• Engel und Heilige von jedem Tag
  • Bücher der Liebe, Bd. 1
  • Bücher der Liebe, Bd. 2
  • Bücher der Liebe, Bd. 3
  • Bücher der Liebe, Bd. 4
  • Bücher der Liebe, Bd. 5

Sonntag, den 1. Januar 1961

Tausend Dank, mein Herr und mein Gott, daß ich dieses neue Jahr erleben darf. Laß es sein, ein Jahr zu Deiner Ehre und Verherrlichung. Ich bin auf dem Weg zur Pfarrkirche. Die Eindrücke des vergangenen Silvesterabends haften noch an mir. So bin ich etwas schwermütig gestimmt und verliere mich mit Jesus in ein Zwiegespräch: "Gott, es ist bald zuviel. Das mache ich nicht mehr mit. Alle Güte und Liebe hilft nicht. Wenn diese Festtage kommen, dann laß doch etwas anderes geschehen. Du weist viele Wege, Herr." Auf einmal geht Jesus kreuztragend neben mir her, auf der rechten Seite. Überrascht sage ich: "Herr, was bedeutet das? Du gehst kreuztragend? Das paßt nicht zum heutigen Tag, zum Fest der Beschneidung." Er schaut mich an und spricht: "Ich gehe mit der Zeit. Von der Stunde Meiner Empfängnis an stand das Kreuz neben Mir. Ich suche für dieses Jahr eine Schar wahrer Kreuzträger. Gebet acht der Zeichen am Himmel und der großen Heimsuchungen. Schau einmal!"

Ich sehe Dunkelheit. Darin steht wie im Licht, wie ein Schattenbild, ein großer Engel mit einer Posaune. Wohin der bläst, da ist Tod und Vernichtung. So sehe ich den Tod in den Lüften, auf dem Wasser, in den Arbeitergebieten, in den Städten wie in den Dörfern. Es ist grauenhaft. Ich wende mich ab: "Mein Jesus, Barmherzigkeit." Jesus aber sagt: "Lob und Dank sollte das vergangene Jahr sein zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit. Das Wohlgefallen der Dreieinigkeit ruht auf allen, die Gott die Ehre gaben und geben. Der Zorn Gottes ist aber entbrannt über jene, die in Vermessenheit zur Höhe wollen, die sich eigene Gebote und Gesetze gegeben haben und über alle, denen das werdende Leben nicht mehr heilig ist und über die Verführer, die alle Gebote Gottes entheiligen. Diese sind es, die die Erde zu einem Sündenbabel gemacht haben. Wer sühnt und nimmt das Kreuz auf sich, so wie Ich es tat für die ganze Menschheit? Wenn keiner bittet oder leidet, kann niemand gerettet werden." – "O mein Jesus, so will ich weiter stillschweigend meinen Weg gehen. Du bist ja meine große Kraft und Stärke."

 

Freitag, den 6. Januar 1961, Heilige Drei Könige

Habe wieder die Schau vom Weihnachtsfest. Heute sehe ich eine große Zahl hl. Könige, die dem göttlichen Kind huldigen. Sehnsucht steigt auf in mir. Ich möchte heim zum Vatergott. Eine schwere Last legt sich auf mein Herz und Gemüt.

 

Sonntag, den 15. Januar 1961

Die Schwere weicht nicht. Das Herz droht zu brechen. Ich darf die ganzen Tage teilnehmen an Jesu Leiden der linken Hand. Heute setzt Er mir die Dornenkrone auf. Kreuztragend steht Er bei mir im Gotteshaus. Er spricht: "Warum, o Seele, machst du dir Gedanken, ob der Schwere, die dir im Gemüt und im Herzen liegt? Das ist die Sündenlast der Familie und vieler Seelen, die Ich auf dich gelegt habe. Ich weiß, daß es drückt und schmerzt. Siehe, Ich gehe auch noch so beladen durch die Zeit. Verstehst du, was Mein Herz empfindet bei allem Undank und aller Lieblosigkeit? Verachtung, Spott und Hohn, wie weh tut es. Kreuzträger haben von der Welt keinen Lohn oder Dank zu erwarten. Geh darum schweigend weiter mit Mir. Ich bin dein Lohn, bin dein Leben und deine Krone." – "Ja Herr, ich folge weiter. Die Ostersonne steht ja über jedem Kreuz."

 

Sonntag, den 29. Januar 1961

Sehe bei der hl. Wandlung ein Lichtkreuz auf der Hostie. Bin von Schmerzen durchbohrt. Erhalte die Nachricht, daß mein Patenkind am Freitag, den 27, plötzlich gestorben ist. Nun leuchtet mir vieles ein, was ich bisher nicht verstand. Schon vor 4 Wochen sagte Jesus: "Du wirst zu Lichtmeß bei deiner Schwester Elisabeth sein." Ich bat, diesen Auftrag zurückzunehmen. Er aber sagte: "Der Befehl bleibt." Ich fürchte Unstimmigkeiten von Seiten der Brüder und Schwestern und bitte um Leiden. Ich danke, weil Leiden eintreten. Ich sage: "Herr, nun muß ich Dich um ein Wunder bitten, daß ich wieder gesund werde. Mein Patenkind, der gute Fritz, ach, das wäre unverzeihlich, wenn ich nicht da wäre, wenn er zur letzten Ruhe gebettet wird. So lange lerne ich in Deiner Schule und immer wieder verstehe ich Dich nicht. Verzeihe mir, aber Du weißt, daß es nicht boshaft war."

Gestern war ich noch krank und heute geht es besser. Mein Patenkind ist 13 Jahre älter als ich. Vor 12 Jahren wurde Fritz Grah ein Kind der katholischen Kirche. Er war so gut und fromm. Am 27. Januar ging Fritz zum Arzt und von da aus in ein Geschäft. Er grüßt und fällt tot zusammen. Als Elisabeth kam, war er schon eingesargt und er wurde ihr nicht mehr gezeigt.

 

Donnerstag, den 2. Februar 1961, Lichtmeß

Bin 8.00 Uhr früh in Köln-Weidenpesch. Als ich in die Dreifaltigkeitskirche eintrete, ist die hl. Wandlung. Dann ist in der folgenden hl. Messe Lichtmeßfeier mit Lichterprozession. Ich habe mich vertan, da ich meinte, die hl. Messe für Fritz Grah sei um 8.30 Uhr. Nun war es durch die Lichtmeßfeier eine Stunde später. Am Nachmittag geht die Müdigkeit in einen Leidenszustand über, der anderthalb Stunden dauert und in der Teilnahme an der inneren Not und den Schmerzen Jesu bei der Dornenkrönung besteht. Die Dornenkrone trage ich auch 2 Tage für die Bekehrung der Sünder. Dann hüllt mich ein Licht ein. Ich sehe Fritz. Er steht im Geschäft und grüßt. In dem Augenblick steht lichtverklärt der hl. Josef vor ihm und reicht ihm das Jesuskind. Mit überirdischen Augen schaut Fritz darauf, sinkt ein wenig nach hinten und gleitet langsam zu Boden. Zwei Frauen bemühen sich um ihn, aber seine Seele weilt bereits in der Ewigkeit.

Ich sehe Jesus. Vor Ihm steht ein Kelch: "Bereite diesen Kelch mit deinem Heiligtum. Er erhält dadurch schon eine Vorweihe." Ich tue es. Jesus: "Öffne das Medaillon. Sie sollen sehen, was es enthält. Du aber bete Mich an. Das geschieht so nach Meinem Willen hier, damit die Herzen mehr in Liebe zu Mir sich wenden."

Ich kann das Medaillon nicht öffnen und rufe den hl. Josef zu Hilfe. Sofort geht es auf. Nach der Anbetung will der Herr, daß ich das Medaillon wieder schließe. Nun höre ich, daß Elisabeth, die Frau von Fritz, den noch Anwesenden den Kelch zeigen wollte, den sie ihrem afrikanischen Priestersohn gekauft hat. Als ich diesen mit geschlossenen Augen vom Tisch nehme, mit aufliegender Patene und Kelchtuch, waren alle in Aufregung, daß er meinen Händen entfiele. Elisabeth aber beruhigte sie, daß das nicht geschehe. Ich sah Jesus, der dahinter stand.

Jesus ließ mich auch schauen, warum Fritz so plötzlich ohne hl. Ölung gestorben ist. Er trug schon lange eine Angst vor dem Tod in sich. Er war ja so fromm und immer im Gebet mit Gott vereint. Der Herr ließ mich auch wissen, daß er ihn vieler Schauungen würdigte. Durch den plötzlichen Abruf aus diesem Leben war er sich des Sterbens nicht bewußt und keine Angst war in ihm. Wie gut ist der Herr, daß er ihm das Scheiden so leicht machte. Im Leben hat er gebetet, auf einem Muttergottestag zu Grabe getragen zu werden. Das wurde ihm am Lichtmeßtag gewährt.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 3. Februar 1961

In aller Stille bin ich mit Elisabeth allein. Ich muß sie noch trösten, aber sie ist nun ruhig, daß Fritz solche Gnaden der Sterbestunde empfing. Sie zeigt mir eine Reliquie, die sie geschenkt bekam. Indem ich sie betrachte, durchzieht mich ein großer Schmerz. Es muß von einem Märtyrer sein. Auf einmal höre ich eine Stimme: "Schaue auf die andere Seite." Da sehe ich einen Jüngling, der eine Uniform trägt wie im 1. Jahrhundert nach Christus. Er trägt Jesus auf den Armen, als hätte er Ihn vom Kreuz abgenommen. Das Bild ist fort. Den Jüngling sehe ich wieder betend mit gekreuzten Armen seinen Weg gehen. Unweit davon sehe ich versteckt eine Schar junger Männer. Ich höre: "Da kommt der Träumer, der Christenhund. Heute kommt er nicht vorbei, bis er zeigt, was er so geheimnisvoll verbirgt." Sie rufen ihn an: "Tarzius, zeige, was du hast! Heute geht es nicht so still vorbei." Er aber hört nicht darauf. Da fallen sie wie wilde Tiere über ihn her. In seinem Blute sehe ich ihn liegen. Seine Hände sind noch immer über der Brust gekreuzt. Für Jesus ließ er sein Leben. Die Übeltäter aber fliehen. Ich weiß nun, daß die Reliquie von Tarzius in vielem neu aufsteht. Ich sehe wieder unterirdische Gänge, wo man längst abgetane Heiligtümer hineinträgt. Dann sehe ich Fritz wieder wie eine weiße Gestalt. Er hat ein seliges Lächeln im Gesicht.

 

Sonntag, den 5. Februar 1961, St. Agnes-Pfarrei, Köln

Wie groß und gnadenreich sind die Tage hier. Seit gestern bin ich im Elisabeth-Haus. Heute ist hier in der Kirche Primiz. Der junge Priester sieht so ergriffen aus. Am Nachmittag erhalte ich den Primizsegen.

 

Montag, den 6. Februar 1961

Das Hochamt hält der Neupriester. Wir knien an der Seite, wo am Marien- und am Josefsaltar auch je ein Priester das hl. Opfer darbringen. Auf einmal sehe ich, als wäre der Kelch gefüllt mit lauter Hostien. Das kommt mir seltsam vor. Das kann doch nicht sein. Da der Priester ein weißes Meßgewand trägt, nehme ich an, dieses spiegele sich im Kelch wieder. Da bereitet der Priester den Kelch für die Opferung. Als er sich beugt, sehe ich, wie eine Veränderung im Kelch vor sich geht, was aussieht wie Hostien, sich bewegt und Form annimmt, bis ich deutlich Jesus erkenne, der wie am Kreuz angenagelt liegt. Das sehe ich so bis zur hl. Wandlung. Nach der hl. Wandlung, als der Priester sich vor der hl. Kommunion über den Kelch beugt, wächst Jesu Gestalt aus dem Kelch und Seine Arme umfangen den Priester. Ich bebe am ganzen Körper. Es ist so gewaltig. Gott ist klein und doch so gewaltig groß, so gut.

Nachdem der Priester das hl. Blut getrunken hat, sehe ich, als liege noch eine kleine Hostie auf dem Boden des Kelches. Über dem Kelch schweben 3 rote Lichter wie Kugeln. Als der Priester den Rest des hl. Blutes mit Wasser vermischt trinkt, sehe ich dem Kelch ein leuchtend rotes Herz entschweben. Da am Hochaltar der Neupriester die Präfation singt, geht mein Blick auch zu diesem Kelch, aber ich sehe ihn nicht. Ich sehe Jesus im weißen Meßgewand, als stehe Er im Kelch wie auf einem Thron. Die Füße sehe ich nicht, aber die Hände hat Er ausgebreitet. Bei der hl. Kommunion des Priesters sehe ich wieder, wie Jesu Arme sich um den Priester legen. So gehe ich nun, um Jesus zu empfangen. Die Füße versagen mir fast den Dienst. Die Muttergottes rufe ich zu Hilfe, daß sie mich führe. Ich fühle ihre lieben Hände. Sie führt mich auch zurück. Warum weine ich nun, o Jesus, Du bist doch bei mir. Da sollte ich jubeln und mich freuen. Mein Blick wendet sich wieder zum Altar. Da sehe ich, wie aus dem Kelch des Neupriesters ein rotes leuchtendes Herz entschwebt. Als er die Hand zum Segen erhebt, leuchtet sie rot. In der Handfläche sehe ich einen dunkelroten Punkt, der erst klein ist und sich dann schnell ausbreitet wie eine blutige Masse, die die Innenfläche der Hand ausfüllt wie eine Stigmata. Erschreckt und bewegt denke ich: Was ist das? Wird dieser Priester ein Märtyrer? Ich sehe nichts mehr. Jesus schweigt.

Ich will weiter beten, aber die Gottesmutter ist bei mir und sagt: "Mein Kind, man sieht schon auf dich, gehe heim mit deiner Schwester und danke dort weiter für die Liebe und die Gnade. Jesus wird dir alles erklären in einer stillen Stunde."

 

Dienstag, den 7. Februar 1961

Ich bin wieder daheim in meiner Stille und Einsamkeit. Die Großstadt hat mich so verwirrt. Wenn auch alle gut zu mir sind, kann ich doch nicht so beten wie in meinem stillen Stübchen.

 

Rosenmontag, den 13. Februar 1961

Allein halte ich den Fatimatag und sühne für die Sünden heute. Meine Glieder sind von Schmerz durchbohrt.

 

Donnerstag, den 16. Februar 1961

Heute ist mein 41. Hochzeitstag. Ich bin so von Schmerzen durchbohrt, daß ich kaum einen Schritt gehen kann. Jede Bewegung löst Krampfzustände im ganzen Unterkörper aus. Jesus spricht von Seinem Bild: "Das leidest du heute für deinen Mann." "O Jesus, dann weiß ich alles. Dann brauche ich nicht mehr zu fragen. Schenke ihm Gnade o Herr, damit er sich bald in Liebe zu Dir wendet. Brauchst Du mehr Leiden für ihn, ich bin bereit. Segne ihn."

 

Sonntag, den 19. Februar 1961

Habe Besuch von 2 lieben Mitschwestern aus Frankreich und 3 Mitschwestern aus Niederpleis. Wir halten eine Herz-Jesu-Sühnestunde. Jesus will, daß ich das Antidoron aussetze. Am Schluß sehe ich nicht mehr das Kreuz, sondern Jesus, der segnet. Wo die Blutreliquie ist, sehe ich Jesu Herz. Er spricht aus diesem Geheimnis: "Ein neues Zeichen der Wahrheit und Echtheit gebe Ich dir. Ich bin die gekreuzigte Liebe, die allen Liebe gibt, die in wahrer Liebe kommen und hier beten. Es soll dein Zeichen sein, die wahre Liebe zu erkennen, wenn ich aus diesem Geheimnis segne oder vom Bilde Meines heiligsten Herzens. Schaue Ich traurig oder betrübt, sind die Absichten der Besucher nicht rein und wahr. Dann hülle dich in Schweigen. Diesen neuen Beweis Meiner Gegenwart füge dem anderen bei."

Für einen gefallenen Priester, der aber reumütig nach Jahren zurückkehrte, muß ich diese Woche besonders beten und opfern. Erneut wird er verfolgt. "Laß ihn, o Herr, diese Prüfung bestehen. Hilf, daß er nun doch noch heilig wird."

 

Mittwoch, den 22. Februar 1961

Bin in Ittenbach im Hochamt. Bei der Erhebung der hl. Hostie in der Wandlung sehe ich, wie Hände sich ausbreiten, bis auch die Arme sichtbar werden. Dasselbe sehe ich bei der Erhebung des hl. Blutes. Am Nachmittag ist mein Seelenführer bei mir. Die erste Beichte lege ich bei ihm ab. Ich bin erst ein wenig befangen. Er ist so gütig. Liebevoll bringt er mich zur Erkenntnis, daß ich mit eigenen Wünschen nicht Gottes Willen und Wege durchkreuzen darf. Meine Absichten waren nicht böse, aber Glaube und Vertrauen sehr klein. "Herr, es soll nicht mehr vorkommen, so wie es war, als ich vor einem Monat von Dir wußte, daß ich zu Lichtmeß in Köln sein werde. Deine Gedanken sind nicht unsere Gedanken und Deine Wege sind nicht unsere Wege. Danke Dir, daß ich einen guten Beichtvater von Dir erhielt. Segne ihn besonders und laß mich sein Kreuz tragen helfen."

 

Donnerstag, den 23. Februar 1961

Große Schmerzen in allen Gliedern für den gefallenen Priester. Habe große Mühe mit der Wäsche. Bin allein in der Waschküche. Mein stiller Einkehrtag. Meine Schwestern bringen mir eine Freude: "Die Seele, für die ich in Boulay die Dornenkrönung erlitt, hat sich bekehrt. Von der Schulentlassung bis ins Alter hatte sie die Sakramente nicht empfangen. Nun ist sie gestorben.

 

Freitag, den 24. Februar 1961

Heute Durchbohrungen der Hände, Füße und des Herzens. Es ist gut so, Herr. Durchbohre ihn ganz, Deinen Priester, mit dem Feuer der Liebe. Als mein Besuch am Sonntag kam, litt ich kurz darauf eine große Herzensnot. Jesus reicht vom Kreuz den Leidenskelch und sagt: "Ich schenke dir alle Seelen, die umkommen durch das nächste große Flugzeugunglück. Rufe besonders Meine Barmherzigkeit für sie an, damit ihnen in jener Stunde Gnade gegeben wird."

