• Engel und Heilige von jedem Tag
  • Bücher der Liebe, Bd. 1
  • Bücher der Liebe, Bd. 2
  • Bücher der Liebe, Bd. 3
  • Bücher der Liebe, Bd. 4
  • Bücher der Liebe, Bd. 5

Montag, den 1. Januar 1962

Ich fahre nach Königswinter und bleibe in drei hl. Messen. O Gott, muß es denn sein, daß mein Mann heute im Rausch des Alkohols den Tag beendet. Ohne Gott das neue Jahr beginnen, das ist doch furchtbar. Du kannst alles, Du hast viele Wege, halte ihn doch zurück, damit er nicht den Tag mit einer Sünde begeht. Als ich um 12 Uhr zurück bin, will ich die Haustür aufschließen, die aber offen ist. Mein Mann ist daheim geblieben. Er habe es sich anders überlegt, es tat ihm doch leid, wenn er mich allein gelassen hätte. Ich danke Gott, daß er mich erhört hat.

Am Abend beim Gebet hüllt mich ein Licht ein. Ich höre: "Der Geist Gottes spricht zu dir. Höre, was ich dir kundtue: Mein ist alles! Mein ist auch dieses Jahr. Es wird auf vielen Gebieten der Erde große Not sein. Anklagen erhebt man und murren wird man gegen mich ob der großen Heimsuchungen. Meine Gerechtigkeit ist herausgefordert, Meine Langmut ist dem Ende nahe. Hochmut, Anmaßung, verbunden mit Haß und Lieblosigkeit, triumphieren. So müssen viele in dem gedemütigt werden, in dem sie sündigten. Die unschuldigen Opfer werden Sühneopfer für die Schuldigen sein, die noch Barmherzigkeit erlangen. Wenn hier und dort Furchtbares geschieht, dann schaut auf zum Himmel und sühnt durch Fasten, Gebet und Almosen. Die Zahl der Armen wird groß und größer, Ihr aber, die ihr verschont bleibt, übt die Werke der Barmherzigkeit. Ihr wißt, nur das gilt und hat Wert für das Weltgericht. Wer in allem gerecht handelt, geht den Weg der Vollkommenheit."

 

Sonntag, den 7. Januar 1962

Der Tag ist besonders für die Familie und für jene, die Gott fern sind. In dem Sinne liest mein Seelenführer die hl. Messe. Ich bin durchbohrt von Schmerzen. Mögest Du, o Herr, die Dich verlassen haben, mit dem Feuer der Liebe durchbohren. Die Muttergottes ist wieder bei mir im weißen Gewand und blauen Mantel. Sie spricht: "Heilige Stille wird dich mehr und mehr umgeben. Ja, es war ein Abschiednehmen im vergangenen Jahr von den heiligen Stätten. Im Geiste kannst du überall sein. Verstehen und fassen werden es viele nicht, daß dein Weg ein anderer sein wird als bisher. Maria Magdalena wird sterben, und Maria wird neu geboren als Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit."

Unter Tränen sage ich: "Liebe Muttergottes, wie gut bist du! Ganz will ich deine Sklavin und Dienerin sein. Ja, bilde ganz das Leben Jesu in mir."

 

Mittwoch, den 10. Januar 1962

Heute war die gute Seele hier, die mir Christus am 28. September 1961 gezeigt hat. Genau sie ist es, das Aussehen und auch die liebevolle, gütige, bescheidene Art. Ich habe sie gleich liebgewonnen. Als sie fort war, schaue ich auf zum Herz-Jesu-Bild: "Herr, nicht ohne Grund hast Du uns miteinander bekannt gemacht." Der Herr schaut gütig und mit feinem Lächeln. Liebevoll sagt Er: "Sie ist wirklich eine kleine Maria. Weil Ich sie liebe, wirst und mußt auch du sie lieben. Du wirst ihr von dem Deinen geben, und du wirst auch von dem Ihrigen nehmen. Wenn Ich sie freimache, wird sie frei sein für dich in den Stunden deiner Leiden und Verlassenheit. Das Weitere liegt im Ratschluß Gottes noch verborgen."

 

Donnerstag, den 11. Januar 1962

Eine Durchsage kommt durchs Radio von einem schrecklichen Erdbeben in Jugoslawien. Die Muttergottes spricht um 20 Uhr von ihrem Bilde aus in meinem Zimmer: "Mein Kind, nun ist das Furchtbare eingetroffen, das ich dir am 25. Mai angekündigte. Wie ich es sagte, wird den Toten Barmherzigkeit zuteil. Zur Buße und Sühne rufe ich schon lange auf. Darum ist vieles abgehalten durch jene, die meinem Ruf folgten. Gott aber wird von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde so schwer beleidigt, daß seine Gerechtigkeit nun walten muß. Gott hat bisher nur den Finger erhoben, nun hat er die Hand ausgestreckt. Wehe der Welt, wenn alle die strafende Hand Gottes faßt. Ich kann nicht mehr aufhalten, was nun kommt. Gedemütigt muß die Welt werden, um zur Einsicht und zur Erkenntis zu gelangen."

 

Mittwoch, den 17. Januar 1962

Seit Tagen leide ich sehr. Wandernde Schmerzen in allen Gliedern. Meine himmlische Mutter Maria ist bei mir: "Mein Kind, Großes ist in Vorbereitung. Du weißt es. Bist du bereit, weitere Leiden für die Einheit der Kirche, für das Konzil, auf dich zu nehmen?" – "Du weißt es, meine liebe Mutter, daß ich immer bereit bin, wenn Gott mich ruft. Ich darf helfen durch Leiden. Wie lieb muß mich der Vater haben, daß ich leiden darf. Ja, sage Ihm, aus Liebe will ich leiden, damit Liebe alle Menschen wieder eint zu einem Band, das Gott mit Seiner Liebe unzertrennlich verknüpft."

Da ich schon Fieber verspüre und eine seltsame Röte sich um meinen Hals legt, bitte ich um die Kraft, die Briefe noch schreiben zu können, die ich beantworten wollte.

 

Freitag, den 26. Januar 1961

Meine Briefe wurden noch fertig. Dann war es vorbei mit der Kraft. Schüttelfrost kam dazu, das Fieber stieg, Schwindel erfaßte mich. Opfer müssen schon wehtun, wenn es Opfer sein sollen. Vom Hals bis zur Brust und zum Rücken haben sich drei rote Streifen gebildet. Sie brennen wie Feuer. Am 19. brach ich fast zusammen. Am 20. konnte ich nicht mehr aufstehen. Die Töchter holen ihren Arzt, weil sie meinen, der sei besser als meiner, den ich schon seit 20 Jahren habe. Ich wende mich zum Herz-Jesu-Bild: "Herr, segne ihn, und du, liebe Muttergottes, führe ihn."

Als er sich wieder verabschiedet, wende ich mich an Jesus: "Sag doch, Herr, das ist doch nicht einfach so von ungefähr, daß dieser Arzt zu mir kam. Das hat doch alles eine Bedeutung? Du hast ihn auch gesegnet mit der lieben Muttergottes, ich spüre es." Jesus antwortet: "Ja, alles liegt im Willen Gottes. Er nahm etwas mit, was er noch nicht erkennt. Er wird wachsen in den Dingen, die ihm noch fremd sind. Aber sein Herz ist aufnahmebereit für die Gnade. Nun wirst du mehr mit ihm in Verbindung treten.

Als dein Arzt und Helfer will Ich dir offenbaren, an welchen Meiner Leiden du teilnehmen darfst. Du weißt, daß Ich nach Meiner Verurteilung eine Nacht in einem Keller war und die schrecklichsten Leiden, Verhöhnungen, Spott und Gewalttaten durchkostete. So fand man seine Freude daran, Mir einen groben Strick um den Hals zu legen, den man dreifach bis unter die Arme befestigte. So entstanden die drei dicken roten Streifen, die sich vom Hals über die Brust und Schulter legten. Sie zogen Mich hoch und ließen Mich hängen. Mein Gesicht schwoll auf, die Augen traten aus den Höhlen, die Luft ging aus.

Sie riefen hohnlachend: 'Wenn er der Messias ist, so befreie er sich, und wir glauben an ihn.' Meine Stunde war aber noch nicht gekommen, die Mich verherrlichte. Der Leidenskelch mußte bis zur Neige geleert werden. Meine Peiniger hielten Rat. Sie ersannen noch mehr. Meine Qual, die ihnen immer neue Freuden bereitete. So befreiten sie Mich wieder aus dieser Lage. Ich aber lag ohnmächtig am Boden, gequält von Fußtritten und Faustschlägen. Siehe, an diesen Leiden darfst du ein wenig teilnehmen. Ich bin das Haupt Meiner Kirche, die ja auch noch leidet unter den Fußtritten und Faustschlägen. Weil Ich das Große vorbereite, ist auch die Macht der Finsternis am Werk. Das Leben, das Ich bin, möchte man Meiner Kirche nehmen, möchte ihre Glieder fesseln und sie in den Tod bringen. Hohn und Spott, verbunden mit Lüge und falscher Lehre, sollen bewirken, daß Meine Kirche vernichtet wird. Ich bin aber bei ihr alle Tage bis ans Ende der Zeiten.

Nicht Niederlage, nein, Sieg verleihe ich Meiner Kirche. Meine Opferseelen und Marienkinder werden helfen durch ihre Gebet, Opfer und Leiden, daß bald ein Hirt und eine Herde wird. Gedenket besonders in dieser Vorbereitungszeit und in den Tagen des Konzils des Oberhauptes Meiner Kirche, aller Bischöfe und Priester. Nun wende dich, Meine Leidensbraut, an Maria. Sie wird dir sagen, was du tun kannst zur Linderung deiner Schmerzen. Nehme auch zuerst, was der Arzt dir verschrieb."

(Anmerkung: Dies ist die erste mystische Offenbarung über die Nacht nach der Verhaftung Christi. Die Apostel haben von den Leiden Christi in dieser Nacht nichts gewußt, denn Christus hat sie nach Seiner Auferstehung nie erwähnt. An diesem Beispiel zeigt sich die Bedeutung der Mystik für die Kirche. Schon längst hätte der Erzbischof von Köln die an Maria Magdalena gerichteten Offenbarungen kirchlich prüfen müssen. Es hat sich aber nur ein Prälat dafür interessiert, der behauptete, er habe selbst Visionen ...)

Am Abend sagt Maria: "Mein Kind, du hast noch Krankenöl, das dein Seelenführer dir gab. Damit reibe die brennenden Striemen ein. Dazu trinke Wasser von meiner Quelle. Wie gesagt, es ist nur Linderung, denn Jesus will ja Leiden. Für Morgen, für eine hl. Messe, habe ich dir Kraft erbeten. Ich segne dich."

Der Engel weckt mich, damit ich in die hl. Messe nach Ittenbach gehen kann. Ich kann kaum zur Kommunionbank gehen. Maria und der Engel helfen mir. Um neun Uhr dreißig fahre ich glücklich wieder heim.

Als ich die Taufe für die unschuldig Ungetauften (Taufe der totgeborenen oder im Mutterleib getöteten Kinder) vollzog, habe ich ein seltsames Erleben. Es erscheint der verstorbene Kardinal Klemens August Graf von Galen. Er ist gekleidet wie bei der Taufe und hält mir seine Hände entgegen. Ich gebe ihm das Weihwasser. Da kommen viele Arme Seelen, die ein Licht tragen. Ich höre: "Wir ziehen in die Wohnungen des ewigen Lichtes. Maria, unsere Königin, führt uns. Das ist unsere Weihnachtsgnade durch die Leiden der Opferseelen. Bitte weiter, daß wir zur Anschauung Gottes gelangen."

 

Samstag, den 27. Januar 1962

Zum 24. Mal bin ich in dieser seltsamen Stadt. Heute treffe ich einen Greis. Er spricht mich freundlich an: "Wo willst du hin, mein Kind?" – "In diese Kirche dort." – "Das ist nicht der Ort für dich. Du bist doch katholisch. Komm, ich führe dich." Ich gehe mit und bin wieder da, wo die Huren sind. "Nein, da gehe ich nicht hin, in diese Straße." Ich erzähle dem Greis, was ich schon alles dort erlebt habe. "Da wollte ich dich auch nicht hinführen." Wir gehen durch versteckte Winkel, und dann stehe ich vor einem gewaltigen Dom. Viele Menschen kommen heraus. Alle schweigen und haben das Haupt gesenkt. Weihrauch rieche ich. Ich bin traurig und sage: "Durch den Umweg komme ich nun zu spät. Der Gottesdienst ist zu Ende." Der Greis sagt: "Die du sahest, die Scharen, gehören nicht der wahren Kirche an. Hier werden sie unterrichtet, bis sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Nur die eine Kirche, die wahre, die auf Felsengrund steht, ist die alleinseligmachende. Erkennst du nun, wieviel noch gesühnt werden muß, daß alle zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen?"

Dann stehe ich in einem Vorraum zu diesem Dom. Dort stehen lauter Statuen der Gottesmutter, eine schöner als die andere. Ich möchte eine haben. Der Greis aber sagt: "Du brauchst davon keine. Du bist ein Kind Mariens und gehst an ihrer Hand. Diese aber, die noch nicht erkannt haben, haben auch die Gottesmutter noch nicht erkannt, haben kein Bild von ihr, von ihrer Größe, ihrer Macht und Herrlichkeit. Durch diese Bilder werden sie durch ihre Engel in die Geheimnisse Mariens eingeführt." Ich wache auf. Es ist zwei Uhr dreißig. Sofort beginne ich für die Verirrten zu beten.

 

Sonntag, den 28. Januar 1962

Die Entzündungen sind stärker geworden. Jede Bewegung ist Qual. Eine Mandelentzündung kommt dazu. Es ist Sühnewoche für die Beleidigungen, die dem Herzen Jesu und Mariens zugefügt werden. Maria und mein hl. Engel begleiten mich wieder zur Kommunionbank. Als ich Jesus wieder zurückgebe zur Anbetung durch Maria, ist sie bei mir und sagt: "Am Fest der Heiligen Familie wurdest du als Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit empfangen. Du bist jetzt so ein hilfloses Kind, das nichts sagen kann, das nur auf die Mutter angewiesen ist. So wird die Welt deine Sprache, deine Laute, deine Blicke und deine Bewegungen nicht verstehen, nur dein Seelenführer, der ja auch in meinem Schoße ruht. Weil er ein wahrer Ludwig Maria ist, ist er auch ein Johannes Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit." – "Warum Johannes, liebe Mutter?" – Johannes wurde mir beim Kreuzestod Jesu zum Sohne gegeben. Johannes schaute die höchsten Geheimnisse Gottes und gab sie der Welt kund, weil mein Sohn Träger und Kind des höchsten Geheimnisses so auch vereint in der Dreieinigkeit. Den Priestern ist er besonders zur Seite gestellt, denen ich ganz besonders Mutter und Braut bin."

 

Montag, den 29. Januar 1962

Alle Versuche aufzubleiben sind vergeblich. Ich habe wieder Einkehrtag. Allein bin ich mit dem Geliebten. Mit der Mutter bin ich bei Ihm. Maria tut mir kund, daß ich in der Fastenzeit leiden darf für das Konzil und die Einheit der Kirche.

 

Donnerstag, den 1. Februar 1962

Die ganze Woche bis heute sind Einkehrtage. Meine Kraft kehrt wieder, die Sühne im Leiden ist gebracht. In den stillen Tagen der Einkehr beschäftigen mich die Worte der Gottesmutter: Maria Magdalena wird neu geboren. Wie wird das geschehen? Es muß eine große Stunde sein. Ich werde mich darauf vorbereiten. Meine Hingabe an Maria will ich besonders gut erneuern. So werde ich die 33 Vorbereitungstage nach dem 'Goldenen Buch' halten.

