• Engel und Heilige von jedem Tag
  • Bücher der Liebe, Bd. 1
  • Bücher der Liebe, Bd. 2
  • Bücher der Liebe, Bd. 3
  • Bücher der Liebe, Bd. 4
  • Bücher der Liebe, Bd. 5

Dienstag, den 1. Januar 1952

Jesus spricht: "Die Liebe wird nicht müde. Die Barmherzigkeit erschöpft sich nie. Ich brauche Herzen, die lieben, Seelen, die sühnen, Opfer, die sich verzehren und vor allem aber Seelen, die sich ganz dem Willen Gottes hingeben." In der Sühnestunde nach dem Hochamt ist die Muttergottes bei mir und spricht: "Mein Kind, das mystische Blut ist das Blut von der Beschneidung meines Kindes, das die Engel sammelten und bewahrten. Es ist eine außergewöhnliche Gnade und Freude, die dir zuteil wurde. Bewahre es als Geheimnis, bis ich dir sage, wann du es deinem Seelenführer offenbaren sollst." Dank, meine liebe Mutter. Womit verdiene ich diese Gnade?

 

Donnerstag, den 3. Januar 1952

Gestern war Sühne- und Leidenstag für die Verunehrung des hl. Namens Jesu. Heute muß ich nach Geistingen. Ich bin um 14.30 Uhr an der Pfarrkirche. Der Bus ist fort. Ich gehe in die Kirche und habe vor, dann heimzugehen, weil vor sechs Uhr kein Bus mehr fährt. Jesus sagt vom Tabernakel aus: "Halte eine Bußwallfahrt. Schon lange wolltest du Mich in Westerhausen im kleinen Kirchlein besuchen. Du kannst es jetzt tun." Ich gehe acht Kilometer zu Fuß. In Westerhausen besuche ich Jesus im kleinen Kirchlein. Ganz besonders zieht mich der hl. Joseph an, der eine große Lilie trägt. Ich bete wie in Kindertagen: "Heiliger Joseph, Lilienmann, nimm mich als dein Pflegekind an. Halt mich keusch an Seel' und Leib, daß in Gottes Hand ich bleib." Dann lade ich ihn ein, mein Begleiter bis nach Geistingen zu sein. Ja, er ist bei mit, und er geht auch mit mir. Als ich da bin, wo der Wald beginnt, entschwindet St. Josef. Ein starkes Unwetter zieht herauf, es regnet in Strömen.

Ich sage: "Heiliger Joseph, jetzt, wo ich deinen Schutz gebrauche, hast du mich verlassen. Wenn du mir doch ein Auto geschickt hättest." In diesem Augenblick steht ein Auto vor mir. Ein junger Mann sagt: "Aber Frau, was treibt Sie denn bei dem Hundewetter in den Wald?" Ich erzähle ihm, daß der Bus fort ist und daß ich zu Fuß aus Oberpleis komme. Er bittet mich, einzusteigen und bringt mich zur Klosterkirche. Dort sind einige anwesend, die beichten wollen. Ich bete eine Weile, da kommt eine Frau zu mir und sagt: "Sie können so schön beten. Ich möchte Ihnen meine schwerkranke Tochter empfehlen." Ich erwidere: "Was wissen Sie schon, wie ich bete. Ob es schön ist, mein Gebet, das beurteilt Gott. Ich werde an Ihre Tochter denken." Als der Regen aufhört, gehe ich zu meinem lieben Geschwisterpaar Johann und Gretchen Schäfer.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 4. Januar 1952

Um 5.30 Uhr in der Früh bin ich in der Klosterkirche Geistingen. Weil noch keine hl. Messe ist, gehe ich zur Krippe. Ich knie noch nicht lange, da spricht Christus: "Gib acht, der Versucher naht!" Ich bin ganz erschrocken, wie wohl der Versucher hier im Gotteshaus auf mich ankommt. Auf einmal sehe ich einen Schatten, und eine Hand legt sich auf mein Gebetbuch. Die Hand verschwindet. Auf meinem Gebetbuch liegt ein Zwei-Mark-Schein. Ich schaue zur Seite und erkenne die Frau, die mich gestern um Gebet für ihre Tochter bat. Ich frage: "Was bedeutet das mit dem Geld?" – "Sie beten doch für meine Tochter. Dafür müssen Sie auch etwas haben." – Ich: "Ich muß nichts haben und nehme auch nichts. Beten bezahlt man nicht." – Sie: "Ich will doch nur ein Opfer bringen." – Ich: "Schön, wenn Sie ein Opfer bringen wollen – dort ist der Opferstock. Da legen Sie es bitte hinein." Sie nimmt das Geld, legt es wieder in ihre Geldbörse und entfernt sich. Ich erkenne, daß es wirklich der Versucher war.

 

Mittwoch, den 9. Januar 1952

Zwei große Leidenstage liegen hinter mir. Ich versagte dauernd. Alles soll sein für das, was im Willen Gottes liegt. Heute bin ich bei meinem Seelenführer in Oberkassel. Es ist wieder ein Tag der Freude und stilleren Einkehr. Ich sollte die Lourdesflasche und das kleine Fläschchen mit dem geheimnisvollen Blut mitnehmen. Der Pater schaut mich ungläubig an, als ich ihm alles erzähle. Er sagt: "Wer soll dir das glauben?" Er untersucht, prüft und betrachtet alles. Er kann nicht glauben, daß sich in einer Flasche, die im Boden ein Loch hat, etwas sammeln kann und dann herausfließt. Auf einmal sagt er: "Ich glaube dir. Schau mal!" Oben an der Flasche bildet sich eine rosenrote Flüssigkeit und fließt von innen an der Flasche herunter. Die Flüssigkeit verteilt sich am Bodenrand und fließt aus dem Loch nicht heraus. Wir stehen beide und können nichts sagen. Dann gehen wir in die Kapelle.

Die Muttergottes spricht: "Dieses Blut ist ein Geheimnis, von dem große Kraft ausgeht. Segne damit besonders die Kinder, die geschändet werden. Lege es Kranken auf. Die Sterbenden werden ruhig und Sündern wird die Gnade der Bekehrung gegeben. Dein Seelenführer wird erleuchtet werden. Gib acht, was er sagt. Das befolge." Maria ist fort, ich bete an der Krippe.

 

Montag, den 21. Januar 1952

Zehn Tage lang war ich krank. Andauernde Krampfzustände, Lähmung der Glieder und Grippe. Am 18. erhielt ich ein Telegramm, meine liebe Mitschwester Josefine Fritz ist sterbenskrank. Heute geht es mit ihr ein wenig besser. So fahre ich nach Köln in Begleitung der hl. Agnes. Ich gehe in die Agnes-Kirche, um Jesus zu begrüßen. Es ist ein Hochamt, in dem ich bleibe.

 

Dienstag, den 22. Januar 1952

Heute bin ich bei meinem kranken Schwesterchen im Marien-Hospital. Sie liegt auf Leben und Tod. Von Jugend auf hat sie ein Kropfleiden. Darum konnte sie nicht im Kloster bleiben. Sie tat viel für die Priester, die sie studieren ließ. Ein Arzt versprach ihr, den Kropf in sechs Wochen durch 60 Tabletten zu entfernen. Nach sieben Tabletten war der Kropf fort. Nun liegt sich fast im Sterben. Ich segne sie und bitte Jesus besonders für sie.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 1. Februar 1952

Durch die Fahrt bekam ich einen Rückfall. Nun bin ich im Leiden mit meiner Schwester vereint. Ich bekomme Nachricht, daß es ihr ein wenig besser geht. Jesus sagt: "Ich mache alles gut, vertraue Mir."

 

Aschermittwoch, den 27. Februar 1952

Den ganzen Monat leide ich sehr, bin viel allein. Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Ich werde die ganze Fastenzeit dir scheinbar fern sein. Die himmlische Mutter wird dich in die Stille führen. Das Osterfest wird Freude und Jubel für dich sein. Fordere alle Marienkinder zu einer besonderen Buße und zum Gebet auf. Bestürmt das Herz des Vaters in Meinem Namen. Ihr wißt, daß ihr leiden dürft für Heroldsbach."

Dann ist die Muttergottes bei mit und sagt: "Ich gebe dir aus dem Schatz meiner Gnaden viel Schönes, damit deine Seele lebe in dieser Zeit der stillen Betrachtung. Du wirst mein wunderbares Wirken in dir empfinden. Heute, mein Kind, halten wir Betrachtung über das Verschiedene im Menschen. Jeder ist anders im Charakter und im Wesen, selbst die Priester, die doch gleiches Studium haben. Jeder Mensch muß anders sein. Sie sollen ja erst eins werden mit Gott in Seiner Anschauung. Wie die Sonnenstrahlen von der Sonne ausgehen und verschieden sind, verschieden wirken, so ist auch der Mensch, der Leben erhielt von dem ewigen Leben, ein Sonnenstrahl. So wie die Sonnenstrahlen nicht eine gleiche Richtung haben, kann die Menschheit nicht eine gleiche Richtung haben. Kehren die Strahlen zurück zur Sonne, werden sie wieder eins mit ihr. Kehrt der Mensch nach dieser Pilgerfahrt zurück zu Gott, wird sein Leben eins mit dem ewigen Leben. Wohl kann die Seele, die sich ganz dem Willen Gottes unterwirft, schon eine große Vereinigung mit Gott auf Erden haben."

 

Freitag, den 29. Februar 1952

Pfarrkirche Oberpleis. Maria belehrt mich nach der hl. Messe: "Opfer kann nur sein, wer Gott wahrhaft liebt. Aus dieser Liebe geht die Nächstenliebe hervor. Ein Opfer ist ein Wesen, das sich hingibt, vergibt, das verzichtet aus Liebe zu Gott und dem Nächsten. Es liebt im größten Schmerz. Es empfindet Freude im tiefsten Leid. Es gibt sein Leben hin in voller Bereitschaft, ob für Freund oder Feind. Jesus, dein Heiland, ist Vorbild aller Opfer und Opferseelen. Er will, daß du Ihm folgst im Opfer. Er wurde nicht nur einmal das Opfer der Erlösung, sondern das immerwährende Opfer des Neuen Bundes. Bist du eins mit Ihm am Kreuze, wirst du auch eins mit Ihm im hl. Meßopfer. Das ist ein großes Geheimnis, das Opferseelen formt und bildet nach dem Opferherzen des Erlösers. Diesen Seelen wird Macht gegeben über die Herzen, besonders über die Sünder. Halte jeden Tag in diesem hl. Opfer der Vermählung mit deinem Jesus. Durch deine eigene Wandlung werden andere gewandelt. So wirst auch du, wie dein Herr und Meister, das Opfer der Liebe, das sein Leben hingibt für seine Brüder und Schwestern."

 

Sonntag, den 2. März 1952

Maria spricht heute: "Komm zu mir mit deiner Schar auf den hl. Berg von Heroldsbach. Du mußt ein weißes Kleid tragen mit blauem Gürtel, wie ich es trug in Lourdes und Banneux." Ich bitte: "Liebe Muttergottes, muß ich das wirklich tun? Ich darf doch nicht auffallen, will auch nicht mehr sein als die anderen. Da wird doch alles auf mich schauen." Maria schweigt.

 

Mittwoch, den 4. März 1952

Ich werde nicht ruhig über den Befehl der Muttergottes. Ich bete lange und bitte, ob ich ein anderes Kleid darüber tragen darf oder einen Mantel. Maria sagt: "Ich freue mich, mein Kind, daß du bescheiden denkst, aber Befehl bleibt Befehl. Du bist meine Schwester. Ich kleide dich ein als Mutter der Armen. Es soll auch dein Sterbekleid sein. Du mußt auch einen Schleier tragen." (Anmerkung: Das Sterbekleid und der Schleier lagen in dem Zimmer, in dem Maria Magdalena bei einem Brand ums Leben kam. Sie waren nicht verbrannt und wurden in den Sarg gelegt.)

 

Mittwoch, den 5. März 1952

Heute spricht Maria: "Ich erlaube dir, mein Kind, daß du einem Mantel über dem weißen Kleid tragen darfst. Der Schleier aber muß offen getragen werden. Ich weiß, wie schwer dir alles wird, aber ohne Opfer gibt es keinen Sieg."

 

Freitag, den 7. März 1952

Maria spricht heute: "Nimm das Opfergeld und kaufe den Stoff für das Kleid. Der Stoff ist zu haben in dem großen Warenhaus. Beim Nähen helfe ich dir. Bete besonders für den Heiligen Vater. Er steht vor großen Aufgaben in diesem Jahr. Diese Woche werden Ölbergleiden über dich kommen."

 

Mittwoch, den 12. März 1952

Ich bin in Oberkassel bei meinem Seelenführer. Im Stillen hoffe ich, daß ich das weiße Kleid nicht tragen muß. Er sagt: "Von diesem Befehl kann ich dich nicht befreien." Er segnet mich für die Fahrt und gibt mir das Reisegeld. Gestern gab mir Gabriele Schöller zwei Kerzen. Ich soll sie in Heroldsbach aufstellen. Heute sagt die Gottesmutter: "Diese Kerzen werden in Konnersreuth bei der Resl brennen." Es wird immer seltsamer. Das legt sich so schwer auf mein Gemüt. Es sind schon Ölbergstunden. Ich möchte oft flüchten.

 

Montag, den 24. März 1952

Ehe wir Heroldsbach aufsuchen, fahren wir nach Konnersreuth. Am Abend um 22 Uhr sind wir nach beschwerlicher Fahrt dort. Ich hatte die Pilger schon vorher bei Pfarrer Naber angemeldet. Weil es schon so spät ist, beziehen wir die Quartiere. Einige gehen zum Hause Neumann. Sie werden aber nicht vorgelassen. Da holen sie mich, aber ich sage, daß es nun zu spät ist, um jemandem lästig zu sein. Die Schwägerin der Resl sagt zu mir: "Sie dürfen morgen kommen."

 

Dienstag, den 25. März 1952

Fast alle Pilger gehen in die hl. Messe. Ich gehe mit Maria Lichtinghagen in die 2. hl. Messe. So haben wir beide nicht gesehen, was sich nach der 1. hl. Messe abgespielt hat. Die Pilger gingen zu Pfarrer Naber und baten, zu Resl zugelassen zu werden. Er hat sie alle abgewiesen. Ich blieb mit Maria in der 3. hl. Messe, die Pfarrer Naber hielt. Zuvor brachte er der Resl die hl. Kommunion ins Haus. Dann ist die hl. Theresia bei mir: "Bestelle eine hl. Messe im Anliegen der Pilger." Ich tue das. Da sagt mir der Pfarrer: "Das braucht gerade nicht hier zu sein. Die können Sie überall lesen lassen."

Ich bin ein wenig enttäuscht. Ich bitte für eine Schwerkranke, ob sie zur Resl dürfe. Ich höre: "Wenn ihr zur Resl wollt, nur am Freitag. In der Fastenzeit ist es strenger. Heute ist ein großer Feiertag. (Mariä Verkündigung) Die Resl leidet heute schwer und blutet aus allen Wunden. Das kommt daher, weil die meisten, die hier eintreffen, von Heroldsbach kommen oder dorthin wollen. Es ist schon vier Tage ein Pater aus Jerusalem hier. Er kommt auch vor Freitag nicht zu ihr. Er erzählte mir unsinnige Sachen von Heroldsbach, denen ich keinen Glauben schenke, die wohl Gerüchte sind." Ich bitte ihn, ob ich wenigstens die beiden Kerzen im Haus Neumann abgeben darf, weil es doch der Wunsch der Gottesmutter ist. Er sagt: "Das können Sie ja versuchen. Ich kann die Erlaubnis nicht geben."

Wir gehen zum Hause Neumann. Maria L. bleibt im Hintergrund. Die Tür bleibt verschlossen. Ich gehe zum Küchenfenster und bete. Die Schwägerin schaut durch die Gardinen. Durch Zeichensprache mache ich ihr verständlich, was ich will. Da zeigt sie zur Tür, daß ich hingehen soll. Die Tür wird von Vater Neumann geöffnet. Ich begrüße ihn und sage, daß die Kerzen auf Wunsch der Gottesmutter bei Resl auf dem Altar brennen sollten. Er sagt: "Tut mir leid, aber heute kann niemand zur Resl, sie leidet sehr. Sie dürfen die Fastenzeit nicht für Besuche wählen. Ich lade Sie ein für die Freudenzeit." Er nimmt die Kerzen. Als die Pilger das sehen, kommen auch andere mit Kerzen.

 

Donnerstag, den 3. April 1952

Seit ich wieder zuhause bin, trage ich die Leiden der Dornenkrone. Heute ist mein 54. Geburtstag. Meine Nachbarin Apolonia Richter wird heute begraben. Sie war schwermütig und wollte sich immer das Leben nehmen. Oft bewahrte ich sie und betete immer den Exorzismus. Oft kam sie zu mir und erzählte, wie sie die Stimme hörte, daß sie sich das Leben nehmen soll, weil durch ihre Schuld viele in den Tod gegangen seien. Sie hörte auch eine andere Stimme. In ihrer Angst kam sie dann zu mir, und ich tröstete sie. Sie war Flüchtling und ein lieber Mensch. Viel Leid hat sie getragen und alles verloren. Ich bat Jesus, er möge sie doch zu sich nehmen, ehe etwas Schreckliches geschieht. Nun ist sie vor einigen Tagen still eingeschlafen.

 

Karfreitag, den 11. April 1952

Jesus will, daß ich den Leidensweg in der Pfarrkirche beginne. Nach der ersten Betstunde spricht mein hl. Engel: "Es ist Zeit, du gehst von diesem Jahr an den Leidensweg der Muttergottes. Fahre nach Geistingen. Deine Schwester Margarethe wird die Salome sein. Als man Maria von Jesus trennte bei der Begegnung, ging sie mit dem hl. Johannes einen Umweg nach Golgotha." Ich bin in Geistingen in der Klosterkirche. Im Kreuzweg gehe ich den Weg Mariens. Ich fühle alle Schmerzen und Qualen Jesu mit. Bei der Kreuzigung werde ich so schwach, daß ich Hilfe brauche. Da steht Gretchen Schäfer bei mir und hilft. Sie ist mir wie Salome. Nun verstehe ich die Worte des Engels. Die Grablegung muß ich in St. Anno in Siegburg miterleben. Gretchen fährt mit. Mein Leidensweg ist zu Ende.

 

Ostersonntag, den 13. April 1952

Ich sehe Jesus im weißen Gewand und höre: "Ich bin König, der Sieger über Leben und Tod. Ich bin dein Licht. Wandle weiter in Meinem Lichte." Meine Freude ist heute groß. Eine Zeitung wird mir vorgelegt mit einem Bild der englischen Prinzessin Margret. Der hl. Engel sagt: "Segne sie, rufe sie neunmal und weihe sie der Heiligsten Dreifaltigkeit und der himmlischen Mutter. Sie soll ein Opfer werden für die Einheit der Kirche. Sie wird dem Ruf der Gnade folgen. Wenn sie erkannt hat, wird sie alles tun." Ich lese auch von Jerusalem und von dem Vulkan im Pazifik, der sich 150 Meter über dem Meeresspiegel zeigt. Es kommen mir dabei grauenhafte Bilder vom August 1946.

Die Muttergottes ist bei mir und spricht: "Jerusalem siehst du so, wie es dir vor Jahren schon gezeigt wurde. Es wird noch mehr verwüstet werden. Kein Stein bleibt auf dem andern. Inmitten dieses Greuels werden Wunder geschehen. Heimkehren wird das einst auserwählte Volk. Sie werden nach dem Retter und Erlöser rufen. Sie glauben, es sei das Ende. Alle Völker der Erde werden erschrecken und der Dinge harren, die weitergreifen über den ganzen Erdkreis. Flüchten werden sie von Ort zu Ort, aber nirgends Ruhe finden. Es werden die Zornesschalen des Allerhöchsten ausgegossen, denen niemand entrinnt. Gerettet werden nur jene, die ich rufen werde. Das ist mein Tag, der Tag des Sieges."

 

Mittwoch, den 16. April 1952

Heute kommt der hochwürdige Rektor Wehrhahn aus Düsseldorf zu Besuch. Er bittet mich, an der Erstkommunionfeier von zwei Kindern seiner Verwandten in Ittenbach auf dem Sophienhof teilzunehmen.

 

Donnerstag, den 17. April 1952

Werde mit dem Auto zum Sophienhof gebracht. Vorher bekomme ich ein großes rotes Zuckerlamm aus Biberach. Die Kinder freuen sich sehr darüber. Ein Junge weint nach der hl. Kommunion. Ich sehe nach der Wandlung die Kinder im Kelch. Über der Muttergottes sehe ich ein Herz.

 

Dienstag, den 22. April 1952

Ich bin in Geistingen in der Klosterkirche. Es ist sechs Uhr früh. Am Josefsaltar ist eine hl. Messe. Rechts vom Altar wird es hell. Ich sehe Maria als die Gnadenmutter von Marienheide. Ich sehe noch eine lichte Gestalt. Ich frage nach der Bedeutung. Da erkenne ich sie, es ist Maria Julianus. Die Muttergottes sagt: "Denke an sie. Mein Kind ringt und seufzt, aber es muß sein. Der Kampf ist schwer. Keine ihrer Tränen ist umsonst geweint. Ihr Leid wird zur Freude."

Jesus spricht nach der hl. Messe: "Ich ließ es zu, daß die Seele in die Irre ging. Wer nie einen Fehler beging, der kann nicht weinen und bereuen. Ihre hungernde und dürstende Seele soll all Meine Liebe empfangen. Sie wird Mich lieben und Apostel der Liebe sein. Sie mußte das Dämonische erfahren, um ein eigenes Zeugnis abgeben zu können. Sie soll es melden. Man soll achtgeben auf die Vorgänge auf dem Berg von Heroldsbach. Er wird in Verruf und Unehre kommen. Satan bedient sich schon der Menschen, die besessen sind. Er selbst kann nicht beten. Diese aber beten mit Greuel der Lüge und Verstellung. Hütet euch vor den falschen Propheten, die selbst Heilige und Gerechte dort irreführen. Betet oft den Exorzismus. Rufet St. Michael mit seiner Schar. Siehe, Meine Braut, darum sahst du am Fest Mariä Verkündigung dort Mein weinendes, blutüberströmtes Antlitz aus den Wolken kommen. Es ist zum Weinen, was dort geschieht durch die Dämonen. Das Zeichen Meiner Erlösung soll nicht auf die Bäume genagelt werden. Das Kreuz soll getragen werden gegen jegliche teuflische Arglist und Tücke. Noch immer wählt die Schlange den Baum, zu dem sie die Menschen ruft und das Gift ausstreut."

 

Samstag, den 3. Mai 1952

Es wird mir gesagt: "Der Stern, der bei der ersten Posaune auf die Erde fällt, heißt Absinthium. Die Plagen durch die 5. Posaune haben einen Engel des Abgrunds als König. Sein Name ist hebräisch: Abbadon, griechisch Apollion, das heißt Verderber. In jenen Tagen ist es Satan erlaubt, die ganze Macht der Hölle zu entfachen. Bei der 6. Posaune wird der dritte Teil der Menschen getötet. Die Rosse sind die Flugzeuge mit den Atombomben. Die übrigen Menschen bekehren sich nicht. Bei der 7. Posaune wird das Geheimnis Gottes enthüllt. Ich, Johannes, verschlinge das Buch, das im Mund süß, im Magen aber bitter ist." (Anmerkung: Apk. 8,7-11,15; Pater Gebhard Heyder hat in seinen Kommentaren zur Apk. die stählernen Rosse als Panzer und Flugzeuge erkannt.)

Ich, Maria Magdalena, muß schreiben: "Wir sind die Apostel der Endzeit. Es ist süß, Gottes Offenbarung zu empfangen, bitter aber, ein Bote Seiner Strafgerichte zu sein. Wenn am Ende Enoch und Elias zum Himmel fahren, kommt zur gleichen Stunde ein großes Erdbeben, bei dem der 10. Teil von Jerusalem, daß Sodoma heißt, vernichtet wird. 7000 Menschen kommen ums Leben."

 

Mittwoch, den 7. Mai 1952

Jesus spricht: "Du sahest vor einem Jahr Maria in Flammen stehen. Ja, wo sie ist, da ist Feuer, denn die Hölle folgt ihr. Je mehr sie ihr folgt, desto größer wird ihre Macht, desto größer ihre Ehre und ihr Ruhm. Lange wird der Kampf noch dauern. Der Widersacher mit seinem Anhang hat besondere List und Bosheit erdacht. Mit allem, was heilig ist, wird er dort in Heroldsbach sein freventliches Spiel treiben. In schönster Lichtgestalt erscheint er und treibt Spiel mit dem Zeichen des Kreuzes. Dieses Zeichen, ohne Mein Bildnis und ohne priesterliche Weihe, ist für ihn eine neue Waffe zur Irreführung. Es sind viele Propheten am Werk, die aus Neid und Überhebung vom Geiste der Bosheit die Gabe empfangen haben, unter dem Deckmantel der Frömmigkeit zu wirken. Dadurch werden sie viele irreführen, werden wunderliche Dinge durch Suggestion vollbringen. Dadurch können sie selbst echte Frömmigkeit auf falsche und dunkle Wege führen, sogar in den Abgrund stürzen. Hütet euch vor diesen Propheten, die nur ihre Stimme hören. Gebet acht auf ihre Werke, ob sich Sünder bekehren oder ob sie Macht haben, einen Teufel zu bannen.

Es kommen Heimsuchungen über die Erde, die alles Dagewesene übertreffen in ihrer Größe und Gewalt. Wehklagen wird man, weinen, ja schreien ob all dieser Geschehnisse. Sie werden nach diesen Tagen hinaufziehen zum neuen Jerusalem, unter dem Banner des hl. Blutes. Seid bereit! Die Nacht ist fast vorüber und ihr folgt der Tag, Mein Tag, der Tag des Sieges und Meiner Verherrlichung. Ehe die Greuel zu Ende sind, wird die hl. Kirche das Machtwort ergreifen und alles Heilige, das besudelt ist vom Schmutz der Sünde, von Tücke und Bosheit der Dämonen, im neuen Licht der Reinheit und Wahrheit beleben. Ein Wehe geht über Amerika. Noch mehr Vulkane werden sich erheben. Über Nacht wird untergehen, was heute noch schön und voller Leben ist. Der Tod hält reiche Ernte. Betet schon jetzt für jene, die von den tobenden Elementen vernichtet werden, damit ihre Seelen keinen Schaden leiden.

Deutschland ist das Herz Europas, ja das Herz der ganzen Welt. Weil dieses Herz so krank und zerrissen ist, habe Ich es Mir erbeten von der göttlichen Barmherzigkeit. Ich werde es heilen für die ganze Welt. In diesem Herzen wird der Dreieinige Seinen Thron aufschlagen. Ich segne Meine Mitstreiter." (Anmerkung: Wem die Hervorhebung Deutschlands fragwürdig vorkommt, bedenke, daß mit dieser Aussage des Herrn Heroldsbach und andere Gnadenstätten in Deutschland gemeint sind, die einmal größte Bedeutung für die Welt erhalten werden.)

 

Freitag, den 9. Mai 1952

Ich muß heute nach Siegburg. Da ich nachher noch Zeit habe, ehe der Bus fährt, halte ich eine Anbetungsstunde in der Servatiuskirche. Es ist dann noch ein Brautamt. Jesus will, daß ich bleibe. Dann sagt er: "Wenn du die Kirche verläßt, dann schaue, was dort angeschlagen steht. Gehe dann auf einem Umweg, den Ich dir weise, zu deiner Schwester Anna. Wenn du da an einem Zaun vorbeikommst, wird eine Frau da stehen. Sie wird dich einladen. Folge ihr. Danach gehe zu deiner Schwester Anna." Seltsam sind diese Worte. Nach dem Hochamt schaue ich, was auf dem Anschlag steht. Es wird in einem Ort in der Diaspora das Zimmer eines Priesters gezeigt, ähnlich wie das meine, das gleiche Bett. Über dem Bett ist ein Wandaltar, in dem das Allerheiligste ruht. Man schreibt von dieser Armut, daß der Priester keinen Kirchenraum für das Allerheiligste hat. Ich bedauere es auch.

