetung verharrt bin, fragt der Priester nach meiner Krankheit. Dann sagte er: "Bleiben Sie nur liegen und stehen Sie nicht auf." Ich erwidere: "Hochwürden, heute mußten Sie zu mir kommen. Ich kann auch nicht aufstehen. Wenn ich Jesus aber bitte und er tut es, bin ich morgen in der Kirche und könnten den anderen Tag wieder bettlägerig sein!" Der Priester schaut mich seltsam an, fast ungläubig. Ich bitte, als er gegangen ist, daß Jesus ihm Beweise meiner Worte gibt.

 

Sonntag, den 1. Oktober 1947

Leo XIII.: "Denke an mich und an die Rechtfertigung von Abbé Vachère!" Ich wundere mich, daß der große Papst um Gebet bittet. Mein hl. Engel sagt: "Es ist im Himmel, aber noch nicht auf den Platz, der für die Päpste bestimmt ist. Er wurde der große Leo genannt. Er tat viel, aber er war zu milde. Er durfte die Regel des hl. Franziskus nicht mildern. Er war ein Mildern der Sühne und Buße. Daraus entstand Verweltlichung. Das muß durch Sühne wiedergutgemacht werden." "So werde ich, hl. Engel, seiner gedenken."

 

Dienstag, den 3. Oktober 1947

Gestern bat ich die hl. Theresia, meine Freundin, mir Gnade zu erflehen, daß ich von meinem Krankenbett aufstehen kann, um in die Kirche zu gehen. Ich sehne mich so nach Jesus. Sie hat mich erhört. "Freue dich, meine Seele, du hast Festtag heute. Jesus kehrt ein. Dann habe ich alles." Heute werde ich den hl. Vater Franziskus bitten, daß er mir für morgen an seinem Festtag die gleiche Gnade erfleht. Er wird es tun.

 

Mittwoch, den 4. Oktober 1947

Franziskus hat mich auch erhört. Ich kann wieder hin zum Hause des Herrn. "Dank dir, hl. Vater. Oh, ihr Heiligen, auf euch kann ich mich verlassen!" Edith (Tochter) traf beim Einkaufen heute den Kaplan. Er fragt sie: "War die Mutter heute in der Kirche? Ich meine, ich hätte sie an der Kommunionbank gesehen. Die ist doch so schwer krank." Edith sagte ihm: "Die Mutter war gestern und heute in der Kirche. Das kennen wir schon von ihr. Wenn sie gehen kann, hält sie niemand auf. Es könnte sein, daß sie morgen wieder liegt." Das verstand er nicht.

 

Donnerstag, den 5. Oktober 1947

Habe mich gefreut und will um 5 Uhr aufstehen. Da bekomme ich einen Schmerz wie ein Messerstich durch das linke Bein. Ich versuche es noch einige Male, es geht nicht, kann auf dem Bein nicht stehen. Als ich nachschaue, entdecke ich einen Entzündungsherd und in der Mitte eine helle Blase, sie innen schwarz ist. Ich sehe es als eine Kleinigkeit an und kann nicht verstehen, daß ich so große Schmerzen habe und nicht stehen kann. Die Schmerzen im Leib sind verschwunden. Jesus hat mich erhört. Er hat das Krankheitsbild verlegt auf eine andere Stelle. Er ist doch so gut. Er weiß ja, daß die Untersuchungen so peinlich für mich sind.

 

Samstag, den 7. Oktober 1947

Mein Bein sieht böse aus. Die Schmerzen sind schon groß. Am Abend kommt der Arzt. Er sagt: "Es ist eine gefährliche Eiterblase. Sie dürfen nicht aufstehen!" Die Blase war schon so groß und so dick wie ein Gänseei geworden. Das sollte mit Kamille gebadet werden. Zweimal am Tag und dann mit Zugsalbe bestrichen werden. Als der Arzt die Untersuchung vornahm, ging das Licht aus. Sie nahmen das Versehkreuz mit den Kerzen und leuchteten damit.

 

Sonntag, den 8. Oktober 1947

Nichts hilft, keine Salbe, kein Bad. Ich schaue selbst einmal nach, weil ich es vor Schmerzen fast nicht aushalten kann. Ich öffne die Blase. Sonderbar, sie ist ganz mit Wasser gefüllt. Die Muttergottes sagt mir, ich soll die Salbe und die Bäder fortlassen und nur die Umschläge mit Weihwasser machen. Es sei ja Sühne. Ich tat so. Beim Verbinden kommt Mutter Anna Hilker zu Besuch. Sie legt mir noch eine wundertätige Medaille zwischen den Verband. Dann spüre ich wirklich Linderung.

 

Donnerstag, den 19. Oktober 1947

Ich schaue nach der Wunde. Was sehe ich! Die Blase ist wieder dick gefüllt, aber nicht mit Wasser, sondern mit Blut. Ich öffne sie wieder. Ganz schwarzes Blut quillt hervor. Jesus ist bei mir und sagt: "Wundere dich nicht. Du trägst Meine Kreuzesleiden. Dazu gehört ein Blutvergießen und auch das Wasser. Deine Wunden sind innerlich und bluten auch innerlich. So muß von Zeit zu Zeit das Blut auf andere Weise fortgehen." "Herr, das ist schön. Ich danke Dir, daß ich verborgen leiden darf!"

Am Nachmittag kommt Gabriele Schoeller. Sie sagt: "Ich bringe eine freudige Nachricht. Ihre Leiden haben geholfen. Die Schwestern (auf der Burg vom Grafen Spee) können bleiben und die Kapelle wird erweitert." Ja, da haben wir zusammen gedankt. Derweil haben mich drei Ärzte behandelt und werden nicht klug. Wer kann schon aus Sühne klug werden?