 

Sonntag, den 11. Februar, Fest der Erscheinungen von Lourdes

Da steht sie wieder vor mir, die Muttergottes im weißen Kleid und blauem Mantel. Sie trägt auch die Krone. Ich wage die Frage: "Meine liebe himmlische Mutter, seit diesem Advent bist du mir oft erschienen, zuerst ohne Kopfbedeckung und dann gekrönt. Das hat doch eine große Bedeutung." "Das weiße Gewand ist die Reinheit, die Freude, das Brautgewand. Der Mantel ist Schutz, hüllt das Verborgene ein, und in der blauen Farbe zeigt er die Treue und das Mütterliche an. Als Magd des Herrn bin ich die Gekrönte. Da ich die Königin des Weltalls bin, bin ich auch die Königin aller Mütter. Die höchste Mutterwürde wurde mir zuteil, weil ich dem Sohn Gottes, des Vaters, Mutter wurde, Muttergottes.

Mutter wurde ich im Wunder der Unversehrtheit. Indem ich Mutter wurde, blieb ich doch Jungfrau. Das ist ein großes Geheimnis. Du bist auch Mutter. Du wolltest Jungfrau bleiben, aber der Wille Gottes war ein anderer. Du konntest lange diesen Weg nicht verstehen, aber du hast den Willen Gottes erfüllt, hast die Kinder angenommen aus Seiner Hand, die Er für dich bestimmt hat. Es gefiel Gott, daß nach schwerem Leiden kein Kind mehr zu erwarten war, deine Bitte um die Tugend der Entsagung. Er prüfte dich hart und schwer. Du trugst das schwere Kreuz mit Freuden. Ich stand dir bei, weil die Bitte an mich zuerst gerichtet war. In einem neuen Leid vor Jahren wurde dein Mutterschoß wieder verschlossen. Weißt du, mein Kind, was das für ein Geschenk der höchsten Liebe war?"

"O meine Liebe Mutter, was kann ich schon wissen. Zu groß ist deine und auch Gottes Liebe und Güte. Mein Dank, mein Lob, meine Liebe reichen nicht für das, was der Herr tat an mir und was du bis zur Stunde an mir getan." – "Gott sieht auf das Herz, das Er gab und das für Ihn schlägt, das hüllt Er ein in die höchsten Gnaden, die die höchste Liebe vergeben kann. Das sei heute dein Gnadengeschenk, daß du von heute Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit bist. Nicht als Maria sollst du sterben, nein, hier sollst du leben als Maria und noch viele große Verdienste sammeln."

 

Montag, den 12. Februar 1962

2. Woche, 1. Tag. Erkenntnis Mariens. "Du gütige, du milde, du liebe, du süße Jungfrau Maria. Gegrüßet seist du Maria, du unbefleckt Empfangene. Ganz Güte, ganz Liebe, das kann Maria von sich sagen. Wie aber stehe ich da? Mit der Erbschuld der Stammeltern behaftet, so empfing mich die Mutter. Die hl. Taufe machte mich zum Kinde Gottes. Kind Gottes wurde ich, so auch Kind Mariens. Unbewußt ward ich beides. Niemand belehrte mich über dieses Große und Erhabene. Unwissend blieb ich. Die Sünde aber in ihrer schlimmsten Form lernte ich kennen, ja, ich lebte in dieser Sünde. In Nacht und Dunkel stand schon die Kindheit.

Warst du fern von mir, Maria, du Gütige, du Milde, du Liebe? Du warst nicht fern, aber die Gnadenstunde war noch nicht da für mich. Du aber, du Makellose, hast in Gott gewußt, daß einmal aus deinem Schmerzenskind ein Kind der Gnade würde. Nun bin ich Maria, du hast es gesagt. Ich glaube mit dem Glauben, mit dem du an die Botschaft des Engels geglaubt hast. Ein großes Geheimnis trage ich nun in mir. Du läßt mich teilnehmen, ja, vereinst mich mit deiner Jungfräulichkeit. Ich will dieses Geheimnis hüten und verborgen tragen, wie du das deine verborgen trugst. So darf ich dich heute grüßen aus frohem Herzen: Gegrüßet seist du Maria, du unbefleckt Empfangene! Laß nie meine Seele, den Tempel des Heiligen Geistes, je wieder durch eine Sünde entweiht werden. Laß mich, o Mutter, deiner Führung und Liebe würdig sein."

 

Dienstag, den 13. Februar 1962

2. Woche, 2. Tag. Maria voll der Gnade, du Magd des Herrn. Ich betrachtete: Maria ist unbefleckt empfangen und schon im gleichen Augenblick voll der Gnade. So steht sie seit dieser Stunde erhaben über allen Engeln und Heiligen. O Maria, du Krone der Schöpfung, du dreimal Wunderbare durch die Liebe des Vaters, die Liebe des Sohnes und die Liebe des Heiligen Geistes. Du Wohlgefallen der Dreifaltigkeit von der Stunde deiner Empfängnis an. Noch warst du ein verschlossenes Tor zu den Geheimnissen Gottes. Vom Glanz der Gottheit eingehüllt, blühest du auf wie eine wunderbare Blume, bliebest Eigentum des Herrn.

Mit all den Kindern Evas warst du vereint in Sehnsucht und Verlangen nach dem Erlöser. Dann kam deine Stunde, da du Gottes Wohnstatt wurdest, wo nicht dein Wille, sondern der Seine dir höchste Erfüllung wurde. Du hast geglaubt und hast empfangen den Sohn des Allerhöchsten, Jesus Christus. Die höchste Würde wurde dir zuteil und doch bliebest du in deiner Demut die Magd des Herrn. Nimm nun, o Mutter, die Reinheit meines Herzens. Ich empfehle sie dir und ich vertraue sie dir an. Laß mich sein die Magd des Herrn, die in allem den Willen Gottes erfüllt. Nie mehr eine Sünde, aber deine Tugenden, o Maria, mögen mehr meine Seele schmücken. Dazu gib mir, o Herr, Deine Gnade.

 

Sonntag, den 18. Februar 1962

Nach der hl. Kommunion bin ich versenkt in die Betrachtung der hl. Wunden Jesu, was ich bis heute nicht erlebte. Jesus hebt sein blutiges Haupt am Kreuz und schaut mich traurig an. Dann höre ich: "Es folgt noch eine größere Heimsuchung als diese Wasserflut. Es ist eine große Zeit, weil aus dem Samen der Märtyrer Meine Kirche in neuem Glanz ersteht. Es ist aber auch die Zeit, wo Satan reiche Ernte hält. Die ihm dienen, empfangen von ihm den Lohn. Du kannst nicht helfen, weil die Sünden wider den Heiligen Geist nicht vergeben werden."

 

Montag, den 26. Februar 1962

Ich leide sehr. Ich weiß, ich muß noch durch eine Läuterung gehen, muß ganz rein sein. Frohe Wochen in Gebet und Betrachtung liegen hinter mir. Seit vier Tagen mischen sich in meine Gebete und Betrachtungen unreine Bilder, Bilder aller Gattungen von Sünde ein. Ich schließe die Augen, aber ich sehe es doch. Ich bitte und rufe hinauf zum Himmel, das Schreckliche von mir zu nehmen. Es wirkt oft so störend, daß ich nicht weiter beten kann, daß ein häßliches Lachen mich einhüllt. Oft rufe ich: "Mein Jesus Barmherzigkeit!" Ich bete den Exorzismus.

 

Herz-Jesu-Freitag, den 3. März 1962

Der Zustand hält noch an. Sogar im Schlaf habe ich keine Ruhe. Dabei kenne ich sonst keine bösen Träume, bin fast traumlos, da ich betend einschlafe und aufwache. Herr, was ist mit mir? Was ich nicht will, ist da. Ich schließe die Augen, es bleibt. Es geht und kommt in einer anderen Form wieder. Da hüllt mich ein Licht ein. Ich sehe, was Gott Tag und Nacht sehen muß, die Sünde in ihrer ganzen Bosheit und Auflehnung gegen Gott. Wie furchtbar ist es für Dich, den Allerheiligsten, den Allerreinsten, all dies Unreine und Unheilige zu schauen. So will ich die Sünden büßen, die Du mir zeigst. Es ist gut, daß Du mich krank und elend machtest in dieser Woche. Schenk mir Seelen, daß sie rein werden durch Dein Blut, das unaufhörlich von den Altären fließt.

 

Herz-Mariä-Samstag, den 3. März 1962

Ein Tag für meinen Seelenführer in seinen Anliegen und Leiden. Bin von Schmerz durchbohrt und kraftlos. Was ich habe, ist ihm abgenommen. Er braucht Kraft für neue Anforderungen. Ich darf meine Kraft dafür geben.

 

Sonntag, den 4. März 1962

Habe Streit geschlichtet. In stiller Sühne und Entsagung Gott gedient für die Sünden der Fastnachtstage.

 

Aschermittwoch, den 7. März 1962

Sühnetage für die Sünden. Die Fastnachtstage liegen hinter mir. Ich sehe mich in Maria, als stehe ich und bewege mich in ihr. Maria bin ich und sie ist und bleibt meine liebe Mutter, jetzt noch mehr, da ich ihren Geist annahm. Sie spricht: "Mein Kind, bereite dich vor auf eine große Stunde, das kannst du, wenn du mir folgst in die 40-tägige Fastenzeit Jesu. Wenn du der großen Gnaden willst teilhaftig werden, muß nur heilige Stille dich umgeben. Das Kreuz, mit dem heute der Priester deine Stirn bezeichnet, wird wachsen in dieser Zeit, bis es die Größe deines Heilandes hat."

Eine endlose Wüste sehe ich. Hingeworfen in den Wüstensand liegt Jesus. Er betet. Ich nahe voll Vertrauen. Unsere Zeit steht da, die Er sah. Wie ein guter Freund stehe ich vor Dir, laß mich teilnehmen an Deiner Sühne, Du großer Büßer für unsere Schuld. Jesus erhebt sich ein wenig und schaut auf mich. "Mein Gott, so sahest Du mich schon damals bittend vor Dir stehen, um mich mit Deiner Sühne zu vereinen. Nun ist sie da, diese Stunde. Jesus: "Im Geiste Mariens bist du Mir ganz nahe und vereint mit Mir. In der Vollkommenheit der Nachahmung der Tugenden deiner himmlischen Mutter wirst du fähig sein, ganz in Mich einzugehen. Sei gesegnet für deine große Stunde."

 

Samstag, den 10. März 1962

In und mit Maria bin ich in der Wüste. Herr, mein Gott, Du Einsamer, damals und immer noch in unseren Kirchen, laß Dich trösten, laß mich bei Dir sein. Laß mich danken für alles, was Du für uns getan, danken für alle, die nicht danken. Wie schmerzt mich der Undank, die Untreue und Lieblosigkeit. Nimm diese Blumen, Herr, die ich pflückte für Dich in diesen Tagen. Laß sie vermehrt werden, damit sie wachsen in jedes Menschen Herz. Wer Dich wahrhaft liebt, hält Dir auch die Treue und weiß für alles zu danken.

Jesus: "Ich bin die Quelle alles Guten. Du birgst Mich ja, das höchste Gut, in deinem Herzen. Meine Weisheit führt dich, Meine Liebe erwärmt dich."

"O Geliebter meiner Seele, o unendliche Schönheit, die Du mein Gott bist, ich bete Dich an, ich gebe mich Dir hin, jetzt und auf ewig.“

Jesus: "Siehe, Maria, wie ängstlich die Menschen sich sorgen für ihren Leib, für Hab und Gut. Das sah ich und ein Grauen kam über mich. Wer kleingläubig ist und kein Gottvertrauen hat, versinkt in das Irdische und Vergängliche. Mit leeren Händen stehen sie einst vor ihrem Richter."

"Jesus, ich bin bereit, auch für diese zu sühnen. Segne mich zu diesem Werk." Jesus segnet.

 

Sonntag, den 11. März 1962

Da bin ich wieder, Herr. Die Blumen der Genügsamkeit und der Zufriedenheit bringe ich Dir. Du hast gesehen, wo ich sie pflückte. Du weißt, es war nicht leicht, aber ich habe sie für Dich gebracht. Je mehr Blumensträuße ich Dir bringe, desto tiefer dringe ich ein in Dich. Weil Du mich regierst, wird mir nichts mangeln. O Du unendliche Weisheit, von Ewigkeit hast Du den Plan meines Lebens entworfen. Die Nacht ist vorüber. Der Tag des Lichtes ist angebrochen. Laß mich nun wandeln in diesem Licht vor Deinem Angesichte. Mehr und mehr begreife ich alles und rufe erfreut: "Du hast alles gut gemacht!"

Jesus: "Meine Braut, erfreue Mich weiter mit den Blumen aus deinem Tugendgarten. Wenn du mir alle geschenkt hast, dann werde Ich dein Gärtner sein, im Garten deiner Seele."

"Sage, Herr, warum ist Dein Angesicht im Staub der Erde vergraben?"

Jesus: "O Maria, ich mag den Neid, die Habsucht, den Geiz und die Lüge nicht sehen. Siehst du die Menschen, wie sie gezeichnet sind von dieser Sünde? Schaue weiter die Folgen dieser Sünden, vom Anfang der ersten." Sage doch, Jesus mein Geliebter, das ist ja ein schreckliches Weltbild. O ich glaube, daß Dir das Grauen kam vor der Sünde, solch eine Schuld. Siehe, ich brachte Dir schon Blümlein. Heute, da kommt hinzu ein großer Strauß Freigebigkeit und Wahrheit. Ich brauche Dir nichts aufzuzählen, alles hast Du gesehen und gehört.

Jesus: "Ich bin zufrieden. Sei weiter bedacht, deinen Heiland zu trösten und zu erfreuen. Ich bin dein Lohn, deine Wonne und Freude."

 

Samstag, den 17. März 1962

Du hast mich gerufen, Herr, ich komme. Viel Arbeit war in meinem Gärtlein. Siehe aber, was ich noch fand. Ich bringe die Blumen der Gastfreundschaft, der Pflichterfüllung, der Freude und Demut. Immer kamst Du zu mir in den anderen. Es war schon mal ungelegen, weil andere Pflicht da stand. Ich vertraute Dir, und Du hast geholfen. Ich durfte Freude geben, die ja von Dir kam. Ich durfte zurücktreten, mich verbergen, wenn Lob und Ehre auf mich warteten.

Jesus: "So eine Seele sich nach Mir und Meiner Vereinigung sehnt, so auch sehne ich Mich nach ihr. Meine Wonne ist es doch, bei den Menschenkindern zu sein. Die Seele, die Mir immer Gastfreundschaft gewährt, bietet Mir Ersatz für jene, die Mir ihr Herz verschließen. Würde je einer die Wonne verstehen, die Ich, euer Gott, empfinde in der Menschenseele, alle Herzen würden Mir offenstehen. Wer reine, hingebend Liebe Mir schenkt, nimmt auch Teil an Meiner göttlichen Wonne. Sei du Apostel der Liebe, sei reine, heilige Liebe wie Ich. So sende Ich dich aus in die Stille, zu den Verlassenen und Kranken, helfe, tröste und heile in Meinem Namen."

Hier hast du mich, Mein Gott! Gedächtnis, Verstand, Wille Gedanken, Worte, Werke und alles, was ich bin und habe sei ganz durch Maria und mit Maria in Deinen Dienst gestellt zu Deiner Ehre und nach Deinem Willen.

 

Sonntag, den 18. März 1962

Eine besondere Freude, Herr, möchte ich Dir heute bereiten. Ich weiß, Du liebst sie, die Blumen der Losschälung von den Geschöpfen. Ich lege sie in Deine Hände, damit Du sie weiterhin aufblühen läßt. Nur Du allein sollst mir alles in allem sein.

Jesus: "Das ist deine Stunde, Maria. Wer frei ist von allem, nur Mich besitzt, der hat alles. Nütze sie, diese Stunden. Benutze jede Gelegenheit, die dich Gott, dem Dreieinen, näher bringt, daß nichts verlorengeht, was dir geschenkt wurde. Nun kannst du in vollem Maße Mir bezahlen, was du Mir schuldest an Sühne, an Anbetung und Danksagung. Dafür erhältst du in dieser Stunde so oft Verzeihung deiner Sünden. Aller Schätze Meines Herzens wirst du dich bedienen können, damit du den Nöten deiner Seele gänzlich abhelfen kannst."