Da ist Jesus bei mir und sagt: "Er besitzt Mich doch so nahe, was will er mehr?" Dann gehe ich durch die Heinrichstraße, die Jesus mir weist. Da steigt eine Frau vom Rad und ist hocherfreut, mich hier zu sehen. Ich sage ihr, daß ich sonst diesen Weg nicht gehe. Sie wollte schon lange zu mir und konnte nicht. Was sie mir anvertraut, lege ich in Jesu Herz hinein. Ich tröste sie, und froh fährt sie weiter.

Ich bin in der Gartenstraße, ein paar Häuser vor dem Haus meiner Schwester Anna. Da kommt plötzlich Frau Ruth aus ihrem Hause und steht vor dem Gartenzaun. Als sie mich sieht, ist sie hocherfreut und sagt: "Sie gehen sicher zur Anna. Wann beehren Sie mich einmal mit Ihrem Besuch?" Ich erwidere: "Das hängt vom Willen Gottes ab." Sie darauf: "Würden Sie mit mir gehen, wenn ich Sie einlade, wenigstens ein Stündchen bei mir zu sein? Ich bin gerade ganz allein." Ich antworte: "Ja, da muß ich schon mitgehen."

 

Donnerstag, den 5. Juni 1952

Gestern wollte ich zu meinem Seelenführer, aber mein Zustand war zu schlecht. Heute spricht Jesus: "Meine Braut, du gehst wieder den Kreuzweg. Einen Monat stehst du in einer Leidensstation. Darum gingest du im Mai durch die Verurteilung. In diesem Monat gehst du die zweite Station. Nimm die Sünden auf dich und leiste Sühne Meinem Herzen." – "Sage, lieber Heiland, wann werden die Monate schwer?" – Jesus sagt: "Im Schmerz wirst du immer glücklich sein. Gehe ins Krankenhaus. Es ist eine Zeit der Gnade für dich. Ich halte dich verborgen. Man wird dich nicht verstehen."

 

Montag, den 9. Juni 1952

Ich sehe Jesus in lichter Gestalt. Seine Hände umfassen eine leuchtende Hostie. Ich frage nach der Bedeutung. Jesus sagt: "Wenn du, Meine Braut, ganz zur Hostie geworden bist, wirst du so von Mir getragen. Das Leuchten von Meinem Licht wirst du besitzen, wirst leuchten in Meinen Händen und Licht durch Mich."

 

Dienstag, den 10. Juni 1952

Gestern kam Herr Koch mit zwei Damen aus der Schweiz. Wegen des Heilig-Blut-Banners waren sie in Rom. Sie hatten aber keine Audienz beim Heiligen Vater. Es ist noch Kampf in dieser Sache. Nachts um 24 Uhr 30 kommt eine violette Stola zur Tür herein und schwebt bis zum Kleiderschrank. Zweimal frage ich: "Ist hier jemand?" Keine Antwort. Ich frage: "Ist hier ein Priester?" Wieder keine Antwort. Ich frage: "Bist du ein Zeichen von Gott? Gib dich zu erkennen. Zeige mir das Kreuz und segne mich." Da höre ich eine Stimme: "Ich bin Johannes Nepomuk." Ich darauf: "Das kann jeder sagen. Ich bestehe auf meiner Forderung. Dann glaube ich." Da zerfällt die Stola in Stücke, die vor mir liegen. Kurz darauf ist alles fort. Ich bitte: "Lieber Heiland, was hat das zu bedeuten?"

Jesus sagt: "Ich habe die Stola vernichtet. Die Stola ist das Zeichen der priesterlichen Gewalt. So kommt es auf dem hl. Berg in Heroldsbach. Falsche Priester und Laien werden Meine Geheimnisse feiern. Sie werden scheinbar den Teufel austreiben.

Der Teufel treibt den Teufel aus. Das ist seine neue Waffe, selbst die Guten und Gerechten in die Irre zu führen. Sage es allen, daß sie der Kirche folgen. Ihr werdet sonst Opfer des Irrtums werden."

 

Donnerstag, den 12. Juni 1952, Fronleichnam

Zwei große Sühnetage für Heroldsbach liegen hinter mir. Dienstag war Maria Mevissen aus Siegburg bei mir. Sie erzählte, daß in Heroldsbach am Fronleichnamstag auf dem Berg die hl. Messe gefeiert würde. Ich berichte, was der Herr mir in der Nacht gesagt hat. Heute verliere ich meine Kraft. Nur die halbe Prozession kann ich mitgehen. Opfere alles für die Sünden in Heroldsbach.

 

Freitag, den 13. Juni 1952, Antonius

Bin heute beim Arzt in Siegburg. Muß operiert werden. Das rechte Fußgelenk ist gebrochen und die Sehnen sind gerissen. Anfang Juli muß ich nach Troisdorf ins Krankenhaus. Unterwegs hüllt mich die Allgegenwart Gottes ein. Der ganze Horizont ist voller Engel. Wie lichte, weiße Schattenbilder sehe ich sie. Ehrfurchtsvoll neigen sie sich.

 

Dienstag, den 17. Juni 1952

Der kleine Rene, Irenes Kind, ist 14 Monate alt. Ich bringe ihn heute mit Edith nach Siegburg. Er wurde mit doppeltem Leistenbruch und Nabelbruch geboren. Die linke Seite und der Nabelbruch wurden operiert, als das Kind acht Wochen alt war. Es bestand Lebensgefahr. Morgen muß die rechte Seite gemacht werden.

 

Mittwoch, den 18. Juni 1952

Ich bin in Oberkassel bei meinem lieben Seelenführer. Das ist wie immer ein Einkehrtag für mich. Um 17 Uhr muß der Pater zu einem Versehgang. Ich gehe in die Kapelle, um für die Kranken zu beten. Beim Eintreten weiche ich zurück. Ein Lichtschein trifft mich. Ich höre lautes Beten und Weihrauchduft erfüllt den Raum.

 

Freitag, den 22. August 1952

Ich sehe die Muttergottes ganz in Weiß mit einem goldenen Herzen. Sie trägt eine Krone. Was mag das bedeuten? Sie spricht nicht.

 

Montag, den 25. August 1952

Heute werde ich zur Nachbehandlung nach Siegburg zum Arzt gefahren. Dann muß ich zum Krankenhaus wegen der Massage.

 

Freitag, den 29. August 1952

Nach der hl. Kommunion sagt Jesus: "Bete für die Kranke, die dir empfohlen wurde, das Sterbegebet. Ihr Leben zählt noch Stunden. Nimm sie in Meine Barmherzigkeit auf, daß sie nicht in Zwietracht scheidet, daß sie sich versöhnt. Bist du bereit, mehr zu tun? Sie ist jetzt dein Nächster. Es geht um den ewigen Frieden, die Seligkeit."

 

Dienstag, den 2. September 1952

Ich bin in der Klosterkirche in Geistingen. Nach der hl. Kommunion halte ich traute Zwiesprache mit meinem Heiland: "So oft hast Du schon aufgerufen zum Gebet und zur Buße, hast durch Maria, unsere Königin und Mutter, gemahnt, gewarnt, hast gefleht und um Liebe gebeten. Doch wie sieht es aus! Widerspruch und Zwiespalt herrschen auf allen Gebieten. Was nützen Deine Worte, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt werden."

Jesus spricht: "Was Ich tue, geschieht nur aus unendlicher Liebe und Barmherzigkeit. Ich will ja den Schatz Meiner Gnaden austeilen, will die Seelen zum Vater führen. Er, der Mich als Erlöser zu euch sandte, soll auch durch euch, durch Maria im Heiligen Geiste in Mir verherrlicht werden. Dem auserwählten Volk erging es schon so. Es glaubte nicht, weil ihm die Zeichen und Wunder nicht gegeben wurden, die es forderte. So ist es geblieben. So ist es jetzt und wird nicht anders. Weil Meine Liebe und Barmherzigkeit so groß ist, schenke Ich immer wieder neue Beweise Meiner Huld und Gnade. Es müssen alle einswerden, wie ich eins bin mit dem Vater und dem Heiligen Geiste. Der Widersacher bietet gerade in euren Tagen alles auf, um Mir die Seelen zu entreißen. Wie Gott will er immer noch sein, und wie Gott erscheint er.

Alle trügerischen Lichtzeichen trägt er an sich. Er trägt die Krone des Königs des Abgrunds. Seine Zeichen sind die dämonischen Wunder der Technik, der Heilkraft und der Nachahmung Meiner Geheimnisse zur Irreführung der Gerechten. Damit aber jene seiner Lüge, Heuchelei und Verstellung nicht verfallen, muß Ich wie damals vor Meiner Menschwerdung alles tun, damit sie gestärkt werden im bitteren Endkampf, damit durch sie noch viele Sünder gerettet werden. Meinen Willen kann Ich aber nur der Demut und Einfalt offenbaren, sodaß es immer den Glauben voraussetzt, auch so, daß es stets ein Kampf für die Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit ist.

Ihr sollt ja glauben und kämpfen um die Krone des ewigen Lebens. Wenn alle sehen, wo ist da der Glaube? Wenn alles nach eurem Sinn, nach eurer Sprache gesagt würde, wo ist da der Kampf? Ihr sollt um alles den Vater in Meinem Namen bitten. Wo gäbe es Gebetserhörungen, wenn euch alle Fragen nach eurer Weise beantwortet würden? Nur eines beachtet: Wenn ihr heute Meine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht. Meine Stimme ist auch die Stimme der allerreinsten Jungfrau und Gottesmutter. Ihr Herz ist eins mit Meinem Herzen und will nicht den Tod der Sünder. Sie ist auf Erden, wie Ich es war nach Meiner Auferstehung. Sie bereitet alles vor für Meine Wiederkunft und Meine Verherrlichung. Wie ihr beten sollt, das ist euch gesagt worden, damit ihr nicht dem Geiste der Lüge anheimfallet. Ich komme bald!"

 

Donnerstag, den 4. September 1952

Es ist Mitternacht. Ich bin so müde und friere schon stundenlang. Ich muß mich legen. Eine Stunde durfte ich ruhen. Dann treten große Leidenszustände der V. Station auf. Es ist für Bruder Norbert B. Ich sehe, daß er sein Kreuz noch nicht klar erkennt, ihm fortläuft wie einst Simon. Jesus sagt: "Wen einmal Mein Blick der Gnade traf, der bleibt von diesem Blick gefesselt. Wenn er sich trennt von Meiner Seite und fortläuft, so folge Ich ihm mit Meinem Blick. Unter dem Kreuze wird Mich jene Seele wiederfinden, wenn Ich auf sie herabschaue. Dann wird sie ihr Kreuz lieben und Mir danken, daß sie es tragen darf. Durch ihr eigenes Kreuz wird sie vielen den Weg zu Meinem Kreuz zeigen."

Herr, es wird alles gut. Ich vertraue auf Dich! Die Leiden gehen weiter. Simon ist fort. Ich fühle wie Jesus die Verlassenheit. Ich fühle die Schläge, das Eindrücken der Dornenkrone und das Aufbinden des Kreuzesbalken. Die Schmerzen sind wieder unerträglich. Dann folgt die Freude nach dem Leiden.

Ich bin bei der Rosenkranzkönigin in Hückelhoven. Karl Zöller ist bei mir, als ich erwache. Jesus sagt: "Das ist auch ein Simon. Ich werde ihn noch tiefer in den Kreuzweg führen. Wie Simon wird er Mir folgen und Mich lieben wie er, ja, eifern für Meine Ehre."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 5. September 1952, Geistingen

Nach der Danksagung spricht Jesus: "Aus dem Munde der Unmündigen und Kleinen bereite ich Mir Mein Lob. Wie sind diese Worte zu verstehen? Weil Gott das Kleine liebt, ist Er auch der Größte im Kleinen. Möchte dieses viel mehr betrachtet werden. Selbst Ich wurde klein, wurde ein Kind und bin doch der große Gott. Ich habe die Welt wieder verlassen und sitze zur Rechten des Vaters. Ich wollte aber bei euch bleiben bis zum Ende der Zeiten. Ich bin so klein geworden, daß es noch einen größeren Glauben erfordert, Mich als Gott und Mensch zu erkennen unter der unscheinbaren Brotsgestalt. Nur Liebe kann das tun, was Ich euch in Mir als Seelenspeise gebe. Wie reich sind die Kinder Meiner Kirche und wissen es doch so wenig.

Ich suche Gegenliebe, suche die Seele, die sich mit Mir vereinigt. O es kommen viele, aber wo bleibt die große Schar, die auch eingeladen ist. Schmerzlicher Undank, Kälte und Gleichgültigkeit erfahre Ich – und mit Mir Meine und eure Mutter. Ich sprach einmal die Worte: 'Solch großen Glauben habe ich in ganz Israel nicht gefunden.' So ist es auch heute. Den Glauben und die Liebe, die Ich finde bei Meinen Auserwählten, finde ich nicht bei allen. Denen nicht soviel Gnaden geschenkt wird, sie haben oft einen größeren Glauben, größeres Vertrauen und größere Liebe. Warum sollen ihre Gebete nicht erhört werden, warum soll Ich ihnen nicht schenken aus dem Schatz Meiner Gnaden? Die Erkenntnis, die ihnen hier fehlt, wird ihnen droben gegeben werden. Sind sie doch alle Kinder des einen Vaters und Schöpfers. Wem mehr gegeben ist an Gnade und Weisheit, teilt dem mit, der weniger besitzt, denn auch darin trage einer des anderen Last.

Betet mehr, daß bald ein Hirt und eine Herde werde. So nehmet euch, die ihr reich seid, dieser Armen und Kleinen liebevoll an. Ihr habt viele Talente empfangen, jene aber nicht. Von euch wird auch mehr gefordert werden als von diesen, die nicht so reich sind."

 

Montag, den 8. September 1952

Jesus spricht heute weiter: "Der Antichrist wird erscheinen als Engel des Lichtes. Weil Ich dich und alle Meine Kinder, für die du leidest, liebe, sage Ich dir das. Nun schaue einmal." Es wird dunkel um mich. In dieser Finsternis steht eine Königsgestalt. Ich erschrecke, denn sie gleicht dem Heiland. In der zweiten hl. Messe, die am Hochaltar gehalten wird, wird es mir vor dem Evangelium so schwer. Ich setze mich. Jesus spricht: "Ich kenne alle Gedanken, aber nicht eher lasse Ich dich gehen, wie an den anderen Tagen. Bete Mich an mit Maria, mit allen Engeln und Heiligen." Es war so schön, diese göttliche, von allen Dingen gelöste Vereinigung. Jesus sagte dann: "Die gestern Abend kamen, die schickte Ich. Sie gehören auch in die 5. Kreuzwegstation hinein. Darüber spreche Ich in stiller Stunde. Nun schaue einmal das, was die himmlische Mutter dir zeigte."

Ich war aber wie ausgelöscht in meinem Inneren und fragte: "Was war das, lieber Heiland? Ich weiß es nicht mehr." Er ließ mich denken. Ich konnte keinen Gedanken fassen und rang mit mir: "Soll das nicht echt gewesen sein? Soll der Satan hier Gewalt über mich haben? Wenn es von Dir ist, Herr, dann gib mir doch die Erinnerung wieder." Nach einer Weile sehe ich die Königsgestalt wieder, die wie der Heiland aussieht. Sie trägt eine hohe Krone, die eine Form hat wie die Kuppel des Petersdomes. Sie ist besetzt mit leuchtenden Edelsteinen. Das Gewand, der Königsmantel, ist weiß. Das Weiße kommt fast nicht in Augenschein durch die mit Gold und Silber aufgeprägte Kunst, die ineinanderläuft und blendet. Ich rufe leise: "O Jesus, der sieht ja fast aus wie Du. Herr, das sind aber nicht Deine Augen, dieses unheimliche Feuer. Das ist nicht der Ausdruck Deines lieben Angesichtes, dieser Zug der Anmaßung und des Stolzes."

Jesus sagt: "Hast du über das Wort Antichrist schon einmal nachgedacht? Es fehlt noch etwas daran: Antichristus! So wird er erscheinen in Glanz und Majestät, mit einem großen Gefolge.

Seine Herolde werden seinen Namen verkünden, wenn er aus seiner Verborgenheit hervortritt. Bis zu jener Stunde wird sein Name nicht genannt sein. Die ihn zu kennen glauben, irren sich. Er wird überall sein, wo sich die Massen ansammeln, ob es zu seinem Reiche oder zum Reich Meiner Kirche gehört. Er besitzt große Macht, die sich zeigt in Wunderdingen jeder Art, die sich zeigt durch Nachahmen Meiner Geheimnisse. Er wird schon in seinem Auftreten hinreißend wirken, so daß die Leichtgläubigen und Wundersüchtigen und Abergläubigen ihm zum Opfer fallen.

Seine Macht überträgt er in einem gewissen Maß auf seine Helfer und Helferinnen, die sich christliche Namen beilegen. In jenen Tagen, die bevorstehen, ist es besser für Meine Kinder und Getreuen, daß sie ganz in die Stille gehen, beten, sühnen und leiden, damit die Gerechten nicht fallen. Vorboten seiner Macht sind schon an der Arbeit. Durch den Geist der Verblendung, des Stolzes und der Habsucht wird die Gefahr nicht erkannt. Maria, die Königin des Weltalls, ist auch dann die sichtbare Zuflucht und der Weg zu Mir. Wer auf sie nicht hören will, ist schuld, wenn er aller Gnaden beraubt wird und diesen Geistern zum Opfer fällt."

"O lieber Heiland, wird solch eine Gestalt sich heute mir nahen?" Jesus sagt: "Fürchte nichts! Es ist eine von diesen Lichtgestalten. Du hast ja Meine Kraft und Meine Gnade. Ich mache dich frei, wenn der Kelch der Leiden geleert ist. Du mußt es erleben, damit, wer dieses liest, aufgeklärt sei über die Art dieser Geister der Bosheit und der Heuchelei." – "Ich danke Dir, lieber Heiland, ich werde heute um besonderen Beistand des Heiligen Geistes beten." Jesus will noch Gebete aus dem Offizium. Er will mir darüber etwas sagen. Ich verlasse die Klosterkirche, bin auf halber Treppe und stehe wie gebannt. Im Norden am Himmel sehe ich ganz dunkel eine Kirche in massiver Bauart, so wuchtig und breit der Turm, als wäre es ein großer Dom. Engel umgeben sie und die Allgegenwart Gottes. Die Kirche verschwindet wieder. Das andere Bild bleibt noch etwas länger. Ich frage Maria Julianus, ob nach meiner Beschreibung so wohl die Kirche in Frielingsdorf aussehen könnte. Das wurde zu meiner Freude bejaht. Ich habe es für einen Gruß und ein Zeichen der Echtheit gehalten.

 

Montag, den 8. Dezember 1952

Jesus spricht in der Pfarrkirche vom Tabernakel aus: "Bleibe, bis ein Licht erscheint." Dann erscheint das Licht und darin die Gottesmutter. Sie spricht: "Noch liegt vieles verborgen im Plan Gottes. Warum wird es denen so schwergemacht, die ich rufe und berufen habe? Ja, es war schon immer so, weil das Kleine und Unscheinbare für große Aufgaben berufen wird, weil sie hineingenommen werden in die Geheimnisse Gottes. Bleibe, mein Kind, eine Magd des Herrn, demütig, gehorsam, ganz im Willen Gottes lebend. Es kommt der Tag, da dein Kreuz dir nur Licht, Trost, Gnade und Freude ist. Nach jedem Advent offenbart sich Gott immer wieder den Menschen. Es liegt an den einzelnen, Ihn aufzunehmen, zu zeigen, wie weit er Kind Gottes ist. Dann wird ein jeder schauen wie einst in Bethlehem die Herrlichkeit des Herrn in heiliger Nacht."

 

Dienstag, den 17. Februar 1953, Fastnacht

Den ganzen Januar lang war ich krank. Noch bin ich nicht wiederhergestellt. Beide Augen sind so sehr entzündet und vereitert, daß ich kaum sehen kann. Heute höre ich im Radio, daß der Berg Heroldsbach abgeräumt werden soll. Ich bete zur Muttergottes. Maria ist mir nahe und sagt: "Mein Kind, so muß es kommen und es wird noch ärger dort. St. Michael hat diesen Berg ja als Schlachtfeld bezeichnet. Ein Schlachtfeld wird geräumt. Was dann noch übrigbleibt, weiß ein jeder. Der Ort, der Kampfgebiet war, wird in der Geschichte immer genannt werden. Man kann mir nicht nehmen, was ich erwählte. Es bleibt doch mein. Wenn Deutschland mir diesen Platz auch nicht einräumte, so werde ich ihn doch retten. Zu groß ist die Macht der Hölle. Das Geheimnis der Bosheit wird sich dort jetzt ganz enthüllen."

Bei diesen Worten muß ich niederknien. Maria segnet mich und alle ihre Kinder. Dann spricht sie weiter: "Ich weiß, meine Kinder halten mir die Treue. Erfüllen wird sich, was ich dir am Pfingstfest 1951 sagte. Den Kindern glaubt man nicht, aber den falschen Propheten. Die Kinder werden noch sterben, ehe der Sieg errungen wird." – "Sage, meine liebe Mutter, soll ich am Tage des Sieges dort sein?" – "Sei unbesorgt, das ist noch Gottes und mein Geheimnis."

 

Dienstag, den 2. Juni 1953

Mittags knie ich in Ittenbach in der Kirche. Die Schmerzensreiche zeigt mir das Sterben meiner Schwiegermutter. Ihre Tage sind gezählt. Sie muß einen schweren Tod haben, denn ihre Züge sind ganz verzerrt. So bete ich jetzt schon für sie um Gnade und Barmherzigkeit. Am Abend fangen die Leiden der XI. Station an.

 

Mittwoch, den 3. Juni 1953

Die Leiden sind zur Sühne für die Verunehrung, die man Jesus im hl. Sakrament zufügt, da dauernd die Füße durchbohrt werden. Am Abend kommt Helene Heitkamp aus Düsseldorf von einer Wallfahrt nach Walldürn. Sie ging zu Fuß und ist ganz erschöpft. Ich bringe sie gleich ins Bett. Bis Mitternacht habe ich noch Arbeit.

 

Donnerstag, den 4. Juni 1953, Fronleichnam

Ich bete um Kraft, daß ich die Prozession mitmachen kann. Wir sind aber zu spät. Jesus sagt: "Wer Mir nachfolgt, muß wie Ich einsam und unverstanden gehen. Nun sei gesegnet für deinen weiteren Kreuzweg. Du gehst ihn für alle Nationen, besonders für Rußland." – "Ich danke Dir, lieber Jesus, Dein Wille sei der meine."

 

Donnerstag, den 11. Juni 1953

In der Mittagsstunde bin ich auf meinem Zimmer. Ein Strahlenmeer umgibt das Herz-Jesu-Bild. Ich frage nach der Bedeutung. Jesus spricht: "Das ist das neue Zeichen Meiner Liebe, wenn Ich zu dir spreche durch das Geschenk und Geheimnis der Liebe, das Ich dir gab. In der Zeit, wo dir alles genommen wird, wird dir aber die Liebe nicht genommen. Wir werden nur Liebe sein. Das ist aber dein Geheimnis. Du darfst es niemandem offenbaren. Meine Stimme vernimmst du nur durch dieses Geheimnis." – "O mein geliebter Jesus, wie gut bist Du!"

 

Freitag, den 12. Juni 1953, Herz-Jesu-Freitag

In der Sühnestunde spricht Jesus: "Meine Liebesschar soll am Christkönigsfest nach Nievenheim kommen. Große Gnaden und Segen werden allen zuteil." Die Nacht ist eine große Leidens- und Sühnenacht.

 

Donnerstag, den 16. Juli 1953

Vor drei Tagen bat Schwester K. für den kranken Schwager von Therese Weber, der Halsdrüsenkrebs hat. Jesus sagt: "Gott soll helfen, aber Ihm dienen, das will man nicht." Ich bitte um Gnade und Barmherzigkeit für die Seele. Heute gedenke ich des Kranken. Nach der hl. Messe gehe ich in das Gemüsegeschäft. Plötzlich ist es mir, als wolle mich jemand erwürgen. Der Kopf, die Kiefern, die Ohren und der Mund werden in einem furchtbaren Krampfzustand zusammengezogen. Weil ich das Gesicht vor Schmerz in die Hände vergrabe, fragt mich die Geschäftsfrau, ob ich Zahnschmerzen hätte. Ich kann aber nichts sagen. Sie führt mich in einem Raum, wo frische Luft ist. Der Krampf zieht sich bis zum Herzen, sodaß Hände und Füße schlagen. Um neun Uhr dreißig wird es besser. Ich kann noch soeben heimfahren. Ich erkenne, daß der Kranke wohl große Schmerzen hat, und daß der Herr ihm gnädig ist.

 

Freitag, den 17. Juli 1953

Sühnestunde in der Pfarrkirche Oberpleis. Vom Tabernakel kommt ein Lichtkreuz. Ich weiß, Jesus segnet mich. Dann höre ich Seine Stimme: "Als der Schöpfer die ersten Menschen bildete, trugen sie das Gewand der Verklärung. Dieses Gewand fiel ab bei der ersten Sünde. Da erkannten sie, daß sie nackt waren und schämten sich in ihrer Erkenntnis, zwei verschiedene Menschen zu sein. So ist von dieser Stunde an die Scham in die Menschen gelegt worden. Gott hat alles rein und gut geschaffen. Nichts Unreines ist am menschlichen Körper. Gott hat aber über alle Glieder des menschlichen Körpers ein Gesetz gegeben, wie sie zu Seiner Ehre und zu Seinem Dienste gebraucht werden. Wer die Glieder des Leibes anders als nach Gottes Gebot gebraucht, dann ist es ein Vergehen, ist es Sünde.

Das Körperteil, der männlich und weiblich erkennen läßt, ist mit einem Schleier der Geheimnisse umgeben. Diesen Schleier wegen der Augen- oder Fleischeslust zu lüften oder zu zerstören, ist schwere Sünde. Nur die eheliche Verbindung erlaubt ein Schauen in die Geheimnisse und ein Mitwirken in Gottes Schöpferkraft. Bei der hl. Taufe wird jeder Seele das Gewand der Verklärung gegeben, nicht dem Leibe. Er erhält es wieder bei der Auferstehung, wenn er das verklärte Gewand der Seele rein bewahrt hat. Gott will, daß ihr wie Kinder leben und handeln sollt. Wißt ihr, was es heißt, wie in Kind zu leben und zu handeln? Das ist auch ein Geheimnis. Nur die erfassen es, die wirklich rein, einfältig und harmlos mit den Augen eines Kindes sehen, die jede Begierde ausschalten können.

Bei der Regel, die Ich Meinen Dienerinnen durch Meine kleine Beningna gab, sind Fehler gemacht worden. Ich ließ es zu, weil gerade auf diesem Gebiet soviel gesündigt wird, aber auch zu wenig richtige Aufklärung gegeben wird.

Das größte Wunderwerk Gottes auf Erden ist der Mensch. So ist jeder einzelne verpflichtet, dieses Wunderwerk in Ordnung zu halten. Da ist es nicht zu umgehen, daß den Augen ein gewisses Schauen an seinem eigenen, wie auch an einem anderen Körper gestattet ist. So keine Begierde aufsteigt, ist es niemals Sünde. Sich aber unnötig zu entblößen, sei es, um eigene Begierde zu erwecken, ist schwere Sünde. Da liegt auch die Übung im Gefühl der eigenen Schamhaftigkeit. Ich, euer Heiland, der auch ein Mensch wurde, trug schon bei der Geburt das Gewand der Verklärung. Ihr, die ihr es für die Seele erhalten habt bei der hl. Taufe, sollt euch darin üben, daß es rein bleibt. Das allein meine Ich, rein wie Ich als Jesuskind, sein wie jedes Kind, das noch nicht vom Hauch der Sünde berührt worden ist. Das führt eure Seelen zu Mir. Ich segne euch."

 

Donnerstag, den 23. Juli 1953

Ich bin in Köln im Hause von Elisabeth bei meiner kranken Schwester Josefine Fritz. Bei der hl. Messe bitte ich besonders für sie. Ich stehe beim Bilde des hl. Antonius. Das Jesuskind auf seinen Armen lächelt so lieb und spricht: "Es ist eine Medizin da, die hilft. Als du zuletzt hier warst, segnete Ich eine Gabe. Davon soll dem Schwesterlein bei jeder Mahlzeit etwas ins Essen getan werden. Sie darf es noch nicht wissen, bis die Kraft sich bewährt hat ... Ich bin es doch, so sie diese Speise genießt, der Gott, der Wunder wirkt."