 

Donnerstag, den 26. Oktober 1947

Ich denke an den Grafen von Spee, der ja selbst auf der Burg wohnen wollte. Darum sollten die Schwestern fort. Ich weihe ihn der Muttergottes. In seinem Namen spreche ich: "Ich, Graf von Spee, verspreche dir, oh Maria, daß ich mich dir ganz ergebe. Ich will nicht nehmen, vielmehr geben und Freude bereiten." Die Muttergottes nahm alles an und segnete den Grafen. Mein Bein fängt an zu heilen. Dann kann ich bald aufstehen.

 

Sonntag, den 29. Oktober 1947, Christi Königsfest

Vor mir liegt ein Zukunftsbild.

1. Bild: Der hl. Johannes, der Evangelist, zeichnet ein Herz auf eine Tafel. Auf das Herz ein Kreuz. Das Herz ist geziert mit den Tränen der Muttergottes. Johannes küßt die Tränen. Diese verwandeln sich in goldene Perlen.

2. Bild: Der hl. Johannes zeichnet auf eine Tafel rechts ein Kreuz, links ein Schwert und in der Mitte einen Apfel. Den Apfel teilt er mit dem Schwert. Im Inneren ist er ganz schwarz und faul. Johannes wirft ihn auf den Boden und zerreibt ihn mit den Füßen. Dann zeichnet er an die Stelle des Apfels einen Ring, an dem sechs Schlingen befestigt sind. Das Bild verschwindet.

3. Bild: Der hl. Johannes zeichnet an Stelle der Schlingen ein himmelblaues Buch. Das Buch liegt offen. Im Buch steht geschrieben: Ave Maria! Auf dem Boden steht ein Waschkorb. Johannes dreht ihn um und klopft ihn aus. In den Waschkorb legt er das Buch, das jetzt geschlossen ist. Auf dem Deckel des Buches steht ebenfalls: Ave Maria! Darunter ist eine goldene Rose. Den Waschkorb mit dem Buch stellt Johannes zu den Füßen Mariens nieder.

Das Jesuskind kommt vom Arm der Mutter herunter, setzt sich in den Korb und blättert in dem Buch. Die ersten 13 Blätter zeigen je 3 schwarze Kreuze. Dann die folgenden Blätter zeigen je 4 schwarze Kreuze. Die letzten 13 Blätter zeigen je ein zerrissenes Herz. Von Zeit zu Zeit schaut das Jesuskind zur Mutter hinauf und zeigt ihr die Buchseite.

Im Anfang des Buches ist eine Karte von Deutschland. Bayern und Württemberg sind stark abgegrenzt. In der Gegend von Köln aus, zieht sich ein dicker, schwarzer Strick quer durch Norddeutschland bis zu polnischen Grenze. Die Stadt München ist auf der Karte besonders angegeben. Während andere Städte nicht eingezeichnet sind. Die tschechische Grenze ist durch einen dicken, schwarzen Strick gekennzeichnet. Die Fläche von Bayern ist gekennzeichnet durch das Bild der Bavaria. Ungefähr in der Mitte Württembergs ist eine große Hostie, von der Strahlen über das Land ausgehen.

Das Jesuskind reißt die Blätter aus dem Buch. Die 13 Blätter mit einem Kreuz verteilt es über Bayern. Die 13 Blätter mit je 2 Kreuzen verteilt es über München und über das Grenzgebiet gegen die Tschechoslowakei hin. Die Blätter mit den 3 Kreuzen kommen auf Baden, Hessen und Württemberg. Die Blätter mit den 4 Kreuzen kommen auf Norddeutschland und die Pfalz. Das Kreuz, das Johannes auf die Tafel zeichnete, legt das Jesuskind so über Deutschland, daß nur ein kleiner Querbalken hineinzieht nach Nordostbayern. Das Schwert kommt in die Gegend von Westfalen. Dann nimmt das Jesuskind den Apfel und zerbröckelt ihn über dem Norden und der Pfalz. Das Herz mit dem Kreuz und den Tränen der Muttergottes nimmt das Jesuskind und legt es auf das Landgebiet Bayerns. Den Ring mit den sechs Schlingen, die bis nach Württemberg und Baden hinüberreichen, hält die Muttergottes. Sie steht so, daß ihr Kopf im Norden des Bayernlandes ist, die Füße aber an der Südgrenze stehen.

Das Jesuskind trägt ein rotes Mäntelchen. Es zieht dieses aus und breitet es über Württemberg. Dann zieht es seine Sandalen aus und stellt sie in die Gegend von Baden. Es legt sich dann selbst an die Grenze zwischen dem Süden und dem Norden, in Westrichtung. Zuerst schaut es nach Norden, dann dreht es sich in einer raschen Wendung wie entsetzt um und wendet den Blick gegen Süden. Dann ist das ganze Bild fort.

Bedeutung: Von Rußland wird sich ein Riesenherr über Norddeutschland ergießen. Im Westen findet die letzte große Schlacht statt. Das russische Heer wird bis auf ein kleines Häuflein zusammenschrumpfen. Siegreich wird Otto mit seine Getreuen vordringen und sowohl das Riesenheer der Russen, als auch die, die dem Herrn ein Greuel sind, vernichten. St. Michael wird den Schild vor Otto halten. Die Kraft Gottes ist mit den Streitern. Die Tschechen werden von Passau und Fürth her in einige Grenzorte eindringen und einen Teil Nordbayerns und der Oberpfalz besetzen. Das Gebiet Württembergs wird Österreich besetzt halten. Maria ist die Kirche. Jede reine Seele im Gnadenstand ist eine Marienseele. Alle Ordensschwestern tragen ja gleichzeitig noch den Namen 'Maria'.

