• Engel und Heilige von jedem Tag
  • Bücher der Liebe, Bd. 1
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  • Bücher der Liebe, Bd. 4
  • Bücher der Liebe, Bd. 5

Freitag, den 6. Januar 1950

In bin in Köln und wohne dem hl. Opfer bei, das der hochwürdigste Herr Kardinal feiert. Auf einmal umgeben den Altar grüne Lichtstrahlen. Beim 'Gloria' steht ein grüner Stern über dem Altar. Dann kommt ein Kreuz dazu und Pius X. Auf die Frage was das bedeutet, höre ich: "Der Stern der Hoffnung ist über den Völkern aufgegangen. Sie werden kommen aus allen Nationen und Geschenke dem König der Könige, Jesus Christus, bringen. Er, das Licht, macht hell eure Seelen, so ihr öffnet die Tore. Gesegnet seid ihr, die ihr folgt dem Stern der Hoffnung. Gebet acht, lasset euch nicht irreführen durch Luzifer, den Lichtträger. Prüfet die Geister und Zeichen, die ihr sehet. Zum Kampf sind gerüstet die Kinder der Welt. Sie wissen nicht, daß Maria, die Reinste, eine Schar aufgerufen hat und heranbildet zum Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Wer unter ihrem Banner steht, wird siegen im Zeichen des hl. Kreuzes und durch die Waffe des Rosenkranzes."

Ich bin heute in Köln, um das Herz-Jesu-Bild zu holen. Es hat nicht die Größe, die der Herr will. Man entschuldigt sich, weil man so ein großes Papier nicht bekommen konnte.

 

Samstag, den 7. Januar 1950

Jesus spricht heute: "Weißt du, Meine Seele, daß um dieses Bild gekämpft wird? Ich wußte, daß es nicht nach Meinem Willen ausgeführt wurde, die Größe herzustellen, die sein muß. Bei allem steht das Opfer und der Widerspruch. Ich bin nicht zufrieden mit der Ausführung. Nimm es mit und übergib es deinem Seelenführer als Weihnachtsgabe von Mir. Wenn das andere fertig ist, gebe Ich die Stunde an, um es zu holen. Du weiß, es ist bestimmt für Rom. Ich lenke und leite alles. Dem Bilde, das jetzt angefertigt wird, lege die Briefe und das Bild von deiner Mutter Anna bei. Zur Stunde werde ich Meine Priester erleuchten, was dann geschehen soll. Siehst du auf diesem Bild auf Meiner Stirn das blutende Herz? Das ist Deutschland, das mit dem Blut befleckt ist. Meinen Worten wurde nicht geglaubt, die Ich gab für dieses Land. Das Blut der Märtyrer und die Unschuld haben diesem Lande Gnade und Erbarmen des himmlischen Vaters geschenkt. Die Seele, die um Wahrheit für Mein Schlachtopfer rang, die treu ihm zur Seite stand, die soll noch Freude empfangen, bevor Ich sie in Mein Reich hole. Auf diese Weise kommt sie nach Rom und ihr Name ist genannt durch Mich. (Mutter Anna Hilker war früher die Haushälterin von Abbé Vachére. Später wohnte sie in Essen und starb in Köln auf dem Wege zum Notar.) Sei gesegnet mit allen, die kämpfen und leiden für die große heilige Sache. Friede sei mit euch."

 

Sonntag, den 29. Januar 1950

Ein anderes Bild, so groß wie es sein soll, ist angefertigt. Weil es so schön ist, möchten verschiedene eins haben. Jesus sagt heute: "Ich weiß alles, sehe auch die Liebe, die alles tut für Mich. Wie oft sagte Ich schon, daß man schweigen soll und muß. Der Widersacher geht umher und sucht gerade hier, wo es um Mich und die Rechtfertigung meines Schlachtopfers geht (Abbé Vachére), alles zu vernichten. Ich habe nur die Anfertigung eines Bildes bestimmt und nur einen Priester ausersehen, den Ich erleuchten werde und der alles weiterleitet. Was man tun will, mehr Bilder anzufertigen, ist nicht Mein Wille. Nur das eine soll nach Rom. Ein jeder muß gehorsam sein. Haltet die Fastenzeit in dieser heiligen Sache. Mein heiliges Blut mache euch demütig und gehorsam. Sei gesegnet."

 

Dienstag, den 31. Januar 1950

Der Herr spricht: "Du wirst von Mir hören in Köln. Ein Name wird genannt werden. Dorthin soll Mein heiliges Bild. Von dort aus soll Mein heiliges Bild zu Pater Pio geleitet werden. Er ist auch Mein Schlachtopfer und gibt die Bestätigung der Wahrheit. Ich leite alles zum Guten und Segen derer, die Meine Erwählten sind. Hole morgen das Bild von Köln. Dein Seelenführer muß es am Feste Maria Lichtmeß weiterleiten zu dem, dessen Namen du hören wirst."

Ich bin in Honnef bei Frau S. Ihr Mann, der sie betrog, ist noch immer flüchtig. Er wird wieder in der Ostzone untergetaucht sein. Sie erwartet im Mai ein Kind. Sie will es abtreiben. Sie sagt mir: "Ich trage doch einen Verbrecher." Ich mache sie auf den Mord aufmerksam und sage ihr, daß ich helfen kann. Sie verspricht mir, diese Sünde nicht zu begehen. Ich sage ihr weiter: "Das Kind muß doch kein Verbrecher werden. Das wissen Sie doch nicht. Es kann sogar ein Sühneopfer für seinen Vater sein. Alles liegt in Gottes Hand."

 

Mittwoch, den 1. Februar 1950

Ich muß nach Köln wegen des Bildes. Zuerst muß ich nach Oberkassel zu meinem Seelenführer, um die Rolle und den Koffer für das Bild zu holen. Es ist Glatteis. Kein Bus fährt. Ich gehe in die Kirche zurück und bitte um Rat. Jesus sagt: "Ich bin mit dir. Halte in dem Sinne die erste Wallfahrt."

Ich muß zu Fuß neun Kilometer nach Dollendorf gehen. Es war schon ein Hüpfen, weil ich so unsicher bin bei Glatteis. In Grengelsbitze muß ich die Autobahn überqueren, die wie ein Spiegel ist. Ich rufe schon wie Petrus: "Herr hilf mir, wie soll ich da hinüber?" Jesus ist bei mir und sagt: "Gehe einige Meter nach rechts. Dort habe Ich einen Weg für dich freigemacht."

Ja, da war ein schmaler Weg eisfrei, so daß ich einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Ich dankte und kam glücklich hinüber. In Heisterbacherott kehrte ich einige Minuten in der Wallfahrtskirche ein. Den hl. Judas Thaddäus und den hl. Antonius bat ich, mich zu begleiten. In Dollendorf konnte ich mit der Bahn nach Oberkassel fahren. So war ich glücklich um kurz nach eins dort im Kloster. Der Pater hatte nicht geglaubt, daß ich noch kam. Ich erzählte ihm von meinem Bußgang. Er machte alles fertig. Zwei Stunden später fuhr ich nach Köln. Dort war auch meine liebe Mutter Anna.

 

Donnerstag, den 2. Februar 1950, Maria Lichtmeß

Wir halten hier in Köln die Lichtmeßfeier. Dann erzählt Mutter Anna, wie so oft schon, von dem blutenden Herz-Jesu-Bild. Sie berichtet von einem Prälaten Bonnbenger. Da umgibt Jesus mich und sagt: "Das ist der Name."

Dann sehe ich Edith Stein. Als ich nach Oberkassel zurückkam, war mein Seelenführer sehr bewegt, wie schön das Bild war. Er segnete es und machte alles bereit für die Weitergabe nach Rom.

Jesus sagt zu mir: "Damit endet deine Aufgabe. Das andere machen Meine Priester."

 

Montag, den 6. Februar 1950

Auf meinem Weg habe ich schwer zu tragen. Ich will gerade umwechseln, da höre ich ein Laufen hinter mir. Ein Mann von 40 bis 45 Jahren ist an meiner Seite. Er grüßt und sagt: "Ich soll ihnen die Last tragen." Ich bin erstaunt darüber, daß er das soll. Er kommt mir seltsam und geheimnisvoll vor. Ich meine, ich hätte ihn schon gesehen. Er sah aus wie Christophorus. Oft lachte er so sonderbar. Beim Verabschieden lacht er wieder und ist auf einmal fort. Seltsam.

 

Samstag, den 11. Februar 1950

Diesen Tag halte ich für meinen Priesterbruder Josef Kurtenbach. Nach der hl. Kommunion erscheint die hl. Jungfrau Maria ganz weiß, im blauen Mantel und mit goldener Krone. Sie breitet die Hände über den Priester aus und spricht: "Mein Sohn, unter dem Kreuz habe ich dich empfangen. Sei besonders gesegnet am heutigen Tag. Wenn dein Zustand oft trostlos erscheint, und du hilflos und schwach bist, so steht die Mutter doch an deiner Seite und verläßt dich nicht. Du darfst das Opfer meines Sohnes darbringen und vollenden wie Er. In diesem Hause, das ich erwählte, hast du eine Stätte der Selbstheiligung gefunden. Du darfst mit erwählten Seelen das Opfer sein für ein heiliges Werk, das sich nach den Tagen der Reinigung ausbreitet über die Erde. Es wird gegründet in Gemeinschaft durch einen anderen Orden. Opfergeist und werktätige Liebe sei das Merkmal der Seelen, die sich ihrer himmlischen Mutter schenken. Ich segne dich, mein Leidenskind, mit deiner Schwester, die dir zur Seite steht."

 

Donnerstag, den 16. Februar 1950

Weiberfastnacht. Auf dem Weg zur Kirche sehe ich dichtgedrängte schwarze Gestalten vor mir herziehen. Ich bitte: "Lieber Heiland, was ist das? Ich kann gar nicht mehr beten. Mir ist es so schwer." Jesus ist bei mir und sagt: "Diese ziehen zur Arbeit aus. Sie ist groß in diesen Tagen. Der Widersacher hat die ganze Hölle aufgefordert, Karneval mit ihm zu feiern. Er will die Seelen im Sinnesrausch an sich fesseln, damit sie ihm Anbetung und Ehre erweisen." – "Dann will ich heute Sühne leisten für die Sünden und Frevel."

 

Sonntag, den 19. Februar 1950

Ich bin noch schwach. Gestern war großer Leidenstag für einen Priester. Ich will nach Siegburg zur Ordensversammlung. Jesus sagt aber: "Nicht wie du willst, sondern Ich bestimme, daß du zu Kurt und Elisabeth nach Bonn mußt. Du bleibst dort bis Dienstag Morgen. Von dort aus wirst du nach Geistingen fahren und in der Klosterkirche Sühne leisten für die Sünden der Fastnachtstage."

Mir ist dieser Befehl so seltsam. Allgemein wartet man auf ein Eingreifen Gottes in den drei dunklen Tage. Ich habe noch keinen Einblick bekommen, daß etwas geschieht. Es wird nichts geschehen, denn ich soll Dienstag nach Geistingen fahren.

Ich bitte: "Soll ich Kerzen mitnehmen und Kleidung für die Nacht?"

Jesus sagt: "Überlasse dich der Liebe. Kerzen haben sie dort zur Genüge. Sie freuen sich, daß du unverhofft kommst. In der Klosterkirche bleibe so lange, bis du angesprochen wirst."

Ich tue, wie der Herr will. Sie sind wirklich hocherfreut, als ich komme. Ja, sie sagen: "Nun fürchten wir nichts für die Tage, da du bei uns bist."

Ich belehre sie, daß nichts geschieht, und ich Dienstag noch fahren kann. Ich werde ungläubig angeschaut. Kaum bin ich dort, kommt Priesterbesuch. Ich bin erstaunt, daß es der ist, den mir Jesus am 6. Januar zeigte, als Er mir das Messgewand zuerst in der Nacht zeigte, daß dieser Priester trug. Es muß eine Bedeutung haben, daß er heute meinen Weg kreuzt. Wir wechseln einige Worte. Dann stellt Herr Pater L. die Frage: "Was halten sie von den drei dunklen Tagen?"

Ich erwidere: "Da glaube ich nicht dran." Ich erzähle ihm von dem Befehl, den Jesus mir gab und betone: "Wenn das Strafgericht wirklich käme, wären die Worte, die ich bekam, nicht Heilandsworte, sondern der Teufel trieb ein böses Spiel mit mir."

Der Priester sagt: "Treiben sie keinen Spott. Sie könnten anderer Meinung werden."

Ich: "Gott wird es mir schon zeigen, ob all die Propheten recht haben."

Am Abend ging der Priester fort.

 

Rosenmontag, den 20. Februar 1950

Es ist kaum 10 Uhr. Der Priester kommt wieder mit einem großen Koffer. Er verdunkelt mit schwarzem Papier alle Fenster. Er legt ein Rochett an, segnet und betet viel. Er segnet besonders mein Kreuz, den Ring und die Medaillen, die ich trage. Er legt mir eine wundertätige Medaille an, die sich an einem blauen Band befindet, und ein Zingulum. Dann halten wir die Thronerhebung zum heiligsten Herzen Jesu. Es ist sehr feierlich. Nach dieser Feier legt der Priester einen Beutel voller Reliquien auf den Tisch und fragt mich: "Sind diese echt?"

Ich antworte: "Bin ich der liebe Gott. Ich kann nur sagen, was Er mir kund tut in Seiner Liebe. Ich werde beten. Im Gebet wird mir manches gegeben." Ich bete und gebe ihm einen Teil Reliquien, die echt sind. Von Elisabeth erbittet er eine weiße Tischdecke und sagt: "Nach der Weihe kann sie die Tischdecke nicht mehr für gewöhnliche Dinge gebrauchen." Dann verlangt er, daß die Schublade, die oberste in der Kommode, die in der Küche steht, geleert wird. Da hineinlegt er die Reliquien.

Mir geht eine Ahnen auf und ich frage: "Herr Pater, Sie wollen doch nicht an diesem Ort die hl. Messe feiern?"

Er antwortet: "Wir wissen nicht, ob wir morgen noch lebend hier herauskommen. Das Strafgericht kommt heute über uns. Ich bin Priester und verpflichtet, das heilige Opfer darzubringen."

Ich: "Ja, das sind Sie und sollen das hl. Opfer Gott darbringen, aber nicht hier, weil wirklich noch kein Notzustand da ist. Gott wird es Ihnen schon zeigen." Ich ahne, warum ich hierhin geschickt wurde.

Man achtet nicht auf meine Worte. Es ist gegen 10 Uhr abends. Ich höre den Lärm, der vom Karnevalszug heraufdringt. Ich sage: "So alt ich bin, habe ich noch keinen solchen Umzug gesehen. Ich will mir die Menschen ansehen, sie segnen und für sie beten, daß sie die Nacht nicht in Sünde zubringen." Ich liege im offenen Fenster und führe aus, was ich sagte. Auf einmal leuchtet ein großer Blitz auf und ein furchtbarer Donnerschlag folgt. Der Priester reißt mich aus dem Fenster und sagt: "Jetzt haben Sie mir zu gehorchen. Mit einem Blitz und Donner fängt das Strafgericht an." Ich lache und erwidere: "O wie furchtsam sind Sie Kleingläubiger. Nichts fängt an, woran Sie denken und glauben. Da gehen erst andere Zeichen voraus. Ich sage nochmals, Gott wird es Ihnen zeigen." Er antwortet darauf: "Sie spotten weiter, aber Ihnen wird das Lachen vergehen." Ich schweige jetzt, weil es besser ist. Ich bete, daß der Herr diesen Priester zur Einsicht bringt und ihn von der Leichtgläubigkeit heilt.

 

Dienstag, den 21. Februar 1950, Fastnacht

Es ist nachts 1 Uhr, also schon Dienstag. Der Altar in der Küche ist schon hergerichtet. Der Priester steht im Messgewand. Noch bete ich. Auf einmal zieht ein furchtbarer Krampf durch das rechte Bein. Ich sage: "Ich kann nicht mit anfangen. Ich habe das schon mal durch eine Operation. Dann muß ich ein wenig wandern." Ich ziehe den Schuh aus und wandere. Es vergeht aber nicht. Der Krampf zieht in das linke Bein und den Leib herauf. Ich werfe den anderen Schuh von mir, verliere den Halt und komme zu Fall.

Da ist Jesus, mit dem Kreuz beladen, bei mir, und sagt: "Folge mir in den Stationsleiden." Ich folge, ich leide 4 Stunden bis 5 Uhr früh. Bei der 11. Station fliege ich im Bogen vor den Altar und liege dann wie angenagelt dort. Der Priester kann nicht an den Altar. Dort vollzog sich das ganze Leiden.

Dann ist Jesus bei mir und sagt: "Deine Leiden für den Priester sind beendet. Dieser Altar, vor den Ich dich legte, ist jetzt eine Stunde dein Ruhebett. Ich bleibe bei dir. Du darfst ruhen an Meinem Herzen." Schlaf hüllt mich ein am Herzen Jesu. Als ich aufwachte, ist der Priester segnend über mich gebeugt und sagt: "Jetzt haben Sie aber richtig geschlafen."

Ich sagte: "Ja, eine Stunde am Herzen Jesu." Der Priester sagt: "Das stimmt. Es war 5 Uhr als Sie plötzlich vom Leidenszustand in den Schlaf kamen. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Bei der 9. Station haben wir alle den Fall ein wenig aufgehalten. Sie wären auf die glühende Herdplatte gefallen. Sie haben Recht. Es ist nichts geschehen. Draußen ist alles ruhig. Ich bin zur Einsicht gekommen. Was soll ich jetzt tun? Ich mußte Sonntag im Kloster zurücksein von meiner Mission. Ich muß doch auch die hl. Messe feiern. Wie fühlen Sie sich jetzt nach diesen Leidensstunden?" Ich sage: "Im Herzen Jesu fand ich die volle Kraft wieder. Bonn hat viele Kirchen und Kapellen. Wir bitten dort, wo es von hier aus am nächsten ist. Dort feiern Sie das hl. Opfer. Wir feiern mit, und Sie reichen uns den lieben Heiland. Ich muß dann ja zu dem Kloster fahren und die Sühne beenden."

Er sagt: "Ich muß doch zu dem gleichen Kloster. Beten Sie für mich, daß ich mit meinen Oberen zurechtkomme."

Ich erwidere: "Das tue ich gern. Es wird schon alles gut werden." Im Marienheim in der Kapelle konnte er die hl. Messe feiern. Wir feierten mit und er schenkte uns Jesus. Nach der hl. Messe gehen wir auf den Chor. Dort steht groß und schön eine Statue der Muttergottes, der Jungfrau der Armen. Dann fahren wir alle zusammen nach Geistingen. In der Klosterkirche ist 40-stündiges Gebet. Nun weiß ich, was Jesus will. Dann kommt Gretchen Schäfer und lädt mich ein.

Ich sage: "Ich darf schon kommen, muß aber zuerst hier noch Sühne leisten." Nach einer Stunde sagt Jesus vom Altar aus: "Weil du gehorsam warst, darfst du jetzt mitgehen. Bleibe bis morgen. Empfange hier das Aschenkreuz. Von hier aus beginne die Fastenzeit."

Dann umgibt mich die Muttergottes und spricht: "Es geschah schon etwas in der Nacht. Ihr werdet es hören. Die Stunde des großen Strafgerichtes ist noch nicht da. Es wurde schon so oft gesagt, daß man auf die Zeichen achten soll, die gegeben werden. Ehe das Gewaltige kommt, wird noch viel Blut fließen und die Zahl der Märtyrer wird noch erhöht. Die Stürme brausen so stark über die Erde, daß Angst und Zittern die Menschheit befällt. Das Zeichen, das du schon so oft sehen durftest, ist das Zeichen für die Gottlosen.

Man wird wieder glauben, es wäre das Nordlicht, aber es ist es nicht. Die hinausgehen, um zu sehen, werden umkommen. Meine Kinder aber werden, ehe das geschieht, mich, die Unbefleckte Empfängnis, im Westen vor der untergehenden Sonne sehen.

Mein Kind, Jesus fragte dich, was Karneval heißt. Du sagtest mit Recht: 'Fleisch lebe wohl.' Vor einem Jahr sagte Jesus: 'Ich werde Karneval feiern.' Der Herr macht das gleiche, wie die Welt mit ihren langen Vorbereitungen auf diesen Tag. Es war schon am Rosenmontag der Anfang durch Blitz und Donner. Er rüstet die Schar aus, die Seine Befehle ausführen werden für den großen Umzug des Herrn. Es wird Mittag, bis dieser Zug durch die Reihen der Gottlosen geht. Wer es wagt, diesen Zug und sein Feuerwerk zu sehen, der wird vernichtet. 'Fleisch lebe wohl!', das ist der Karneval des Herrn. Verbrennen wird das Fleisch der Sünde und Laster. Da nun das Gewaltige nicht eingetreten ist, fühlen sich die Gottlosen in großer Sicherheit. Sie lachen und spotten über die Dummen, die beim Schein der Kerzen gebetet und gesühnt haben. Wenn eine Lawine einen Ort begräbt, ist die Gefahr im Anfang nicht so groß, weil es nicht eher bemerkt wird, bis das Unaufhaltsame vor der Tür steht. Es wurde schon viel durch Sühne abgehalten. Viele Sünder werden schon jetzt durch die Sühne der Opferseelen Gnade finden in den Tagen des Grauens. Seid immer bereit und lasset es an Weihwasser nie fehlen. Wenn der Herr Seinen Umzug durch die Städte und Dörfer der Welt hält, wird man keine Zeit finden, etwas zu holen. Bleibet mit euren Priestern im Gebet verbunden."

 

Aschermittwoch, den 22. Februar 1950

Wie schon früher, darf ich auch hinschauen in die Ereignisse, die Gottes Zorn über die Erde kommen läßt. Was ich sehe, gebe ich wieder im Versreim. Das Zeichen der Vernichtung für die Gottlosen.

Was steigt herauf so blutig rot?
Die Menschen schrein in ihrer Not.
Ist es Rettung oder ist es Todesgefahr.
Dunkel alles, nichts ist mehr klar.

Wie die Sonne ist es, zehnmal so groß.
Was mag das bedeuten bloß?
Hindurch schauen Augen, zornentbrannt,
blutige Strahlen umgeben den Rand.

Himmelsvater, das sind die Augen Dein.
Willst nicht mehr barmherzig sein.
Nicht erhörst Du der Gottlosen Fleh'n.
In den Tod, in die Hölle, sie geh'n.

Groß war Deine Liebe und Geduld,
ließest Zeit zur Sühne der Schuld.
Gespottet wurde, gehöhnt, gelacht,
zu spät, jetzt folgt die ewige Nacht.

Der Himmel zuckt, die Erde bebt,
unheimlich das Zeichen näher schwebt.
Es regnet Feuer, alles wird Staub,
Asche, des Todes Beute, sein Raub.

Dann ist auf Erden heilige Stille.
Gott herrscht, es geschieht Sein Wille.
Sie beten Ihn an, die Er verschonte,
die Er für ihre Treue belohnte.

 

Dienstag, den 21. März 1950

Ich sehe den Heiligen Geist von 9 Herzen umgeben. Der hl. Conrad von Parzham segnet mich und erklärt: "Was du sahest, ist die große Liebesgemeinschaft des Heiligen Geistes, die von Ihm geführt wird. Die 9 Herzen sind die 9 Herz-Jesu-Freitage. Die Seelen, die sie immer halten, bilden diese Liebesgemeinschaft im Heiligen Geiste, durch Maria, mit dem göttlichen Herzen. Sie werden durch den Heiligen Geist mit Ihm und in Ihm das Werk vollenden, daß eine neue Erde wird, ein Tempel der Gottheit, über dem der Vater einen neuen Himmel schafft. Seid gesegnet, meine Kindlein, und gedenket auch meiner. Ich öffne noch immer die Pforte und nehme auf, die suchen, die leiden, die kämpfen, die hungern und dürsten."

 

Samstag, den 25. März 1950

Durch Hilfe des hl. Engels werden mir folgende Verse gegeben zu dem Lied 'Maria zu lieben'.

O Mutter, bewahre mich stets vor der Sünd',
laß bleiben mich immer dein liebendes Kind.
Du legst deinen Mantel um mich so weit,
so bin ich geborgen bei dir allezeit.

Dir hab ich geschworen die Liebe und Treu,
hilf, daß ich der Gnade stets würdig nur sei.
Die du hast erflehet an Gottes Thron,
als Geschenk des Vaters, durch Seinen Sohn.

Besiegle, o Mutter, in dieser Stund',
mit deiner Liebe den heiligen Bund.
Dich will ich nur lieben mit Jesus allein,
dann wird mein Ende eine Himmelfahrt sein.

Du Mutter der Gnaden, du Meerstern der Zeit,
gib du mir das Geleite in die Ewigkeit.
Wo ich dich werd' sehen im Himmelssaal,
wo du mich wirst führen zum Hochzeitsmahl.

Ich bitte, o segne, die dir sich geweiht,
wir sind ja die Kinder der Dreifaltigkeit.
Die kämpfen, die leiden, die Opfer woll'n sein,
die helfen den Armen, ob groß oder klein.