Am Abend spricht der hl. Antonius über das Liebesleben der Ehegatten: "Gott hat alles rein und gut geschaffen, auch die Natur des Menschen. Die Natur dient aber einem eigenen Zweck, wie du weißt. Jesus sagt, die Ehegatten dürfen einander nicht entsagen, wenn sie es nicht können. Darin prüfe sich ein jeder; keiner werde dem anderen zur Qual. Das Opfer, das im Einverständnis beider Ehegatten im Sinne der Entsagung und Heiligung gebracht wird, ist Gott sehr wohlgefällig, und das heißt nach den Worten Jesu: Die Christus angehören, haben ihr Fleisch samt seinen Gelüsten gekreuzigt. Eine große, reine Gabe, durch die eine verdienstvolle Himmelskrone erworben wird. Wenn nun doch einmal die Eheleute nach langer Zeit zusammenkommen wollen, weil reine Liebe sie zur Vereinigung drängt, sollen sie einander nicht versagen. Sie sollen nicht beunruhigt sein, denn sie sündigen ja nicht, sondern sie leben und erleben ihre Liebe. Es wird ihnen darum nichts von ihrer Reinheit und von ihren Verdiensten genommen. Ich bleibe euer Bruder und Helfer."

 

Dienstag, den 28. Juli 1953

Ich erfahre, daß Gretchen Schäder sehr krank ist. Ich bete für sie. Jesus spricht vom Tabernakel aus: "Ich habe sie als Opfer erwählt. Die Leiden bleiben verdeckt durch die natürlichen Anzeichen, die einen Höhepunkt erreichen. Die Ärzte und ihre Umgebung werden vor Rätseln stehen. Der Leidenszustand nimmt abwechselnd den Charakter großer Schmerzen und auch wieder den der Besserung an. Diese Seele werde Ich ganz zu Meiner Leidensbraut formen. Sie wird ruhig und glücklich werden, leiden zu dürfen für die Ehre der himmlischen Mutter und für Meine Ehre und Meinen Ruhm."

 

Donnerstag, den 10. September 1953

Furchtbare Schmerzen liegen hinter mir. Es ist ein Zustand, der mir alle guten Pläne und Absichten durchkreuzt. Oft befällt mich plötzlich eine große Müdigkeit, sodaß ich einfach schlafen muß. Ich bringe vieles und langes Beten gar nicht fertig. Alles versuche ich, über diese verderbte Natur Herr zu werden. Dann liege ich doch schlafend auf dem Bett oder zusammengerollt am Boden wie ein Wurm. Ich wende mich an Jesus: "Siehe, Herr, solch ein Kind hast Du, das nicht wachen noch beten kann. Wie weit soll das noch kommen mit mir. Wenn Du es nicht tust, dann mußt Du eben mit meiner Armseligkeit zufrieden sein. Du weißt, ich bin bemüht, Deinen Willen zu tun. Nimmst Du mir aber alle Kraft, dann muß meine Schwäche und Hinfälligkeit Dir Gebet sein. Sollten andere durch mein Opfer beten lernen, den rechten Weg wieder finden, ja, dann trage ich noch gern das Hilflose."

Jesus sagt: "Aus der Schwäche schaffe Ich das Große. Vertrau Mir und bleibe demütig."

Dann ist es doch wieder an manchen Abenden, daß ich so fertig und erledigt bin. Ganz kurz sage ich: "Gute Nacht, lieber Heiland, mein guter Vater und Heiliger Geist. Gute Nacht, liebe Muttergottes mit allen Engeln und Heiligen. Dank für alles heute, für Freude und Leid. Hilf mir, mein Jesus, daß ich morgen anders bin. Schutzengel mein, du wirst für deinen Schützling jetzt beten. Ich kann nicht mehr." Dann verschließe ich mich Tage auf meinem Zimmer, um in der Ruhe und in der Stille zu sein. Ich möchte auch nirgendwo hin. Wie eine schwere Last liegt es auf mir. Es können auch die Nerven sein, die mich quälen bis zum Wahnsinn. Es ist auch alles so unruhig im Haus.

Irene ist auch wieder daheim. Die beiden kleinen Kinder sind doch oft zuviel für meinen leidenden Körper und mein Alter.

Jesus will aber das Martyrium der Ehe. Er sagte mir in einer schweren Stunde: "Das Himmelreich leidet Gewalt. Hast du nicht als Kind schon gesagt, daß du etwas Großes für Mich tun willst?" Ja, dann bin ich wieder still.

In der Nacht zum 2. August bin ich von einer giftigen Spinne gebissen worden. Im Fieber fuhr ich nach Geistingen. Der Biß war auf der rechten Oberlippe und auf dem linken Handgelenk. Einen Tag und eine Nacht kühlte ich mit Wasser aus Heroldsbach. Auf der Lippe sah es sehr böse aus. Wie ein Ei hing es halb auf der Lippe und halb im Mund. Ich sah ganz entstellt und verschwollen aus. Ebenso sah die Hand aus. Jetzt ist es am Abheilen.

Die Gottesmutter sagt: "Dieses Wasser war deine Rettung." All das war Sühne für N. B., der doch mein guter, lieber Bruder war. Der Geldteufel und noch andere böse Geister haben sich seiner bemächtigt. Ich redete ihm ins Gewissen, besonders in dem Fall, da er sich die Wundmale mit einer Rasierklinge gemacht hat. Er macht jetzt den Eindruck eines übernervösen Menschen, der religiös überspannt ist und in einem gewissen Wahn lebt. Wie lange halten seine Nerven dieses Spiel noch aus. O möchte er dieses Spiel doch aufgeben!

 

Montag, den 21. September 1953

Die Muttergottes spricht heute: "Wie mein Bild auf die Gefangenen wirkt, das wirst du erfahren. In der ganzen Welt wird die Botschaft von Fatima verkündet werden. Keiner kann sich mehr entschuldigen, daß er nichts gewußt hätte. Ja, es mußte schon 1917 verkündet werden. Es wäre nicht so viel Blut geflossen. Betet, betet und sühnt, daß die angekündigte Strafe nicht vollzogen wird. Wenn die Menschheit so weiter in Sünde und Verblendung lebt, wird sich auch die letzte, schreckliche Offenbarung erfüllen. Gottes Gerechtigkeit fordert Sühne."

Es erscheinen die hl. Josef, Franziskus, Antonius, Theresa, Elisabeth, Anna und Joachim. Segnend entschweben sie mit der Muttergottes. Heute ist die Fatima-Madonna in Ittenbach. Nach der hl. Kommunion habe ich einen Herzanfall von anderthalb Stunden.

 

Sonntag, den 25. Oktober 1953, Wallfahrtskirche Nievenheim

Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus auf Seinem Thron. Es sieht aus, als tragen ungezählte Engel Seinen Thron, der wie in einem leuchtenden Meer ist. Den himmlischen Vater und den Heiligen Geist sehe ich als Könige. Sie sind heute über dem Heiland. Ein Leuchten wie von tausend Flammen umgibt den Thron. Ich höre einen wunderbaren Gesang, den ich nicht wiedergeben kann. In strahlender Schönheit sehe ich die Muttergottes vor dem Thron. Sie trägt ein großes goldenes Herz und reicht es Jesus. Da kommt ein wunderbarer Weihrauch aus diesem Herzen und erfüllt alles mit seinem Duft. Eine Stimme höre ich: "Das sind der Weihrauch und die Gebete des heutigen Tages." Dann floß Blut aus dem Herzen. Die Stimme spricht weiter: "Das ist das Opferblut derer, die heute ihr Leben hingeben für Christus, ihren König." Dann fließen Tränen aus dem Herzen. Sie werden zu Perlen und leuchten wie die Sonnen, die Jesu Thron umgeben. Die Stimme spricht wieder: "Das sind die Tränen von allen Kranken und Leidenden, die mit Christi Leid und Tod vereint sind." Große Scharen von Jungfrauen in weißen und blauen Kleidern sind im Gefolge der Gottesmutter. Bei der Abschiedsrede am Nachmittag sehe ich noch einmal dieses Bild.

Nach den Abschiedsworten sagt Jesus: "Meine Braut, nähe die Mäntel. Ich hole deine Schwester Josefine bald heim. Sie soll mit diesem Gewand bekleidet werden als erste Laienpriesterin, die viel für Meine Priester tat. Du wirst sie kleiden müssen. Halte dieses noch geheim bis zur Stunde, da du vom Heiligen Geist erleuchtest wirst, bis Ich Meine Diener zu Mir gerufen habe."

Anmerkung: Die von Christus berufenen Laienpriesterinnen haben mit dem heute diskutierten Begriff nichts zu tun. Es handelte sich damals um auserwählte Frauen in heiligmäßigem Ruf, denen Christus besondere Aufgaben übertrug, die nichts mit der Berufung des Priesters zu tun hatten.

Hiermit enden die Aufzeichnungen aus dem 9. Tagebuch, die sehr kurz sind, weil die Sühneleiden im Jahr 1953 ein ungewöhnliches Ausmaß erreichten.

 

Mittwoch, den 6. Januar 1954, Fest der Heiligen Drei Könige

So schön wollte ich dieses Fest feiern, doch nun liege ich krank. Heute denke ich besonders an meinen lieben Priesterbruder Josef. Eigenartig ist mir, als sei er bei mir. Vor drei Wochen war ich bei ihm. Ich sah, daß er ein Sterbender war. Ich durfte nur 20 Minuten bei ihm bleiben. Mit großen, starren Augen sah er mir nach, als ich mich an der Tür noch einmal umwandte. Ich sah in diesem Blick, daß er zweifelte. Er hatte immer die Hoffnung, daß er noch einmal geheilt würde. Da waren die Worte der Gottesmutter: "Er wird noch einmal am Altar stehen." Und in Neviges hatte sie gesagt: "Hier werdet ihr mir danken!" Was er glaubte, das glaubte ich auch. Nun sah ich, daß er nicht mehr lange leben wird. Ich stürzte in die Kapelle: "Lieber Heiland, wie sind diese Worte zu verstehen? Ich stehe als Kind der Lüge da! Wie mache ich das gut?"

Jesus spricht vom Tabernakel aus: "Gehe zu deiner himmlischen Mutter, sie wird dir alles erklären."

Ich wende mich an Maria. Sie umgibt mich nach einer Weile, so wie sie dort als Königin steht, und spricht: "Sei nicht trostlos, mein Kind, alles wird gut. Ich sagte, dein Priesterbruder Josef wird noch einmal am Altar stehen. Das ist doch schon Wahrheit geworden. Er stand sogar zweimal am Altar. Diese Gnade ist unermeßlich groß. O würde jeder Priester es erfassen, was es bedeutet und welch große Gnade es ist, das heilige Opfer zu feiern; sie würden alle in Christus Gewandelte sein. Wenn ein Priester gewürdigt wäre, nur einmal in seinem Leben das hl. Opfer zu feiern, das wäre schon eine große Gnade. Das andere Wort wird noch Wahrheit. Dein Priesterbruder glaubte immer, du könntest helfen, daß sein Leben verlängert würde. Er hängt noch an diesem Leben. Gott will ihn aber auszeichnen, daß er sein Leben freiwillig in Gottes Hand legt, freiwillig, wie Christus Sein Leben für die Seinen hergibt.

Diese Auszeichnung besteht in der Krone, die dem Heiligen geschenkt wird, der ein zweiter Christus war in seinem Leben und Sterben. Im Angesicht des Todes wird er diese Erkenntnis erhalten und sich dem Willen Gottes unterwerfen. Gott wird die Stunde bestimmen, wo du mit einer kleinen Schar zu Mir nach Neviges kommen wirst. Dort am Gnadenaltar wird dir dein Priesterburder Josef erscheinen."

Dank, meine liebe Mutter. Wie schwer ist oft der Sinn von Worten, die nicht Menschenweisheit sind. An alles muß ich heute denken. Meine hl. Messe muß ich im Bett feiern. Ich bitte Jesus, mich mit dem Hochamt in Ittenbach zu vereinen. Ich fühle dann die Wandlungsstille. Ich steige aus meinem Bett, knie mich nieder und bete an meinen Herrn und Gott, der sich jetzt opfert. In diesem Augenblick ertönt von Ittenbach die Wandlungsglocke. O Jesus, ich bin doch mit Dir vereint. Wie glücklich machst Du mich in meinem Leid.

 

Sonntag, den 10. Januar 1954

Das Fest der hl. Familie soll sein für meine Familie. Ich muß zum Heiland, muß ein Opfer bringen. Herr, sende mir Hilfe. Der Arzt hat ja verboten, aufzustehen. Da kommt mir der Gedanke, nach Königswinter zu fahren, um der hl. Messe beizuwohnen. Da sieht mich kein Arzt. Jesus bat ich, beichten zu können. Nach der Beichte verläßt der Priester den Beichtstuhl wieder. "Guter Jesus, ich glaube schon, daß Du mir den Priester eigens geschickt hast. Tausend Dank dafür!" Ich hatte wieder große Schmerzen. Da litt ich gern um den schönen Preis, daß ich mir meinen lieben Jesus aus Königswinter holen durfte.

 

Freitag, den 15. Januar 1954

Wenn meine Sehnsucht nicht so groß wäre und die Liebe zu meinem Heiland, dann würde ich nicht soviel wagen. So bin ich um 7.30 Uhr in Ittenbach. Nach der hl. Messe bin ich noch eine Weile in der Muttergotteskapelle und gedenke, um 8.30 Uhr heimzufahren. Da stelle ich fest, daß der Küster mich eingesperrt hat. Alle Türen sind verschlossen. Ich gehe in das Innere der Kirche zurück. Ganz nahe gehe ich zum Altar und sage: "Lieber Heiland, es ist nun Dein Wille, eingeschlossen zu sein bis zum Angelusläuten um 11 Uhr. Nun werde ich Dich anbeten mit allen Engeln, Heiligen und der lieben Gottesmutter. Du hast mich bestimmt unsichtbar gemacht, daß der Küster mich nicht sehen kann. Ich bitte Dich, daß er mich um 11 Uhr auch nicht sieht, damit er keine Gewissensbisse hat."

 

Donnerstag, den 25. März 1954

Meine liebe Schwester Josefine Fritz ist gestorben. Ich bin heute hier in Köln, um ihr zur letzten Ruhe das Geleit zu geben. Ich bin bestürzt, daß sie in der Totenhalle aufgebahrt ist. Ich sollte ihr doch noch das vom Heiland bestimmte Gewand anlegen. Das muß wahr werden. Ich lasse mich nicht aufhalten. Mit Josef Jarzina, Elisabeth Grah und Elisabeth Miebach fahre ich zur Totenhalle des Nordfriedhofs. Es war schwer, aber der Sarg wurde mir doch geöffnet. Da liegt mein liebes Schwesterlein wie eine Braut. Ein wunderbarer Duft von Blumen entströmt dem Sarg. Alle wunderten sich darüber. Der den Sarg geöffnet hat, sagt: "Das ist Liebe über den Tod hinaus."

 

Samstag, den 27. März 1954

Noch immer bin ich in Köln. Ich erkrankte am Beerdigungstag an einer schwereren Angina. Abends hatte ich schon hohes Fieber und Schmerzen in allen Gliedern. Gestern hatte ich zwei Herzanfälle. Sonntag wollte ich doch eine Wallfahrt nach Banneux machen. Schwester Else Jarzina gibt mir heute ein Stückchen Watte, das an der Statue der Muttergottes von Syrakus angerührt ist. Ich lege es auf die schmerzenden Stellen und das Bild auf den Kopf. Es ist 11.30 Uhr. Ich bete mit Glauben und Vertrauen. Nach 15 Minuten geschieht etwas Seltsames. Es ist, als wäre ich in einem Netz und jemand wollte es aus meinem Kopf ziehen. Ich spüre, wie es sich von den Füßen löst und alle Glieder frei werden. Dann folgt ein großer Schmerz im Kopf, daß ich fast ohnmächtig werde. Ich komme zu mir und bin frei. Die ganze Krankheit ist fort. In anderthalb Stunden heilte mich die Gottesmutter. Ich danke und kann heimfahren.

 

Donnerstag, den 17. Juni 1954, Fronleichnam

Zum Hochamt sind wir in Nievenheim. Danach ist die Prozession, an der viele teilnehmen. Es reiht sich Fahne an Fahne. Unsere Schar schließt sich mit der letzten Fahne an. Nach einer Weile merke ich, daß wir alleine beten und singen. Die anderen schwätzen und lachen. Herr, wie kann man dabei beten und singen! Ich gehe aus der Reihe heraus, an allen anderen vorbei und sage: "Schämt euch doch!" Stumme Männerfront, die nicht beten und singen kann. Einmal im Jahr zieht der Herr durch Dörfer und Städte, aber so ein Gefolge kann Ihn nicht erfreuen. Die sollten zuhause bleiben. Lieber eine kleine Schar, die Ihm huldigt, als ein Gefolge, das mit dem Herzen weit von Ihm ist. Sie schauen mich groß an. In der Pfarrkirche sage ich: "Lieber Heiland, nun verstehe ich, warum der Tag vor dem Fest sonst Leidenstag für mich ist. Wenn mich heute heiliger Zorn erfaßte, dann begreife ich Deine Liebe und Geduld nicht. Das muß gesühnt werden. Da kannst Du gleich mit mir anfangen."

 

Mittwoch, den 3. Februar 1955

Ich bin bei Anna Schmid in Siegburg und werde auf einmal so müde. Ich weiß nur, daß ich geschlafen habe. Man legt mir ein Schriftstück vor. Das ist schon die zweite Aufforderung vom hl. Erzengel Gabriel. Ich weiß nichts davon. (Dann hörte sie von Frau Mevissen, daß sie eine Vision hatte. Der Text der Botschaft wurde mitgeschrieben.) Der hl. Erzengel Gabriel sagte: "Ich bin gesandt vom Allerhöchsten. Ich wiederhole ganz langsam, denn es ist wichtig, daß alles wörtlich aufgenommen wird. Der Priester ist Zeuge. (Studienrat Schneider) Im Mai wird erstmalig das Fest aller Gnaden gefeiert, das Fest der himmlischen Mutter, der Vermittlerin aller Gnaden, der Königin des Himmels und der Erde. Dieses Fest ist ihr erster Sieg. Darum muß du an diesem Tag zum heiligen Berg kommen. Der andere Sieg folgt in einer großen Zwischenentfernung. Zuerst muß Gottes Gerechtigkeit walten. Das Maß der Sünde ist voll. Du hast beim Abschied auf dem hl. Berg die strafende Hand Gottes gesehen und eine Stimme gehört: 'Mit dieser Hand werde ich die Frevler zermalmen.' Die Zeit ist gekommen. Die Heimsuchungen in diesem Jahr werden viel größer sein als in den letzten zwei Jahren. Betet viel für die, die in der Gottesferne stehen, damit nicht alle verloren gehen. Furchtbar wird das Walten der göttlichen Gerechtigkeit sein. Sühnet, sühnet! Verdoppelt eure Gebete und Opfer. Seid gesegnet mit der ganzen Schar. Dies ist wichtig, muß nach Rom."

 

Freitag, den 18. Februar 1955

Mache schon ein Martyrium in dreifacher Art durch. Es ist gut, daß ich leiden und mich bewähren darf. Schon seit Monaten leide ich Qualen an meinen Händen. Die Arbeit muß doch getan werden. Bin heute noch bei der Wäsche und werde gar nicht fertig. Ich wringe ein Bettuch aus und tue im gleichen Augenblick einen Schrei. Es ist, als hätte mir jemand einen großen Nagel durch die linke Hand geschlagen. Das Tuch fällt ins Wasser zurück; ich taumele wie ohnmächtig gegen den Schrank. Als ich wieder zu mir komme, schaue ich nach, was das ist. In der Handfläche hat sich eine Ader hochgehoben auf zwei Zentimeter und kräuselt sich wie ein Wurm. Es geht nur langsam zurück und hinterläßt einen Blutfleck, so groß wie ein Fünfmarkstück.

 

Freitag, den 25. Februar 1955

Ich stehe am Spültisch und trockne eine Tasse ab. Wieder stoße ich einen Schrei aus. Alles entfällt mir. Wieder taumele ich wie ohnmächtig gegen einen Schrank. Es ist mir, als hätte mir jemand einen Nagel durch die rechte Hand geschlagen. Als ich hinschaue, habe ich in der rechten Hand eine blutige Fläche wie ein Markstück und darunter einen blutigen Halbmond. Die linke Hand weist nur ein kleines blutiges Dreieck auf. Das blieb alles drei Tage lang.

 

Mittwoch, den 2. März 1955

Therese Weber aus Köln ist bei mir. Wir sitzen in meinem Zimmer am Tisch. Es wird mir auf einmal so übel. Ich spürte wieder den Nagel. Als ich hinschaue, ist in der Innenfläche der rechten Hand ein Blutfleck wie ein Nagelkopf, der halb eingekreist ist.

 

Freitag, den 4. März 1955

Ich bin in der Pfarrkirche. Beim Sanktus geht ein großer Schmerz durch beide Hände. Mit wird ganz übel. Ich bitte: "Lieber Heiland, Du wirst hier doch nichts geschehen lassen?" In beiden Händen habe ich einen blutigen Aderkranz. Die Hände schwellen auf. Ich gehe zum Arzt. Der untersucht und sagt: "Das muß man einreiben." Das tue ich daheim. Die Hände werden ganz rot und brennen wie Feuer. Nachts stehe ich auf und wasche alles ab. Wahnsinnige Schmerzen habe ich.

 

Montag, den 7. März 1955

Die Schmerzen in den Händen lassen nach. Die blutigen Aderkränze sind am Abend verschwunden.

 

Freitag, den 11. März 1955

Es ist seltsam, daß am Freitag irgend etwas mit mir geschieht. Den ganzen Winter ist der Ballen am rechten Fuß entzündet und vereitert. Heute tut es besonders weh. Dazu die brennenden Schmerzen oben auf dem Fuß. Bei jedem Schritt kommen wir die Tränen. Daheim sehe ich nach, was die Ursache der Schmerzen ist. Oben auf dem Fuß ist ein Blutfleck und darum ein blutiger Kranz wie ein Fünfmarkstück.

 

Freitag, den 18. März 1955

Die blutigen Zeichen auf dem rechten Fuß verschwinden heute. Dafür erscheinen sie unter großen Schmerzen auf dem linken Fuß.

 

Sonntag, den 1. Mai 1955

Die blutigen Zeichen auf Händen und Füßen sind verschwunden, aber es bleiben in der ganzen Fastenzeit die Schmerzen mit großen Anschwellungen der Glieder. Da man von außen nichts mehr sieht, weiß ich nicht, was Gott will. In der Zeit, als die blutigen Zeichen noch da waren, hatte mein Mann doch Mitleid und bestellte eine Waschmaschine. Er ist auch solider geworden und geht schon mal zur Kirche. Ich muß ja sehr sparen, damit ich die Zahlungen für das Haus und die Waschmaschine einhalten kann.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 6. Mai 1955

Heute bin ich frei von Schmerzen. Die ganze Woche schmerzten die gezeichneten Stellen sehr. Heute möchte ich ein Erlebnis niederschreiben, das ich mit dem hl. Antonius, meinem Brüderchen, am 1. April hatte. Als ich zur Kirche gehe, sagte Edith: "Gib acht, Mama, daß dich heute keiner in den April schickt." Ich entgegnete: "Wer mich hineinschickt, den schicke ich auch hinein." Ich sitze im Bus, aber der Platz, auf dem ich sonst immer sitze, ist besetzt. Die Taschen stehen neben mir auf dem anderen Platz. Eine Tasche ist so voll, daß ich den Verschluß nicht zuziehen kann. Bei einer Kurve fällt die Tasche um und ein Teil der Ware heraus. Daheim bemerke ich erst, daß auch die Geldbörse mit 9,20 Mark herausgefallen ist. Das ist für mich viel Geld, da mein Mann schon vier Wochen krank ist.

Ich bete zum hl. Antonius und verspreche ihm eine Kerze. Dem ehrlichen Finder will ich eine Mark geben. Am anderen Morgen frage ich nach, aber meine Geldbörse ist nicht im Bus gefunden worden. Nach den Einkäufen stehe ich vor der Kirche und sage: "Lieber Heiland, gern möchte ich noch den Kreuzweg gehen und den Rosenkranz beten, aber ich kann nicht fahren, sondern muß zu Fuß gehen. Es wird schwer mit der Last, aber ich denke, ich trage Dein Kreuz." Nachdem ich ein Stück gegangen bin, höre ich eine feine Stimme: "Kehre um und tue, was du zuerst wolltest. Du kannst nachher fahren. Du verdienst mehr als 20 Pfennig." Ich denke, daß kann nicht vom Teufel sein, der fordert nicht um Beten auf. So kehre ich um und bete den Kreuzweg und den Rosenkranz.

Als ich zum Bus gehe, höre ich dieselbe Stimme: "Es ist derselbe, der gestern fuhr. Nimm denselben Platz ein und schaue unter den anderen Sitz vor dir." Ich finde es seltsam, tue aber, wie mir gesagt. Die Anwesenden vergessend, rufe ich freudig: "Da liegt sie ja!" Ich erkläre meine Freude und daß ich gestern meine Geldbörse verloren habe, die heute noch daliegt. Es fehlt auch kein Geld. Dem Fahrer melde ich, daß ich das Verlorene wiedergefunden habe. Der sagt: "Das kann ich nicht verstehen, wo der Wagen gestern den ganzen Tag hin- und hergefahren ist. Wer am Abend den Wagen reinigen mußte, hat es nicht richtig getan, er hätte das sehen müssen. Das werde ich melden."

Ich bat den Mann, es nicht zu melden. Denn es war doch der hl. Antonius, der die Geldbörse vor den Augen unsichtbar gemacht hat. Daheim habe ich zum ihm gesagt: "Du bist ganz schlau, bist auch ein Geschäftsmann. Du läßt mich das Geld verlieren, machst es unsichtbar und läßt es mich wiederfinden. Jetzt muß ich Dir die eine Mark Finderlohn geben. Du sollst sie schon haben, es gereicht doch alles zur großen Ehre Gottes."

 

Donnerstag, den 26. Mai 1955

Nun bin ich nach drei Jahren wieder in Heroldsbach. Ich weiß nicht, ob hier wirklich ein Ruf der Muttergottes ist. Was andere aufnehmen aus meinem Reden, wenn ich denke, ich würde schlafen, das kann ich doch nicht verantworten. Das ist schon ein großes Opfer. Ich muß das einfach glauben, wovon ich nichts weiß. So soll mich schon dreimal der Erzengel Gabriel aufgefordert haben, mit Gretchen Schäfer nach Heroldsbach zu fahren. Ich wende mich an meinen Seelenführer. Der sagt: "Das ist schon ein Ruf der Gottesmutter. Du sollst dort das Echte vom Unechten unterscheiden." Das wird schwer für mich werden. Ich füge mich im Gehorsam. Dann soll ich mit Gretchen drei Wochen bleiben. Wir wohnen bei Frau Schleicher, der Mutter von dem Seherkind Kuni. Dieses Kind mußte ich am 1. Pfingsttag nachts um ein Uhr dreißig besonders segnen. (Anmerkung der Redaktion: Maria Magdalena wurde zu anderen Zeiten von der Gottesmutter konkret aufgefordert, nach Heroldsbach zu fahren, wo es u. a. zu einem Exorzismus und zu Heilungen kam.)

 

Freitag, den 27. Mai 1955

Mit Gretchen bin ich im Wald. An der Stelle, wo die Muttergottes den Kindern erschien. Zwei Birken neigen sich auf einmal ganz tief. Ein helles großes Licht ist zwischen den Bäumen. Wir weinen, weil Maria da ist. Wir sinken in die Knie und beten. Dann sind wir in der Kapelle. Ich spüre den Teufel, der mir zusetzt. Ich kann dort nicht beten. Ich möchte flüchten, ja, ich möchte mir das Leben nehmen. Mein Kopf ist so wirr und irre. Ich verstehe nicht, daß Gretchen sich so glücklich dort fühlt. Die Gegenwart des Herrn spüre ich nicht.