 

Samstag, den 25. Februar 1961

Bin in Ittenbach. Bei der hl. Wandlung spricht Jesus: "Nach dieser hl. Messe offenbare Ich dir, was du schautest in der St. Agnes-Kirche." Jesus spricht vom Altar aus: "Ich bin, der ich bin. Liebe kann nicht erforscht und auch nicht studiert werden. Liebe ist Einheit, ist ganze Hingabe, ist Veräußerung, ist Auflösung. O Seele, Ich suche diese reine Liebe. Die Zahl ist so gering, die sich mit Mir vereinen und Mich trösten, ihren Heiland im Hostienkleid. Du sahest den Kelch gefüllt mit Hostien. Das sind jene Seelen, die sich bei der Opferung hineinlegen in den Kelch mit ihren Freuden und Leiden, mit ihren Nöten. Diese nehme Ich besonders in die hl. Wandlung hinein und wandle sie mehr und mehr als Opferseelen. Ich bilde sie ganz nach Meinem Herren. Du sahest die Veränderung im Kelch, sahest, wie Ich es war, der wie am Kreuz angenagelt war. In jedem hl. Opfer vollzieht sich Mein Leben von der Geburt bis zur Grablegung. Du sahest Mich langsam aus dem Kelch steigen und wie Meine Arme sich um den Priester legten. Das ist ein großes Geheimnis. Je reiner und heiliger der Priester ist, besonders bei dieser hl. Handlung, desto mehr öffnet sich Mein Herz in Liebe zu ihm. In diesem Augenblick ist er ganz vereint mit Mir, ja, er ist göttlich. Göttlich ist er, weil er allmächtig ist durch Meiner Allmacht Worte. Meine Allmacht lege Ich in seine Hände, weil Ich ganz eins bin mit ihm. In diesem Augenblick hat er auch Meine Sprache und darum kann er sagen: 'Das ist Mein Leib, das ist Mein Blut!'

Nach diesem großen Geschehen der Wandlung bin Ich es, der als König thront auf dem Altar. Ganz Mensch ist wieder der Priester, der fleht um Vergebung seiner und des Volkes Schuld. Darum sahest du Mich im weißen Meßgewand als ewigen Hohenpriester. Meine Hände breite ich aus und lade alle ein zum hl. Mahl an Meinen Tisch. Nicht nur das Herz des Priesters soll Mir Grabstätte sein, sondern alle rufe Ich, die zugegen sind. Wahre Liebe folgt Meinem Ruf, weil sie Sehnsucht nach Vereinigung mit Mir trägt. Du sahest, nachdem der Priester das hl. Blut getrunken hat, als wäre noch eine kleine Hostie auf dem Boden des Kelches. Es zeigt noch Meine Gegenwart in jedem Stäublein und Tröpflein an. Sind die hl. Gestalten nicht mehr, verbirgt sich Meine Liebe wieder. Das ist das Herz, das dem Kelch entschwebte. Die Heiligste Dreifaltigkeit ist bei der Anrufung da. Das sind die drei roten Lichter, die Liebe des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Darum sahest du rotes Licht. Die Segenshand des Priesters wurde leuchtend rot und in der Handfläche sahest du Mein Mal der Wunden, das wuchs zu einer Größe. Das ist wieder ein großes Geheimnis. Ich segne durch ihn. Je heiliger der Priester ist, desto größer ist die Segenskraft. Das bedeutet die leuchtende Hand. Je mehr sie mit Mir Opferpriester werden und sind, umso mehr tragen sie die hl. Zeichen Meiner Leiden verborgen. Wächst ihre Liebe und Bereitschaft zum Leiden, werden größer die Zeichen Meiner hl. Wundmale. Betet viel, daß euch hl. Priester gegeben werden und die mit Mir ein Herz und Pulsschlag sind. Meine Seele, Ich ließ dich dieses schauen und wissen, damit die Liebe größer werde, damit der Glaube neu belebt werde. Viele kommen zum hl. Opfer, aber ihr Herz ist oft so weit entfernt von Mir. Sie wissen, daß Ich es bin, der sich opfert, der Liebesmahl halten will, aber wie oft steht nur die gebotene Pflicht da. Den Zweiflern diene es als Zeichen der Wahrheit. Alles trage bei, daß Meine Priester mehr geachtet und geehrt werden. Wer sie ehrt, ehrt Mich. Priester sein, ist die höchste Würde auf Erden. Betet aber viel, daß nur die berufen werden, die auch würdig sind, im Weinberg des Herrn zu arbeiten."

 

Sonntag, den 26. Februar 1961

Gestern sah ich bei der Erhebung des Kelches in der zweiten hl. Messe drei leuchtend weiße Lichter über dem Kelch. Heute sehe ich bei der Erhebung der Hostie im Hochamt wieder ein Lichtkreuz darauf. In der Reihenfolge im Hochamt hält hochw. Herr Kaplan unserer Pfarrkirche Aufklärungspredigten über die Erschaffung der Welt und des Menschen. Sie sollen das Thema der Fastenzeit sein. Es werden die Behauptungen, daß das Schöpfungswerk Gottes, wie es die Bibel darstellt, ins Unwahrhafte, ins Märchenhafte gezogen, in ein anderes klares Bild dargestellt. Es wäre der Größe Gottes nicht würdig, daß Er wirklich Lehm genommen hätte, um den Menschen ins Dasein zu rufen. Ebenso entspricht es nicht Gott, daß man ihn als Chirurg darstellt, der aus der Rippe des schlafenden Adam die Frau bildete.

Das könne nur bildlich zu verstehen sein. Der Verfasser der Heiligen Schrift aus seiner Zeit konnte es eben der Zeit entsprechend nicht anders klarlegen. Wer war schon dabei gewesen, um das Schöpfungswerk Gottes in ein klares Bild darzustellen. Zurückführend geht alles auf die großen Forschungen unserer Zeit, auf die Entdeckungen und Funde. So steht in unserer Zeit ein anderes Bild der Schöpfung vor unseren Augen, daß sich Gott wohl eines Edleren für den Menschen bedient hat. Über all das Gehörte denke ich nach auf dem Heimweg.

Da ist Jesus an meiner Seite und spricht: "Schreibe nieder Meine Seele, was Ich erkläre. Schon einmal durftest du einen Blick in das Paradies tun. Du sahest die ersten Menschen in vollkommener Schönheit wie die Engel, edel und rein. Ich sagte dir, daß sie das Gewand der Verklärung trugen. Der Mensch, der nur ein wenig unter den Engeln stand, wurde ebenso wie sie durch der Allmacht Worte ins Dasein gerufen. Weil es Gott aber gefiel, Seine unendlich vollkommenen Eigenschaften in zwei Menschen verschiedener Art zu sehen, nannte er sie Mann und Weib. Da die ersten Menschen mit hoher Erkenntnis ausgestattet waren, lebten sie ganz im Willen Gottes. So wie die Engel erprobt wurden, mußten auch sie durch eine Prüfung gehen. Sie handelten gegen den Willen Gottes, sie sündigten. Im Augenblick der Sünde sahest du, daß das Gewand der Verklärung fiel und daß sie nackt waren. Von der Stunde an wandelt der Mensch im Fleisch. Fleisch ist Erde wie beim Tier. Wenn es vergeht, wird es wieder Erde, wird Staub. Als das Gewand der Verklärung fiel, wich auch die große Erkenntnis. Der Verstand ward verdunkelt. So konnten auch die ersten Menschen der Nachwelt nicht erklären, wie Gott sie erschaffen hat. Es war von der Stunde so, wie bei einem neugeborenen Kind. Kein Mensch weiß, wie er gezeugt und geboren ist.

Bei der Auferstehung des Fleisches wird der sterbliche Leib der Gerechten das Gewand der Verklärung sein für seine Seele, so wie Gott den ersten Menschen erschuf. Der sterbliche Leib der Verworfenen wird das Gewand der Finsternis sein, so wie Gott die sündigen Engel einhüllte nach ihrem Fall. Kannst du, Meine Seele, die Erniedrigung erfassen, als Ich, das Wort, Fleisch wurde? Was der Mensch empfing im Augenblick der Sünde, nahm Ich freiwillig an, um die Sünde zu sühnen, um auch das sterbliche Fleisch zu heiligen. Verstehst du Meine Liebe, die Mich Speise werden ließ für euch? Geheiligt und vergöttlicht wird auch der sündige Leib durch Mich. Die Seele, die ganz genährt wird durch Mein Fleisch und Blut, gibt dem Leib mehr ein Gepräge der Verklärung. Das beweisen die Reliquien der Heiligen und die so oft unversehrte sterbliche Hülle ihrer menschlichen Gestalt."

 

Dienstag, den 28. Februar 1961

Gestern kam die Nachricht, daß mein Walter ein Töchterchen bekommen hat. Es heißt Angelika. Heute spricht Jesus: "Bete zu der Messe des Tages die Engelmesse für das Kind. Ich gebe dir Gewalt. Taufe es aus der Ferne als katholischen Christen und gib ihr den Namen Gerda Maria hinzu. Du hast das Kind vor der Geburt nach dem Willen Gottes der Heiligsten Dreifaltigkeit und dem hl. Gerhard Marjella geweiht. Als Taufpaten sind dem Kinde die himmlische Mutter Maria und der hl. Gerhard Marjella gegeben. Segne nach der Feier auch die Eltern des Kindes. Vertraue weiter auf Gott, der alles gut macht."

Ich tue, wie Jesus befohlen und bin so bewegt, daß ich weinen muß. Nach der Feier kommt ein großer Leidenszustand über mich, die Teilnahme an Jesu Leiden, der Durchbohrung Seines hl. Herzens.

 

Mittwoch, den 1. März 1961

Bin in Ittenbach. Sehe wieder bei der Erhebung der hl. Hostie einen Lichtkranz. Jesus gibt mir die Erkenntnis, daß diese Priester, bei denen ich bei der hl. Wandlung das Zeichen sehe, ganz lief und voll Ehrfurcht die hl. Geheimnisse feiern. Sie besitzen eine große Liebe zur hl. Eucharistie.

 

Sonntag, den 5. März 1961

Bin heute bei Walter, um nach Jesu willen die Taufe des Kindes Angelika, Maria, Gerda wirklich zu vollziehen. Ich werde zu dem Kind hingeführt und nutze den Augenblick, um mit dem Hochgeweihten Wasser, das mein Seelenführer mir gab, das Kind zu taufen. Ich benetze die Stirn und sage: "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, damit du durch Jesus Christus das ewige Leben erlangst." Dann lege ich dem Kind die wundertätige Medaille auf und weihe es Maria, der Unbefleckt Empfangenen. In diesem Augenblick kommen Walter und seine Frau Anneliese herein. Sie sehen, wie ich über das Kind gebeugt bin. Ich zeige ihnen die Medaille, die ich von dem Kind nehme und sage: "Ich habe das Kind gesegnet und der Muttergottes geweiht. Ihr habt doch nichts dagegen? Ich habe alle meine Kinder einem Heiligen geweiht. Diese Medaille müßte das Kind immer tragen." Sie sehen sich an und Walter sagt: "Gib sie einstweilen uns, bis das Kind größer ist." In einem anderen Augenblick habe ich sie alle mit dem hochgeweihten Wasser besprengt und den Exorzismus gebetet.

 

Donnerstag, den 9. März 1961

Mein Seelenführer empfiehlt mir eine leidende Schwester, als er bei mir war und eine Kranke mit offenen Beinen. Heute gedenke ich der Schwester mit ihrem Rückenleiden. Ich darf diese Leiden an der Wirbelsäule, die ich auch trage, heute mit der Schwester teilen. Jesus sagt: "Ich erwählte sie als Leidensopfer. Wer mit Mir leidet, wird mit Mir triumphieren. Danken wird sie Mir einmal für diese Auserwählung."

 

Freitag, den 10. März 1961

Der Tag ist für die kranke Frau. Ich bin durchbohrt von Schmerzen. Weil ich so leide, wage ich zu fragen: "Herr, warum habe ich so entsetzliche Qualen?" Sein Heiliges Angesicht erscheint im Licht und spricht: "Es ist ein schwerer Fall. Du kannst den Kelch nicht allein trinken für diese Seele. Sie hat etwas gut zu machen. Du kannst weiter beten für sie, daß sie erkennt, warum Ich ihr dieses Kreuz aufgeladen habe."

 

Sonntag, den 12. März 1961

Fahre nach dem Hochamt nach Niederpleis. Jesus hat mir gesagt, daß ich an 3 Sonntagen dort an der Mission teilnehmen darf. Heute bin ich bei Bruder Karl und Schwester Elisabeth Zöller. Ich komme unverhofft und werde mit großer Freude empfangen. Jesus ist so gut. Er sagte es mir erst nach dem Hochamt. Ich klagte Ihm meine Sorge, daß daheim niemand weiß, daß ich fortgefahren bin. Ich verlasse die Kirche, um zu sehen, wann der Bus fährt. Da sehe ich meinen Willi auf dem Kirchplatz. Ich sage ihm, daß er daheim ausrichten möchte, daß ich nicht zum Essen komme. Die ganze Woche ist bestimmt für einen Priester, der sich vor Jahren schwer verfehlte, dann aber reumütig zurückkehrte und weiter fort versetzt wurde. Er will den Weg der Buße gehen, aber es werden ihm Hindernisse in den Weg gelegt. Er soll das hl. Messopfer nicht mehr darbringen und keine Beichte mehr hören. Ich schließe auch ein eine Schwester, die sich dem Alkohol ergab.

 

Sonntag, den 19. März 1961

Eine schwere Leidenswoche in diesen Anliegen liegt hinter mir. Gekreuzigt war ich an allen Gliedern und geschwollen. Oft schrie ich vor Schmerzen. Ich muß noch viel tun, daß beide wieder den rechten Weg gehen. Heute bin ich in Niederpleis bei Schwester Elisabeth Holler. Ich hätte es kaum geglaubt, daß meine Schmerzen bis in die Nacht blieben. Ich bin auf dem Weg zur Kirche und komme beim Kyrie herein. O Jesus, nun habe ich doch gefehlt und kam zu spät. Darf ich so zu Deinem hl. Tisch kommen? Jesus: "Du darfst es, denn dir bleibt noch die Abendmesse." – "Es wird aber spät werden, Herr." – Jesus: "Ich werde dann über dich bestimmen." In Niederpleis erfahre ich, daß dort keine Abendmesse ist, sondern nur in Siegburg. Man überlegt, wie man mich hinfahren und nachher heimfahren soll. In meiner Not bete ich vor dem Kreuz. Ein Licht hüllt das Kreuz ein und Jesus sagt: "Wenn alle, die für Mich das Opfer bringen wollen, mit dir in die Abendmesse fahren, dann darfst du bei deiner Schwester Elisabeth bis morgen nach der Predigt bleiben. Das ist eine Freude, die der hl. Josef erbeten hat. Nach der Heimfahrt haltet noch eine kleine Feier zum hl. Josef."

Nach der hl. Messe werde ich wieder heimgefahren. Dann darf ich eine halbe Stunde leiden. Die Glieder verkrampfen sich. Jesus sagt: "Leide es für die Bekehrung der Sünder. Sage es den anderen, daß sie helfen, daß noch viele in dieser Gnadenzeit den Frieden der Seele finden. Haltet morgen gemeinsam den Tag für die Bekehrung der Sünder."

 

Montag, den 20. März 1961

Bin um 8.00 Uhr in der hl. Messe in Niederpleis. Nach der Predigt ist noch eine hl. Messe und ich darf bleiben. Der Kaplan hält die Messe um 9.00 Uhr. Und in dieser Messe sehe ich bei der Wandlung wieder ein Lichtkreuz auf der hl. Hostie, als diese zur Anbetung erhoben wird.

 

Dienstag, den 21. März 1961

Bin auf meinem Zimmer. Jesus spricht weiter über das Paradies und die ersten Menschen: "Meine Seele, Ich ließ dich schon einmal die Schönheit des Paradieses schauen. Du sahest den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis, des Guten und des Bösen. Du sahest Satan in Gestalt einer Riesenschlange. Du hörtest ihn sprechen. Du sahest weiter die Früchte beider Bäume. Erkennst du heute das Warum? Zeugnis kannst und sollst du geben, daß es so war und nicht Bild oder geistig zu verstehen. Was vor der ersten Sünde war, das Schöne, das Herrliche und Verklärte, wurde genommen und keine Erinnerung blieb, nur das Wissen um das Verlorene. Was mit der Sünde im Zusammenhang stand, blieb auch in der Erinnerung. Es wurde von den Stammeltern in der Überlieferung an die Nachkommenschaft weitergegeben. Der Geist hat die Macht, sich zu wandeln und Gestalt anzunehmen. So hat Luzifer sich auch gewandelt in eine Schlange. Gott hat Macht über Unscheinbares, über Unbedeutendes, ein Gebot zu setzen und den Gehorsam daran zu knüpfen. Ist es nicht so geblieben? Gott hat den Menschen alles in die Hände gelegt, daß er darüber verfüge zum Guten oder Bösen durch seinen freien Willen. Wie aber steht der Mensch seit dem Sündenfall zu Gott mit dem Geschenk des freien Willens? Die betörende Stimme Satans bringt Massenauflehnungen gegen Gottes Gebote, steigert sich mehr und mehr, in Gott gleich sein zu wollen. So verunstaltet der Fürst dieser Welt das Schöpfungswerk Gottes, um den Glauben aus dem Herzen zu reißen. Auch hier gilt das Wort: Selig, die nicht sehen noch forschen, aber felsenfest glauben!"

 

Donnerstag, den 23. März 1961

Jesus erlaubt mir heute, an der hl. Messe in Niederpleis am Nachmittag teilzunehmen. Ich darf über Nacht bei meiner Schwester Katharina Braun bleiben, bis nach der 3. hl. Messe am anderen Morgen. Jesus sagt: "Ich erlaube es wegen der großen Gnaden, die in jeder Mission fließen. Du aber vergiß die Sünder nicht, die auf Meine Barmherzigkeit rechnen. Gedenke ihrer, die von der Macht der Finsternis besonders eingeholt sind." Die Kirche ist überfüllt und bei der Aussetzung des Allerheiligsten sehe ich, als ob die Monstranz ein Thron sei, auf dem Jesus als König sitzt. Nach dem Segen sehe ich, daß die Monstranz nur ein Kreuz trägt und nicht wie ein Thron gearbeitet ist. Ich bin verwirrt, weil das Vorhergehende so natürlich aussah.

Jesus erklärt: "Jeder Altar, wo Ich Mein verborgenes Zelt besitze und jede Monstranz ist Mein Thron. Als König der Liebe herrsche Ich dort. Aus Liebe will Ich alle an Mich ziehen, die Mir, ihrem König in Brotgestalt verhüllt, ihre Liebe entgegenbringen. Weil der Glaube an Meine Gegenwart so klein und die Liebe zur hl. Eucharistie so schwach geworden sind, darum durftest du Mich sehen als König. Lege du auch davon Zeugnis ab, damit der Glaube an Meine Gegenwart größer wird und die Liebe eins wird mit der Liebe Meines Herzens. Wenn die Schafe aus dem anderen Schafstall kommen, müßt ihr, die Ich aus Gnade und Erbarmen an Mich zog, bekennen und beglaubigen, daß nur in der einen, wahren, von Mir gestifteten Kirche, alle eins werden. Dort steht Mein Thron. Dorthin werden kommen die Völker und Nationen, damit der König aller Könige sie segne und Sein Reich komme zu allen!"

 

Sonntag, den 26. März 1961

Heute ist Schlußsonntag der Mission in Niederpleis. Jesus will, daß ich schon in der Kindermesse dort sein soll und auch im Hochamt. Die Kirche ist wieder überfüllt. In der Schlußfeier am Abend bitte ich Jesus um eine Osterfreude, wenn ich auch dafür Opfer bringen müßte. Ich bitte um eine Seele, die noch in letzter Stunde kommt, wenn auch die Missionare schon fort wären.