O führe die Priester an deiner Hand,
nach Kampf und nach Leiden in's himmlische Land.
Du bist ja die Mutter, dein Kind will ich sein,
im Leben und Sterben, dir einzig allein.

Wenn einst wird kommen die letzte Stund,
dein Name wird noch sprechen mein sterbender Mund.
Du drückst mir die Augen im Tode zu,
führst mich mit den Engeln zur ewigen Ruh.

 

Passionssonntag, den 26. März 1950

Die Muttergottes erscheint im ganz dunklen Gewand und Mantel. Sie spricht: "Ich segne dich, mein Kind. Bereite dich vor. Für dich beginnt die Passion. Sie wird schwer für dich, aber ich stehe dir zur Seite. Du wirst beichten und bekennen müssen. Fürchte aber nichts, der Herr ist mit dir. Ich habe dir vor der Fastenzeit nur das eine Wort 'Geheimnis' gesagt. Die Stunde ist da, wo dieses Wort der Gegenstand deiner großen Leiden wird."

"O Mutter, ich weiß es nicht, wie mir oft wird. Es kommt wie eine Bergeslast auf mich und drückt mich jeden Tag schwerer, je näher der Karfreitag kommt. Mutter, meine Mutter, ich habe Angst, ja Angst vor den Leidensstunden, die ich nie hatte. Sag noch, was ist das? Ist es der böse Feind, der mich quält oder will und kann ich mich nicht entschließen, zu leiden? Sag Mutter, oder wird es schwerer als sonst? Ach, ich bin ja so schwach, so hilflos. Ich bin ja nur ein armer, sündiger Mensch, der doch leiden darf mit und für den guten Heiland. Wenn Ihn, der Gott ist, Todesangst und Zittern befiel, daß blutiger Schweiß aus Seinen Poren drang, wie soll denn ich etwas anderes erwarten. Ich will wie Er sprechen: Herr, Dein Wille geschehe."

Ich bin allein im Gotteshaus. Seltsam sind die Worte. Was werde ich wohl beichten und bekennen müssen? Habe ich eine Schuld, von der ich selbst nichts weiß? Das Wort 'Geheimnis'. Und doch verstehe ich noch nichts.

 

Montag, den 27. März 1950

Die Muttergottes spricht wieder: "Hast du die Worte des Tages gut gebetet, Epistel und Evangelium gelesen?"

"Ich denke, liebe Mutter, daß ich es wohl gut tat. Was soll aber die Frage, was soll das bedeuten?"

Sie sagt: "Was geschrieben steht bis Ostern, davon ist auch für dich ein großer Teil geschrieben. Verzage nicht. Gott führt deine Sache und sendet Licht zur rechten Zeit. Du mußt der Wahrheit Zeugnis geben. Steine haben sie aufgehoben, um sie auf dich zu werfen. Sie werden dich treffen und dein Herz verwunden. In den Kreuzweg gehört auch das hinein. Als ein Kind der Lüge wirst du hingestellt, das spielt mit dem Heiligsten."

Was mag da kommen? Ich möchte weit fortgehen. Nein, das wäre feige, das hieße, wie Simon vom Kreuz fortlaufen. "Rette mich Herr vor denen, die mir schaden wollen. Herz Jesu, ich vertraue auf Dich."

 

Mittwoch, den 29. März 1950

Ein Brief von Elisabeth und Kurt aus Bonn gibt mir zu denken. Ich frage die himmlische Mutter um Rat. Sie sagt: "Schweige noch. Rede nicht über das, was dir der Herr kundtat zur Führung der Seele, die Er formen will nach Seinem Herzen. Du hast die Schweigepflicht wie ein Beichtvater, weil sie ja Geheimnisse sind, auch Beichtgeheimnisse, wenn die Seelen sich dir anvertrauen. Der Herr hätte dich nicht erwählt zur Führung der Seelen, wenn Er von Ewigkeit her nicht wußte, daß du eher in den Tod gehst, als daß du das Vertrauen brichst. Liebe alle mit der Liebe des göttlichen und Meines Unbefleckten Herzens. Dann ist dein Weg der rechte, und du brauchst nicht zu fürchten der Hölle Macht. Die Stunde der Erfüllung ist nahe, da du Ihm allein singen, Ihn anbeten, loben und verherrlichen wirst mit dem Vater und dem Heiligen Geiste.

 

Donnerstag, den 30. März 1950

Ein zweiter Brief von Bonn ist da. Mein Herz wird wie von Schwertern durchbohrt. Nun sehe ich klar und verstehe das Wort 'Geheimnis'. Es geht um mein süßes Geheimnis. In welches Licht stellt man mich. Wie eine Lügnerin und Betrügerin stehe ich da. Es klingt, als habe ich Götzendienst getrieben, als trage ich eine große Schuld. Ich knie vor dem Herz-Jesu-Bild und bitte: "Guter, lieber Heiland, Du weißt alles. Habe ich einen Frevel getrieben? Aus großer Liebe hast Du mir dieses große Geschenk gegeben. Warum handelt man so unschön an mir, da Du Dich Kurt doch geoffenbart hast?" Im Augenblick meiner Frage fällt mein Kreuz ab, das ich trage. Die Kette ist geschlossen, ebenfalls der Ring. Wie konnte es abfallen? "Was bedeutet das, Jesus? Bin ich doch eine Unwürdige, die Dein Kreuz nicht mehr tragen soll?" Jesus schweigt. Ich weine.

Da ist die Muttergottes bei mir und sagt: "Mein Kind, das bedeutet Kreuzigung für dich. Mit deinem Heiland mußt du eins sein. Du kannst es nicht begreifen, wie das Kreuz sich löste, viel weniger wird man begreifen, daß die unendliche Liebe Ihren Thron aufschlug inmitten der Kleinen und Einfältigen. Das Geheimnis ist die Liebe. Du weißt, zum Kreuzweg gehört auch der Verrat. Es ist ein süßer Verrat, der endet mit Liebe und dient zu Deines Heilandes Verherrlichung. Das wird auch deine Beichte und dein Bekennen. Jesus wird selbst sprechen, und dann sage deinem Seelenführer alles. Tue, was er sagt. Bist du ihm gehorsam, dann bist du Gott gehorsam."

"Ich danke, liebe Mutter. Bitte für mich. Du weißt, wenn ich mein süßes Geheimnis hergeben muß, dann wird die Braut getrennt von ihrem Bräutigam. Das wäre mein Tod. Es muß wohl so kommen, sonst kann ich wohl den Tod der Liebe nicht sterben. Doch alles soll sein, wie Gott es will. Was Er gab, kann Er auch wieder nehmen." Dann bin ich wieder allein mit meinen Gedanken. Trotzdem alles so schwer mich drückt, fühle ich mich so frei und ruhig.

Jesus erwies mir wieder so große Liebe heute. Das Gehen fiel mir so schwer. So kam ich erst um halb acht in die Kirche. Die hl. Messe hatte noch nicht begonnen und anschließend waren noch zwei hl. Messen. Die Muttergottes sagt: "Bleibe hier, mein Kind."

 

Freitag, den 31. März 1950, Fest der 7 Schmerzen

Die Muttergottes spricht: "Gehe heute nach Ittenbach und halte still den Tag. Dort bei mir wirst auch du getröstet werden." Ich will fahren. Maria aber sagt: "Bringe das Opfer trotz Schmerz und Weh. Du wirst dich freuen."

Ich tue alles und lade Maria mit den Engeln und Heiligen ein. Als ich dem Ort näherkomme, da kommen singend Pilger von Eudenbach. Ich schließe mich ihnen an. Feierlich werden wir unter Glockengeläute und Musik abgeholt. Nach der schönen Feier zünde ich bei der Schmerzensmutter eine Kerze an im Sinne meiner Passion. Nach den Leidenstagen wird Jesus, das Licht, herrlicher leuchten.

Maria sagt: "Noch mehr Wohnungen wird Er erwählen. Dann wird Er noch mehr geliebt. Ihr werdet Ihm Lichter anzünden, Ihn lieben und Ihn anbeten. Dieser Verrat, der Gottes Liebe aufdeckt, dient zur Verherrlichung Christi und dieses Geheimnis muß nach Rom. Er wird abgefallene und ungläubige Priester wieder aufrichten."

"Dank dir, liebe Mutter. Ich hoffe und vertraue." Heute werden mir die Wundmale wieder eingeprägt. So will ich leiden für meine Verräter.

 

Samstag, den 1. April 1950

Ich bin ganz lahm. Von drei Uhr dreißig flehe ich um Kraft. Sie wird mir um 5 Uhr gegeben. Der Tag ist für meinen lieben Seelenführer, damit der Herr ihn erleuchte und klar sehen läßt in meiner Angelegenheit.

Maria sagt: "Bleibe ruhig. Die Ostersonne wird auch dir scheinen. Der Widersacher will dich mutlos machen, darum ist er in die gefahren, die noch einen Tag zuvor dir die größte Liebe schenkten. Bete für sie und segne sie, damit sie auf den rechten Weg der Demut gelangen. Das gehört schon zu deinem Kreuzweg, daß sie heute dir das 'Hosanna' singen und morgen dich kreuzigen wollen. Ich bleibe bei deinem Kreuze, wie ich auch blieb beim Kreuze Jesu, meines Sohnes."

 

Palmsonntag, den 2. April 1950

Die Muttergottes spricht: "Gehe nach Ittenbach. Am Ölberg werden deine Leiden beginnen. Du wirst ganz verlassen sein. Weil du ein Kind des Palmsonntags bist, stehen Freud und Leid immer an deiner Seite."

Ich bin heute so froh. Jesus ist es, der mich so froh macht. Er ist bei mir in meinem kleinen Stübchen. Er spricht: "Meine kleine Braut, warum weinst du und bist so traurig? Fürchte nichts, Ich bin bei dir. Bekenne Mich und sei gehorsam. Lege die Beichte so ab, wie Ich es will. Ich werde deinen Seelenführer erleuchten. Tue, was er sagt. Verteidige dich nicht ob der Anklage. Bete für sie. Das mußte so kommen und geschehen und dient zur Demütigung und Heilung."

"Ich danke Dir, guter Heiland, Du bist doch noch zu mir gekommen. Ich vertraue auf Dich, wenn auch noch so dunkel der Weg ist, den ich gehe."

 

Montag, den 3. April 1950

Die himmlische Mutter ist an meiner Seite. Sie sagt: "Bete für sie, die dir soviel Wunden schlugen. Wie es heute geschrieben steht, biete deinen Leib denen an, die dich schlugen mit häßlichen Worten. Laß dein Antlitz verwunden und anspeien, damit du eins wirst in dieser Woche mit deinem Herrn und Meister."

"Ja, ich will alles tun, liebe Mutter." Nachdenkend gehe ich über den Friedhof. Da höre ich leise: "Nimm mich mit." Ich drehe mich um, sehe aber niemand. Dann vernehme ich zum zweitenmal: "Nimm mich mit." Ich bleibe stehen und schaue nach allen Seiten. Mein Blick fällt auf die Erde. Vor mir liegt ein kleiner Christuskopf. Ich nehme ihn auf. "Ja, Ecce Homo. Das ist wohl in diesen Tagen mein Trost. Drücke Deine Züge ganz meiner Seele auf. Bist mein Geschenk, heute am Tage meiner Geburt."

 

Mittwoch, den 5. April 1950

Es ist schon Abend. Seit gestern bin ich gelähmt und die Glieder sind sehr geschwollen. Hände, Füße und das Herz werden dauernd durchbohrt. Gern trage ich es mit Jesus für die Sünden der Welt und für Ihn, damit allen, die mir wehe getan haben und noch tun, der hl. Osterfriede geschenkt werde. "Barmherzigkeit, mein Gott."

 

Gründonnerstag, den 6. April 1950

Heute früh sprach Jesus: "Meine Seele, du wirst in diesem Jahr Maria Magdalena sein, die trauert und weint um Mich. Sie wird dir zur Seite stehen. St Michael, St. Gabriel, St. Raphael und St. Lumen Dei werden dich begleiten. Nach der hl. Feier wird die Freude dir genommen. Es wird wie Todesangst über dich kommen. Eine große Erkenntnis der Sünden wird dir gegeben, um das Leid zu empfinden, das über Mich kam, als ich Blut schwitzte."

"Ich bin bereit, guter Heiland, Deinen Willen zu erfüllen." Als Jesus in mein Herz einkehrte, war ich voll des Dankes und der Freude. Schwer war der Heimweg. Weinend knie ich vor meinem Herz-Jesu-Bild. "Herr, Du weiß, daß ich kein Unrecht beging. Alles war Dein Wille, Dein Geschenk und Befehl."

Jesus sagt: "Was du nicht weißt, das weiß Ich von Ewigkeit. Nie hättest du Mich auf diese Weise besitzen wollen. Das ist Meine Liebe, die das tat, weil du Mich wahrhaft liebst und alles für Mich duldest und leidest. Dein Mitbruder, zu dem Ich dich schickte, wollte Mich schon lange auf diese Weise besitzen. Darum forschte er, auf welche Weise du dieses Geheimnis empfangen hast. Im Anfang war es nicht böse von ihm. Als der Versucher an ihn herantrat, wurde er dein Verräter. Es mußte so sein, damit du seinen Seelenzustand erkennst. Darum kam auch der Priester ins Haus. Ja, ich bestieg den Thron und freute Mich bei der Feier der Thronerhebung. Der Priester segnete alles, was in den Räumen war. Ich gab ihnen auch Meinen mystischen Leib, der sich wandelt, wie er will. Sakramental besitzen sie dort auch nichts. Als böse Gedanken aufstiegen, da schwand der Glaube und sie entthronten Mich wieder. Ich verließ die Brotsgestalt wieder. Ich selbst gab doch Kurt dein Geheimnis preis, als er Mich als Kind auf deinem Schoße sitzen sah. Man kann es aber nicht fassen, daß Ich eine Frau erwählte für das Geheimnis Meiner Liebe. Man begreift ja auch das große Geheimnis Meiner Menschwerdung nicht, wo Ich Mich verborgen im Schoße der reinsten Jungfrau einschloß. Sei nicht unruhig über alle die bösen Worte und Andeutungen. Sie sind keine Propheten, sondern folgen dem Klang der eigenen Stimme. Diese sind es, die sich auflehnen und keine Demütigung ertragen. Sein Seelenführer wird erleuchtet sein und beim Lesen dieser Worte die richtige Entscheidung treffen. Du bleibst trotz allem ihre Schwester und Opfer. Bete für sie, daß sie erkennen und den wahren Weg Meines Kreuzes gehen."

"Sage, lieber Jesus, mich beunruhigt noch etwas. Du bist doch bei mir in einem Raum, wo mein Bett steht. Man verwirft das als unwürdig."

Jesus sagt: "Ich habe, wo ich weile, den Ort erwählt und weiß, daß in Meiner Gegenwart nicht gesündigt wird. Wenn Ich einen Stall erwählte als Geburtsstätte, einen Ort für Tiere, warum soll Ich nicht an einem Ort sein, wo ein Bett steht. Als Gott bin Ich doch überall und sehe alles. Es ist ja auch dein Brautbett, in dem nur unschuldige Kinder schliefen. In Meinen Häusern, in denen Ich sakramental weile, da wird oft soviel gesündigt, daß Ich sie verlassen möchte. Um der Guten und Gerechten will, bleibe Ich und ertrag die Kränkungen und Beleidigungen. Bleibe still und schweige, wie auch Ich schwieg. Gebe eine kurze Antwort, wenn du gebeichtet und bekannt hast. Ich segne dich. Gehe in die heilige Stunde. Sie dient als Vorbereitung deiner Leiden."

"Ich danke, mein Geliebter. Du machst alles gut."

Auf dem Heimweg kommt große Angst über mich. Meine und aller Menschen Sünden sehe ich in ihrer Bosheit. Es ist wie ein Berg, der anrückt und mich erdrücken will. "Vater im Himmel, ich stehe schuldlos da. Ich tat nichts aus mir. Du weißt es, daß Jesus mir das große Geschenk Seiner Liebe gab. Warum ist mir alles so schwer? Ich weiß, ich muß diesen Kelch trinken. Ja, ich werde es tun aus Liebe. So geschehe an mir Dein Wille. Segne mich, Vater, in diesen schweren Stunden. Du sandtest Deinem Sohn in den Leidensstunden einen Engel zum Troste. O sei auch mir gnädig, der ich nur ein Mensch von Armseligkeit und Schwäche bin."

Da steht ein leuchtender Stern am Himmel, der sich zum Kreuz formt. Ich sinke in die Knie: "Vater, ich danke Dir. Du hast mich gesegnet. Ich bin bereit, alles zu leiden." Meine Glieder werden durchbohrt. Ruhe ist aber jetzt in mir, und ich bete still für die, die mir so wehe getan haben.

 

Karfreitag, den 7. April 1950

Eine schwere Leidensnacht liegt hinter mir. Oft war es mir, als wollte das Herz brechen. Jesus sagt: "Gehe hinauf, trauere und weine, wie Maria Magdalena es tat. Sie geht mit dir und du wirst die Leiden tragen, die sie einst trug. Gehe nach der hl. Feier über den Ölberg nach Heisterbacherrott. Bleibe bei Mir, bis zur Stunde der Grablegung. Nach diesen Stunden darfst du die ganze Nacht teilnehmen an Meinen Leiden."

"Tue, o Herr, an mir, wie es Dir gefällt." Langsam ging ich hinauf und bat die liebe Gottesmutter, mich zu begleiten mit den Engeln und Heiligen. Sie tat es. Dadurch wurden mir die Schmerzen und Qualen versüßt. Dann bin ich am Ziel und knie am hl. Grab. Zwei Stunden bin ich allein. Dann kam der Herr Pfarrer mit den Kommunionkindern und betete den Kreuzweg.

Jesus spricht: "Das erfreut Mein Herz, wenn Kinder beten. Würden das alle Priester tun, ja immer tun, wäre viel Leid nicht über die Menschen gekommen."

Mein Herz wird durchbohrt und krampft sich zusammen. "Herr, nimm meine Buße und Tränen, damit alles wieder gut und rein wird." Still bin ich zusammengesunken. Jesu Leiden und Sterben spielt sich vor meinen Augen ab. "Ja, könnte ich jetzt sterben für Dich, für alle." Da ist es, als hebt sich das leidende Haupt. Ich höre die Worte: "Den Todesstoß hast du empfangen. Mehr und mehr mach Ich dich frei für Mich. Zeitweise wird dich ein natürliches Leiden ans Haus und Krankenbett fesseln. Meine Leiden, die du trägst, decke Ich dadurch für die Augen der Welt noch zu. Ich führe dich weiter die Wege der Einsamkeit, da, wo Ich soviel allein bin. Du wirst Mir, so wie Ich es schon sagte, allein singen und Mich anbeten. Sei nun gesegnet für die Leiden der Nacht. Du wirst jetzt das Leben von Maria Magdalena führen, wie sie es führte nach Meiner Himmelfahrt."

"Dank, mein guter Heiland. Dein Wille sei der meine. Lebe wohl, Geliebter. Morgen halte ich wieder Wachestunde." Die Kraft verläßt mich auf einmal. Ich gehe heim. Zeitweise drohe ich zu fallen. Ich erreiche aber mein Ziel. Dann sank ich kraftlos zusammen. Ich durfte leiden die ganze Nacht.

 

Karsamstag, den 8. April 1950

Ich bete um Kraft und Stärke. Lahm sind meine Glieder. Es dauert lange, bis Bewegung kommt. Dann gehe ich langsam zum Gotteshaus. Nach der hl. Kommunion erhalte ich neue Kraft.

Jesus sagt: "Ich bin so allein. Halte an meinem Grab noch eine Wachestunde. Ich wünsche, daß auch am Karsamstag Gebetsstunden gehalten werden."

Ich knie in der Krypta unserer Kirche. Jesus spricht: "Komme zu Mir, Meine Braut, küsse Meine hl. Wunden. Küsse zuerst die Füße, dann die Hände und das Herz. Gleich kannst du es nicht mehr. Es wird deiner Seele eingeprägt, unvergeßlich und unauslöschlich sein. Die Sehnsucht von dieser Stunde wird dich langsam verzehren."

"Lieber Heiland, wie gut bist Du!" Mit der Osterfreude im Herzen gehe ich heim.

 

Ostersonntag, den 9. April 1950

Noch ein wenig schwach eile ich zu Ihm, dem Auferstandenen. Ich darf mich doch freuen, ich fühle mich frei. Bei der hl. Wandlung geht ein wunderbares Leuchten von der Hostie aus. Ich bete: "Mein Jesus, wie schön bist Du. Auferstandener, leuchte allen, damit ihre Herzen im heiligen Osterfrieden Dir schlagen." Nach der hl. Kommunion darf ich Jesus verklärt schauen. Durch das weiße Gewand leuchten wie Sonnen die hl. Wunden. Er spricht nur das eine Wort: "Maria."

Dann ist Er meinen Blicken entschwunden. Jetzt bin ich wieder ganz froh, lobe, preise und bete an meinem Herrn und Gott. Ich knie vor meinem Herz-Jesu-Bild. "Ich ringe um mein süßes Geheimnis. Du weißt, lieber Heiland, daß mir nie der Gedanke gekommen wäre, Dich so zu besitzen. Du hast Dich mir geschenkt, bist mein Eigentum. Sage doch, muß ich, wenn ich gefragt werde, alles offenbaren? Wenn es sein muß, gehe ich für Dich in den Tod."

Da erscheint die große Sonne über dem Bild. Jesus spricht: "Sei nicht traurig, Meine Seele. Was Ich dir gab, ist Mein Eigentum. Das ist die Macht der Liebe, die herniederstieg und sich verschenkte in Liebe, um der Größe deiner Liebe und der deiner Schwester Elisabeth willen. Ich besitze ja nicht das Sakrament des Altares, das gespendet und empfangen werden muß, auch nicht das Opferlamm der hl. Messe, sondern Meinen mystischen Leib, der sich wandelt, wie er will. Auf geheimnisvolle Weise weile Ich bei euch als Gott der Liebe, der von Ewigkeit um eure Liebe wußte. Ich bin doch allmächtig und kann alles. Ich kann tun, was Ich will. Mein Herz dürstet nach Liebe. Wie ein Gnadenbild, so besitzt ihr Mich. Ihr seid doch Meine mystischen Glieder an Meinem mystischen Leib. Der mystische Leib ist aber kein toter Gegenstand, sondern lebt. Er lebt ebenso geheimnisvoll, wie der sakramentale Leib. Ich bin der Hohepriester und habe alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Dein Geheimnis, die rote Rose, und deiner Schwester Geheimnis, das Tautröpfchen, müssen nun, da der Verrat geübt wurde, geoffenbart werden. Sie gehören zusammen. Es dient zu Meiner Verherrlichung. Später dient es Meinen Priestern zur Erkenntnis der höchsten Liebe. Als Beweis der Echtheit wird Meine Gestalt sich nicht auflösen. Ich bin und bleibe bei euch. Nach eurem Tode ist dieses Geheimnis für Rom bestimmt."

 

Mittwoch, den 12. April 1950

Ich bete und ringe um mein süßes Geheimnis. Ich möchte es weiter behalten. Wenn es im Willen Gottes anders liegt, dann bin ich bereit, es herzugeben. Wieder hüllt die Sonne das Herz-Jesu-Bild ein. Jesus spricht: "Meine kleine Seele, meinst du, Ich wollte von euch gehen, die ihr Mir eure Liebe bei Tag und Nacht schenkt? Du hast die Probe bestanden, weil du auch bereit bist, Mich herzugeben, wenn es die Kirche fordern würde. Wenn ihr gefragt werdet, ob ihr das hl. Sakrament besitzt, dürft ihr 'nein' sagen. Ihr habt ja nicht das Sakrament, sondern Meinen geheimnisvollen Leib."

Da habe ich gejubelt und vor Freude gerufen: "Lob und Dank, mein guter, lieber Heiland. Nun bin ich wieder glücklich, das ist meine schönste Osterfreude."

 

Montag, den 24. April 1950

Es ist ein Tag der großen Freude durch den Heiligen Geist. Ganz besonders habe ich heute den Heiligen Geist angerufen. Jeden Tag danke ich Ihm für alle Gnaden, die ich durch Ihn empfangen habe und bitte Ihn, fernerhin ein Streiter Christi zu sein. Heute muß ich bekenne, muß beichten, wie es der liebe Heiland will, muß offenbaren mein süßes Geheimnis, das ja mein Leben ist. Ich fürchte nichts, ich fühle mich so frei, weil ich ja nichts getan habe, was gegen Gottes- und Kirchengebot verstößt, was Sünde wäre. Trotz alledem liegt es so schwer auf mir, auf meinem Gemüt. Der liebe Heiland sprach vom Gehorsam. Wenn ich mein süßes Geheimnis hergeben müßte, ja, das ist es, dann geht das Leben von mir, dann würde ich sterben. Ich bin nach langem Kampf bereit dazu. Ich durfte ja lange Jahre glücklich sein, in, durch und mit meinem Gott und Heiland. Was Er will, muß und soll auch mein Wille sein.