 

Sonntag, den 29. Mai 1955, Pfingsten

Heute sind wir nach Forchheim gefahren. Ich komme mir wie ein Dieb vor. In der Pfarrkirche zu Heroldsbach wird den Pilgern vom Berg die hl. Kommunion verweigert. Jesus weiß, daß ich gehorsam war, weil mein Seelenführer doch sagte, daß es der Wille der Muttergottes sei, nach Heroldsbach zu fahren. Ich fühle mich gar nicht freudig gestimmt. Der Teufel treibt auf dem Berg schon sein vermessenes Spiel und die meisten lassen sich betören, merken nicht, daß der Berg entheiligt ist. Zuviele falsche Propheten laufen herum, denen man Glauben schenkt. O, was haben die Jahre mit Heroldsbach gemacht! Von Kunis Mutter höre ich, daß die Elternpaare der Seherkinder sich gestritten haben, wer von ihren Kindern das Höchstbegnadete ist. Mich wundert nichts mehr.

 

Montag, den 30. Mai 1955, 2. Pfingsttag

Heute sind wir in Erlangen und haben Jesus empfangen. Ich bin wie gebannt, als ich den Hochaltar sehe. Daheim halte ich oft Anbetung in allen Kirchen, wo Jesus verborgen wohnt. Der Herr hat mir schon viele schöne Altäre gezeigt. Oft komme ich dann wirklich in eine Kirche, wo der mir gezeigte Altar steht.

Diesen Altar in Erlangen sah ich vor zwei Jahren, als ich auf der Wiese war und die Wäsche aufhing. Ich sah ihn und hörte Jesu Stimme: "Bete Mich hier an." Nun bin ich wirklich hier, was ich nie gedacht hätte. Nachts liege ich im Kreuzleiden.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 3. Juni 1955

Den ganzen Tag leide ich für die Besessenen. Wie in einem Panzer war ich, so eingeschnürt. Heute sind wir wieder in Forchheim in der hl. Messe. Am Nachmittag trage ich ein Kreuz, auch Gretchen. Auf dem Berg gehen wir den Kreuzweg. Auf meinem Kreuz steht Mettingen. Dort in Westfalen war mein Hans drei Jahre. So bitte ich alle Märtyrer, mit mir zu gehen. Dann sehe ich am großen Kreuz in der Kapelle im Herzen Jesu das Jesuskind, weiß gekleidet, mit ausgebreiteten Armen. Ich bin erschrocken und bete zum Heiligen Geist. Es ist doch die Zeit der Stille, wo ich nichts sehe und höre. Jetzt ist aber doch etwas da.

Ich höre eine Stimme: "Du siehst hier die kindliche Liebe, die Mich umgibt, in der Ich, der Gekreuzigte, auch das Kind bin und bleibe." Dann sehe ich die Muttergottes mit dem Jesuskind, nur den Kopf des Jesuskindes und darunter das Gesicht des hl. Johannes. Die Stimme spricht: "Die Erklärung wird dir am Christkönigs-Fest gegeben." Seit Tagen sind meine Augen sehr entzündet. Ich nehme Erde von der verstopften Quelle und lege sie auf meine Augen.

 

Dienstag, den 7 Juni 1955

Ich leide schon den ganzen Tag. Gern wäre ich mit nach Bamberg zum Prozeß gefahren, aber ich kann nicht. Die Kinder werden auch zugelassen zur Aussage. Es muß sehr erregt dort hergegangen sein, wie Gretchen erzählte.

 

Mittwoch, den 8. Juni 1955

Ich knie wieder vor dem Kreuz in der Kapelle. Es ist mir so schwer, ich kann nicht beten. Je länger ich in der Kapelle bin, desto mehr spüre ich den Dämon. Wenn Norbert Langhoyer erscheint, dann schreit alles in mir: "Er ist ein Verräter!" O, Herr, wie schwer hast du es mir gemacht, das Echte und das Unechte voneinander zu unterscheiden. Wie kann die Kirche urteilen, wo echt und unecht sich in den Jahren vermischte. Das ist aber der Stolz, die Anmaßung und Überheblichkeit, die hier einen großen Platz eingenommen haben. Ausbeuter sind hier, die leben von den Opfergelder der Armen, die alles glauben. Herr, verzeih, aber ich muß hier raus! Hätte ich meine Fahrkarte, wäre ich schon fortgefahren. Ich habe nichts und bin auf Gretchen angewiesen. Ich bete den Rosenkranz an der Stelle am Apfelbaum, wo 1951 das Jesuskind zu mir gesprochen hat.

Da spricht mich jemand an. Es ist Fräulein Jensch, eine Lehrerin aus Paderborn. Sie sagt: "Maria Magdalena, Sie sind so allein und Sie weinen. Was ist mit Ihnen. Störe ich Sie?" – Ich sage: "Sie stören mich nicht. Ich muß allein sein. Mir war es, als hätten mich tausend Teufel aus der Kapelle getrieben. Ich muß weinen. Alles in mir spricht: Norbert ist ein Verräter! Beten Sie für ihn. Ich kann sein Beten nicht mehr hören." (Anmerkung der Redaktion: Norbert L. war nicht nur in den Augen von Maria Magdalena der Handlanger des Bösen auf dem Berg schlechthin. Über Jahre hinweg diktierte er das Geschehen dort und ließ u. a. ein modernes Haus errichten, an dem sich Symbole der Freimaurer befinden.)

 

Sonntag, den 11. Juni 1955

Ich sondere mich ab und sage nicht, wo ich hingehe. In der Pfarrkirche bin ich allein in einer dunklen Ecke, wo man mich nicht so leicht sieht. Hier bin ich in der Stille des Tabernakels ganz ruhig. Ich sage meinem Heiland: "Herr, hier möchte ich bleiben. Hier ist Ruhe und Frieden. Ich habe eine Bitte: So wie es jetzt auf dem Berg aussieht, da kann die hl. Mutter nicht mehr wirken und sein. Ich spüre es. Sie gab mir ja noch einige Beweise ihrer Liebe. Ich bitte Dich von Herzen, laß mich fernbleiben. Laß keinen Befehl mehr kommen, solange Satan dort regiert. Es ist schade, daß sie so versagten."

 

Samstag, den 18. Juni 1955

Heute bin ich froh, wir fahren heim. In der ganzen Woche ging ich meine eigenen Wege still durch die Felder und Wälder und in die Pfarrkirche. Ich sagte niemandem, wo ich war. Ich kaufte mir ein wenig Zwieback und aß auf dem Weg. Es reichte bis zum Abend. Ich war wieder froh und ruhig geworden.

 

Dienstag, den 21. Juni 1955

Es ist nachmittags 16 Uhr. Ich bin auf meinem Zimmer. Ein Licht hüllt mich ein. Der Heilige Geist spricht: "Meine Seele, was können die Menschen dir anhaben. Alle wollen deine Freunde sein und sind es, soweit du ihren Wünschen gerecht wirst. Das aber liegt nicht in deiner Macht und vereinbart sich nicht mit dem Willen Gottes. Der hl. Engel gibt dir die Stunde an, wo du in aller Stille und allein zu deinem Herzenskönig gehst. Der Geliebte erwartet seine Geliebte allein in Seinem königlichen Palast. Deine Schwestern und Brüder mögen vorauseilen und in hl. Geduld warten, bis der Segen durch Christus, den König, gegeben wird.

Alle sind seine Königskinder, aber die Feuerprobe muß jede Seele allein bestehen. Von jenem Tage an wirst du aus ihrer Mitte genommen werden und nur leben für die höchste Liebe. Sie wird alleine deine Wege, Leiden und Freuden bestimmen. Bereite dich schon jetzt vor auf den großen Tag, an dem der ganze himmlische Hof teilnimmt. Gehe mehr in die Stille und wachse in den Tugenden. Der Zustand des tiefen Schlafes mit seinen Offenbarungen und Gebeten wird nicht mehr über die kommen. Der Geliebte wußte, daß dieses Leid für die Anwesenden Freude war, aber das schwerste Kreuz mit Gottes Willen vereinte, hat Jesus es dir von diesem Tage an auf die Fürbitte des hl. Aloysius abgenommen. Das ist das Gnadengeschenk dieses Tages für die kindliche Liebe und Treue, die du diesem Heiligen von Kindestagen an bewahrt hast.

Wenn Menschen dich verlassen, verkennen, verleumden und Gutes mit Bösem vergelten, wird die Treue und Liebe der Engel und Heiligen größer. Hülle dich mehr ein in ein heiliges Schweigen. Du bringst eines der größten Opfer, das Gott wohlgefällig ist. Schaue auf die eucharistische Liebe! Sie schweigt. Willst du Opferhostie sein, eingegliedert im Opfer des Altares, so mußt du schweigen. Nur die Wandlungsglocke verkündet das Gewaltige und unterbricht das Schweigen. Jeder Atemzug sei dir eine Wandlungsglocke, die dein Leben aus dem Opferkelch mehr und mehr verankert.

Von dieser Stunde achte darauf, wenn – wie heute – dich das Licht umgibt. So wisse, daß der Geist Gottes, der in dir wohnt, dir die Geheimnisse Seiner Liebe verkünden will. Sei gesegnet mit deinem Seelenführer in der Liebe des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dein Bruder Heinrich darf schon jetzt eine Abschrift erhalten. Er muß sie geheimhalten. Er ist dein Zeuge der Wahrheit. Am Christ-Königsfest darf er allen die Worte vorlesen."

 

Freitag, den 15. Juli 1955

Ich sehe das schöne Licht über dem Tabernakel. Vor Freude sage ich: "Jesus, mein Licht, was bedeutet das?" Der Geist Gottes spricht aus dem Licht: "Schaue, Meine Seele, was Ich dir zeige." Ich sehe eine schöne Lichtgestalt mit einer Krone. Erfreut sage ich: "Heiliger Petrus, sei gegrüßt im Namen der Heiligsten Dreifaltigkeit." Ich höre aus dem Licht: "Nicht Petrus zeige Ich dir, sondern St. Heinrich. Teile es deinem Bruder mit. St. Heinrich ist eine Leuchte auf deinem Lebenspfad. Was du bist, sei ganz. Wo Priester versagen, sei du Samaritan. St. Heinrich führt und schützt dich auf diesen Wegen."

 

Donnerstag, den 8. September 1955

Lange Leidenswochen liegen hinter mir. In letzter Zeit sehe ich oft drei Sonnen über meinem Herz-Jesu-Bild. Gestern sprach der Geist Gottes aus dem Bild: "Meine Seele, es ist Gottes Wille, daß du morgen in Paderborn sein mußt, um mit deinen Brüdern und Schwestern eine Wallfahrt zur Königin der Sieben Freuden zu machen. Wisse auch, daß die drei Sonnen, die du so oft über dem Herz-Jesu-Bild siehst, eine Versinnbildung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist.

Jeder Person der Gottheit hat ihr Licht, und doch gibt es nur einen Gott, ein Licht. Die Taube in der einen Sonne, das ist Mein Zeichen und das Erkennen Meiner Gegenwart. In dieser Stunde rede Ich über Meine Braut, die Unbefleckt Empfangene. Am heutigen Feste sei dir und allen, die der Königin des Weltalls huldigen, Segen und Freude gegeben durch die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Eure Wallfahrt soll sein für den Frieden der Welt und für die Einheit der Kirche. Ihr seid mit vielen die Apostel der Endzeit. Mit jedem Tag geht ihr den Geheimnissen und dem Geschehen entgegen, wie es Jesus vorausverkündete.

Noch mehr Sühne muß der Dreieinigkeit geleistet werden, damit die Barmherzigkeit Gottes über den Maßstab Seiner Gerechtigkeit waltet. Eilet doch zu den Quellen der barmherzigen Liebe, und laßt euch beschenken von Maria, der Mutter der Barmherzigkeit, denn die Barmherzigkeit ist der größte Grad der Liebe. Im vergangenen Jahr sahest du nach dem Herz-Jesu-Fest, als man dich krank nach Marienloh fuhr, vom Gnadenaltar einen goldenen Streifen ausgehen, der vor dem Hochaltar herzog und in drei Zacken vor dem ewigen Licht endete.

Es bedeutet: Das goldene Band der Liebe hat Maria, die Königin der Freuden, um alle ihre Kinder geschlungen. Besonders hat sie es geschlungen für jene, die ihr göttliches Kind ganz kindlich lieben, die ihr Leben in den Tabernakeldienst des Herrn gestellt haben, die Ihn trösten für den Undank und die Lieblosigkeit der Menschen, die Opferhostien sind, einsam und verlassen, wie Jesus im Tabernakel. Brennen sollen sie wie die Flamme des Ewigen Lichtes, still und verborgen vor den Kindern der Welt. Wer so ein Licht ist, hat nichts zu befürchten vor dem schrecklichen Geschehen, das hier und dort über die Erde kommt.

Wie dieses goldene Band mit den drei Endzacken sich mit dem Ewigen Licht vereinte, so werdet auch ihr, so ihr Licht seid, mit dem Ewigen Licht einst vereint sein, wenn das goldene Band der Liebe, durch Maria um eure Herzen geschlungen, die drei Zacken aufweist – Glaube, Hoffnung und Liebe. Rufet noch mehr zu dieser stillen Gnadenstätte, damit sie alle das goldene Band der Liebe verbinde. Betet besonders für die Wallfahrtsorte, an denen Luzifer den Thron seiner Bosheit und des Hasses aufgeschlagen hat. Betet besonders zu St. Michael. Beharrliches Gebet, Schweigen und Sühneleiden, verbunden mit der Demut und Liebe, bringt Erhörung und den Sieg. Mit euren Engeln lobet den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Lobsinget Maria, dem leuchtenden Juwel in der Krone der Dreieinigkeit."

Aus Dank für diese himmlisch schönen Worte stimmt ich das Te Deum an.

 

Sonntag, den 11. September 1955

Mit der Paderborner Schar bin ich auf der Fahrt nach Marienloh. Kurz vor dem Gnadenort nehmen wir noch Frau Giseke mit. Dann sind wir da und stimmen das Lied 'Wunderschön prächtige ...' an. Das Gnadenbild wird leuchtend. Ich frage: "Sage doch, Muttergottes, was soll ich hier?" Das Gnadenbild wird auf einmal ganz von einem goldenen Band umrahmt. Im bleichen Augenblick bin ich fast ganz wie gelähmt und sitze wie angeschraubt. So frage ich erneut: "Sage, Muttergottes, warum fesselst du mich? Sind hier auch Besessene? Geht es um diese Frau Giseke? Was geht mich ihre Aufgabe an?" Es bleibt still. Nur noch angeschraubter fühle ich mich, so wie in einem Eisenring. Die Tränen kommen mir vor Schmerzen. Ich flehe: "Jesus, hilf mir!" Ein Licht wie eine kleine Sonne kommt vom Tabernakel. Ich höre: "Der Geist Gottes spricht zu dir, wenn du Mich hier im Bildnis der Taube gefunden hast." Ich bete und suche den Altar ab; ich finde nichts. Ich höre die Stimme wieder: "Knie dich jetzt nieder, dann wirst du Mein Bild sehen."

Die Lähmung ist fort, ich knie nieder und sehe im Fenster das Bild der Taube. Ich sage: "Gott, Heiliger Geist, ich weiß nicht, was ich hier tun soll. Ich bin ja bereit, den hl. Willen Gottes zu erfüllen." Dann höre ich: "Die Geladenen sind gekommen. Ihr seid besonders gesegnet. Niemand stößt sich daran, daß der Herr es den Kleinen und Einfältigen gibt. Denn so spricht der Herr: 'Aus dem Munde der Unmündigen will Ich Mir das Lob bereiten.' Alle müssen erst Toren geworden sein, um einziehen zu können durch die goldenen Tore der ewigen Stadt Gottes. Dieses ist der Anfang der freudigen Ereignisse, die durch diese Gnadenstätte bald folgen. Die Einladung zum heutigen Tag ist eine Prüfung. Maria ist der Gottheit Vielgeliebte. Bewahrt euch die Treue zu ihr. Laßt diejenige eure Schwester sein, die so viel litt und kämpfte für diese hl. Stätte. Überseht menschliche Schwächen und Mängel, die Kreuz und Leid an ihrem Äußeren geschaffen haben. Betet um Reue und Leid. Seid gesegnet durch den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist."

 

Montag, den 12. September 1955

Man sagt mir, ich soll in die Franziskanerkirche gehen. In meinem Beten achte ich nicht auf meinen Weg. Ich schaue einmal auf und sehe, daß ich in der Nähe des Domes bin. Ich sage still: "Herr, Du willst bestimmt, daß ich in den Dom gehen soll." Für meinen heutigen Namenstag habe ich mir still ein schönes Hochamt vom Herrn gewünscht. Ich gehe in den Dom. Die Arbeiter arbeiten im Chor. Es ist keine hl. Messe. In einer Bank sehe ich einen Priester sitzen. Den tippe ich sanft auf die Schulter und frage, ob denn keine hl. Messe mehr wäre. Er stottert etwas und sieht mich an, als wäre ich ein Geist. Dann sagt er zweimal: "Nein, nein!" Der hatte bestimmt nicht gebetet. Ich ging dann in die gegenüberliegende Gaukirche. Ich bin enttäuscht, es ist kurz vor der hl. Kommunion. Zu Jesus sage ich: "Herr, ich habe Dich wohl im Herzen, aber ich bin nicht ganz zufrieden. Du hast so viele Wege und weißt alles. Wo bekomme ich hier noch eine hl. Messe?"

Da läuten ganz feierlich die Glocken vom Dom. Ich gehe wieder zum Dom. Eine Bekannte kreuzt meinen Weg. Das zweite Mal werde ich enttäuscht. Meine Begleiterin sagt: "Die hl. Messe wird wegen der Arbeiten in der Krypta sein." Die Krypta aber war verschlossen. Warum nun das feierliche Läuten? Eine ältere Dame sagt: "Das Läuten war für die hl. Messe in der Kapuziner-Kirche. Wegen der Arbeiten hier ist das seit gestern geändert." Nun gehen wir dorthin. Da war das schöne Hochamt, wie ich es gewünscht hatte. Ich habe nur gedankt.

Es wurde Mittag, bis wir wieder bei Agnes Müller waren. Sie waren schon in Sorgen über mich und hatten mich in allen Kirchen gesucht. In der Kapuziner-Kirche hatte mich niemand vermutet. Der Herr hatte mir ja die größte Freude bereitet. Dann kam eine große Überraschung. Das ganze Wohnzimmer war ein Blumengarten. Sogar die Tür war bekränzt. Das war der Ehre zuviel. So etwas von Liebe hatte ich noch nicht erlebt. Tränen kamen mir ob dieser Liebe. Am Nachmittag war das ganze Zimmer voll von Gästen. Ich gab mich auch der Freude hin, weil sie durch Gott gegeben wurde. Wehmut ist auch in mir. Heute darf ich mich freuen, und morgen bin ich schon wieder einsam und verlassen. Wenn ich nach diesen Tagen wieder daheim bin, dann kommt die Lieblosigkeit doppelt auf mich zu. Gott will es so. Ich habe ja Ihn. Das allein genügt.

 

Donnerstag, den 13. Oktober 1955, Pfarrkirche

Nach der hl. Messe spricht der Geist Gottes: "Wenn du allein bist, werde Ich zu deiner Seele reden. Bete jetzt weiter." Es ist acht Uhr fünfzehn, ich bin allein. Ich sehe ein Lichtkreuz über dem Tabernakel und eine feurige Zunge. Der Geist Gottes spricht nun: "Schweigen ist eine große Tugend, die aber so wenige üben. Schweigen zur gegebenen Zeit und reden zur rechten Zeit, hätte der Welt schon lange ein anderes Angesicht gegeben. Wer sich in die tiefsten und größten Geheimnisse der Dreifaltigkeit bewegen will, muß zuerst das Schweigen geübt haben und seine Zunge beherrschen können. Schweigend nimmt sie den sakramentalen Gott auf und schweigend ruht er auf ihr, bis Er selbst die Fesseln löst zur vollkommenen Hingabe oder zur Qual und Verdammnis. Bei den höchsten Akten der Anbetung im Himmel herrscht tiefes Schweigen.

Wie unruhig und aufgewühlt sind die meisten, wenn im Opfer der hl. Messe sich fortwährend die hl. Geheimnisse vollziehen. Hier mangelt es an Glaube, Hoffnung und Liebe. Wären diese göttlichen Tugenden verankert in jedem Menschenherz, dann würde das hl. Opfer gefeiert in tiefem Schweigen und größter Anbetung. Eure Engel würden nicht wehklagen, sondern noch mehr das 'Heilig' der höchsten Liebe singen. Du, Meine Seele, wirst nun, da viele deiner Schwestern und Brüder anders denken über deine Vorbereitungszeit, vom Geiste Gottes dahin geführt, wo Gott es in Seinem Willen bestimmt hat. Nur im Schweigen, das dich umgeben wird, wirst du das Nahen und Vereinen der göttlichen Liebe empfinden. Es naht der Bräutigam, der König, der Geliebte.

Eile du Ihm entgegen von dem Ort aus, wo der besondere Königsthron für Ihn errichtet wurde. Wer ganz von Seiner Liebe durchdrungen ist, dem Gott allein alles in allem ist, der ganz ein selbstloses Opfer Seiner Liebe ist, der soll sich an diesem Tag still mit Christus dem König vermählen. Hochzeit sollt ihr feiern, aber niemand erscheine ohne hochzeitliches Gewand. So prüfe ein jeder sich selbst und folge dieser Einladung. Wenn die Seele geschmückt ist, wie es der Braut geziemt, die den Bräutigam erwartet. Es segne euch Maria, die Mutter der schönen Liebe."

 

Dienstag, den 18. Oktober 1955

Durch meinen hl. Schutzengel wird mir der Wille Gottes kundgetan. Ich muß nach Alsdorf. Dort wohnen meine Geschwister. Es ist dort eine Christ-Königs-Kirche. In der Stille soll ich mich vorbereiten auf die erneute persönliche Vereinigung mit Jesus nach zwei Jahren der Stille. Schöner kann meine Vorbereitung auf den Tag in Nievenheim nicht sein. Hier ist auch eine große Glaubenswoche. Gerade hier stehen zwei Drittel abseits von Gott – durch den Kommunismus. Meine Sendung hier ist, bei der Bekehrung der Sünder zu helfen. Ich darf auch alle meine Geschwister besuchen. Auch hier ist Seelenarbeit notwendig.

 

Mittwoch, den 26. Oktober 1955, Alsdorf

Nach der hl. Messe gehe ich den Kreuzweg für die Armen Seelen. Die 5. Station wird ganz in Licht gehüllt. Ich bete für jene, die ihr Kreuz nicht tragen wollten. Ich bete auch für die anderen, die nicht helfen wollten, dem Nächsten das Kreuz zu tragen. Bei der 9. Station sehe ich Jesus mit einem Doppelkreuz beladen, so wie das Scheyrer-Kreuz.

 

Samstag, den 29. Oktober 1955

Ich nehme Abschied von der Christ-Königs-Kirche in Alsdorf. Kurz nach 17.30 Uhr bin ich in Nievenheim. Schwester Anna Gruttorfer holt mich vom Bahnhof ab. Der Engel an meiner Seite spricht: "Fahre bis zur Kirche. Begrüße zuerst die hl. Muttergottes. Sie wird dich in der Kirche bis zum Thron Christi, des Königs, führen. Alles andere ergibt sich von selbst." Ich folge den Worten meines Engels. Als ich das goldene Haus betrete, ist dort eine Schar Beter. Ich schaue sie mir an, was ich sonst nicht tue. Dann entdecke ich meine Schwester Agnes Müller aus Paderborn. Wir wechseln einen freudigen Blick und beten gemeinsam weiter. Dann gehen wir in die Wallfahrtskirche. Wir nehmen teil an der Salve-Andacht. Dann begrüßen wir den lieben, guten Pfarrer. Er nahm mich mit ins Pfarrhaus, wo er mir ein Zimmer gab. Wie grüßend stand der hl. Aloysius da, in einer großen Statue. In der Nacht schlief ich sehr wenig wegen der freudigen Erregung. So habe ich mich wieder auf alles gut vorbereiten können.

 

Montag, den 31. Oktober 1955

Ehe ich Abschied nehme, mache ich noch einen Besuch bei einer Schwerkranken. Ich komme wie gerufen. Sie hat sich förmlich weggeschrien. Ganz blau ist sie angelaufen und aufgedunsen. Mir tut die Umgebung leid, die ja so schwer darunter leidet. Zwei Stunden hörte ich die schwersten Klagen und Anschuldigungen der Kranken gegen die anderen. Ich betete dauernd, daß ich auf alles die richtigen Worten finde, um sie zu beruhigen. Zwischendurch betete ich den Exorzismus. Die anderen bat ich, die Liebe walten zu lassen, so schwer es auch sei. Die Liebe würde doch siegen. Zuletzt wurde sie, wie immer, wenn ich bei ihr war, ganz ruhig und war beim Abschied sehr liebevoll zu mir. Ich segnete sie still und fuhr dann nach Doveren zu meiner jüngsten Schwester Klara. Das war eine Freude, als ich dort gegen elf Uhr eintraf. Ich gab die Liebe weiter, die Jesus mir am hohen Feste gab.

 

Dienstag, den 1. November 1955, Allerheiligen

Ich bin im Hochamt in der Pfarrkirche zu Doveren und darf die Heiligen freudig begrüßen. St. Franziskus und St. Antonius öffnen die Tore der Stadt Gottes. Meine Seele weilt unter der Schar der Heiligen. Ich singe: "Ihr Freunde Gottes allzugleich ..." Bei diesem Lied neigen sich die Heiligen tief. St. Antonius spricht: "Schaue deine Heimat. Sage es allen, sie sollen nicht verzagen, wenn das Kreuz hart und schwer ist. Je schwerer der Kampf und je größer das Kreuz ist, umso herrlicher ist die Wohnung in der ewigen Heimat. Wetteifert in der Liebe und im Leiden. Ihr werdet nicht enttäuscht werden. Gold muß im Feuer erprobt werden. Suchet nicht Namen, Macht und Ehre; suchet vielmehr, wie ihr Gott von Tag zu Tag mehr gefallet durch die Werke der Liebe."

 

Mittwoch, den 2. November 1955, Allerseelen

Nach der hl. Kommunion darf ich die Armen Seelen im Fegfeuer begrüßen. Flehend sehe ich sie, und wie mit einer Stimme höre ich: "Wäre unsere Sehnsucht nach dem Himmel größer gewesen, wir litten nicht diese Qual. Hätten wir mehr die Liebe geübt, wären wir nicht getrennt von Gott, der höchsten Liebe. Wenn wir unser Kreuz freudiger getragen hätten, dann wären uns gleich die Tore des Himmels geöffnet worden. Nun können wir nichts mehr tun. Bittet für uns, ihr Brüder und Schwestern, die ihr noch im Fleische wandelt. Erbarmt euch unser, damit wir bald erlöst werden. Wir danken es euch in der Sterbestunde."

 

Donnerstag, den 8. Dezember 1955

Pfarrkirche Oberpleis. Nach der Kindermesse werden auf einmal die Glieder so schwer, daß ich mich setzen muß. Die Unbefleckt Empfangene erscheint und spricht: "Knie nieder und rufe den Heiligen Geist an." Dann bin ich entrückt und sehe die Empfängnis Mariens. Ich sehe Anna und Joachim schweigend gehen. An der goldenen Pforte trennen sie sich. Wie ich aus ihren Gebärden ersehe, wollen sie sich hier wieder treffen. Anna geht hinauf zum Tempel. Dann sehe ich in das Innere des Tempels. In einiger Entfernung, wo ein großer Vorhang das Allerheiligste verdeckt, wirft Anna sich auf den Teppich und verharrt betend eine lange Zeit. Plötzlich ist sie eingehüllt von einer hellen, lichten Wolke. Wie ein Schattenbild sehe ich den Vater, der über Anna liebevoll die Hände ausbreitet. Anna wird wie eine Lichtgestalt. Die Wolke ist fort, wie sie gekommen.