 

Montag, den 27. März 1961

Nach der letzten hl. Messe um 8.00 Uhr will ich heimfahren. Es kommt anders. Meine Glieder werden nach der hl. Kommunion so schwer. Jesus sagt: "Sie warten auf dich, um dich mitzunehmen. Du aber hast Mich um eine Seele gebeten als Ostergeschenk. Ich schenke sie dir. Du wolltest den Kreuzweg gehen nach dieser hl. Messe. Du wärest nicht dazu gekommen. Nun halte Ich dich anders, und niemand hindert dich. Bereite dich nun vor auf die Leidenstage durch Betrachtung Meiner Leiden. Gedenke besonders der Seele, die Ich dir schenkte." Es muß wohl mehr als eine Stunde gedauert haben. Als ich zu mir komme, sehe ich einen Benediktinerpater am Altar, der fast am Schluß der hl. Messe ist. Es war noch ein Totenamt. Da kommt ein Herr und lädt mich ein, in seinem Auto mitzufahren. Ich verstehe nicht und frage: "Wohin wollen sie mich fahren?" Er: "Ich tue es gern, es geht doch nicht recht mit ihnen. Ich fahre schnell jemanden, dann bin ich wieder hier." Er sagte wohl noch mehr, aber ich war nicht recht dabei. Zu meinen Schwestern sagte ich, daß wir gehen sollten. So sind wir weggegangen, aber es kam kein Auto. Es war nicht Gottes Wille. Der Weg wurde mir schwer, aber hier stand das Opfer. Dann erzählte man mir, daß nach der Messe ein Mann gekommen sei, der lange der Kirche ferngeblieben war. Man kannte ihn. Sie wußten, daß ich Jesus um eine Seele gebeten hatte. Nun kam sie in letzter Stunde. Wir freuten uns alle und hielten den Tag als Danktag. Mein Zustand wurde schlimmer, als wir im Hause waren.

Jesus ist bei mir und sagt: "Folge Mir in Meinem Leiden am Ölberg." Angst und Zittern befällt mich, der Schweiß bricht aus. Eine Not ist in mir, als wollte jeden Augenblick das Herz brechen. Es ist kalt und rau geht der Wind. Mit Jesus sehe ich die Bergeslast der Sünden. Der Vater sieht nicht mehr den Sohn, sondern einen mit Sünden Beladenen. Ganz Mensch ist Jesus jetzt. Darum leidet Er so schwer. Kein Trost wird Ihm zuteil. Es graut Ihm vor dieser Sündenlast. Er sieht trotz Seiner Leiden die Verlorenen. Er sucht Trost bei den Jüngern. Sie schlafen. Verlassen ist Er in Seiner Not. Satan nähert sich auch. Er wagt nochmals das Spiel, weil er hier Jesus nur als Mensch sieht, beladen mit den Sünden der Menschen. Jesus wird noch mehr von Angst befallen. Er wehrt sich gegen die finstere Macht. Er bittet und fleht zum himmlischen Vater. Da, in höchster Not, naht der Engel Seiner Menschheit, St. Gabriel. Er bringt Ihm Kraft und Stärke. Jesus wird ganz ruhig, ja, Freude strahlt aus Seinen Zügen, ob der schweren Leiden, die Ihm bevorstehen. Jesus sagt. "Du durftest das erleben am Anfang der Woche, weil du die weiteren Tage dieser Woche in den Leidenszustand von Maria Magdalena hineingenommen wirst. Fahre am Abend heim."

 

Gründonnerstag, den 30. März 1961

Am Dienstag war das große Flugzeugunglück, von dem Jesus am 24. Februar gesprochen hatte. Da Er mir die Seelen an diesem Tag alle geschenkt hat, weiß ich, daß alle gerettet sind. Wie groß ist die Barmherzigkeit Gottes. Lob und Dank sei Dir, Jesus. Am Abend gehe ich hinauf nach Ittenbach zur Abendmahlfeier. Ich gehe allein. Meine Gedanken sind bei dem Geliebten. Der Weg fällt mir schwer. Da ist Maria Magdalena an meiner Seite: "Meine Schwester, ich begleite dich. Du wirst wie ich einst in diesen Tagen von Wehmut und Trauer umgeben sein. Leide es für jene, die trauern und weinen ob der Last ihrer Schuld. Trage es auch mit allen Gott liebenden Seelen, die unverstanden durch das Leben gehen und nur in Gott Trost und Freude haben." Ich fühle nichts mehr, aber ich weiß, daß ich nicht allein bin. Nach der Feier kommt ein Leidenszustand über mich. Er dauert lange, bis ich daheim bin. Sühnestunden wollte ich halten, aber ich werde so schwach, daß ich ruhen muß.

 

Karfreitag, den 31. März 1961

Die Leidensnacht ist vorüber. In Gedanken begleite ich Jesus auf Seinem Leidensweg. Aufgewühlt ist alles in mir und ich frage: "Herr, es ist immer wieder Dein Tag. Warum erkennen die Menschen Deine Liebe nicht? An jedem Karfreitag erlebst Du Lieblosigkeit, Abneigung, Spott und Hohn. Immer wieder sind es zwei Parteien, die Dich auf Deinem Leidensweg begleiten, die eine für und die andere wider Dich." Jesus schweigt, aber die Gottesmutter ist bei mir, die Schmerzensreiche. Sie spricht: "Jesus leidet ja weiter in Seinen Gliedern und im Denkmal Seiner Liebe. – Ja, was Ihn einmal umgab an Haß, an Vernichtungswahn, das wird immer so sein, wenn dieser Tag wiederkehrt. Wenn der letzte Karfreitag kommt, werden wie einst die Gerechten mit Jesus ausharren bis zur Stunde der Auferstehung des Fleisches. Der letzte Karfreitag wird das größte Schauspiel für die Welt sein. Alles wird offenbar, weil das ewige Licht alles Geheime und Verborgene an den Tag bringt, mag es Gutes oder Böses sein. Betet darum immer, daß ihr einst denen beigezählt werdet, die mit Jesus das Kreuz tragen bis zum Sterben mit Ihm. Ihr werdet mit Ihm Auferstehung feiern in ewiger Freude und Glorie. Ich habe dieses gesagt, um allen wahren Kreuzträgern erneut Mut ins Herz zu senken, wenn das Kreuz scheinbar zu schwer wird. Dann kommet zu mir, der Schmerzensreichen. So wie ich meinen göttlichen Sohn vom Kreuze nahm, werde ich alle vom Kreuz nehmen, denen ich im Leben die Mutter war. Mutterliebe harret aus in den Leidesstunden des Kindes. Das Mutterherz leidet mit Mutterhänden, die meinen, werde ich euch reichen und euch heimfahren in die himmlischen Wohnungen, die bereitet sind für jene, die den Willen des Vaters erfüllten, die Brüder und Schwestern Jesu sind, gezeichnet und gekrönt durch Sein heiliges Kreuz."

"Dank, Dank, liebe Mutter für den Trost, den du allen Gottliebenden und Kreuzträgern gegeben hast. Ich bin ein Kind Mariens, ich bin der Mutter Kind. Ich fürchte nichts auf Erden, als nur die schwere Sünd. Und sollte ich einmal sterben, kommt meine Mutter mit dem Licht. Dann berge ich an ihrem Herzen mein sterbend Angesicht."

Ich gehe nach Ittenbach zur Karfreitagsliturgie. Nach der hl. Kommunion versenke ich mich ganz in Jesu Leiden. Maria Magdalena ist wieder bei mir: "Gehe heim, meine Schwester. Ich konnte auch nicht bleiben am hl. Ort nach der Kreuzabnahme. Gedenke in stiller Trauer und Sühne des Geliebten, was Er tat für unsere Schuld. Habe Trauer über deine und der Welt Sünden. Wie Jesus, sühne alles an dem Kreuz, das das deine ist. Gedenke besonders derer, die heute sterben. An jedem Karfreitag wird ein Schächer dabei sein, der Gnade verlangt und dem sich die Pforten des Paradieses öffnen. Es sind immer Heilige und Sünder dabei. Es kommen Büßer, die um ihrer Reuetränen willen die unendliche Barmherzigkeit der gekreuzigten Liebe erlangen. Als mir die Dornenkrone und der Schwamm gereicht wurden, da sagte ich: 'Das allein blieb mir von meinem Geliebten.' Siehe, du hast mehr, du darfst Ihn heimtragen im Herzen. Er opfert sich immer wieder vom Anfang der Sonne bis zu ihrem Untergang. Er gibt sich hin, Sein Flut fließt von den Altären als Erlösungsstrom weiter für alle. O welche Liebe, welch großes Geheimnis. O hätte ich unter dem Kreuze Jesus in mein Herz aufnehmen können, das wäre mein Himmel in diesem Augenblick gewesen. Nun kommt sie, die Schmerzensreiche mit ihren Engeln und Heiligen und beten mit mir Jesus an in allen Herzen, die Ihn am Karfreitag empfangen. Jene Seele, die Jesus an diesem Tag aufnimmt, ist Sein Grab, in dem Er ruht bis zum Ostermorgen. Eure Schutzengel halten die Wache bis zur Auferstehungsstunde. Darum sei still, meine Seele, und bete mit deinem Engel dein verborgenes Geheimnis in Demut und Liebe an."

Sie ist fort. Die Kirche ist fast leer mit Ausnahme einiger, die zur hl. Beichte gehen. Daheim auf meinem Zimmer halt ich Sühne für die Sünden des Tages.

 

Ostersonntag, den 2. April 1961

Es wird wohl zwei Uhr nachts gewesen sein, als ich dachte, mich hätte jemand geweckt. Ich setze mich im Bett auf und sehe eine Lichtfülle, die das ganze Zimmer erhellt. Das Licht teilt sich und Jesus wird erkennbar. Seine Hände sind ausgebreitet, die Wunden glänzen wie Sonnen. Er kommt näher. Ich habe keine Worte als diese: "Jesus, Jesus, wie schön bist Du!" Langsam geht Jesus zurück. Eine große Sehnsucht überfällt mich und Liebe erfüllt mein armes, schwaches Herz: "Geh nicht fort, Herr! Bleibe bei uns." Er segnet und entschwindet. Schlafen kann ich nicht mehr, also bete ich. Eine Stunde muß ich wohl schon gebetet haben und möchte gern wissen, wie spät es ist, da wir in die Auferstehungsfeier gehen wollen. Ich stehe auf und gehe auf die andere Seite, wo Katharina auf ihrem Nachtschränkchen die Uhr stehen hat. Da es so dunkel ist, sage ich: "Schutzengel, leuchte mir doch einmal!" Da richtet sich Katharina auf, macht Licht und schaut auf die Uhr. Es ist vier Uhr. Weil ich sie nicht erschrecken will, bitte ich den Schutzengel, daß sie mich nicht sieht. Still gehe ich in mein Bett zurück. Als ich hernach erzähle, was sich zugetragen hat, sagt meine Schwester, sie habe gehört, wie ich sagte: "Jesus, wie bist Du so schön!" und "Bleibe bei uns!" Daß ich auf die Uhr geschaut habe, hat sie nicht gesehen.

Jesus sagt: "Deine Schwester freut sich, wenn du gleich mit ihr zusammen ein wenig essen wirst. Erfülle ihr diese Freude. Ich bin bei euch." Wir sind beim Mittagessen und meine Schwester bringt die Nachricht, daß ich bis zum anderen Tag bleiben kann Sie war bei mir daheim und meine Angehörigen hatten sich entschlossen, nach Gelsenkirchen zu meiner Tochter Maria zu fahren. So kann ich den ganzen Tag bei meinem Jesus sein, da ja auch das 40-stündige Gebet ist. In diese schöne Freude hinein wird mir der Leidensbecher gereicht. Mein Herz krampft sich vor Weh zusammen.

Mein Walter hat heute kirchliche Trauung in der evangelischen Kirche, und sein Kind wird heute dort getauft. Vor dem Allerheiligsten bete ich: "Mein Jesus, ich kann es nicht fassen, mein Kind hat sich so abgewendet. Wie liebte es Dich und welche Opfer brachte es. Das erste Wort, das über seine Lippen kam, als es anfing zu sprechen, war 'Jesus'. Als es acht Jahre alt war, sagtest Du: 'An diesem Kind wirst du die größte Enttäuschung erleben.' Herr, sie ist da, wie wird es weitergehen? Sage mir, was ich tun soll. Es bricht mir fast das Herz."

Jesus sagt: "Vertraue weiter. Über dein Kind bestimme Ich. Er aber hat sich durch seinen Lebenswandel von Gott und der Kirche schon losgesagt. Nun muß er über den Irrweg den rechten Weg wiederfinden."

 

Montag, den 3. April 1961, 2. Ostertag, Niederpleis

Heute ist mein Engeltag. Ich sage es meinen Brüdern und Schwestern. Sie schauen mich fragend an. Ich erkläre, daß es mein Geburtstag ist. Von der Stunde der Geburt an ist der Schutzengel unser Begleiter. Somit ist der Geburtstag ein Danktag für den Engel und die Mutter, die unter Einsatz ihres Lebens dem Kind das Leben schenkt. Nun wissen sie auch, wie sie Geburtstag als Ehrentag halten können. Erst haben wir im Gottesdienst und in den Anbetungsstunden Gott die Ehre gegeben. Dann haben wir uns in einer kleinen Feier so recht wie Kinder gefreut. Am Abend fuhr ich heim.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 7. April 1961

Die ganze Woche ist für die Erstkommunikaten. Jesus sagt: "Bist du bereit, für jene zu leiden, die aus der Schar einmal Priester oder Ordenleute werden?" – "Wenn Du mich, Herr, für diese als Leidensopfer nimmst, dann kann ich es aus Deiner Hand nur dankbar annehmen. Ich darf jetzt leiden für sie, und sie werden einmal für meine Arme Seele beten."

 

Weißer Sonntag, den 9. April 1961

Ich bin in Ittenbach und sollte in Gelsenkirchen sein, wo mein Enkelkind Gabriele zur ersten hl. Kommunion geht. Wegen der Leiden kann ich nicht hin. Seit Freitag bin ich so krank, daß ich kaum gehen kann. Jesus hat es mir schon einen Monat vorher gesagt, daß ich krank sein werde. Ich danke aber, daß ich die schöne Feier noch mitmachen durfte. Auf dem Heimweg schwellen die Glieder an. Es brennt, als wären sie von Feuer durchglüht. Verkrampfungen kommen dazu. Doch ich bin froh. Ich trage Jesus im Herzen. Gebückt von Schmerzen mache ich das Essen fertig, denn mein Mann ist auch zuhause geblieben. Nach dem Essen muß ich liegen. Die Leidensstunden sind doch meine glücklichen Einkehrstunden auf meinem Zimmer. Jesus ist bei mir, die Muttergottes, die lieben Engel und die Heiligen. Der Himmel neigt sich hernieder zur Leidensseele. Es ist schön, weltabgeschieden zu sein. Keine Zeit ist mehr für die Sünde, wenn man in Gott verankert ist. Oft bete ich: "Herr, was Du mir an Gnaden schenkst, gib es doch allen Menschen." Er tut es, wenn wir guten Willens sind.

 

Donnerstag, den 13. April 1961

Heute bitte ich die Gottesmutter, mich für ein paar Stunden zu befreien, wenn der Seelenführer kommt. Nach neun geht die Lähmung aus den Gliedern. Ich kann aufstehen und feiere die hl. Messe auf meinem Zimmer. Jesus ist bei mir. Wenn Er mich auch leiden läßt, aber er läßt mich nicht hungern und dürsten. Es bleibt mein süßes Geheimnis, die wunderbare Vereinigung mit Jesus, dem Bräutigam meiner Seele.

 

Samstag, den 15. April 1961

Pater Heinrich Maria Schröder, mein Seelenführer, ist am Donnerstag kaum gegangen, da treten die Leidenszustände wieder auf. Krank bin ich auch, da ein Grippe beginnt. Jesus: "Bis Samstag, Meine Seele, leide noch für die Kinder. Die Ich erwähle für den Priester- und Ordensstand, werden im Leben einen schweren Kreuzweg gehen. Darum ist es gut, wenn für sie schon jetzt gebetet wird, Opfer und Leiden für sie gebracht werden."

Am 12. Mai war der Todestag meines Seelenführers Pater Dohmen. Er gibt mir einen besonderen Segen. Nun bin ich wieder in der Kirche. Zehn Minuten später beginnt das Brautamt. Es erklingt eben das 'Gloria'. Ich schaue auf die Uhr, weil ich zum Bus gehen müßte. Bittend schaue ich zum Altar. Jesus: "Bleibe bei Mir, Meine Braut. Ich mache alles gut. Deine Engel werden dich begleiten, und keine Last wird dich drücken." – "Tausend Dank, mein Geliebter, Du mein Ein und Alles." Auf dem Heimweg sehe ich kurz meinen Engel, St. Franziskus und St. Antonius. Ich spüre kein Gewicht, alles ist federleicht. Den ganzen Weg singe ich. Daheim angekommen, hat Maria ihre Sachen wieder gepackt. Sie ist unruhig und will wieder zurück.

 

Sonntag, den 14. Mai 1961

Mein Bruder Heinrich Johannes ist in Geistingen. Er wollte Montag zu mir kommen, aber Jesus will, daß ich Sonntag hinfahren und bis Montag bleiben soll. Bin um acht Uhr in der hl. Messe in der Pfarrkirche. Dann fahre ich um neun Uhr nach Geistingen. Weil im Kloster vor 11 Uhr keine hl. Messe ist, gehe ich zum Hochamt in die Pfarrkirche. Die Muttergottes sagt: "In der anderen Hälfte dieses Monats werden dir keine mystischen Leiden empfohlen werden. Ich werde mit dir sein und habe noch Freuden für dich bereit." Mit meinem Bruder und meinen Geschwistern verlebte ich einen frohen Tag. Gretchen weiß in ihrer Liebe nicht, was sie noch alles tun soll. Ich kann aber nicht alles essen, was mir angeboten wird. So blieben Kuchen und Nachtisch zurück. Sie vergibt sich in Güte und ist doch so leidend, daß es kaum noch geht.

 

Montag, den 15. Mai 1961

Welch eine Freude! Mehr als ein halbes Jahr war ich nicht mehr in der Klosterkirche. An so vielen hl. Messen habe ich wieder Anteil. Bevor ich die Kirche verlasse, trifft mich ein Lichtstrahl vom Altar und ich höre Christi Stimme: "Laß dich gleich nicht mit dem Kuchen verführen." Ich komme heim zu Gretchen. Freudestrahlend weist sie auf den Kuchen hin, der schon auf dem Tisch steht. Man schaut mich an, als ich erzähle, was Jesus mir sagte. Am Nachmittag kommt eine Verwandte. Der Sohn fährt Bruder Heinrich und mich zum Michaelsberg, zur Abtei nach Siegburg. Bruder Heinrich kennt dort einen Pater, der auch von Herten ist. Es waren schöne Stunden. Durch die ganze Abtei wurden wir geführt. Vieles in dem Kloster kenne ich schon von früher. Aber heute sehe ich vieles schön erklärt, daß mein Herz überströmt vor Freude. Das hat nur einer bewirkt, den ich auch nicht vergessen kann, nämlich mein verstorbener Seelenführer Pater Wigbert Schöeller. Zuletzt gehe ich zu seinem Grab und danke. Nun sind es bald 15 Jahre, daß er hier hinter den stillen Klostermauern ruht. Am Abend bin ich wieder daheim. Zu meiner Freude erfahre ich, daß in der Ehe meiner Tochter Maria alles wieder in Ordnung ist.