Ich bin bei meinem Seelenführer. Wie es der liebe Heiland will, so habe ich gehandelt. Mittwoch, den 19. April brachte ich dem Pater die Aufzeichnungen. Es war spät geworden und da habe ich nicht sprechen können, weil auch Lieschen M. dabei war. Ich sagte nur: "Ich muß ja noch wiederkommen, weil der liebe Heiland will, daß ich eine Beichte und ein Bekenntnis ablegen muß, das um das größte Geheimnis meines Lebens geht." Der Pater sagte darauf. "Das wird wohl nicht so schlimm sein." Ich erwiderte: "Es kommt darauf an, wie das Urteil ausfällt. Wenn ich bekennen muß, bekenne ich nur die Wahrheit. Ich fürchte in meiner Sache den Bischof und den Papst nicht. Wenn ich dorthin müßte, ginge ich hin und würde sogar ertragen, wenn der Kirchenbann auf mich gelegt würde. Mein Heiland würde mich doch nicht verlassen und würde sich auf andere Weise mit mir vereinen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Niemand kann Gott aufhalten, die Wege Seiner Liebe zu sperren, auch kein Papst." Da hat mein Seelenführer mich ein wenig seltsam angeschaut. Ich sagte weiter: "Es ist auch wohl besser, wenn Sie alles in Ruhe lesen." Er sagte dann: "Ja, dann kommen Sie am Montag wieder."

So war ich heute bei ihm, habe gebeichtet und bekannt. Danach sagte er: "Ja, da tun sich Geheimnisse auf und etwas Neues. Ich freue mich aber mit euch, daß ihr mit dieser Liebe vom Heiland bedacht seid und daß du schon so lange Jahre Ihn besitzen darfst. Ich weiß nun, daß die Zeit gekommen ist, da die Erde erneuert wird, daß wir in der Endzeit stehen, wie es in der geheimen Offenbarung steht: 'Siehe das Zelt Gottes, in den Hütte der Menschen.' Er will ihr Gott sein. Ich weiß auch, daß der Heiland noch mehr Seelen erwählt, um bei ihnen zu wohnen. O ich freue mich. Das, was ihr besitzt, kann euch nicht genommen werden. Es ist ja euer Eigentum, weil es nicht vom Priester konsekriert ist."

Ich bin so bewegt, daß ich weine vor Glück. Hochwürden fragte, ob es mir übel sei. Ich sagte: "O nein, Herr Pater, es ist nur die Freude. Ich bin so bewegt. Soviel habe ich darum gelitten und gekämpft. Ich hätte nicht mehr leben können, wenn mir das Liebste genommen wäre." Ich sehe, er hält die Tränen zurück, er ist selbst bewegt. Ich sagte noch: "Ja, der liebe Heiland hat mir gesagt: 'Ich werde noch mehr Häuser erwählen, wo Ich wohne.' Bei den ersten Christen war es auch so. Ich wollte, es wäre so geblieben."

Dann knie ich dankend und jubelnd vor meinem Gott in der Kapelle. Das Kreuz auf dem Altar leuchtet so wunderbar. Der gute Heiland läßt mich alle schauen, die Er durch Maria zu einer Schar vereint hat. Wir hängen alle am Kreuz und auch unsere Priester, die in unseren Kreis gesetzt wurden. Einer leuchtet wohl ein wenig mehr wie der andere. Ich frage: "Lieber Heiland, was willst Du mir damit sagen oder zeigen?" Er antwortet vom Kreuz: "Das ist die Liebe, die alles neu vereint."

 

Dienstag, den 2. Mai 1950

Nach Gottes Willen mußte ich heute mit Schwester Anna nach Bocholt, wo wir abends um 8 Uhr von der Bahn abgeholt wurden.

 

Mittwoch, den 3. Mai 1950

Hier in der St. Georgs-Kirche finde ich das wunderbare Kreuz, das geblutet hat. Ich erkenne es, weil es mir im vergangenen Jahr am Feste des kostbaren Blutes gezeigt wurde. Da sprach der Herr: "Bei diesem Kreuz wirst du stehen und beten." Nun bin ich dort. Es ergreift mich, weil ein schönes Licht das Kreuz einhüllt. Jesus spricht: "Geführt habe Ich dich an den Ort, der dient zur Rettung der Seelen. Siehe, wie hier Mein hl. Blut verehrt wird. Siehe auch den Segen, der durch Mein hl. Blut einen Weinberg schuf, der die Freude Meines Herzens ist. Ich suche aber mehr Arbeiter in diesem Weinberg, die hinausgehen in alle Welt, die die Hilfesuchenden zur Quelle führen, wo Mein hl. Blut floß. Die Erde wurde getränkt davon. Ich streute vom Kreuze den Samen, der aufging, der tausendfältige Frucht brachte. Der Widersacher sah mit Neid auf diesen Weinberg. Er vernichtete, was Meine Liebe hier tat. Ich ließ es zu, daß große Verwüstung und Zerstörung kam. Seine Macht aber scheiterte an diesem Kreuz, das durch Mein hl. Blut geheilt ist. Die Zeit ist gekommen, daß nur Rettung zu finden ist durch Mein hl. kostbares Blut."

 

Donnerstag, den 4. Mai 1950

Heute lerne ich Beningna kennen. So nennt sie der Heiland. In der Welt ist sie Berna Biermann. (Anmerkung: Eine besonders arme Seele, deren Bücher in Münster beim Bischof abgegeben wurden. Sie starb 1958 in Bocholt. Sie hat 9 Bücher geschrieben, die noch nicht veröffentlicht wurden.) Sie führt mich ins Clarissen-Kloster. Wir finden uns als Schwestern. Am Nachmittag sind wir im Kreis Gleichgesinnter. Dort lerne ich auch den Bruder von Grete Ganseforth kennen, der großen Opferseele von Heede. Ich bestelle Grüße an Grete und sage ihm, daß ich als Opfer mit an ihre Seite gestellt bin. Darüber freut er sich. Unter den Anwesenden ist eine Frau, die durch ihren Reichtum ihr Kreuz abwerfen möchte. Sie scheut nicht, mir eine große Summe anzubieten, wenn ich ihre Leiden übernähme.

 

Freitag, den 5. Mai 1950

Jesus ließ mich leiden für diese Frau. Die ganze Nacht die Leiden der Annagelung und Kreuzigung getragen. Das hat die Frau anderen Sinnes gemacht. Nun trägt sie ihr Kreuz und wird andere gute Werke mit ihrem Reichtum verrichten. Dann holt mich der hochw. Herr Kaplan mit dem Auto nach St. Ewalde.

Jesus sagt nach der hl. Kommunion: "Gedenke dieses Priesters oft. Er ist so verkannt, aber Ich habe ihn in Mein Herz geschlossen. Als Apostel Meines hl. Blutes habe Ich ihn erwählt. Er wird Großes für Mich tun." Jesus segnet die Gemeinde, die er liebt.

Am Nachmittag bin ich bei Maria Schröer. Sie ist 14 Jahre alt und leidet an Muskelschwund. Dann bin ich bei einer 15-jährigen Gelähmten. So fährt mich der gute Kaplan noch zu anderen Kranken. Ich segne sie still und nehme sie mit hinein in meinen Opfer- und Leidensweg.

 

Samstag, den 6. Mai 1950

Heute bin ich bei Beningna. Ich sehe die Muttergottes ganz in Weiß und mit blauem Mantel. Sie trägt ein Licht, umgeben von Engeln und Tausenden von Lichtern.

Sie sagt: "Die Lichter sind meine Kinder. Ihr, die ihr dem ewigen Lichte folgt, was seid ihr anderes als Lichter. Leuchtet euren Brüdern und Schwestern, besonders denen, die das Glaubenslicht ausgelöscht haben, die keine reine Liebe mehr im Herzen tragen."

 

Sonntag, den 7. Mai 1950

Ich bin in der Ortskirche. Es ist ein Fabrikraum. Dort ist das große Kreuz. Der Herr spricht: "Es ist Mein Wunsch, daß kleine Kreuze und Bilder angefertigt werden. Auf den Bildern soll kurz das wunderbare Geschehen vermerkt werden. Ich will dadurch viele Seelen an Mich ziehen. Durch die Verehrung Meines kostbaren Blutes wird manche Seele gerettet."

Dann sehe ich die Muttergottes so wie gestern. Von ihren Händen geht ein Goldregen aus. Sie spricht: "Gnaden habt ihr überreich empfangen. Ein herrlicher Weinberg ist hier. Er muß noch schöner blühen. Mehr Priester müssen wieder hervorgehen. Bete darum, mein Kind, und sage es allen hier im Ort."

 

Montag, den 8. Mai 1950

Heute fahren wir heim. Da es zu spät wird, muß ich bei Anna in Siegburg bleiben.

 

Dienstag, den 9. Mai 1950

Ich bin in der St.-Anno-Kirche. Bei der Präfation schießt aus der Erde ein großes Licht auf in meiner Nähe. Ich erschrecke. Dann sehe ich einen Engel im rotem Gewand. Die Hände sind überkreuzt. Er spricht: "Ich bin Katharinas Schutzengel. Ein großer Freudentag ist heute. Der gute Heiland fragt dich, ob du bereit bist, ein weiteres Opfer zu bringen? Es geht um deine Schwester Katharina. Sie muß geholt werden. Wer es tut, muß sich freiwillig anbieten. Dieser Seele werden große Gnaden zuteil." Ich antworte: "Ich bin bereit. Sind es Kreuzesleiden, die ich tragen darf?" Der Engel: "Der Herr fordert ein anderes Opfer. Von dieser Stunde an darfst du nicht eher essen und trinken, bis die Seele gerettet ist." Ich: "Ich bin bereit:" Der Engel scheidet. Herr Sch. wundert sich, daß ich in der Freudenzeit nicht esse. Anna erzählt. Da bietet er sich an und holt Katharina. Dann kommen unerwartet mein Seelenführer, hochw. Herr Pater Josef Dohmen, und die Beterschar. Katharina kommt auch. Sie ist unbelehrbar und sagt, sie werde nicht sterben, sondern ewig leben. Sie will sich nicht bekehren. Will nicht beichten, trotzdem der Pater sich die größte Mühe gibt. Es rührt sie nicht, daß ich nicht essen und trinken darf. Da biete ich mich für die Kreuzesleiden der 11. und 12. Station an. Der Herr wirft mich aufs Kreuz. Ich falle so schwer, daß ich mir die linke Stirnseite über dem Auge aufschlage. Furchtbarer Kampf mit Satan um die Seele. Als sie mich so blutüberströmt sieht, bricht der Starrsinn. Sie legt eine gute Beichte ab. Der Engel sagt: "Die Seele ist nun rein. Ein krankhafter Zustand wird lange bleiben, weil sie ein Spiel mit der Gnade trieb."

 

Samstag, den 13. Mai 1950

Durch den schweren Fall am Dienstag sehe ich ganz entstellt aus. Ein schwerer Bluterguß ist in und über dem linken Auge. Der Arzt stellt Blutkreislauf- und Nervenstörungen fest. Die Muttergottes spricht: "Das ist heute dein Gnadengeschenk. Der Priester hat diese Krankheit, für den du dich geopfert hast. Der Priester soll nicht grübeln und zweifeln. An dem Ort, wo er war, das ist und bleibt der Ort seiner Selbstheiligung. Bei Gott gilt nicht Zeit und Stunde, sondern der Wert der Leiden und Opfer."

Jesus spricht: "Siehe, meine Braut, damit der Eigensinn brach bei jener Seele, hattest du die große Wunde an der Stirn. Verstehst du, warum Mein Körper so zerfleischt sein mußte? Ich litt ja für jede Sünde nach ihrer Art. Wie konnte da noch ein gesundes Glied an mir sein?"

"Ja, lieber Heiland, ich verstehe Dich immer mehr, auch wenn Du Wunden schlägst für andere."

"Ich setzte dir das Fastengebot", spricht Jesus weiter. "Es rührte die Seele nicht, aber nach Leiden, die du erflehtest, geschah das Wunder. Es diene allen zur Erkenntnis, daß Leiden noch über Fasten steht. Beides verbunden ist noch wertvoller und hat große Kraft."

 

Sonntag, den 21. Mai 1950

Eine ganz Woche bin ich schon krank, Grippe, Angina und Kehlkopfentzündung. Die hl. Schutzengel sind mein Trost. Ich bete um Kraft, daß ich zur hl. Messe gehen und Jesus empfangen kann. Ich erhalte die Gnade. Als ich heimkomme, ist mein Herz-Jesu-Bild strahlend von der Sonne umgeben, ebenfalls leuchtet das Bild der Muttergottes. Jesus sagt: "Mütterlein kommt." Ich denke, daß es eine besondere Freude ist, daß Mutter Hilker zu mir kommt.

 

Dienstag, den 23. Mai 1950

Durch meinen lieben Seelenführer erhalte ich die Nachricht, daß Mutter Anna am Sonntag, den 21. gestorben ist. Nun verstehe ich, was Jesus mir Sonntag sagte, und Er freute sich mit der Muttergottes, das Er Mutter Anna heimholte. Jesus sagt heute: "Dein geistiges Mütterlein muß noch durch eine kleine Reinigung gehen. Dann darfst du sie sehen." Mein Krankheitszustand hat sich wieder verschlimmert. Leide gern mit und für die Kranken, die schon lange bettlägerig sind, damit ihnen wahre Pfingstfreude gegeben wird.

 

Mittwoch, den 31. Mai 1950

Nun bin ich wieder gesund. Ich knie am Maialtar. Durch die Krankheit habe ich so wenig die Maiandacht besuchen können.

Maria umgibt mich und spricht: "Meine Kinder habe ich in diesem Monat mit Gnaden überschüttet. Sei nicht traurig, weil du die Andacht so wenig besuchen konntest. Leiden ist höchstes Gebet in Ergebung des hl. Willen Gottes. Leiden sind auch das höchste Geschenk, weil sie zu den höchsten Freuden führen."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 2. Juni 1950

Jesus spricht: "Dieser Monat soll für dich, kleine Braut, ein Monat der Freude sein. Ich gebe dir den Tag an, der für dich bestimmt ist, hinzufahren zu dem Ort, wo Mein hl. Blut besonders verehrt wird. Deine Schwester Luise darfst du besuchen. Vom großen Fastengebot befreie Ich dich. Weil man dir Gutes tun will, darum mache Ich dich frei." "Dank, o Jesus."

 

Sonntag, den 4. Juni 1950

Sehe den wunderbaren Thron der Heiligsten Dreifaltigkeit, drei Könige von gleicher Majestät. Im Gebet versunken, gehe ich dann über den Ölberg. Sehe den ganzen Horizont bedeckt mit Engeln. Sie neigen sich, treten zurück und neigen sich wieder. Dann sehe ich den Vater wie ein Schattenbild, wie er liebevoll die Arme ausbreitet. Dann sehe ich drei Lichter, aus denen segnend ein Lichtkreuz hervortritt.

 

Dienstag, den 13. Juni 1950

St. Antonius spricht: "Meine Schwester, Gottes Willen tue ich dir kund. Fahre am 21., am Feste des hl. Aloysius, mit deiner Schwester Margarethe nach Biberach. Lade auch deinen Bruder Heinrich ein. Es soll eine Wallfahrt sein. Jesus wird euch besonders segnen.

 

Mittwoch, den 21. Juni 1950

Es war eine schöne Fahrt. Um 17.15 Uhr waren wir am Bestimmungsort. Wir staunen. Personen aus einem Bus nehmen uns in Empfang, als hätten wir uns schon immer gekannt. Ich dachte, nur Luise wäre da. So frage ich erstaunt: "Woher sind wir euch bekannt?" Antwort: "Aus den Schriften." Da ging mir ein Licht auf. Hier war Liebe und Menschenfreundlichkeit, aber auch Sensation. Ich glaubte, in die Stille und Verborgenheit zu gehen. Es sah nicht danach aus. Es wurde spät, bis wir zu Ruhe kamen, da ja Schwester Luise noch Namenstag hatte.

 

Donnerstag, den 22. Juni 1950

Sühnestunden halte ich vor einem Kreuz des Zimmers, wo ich mit Luise schlafe. Der hl. Aloysius und hl. Longinus sind bei mir. Rudi und Moni, die verstorbenen Kinder meiner Luise, sehe ich vom Lichtglanz umgeben. Sie singen ein schönes Lied zum Namenstag ihrer Mutter. Dann erscheint Jesus. Er kündigt mir Leiden an.

 

Freitag, den 23. Juni 1950

Ich gehe nach Jesu Willen für alle, mit denen ich hier bekannt werde, den Sühnekreuzweg. Bei der 3. Station ist besonders lange Sühne. Dann dürfen wir die Altäre betrachten und die vielen Reliquien. Sühne bis 12 Uhr.

Am Nachmittag lerne ich Fräulein Köhler kennen. Sie ist sehr gut, aber zuviel Martha. Dann geht es ins Spital und in den Kindergarten. Da steht eine Statue von Fatima. Es ist, als lebte sie. Maria ist auch da. Ich höre: "Ich habe Großes vor. Ich will auch hier meine Kinder mit euch vereinen zu einer Großfamilie."

 

Samstag, den 24. Juni 1950

Um 6 Uhr früh fahren wir nach Weingarten zum Martins-Dom. Nach der hl. Messe knie ich vor der Heilig-Blut-Reliquie. Darin sehe ich das hl. Antlitz Jesu. Es wechselt in freudigem und leidendem Ausdruck. Ich sehe es auch gekrönt mit goldener Krone. Ich bitte um die Bedeutung. Jesus erklärt: "Was will Ich wohl mehr, Meine Braut, als daß Mein Blut wieder so verehrt wird wie in vergangenen Tagen. Ich suche Arbeiter für meinem Weinberg. Man soll nicht kommen, um hier die Schätze der Kunst zu bewundern, sondern Mir soll man Dank, Anbetung und Lob bringen. Gehe erst an den Ort, den die himmlische Mutter heiligte. Dann sage Ich dir noch mehr."

Nach der hl. Messe kommen andere Einladungen. Um 14 Uhr wird uns die hl. Blutreliquie zur Verehrung gereicht. Dann sind wir in der Buchhandlung Bayer. Wir sehen das Jesuskind in einem wunderbaren Schrein. Es ist von Bethlehem und schon 160 Jahre im Besitz der Familie.

 

Sonntag, den 25. Juni 1950

Heute machen wir eine Wallfahrt nach Pfaffenhofen-Marienfried. Ich knie an der Erscheinungsstelle, wo der Engel stand. Mir wird es so heiß unter den Füßen, daß ich fortgehen muß. In der Kapelle sehe ich die Muttergottes. Sie sagt: "Hier wird noch einmal eine Quelle fließen, zu der die Kranken kommen und geheilt werden. Laß einen Gruß für mein Kind Bärbel zurück."

Sehe die Muttergottes links in einer Ecke. Erfahre, daß sie hier erschien.

 

Freitag, den 30. Juni 1950

Heute sind wir noch in Weingarten bei der Familie Bayer. Ich sitze am Tisch und höre aus einer Ecke meinen Namen rufen. Es ist Maria. Ich höre: "Sage meinem Kind, es soll nicht mehr weinen um seinen Jungen. Er ist glücklich. Was in ihm genommen scheint, das ist in dem anderen Kind, das ein Himmelsgeschenk ist und ein Kind der Gnade, doppelt wieder geschenkt. Wenn die Seligen noch traurig werden könnten, würden sie es um der vielen Tränen willen, die um ihren Heimgang vergossen werden. Freuet euch vielmehr, daß sie vollendet sind. Sie ruhen in Gott. Sie bitten für euch, sind Wegbereiter, sind Lichter, die leuchten.

Ich habe Großes vor. Noch immer kannst du nicht verstehen. Du wirst mehr verstehen, wenn der kommt, der Große, der dich führen wird. Er wird auch dein Bruder sein. Er führt ein heiligmäßiges Leben. Er ist streng mit sich selbst und sehr gewissenhaft; es scheint, als sei er fast unnahbar. Wenn er aber die Seele erkannt hat, ist er die Güte selbst. Ich werde ganz eure Mutter sein, die euch mit Jesus vereint im Heiligen Geiste. So werdet ihr die höchsten Stufen hier auf Erden erreichen und glücklich sein in Gott." "Meine Mutter, ich freue mich so auf diese Tage und Stunden."

(Der Angekündigte war der hochw. Herr Pater Heinrich Maria Schröder, Jesuit. Das geht aus den weiteren Schriften hervor.)

 

Samstag, den 1. Juli 1950

Ein gnadenreicher Tag ist heute. Mit Bruder Heinrich und Schwester Margarethe weile ich im Dom. Es ist Danktag für die empfangenen Gnaden und Wohltaten. Ja, danken, das könnten wir dauernd, wenn wir nur immer daran dächten. Gedankt wird Gott gegenüber zu wenig. Ich will es tun für alle, die nicht daran denken.

Die Festpredigt handelt von einer Bitte aus der Heilig-Blut-Litanei: "Daß in Deinem Blute nahe werden, die ferne sind." Ich denke auch an alle, die fern sind, fern von Gott, fern vom wahren Glauben, fern von der Muttergottes. Ein Weh hat sich um mein Herz gelegt. Im Vertrauen hat man mir einen Priester empfohlen, der gesagt hat, er brauche die Muttergottes nicht. Er ist es, der diese Predigt hält. Nach der Predigt kann ich es nicht fassen, daß es wahr sein könnte. Es wird wohl nicht so gemeint sein, wie es gesprochen wurde. Meine Lippen setzen in die Worte seiner Predigt die Bitte: "Daß du der Muttergottes nahe kommst, der du so fern von ihr stehst."

"Lieber Heiland", bitte ich, "zeige ihm von dieser Stunde an mehr den Weg zu Deiner Mutter. Laß ihn etwas erleben, daß er die Muttergottes braucht." Wieder brennen meine Lippen nach dem Küssen der Blutreliquie. An der Kommunionbank, an der ich warte, sagt Jesus: "Schau auf die Reliquie." Ich sehe darin die Schmerzhafte mit dem blutbedeckten Heiland auf ihrem Schoß. Ich verstehe das nicht.

Jesus erklärt: "Meine Seele, das verstehst du nicht, warum Ich dir hier die Schmerzhafte zeige in der Blutreliquie? Sie ist die Königin des kostbaren Blutes, weil sie den König trug, der Sein Blut vergoß zum Heil der Welt. Unaufhörlich opfert sie das kostbare Blut im immerwährenden Opfer dem Vater auf, damit er gnädig und barmherzig sei. Wo ein Ort ist, wie hier, mit dem kostbaren Schatz Meines Blutes, das vom Kreuz floß, ist sie, die Mutter und Königin, die die Gnaden dieses Schatzes vermittelt. Danket ihr, der großen Gnadenvermittlerin."

Ich bitte auch den lieben Heiland um die Bedeutung des Brennens nach dem Küssen der Blutreliquie. Er sagt: "Solange du den Brand spürst auf deinen Lippen, kannst du deine Gegenstände an deine Lippen bringen und sie gelten als angerührt." "Dank Dir tausendmal, lieber Heiland. Wie gut bist Du. Du erfüllst die leisesten Regungen des Herzens, wenn sie mit rechten und echten Absichten verbunden sind."

Ich hatte nichts mitgenommen. Ich sehe nun, wie die Leute ihre Gegenstände an die Blutreliquie halten lassen und es tut mir leid, nichts bei mir zu haben.

Schwester Emmy aus Ravensburg lädt uns ein. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Ich bete. Jesus sagt: "Folget der Einladung. Durch Meine himmlische Mutter, die große Gnadenvermittlerin, ward euch die Gnade zuteil."

 

Blutsonntag, den 2. Juli 1950, Weingarten, Maria Heimsuchung

Das Fest geht weiter. Wie reich werden wir an Gnaden. Am Nachmittag ist die Heilig-Blut-Prozession in der Kirche. Bevor sie auszieht, sehe ich noch durch das Gitter im Chor auf dem Hochaltar eine Monstranz wie eine Sonne und darin den lieben Heiland, die eucharistische Sonne. Es ist mir unerklärlich, daß das Allerheiligste verborgen hinter dem Gitter ausgesetzt sein soll. Ich mache Schwester Margarethe aufmerksam. Nach einer Weile sieht sie es auch. Ich gehe nun zur Kommunionbank, um mir für meine Kranken den Krankensegen geben zu lassen. Da ich nun näher dem Hochaltar bin, sehe ich wieder hin und sehe die Monstranz jetzt nicht. Auf meinen Platz zurückgekehrt, sehe ich die Monstranz wieder. Dann fällt mein Blick auf ein Tischchen rechts vom Heilig-Blut-Altar. Auf diesem Tischchen steht eine leere Monstranz, die aussieht wie eine Sonne und dieselbe steht auf dem Hochaltar mit dem Heiland. Was bedeutet das? Nach der Prozession ist Aussetzung auf dem Heilig-Blut-Altar. Hier steht nun der Heiland auf dem Heilig-Blut-Altar und auf dem Hochaltar sehe ich dieselbe Monstranz. "Sag, lieber Heiland, was bedeutet das?"

Er sagt: "In stiller Stunde sage Ich dir dieses Geheimnis, wenn du dein Erleben niederschreibst. Vertraue Mir, Ich bin mit dir."