Der Engel Gabriel steht vor Anna und spricht: "Stehe auf, du Vielgeliebte des Vaters. Dein Gebet ist erhört. Die Zeit der Erfüllung ist gekommen. Du hast Gnade vor dem Herrn gefunden. Von dieser Stunde an trägst du in deinem Schoße die Mutter des Erlösers. Ihr Name soll sein: Maria. Du trägst den Tempel des Heiligen Geistes, die Blume der Heiligsten Dreifaltigkeit, die der Fluch der Sünde nicht getroffen hat. Sie ist des Höchsten reines Gefäß und schon geweiht von dieser Stunde an als Sein Eigentum. Du aber hüte dieses große Geheimnis. Nur deinem Ehemann darfst du es anvertrauen. Gott selbst wird diese Stunde der Welt offenbaren."

Dann ist Anna allein. Sie dankt und weint vor Freude. Ich sehe sie auf dem Heimweg. Joachim steht schon an der großen Pforte. Freudig teilt Anna ihm das große Geheimnis mit. Beide gehen betend und schweigend weiter.

Maria, die Unbefleckt Empfangene, spricht: "Mein Kind, ich ließ dich dieses schauen, um dich einzuführen in die große Gottesliebe. Siehe, erwählt hat mich der Herr von Ewigkeit. Ich bin die Blume der Heiligsten Dreifaltigkeit. Ich bin die Unbefleckte Empfängnis, die Mutter des Erlösers und die Königin des kostbaren Blutes. Der ewige König Jesus Christus nahm von Seiner Magd Fleisch und Blut an. So bin ich geworden die Königin des kostbaren Blutes. Als Er Sein hl. Blut vergoß, floß ja auch mein Blut aus Seinen Adern. Darum war ich so innig mit Seinem Leiden vereint.

Weil die Menschheit durch das Erlöserblut erlöst wurde, durfte es nicht verlorengehen. Ich veranlaßte, daß es gesammelt und aufbewahrt wurde zum Heil und weiteren Segen der Menschheit. Auserwählte seid ihr, die ihr ein Tröpflein des heiligen und kostbaren Blutes euer eigen nennen dürft. Danket alle Tage dafür. Segnet damit die blinde und erkrankte Menschheit, damit nicht alle der Verblendung zum Opfer fallen.

Du weißt, der Vater hatte Sein Zeitalter in der Welt. Jesus Christus hatte auch Sein Zeitalter. Seit der Herabkunft des Heiligen Geistes lebt die Welt in Seinem Zeitalter. Es wird bald enden im Brausen der Elemente, in Sturm und Feuer. Die Welt kennt Ihn so wenig, den Gott der Liebe. Geführt von Ihm und geheiligt sind Seine Kinder, denen Er Sein Siegel mit den Flammen der Liebe eingeprägt hat. Ihre Seelen sind ausgestattet mit Seinen Gaben. Sie werden kämpfen und leiden für die Dreieinigkeit.

Der Sohn der Bosheit wird sie nicht täuschen noch ihnen schaden können, weil sie Besiegelte sind. Sie besitzen eine klare Erkenntnis durch den Heiligen Geist, den Gott der Liebe. Nach den Tagen der Trübsal, wenn ein Hirt und eine Herde ist, wird die Menschheit Gott in Demut dienen. Da aber der Sohn der Bosheit noch nicht geschlagen ist, wird er nicht ruhen, bis er mit noch größerer List die Menschen blendet im Zeitalter der Heiligsten Dreifaltigkeit. Schon jetzt lehnen sich falsche Propheten gegen dieses größte Geheimnis auf. Sie suchen die Menschheit irrezuführen. In jenen Tagen wird es der Antichrist selber sein, der dieses Geheimnis vernichten will.

Mit seiner Macht, die er besitzt und seiner Wunderkraft wird er alle in die Irre führen, die nicht fest gegründet sind in dem, was Jesus verkündet und gelehrt hat. So hat der Herr schon jetzt Streiter und Kämpfer erwählt, die vereint unter der Führung von St. Michael und seiner Schar eintreten in voller Opferbereitschaft für die Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Darum, mein Kind, durftest du am Fest Christkönig hineinschauen in dieses Geheimnis. Sei gesegnet im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Anmerkung: Die Worte der Gottesmutter über ihr Blut in den Adern des Herrn führt direkt zu der Frage der Miterlösung Mariens, wofür es auch noch andere Fakten gibt.

 

Dienstag, den 13. Dezember 1955

Um acht Uhr dreißig steht eine hehre Lichtgestalt vor mir und spricht: "Ich bin Adam, der Stammvater des Menschengeschlechts. Ich segne dich. Ich bringe dir den Segen Abrahams, Jakobs, Isaaks und Moses." Ich werde fünfmal gesegnet und frage: "Heiliger Vater Adam, warum kommst du zu mir?" – Er spricht: "Ich komme, weil die Welt ebenso voll Haß, Neid und Stolz ist wie in den Tagen, da ich den Fluch der Sünde trug. Mein Leben war von dieser Stunde an nur ein Advent. Wie sehnte ich mich nach dem Erlöser. Wenn ich die Sühne hätte leisten können, die für die große Schuld erforderlich war, ich hätte es getan, hätte mich kreuzigen lassen. Ich konnte nur meine schwachen Leiden aufopfern.

Das Blut der Unschuld schreit zum Himmel. So bleibt es, von Abels Tod angefangen, bis zum Ende der Zeiten. Nur aus dem Neid wird diese Sünde geboren." Bei diesen Worten sehe ich den blutüberströmten Abel vor mir liegen. Ich rufe in die Kirche hinein: "Adam, halt ein, was bedeutet das? Soll Gleiches oder Ähnliches an mich herantreten?" Adam spricht weiter: "Die Menschen von heute wollen Gott gleich sein wie wir, eure Stammeseltern. Luzifer hat mit seinem Licht die Menschheit erneut verblendet. In endlosen Scharen folgen sie diesem Licht. Sie sehen nicht, wie nahe sie dem Untergang und der Vernichtung sind. Furchtbar wird das Ende der Gottlosen. Du hast heute auch einen schweren Tag. Der Herr will, daß du für die Besessenen, die im Hause deines Sohnes wohnen, drei Exorzisten-Rosenkränze betest."

Ich frage: "Wie soll man das beten?" Ich erhalte folgende Weisung: "Glaubensbekenntnis, ein Vaterunser, 'Gott stehe auf, zerstieben sollen Deine Feinde. Wie Wachs schmilzt im Feuer, sollen vergehen die Frevler vor dem Herrn. Fliehet ihr feindlichen Mächte. Gesiegt hat der Löwe aus Juda, der Davidssproß. Heilig, heilig, heilig, Herr Gott der Heerscharen, Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe.' Dann zehnmal: 'Weiche Satan durch Christi Blut von den Seelen ...'" (Namen nennen)

"Danke dir, mein Jesus, ich vertraue auf Dich! Ich werde beten, wie mir befohlen."

 

Sonntag, den 18. Dezember 1955

Ganz in Erwartung bin ich mit Maria. Ich bete gerade vor meinem großen Muttergottesbild: "Den du, o Unbefleckt Empfangene, mit Freuden erwartest hast." Das Jesuskind auf den Armen der Mutter lächelt. Eine süße Stimme spricht: "Du wirst doch Weihnachten haben."

 

Samstag, den 24. Dezember 1955, Heilig Abend

Nach der hl. Kommunion sehe ich Adam und Eva. "Seid mir gegrüßt, ihr lieben Stammeseltern, segnet mich doch." Eva spricht: "Kind, begehe unser Namensfest, den Heiligen Abend, immer als einen Festtag. Der erste Heilige Abend war auch ein großer Festtag, den nur die erkannten, denen die Geburt Jesu offenbart und verkündet wurde. Die Erlösung der Menschen stand bevor. Niemand kann verstehen, wie groß unsere Freude war, als der Gottessohn die unendliche Sühne für unsere Schuld leisten wollte. Könnt ihr unser Leid verstehen, das unser Ungehorsam brachte?

Ganz eng waren wir mit Gott verbunden. Dann wurden wir ausgestoßen aus dem Reich der Liebe in Elend, Not und Tod. Jahrtausende mußten wir warten, konnten Gott nicht schauen. Nun war die Zeit gekommen, die uns den Himmel aufschloß durch den Erlöser. Wie leicht hat es Jesus jetzt den Menschen gemacht. Zu jeder Zeit können sie im Bußgericht wieder Verzeihung finden. Jedoch die alte Schlange, der Teufel, ist immer da, wo man es nicht vermutet."

Ein Wehe kommt über die Welt, über den Norden bis zum Westen, der den Namen Johannes trägt. Der Süden liegt dunkel. Es sieht aus, als hätte er eine eingedrückte Stelle. Über der Erdkugel schwebt Jesus verklärt, mit ausgebreiteten Händen. Jesus spricht: "Die Erde steht jetzt noch mehr im Zeichen des hl. Johannes. Die Erfüllung seiner Gesichte vollzieht sich in euren Tagen. Im Hochmut und Stolz der Menschheit wird das näherkommende Ende nicht erkannt, ja, nicht einmal mehr erfaßt wegen der Unwissenheit Meines Wortes und Meiner Lehre.

Die eingedrückte Stelle bedeutet, daß die Erde ins Wanken gekommen ist. Ich habe die Engel an die vier Enden der Erde gestellt, ihren Kreislauf nach Gottes Willen zu leiten. Weil der Mensch dieser Zeit sich über den Schöpfer der Welt, über alles erhebt, ist der Engel des Südens seines Dienstes enthoben. Dafür hat Satan seine Helfer eingestellt. Sie gehen nur nach ihrem Willen. Es kann darum nichts anderes sein als Unordnung und Umwälzung im Sinne und Tun der Höllengeister. Weil sie mit verlockendem Licht die Menschen in ihren Bann ziehen, merken sie nicht, wie sie in den Abgrund gezogen werden. Ich aber, der König aller Könige, breite Meine Hände weiter aus, um in Liebe alle an Mich zu ziehen. Folget doch nicht dem Irrlicht. Ich bin euer Licht. Wer Mir nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis. Ich habe es der Welt verkündet, was in den letzten Tagen geschieht. Ich habe immer wieder Propheten erweckt, die das Geoffenbarte neu beleben, um die Seelen zu retten und vor den Blendwerken Satans zu bewahren. Erhebt eure Häupter. Es nahen die Tage der Trübsal, die aber auch Tage großer Gnaden und des Heiles sind."

Dann sehe ich Jesus als Kind auf lichter Wolke. Ich höre: "Meine Schule ist nicht die Schule der Wissenschaft und Macht, sondern die Schule der Demut und Liebe. Ich selbst legte den Grundstein zu dieser Schule bei Meinem Eintritt in die Welt. Die Demut ist eine Macht, die nur von der Liebe getragen wird, Gott liebt das Kleine und Verborgene. Im Kleinen und Verborgenen legt er nieder von Seinem Wissen und von Seiner Macht. So werden sie Kinder Seiner Geheimnisse und Träger Seines Lichtes."

Ich darf weiter schauen: Weihnacht im Himmel. Der Thron Jesu sieht aus wie eine große, goldgeschnitzte Wiege. Darin liegt Jesus als Königskind mit goldener Krone. Der himmlische Vater breitet liebevoll Seine Hände aus über Seinen Sohn. Der Heilige Geist hat Seinen Thron heute zwischen Vater und Sohn als König der Liebe. Dies zeigt sich als Licht in tausendfältigen Farben, die den Thron des Vaters und Jesu Wiegenthron einhüllen. Ungezählte Engel umgeben den Thron. Vor dem Thron knien Maria und Josef. Auf goldener Schale bringen sie Lob, Dank und Gebete der Kirche und der Gotteskinder dar, die gleich Jesus zum Kind in der heiligen Weihnachtszeit werden. Immer wieder neigen die Engel sich und stimmen ein in das Gloria der hl. Messe.

Der hl. Schutzengel spricht: "Du schaust hier die himmlische Opferfeier des Opferaltares der hl. Kirche. Die Liebe des Vaters ist so groß, daß der Sohn in der Weihnachtszeit zum Kinde wird, zum Kinde in der Hostie klein. Dieses Geheimnis ist groß. Nur heilige Seelen erfassen es."

 

Dienstag, den 28. Dezember 1955, Fest der unschuldigen Kinder

Mit Anna bin ich in der hl. Messe in St. Anno. Nach der hl. Kommunion darf ich nochmal den Wiegenthron Jesu schauen. Jäh werde ich herausgerissen durch die Stimme des Engels: "Stimme nun ein in den Lobgesang der Kinder." Ich sehe bei der Himmelskrippe die unschuldigen Kinder der Jahrtausende in weißen Kleidern. Sie singen ein Lied, das niemand singen kann. Ich schaue nun in die Wirklichkeit. Ich sehe Priester und eine Anzahl Meßdiener, die den Altarraum ausfüllen. Die Orgel spielt "Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren." Ich stimme mit ein. Dann hält der Pfarrer eine Predigt, die mich sehr ergreift. Er spricht vom geweihten Gewand der Meßdiener und seiner Bedeutung. "Gerade so sollt ihr es tragen, wie die unschuldigen Kinder es heute tragen bei der Opferfeier im Himmel. Ja, sie umstehen den Krippenaltar im Himmel und singen ein ewiges Lob dem göttlichen Kind." O, ich hätte es gerade sagen mögen: So durfte ich es eben schauen. Ich glaube fast, der Priester hat es selbst geschaut.

 

Freitag, den 13. Januar 1956

Heute bin ich in Geistingen, den Fatimatag zu halten, den wir der lieben Gottesmutter versprochen haben. Ich lasse für meinen Sohn Willy beten, damit er morgen sein Haus beziehen kann. Wir beten oben auf dem Berg. Es ist sehr kalt dort. Ich fühle es hernach wie Fieber in meinen Gliedern. Aber Opfer müssen wehtun.

 

Sonntag, den 15. Januar 1956

Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Die Leiden der Weihnachtszeit enden für dich mit dem heutigen Tag. Bist du bereit, Meine Seele, weiter zu leiden aus Liebe zu Mir für die Bekehrung der Sünder und die Einheit der Kirche? Du wirst aber trostlos und verlassen sein." Herr, gibt es Größeres und Schöneres als zu leiden aus Liebe zur Dir? Tue mit mir nach Deinem Willen.

 

Montag, den 16. Januar 1956

Ich habe Jesus im Herzen. Das ist meine Freude. Meine Glieder sind wie Blei. Von Schmerzen bin ich durchbohrt. Am Nachmittag muß ich mich hinlegen. Auf meinem Zimmer erscheint mir das blutige, dornengekrönte Antlitz Jesu.

 

Samstag, den 21. Januar 1956

In den Tagen des Liegens bin ich ganz lahm geworden. Jede Bewegung schmerzt so, daß ich laut schreien möchte. Dazu kommt noch eine schwere Angina. Man sieht nun doch in der Familie, daß ich ernsthaft krank bin und hat den Arzt bestellt. Am Nachmittag kommt Therese W. aus Köln. Mein Liegen rühren sie nicht. Das viele Reden tut mir weh. Ich bringe auch das zum Opfer. Jesus schweigt. Er ist doch keine Fragebüro. Ich sage es ihr auch, daß der Herr nicht da sei für alle privaten Angelegenheiten. Am Abend kommt der Arzt ... Ich kann mich gar nicht mehr bewegen. Furchtbare Qualen und Schmerzen durchzucken meinen Körper. Ich schreie vor Schmerzen ... Es dauerte zwei Stunden, bis ich eine kleine Bewegung mit den Füßen machen kann. Ich opfere diese Stunden für die Priester auf.

Dann sehe ich Jesus an der Geißelsäule: "Eine mystische Geißelung durftest du erleiden." Dann werde ich wieder ganz lahm. Weitere sechs Stunden stehe ich im Nachthemd mit bloßen Füßen in der bitteren Kälte vor meinem Bett, in größten Schmerzen und kann kein Glied bewegen. Dann sitze ich auf dem Bett. Ich danke für die Leiden und bitte um Vergebung, daß ich schwach war und vor Not geschrien habe. Als ich mich zudecken will, bin ich wieder gelähmt. Halb sitzend, die Bettdecke in den verkrampften Händen, verbringe ich noch zwei Stunden. Dann war die Sühne für diese Nacht geleistet. Man hatte mir wohl, wie vom Arzt verordnet, eine Wärmflasche ins Bett gelegt, doch alles war nun kalt.

 

Sonntag, den 29. Januar 1956

Ich fühle mich plötzlich ganz wohl und kann mich wieder bewegen. Vor Freude sage ich: "Lieber Jesus, ich stehe auf. Ich eile zu Dir und zu Deinem hl. Opfer." Man staunt. Gestern noch gelähmt und nun zum Kirchgang bereit. Am Nachmittag kommt von Wiesbaden ein Anruf von Irene. Mein Mann und ich sollen kommen. Es würde sich in den nächsten Tagen entscheiden, wann sie nach Amerika fliegen. Ich weiß nicht, ob ich es wagen kann. Jesus will es. Er sagt: "Fahr hin, du brauchst nichts als den Rosenkranz. Dort wirst du weiter leiden."

In meinen Leidenstagen habe ich einmal gefragt: "Herr, ist diese furchtbare Kälte auch schon ein Teil des Strafgerichts?" Er antwortete: "Ja, Meine Seele, aber das ist alles noch der Anfang."

Am Aschermittwoch bezeichnete Er meine Stirn mit dem Kreuz. Und sagte: "Nun trägst du Mein heiliges Zeichen. Leide noch mehr Meine gekreuzigte Liebe. Leide weiter ohne Trost. Ich bin ja dein Lohn. Führe nach dieser Zeit noch mehr ein Leben der Einsamkeit und der Zurückgezogenheit."

 

Montag, den 27. Februar 1956

Jesus spricht: "Noch verborgener muß du bleiben. Viele erwarten von dir nur Neuigkeiten, die nicht zu Gott hinführen. Für diese bist du nicht da. Du sollst sein für die höchste Liebe, die sich ganz in der Stille mit dir vereinigen will. Darum wirst du noch einsamer und verlassener werden. Viele nennen sich nun deine Brüder und Schwestern. Sie fordern von dir die größten Opfer. Selbst aber bemühen sie sich nicht, Gott zu gefallen. Es geht ihnen nur um ein Wissen, das sich um ihre eigenen Angelegenheiten dreht und was in den letzten Zeiten geschieht. Darum nehme Ich dich heraus aus ihrer Mitte. Ich werde dich nicht kreuzigen für jene, die über deine Leiden ihr Ziel erreichen wollen. Ein jeder trage sein Kreuz, und so folge er Mir nach."

 

Palmsonntag, den 25. März 1956

Ich bin in der Pfarrkirche im Hochamt. Ganz lebend wird die Königin auf dem Hochaltar: "Sei gegrüßt Maria, meine Mutter und Königin." Maria spricht: "Mein Kind, halte diese Woche für die Bekehrung der Sünder. Halte sie zu deiner Heiligung und aus Liebe zu deinem Heiland, in dessen Leiden du versenkt sein wirst. Bete nur den schmerzhaften Rosenkranz, wie ihn der Herr dich lehrte. Bete den Kreuzweg, vereinige dich mit der Kraft und Liebe des Heiligen Geistes in folgendem Rosenkranz:

Credo,
Vater unser,
an den drei kleinen Perlen: Heiliger Geist, Gott der Liebe, vermehre den Glauben. Heiliger Geist, Gott der Liebe, stärke die Hoffnung, Heiliger Geist, Gott der Liebe, entzünde die Liebe.
1. Gesätz: Geist der Weisheit und des Verstandes, durchdringe uns.
2. Gesätz: Geist des Rates und der Stärke, führe uns.
3. Gesätz: Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit, heilige uns.
4. Gesätz: Geist der Furcht des Herrn, führe uns zur wahren Gottverbundenheit.
5. Gesätz: Geist der Liebe, verankere unsere Herzen in der höchsten Liebe.
Bei jeder Station bete weiter den kleinen Exorzismus. Ich werde mit dir sein, mit den Engeln und Heiligen."

 

Karmittwoch, den 28. März 1956

Mir ist so sonderbar, so ein Drängen ist in mir. Da spricht Jesus vom Tabernakel aus: "Lege gleich deine Osterbeichte bei dem jungen Priester ab." Nach dem Schuldbekenntnis spricht der Priester: "Seien Sie nicht betrübt ob der Fehler und Unvollkommenheiten. Ein hl. Johannes, der tief in die Geheimnisse Gottes schaute, fiel auch in kleine Fehler und Unvollkommenheiten. Nehmen Sie ihn in dieser Woche zu Ihrem Führer. Halten Sie diese Karwoche für die Bekehrung der Sünder, damit noch viele sich bekehren. Denken Sie besonders an die Priester. Halten Sie diese Woche auch für die eigene Schuld zur größeren Heiligung. Ganz besonders aber halten sie diese Woche aus Liebe zum Heiland, der soviel für uns getan hat, und versenken Sie sich ganz in Sein Leiden und Sterben."

Ich bin ganz ergriffen. Ich kann nur sagen: "Ja, das tue ich." Tränen ersticken meine weiteren Worte. Ich hätte ihm am liebsten gesagt, daß die Gottesmutter mir dasselbe schon am Palmsonntag sagte. Das wäre aber nicht demütig gewesen, sich ins Licht stellen zu wollen. Für den jungen Priester, Kaplan Oster, betete ich um besondere Heiligung. Dann bat ich Jesus: "Warum, Herr, hörte ich in der Beichte dasselbe, was die Gottesmutter Sonntag zu mir sprach?" Jesus sprach: "Das heilige Sakrament der Buße wird von vielen nicht so empfangen, wie es Reue und Liebe verlangen. Siehe, oh, Seele, darum gab Ich dem Priester die gleichen Worte in den Mund, die Maria, Meine Mutter, dir sagte. Dein Erleben soll, ohne dich zu nennen, in Predigten wiedergegeben werden. Erkennen soll der Sünder, daß Ich im Beichtstuhl durch den Mund des Priesters spreche, daß er es nicht mehr ist, sondern Ich. So trete doch ein jeder mit großer Ehrfurcht, Andacht, Reue und Sehnsucht hin zum Throne der Barmherzigkeit, der inmitten der hl. Kirche steht. Den Priestern aber rufe Ich zu: 'Seid rechte Verwalter und Spender dieses großen Geheimnisses, damit man nicht Ärgernis an euch nehme, daß die Seelen abhält, ihre Schuld zu bekennen.' Du, Meine Seele, halte die Kartage bei deinen Geschwistern in Geistingen. In der Familie wird man nichts sehen von deinen Leiden, weil du deine Pflicht voll und ganz erfüllen wirst."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 4. Mai 1956

Pfarrkirche Oberpleis, Sühnestunde nach der hl. Messe. Ein schönes Licht hüllt den Altar ein. Jesus spricht aus diesem Licht: "Meine Seele, sei nicht betrübt ob der Offenbarung, die nach Rom muß. Ich gebe dir jetzt die Erinnerung an diesen Tag, du schaust nun, was während deines vermeintlichen Schlafzustandes geschah."

Ich schaute folgendes: Hochwürdiger Herr Dr. Schneider ist im Nebenraum bei meiner Schwester Anna Schmitt. Im anderen Raum sehe ich Maria Mevissen vor dem Bild der Mutter der Gefangenen. Wir beten den Kind-Jesu-Rosenkranz. Beim siebten Ave bin ich in ein Licht eingehüllt. Ich muß in die Knie und werde von einer Hand gehoben und muß den Blick erheben. Der Erzengel Gabriel steht vor mir, wie schwebend auf einer lichten Wolke. Die Rechte hat er erhoben. In diesem Augenblick verläßt Maria Mevissen das Zimmer. Sie ruft Anna und den hochw. Herrn Dr. Schneider. St. Gabriel schaut auf diese drei und segnet uns alle. Dr. Schneider will mir helfen, aber Schwester Anna wehrt ab: "Das dürfen Sie nicht! Sie dürfen Sie nicht anfassen." St. Gabriel ist von einer Schar von Engeln aus seinem Chor umgeben.

Er spricht: "Ich bin der Erzengel Gabriel. Vom Allerhöchsten bin ich gesandt. Du mußt noch einmal nach Heroldsbach. Du bist bestimmt, festzustellen, was dort Wahrheit und teuflischer Trug ist. Das wirst du sehen, hören und erleben. Alle deine Erlebnisse müssen nach Rom. Jesus ist mit dir. Du wirst Ihn auch jeden Tag empfangen auf geheimnisvolle Weise. Der Segen Gottes begleitet dich."

Dann spricht Jesus: "Meine Seele, du weißt, was Ich sprach vom Kreuz in Heroldsbach. Diese Worte bewahre. Es kommen Stunden, da man die kindliche Liebe, die man in diesem Kreuz zu Mir bringt, als unpassend und Meiner nicht würdig bezeichnet. Weil gerade an diesem Kreuz sich Mir die kindliche Liebe schenkte, habe Ich es besonders gesegnet. Satan weiß um diese Macht. Er wird mit der Höllenschar gegen dieses Kreuz sich erheben, um Mir die Liebe Meiner Kinder zu rauben. Den Angriff macht er durch Meinen Verräter. Du weißt, wer es ist, und hast ihn auch erkannt. Du sahest Maria mit zwei Köpfen auf ihren Armen. Das ist das große Zeichen eurer Tage. Ich komme bald. Bereitet euch vor.

Die Erde steht ganz im Zeichen der Schauungen des hl. Johannes. Weil sie darin steht, trägt sie ein doppeltes Gesicht. Johannes schaute hinein in die letzten Tage. Von Gottes Angesicht las er alles. Ich, das Wort, gab ihm von Meinem Wort, damit die Menschheit auf den Tag Meiner Wiederkunft vorbereitet sei. Ich habe aber alle Gnadenschätze, alle Geheimnisse und Offenbarungen ins Herz der Königin des Weltalls, Maria der Unbefleckt Empfangenen, gelegt. So trägt sie Mich, das fleischgewordene Wort und trägt Johannes, der Zeugnis gab vom Wort. Weil sie beides trägt, erwählte sie Orte, wo sie die Menschen herbeiruft zur Sühne, zum Opfer und zum Gebet.

Was will sie mehr, als Seelen retten. Sie hat den Kampf mit Luzifer ganz aufgenommen. Er hat jetzt seine ganze Macht aufgeboten, um die Stätte Heroldsbach zu vernichten und irrezuführen. Laßt euch nicht irreführen durch Abtrünnige und falsche Propheten dort. Die gefährlichsten Teufel dort sind die Geister der Lüge, der Habsucht und der Geltungsmacht. Wer auf sie hört, den ziehen sie mit umgebenden Heiligenschein in den Abgrund. Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet."

"O Herr, ich habe nur eine Bitte, sende mich dort nicht mehr hin. Es wird ja auch genügen, was ich gesehen und erlebt habe." Jesus sagt: "Es wird nicht mehr geschehen."

 

Montag, den 14. Mai 1956

Pfarrkirche Oberpleis. Ich bete in besonderer Meinung für Pater D. Da steht ein Lichtkreuz vor dem Tabernakel und bewegt sich segnend. Dann höre ich Jesus Stimme für den Priester: "Mein Sohn, suche nicht ein Wissen nach deinem Handeln und Tun. Du weißt, wer Mir nachfolgen will, muß sein Kreuz Mir nachtragen. Nicht Wissen ist Macht, sondern die Liebe, die alles tut, alles kann und leidet. Du stehst im Kampf um die Ehre der Dreieinigkeit und die Ehre Mariens, der Königin des Weltalls. Verzage und zweifle nicht. Ich habe deine Wege gezeichnet und dir einen Dorn ins Herz gesenkt, der dich immer wieder verwunden wird, damit du nicht wankest, damit du für Mich und mit Mir leidest, daß dein Herz dem Meinen gleichwerde. Bleibe auf dem Wege, den du gehst.