 

Dienstag, den 16. Mai 1961

Die Muttergottes erklärt, was die drei und dann die acht Lichter am Altar bedeuten: "Ich bin die Tochter des Vaters, die Mutter des Sohnes und die Braut des Heiligen Geistes. Als Tochter des Vaters bin ich in Demut, Glaube und Hingabe an Seinen Willen. Als Mutter des Sohnes bin ich die Unbefleckte und Unversehrte. Als Braut des Heiligen Geistes bin ich die Liebe, die Verborgenheit, die Wunderbare. Das sind acht Lichter, durch die ich in der Heiligsten Dreifaltigkeit das Wohlgefallen bin. Denke oft darüber nach. Es sind große Geheimnisse. Der Heilige Geist wird deinen Seelenführer und dich tiefer in die Geheimnisse einführen."

 

Mittwoch, den 17. Mai 1961

Am Abend spricht Jesus: "Es ist Mein Wille, dein Leben der Kindheit, der Jugend und Ehe deinem Seelenführer zu offenbaren. Ich werde ihn erleuchten in allem. Er wird Verständnis haben für dich, erkennen die Wege der Finsternis, des Lichtes und der Gnade. Als Priester wird sich etwas auftun für ihn, das zum Seelenheil anderer dient. Vertraue weiter, Meine Gnade ist mit dir und mit ihm."

Jesus weiter: "Ich ließ es zu, daß er den Zustand der Not sah, der über dich kam. Sein Segen bewirkte, daß es nur eine Weile anhielt. Seine Segensmacht wird noch größer, so du ihm beistehst in Gebet, Opfer und Leiden."

 

Sonntag, den 21. Mai 1961, Pfingsten

Pfingsten. Ein Tag des Dankes soll es sein, für alles, was der Heilige Geist schon wirkte in meiner Seele. Eine Bitte ist verbunden mit dem Dank, daß doch die Menschheit mehr erkennen möge, was die dritte Person der Gottheit für unsere Zeit bedeutet. In meinem Beten hüllt mich ein großes Licht ein, wie eine Sonne, die ein Strahlenmeer verbreitet.

 

Montag, den 22. Mai 1961, 2. Pfingsttag

Nach der Wandlung im Hochamt in Königswinter hüllt mich wieder das wunderbare Licht ein. Heute ist in dieser Sonne ein Zeichen. Es sind drei Kreise darin, ganz weiß.

 

Mittwoch, den 24. Mai 1961

Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Meine Seele, ganz klein und demütig mußt du werden. Maria wird dich führen den Weg, den du bisher noch nicht gegangen bist. Vertrau ihr ganz, wenn du es auch nicht gleich verstehst. Zuerst muß dein Seelenbild so sein, daß dein Seelenführer hineinsehen kann wie in einen Spiegel."

 

Donnerstag, den 25. Mai 1961

Bin in Ittenbach. Der Maialtar trägt die Muttergottes mit dem göttlichen Kind (russische Ikone). Ich schaue immer wieder hin, denn Maria schaut so entsetzt. Es ist, als seien blutige Tränen in ihren Augen. So wage ich die Frage: "Meine Mutter, du schaust heute so sonderbar aus." Sie antwortet: "Gott legt das Leben vieler Menschen in deine Hände, daß du betest, opferst und leidest für sie. Es kommt ein großes Erdbeben über Gebiete, wo es nicht vermutet wird. Damit Gnade den Menschen gegeben wird in jener Stunde, soll schon jetzt die Barmherzigkeit Gottes über meine Barmherzigkeit angerufen werden. Fordere auch andere zur Sühne auf. Ich kann es nicht aufhalten durch meine Bitten, weil Gottes Langmut durch Hochmut und Anmaßung zum Spott und der Ablehnung menschlicher Ideen geworden ist."

In der Bäckerei will ich gerade zahlen, da kommt Bruder Karl Z. herein. Seine Frau sah mich in die Bäckerei gehen. Man möchte mich mitnehmen nach Schönstatt. Ich weise auf meine Pflicht hin. Sie fahren mich heim. Ich bete zur Muttergottes: "Du weißt es wohl, daß ich zu dieser deiner Gedenkstätte schon lange einmal pilgern wollte. Du weißt es aber, daß ich nur nach Gottes Willen gehe und auch meine Pflicht nicht verletzen will. Sonntag will ich nach Banneux und heute dort hin. Kann ich das, darf ich das?" Lächelnd schaut mich die Gottesmutter an und sagt: "Vergiß aber das Maiandacht-Büchlein nicht." So darf ich also mit. "Eine schönere Antwort hättest du mir nicht geben können. Wir werden dort eine besonders gute Maiandacht halten." In Schönstatt angekommen, erhalten wir gleich den sakramentalen Segen, weil mit uns eine Pilgergruppe die Gnadenkapelle betrat. Auch da sah ich den entsetzen Blick am Gnadenbild wie am Morgen in Ittenbach. Ich gedachte der Seelen in jener Stunde und legte Angst, Not und Tod in die Hände der Dreimal Wunderbaren. "O Maria, bitte für sie und segne sie."

 

Sonntag, den 28. Mai 1961

Heute bin ich mit den Pilgern aus Schöneberg und Niederpleis in Banneux. Unsere Pilgermesse ist an der Quelle. Mein Verlangen ist, noch einer Messe beizuwohnen. Ich schließe mich meinen Brüdern und Schwestern an, die zwecks Besichtigung zur Gnadenkapelle wollen. Wir stehen vor dem Eingang, alles ist abgesperrt. Ein französicher Priester hält eine hl. Messe, Bruder Karl darf dienen. Das Gnadenbild sehe ich auf einmal anders. Es ist, als wäre über dem Haupt der Muttergottes ein strahlendes Kreuz, von dem Lichtstrahlen ausgehen, die Maria einhüllen.

Von ihren Händen gehen Strahlen aus, die zur Erde gehen. Ich sehe das von der Opferung bis nach der hl. Kommunion. "Die hl. Messe hast du mir gewährt, nun bitte ich dich, laß mich doch meine Brüder und Schwestern aus Paderborn hier wiedersehen." Wir sind auf dem Weg zur Dreifaltigkeitskirche und treffen die ganze Pilgerschar aus Paderborn. Da ich lange nicht mehr in Banneux war, mußte ich noch vieles sehen, was inzwischen entstanden ist. Wir sind in der Andachtskapelle. Da stehe ich vor einem Erscheinungsbild, das so aussieht, wie die Muttergottes sich mir morgens in der Gnadenkapelle zeigte. Auf dem Heimweg beginnt ein Leidenszustand. Das Blut wird wie Feuer in meinen Adern. Ich drohe zu ersticken. Ich bete für die Sterbenden dieser Stunde und rufe die Barmherzigkeit Gottes an. Jesus aber läßt mich in die Seelen der mitfahrenden Pilger schauen. Da ist soviel Schweres, das nur durch Opfer und Leiden abgenommen werden kann. Es mangelt sehr an Gottes- und Nächstenliebe. Ich danke für diesen Einblick und bitte, daß wir doch alle in Liebe geeint werden. Ich komme zu mir, aber die Not bleibt.

Ich kann das Rauchen nicht vertragen, aber alle Männer rauchen. Ich bitte um frische Luft, aber andere rufen, man solle das Fenster schließen. "Herr, du willst auch hier das Opfer. So nimm es für die vielen Rücksichtslosigkeiten, die jeden Tag verübt werden. Laß mich nur nicht ganz zusammenbrechen." Jesus: "Gehe hier den Kreuzweg mit jenen, die sich dir anschließen. Vergelte das Rücksichtslose mit Liebe. Du wirst auf diesem Weg vom Leidenszustand befreit werden."

 

Montag, den 29. Mai 1961

Wie Blei sind meine Glieder. Es dauert, bis ich in Bewegung komme. Die Rückfahrt gestern (nach Oberpleis) war im Tempo zu schnell. Schwester Elisabeth stützt mich, ich könnte sonst nicht zur Kirche gehen. Nun ist es doch geschafft, und mit Jesus im Herzen gehe mit Elisabeth zurück. Ich spüre Fieber in den Gliedern, Schüttelfrost, Schmerzen im Rachen. Es wird so arg, daß ich nicht heimfahren kann. Man ist besorgt, man gibt mir Tabletten und hüllt mich in eine Decke ein. Nach einiger Zeit schlafe ich ein. Dann sehe ich die Gottesmutter auf einem seltsamen dunklen Berg stehen als 'Jungfrau der Armen'. Sie reicht mir die Hände. Ich will zu ihr hinauf, aber der Berg wächst höher und höher. Maria steht so hoch, daß ich ihre Hände nicht fassen kann.

Sie spricht aus der Höhe: "So wächst Banneux. Völker und Nationen kommen noch mehr. Was du siehst, diesen Berg, das sind die Sünden, die man hier ablegt. So viel wird hier vergeben und gebüßt, daß es wächst zu einem Berg, der über die Wolken ragt." Ich schaue noch hinauf, da stürzt der Berg zusammen. Unten windet sich die Schlange, Luzifer. Dann wird alles Licht. In diesem Licht steht Maria, die Jungfrau der Armen. "Muttergottes, einmal hast du einen Berg gewählt in Heroldsbach." Maria: "Dieser Berg ist entheiligt worden. Es kommt, wie ich es sagte, daß dieser Berg erst abgeräumt werden muß." – "Dann bitte ich dich, du reinste der Reinen, bitte doch für die Exkommunizierten, daß ihnen Licht gegeben werde, daß sie sich der Kirche im Gehorsam unterwerfen." Lächelnd und segnend entschwebt Maria. Zuvor sagte sie noch: "Trinke, wenn du aufwachst, von dem Wasser meiner Quelle. Ich nehme die Krankheit von dir. Sie wird nicht zum Durchbruch kommen. Am Abend kannst du heimfahren."

Es ist vier Uhr. Ich wache auf und trinke das wunderbare Wasser. Nach kurzer Zeit sind die Schmerzen und Lähmungen fort. Obwohl ich am Morgen so hinfällig war, wurde mir auf dem Heimweg große Freude zuteil. Ich durfte die Allgegenwart Gottes schauen. Überall zuckte das Licht auf, so als stände die Erde in einem Lichtermeer. Der ganze Weg war nur freudiges Loben und Danken an den allgegenwärtigen großen Gott. Die Freude strömte über auf meine Schwestern, die mit mir den Weg gingen.

 

Donnerstag, den 1. Juni 1961, Fronleichnam

Seit gestern läßt mich Jesus teilnehmen an den Schmerzen seiner durchbohrten Hände, Füße und seines Herzens. Der Weg zur Kirche kostet schon große Opfer, und die Arbeit fällt doppelt so schwer. Heute kann ich kaum auftreten. So gern möchte ich zur Prozession, kann aber nicht. So bleibe ich in der Kirche und halte stille Sühne für die Beleidigungen, die Jesus zugefügt werden im Sakrament der Liebe. Als die Prozession zurückkehrt, gehe ich hinaus auf den Kirchplatz, wo am Hochkreuz der letzte Segen gegeben wird. Jesus tröstet mich: "Deine Leiden sind für jene, die mir folgen konnten und es nicht getan haben. Bitte für sie, daß ihnen Gnade gegeben werde. Verlangen nach Meiner Liebe werde ich in ihre Herzen senken." – "Dann, Herr, will ich ganz froh sein, wenn ich etwas tun darf, daß Du noch mehr gesucht und geliebt wirst."

 

Herz-Jeus-Freitag, den 2. Juni 1961

Ein furchtbares Unwetter ist heute. Was noch nie war, unser kleines Dorf ist ganz überschwemmt. Die kleine Dorfstraße ist ein reißender Strom. Vor mir stehen die grauenhaften Bilder, die mir der Herr am 1. Januar zeigte. Heute ist nur ein kleiner Teil davon wahr geworden. In meine Gedanken hinein spricht Jesus, den ich wie einen Wanderer sehe: "Meine Seele, nach den Verwüstungen an vielen Orten werden die meisten doch nicht erkennen, daß Gott gesprochen hat durch diese Zeichen. Darum wird Größeres über den Erdkreis kommen."

Heute darf ich noch leiden für die Bekehrung der Sünder und für die große Lieblosigkeit, die allgemein herrscht. Heute, Herz-Jesu-Freitag, erscheint mein verstorbener Seelenführer, Pater Dohmen. Er segnet mich und spricht zum ersten Mal.

 

Sonntag, den 4. Juni 1961

Nun bin ich wieder frei von Leiden und erwarte Besuch aus Gelsenkirchen. Dann kommen noch vier liebe Schwestern aus Niederpleis. Sie halten mit mir Sühneandacht für alle die Kälte, Lauheit und Lieblosigkeit, die dem heiligsten Herzen Jesu zugefügt wird. Jesus segnet uns besonders und auch Maria. Am Abend vertraut sich die Schwägerin an, warum sie zu mir kam. Jesus hilf, daß diese Seele den Frieden und die Freude in Dir wiederfindet. O Unbeflecktes Herz Mariens bitte für sie. Eine große Herzensnot kommt über mich von sechs bis acht Uhr. Ich drohe zu ersticken und zu verbrennen. Jesus: "Das ist für die Seele, daß sie von ihrer Herzensnot frei wird."

 

Dienstag, den 6. Juni 1961

Am Himmel sehe ich ein großes weißes Herz wie Licht aus den Flammen aufsteigen. Ein zweites Herz bildet sich und ist mit dem anderen Herzen von der linken Seite ganz eng verbunden. Von diesem Herzen gehen lichte Strahlen aus. Dann bildet sich eine Anzahl Herzen, die diese beiden Herzen umgeben. "Mein Gott, wie tröstest Du mich in meinen Schmerzen. Du machst jede Bürde leicht und süß, dem, der Dir vertraut und sich Dir hingibt. O wie danke ich Dir." Beim Abendgebet sagt Maria: "Diese Schau der Herzen werde ich dir erklären. Vertraue weiter auf Gottes Vaterliebe und Güte."

 

Freitag, den 9. Juni 1961

Nach Jesu Willen fahren wir heute nach Arnstein. Zuerst sind wir in Ittenbach in der hl. Messe. Beim Betreten der Kirche empfangen wir gleich den sakramentalen Segen. Nach der hl. Messe gehen einige mit mir den Schmerzensweg und die anderen, die schon hungrig waren, sind in ein Hotel gegangen. Eine Pilgerin sagt mir, daß es ihr so wehgetan habe, weil sie nicht zur hl. Kommunion gehen konnte, da sie um fünf Uhr etwas gegessen hatte. Sie hatte angenommen, die Segensmesse sei um acht Uhr. Ich tröstete sie und sagte, daß es in Arnstein wohl möglich sei. Da die anderen noch nicht aus dem Hotel zurück sind, gehe ich mit denen, die den Schmerzensweg mitgegangen sind, zurück in die Kirche. Dort ist eine stille hl. Messe.

Nach der Wandlung spricht Jesus: "Gehe hin zu der Seele und sage ihr, Ich sah ihre Liebe und Sehnsucht. Sie muß Mich in dieser hl. Messe empfangen." Ich schaue mich um, wo sie kniet und sage es ihr. In diesem Augenblick kommt einer der Pilger und sagt: "Wir fahren weiter. Ich antworte: "Ihr müßt warten, bis diese Pilgerin zur hl. Kommunion gegangen ist. Das hat der Herr so bestimmt. Nachher erkläre ich das." Die Pilgerin sagte: "Diesen Tag werde ich nie vergessen." Als wir in Arnstein ankamen, war keine hl. Messe mehr. Wir gingen von Altar zu Altar und haben gebetet und gesungen. Ich kann den Blick nicht vom Hochaltar wenden. Im Bild des Herz-Jesu-Altars sehe ich in Seinem Herzen noch einmal Sein Angesicht und über Seinem Herzen eine Taube. Zu Bruder Karl sage ich: "Das ist eine eigenartige Darstellung." Karl sagt: "Das ist nicht so, das liegt sicher an der Beleuchtung." Ich sehe es aber immer klarer.

Dann höre ich die Stimme vom Altar aus: "Wer Mich sieht, sieht den Vater. Das Herz ist Thron und Sitz der Liebe, somit auch Thron des Vaters und des Heiligen Geistes. Dreifach strahlt die Liebe aus und ist doch nur eine Liebe. Dreifach ergießt sich auch diese Liebe in das liebende Menschenherz. Es wird eine große Liebe im Einswerden mit Gott." Da ich heute besondere Bitten habe für die Bekehrung der Sünder, lege ich meine Schwägerin, die zu Besuch ist, ins Herz Jesu hinein. Jesus sagt: "Sie ist dein Geschenk, diese Seele, heute an Meinem Fest."

 

Samstag, den 10. Juni 1961

Jesus spricht: "Meine Seele, in der zweiten Hälfte dieses Monats werden große Leidenszustände über dich kommen. Diese Leiden sind zur Bekehrung der Sünder, für den Frieden, den Ich allen schenke, die guten Willens sind, und für das Konzil im kommenden Jahr. Leiden sind, du weißt, sind die schönsten Grundsteine, auf denen Gott Großes gestaltet und entstehen läßt. Ich gebe dir die Kraft, den Weg zu meinem Heiligtum zu gehen und Mich im Sakrament der Liebe mit dir zu vereinen. Dann nehme Ich dir wieder die Kraft, damit dein Leiden verdienstvoll wird. Niemand wird dich verstehen oder dir helfen. Im Schweigen und in Gottergebenheit wirst du Meinem Herzen in Liebe noch nähertreten, ja, Freude wird dich einhüllen, weil Ich dich erwähle von neuem zum Leidensopfer für Meine Absichten."

"Wie gut Du bist, mein Gott! Leiden darf ich für alles Große und Heilige, das zu Deiner Ehre und Verherrlichung geschieht und werden soll. O so weiß ich, daß Du meiner Schuld nicht mehr gedenkst, sondern daß Du mich mehr aus Liebe und Erbarmen an Dich ziehst. Nur eine Bitte habe ich: Gib allen, für die ich bitte, soviel Gnade und Erbarmen, wie Du mir zuteil werden ließest. Ja, möchten sie alle heilig werden. O Maria, meine Mutter, bitte, daß in allem Gottes Wille geschehe."

 

Samstag, den 17. Juni 1961

Nach der hl. Messe halte ich Sühnestunde. Die Muttergottes erscheint vor dem Hochaltar und spricht: "Erschrecke nicht, daß du mich im grünen Gewand siehst. Ich hole dich noch nicht. Aber du sollst sehen, wie ich erscheine, wenn du das Irdische verläßt, wenn ewiger Frühling dich umgibt." Ich schaue hin, Maria trägt ein leicht grünes Gewand, von Gold durchwirkt. Auf dem breiten Gürtel steht: Hoffnung. Sie trägt einen langen weißen Schleier und eine goldene Krone. Die Krone hat ein Diadem aus zwei aneinander gefügten Herzen, darüber ein Kreuz. Segnend entschwindet sie.