 

Mittwoch, den 21. März 1962

Drei Tage verweilte ich mit Maria im stillen Häuschen zu Nazareth. Welch ein verborgenes Paradies war das, darin die schönsten Blumen blühten. Ich kann nur still schauen und aufnehmen, wie sie einander lieben, wie ihre Hände bei der Arbeit sind, aber die Seele in Gott ruht, mit Ihm vereint ist. Sie arbeiten, Jesus, Maria und Josef. Ihre Arbeit ist geheiligt durch immerwährende Vereinigung mit Gott, durch Hingabe, Anbetung, Lob und Dank im heiligen Willen der Dreieinigkeit. Ich werde auch hier Blumen pflücken, Herr. Ich habe es getan. Siehe, was ich habe. Da habe ich die reine Liebe, die Demut, die Verborgenheit, den Fleiß, das Schweigen, das Gebet, die Betrachtung, die Vereinigung im Willen Gottes und die Hingabe. Blühen sollen sie besonders, Herr, in dieser Fastenzeit. Laß mich mit Dir büßen für alle, die Gott nicht lieben, die stolz seine Gebote übertreten, die verkrampft im Irdischen nicht mehr beten. Sie wollen ihren Willen erfüllt haben, nicht Gottes Willen. Darf ich büßen für die Zungensünden, für die Müßiggänger? In allem bist Du mit Maria und Josef uns Vorbild, wie aber seid Ihr nachgeahmt.

Jesus: "Ich freue Mich, Maria, wie du deinem Heiland die große, gewaltige Sündenlast ein wenig abnehmen willst im Mitsühnen und Mitleiden. Im stillen Häuschen zu Nazareth sah und erlebte Ich schon alles, was in vollkommener unendlicher Sühne Ich am Kreuz büßte. Kannst du es fassen, daß Ich 30 Jahre still und verborgen sühnte? Ich heiligte die Arbeit durch unermüdlichen Fleiß. Ich leistete dadurch Sühne für den Müßiggang. Gesühnt habe Ich für den Ungehorsam. Lüge und alle Zungensünden sühnte Ich durch Schweigen. Dafür, für Mein Schweigen, erntete Ich Verkennung, Bosheit und Spott. Die Menschen unter denen Ich lebte, sie erkannten Mich nicht. Ist es nicht immer so geblieben? Ich bin doch nicht von euch gegangen. So verborgen wie einst in Nazareth bin Ich noch immer unter euch. Ich bin aber geblieben der große Unbekannte. Nur Meine Jünger, die Mich lieben und Mein Leben lieben, sie kennen und erkennen Mich. Gehe du, Meine Seele, weiter an der Hand Meiner und deiner Mutter, bleibe still und verborgen wie ich. Nun hast du auch erkannt, als Ich dir einmal sagte, dort wo du wohnst und lebst, das ist dein Nazareth."

Wie groß bist Du, o Herr, in Deiner Niedrigkeit. Arm und hilflos lagst Du in Deiner Krippe. Als Knabe, als Jüngling, übtest Du ein einfaches Handwerk aus, das Dir weder Ruhm noch Ehre einbrachte. Nazareth ist unsere Schule. Welch wunderbares Geheimnis verborgenen Lebens in täglicher Arbeit und Gottverbundenheit. Laß mich noch oft dort verweilen, Mein Gott, damit ich lerne, allem restlos abzusterben. Alles Gute kam von dort, von Nazareth. So laß mich wachen in meinem Nazareth, bis zu Deinem Vollalter. Eine Bitte habe ich: Möchte die Welt erkennen, was Du für uns getan in Deinem stillen, heiligen Leben in Nazareth.

Jesus: "Wenn die Ehe wird wieder geheiligt sein, dann wird man erkennen, was Nazareth ist und war."

 

Samstag, den 24. März 1962

Ich wache auf. Es ist 4.30 Uhr. Da war ich doch wieder in dieser seltsamen Stadt. Die beiden Kirchen sehe ich, aber ich habe kein Verlangen, hineinzugehen. Ich gehe aufwärts rechts von den Kirchen. Da bin ich in einem großen Elendsviertel. Die Armut ist nicht zu beschreiben. Ich trete in eine der Hütten ein. Sie ist wie ein Verschlag, wo ich herumirre von einem Raum in den anderen. Kahl ist alles, so öde, so trostlos. Bretter greifen seltsam ineinander. Ich gehe weiter in einen anderen Raum und rufe: "Ist hier kein Leben? Ist hier alles ausgestorben?" Da sehe ich plötzlich auf diesen Brettern sitzen meinen Vater und Schwiegervater und noch einige Bekannte. Sie sind bleich und abgezehrt. Ich frage: "Warum seid ihr hier? Das ist ja schrecklich, so müßig sitzt ihr da." Sie antworten: "Wir leiden darunter, wir können nichts tun, weil die Zeit des Wirkens vorbei ist. Wir haben unsere Nachkommen an Leib und Seele arm gemacht. Nun sind wir eine kleine Zeit zur Fürbitte gelangt. Die Sehnsucht verzehrt uns. Bete, daß wir bald zum ewigen Licht gelangen."

Ich frage: "Wo ist meine Mutter, meine gute Großmutter und all die anderen, die vor mir gegangen sind?" Sie antworten: "Sie werden sich wohl erfreuen in der Seligkeit. Uns, die wir noch büßen, wird das nicht geoffenbart. Hier ist alles anders. Es sind zusammen, die gleiche Schuld büßen müssen. Große Gnade wird Seelen gewährt, wenn in einer Familie eine Sühne- und Opferseele ist." (Anmerkung: Das Zusammensein von Sündern mit gleichen Sünden im Fegefeuer ist auch Gegenstand der Offenbarungen, die an Fulla Horak gerichtet wurden.)

Die letzten Worte klingen noch nach, als ich aufwache. O Maria, wie ist das alles so seltsam, Königin der armen Seelen, bitte für sie. Maria läßt mich auf Jesus schauen. Er schaut die Scharen am Ort der Läuterung. Er ist jetzt schon voll Erbarmen und fleht für sie, nimmt sie herein in Seine Erlösung. Jesus, liebster Jesus, ein Blümlein reiche ich dir, der Barmherzigkeit. Wirst Du es den armen Seelen zum Troste gereichen lassen?" – "Ich bin ja die Barmherzigkeit. Wie kann ich anders, als Mich erbarmen, wenn in guter Meinung die Werke der Barmherzigkeit geübt werden."

 

Sonntag, den 25. März 1962

Heute bin ich so froh. Maria läßt mich Jesus schauen. Der Büßer in der Wüste sieht mich, sieht, wie ich meinen Lebensweg nicht verstehe. Nun spricht Er: "Maria, du denkst, warum erst die Sünde, dann Gott, dann Irrweg, dann Kreuzweg und jetzt höchste Gnade. Ein Werkzeug Gottes bist du von Anfang an. In jeder Seele, die sich von Gott ziehen läßt, hat Er Seine eigene Verherrlichung, wenn auch die Wege unverstanden sind. Nun schaue einmal im Lichtblick." Ich sehe alles wie im Spiegelbild. Dann rufe ich erfreut: So mußte es sein. Du hast alles gut gemacht, Herr. Ich danke. Gib, daß ich mich selbst mehr erkenne. Ich meinte, ich wäre nie stolz gewesen und doch ist jede Sünde Hochmut, weil der eigene Wille vorherrschend ist. Herz meines Jesus, das Du allen das stolze Herz brichst, brich das meine und schenke mir ein neues Herz im Herzen Mariens.

Am Nachmittag kommen Schwester K. und Bruder Thomas vom Mühlenhof Siegburg. Beim letzten Besuch hatte K. ihre Brille vergessen. Scherzend meine ich: "Ihr wollt mich wohl holen?" Bruder Thomas: "Das würden wir gern tun und uns freuen." Ich darauf: "Ihr wißt, daß bei mir nur Gottes Wille entscheidet." Ich habe das kaum gesagt, da stehe ich in Licht gehüllt und höre Jesu Stimme: "Du mußt mit, das ist Mein Wille." Ich teile mit, daß ich darf und zwar bis zum anderen Abend. Sie freuen sich, aber ich weiß nicht, daß hier eine große Bedeutung liegt. Bruder Thomas gibt mir ein schönes Zimmer. So kann ich ungestört beten und betrachten und mich vorbereiten auf das schöne Fest Mariä Verkündigung. Ich hatte den Wunsch, dieses Fest einmal in aller Stille besonders schön zu feiern. Ich weiß, das tat Maria für mich.

 

Montag, den 26. März 1962

Heute wird ja dieses Fest gefeiert. Die ganze Nacht war so unruhig für mich. Ich habe fast nichts geschlafen. Ich betete, wollte ruhen, weil ich müde war, aber ich kam nicht zur Ruhe. Ich stand auf, legte mich wieder hin. Dann ward es mir heiß, dann wieder zu kalt. Als es nicht anders wurde, bat ich im Gebet: "Herr, was ist mit mir? Warum bin ich so unruhig?" – Jesus: "Du leidest für einen, der bald stirbt." – "Dann ist es gut, Herr. Dann mache ihn ruhig und frei für Dich." Ich sehe auch das Gesicht des Mannes. Schwester K. erzähle ich es. Sie spricht von einem Mann, der immer tobte, der aber die vergangene Nacht auffallend ruhig war. Ich bitte, ihn sehen zu dürfen. Sie führt mich in das Zimmer. Er liegt gefesselt im Bett, aber ruhig mit geschlossenen Augen. Ich segne ihn still. Da öffnet er die Augen und schaut mich an. Ich bin zufrieden. Sein Blick hat schon etwas Überirdisches an sich.

Um sechs Uhr war feierliches Amt in der Kapelle mit sakramentalem Segen. In, mit und durch Maria bin ich ganz hineingenommen in die heilige Handlung. Maria spricht: "Heute ist dein großer Tag. Meinen Weg gehst du mit mir, mit Christus. Du wirst Ihn empfangen im Heiligen Geiste durch den Vater. Um Ihn so zu empfangen, mußt du jungfräulich sein. Verstehst du nun, mein Kind, deine Umwandlung?" – "O Maria, ich verstehe, ich begreife, doch ich frage wie du: Wie geschieht das, wie zeigt sich das Große, das Geheimnisvolle?"

Maria: "Diese hl. Kommunion heute ist Jesus als göttliches Samenkorn in deiner Seele. Mit jeder Kommunion wächst Jesus in dir. Ich schenke dir meine Freuden der Mutterschaft, meine Liebe und Freude. Als Kind wird Jesus sprechen aus deinem Inneren. So wird das Band reiner Gottesliebe euch umschlingen und eure Herzen vereinen." Unter Tränen danke ich. Welch ein großer Tag! Mit Maria spreche ich: "Ich bin eine Magd des Herrn. Hochpreiset meine Seele den Herrn, denn Großes hat an mir getan der Mächtige." Ich bin so bewegt. Gott läßt sich herab, wird auch so klein. Von mir will Er Mutterliebe. Wer kann es fassen. Nach der hl. Kommunion bin ich in Maria ganz im Licht. In diesem Licht sehe ich Jesus unter meinem Herzen so ganz klein.

Er spricht: "Ich bin das Leben. Ich trage das Leben deiner Seele und nähre es durch Mein Leben. Nähre Mich durch deine Liebe, durch alle Tugenden Meiner Mutter. So wirst du auch Mir Mutter sein und Ich werde dir Sohn sein." – "Guter Jesus, am reinsten und heiligsten Mutterglück läßt Du mich teilnehmen. Wie unendlich groß ist Deine Huld und Gnade. Alles will ich tun, um mich dieser Gnade würdig zu erweisen." Jesus: "Sühne war es vom Augenblick Meiner Empfängnis für jene, die das Kind ablehnen. Ich schloß Mich ein im Mutterschoß mit vollem Verstand, Gefühlen und Empfindungen. So ruhe Ich auch in dir und sühne und leide mit dir, aber Ich freue Mich auch, weil du in Mich hineinwächst." Dann bin ich ganz versunken in Dank und Anbetung. Jesus sagt: "Es ist dein Tag. Du hast Zeit, bis man dich holt."

Ich blieb vier Stunden in der Kapelle. Nach dem Kreuzweg gehe ich zurück an meinen Platz. Da kommt K. und sagt: "Ich muß dich holen." Bruder Thomas kam ganz erregt und sagte: "Wo mag Maria Magdalena sein? Sie muß doch etwas essen." Ich ging mit und betete dort weiter. Am Nachmittag kam die Frau des Kranken, für den ich sühnen durfte in der Nacht. Ich höre auf einmal ein unnatürliches Schreien. Schwester K. sagt: "Das ist der Sohn dieser Frau. Er ist bei Bruder Thomas in der Küche. Der kann hier nicht bei dem kranken Vater sein."

Ich bat, ob ich ihn sehen könnte. Ich sah ihn. Ich hätte weinen können über dieses Bild. Da sitzt ein junger Mann von 26 Jahren, gesund, aber ohne Verstand. Das ganze Nervensystem geht wie ein Räderwerk. In der rechten Hand hat er einen geflochtenen Lederstreifen. Den schleudert er hin und her. Dazwischen kommen diese unnatürlichen Laute. Ich bete den Exorzismus und segne ihn. Da steht er auf und kommt auf mich zu. Er faßt meine Hand. Schwester K. sagt: "Geh zurück, er wirft dich um!" Ich sage: "Der tut mir nichts. Das habe ich gewollt, daß er kommt. Ich weiß nun, daß er nicht besessen, sondern ein Opfer für sein Vater ist." Von der Frau erfuhr ich noch, daß dieses Kind so geboren wurde. Sie hat noch zwei Mädchen. Die Mädchen hatten geäußert, daß sie wegen des Jungen von seiten des Vaters ein wahres Martyrium durchgemacht hätten. Am Abend bin ich wieder daheim und danke noch einmal für die große Gnade, die mir durch Maria, meine himmlische Mutter, zuteil wurde.

 

Donnerstag, den 29. März 1962

Ich habe Fieber und Schmerzen in allen Gliedern. Es wird wohl eine Grippe sein. Da kann ich meinem Jesus Leidensblumen schenken, die Er doch so liebt. Den ganzen Tag habe ich vor Freude über die erneute Gnade nur Lob und Dank dargebracht. Gelobt sei Jesus Christus, daß ich Mutter sein darf. Gelobt sei Jesus Christus für die Liebe, die Du mir durch Maria geschenkt hast. Gelobt sei Jesus Christus für die Liebe, daß Du wohnst in meiner Seele. Gelobt sei Jesus Christus, daß Du in mir lebst und ich in Dir. Gelobt sei Jesus Christus durch Maria, die Magd des Herrn und Muttergottes, dem vollkommenen Werk der Erlösung. Gelobt sei Jesus Christus durch meine Seele mit allen Fähigkeiten, durch meinen Leib mit allen seinen Sinnen, durch jedes Streben meines Geistes, durch jeden Gedanken meines Herzens, jedes Wort, jede Handlung in Zeit und Ewigkeit. Lobe meine Seele den Herrn und alles, was in mir ist Seinen Namen.

 

Mittwoch, den 4. April 1962

Dank sei Dir, Herr, daß ich leiden durfte in den letzten Tagen. Heute bin ich wieder frei. Aus meinem Innersten spricht Jesus: "Du wirst Mir in diesem Jahr noch viele Leidensblumen schenken bis zum Fest Meiner Geburt. Du wirst auch Freude haben durch Seelen, die heimkehren zu Mir. Halte nur aus, wenn es auch schwer sein wird. Es ist ja Mein Weg, der mit Dornen besät ist, der am Ende aber mündet in die höchste Seligkeit. Du hast Meine Gnade, die dich zu allem fähig macht, die dich führt und leitet." – "O mein Jesus, das wäre meine größte Freude, wenn Seelen heimfinden zu Gott. Ich halte schon still, wenn es auch schwer wird."