Die Stürme, die immer dich umtoben, sie schaden dir nicht, so dein Vertrauen zu Mir unbegrenzt und deine Liebe kindlich rein und opferbereit ist. Trauere nicht um das, was Ich dir nahm. Begehre nicht, was Ich dir noch nicht geben kann. Verlasse dich ganz. Werde zu einem Nichts, das nur in Mir seinen Reichtum und seine Wonne hat. Fürchte nicht deine Brüder, sie haben keine Gewalt über dich, wenn sie nicht von Mir gegeben ist. Du hast Mein Wort: Haben sie Mich verfolgt und verurteilt, so werden auch alle erleiden müssen, die berufen sind, in Meinem Weinberg zu arbeiten. Freue dich und frohlocke, Mein Sohn, daß du leiden und kämpfen darfst für deinen Gott. Willst du nun weniger Kampf und Leiden, dereinst die Gottesanschauung weniger besitzen und genießen wollen? Wähle nun. Wahre Liebe ist nur Feuer, das sich in lodernder Flamme für Gott verzehrt, zu einem Nichts. Bist du ein Nichts, dann kannst du von deines Schöpfers Vaterhänden emporgehoben werden und in ewiger Vereinigung Gott schauen von Angesicht zu Angesicht. Ich segne dich im Vater und im Heiligen Geist. Gedenke auch dieser Seele im Gebet, durch deren Geist Ich zu dir spreche."

 

Dienstag, den 21. August 1956

Bruder Karl Zöller überbringt mir einen Brief aus Düren, in dem es heißt: "Wir wollen das Wort Laienpriestertum nicht mehr gebrauchen, sondern Laiendiakonat." Vom Bilde Seines Heiligsten Herzens sagt der Herr: "Lese nicht weiter, Meine Seele, bist du aufgezeichnet hast, was Ich beifüge. Für die größere Masse, die die Weihe erhalten hat und noch erhalten wird, ist dieses andere Wort die rechte Bezeichnung. Es liegt in diesem Wort auch die Demut, die Mir wohlgefällt. Wer aber ganz mit Mir Opfergabe ist und sich opfert für seine Brüder und Schwestern, der ist Laienpriester und Laienpriesterin.

Sie müssen aber gleich wie Ich mit Mir das immerwährende Opfer des Altares sein. Ich suche Opferhostien, die sich wie Ich wandeln lassen, die ihrem eigenen Willen abgestorben sind. Im immerwährenden Leben und Sterben und dauernder Hingabe an Gott müssen sie ein Herz mit dem Meinem und ein Blutkreislauf mit Mir sein für die Rettung der Seelen und die Einheit der Kirche. Ich habe Maria, Meine und eure Mutter, zur Hohenpriesterin erwählt, weil sie ihr Lebensopfer in Mein königliches Opfer stellte und sich damit vereinte. Die ihr nun in diesen Dienst hineingenommen seid aus Liebe und Erbarmen Meines heiligsten Herzens, tragt das Merkmal eures Königs, der das Feuer Seines Herzens in eure Adern gesenkt hat, damit durch euch, die ihr die Apostel und Jünger der Endzeit seid, die lauen und kalten Herzen angezündet werden, damit sie brennen in Sehnsucht und Liebe zu Mir. Ich segne euch mit dem Blute Meiner heiligen Herzwunde im Vater und im Heiligen Geist. Diese Worte müssen deinem Seelenführer vorgelegt werden."

 

Mittwoch, den 22. August 1956

Oberpleis, Pfarrkirche. Der Herr spricht in der Sühnestunde: "Es ist Mein Wille, daß du die angebotene große Reise machen mußt mit deiner Schwester Elisabeth und deinem Bruder Josef. Bist du bereit, Meine Seele, zu leiden für die Seelen in der dortigen Gegend? Du wirst lebend den Kreuzweg gehen, vier Tage stehst du in einer Station Golgotha und zwei Tage in einer Station der Eucharistie." – "Du weißt Herr, daß ich keine Lust habe, nach Kurtatsch zu fahren, aber weil du es willst, hat die Reise auch einen Zweck." Der Kreuzweg beginnt heute schon mit der 1. Station, der Verurteilung. Christel, die zweite Frau meines Sohnes Willy, verurteilt mich sehr, weil ich die jetzige Ehe als fortgesetzten Ehebruch bezeichne. Haß stellt sich mir entgegen für die Worte der Wahrheit.

Jesus sagt zu mir in stiller Stunde: "Meine Seele, Ich sagte dir schon einmal, daß Ich zu Meiner Zeit diese Ehe trennen werde. Wahre Liebe sucht nur Wahrheit. Unwahrheit paart sich mit Stolz und Unglauben. Liebe ist auch Leben. Leben ohne Liebe ist Haß. Haß bringt den Tod. Ja, er tötet die Liebe, tötet alles Reine und Schöne. So ist die Verurteilung aus Haß und Lüge geboren. Der Neid aber, der die Wurzel des Hasses und der Lüge ist, sucht Vernichtung und Tod. Tod ist aber auch Leben, hingegeben aus Liebe für die Brüder und Schwestern. Das ist Geschenk höchster Liebe und wird in Vereinigung mit der Gottesliebe ewiges Leben in Gott. Laß in den Tagen der Verurteilung alles Sühne sein für die Ehen, die in Auflehnung gegen Gottes Gebote stehen."

 

Freitag, den 24. August 1956

1. Eucharistische Station: "Jesus verurteilt sich aus Liebe zu uns in der hl. Eucharistie." Er spricht: "Ich bin die Kraft und die Stärke auf dem Weg in den Himmel. Unglaube und Lüge stehen wider dich und verurteilen die Wahrheit. Sie nehmen den Seelen die Lebenskraft. Im Geheimnis der Liebe bin Ich auch der Verurteilte. Bete, Meine Seele, für alle, die sich im Geheimnis der Liebe nicht auskennen, damit die Verblendung von ihnen genommen wird."

 

Sonntag, den 26. August 1956

2. Station: Jesus nimmt das schwere Kreuz auf und verwundet mein Herz. "Willst du Seelen retten, indem du auch dieses Kreuz mit Mir trägst?" – "Weil ich Dich liebe, Herr, will ich es mit Dir tragen."

 

Mittwoch, den 29. August 1956

Bin heute in Köln bei Elisabeth Jarzina, weil ich morgen den Katholikentag mitmachen will. Maria Lichtinghausen und der Pfarrer von Kurtatsch sind auch dort. So lerne ich ihn kennen, dessen Pfarrei ich nächsten Monat besuchen werde. Gestern hatte ich noch große Wäsche. Es regnete. Jesus sagt aber: "Vertraue Mir, deine Wäsche wird trocknen, ehe du fährst." Es wurde wahr. Eine Frau, die an meinem Garten vorüberkam, sagte: "Frau Meyer, trocknet Wäsche im Regen?" – "Das geht schon, wenn man sich gut hält dort oben mit den himmlischen Bewohnern."

 

Donnerstag, den 30. August 1956

3. Station: "Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz." Mit Maria Lichtinghausen gehe ich zum Dom. Wir sind in der Sakramentskapelle. Ich fühle mich heute sehr schwach. Darum bittet Maria um einen Platz für mich. Stimmen werden laut: Wir können auch nicht mehr stehen, wir leiden auch. Da muß man schon Opfer bringen. Ich sage leise zu ihr: "Hättest du doch nichts gesagt." Als ich zusammenbreche, wird man liebevoll und reicht mir einen Becher Wasser und Erfrischungen. Ich wehre dankend ab. Dank für die Liebe, aber mir kann niemand helfen. Ich bete für die, die mich umgeben, die klagen wegen ihrer Not. Nach dem Pontifikalamt treffe ich Schwester Maria, die Oberin in Oberpleis auf der Burg Niederbach war. Auf ihre Fragen sage ich ihr, daß es Gottes Wille sei, sich einem anderen marianischen Orden anzuschließen mit ihrer Schwesternschar. Sie erwidert stolz: "Das tue ich nicht. Wir wollen auf eigenen Füßen stehen." Ich sage: "Das ist aussichtslos. Überall, wo Sie neu anfangen, wird der Bischof der Diözese wieder alles aufheben, so er die Gründe erfährt, warum Sie Oberpleis verlassen mußten." Ich kann nur beten für sie, daß sie zur Einsicht kommt.

Nach der hl. Kommunion sagt Jesus: "Schwäche und Not kamen auch über Mich ob des Kreuzes, das Ich trug. Die Sünde in ihrer ganzen Bosheit, die kein Mitleid kannte, begleitete Mich in den Menschen, die Mich mit Spott und Hohn umgaben. Nur die Liebe sah Meine Not. Ich nahm diese Liebe an und belohnte sie mit der Erkenntnis, daß sie den Messias in Mir sahen. Siehe, Meine Seele, in der Liebe liegt auch das Mitleid, die Seelengröße und Hilfsbereitschaft. Die Liebe geht zwei Wege. Im ersten wird sie erkannt ob ihrer äußeren Form, ihrer Adelsgröße. Der zweite Weg führt zum Aufgelöstsein in das Nichts, aus dem Gott die seraphische Glut hervorbringt, die zur lodernden Flamme wird für die Ehre und das Lob des Allerhöchsten. Diese Liebe ist fähig und berufen, schon hinnieden die Geheimnisse Gottes zu schauen. Sie wird aber von den Kindern dieser Welt in ihrer Liebesglut und Leidenshingabe nicht verstanden und nur zu oft töricht beurteilt. Siehe, so wurde auch Ich nicht verstanden. Messias zu sein, Gesandter Gottes, der in solcher Schwäche und Hilflosigkeit die Erde mit Seinem Blute färbte, das konnte nur die Liebe. Unscheinbar vor der Welt mußt auch du, Meine Seele, sein. So neigt sich zu dir immer mehr die höchste Liebe."

Am Abend will ich heimfahren, da es von Jesus so bestimmt war. Wie bleiern sind meine Glieder, ganz geschwollen. Die Schuhe kann ich nicht mehr anziehen. Ich bete, was ich tun soll. Ich möchte auch heim, weil ich in den Leiden der 3. Station stehe. Dann ist Jesus bei mir und spricht: "Ich prüfe dich im Gehorsam. Du hast jetzt Zeit bis Samstagmorgen. Die Schiffsprozession mußt du noch erleben." – "Herr, die Schiffsprozession ist doch erst am Abend." – "Die verlängerte Zeit muß der Ehegatte bestimmen." Elisabeth ruft meinen Mann an. Er erlaubt, daß ich bis Montag bleiben kann. Dafür will ich auch besonders für ihn beten, daß ihm durch die gnadenreichen Tage hier auch Gnaden geschenkt werden. Alle freuen sich, daß ich länger bleiben darf, aber mir ist es so schwer. Nach dem Abendessen gehe ich ins Zimmer zum Bild der Mutter vom guten Rat und bete. Nach einer Stunde sagt Maria: "Mein Kind, geh zur 3. Station und vollende sie im Leidenszustand."

Ich bin so froh, daß ich allein bin. Mein Geist folgt Jesus. Ich sehe mit Ihm die schweren Sünden, für die er den ersten Fall tat. Eine Macht reißt mich nieder, und ich denke: Für Dich und für alle! Bei dem schweren Sturz habe ich mich am linken Knie und an der linken Hand verletzt. Jesus nennt es ein kleines Liebeszeichen. Er steht auf einmal verklärt vor mir. Ein Lichtkreuz ist vor mir, dessen Licht über mich hinweggeht. Ich blicke diesem Licht nach und schaue dem Pfarrer von Kurtatsch ins Gesicht. Ich frage: "Haben Sie mich gesegnet?" Er bejaht meine Frage. Seltsame Blicke sehe ich auf mich gerichtet, die ungläubig und ablehnend sind. Ich war doch allein. Was bewog ihn, das Schlafzimmer zu betreten? War mein Sturz so laut, daß man daraufhin kam?

Die verstorbene Josefine erscheint mir und sagt: "Du mußt mir helfen, Schwesterlein. Ich werde ganz Kurtatsch auf den Kopf stellen, samt dem Pfarrer. Das Volk dort muß aufgerüttelt werden in meiner Heimat." Dann sitze ich wieder mit den anderen zusammen. Von Pfarrer Innerhofer werde ich in vielen Dingen befragt. Ich merke, daß er der Mystik abwehrend gegenübersteht. "O Herr, das wird nicht gut. Dort soll ich hin, in seine Pfarrei. Ich möchte jetzt schon weglaufen. Ja, ich soll ja sühnen und den doppelten Kreuzweg gehen. Du hast auch Spott und Hohn ertragen auf Deinem Leidensweg."

 

Samstag, den 1. September 1956

3. Eucharistische Station: "Sühne für die Priester, die sich ihrer Berufung unwürdig zeigen, die Verrat an Jesus üben." Es ist Abend. Wir gehen zum Rhein, um der Schiffsprozession beizuwohnen. Das Sakramentsschiff ist noch weit entfernt. Auf einmal sehe ich Jesus schwebend vor mir, schwebend auf dem Wasser. Er segnet und ist ganz in Weiß, ohne Krone. Er spricht: "Ich bin der Erlöser der ganzen Welt. Ich führe die Nationen zusammen, und alle Völker huldigen Mir."

Da wird mitgeteilt, daß gerade der Segen mit dem Allerheiligsten gegeben wurde. Es scheint, als wolle es regnen. Ich bitte den hl. Petrus, daß er helfen möge. Da kommt der Pfarrer zu mir und sagt: "Ich meine, es würde nicht regnen und es regnet doch." Er sagt das so spöttisch. Ich antworte: "Das ist kein Regen, das ist Segen." Der Regen hört auf. Ich weiß, die Heiligen sind so getreu.

 

Sonntag, den 2. September 1956

In der St. Agnes Kirche stehe ich vor dem Hochaltar wie schwebend mit einer Dornenkrone. Ich weiß nicht, wie ich das deuten soll. In meine Gedanken hinein spricht der Herr: "Das ist das Zeichen eurer Zeit – die Dornenkrone. Hochmut und Stolz verfolgen Meine Kirche. Ich trug die Dornenkrone und Meine Verfolgten tragen sie auch. Ich gebe euch Kraft, sie zu tragen durch Mein Fleisch und Mein Blut. In dieser Kraft könnt ihr auch den Kelch der Bitternis trinken. Ihr könnt das Kreuz tragen, das Meine Liebe euch schenkte als ein Stück von Meinem Kreuz. Ja, ihr laßt euch für Mich kreuzigen als Zeichen eurer Liebe und Dankbarkeit. Wer gekreuzigt ist, der ist rein. Meine Kirche ist das Zeichen Gottes, das euch vom Himmel gegeben ist. Bleibt ihr treu, wenn auch die Stirn und das ganze Haupt bluten ob der Dornen, die Wunden schlagen. Opfert dieses Leiden auf für jene Priester, die Mich verlassen haben, die das heilige Siegel befleckt haben. Bittet für sie, daß sie den Irrweg erkennen und den Weg zu Meinem Opferherzen zurückfinden."

 

Mittwoch, den 5. September 1956

Mir geht durch den Sinn, was Josefine sagte: "Ich werde ganz Kurtatsch auf den Kopf stellen, samt dem Pfarrer." Da ist die Muttergottes bei mir und sagt: "Mit der Liebe werdet ihr alles auf den Kopf stellen. Die Liebe vermag ja alles. Da schmilzt jedes Eis. Durch sie wandelt sich Bosheit und Arglist in Güte und Vertrauen. So werdet ihr Rosen auf die Dornenwege streuen."

 

Freitag, den 7. September 1956

4. Eucharistische Station. Maria spricht: "Bereits hundert Jahre rufe ich so eindringlich und innig, wie es nur eine Mutter tut, die ihre Kinder liebt. Gott hat doch alles in meine Hände gelegt, um der Menschheit zu helfen. Kommt zu mir, der Königin des hl. Sakramentes, damit eure Herzen in heiliger Liebe entflammt werden zu Jesus, der eucharistischen Sonne. Ich will euch hinführen zu Ihm, damit ihr gestärkt werdet im Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Öffnet eure Herzen für euren König. Herzensdome sucht Er als Wohnstätte, wo auch ich sein werde mit den Engeln zur Anbetung."

 

Samstag, den 8. September 1956

Stehe in der 5. Kreuzwegstation. Leide in diesen Tagen sehr durch Verachtung, Spott und Hohn. Jesus sagt dazu: "Vergelte alles mit Liebe. Der wahren Liebe kann keiner widerstehen. Sie ist eine Macht, die wandelt und formt. Sie ist ein Magnet, der anzieht und Wunder wirken kann."

 

Mittwoch, den 12. September 1956

Heute fahre ich wieder nach Köln. Ich bin erstaunt, daß Bonifaz Müller auch kommt. Auf einmal gibt er Elisabeth Jarzina 100 Mark und sagt: "Das ist Reisegeld für Maria Magdalena." Ich weiß nicht, was ich denken soll. Josefine hat doch, als Josefine Fritz vor zwei Jahren starb, 24000 Mark von ihr geerbt. Kurtatsch ist Josefines Heimat. Weil sie soviel geerbt hat, wollte sie mir eine Freude machen und mir die Reise bezahlen. Vier Wochen sollten wir in Kurtatsch bleiben. Ich brauchte mich nicht zu sorgen, ich hätte auch die Verpflegung frei, und außerdem hätte sie auch noch ein gewisses Nutzungsrecht. In Köln hatte Josefine 10000 Mark hinterlegt und in Kurtatsch 14000. Sie müßten aber jedes Jahr dorthin fahren, weil der Italiener das Geld nicht herausgibt. Es muß dort im Land ausgegeben werden. So könnte man auch mir Gutes tun. Nun kommt Bonifaz Müller von Münster nach Köln und bringt für mich das Fahrgeld. Da stimmt etwas nicht. Ich möchte wieder heimfahren, aber Gott will ja, daß ich dort sühne.

 

Donnerstag, den 13. September 1956

Abends um 20.30 Uhr treten wir die Fahrt nach Südtirol an. In der Nacht habe ich viel Zeit zum Gebet, während die anderen schlafen.

 

Freitag, den 14. September 1956

Noch immer fahren wir. Als es hell wird, liegt vor uns eine herrliche Landschaft. Ich gehe auf in den Schönheiten der Natur. Die ganze weitere Fahrt gehe ich auf im Lobe Gottes. Gott hat das alles so schön gemacht. In Bozen steigen wir um in die Kleinbahn. Als wir umsteigen, begrüßt uns ein junger Mann, Christian Dipoli. Er kennt Elisabeth Jarzina und holt uns ab. Er studiert, will Priester werden. Um 18 Uhr sind wir in Kurtatsch. Pfarrer Innerhofer ist mit seinem Wagen da. Kurtatsch liegt 380 Meter hoch auf dem Berg. Vom Hausbesitzer werden wir freundlich aufgenommen.

Frau Schweiggl sagt: "Ich habe kein Bett zur Verfügung für Frau Meyer." Ich bekam eine Pritsche, die flach auf dem Boden lag. Darauf lag ein schwerer Sack mit Häcksel. Ein leichtes Federbett hatte ich zum zudecken. Die Pritsche lag an der Verandatür, die nicht dicht war. Es zog heftig. Als ich nach Wasser fragte, sagte man, Leitungswasser hätten nur wenige, hier hätte jeder so seine Quelle.

 

Samstag, den 15. September 1956

Sühne halten soll ich für die Sünden der Trunksucht, des Selbstmordes und die Folgen, bis Mittag. Dann spricht die Schmerzensreiche in der Pfarrkirche von ihrem Gnadenbild: "Ich mache dich frei, mein Kind, für heute, weil ja die ganzen Wochen hier Sühne und Einkehr für dich sind. Morgen nimm an der Feier teil. Dann gehe den Weg, der dir von Gott gewiesen ist."

An einem Berg des Mandelgebirges sehe ich etwas Furchtbares. Der Berg ist gespalten. Wasserfluten kommen von den Bergen, furchtbare Blitze zucken auf. Es scheint, als stünde die Gegend in Flammen. Ich rufe: "Herr, warum zeigst du mir das? Bist Du erzürnt, daß Du solches willst geschehen lassen?" Aus dem Licht der Blitze höre ich: "Es war schon einmal ein solches Geschehen hier. Ein heiliges Land wurde es genannt. Aber immer mehr verschwindet alles Heilige. Mehr und mehr dienen sie dem Fürsten der Welt. Wenn sie nicht umkehren zum Glauben der Väter, werde Ich Meine Hand ausstrecken. Vernichtung wird sein, wo Blüte und Leben ist."

Ich flehe: "O Herr, habe Erbarmen um der Gerechten willen." Ich höre darauf: "Komme morgen zu jenem Ort, von dem du am Nachmittag die Glocken läuten hörst. Schweige darüber. Wenn du zurückkehrst, darfst du sagen, wo du gewesen bist." Dann ging ich auf mein armseliges Lager, das wie eine Krippe wirkt.

 

Sonntag, den 16. September 1956

Ich nehme an der Feier zur Schmerzhaften Mutter in der Pfarrkirche teil. Vor dem Hochamt knie ich am Gnadenaltar. Das Bild wird lebendig. Maria spricht: "Mein Kind, gehe zum Eingang der Kirche. Schaue dir die Bilder an, die Zeugnis geben von dem, was ich hier tat und wirkte. Vergessen ist alles. Nur wenige denken zurück. Ich aber möchte den armen Menschen von neuem alles geben, wenn sie nur möchten." Ich schaue mir alles an und erkenne, welch große Wunder Maria hier wirkte. Dann sagt sie mir: "Im Pfarrhaus liegen kleine Heftchen, in denen all mein Wirken aufgezeichnet ist. Zwei Heftchen müßt ihr davon haben." Ich bitte: "Mutter, ich kann doch nicht ins Pfarrhaus gehen und mit der Tür ins Haus fallen." Sie aber sagt: "Ich werde alle in einer Stunde lenken. Vertraue mir." Sie segnet mich.

Um 13.30 Uhr höre ich die Glocken aus einer anderen Richtung. Ich weiß, daß es mein Zeichen ist. So trete ich meine Wallfahrt an. Ich bitte Maria und meine heiligen Engel, mich zu begleiten. Es ist sehr heiß, 30 Grad. Ich vergehe fast vor Hitze. Der Weg ist weiter als ich dachte. Ganz ermattet und erschöpft komme ich an. Ein altes Kirchlein ist es, aber mit schönen Altären. Lange stehe ich bei der Immaculata, die besonders schön in einem Glasschrein steht. Dann bete ich eine Stunde. Dann schaue ich mir den Ort ein wenig an. Überall dringt Lärm aus den Häusern. Ich denke, es sei wie daheim ein Kirmesrummel. Auf einmal bin ich von Männern umgeben, die mich italienisch ansprechen. Ich gebe zu verstehen, daß ich sie nicht verstehen kann. Sie werden zudringlich, in meiner Not laufe ich in die Kirche zurück. Sie verfolgen mich. Eine Frau in der Kirche redet auf die Männer ein. Sie gehen nun. Ich werde nun gewahr, daß dieser Ort Margreit heißt und daß hier die Sprachgrenze ist. Ich erkenne, daß ich für diese Menschen beten muß. Um 18 Uhr bin ich wieder in Kurtatsch.

 

Montag, den 17. September und Dienstag, den 18. September 1956

5. Eucharistische Station. St. Johannes spricht: "Wachet auf, ihr Völker und Nationen. Der Herr kommt bald. Lasset euch nicht schlafend finden. Bereitet euch vor. Bald fallen die Schleier der Geheimnisse. Dann wird der Herr als König erscheinen im Glanz Seiner Macht und Herrlichkeit. O bringet Ihm, der jetzt noch verborgen unter euch weilt, eure Herzen dar, damit sie in Liebe für Ihn schlagen."

 

Mittwoch, den 19. September und Donnerstag, den 20. September 1956

6. Leidensstation. Jesus spricht: "Halte, Meine Seele, in diesen Tagen Sühne für die Lieblosigkeit, damit Gnade gegeben werde, die selbstlose Liebe zu üben." Am Nachmittag stürze ich auf dem Flur. Hätte Frau Nigg mich nicht aufgefangen, wäre ich die Treppe hinuntergestürzt. Veronikadienst erwies sie mir. Dafür hat Jesus sie und das ganze Haus besonders gesegnet.

 

Freitag, den 21. September 1956

6. Eucharistische Station. In der Nacht sehe ich wiederholt das hl. Antlitz. In der Sühnestunde in der Pfarrkichre sehe ich es vor dem Tabernakel. Ich höre Jesu Stimme: "Bete Mich an, Meine Seele. Lehre auch andere, Mein heiliges Antlitz anzubeten und lieben. Lehre sie, daß sie Mein hl. Antlitz dem himmlischen Vater aufopfern. Meine Liebe verlangt danach, jeder Seele Mein hl. Antlitz aufzuprägen. Die Seele muß für die großen Heimsuchungen, die größer und gewaltiger über die Menschheit kommen werden, ein Merkmal der Gottverbundenheit tragen. Wer dieses Merkmal trägt, über dessen Seele hat die Hölle keine Macht.

Die Kinder der Finsternis werden das Zeichen ihres Fürsten tragen. In ihrem Zeichen steht das Irrlicht, in ihrer Macht die Wunderkraft, die von Gott entfernt und die Seelen blendet. Ihre Liebe trägt den Schafspelz, ihre Güte den Hammer, der sie vernichtet. Ihre Weisheit trägt die Sichel, die für sich erntet. Ihre Strebsamkeit liegt im Bilde des Mondes als des Vergänglichen. Ihre Leuchte ist der Stern als Krone der Verführung und des Untergangs. Die Zacken dieser Sterne werden ihr eigenes Herz zerfleischen ... Ich sagte schon oft, achtet auf die Zeichen der Zeit. Hofft nicht auf außergewöhnliche Wunder, die den Glauben, die Hoffnung und die Liebe täten. Wer die Züge Meines hl. Antlitzes trägt, erlebt die Wunder seiner Seele, der steigt auf in der Liebe Wunderkraft. Die wahre Liebe allein ist der Anker, mit dem eure Herzen mit Gott vereint werden und bleiben. Die Seele in Ihm ruht in ewiger Anschauung."

 

Montag, den 24. September und Dienstag, den 25. September 1956

Montag spricht der Herr: "Heute führe ich dich mit allen Personen zusammen, die für dich eine Bedeutung in den Leiden dieser Station haben." Das waren bis zum Abend Else und Josef, Christian Dipoli, Pfarrer Innerhofer, sein Onkel und seine Tante, Frau Schweiggl, Frau Nigg. Der Pfarrer kommt zu Besuch und bittet uns alle, zum Traubenessen in seinen Weinberg zu kommen. In der Nacht spricht der hl. Engel: "Bereite dich vor für den anderen Tag."

Dienstag bin ich von Schmerzen durchbohrt. Versuche aufzustehen. Es geht nicht. Ich kann nicht zur hl. Messe gehen. Else schließt mich ein und geht zur Kirche. Meine Leiden werden schwerer. Die Glieder verkrampfen sich. In der Not muß ich von meinem Lager gerutscht sein. Es ist elf Uhr, Else ist noch nicht da. Als ich zu mir komme, liege ich mit dem Hals am Tischbein. Es ist gut, daß ich allein bin. Ich bitte um Kraft, daß ich am Nachmittag in der Kirche eine Sühnestunde halten kann. Die Kraft wird mir gegeben von 13 bis 16 Uhr. Als ich heimkomme, bin ich ganz erschöpft. Es kommt ein Schwächezustand über mich, der bis 19.30 Uhr anhält. Ich leide für die Trunksucht und Unmäßigkeit. In meinen Schmerzen tröstet mich St. Antonius und mein lieber Priesterbruder Josef Kurtenbach. Er ist schön wie ein Märtyrer der Liebe. Er segnet alle. Traurig schaut die Schmerzensreiche. Sie läßt mich in die Seelen schauen, mit denen ich gestern zusammen war. Nun weiß ich, warum ich für jene die Leiden der 7. Station trage.

Dann sagt Maria: "Ich bin traurig, mein Kind, daß diejenigen, die dich mitnahmen, so schlecht für dich sorgen. Deine Schwester wird auch von Gott geprüft, aber sie überläßt dir alle Opfer. Vielmehr ist sie von Sensationslust getrieben, über dich Vorteile zu gewinnen. Gib acht! Ich bin bei dir und führe dich. Kommen Besuche, dann entferne dich höflich. Gehe zu deinem Heiland. Er ist der beste Freund." Jetzt sind wir elf Tage hier und nicht einmal habe ich einen warmen Trunk oder eine Schnitte Brot gehabt. Da ich nur am Mittag esse und abends ein wenig, bin ich am Morgen und am Nachmittag nicht dabei.