 

Sonntag, den 18. Juni 1961

Nach der hl. Messe ist vor dem Tabernakel ein großes Herz, ganz wie aus Licht, von Strahlen umgeben. Ich höre Christi Stimme: "Ich bin das glorreiche Herz. Wer ein Bündnis mit diesem Herzen schließt und ganz eins mit ihm in Liebe ist, wird auch kosten von seiner Glorie. Das Geheimnis ist so groß, daß es in Worte nicht gekleidet werden kann. Wenn du, Meine Seele, das Licht mit seinem Strahlenschein von Meinem Herzen empfängst, mußt du aufgelöst von allem sein." Nach dem Rosenkranz zur hl. Dreifaltigkeit halte ich eine Betrachtung über die höchste Liebe. In meine Gedanken mischt sich etwas hinein, und so bitte Ich: "Du gehst vom Vater aus, und der Heilige Geist geht vom Vater und vom Sohne aus. Du bist der Sohn des Vaters. O verzeihe die Frage, in welcher Personenbezeichnung steht der Heilige Geist? Wir beten doch: Wir beten drei Personen in einer Gottheit an."

Ein Licht hüllt mich ein, und ich höre: "Die Personenbezeichnung ist 'Kind'. Weil Kind, so nur empfanget ihr in der hl. Taufe durch den Heiligen Geist die Kindschaft Gottes. Kind ist weiter die Liebe, die Reinheit, die Freude und das Geheimnis des Lebens. Kind hat hier nicht die Bedeutung wie in der Ehe auf Sohn oder Tochter. Das Wort Kind birgt in der Dreifaltigkeit ein großes Geheimnis."

 

Sonntag, den 25. Juni 1961

Eine große Leidenswoche ist hinter mir. Die Schmerzen sind so, als würden mir die Adern aus den Gliedern gezogen. Bin ich in der Kirche, geht es. Auf dem Heimweg kam ich kaum von der Stelle. Man sieht es wohl, aber man macht mir Vorwürfe: "Du hast ja keine Ruhe, mußt ja immer laufen. Geh zum Arzt und laß dich ausheilen." Was soll ich darauf sagen? Jesus hat es mir doch vorher gesagt, wofür alles ist. So will ich schweigen. Die Glieder sind geschwollen. Weil es auch unter den Füßen ist, ist das Stehen auf einer Stelle längere Zeit sehr schmerzhaft. Doch ich will dulden und schweigen. Ich darf ja teilnehmen an den Leiden der Geißelung. Heute ist noch ein anderer Zustand dabei. Es ist mir wie zum Sterben. Die Gottesmutter weist mich darauf hin, daß ich schimmeliges Brot esse. So war eine Vergiftung die Ursache der großen Schmerzen. Sie sagt zu mir: "Nimm das Wasser von der Quelle und du wirst frei sein. Du sollst erklären und beweisen, welche Heilkraft das Wasser von Banneux hat." Ich tat, wie befohlen, und spürte nach Stunden Besserung.

 

Freitag, den 30. Juni 1961

Heute, am letzten Tag des Monats, nimmt mich der Herr vom Leidenskreuz. Freude ist dieser Tag in Gott. Sehnsucht erfüllt mein Herz. Ich weine. Warum? So oft weine ich. Heim möchte ich. Ruhen am Vaterherzen Gottes. Ich muß zum Himmel schauen. Ich hebe flehend die Hände und rufe: "Vater, dein Kind ruft Dich, dein Kind weint vor Sehnsucht, auch vor Liebe. Ich weiß, ich bin noch nicht so, wie Du mich haben willst, aber Du weißt, daß ich bemüht bin, mehr und mehr Deinen Willen zu erfüllen. Es ist aber die Macht Deiner Liebe, die mich zieht. Dann kommt es wie Auflösung über mich, Vater, dann eine Ruhe, die alles um mich herum versinken läßt. Dann bin ich so glücklich, so froh, weil ich, o Gott, Dein Einwohnen in mir verspüre."

In diese Wonne hinein kommt eine große Reue über meine Sünden und Fehler. Dann fühle ich mich so gering, so klein und frage: "Warum steht mein Lebensweg immer von neuem auf. Du hast verziehen, Du hast mich aus Erbarmen an Dich gezogen und mich auf den Weg Deiner Liebe und Gnade geführt durch Maria, die Reinste und Makellose. Ich weiß, das muß so sein, alles lag und liegt in Deinem Willen. Zuerst stand ich in der Sünde, und dann erst kamst Du, den ich nicht fassen kann, immer noch nicht auf meinem Lebensweg. Hätte ich Dich, mein Gott, doch zuerst gekannt, sag es mir, hätte ich Dich so betrübt?"

Die reinste, heiligst Mutter ist bei mir: "Hab Vertrauen, mein Kind. Ich sagte dir schon einmal, das Geheimnis der Bosheit ist größer als das Geheimnis der Liebe. Deine Liebe zu Gott wäre nicht so groß, hättest du in den Tiefen der Bosheit nicht gestanden und der Hölle Macht nicht erfahren. Die Gabe der Tränen ist große Gnade. Sie ist Schutzwand gegen Hochmut und Eigenliebe. Wer immer bereut und beweint, kann dem Versucher nicht zum Opfer fallen."

"Ich danke dir, meine liebe, gute Mutter. Sammle meine Tränen, werte sie auf, damit die Sünder sich bekehren und daß doch Gott mehr geliebt, geehrt und angebetet werde." Lächelnd entschwindet Maria.

 

Samstag, den 1. Juli 1961

Heute ist Feiertag für mich am Fest des Kostbaren Blutes. Jesus muß ich danken, der mich am 15. August 1948 Maria Magdalena vom kostbaren Blut nannte. Wofür verdiente ich das? Ich kann es nicht fassen.

 

Sonntag, den 2. Juli 1961

Ich habe kaum geschlafen, aber viel gebetet und betrachtet. Auf einmal wird es so hell. Ich sehe eine große Zahl heiliger Päpste und meinen verstorbenen Seelenführer. Alle segnen. Ich frage: "Warum seid ihr hier?" Sie antworten: "Weil du Opfer für die Priester bist, darum segnen wir. Wir segnen euch alle für die Wallfahrt." Maria ist auch bei mir, segnet auch und sagt: "Ich begleite euch mit meinen Engeln." Mein hl. Engel ist bei mir und der Marienengel. Ich muß hinschauen zum Bett meiner Schwester Elisabeth. Da sehe ich ihren Schutzengel im weißen Gewand, das von Diamanten funkelt. Er trägt einen goldenen Stirnreif. Auch sie hat den Marienengel. Dann sehe ich, als gingen zwei Engel zu Bruder Karl durch die Tür. Der Schutzengel trägt eine Dalmatika.

Wir sind fast in Maria Martental. Ich bin bei Bruder Addi Winterscheid im Auto mit zwei Mitschwestern. Wir sind vom Weg abgekommen. Das größere Auto ist schon voraus. Da sehen wir einen Verwundeten liegen, der mit seinem Auto verunglückt ist. Es fuhren so viele Wagen uns voraus, und keiner half. Ich bitte Addi, zu halten und zu sehen, ob wir helfen können. Er legt dem Verwundeten einen Notverband an seinen Arm und an die Hände. Er scheint eine Gehirnerschütterung zu haben. Er ist von der Luftwaffe und hatte Nachtdienst. Vor Übermüdung schlief er ein und verlor die Gewalt über das Steuer.

Wir kamen nicht mehr pünktlich zur hl. Messe. Nach dem Hochamt war eine Trauung. Ich bin immer fassungslos, wenn ich eine Braut oder Brautjungfer in so weit ausgeschnittenen, ärmellosen Kleidern am Altar stehen sehe. Warum dulden unsere Priester das? Warum läßt man sie so am Altar knien und reicht ihnen die Kommunion? Ich schaue zur Schmerzensreichen und bete, daß sie es doch bewirken möge, im Heiligtum des Herrn mit anständigen Kleidern zu erscheinen. Sie sagt: "Ich muß immer wieder sehen, wie sie in schamlosen Kleidern erscheinen und zum Ärgernis werden. Ich bin traurig über meine Priester, die nicht den Mut haben, ein Wort der Macht zu sprechen. Zu frei ist die Menschheit geworden. Sie erkennen nicht mehr, wie groß die Ärgernisse sind, die sie geben. Ein großes Wehe geht über die Ärgernisgeber. Betet für sie, damit sie erkennen und den Weg der Sittsamkeit und Zucht gehen."

Wir halten Sühneandacht und schließen uns dann der Andacht der Gemeinde an. Danach gehen wir alle zum Grab meines verstorbenen Seelenführers Pater Josef Dohmen. Wir singen und beten, was ihn im Leben erfreute. Der Himmel tut sich auf, und Maria mit ihrem Kind segnet uns, und auch der Pater, rechts von der Gottesmutter, segnet uns. Wir knien nieder und fahren dann hochbeglückt heim, mit einer kurzen Unterbrechung in Maria Laach. Ich bin fast am Ende meiner Kraft. Man wundert sich über meine geschwollenen Glieder. Es ist ja Sühnewoche für mich, in die der Herz-Jesu-Freitag fällt. Sie haben alle unter der großen Hitze gelitten. Es sollte ja auch eine Bußwallfahrt sein.

 

Mittwoch, den 5. Juli 1961

Zwei Tage konnte ich nicht gehen. Die Schwellungen wurden schlimmer und die Schmerzen größer. Jesus läßt mich erkennen, daß ich teilnehmen darf an den Schmerzen Seiner Geißelung. Durch Maria ist meine Bitte angenommen, zu leiden in dieser Woche für alle Sünden, für die der Herr büßte an der Geißelsäule. Ich gedenke auch der Seelen im Fegefeuer, die der Fürbitte beraubt sind. Heute werde ich erwartet in Niederpleis bei Bruder Karl und Schwester Elisabeth. Mein Seelenführer kommt auch. Bin um neun Uhr in der hl. Messe in Ittenbach. Der Weg zurück fällt schwer. Ich kann kaum Stehen oder Gehen. Aber Jesus will doch, daß ich nach Niederpleis fahre. Daheim darf niemand merken, wie es um mich steht. In der Kraft von oben ging es auch. Es ist später geworden als ich dachte.

Ich bin acht Minuten später an der Haltestelle. "O Jesus, Du willst das Opfer. Ich muß zu Fuß gehen bis Opferpleis. Der Anschluß ist ja erst nach zwei Uhr. Ich komme schon hin, Herr, Du weißt, was ich leisten kann. Hätte ich fahren können, wäre ich noch in stiller Anbetung über eine Stunde bei Dir in Deinem Haus geblieben." Ich gehe einige Schritte, da ist der hl. Engel bei mir: "Schau dich einmal um." Da sehe ich den Bus, der viel Verspätung hatte. "Danke, lieber heiliger Engel!" Nun halte ich bis kurz nach zwei Anbetung. Niemand kommt. Ganz allein halte ich traute Zwiesprache. Auf der Fahrt wird es mir so übel. Ein Brand tritt auf, als wären die Adern von Feuer durchglüht.

Jesus ist bei mir. Er läßt mich schauen eine armselige Schar, die wie Bettler flehend die Hände hebt. "Wer sind diese, Herr?", frage ich. Er antwortet: "Du leidest für diese, die du in deinen Tag hineingenommen hast." – "Wie groß, Herr, ist doch diese Zahl, die der Fürbitte beraubt ist. Wie furchtbar muß das sein." Nach einiger Zeit werden alle Glieder lahm. Ich kann nicht aufstehen.

Jesus läßt mich teilnehmen an den Leiden Seiner Dornenkrönung. Es ist für jene, die wegen Hoffart und Stolz große Fegefeuerstrafen abbüßen müssen. Dann sehe ich Jesus an der Geißelsäule. Meine Glieder drehen und winden sich im Schmerz. Sühne für die Sünden des Blutes.

Ich will heim und soll gefahren werden. Schwester Elisabeth kommt mit dem Essen und meint, ich müßte erst etwas essen. Ich erkläre, daß ich nichts essen kann. Man versteht das nicht. Um sie nicht zu beleidigen, esse ich. Dann wird mir übel, der Magen gab alles wieder her. Danach wurde es so spät, daß ich nicht mehr heimkam. Sühne für die Unmäßigkeit unserer Tage.

 

Sonntag, den 9. Juli 1961

Es ist Sühnemonat für die unreinen Seelen. Alles brennt wie Feuer an und in mir. Herr, wasche doch rein die Welt mit Deinem kostbaren Blut, das fortwährend fließt im hl. Opfer von Deinen Altären. Der Weg zur Kirche fällt mir schwer. Ich bin 40 Minuten unterwegs und komme zu spät in die hl. Messe. Bleibe ich bis zum Hochamt, kann ich erst um zwanzig nach eins zurückfahren. Noch einen Weg gehen, kann ich nicht. Was soll ich tun? Ich werde erleuchtet und fahre nach Königswinter. Da ist um elf Uhr noch eine hl. Messe. Bei der Erhebung der Hostie bei der hl. Wandlung sehe ich darüber eine leuchtende Krone.

 

Mittwoch, den 12. Juli 1961

Die Leiden waren so groß, daß ich von Sonntag an leiden mußte. Heute ist alles wie fortgeblasen. Du bist so gut Herr. Du machst mich frei, wenn der Seelenführer kommt. Maria ist bei mir und sagt: "Jesus ließ es zu, daß an den anderen Tagen der Zusammenkunft alle deinen Leidenszustand sahen. Wenn es auch nicht ganz verstanden wird, so bleibt doch etwas haften, das anspornt zur Opferbereitschaft. Auch dein Seelenführer muß Einblick haben in diese Leidenszustände. So nur kann er sich ein Urteil bilden." Ich muß viel weinen heute, weil all das Schwere der Vergangenheit auf mich einstürmt. Sehnsucht und Liebe zu Gott sind so groß.

Nach der hl. Kommunion frage ich, woran das liegt. Christus: "Dein Vater war nur auf Ehre bedacht und blieb ob deines Schweigens und deiner Leiden der Geehrte. Nun möchte er demütig sein, büßen, damit er zur Gottesanschauung gelangt. Das kann jetzt nur geschehen, daß ein Priester Kenntnis erhält über sein Leben. Darum muß dein Leben wie ein Spiegelbild sein."

 

Sonntag, den 16. Juli 1961, Skapulierfest

Eine große Freude bereitet mir Jesus. Er spricht nach der hl. Kommunion: "Meine Braut, heute darfst du es wissen, daß dir das Gnadengeschenk der Taufunschuld von neuem gegeben wurde. Was dir genommen wurde durch Bosheit und Gewalt, ist durch Tränen der Reue und Liebe, durch Opfer und Sühne erblüht im ersten Glanz der Reinheit. Darum kannst du auch Opfer für Meine Priester sein."

Ich weine vor Freude und sage zu Jesus: "O du Bräutigam meiner Seele, das ist wohl das Schönste, was Du mir sagen konntest. Alles jubelt in mir und singt ein Danklied Dir. Ich bin rein wie am Tage der Taufe. Ich kann es nicht fassen. Wie unendlich gut bist Du, mein Gott. Sterben könnte ich nun, um bei Dir zu sein. Liebe laß mich sein, wie Du Liebe bist mit dem Vater und dem Heiligen Geist."

 

Samstag, den 22. Juli 1961

Viel Freude ist mir bereitet worden seit Sonntag. Heute bin ich in Ittenbach mit der großen Büßerin Maria Magdalena, deren Namen ich führen darf. Mit der Muttergottes hat sie mir viel Freude bereitet.

 

Dienstag, den 24. Juli 1961

Nun bin ich nach so viel Freude bereit zum Leiden. Heute darf ich teilnehmen an Jesu Leiden der durchbohrten Füße. Die Schmerzen sind sehr groß. Kann nicht auftreten und keine Schuhe anziehen. Sühne für jene, die verbotenen Wege gehen. Mögen doch viele wieder auf den rechten Weg gelangen.

 

Mittwoch, den 26. Juli 1961

Meine Leiden sind heute für alle, die mir sehr weh tun, besonders auch für die, die St. Anna zur Patronin haben. Hilf mir, Herr, daß ich ihnen besondere Liebe erweise. Jesus spricht: "Bist du bereit, Meine Seele, die letzten Tagen dieses Monats zu leiden für die Opfer der Unschuld?" "Ja, Herr, Du weißt, daß ich bereit bin zu jedem Opfer. Ich darf leiden, damit anderen Gnade gegeben wird. Nimm mich hin, wie es Dir gefällt."

 

Sonntag, den 30. Juli 1961

Brandwunden habe ich am ganzen Leib und Unterkörper. Kann kaum einen Schritt gehen. Gestern kam Maria mit ihrem Mann. Die Kinder sind schon vier Tage hier. Ich will alles mit Liebe tragen, wenn ich auch von Schmerzen durchbohrt bin. So viel Freude wurde mir zuteil nach der hl. Kommunion. Wie immer bitte ich Maria, mit ihrem Herzen Jesus zu empfangen. Heute bin ich besonders beglückt, als Jesus Einkehr hält in meiner Seele. Mein Geliebter ist mein. Mein bist Du, und doch bin ich so arm, so ganz klein und gering, um Dich, Herr, würdig anzubeten. Ich fühle es, Du bist bei mir mit dem Vater und dem Heiligen Geist. O eile herbei, himmlische Mutter, mit den Engeln und Heiligen. Betet Ihn an, lobet und preiset Ihn, der wieder Großes tat an mir.

Meine Blicke werden zum Himmel gehoben, zum Thron der Heiligsten Dreifaltigkeit. Wunderbares Licht sehe ich, das den himmlischen Vater umgibt. Alles ist wie Nebel, wie Schleier und doch so wunderbar leuchtend. Jesus ist im Vater, der Heilige Geist in beiden. Wie soll ich das ausdrücken? Ein Wesen, drei Gesichter. Alle gleich und darin Maria wie eine Lichterscheinung. Ich fühle mich angezogen, hingezogen, fast vereint. Mein Herr und mein Gott, ich bin nicht würdig solcher Gnade, und doch sehnt sich die Seele nach Vereinigung mit Dir. Nur eins erbitte ich: Laß mich immer in allem Deinen Willen erkennen und erfüllen. Alles mit Maria, durch Jesus, im Heiligen Geiste, zur Ehre des Vaters.

 

Sonntag, den 6. August 1961

Die Muttergottes sagt: "Wenn auch seelisches Leid dich jetzt umgibt, wirst du noch viel Freude haben in diesem Monat." Nach der hl. Kommunion sehe ich Jesus so schön, ganz verklärt. Er segnet und eine Freude kommt über mich, für die ich keine Worte finde.

 

Mittwoch, den 9. August 1961

Montag hatte ich das Haus voller Besuch von Niederpleis und Frankreich. Ich wollte schnell fertig sein, weil ich noch mehr lieben Besuch erwarte. Man half mir und dann haben wir gebetet und gedankt. Alle Anliegen legte ich in die Hände Mariens, damit sie einem jeden den Frieden des Herrn erflehe und Freude in Gott. Gestern war der hochwürdige Pater Dominik bei mir. Er war in Ittenbach und hat am Altar vom hl. Pfarrer von Ars zelebriert. Das hat ihn sehr erfreut. Ich spürte wohl einen Leidenszug und komme kaum von der Stelle. Auch durfte ich teilnehmen an Jesu Leiden.