 

Passionssonntag, den 8. April 1962

Alles jubelt und freut sich in mir. Ich fühle es, ich weiß es, ich trage Jesus nun so anders in mir. Jesus wächst in mir und ich in Ihn hinein. O es ist zu schön, zu groß, dieses Geheimnis. In meiner Freude sage ich beglückt nach der hl. Kommunion: "Jesus, mein Geliebter, Du herzgeliebtes Kindelein im Hostienkleid. Du wirst mir nicht zürnen, wenn ich sage: Ich bin voll der Gnaden? Nicht wie Maria, so nicht, das ist nur sie, die Gebenedeite, die Gnadenvolle. Doch so unverdient, so wie ein Gott der Liebe es nur tut, so hast Du durch Maria mich mit Gnaden überhäuft, daß mein schwaches Herz vor Freude, Wonne und Liebe fast vergeht. Nimm mich dafür als Dein ewiges Lob- und Dankopfer. O mein Gott, ich lobe Dich um Deiner selbst willen. Dank sei Dir, daß ich Christusträgerin sein darf. Gelöst hast Du mich von jeglicher Liebe. Nur Du bliebst mir allein. Alles fand ich in Dir wieder. Ich darf mit Maria Kind zu Dir sagen. In Maria darf ich Dir Mutter sein. So will ich Dir dienen im Geiste Mariens, in steter Vereinigung und Anbetung."

Jesus spricht aus meiner Seele: "Wer alles und sich selbst verläßt, tat es aus reiner Gottesliebe. So kann Ich Einzug dort halten, was frei ist für Mich allein. Ich bin doch die Wonne reiner Seelen, besonders jener, die Maria in ihre Tugenden kleidet. Sie, die gute Mutter, gibt sorgfältig acht, und wehrt jedem Eindringling der höllischen Macht. So bist du geborgen in Maria, Ich in dir, du in Mir. So wirst du durch sie mit ihr ein Herz und ein Pulsschlag sein."

 

Donnerstag, den 12. April 1962

Die Liebe drängt mich. Ich klopfe selbst an mein Herzenskämmerlein: "Mein Jesus bist Du da?" Ach, was frag ich, da ich doch weiß, daß Du ruhest in mir. Darf ich Deine Ruhe stören, geliebtes Gotteskind? Ich bringe Dir neue Blumen. Mein tägliches Kreuz schmücke ich mit Blumen der Hingabe und bedecke es mit verborgenen Opfern. So fand ich die wahre Freude.

Jesus in meiner Seele: "Weil Ich im Schoß Mariens in steter Hingabe an Meinen Vater Mich opferte für die Sünder, folgte Maria Meinem Beispiel. Zwei Herzen wurden eins in der Hingabe an den Willen Gottes im Opfer und in der Sühne. Zwei Herzen wurden eine große, reine, heilige Liebe. Das wird immer wieder geschehen, so eine Seele im Geiste Mariens Mich aufnimmt und eins wird mit Mir. So hast du, Meine Seele, die wahre Freude gefunden in Mir. Ja, nimm Meine Liebe, nimm sie, die die Sünder abweisen. Indem Ich dir diese Liebe schenke, wirst du mit dieser schmerzlichen Liebe Mir Seelen suchen und zu Meinem Herzen zurückführen. Schmücke weiter dein Kreuz mit diesen Blumen. Ich trage es ja mit Dir und füge es ein in Mein großes Erlösungs- und Siegeszeichen."

 

Palmsonntag, den 15. April 1962

Nach der hl. Kommunion halte ich traute Zwiesprache mit Jesus, meinem Gott und Herzenskönig. Freude erfüllt mein Herz und ist doch voller Wehmut. So ist mein Leben, Herr, ein einziger Palmsonntag. Freude und Leid stehen stets nahe beieinander. Du sahest mich damals schon, als mein erster Palmsonntag mein Geburtsfest war. Du legtest mir die Freude Deines Tages, aber auch schon den teilnehmenden Schmerz Deiner Leiden in meine Wiege. Ja, so war es und so blieb es. Als ich das erste Hosanna sang, da sang ich es mit frohem Herzen. Wenn ich es nicht sang oder betete, hatte ich Gott betrübt durch die Sünde. Dann wagte ich es nicht, zu beten oder zu singen. War ich wieder ganz Gottes Kind, dann hörtest Du wieder meine Hosanna-Rufe.

Jesus zu meiner Seele: "Von Ewigkeit bist du von Gott erkannt. Weil erkannt, darum bist du auch berufen als ein Zeichen der Auserwählung, das dient zur Verherrlichung der höchsten Majestät. Erblickt ein Mensch an einem besonderen Fest oder Leidenstag das Licht der Welt, wird es immer sein Tag sein zu seiner besonderen Heiligung, oder wenn er Gott ablehnt, zu seiner tiefen Verwerfung."

 

Montag, den 16. April 1962

Ich frage mich, wie die Karwoche wird in diesem Jahr. In meinen Gliedern spüre ich einen heimlichen Leidenszug. Am Nachmittag ist mein Seelenführer und Bruder, Pater Heinrich Maria Schröder, bei mir. Golgotha steht vor mir. Jesus reicht mir vom Kreuz den Leidenskelch. Die Schmerzensreiche naht und setzt mir die Dornenkrone auf. Ich höre noch wie aus weiter Ferne die Stimme meines Seelenführers: "Soll ich segnen?" Schwach kann ich zustimmen. Ein furchtbarer Schmerz durchbohrt mich, der alles Blut aus den Adern treibt und ins Gehirn jagt. Ich spüre die Segenskraft.

Jesus sagt: "Der Segen des Priesters macht dich leidensfähiger."

Nach kurzer Zeit geht es wieder. Ein dumpfer Schmerz bleibt. Beim Abendgebet spricht Jesus aus meiner Seele: "Maria, du begreifst noch nicht, was geschieht mit dir. Durch besondere Liebe und gute Werke wolltest du Mir heute dienen. Konnte ich schöner bei dir sein als in Meinem Priester, der ein Herz und ein Pulsschlag mit Mir ist? Du lauschest seinen Worten, die ja Meine sind, weil er von dem Meinigen nimmt. Siehe, ich lebe und wachse in dir und du in Mir. Im Mutterschoße Mariens spürte Ich schon die Leiden der großen Tage. Ich sah Mich von Dornen umwunden und Schmerz durchbohrte Mich. Das litt Maria auch mit Mir. Kann es nun anders sein, daß du es auch empfindest?"

Mein Jesus, mein Herr und mein Gott, im Geistes Mariens darf ich Dein Leben leben. Aus ihrem Tugendschatz werde ich immer von neuem nehmen, um Dich zu nähren, um ganz eins zu sein mit Dir im Heiligen Geist, im Vater.

 

Gründonnerstag, den 19. April 1962

Heil unserem Gott, der auf dem Throne sitzt, dem Throne Seiner Glorie im Himmel, dem Throne in Seinem Heiligtum im Tabernakel und auf dem Thron in meinem armen Herzen. Erfreuen will ich mich mit Maria heute in Gott, meinem Heiland, der im Denkmal Seiner Liebe bei uns blieb. O heilige Maria, mit deiner Liebe, Andacht, Freude, ja mit allen deinen Tugenden laß Jesus heute in meine Seele einziehen. Du hast mir diesen Weg bereitet. Im hochzeitlichen Kleid und im Schmuck der Gnade nahe ich. Komm, Herr Jesus, komm. Siehe mich an der Hand Deiner Mutter, die mich schmückte mit ihren Juwelen. Abendmahl laß mich heute halten mit Dir. Schaue nicht auf meine Armut, blicke auf die Reichtümer, die sie nahm aus ihrem Herzen und das meinige damit zierte.

Jesus in meiner Seele: "Maria, die Liebe konnte Ich euch nicht mehr hinterlassen, als Ich es tat. Das Gegengeschenk ist die reine, heilige Liebe, die Mich aufnimmt. Lasse dich schmücken und zieren von Meiner und deiner Mutter für Mich. Sie tut es gern, wenn Seelen ihr Eigentum sind. Wer treu dieser Mutter bleibt, kostet schon hinieden die Wonnen seliger Freude. Das ist ein großes Geschenk. Tue dir immer wieder Gewalt an, und du hast Macht über Mein Herz. Der Liebe und Treue kann Ich Mein Herz nicht verschließen. Ist Mein Leben ganz in dir gebildet, führe Ich dich im Heiligen Geiste. In dieser Nacht nimmst du Teil an Meiner Schwäche, Not und Angst im Ölgarten. Es dient für viele, die umkehren zu Gott in dieser Osterzeit. Besonders darfst du deinem Seelenführer helfend zur Seite stehen in seinen Anliegen und in der Seelenrettung."

 

Karfreitag, den 24. April 1962

Bis morgens fünf Uhr dauerte der Leidenszustand. Im Gebet und stiller Trauer verbringe ich den Tag. Drei Stunden verbringe ich in der Kirche, ganz in Jesu Leiden versenkt. Ich bin noch nicht lange daheim, da befällt mich eine Schwäche. Ich darf wieder leiden, die innere Not des Herrn am Kreuze. Das Herz versagt oft. Auch das dient zur Bekehrung der Sünder.

 

Karsamstag, den 21. April 1962

Am hl. Grab in Ittenbach halte ich eine Stunde stille Betrachtung. Daheim auf meinem Zimmer halte ich sie weiter. Alle Sühne des Tages nehme ich hinein für die Sünden der Karwoche.

 

Ostersonntag, den 22. April 1962

Allein gehe ich hinauf nach Ittenbach, wo um fünf Uhr die Auferstehungsfeier ist. Man wollte mit mir gehen, aber sie waren noch müde. Karfreitag wurde vergessen. Wie oft könnte ich von Müdigkeit reden, aber Gott ist da, daß er mir hilft, wenn ich für Ihn dienstbereit bin. Alles Bedrückende und Traurige schwindet, als beim Gloria die Osterglocken erklingen. Ich bin eingehüllt in ein Meer von Licht. Maria und unzählige Engel neigen sich, und mir entgegen erklingt der Ostergruß, ein langgedehntes, wunderbares Alleluja. Dann greift Er hinein in das Halleluja des Priesters. Ich weine vor Freude. Himmlischer Gesang, wie bist du so schön! O himmlische Mutter, wenn du mich einmal hinführtest zum dreifaltigen Gott, dann komme so noch einmal mit deinen Engeln und singet das freudige Halleluja.

Nach der Danksagung nach der hl. Kommunion betrachte ich bei der Verehrung der hl. Wunden Jesu Seine Leiden und die damit verbundene Liebe des Herrn. Jede Wunde des Herrn ist eine Sprache und Anklage für sich. Auch heute bin ich versenkt in diese Leidensmerkmale, diese Quellen des Heils. Licht hüllt mich wieder ein. Jesus ist im Licht. Er breitet die Hände aus und spricht: "Der Friede sei mit dir! Der Friede sei mit Meiner Kirche, mit den guten Hirten der Christenheit. Völker werden aufschauen zu Ihm und schweigen werden die Widersacher. Maria hat Macht empfangen von Mir, das Konzil zu führen im Heiligen Geiste. Nun schaue auf Mich und betrachte Meine verklärten Wunden. So halte es die ganze Osterzeit. Im Mutterschoße Mariens sah Ich mich auch so am Osterfeste. Da jubelte Ich und freute Mich, ja, Ich sehnte die Stunde herbei, Mein Erlösungswerk zu vollbringen. In den Tagen der Trauer, da Ich schon die Leiden verspürte, fühlte Ich mich geborgen und wäre gern geblieben in diesem reinen Mutterschoß. Das wäre aber nicht der Wille des Vaters gewesen. Wenn die Bosheit der Menschen auch zugenommen hat, so ist doch noch ein großer Teil, der Mir die Liebe und Treue bewahrte, die Auferstehung mit Mir halten, die bewirken, daß Seelen Gnade geschenkt wird, vom Grabe der Sünde aufzustehen."

So betrachte ich nun die verklärten Wunden. Ich sah sie schon oft, wie tausende schöne Sonnen. Heute sehe ich viele Gesichter darin. Sie kommen und verschwinden wie auf einer Leinwand. Noch weiß ich es nicht zu erklären.

 

Samstag, den 28. April 1962

Wieder ist eine schwere Leidensnacht hinter mir. Ich bin so verlassen, man wagt es nicht, zu mir zu kommen. Es ist viel Arbeit, ich weiß es, darüber vergißt man einen Kranken nicht. Zeitweise habe ich kleine Ruhepausen im Leiden, um danken zu können. So geht der Tag zur Neige. Was Gott wollte, habe ich getan. Ich werde ein Letztes tun, und mit aller Macht und Gewalt, die mir Gott verleiht, den Exorzisten-Rosenkranz beten. Ich bete und werde an Händen und Füßen durchbohrt. Bei der Durchbohrung des Herzens kommt große Not über mich.

 

Weißer Sonntag, den 29. April 1962

Gegen vier Uhr spricht die Gottesmutter: "Gott hat dein weiteres Opfer angenommen. Du erhältst gleich soviel Kraft, daß du teilnehmen kannst an der Feier im Hause des Herrn." Ich danke und bete. Um fünf Uhr verspüre ich die Kraft. Die Schmerzen sind wie weggeblasen. Ich stehe auf, man wundert sich. Man fährt mich mit den Kindern zur Kirche. In der Kirche kommen noch Schwächezustände. Ich opfere sie auf für alle, die noch fern sind von Gott. Es ist doch ein schöner Tag, wo der Himmel sich freut über eine Seele, die heimfand zum Vaterherzen. Gegen elf Uhr wurde es so arg, daß ich mich hinlegen mußte.

Jesus spricht aus meiner Seele: "Maria, Ich mache dich frei für Mich. Du hast deine Einkehrtage, die dich vereinigen mit Mir. Ich freue mich, daß du zum Dank leiden willst. Du leidest aber noch für eine Seele, die Ich dir zuführe." Die Muttergottes sagt: "Mein Kind, den besten Teil hast du heute. Es ist wohl der schönste Weiße Sonntag für dich, wo du vereint mit Jesus dem himmlischen Vater Lob, Dank und Anbetung darbringst."

 

Mittwoch, den 2. Mai 1962

Mein Leidenszustand hält an. Ich bitte die Muttergottes, mir Kraft zu erflehen, daß ich auf sein kann, wenn mein Seelenführer kommt. Montag war ich ganz erstaunt über den Besuch, der kam. Es war mein Bruder Willi, der 11 Jahre jünger ist als ich. Er war 20 Jahre nicht mehr bei mir und ich erkannte gleich, daß es die Seele war, von der Jesus sprach. Sie ist ja Gott schon so lange fern. Ich bitte Maria, doch besonders Fürsprache für ihn einzulegen. Ich bitte Jesus, daß er meinen Bruder besonders segnen möge, daß er bald zu Gott zurückfinden möge. Ich glaube fest daran, weil Jesus ihn zu mir führte. Gestern habe ich ein wenig warmes Wasser getrunken. Das war alles in neun Tagen. Jesus sagt dazu: "Für die heimgekehrte Seele war dieses Fastenopfer notwendig."

Nach 12 Uhr verspüre ich Kraft und stehe auf. Schwäche macht sich aber bemerkbar. Nachdem ich den Segen von meinem Seelenführer, Bruder Johannes Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit, empfangen habe, spricht Jesus aus meiner Seele: "Durch den Segen des Priesters habe Ich dir Kraft verliehen. Du kannst morgen wieder gehen zum hl. Opfer. Dann nehme Ich dir wieder die Kraft. Niemand versteht es, aber das Opfer hat größeren Wert zur Rettung der Seelen."