Die Marienseelen Deutschlands sollen über die Zukunft unterrichtet werden. Christus wird sie unterrichten. Das Kreuz bedeutet Leid. So sind 2, 3 und 4 Kreuze, doppeltes, dreifaches und vierfaches Leid. Zerrissene Herzen bedeuten Krieg und Tod. Der Apfel ist eine Scheinfrucht. Das protestantische Christentum ist nur außen schön, innerlich aber faul und morsch. Die Linie von Köln aus bis zu polnischen Grenze bezeichnet die Religionsgrenze in Deutschland. Der Norden ist überwiegend protestantisch (heidnisch). Der Süden ist vorwiegend katholisch. Das Buch ist das Symbol der Propheten. Der hl. Johannes ist das Symbol der reinen Gottesliebe.

Für Deutschland besonders: Auf Grund eines inneren Zwistes in Deutschland (Berlin), kann es zu einer Revolution kommen. Die spezifisch katholischen Teile Deutschlands werden besser wegkommen als die anderen. Kommt keine Revolution, bricht der Krieg mit Heftigkeit aus. Es muß so kommen, sonst würde das katholische Rheinland verwüstet werden. Die ersten Bomben von München sind der mächtige Gongschlag für das beginnende Weltdrama. Die leuchtende Hostie über Württemberg gilt für Weingarten, weil dort die Heilig-Blut-Reliquie seit einigen Jahrhunderten verehrt wird. In Hausen, einem Dorf in Württemberg, erschien öfter die Muttergottes und teilte mit, daß Hausen das deutsche Lourdes wird.

Die sechs Schlingen sind Gnadenorte und die begnadeten Seelen, die besonders eng mit der Muttergottes verbunden sind. Man soll nachdenken über alles, beten und sühnen, denn schwer werden die Leiden und Heimsuchungen in unserem Vaterland. Eine Wehe ist kaum vorüber, da folgt noch größer und arger das Zweite, wenn man glaubt, ganz sicher, sorglos und in Freuden leben zu können.

 

Mittwoch, den 1. November 1947, Allerheiligen

Nun bin ich wieder hergestellt. Nur ein dunkler Fleck wird an dem Bein bleiben und zeugen von der Größe dieser gefährlichen Blase. Dieser Tag ist Danktag für alle Gnaden. Mit allen Engeln und Heiligen, besonders mit Maria, sei dem Herrn Lob und Dank gesagt.

 

Mittwoch, den 8. November 1947

Es ist Wahrheit geworden. Der Herr schickt mir Besessene und Umsessene seit Tagen. Ich staune darüber, woher sie wissen, wo ich wohne und warum sie kommen. Es sind meistens Fälle der Vergehen gegen das 5., 6. und 9. Gebot. So stelle ich schon mal die Frage nach dem Warum? Ich höre nur das gleiche: "Wir wurden gerufen, wir wurden nach hierhin geschickt!" Heute ist es ein besonders schwerer Fall. Zwei Begleitpersonen bringen eine Frau zu mir. Da sitzt eine Frau leichenblaß mit verstörten Zügen. Den Blick von unten herauf auf mich gerichtet sagt sie: "Du kannst mir auch nicht helfen. Ich komme doch in die Hölle. Was zwei Priester nicht fertiggebracht haben, das bringst Du auch nicht fertig!" Ich erwidere: "Wer sagt denn, daß Du in die Hölle kommst? Die drin sind haben es so gewollt. Du aber stehst noch in der Zeit des Wirkens. Dir kann noch alle Schuld vergeben werden, mag sie rot wie Scharlach und zahlreich wie der Sand am Meer sein." Sie darauf: "Ich habe soviel gesündigt, für mich gibt es keine Verzeihung mehr." Ich rede mit aller Güte und Liebe auf sie ein. Sie läßt sich bewegen, mit den beiden anderen auf mein Zimmer zu gehen und dort zu beten. Das haben wir ganz innig für die Verirrte getan. Es wurde mir gegeben, daß ich sie über Nacht bei mir halten sollte. Die beiden anderen schickte ich heim. Katharina blieb bei mir. Sie sagte: "Hast Du kein Angst, den Teufel zu beherbergen? Ja, ich bin der Teufel!" Ich darauf: "Du bist kein Teufel, sondern ein Ebenbild Gottes, das in die Irre ging. Deine Seele wird wieder ganz schön, und dann kommt die Freunde in dein Herz." Sie: "Ich habe schon zwanzig Jahre nicht schlafen können, ich werde auch bei Dir nicht schlafen. Ich habe nur meinen guten Mann gequält. Ich taugte schon vor der Ehe nicht. Ich dachte, wenn ich heirate, wird das besser, aber es wurde schlimmer. Sieben Monate hatten sie mich in der Irrenanstalt. Ich war aber nicht irre. Das merkten sie auch und sagten: "Hier können wir nicht helfen, das kann nur ein Priester." Dann wurde ich wieder entlassen. Ich werde Dir alle meine Sünden erzählen. Dann wirst Du nicht mehr gut von mir denken." Ich: "Wenn es Dein Herz erleichtert, magst Du es tun, aber Du brauchst es nicht. Ich helfe Dir auch so und bete für Dich!"

In unserer ganzen Unterhaltung hinein bete ich zeitweise den Exorzismus. Sie erzählt mir nun eine Lebensgeschichte von Verführungen, Verirrungen, großer Schuld und Sünde. Dann sagte sie: "Was sagst Du jetzt? Ich bin überall verschrien und bekannt als Sünderin." Ich: "Das war Maria Magdalena auch. Als aber der Gnadenblick Jesu sie traf, war es um sie geschehen. Sie bereute, sie beweinte und liebte Jesus von dieser Gnadenstunde so, daß Jesus sagte: 'Ihr ist viel vergeben worden, weil sie viel geliebt hat.' Tue Du heute an diesem, Deinem Gnadentag das gleiche, so wird auch Dir diese Liebe widerfahren."