 

Sonntag, den 13. August 1961

Gestern, am Fest der hl. Klara, waren es 19 Jahre her, daß mein Hans in Rußland sein Leben ließ. Es ist mir immer an diesem Tag so wehmütig ums Herz. Ich weiß ja, daß er sein Ziel erreicht hat. Ich will mich auch freuen, daß dieses Kind mir keinen Kummer bereitete. Heute ist der Todestag der Muttergottes. Ich gedenke meines Seelenführers, daß Maria das Band der reinen Gottesliebe immer mehr um uns schlingt, daß wir heilig werden und durch Maria in die Wohnungen des ewigen Lichtes geführt werden.

 

Montag, den 14. August 1961

Heute ist Sühnetag für die Beleidigungen, die der Muttergottes zugefügt werden. Die Sühne beginnt schon mit Tagesanbruch. Es ist ein Uhr nachts vorbei. Ich komme in einen anderen Zustand. In die Sühne nahm ich die Seelen im Fegefeuer hinein, die der Fürbitte beraubt sind. Ich komme mir vor, als säße ich in einer Höhle, die zugemauert ist, die von oben nur eine Öffnung hat. Dadurch sehe ich alles. Einen schaurigen Ort sehe ich, wie die Hölle. Seltsame Steingebirge erblicke ich. Die Steinmassen, wenn ich es so nennen will, sind fast schwarz und legen sich übereinander, gekreuzt und gezackt. Sie liegen so, daß überall Hohlräume sind, schaurig dunkel.

Darin sind Lebewesen, Seelen, die der Fürbitte beraubt sind. Sie sind abgezehrt, sind wie Skelette und Mumien. Zeitweise wird dieser schaurige Ort erhellt und die Seelen durchglüht vom Zorn Gottes, von seiner Gerechtigkeit. Es ist das gleiche Feuer wie in der Hölle. Nur hier hat die Pein einmal ein Ende. Mir werden die Seelen gezeigt, die mir bekannt sind. Ich darf sühnen für sie, aber in einem Zustand des Irreseins. Diese Seelen sind durch ihre Sünden in diesem Zustand gestorben. Es muß furchtbar gewesen sein. Ich komme zu mir. Es ist vier Uhr morgens. Eine Kerze zünde ich an. Alles ist durcheinander auf meinem Ruhelager, liegt größtenteils auf dem Fußboden. Mir tut alles weh. Kurz, bevor ich zu mir kam, näherte sich der Teufel. Ich rief ihm zu: "Komm nur näher! Du hast doch keine Gewalt über mich. Wenn die große Frau kommt, wirst du schon weichen!" Maria aber sagt: "Für diese Seelen hier bin ich die Jungfrau der Armen. Deine große Sühnestunde ist beendet, der Morgen graut. Alle Spuren des Leidens entferne ich. Mein Tag wird Freude sein für dich."

 

Dienstag, den 15. August 1961, Maria Himmelfahrt

In diesem Jahr feiere ich das Fest ganz allein. Es ist 13 Jahre her, daß ich an diesem Tag die Laien-Priesterweihe empfing. So ist dieser Tag nur Dank und Freude. Wie schon oft, darf ich teilnehmen an den Freuden der Himmelfahrt Mariens. In den Freudenkelch hinein wurde mir Bitternis gemischt durch meine Schwester Auguste. Sie sagte: "Das war ja furchtbar diese Nacht. Ich habe Angst gehabt und gemeint, man müßte dich am andern Tag nach Bonn bringen. Schrecklich war das irre Lachen." Ich erklärte ihr, daß dies ein Sühnezustand war für die Seelen im Fegefeuer, die der Fürbitte beraubt sind. Sie sagt: "So etwas kann Gott nicht zulassen. Das kommt vom Teufel!" Ich darauf: "Wenn ich dir nun sage, daß dein Mann auch dabei war und deine jetzt verstorbene Schwiegertochter, die ich sah und die noch unsäglich leiden müßten. Dein Mann hatte ja das irre Lachen. Wer sühnt, nimmt eben den Zustand der Seele an. Wer es fassen kann, der fasse es." Ich schlief dann wieder ein. Als ich aufwache, bin ich allein.

Jesus ist bei mir und sagt: "Man hält Gericht über dich. Ertrage stillschweigend alles und vergelte Lüge und Bosheit mit Liebe. Bist du bereit, eine weitere Sühne zu leisten bis zwei Uhr am Tage? Was für Unwissende furchtbar ist, wird für dich eine Wonne sein, da ja deine Seele in Anbetung und süßer Vereinigung in Gott weilt, und Gott von Dir Besitz nimmt."

Als ich nach einiger Zeit nach unten gehe, fällt man wieder über mich her. Meine Schwester sagt: "Das ist alles vom Teufel. So etwas kann Gott nicht verlangen. Starr und steif hing dein Körper zwischen dem Sofa und den Stühlen in einem Hohlraum. Der Kopf hing nach unten. Weil du nicht herunterkamst, sah ich nach und fand dich so. Ich versuchte, dich anders zu legen, aber ich brachte dich nicht von der Stelle. Dann kamen sie alle. Nur Edith sagte, daß wir dich so liegenlassen müssen. Du sagtest: 'Um zwei Uhr machst du mich frei.' Du sagtest auch: 'Jesus, ich sehe Dich nicht mehr auf dem Bild.' Wir schauten hin und sahen Ihn doch auf dem Bild. Maria entfernte die Uhr und sagte: 'Nun will ich sehen, ob sie weiß, wann es zwei Uhr ist.' Wir waren nun doch erstaunt, daß du um zwei Uhr die Augen aufgeschlagen hast und sagtest, daß du frei seiest." Bruder Willy sagte: "Deine Frömmigkeit ist Einbildung, da steht der Teufel dahinter. Du wirst noch mal als Hexe verbrannt."

Ich sagte: "Daß ich dem Teufel wehren muß, das ist schon wahr. Wenn ich mich opfere für eine Seele, und sie wird frei, kommt Satan schon auf mich zu. Was Gott bei mir zuläßt an Sühneleiden und was Er mir schickt, was ist das im Vergleich zu dem, was Jesus trug für unsere Schuld. Gott schonte Seines eigenen Sohnes nicht. Doch verkannt, herabgesetzt und unverstanden zu sein, das ist die Nachfolge Christi." Meine Schwester sagte, sie wolle nicht mehr in meinem Zimmer schlafen. Am Abend stehe ich vor dem Herz-Jesu-Bild: "Herr, warum hast Du das zugelassen?" Die Sonne ist auf dem Bild und ich höre: "Du brachtest das Opfer und teiltest dein Zimmer. Es lag aber nicht in Meinem Willen. Unberufene treibe Ich hinaus. Wer ist dir schon Schwester und Bruder, wer dir Vater oder Mutter, wer dir Sohn oder Tochter, wer dir schon Mann? Ich bin dir alles in allem. Nun bist du wieder frei und kannst dich ungehindert Meiner und der Mutterliebe Mariens hingeben. Ja, Angst sollen sie schon haben, damit sie aufgerüttelt werden, die ihr Sinnen und Trachten nur auf das Irdische all zu sehr ausgerichtet haben. Du kannst nicht alle Kreuze abnehmen. Der Himmel muß verdient werden. Somit muß ein jeder Verdienste sammeln."

 

Samstag, den 19. August 1961

Nach der hl. Wandlung sehe ich den hl. Franziskus sehr ernst. Nur einen Augenblick. Ich verstehe das nicht so recht. In meine Gedanken hinein spricht Jesus nach der hl. Messe: "Meine Seele, so stand Franziskus in der ersten Nacht vor deiner Schwester. Sie verstand wohl, daß das Bett nicht für sie sei, wollte es aber nicht verstehen. Sie wollte dich erforschen und in deine Geheimnisse eindringen. Auf Franziskus, der dir zur Seite steht, ging sie nicht ein. Darum ließ ich das andere geschehen, das sie hinaustrieb. Ich habe es dir schon vor Jahren gesagt, daß Ich die Unberufenen hinaustreibe und es auch schon wahrmachte. Damit du von jetzt ab geschützt und ganz verborgen bleibst, gebiete Ich dir, daß niemand bei dir schlafen darf, es sei denn, daß Ich es will. Bete darum und Ich antworte dir."

 

Sonntag, den 20. August 1961

Die Muttergottes und der hl. Bernhard begleiten uns mit einer Engelschar zur Gnadenstätte nach Banneux. Nach beigefügtem Brief von meinem Seelenführer und der Bestimmung Jesu weiß ich noch nicht, wie ich fahren soll. In Duisdorf steige ich um, und mein Seelenführer holt mich. Ich sitze in seiner Nähe. Die hl. Messe am Gnadenort, an der Quelle, ist in meinen Anliegen. Alle, die zugegen sind, beten mit. O Muttergottes, du Jungfrau der Armen, du wirst auch den Armen in meiner Familie helfen, daß sie auf den rechten Weg geführt werden. Um elf Uhr wird bekannt, daß bei der Gnadenkapelle noch eine hl. Messe ist. Unsere kleine Schar geht hin. Es trifft mich ein Licht. Darin steht die Gottesmutter. Sie spricht: "Mein Kind, binde mir aus den Anrufungen, die jeden Tag an der Quelle gebetet werden, einen Kranz von Rosen." Ich erwidere: "Liebe Mutter, wenn ich recht verstehe, soll es wohl ein Rosenkranz sein? Sollen es nun im Gesetz sieben oder zehn Ave sein?" Sie antwortet. "Zehn sollen es sein. Nimm noch die eine Anrufung hinzu, die du seit Jahren betest: Heilige Jungfrau der Armen, Quelle aller Gnaden, bitte für die Blinden, besonders für die geistig Blinden. Ich werde dich weiter lehren."

In Moresnet freuten sich Jesus und Maria, daß alle Pilger den hl. Kreuzweg gingen.

 

Montag, den 21. August 1961

Bin noch bei meiner Schwester Elisabeth Holler. Nach der hl. Messe stehe ich bei der Kreuzigungsgruppe und bete. Ein Licht hüllt die Schmerzensreiche ein und ein Licht die Kerze, die bei ihr steht. Ich frage: "Liebe Mutter, soll ich diese Kerze anzünden?" Maria sagt: "Nicht diese. Gehe zurück in die Kirche. Beim Weihwasserbehälter findest du eine Packung. Eine Kerze hole heraus und lasse sie brennen am Maria-Hilf-Altar als Dank für die Gnaden und Freuden, die ich gestern allen schenkte an diesem Gnadenort." Ich tue, wie mir gesagt. An der Packung sehe ich aber, daß sie wohl geopfert ist und frage, wie ich es machen soll, daß es nicht unehrlich erscheint. Maria sagt: "Lege für diese Kerze 50 Pfennig in den Opferstock. Sage es und zeige es deinen Brüdern und Schwestern. Dann ist alles gut."

 

Montag, den 21. August 1961

Nach der hl. Messe gehe ich heim zu Schwester Elisabeth. Ich werde so müde und schlafe ein. Der Schlaf geht über in eine Schauung. Ich muß so herzhaft lachen. Es ist ein so schönes Bild von Jesus dem guten Hirten, wie ich es noch nie sah. Jesus trägt ein kleines Engelchen. Es hat die Beine auf Jesu Brust liegen, das Köpfchen überragt Jesus, und an den Händchen hält Er es mit Seinen Händen. Ein Engelchen sitzt auf der rechten, und eins auf der linken Schulter. Hinter Ihm folgt eine endlose Zahl dieser kleinen Engel.

Christus sagt: "Die Meinen kennen Mich!" Ich darauf: "Das glaube ich schon, daß diese Dich kennen, Herr." Jesus: "Es sind jene der Totgeborenen, die ihr jeden Tag tauft." Dann sehe ich ein anderes Bild. Ich sehe die Himmelswiese, den Ort der Glückseligkeit, den ich schon oft sah, wo die Ungetauften sind, die fern der Gottesanschauung sind. Heute sehe ich die Muttergottes in Begleitung von sechs Engeln, je drei zur Seite. Jeder Engel holt einen kleinen Engel von der Himmelswiese. In Begleitung der Muttergottes gehen diese ein in die goldenen Tore des Himmels. Ich bitte Jesus um die Bedeutung.

Jesus spricht: "Seit vielen Jahren taufst du die unschuldig Ungetauften, die mit der Erbsünde belastet in die Ewigkeit eingingen. Es freut Mich, daß du mit so großer Ausdauer es getan hast, trotzdem du bis zu diesem Tag kein Zeichen erhieltest, ob deine Tat mit Erfolg gekrönt wurde. Den Bitten und dauernder Liebe einer Seele für andere kann sich die Liebe, Barmherzigkeit und Güte Gottes nicht verschließen. Diese Taufe ist anderes als bei den Totgeborenen. Gott bestimmt über das Taufwasser, wieviele Seelen es heiligt und befreit von der Erbsünde. So kann die Taufe oft am Tage vollzogen werden. Viel mehr würde es Mich freuen, wenn diese Taufe auch von Priestern ausgeführt würde. Ich werde deinen Seelenführer über dieses große Geheimnis erleuchten durch den Heiligen Geist." Danke, o Jesus, das war eine große Freude zu wissen, daß wir den Ungetauften in der Ewigkeit auch helfen können.

 

Dienstag, den 29. August 1961

Meine Schwester Klara mit ihrem Mann fährt heute wieder heim. Ich kann fast nicht mehr. Die Glieder schmerzen und sind angeschwollen. Es wurde immer Nacht, nach allem, was mir anvertraut wurde. Am Abend frage ich Jesus: "Wie kommt es, daß in diesem Jahr alle kommen? Drei Monate habe ich schon keine Ruhe mehr." Jesus sagt: "Sie wissen es selbst nicht, warum sie kommen. Eine Macht treibt sie, die Ich bin, wenn sie es auch nicht wollen und es noch nicht verstehen. Sie müssen die Macht des Gebetes, des Opfers und der Leiden erfahren."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 1. September 1961

Bin noch sehr abgespannt. In der Sühne durfte ich an diesem Tag teilnehmen an den Leiden der Geißelung und der hl. Wundmale. Die Schmerzen wechseln, und wie Blitze durchzuckt es mich dauernd. Alles ist geschwollen, auch unter meinen Füßen. Es fällt so schwer, aber in der Zeit halte ich immer meinen stillen Einkehrtag. Wenn nur viele Seelen gerettet werden. Schritt für Schritt mußte ich zur Kirche gehen. Sonst bin ich am Herz-Jesu-Freitag frei von Leiden.

Kaum habe ich ein wenig geruht, kommt unerwarteter Besuch: Der hochwürdige Herr Kaplan A. G. Ich kenne ihn durch meine Schwester Elisabeth Jarzina. Er ist in Südtirol daheim. Jesus hat ihn auch schon hineinblicken lassen in die mystischen Geheimnisse.

 

Sonntag, den 3. September 1961

Gestern war der Tag für den jungen Priester. Nachdem ich von der hl. Messe zurück bin, setzen Schmerzen ein, daß ich meinte, wahnsinnig zu werden. Warum litt ich so sehr für den Priester? Nach der hl. Messe in Ittenbach erklärt mir die Muttergottes den Rosenkranz der Anrufungen von Banneux.

Am Kreuz: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat. Im Namen und in der Kraft des Vaters, der uns erschaffen hat. Im Namen des Sohnes, der uns erlöst hat. Im Namen des Heiligen Geistes, der uns geheiligt hat.

An den großen Perlen: ein Vater unser.

An den drei kleinen Perlen: Heilige Jungfrau der Armen, Quelle der Gnaden, bitte für uns, daß unser Glaube vermehrt werde. Heilige Jungfrau der Armen, Quelle der Gnaden, bitte für uns, daß unsere Hoffnung gestärkt werde. Heilige Jungfrau der Armen, Quelle der Gnaden, bitte für uns, daß unsere Liebe entzündet werde.

An den zehn kleinen Perlen: Gegrüßet seist du, Maria ... hl. Jungfrau der Armen, Quelle der Gnaden, heilige uns. – Dann jede weitere Anrufung so beten.

Dann sagt die Gottesmutter: "An deinen Leiden erkennst du immer, mein Kind, wie es um eine Seele steht. Dieser junge Priester ist zu sehr abgelenkt vom höchsten Ziel durch sein Studium. Er versteht es noch nicht, Opfer im wahren Sinne zu bringen. Da bedarf er noch der mütterlichen Führung. O würden doch alle Priester mich erwählen zu ihrer Führerin, so wie die Apostel es getan haben. Gebildet würden sie über die Liebe meines Herzens, zur Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Herzen Jesu. Bete viel für ihn. Wenn das Schwere kommt auf seinem Weg, dann wird er den alten Menschen ausziehen, wird klarer sehen und anfangen, das wirklich Hohe und Geheimnisvolle zu begreifen und zu verstehen. Noch ist er ein übermütiges Kind auf diesem Gebiet."

"O Maria, segne ihn und führe ihn, daß er das Ziel erreicht, das im Willen Gottes begründet liegt."

 

Mittwoch, den 6. September 1961

Zwei Tage durfte ich leiden für den Frieden der Welt. Die Leiden der Wundmale durfte ich tragen mit großen Schmerzen und Anschwellungen. Heute bin ich frei, weil mein Seelenführer kommt. Zu einer Erkenntnis kam ich durch ihn. Er zeigte mir ein Bildchen der Muttergottes mit dem Jesuskind, das ganz eingewickelt ist. Ich sagte: "So war es, eingewickelt." Jesus sagt: "Das bin Ich. So hilflos bin Ich auf dem Arm der Mutter." Wie Erleuchtung kommt es über mich: "Maria hat uns, ihre Kinder, unter dem Kreuz empfangen. Wenn empfangen, mußten wir ruhen in ihrem Mutterschoß. Dann hervorgegangen aus ihrem Schoß, um genährt und geführt zu werden von ihr. Welch eine schöne Betrachtung."

 

Freitag, den 8. September 1961

Ich denke an Walter. Gestern waren es 25 Jahre. Ich lasse eine Kerze brennen für ihn. Liebe Gottesmutter, er ist dir besonders geweiht. Hilf doch, daß er bald zurückfindet zur wahren heiligen Kirche.

 

Samstag, den 9. September 1961

Gedenke heute besonders meines Seelenführers. Es fällt mir auf, wenn ich den Tag für ihn halte, daß ich immer große Schmerzen habe. In meine Gedanken hinein sagt Jesus: "Meine Seele, zu Anfang sagte ich dir schon, daß er ein großer Leidenspriester ist. Du darfst ihm helfen, sein Kreuz zu tragen. Du kannst beitragen, daß noch viel Freude ihm auf seinem Lebensweg gegeben wird."