 

Sonntag, den 6. Mai 1962

Ab heute bin ich frei von großen Leidenszuständen. In heiliger Zwiesprache mit Jesus sage ich: "Mein geliebtes Jesuskind, o bitte gib mir von Deiner Liebe zu Maria. Mit Dir will ich sie ehren und lieben ganz besonders in diesem Monat." Jesus sagt: "Ja, Ich schenke dir von dieser Liebe. Ein Blumengarten muß deine Seele sein, in dem Maria Mich findet und anbetet, und wo du Mich findest und anbetest durch Maria." Ich: "Mein Jesus, ich werde die Lilien der Reinheit, das Immergrün der Hoffnung, das Veilchen der Demut, die Maiglöckchen der Bescheidenheit, den Rittersporn des Starkmutes und die Kreuzesblumen der Geduld in ihrem Blütenduft und Schmuck entfalten."

 

Montag, den 7. Mai 1962

Mit Jesus vereint erfüllt mich eine große Liebe zu Maria. Mit Maria spreche ich: "Wie schön bist du, meine Freundin, wie schön bist du!" In, mit und durch Jesus soll mein Leben deiner Liebe und deinem Lob geweiht sein. Dich lieben, so wie Jesus, wie der dreifaltige große Gott dich liebt. Großes tat der Herr an meiner Seele durch dich."

Maria hüllt mich ein: "Mein Kind, durch Jesus weiß ich, was dein Herz und Gemüt bewegt. Ich komme mit meinen Engeln, um Ihn anzubeten in deinem Tempel. Schmücke weiter diesen Tempel mit Tugendblumen und bleibe verborgen, wie Jesus verborgen in dir wohnt. Hüte dein Heiligtum der Gnade vor allem Lärm der Außenwelt." Wie schön war diese Anbetung. Die Welt versinkt um mich. Ich habe alles, habe Gott in mir. Er lebt in mir und ich in Ihm.

 

Dienstag, den 8. Mai 1962

Jesus spricht aus meiner Seele: "Maria, Gott liebt das Verborgene, das Kleine und Unscheinbare. Weil Ich mehr Besitz von dir nehme, ziehe Ich dich noch mehr von den Geschöpfen ab. Suche weiter nur Gottes Ehre und diene allem zu Seiner Verherrlichung. Im Heiligen Geiste mit Maria werde Ich dich führen zu Gott dem Dreieinen, vereint im Willen Gottes. Achte auf jeden Willensakt, der von Mir ausgeht. Du wirst leichten Schrittes den Weg der Verkommenheit gehen." – "Ich danke Dir, mein Jesus. An mir geschehe immer der heilige Wille Gottes. Ich bin ja die Magd des Herrn. Nimm ganz Besitz von mir."

 

Donnerstag, den 10. Mai 1962

Jesus spricht aus meiner Seele: "Maria, halte nun von jetzt ab den Priesterdonnerstag. Ja, dieser Tag ist der rechte für Meine Priester. Mein Tag ist auch ihr Tag. Er wird für dich ein Tag der Sühne und der Leiden sein. Du weißt, daß du Opfer für die Reinheit und Heiligkeit Meiner Priester bist."

Ich: "Herr, ich freue mich doch, Opfer zu sein für sie. Daran erkenne ich Deine Liebe zu mir. Mich armseliges Menschenkind hast Du erwählt. Ich fasse es immer noch nicht, o Du unbegreifliche Liebe."

 

Sonntag, den 13. Mai 1962

In Demut bete ich Dich, verborgene Gottheit, an. Ja, mein geliebtes Jesuskind, ich bete Dich an mit der Mutterfreude Mariens, die auch meine Freude ist. So wie sie schaute auf Dich mit übergroßer Wonne, so schaue ich mit ihrem Geiste auf Dich. Entzünde mein Herz mit der eigenen Liebe und Freude Deines Herzens, das mir jetzt so nahe ist. Die Zeit, Herr, ist da, daß mein Herz die Liebe des Dreieinigen erwidert. Möge der Lohn Deiner Liebe darin bestehen, daß ich Dich täglich mehr liebe."

Jesus in meiner Seele: "Wahre Demut schenkt hingebende Liebe. Diese Liebe verbindet die Herzen zu einem Band, von der Heiligsten Dreifaltigkeit ausgehend. Dieses Band ist um deinen Bruder Johannes Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit und um dich gelegt. Der Vater zieht euch immer stärker an. Laßt euch ziehen, wenn es auch ins Fleisch schneidet. Das ist die Krone wert, die euch hinterlegt ist." Maria hüllt mich ein: "Zu Jesu Wort offenbare ich dir, daß dein Seelenführer und Bruder und du Kinder meiner Krone seid. Heute verstehst du meine Erscheinung von 1943: Kinder meiner Krone gelangen zu einer großen Gotteserkenntnis."

"Dank, meine himmlische Mutter! Bitte weiter für uns, daß wir weiter den Weg der Vollkommenheit gehen, auf den du uns geführt hast."

 

Dienstag, den 15. Mai 1962

Lobpreise meine Seele den Herrn, denn er hat alles wohl gemacht. Laß, Herr, alles münden in deine Liebe. Hilf mir im Kampf um mein eigenes Ich. Läutere mehr meine Neigungen, daß alle in Dir, ihren Mittelpunkt, sich vereinigen. Ich spüre es, wie dein Leben langsam in meines übergeht, wie alles Dir mißfällig weicht. Ich übergebe mich ganz Dir, damit Dein Werk in mir vollendet werde. Jede hl. Kommunion verbindet mich enger mit Dir.

Jesus in meiner Seele: "Was Mein ist, wird auch Dein werden. Du wirst leben in Meinen Gedanken, Worten und Werken. Mein Geist wird sich ergießen in dem deinen. Lobe nun den Vater in Mir, daß Ich Seinen Willen erfülle im Schoß Meiner jungfräulichen Mutter. Vater, ich preise Dich, daß Du Maria als Wohnstatt der Gottheit hast erwählt. Ich preise Dich, daß sie der schönste Tempel des Heiligen Geistes ist. Ich preise Dich, Vater, daß dieser Tempel dazu diente, Dich zu verherrlichen."

 

Mittwoch, den 16. Mai 1962

Nach der hl. Kommunion. Nach der Danksagung spricht Jesus: "Heute, Maria, will Ich eine Erklärung des Lebens dir geben. Das Kind im Mutterschoße lebt von Anfang der Empfängnis. Es ist seiner Stimme noch nicht mächtig, aber das Gefühl ist da und mit jedem Monat wird es stärker. So ist von Anfang an das Vergehen gegen das keimende Leben Mord. Für diese Sünde büßte Ich auch schon im Mutterschoße. Verstehst du nun dein Opfer und Meine erbarmende Liebe?" – "Ich verstehe es, Herr, und werde weiter sühnen."

 

Donnerstag, den 17. Mai 1962

Gestern war mein Seelenführer und Bruder Johannes Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit bei mir. Er wundert sich, daß ich den vollkommenen Weg Maria in Jesus, Jesus im Vater anders gehe. Jesus spricht: "Du lebst Mariens Leben und Mein Leben in ihrem Mutterschoß. Ich sprach auch zu ihr. Indem sie mit Meinem Willen vereint war, war sie auch mit Mir vereint im Willen des Vaters. Große Geheimnisse offenbarte ich Maria im Mutterschoß. Sie aber bewahrte alles in ihrem Herzen. Nun schenk Mir deine Liebe."

Schon zehn Tage habe ich eine Entzündung, die sehr schmerzhaft ist. Jesus sagt heute: "Für die Bekehrung vieler Sünder hast du gelitten und für Meinen Priester, den Ich abberufen habe. Heute ging er ein in die Seligkeit. Schaue ihn!" Ich sehe Pater Erwin Deppisch im Altarraum stehen in unserer Pfarrkirche. Er lacht mir zu und segnet mich. Alle verstorbenen Priester, die in meinem Leben standen, erscheinen und segnen mich. Dann steht Bruder Kurtenbach bei mir. Leise sagt er: "Schwester, ich freue mich, bald werden wir droben vereint sein, nur noch eine kleine Weile."

Die Muttergottes ist bei mir als Jungfrau der Armen. Sie sagt: "Ich freue mich, mein Kind, über dein Opfer und deinen Gehorsam. Gott gefiel es, dich leiden zu lassen. Die Sehnsucht aber ging hin an heilige Stätte. Gern wärest du zum Gnadenort gekommen, aber Gottes Wille war der deine. Du hast gebetet für alle Wallfahrer und für deinen Seelenführer. Durch mich zum Heiligen Geiste berührten die Worte seiner Predigt viele Herzen, die gewandelt oder noch mehr geheiligt wurden. Gott schenkte allen einen guten, gnadenreichen Tag, dessen Gnaden auch du empfangen hast. Brenne, wenn du heimkommst, die Lichter in den Anliegen der Wallfahrer. Ich bin bei dir mit den Engeln."

Ich tue, wie mir gesagt. Maria umgibt mich mit vielen Engeln in hellblauen Gewändern. Ja, meine Gedanken weilen den ganzen Tag in Banneux. Ich merke es, wie eng mich Maria mit dieser Gnadenstätte verbunden hat. Nach dem Abendgebet bitte ich: "Lieber Jesus, am Donnerstag ist Dein großer Feiertag und Dienstag ist in unserer Kirche Ewige Anbetung. Es ist Leidenswoche für mich, da ja der Herz-Jesu-Freitag auch in diese Woche fällt. Ich habe einmal wieder großes Leid und muß doch fertig sein vor dem Feiertag. So gern möchte ich Dienstag teilnehmen an der Ewigen Anbetung. Du weißt doch, daß die Liebe zu Dir der Beweggrund ist, aber meine Pflicht muß ich auch erfüllen."

Nach einer Weile spricht Jesus aus meiner Seele: "Vertrau mir, die Leiden werden nicht so schwer in diesen Tagen. Ich ließ dich in vergangener Woche leiden. Tue, wie du vorhast und schenke Mir die Stunden zu Meinem Lob und Verherrlichung. Mein Segen begleitet dich. Beginne die Pflicht, wenn du heimkommst und setze sie fort am anderen Tag. Ich gebe dir gutes Wetter, es wird nicht regnen, bis du fertig bist." – "O tausend Dank, mein guter Jesus, ich glaube und vertraue."

 

Dienstag, den 29. Mai 1962

Von acht Uhr dreißig bis kurz nach zwei bin ich in der Pfarrkirche. Um elf Uhr bin ich wie in einem Licht. Ich denke zuerst, das käme von der Sonne. Ich schaue zum Altar. Da sehe ich ein seltsames Bild in der Monstranz. Als winzig kleines Kind sehe ich Jesus, als ruhte er. Über Ihm ist die Taube und darüber hüllt das ganze eine schöne Wolke ein. Ich weiß nicht, wie lange ich hinschaute. Ich verstehe es nicht.

Dann spricht Jesus aus meiner Seele. "Was du dort siehst, ist das Bild deiner Seele jetzt. So ruhe Ich bei dir. Laß dieses Bild nicht getrübt werden durch den kleinsten Hauch der Sünde. Durch den Heiligen Geist hast du Mich empfangen als göttliches Samenkorn. Wo der Heilige Geist wirkt in der Seele, da bin Ich. Wo Ich bin, ist der Vater. So bist du schon durch Maria Meine Mutter Maria geworden. Wo der Heilige Geist Maria findet in einer Seele, da bildet Er Mein Leben. Weil Ich Wohlgefallen des Vaters bin, ist auch Er in der Seele, in der Mein Leben gebildet wird. Noch stehst du in den Anfangsschritten im Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit. Ich wachse in dir, du in Mir. Hinein und durch Mich wirst du immer mehr, was dein neuer Name ist. Mein Himmelfahrtstag wird auch dein anderer großer Tag sein."

"Habe Dank, mein Jesus. Gnade über Gnade schenkst Du mir. Noch mehr entreiße mich der Welt und allem, was mich hindert oder abhält von der Gottesvereinigung."

 

Mittwoch, den 30. Mai 1962

Die Dornenkrone wird mir aufgesetzt in der Nacht und Krampfzustände kommen. Jesus sagt: "Das ist Sühne für den Hochmut, nicht nur unter den Weltkinder, nein, in großer Zahl unter Seelen, die meinen, fromm zu sein. Ich ließ es dich wissen, um einer Seele willen, die am vergangenen Tag neben dir kniete. Du hast Mich aber dennoch gebeten, daß gerade sie heilig werden möge. Bist du nun bereit, für sie zu leiden?"

"Ja, Herr, mit Freuden werde ich es tun. Wie schön ist es, wenn diese Seele mit ihrer klangvollen Stimme in wahrer Demut und Heiligkeit Dir dient."

Betstunde für die Schwestern vom Dritten Orden des hl. Franziskus. Die Ordensschwestern kommen in die Bank, in der ich knie. Die Schwester neben mir betet vor. Sie hat eine schöne, klangvolle Stimme, worüber ich mich freue. Sie singt auch schön. Zu Jesus gewendet, sage ich: "Du hast bestimmt Freude an diesem Beten und Singen." Nach dem 1. Gebet der Christkönigsandacht gibt die Schwester ein Lied an, das wohl im Buch steht, aber hier nicht so gesungen wird. Ich kenne es aber von Westfalen her und kann es auch singen. Die Schwester beginnt es zu singen und hört gleich wieder auf. Sehr laut sagt sie zur Nebenschwester: "Ich singe nicht mehr!" Nach dem 2. Gebet gibt sie ein anderes Lied an. Weil ich es kann, singe ich mit. Da geschieht dasselbe. Die Schwester fängt an zu singen und hört gleich wieder auf. Ich höre: "Dieses Lied wird nicht mehr weitergesungen." Wie ein ungezogenes Kind hat sie sich dann gesetzt. Ich verstehe nicht und bitte Jesus: "Was hat die Schwester. Da ist etwas, was ihr nicht gefällt."

Jesus sagt: "Das bist du! Ihre Stimme soll allein gehört werden. Das gefiel ihr nicht, weil du die Lieder kanntest und mitgesungen hast." – "Herr, daß kann Dich doch nicht erfreuen, weil das ist doch Stolz. Ich habe sie doch gern und gerade für sie bitte ich jetzt, daß sie heilig wird mit ihrer Stimme und in Demut Dich erfreut."

Abends sagt Jesus: "Du wirst in einem Monat viel leiden für die Bekehrung der Sünder und für das Konzil. Du hast das, was der Arzt feststellt und die Leiden Meiner Dornenkrone."

 

Donnerstag, den 31. Mai 1962, Christi Himmelfahrt

Ich bin in der Pfarrkirche. Die Osterkerze wird gelöscht. In dem Augenblick hüllt mich ein Licht ein. Ich sehe Jesus mit Seinen strahlenden Wunden. Er segnet. Langsam schwindet das Bild, und dann weine ich. Seine fast greifbare Nähe, die immer in der Osterzeit ist, die ist nicht mehr da. Noch in Wehmut gehüllt wie einst seine Jünger, komme ich zu mir durch den hl. Engel, der spricht: "Sei nicht traurig, freue dich! Ein großer Tag ist heute für dich. Jesus bereitet alles für den großen Tag, da du eins wirst im Willen Gottes. Bereite dich vor, die Stunde ist nahe."

 

Herz-Jesu-Freitag, den 1. Juni 1962

Die Schmerzen sind schon groß. Ich ertrage sie schweigend und gehe noch zur Kirche. Am Abend wird es mir sehr übel. Ich muß liegen. Wahnsinnige Schmerzen sind da. Es ist eine qualvolle Nacht. Ich darf leiden. Mein Gott, ich danke dir!

 

Samstag, den 2. Juni 1962

Mir geht es schlecht und man holt einen Arzt. Er stellt eine Kopfneuralgie fest und sagt: "Das darf nicht sitzen bleiben, das muß ausgetrieben werden." Das Medikament lindert die Schmerzen nicht, eher werden sie größer. Ich muß aber tun, was der Arzt verordnet.