Am Abend weilen wir bei Schwester Emmy Finsterhölzl, die sehr liebevoll und besorgt ist. Nichts spricht hier von Gott. Ich mache mir einen Altar auf der Konsole und segne die Räume. Ich gehe noch einmal hinaus an die anderen Türen und segne jene, die uns beherbergten diese Nacht, damit für dieses gute Werk ihnen Gnade zuteil würde. Gott nahe zu kommen, dem sie fern stehen. Dann schaue ich hinaus in die Nacht. Wie so oft sehe ich in einem gewaltigen, weißen Schattenbild den Vater, umgeben von vielen Engeln. "Vater, lieber Vater, segne alle, die uns gut sind und laß auch diese hier den Weg zu Dir finden."

 

Montag, den 3. Juli 1950, Ravensburg

Ich kann nicht anders, als mit Schwester Emmy über meine Empfindungen zu sprechen. Sie vertraut mir nun an, daß diese Nichte vom Glauben abfiel. Ich weiß nun, warum ich hier sein muß. Ich bitte Jesus, mir diese Seele zu schenken. Am Nachmittag führt Jesus mich an verschiedene Orte. Er sagt: "Jetzt ist der Anfang des Weltgeschehens (der Korea-Krieg). Gott hat den Anfang am Rosenmontag gemacht."

Ich darf von heute an die Kreuzwegstationen gehen, die mit der Versuchung Jesu anfangen. Sehe große Verwüstungen und Zerstörungen. Es sieht aus, als wäre die ganze Hölle ausmarschiert. Überall sehe ich Teufel in Massen, besonders in den Autos, auf der Bahn, beim Sport, dicht gedrängt auf allen Wegen, auch in der Kirche. Weil die Welt angefüllt ist von Dämonen, darum kann es wohl nicht anders sein, daß die Menschen so dämonisch sind in ihrem Tun und Handeln. Ich möchte weinen über die Greuel der Verwüstung, wie einst Jesus über Jerusalem weinte und mit Ihm sprechen: "Jerusalem, Jerusalem, wenn du doch erkennen würdest, was dir zum Frieden dient." Ich sehe die Engel an den vier Enden der Erde. Sie halten große Schalen mit Feuer, die sie über die Erde ausgießen. Ich möchte allen zurufen: "Betet, betet immer, die Engel stehen bereit, die Zornesschalen auszugießen." Wie furchtbar ist der Mensch, wenn er zum Dämon wird. In diesem Haß zerstört er alles. Es sieht so grauenhaft aus, als wären wir am Anfang der Schöpfung. Wie im Flug geht mein Blick von einem Erdteil zum anderen. Fast überall ist das gleiche Bild: "Ja, Herr, Du kannst nicht anders. Du warst zu lange von großer Erbarmung. Du zeigst, daß Du der Herr bist, dem Ehre und Ruhm gebührt. Daß Du gibst, aber auch nehmen wirst, wenn sich die Völker von Dir abwenden."

Mein Blick geht ins Heilige Land. Auch dort ist das schreckliche Bild. In lichter Ferne aber steht ein neues Jerusalem. Das alte ist nicht mehr. Es ist so schön, als wäre es wie eine geschmückte Braut, die aus dem Meer steigt. Groß und hoch ragt ein reiner, weißer Tempel Gottes, wie in einem hellen Lichte stehend, von einem Himmelblau eingerahmt. Ich kann nur einen Ruf der Freude hervorbringen: "Jerusalem ist nicht mehr. Ein neues Jerusalem steht in der Ferne. Wir werden hinaufziehen nach den Tagen der Trübsal, Ihm Lob und Dank darbringen, dem Allerhöchsten. Heiliger Tempel Gottes, wie wunderbar leuchtest du. Wir ziehen hinauf zu dir, arm und gering geworden und doch so reich, weil sie Dich, o Gott, erkannt haben."

Ich sehe den Heiligen Vater in großer Gefahr, von Feinden umringt, krank und bleich. Ich bitte für ihn: "Herr, Du wirst ihn nicht sterben lassen, jetzt noch nicht. Nein, er stirbt auch nicht, ich weiß es. Du hast es ja gesagt, er ist es, der die Völker zusammenführt, ihm ist die Macht gegeben, weil er ein Abglanz Deiner Liebe ist."

Ich will den hl. Petrus anrufen, daß er für den Heiligen Vater bittet: "Schütze ihn, hl. Petrus, bitte für ihn." Ich bitte den Heiland weiter, daß Er den Heiligen Vater erleuchte in der großen Sache des blutenden Herz-Jesu-Bildes: "Lieber Heiland, es geht ja um Deine Verherrlichung, um den Triumph der Kirche, um die Rechtfertigung Deines Priesters (Abbé Vachére). Ich will es nicht wissen, aber Du, der Du alles kannst, Du wirst etwas geschehen lassen. Es muß etwas kommen, damit alle Priester geheiligt werden. Nicht umsonst sind diese Opfer gewesen. Was sind Jahre, was sind Opfer im Vergleich zu Dir. Es kommt doch zu ihm, zum Heiligen Vater, das schöne Bild. Ich will es nicht sehen, will noch weiter kämpfen und beten. Ich weiß, daß ich Erhörung finden werde mit all denen, die mir zur Seite stehen. Wer ausharrt, wird siegen, wenn er aus der Wahrheit ist."

Jesus umgibt mich. Er sieht so schön majestätisch aus. Auf meine Bitten erwidert Er: "Meine Gnade und die Kraft des Heiligen Geistes haben Seele und Verstand des Heiligen Vaters für diese Zeit besonders ausgezeichnet. Vertraut mir weiter. Groß wird der Tag Meiner Verherrlichung sein. Ich bin der König, der mit eisernem Zepter die Völker führt unter Meinem Banner. Die Krone trage ich von Ewigkeit her. Aber auch dem Königsherz, das blutete, das weinte, das die Nationen, besonders seine Diener, schützen wollte vor dem Zorn des Vaters und noch will, gebührt die Krone."

"Ich danke Dir, guter Heiland, für diese Worte. Sie geben neuen Mut zum weiteren Kampf für Dich, Christus, König. Dein ist der Sieg."

Der liebe Heiland läßt mich schauen eine große Schar der Erlösten, die vor der Himmelstüre stehen. Auf einmal sehe ich meine liebe Mutter Anna Hilker. Alles ist so weit und groß, daß ich sie wohl kaum hätte sehen können. Ein besonderes Leuchten geht von ihr aus, und ich erkenne sie. In meiner Freude rufe ich: "Mütterlein, ich sehe dich doch. Stehst du vor der Himmelstür?

Was ist das groß! Ist die Schar groß, die wartet! O, heiliger Engel, da schwindelt es mir schon vor Seligkeit, da wo sie steht." Es bleibt still. Der hl. Engel sagt: "Mutter Anna darf noch nicht sprechen mit dir, muß noch schweigen. Schweigen mußte sie im Leben mehr."

"Sag, hl. Engel, ihr Gewand ist doch schön, schön hell?" Der hl. Engel sagt: "Es ist schon schön für die Glückseligkeit, aber noch nicht würdig der Anschauung Gottes. Auch hier droben ist ein Unterschied in der Erkenntnis Gottes. Wenn schon die Engel nicht die gleiche Erkenntnis haben, wie kann sie die Seele haben, die Gott nicht liebte mit der Liebe, die Ihm gebührt. Der Schlüssel zu diesem Geheimnis ist die Liebe. Je größer die Liebe zu Gott ist, um so größer ist die Gnade der Erkenntnis Gottes schon auf Erden und wird auch hier groß sein, wenn die Seele sich in Liebe und Sehnsucht verzehrt, wenn der Mensch nicht einen Atemzug ohne Gott sein kann, wenn er den Tod der Liebe stirbt. Die Seligen sind beglückt über ein Gebet für sie, damit sie noch eine größere Erkenntnis Gottes erlangen."

"O hl. Engel, wenn ich schon soweit wäre, schon in der Glückseligkeit. Wie sind die Begriffe so schwer von der Anschauung Gottes."

Das schöne Bild entschwindet. Zurück geht mein Blick auf die Erde. Ja, die ganze Hölle ist ausgezogen, überall hat Luzifer, der oberste der Teufel, sein Zelt aufgeschlagen. Von seinem Licht ist alles erhellt und blendet die Menschen. Ich höre sein tiefe, rauhe Stimme: "Ich bin der Herr, mein ist die Welt. Nun mache ich den Stein zu Brot. Sie steigen auf die Zinne des Tempels und stürzen sich hinab. Ich habe meine Helfer, daß ihnen nichts geschieht. Mein Reich, meine Diener, sie beten mich an. Christus, wo ist Deine Macht?"

Der hl. Engel sagt: "Das Feuer der Hölle hat Satan seinen Opfern eingeimpft. Wie können sie anders, als im Haß aufbegehren, wie können sie anders, als Feuer schleudern? Das ist Satans Werk. Von diesem Feuer sind die Menschen verblendet." Das Furchtbare geht zurück. Engel kommen. Sie führen Gottes Befehle aus, Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit, Vollstrecker aller Befehle Gottes.

Ein Bild zeigt sich mir, als ließen die Engel die Enden der Erde aus den Händen. Es gibt eine Zerrüttung, ein Bild des Grauens, ein Flammenmeer, das die Erde zu verschlingen droht, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

"Halt ein, barmherziger Gott. Wenn doch die Menschen Dir dienten, wie es Dir gebührt, in Ehrfurcht und Liebe, dann brauchtest Du nicht zu strafen. O Jesus, komm, Sehnsucht meines Herzens. Ach, daß Du im Liebessakrament doch von allen geliebt würdest." Er kommt, mein Licht, mein Weg und mein Leben. Süße Vereinigung. "Es ist so schön, bei Dir zu ruhen. Geheimnis der Liebe. Nun ruhe ich an Deinem Herzen. Niemand kennt Dich. Du stehst mitten unter allen, sie sehen Dich nicht. Das ist das Schöne um die Gottheit, eingeschlossen und doch nicht eingeschlossen. Ja, wenn die Menschen diese Liebe erfaßt haben, dann bist Du der König aller Herzen. Mein Geliebter ist mein. Was brauchen wir noch mehr, als uns in die Augen zu schauen?" Jesus wird Licht, das klein wird, wie eine Hostie. Er zieht ein durchs Herz in die Seele. Ich bin so glücklich, bin vereint mit Ihm. Dann entschwebt er. "Wiedersehen, lieber Heiland. Und doch bleibst Du hier. Geheimnis." Er ist fort und doch nicht fort. Die Ewigkeit wird die Geheimnisse der Liebe lüften.

Am Abend erscheint die Muttergottes, wie sie mir 1943 erschienen ist, im blauen Mantel, sternenbesät, sternengeschmückter Krone und Schuhen. Ich muß sie ehrfurchtsvoll grüßen, sie naht so hoheitsvoll: "Gegrüßet seist du, Maria, Sternenkönigin. Gegrüßet seist du, Maria. Woher kommt uns die Gnade, daß du zu uns kommst in letzter Stunde? Du bist so schön, du unsere Freude, du Ursache unserer Freude. Wieviel hast du uns gegeben, Gnadenvermittlerin, liebenswürdige Mutter, wunderbare Mutter. Dank, tausend Dank. Segne alle, die so gut waren, die uns Freude geschenkt, von dir ausgehend. Du Ursache unserer Freude, gib ihnen hundertfältig zurück, was sie uns geben. Nie werden wir sie vergessen. Du hast uns hineingenommen in die große Schar, der du Freude geben willst. Du schaust so eigenartig. Ein stilles, verstecktes Lächeln umgibt deine Züge. Willst du uns noch mehr erfreuen? Also sollen wir heimfahren, uns ganz dem Willen Gottes überlassen, Er, der uns Freuden bereitet hat durch dich? Wie Er will, wie du willst, sage ich: 'Ich bin die Magd des Herrn.' Du bist auch willenlos gefolgt, darum auch so hoch erhoben. Daß wir eine solche Mutter haben. Königin der Liebe, Königin des hl. Blutes, so nannte dich Jesus gestern. Königin des hl. Blutes, bitte für uns, daß durch das hl. Blut reingewaschen werden die Völker der Erde. O, schönstes Glück auf Erden, Marienkind zu sein."

Segnend entschwebt sie, von Engeln umgeben.

 

Dienstag, den 4. Juli 1950, Ravensburg

Die Kreuzesleiden gehen weiter, alle zwei Tage eine Station, bis der Monat zu Ende ist. Am Ende des Monats darf ich darüber schreiben. Gestern war ich in Weißenau. Dort ist das hl. Blut, das Maria Magdalena unter dem Kreuze auffing. Ich freue mich, bestätigt zu finden, was ich 1947 schauen durfte. Wir dürfen die Reliquie anrühren und werden damit gesegnet. Gestern hatte ich die Erscheinung eines Priesters im violetten Gewand. Wie flehend streckte er die Hände aus. Heute erscheint er wieder und hat eine Schar Priester bei sich. In meiner Not bitte ich den lieben Heiland. Er spricht: "Diese sind noch aus der Reformationszeit." So will ich ihrer gedenken, bis Jesus mir mehr darüber sagt.

 

Sonntag, den 9. Juli 1950, Biberach

Heute waren wir in Reuthe bei der guten Betha. Es sollte eine Abschiedsfreude sein, weil es morgen heimgeht. Es ist mir nicht gut, ich weiß noch nicht, ob es natürlich ist, oder ob es im Zusammenhang mit dem Kreuzesleiden ist. In der Gnadenkapelle liegt die gute Betha noch unversehrt. Links hängt ein Bild, das zeigt, wie sie die Wundmale empfängt. Der Heiland zeigt es mir. Die rechte Hand sieht aus wie eine Sonne. In der linken Hand ist die Blutung wie ein Kreuz. Dann sehe ich Blut aus Augen, Nase und Mund fließen. Ich sehe auch, daß sie die Dornenkrone trägt. Die Herzgegend leuchtet wie eine Sonne. Ich kann es mir nicht erklären.

Dann besichtigen wir das Mittelschiff der Kapelle. Dort hängt ein Bild, auf dem ich die Leidensmerkmale sehe. Der gute Heiland hatte mir gezeigt, wie er Seine treue Dienerin mit Seinen Leidensmerkmalen geschmückt hat. Die Übelkeit nimmt auf dem Heimweg zu, daß fast die Sinne schwinden. In Biberach angelangt, begebe ich mich auf mein Zimmer. Die Luft geht mir aus, alles beengt mich. Ich setzte mich ans Fenster. Dann wird es mir klar. Der Heiland steht vor mir: "Folge Mir."

 

Dienstag, den 11. Juli 1950, Geistingen

Heute besuche ich meinen kranken Priester, den hochw. Herrn Rektor Josef Kurtenbach. Margarethe begleitet mich. Ein Unwetter überrascht uns, und triefend vor Wasser kommen wir dort im Brüderhaus Siegburg an. Der Heiland spricht in der Kapelle über sein Leidensopfer: "Das Opfer muß vollendet werden. Nichts geschieht ohne Meinen Willen." Das Unwetter und die durchnäßte Kleidung, die ich abends noch trug, hatten doch ihren Nachteil. Ich mußte zu Bett, lag aber nicht lange. Ich mußte aufstehen für die Leiden der V. Kreuzwegstation. Jesus sagt: "Das Unwetter gehört auch in die fünfte Station. Ich habe doch auf Meinem Weg auch nur Unangenehmes gehabt."

"Ja, lieber Heiland, alles will ich tragen, wie Du es mir sendest für die anderen."

 

Mittwoch, den 12. Juli 1950, Geistingen

Ich komme spät in die Kirche. Durch die Leiden in der Nacht habe ich den rechten Fuß verstaucht. Ich meine, ich käme schon zum Schluß. Wie freue ich mich aber, als alle Altäre der Klosterkirche noch besetzt sind. Ich kann nur weinen ob der großen Gnaden. Heute wird ein Fräulein beerdigt, das über 80 Jahre alt wurde. Sie hat sich mit Gas vergiftet. Ich leide für sie.

St. Josef sagt nach der hl. Kommunion: "Gottes Barmherzigkeit ist so groß, unergründlich. Die Seele hat im Angesichte des Todes noch vollkommene Reue erweckt und Gnade gefunden. Der Geist war verwirrt. Es ist der Tod auch eine Buße für ihre Schuld, die, wenn sie weiter lebte, größer geworden wäre. Sage doch allen, daß der Teufel die größte Gewalt über eine Seele hat, die sich von irdischem Gut nicht lösen kann. Bete besonders heute für sie."

Auf dem Weg nach Hause gehen wir zum Krankenhaus. Sie ist aber noch nicht aufgebahrt. Die Schwestern meinen, am nächsten Tag sei die Beerdigung. Wir helfen, und indem ich den Sarg berühre, segne ich die Tote. Das war mein stiller Wunsch, der sich erfüllte, ohne daß es bemerkt wurde. Schwester Margarethe und ich beten noch eine Zeit, bis die Leidtragenden kommen.

 

Sonntag, den 16. Juli 1950

Gestern morgen fuhr ich heim. Ich muß jetzt in die Stille, weil die Kreuzesleiden schwerer werden. Freitag war ein gnadenreicher Tag. Schwester Gretchen hatte Schwester Anna und Maria aus Siegburg eingeladen. Ich durfte mich mit allen freuen. In der Nacht durfte ich mit Jesus die sechste Kreuzwegstation erleiden. Wenn ich im Leiden dieser Station bin, dann kommen stets Frauen und erweisen mir Liebesdienste. Schwer war der Tag gestern. Ich kann und darf nichts sagen. Einsamer und verlassener wird nun der weitere Kreuzweg. Jesus ist bei mir. Er war ja auch verlassen.

 

Samstag, den 22. Juli 1950

Heute bin ich frei von Leiden. Es ist ja das Fest der großen Büßerin Maria Magdalena, deren Namen ich tragen darf. Ja, getauft bin ich auf Maria. Es ist wohl der schönste Name, den eine Frau tragen darf. Ich bat den lieben Heiland heute, mich in der Stille zu lassen und niemanden zu schicken. Seit ich erkannte, daß ich nur eine Sünderin sei, fühlte ich mich nicht würdig, den Namen der Allerreinsten zu tragen. Büßerin wollte ich sein und bat Jesus: "Laß mich eine Maria Magdalena der Buße, aber auch der Liebe werden." Im Orden der Buße erhielt ich diesen Namen und Jesus sagte dann nach einer Zeit: "Trage offen diesen Namen, und lasse dich so nennen von deinen Brüdern und Schwestern. Gehe voran in Buße und Entsagung und führe die Büßer zu Meinem Herzen." Ich habe mich gefreut und gesagt: "Ich danke Dir, Jesus mein. Ja, ich will Maria Magdalena sein, will büßen und die Büßer zu Dir führen. Die Gnade, die mir den Namen Maria in der Taufe gab, die will ich erneut verdienen. Wenn ich alles abgelegt habe und Maria, meiner himmlischen Mutter, ähnlich geworden bin, dann darf ich das Kind Mariens sein, das die liebe Mutter zu Dir führen wird."

Ich bin glücklich heute in meiner stillen Einkehr. Weil heute Samstag ist, der Tag, den ich nur den Priestern schenke, so will ich an sie denken, die den Weg der Buße und Entsagung gehen. "Bitte für sie, Maria Magdalena, daß diese auch den Weg der großen Liebe zu Gott gehen wie du." Sie ist mir so nahe, ich fühle es. "Bitte für mich in den Leiden, die ich jetzt tragen darf für die unreinen Sünden, damit ich ausharre und viele Sünder gerettet werden." In der Nacht ist sie bei mir und hält die Wache mit den lieben Engeln, während ich schlafe.

 

Mittwoch, den 26. Juli 1950

Als ich aufstehe, spricht Jesus: "Heute, am Feste der hl. Anna, hast du Feiertag, fahre zu deiner Schwester Anna und freuet euch des Tages." So wurde dieser Tag ein Tag reiner Freude. Die hl. Mutter Anna segnete uns.

 

Mittwoch, den 5. August 1950

Not und Angst kommen über mich. Der Schweiß tritt aus allen Poren. Mein Blick geht weit. Die Sünde triumphiert. Die ganze Bosheit der Sünde wird mir gezeigt. Die Seelen, die ich schaue, sind bedeckt mit einem ekelhaften Aussatz. Die Luft ist voll böser Geister. Schwer fällt es auf mich, so daß ich zum Vater bete wie Jesus: "O, laß es vorübergehen, das ist schwer, ich sterbe vor Angst und Not. Heiliger Engel, stärke mich, wie du auch Jesus gestärkt hast. Ach, was will ich, was habe ich zu bestimmen? Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe." Ich werde nun ruhiger, ich bete für alle. Dann spüre ich Schläge an meinem Körper. Es brennt wie tausend Wunden. Ich darf die Leiden der Geißelung ertragen. Darauf wird der Kopf durchbohrt. Ich darf die Leiden der Dornenkrönung ertragen.

 

Dienstag, den 6. August 1950, II. Station

Jesus reicht mir Sein Kreuz: "Nimm hin, Meine Braut, das Kreuz der Liebe und Erlösung. Liebe es, wie Ich es liebte." Ich umfasse das Kreuz. Ich bin allein. Ich sehe die große Schar der Kreuzträger, die Jesus folgt auf seinem Leidensweg. Da kommt eine große Freude über mich. "Sei geliebt, heiliges Kreuz. Tragen will ich dich nun für uns arme Sünder. Laß allen Gnade, Vergebung, Freude und Frieden zuteil werden, die mir auf meinem Kreuzweg begegnen."

An diesem Tag kamen viele Beladene und Hilfesuchende, denen ich das schöne Wort sagte: "Leiden sind Freuden. Jesus hat Leiden erwählt für unsere Erlösung, somit sind Leiden das Höchste, das Schönste, das auch wir tragen dürfen."

 

Freitag, den 7. August 1950

Jesus sehe ich fallen. Er fällt oft. Er ist ja so schwach, so entkräftet. Sein Gewand ist bedeckt mit Blut und Schmutz. Die Erde ist gerötet von Seinem Blut. Man reiß Ihn, man zerrt Ihn und schlägt Ihn. Er duldet alles, Er schweigt, Er schaut liebevoll auf Seine Feinde. Dann macht Er einen ganz schweren Fall. Die Kreuzesbalken scheinen zu bersten. O, er hat sich so weh getan. Er blutet erneut. Die Mitleid haben, können und dürfen nicht helfen, und die anderen höhnen, spotten und schlagen Ihn. Ein leises Stöhnen höre ich: "Warum schlagt ihr Mich? Was tat Ich euch?" Ein rohes Gelächter ist die Antwort. Man reißt Ihn gewaltsam empor. Zitternd und gebeugt geht Jesus weiter.

 

Samstag, den 8. August 1950, III. Station

Heute darf ich diese Leiden tragen. In Biberach, in der Pfarrkirche, gehe ich den Kreuzweg. Auf dem Weg von der zweiten bis zur dritten Station wird es mir so schwer in den Gliedern. Das Blut scheint in meinen Adern zu stocken. Das Kreuz fühle ich, es drückt auf meine Schulter. Die Kraft verläßt mich, ich wanke und bei der dritten Station falle ich, liege an der Erde. Es war ein schwerer Fall. Alle Glieder sind ein Schmerz. So an der Erde liegend, sehe ich mit Jesu Augen die große Schar der Sünder, sehe die Seelen bedeckt mit dem Aussatz der Sünde. Mit Jesu liebendem Herzen vereint, bitte ich: "O, sei gnädig uns armen Sündern, besonders jenen, die so tief und schwer fallen. Laß sie nicht liegen bleiben in der Sünde. Schenke ihnen Deine Gnade im Sakrament der Buße, damit sie wieder aufstehen. Laß alle erkennen die Größe Deiner Leiden und Dir folgen auf dem königlichen Weg Deines heiligen Kreuzes."

 

Sonntag, den 9. August 1950, IV. Station

Mit einer Schar Mitschwestern fuhr ich nach Reuthe zu der guten Betha. Mein Zustand war nicht gut. Man war besorgt und erwies mir Liebes und Gutes. Der Zustand wurde auf der Rückfahrt noch schlechter. Wieder in Biberach angelangt, begab ich mich auf mein Zimmer. Ich meinte zu ersticken, öffnete weit das Fenster und setzte mich an das Fenster. Ich war froh, allein sein zu können.

Still bete ich. Da steht Jesus vor mir, gebeugt und beladen mit den Kreuzesbalken. Er zittert und bebt. Wenn ich nicht wüßte, daß Er es wäre, so könnte ich es fast selbst nicht glauben. Wie sieht Er aus? Über und über ist Er mit Blut und Schmutz bedeckt. Haare und Bart sind zerzaust, verklebt und ausgerissen. Das Gesicht ist zerschunden und aufgedunsen, verunstaltet und verstellt. Ich finde keine Worte, dieses Antlitz zu beschreiben, nur Tränen, um es zu beweinen und Gedanken der tiefsten Betrachtung. "Schönster Herr Jesus, so siehst Du aus, wie der schlimmste Verbrecher nie aussehen wird. Unsere Sünden haben Dich so zugerichtet. In der Taufe hast Du unseren Seelen Dein liebevolles, gütiges, Dein reines, göttliches Angesicht eingeprägt. Die Sünde hat es zerstört, verunstaltet, ja, ausgelöscht. Sei uns barmherzig, besonders denen, die in schwerer Sünde dahinleben. Präge Dein leidendes Angesicht allen Seelen auf, damit keiner verloren gehe." Auf diese Bitte hin schauen mich die blutunterlaufenen Augen voller Liebe an. Dann ändert sich der Blick. Jesus sieht Seine Mutter. Sie sieht Ihn noch nicht. Mit Johannes an einer Wegesbiegung. Ich höre Worte, die sie zu Ihm sagt: "Sieh, diese Menschen. Was tat man ihnen, mein Kind, daß sie so grausam sind? Beten wir für sie, weiter werden sie Ihn verfolgen, meinen Sohn, bis zum Ende der Zeiten."