Sie ging in sich und betet mit mir. Ich bot ihr mein kleines Bett an. Sie sagt: "Wo schläfst Du?" Ich: "Ich werde wachen und beten für Dich!" Sie hielt keine Ruhe, bis ich zwei Stühle am Bett ansetzte, um neben ihr zu liegen. Dann sagt sie: "Ich kann mich nicht ausziehen. Ich habe keine Wäsche an, nur das Kleid und den Mantel." Das Kleid war eine dünnes, zerrissenes Sommerkleid, ebenso der Mantel. Es war doch schon kalt am 8. November. Ihr Haar war auf der rechten Seite ausgerauft und auf der linken Seite stand es hoch wie ein Haarbesen. Ich sagte nun: "Ich weiß, daß Du Wäsche und Kleider hast. Warum kommst Du in solch einem Aufzug? Kommst Du noch einmal zu mir, will ich Dich in sauberer Wäsche und Kleidung sehen, ebenso wirst Du Dein Haar ordnen. Der liebe Gott, unser Schöpfer und Vater, ist auch ein Gott der Schönheit und Ordnung. So verlangt er auch von Seinen Geschöpfen Schönheit und Ordnung für sich, nicht übertrieben was Hoffart oder Gefallsucht wäre. Ich glaube, Du hast mich verstanden. Ich gebe Dir jetzt Wäsche und ein Nachthemd von mir. Ich schaue zum Fenster hinaus, damit Du Dich entkleidest." Sie tat es. Nach dem Abendgebet war sie schnell und tief eingeschlafen. Ich erhob mich wieder, segnete sie und betete. Sie schlief durch bis nachts um 3 Uhr. Da sagte sie: "Das ist das erstemal in 20 Jahre, daß ich so gut geschlafen habe. So ruhig bin ich auch." Ich darauf: "Ich sagte Dir doch, daß Du schlafen würdest. Du kannst es noch ein paar Stunden. Dann gehst Du mit mir in die hl. Messe und bereitest Dich auf eine gute Beichte vor. Was Du mir gesagt hast, das kannst Du auch dem Priester sagen. Er wird Dich ebenso verstehen, wie ich. Dann wirst Du ganz ruhig und der Friede Gottes kehrt in Deine Seele ein."

 

Donnerstag, den 9. November 1947

Mit Katharina bin ich auf dem Weg zur Kirche. Sie sieht schon ganz anders aus. Der dämonische Blick ist fort. Die Wangen sind ein wenig gerötet. Sie sieht so schön aus. Wie wird der Mann sich freuen, wenn seine Frau so anders heimkommt. Katharina ist sehr andächtig bei der hl. Messe. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich schon ab und zu einen Blick auf sie werfe. Jesus schenkt mir die Seele bei der hl. Wandlung. Nun weiß ich, daß auch sie gewandelt wird. Auf dem Heimweg spricht Katharina schon vom Glück und innerer Freude. Bis nachmittags 5 Uhr ist sie noch bei mir. Dann fährt sie heim, froh mit einem Lächeln auf den Zügen. Ich sage: "Sage nicht, wo Du warst, denn ich bin nur ein kleines Werkzeug in Gottes Hand. Deinem Mann kannst Du es sagen. Er wird ja schweigen!"

 

Samstag, den 11. November 1947

Ich erhalte Nachricht von Katharina, daß sie von mir aus zum Michaelsberg fuhr und dort eine gute Beichte ablegte. Nun sei sie ganz glücklich. Ihr Mann habe gesagt als sie heimkam: "Wo warst Du? Wer hat das Wunder an Dir vollbracht?" Nun wären alle in der Familie so froh und glücklich.

Ja, ich freue mich, daß diese Seele den Frieden und das Glück fand. Ich darf das Opfer sein, dem mehr und mehr der Friede in der Familie genommen wird. Wie eine Verbannte bin ich im eigenen Hause. Gott will es so. Mag er mich formen ganz nach seinem Willen. Sein Wille ist der meine.

 

Montag, den 13. November 1947

Erscheinung in Fatima! Oft schaue ich sie, so halb sich aus den Wolken neigend. Sie spricht: "Mir tut es so weh, daß Deutschland so schwer annimmt! Dein Kind Inge hat in ihrer Bedrängnis mir versprochen, Schwester zu werden (Nonne). Sie ist aber für die Ehe berufen. Bete weiter für die, die umsessen ist, durch ihren Vater."

 

Montag, den 27. November 1947

Katharina kommt mit der lieben Seele Luise Koch zu mir. Wir danken und loben Gott, der soviel Gnade erwies. Die beiden bleiben über Nacht bei mir. Es war ein Tag der Freude. Katharina geht seit ihrem Gnadentag jeden Tag in die hl. Messe und zur hl. Kommunion. Frau Koch erzählt mir, das wäre dem Herrn Pfarrer aufgefallen, weil Katharina als öffentliche Sünderin bekannt war. Da hätten sie ihm gesagt, wo Katharina war. Er wollte mich kennenlernen. Ich sage: "Ich habe nichts getan. Das tat Gott mit seiner Gnade; wenn ich auch ein wenig helfen durfte, so bin ich doch ein Nichts. Ich muß verborgen bleiben und darf in keinem Licht sehen. Ich überlasse alles Gott und seinen Anordnungen."

 

Dienstag, den 28. November 1947

Mit Katharina bin ich auf dem Weg zu Kirche und mit Luise. Es ist schon halb 7 Uhr früh, als wir das Haus verlassen. Da sehe ich nordwestlich am Himmel ein seltsames Licht. Ich will mich aber erst überzeugen, ob es der Mond sein könnte, aber diese Himmelsrichtung scheint nicht zutreffend. Wir sind auf der Landstraße, da sehe ich den Mond. Das andere Licht wird größer, eine gewaltige, leuchtende Kugel, die sich dreht. Ich zeige hin und frage meine Begleiterinnen, ob sie das sehen. Hocherfreut bestätigen sie, was auch ich sehe. Dann ruft Luise: "Schaut mal, da ist ein Zeichen in der Kugel!" Wir bleiben stehen. Ein großes, leuchtendes, weißes 'S' steht in der goldenen Kugel. Das 'S' verschwindet. Es zeigt sich ein dunkler Grund, auf dem ein Kelch steht. Dieses Zeichen verschwindet auch. Es zeigt sich ein großes, goldenes Herz, das in sich kleiner wird, bis alles verschwunden ist.