 

Samstag, den 16. September 1961

Gestern, am Fest der Schmerzen Mariens, war ich in Ittenbach. Es war ergreifend schön. Abends habe ich die Sühne noch leisten können. Dankbar und froh fuhr ich wieder heim. Nach der hl. Messe erklärt Maria mir die Schau des Herzens vom 6. Juni 1961:

"Das Herz ist Zeichen, ist Sitz der Liebe, wenn es von Liebe durchglüht ist. Du sahest ein großes weißes Herz wie Licht, aus dem Flammen aufsteigen. Es ist das glorreiche Herz Jesu. Wie Jesus dir schon sagte, wer ein Bündnis mit diesem Herzen schließt, wird kosten von seiner Größe. Das Herz Jesus ist immerwährendes Opfer und Brandopfer der Liebe. Weil es das Herz Jesu ist, ist es auch mein Herz, das eins ist mit dem göttlichen Herzen. Eins ist es mit Ihm in der Liebe, vereint mit Ihm im Opfer und freigiebig mit Ihm für alle, die Gnaden empfangen, die Trost suchen in Leid und Verlassenheit. Wenn du ganz aufgelöst bist, mein Kind, dann dringst du mehr ein in diese Geheimnisse. Ein Herz, das ich bilde und nähre, tritt ein in die Gefolgschaft der beiden Herzen Jesu und Maria. Das ist die Schau, die die beiden Herzen umgeben."

 

Donnerstag, den 21. September 1961

Von Sonntag an waren meine Leiden sehr groß. Es soll sein für den Frieden der Welt und für die Sünden der Genußsucht. Ich weiß, daß ich schon lange die Hautwassersucht habe als Sühne für diese Sünden. Es ist oft nicht erklärlich, wo das Wasser herkommt, bei der wenigen Aufnahme von Flüssigkeit. Heute will Jesus, daß ich zum Arzt gehe. Er stellt ein Nierenleiden fest und verordnet eine salzlose leichte Diät und wenig Flüssigkeit. Muß streng eingehalten werden. Jesus sagt dazu: "Der Arzt wird nie hineinschauen in das Opfer. Vor der Welt und der Familie muß es so sein. Niemand kann mehr einen Zwang ausüben, was du essen sollst. Nun bist du frei und lebst nach Meinem Willen wie ein Kind. Getränke, Speisen, die den meisten und größten Anlaß zur Sünde geben, die darfst und kannst du nicht zu dir nehmen. Auch darin lebst du nur noch nach Meinem Willen."

 

Samstag, den 23. September 1961

Bin auf dem Weg zur Kirche nach Ittenbach auf der Autobahnbrücke und will mir ein Geldstück für den Opferteller heraussuchen. Da entdecke ich, daß ich kein Geld mitgenommen habe. Warum mußte ich das vergessen? O Herr, Du prüfst mich wieder. Kehre ich um, habe ich keine hl. Messe und Kommunion. Nein, ich wähle Dich, Herr, und Dein heiliges Opfer. Im Geschäft wird man mir die Ware schon mitgeben. Dann aber muß ich wieder gehen und kann nicht fahren. Nach der hl. Messe gehe ich in die Metzgerei. Man lächelt, daß ich auch einmal Schulden machen muß.

Der Rückweg fällt schwer, muß sehr langsam gehen. Auf der Autobahnbrücke sehe ich einen Mann vor mir, schmutzig und wenig vertrauensvoll. Er schaut hin und her und bleibt stehen. Er dreht sich um, sieht mich, kommt zurück und geht an mir vorbei. Ich folge dem Blick, der auf meine Tasche fällt. Im gleichen Augenblick ist es mir, als packten mich Hände am Hals ... Das war unheimlich und ich betete: "Lieber Jesus, ich trage Dich doch. Wenn dieser Mensch Hunger hat, so füge es, daß ich ihm helfen kann, nicht, daß er seine Seele befleckt mit einer Tat, die er beweinen könnte. Nimm den Rosenkranz für ihn, den ich betete auf diesem Weg."

Der Mann ist wieder stehengeblieben, weil auf beiden Seiten Autos fahren. Er winkt, aber niemand nimmt ihn mit. Ich gehe weiter, merke aber, daß er hinter mir herkommt und an die Seite will, wo meine Tasche ist. Ich gehe dicht an den Rasen; es kommen dauernd Autos. Er spricht mich an: "Sind Sie auch auf einsamer Wanderschaft wie ich?" Ich sage: "Hier ist es immer einsam, auch wenn man einkaufen geht. Ich wohne hier. Sie sind bestimmt einer von den vielen, die auf der Flucht sind?" – "Ja, ich komme aus der Ostzone und bin schon 14 Tage unterwegs. Ich muß noch bis nach Gießen. Hier sind die Menschen aber stur. Es dauert lange, bis man von einem mitgenommen wird." Ich sage: "Sie kommen aus der Ostzone? Sie sind aus dem Ruhrgebiet, Ihre Aussprache verrät Sie. Sie bezeichnen die Menschen als stur, aber es hat hier in letzter Zeit ein Verbrecherwesen überhand genommen. Frauen werden niedergeschlagen, beraubt, vergewaltigt. Da muß man mißtrauisch sein. Da kommt es vor, daß der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden muß."

Er sagte: "Ja, Sie haben Recht, ich bin von Wuppertal. Vor zwölf Jahren wurden wir evakuiert in die Ostzone. Ich bin dort geblieben, weil ich dort geheiratet habe. Im Juli hatte ich Urlaub und fuhr nach Wuppertal. Ich arbeitete bei einem Unternehmer und wohnte im Lager. Dann fuhr ich wieder zurück in die Ostzone. Sie wissen ja auch, wie es jetzt dort aussieht." Er erzählte auch, wo er wohnte und daß er zwei Töchter hat. Nachdem er auch in Westberlin gearbeitet hatte, ging er nach Ostberlin, wo es zu einer Schlägerei gekommen ist. Er hatte einer führenden Person drei Zähne ausgeschlagen und sie beleidigt.

So mußte er in Arbeitskleidung fliehen. Eine Nacht lag er in einem Graben, dann gelang es ihm, über die Grenze zu kommen. Er wollte wieder nach Wuppertal, konnte aber keine Arbeit annehmen, da er das Wohnrecht verloren hatte. Er sei schon an vielen Orten gewesen, die Polizei hätte ihn festgenommen. Nun sei er auf dem Weg zu seinen Schwiegereltern, wo er Arbeit bekommen könnte. Er könne aber nicht mehr weiter, weil er müde und hungrig sei.

"Wenn Sie Hunger haben, kommen Sie mit mir. Ich gebe Ihnen zu essen und zu trinken, und saubere Kleidung haben wir auch." Mit Hilfe meiner Tochter haben wir ihm Kleider von ihrem Mann gegeben. Ich dachte noch, wenn mich heute einer überfallen hätte, wäre nur ein bißchen Fleisch und Wurst ... Da traf mich ein seltsamer Blick. "Das war ein Weg Gottes, daß ich Sie traf. Hätte ich mein Geld nicht vergessen, wäre ich mit dem Bus gefahren ..." Da sagte der junge Mann: "Ja, es ist doch besser, wenn man ehrlich bleibt." Wir versorgten ihn für die Weiterreise, er ließ sich die Anschrift geben und wollte sich melden, wenn er angekommen ist. Er geht und lächelt noch einmal zurück. Ich gehe auf mein Zimmer und bete: "Herr, ich stand in Gefahr, aber Du warst mit mir. Es lag auch in Deinem Willen, weil Du mir sagtest, was ich ihm geben sollte für die Reise." Jesus: "Du wirst erfahren, was deine gute Tat bewirkt hat."

 

Sonntag, den 24. September 1961

Heute, am Fest der Muttergottes vom Loskauf der Gefangenen, bete ich besonders für den jungen Mann, den ich gestern getroffen habe. Ich bin so froh gestimmt, so glücklich. Zeitweise durchbohrt ein Schmerz mein Gehirn. Die Muttergottes sagt: "Weihe ihn mir. Er ist schon ein armer, hilfloser Mensch. Nicht ganz entsprach alles der Wahrheit. Von Angst getrieben, wußte er nicht, wohin. Was er getan, ist noch schlimmer gewesen. Durch sein Leiden kommen Zustände über ihn, für die man ihn nicht verantwortlich machen kann. Du hast es festgestellt, was er für ein Kriegsleiden hat." Ich weihe ihn der Gottesmutter. Dann bete ich für ihn am Altar des hl. Pfarrers von Ars. Ein Licht hüllt sein Bild ein. Ich höre: "Ich helfe auch und trage deine Bitte zur Muttergottes. Du aber laß für diese Seele an meinem Altar eine Opferkerze brennen."

 

Montag, den 25. September 1961

Ich will mich hinlegen, Krämpfe durchziehen mich. Es kommen furchtbare Schmerzen, die unter den Füßen anfangen und heraufziehen bis ins Gehirn. "Sag doch Herr, wofür leide ich das?" Da sehe ich ein Flugzeugunglück, wie es wohl in diesem Jahr noch keines gab. Es verbrennt mit den Insassen in der Luft. Schaurig sieht das aus. Durch den Brand wird die Umgebung in Mitleidenschaft gezogen, so daß es noch eine Anzahl anderer Toter und Verletzter gibt. Weinen und Wehklagen höre ich. Jesus sagt: "Ich schenke dir diese Seelen. Rufe Meine Barmherzigkeit an, damit sie Barmherzigkeit erlangen." Stunden litt ich und rief die Barmherzigkeit Gottes an.

 

Mittwoch, den 27. September 1961

Meine Schwester Else fuhr gestern Abend heim. Sie wollte länger bleiben, wurde aber unruhig und sagte: "Ich sehe, wie leidend du bist. Ich will dir dein Bett nicht nehmen." Beim Abendgebet sagte Jesus: "Sie wäre noch nicht gegangen. Ich war es, der sie unruhig machte. Die Zeit genügt für ihr Wissen. Sie zog dich ab vom Gebet und der Betrachtung. Als Opfer hat sie sich Mir geweiht, aber du solltest bitten, daß Ich sie befreie. Wer so viel an Schlaf denkt wie sie, ist kein wertvolles Opfer. Sie muß lernen, in allem den Willen Gottes zu erfüllen und das auferlegte Kreuz freudig tragen."

Freude habe ich schon in der Frühe. Alle Priester, die in meinem Leben standen, erscheinen und segnen mich, auch Pius X. und Pius XII. Alle meine verstorbenen Brüder und Schwestern, meine Wohltäter und Freunde, meine Anverwandten, die ihr Ziel erreicht haben, kommen und lächeln mir liebevoll zu. Zuletzt ist auch Jakob da, der so große Opfer in Heroldsbach brachte und sich zuletzt erhängt hat. Jakob spricht: "Meine Schwester, ich leide so sehr, gebt mir viel Weihwasser, schenkt mir hl. Messen. Sage es doch allen, daß sie Gehorsam üben und auf die Kirche hören. Sage es, der Ungehorsam gegen die Kirche wird besonders schwer bestraft. Wie Gott ihn beurteilt, kann er die Höllenstrafe nach sich ziehen." Er ist fort.

Ein anderer, Willi St., der in diesem Monat starb, der mich ablehnte, weil ich ihn zum Gehorsam aufforderte, steht da und bittet: "Schwester, bete viel für mich. Ich erkannte in der Sterbestunde, sonst war ich verloren. Ich dachte an dich und du nahmest meine Gedanken auf und hast gebetet und die Barmherzigkeit Gottes auf mich herabgefleht. Ich bitte um Verzeihung für das, was ich dir angetan habe. Ich muß es auch tun, damit ich Gnade finde. Wo ich hinkam, nahm ich dir die Ehre und den guten Namen." – "Lieber Bruder, ehe du starbst, hatte ich dir verziehen. Ich betete ja, daß Gott dir verzeihe und dich heile von der Verblendung. Nun ist alles gut, und ich werde deiner gedenken, damit du zur Anschauung Gottes gelangst."

 

Donnerstag, den 28. September 1961

Ich wache um vier Uhr dreißig auf. Mein Seelenführer ist da mit einer lichten Gestalt und sagt: "Ich möchte Sie heute mit meiner Schwester bekanntmachen." Diese kommt auf mich zu, umarmt mich sehr zart und schaut mich liebevoll an. Sie hat schöne blaue Augen, edel und gütig der Gesichtsausdruck. Ich habe sie gleich in mein Herz geschlossen. Freue hat auch mein Seelenführer, weil seine Schwester mir zugetan ist. Es war alles so natürlich. Ich bete. Jesus sagt: "Schreibe es deinem Seelenführer, er gibt dir die rechte Antwort."

 

Mittwoch, den 4. Oktober 1961

Fünf Tage lang durfte ich teilnehmen an den Leiden der Durchbohrung des göttlichen Herzens Jesu. Dafür mußte ich durch Schmach und Verleumdung gehen. An einem Ort, wo ich nur Gutes sprach und förderte, wurde ich schmählich verurteilt. Herz Jesu, mit Schmach gesättigt, erbarme Dich meiner! Jesus sagt: "Heute bist du frei von Leiden, weil dein Seelenführer kommt. Dieser Tag, an dem er kommt, ist immer ein Gnadentag für euch beide." Freude habe ich auch durch meinen hl. Vater Franziskus. Nun gehöre ich schon 20 Jahre dem Orden der Buße an. Welch eine Gnade! Heiliger Vater Franziskus, bitte weiter für mich, daß ich immer deine würdige Schwester sei.

Gestern war noch großer Leidenstag. Bin von Schmerzen durchbohrt. Bete weiter für die Verleumder und Übeltäter, durch die das göttliche Herz so beleidigt wird. Jakob und Willi erscheinen oft und bitten um Weihwasser, Gebet und hl. Messen. Die Sehnsucht nach Gott ist heute wieder so groß. O hätte ich Flügel. O könnte ich die irdische Hülle abstreifen und in Deine Vaterarme eilen, mein Herr und mein Gott.

Anmerkung: Zweimal sind die entscheidenden Hilfen für die Armen Seelen genannt: Weihwasser, Gebet und hl. Messen. Das Weihwasser löscht ihren Durst vorübergehend, Gebete und heilige Messen kommen ihnen umgehend als Hilfe zugute. Sie können nichts mehr für sich tun, wir aber können ihnen täglich helfen. Seit wir vor zehn Jahren mit der Hilfe beim Aufbau der Diözese Sambir der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine begonnen haben, zelebrieren deren Priester hl. Messen im Auftrage unserer Leser. Die Priester leben nur von den Almosen der Gläubigen. Unsere hl. Messen helfen also auch ihnen und dem Bischof bei seinen Aufgaben.

 

Samstag, den 7. Oktober 1961, Rosenkranzfest

Schon 23mal bin ich im Traumzustand in dieser Stadt gewesen. Mein Wollen ist, dort in die Kirche zu gehen. Stets gehe ich verkehrt und lande in einer Straße, wo nur Huren wohnen. Immer denke ich, da wollte ich doch gar nicht hin. Dann kehre ich um und gehe woanders hin. Heute bin ich in einer Straße, wo große Geschäfte sind. Ich habe Hunger und gehe in eine Bäckerei, um mir Brot zu holen. "Das habe ich nicht gekauft." Die Frau sagt: "Das bekommen Sie als Beigabe." Ich sage, daß dies eine seltsame Stadt sei. "Immer wenn ich eine Kirche suche, gerate ich in die Hurenstraße. Einmal kam ich zu einem seltsamen Schloß. Seltsamen Menschen bin ich begegnet. Einmal bin ich in einer Kirche gewesen, da haben mich die Huren in einen Turm gesperrt."

Die Frau sagt: "Das alles hier in dieser Stadt ist das Fegefeuer. Sieh, ich war so geizig. Ich muß sehen, daß ich durch die Mildtätigkeit anderer meine Sünden sühne. Wir können dann vieles bewirken, wenn man unserer gedenkt am Ort der Verbannung. Die ihren Leib für die Sünde verkauft haben, sind oft lange allen Trostes beraubt. Sie rufen und weinen, aber niemand gedenkt ihrer durch die Leiden reiner Opferseelen. Gedenke ihrer oft und schenke ihnen Liebe, die Jesus diesen Sündern und Besessenen erwies. Diese Liebe gibt dir dann den Weg frei, um aus den Gnadenschätzen der Kirche diesen Seelen Geschenke zu vermitteln für ihre Erlösung."

Ich darauf: "Ich erkenne immer mehr, wie und was man sündigt, in dem wird man gestraft." (Anmerkung: Ist identisch mit den Offenbarungen an Fulla Horak.)

 

Sonntag, den 8. Oktober 1961

Die Muttergottes sagt: "Mein Kind, du wirst bis zum Ende des Monats seelischen Leiden unterworfen sein. Du wirst auch teilnehmen an den Leiden Jesu durch die Dornenkrone. Es dient alles für den Frieden, für die Bekehrung der Sünder und die Einheit der Kirche. Es wird schwer, aber Gnade wird dir gegeben, den Kampf zu bestehen."

 

Sonntag, den 15. Oktober 1961

Eine Woche ist vergangen. Ich meine fast, ich wäre dem Teufel ausgeliefert. Ich bin immer so müde, alles fällt mir schwer. Oft meine ich, ich käme um meine Sinne. Ich spüre die Dornen und freue mich, leiden zu dürfen. Dann kommt eine Stimme und flüstert mir zu: "Du Tor, du bildest dir ein, daß du für die Kirche, die Sünder und den Frieden etwas tust. Du quälst dich mit Dingen, die nicht da sind. In der Welt geht alles seinen Lauf ohne dich. Siehe zu, dir das Leben angenehmer zu machen. Stellst du dich um, so hast du auch eine andere Anerkennung in der Familie."

Ich darauf: "Im Namen Jesu und Mariens befehle ich dir, du böser Geist, weiche und quäle mich nicht. Nein, ich werde nicht untreu, du hast mir noch nichts gegeben, das zur Seligkeit diente. Was ich bin und habe, hat alles die Liebe und Vatergüte Gottes an mir getan." Eine große Gewalt muß ich aufwenden, um beten zu können. Ich habe aber durchgehalten und jeden Abend meine Rosenkranzandacht mit Betrachtung gehalten. Ich schlief schon mal dabei ein und zitterte vor Kälte. Ich betete um Kraft, und dann ging es doch wieder.

 

Donnerstag, den 19. Oktober 1961

Seit Tagen bin ich so schwermütig. Morgens möchte ich gar nicht aufstehen. Ob der Leiden möchte ich mich entschuldigen. Dann komme ich zu mir und sage zu mir selbst: "Mein Gott, wohin verliere ich mich? Ich weiß, du bist meine Kraft und Stärke auf alle Wegen. In Deiner Kraft vermag ich alles. O sende mir den Engel der Gewalt, daß ich Gewalt anwende." Da ist er schon! Ich sehe ihn! Wie schön ist er, eingehüllt in einen edelsteinbesetzten Mantel. Er sieht mich liebevoll und gebieterisch an. Ich spüre seine Kraft, die er auf mich überträgt. Es wird mir so leicht. Zu meinem Geliebten eile ich hin, zu Jesus, zu Seinem hl. Opfer. Eins werde ich mit Ihm, ganz Glück und Freude bin ich. Was brauche ich mehr, Gott allein genügt.

 

Freitag, den 20. Oktober 1961

Die Freude ist wieder gewichen. Heiliger Engel der Gewalt, hilf mir. Ich darf nicht erliegen in dieser Schwermut. Ich bete doch und halte doch, was ich versprach und mir vornahm, mag es noch so schwer werden. Ich trage Jesus im Herzen. Vor seinem Bild stehe ich: "Sage, Herr, warum nahmst Du mir alles? Du gabst mir Eltern und Geschwister. Dienen wollte ich Dir hinter Klostermauern. Anders wurde es, ganz anders. In eine Ehe zwang man mich hinein, die ich nicht wollte. Kinder habe ich, eine große Zahl. Sie waren meine Sonne, meine Liebe. Du weißt, was geschah. Ich stehe da, als hätte ich keine Eltern und Geschwister, als besäße ich keinen Mann und keine Kinder. Wie eine Fremde bin ich in der eigenen Familie. Niemandem kann ich mich offenbaren. Nichts habe ich mehr, nur Dich.