Ich habe 40 Mark bei mir, da wollte ich mir selbst ein Brot kaufen für den Abend, aber ich kann mit meinem Geld nichts machen, da hier nur mit Lire bezahlt wird. Ich kann auch nicht nach daheim schreiben. Da habe ich doch geweint. Else trifft mich so an und fragt nach dem Grund der Tränen. Josef, der auch dazukommt, sagt: "Du hast Maria Magdalena mitgenommen", da bist du auch verpflichtet, ihr ein kleines Taschengeld zu geben. Da gab sie mir für zehn Mark Lire und sagte: "Du kannst dir Briefmarken kaufen. Ich verbiete dir aber, irgendwohin zu schreiben, außer deinen Angehörigen. Das braucht kein anderer zu wissen, wo du bist."

Darauf sagte ich: "Gib mir bitte die Rückfahrkarte. Ich fahre wieder heim. Ich bin wie ein Bettler hier. Meine 40 Mark reichen nicht für die Rückfahrt." Sie sagte: "Die Fahrkarte bekommst du nicht. Du bleibst solange hier, wie auch wir hier sind." Es gehört alles zu meinem Kreuzweg. Jesus spricht: "Fürchte dich nicht, Meine Seele, ob der Ablehnung dir gegenüber durch Meinen Priester hier am Ort. Er wird doch so geführt, wie es Meinem Willen entspricht. Mein Volk lehnte Mich auch ab, glaubte auch nicht, daß Ich der Gesandte war. So ist es geblieben. Wo Ich Friedensboten hinsende, da tritt man ihnen mit Spott, Unglauben und Abneigung entgegen, mehr von Seiten der Priester als vom Volk. Es fehlt vielen an der Einfalt, die ein Grundstein zur Aufnahme der Geheimnisse Gottes ist. Deine Schwester ist dein Verräter bei ihm und anderen. Wie Judas bei Mir, so will sie aus dem mystischen Geschehen ihre Vorteile ziehen. Zum Kreuzweg gehört auch ein Verräter. Haben sie Mich nicht verstanden, wird auch dich niemand verstehen, außer jenen, denen es gegeben ist."

 

Freitag, den 28. September 1956

Heute nehmen mich Else und Josef mit nach Bozen. Vor der Reise sagt Jesus: "Ein Kreuz in einer Kirche werde ich in Licht hüllen. Dort werde Ich dir etwas sagen." Als wir durch die Stadt gehen, entdecke ich eine Bank, wo man Geld tauschen kann. So äußere ich meinen Wunsch, die 40 Mark in Lire umzutauschen. Else sagt: "Wir haben keine Zeit, zu warten, bis du fertig bist. Gehen wir weiter, dann findest du uns nicht. Du bist fremd hier." Ich schwieg. Sie wollte mich ganz unter ihrem Willen haben. Wir gehen in die Pfarrkirche. Christus sagt: "Es ist nicht dieses Kreuz." So besuchten wir noch drei andere, schöne Kirchen. Die vierte war die Kirche der Eucharistiner. Beim Eintritt weiche ich ein wenig zurück wegen der Lichtfülle, die von diesem Kreuz ausgeht. Ich trete näher, das Kreuz ist ganz lebend. Ich höre Jesu Stimme: "Meine Leidensbraut, gehe hier den hl. Kreuzweg zu den eucharistischen Stationen, du hast die Worte von mir. Nach deinem Tode soll dieses Kloster diese Worte haben."

Dann halte ich Sühneandacht zu den hl. Engeln, besonders zu St. Michael. Der Engel wird heute so wenig gedacht. St. Michael umgibt mich und ruft mich zu seinem Altar. Ebenfalls ruft mich der hl. Julianus Eymard zu seinem Altar. Er schickt mich zum Altar der Muttergottes. Es war doch ein Tag des Segens und der Gnade. Ich betete für Else und für Josef, weil sie doch die Ursache dieser Freude sind.

 

Samstag, den 29. September 1956

Heute habe ich einen Tag der Freude. St. Michael umgibt mich mit seiner Engelschar.

 

Samstag, den 1. Oktober 1956

8. Kreuzwegstation. Bin schwach und voller Schmerzen. Auf dem Heimweg von der Kirche kommt es über mich. Fremde Frauen helfen mir. Ich bleibe bis 11 Uhr in der Kirche, dann gehe ich heim, weil kurz nach elf zu Mittag gegessen wird.

 

Mittwoch, den 3. Oktober 1956

Die hl. Theresia vom Kinde Jesu erscheint mir: "Halte aus im Kreuzweg, wenn es auch noch schwerer wird. Die Engel und wir Heiligen stehen dir bei. Jesus will es, daß du durch deine Schwester leidest. Sie sucht sich selbst und übersieht dich. Über deine Gnadenerweise sucht sie für sich die Liebe anderer zu gewinnen." Ja, es ist schlimmer geworden. An der Quelle, wo ich mir Trinkwasser hole, kam vor Tagen eine Kreuzotter heraus. Da hat mich das Wasser angewidert. Seitdem hole ich mir Weihwasser zum Trinken.

 

Donnerstag, den 4. Oktober 1956

Heute erscheint mir der hl. Vater Franziskus: "Sei gesegnet, meine Schwester. Die Heiligen sind mit dir. So still, wie du gekommen bist, so still wirst du diesen Ort wieder verlassen. Du wirst verborgen bleiben. Die Liebe wird in dir bleiben für diese Menschen hier und verborgen wird sie ihnen immer folgen. In Gott bleibt dein Tun und Handeln für sie. Vertraue weiter auf Jesus, die gekreuzigte Liebe. Er prüft dich nicht über deine Kräfte. Er gibt dich nicht preis den Händen der Neugierigen und Spötter." Wie schön ist es doch, wenn man himmlische Freunde hat.

 

Sonntag, den 7. Oktober und Montag, den 8. Oktober 1956

Sonntagabend kommt ein Verwandter von Schweiggls und händigt Else Geld aus, so etwa 40 Mark nach deutschem Geld. Er sagt: "Das ist für Maria Magdalena, für die Reise nach Padua." Da hat wieder einer gebettelt für mich. Das tut mir weh. Alles muß ich über mich ergehen lassen. Geschäfte macht man mit mir. Montag nach der hl. Messe fahren wir nach Padua und Venedig.

8. Eucharistische Station. Im Dom zu Padua erscheint mir St. Antonius vor seinem Altar, wo seine Gebeine ruhen. Er spricht: "Ich führe dich, Schwester, folge mir." In die Sakramentskapelle kommt eine Schar Frauen und Mütter mit Kindern.

Jesus spricht: "Schaue, Meine Seele, diese Scharen, sie sind so gesegnet, wie Ich einst die Kinder segnete. Kämen sie so doch in allem zu Mir, damit Ich die Kinder segne. Ich warte Tag für Tag und schaue aus nach Kinderseelen. Schmerz erfüllt Mein Herz, wenn Ich sehe, wie man die Kinder an Meinem Haus vorbeiführt, sie hinführt zu den Stätten des Vergnügens, die ihre Seelen langsam vergiften. Wenn sie sich gegen euch erheben, so klage nicht. Was ihr gesät habt, das erntet ihr auch. Die Kinder aber, die ihr Mir schenkt, sie werden eure Freude sein. Sie werden beten und sühnen für die sündige Welt. O schenkt Mir doch eure Kinder und weiht sie Meinem Eucharistischen Herzen."

Wir schlafen im Hotel St. Antonius. Nach einigen Stunden steht St. Antonius vor meinem Lager als einfacher Ordensmann. Seine ganze Erscheinung und sein Gesicht sind so anders als ich ihn bisher schaute. Dann frage ich ihn: "Wer bist du?" Er antwortet: "Antonius, dein Bruder." – "Nein, das kann ich nicht glauben. So kenne ich dich nicht. Segne mich." Er segnet mich und sagt: "Mit dem Priester, den ihr bei euch habt, da habt ihr ein eingefallenes Haus mitgenommen." – "Wenn das wahr ist, dann hilf du mir, daß das Haus wieder aufgerichtet wird." – "Das bedarf noch vieler Opfer und Gebet. Ich werde helfen." Er ist fort. Der Schlaf ist vorbei. Ich bete so lange, bis die Glocken zur hl. Messe rufen.

Der Pfarrer vom Ort, der uns führt und begleitet, hält in der Sakramentskapelle die hl. Messe. Am Schluß höre ich irgendwo deutsche Lieder.

Antonius ist bei mir: "Gehe zu meinem Altar und bleibe dort. Es geht um große Gnaden." Ich tue, wie mir gesagt wurde. Ich freue mich, denn diese hl. Messe hält ein deutscher Prälat. Er spricht sehr schön über das Leben des hl. Antonius. Nach der Messe ist Besichtigung des Domes. Zuletzt wird gesagt, wir sollen hinauf zum Chorplatz gehen, dort sei das einzige wahre Bild des hl. Antonius. Dann stehe ich vor dem Bild. Zuerst kann ich gar nichts sagen, bin wie gebannt. So sah ich noch kein Bild von ihm. So fremd sieht er aus. Ich muß mich erst einmal sammeln und mich darauf einstellen. So wie auf dem Bild sah er aus, als er an meinem Bett stand. Kurz nach zehn Uhr fahren wir nach Venedig.

Jesus spricht im Markusdom: "Gedenke auch dieser Menschen hier. Satan hat seine Fangnetze ausgeworfen, und die Zahl ist groß, die er in seinen Bann gezogen hat. Einmal warst du hier, aber nicht noch einmal. Die Fluten werden diese Stadt überspülen und versinken werden mit ihr Reichtum und Macht."

 

Freitag, den 12. Oktober 1956, Kurtatsch

Sühnestunde bis 9.30 Uhr. Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Meine Seele, halte diesen Tag für die Heiligung des Ortes. In den Kreuzweg füge hinein den Rosenkranz des hl. Blutes. Dann gehe zur Mutter der Schmerzen und erfreue sie in ihrem Rosenkranz." Bei der 7. Station hüllt ein Licht das Bild ein, und ein leuchtender Strahl fährt hernieder wie ein Schwert. Ich bitte: "Jesus, was ist das?" Er antwortet aus diesem Licht: "Du hast Meine Barmherzigkeit angefleht ob der Rückfälle der Unmäßigkeit im Trinken, der Hab- und Gewinnsucht, des Neides, der Hartherzigkeit, von denen hier eine große Zahl beherrscht wird und die in diese Leidenschaften verstrickt sind. Meine Barmherzigkeit will Ich walten lassen, so sie sich der Gnade würdig erweisen, die ihnen erneut die Schmerzensreiche schenken will."

Am Schluß des Kreuzweges stehe ich vor dem Gnadenaltar und bete den Rosenkranz der sieben Schmerzen. Wie schon am 23. September öffnet auch heute die Schmerzensreiche die Augen und sieht mich groß an. Ich bete gerade: "Schmerzensreiche bitte, daß hier Glaube, Hoffnung und Liebe in neuem Glanz sich gestalten." Ganz bestürzt bin ich bei diesem Blick und gelähmt in meinen Gliedern. Dann sage ich: "Muttergottes, schon einmal hast du mich so angeschaut. Was bedeutet das?" Sie antwortet: "Ich schaue aus nach meinen Kindern, die mich verlassen haben. Es betrübt mein Herz."

Dann sehe ich nichts mehr. Der Altar ist fort. Nur Dunkelheit ist um mich. "Mutter, wo bist du? Warum sehe ich dich nicht mehr?" Immer wieder rufe ich. Dann, nach einer Zeit, höre ich aus der Dunkelheit ihre Stimme: "Knie nieder, mein Kind, und schaue, was ich dir zeige. Wenn das Volk hier sich nicht bessert, werde ich diese Gegend verlassen, und so dunkel wird es, wie du es siehst. Das sind die Mahnrufe einer liebenden Muttergottes, die aufruft zur Umkehr, zur Sühne und Liebe untereinander." Dann sehe ich ein großes, blutendes Herz, daß von vielen Schwertern durchbohrt ist. Von Schmerz ergriffen und unter Tränen rufe ich: "Das sind ja mehr als sieben Schwerter. Wie weh tut das deinem Mutterherzen." Sie aber antwortet: "Komme näher, damit ich deinen Rosenkranz besonders weihe. Damit segne dreimal zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit die ganze Kirche. Die Weihe soll übergehen auf die Lauen, die am Rosenkranzgebet die Freude verloren haben. Gib es weiter, mein Kind, damit die Herzen aufgerüttelt werden. Die Dornen wachsen mehr und mehr. Gebet acht, damit ihr nicht in Dornen verstrickt werdet ob eurer Kälte und Gleichgültigkeit. Satan hat in euren Tagen mehr Macht über die Seelen. Wenn ihr aber die Rosen des Gebetes über die Dornen legt, dann weicht seine Macht. Diese Rosen sind nur zu finden im Rosenkranzgebet. Ich, die Rosenkranzkönigin, suche ein großes Gefolge von Betern des hl. Rosenkranzes. O folgt dem Rufe eurer Mutter. Ich bringe euch dafür die Liebe, den Frieden und die Ruhe in Gott."

 

Dienstag, den 16. Oktober 1956

Schwere Leiden bei der 9. Station als Sühne für die verirrten und abgefallenen Priester. Der Fall ist schwer. Rückwärts stürze ich und schlage mit dem Hinterkopf unten auf die Kante vom Kleiderschrank auf. Wie tot bleibe ich lange liegen. Zwei Tage habe ich danach im Bett liegen müssen. In diesen Tagen leide ich mit Jesus die 9. Station für die unwürdigen Kommunionen. Leide für die Gleichgültigkeit und den Unglauben, die dem Heiland im Sakrament der Liebe zugefügt werden.

 

Freitag, den 19. Oktober und Samstag, den 20. Oktober 1956

Leiden der 10. Station. Ich bin in großer Not bei den letzten Stationen. Ich möchte fort, möchte heim, um still und verborgen zu leiden. Ich habe erfahren, daß verschiedene Personen eingeladen sind in den Tagen, da ich in den Leiden der letzten Stationen stehe. Man dürfte auch nicht eher abreisen, bis ich den Leidensweg hier bis zum Ende gegangen bin. Still kommt Jesus in der Nacht und spricht: "Ich kenne deine Not. Du willst hier nicht zum Schauspiel der Neugierde werden. Ich weiß doch alles, auch, daß deine Schwester das Schweigen brach, das dir zum großen Leid wurde. Von dieser Stunde an werden die Stationen in dem Leidensweg der Muttergottes verändert. Verborgen bleiben diese Stationen der Leiden. Es war von Anfang an eine große Prüfung für dich."

Ich erhalte Nachricht von einem schweren Unglück. Ein junger Mann von 23 Jahren aus Kurtatsch verunglückte im Nachbarort mit seinem Motorrad. Das Gehirn lag auf der Straße. Das linke Bein war ganz zersplittert. Als ich das hörte, kam ein großes Mitleid über mich für ihn und seine Angehörigen. Ich betete für ihn und erbat vom lieben Heiland diese Seele, die er mir schenkte.

 

Montag, den 22. Oktober 1956

Jesus spricht in der 10. Eucharistischen Station zu allen von den Leiden, die Ihn umgeben: "Dome und Kirchen sind Mein, wunderbare Altäre und Goldgefäße. Die Liebe schenkt Mir alles, und doch bin Ich von allem so entäußert. Die Zahl der wahrhaft Liebenden, die ein Herz mit Mir sind, sie ist noch klein. Sie erfreuen Mein Herz und Ich senke die Liebesglut in ihre Herzen, die zur lodernden, verzehrenden Flamme für mich werden. Warum aber bleibt die große Schar so fern von Mir, warum trifft Mich die Kälte ihrer Herzen? Ach, sie suchen die Stille des Tabernakels nicht. Lärm und Geschrei der Welt übertönen Mein Rufen und Flehen. Kommt zu Mir, die ihr beladen und mühselig seid.

Der anderen lauten Stimme aber folgen sie. Lasset uns das Leben genießen, denn nur einmal lebt der Mensch. Wie töricht sind sie. Nicht einmal lebt der Mensch, sondern ewig soll er leben und wird er leben, wenn sein Leben hier in Gott verankert war. Verankert aber wird er sein im Sakrament der Liebe. Bei Mir ist die wahre Sonne und Freude die ewig währt. Ich bin ja die Wonne reiner Seelen."

 

Dienstag, den 23. Oktober 1956

Sühnestunde in der Pfarrkirche von Kurtatsch von sieben bis elf Uhr. Die hl. Messe heute halte ich zum Dank an alle Engel und Heiligen für die Gnaden, Freuden und Leiden, die mir hier geschenkt wurden. Mit den Engeln und Heiligen bin ich ganz in Anbetung versunken, besonders nach der hl. Kommunion. Ein Herz mit Jesus zu sein, im Verein mit der himmlischen Heerschar – o welche Himmelswonnen kostet da meine Seele. Der Himmelskönigin gebe ich ihren göttlichen Sohn zur Anbetung. Ganz schön schwebt sie auf Wolken. Ich breche in Tränen aus und rufe: "Himmelsmutter, wie schön bist du! O was sehe ich, du bist ja gekleidet, wie ich dich gekleidet habe auf meinem Altärchen daheim. Was bedeutet das?"

Sie antwortet: "Das bedeutet, mein Kind, daß ich dich damit erfreuen will. Ich freute mich ja auch so sehr, daß du mich mit so viel Liebe in der Statue geschmückt hast. Ja, ich bin der Meeresstern und die Braut des Heiligen Geistes. Alle meine Kinder, die mich lieben, sind Sterne, die leuchten in dunkler Zeit. Den Glanz schenke ich ihnen durch die höchste Liebe, durch Jesus, das himmlische Manna."

Sie entschwebt segnend und ich folge ihr. Sie trägt ein wallendes weites Gewand, einen blauen Schleier mit goldenen Sternen, eine wunderbare Myrthenkrone, um die ein Goldreif gelegt ist. Über dem Goldreif liegt ein Diadem mit einem leuchtenden Stern. So habe ich sie im Kleinen ähnlich geschmückt, aber mein Liebeszeichen ist nichts im Vergleich zu dem, was ich schaute. Nur eines möchte ich allen sagen, die dieses einmal lesen: Ehret und schmückt die Bildnisse Gottes, Mariens und der Heiligen. Die Freude fällt in euer Herz zurück! Das Jesuskind steht vor mir auf lichter Wolke, im weißen Kleid, die Hände zum Segen ausgestreckt. An Händen und Füßen sehe ich die Wundmale. Die Herzenswunde leuchtet wie ein Rubin durch das weiße Gewand.

Er spricht: "Du schautest Mich an, Meine Seele, ob der Zeichen, die ich trage. Ich bin das Kind in der Hostie klein. Dort bin ich auch als Mensch zugegen, wie du weißt. Weil Ich dieses Zeichen von denen empfing, die Ich liebte, trage Ich sie auch im Sakrament der Liebe. Wer Mich kindlich rein liebt, dem bin Ich auch das Kind, das seine Ruhestätte aufschlägt in den Herzen, die Mir aus Liebe geschenkt werden. Bete nun besonders für diese Kinder hier, damit der Fluch von ihnen genommen werde, den Generationen mit ihren Flüchen und Verwünschungen auf sie herabgerufen haben.

Diese Flüche haben sich zu gewaltigen Bergen gebildet, die gewaltiger und wuchtiger sind als diese Berge hier, die durch Meiner Hände Allmacht hervorgerufen sind. Sie verkünden das Werk und die Größe Gottes, die anderen aber das Werk Satans. Wenn sie weiter ihre Zunge mißbrauchen und Gott entehren in dieser furchtbaren Art, wird der Fürst dieser Welt ihre Seelen verfinstern und hinabziehen an die Stätte des Fluches und der Verwünschungen, die ewige Qual heißt."

Ich bete und bitte um Gnade. Für die Kinder bete ich den Kind-Jesu-Rosenkranz. Segnend entschwebt das Jesuskind. Ich bete weiter zur Muttergottes: "Der dich in den Himmel aufgenommen und gekrönt hat." Ich schaue hinein in das Grab der Muttergottes. Schön liegt sie in Leichentücher gehüllt. Engel schweben hernieder und nehmen die Leichentücher fort. Wunderbare Rosen sind an dieser Stelle. Als Maria ganz befreit ist, sehe ich sie in einem wunderbaren Gewand liegen. Ein Leuchten umgibt sie, der Heilige Geist, der Seine Braut zum Leben erweckt. Sie erhebt sich, und die Engel führen sie durch die Lüfte hinauf in den Himmel, wo Jesus sie empfängt und sie krönt zur Königin des Himmels und der Erde.

Aus diesem Jubel und der Freude werde ich herausgenommen in die streitende Kirche. Maria nimmt vom Opferblut des Altares und träufelt es über die Verirrten. Ich bete: "Der durch Sein heiliges Blut die Irrgläubigen zur wahren Kirche zurückführen wolle." Dann bete ich für die Sterbenden und gedenke besonders des Verunglückten, der am Samstag mit dem Motorrad stürzte. Dann bin ich wieder ganz in Anbetung versunken mit den Chören der Engel. Jesus segnet mich und sagt: "Nun bete den Rosenkranz."

Der Pfarrer erschreckt mich durch seine spöttische Einladung zum Kaffeetrinken. Ich rufe: "Jesus, was war das?" Jesus spricht vom Tabernakel aus: "Ich bin erzürnt ob dieser spöttischen Einladung. Mein Haus ist ein Haus des Gebetes und keine Stätte solcher Einladungen. Aber siehe, du gehst Meinen Weg in der 10. Eucharistischen Station, wo Ich allem entäußert bin. So mußt du auch dieses über dich ergehen lassen. Spott und Hohn tragen mich auf Golgotha, gerade von Seiten der Priester. Dort wollte man, weil man Meine Schwäche sah, Mich herausfordern, ein Zeichen Meiner Gottheit zu geben. Der Glaube sieht schon die Zeichen, aber der Stolz sieht sie nie und will sie auch nicht sehen. So wird es immer sein bei den wahren Kreuzesträgern und Opferseelen, in denen Ich lebe, liebe und leide, daß sie verkannt werden. Bist du bereit, Meine Seele, für diesen Priester als Sühne den Eucharistischen Kreuzweg zu gehen?"

"Ja, Herr, schenke ihm die Gnade und das Licht, damit er heilig wird." Jesus sagt weiter: "Bete auch die anderen Stationen für den Verunglückten." Ich tue, wie mir gesagt. Bei der 13. Station werde ich durch einen lauten Schrei gestört. Ich blicke hin und sehe vor dem Gnadenaltar der Schmerzensreichen eine Frau knien, die eine Kerze in der Hand hält. Zum Altar hingewendet sage ich: "Jesus, das wird doch nicht die Mutter des Verunglückten sein?" Ich bete den Kreuzweg zu Ende und gehe auf die Frau zu: "Sind Sie die Mutter des Verunglückten?" Sie starrt mich an und sagt: "Ja, die bin ich. O wenn Sie Kinder hätten, dann könnten Sie mich verstehen. Ich habe erst einen Achtzehnjährigen hergeben müssen, dann ein 12-jähriges Mädchen, meine einzige Tochter, und nun liegt dieser auf dem Tod da." Ich sage: "Wenn eine Mutter Sie versteht, dann werde ich es sein. Ich hatte 15 Kinder und gab acht wieder her. Kinder sind nur Leihgut und Eigentum Gottes. Wenn Er sie nimmt, dann weiß Er, warum. Sie müssen auch diesen Sohn jetzt Gott opfern. Tun Sie es, wie ich es alle Tage tue: Alles, Herr, was Du mir gegeben hast, gebe ich Dir wieder. Gibst Du es mir heute wieder, sei gelobt und gepriesen, denn Du machst alles gut und machst mich frei für Dich. Ihr Opfer, liebe Frau, schenkt Gott wunderbar zurück, auch Ihr Kind, denn bei Ihm ist nichts unmöglich. Ich darf das Ihnen wohl sagen, da ich gerade diesen Kreuzweg für Ihren Sohn bete. Ich sehe es als eine Gnade an, daß der Herr mir bei der 13. Station die Mutter des Sohnes schickt. Zum Abschluß wollte ich jetzt noch den Rosenkranz der sieben Schmerzen beten. Wollen wir ihn nicht zusammen beten?"

Sie schaut mich groß an: "Ja, aber Sie und 15 Kinder und 8 hergegeben, da muß ich still sein." Wir beten und die Schmerzensreiche blickt liebevoll auf die Mutter. Dann verabschiede ich mich. Nach Jesu Willen gehe ich am Nachmittag mit einem jungen Mann zum Vinzenzkloster hinauf zu dem Verletzten. Er liegt im Sterben. Der Priester tritt an sein Bett und sagt: "Ludwig, ich bin wieder hier. Hörst du mich? Ich habe auch Besuch mitgebracht." Der Priester zeigt mir zwei große Knochenteile, die sie in die Schädeldecke nicht mehr einfügen konnten. Dann spricht er noch einmal den Kranken an: "Ludwig, ich gebe dir jetzt den großen Segen." Doch Ludwig hört ihn nicht. Dann gehe ich an das Bett, in der Linken die Reliquie des hl. Julianus Eymard. Die lege ich dem Kranken auf die Brust und die Rechte darüber: "Ludwig, Jesus ist hier bei dir mit seinen Heiligen. Jesus hat dich erwählt als Leidensopfer. Große Gnade ist es, erwählt zu sein zum Leidensopfer. Er hat dich lieb, darum darfst du leiden." Dann bete ich: "Herr, tue hier, was Dein Herz bestimmt über diesen Heiligen." Bei meinen Worten richtet sich der Kranke auf und sagt etwas, was ich nicht verstehe. Der Priester schaut mich groß an und sagt: "Was ist das?" Ich sage: "Hochwürden, ich erlebe oft etwas mit Kranken und Sterbenden." Bald darauf geht der Priester fort. Ich bleibe noch anderthalb Stunden bei dem Kranken und bete.

Die Muttergottes sagt: "Es ist das erste Opfer für diesen Ort." Wie sie das meint, weiß ich nicht. Als die Schwestern den Kranken für die Nacht fertig machen, gehe ich in die Kapelle und bete bis 19 Uhr.

 

Mittwoch, den 24. Oktober 1956

Es ist 14 Uhr und die Schwester Oberin besucht uns. Sie sagt: "Ich will die Frau Meyer holen. Seit sie gestern bei dem Kranken war, ist er wieder bei sich, ist munter, spricht, ißt und trinkt. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel, da er doch ein Stück von seinem Gehirn verloren hat. Wenn es so bleibt, dann müssen sie ihn nach Bozen bringen, damit das Bein behandelt wird."

Als ich in der Kapelle bete, sagt Jesus: "Ihm wird viel Gnade gegeben. Der Geist lebt doch, und Ich kann alles. Verstehst du nun, warum du in dieser Woche keiner Einladung folgen kannst? Ich habe dir diese Seele geschenkt, daß du ihr beistehst und große Gnaden erflehst." So wird die ganze Woche ausgefüllt bei dem Kranken. Es sind meine schönsten Stunden hier. Beide Augen des Kranken sind verletzt, sodaß er mich nicht sehen kann. Oft tasten seine Hände nach meinen, dann hält er sie fest und schläft darüber ein. Ich segne ihn, wenn ich komme und wenn ich gehe. Er spricht mit mir und singt mir ein Lied vor. Wenn die Verwandten kommen, erkennt er sie alle an der Stimme. Die Ärzte sind in Sorge, ob er wieder sehen wird. Der Kranke sagt: "Ich merke schon, ob es hell oder dunkel ist."

 

Freitag, den 26. Oktober 1956

Ich gehe die 11. und 12. Station. Weil diese Leiden sich beim Kreuz vollziehen, bete ich: "Lieber Heiland, laß nur den Pfarrer nicht in die Kirche kommen." Jesus sagt: "Das Kreuz sieht anders aus, an dem er dich findet."