Nach der hl. Kommunion steht die Muttergottes bei mir, so wie sie in Fatima erschien. Sie trägt keine Blumen im Schleier, sondern leuchtend goldene Rosen. Sie spricht: "Mein Kind, ich erkläre dir am Abend, was ihr geschaut habt. Ich bin mit euch und mit allen, die heute zu dir kommen. Schließt einen hl. Bund, den ich segne. Ich habe Großes vor. Verzaget nicht. Ich werde Deutschland retten. Vertraut mir! Dieser Tag ist der Anfang. Haltet ihn als Gedenktag."

Am Nachmittag kamen noch acht Personen. Weil es der Beerdigungstag meines verstorbenen Seelenführers ist, bitte ich alle, daß wir heute an Herrn Pater Wigbert besonders denken wollen. Das haben wir getan. Die Freude war groß, als ich erzählte, was die Muttergottes mir gesagt hatte. Wir schlossen den hl. Liebesbund. Unter den Anwesenden war ein Heinrich Mühlens. Eine Frau Gippert sagt zu mir: "Für den können sie mal besonders beten. Der will Priester werden." Ich wende mich zu ihm und sage: "Sie sind wohl Spätberufener, denn sie haben doch schon ein gewisses Alter?"

Er sagt: "Ja, ich gehe in einen beschaulichen Orden."

Ich: "So werde ich sie in die Zahl der Priester aufnehmen und jeden Samstag ihrer besonders gedenken." Dann sehe ich einen Trauring an seiner Hand. Ich frage: "Sind Sie verheiratet?"

Er: "Ja, seit 3 Jahren."

Ich: "Dann können Sie doch nicht Priester werden?"

Er: "Mit meiner Frau bin ich einig. Ich werde Priester und sie geht zu den Ursulinen. Augenblicklich liegt sie in Oberkassel im Krankenhaus."

Ich: "Ich verstehe nicht. Nach 3 Jahren wollen Sie die Ehe wieder lösen? Ist Ihnen der Priestergedanke nicht eher gekommen? Ihre Ehe muß doch im dem Fall von Rom gelöst werden."

Er spricht bestimmend, aber Zweifel sind in mir. Was hat die Muttergottes vor? Er ist doch eingereiht in den Liebesbund.

Abends 8 Uhr. Ich bin wieder allein. Die Muttergottes ist wieder bei mir und sagt: "Mein Kind, jetzt verstehst du das Große noch nicht, aber mit der Zeit. Die Kugel, die ihr saht ist mein Zeichen von Fatima. Das 'S' in der Kugel bedeutet Segen. Der Kelch auf dunklem Grund bedeutet: Dunkelheit beherrscht die Völker und umgibt euch. Durch den Kelch der Leiden kommt ihr durch mich zur wahren Freude und zum Licht. Das ist mein Mutterherz, das schlägt für alle Völker und Nationen, besonders für meine treuen Kinder. Aus Liebe habe ich euch in mein Herz geschlossen. Bleibet vereint in dieser meiner Liebe. Seid treu und gebet Gott in allem die Ehre. Ich komme wieder am Feste der unschuldigen Kinder."

 

Sonntag, den 3. Dezember 1947

Einige Besucher von Siegburg beschweren sich über Heinrich Mühlens. Er sammelt Meßgelder ein, die er angeblich nach Düsseldorf zu den Karthäusern bringt. Er hält Nachtstunden bei alleinstehenden Jungfrauen oder Witwen. Er kommt stets mit zwei leeren Koffern. Mitnehmen tut er sie gefüllt, alles für seine kranke Frau. Er scheint demnach nicht zu arbeiten, sondern sich zu stützen auf die Mildtätigkeit frommer Seelen. Man klagt auch, daß er soviel essen würde. Ich rate, ihm darin ein Maß zu setzten und die Nachstunden zu unterlassen, weil die nur ein schlechtes Licht auf die Jungfrauen oder Witwen werfen, wenn ein frommer Mann morgens ihre Wohnungen verläßt. Er geht jeden Morgen in die hl. Messe und zur hl. Kommunion. Ich finde den Einklang nicht in dieser Art von Lebenshaltung und gewisser Frömmigkeit. Ich muß hier besonders um Erleuchtung beten.

 

Freitag, den 8. Dezember 1947, Maria Empfängnis

Ich bin auf der Marienburg zum Einkehrtag. Verschiedene sind in Aufregung über Heinrich Mühlens. Er wollte früh in Siegburg sein. Man hat ihm 30 Mark für hl. Messen gegeben. Er wollte den Einkehrtag mitmachen. Um 3 Uhr kommt er eilig in die Kapelle hinein und macht gleich die Hingabe an die Muttergottes. Nach der Andacht stelle ich ihn zu Rede, weil man vermutet, daß er das Geld anderswie brauchte.

Er sagt: "Ich bin gegen 7 Uhr nach Düsseldorf gefahren und habe das Geld zu den Karthäusern gebracht. Dann bin ich dort in der hl. Messe gewesen und wieder umgefahren. So konnte ich nicht eher hier sein." Ich sagte: "Das ist alles gelogen. Ich weiß, wie lange der Zug fährt, weil ich die Strecke kenne. Das Kloster ist auch noch weiter heraus. So konnten Sie um drei Uhr überhaupt noch nicht hier sein. Mit diese Lügen auf der Seele weihen sie sich der Muttergottes?" Er hielt sich nicht mehr auf, hatte keine Zeit mehr. Ich bete nun vor dem Tabernakel: "Herr, gib mir Klarheit!" Ich betet auch nicht mehr am Samstag für ihn. Ich komme ihm nicht näher. Ich werde ihn einreihen in die Zahl der großen Sünder, für die ich jeden Donnerstag bete und opfere.