 

Mittwoch, den 6. Juni 1962

Von Sonntag bis heute war die Sühne für die sieben himmelschreienden Sünden, durch die Gott in unseren Tagen so sehr beleidigt wird. Sonntagabend sagte die Gottesmutter zu mir: "Es kommt zeitweise ein anderer Zustand über dich. Du bist nicht irre, bist wie ein Kind. In diesem Zustand kannst du alles sagen, was sie sonst nicht hören wollen." Der Arzt, der jeden Tag kommt, steht vor einem Rätsel. Mein Kopf ist voller Beulen und roter Striemen. Der Arzt verordnet eine Salbe. Erst ging es, dann aber schrie ich vor Schmerz. Der Kopf brannte wie Feuer. Was ich selbst nicht wußte, die Beulen waren aufgebrochen, und in diese offenen Wunden wurde eine Mentholsalbe eingerieben. In meiner Not bat ich die Muttergottes, ob ich keine Linderung haben dürfte. Sie gab mir den Rat, Heilig-Blut-Öl zu nehmen. Ich tat es, und es kam zur Linderung.

Zu Jesus sagte ich: "Herr, gehörte das auch noch zu den Leiden der Dornenkrone?" Jesus sagt: "Es gehört dazu. In Meine offenen Wunden streuten sie Salz und Pfeffer hinein." – "O Jesus, was hast Du gelitten. Wer begreift Deine Liebe?"

 

Sonntag, den 10. Juni 1962, Pfingsten

Die Dornenkrone ist fast über den ganzen Kopf gebildet. Hals und Nacken sind auch voller Striemen und Knoten. Die mich sehen, sprechen von einem roten Kranz von ineinander gelegte pfenniggroße Flecken von der Stirn, an den Ohren vorbei und den Kiefer entlang. Das brennt alles wie Feuer. Eine meiner Töchter sprach mit einem anderen Arzt darüber. Der sagt, das könne nicht eine Neuralgie sein mit solchen Erscheinungen. So sprechen noch viele andere. Ich freue mich aber, daß mein Sühneleiden durch eine andere Krankheit verborgen bleibt. Ich schrie oft vor Schmerzen in den letzten Tagen. Wie oft klagte ich mich dieser Schwäche an. Jesus schwieg bei Seinen großen Qualen. Ich muß auch darin, im größten Schmerz, den göttlichen Meister nachahmen, noch mehr und wie Er ein ganz stiller Dulder werden. Ich bat immer um Verzeihung, wenn ein Laut über meine Lippen kam. Viele Besucher müssen dagewesen sein, aber durch den zeitweisen kindlichen Zustand weiß ich das meiste nicht. Die Muttergottes aber hat mir gesagt, daß ich vieles nach den Sühnetagen sehen werde, als schaue ich in einen Spiegel. Nun ist heute das hochheilige Pfingstfest. Verlassen liege ich. Meine Sehnsucht, Jesus zu empfangen, ist groß. Es wurde gemeldet, daß ich krank bin, aber kein Priester kam. Dann hüllt mich ein Licht ein. Ich sehe Jesus.

Er spricht: "Heute, Maria, ist dein großer Tag, wo Ich ganz Besitz von dir nehme. Es ist deine Umwandlung in Mich, deinen Heiland, Erlöser und Seligmacher. In deiner Seele, diesem Tempel des Heiligen Geistes, habe ich Mir einen Altar gebaut. Was will Ich mehr, als dort Mich opfern, Mich vereinen mit dir, zum Lob und zur Ehre des Vaters. In vielen stillen und einsamen Stunden hast du Mich getröstet in Meiner Einsamkeit und Verlassenheit. Heute bin Ich dein Trost im Vater und im Heiligen Geist. Die Gnaden aller hl. Messen werden dir heute zuteil."

Dann bin ich wie entrückt. Ungezählte Priester stehen an den Stufen des Altares und beten das Confiteor. Ich schaue hinauf und sehe die drei Könige auf wunderbarem Thron, umgeben von Engeln und Heiligen. Huldvoll neigt sich die Gottheit am Ende des Stufengebetes bei der Absolution. Ebenso neigt sie sich neunmal beim Kyrie. Bei Gloria ist es, als sähe ich alles von einem Flammenmeer umgeben. Engel und Heilige singen und spielen. Maria ist in der Dreifaltigkeit. Sie trägt einen Schleier, der siebenfach fällt. Bei der Epistel treten Apostel, Päpste, Bischöfe und Priester näher, ebenso beim Evangelium. Sie neigen sich tief und ehrfurchtsvoll. Beim Credo durchlebe ich das ganze Leben Jesu. Bei der Opferung bin ich mit Jesus die Opfergabe auf meinem Herzensaltar.

Dann sehe ich ein seltsames Bild. In großen Schalen tragen Engel vieles zum Throne Gottes. Ich sehe Kranke, Sterbende, Kinder, sehe Gegenstände aller Art, Städte Länder und viele irdische Dinge. Ich sehe auch geistige Dinge, die sehr schön wirken. Ich höre eine Stimme: "Du siehst die Bitten, Wünsche und Gedanken bei der Opferung. Beim Sanctus ist wieder das wunderbare Spiel der Engel und der schöne Gesang. Ganz tief sind sie geneigt. Dann sehe ich ungezählte Priesterhände, die Jesus erheben zur Anbetung. Alle heiligen Hostien werden eine, wie eine Sonne. Darin sehe ich Jesus mit ausgebreiteten Armen. Bei der Erhebung des Kelches sehe ich das Blut, als ströme es aus über die Menschen wie ein sanfter milder Regen. Nicht alle Menschen empfinden diesen himmlischen Tau.

Beim Vaterunser stehe ich wie bittend wie ein Kind, geführt von Maria, vor des Vaters Thron. Alle meine Sehnsucht und Liebe lege ich nieder. Mein Herz wird so weit. Jesus kehrt ein mit dem Vater und dem Heiligen Geiste. O süße Vereinigung, meine Sonne und mein Leben. Wie danke ich Dir. Nun habe ich doch Pfingsten. Gott hat Seinen Thron aufgeschlagen in mir. Wohl drei Stunden lag ich in dieser süßen Vereinigung. Dieses Glück läßt sich nicht in Worte kleiden. Jesus bringt mir den Segen aller heiligen Messen. Nun habe ich große Kraft, weiter zu leiden.

 

Dienstag, den 12. Juni 1962

Ich durfte in dieser Nacht büßen für den Haß. Möge doch bald die Liebe herrschen auf dem weiten Erdenrund. Heute habe ich Besuch vom Herrn Pastor. Er bedauert es, daß ich Pfingsten nicht die hl. Kommunion bekam. Er fragt, was mir fehlt. Daraufhin sagt er: "Kopfneuralgie, das kenne ich. Die ist ja so schmerzhaft. Das Schönste ist, daß man außen nichts sieht." – "Ich habe aber meinen Kopf voller Beulen und Striemen. Alles ist aufgebrochen und brennt wie Feuer." Er wunderte sich darüber. Ja, wem es nicht gegeben wird, der erkennt das Sühneleiden nicht. Samstag solle mir die hl. Kommunion gebracht werden. Doch das ist so wenig für eine Seele, die Jesus fast täglich empfängt. Jesus aber läßt die Seele, die Ihn liebt, nicht hungern und dürsten. In Seiner großen Gottesliebe kommt er auf dem Weg der Liebe und vereint sich mit der Seele.

 

Mittwoch, den 13. Juni 1962

Die Muttergottes spricht heute: "Der kindliche Zustand ist vorüber. Du bleibst ganz klar. Du wirst nur in Gott versenkt sein. Der ganze Monat wird Leidensmonat sein."

 

Donnerstag, den 14. Juni 1962

Jesus will, daß der heutige Tag sein soll für meinen Seelenführer und Beichtvater, für die Priester unserer Pfarrei, für die kranken und sterbenden Priester. Man wundert sich, daß ich seit gestern ganz still bin. Man glaubt, ich schlafe viel. Ich schlafe nicht. Ich rufe im Herzen Jesu. Er schenkt mir Seine Liebe, die schöne, die heilige, die reine. Ich schenke Ihm meine Liebe durch Mariens Mutterherz. Immer wieder läßt sie mich teilnehmen an ihren Mutterfreuden. Wenn Jesus zur ihr sprach aus ihrem Mutterschoß, dann versank die Welt um sie, dann war sie nur in Gott, in Seine Liebe versenkt. "Herr, ich verstehe diesen kindlichen Zustand bei mir nicht, der doch sehr abwich von Deinem Weg in unsinnigen Sachen, die man mir erzählte."

Jesus: "Für das Sühneopfer gibt es keine Medizin. Für die Krankheit, die damit vereint war, mußtest du tun, was der Arzt verordnete. Das war auch Mein Wille. Die Medikamente verwirren dich zeitweise. Dadurch entstand Unsinniges. Der reine, kindliche Zustand war der in deinem kindlichen Beten, und wenn du anderen von den Geheimnissen Gottes Kunde gabst, wenn du sprachest über Maria und die eine heilige Kirche, die Ich aufgebaut habe auf Petrus den Fels. So kamen sie zu dir, um zu lachen und zu scherzen mit dir. Ich ließ es zu. Auch in dieser Art hast du das Gewissen vieler aufgeweckt. Man verstand es nicht, wenn du nach einer Zeit des Humors klar und deutlich, aber wie ein Kind, über die Gottesgeheimnisse sprachest. Ich habe auch damit Meine weisen Absichten verbunden."

"Ich danke, Mein Jesus. Nun bin ich beruhigt. So habe ich Dich nicht beleidigt, wenn ich nicht wußte, was ich tat."

Maria S. ist bei mir am Nachmittag. Sie sagt, daß sie über vieles, was ich vom Himmel, von der Hölle und der katholischen Kirche gesprochen hätte, ganz ergriffen gewesen sei. Sie ist die Mutter von Inges Mann. Sie gehören einer Sekte an. Es sind so liebe Menschen. Will beten, daß sie noch mehr erkennen. Mit ihrem Mann ist sie acht Tage hier. Jesus will, daß ich den folgenden Tag für die Missionare halte.

 

Samstag, den 16. Juni 1962

Ein großer Tag ist heute. Der Priester kommt und bringt mir Jesus. Es ist so feierlich. Meine Glieder beben vor Freude, und meine Augen sind gefüllt mit Tränen der Freude.

Jesus spricht: "Maria, heute ist wieder ein großer Tag für dich. Ich wählte ihn heute für dich, weil Ich an diesem Tag im Jahre 1675 deiner Schwester Maria Margarethe offenbarte, was noch verborgen lag als großes Liebesgeheimnis in Meinem Herzen. Am gleichen Tage, 200 Jahre später, lud das Oberhaupt Meiner Kirche, Pius IX., alle Gläubigen ein, sich Meinem Herzen zu weihen. Von jener Stunde sind durch Maria eine große Zahl Kinder heiligsten Herzens gebildet worden. Ich führe dich im Heiligen Geist zum Vater. Die Gottheit wird dich einhüllen. Im Willen Gottes wirst du ruhen. Als zweiter Christus hast du Zutritt zum Vater."

Ich sage bewegt: "Mein Herr und Mein Gott, daß Große vollzieht sich bei mir im Leidenszustand und nicht im Hause des Herrn. Ich fasse es nicht!"

Jesus: "Du bist der Tempel des Heiligen Geistes, geschmückt mit den Tugenden Mariens. Ich habe den Opferaltar darin aufgerichtet. Dort opfere Ich Mich, und du bist vereint mit Mir im Opfer. Wo der Heilige Geist wohnt, wo Ich wohne und Mich opfere, da ist auch der Vater. Wie Ich dir schon sagte, war schon lange bei dir das Einwohnen der Heiligsten Dreifaltigkeit, aber nicht vollkommen. Nun ist gestorben dein Ich. Durch und in Maria bist du eins in Mir. Wo der Vater Mich vollkommen in einer Seele sieht, da wohnt auch Er. Weil die Seele nun ganz Wohnstätte der Heiligsten Dreifaltigkeit ist, bedarf es nicht unbedingt des Hauses Gottes, um Großes zu vollziehen. Ich suche viel, viel mehr Herzensdome. Gott wirkt stets in der Stille die größten Wunder der Liebe. Mein Erlösungswerk vollzog sich nicht im Hause des Vaters, sondern am Kreuz. Nicht vom Tempel fuhr Ich in den Himmel auf, sondern von dem Ort Meiner Leiden."

"Danke, o Jesus, im Vater und im Heiligen Geist. Rein soll dieser Tempel bleiben, darin der dreifaltige Gott angebetet und Seinem Namen geopfert wird."

Jesus: "Maria, bereite dich vor auf den kommenden Tag. Eine besondere Weihe vollziehe ich an Mein göttliches Herz. Der Tag der Heiligsten Dreifaltigkeit ist der Tag deiner Vermählung mit der Gottheit. Ich führe dich zum Vater. Ich segne dich im Vater und im Heiligen Geist. Gedenke an diesem Tag besonders deines Seelenführers und Bruders Johannes Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit. Ich stelle ihn dir zur Seite, daß er dich führe. Ich verband zwei Herzen, die den einen reinen, vollkommenen Weg gehen, dessen Ziel der Dreifaltige Gott ist. Was Er dir gab von dem Seinen, nahm Er von dem Meinen. Es kann keiner etwas geben, was nicht Mein ist. Ich werde es ihm aber lohnen mit den höchsten Gütern, die Gott einer Seele schenkt. Ein großer Tag steht ihm bevor, wo seine Seele in Gott jubelt und frohlockt."

Liebevoll neigt sich Maria über mich und spricht: "Heute nehme ich dir die Dornenkrone ab. Die Schmerzen, die noch bleiben, sind die Krankheit, die der Arzt feststellte. Das andere heilt jetzt ab. Du wirst die Kraft haben, am Fest meines Sohnes zum Hause Gottes zu gehen. Opfere deine Leiden weiter auf für das Konzil und die Bekehrung der Sünder. Es ist notwendig, weil Großes bevorsteht. Dann wirst du dich besonders freuen ob deiner Leiden, wenn das Große, Langersehnte seine Erfüllung findet."

 

Sonntag, den 17. Juni 1962, Dreifaltigkeitsfest

Ich leide große Schmerzen, dazu ist der ganze Kiefer entzündet. Ich liege allein. Jesus spricht: "Ich opfere Mich auf deinem Herzensaltar. Ganz wirst du mit Mir vereint sein."

Ich bin entrückt und sehe Jesus im Tempel meiner Seele, als Priester, wie Er sich darbringt, als ginge er noch einmal Seinen großen Leidensweg. Hinein nimmt Er die Bitten und Anliegen, meine Leiden, mein Lob und Dank und meine Anbetung. Nach der Grablegung bin ich ganz im Licht. Ich sehe Jesus, der einkehrt in mein Herz. Stundenlang lag ich in dieser seligen Vereinigung. Ich hätte sterben können vor Glück und Freude.

Ich sehe ein großes Flugzeugunglück. Es gibt keine Rettung, alle verbrennen. Ich sehe flaches Land, als sei es Holland. Dann sehe ich einen Brand, der großen Schaden anrichtet. Es sieht auch so nahe aus. Jesus schenkt mir alle Seelen der Umgekommenen. Sie sind alle schon jetzt in die Barmherzigkeit Gottes aufgenommen. Ich sehe geheime Atomversuche, die in Rußland gemacht werden. Das fällt auf Rußland zurück und bringt eine große Armut. Moskau wird eine Stätte des Greuels und der Verwüstung.

Es ist neun Uhr abends. Ich bin wieder ganz entrückt. Jesus sagt: "Komm, Meine Braut, Ich führe dich zum Vater. Keine Gewalt hat Satan mehr über dich. Du kannst nicht mehr sündigen, weil du nun ganz vereint im Willen Gottes lebst. Von Stunde zu Stunde wird dein Leben im Willen Gottes schöner, aber die Sehnsucht nach himmlischer Vereinigung wird größer, so groß, bis dein Herz bricht im Martyrium der Gottesliebe."