Johannes ruft: "Sie kommen, sie kommen." Er schaut im Zuge den kreuztragenden Heiland. Johannes bahnt einen Weg durch die Menge. Maria steht vor ihrem Sohn. Sie können nichts sagen wegen der wilden Menge. Ihre Blicke begegnen sich, die sagen: "Es muß sein. Ich bin der Erlöser und du die Miterlöserin der Menschheit." Maria war stark und stand fest, aber das Gefühl der Mutter regt sich, und ich sehe sie ohnmächtig niederfallen, während Jesus weitergeht unter Hieben und Schlägen. Die Schergen haben sie fortgestoßen von ihrem Sohn. Nach einer Weile erhebt sich die Schmerzensmutter mit Hilfe des hl. Johannes. Sie spricht: "Komm, Johannes, wir müssen einen anderen Weg gehen, sie sind ganz wahnsinnig in ihrer Wut. Das Herz könnte mir brechen, aber es muß sein, sonst kommt die Erlösung nicht." Die Mutter ist so traurig. Mit Johannes sehe ich sie einen Weg gehen, der einsam ist.

Maria spricht: "Ja, so wird es einmal sein. Dann werden sie die Mutter auch nicht anerkennen, wenn ich dem Sohne beistehe, genau wie jetzt. Ja, ablehnen wird man mich. Immer werden sie mein Kind verfolgen und doch werde ich die Mutter aller sein. Mutter und Sohn kann man nicht trennen. Wo der Sohn ist, da muß die Mutter sein. Immer wird der Kreuzweg sein. Gute und Böse werden ihn gehen müssen, die einen zum Heile, die anderen zu ihrem Verderben. Wir wollen weitergehen."

Johannes hört schweigend zu. Dann spricht er: "So laß uns beten für alle, damit ihre Augen und Herzen für das Licht der Gnade geöffnet werden. Du aber, Mutter meines Meisters und Bruders, du bist die reine Magd des Herrn, du wirst siegen überall, wo du eintrittst für die Ehre deines Sohnes."

Es ist still. Beide gehen weiter. Ich sehe Jesus wieder. Es hat Ihm so weh getan, wie man Seine Mutter von Ihm stieß. Unter Schlägen ruft er: "Schlagt Mich nicht. Was tat Ich? Mutter, es muß sein."

Ich bin schwach geworden. "Doch muß sie unterm Kreuz stehen." Noch einmal geht mein Blick zur Muttergottes, und ich danke für diese Gnaden. "Ich danke dir, Mütterlein. Er macht alles gut."

 

Montag, den 10. August 1950, IV. Station

Es ist bereits Nacht. Ich bin ja in Geistingen bei Schwester Margarethe. Ich darf noch die Leiden der vierten Station tragen. Allein bin ich auf meinem Zimmer. Das Kreuz wird mir auferlegt. Es ist da, als ob es sich schwebend auf meine Schulter legt. Es drückt, und doch ist es so süß. Da steht die Schmerzensreiche vor mir. Wir schauen uns in die Augen. "Ja, liebe Mutter, es muß sein. Ohne Christi Leiden gibt es keine Rettung der Seelen. Sag, liebe Mutter, ich sehe so viele Mütter weinen um ihr Liebstes, das sie hergeben mußten, sehe soviele leiden mit ihren Kindern. 'Es muß sein', sagen sie. So lehre du doch alle die Ergebung in dem Willen Gottes. Gehe dahin, wo man Jesus noch nicht kennt, gehe dahin, wo man Ihm die Treue brach."

Sie sagt: "Mehr denn je stehe ich im Kreuzweg meines Sohnes. Ich muß Ihm folgen, wo man Ihn angreift. Ich werde aber zurückgestoßen wie einst. Keiner von den Jüngern, außer Johannes, war damals an meiner Seite. Er blieb mir treu und wich nicht von meiner Seite. In den Tagen der Gnade und zugleich des Widerspruchs werden viele Priester an mir irre. Die aber den Geist und die Erkenntnis eines hl. Johannes haben, die werden mir die Treue bewahren, werden glauben an meine Sendung, obschon der böse Geist Zwietracht, Zweifel und Unglauben sät. Trage du in jenen Tagen mit der Schar der Kreuzträger das Kreuz weiter, auch wenn du alles verlassen mußt. Das ist eine kleine Zeit. Ich folge meinen Kindern und stehe wie einst auf Golgotha bei ihrem Kreuz."

Sie wendet sich. Ein Wort nur kann ich sagen: "Mutter."

 

Dienstag, den 11. August 1950, V. Station

Vom Unwetter überrascht, bin ich ganz krank. Ich darf nicht im Bett bleiben. Mein Heiland war auch ganz krank bei Seinem Leiden und fand keine Linderung. Ich falle aus dem Bett und liege lange an der Erde. Jesus sehe ich und bei Ihm einen trotzigen, mürrischer Mann. Er nimmt ihm die Kreuzbalken ab und murrt vor sich her: "Diesem Verbrecher und Aufwiegler muß ich noch helfen. Da kann ich kein Erbarmen mit haben. Ich muß sehen, daß ich Ihn unbemerkt wieder verlasse." Jesus schaut ihn an und spricht leise: "Bald wirst du wissen, wem du den Liebesdienst erweisen durftest. Von einem Verbrecher wird nichts Gutes erwartet, aber du wirst erkennen und klagen, daß der Jünger über dem Meister stehen wollte. Das ist deine Stunde."

Simon wird ganz wild und grimmig. Ein höhnisches Lächeln ist seine Antwort. Bei einem großen freien Platz läuft er davon und taucht unter in der Volksmenge. Die Gnade ist ihm aber gefolgt. Er denkt nach über Jesu Worte. Da fällt es wie Schuppen von seinen Augen. Er erkennt, daß ein gewöhnlicher Mensch dieses unmenschliche Leiden nicht tragen kann. Er fühlt, wie der Blick der Liebe ihm folgt. Er schämt sich seiner Tat und versucht, umzukehren. Es geht nicht mehr. Er kann nicht durch die Menge, die noch wilder und wüster geworden ist. Traurig geht er einen stillen Weg. Jesus geht wieder allein, geschlagen, gestoßen und die Kreuzesbalken auf die Schultern gebunden.

 

Mittwoch, den 12. August 1950, V. Station

Die Leiden gehen weiter in der Nacht. Jesus ist bei mir. Das Kreuz drückt, die Glieder schmerzen. Still will ich sein wie Jesus. Stehe bei allen Armen und Verlassenen, die unverstanden in ihrem Leid durchs Leben gehen. Er sagt: "Einen Mann stellte Ich an deine Seite. Er sollte dir das Kreuz der Ehe tragen helfen. Weil er Gott nicht dient, kann er deinen Kreuzweg nicht verstehen, sondern läßt dich allein, wie Simon es bei mir tat. Die Reue wird aber über ihn kommen in der Stunde der Erkenntnis. Er wird mit dir gehen wollen und findet sich nicht mehr auf deinen Wegen. Nun lege dich zur Ruhe. Für heute sind genug der Leiden."

"Ich danke Dir, lieber Jesus. Wie gut bist Du doch."

 

Donnerstag, den 13. August 1950, VI. Station

Schwester Gretchen ist so gut zu mir. Sie kommt mir vor wie die hl. Veronika. Alles Weh und Leid möchte sie mir abnehmen. Ich kann nur beten für sie, daß Jesus ihre Liebe mit einer Freude lohnt, die ewig ist.

Er ist bei mir im Leid und Er spricht: "Ihrer Seele habe Ich Mein hl. Antlitz als ewiges Merkmal aufgeprägt. Sie kann darum nicht anders, als Gutes zu erweisen, Liebesdienste zu Meiner Ehre. Ich werde schon hier ihr Lohn sein und einst in der Verklärung die Wonne reiner Seelen."

 

Freitag, den 14. August 1950, VI. Station

Schön war der Tag durch Schwester Anna und Maria, die mich hier in Geistingen besuchen durften. In der Nacht sehe ich meinen Jesus aus allen Wunden blutend. Das Gesicht ist bedeckt mit Blut und Schweiß. Nicht ein Tuch hat Er, um wenigstens einmal das Angesicht ein wenig abtupfen zu können. Die Hände hat Er jetzt ein wenig frei, weil ja die Kreuzbalken Ihm aufgebunden sind. Eine Frau fühlt, was in Ihm vorgeht. Sie nimmt den Schleier von ihrem Haupt. Zurückgestoßen und gedrängt, erreicht sie Jesus doch und reicht Ihm den Schleier. Dankbar schaut Er sie an. Er verbirgt Sein Angesicht in dem Schleier. Er reicht ihn zurück mit einem unsagbaren Blick der Liebe. Sie wird wieder fortgerissen. Ich sehe sie weinen, nicht über die Grobheit der Schergen, nein, vor Freude. In ihrem Schleier ist Jesu Leidensbild, Sein hl. Antlitz, eingeprägt. Sie ist nun die Glücklichste unter allen, die Jesus auf Seinem Kreuzweg begleiten.

 

Samstag, den 15. August 1950, VII. Station

Ich bin wieder daheim. Ich will auch allein sein in meinen Leiden, die schwerer geworden sind. Jesus geht heute immer vor mir her, wiederholt fallend. Dann bleibt Er länger liegen unter dem Kreuz. Es sieht aus, als hätte Er alle Glieder bei diesem zweiten, schweren Fall gebrochen.

 

Sonntag, den 16. August 1950, VII. Station

Niemand sieht, was ich leiden darf, dessen freue ich mich. Ich bin auch gestürzt. An der Erde liegend, sehe ich mit Jesu Augen alle die Gewohnheitssünder, die immer wieder in ihre Fehler zurückfallen. Sie haben keine Kraft mehr, dem Ruf der Gnade zu folgen. Sie folgen dem Licht aus dem Abgrund. Das führt sie in die Irre, von einer Sünde in die andere. "O Jesus, nicht umsonst fielest Du so schwer und tief. Laß auch diese wieder aufstehen und weitergehen unter und mit Deinem Kreuz."

 

Montag, den 17. August 1950, VIII. Station

Vereint bin ich weiter mit Jesu Leiden. Aufstehend vom zweiten schweren Fall, geht Jesus taumelnd und wankend weiter, ein Bild des Schmerzes. Er begegnet Frauen, die von Mitleid gerührt sind. Ich höre die Worte, die Er einst zu ihnen sprach. Er schaut sie an voll Liebe und Mitleid, aber auch mit durchdringendem Blick. Dann geht Er weiter. Sie schauen Ihm nach.

 

Dienstag, den 18. August 1950, VIII. Station

Der Weg fällt mir schwer. Stunden bin ich unterwegs. Frauen wollen mir helfen. Sie können es aber nicht und verstehen nicht, warum sie es nicht können. Ich bitte für sie und für mich. Ich bitte ja auch für unsere Kinder. "Führe, guter Hirt, unsere Kinder wieder zu Deiner Herde. Führe die verirrten Schäflein wieder auf den rechten Weg. Trockne die Tränen der Väter und Mütter, die weinen über ihre Kinder." Ich bitte auch für jene Eltern, die Ärgernisse geben und ihre Kinder zur Sünde verführen. "Sei ihnen ein gnädiger Richter und laß sie gutmachen, was sie fehlten. Gib diesen Verführten Deine besondere Gnade. Laß leuchten ihnen Dein heiliges Angesicht."

 

Mittwoch, den 19. August 1950, IX. Station

Immer unkenntlicher ist Jesus durch Seine Leiden. Er ist bald am Ziel, Er wankt den Berg herauf. Man höhnt und stößt Ihn von allen Seiten. Er ist bald oben angelangt auf Golgotha. Da trifft Ihn ein harter Keulenschlag. Rücklings stürzt er den Berg herab und bleibt mit einem Schrei wie tot liegen. Man ist scheinbar besorgt. Nein, jetzt darf er noch nicht sterben, dann wäre den Peinigern ja die Freude genommen an dem Schauspiel der Qual, das sie erdacht haben. Man reicht Jesus einen Trunk in einer Schale. Er rührt sich nicht und trinkt auch nicht. Nach einer Weile erhebt Er sich und geht weiter.

 

Donnerstag, den 20. August 1950, IX. Station

Unsagbar leide ich. Ich kann nicht fort, bin nicht sicher auf meinen Füßen. Ich gehe wieder auf mein Zimmer. Dort leide ich allein die Schmerzen des dritten Falles. Auf der Erde fühle ich die Not und Qual. Ich schau mit Jesu Augen in die weite Welt. Angefüllt ist sie von Dämonen, die sich auf ihre Opfer stürzen und sie fesseln durch ihre Macht, durch Blendwerke des Reichtums und der Technik. Der Fürst der Welt triumphiert ob seiner Macht, die auch in Kirchen und Klöster eindringt. Selbst Priester und Ordensleute und Schwestern werden irregeführt. Ich sehe unter ihnen Besessene, die ein Ärgernis für die Kirche sind. Ja, Satan hat es mir gesagt, daß die Zeit da ist, wo er angebetet wird.

"Mein Jesus, Barmherzigkeit um Deines kostbaren Blutes willen. Nicht Halt machen sie vor Deinen Geweihten und Gesalbten. Ich bitte für sie. Nicht umsonst fielst Du, halbtotgeschlagen, wieder zurück. Laß auch sie, die von Satan überlistet werden, die von der Höhe des heiligen Opferberges herabstürzen, nicht liegenbleiben. Gib ihnen Kraft, wiederaufzustehen und mit neuer Kraft Deinen heiligen Berg zu besteigen. So wie Du, laß auch sie das Opfer vollenden, eins werden mit Dir am Kreuz.

O, hätte ich Macht über alle Besessenen, könnte ich sie retten. Ich opfere Dir für sie besonders die Leiden aller Opferseelen auf. Erwecke doch, guter Heiland, noch mehr Opferseelen, die sich opfern für diese Seelen."

 

Freitag, den 21. August 1950, X. Station

Jesus ist am Ziel. Die Kreuzesbalken werden Ihm abgenommen. Die Kleider werden von Seinem wunden Leib gerissen. Ich kann nur weinen bei diesem Anblick. "O, wie können die Menschen in ihrem Haß so gefühllos sein?" Jesus wird schwach bei dem erneuten Blutverlust und dem Abreißen der Dornenkrone. Er sinkt auf einen Stein und erneut reicht man Ihm einen Trunk. Er trinkt aber nicht, Er betet. Die Peiniger richten unter Hohn, Fluchen und Gelächter das Kreuz her, und Jesus betet.

 

Sonntag, den 23. August 1950, X. Station

Ich darf heute diese Schmerzen tragen. Wund und weh ist mein ganzer Körper. Brandwunden, die plötzlich da sind, sie brennen furchtbar. Es gibt keine Linderung dafür. "O, die Sünde brennt noch mehr." Jesus läßt mich schauen, was die unreinen Geister in den Seelen verursachen, wenn sie Werkzeuge der unreinen Taten sind. Erschreckend ist das Bild der Verführer, aber auch der Verführten. Die Sünde schreit zum Himmel. "O Jesus, gebiete Halt dieser Sünde und den Verführern. Schütze die Unschuld und laß alles wieder rein und erneuert werden im Heiligen Geiste."

 

Montag, den 24. August 1950, XI. Station

Das Kreuz ist fertig. Unter Hohn, Spott und Gelächter wird Jesus auf das Kreuz geworfen. Ich muß wieder weinen. "Armer Jesus, wie haben Deine Wunden erneut geblutet, wie erneut und grausam waren die Qualen." Er duldet für uns, Er schweigt. Die Peiniger sahen, daß sie einen Fehler gemacht haben. Die Einschläge für die Nägel sind zu weit auseinander. Sie beraten und lachen dann grausam. Sie nehmen Jesus rechte Hand und ziehen so lange, bis sie in den Einschnitt paßt. Die Gelenke hat man Jesus auseinandergerissen. Man macht es mit der linken Hand und den Füßen genauso. Unter erneuten, qualvollen Schmerzen setzt man wieder die Dornenkrone auf. Das Kreuz will man aufrichten. Es scheint zu schwer. Mit dem Kreuz wird Jesus wieder auf die Erde geworfen. Die Nägel werden wieder aus den Füßen gerissen. Der Längsbalken des Kreuzes wird vom Querbalken getrennt. Er wird nun zuerst in die Erde gesetzt. Jesus trägt man am Querbalken hängend unter Hohn, Spott und Gelächter. Eine eigne Vorrichtung wird gemacht. Es sieht aus wie eine Leiter, die mit Stricken befestigt scheint. Jesus wird hochgezogen. Das Blut fließt in Strömen aus Seinen Wunden und färbt die Erde rot.

 

Dienstag, den 25. August 1950, XI. Station

Krämpfe durchziehen meinen Körper. Ich fühle das Kreuz, darauf ich geworfen werde. Das Blut rast in mir, es brennt, es raubt mir fast die Besinnung. Es will irgendwo aus den Poren treten und findet keinen Weg. Dann kommt es wie Lähmung. Ich fühle, als sei ich angenagelt. Nicht wehren kann ich mich in meinem fast unerträglichen Schmerz. Ich schaue die Leidenden, die auch mit Jesus angenagelt sind, die hilflos sind in ihren Leiden, die sühnen und büßen für ihre und andere Schuld. "O Jesus, stärke sie in ihren Leiden, die mit Dir ans Kreuz geheftet sind. Laß sie ihr Kreuz lieben, wie Du es geliebt hast. Lieber Jesus, ich sehe die große Zahl der Sünder. Wenn sie von der Sünde nicht lassen können, dann nagele sie doch an Dein Kreuz, damit sie der Sünde absterben und erkennen, was Du für sie gelitten hast."

 

Donnerstag, den 27. August 1950, XII. Station

Mit Blut und Wunden bedeckt, hängt Jesus am Kreuze. Voller Schmerz sehe ich die Muttergottes und Johannes beim Kreuze. Zu Füßen des Kreuzes kniet eine weinende Gestalt, Maria Magdalena. Simon ist auch da. Er kniet voller Reue. Balthasar, der König, der Jesus in der Krippe schaute, ist Ihm gefolgt. Er stirbt unter dem Kreuze. Jesus ist umgeben von frommen Seelen, aber zu groß ist die Zahl der Spötter, der Ungläubigen. Furchtbar ist, wie sie schreien und toben, als wäre hier ein Schauspiel. Jesus aber betet: "Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun." Ein grauenhaftes Bild zeigt der Schächer zu seiner Linken. Vom rechten Auge Jesu geht ein wunderbares Licht aus. Der Schächer zur Rechten sieht es und verweist dem anderen die ungeziehmenden Reden. Er wendet sich zu Jesus und sagt: "Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst." Jesus schaut ihn liebevoll an und sagt: "Heute noch wirst du bei Mir im Paradiese sein." Er schaut herab auf Seine Mutter. Er fühlte ihre Liebe. Sie soll nicht allein sein, und Er spricht: "Weib, siehe deinen Sohn", und zu Johannes, "Siehe deine Mutter." Jesus wird totenblaß. "Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen." Die Wunden brennen, das Todesröcheln höre ich und Jesus ruft: "Mich dürstet." Lachend und spottend reicht man einen Schwamm mit Essig. Er brennt furchtbar auf Seinen Lippen, der Mund verzieht sich zum Krampf. Im letzten Todeskampf bäumt sich der wunde Körper. Die Augen öffnen sich weit und Jesus spricht: "Es ist vollbracht. Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist."

Da geht ein wunderbares Licht von Ihm aus, von Seiner Seele, die schöner wird. Die Gottheit hat sich mit Seiner Seele wieder vereint. Aus einer Wolke über dem Kreuz schaut der Vater, der sich nun mit dem Sohne wieder vereint. Ein strahlendes Licht geht von beiden aus in Gestalt einer Taube, der Heilige Geist, der von beiden ausgeht. Welch großes Geheimnis! Heiligste Dreifaltigkeit beim Tode Jesu. Es wird dunkel am Mittag. Die Sonne ist schwarz, der Wind tobt, die Erde bebt. Verstummt ist Spott und Hohn. Die Menschen schreien vor Angst und Schrecken. Sie stürmen den Berg herab, aber viele Tote gibt es, und andere Tote kommen aus ihren Gräbern hervor. Das Allerheiligste im Tempel ist frei zu sehen, der Vorhang ist zerrissen. Viele beten, die es nie getan. Sie glauben, das Ende der Welt, das Gericht, sei schon gekommen. Nur Jesu Mutter, Johannes und viele Getreue Jesu, mit Maria Magdalena, sind beim Kreuze geblieben. Sie beten und danken für diese größte und heiligste Stunde der Erlösung.

 

Freitag, den 28. August 1950, XII. Station

Heiliger Freitag! Ich darf heute die Kreuzesleiden tragen. Ich kann nicht zur Kirche. In der Nacht kommt ein lähmender Zustand über mich, bis ich das Kreuz fühle, daran ich leiden darf. Jesus läßt mich hineinschauen in Seine Leiden. Die Glieder müssen sich vereinen mit den Seinen. Verlassen bin ich. Hohn und Spott umgibt mich. Mit Jesus spreche ich seine Worte: "Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun." Ich schaue die Zahl der Verurteilten, der Schuldigen und der Gotteshasser. Ich schaue auch die Zahl derer, die mit Jesus gekreuzigt sind, unschuldig leiden und büßen. Ein Schmerz geht durch meine Glieder. Ich muß weinen über die große Zahl, die trotz Jesu Leiden für den Himmel verlorengeht. Jesus ist bei mir. Das ist das Geheimnis der Bosheit, ein Geheimnis, das hier kein Sterblicher begreifen kann. "Ja, wären jene nie geboren, für die Ich umsonst gelitten habe. Sie werden es selbst einst sagen, daß sie nicht geboren sein wollten." "Mein Jesus Barmherzigkeit durch die Verdienste Deiner Wunden."

 

Samstag, den 29. August 1950, XIII. Station

Mit der Schmerzensreichen bin ich vereint unter dem Kreuze. Maria hat ihr liebes Kind, ihren Sohn, wieder. Zum letzten Male ruht Er auf ihrem Schoß. Sie hat in ja immer hergeben müssen und jetzt muß sie Ihn, den Toten, der Erde preisgeben. O, sie weiß, nicht zu lange wird Er ruhen im Schoß der Erde. Worte hat sie jetzt keine, doch ihre Blicke rufen der Welt zu: "Ihr alle, die ihr vorübergeht, schauet, ob ein Schmerz sei gleich dem meinen. Schauet auf Ihn, der sich für euch durchbohren ließ." – "Mutter der Schmerzen, zeige uns immer deinen Jesus, gib Ihn uns, die gebenedeite Frucht deines Leibes."

 

Sonntag, den 30. August 1950, XIII. Station

Die Schmerzen der lieben Gottesmutter unter dem Kreuze darf ich heute tragen. Weh ist mein Herz. Es scheint zu brechen. Die sterbenden Augen Jesu sehe ich: "Es ist vollbracht." Das Wort konnte nur Er sagen, der uns durch Seinen Tod erlöste. Das Wort durfte auch sie sagen, die mit Ihm die Welt erlöste. Wann können wir es sagen? "O Maria, hilf uns allen, hilf mir, deinem Kind, daß ich in meiner letzten Stunde auch dieses Wort sagen kann. Jeder muß helfen am Erlösungswerke als Glied Christi."

Sie spricht: "Ja, jeder muß helfen, aber wo werden sie alle sein, die mit mir Christus in die Welt tragen? Wie man einst floh vor Angst und Schrecken, so wird es auch in jene Tagen sein, da die XIII. Station ihre Vollendung findet. Wenn die Massen vom Kreuze fortlaufen, wenn sie in Tod und Verderben rennen, dann schaut man nicht mehr auf die Einsame unter dem Kreuze. Sie bedeutet der Masse nichts, ist für sie nur noch ein Zerrbild, das ausgelöscht werden muß. Was bedeutet für sie noch das Wort 'Muttergottes'? Man muß sie ablehnen, sonst müßte man doch an den Sohn glauben. Wie aber einst auf Golgotha eine kleine, treue Schar mir zur Seite stand, so werden es immer die Schmerzenskinder sein, die ich unter dem Kreuze empfing, die mir auch in jener Zeit des Hasses und es Unglaubens die Treue bewahren und mit mir und durch mich Christi in die Welt tragen. Das wird meine Zeit sein."