 

Mittwoch, den 13. Dezember 1947

Ein seltsames Erlebnis habe ich. Ich sitze und ruhe ein wenig aus am Nachmittag. Auf einmal habe ich ein Kaninchen an meiner Seite. Es schmeichelt um mich herum. Dann ist es fort. Da springt ein Löwe mich an und setzt mir seine Pranken auf die Brust. Ich schreie auf: "Oh, mein Jesus, was ist das? Welcher Teufel umgibt mich?" Jesus ist bei mir und sagt: "Du siehst in den Tieren die Natur jenes Menschen, für den du betest. Er gibt sich harmlos wie ein Kaninchen, ist aber gewalttätig wie ein Löwe." "Ich danke dir, oh Jesus. Du wirst mit mir sein. Das ist ja ein Besessener!"

 

Donnerstag, den 14. Dezember 1947

Als letzte verlasse ich die Kirche nach der hl. Messe. In der letzten Bank kniet ein Mann, der sein Gesicht in die Hände vergraben hat. Ich empfinde, daß er nicht betet, sondern mich beobachtet. Er ist anders gekleidet und zwei Koffer stehen neben der Bank. Ich gehe zum Grabe meines Beichtvaters und Vaters. Ich gehe auf ihn zu, denn ich habe Heinrich Mühlens erkannt. Ich begrüße ihn und frage, was ihn so früh nach Oberpleis trieb und warum er käme und welche Interessen er hätte, an diesem Grabe zu stehen. Da sagte er: "Ich kannte diesen Priester. Er war doch in Köln in St. Peter. Er war auch mein Beichtvater. Ich komme so früh, weil ich die ganze Nacht keine Ruhe fand."

Ich: "Dann will ich Ihnen sagen, daß ich das erbeten habe. Ich reihte Sie in die Zahl der großen Sünder ein und Sie haben darauf reagiert. Man bezweifelt, daß Sie eine Frau haben, man vermutet, daß Sie die Meßgelder unterschlagen haben, daß Sie nur so von der Güte und Milde guter Seelen leben, daß Sie ein Lügner und Betrüger sind. So fordere ich von Ihnen Beweise, daß alles geklärt wird, oder es gereicht Ihnen zum Verhängnis!"

Er bat, mit mir heimzugehen. Dann zeigte er mir das Bild seiner Frau. Sie machte so einen guten Eindruck. Er wies sich aus, wo er wohnte. Ich schrieb mir das auf. Er war evakuiert. Er legte mir ablehnende Briefe vor, wo er um Hilfe bat und einen großen Teil Segensbriefe von Bischöfen. Es war alles so einwandfrei, daß ich vor Rätseln stand. Er triumphierte, weil alles in Ordnung sei und sagte, daß seine Frau von Oberkassel in eine Klinik in Bonn überführt sei. Ich aber wurde ein bedrückendes Gefühl nicht los, weil Jesus mir seine Natur gezeigt hatte. Er spielte wohl jetzt das harmlose Kaninchen bei mir. Mein Plan war gesetzt. An Hand der Belege, die ich aufzeichnete, von dem was er mir vorlegte, wollte ich ihm auf die Spur kommen. Ich gab ihm zu essen, aber er war mäßig. Seine Koffer füllte ich nicht. Das konnte ich auch nicht.

 

Samstag, den 23. Dezember 1947

Nach der hl. Messe sehe ich etwas Seltsames rechts von der Kommunionbank. Ich sehe den Tod. Das sind Strahlen, so dunkel, die vom höchsten Leben ausgehen. Wen sie treffen, ist ein Kind des Todes. Der Todesengel wird auch sichtbar. Dabei steht Pater Wigbert, mein verstorbener Seelenführer. Der Todesengel trägt zwei Lichter, ein großes und ein kleineres. Pater Wigbert bittet, daß ich mich opfere für den Heiligen Vater, der so sehr krank ist. Ich tue es. In dem Augenblick wechselt der Todesengel die Lichter. Ich freue mich, daß ich dem Heiligen Vater noch Jahre meines Lebens schenken durfte. So glaube ich nun, daß er wieder gesund wird.

 

Freitag, den 26. Dezember 1947, 2. Weihnachtstag

St. Stephanus erscheint nach der hl. Kommunion. Er zeigt mir viele Priester, die noch als Märtyrer ihr Leben für Jesus lassen müssen. Er sagt: "Betet viel für die Priester! Betet für den Heiligen Vater! Was angekündigt ist, das geht der Erfüllung entgegen. Noch eine kleine Zeit, dann steigt ein großes Geschrei zum Himmel, ob des großen Strafgerichtes, das über die Erde kommt. Das Blut der Unschuld ruft zum Vater. Wehe allen, die Ärgernis gaben! Über Nacht bricht herein das Gottesgericht. Betet ohne Unterlaß, wenn ihr die Wasser steigen sehet, wenn die Stürme wie Orkane brausen. Wisset, es ist nahe die Zeit, da der Weizen gesiebt wird. Der Himmel wird sich öffnen und es werden vor Angst die Gottlosen vergehen. Habt Vertrauen, all ihr Gerechten des Herrn, euer Vater vergißt euch nicht."

 

Samstag, den 27. Dezember 1947

St. Johannes weilt bei mir. Von dem großen Geheimnis spricht er, das ihn umgibt: "Was grübelst du, Schwester, über die Worte: Ich will, daß er so bleibe, bis ich wiederkomme!"

"Ja, lieber Bruder Johannes, diese Worte bergen ein Geheimnis!"