Ich fasse es nicht, was dann vor meinen Augen steht, kann es nicht in Worte kleiden. Im Licht bewege ich mich. Jesus ist als König an meiner Seite. Ich selbst sehe mich weiß gekleidet wie eine Braut. Maria naht als Braut des Heiligen Geistes. In ihrem Herzen, das Licht ist, sehe ich eine Taube. Alles ist Licht, so wunderbar, als nehme es an Größe zu. Engel in blauen Gewändern umgeben Maria. Dann sehe ich, als wäre es unendlich weit, ein anderes Licht, aber so, als wäre eine Nebelwand davor. Dann zuckt es wie Blitze, wie Feuer in allen Farben und Formen. Ich zittere, ich bebe, ich muß mich beugen mit Maria und den Engeln. Wie ein Schattenbild sehe ich einen Thron. Darauf ist wie Licht unendlich groß, sich gütig neigend, das Leben selbst. Die Erkenntnis sagt mir, wer es ist. Ein Ruf nur kommt von meinen Lippen: "Vater!"

Ich bin ohnmächtig und komme langsam zu mir. Eine Glut von Liebe faßt mich, und auch ein Erschauern. Mein Jesus, was war mit mir?

Jesus: "Ich bin und bleibe bei dir, Meine Braut. Ich führe dich vor die Größe und Allheiligkeit Gottes, zum Vater. Es war nur ein Augenblick, wie ein Nebelgebilde, was du sahst. Das schon war und wirkte wie eine Ohnmacht. Einen kleinen Blick durftest du tun in das neue Jerusalem, Maria. Aus dem Meer der Gütigkeit dieser Stadt hast du alle Gnaden empfangen. Wer durch Maria Zutritt erhält, schon im Fleische, in diese Stadt einzutreten, ist ein Kind der Heiligsten Dreifaltigkeit."

Mein Herr und mein Gott, mein Geliebter und himmlischer Bräutigam, wenn das länger gedauert hätte, wäre ich gestorben. Welch eine Wonne und Seligkeit wird es sein, einmal unverhüllt die Gottheit zu schauen. Nur Dank, Lob und Anbetung soll mein Leben noch sein. Es war schon tief in der Nacht, als ich in die Wirklichkeit und meine Armseligkeit zurückkehrte.

 

Montag, den 18. Juni 1962

Beim Morgengruß spricht Maria: "Mein Kind, im Namen der Dreieinigkeit segne ich dich. Bist du bereit, im Monat des heiligen Blutes zu leiden für die unreinen und himmelschreienden Sünden, und auch besonders für NN?" – "Meine Mutter, ich ruhe doch im Willen Gottes und bin bereit zu allem, was Gott will. Es bedarf doch keiner Frage." Maria: "Gott weiß alles, auch um die Leidensbereitschaft seiner Opferseelen. Er liebt es aber, die Seele liebenswürdig und zärtlich – wie es ein guter Vater tut – anzusprechen um ihr freiwilliges Ja."

 

Dienstag, den 19. Juni 1962

Heute kommt Elisabeth H. von Niederpleis. Sie erzählt von einem großen Flugzeugunglück auf holländischem Gebiet. Über 130 Tote, alle verbrannt. Ich freue mich, daß diese durch die Barmherzigkeit Gottes gerettet sind, und daß ich auch für sie leiden darf.

 

Donnerstag, den 21. Juni 1962, Fronleichnam

Seit gestern bin ich ein wenig auf. Ich bin noch sehr schwach, aber die Hoffnung, morgen dem hl. Opfer beiwohnen zu können, gibt mir Freude und Kraft. Gegen acht Uhr werde ich zur Kirche gefahren. Übelkeit und Schwindel überkommt mich beim aussteigen. Nach der hl. Kommunion spüre ich eine große Kraft und neues Leben. Das Leben im Dreifaltigen Gott. Die Sehnsucht ergreift mich wieder: "Vater, Du ziehst mich! Vater, ich möchte heim zu Dir. Vater, ich will, wie Du willst, wieviel und wann Du willst. Vater, wie oft sang ich: 'O schönstes Glück auf Erden, Marienkind zu sein.' Durch dieses Glück, Maria, fand ich durch Jesus im Heiligen Geiste den Weg zu Dir. O laß mich bleiben auf diesem Weg, rein und sündenlos, ganz vereint mit Deinem heiligen Willen."

Am Nachmittag habe ich Besuch aus der Saar und von Niederpleis. Ich freue mich, weil es liebe Beter sind. Es tut mir so leid, daß ich an der Prozession nicht teilnehmen konnte, nun halten wir eine schöne Sakramentsandacht und verehren auch den hl. Aloysius. Während der Andacht kommt wieder die große Sehnsucht über mich. Licht erfüllt den Raum, alle sind darin eingeschlossen. Ich sehe in allen Herzen eine Taube. Der Glanz ist nicht gleich schön und hell bei den einzelnen. Er segnet. Er segnet auch meinen Priesterbruder Josef Kurtenbach und meinen verstorbenen Seelenführer Pater Josef Sebaldus Dohmen. Dieser spricht: "Ich habe etwas versäumt. Ich konnte dich soweit führen, wie es der jetzige Seelenführer tut. Das ist schon die höchste Stufe hier auf Erden. Der aber, der dich führte, ehe ich dich kannte, hat dich darauf hingewiesen, daß du zu diesem Ziele gelangen müßtest, die auch er erreicht hat. Ich nahm mehr von dem Deinen, als ich dir gab von dem Meinen und von dem, was ganz der Wille Gottes war. Im Angesicht des Todes erkannte ich alles. Meine Tränen waren Tränen der Freude, auch der Reue. Jesus schickte dich an mein Sterbelager. Nun konnte ich in Frieden gehen, weil ich die Erkenntnis erhielt, daß nun alles gut war. Ich betete im Sterben für dich um einen guten Seelenführer und daß du zum höchsten Ziel auf Erden gelangen mögest."

 

Freitag, den 22. Juni 1962

Heimweh, Sehnsucht nach Gott erfüllt mich den ganzen Tag. So stehe ich abends am Fenster und rufe den Vater. Er gibt mir ein Zeichen Seiner Liebe in Seinem Stern. Noch nie sah ich den Stern des Vaters so schön wie heute. Die große Lichtfüllle ist umgeben von 12 leuchtenden Sternen. Dann zuckt es auf dem Himmelszelt wie tausend weiße Blitze, wie Sonnen, wie Berge und Hügel. Lange, weit über eine Stunde, schaue ich die Allgegenwart Gottes. Mein Herz jubelt im Dreifaltigen Gott. Ich sehe auch den leuchtenden roten Stern Jesu Christi. Auch den Stern des Heiligen Geistes sehe ich, den schönen, der aussieht wie eine Sonne in wunderbaren Lichtfarben. In Lob und Dank stehe ich bis elf Uhr am Fenster, hineingenommen in Gottes Allgegenwart. Auf einmal ist es dunkel. Gute Nacht, Du allheiliger, liebster Gott. Nun geht Dein Kind zur Ruhe. Habe nochmals Dank. Mein Vater wacht, und ich ruhe in Deinem heiligen Frieden. Gute Nacht, Himmelsmütterlein mit allen Engeln und Heiligen!

 

Samstag, den 23. Juni 1962

Meine Leiden sind heute etwas größer. Sie sind für die Verunglückten des Flugzeugs und einen Verstorbenen. Ich wurde es gewahr.

 

Sonntag, den 24. Juni 1962

Der Weg zur Kirche fällt noch sehr schwer. Aber Opfer müssen schon wehtun. Nach der hl. Messe bin ich wieder ganz entrückt. Ich sehe das Vaterbild vom Dreifaltigkeitssonntag. Die Sehnsucht ist wieder groß. Ich finde keine Worte. Es ist wie ein Ruhen in Gott, ein Geborgensein. Am Abend darf ich noch einmal Gottes Allgegenwart schauen.

 

Dienstag, den 26. Juni 1962

Es ist vier Uhr dreißig. Langsam lassen die Schmerzen nach. Wie im Licht kommen schöne Blumen. Dann bin ich ganz eingehüllt wie in einen Regen von lauter Lichtperlen. Ich frage die Muttergottes: "Was ist das?" Maria sagt: "Die Blumen sind die Gaben des Heiligen Geistes, die Lichtperlen sind die Gnaden."

Am Abend spricht Jesus über das Tierleben: "Das Tier wurde für den Menschen geschaffen. Es hat keine Seele, darum auch kein Weiterleben. Es hat einen gewissen Grad Geistesgestaltung. Diese dient dazu, die Aufgabe zu erfüllen, für die Gott jedes Tier ins Leben rief. Diese Geistesgestaltung ist so groß, daß das Tier im Umgang mit den Menschen gewisse menschliche Bewegungen, Formen und Sprachlaute annehmen kann. Wohl empfindet das Tier Güte, Liebe, Abneigung und Bosheit von Seiten des Menschen, viel tiefer und feiner als der Mensch. Warum Menschen untereinander zeigen so selten ihr wahres Gesicht. Dem Tier gegenüber setzen sie die Maske nicht auf. Ich spreche darüber, weil in dieser aufgeklärten Zeit viele Verwirrungen da sind, die Gott herabsetzen und das Tier zu Gott machen."

Gräfin von der Schulenburg kam heute und bat, mit meinem Seelenführer zu sprechen. Sie glaubt an ein Weiterleben der Tiere nach dem Tode und glaubt auch, daß Tiere eine Seele haben.

 

Freitag, den 29. Juni 1962, Herz-Jesu-Fest

Mittwoch gab mir Elisabeth H. zwei Mark Opfergeld. Am anderen Tag kam ein Mädchen und wollte eine kleine Gabe für einen neuen Kelch zum Namenstag unseres Pfarrers. Ich gab etwas. Jesus sagt: "Gib das Opfergeld deiner Schwester Elisabeth dazu. Teile es ihr mit als Zeichen Meiner Liebe."

 

Samstag, den 30. Juni 1962

Bin in Ittenbach, aber enttäuscht, weil keine hl. Messe um 8 Uhr ist. Um zehn Uhr ist Brautamt. Was soll ich tun? Dann kann ich um 9.30 Uhr nicht heimfahren, sondern erst um 12.30 Uhr.

Ich bete. Jesus: "Bleibe bei Mir. Schenke dem Dreifaltigen Gott diese Stunden. Es ist ja heute auch Feiertag. Ich bin mit dir. Deine Pflicht wird nicht verletzt." Nun war ich entschädigt für gestern. Es war eine besonders schöne Feier. Ganz gab ich mich hin meinem Gott in Liebe und Dank.

 

Sonntag, den 1. Juli 1962

Ich fahre nach Königswinter. Jesus will es. Wie bin ich erfreut. Es ist um 9 Uhr ein feierliches Hochamt mit sakramentalem Segen. Es sollte Prozession sein, aber wegen des schlechten Wetters ist Umzug durch die Kirche. Jesus sagt: "Ich sah deine Sehnsucht am Fronleichnamstag, weil du nicht mitgehen konntest. Du hättest den Weg auch heute nicht gehen können, Meine Braut, darum mußte das Wetter anders sein. Nun bist du dabei. Du erfreust Mich und Ich schenke dir himmlische Freude. An diesem Freudentag erneuere die Vermählung mit der Gottheit." Wieder erlebe ich, was ich am Feste der Heiligsten Dreifaltigkeit erlebte.

 

Mittwoch, den 4. Juli 1962

Samstag treten plötzlich Schmerzen auf mit zeitweiligen Lähmungserscheinungen. Meine Stirn droht zu zerreißen. Ziehende und bohrende Schmerzen im Körper, einmal an der Stelle und dann wieder an einer anderen Stelle. Ich will nichts sagen, aber man merkt es doch, wie schlecht ich gehen kann. Heute sagt die Muttergottes: "In diesem Monat trägst du die Stirnwunden ohne äußere Zeichen. Teilweise trägst du die Leiden der Geißelung. Du weißt, wofür. Ich gedenke deiner und helfe dir."

 

Mittwoch, den 11. Juli 1962

Heute bin ich frei von schweren Leiden, nur zeitweise kommt eine Herzensnot für die Sterbenden des Tages. In den vergangenen Tagen durfte ich teilnehmen an Jesu Durchbohrung der Hände, Füße und des Herzens. Durch die Schwellungen der Glieder fiel mit das Gehen und Arbeiten sehr schwer. Wie leicht wurde mir das Schwere und wie süß das Unverstandene. Ich trage ja den Himmel in mir, weil Gott in meinem Seelentempel wohnt. Anbetend neige ich mich oft und bete den Dreieinen an, danke für die Teilnahme an Jesu Leiden, und dann ist heilige Stille. Das Band der heiligen Gottesliebe umschlingt mich ganz. Ich gebe mich hin an meinen Gott in heiliger Verbundenheit. Heiligster Gott, nimm immer wieder Besitz von mir.

 

Donnerstag, den 12. Juli 1962

Mit jedem Tag schwindet die Welt mir mehr. Die Sehnsucht zeigt mir stets neu und schöner den Tag meiner mystischen Vermählung mit der Gottheit. "O mein Gott, Dreifaltiger, den ich anbete, hilf mir, daß ich mich ganz vergesse, um mich in Dir zu begründen, unbewegt und friedvoll, als weilte meine Seele schon in der Ewigkeit. Gib, daß doch nichts meinen Frieden stören könnte oder mich heraustreten lasse aus Dir, mein Unveränderlicher, sondern daß jede Minute mich tiefer hineintrage in den Abgrund Deines Geheimnisses."

Maria, bräutlich schön, ist bei mir und sagt: "Gott nahm dein Gebet mit Wohlgefallen an. Wer einmal die Stufe der mystischen Einheit erreicht hat, lebt nur noch in der Liebe, die von Sehnsucht nach Vereinigung getragen ist. Mit jedem Tag wird Jesus Christus schöner in dir gestaltet. Halte nur weiter still auf dem Leidensweg, damit an dir auch Jesu Worte wahr werden: Mußte Meine Braut doch diesen Weg gehen, um so vereint in die ewige Herrlichkeit einzugehen. Mein Kind, du kannst es nicht fassen, welch große Freude dem Vater bereitet wird, wenn Er das Bild Seines vielgeliebten Sohnes in einer Seele wiederfindet. Sein Wohlgefallen ruht auf dieser Seele."

 

Samstag, den 14. Juli 1962

Nachdem ich am Donnerstag das Gotteshaus verlassen hatte, traten auf dem Heimweg schwere Krampfzustände auf. Ich weiß nicht, wie ich noch einen Schritt machen soll.

Jesus spricht: "Meine Braut, es ist die Teilnahme an Meinen Geißelwunden. Bei jedem Hieb und Schlag krampfte sich Mein Körper zusammen. Du leidest es heute für jene Priester und Ordensleute, die im Sinnesrausch sich abwandten von Mir. Wie weh tut es Meinem Herzen, wenn Gottgeweihte auf diese verderblichen Wege geraten. Es rührt aber her durch die ungeheuerlich vielen Ärgernisse, die andauernd gegeben werden. Um diese Ärgernisse zu sühnen und die Seelen wieder auf den reinen heiligen Weg zu führen, muß Ich in den von Mir erwählten Opferseelen Meine Leiden immer wieder erneuern."

O Jesus, mein Geliebter und Bräutigam, nimm mich hin, so oft Du willst, solange Du willst. Immer geschehe der heilige Wille Gottes an mir. Gepriesen sei die allerheiligste Dreifaltigkeit wegen ihrer großen Barmherzigkeit.

 

Mittwoch, den 18. Juli 1962

Sonntag war ich frei von Leiden bis zum Mittag. Danach kamen erneut noch größere Krampfzustände als in den vergangenen Tagen. Wie Fieber rast es durch die Adern, und die Stirn wird dauernd durchbohrt. Schweigend dulde ich, wie der Herr in Seinem Leiden uns ein Beispiel gab. Gegen acht Uhr abends stehe ich vor dem Bild Mariens und bete: "O Mutter, so komm, hilf mir beten." Sie spricht: "Erhebe deinen Blick zum Himmel. Der Vater wird dich grüßen, mein Kind."