 

Montag, den 31. August 1950, XIV. Station

Jesus wird zu Grabe getragen. Es ist so ein stiller Tag für mich. Ich begleite Ihn mit der kleinen Schar, die einst Ihm das Geleite gab. Schweigend, betend gehen sie mit der süßen, teuren Last. Ein neues Grab ist es, das in einen Felsen eingehauen ist, das fast wie eine Höhle wirkt. Man kann sich nicht trennen, aber sie müssen bald gehen, denn Wächter nahen, die das Grab bewachen sollen. Maria nimmt Abschied von ihrem Kind und küßt noch einmal die Wunden, die sich aber alle wunderbar schließen. "Wie friedlich liegt der Herr."

 

Dienstag, den 1. September 1950, XIV. Station

Wieder bin ich vereint mit dem Schmerz der lieben Gottesmutter, als sie ihr Liebstes zu Grabe trägt. Sie ist es aber nicht, die sich großer Trauer hingibt. Sie weiß es, Er wird nicht lange im Schoße der Erde ruhen, Er wird bald bei ihr sein. Sie wird Ihn schauen, ihren Sohn und ihren Gott, in seiner Verklärtheit. So dringt auch in meine Einsamkeit, in meinen Schmerz, ein Strahl seliger Freude. Ich bete: "O Maria hilf, daß unsere Herzen stets ein neues Grab sind, in dem du deinen lieben Sohn hineinlegst. Stehe bei den Sterbenden, daß ihr Heimgang gut ist. Ihr alle, die ihr Jesus zu Grabe getragen habt, bittet doch für die Sterbenden, bittet für alle Priester, daß sie immer rein am Altar stehen in der Darbringung des heiligen Opfers."

Maria spricht: "Nun ist dein Kreuzweg zu Ende für dieses Jahr. Deine letzten Blicke will ich besonders hintragen zum Throne der Liebe und Barmherzigkeit. Mehr muß das Apostolat der Sterbenden geübt werden. Der Hölle würden unendlich viele Seelen entrissen. Gottes Barmherzigkeit ist ja so groß. Meine Priestersöhne sind auch umgeben von den Mächten der Finsternis. Wenn sie wanken, wenn sie diesem trügerischen Geist in die Arme fallen, was soll dann aus der ihnen anvertrauten Herde werden? Sie müssen wie alle anderen durch die Feuerprobe gehen, werden immer geprüft, ob sie bei allem Geschehen die Geister unterscheiden können und ob sie auch das Erkennen meiner Sendung besitzen. Kampf ist weit und breit, wohin das Auge sieht. Die Karwoche wird einmal zu Ende gehen und im Jubel des großen Sieges werde ich allen Völker wie eine Mutter sein."

 

Sonntag, den 6. September 1950, Christi Verklärung

Die Woche ist wieder einmal zu Ende, so in aller Stille und Einsamkeit. Ja, da naht sich Gott der Seele. Wie schön ist die traute Zwiesprache. Engel am Firmament begrüßen heute diesen schönen Tag. Sie grüßen und sie neigen sich. Wie kann ich anders rufen: "Seid gegrüßt, ihr hl. Engel. Unverdient ist wieder diese Freude, diese Gnade. Nehmet alle meine Anliegen an, die mir empfohlen wurden, und bittet für die Leidtragenden und Bedrückten. Nehmet all mein Lob und Dank für des Höchsten Ehre. Laßt mit euch uns fröhlich singen, alle Zungen sollen klingen. Lob und Dank sei ohne End dem hochheil'gen Sakrament." Noch ein Neigen, dann gehen sie wieder zurück. Der Tag ist weiter nur Freude für mich, in meinem Jesus, den ich ja im Herzen trage.

 

Sonntag, den 20. September 1950

Heute ist die kirchliche Feier des Festes Mariä Himmelfahrt. Die Muttergottes spricht zu mir: "Mein Kind, ich erwarte dich in Lourdes. Es soll eine Freude für dich sein nach den Tagen des Leidens. Ich halte dich ganz verborgen. Bereite dich gut vor auf die Gnaden, die dir zuteil werden durch viel Gebet, durch stille Leiden, die Gott allein sieht."

"O, wie danke ich dir, Himmelsmütterlein, für diese Freude, die ich gern wieder mit anderen teile. Ja, ich will mich gut vorbereiten, will ganz in die Stille gehen."

 

Samstag, den 30. September 1950

Lange, schöne Wochen blieb ich in der Stille, nur mit meinem Heiland im trauten Zwiegespräch, umgeben von den lieben Engeln. Heute gedenke ich meines verstorbenen Seelenführers, des lieben Pater Wigbert. Nach der hl. Kommunion erscheint ein großes Lichtkreuz über dem Altar. Der liebe Heiland spricht: "Das ist der priesterliche Segen, der heute ein besonderer für deine Wallfahrt ist. Rufet ihn an, Meinen Priester, den Ich erhöhte und der ein Licht im Schoße der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist. Er bittet für euch und besonders für seine Priesterbrüder. Sie kannten ihn und kannten ihn doch nicht. Ein Tor wurde er in ihren Augen, Ich aber war mit ihm. Verborgen blühte diese Blume für den dreieinigen Gott und blüht nun, in Licht und Glanz eingehüllt, an Gottes Thron." (H. H. Pater Wigbert Schoeller)

"Wie danke ich, lieber Heiland, für diese Worte. Einmal werden sie gelesen, und Du wirst in Deinem treuen Diener verherrlicht werden. Gib doch, daß alle Priester heilig werden."

Es ist am Abend 9 Uhr. Ich stehe in meinem Zimmer am Fenster. Wie so oft schaue ich auf zum Sternenhimmel. Da sehe ich ihn wieder, den Stern des Vaters. Er dreht sich und wird zum Kreuz. Sooft er zum Kreuz wird, muß ich mich segnen. Da rufe ich: "Himmelsvater, segne auch meinen Seelenführer, segne alle meine Lieben nah und fern." Da neigt sich der Stern nach der Richtung Oberkassel und wird zum Kreuz. Er dreht sich weiter nach allen Richtungen. Ich kann nur danken, loben und preisen. Dann geht der Stern zurück. Zwei große Hände breiten sich aus, nach Osten und Westen. Wie ein weißes Schattenbild sehe ich die Gestalt des Vaters, das aussieht, wie ein Brustbild in allmächtiger Größe. Gütig neigt er sein Haupt. "Vater, mein Vater, der du bist im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Was soll ich anderes beten? Wären doch alle sich bewußt, daß sie diesen guten Vater haben. Wie schön wäre es auf der Welt. Gute Nacht, lieber Vater. Du wachst, wenn ich schlafe und morgen weckst Du mich wieder auf, um Deinen hl. Willen zu erfüllen, Dir zu danken, Dich zu loben und zu preisen mit der Gottesmutter, mit allen lieben Engeln und Heiligen."

 

Sonntag, den 1. Oktober 1950

War erst in Oberpleis in der hl. Messe. Von dort fuhr ich herauf nach Ittenbach zum Hochamt. Am Abend war Andacht dort mit Lichterprozession. Der ganze Ort war erleuchtet von roten und blauen Lichtern. Es war so eine schöne Feier, die für mich als Vorbereitung dienen sollte für die Fahrt nach Lourdes. Die Predigt war über die Muttergottes: Maria, eine Lichtträgerin und Lichtbringerin. Sie, die Unbefleckte, gleicht der reinen Kerze, auf der das Licht brennt. Über diese Worte dachte ich nach auf dem Heimweg, denn von unserem Dorf war ich ganz allein. Ich ließ meine Fackel brennen, da erhebt sich plötzlich ein starker Sturm. Die Fackel weht hin und her. Ich bitte: "Lieber Heiland, hilf doch. Es ist doch so dunkel. Laß Bruder Wind doch nicht das Licht ausblasen."

Der hl. Engel ist an meiner Seite und sagt: "Bruder Wind macht dein Licht nicht aus, aber singe der lieben Muttergottes das Lied, das sie so gern hört: "Ich möchte ein Blümlein werden, ein Blümlein licht und klar." "Ja, heiliger Engel, das tue ich gern, aber könntest du mir zu den drei Versen noch einen hinzumachen von einem Lichtlein?" Er hilft mir und ich singe das Lied, das der Engel lehrt:

"Ich möchte ein Lichtlein werden, ein Lichtlein hell und klar, um nur vor dir zu brennen am himmlischen Altar. Maria, Licht der Völker, o Jungfrau mild und rein, in deinem Mutterherzen, laß mich ein Lichtlein sein."

Daheim spricht die Muttergottes: "Das Licht der Welt habe ich euch gebracht. In jedem Herzen soll brennen dieses Licht. Diesen Ort hier habe ich, wie die anderen, erwählt, um meine Gnadenschätze zu vergeben. Durch den Kelch der Leiden ist auch vorgeheiligt diese Erde, die dadurch zu einer Quelle wurde für die Trauernden. Kommet zu mir, der Schmerzensreichen, bei mir findet ihr Ruhe und Trost. Ich bin ja die Mutter der schönen Liebe und der heiligen Hoffnung. Selig werden mich preisen alle Völker der Erde. Darum muß ich mehr Orte erwählen, weil die Schar meiner Kinder größer wird, so groß, daß die schon erwählten Orte zu klein werden. Die Entfernungen würden zu groß sein. So wird hier der Ort sein für die Trauernden, die ihr Liebstes verloren, aber auch der Ort für die Büßenden, die trauern über die Sünden. Ich will sein hier die Trösterin der Betrübten, die Zuflucht der Sünder. Nach den Tagen der Trübsal, werden die Getrösteten und die Büßer nach Oberpleis ziehen, wo ich die Königin sein werde, der man huldigt. Von allen Enden der Erde werde ich sie rufen, und sie werden kommen, werden wie in Lourdes geheilt werden an Leib und Seele. Das Wasser, das ich schon lange gesegnet habe, wird eine Heilkraft für Kranke jeder Art sein.

Ich habe dir seit dem 28. November 1947 wiederholt gesagt: 'Ich habe Großes vor'. Ihr werdet erfahren, was die Liebe und Macht eurer Mutter vermag. Es muß aber für diese große Gnade, die ich verteile, eine große Zahl von Opfern gebracht werden. Ich spende ja dafür den Reichtum aus dem Schatz meiner Gnaden. Bleibe weiter das verborgene Opfer für das Große, das hier wächst. Im Opfer bleibt die Freude dein. Auch meine Priestersöhne, die ich als Opfer erwählte für die hl. Stätte, will ich besonders stärken. Gesegnet sei mein Priestersohn, der meines Sohnes Opferlamm ist für das Große, das hier in der Stille weiterwächst. Bald wird es in der schönsten Blüte stehen und an den Früchten werdet ihr erkennen, welch herrlichen Baum ich hier pflanzte. Christusbringerin bin ich und werde es hier allen sein, die mit Liebe und Vertrauen zu mir kommen. Mein Priestersohn, den ich als Leidensopfer an deine Seite stellte, der das Opfer meines Sohnes darbringen und vollenden darf, soll nicht mutlos werden, wenn das Kreuz, das er trägt, schwer wird. Du, mein Kind, darfst es ja tragen helfen. Den Lohn werdet ihr empfangen von eurem Vater im Himmel." Segnend entschwebt sie.

 

Montag, den 2. Oktober 1950

Schon bin ich die dritte Nacht auf. Es sind Opfer für die Gnaden in Lourdes. Es muß schon so sein. Ein blaues Kleid wünscht die Muttergottes, das ich noch nähe und einen weißen Schleier.

 

Dienstag, den 3. Oktober 1950

Fahre um sechs Uhr nach Geistingen. Schwester Gretchen hat veranlaßt, daß dort für die Lourdespilger ein hl. Opfer dargebracht wird. Es ist oft zuviel der Gnaden, die wir nicht verdienen. Die Muttergottes sagt mir: "Hier mache den Anfang und den Schluß der Wallfahrt." Schwester Gretchen steckte mich gleich ins Bett, als wir heimkamen, weil ich so übernächtigt aussah. Ich schlief bis drei Uhr nachmittags, was ich nicht fassen konnte. Um 5.20 Uhr fahren wir nach Siegburg und anschließend nach Köln. Um 7.30 Uhr hielt in der Andreas-Kirche in Köln ein Pater eine Ansprache, in der er betonte, daß er mit sollte, auch wohl könnte und doch aus persönlichen Gründen zurückbleiben müßte. Die Tränen stehen in seinen Augen. Ich fühle, wie er leidet. Er spricht von einer großen Zeit, in der wir fahren dürfen. Um 9 Uhr fahren wir unter Glockengeläute des Kölner Domes nach Lourdes. Dann kam für die Kölner Kinder (Pilger) das erste Opfer. Es war kein Platz im Zug. Alle Plätze waren schon besetzt. Man wollte nicht weichen.

Die Muttergottes ist an meiner Seite und spricht: "Verzaget nicht, freuet euch, daß ihr an meinen Leiden teilnehmen dürft, die ich ertrug auf dem Weg nach Bethlehem, wo auch kein Platz für mich war und für mein Kind, dessen Eigentum doch alles ist. Um der Freuden, die euch zuteil werden, ertraget in Liebe und Geduld die Opfer, die ihr bringen dürft, die zur Freude dienen für den Frieden der Herzen und um eurer Verdienste willen. Ich bin mit euch und bei euch."

"Dank dir, himmlische Mutter, du weißt, ich bin zu jedem Opfer bereit, weil ja nichts ohne den Willen Gottes geschieht. Stärke aber jene, die nicht gleich den Wert und die Größe des Opfers erkennen."

Dann schritt die Reisebegleitung ein und verteilte uns vorläufig, bis der richtige Platz gefunden war. Ich komme zu zwei Schwerkranken, die auf einer Bahre liegen. Ich segne sie und danke dem lieben Heiland und der Muttergottes, daß ich bei den Leidenden sein darf. Es dauerte noch eine Stunde, bis wir den richtigen Platz fanden, der für uns freigemacht wurde. Gern wäre ich bei den Kranken geblieben.

Wir kommen unter Glockengeläute in Aachen an. Ganz weiß erscheint mir die Muttergottes in Himmelshöhen mit einer Schar Engel. Ja, sie begleitet uns, unsere liebe Mutter. Die Aachener Pilger mußten die gleichen Opfer bringen wie wir, bis sie einen Platz fanden.

 

Mittwoch, den 4. Oktober 1950

Wir sind in Paris. Wir bleiben den ganzen Tag. In Notre Dame wird ein Opfer des Friedens dargebracht. Wir tragen auch alle das Friedenszeichen, das Kreuz und die Taube mit dem Ölzweig. Dann werden wir in die Quartiere gefahren. Im Hotel Montfort bin ich mit der kleinen Schar untergebracht. Nach dem Mittagessen werden wir durch Paris gefahren. Zuerst gings auf den Montmatre und zum Sacre Coeur. Wie schön steht Jesus in der wunderbaren Monstranz. Dann ging es zum Eiffelturm, wo der große Platz ist mit den acht Triumphbögen, wo all die nackten Figuren stehen. Das war kein schönes Bild, das ist öffentliches Ärgernis.

Meine Glieder werden auf einmal durchbohrt. Ich drohe zusammenzusinken. Jesus ist bei mir. In der Nacht sagt Er mir etwas darüber. Nach dem Abendessen bin ich sehr müde und lege mich mit meinen drei Begleiterinnen zur Ruhe. Kaum liege ich, da geht ein Krampf durch meinen Körper. Ich muß aufstehen. Ich wandere. Es wird schlimmer. Dann geht Jesus mit dem Kreuz vor mir her und sagt: "Leiste du Sühne für das öffentliche Ärgernis, das man den Kindern gibt. Der Vater, der euch erschaffen hat, hat jedes Wesen mit dem Schleier der Geheimnisse Seiner Schöpferkraft eingehüllt. Es ist noch keinem erlaubt, diesen Schleier des Lebens zu enthüllen. Wehe dem Menschen, der eines der Kleinen ärgert, die an Mich glauben, die die Geheimnisse des Lebens noch nicht kennen. Wehe ihnen, die sie der Unschuld offenbaren, in Wort, in Tat, in Zeichen und Bildern. Ich habe gesagt, was erlaubt ist und was verhüllt bleiben muß. Die Welt und die Götzendiener der unreinen Geister nennen es Kunst. Wehe jenen! Durch diese Kunst wird der Zorn des Vaters herausgefordert. Ihr, die ihr ausgestattet seid mit Verstand und freiem Willen, ihr entschleiert, was bedeckt und verhüllt bleiben muß. Ein Wehe kommt über die Städte und Orte, wo diese schamlose Kunst zur Schau steht als Ärgernis der Kleinen. Ja diese Kunst ist eingedrungen in meine Heiligtümer, bis zum Sitz des hl. Petrus. Diese Kunst ehrt den dreieinigen Gott nicht, sie beleidigt und erzürnt Ihn. Wenn die Engel die Zornesschalen ausgießen, wird auch diese Kunst vernichtet werden. Das ist der Fürst der Welt, der mit seinem Licht alles blendet, selbst Meine Priester. Am Ende der Tage, wenn Ich zum Gericht komme, dann wird alles enthüllt und verschleiert. O, dann wünschte man, daß nicht alles enthüllt würde. Alle Geheimnisse des Lebens werdet ihr schauen in der Reinheit, wie sie der Vater, der Schöpfer des Himmels und der Erde, gestaltete.

Leide nun, Meine Seele, was Ich litt bei der Annagelung und den Schmerzen am Kreuz."

Ich folge Jesus im Leiden. Furchtbar geht der Schmerz durch den Körper. Alles dreht sich und krümmt sich. Es ist mir, als würde mir fetzenweise das Fleisch vom Körper gerissen. Ein Brennen ist in mir wie Feuer. "Jesus, Du vereinst mich mit Dir am Kreuz auf Frankreichs Erde. Bedecke dieses Land von neuem mit Deinem kostbaren Blute. Befreie es vom Geiste der Verblendung."

Dann kommt Jesus im Licht und kehrt in meine Seele ein. St. Franziskus ist auch bei mir und segnet alle Pilger.

 

Donnerstag, den 5. Oktober 1950

In Bordeaux grüßen uns die Glocken. Das Blau des Himmels teilt sich, und die Muttergottes sehe ich mit ihrer Engelschar. Sie segnet uns. Lange sehe ich sie, ja, sie führt uns nach Lourdes. Es ist 9 Uhr abends. Mit Glockengeläute werden wir Pilger in Lourdes empfangen. Im Lichterglanz strahlt die Basilika. Das Kreuz leuchtet vom Berge. Wir kommen gerade zur Lichterprozession. Einen Augenblick gehe ich segnend an den Kranken vorbei. "Herr, schenke uns durch Maria die Gnade, daß einer geheilt würde. Du weißt, daß ich an den Priester denke, der zu uns ins Abteil kam und sagte: 'Lourdes ist meine letzte Hoffnung. Wenn ich dort nicht zurechtkomme, dann ziehe ich den Priesterrock aus.' Seinetwegen, Herr, laß etwas geschehen, damit sein Glaube wieder groß wird."

Wir müssen zuerst in unsere Quartiere. Wir kommen an die für uns bestimmten Hotels. Wieder ist kein Platz. Ein Irrtum liegt vor. Wir sind erst für den folgenden Tag angemeldet. Alle Hotels sind besetzt von Franzosen. Wieder geht es ins Auto. Wir werden im Privatquartier untergebracht. Um 12 Uhr finde ich einen Platz mit drei Mitschwestern und 11 weiteren Personen. Ich bewundere nur die aufopfernde Liebe der Franzosen, die nicht ruhen, bis der letzte von den 560 Pilgern untergebracht ist.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 6. Oktober 1950

Weil wir näher an der Pfarrkirche wohnen, gehen wir dort erst zur hl. Kommunion. Dann gehen wir zur Basilika zum Pontifikalamt. Freude erfüllt mich und Dank. In der Rosenkranzbasilika fesselt mich das Altarbild. Es wirkt so leuchtend.

Maria spricht: "Seid gegrüßt und gesegnet, meine Kinder. Ihr seid die ersten Friedensboten, denen ich besondere Gnaden erteile und Freuden schenke. Mein Kind fürchte nichts. Ich halte dich verborgen in diesen Tagen. Du wirst dich frei überall bewegen können. Die Wallfahrt ist für dich ein Gnadenerweis, ein Opfer für deinen Seelenführer Josef von Jesus und für deinen Priesterbruder Josef. Was für andere getan wird, ist verdienstvoller, besonders das Opfer für die Priester. Sie bringen ja auch das Opfer der Erlösung dar, daraus der Menschheit viele Gnaden fließen. Du bist gesalbt, bist genannt auf das kostbare Blut. Siehe, auch ich wurde gesalbt zur Opferpriesterin unter dem Kreuze, mit dem Blute meines Sohnes. Die Schar der Gesalbten wird noch größer. Noch bleibt es eine Zeit Geheimnis, bis der Stellvertreter meines Sohnes erleuchtet wird und euch segnet. Große Kraft und Stärke brauchen auch meine Priestersöhne. Dein Priesterbruder Josef bleibt das bestimmte Leidensopfer für das große Werk am Ort seiner Bestimmung durch mich. Ich sagte es schon einmal. Er darf das Opfer Meines Sohnes darbringen und vollenden. Wie es dargebracht und vollendet wird, ist noch Geheimnis. Sein Grübeln führt nicht zur Vollkommenheit, sondern die Ergebung in den Willen Gottes. Das erbitte hier für ihn, daß er zur Vollkommenheit gelangt. Der andere Sohn, dein Seelenführer, ihn segne ich besonders von hl. Stätte. Er verlangt nach mehr Leiden. Wer sie verlangt, hat erkannt, daß sie zu den höchsten Freuden führen. Mehr noch wird er durchbohrt mit dem Feuer der Liebe. Ganz aufgelöst wird er zu einem Nichts für die Heiligste Dreifaltigkeit. Dann jubelt seine Seele und der Dreieinige Gott wird sie emporziehen und mit Seiner Liebe vereinen. Im Opfer trittst du an ihre Seite und im Opfer werdet ihr eins. Ich segne sie und dich. Lebe wohl, mein Kind."

Ich bin fast verwirrt. Ich sehe nicht mehr die Muttergottes, sondern Jesus erscheint aus ihrem Bild. Das sah ich auch schon einmal in Ittenbach am Gnadenbild. Jesus spricht nun: "Wer Mich sieht, sieht auch den Vater. Wer die Unbefleckte sieht, sieht auch Mich. Wer ein Kind Mariens ist, ist auch Kind Gottes, Mein Bruder, Meine Schwester, denn alle haben wir nur die eine Mutter, die Mich und euch gebar. So wie Ich aus ihrem Angesicht schaue, sollen alle ihre Kinder aus ihrem Antlitz schauen und den Stempel der Reinheit tragen. So werden sie wie Maria ein Wohlgefallen der Heiligsten Dreifaltigkeit. Mein Tag ist heute. Mein Herz ist die Wonne reiner Seelen. Jubel und Freude soll auch dein Lohn sein hier am hl. Ort. Nimm diese Freude mit und gebe sie weiter an jedes Herz, das Freude sucht mit Mir und Ruhe an Meinem Herzen. Führe sie zu Mir, damit Ich sie segne. Die Menschen verlangen nach Liebe, haben aber den Schlüssel zur Liebeskammer verloren. Einen Funken gab ich dir von Meinem Herzen. Zünde immer neu die kalten und schwachen Herzen an. Ich dürste nach Liebe, verlange nach Seelen, die Ich erlöste. Du sei heute besonders gesegnet für die Leiden, die dich erwarten, wenn du heimkommst."

"Ich danke Dir, guter Heiland. Herz Jesu, reich für alle, die Dich anrufen, Dich anbeten und Dich lieben."

 

Samstag, den 7. Oktober 1950, Rosenkranzfest

Jeden Tag waren wohl 40.000 bis 50.000 Menschen am hl. Ort. Heute sind wohl 100.000 da. Ein Beten und Singen ist hier, das auch den Ungläubigen mitreißen muß. Ich verliere mich immer, bin meistens bei den Franzosen. Sie beten so stürmisch und ergreifend. Das reißt mit. Es ergreift mich das Beten eines weißgekleideten Mädchens. Sie trägt einen Schleier, bis auf die Erde. Der Rosenkranz liegt wie eine Kette um ihren Hals. Flehend sind die Hände zur Immaculata erhoben. Der Mund hört nicht auf zu flehen. Ich merke, daß sie hin- und hergestoßen wird. Ich schaue sie an und sehe, daß sie blind ist. Gerade will ich helfen, kommt eine Frau und führt sie. Ich bitte für sie bei der Muttergottes.

Maria sagt: "Bete, daß der Glauben und ihr Vertrauen so stark bleiben. Sie ist das Opfer für die geistig Blinden. Sie sieht mich. Das ist ihre Gnade. Sie darf den Glanz der Welt nicht sehen, sonst wäre es möglich, daß Glaube und Liebe schwinden. Durch ihr Opfer aber, ihr Beten und Leiden, wird vielen geistig Blinden die Gnade der Erkenntnis gegeben. Segne sie. Segne sie immer, sooft ihr Bild vor deine Seele tritt. Gehe nun weiter, dahin wo Arme stehen, die auch nach Liebe dürsten. Segne auch diese und erfreue sie."