Er antwortet: "So wisse, daß auch ich die Gnade hatte, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen zu werden. So bin ich geblieben wie ich war und werde Jesus vorangehen, wenn er wiederkommt. Vor seinem öffentlichen Leben ging der Täufer voraus und kündigte Ihn an. Bei seiner Wiederkunft werde ich, der Künder seiner Gottheit, vorangehen. Büßet und bereitet euch vor, bald wird sein die Herrlichkeit des Lammes. Nun will ich dir das Gesicht erklären, daß dein kleiner Walter am 13. Oktober 1947 morgens sah, als der Tag anbrach. Die Kugel ist die Erde. Sie mag sich drehen, wie sie will, sie trägt überall mein Gesicht. Die ganze Erde steht im Zeichen der letzten Dinge, die ich schauen durfte. Ein anderes Gesicht erhält sie nicht mehr. Die Strahlen haben die Bedeutung: Nachdem sich alles erfüllt hat, wird die Erde neu. Die strahlende Schönheit der Gottheit wird die Erde zu einer Sonne machen. Ewiger Frühling, ewige Freude wird sein und ich, Johannes, der es sagt, wird der Bruder aller Brüder und Schwestern sein. So rufe ich euch heute wieder zu: Kindlein, liebet einander! Liebet und freut euch im Herrn! Ich werde für alle bitten, die meinem Herrn, unseren lieben Heiland, Jesus Christus, die Treue bewahren. Achtet der Zeichen im kommenden Jahr. Es wird viele geben, zu Festigung der Guten und Getreuen und zum Schrecken der Frevler, der Gotteslästerer und derer, die sündigen wider dem Heiligen Geist!"

Ich gebe nun das Bild vom 13. Oktober 1947 wieder: Mein Walter ist nun 11 Jahre alt. Seit dem 15. September bin ich bettlägerig. In betreffender Nacht bin ich ganz mit Jesus vereint gewesen und habe wohl in den Morgenstunden ein wenig geschlummert. Als ich erwache, da fragt Walter mich: "Sag doch mal, Mama, was war das für eine Kugel, die heute vor deinem Bett lag?" Ich bin ganz erstaunt und sage: "Kugel, Kugel, was meinst du damit, Kind? Das Kind erzählt nun: "Ich wurde wach, aber es war noch dunkel. An Deinem Bett war es so hell. Da lag eine Kugel, die sah gelblich weiß aus. Die drehte sich immer. Ich habe aber solche Angst gehabt, denn auf der Kugel war ein Gesicht und sah mich immer an." Ich frage nun: "Was war das denn für ein Gesicht?" Das Kind erwiderte: "Das sah aus wie der hl. Johannes. Um das Gesicht waren lauter Strahlen. Ich habe aber solche Angst gehabt und habe mir die Decke über den Kopf gezogen. Ich wollte nicht mehr hinsehen, denn die Kugel schwebte ja hin und her." Ich habe nur geantwortet: "Kind, das weiß ich auch nicht, was das bedeutet. Bete einmal mit mir zum hl. Johannes. Es wird schon eine Bedeutung haben. Er mag ja auch die Nacht bei mir gewesen sein, als ich schlief, denn jede Nacht kommt eine Heilige und betet weiter, wenn ich nicht mehr kann. Weißt du auch Kind, hier an dieser Stelle, wo Du die Kugel sahst, da stand vor zwei Tagen der Priester und reichte mir den lieben Heiland. Du siehst nun, wie geweiht eine Stelle ist, wo der Heiland weilte."

Das war das Gespräch zwischen mir und dem Kind. Heute nun, wird mir alles erklärt. Johannes fügt hinzu: "Ich weiß um deine Anfechtungen. Die Hölle wütet gegen dich. Noch mehr wirst du ein Zeichen des Widerspruchs werden. Als Beweis Deiner Echtheit, ließ ich das Kind schauen, ebenso, als Du in Köln warst, ließ der Herr München ein Zukunftsbild von Dir sehen. Darum verzage nicht, wenn noch mehr die Hölle gegen Dich aufsteht. Übergib Dich ganz der Leitung des Heiligen Geistes."

"Dank, dank, lieber heiliger Bruder Johannes! Wie gut ist der Herr. Um des großen Lohnes willen, den Er zahlt, da will ich gern kämpfen und leiden. Ich freue mich, daß auch jene mich verurteilen, die bisher gut von mir dachten. Oh, ich danke ihnen. Sie helfen mir ja desto höher in den Himmel hinauf. Sag einmal lieber Johannes, würde der Teufel mich angreifen, wenn ich nicht echt wäre?"

Er erwiderte: "Er würde Dich nicht angreifen, wenn du unecht wärest, wenn du Spiel triebest. Er würde sich freuen ob des Spieles, wenn Du Lug und Trug triebest, denn so würde mehr und mehr die Hölle gefüllt. Er wütet aber gegen Dich, seit dem 1. Juli noch mehr, da der Herr dir etwas Besonderes gab, vor dem die Hölle zittert. Du entrissest ihm die Seelen und so hat er dir den Kampf auf Leben und Tod angesagt. Fürchte aber nichts. Jesus lebt in dir und die himmlische Mutter mit der Engel- und Heiligenschar stehen Dir zu Seite. Rufe mich an, in allen Anfechtungen. Satan wird auch gegen Deinen Bruder Heinrich Johannes ein Feuer schüren. Ich werde ihn aber leiten und führen. Der Heilige Geist wird ihn erleuchten und stärken im Guten.

Fürchtet nichts! Groß ist die Macht der Hölle, aber größer ist die Macht, die im Namen Jesu gegeben und bewiesen wird."