 

Samstag, den 27. Oktober 1956

Gehe den marianischen Kreuzweg in der 13. und 14. Station. Dann bin ich am Hochaltar und danke für die Leiden und Freuden hier. Jesus erscheint in weißem Gewand und goldener Krone. Er spricht: "Sei gesegnet und mit dir alle, die du in diesen Tag eingeschlossen hast. Dein Werk, das für hier bestimmt war, ist beendet. Nun darfst du dich freuen." – "Tausend Dank, lieber Jesus. Verzeihe mir, wenn ich mal ungehalten und betrübt über gewisse Dinge war, die schwer auf mir lasteten. Es ist mir auch jetzt so schwer, Herr, laß mich doch unbeachtet meinen weiteren Weg gehen." Der Herr: "Eine Einladung tritt an dich heran, der mußt du Folge leisten. Sie ist zu deiner Demütigung, aber zu Meiner Verherrlichung. Sprich nur gemessen. Ich bin mit dir."

Als ich die Kirche verlasse, kommt die Einladung durch Elisabeth. Ich soll zur Aussprache zum Pfarrer kommen. Ich gehe nicht gern, aber Jesus will es. Es ist ein ähnliches Gespräch wie einst in Köln. Zum Schluß gebe ich ihm etwas Schriftliches, was seine Person und die Kirche angeht. Der andere Tag, das Fest Christkönig, ist nur Freude und Liebe in Christus, meinem Gott und König. Ich höre, daß mein Kranker nach Bozen gebracht wurde, damit das Bein in Gips gelegt wird.

 

Montag, den 29. Oktober 1956

Wir fahren heim. Am 30. gehe ich in Bonn in die Münsterkirche. Dort nehme ich an drei hl. Messen teil, um Gott zu danken, daß ich wieder in der Heimat bin.

 

Sonntag, den 25. November 1956

1. Advent. Nach dem Hochamt in der Pfarrkirche spricht Maria: "Mein Kind, der Wille Gottes ist es, daß du mehr und noch mehr ein Leben der Verborgenheit führst. Meide die große Masse. Keiner Einladung darfst du folgen, die nicht Jesus über mich bestimmt. Der Herr ist betrübt über Seelen, die sich Opferseelen nennen, aber die Tugend des Schweigens nicht üben. Gib acht, wer zu dir kommt. Es sind zwei Parteien. Es kommt wahre, opferbereite Liebe zu dir, die dir zur Seite steht. Es kommen aber auch Neuigkeitswisser, die nur ihr eigenes Ich sehen, die ihr Kreuz auf dich abwälzen wollen. In Gott wirst du sie erkennen. Mit der Liebe wirst du dich inniger vereinen. Den anderen gegenüber sei zurückhaltender. Bete für sie, daß sie die wahre Liebe erfassen."

 

Sonntag, den 2. Dezember 1956

2. Advent. Maria erscheint als Unbefleckt Empfangene in Ittenbach am Gnadenbild. Sie spricht: "Ich führe dich in dieser Zeit mit St. Johannes. Nur Stille und hl. Ruhe sollen dich umgeben. In den Advent meines Lebens sollst du hineinwachsen, damit, wenn der Herr dich abruft aus dieser Welt, du ganz das Opfer der Hingabe, Sehnsucht und Liebe bist. Bete in dieser Zeit den Advents-Rosenkranz, wie ich ihn lehre. Betrachte in der ersten Woche mit mir die Freude, die mich vor Sehnsucht nach dem Erlöser verzehrte.

In der zweiten Woche betrachte die Freude meiner Auserwählung, die Mutter Gottes zu werden. In der dritten Woche betrachte mit mir die Freude, die mich treibt zu meiner Base Elisabeth, um sie als erste teilnehmen zu lassen an den Freuden meiner Mutterschaft. In der vierten Woche sei ganz in Freude mit mir in dem Geheimnis meiner Erwartung. Eine große Sehnsucht wird über dich kommen. Du möchtest sterben, um mit Gott vereint zu sein. Bete für die Bewohner der Erde, daß ihre Herzen erfüllt werden von heiliger Sehnsucht. Wer liebt, ist auch von Sehnsucht durchdrungen. Sie ist die große, heilige Schwester der Liebe.

Siehe, so war mein Herz auch aufgelöst vor Sehnsucht, als ich dem Herrn diente im Tempel. Nach den Weissagungen der Propheten wußte ich, daß die Fülle der Zeit gekommen war. Tag und Nacht war mein Herz in heiliger Sehnsucht bei Ihm, der herniedersteigen wollte ins Tal der Tränen, der Mensch werden wollte, um uns zu erlösen. Ja, man fragte und sprach, wer die Jungfrau wohl sei, die Gott tragen durfte. Ich betete, daß der Herr diese Jungfrau besonders heiligen möge. Groß fand ich die Gnade, in dieser Zeit zu leben, da Gott uns erlöste und als Mensch verborgen unter uns leben wollte. Die Welt mußte ja wieder zum Paradies werden. Siehe, mein Kind, so kehrt jedes Jahr ein Advent mit seiner Sehnsucht nach dem göttlichen Kind wieder."

Der von der heiligsten Jungfrau gelehrte Adventsrosenkranz lautet: Glaube, Hoffnung, Liebe: O Maria, Unbefleckt Empfangene, vermehre unseren Glauben, stärke unsere Hoffnung, entzünde unsere Liebe.

1. Gesätz: O Maria, Unbefleckt Empfangene, den du mit Freuden ersehnt hast.
2. Gesätz: O Maria, Unbefleckt Empfangene, den du mit Freuden vom Heiligen Geist empfangen hast.
3. Gesätz: O Maria, Unbefleckt Empfangene, den du mit Freuden zu Elisabeth getragen hast.
4. Gesätz: O Maria, Unbefleckt Empfangene, den du mit Freuden erwartet hast.
5. Gesätz: O Maria, Unbefleckt Empfangene, hilf, daß unsere Herzen mit heiliger Sehnsucht auf Christi Wiederkunft erfüllt werden.

Nach jedem Gesätz wird gebetet: O komm, o komm, Emmanuel, nach dir sehnt sich dein Israel. In Sünde und Elend weinen wir und flehn und flehn hinauf zu Dir. Freu dich, Freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Emmanuel.

 

Donnerstag, den 3. Januar 1957

Von Mitternacht bis fünf Uhr morgens schaue ich Schreckliches. Es sieht aus, als wären alle Sterne ganz nahe. Sie sehen groß und weiß aus. Ein Donnern und ein Rauschen von Allgewalt durchdringt den Weltenraum. Menschen heben flehend die Hände. Sie schreien und versinken in Nacht und Finsternis, die unheimlich wirkt. Dann sehe ich in dieser großen Dunkelheit eine große, silberne Taube mit ausgespannten Flügeln. Sie steht über einer silbernen Mondsichel, deren beide Spitzen aufwärts ragen. Eine Stimme höre ich: "Siehe das Zeichen der Vergänglichkeit. Erfüllt ist bald, was der Gesalbte des Herrn und der Propheten Mund verkündete. Zu Ende geht das Zeitalter des Heiligen Geistes. Das Ende wird Feuer und Schwefel sein, begleitet vom Tosen und Rauschen der Elemente, mit dem Untergang der Gottlosigkeit. Neu wird die Erde gestaltet. Ihr Leben ist die reine Liebe, das Geschenk vom Geiste Gottes für die Gott Liebenden, die durch ihre Engel aus deren Trübsal geführt werden. Noch sind euch Tage des Heils gegeben. O haltet sie zum Lobpreis Gottes und zu eurem Heil. Die Nacht kommt bald und schnell. Tut Gutes, betet und sühnt."

 

Montag, den 22. März 1957

2. Ostertag. Über die Osterkerzen kommt von der Decke ein breiter, leuchtender, weißer Strahl. Das ist so schön, daß ich sage: "Jesus, Du Auferstandener, Herr über Leben und Tod, Du bist da, Du ewiges Licht. Könnten sie es doch sehen, die Ungläubigen und Irrgläubigen. Sie würden wieder glauben."

 

Donnerstag, den 25. April 1957

In der Nacht hatte ich ein eigenartiges Erlebnis. Ich bin in einem großen Raum unter vielen Priestern. Auch unser Pfarrer Wichert ist darunter. Er ist sehr bewegt und erstaunt, was die anderen von mir wollen und was sie mir anvertrauen. Er sagt: "Ich kenne Sie schon lange Jahre, und doch kenne ich Sie nicht." Ich antworte: "Man kennt Jesus und kennt Ihn doch nicht." Mit diesen Worten gehe ich fort. Draußen vertritt mir ein Priester den Weg, es ist mein Seelenführer, Pater Josef Dohmen. Er fragt: "Wo willst du hin?" Ich bin erstaunt, ihn hier zu sehen und sage: "Sie können mich nicht begleiten. Allein gehe ich meinen Weg." Er sagt: "Auch dann nehme ich dich bei der Hand und führe dich."

Wir gehen ein Stück des Weges. Dann stehen wir am Ende einer Straße, die dreiteilig ist. Die beiden seitlichen Straßen sind sehr schön. Die mittlere Straße aber ist angehäuft mit gewaltigen Steinen, Schmutz, Schlamm. Weit in der Ferne ist ein großer Dom, der mit seinem Turm, der zwiebelartig ist, bis in die Wolken ragt. Eingehüllt ist der Dom in ein wunderbares Licht. Ich weise mit dem Finger dorthin und sage: "Dahin muß ich! Heim will ich zum Vater. Bruder, siehst du Jerusalem leuchten? Komm, laß uns dorthin gehen, wo Friede und Freude ist." Pater Dohmen: "Wie willst du durchkommen bis dahin? Du versinkst in Schmutz und Unrat. Die Steine werden dich erdrücken und blutend bleibst du liegen auf halbem Weg. Komm, wir gehen eine der Nebenstraßen. Sie führen uns dorthin."

Da nahm ich in bei der Hand und sage: "Bruder, mein Bruder, nicht diese Straße gehen. Sie ist eine Täuschung. Es sieht aus, als hätte sie das gleiche Ziel. Wir können von hier aus nicht sehen, was am Ende ist. Schaue doch, Bruder, das Licht wird immer schöner. Es führt uns und seine Macht hält uns. Sie gibt uns Flügel. So werden wir uns hinschwingen dorthin, wo alle Sehnsucht gestillt wird. Komm, oh komm doch, der Vater wartet auf Seine Kinder. Heimgehen wollen wir zum Vater. Vater, wir kommen, wir, Deine Kinder, beide Hand in Hand. Wir kommen Deinem Licht entgegen." Ich komme zur mir und eine verzehrende Sehnsucht bleibt zurück.

 

Mittwoch, den 8. Mai 1957

Mein Leidenszustand wird größer. Ich kann nicht zur Kirche. Mit meinen Besuchern aus Niederpleis halte ich die Maiandacht. Auf einmal wird das Bild der Mutter mit dem geneigten Haupt leuchtend und lebend. Ich höre: "Ich segne dich, mein Kind, und alle deine Kinder. Unterwerfe dich der Anordnung der Ärzte. Jesus will es. Es ist ja für die Priester, für ihre Reinheit und Heiligkeit." Dann reicht Maria mir einen großen Leidenskelch und sagt: "Bist du bereit, ihn zu trinken?" – "Ja, Mutter, in und durch Jesus kann ich alles." – "So höre: Gehe morgen zur hl. Messe. Verlasse nach dem Segen des Bischofs die Kirche. Gehe mit meinem Segen zum Arzt. Tritt so den neuen Leidensweg an."

 

Donnerstag, den 9. Mai 1957

Bin morgens um 6.30 Uhr in der hl. Messe. Um 9 Uhr kommt der Bischof zur Firmung. Es ist Weihbischof Cleven, der mich vor Jahren prüfte. Er wollte damals ein Zeichen von oben, aber es wurde keines gegeben. Nachdem er für die Firmung gekleidet ist, sehe ich aus dem Deckengewölbe kommend einen leuchtenden, breiten Strahl, der sich auf sein Haupt senkt. Darin ist eine Taube. Also ist er bei der hl. Handlung ganz vom Heiligen Geist erfüllt. Vorher erteilte er den Segen. Als die Mädchen gefirmt werden, verlasse ich die Kirche und gehe zum Arzt. Es ist eine schmerzhafte Untersuchung. Ich muß zum Frauenarzt nach Siegburg. Man wird nicht klug aus dem Krankenbild.

 

Freitag, den 10. Mai 1957

Bin in Siegburg und halte erst die Sühnestunde, bevor ich zum Arzt gehe. Er stellt eine Verlagerung der unteren Organe fest. Der Arzt sagt: "Ich verstehe nicht, wie das so zerrissen sein kann." Um 14 Uhr bin ich bei Anna Schmitt. Ich habe furchtbare Schmerzen und Erbrechen. In diesem elenden Zustand tritt der Teufel als das unreine Tier an mich heran. Er sagt: "Kein Arzt wird aus dir noch klug. Du leidest ja für die Priester. Ich aber habe die Gewalt über dich bekommen, dich zu quälen, bis du mutlos wirst." Ich zeige zum Kreuz und sage: "Du hättest keine Gewalt über mich, wenn sie dir der Gekreuzigte nicht gäbe. Er aber, dessen Leiden ich tragen darf, Er wird mir auch Seine Kraft dazu geben. Auch die Muttergottes steht bei meinem Kreuz in der Verlassenheit. Sie verläßt mich nicht." Er weicht bei diesen Worten.

 

Samstag, den 11. Mai 1957

Ich bitte um Kraft. Um 7 Uhr kann ich aufstehen und gehe um 8 Uhr in die hl. Messe. Ich fühle mich schwach und schwindelig. Die Muttergottes sagt: "Mein Kind, die Ärzte können aus dir nicht klug werden, weil dein Leib ein Opferleib ist. Bereite dich vor auf das größere Leidensopfer, das Jesus von dir fordert. Ich segne besonders deinen Seelenführer."

 

Freitag, den 17. Mai 1957

Ich erhalte Bescheid, daß ich am 20. Mai ins Siegburger Krankenhaus zur Operation muß. In den acht Tagen konnte ich schon viele Schmerzen für die Priester opfern.

 

Montag, den 20. Mai 1957

Meine Aufnahme im Krankenhaus war sehr liebevoll. Ich bin überrascht, Schwester Hubertine, ein Mädchen aus unserem Dorf, hier zu finden. Sie pflegt mich auch.

 

Mittwoch, den 22. Mai 1957

Um 7.30 Uhr werde ich operiert. Bis 19 Uhr liege ich in der Narkose. Sie waren schon besorgt, weil ich nicht aufwachte. Die Schwester sagt: "Gott sei Dank, daß Sie noch leben. Wir machten uns schon Sorgen, weil sie nicht aufwachten." Ich sage: "Wo ich war, war es schöner als hier." Ich konnte aber nicht sagen, wo ich war. Der Operationstag ist ein Opfertag für die gemarterten und schwer versuchten Priester, auch für eine 83-jährige Frau, die überspannt weltlich veranlagt ist und von Gott nichts wissen will.

 

Freitag, den 24. Mai 1957

Maria ist bei mir und sagt: "Du wirst die sieben Worte am Kreuz erleben." Ich: "Dann bitte für diese Seele, sie wußte auch nicht, was sie tat." Nach der hl. Messe zieht Jesus in mein Herz ein, in süßer Vereinigung. Nun sind alle Schmerzen lauter Freuden. Heute kommen zwei neue Patientinnen.

 

Montag, den 26. Mai 1957

Meine Sehnsucht nach Gott ist heute wieder sehr groß. Sehe wieder den schönen Dom in weiter Ferne, auch die schönen Nebenstraßen. Sie enden aber in einem großen Wasserfall. Die mittlere Straße, die mit Unrat, Steinen, Schlamm und Dornen bedeckt ist, zeigt am Ende eine Brücke, die sehr groß ist. So kann man auf dieser Straße allein zum Dom gelangen. Mitten auf der Brücke steht ein großes Kreuz. Der Heiland neigt Sein blutiges Haupt zu denen, die an diesem Kreuz Seine Füße küssen. In der Nacht darf ich die mystische Geißelung erleiden.

 

Donnerstag, den 30. Mai 1957

Christi Himmelfahrt. Von vier Uhr früh bis sechs Uhr bin ich im Gebet. Ich weine vor Sehnsucht und Liebe zu meinem Jesus. Meine Blicke gehen zum Kreuz. Ich wende mich zum Bild der Muttergottes. Maria spricht: "Mein Kind, wenn ein Licht das Kreuz umgibt, kehrt Jesus bei dir ein. Du hast doch immer die Teilnahme am hl. Opfer. Freude wird dir heute noch zuteil. Die Sehnsucht wird größer in dir, bis sie dich verzehrt in Liebe."

Unsere Tür wird leise geöffnet. Aus dem Radio erklingen Gebete und Gesänge. Meine Seele jubelt vor Freude. Sie jubelt noch mehr, als zur hl. Kommunion ein großes Licht das Kreuz umgibt. Wie Sonnenstrahlen geht es von diesem Licht aus, und sie senken sich in mein Herz. "Heiligster Herr Jesus, Du bist bei mir. Ich fühle Deine Gegenwart. Ich danke Dir, Vielgeliebter, Du meine Wonne, mein Entzücken." So ganz im Dankesjubel steht wieder der schöne Dom vor mir. Über dem Dom zeigt sich ein anderes, schönes Licht. Im dem Licht ist der Himmlische Vater wie eine Schleiergestalt. Groß ist Er und weit ausgebreitet sind seine Hände. An dem Kreuz auf der Brücke steht zur Rechten die Muttergottes. Sie trägt ein weißes Gewand und einen langen weißen, wallenden Schleier. In ihrer rechten Hand hält sie ein weißes Tuch. Alle, die Jesu die Füße geküßt haben, gehen zu ihr. Sie nimmt mit dem Tuch Blut aus den Wunden Jesu. Dem einen legt sie das blutgetränkte Tuch auf die Stirn, dem anderen aufs Herz, wieder anderen auf die Hände oder Füße. Damit bricht die Schauung ab. Ich weine vor Sehnsucht und bete heute für die Sterbenden, besonders für die Priester.

 

Freitag, den 31. Mai 1957

Jesus kommt in aller Frühe in schönem Licht wieder, da noch alle schlafen. Frau Esser hat mir (nach der Operation) die ganzen Tage große Sorgen gemacht. Sie hat hohes Fieber, aber keine Schmerzen. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel, woher das Fieber kommt. Lieschen Miebach bringt mir eine Flasche Lourdeswasser mit. Ich frage den Arzt, ob ich einige Minuten aufstehen darf. In der Mittagszeit, als alle schlafen, gebe ich das Lourdeswasser Frau Esser. Sie möge es trinken und daran glauben, daß die Gottesmutter hilft. Ich bitte sie, mit mir zu beten.

 

Sonntag, den 2. August 1957

Die Muttergottes hat geholfen, das Fieber ist gesunken. Als alle schlafen, gehe ich wieder zu ihr und sage, sie solle das Danken nicht vergessen. Auch sage ich ihr, ich hätte ihre Seele für mich erbeten, damit sie heimfinde zu Gott. Besuch vom Hausgeistlichen. Ich frage nach der täglichen hl. Kommunion. Er sagt: "An uns liegt das nicht, die Schwestern sind überlastet, und man kann nicht alles von ihnen fordern." Ich: "Ich verstehe, aber Jesus sucht und will das Opfer." Er: "Ich weiß ein wunderbares Mittel für die Kranken – die geistige Kommunion." – "Die empfange ich oft am Tage, aber Jesus sehnt sich auch nach der Seele, um in Wirklichkeit einzukehren. Die geistige Kommunion ist schön und groß, aber die wahrhaft gottliebende Seele muß die wirkliche Vereinigung mit Jesus haben." – Er: "Wir Priester wären auch schneller fertig und manchem wäre gedient, wenn es einfach gemacht würde. Das aber begreift man nicht. Auch verlangen die Kranken nicht so oft die hl. Kommunion."

 

Dienstag, den 4. Juni 1957

Ich sehe wieder den schönen Dom. Heute sehe ich Bischöfe und Priester, alle weiß gekleidet und im Chormantel. Sie knien vor der Muttergottes. Sie nimmt das Tüchlein und hält es ans Herz Jesu. Sooft sie das tut, fällt ein Blutstropfen auf das Tuch. Mit jedem Tropfen macht sie den Bischöfen und Priestern ein Kreuz auf die Stirn.

 

Mittwoch, den 5. Juni 1957

Heute lege ich die Beichte bei dem Pater ab, mit dem ich über die tägliche Kommunion gesprochen habe. Jesus will es so. Auf meine Leiden hinweisend, sagt er, daß Gott Leiden und Opfer haben wolle für die vielen, denen er Seine Gnade schenken will, denen Er Liebe und Barmherzigkeit erweisen wolle. Darum solle ich nicht betrübt sein, wenn ich die hl. Kommunion nicht so oft empfangen könne. Der große Ersatz sei ja das Gebet, die geistige Kommunion und die Ergebung in den Willen Gottes.

 

Donnerstag, den 6. Juni 1957

Die Kranken empfangen heute die Sühnekommunion des Herz-Jesu-Freitags. Sie machen es ganz feierlich. Die Türen sind offen, die Schwestern singen: "Ihr Engel allzumal, preist Jesus tausendmal." Ich sehe wieder den schönen Dom in der Ferne. In der Lichtfülle, die ihn umgibt, sehe ich den Vater, im Vater den Sohn und, von beiden ausgehend den Heiligen Geist. Sie sind von Engeln umgeben. Der Priester naht, Jesus kehrt in mein Herz ein, auch bei den anderen Frauen. Sie haben sich bekehrt. Nur Frau L. schließt sich aus.

 

Pfingstsonntag, den 9. Juni 1957

Ich schaue wieder den schönen Dom in weiter Ferne. Heute sehe ich den Zusammenhang mit den Nebenstraßen, die auch zum Dom führen. Sie sind voll von Menschen aller Art, die große und kleine Kreuze tragen. Sie fluchen sehr und halten grauenhafte Reden und Verwünschungen. Dann werden sie sich einig untereinander und werfen ihre Kreuze fort. So erleichtert, gehen sie Hand und Hand lachend und scherzend weiter.

 

Pfingstmontag, den 10. Juni 1957

Da man mir heute nichts gesagt hat, bitte ich die liebe Gottesmutter, ob ich in der 2. hl. Messe bleiben darf. Die Statue der Muttergottes, die links vom Altar steht, wird leuchtend. Ich höre: "Heute, mein Kind, wirst du mir folgen. Niemand wird dir etwas sagen. Du hast Jesus im Herzen, Er ist deine Kraft und Stärke. In dieser Kraft hältst du wohl noch eine Stunde durch. Wie besorgt sind doch die Menschen, wenn das Gotteshaus gefüllt ist. Da meinen sie, wegen schlechter Luft nicht bleiben zu können, oder sie gehen gar nicht hinein. An heiliger Stätte weht der Odem Gottes. Er erfüllt das Herz und die Seele. Friede und Freude wird dort dem wahrhaft Gottliebenden zuteil. O spräche man von schlechter Luft in all den Tanzsälen, von den Räumen, die der Augen- und Fleischeslust und der Hoffart des Lebens dienen. Da hält man Stunden aus. Man denkt nicht daran, daß man seine Kraft vergeudet und den Tempel des Heiligen Geistes zugrunderichtet. Ihre Freude ist Rauschgift, das die Sinne betört. Sei gesegnet und mit dir alle Kranken und Leidenden."

 

Dienstag, den 11. Juni 1957

Heute werde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Heute ist Antoniusmesse.

 

Samstag, den 15. Juni 1957

Heute sagt die Muttergottes: "Deine weitere Leidenszeit in diesem Monat ist für die Bekehrung der Sünder. Die Kerze, die vor mir steht, stelle vor die hl. Blutreliquie. Gib acht, was davon ausläuft. Das bewahre auf."

 

Mittwoch, den 19. Juni 1957

Zweimal läuft die Kerze aus. Ich weiß nicht, was ich mit der eigenartigen Form machen soll. Da ist Maria bei mir und sagt: "Hefte alles nach meiner Weisung auf das leere weiße Kreuz." Ich tue es.

 

Sonntag, den 7. Juli 1957

Weil ich mich nicht schonen kann und alle Arbeiten machen muß, fühle ich mich elend und kraftlos. Fast kommt es wie Schwermut über mich. Da ist Satan an meiner Seite und raunt mir zu: "Nimm dir das Leben! Dann hast du Ruhe. Du schaffst es doch nicht mehr. Warum willst du so langsam zugrundegehen?" Ich mache das Kreuz: "Fliehe, Satan, durch das kostbare Blut Jesu." Er weicht. O Jesus, Du verläßt mich nicht. Du hattest auch keinen Trost. Du schenkst mir Deine Kraft.

 

Sonntag, den 14. Juli 1957

Es ist zuviel, was ich leisten muß. Ich kann nicht zur Kirche. Alles ist geschwollen und aufgedunsen. Der Kopf schmerzt sehr. Der Arzt stellt eine Entzündung des Zwerchfelles und der Kopfnerven fest. Medikamente und Bestrahlungen helfen nicht. So wird es schon ein neues Sühneleiden sein. Nach langem Beten spricht die Mutter mit geneigtem Haupt: "Bist du bereit, einen neuen Leidenskelch zu trinken?" – "Ja, wie kann ich anders, wenn Gott mich in Seiner Liebe leiden läßt."

 

Montag, den 22. Juli 1956

Ich liege in schweren Leiden. In meiner himmlischen Schau feiere ich die hl. Messe. Jesus kommt wieder als Licht zu mir. Dann sehe ich wieder den schönen Dom in weiter Ferne. Ich sehe Menschen und Priester. Jeder hat einen Engel zur Seite. Alle tragen Palmen. Ich stehe am Kreuz mit Maria Magdalena und mit dem hl. Johannes. Heute erhalte ich die Nachricht, daß mein lieber Bruder Bonifaz Müller am 17. dieses Monats plötzlich in die Ewigkeit abberufen wurde. Ich meine fast, daß er für mich gegangen ist, daß ich noch leben sollte. Die Muttergottes bestätigt es mir. Dann bitte für mich, mein lieber Bruder, daß ich gut in die Ewigkeit komme.

 

Sonntag, den 4. August 1957

Da liege ich schon wieder eine Woche elend und krank. Ich bin überlastet mit Arbeit. Nun hilft mir mein Mann doch ein wenig. Er sieht, daß ich es noch nicht kann. Heute kommt meine Nichte Christel aus Doveren mit ihrem Mann. Sie bringt eine erfreuliche Nachricht. Nun weiß ich, daß ich auch für meinen Schwager Heinrich K. gelitten habe. Er war einer der größten Kommunisten. Nun hat er sich bekehrt.

 

Montag, den 5. August 1957

Ich sehe den hl. Bonifatius auf einer lichten Höhe mit einer großen Schar. In dieser Schar sehe ich meinen verstorbenen Bruder Bonifaz. St. Bonifatius spricht: "Weine nicht, dein Bruder ist eingereiht in die Schar derer, die meinen Namen tragen, die mir nachfolgen im Kampfe für die Ehre Gottes."

 

Sonntag, den 15. September 1957

Ich habe einen schweren Nervenanfall. Am Abend spricht die Mutter mit dem geneigten Haupt: "Schaue nach Golgotha." Jesus läßt mich schauen, was geschah, als er sagte: "Mich dürstet." – "Mich dürstet nach heiligen Familien. Die Sünde hat das Band der Liebe beschmutzt und die reine Form gelöst. Ich stelle die Ehe in reiner Form wieder her. Vom Kreuz sah ich die Zeit, wo Satan triumphiert. Ich sah, wie er das Fundament vernichtet, das im Geheimnis des Lebens liegt. Mich dürstet nach Reinheit und Heiligkeit der Eheleute. Mich dürstet nach Kinderseelen. Wehe denen, die das Leben des Kindes töten, ehe es das Licht der Welt erblickt hat! Mich dürstet nach Kinderseelen! Ein Wehe geht über die Verführer und Ärgernisgeber! Eine Wehe den Eltern, die Schuld tragen, daß Mich ihre Kinder nicht kennen. Leistet Sühne! Reine Seelen stillen Meinen Durst, indem ihr helft, diese Seelen zu retten."

 

Sonntag, den 22. September 1957

Ich kam die ganze Woche nicht zur Ruhe. Von Besuchern bin ich überlaufen, die eine ungeordnete Ehe haben. Ich helfe schon gern, aber zu oft sind mir die Hände gebunden.

 

Sonntag, den 13. Oktober 1957

Seit Wochen fühle ich mich von Gott verlassen. So dunkel scheint mir alles. So erbärmlich komme ich mir vor. Ja, was bin ich noch?