Ich tue, wie mir gesagt. Da stehen zwei Zigeunerfamilien mit ihren Kindern. Ich segne sie und mache jedem Kind ein Kreuz auf die Stirn. Ein Leuchten geht von den Augen der Väter und Mütter aus. Die Kinder schauen mich groß an. Ich greife in die Tasche. Ich habe etwas Süßes, das man mir schenkte für die Reise. Nun sehe ich bei allen den Zug der Freude. Eine von den Müttern macht ihr drei Monate altes Kind frei und reicht es mir. Es hat einen bösen Ausschlag. Ich segne es besonders und streichele es. Wieder sehe ich die Freude auf allen Gesichtern. Ich sage nur: "Immaculata hilft." Sie haben mich verstanden. Allen die Hand reichend, gehe ich weiter. Da kommt Gretchen Schäfer mit den anderen Begleiterinnen. Sie suchten mich schon. Ich sage: "Ihr müßt es gewohnt werden, daß ich herausgenommen werde. Der liebe Heiland führt mich ja Seine Wege."

Gegen Abend höre ich, daß wir eine Geheilte haben in unserem Pilgerzug. Es soll am Brett zu lesen sein. Ich gehe hin und überzeuge mich von der Wahrheit. Meine Freude ist groß. Still gehe ich zur Grotte, um zu danken. Ich freue mich besonders, weil ich ja betete, daß eine wenigsten geheilt würde. Ich erbat es ja für den Priester, damit seine kranke Seele geheilt werde. Gerade diese Kranke ist geheilt, von der es wohl niemand dachte. Es ist Maria Hüvels aus Sterkrade im Ruhrgebiet. Sie hat schon 12 Jahre Muskelschwund. Die letzten zwei Jahre lag sie vollständig gelähmt. Ich war bei ihr, als ich im Zug zuerst in der Krankenabteilung war. Sie wurde plötzlich so elend und schwach, als sei sie eine Sterbende. Es wurde beschlossen, wenn wir in Aachen angekommen sind, sie zurückzutransportieren. Ich sagte zu einer Schwester, daß man der Kranken doch die Freude nicht nehmen soll. Es wäre doch gleich, ob sie auf dem einen oder dem anderen Weg stirbt. Dann nahm man sie doch mit nach Lourdes. Nun ist sie gerade geheilt worden, heute am Rosenkranzfest. Wie die anderen Kranken wurde auch sie durch das Wasser gezogen. Dann kam eine Stelle, wo sie rief: "Ich sterbe, ich sterbe." Man nahm sie heraus. Nach einer Weile kam sie wieder ins Wasser. An derselben Stelle stand sie auf einmal im Wasser auf und rief erfreut: "Ich lebe, ich bin gesund." Es wurde Kleidung für sie gesammelt, weil sie nichts bei sich hatte. Dann kam sie in den bischöflichen Wagen. Wir Pilger gingen voraus. Zum Dank wurde der Kreuzweg gebetet. Zur gleichen Zeit wurde bei den Franzosen ein Mann geheilt.

 

Sonntag, den 8. Oktober 1950

Die Basilika wird nicht leer. Ich bleibe bis Mittag. Ein Erlebnis habe ich, das mir fast den Atem anhält. Nach der hl. Messe für die deutschen Pilger gehe ich auf einen anderen Platz. Ein Mann kommt in die Bank und fragt mich etwas. Ich verstehe ihn nicht. Er erregt meine Aufmerksamkeit, weil er in Haltung und Kleidung sehr unordentlich ist.

Jesus spricht: "Beobachte ihn." Eine andere Frau fragt den Mann. Dann sehe ich, wie er zur Kommunionbank geht. In der rechten Hand hält er eine schmutzige Mütze und die Linke hat er in der Hosentasche. Seine Augen gehen nach rechts und links, schauen ob, er nicht bald an die Reihe kommt. Er biegt sich und schaut auf den Priester, der mit dem Heiland naht. Ja, er empfängt Jesus. Dann kommt er mit offenen Augen, die linke Hand in der Hosentasche haltend und in der rechten die schmutzige Mütze, von der Kommunionbank. Er betet nicht. Das sehe ich, weil seine Augen umherschweifen. Er kommt zu mir in die Bank. Ich stehe auf und schaue ihn an. Er wird unruhig. Er steht auf und geht in die Bank hinter mir. Ich folge ihm. Er wird noch unruhiger. Er steht auf, mischt sich unter die Menge, die gerade die Kirche verläßt und geht mit hinaus. Ich wende mich zum Altar. "Sage, lieber Heiland, was bedeutet das? Warum ließest Du es zu, daß diese Seele Dich empfing? Warum sollte ich ihn beobachten? Herr, der war bestimmt nicht katholisch, nach seinem Benehmen."

Jesus sagt vom Tabernakel aus: "Kleine Seele, was du nicht verstehen kannst, das versteht Gott ganz allein. Du hast recht gesehen. Der Mann war kein Kind der katholischen Kirche. Du weißt es, ihm fehlte die Mutter. Sie wissen nicht, wie sie den Weg zu ihr nehmen sollen. Gerade hier hören und sehen sie so viel. Da kommt über manchen das Verlangen, auch einmal einen Tag so froh und beglückt zu sein wie ihr. Dann mischen sie sich unter die Pilger und sie beten mit ihnen, ja, sie wagen es, Mich zu empfangen. Ich lasse es geschehen, weil eine große, reine, heilige Liebe sie zu Mir treibt. Um ihrer Liebe Willen vergebe Ich ihnen ihre Schuld und lasse sie das Glück und die Freude einer hl. Kommunion genießen. Dieser Mann nun wurde unruhig, weil er sich von dir durchschaut sah. Darum verließ er das Gotteshaus so schnell. Er kam zum erstenmal und wußte darum auch nicht, wie er sich benehmen sollte. Er mußte ja erst achtgeben, was man tun muß, um Mich zu empfangen."

"O Jesus, wie groß ist Deine Liebe. Was tust Du denen, die Dich wirklich von Herzen lieben. Wahrhaft, Du bist noch immer der große Wundertäter. So soll dieser Tag mit allen Gnaden und Leiden, wenn Du willst, für die Irrgläubigen und Verirrten sein. Noch mehr will ich beten, daß bald ein Hirt und eine Herde werde."

Bis 12.30 Uhr bin ich in der Basilika. Dann verlasse ich das Gotteshaus, um in unser Hotel zu gehen. Ich bete und bin ganz in den Gedanken über das Erlebte.

 

Montag, den 9. Oktober 1950

Heute beginnt die Heimfahrt. Wir sind in Nevers, wo die hl. Bernadette unversehrt in einem Glasschrein liegt. Sie ist so schön, als sei sie 20 Jahre alt. Sie liegt, als schlafe sie. Man sagt uns, sie habe über 30 Jahre in der Erde gelegen. So verherrlicht Gott seine Heiligen.

 

Sonntag, den 29. Oktober 1950, Christ-Königs-Fest

"Ich trage einen großen Namen", spricht Jesus. "Auch ihr habt durch die Laienpriesterweihe einen neuen Namen erhalten. Er ist euch gegeben durch Meinen Priestersohn und euren Bruder Johannes, den ich besonders erleuchtete. Ich wünsche, daß dieser Name zu dem Taufnamen gesetzt werde, daß dieser Name im Buche des Lebens eingetragen ist. Mit diesem Namen fing ein neuer Abschnitt des Lebens für euch an. Ihr seid nun wahrhaft meine königlichen Kinder. Erweiset euch würdig, eurem König die Treue zu halten und seid zu jeder Stunde bereit, Meinen Priestern die rechte Hand zu sein. Ihr seid und bleibt Gesalbte. Ich habe es gesagt, daß, ehe Ich komme, Meine auserwählte Schar an der Stirn mit dem Kreuz bezeichnet ist. Wartet nicht auf die dunklen Tage wie die törichten Jungfrauen auf den Bräutigam. Es könnte sonst auch euch die Tür zur Hochzeit des Lammes verschlossen werden. Eure Waffe sei das Kreuz und der Rosenkranz."

 

Dienstag, den 5. Dezember 1950

Jesus spricht heute: "Meine Braut, mir gefällt es und du wirst reich an Gnaden, wenn dem freudenreichen Rosenkranz, der sieben Gesätze hat, auch dem schmerzhaften und glorreichen noch zwei Gesätze beifügt werden."

 

Freudenreicher Rosenkranz

1. Gesätz: "O Maria, unbefleckte Empfängnis, den du mit Freuden vom Heiligen Geist empfangen hast."
2. Gesätz: "O Maria, unbefleckte Empfängnis, den du mit Freuden zu Elisabeth getragen hast."
3. Gesätz: "O Maria, unbefleckte Empfängnis, den du mit Freuden geboren hast."
4. Gesätz: "O Maria, unbefleckte Empfängnis, den du mit Freuden den hl. drei Königen zur Anbetung gereicht hast."
5. Gesätz: "O Maria, unbefleckte Empfängnis, den du mit Freuden im Tempel wiedergefunden hast."
6. Gesätz: "O Maria, unbefleckte Empfängnis, den du mit Freuden nach Seiner Auferstehung gesehen hast."
7. Gesätz: "O Maria, unbefleckte Empfängnis, der dich mit Freuden in den Himmel aufgenommen hat."

 

Schmerzhafter Rosenkranz

1. Gesätz: "Jesus, Heiland, Seligmacher, der für uns im Garten Blut geschwitzt hat."
2. Gesätz: "Jesus, Heiland, Seligmacher, der für uns so treulos verraten wurde."
3. Gesätz: "Jesus, Heiland, Seligmacher, der für uns ist gegeißelt worden."
4. Gesätz: "Jesus, Heiland, Seligmacher, der für uns mit Dornen ist gekrönt worden."
5. Gesätz: "Jesus, Heiland, Seligmacher, der für uns das schwere Kreuz getragen hat."
6. Gesätz: "Jesus, Heiland, Seligmacher, der für uns ist gekreuzigt worden."
7. Gesätz: "Jesus, Heiland, Seligmacher, der uns durch Seinen Tod erlöst hat."

 

Glorreicher Rosenkranz

1. Gesätz: "Christus König, der von den Toten auferstanden ist."
2. Gesätz: "Christus König, der nach seiner Auferstehung 40 Tage segnend, verklärt, liebend, tröstend und helfend auf Erden war."
3. Gesätz: "Christus König, der in den Himmel aufgefahren ist."
4. Gesätz: "Christus König, der uns den Heiligen Geist gesandt hat."
5. Gesätz: "Christus König, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat."
6. Gesätz: "Christus König, der bald wiederkommen wird, mit Macht und Herrlichkeit."
7. Gesätz: "Christus König, der Seine Auserwählten zu ewigen Hochzeit führen wird."

 

Montag, den 1. Januar 1951

Ich halte in unserer Pfarrkirche alleine eine Sühnestunde nach der hl. Messe. Jesus spricht vom Tabernakel aus: "Meine Seele, bete den Priesterrosenkranz. Ich erwidere: "Herr, den kenne ich nicht, den mußt Du mich schon lehren."

Jesus lehrt: "Am Kreuz das Credo. An den drei Perlen wird gebetet: Ewiger hoher Priester, vermehre Deinen Priestern den Glauben. Ewiger hoher Priester, führe Deine Priester. Ewiger hoher Priester, entzünde Deinen Priestern die Liebe."

1. Gesätz: "Ewiger hoher Priester, segne Deine Priester."
2. Gesätz: "Ewiger hoher Priester, führe Deine Priester."
3. Gesätz: "Ewiger hoher Priester, heilige Deine Priester."
4. Gesätz: "Ewiger hoher Priester, erbarme Dich Deiner Priester."
5. Gesätz: "Ewiger hoher Priester, schenke Deinen Priestern den ewigen Frieden."

 

Mittwoch, den 7. Februar 1951

Ich knie vor dem Bild der Muttergottes. Alles Leid, alle Freude und die Bitten der Kranken und Leidgeprüften lege ich in ihre Mutterhände. Dann höre ich der Mutter Stimme: "Schau mein Bild an." Es ist ganz verklärend schön. Dann sehe ich kein Bild mehr. Nach einer Weile sehe ich in dem Bild das verklärte Antlitz von Mutter Anna Hilker. Ich frage, was das bedeutet. Die Muttergottes sagt: "Mütterlein hat einen Platz ganz nahe bei mir." Die Muttergottes segnet mich, auch das Jesuskind.

 

Sonntag, den 11. Februar 1951

Es ist neun Uhr abends. Es wird mir so schwer in den Gliedern. Ich friere und setze mich an den Ofen. Es dauert nicht lange, da bin ich umringt von lauter häßlichen Gestalten, die wie Tiere sind. Ich habe keine Macht, mich zu wehren. Ich sage: "Ich kenne euch! Was wollt ihr von mir?" Sie lachen und höhnen. Ich bringe kein Wort über die Lippen, auch kein Gebet. Dann sagen sie: "Du tust ja so gern Buße. Das kannst du auch heute." Ich erwidere: "Meint ihr, weil ihr das wollt, werde ich tun?" Sie lachen und sagen: "Für die Gedankensünden wird so wenig getan. Dafür kannst du heute mit deiner Stirn über den Ofen rutschen." Ich sage: "Das tut weh, das brennt! Euch zu Gefallen tue ich das nicht!" Sie grinsen mich an und schreien: "Das Fegefeuer brennt mehr, und die Hölle ist noch heißer." Sie packen mich und ziehen meinen Kopf auf der Ofenplatte hin und her. Erst um ein Uhr nachts lassen sie von mir ab. Ich kann gar nicht denken.

Dann sage ich: "Lieber Heiland, warum hast Du das zugelassen?" Ich höre nichts. Jesus spricht in der Fastenzeit nicht zu mir. Ich schaue in den Spiegel, weil die Stirn so brennt. Die linke Seite trägt eine große Brandwunde, die wie eine Hostie aussieht. Rundherum ist ein blutiger Kranz.

 

Montag, den 12. Februar 1951

Mein Gesicht ist ganz geschwollen. Das linke Auge ist blutig, unter dem Auge hängt ein großer Blutbeutel. Ich leide große Qualen.

 

Freitag, den 16. Februar 1951

Wegen der Schmerzen konnte ich heute nicht in die Kirche gehen. Ich sage: "Lieber Heiland, die Höllengeister haben mich verwundet und Spott getrieben mit der Buße. Sie haben aber nicht erreicht, daß sie mich mutlos machen. Jetzt, Herr, nimm es wirklich als Buße an." Ich erhalte Nachricht, daß Frau Elisabeth Krahwinkel in Köln im Sterben liegt.

 

Freitag, den 23. Februar 1951

Heute kommt Frau P. zu mir. Ich lernte sie im August 1949 in einem Bus kennen. Sie tat mir leid wegen ihrer offenen Beine. Jahrelang halfen kein Arzt und keine Mittel. Ich legte ihr die Reliquie vom hl. Julianus Eymard auf. Die für unheilbar Erklärte ist fast gesund. Sie weint wegen der anderen Leiden und weil sie die Sakramente nicht empfangen kann. Sie ist nicht kirchlich getraut. Der ungläubige Mann will es nicht. Ich lege ihr noch einmal die Reliquie auf. Ihr Kind Elisabeth ist geistig gestört und lebt in einer Anstalt. Ich will beten, daß der Herr gnädig ist.

 

Donnerstag, den 15. März 1951

Es ist 7 Uhr morgens. Der Engel spricht: "Bete für Elisabeth, sie stirbt. Ihr Karfreitag ist vorüber. Sie wird Ostern feiern im Jubel der Engel." Ich bete ein Vaterunser und ein Ave Maria für einen seligen Heimgang.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 5. April 1951

Bin heute um 12 Uhr in Siegburg im Krankenhaus. Gegen sechs Uhr wird Irene von einem kleinen Jungen entbunden. Ich tröste und segne Kranke. Ich bleibe noch bei Schwester Anna. Wir sitzen am Abend beisammen. Es wird auf einmal so hell. Im Lichte sehe ich die Muttergottes. Aber so sah ich sie noch nie. Ich bitte um den Segen. Sie steht in Flammen, wie in einem Meer. Ich frage, was das bedeutet. Nachdem sie gesegnet hat, sagt sie: "Ich bin die Muttergottes als die Erscheinung von Heroldsbach. Das Feuer der Hölle umgibt mich. Siehe, ich verbrenne nicht, obwohl man mich vernichten möchte. Wehe aber jenen, die auf die Botschaft von Heroldsbach nicht hören. In dem Feuer, in dem ich stehe, werden sie stehen."

Dann nimmt ihr Gesicht einen traurigen Zug an. Ich frage: "Warum bist du so traurig, meine liebe Mutter?" Sie sagt: "Oh, wenn doch alle Priester erkennen würden, was dieser heilige Ort der Welt ist und sein wird. Wo ich zur Sühne und zum Gebet rufe, da treten sie mir mit Unglauben und Abneigung entgegen. Du, meine Seele, mußt die Fahrt mit deinem Seelenführer mitmachen. Große Freude wird euch zuteil werden. Eure Opfer werden durch die Gnaden belohnt werden, die ihr aus den Händen eurer Mutter empfanget."

Ich kenne Heroldsbach nicht und weiß auch nichts, außer dem, was man mir erzählte. Unser Gebetskreis möchte hinfahren und will wissen, ob ich mitfahre. Das wollte ich nicht. Nun muß ich mit.

 

Sonntag, den 7. April 1951

Es ist abends zwischen 9 und 10 Uhr. Wieder sehe ich Maria als Erscheinung von Heroldsbach. Ich bin erstaunt und sage: "Sei gegrüßt, Maria. Zu mir auf mein Stübchen kommst du?" Sie antwortet: "Meine kleine Schar, die ich erwählte, darfst du segnen." Dann zeigt sie mir einzeln jedes Kind, acht Mädchen und einen Knaben. Sie steht, schützend die Hände ausgebreitet, hinter jedem Kind. Als ich das letzte segne, entschwebt Maria.

Gestern kam Fräulein B. aus Krefeld und wollte wissen, was ich zu Pfingsten mache. Ich sagte ihr, daß wir eine Wallfahrt nach Heroldsbach machen wollen. Sie sagt: "Da dürfen Sie nicht hin, Heroldsbach ist nicht echt. Wir waren mit einer Schar in Konnersreuth, da hat die Resl (Therese von Konnersreuth) uns gesagt, der Heiland will es nicht. Darum sind wir nicht hingefahren. Ich sage: "In diesen Worten der Resl liegt aber nicht drin, daß Heroldsbach nicht echt wäre. Ich habe den Befehl von der Gottesmutter, mit meinem Seelenführer und unserem Gebetskreis eine Wallfahrt dorthin zu machen." Ich bin ein wenig in Unruhe versetzt und bete vor dem Marienaltar.

 

Dienstag, den 9. Mai 1951

Da neigt Maria sich gütig und sagt: "Mein Kind, gehe zuerst zu deinem Seelenführer, besprich alles mit ihm. Am Abend wirst du mehr erfahren." Nach der hl. Messe fahre ich nach Oberkassel. Pater Dohmen beruhigt mich und sagt, daß die Gottesmutter uns alle dorthin gerufen habe. Ich bin am Abend so zeitig zurück, daß ich noch in die Maiandacht gehen kann. Als ich mein Stübchen wieder betrete, meine ich, der Herr schaue mich traurig an. Ich frage: "Herr, bist Du traurig über mich?" Er erwidert: "Soll ich nicht traurig sein über das Leid, das man Meiner und eurer Mutter zufügt? Das ist die finstere Macht, die die Herzen verdunkelt und die Augen mit Blindheit schlägt." Ich sage: "Dann, Herr, zeige doch Deine Macht!" Jesus: "Das ist Mein Zeichen: Wo Gnadenquellen fließen, da kommt der Fürst der Welt und will sie schließen, will vernichten, was der Menschheit zum Heil und Segen dient."

Ich: "Lieber Heiland, sende doch am Pfingstfest ganz besonders den Heiligen Geist auf diese Gnadenstätte und auf die Seelen herab, die dort weilen werden. Ich werde den Tag für den Heiligen Vater halten. Erleuchte ihn, damit er der Welt bald verkünde, was Heroldsbach ist und sein wird." Dann spricht die Muttergottes: "Eine jede Mutter spielt mit ihren Kindern. Darf ich es nicht mit den Kindern, die ich erwählte und die ich liebe? Dürfen sie nicht mit meinen Kindern spielen? Es ist ein Lohn und eine Freude für sie, für die Opfer, die sie für die Seelen bringen, die mir mit Unglauben und Abneigung entgegentreten."

Anmerkung: Gegen Heroldsbach wurde u. a. vorgebracht, es sei undenkbar, daß die Gottesmutter mit Kindern spielen würde. Dies sei mit ihrer Würde als Königin unvereinbar. Auch in Garabandal spielte die hl. Jungfrau mit den Kindern, oft stundenlang. Die Kritik wiederholte sich. Kenner der echten Mystik haben keine Probleme mit einer spielenden Gottesmutter, die bereits in der hl. Schrift beschrieben wird, wie sie vor Gott spielte.

 

Samstag, den 12. Mai 1951

Heute ist unsere Fahrt nach Heroldsbach. Mein Seelenführer hat mir gesagt, daß alle in Siegburg vom Markt abfahren. Ich bin in der Pfarrkirche und bitte nach der hl. Messe den Herrn, ob ich noch beim Brautamt bleiben kann. Jesus sagt: "Bleibe in diesem Brautamt und nimm den Segen mit für alle. Sei ohne Sorge, du kommst noch früh genug." Nach der hl. Wandlung sehe ich ein Kreuz über dem Hochaltar. Das Kreuz geht fort. Dann sehe ich auf den drei leeren Feldern hinter dem Hochaltar drei Königsköpfe, licht und weiß. Jesus sagt: "Das ist der Segen der Heiligsten Dreifaltigkeit, der ihre Kinder begleitet: Das zeigte das Kreuz an. Auch die himmlische Mutter begleitet euch. Sage es allen."

Es war ein schönes Brautamt mit Orgel und Geigenspiel und schönen Gesängen. Rührend war es, wie ein Kind im Chor sang: "Jesus, Jesus, komm zu mir." Vater und Mutter segnen die Braut. Dann bin ich in Siegburg. Ich sehe nicht einen Pilger, auch kein Auto. Da ich nichts sehe, frage ich Jesus: "Herr, wo soll ich hingehen? Da mußt Du mir schon einen Engel senden, der mich recht führt. Wenn ich bis 12 Uhr nichts erfahre, dann fahre ich wieder heim." Jesus ist bei mir und sagt: "Gehe ein Stück weiter bis zur Straße und bleibe dort stehen." Es war noch früh genug, das Auto war noch nicht da. Dann fahren wir singend und betend zur Gnadenstätte. Gegen Abend sind wir am Ziel. Wir begrüßen zuerst die Muttergottes. Auf einmal höre ich Jesu Stimme: "Komm in die Kapelle." Dort hockt ein Kind vor der Unbefleckt Empfangenen. Jesus sagt: "Segne dieses Kind besonders und weihe es der Heiligsten Dreifaltigkeit. Dann rührt eure Fahne an Mein Kreuz. Verehrt Mich und küßt Meine Füße. Betrachtet Meine Liebe, die alles tut. Dieses Kreuz ist ein Segenskreuz und wird vielen Licht und Weg sein. Vorangetragen wird es am Tage Meines Triumphes. Noch ahnt es keiner, was Ich beschlossen habe. In all den Jahren ist vieles geschrieben und unternommen worden. Die Sprache Gottes wurde bis zur Stunde noch nicht verstanden. Die Priester werde Ich besonders erleuchten und ihre Wege leiten, die ihrem blutenden König treu ergeben sind und für Seine Ehre kämpfen. Nun gehet hinaus und empfanget den Segen der himmlischen Mutter."

Zwei Seherkinder holen die Muttergottes vom Birkenwäldchen ab. Am Podium angelangt, gibt sie einem Kind das Jesuskind. Dann gibt dieses Kind, nachdem es das Jesuskind eine Weile gehalten hat, einem anderen Kind. Ich beobachte alle Bewegungen der Kinder. Als das dritte Kind das Jesuskind dem vierten gibt, sehe ich das Jesuskind weiß gewickelt. Ich freue mich, daß es wieder ein Beweis der Echtheit ist. Als die Kinder die Gottesmutter zurückbegleiten zum Birkenwäldchen, sehe ich ein großes Aufleuchten über dem Wald und einen Lichtstrahl, der zum Himmel aufsteigt. Da höre ich die Stimme der Muttergottes. "Lege alles ab bis auf das Kleid, ziehe die Söckchen an und folge den Kindern." Jetzt wußte ich, warum ich die Söckchen mitnehmen sollte. Ich rutschte aus; es fiel mir schwer. Auf einmal ist Jesus vor mir, beladen mit dem Kreuz. Rutschend folge ich Ihm auf Seinem Kreuzweg. Ich flehe um Kraft und Hilfe. Ich weiß nicht, wie es kam, auf einmal wurde ich auf das Kreuz geworfen. Im Staub und Schmutz der Erde darf ich die Annagelung und Kreuzigung ertragen. Dann löst mich ein hl. Engel vom Kreuz und führt mich zum Lichtmast, zur Muttergottes. Ich danke für die Leiden. Es ist drei Uhr nachts, als wir den Berg verlassen.