 

Sonntag, den 28. Dezember 1947, Fest der unschuldigen Kinder

Heute weile ich in Ittenbach. Ein großer Tag ist es. Im vergangenen Monat, am 28. November, erschien in einem besonderen Bild, laut Zeugen, die Muttergottes. Die Zeichen sahen die angegebenen Personen, die Muttergottes sah ich. Sie sagte, daß sie am 28. Dezember wiederkäme. Es ist 2 Uhr nachmittags. Ich will noch einen Brief fertigschreiben. Da durchzuckt ein großer Schmerz mich und krampfartig zucken die Glieder. "Oh, liebe Gottesmutter, nur jetzt nicht leiden! Ich möchte doch so gern in die Andacht zur Kindersegnung. Wenn ich aber diese Freude auch opfern soll, dann nimm sie hin. Laß mich wenigstens allein leiden, denn ich fühle, ich weiß es, daß diese Frau, die heute hier ist, etwas sehen will!" Es wird ein wenig besser und ich eile auf mein Zimmer. Ich habe die Türklinke vergessen. Ich ziehe sie immer heraus. Nun muß ich noch einmal herunter. Auf der halben Treppe blendet mich ein Licht und eine Stimme spricht: "Bleibe hier! Schaue durch das Fenster." Sonderbar! Nun, ich tue, wie mir gesagt. Im Nordwesten sehe ich ganz weiß die Muttergottes am Himmel wie eine Lichtgestalt. Eine Schar Engel folgt ihr. Dann sehe ich abwechselnd eine größere Lichtgestalt und, ihr folgend, eine Schar weißer Kinder. Es scheint kein Ende zu nehmen und ich rufe: "Sag doch liebe Muttergottes, wer sind diese und wo zieht ihr alle hin?"

Sie antwortet: "Das sind die unschuldigen Kinder der Jahrtausende, die von ihren Engeln begleitet werden. Wir ziehen heute um ganz Europa. Am Abend sind wir wieder hier."

In der Nacht wachte ich auf und wurde fast wieder irre an mir selber. Ich denke an die Worte: "Am Abend sind wir wieder hier!"

Ich hatte nichts bemerkt. In meine Gedanken hinein kommt die Muttergottes: "Du wirst erfahren, daß wir hier waren. Viele sollen bezeugen, was sich am Tag, am Abend und in der Nacht zugetragen hat. Noch mehr wird sich ereignen. Du wirst noch vieles hören und sehen. Ich komme wieder am 21. Januar!" Ich bin allein. Seltsam, da muß doch noch etwas Geheimnisvolles vor sich gehen.

 

Montag, den 29. Dezember 1947

Freude erfüllt mich heute. Schwesterchen Anna schickt mir einen Brief mit einem Bild des Heiligen Vaters. Es ist mir so lieb, weil es seine Leidenszüge trägt. Am 27. abends 10 Uhr kam durchs Radio die Nachricht, daß es dem Heilige Vater besser gehe. Da habe ich doch ein Dankgebet zum Himmel gesandt und mich des Opfers, das ich bringen durfte, gefreut. Ich fühle, daß ich schwächer werde. Es ist gut so. Er muß wieder zunehmen an Lebenskraft und ich abnehmen. Es ist so ein Heimweh in mir. Oh, wäre ich doch bald beim Vater droben. "Höre, Vater, Dein Kind sehnt sich nach Dir. Oh, hole mich doch bald! In der Familie erlebe ich so viele Enttäuschungen. Nur zwei Kinder haben mit mir das Christkind empfangen in der hl. Kommunion am Weihnachtstag. Da will und muß ich besonders sühnen. Ja, der Teufel tritt wieder an alle heran. Oh, Anna Katharina Emmerick, ich verstehe immer mehr Deine Worte: Fliehe, die Hölle kommt auf dich! Ich weiß, ich muß mich ganz in die Stille des Gebetes und des Opfers flüchten. Meine Glieder sind so lahm, darüber freue ich mich auch. "Lieber Jesus, Du hast angenommen und ich darf dem hochw. Herrn Rektor auf der Marienburg Leid tragen. Er ist ja so ein guter Opferpriester."

 

Dienstag, den 30. Dezember 1947

An Anbetung versunken mit der Natur bin ich auf dem Heimweg. Vor der verdeckten Sonne sehe ich auf einmal die Immakulata. Über ihrem Haupte ist ein rotes Licht, das gleiche hält sie in beiden Händen. Da teilt sich das Licht und eine rote Flut wie Blut bedeckt den Osten, den Norden und den Westen. Was mag das bedeuten?

Mein Engel spricht: "Vom Osten über den Norden bis zum Westen wir es bald so aussehen. Blut wird die Erde bedecken. Schaue hinter Dich. Die Dunkelheit die Du erblickst, sie kommt vom Süden herauf. Wenn doch alle erkennen würden, was ihnen zum Heile diente. Wisse auch, daß das neue Jahr das Jahr des Heiligen Geistes ist. Weißt Du, was das bedeutet? Es wird wieder im Brausen des Sturmwindes kommen. Der Vater zeigt sich in der Wolke und Feuersäule. Zeichen, die man nicht hört, aber sieht. Der Sohn zeigt sich in Menschengestalt und Engel waren Seine Begleitung. Der Heilige Geist zeigt sich in Gestalt der Taube und in feurigen Zungen. Ihn begleiten die brausenden Elemente. Nun will er die Erde neu gestalten. Bruder Wind geht Ihm voraus und wird mit Macht die Ankunft, den Gott der Liebe, vorher verkünden. Wenn ihr das vernehmet, dann macht es wie einst die Jünger, verschließt eure Häuser und verharret im Gebet!"

 

Mittwoch, den 31. Dezember 1947

Alle Gnaden und Erbarmungen Gottes mit all seiner Liebe und Güte ziehen am letzten Tag des Jahres vorüber. Ganz still verlebe ich den Tag mit den Kindern. In Gebet und Opfer will ich enden und auch beginnen das neue Jahr. Nur Dank ist der Tag.