Oft scheint es, als würde mein Beten, mein Leiden, nichts sein. Sie verharren weiter in der Sünde, jedes ermahnende Wort fällt auf steinigen Boden. Sage mir, was ich tun soll, daß sie vom Schlafe der Sünde erwachen. Muttergottes, ich gehöre ganz dir. Sage es Deinem und meinem Jesus, was ich noch mehr tun soll, um die lauen Seelen aufzurütteln, damit sie zur Erkenntnis kommen." Maria schaut mich seltsam an.

 

Sonntag, den 22. Oktober 1961

Unruhig bin ich. Bin allein auf meinem Zimmer. Meine Rosenkranzandacht will ich halten. Hätten sie im Hause doch einmal Lust und Laune zum Gebet. Wie würde ich mich freuen. Alle Versuche scheitern. Es stimmt mich so traurig. In meine Gedanken hinein spricht Jesus von Seinem Bild: "Meine Seele, Meine Braut. Ich nahm dir alles, weil Ich dich ganz ungeteilt besitzen will. Ganz ungeteilt bin Ich ja auch dein Eigen. Schon im Mutterschoß formte ich dich zum Opfer. Darum mußtest du anders sein. Übte die Welt Einfluß auf dich aus, lenkte Ich deinen Sinn wieder auf Mich. Vollkommen willst du sein, eins im Willen Gottes. So mußte alles, was Ich dir gab auf deinem Lebensweg, dir so gegeben werden, als besäßest du und hättest doch nichts. So nur konnte dein Herz und deine Seele sich ganz der höchsten Liebe hingeben.

Du weißt, daß diese gezwungene Ehe doch Mein Wille war, trotz Sünde und Begehren. Größere Verdienste hast du dir erworben als durch ein Dienen hinter Klostermauern. Ein Martyrium ist dein Eheleben von Anfang an bis zur Stunde, bis Ich dich ganz freimache für den Dreieinigen Gott. Halte noch aus! Am Ende ist alles Freude. Du kannst keine andere Liebe besitzen als die Meine, die dir auch genügt, dich glücklich macht. Alles andere überlasse Gott, der zu Seiner Zeit die Herzen zu lenken weiß. Gehe weiter mit Mir den einsamen Weg. Ich bin dein Gott, dein Geliebter, dein Bräutigam, Ich bin dir alles in allem."

 

Sonntag, den 29. Oktober 1961

Bin heute in Heisterbacherrott beim hl. Judas Thaddäus. Jesus will es. Alle Anliegen und Nöte empfehle dich der Fürbitte des Heiligen, besonders die Bitten und Empfehlungen meines Seelenführers. Jesus sagt: "Auf die Fürbitte dieses großen Heiligen wird dein Seelenführer erreichen, was ihm am Herzen liegt. Seine Macht und Gewalt ist darum so groß, weil er ein Sohn der Auserwählung ist, dem schon von der Stunde seiner Geburt ein Engel aus dem Chor der Gewalten an die Seite gestellt wurde. Er ist es, durch den er die Gewalt über sich selbst erhielt, durch den er stieg von Gnade zu Gnade."

Eine Bekannte treffe ich am Schluß der Feier. Das war auch der Wille Gottes. Ich kläre sie auf, was Gehorsam ist im Hinblick auf die heilige Kirche und Heroldsbach. Nach der hl. Kommunion sagt Jesus: "Das bin Ich, der das bewirkte. Ich weiß jemand, der friert und keinen warmen Mantel hat. Du hast noch einen anderen, bist du bereit, diesen zu opfern?" Weil ich den blauen so liebe, soll ich ihn wohl hergeben. Die Unruhe ist fort. Es hat auch niemand gesehen, daß ich ihn einpackte.

 

Mittwoch, den 1. November 1961

Allerheiligen. Sehnsucht erfüllt mich. Droben möchte ich sein mit allen Engeln und Heiligen, mit Maria, heute Gott loben und preisen. Ich weine nach der hl. Kommunion. O ich darf teilnehmen am Lob der Engel und Heiligen, am himmlischen Magnifikat. Hell wird es, ich knie im Licht. Dann sehe ich den Engel aus dem Chor der Gewalten. Er kniet vor mir. "Warum kniest du vor mir?" – "Ich bete die Gottheit an im Tabernakel deines Herzens. Ich stehe dir weiter bei in den Leidensstunden in diesem Monat. Die Armen Seelen freuen sich, wenn man leidet für sie, wenn alle Verdienste und Gnaden ihnen geschenkt werden. Leiden ist das schönste Geschenk."

 

Donnerstag, den 2. November 1961

Allerseelen. Vom Kirchgang bin ich zurück, da verläßt mich die Kraft. Als ich die Treppe hinaufgehe, bekomme ich einen Krampf. Jeder Schritt schmerzt unsäglich. "Herr, nimm die Schmerzen für die Seelen, für die Du es bestimmt hast." – "Du leidest für die unreinen Sünden, für die Trinker und Müßiggänger."

 

Sonntag, den 5. November 1961

Mit einer kleinen Schar fahre ich heute, am Schlußtag der Wallfahrt, nach Neviges. Jesus will es so. Heute soll mir mein lieber Priesterbruder Josef Kurtenbach erscheinen, wie es die Gottesmutter vor Jahren sagte. Damals verstanden wir ihre Worte nicht. Im Levitenamt, beim Credo, sehe ich die Unbefleckt Empfangene vor dem Gnadenaltar. "Mein Kind, nach der feierlichen Schlußandacht wirst du deinen Priesterbruder sehen."

An drei Messen nehmen wir teil. Bis zur Andacht huldigen wir der Muttergottes auf dem Marienberg. Anschließend beten wir den Kreuzweg auf dem Kreuzberg. Der Tag war für den Heiligen Vater, für das Konzil und besondere Anliegen. So empfehle ich der Muttergottes die Anliegen meines Seelenführers. Nach der Andacht gehen wir noch einmal zum Gnadenaltar, um das Gnadenbilde zu berühren und Maria zu grüßen. Da hüllt mich ein Licht ein. Ich sehe meinen Priesterbruder Josef. Er ist so schön, ganz in Weiß und sagt: "Knie dich nieder, Schwester, ich will dich segnen."

Ich bleibe im Licht und gehe mit Josef zum Gnadenaltar. Wir danken für die große Gnade des Martyriums, die meinem lieben Bruder zuteil wurde. Dann folge ich ihm zur Josefskapelle. Er sagte: "Es dauerte so lange, weil ich an dir gezweifelt habe. Nun ist ein Tag der Freude. Ich starb als Märtyrer der Liebe. Du wirst ja auch den Tod der Liebe sterben. Sie nur ein wenig von meiner Glorie." Er segnet die anderen und mich noch einmal. Nun sehe ich eine endlose Schar, in die Josef eingereiht ist. Sie tragen leuchtend weiße Gewänder. Den Namen Gottes tragen sie auf der Brust. Er ist schöner als Gold. Sie ziehen im Lobgesang zum Throne der Heiligsten Dreifaltigkeit. Dann entschwindet alles. Am Gnadenaltar sehe ich wieder Maria. Sie sagt: "Ihr werdet in diesem Monat ein jeder eine besondere Freude haben, die ihr heute am letzten Tag an dieser hl. Stätte wart."

 

Mittwoch, den 15. November 1961

Ich bitte die Muttergottes um Rat: Gestern war mein Seelenführer da und sagte, es wäre besser, wenn ich das fünffache Skapulier auch am Tage tragen würde. Am Tage trage ich das Skapulier vom 3. Orden des hl. Franziskus und die Medaillen der Bruderschaft, in die ich aufgenommen wurde. "Was ist nun besser, liebe Gottesmutter, ich kann doch nicht alles tragen."

Nach einer Zeit des Gebets neigt sie gütig ihr Haupt und sagt: "Mein Kind, dein Seelenführer sagte dir, das fünffache Skapulier ist das Kleid Mariens. Du trägst als Ordensmitglied das Kleid der Buße. Mein Gewand ist das Gewand der Gnade, die wundertätige Medaille und die Herz-Jesu-Medaille, das genügt. Die übrigen Medaillen trage an einer Kette bei dir. Du willst als Maria sterben, dann mußt du mein Kleid auch Tag und Nacht tragen."

 

Mittwoch, den 22. November 1961

Leidenstage liegen hinter mir für die Armen Seelen. Ich darf teilnehmen an den Leiden der Dornenkrone für jene Seelen, die sich auflehnten gegen den Willen Gottes. Viele Seelen zeigen sich. Sie verlangen nach Weihwasser, Gebet und hl. Messen.

 

Sonntag, den 26. November 1961

Habe verschlafen und komme zu spät ins Hochamt. Das gefällt mir nicht. "Mein Jesus, wo gehe ich hin, um eine vollständige hl. Messe anzuhören?" Jesus ist gütig und sagt: "Empfange mich hier, denn in Meiner Kraft vermagst du alles. Es bleibt dir nur noch die Abendmesse in Siegburg." Bis 11.30 Uhr bin ich in der Pfarrkirche, dann fahre ich nach Siegburg und bleibe in der Servartiuskirche. Um zwei Uhr ist Christenlehre und Segen, dann die Taufe von vier Kindern. Jesus spricht vom Tabernakel aus: "Ich weiß, Meine Seele, daß du gern ein Patenkind gehabt hättest. Außer den Paten, die diese Kinder haben, sollst du ihre geistige Patin sein. Du weiß ja, was du tun mußt für sie. Die Ewigkeit wird dir einst viele Geheimnisse enthüllen."

Gedankt habe ich mit Tränen in den Augen. Welche Gnade wurde mir heute zuteil. Ich habe alles mitgebetet und mein Taufgelübde erneuert. Nach der Taufe kamen die Paare mit den Kindern an mir vorbei. Ich segnete sie – den kleinen Hans Albert, die kleine Maria, Claudia und Elke. Um kurz vor fünf läuten die Glocken der Abteikirche. Mein verstorbener Seelenführer Pater Wigbert Schoeller ist bei mir. "Gehe hinauf zum Vespergottesdienst." Bis sechs Uhr bin ich dort, dann gehe ich zurück zur Servatiuskirche zur Abendmesse. Nun bin ich froh und zufrieden, den Tag des Herrn doch noch würdig gefeiert zu haben. Jesus sagt: "Am Abend bestimme Ich über dich." Ich bat, daß mich niemand sehen möge, damit ich ganz Gott dienen könne. Als ich die Kirche verlasse, treffe ich zwei meiner Mitbrüder. Heinz Kappe nimmt mich mit, weil es schon so spät ist und regnet. Ich erkenne nun, was Gottes Wille war und bleibe über Nacht in seinem Haus. Die Frau freut sich, weil ich noch nie dort war.

 

Mittwoch, den 29. November 1961

Gestern war ich schon ganz lahm, heute kann ich mich kaum bewegen. Muttergottes, nimm die Schmerzen schon für die Seelen, für die du sie gebrauchen kannst. "Ja, mein Kind, ich nehme sie für jene, die heute erlöst werden."

 

Sonntag, den 3. Dezember 1961

Halte Sühnestunde nach dem Hochamt in der Pfarrkirche. Ein Licht hüllt mich ein. In dem Licht sind Maria und Josef. Maria sagt: "Wir führen dich durch den Advent. Nach meinem hohen Fest wird Einsamkeit dich umgeben. Nütze sie zur Vorbereitung für die hl. Weihnacht."

 

Freitag, den 8. Dezember 1961

Nach Anweisung der Muttergottes bin ich heute am hohen Fest der Unbefleckten Empfängnis in Niederpleis bei meinen Schwestern und Brüdern. Wir beten und singen zur Ehren der Muttergottes. Am Abend sehe ich die segnende Immaculata. Ihr Mantel ist so weit, daß alle ihre Kinder darunter geborgen sind.

 

Sonntag, den 10. Dezember 1961

Sühnestunde in der Pfarrkirche. Ich sehe ein Licht und darin einen leuchtenden Stern. Dann tritt Maria hervor, leuchtend schön und ganz verklärt. Der Stern steht nun über ihr. Weiter sehe ich drei Könige in diesem Licht, die Maria umgeben.

 

Sonntag, den 17. Dezember 1961

So dunkel und schwer ist alles. Das muß so sein, ist ja Advent. Bei der Adventfeier bin ich allein in meinem Zimmer. Alle Glieder sind geschwollen. Wie oft schon in diesen Wochen, wenn ich so trostlos und von Schmerzen durchbohrt bin, ist auf einmal die Gottesmutter da. Sie trägt ein einfaches weißes Gewand und einen weiten blauen Mantel. Ihr Haar fällt lang über die Schultern. Sie trägt keine Kopfbedeckung. Sie neigt sich gütig lächelnd. Dann, kaum daß sie da war, ist sie wieder weg. Ich bin froh und gestärkt für neue Leiden.

 

Sonntag, den 24. Dezember 1961

Meine Kraft ist dahin. Ich will nicht klagen, auch wenn ich geschmäht und verspottet werde von meinem Mann. Es kostet große Mühe und Geduld, ihn so zu behandeln, daß er ruhig bleibt. Gerade in den Tagen vor Weihnachten versucht er immer, den Frieden zu stören. Ich weiß, es ist Satan, der mir alles in den Weg legt, um mich mutlos zu machen. "Ich danke Dir, mein Gott, daß Du mich prüfst und läuterst, daß ich Verdienste sammeln kann. Wie reich machst Du mich. Gib, daß ich weiter in Liebe und Geduld ausharre und Deinen heiligen Willen alle Zeit erfülle."

 

Montag, den 25. Dezember 1961

Mein Seelenführer feiert nachts um ein Uhr die Weihnachtsmesse für meine Familie. Ich bitte die Gottesmutter, mich zu wecken, damit ich sie von meinem Zimmer aus mitfeiern kann. Um kurz vor eins ist es mir, als habe eine sanfte Hand mein Gesicht berührt. Ich bete die hl. Messe und betrachte die Liebe Jesu, die sich uns schenkt in jeder Weihnacht als Kind von Bethlehem. Bei den Kommuniongebeten kommt ein großes Verlangen nach der Vereinigung über mich. Im gleichen Augenblick bin ich an einem Ort größter Einsamkeit und Verlassenheit. Von unzähligen Seelen bin ich umringt. "Mein Jesus, was bedeutet das?" – "Das bedeutet, daß diese Weihnacht und verlassen für sie sein willst."

"Ja, Mein Jesus, ich will es. Du weißt, daß ich meine Freude gern gebe und opfere für jene, die keine Freude haben." Ich sehe die Seelen noch einmal mit erhobenen Händen und lächelnd. Eine Stunde schlief ich noch, dann stand ich auf für die Christmette in Ittenbach. Ich bitte Jesus, mir noch einen armen Menschen zu schicken, dem ich gut sein könnte.

 

Dienstag, den 26. Dezember 1961

Mein Mann brachte es gestern fertig, allen die Weihnachtsstimmung zu verderben. Ich zog mich in mein Zimmer zurück, um zu beten und zu singen. Dann sind auf einmal viele Engel um mich. O danke Mein Gott! Ja, betet mit mir, ihr Engel und Heiligen. Meine geliebte himmlische Mutter!

Leuchtende Augen sah ich heute. Jesus hat meine Bitte erhört. Ich verlasse die Pfarrkirche. In der letzten Bank sitzt noch jemand. Ich erkenne sie. Freudig lächelt sie mir zu. Im vergangenen Jahr lernte ich sie zu Weihnachten kennen. Sie saß bei der Muttergottes. Mir fiel ihr bleiches Gesicht auf. Ich sah zwei Krücken. Sie war seit sechs Jahren gelähmt. Sie wartete auf ihren Bus, der sie zu ihrer Tante nach Berghausen bringen sollte. Sie lebt in einem Altenheim in Stieldorf. Ich gehe zum Antoniusaltar und schaue nach, was ich noch an Geld habe. Ich schenke ihr, was ich habe. Ein Händedruck und leuchtende Augen. Das war meine Weihnachtsfreude.

 

Donnerstag, den 28. Dezember 1961

Fest der Unschuldigen Kinder. In Schweiß gebadet wache ich auf. Das war ein schrecklicher Ort, dem ich war. Es war wie die Hölle. Die Dunkelheit wurde zeitweilig erhellt von schaurigen Blitzen, die der Zorn Gottes sind. Ich höre: "Was suchst du hier, hier findest du nur Tiere, nur Schweine." Auf einmal kommen aus dem Unrat Menschengestalten, ekelhaft, wie von Aussatz behaftet. Sie sagen: "Bete für uns, damit wir rein werden. Im Leben haben wir uns durch unsere Laster und Sünden unter das Tier erniedrigt. Wir sind die, die in der Sterbestunde Gnade fanden." Ja, ich werde ihrer gedenken.

Nun will ich mit den Kindern Weihnacht feiern und der vielen Kinder gedenken, die dahingemordet werden. Am Nachmittag ist das Haus voller Besuch. Wie die Kinder scharen wir uns um die Krippe und beten und singen. Da wird es auf einmal hell. Die Gottesmutter sehe ich in weißem Gewand und blauem Mantel. Sie hebt ihre Hände und darauf liegt das göttliche Kind. Sie reicht mir das Jesuskind. Mit Tränen in den Augen sage ich: "O liebe Mutter, ich bin nicht würdig." Sie aber sagt: "Du trägst Ihn im Herzen, so darfst du Ihn auch auf deinen Händen tragen."

Ich trage Ihn und bete Ihn an. Ich bitte, daß Jesus die Kinder und uns alle segnen möge, die mit uns vereint sind, besonders alle Priester. Jesus entschwebt meinen Händen. Ich sehe ihn jetzt wie 12-jährig. Er segnet. Dann ist mein Blick gehoben zum Thron des Vaters, der sich liebevoll zum Sohn neigt, der in der Himmelskrippe liegt. Engel und Heilige singen und jubilieren dem Sohn Gottes.

Ich sehe meinen verstorbenen Seelenführer, Pater Josef Dohmen. Er ist schön wie ein König. Ich bitte ihn, daß sich unsere Schar wieder einigt und daß sie Gehorsam üben. Er weist hin auf Pius X. und Pius XII. und sagt: "Sie sind größer als ich und vermögen mehr." Er segnet und ist fort. Dann steht vor mir die Seele, die mich im Oktober 1960 durch Lourdes führte und der ich das Foto des blinden Kindes zeigen mußte. Sie sagt: "Ich bin erlöst. Bete weiter, daß ich zur Anschauung Gottes gelange. Das Kind muß blind sein, sonst wäre es verloren. Es darf die Welt nicht sehen, weil seine Augen die Geheimnisse Gottes schauen werden. Es wird eigene Wünsche haben, die ihm erfüllt werden sollen. Dann wird es auf gewissen Gebieten eine hohe Begabung haben." Dann ist sie fort.