Nachtrag von der Fahrt: Auf halber Fahrt ist mein hl. Engel bei mir und sagt: "Ein Beweis der Echtheit wurde dir gegeben durch diese Frau. Die Gelehrten würden sagen: 'Das kann auch der Teufel, dir einen Menschen als Zeichen senden.' Es werden noch andere Zeichen gegeben."

Kurz vor Bamberg sagte der hl. Engel: "Schaue auf die Sonne." Ich sehe, wie sie sich ändert. Ein wunderbares Farbenspiel wechselt sich dauernd in ihr. Ich mache meine Umgebung aufmerksam. Das Sonnenspiel wird immer schöner. Eine Frau ruft: "Da steht ein 'M' am Himmel." Alle schauen hin. Es ist feuerrot und schön gezeichnet. Darüber sind drei Kronen. Ich muß an mein Erlebnis in der Pfarrkirche denken und sage: "Die Muttergottes zeigt uns die Richtung, und die Heiligste Dreifaltigkeit ist mit uns." Die Zeichen bleiben stehen bis kurz vor Heroldsbach. Dann leuchtet der Stern des Vaters und führt uns weiter. Auf der linken Seite am Himmelszelt zeigt sich ein rotes Kreuz, das erst vor Heroldsbach verschwindet.

 

Sonntag, den 13. Mai 1951, Pfingstfest

Mit Maria Lichtinghagen, der Schwester von Pfarrer Lichtinghagen, gehe vor 6 Uhr auf den Berg. In der aufgehenden Sonne sehe ich eine Taube, die von Strahlen umgeben ist. Maria sieht es auch. Vor Freude bete ich: "Gott Heiliger Geist, komm herab auf uns wie einst auf die Apostel. Laß dieses Pfingstfest ein besonderes Fest der Gnade sein." Wir gehen zum Birkenwäldchen, wo wir noch nicht waren. Vor dem Wäldchen steht ein Altar. Daran sehe ich eine Gestalt mit roten Gewand. Ich frage mich, wer das sein mag. Maria L. sieht nichts. Der hl. Engel ist bei mir und sagt: "Das ist der hl. Andreas." Dann leuchtet es über dem Wald. Ungezählte Engel und Heilige grüßen. Über allem ist die Gottesmutter als Braut des Heiligen Geistes. Sie ist ganz weiß und leuchtend. Dann sehe ich rechts vom Birkenwäldchen über dem anderen Wald ein großes 'H' im Licht. Ich sage zu Maria L.: "Das muß etwas vom lieben Heiland sein. Er zeigt es mir an, dort muß ich auch noch hingehen." Wir kamen aber nicht mehr hin, weil eine Erscheinung angekündigt wurde. Von der Mutter Gottes gesegnet, verließen wir den Berg, um dem hl. Opfer in der Pfarrkirche beizuwohnen. Am Nachmittag um 3 Uhr war wieder eine Erscheinung.

Der hl. Engel sagt: "Gehe hin und begrüße deine Freundin Theresia." Es hielt schwer, durch die Menge zu kommen. Jetzt sehe ich sie, meine Freundin, die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Dann höre ich, daß viele Engel und Heilige die Seherkinder abholen. Darunter sind auch die hl. Theresia und der hl. Andreas. Jesus sagt: "Entferne dich. Dein Engel führt dich an einen stillen Ort." Der Engel ist rechts von mir, Maria L. links. Ich meine, der Engel führt mich zum Birkenwäldchen. Beim Lichtmast angekommen, wendet er sich nach links. Ich folge ihm und nehme an, daß ich dort vor dem Altar im Feld beten soll. Es sind auch nur drei Personen dort. Ich schaue mir den Altar an. Die Mitte trägt ein schönes Kreuz, das wie lebendig wirkt. Links steht die Muttergottes von Lourdes und rechts das Prager Jesulein.

In meine Betrachtung hinein wird das Jesulein lebendig und spricht: "Lies, was hier steht." Mein Blick fällt auf die Tafel und ich lese: "Ich bin immer gegenwärtig, auch wenn ihr Mich nicht seht." Jesus sagt weiter. "Du mußt schreiben. Ich habe dir etwas zu sagen. Rufe den Heiligen Geist an und bete das Confiteor." Ich tue es. Jesus: "Zünde die große Kerze an. Dein Seelenführer muß sie nach der Ansprache zum Lichtmast tragen. Nun höre: Eine große Stunde ist es. Wie oft sagte die hl. Mutter: Ich habe Großes vor! Erneut schließt sie am heutigen Tag einen hl. Bund mit allen, die sie zur hl. Stätte rief. Ihr, die Kinder der Heiligsten Dreifaltigkeit, und königlichen Kinder Meines kostbaren Blutes, habt besondere Gnaden durch die erwählten Kinder erfahren. Die heilige Blutfahne hat die gesegnete Erde berührt und ist angerührt und gesegnet durch Mein hochheiliges Kreuz. Alle sollen sie sehen und von deinem Seelenführer am Lichtmast damit gesegnet werden. Die Kerze traget vor dem Banner her. Sagt Mir alles! Ich bin ja so reich für alle, die Mich anrufen. Oh, meine Seele, Satan will hier alles vernichten, weil viel Opfer und Sühne gebracht wird. Er hat große Helfer, die auch falsche Gerüchte bis zum Vatikan bringen. Betet viel. Große Ereignisse stehen bevor. Seid nun alle gesegnet: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Helft Seelen retten."

Als ich zu mir komme, bin ich ganz erstaunt über die Anzahl der Menschen, die sich angesammelt hat.

Jesus spricht: "Du darfst es, außer deinem Seelenführer, nicht aus den Händen geben. Lies es vor!" Dann werde ich beiseite genommen. Einige von der Kommission wundern sich über die Worte, die mir vor dem Altar gerade gegeben wurden. Man erzählt mir, daß hier den Seherkindern der Kelch mit dem Blut gereicht wurde, daß sie dieses Kreuz bluten sahen und daß sie auf der Wiese große Anfechtungen von bösen Geistern hätten. Nun soll die hl. Blutfahne für die Prozession geholt werden. Bestürzt kommt Maria Lichtinghagen zurück und sagt: "Die Fahne ist nicht mehr da." Mein Seelenführer bringt die gleiche Nachricht. Alle sagen: Maria Magdalena, du mußt beten! Der Teufel hat uns einen Streich gespielt. Ich antworte: "Ich bete jetzt nicht. Ich habe die Worte vom Heiland. Da kann es nicht bös werden." Ich bitte den hl. Antonius, uns zu helfen, daß ich die Fahne finde. Da kommt Maria schon mit der Fahne.

Mit vorangetragener Kerze und mit der Blutfahne geht es in Prozession zum Podium. Pater Josef Dohmen erklärt die Bedeutung der Fahne und bringt sie in Zusammenhang mit dem blutenden Herz-Jesu-Bild. Dann geht es zum Lichtmast, wo mit der Fahne der Segen gegeben wird. Wieder wollte man wissen, welche Bedeutung die Fahne und das Herz-Jesu-Bild von Mirebeau haben. Ich selbst wurde auch bestürmt, so daß ich flüchte. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als den Berg zu verlassen. Ich bin ganz erschöpft und lege mich in eine Ecke unseres Wagens. Ich lag einige Stunden. Um 12 Uhr nachts gehe ich mit Maria wieder auf den Berg, weil um 12.30 Uhr wieder eine Erscheinung ist. Da noch Zeit ist, gehen wir zum Birkenwäldchen, um zu sehen, was dort auf dem Altar steht. Anschließend wollen wir zu dem Wald gehen, über dem ich das 'H' gesehen habe. So gehen wir zuerst dorthin. Da stehen wir vor einem wunderbaren Kreuz, das ganz von Lichtern strahlt.

Jesus spricht von diesem Kreuz: "Bleibet hier. Haltet Mir die Sühnestunde allein. Dann gehet weiter in den Wald hinein. Da findet ihr die hl. Mutter. Dort haltet die Maiandacht."

Es ist so schön in dieser nächtlichen Stille. Wir beten für alle, besonders für die Einsamen, Verlassenen, Trauernden, die trauern über ihr Leid, aber vielmehr auch für die, die trauern über ihre Schuld. Als wir in die Nähe des Kreuzes kommen, bemerke ich rechts in einem Winkel etwas, was wie ein Bündel aussieht, das sich bewegt. In unserem Beten und Singen erklingt auf einmal eine andere Stimme. Vom Kreuz gehen wir weiter in den Wald hinein. Dort finden wir die Gottesmutter mit dem Jesuskind. Hier halten wir in gleicher Meinung die Maiandacht. Wieder betet und singt eine Fremde mit, die rechts von mir steht. Nach der Andacht spricht sie uns an: "Ihr habt mir viel gegeben mit eurem Singen und Beten. Ich war schon ganz verzweifelt. Ich wollte mir hier, wo ihr mich liegen sahet, das Leben nehmen. Ich kann mein Leid nicht mehr tragen. Ich habe einen Mann, der seit Jahren gelähmt ist, und habe ihn hierher im Rollstuhl mitgenommen. Ich habe ihn in die Menge gestellt und gedacht, Gott werde sich sicher seiner erbarmen, wenn dieser Ort echt ist. Dann bin ich schnell in den Wald gelaufen. Ich wollte die Tat ausführen, mich erhängen, wenn die Stunde der Erscheinung kommt. Ich dachte, dann würde hier niemand in den Wald kommen. Nun seid ihr gekommen und habt mich bewahrt. Nun habe ich wieder Lebensmut."

Gemeinsam gehen wir zum Altar am Birkenwäldchen und danken. Dort steht der hl. Josef. Ihm empfehle ich die Not dieser Frau. Ich bitte sie, sich jetzt ihres Mannes anzunehmen. Der hl. Josef würde helfen. Es war nach ein Uhr geworden und ich wußte nun, warum wir bei der Erscheinung nicht dabei sein sollten. Dem lieben Heiland ging es um eine Seele, die durch Seine Gnade wieder auf den rechten Weg geführt werden sollte. Da möchten doch alle erkennen, was eine Seele in den Augen Gottes wert ist. Beim Podium war eine Schar – jeder mit einem Kreuz auf der Schulter – die den Kreuzweg gehen wollte. Ich wollte mitgehen. Da sagt Jesus: "Es ist Pfingsten. Da sollst du nicht den Kreuzweg gehen." – "Herr, wie Du willst, soll es geschehen." Am Podium sehe ich rechts aus den Wolken kommend ein großes schwarzes Kreuz. Es schwebt hernieder und läßt sich auf dem Berg nieder. Es erschreckt mich ein wenig. Noch weiß ich es nicht zu deuten. Um zwei Uhr sind wir wieder in unserem Wagen.

 

Montag, den 14. Mai 1951, 2. Pfingsttag

Vor 6 Uhr bin ich mit Maria wieder auf dem Berg. Ich sehe über dem Birkenwald einen Regen wie aus Kristallperlen. Der hl. Engel an meiner Seite sagt: "Alle, die in diesen Tagen anwesend waren und sind, haben besondere Gaben und Gnaden des Heiligen Geistes empfangen." Dann holen die Seherkinder wieder die Gottesmutter ab. Ich darf sie in einem Augenblick sehen, als sie von den Kindern zurückbegleitet wird. Sie hat eine segnende Stellung, segnend schwebt sie höher. Wir gehen in die Pfarrkirche, wo mein Seelenführer das hl. Opfer feiert. Bei der hl. Wandlung sehe ich nur ein Licht in seinen Händen. In meine Danksagung hinein sagt Jesus: "Schau auf Meinen Priestersohn." Ich sehe, daß jede hl. Kommunion ein Licht in seinen Händen ist. Jesus sagt: "Er ist ein Sohn Meines Herzens. Wie freut Mich seine verzehrende und opferbereite Liebe. Von Meinem Herze hat er das Licht empfangen, das er durch Mich hineinträgt in die Herzen. Schaue Mich an." Ich schaue hinauf zur Kreuzigungsgruppe über dem Hochaltar. Der Heiland neigt das Haupt. Die Dornenkrone löst sich und schwebt zu mir. Ich bitte: "Herr, was bedeutet das?"

Er sagt: "Du mußt gleich Mein Opferlamm, den Pfarrer, besuchen. Die Dornenkrone, die er verborgen trägt, darfst du heute und sooft es dir gefällt – mit ihm tragen. Du sahest in der vergangenen Nacht das Kreuz aus den Wolken kommen. Meine Rechte hat es aufgerichtet am hl. Ort. Gedenke oft der Kinder! Sie werden von dieser Stunde den Weg Meines hl. Kreuzes gehen. Ohne diesen Weg gibt es keine wahrhaft reinen Freuden. Die himmlische Mutter hat sie erwählt und geführt. Durch diese Gnaden und Freuden gestärkt, werden sie bald hineinwachsen in das Opfer, werden Leidensopfer für Mich, werden Opfer sein für Meine Priester, die schwach im Glauben sind. Schaue weiter auf Mich!"

Jesus ist über und über mit Wunden bedeckt und von Blut überströmt. Er spricht weiter: "Diese Kinder werden auch den Weg der Geißelung gehen für jene, die dem Geist der Unlauterkeit dienen. Schau Mich weiter an." Ich sehe Tränen in den Augen Jesu und frage: "Herr, warum weinst Du?" "Bei Meinem Verscheiden sah Ich die große Zahl der Verlorenen, für die Mein Kreuzestod ein vergebenes Opfer ist. Siehe, da weinte Ich und mit Mir Meine Mutter, die unter dem Kreuz stand... Bete das Confiteor." Ich tat es. Da wurde mein ganzer Körper wie gelähmt. Die Augen wurden starr. Eine große Reue kam über mich. Die Tränen flossen aus den starrgeöffneten Augen. Ich sah nur Jesus an. Sooft Er in Seiner Barmherzigkeit liebevoll Sein Haupt neigte, flossen meine Tränen. Nach einer Zeit sprach Jesus: "Ich habe dein Opfer angenommen. Schaue weiter."

Ein Gotteshaus sehe ich wie eine Basilika. Viele schöne Altäre schmücken den Berg. Die Menschen kann ich nicht zählen, die herkommen. Ich sehe Fahne an Fahne gereiht und eine Zahl Priester. Jesus sagt: "Deutschland ist gekreuzigt! Es wird aber auferstehen in neuem Glanz. Ich mache alles schön und neu. Betet und sühnt viel mit den Kindern." Dann bin ich mit Maria zum hochwürdigen Herrn Pfarrer gegangen. Er war im Altersheim. Er wollte uns zunächst nicht anhören, hatte keine Zeit. Unterwegs schloß ich sein Herz auf und fühlte seine Freude. Seine letzten Worte waren: "Wollen wir um viele Leiden bitten und schweigen in dieser großen Sache."

Um zehn Uhr war die Rückfahrt. Jesus sagt: "In Bamberg müßt ihr halten und in den Dom gehen." Wir kommen zur hl. Wandlung. Nach der Messe durften wir den Dom besichtigen. Die Blutfahne rühre ich an die Sarkophage an. Auf jeder Stufe, die zum Chor führt, mache ich mit der Fahne ein Kreuz und bete: "Herr, laß Deinen Bischof über diese Kreuze gehen, damit es Licht werde in seiner Seele. Laß ihn erkennen, was Heroldsbach ist." Dann fahren wir weiter. Am Himmel sehe ich die Muttergottes von Engeln umgeben. Ich höre: "Wie ich euch hierher begleitete, so begleite ich euch auch zurück."

 

Dienstag, den 15. Mai 1951

Wir beten in der Sache Heroldsbach. Jesus sagt: "Vorläufig soll es dort noch so bleiben. Du hast einen Grundstein gelegt. Es sind Ecksteine geworden, an die man sich gestoßen hat und noch stoßen wird."

 

Mittwoch, den 16. Mai 1951

Ich bin in der St. Anna-Kirche in Siegburg. Jesus ändert das Gebet für die christlichen Stände. Mein hl. Engel spricht: "Heilige Jungfrau Maria, Mutter Gottes, du bist die mächtige Schutzherrin der ganzen Welt. Wir wenden uns voll Vertrauen an dein mütterliches Herz. Dein Glaube blieb stark in allen Stürmen deines Lebens. Richte den wankenden und verlorenen Glauben in der Menschheit wieder auf, besonders in den Herzen vieler Priester, die an deine Botschaft nicht glauben. Laß auch die Hoffnung auf Gott nicht verlorengehen. Laß es nicht zu, daß die Liebe ganz erkaltet. Du kennst die Gefahren, die uns drohen und willst uns retten vom Untergang.

Gnadenvermittlerin, Hohepriesterin, nimm alle Priester an deine Mutterhand und führe sie. Bitte für sie, daß sie erkennen, was ihnen zum Heil und Segen dient. Du vermagst alles bei deinem göttlichen Sohn. Segne sie, o Mutter, laß sie Boten des Friedens sein, laß sie Hirten sein, die ihre Herde führen, durch dich geleitet. Laß sie hineilen mit ihrer Herde, wo du auf sie wartest, wo du rufest zu Sühne und Gebet. Du bist ja die Königin der Apostel und wirst nicht müde, deine Priestersöhne mit der ganzen reinen Liebe einer Mutter an dein Herz zu ziehen. Wie weh tut es deinem Herzen, wenn auch nur einer deine große Liebe verschmäht, wenn sie nicht glauben wollen und erkennen, was deine Liebe tut und will.

Bitte für den Heiligen Vater, daß er in der Kraft des Heiligen Geistes die Völker führt zu dem einen Hirten und zu dem einen Schafstall. Die Stunde naht, da erneuert wird die Erde durch den Heiligen Geist. Du, Seine königliche Braut, bereitest alles vor für diese Stunde. Du willst alle Herzen für Ihn öffnen und alle Seelen formen zu Seinem reinen Tempel, von dem Er Besitz nehmen und in dem Er wohnen will als die Liebe, die vom Vater und vom Sohne ausgeht. Du riefest die Männer und die Jungmänner, die Frauen und die Jungfrauen, die Kinder, das Alter, die Notleidenden und Bedrängten, die Gefallenen und Gestrauchelten, die Kranken und die Sterbenden, die Ordensleute, die Schwestern, besonders die Opferseelen und die Diener des Opferaltares Deines Sohnes.

Deinen Mantel breitest du über alle aus. Du willst uns schützen vor dem Sturm, der über die Erde kommt. Bei der Mutter sind wir geborgen. Mutter, wir lieben dich! Wir hören auf deinen Ruf! Führe uns zu Jesus, zum Heiligen Geist, zum Vater. Erflehe uns die Gaben des Heiligen Geistes. Mit dir wollen wir lieben Tag und Nacht die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Heilig, heilig, heilig, über alles heilig ist der Vater mit dem Sohne und dem Heiligen Geiste."

 

Donnerstag, den 18. Mai 1951

Es ist kurz vor sieben Uhr. Ich bin auf dem Kirchweg. Die Sonne kommt ganz leuchtend aus den Wolken. Sie steht schon so hoch wie am Mittag. Das verwirrt mich. Was mag das bedeuten? Auf einmal ist die Sonne umgeben von vielen Engeln, die freundlich grüßen, indem sie sich neigen. Ich stehe wie gebannt. Die eine Wolke, aus der die Sonne hervortrat, schließt sich nun. Ich sehe nichts mehr und gehe weiter. Da steigt die Sonne hinter den Bergen auf. Einen seltsamen Glanz hatte die erste Sonne, fast weiß wie Schnee, aber auch golden leuchtend. Die Muttergottes ist an meiner Seite, ganz weiß verschleiert.

Sie spricht: "Das war mein Zeichen, das Zeichen von Fatima, aber auch das Zeichen von Heroldsbach. Es ist das Zeichen für meine Kinder, die mich lieben und an meine Botschaft glauben. Ich segne euch alle! Bleibt mir treu." Sie ist fort. Ich bin so erfreut, das ich ausrufe: "Womit verdiene ich diese Gnade, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" Der Himmel wird auf einmal licht und hell. Engel neigen sich ehrfurchtsvoll.

 

Donnerstag, den 15. Juni 1951

Ich bin in der St. Anna-Kirche in Siegburg. Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Meine Braut, gib Nachricht nach Heroldsbach. Der Krippenaltar soll so gebaut werden, wie es das Volk haben will. Viele werden wieder zum Kind werden und im Kind den Weg zu Mir finden."

 

Montag, den 25. Juni 1951

Schon seit mehr als einer Woche habe ich Magen-, Darm- und Nasenbluten. Jesus sagt: "Ich bin dein Arzt. Du trägst ja verborgen Meine Leiden. Daher rühren auch die Blutungen." – "Herr, es ist gut so. Dann leide ich still und verborgen weiter."

Ich habe auch Freude. Ich sehe Mutter Anna Hilker und Abbé Vachére. In der Sache des blutenden Herz-Jesu-Bildes ist noch Kampf.

 

Sonntag, den 12. August 1951

Viele Wochen lang litt ich an diesen Blutungen. Es traten blutunterlaufene Stellen am Körper auf, und ich hatte große Krampfzustände. Heute offenbart mir mein Schutzengel einen Engelrosenkranz. Bei Glaube, Hoffnung und Liebe heißt es: "Bittet ihr heiligen Engel, daß unser Glaube vermehrt, die Hoffnung gestärkt und die Liebe entzündet werde.

1. Gesätz: Bittet, ihr hl. Engel, daß wir zur ewigen Seligkeit gelangen.
2. Gesätz: Führt uns, ihr hl. Engel, im Kampf gegen die Mächte der Finsternis.
3. Gesätz: Führt uns, ihr hl. Engel, zu Maria im Heiligen Geiste, durch Jesus zum Vater.
4. Gesätz: Verlaßt uns nicht, ihr hl. Engel, in der Stunde des Todes.
5. Gesätz: Ihr hl. Engel, erfleht uns die Gnade, daß wir im letzten Gericht zur Rechten gestellt werden.

Nach jedem Gesätz wird gebetet: Auf die Fürbitte der hl. Engel verzeihe uns, o Jesus, unsere Sünden, führe alle Seelen zum Himmel.

 

Mittwoch, den 15. August 1951

Ich sehe die Muttergottes als Erscheinung von Heroldsbach. Eine Sonne kommt aus dem Tabernakel. Ich höre Jesu Stimme: "Verkünde es! Die himmlische Mutter segnet heute alle ihre Kinder, besonders ihre Leidenskinder von Heroldsbach." Dann sehe ich ein Lichtkreuz. Es geht fort. Ein weißer Anker steht lange an derselben Stelle. "Die in Sünde leben, sollen dieses Segens besonders teilhaft werden, damit dieser Segen ihnen zum Frieden der Seele dient, daß ihre Engel Freude haben an der Führung dieser Seelen."

Jesus spricht weiter: "Die Engel sind zur Führung und zum Schutze der Seelen gegeben. Sie bitten am Throne der Liebe um Barmherzigkeit, aber sie sind keine Opferseelen. Ich suche Opferhostien, die ein Leben führen nach Meinem Wandel auf Erden und ein Leben gleich dem Meinem im Sakrament der Liebe. Die so leben, haben Gewalt über die Seelen der armen Sünder."

Dann erscheint St. Michael mit einer Schar aus seinem Chor. Er spricht: "Der Friede sei mit dir und allen Streitern Gottes. Als Heerführer der Heerscharen, geführt von unserer hohen Frau, der Königin der Engel und des ganzen Weltalls, verkünde ich heute, daß die Kinder der Erde vor einer großen Stunde der Entscheidung stehen. 'Wer ist wie Gott?' Wer ist wie unsere Königin, die Auserwählte, die Unbefleckte? Der Drache hat sie aufgefordert zum Kampf. Sie hat die Herausforderung angenommen."

 

Mittwoch, den 3. Oktober 1951

In der Sühnestunde in unserer Pfarrkirche sehe ich über dem Altar ein Lichtkreuz. Jesus sagt: "Die Heilige segnet ihre Kinder heute. Du wirst sie sehen in der Wallfahrtskirche zum hl. Judas Thaddäus." Von zwei bis fünf Uhr am Nachmittag bin ich in Heisterbacherrott. Nach der Feier bete ich noch still. Da hüllt ein leuchtendes Herz die Statue der hl. Theresia ein. Ich sehe keine Statue mehr. Lieblich und schön schaut St. Theresia aus dem goldenen Herzen. "Ich grüße dich, meine kleine Freundin, im doch so großen Herzen Jesu. Ja, du bist ganz eins mit Ihm. Bitte, daß auch ich es mit allen werde, die mich umgeben ..."

Sie sagt: "Wenn der allgütige große Gott in den Kleinen so groß ist, im Unscheinbaren wächst zu Licht und Leben, so erwählt er immer das Kleine und Unscheinbare als das Größte für den Himmel. Ich streue immer noch Rosen. Tut ihr es auch! Ihr könnt es alle Tage im Rosenkranz. Diese Kränze werden Siegeskränze, wodurch die Hölle mit ihrer Macht besiegt wird. Wo eine Schar sich vereint im Rosenkranzgebet, da bricht die Macht der bösen Geister. Sie können ihren Weg nicht über die Rosen nehmen, die verkettet sind im Leben und Lieben Jesu und Seiner hl. Mutter. Sie sind auch verkettet mit der Gemeinschaft der Heiligen im Himmel und auf Erden. Sie wachsen in den Himmel hinein vor Gottes und Mariä Thron. Dank dir, meine kleine Freundin."