Ich befolge, was mir gesagt wird. Zuerst kommt ein breiter feuriger Strahl aus den Wolken. Ich fahre zusammen, denn das war gewaltig, anders als ein Blitz. Dann schaue ich einen Augenblick die Allgegenwart Gottes so schön, als wären Tausende von weiß leuchtenden Kirchtürmen aneinandergereiht. Es ist fort. Ich breche in Tränen aus und bete: "Vater, guter Vater, habe Dank für Deinen allgewaltigen lieben Gruß. Wie beglückst du das arme Menschenherz durch Deine Gegenwart, wenn es an Dich ganz wiedergeschenkt ist in reiner heiliger Gottesliebe. Habe tausend und abermals tausend Dank. O hilf, daß ich das große innere Stillschweigen bewahre, das mich Dir, o mein Gott, in süßer Vereinigung hält."

 

Donnerstag, den 19. Juli 1962

Heute darf ich teilnehmen an den Leiden der Stirn, der Schulter und der Fußwunden. Jesus sagt: "Diese Leiden sind für meine Priester und alle anderen Seelen, die Ich dir zeigen werde. Ich nenne sie eine Schmerzensnovene, die neun Tage anhalten wird. Einen Arzt kannst du nicht gebrauchen. Ich bin dein Arzt und Beistand. Denke an die Missionare, wenn das Gehen dir schwerfällt. Denke an die Konzilsväter, wenn der Schmerz deine Stirne zerreißt. Wenn Hals und Nacken von Schmerz durchbohrt werden, gedenke der Sünder, damit sie den stolzen Nacken beugen. Gedenke der Beichtväter, die um Seelen ringen, damit sie Meine Geduld und Hirtenliebe gebrauchen für die Gefallenen."

 

Samstag, den 21. Juli 1962

Der Tag ist sehr schwer. Hineingenommen sind die vom Unglück Betroffenen der Brandkatastrophe in Frankreich.

 

Sonntag, den 22. Juli 1962

Fahre nach Königswinter. Mich ergreift es, weil dort für die vielen Verunglückten der letzten Wochen gebetet wird. Ich muß mich hinlegen, als ich vom Kirchgang zurück bin. Alle Kraft verläßt mich und große Schmerzen treten ein. So will ich nach Gottes Willen beten, sühnen, leiden für alles, was im Heilsplan des Allerhöchsten liegt. Über drei Stunden habe ich schon gebetet.

Dann kommen vier liebe Gratulanten zum heutigen Namensfeste. Sie beten mit mir. Gegen fünf Uhr kommt eine große Schwäche und Todesnot über mich. Ich bete für die Sterbenden dieser Stunde. Dann sehe ich plötzlich einen Personenzug, den ich in den letzten Wochen schon zweimal sah. Immer sah ich die Schilder, auf denen Paris stand. Heute erschrecke ich, die Wagen fahren gegeneinander, stürzen die Böschung hinab und zerstückelt viele, besonders Kinder. Es ist ein grauenvolles Bild. Eine Stimme höre ich: "Meine Barmherzigkeit ist groß. Ich schenke dir diese Seelen. Gedenke ihrer."

Ich antworte: "Herr, muß das wieder so sein. Du ließest mich Anfang des Jahres schon das Grauenhafte sehen."

"Es muß sein, damit die Menschen zur Besinnung kommen. Satan sucht, noch mehr zu verderben. Die in Meine Barmherzigkeit aufgenommen werden, über die Leiden Meiner Opferseelen, werden gerettet."

Dann werde ich entrückt. Schon gegen Mittag nach der letzten Messe wurde ich so hoch erfreut durch den hl. Aloysius. Ich sehe ihn, mir zugewandt, am Altare stehen. Er segnet mich und spricht: "Vom Allerhöchsten bin ich gesandt. Von der Stunde an, wo du mich kennen lerntest und mich erwählt hast zu deinem Beschützer, stand ich Dir immer mit Maria und deinen Engeln zur Seite. Wenn eine Seele schon auf Erden im Willen Gottes vereint ist, sind wir dort oben erfüllt von Freude. So nimmt der ganze himmlische Hof teil an deiner mystischen Vermählung mit der Gottheit. Noch eine kleine Weile und du wirst mit uns allen dort oben vereint in ewiger Glückseligkeit in der Anschauung Gottes."

Dann ergreift mich wieder das große Heimweh. Die Tore der Stadt Gottes öffnen sich und ich nahe dem Thron des Vaters. "Dreimal wunderbarer Vater, ich bete Dich an. Ich darf Dich Vater nennen, denn Du gabst mir das Leben, der Du alles geschaffen hast. Jesus, Wort des Vaters, auch Du willst Vater genannt werden. In steter liebevoller Sorge umgibst Du uns. Heiliger Geist, Gott der Liebe, ein Vater der Armen wirst Du genannt. Hilf jetzt besonders den Armen durch Deine königliche Braut, durch die Jungfrau der Armen. So erhöre mein Gebet, Du dreimal wunderbarer Vater."

 

Dienstag, den 24. Juli 1962

Heute berichtet die Zeitung von dem Zugunglück bei Dijon. Es paßt zu allem, was ich sah. Mich ergreift es besonders, weil ich Oktober 1960 dort mit den Lourdes-Pilgern in der Kirche war. Mit einer kleinen Gruppe ging ich nach der hl. Messe durch eine Straße. Ein französicher Priester gesellte sich zu uns und sagte: "Helft doch beten für diese Stadt. Die meisten hier sind Heiden." Das versprachen wir auch. Möge dieses Unglück vielen die Augen geöffnet haben, daß ihre Herzen dem Ruf der Gnade folgen.

 

Montag, den 29. Juli 1962

Schwere Tage der Sühne liegen hinter mir. Ich freue mich, in dieser Sühne den Willen Gottes erfüllt zu haben. In diesen Tagen traf eine Todesnachricht ein von einem lieben Bruder, der mir lieb und teuer war. Mein Leidenszustand ließ es nicht zu, ihm das letzte Geleit zu geben. Er starb, wie die Anzeige lautet, plötzlich und unerwartet. Ich habe aber die frohe Gewißheit, daß er gut in die Ewigkeit ging.

Im Juni, wohl im halben Monat, sah ich meine kleine Ilse mit Klein-Werner und Doris mit ihren Engeln. Ich fragte, was dies bedeutete. Dann vernahm ich eine Stimme: "Gedenke in deinem Leiden und Beten an einen, der plötzlich stirbt. Das wird keiner ahnen." Von da an betete ich für diesen Mann. Das hätte ich wirklich nicht geahnt, daß es mein Bruder Josef J. war. Der Sonntag gestern war besonders für meinen Mann. Meine Leiden in diesem Monat sollten ja besonders für ihn sein.

Bis zum Herz-Jesu-Freitag ist Sühne für den Hochmut und die Lieblosigkeit. In diesen Tagen kam so mancher, der Trost suchte, der unter diesen Sünden litt. Ich darf teilnehmen an den Leiden des hl. Angesichtes Jesu und den Leiden der Füße. Ich lerne durch Jesus immer mehr zu schweigen im eigenen Schmerz und Weh, aber andere trösten in ihren Leiden. Habe seit Wochen eine neue Nachbarin, ein älteres liebes Fräulein, protestantisch. Sie ist sehr fromm, aber sie sucht noch mehr. So kommt sie oft zu mir zu einem Gedankenaustausch, und auch ihr ganzes Vertrauen hat sie mir geschenkt. Schon oft sagte ich zu Jesus: "Wenn diese Seele katholisch wäre, wie groß könnte sie werden. Gib Du mir, Herr, immer die rechten Worte für sie, damit sie das Wahre, das Heilige mehr erkennt. Ich möchte sie führen auf den Weg zu der einen von Dir gestifteten Kirche. Zwei alte Leutchen kamen mit K. Wie ein Jubelruf klang es, als sie zu mir ins Zimmer kamen: "Da steht ja auch die Jungfrau der Armen, die wir so gern haben und die uns immer hilft." Sie zeigen mir beide, daß sie nur die Muttergottes auf ihrer Brust tragen. Das Mütterchen habe ich sehr trösten müssen. Hat Jahrzehnte lang ein Kind als Gewächs getragen, daß zum großen Leidenszustand wurde und das Nervensystem dieser Frau ganz zerrüttet hat. Sie hat es aber gottergeben getragen.

In meine Gedanken spricht Jesus: "Mein Leben ist es, wenn die Leidtragenden zu dir kommen. Sie kommen durch dich zu mir, und Ich helfe durch dich verborgen."

 

Sonntag, den 5. August 1962

Gestern bei der hl. Wandlung, bei der Erhebung der Hostie, sehe ich drei Lichtstrahlen, die davon ausgehen und mein Herz treffen. Mir ist, als sei ich in diesem Augenblick auch Licht. Ich bete: "O Vater des Lichts, ich bete Dich an. Jesus Christus, mein Bräutigam, Licht vom Lichte, ich bete Dich an. O heiliger Geist, erhabenes Licht, ich bete Dich an. O heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an."

Jesus Christus spricht: "Meine Braut, wie Ich als immerwährendes Opfer nur der Geopferte bin, so bist du in Mir, im Schoß Mariens, die Mitgeopferte. Deine Lebensaufgabe heißt nur noch Wandlung und Liebe. Du mußt auch Licht sein, denn wo Gott wohnt in der Seele, da ist Licht. Und Licht zieht an. Sie werden kommen und durch Mich finden. In den Mir erwählten Seelen wirke Ich weiter als das Heil der Welt. Wundere dich nicht, wenn die Tage oft so anders sind. Du wirst Mich dann noch mehr verstehen, wenn Ich in die Einsamkeit ging und fastete und betete."

Leidtragende kommen am Nachmittag von Frankreich, von Boulay. Ich nehme alle Bitten und Anliegen an und lege sie hinein in Jesu Herz. Es wird mir auch ein Arzt empfohlen von dort, der einen Schlaganfall erlitten hat. Er hat viel keimendes Leben im Mutterschoß vernichtet. Ich bitte, gleich weiterzusprechen, da ich etwas zu fragen hätte. Vor mir steht die Vision vom Fest der Unschuldigen Kinder 1960. So frage ich und bezeichne sein Aussehen. Es stimmt nach meiner Angabe. So kann ich sagen, daß er Gnade fand und nicht verlorengeht. Wir beten für ihn und die Mütter, die schwer sündigten.

 

Montag, den 6. August 1962

Ich muß heute liegen. Meine Glieder sind geschwollen und schmerzen sehr. Zu Jesus wende ich mich: "Herr, so anders gedachte ich diesen Tag zu feiern. Nun leide ich und kann Dir nur meine Leiden und meine sehnsüchtige Liebe schenken. Dieser Monat hat doch sonst viel Freudiges für mich. Mein Gesicht ist ein Schmerz. Nimm es, für wen Du willst."

Jesus sagt: "Merke dir, Meine Braut, was in diesem Monat zu dir kommt und was man dir anvertraut. Deine Leiden sind natürlicher Art. Darum mußt du zum Arzt. Ich werte jedoch deine Schmerzen auf und vereinige sie mit den Leiden Meines hl. Antlitzes. Leiste Sühne für den Hochmut, die Gefallsucht, die Genußsucht und für die Zungensünden."

 

Donnerstag, den 9. August 1962

Heute bin ich beim Zahnarzt. Der Oberkiefer ist von beiden Seiten und der Unterkiefer ganz vereitert. Die bösen Stellen werden geöffnet. Es ist sehr schmerzhaft. Der Arzt sagt: "Sie müssen eine Krankheit haben, die die Zähne aus dem Zahnbett gehoben hat. Es ist schade, weil sie nicht schlecht sind. Die werden jetzt alle absterben. Ich will sehen, was ich da noch machen kann." Die Behandlung dauerte lange. Mein Bus war fort. Ich mußte gehen. Es war schwer. Ich taumelte hin und her, war schwindelig. Ich opferte alles auf in dem Sinne, wie Jesus es mir gesagt hat.

 

Sonntag, den 12. August 1962

Heute sind es 20 Jahre her, da mein Hans in Rußland sein Leben ließ. Ich fühle mich nicht wohl und gedenke, am Nachmittag ein wenig zu ruhen. Um acht Uhr bin ich in der Pfarrkirche und fahre gegen zehn Uhr heim. Nach dem Essen möchte ich beten und betrachte in aller Stille auf meinem Zimmer. Ich kann es nicht, weil wieder Besuch aus Köln kommt. Das Sprechen fällt mir so schwer wegen der Schmerzen. Ich muß viel Geduld anwenden, weil Seelen sich oft von gewissen Gedanken nicht losmachen können, ob sie wohl alles vor Gott gut gemacht haben.

 

Dienstag, den 14. August 1962

Gestern war Leidenstag. Heute bin ich wieder beim Arzt. Ein Zahn kann gezogen werden. Ich verliere sehr viel Blut. Der Arzt sagt: "Es war schwer. Ich wollte es Ihnen nicht sagen. Sie hätten darüber irrsinnig werden können. Das Blut war gestaut durch die vorhergehende Krankheit, und wäre zu Kopf gestiegen." Ich wundere mich, daß man durch einen Zahn in Lebensgefahr kommen kann. Eine Stunde brauche ich für den Heimweg. Unterwegs versagt das Herz und neue Blutungen setzen ein. Um ein Uhr bin ich erst daheim und werde lieblos empfangen, weil das Essen nicht fertig ist. Um sechs Uhr werde ich zum Arzt gebracht. Ich bekomme eine Spritze, damit die Blutung aufhört. Das Knochengewebe war weggefressen, die Wunde mußte genäht werden. Ich durfte mich nicht hinlegen, bis 11 Uhr mußte ich aufbleiben. Dann war ich am Ende der Kraft.

Jesus sagt: "Ertrage alles Lieblose weiter in Liebe und Geduld, im Geiste der Sühne. Ehe du die Züge Meines verklärten Antlitzes trägst, mußt du die Leidenszüge Meines verwundeten Antlitzes tragen, denn groß ist ja der an Gnaden, der Meine Leidenszüge tragen darf. Der Arzt meint wohl, du wärest irre geworden. Du weißt aber, zu den Leiden der Dornenkrone gehört die Blutvergießung. Auf diesem Wege der natürlichen Leiden geht jetzt das gesammelte Blut der Dornenwunden fort. Es ist der Anfang des Blutvergießens. Meine Wunden waren auch natürlich und doch lag alles, was damit verbunden war, im Heilsplan der Erlösung."

"Mein Gott, ich danke Dir. Wandle mich nur weiter ganz in Dich um. Ich habe Dich und das genügt mir. Vergib meinen Beleidigern."

 

Mittwoch, den 15. August 1962, Maria Himmelfahrt

Ich freute mich auf diesen Tag, da er ein großer Tag Mariens ist. Wie sie es sagte, sollte ich ihn feiern. Nun liege ich mit geschwollenen Gliedern und kann nicht gehen, kann nicht einmal zum Gotteshaus. Das Herz versagt zeitweise. Ich habe wieder Einkehrtag und will in aller Stille diesen Tag begehen, nach dem Willen Gottes. Ich wende mich an Maria: "Meine liebe Mutter, so nimm mich mit meiner Hilflosigkeit, meiner Schwäche und Schmerzen und lege mich auf den Opferaltar zu deinem geliebten Sohn. Laß mich rein sein in Seiner Reinheit und leuchtend in Seinem Licht." Maria läßt mich erkennen, warum dieser Tag so anders ist als ich dachte.

Sie spricht: "Mein Kind, Maria, du weißt es, wer dich fragte, wann du einmal wiederkommen würdest. Da sagtest du: 'Das weiß ich nicht. Ich handle nur nach Gottes Willen. Ich habe auch viele Leidens- und Besuchstage. Da bleibt mir keine Zeit, da ich auch noch in Pflichterfüllung in der Familie stehe. Wohl ist mir gesagt, daß ich den 15. August feiern soll. Daraufhin hat man die Zusammenkunft der Beter, die jeden 13. des Monats am bestimmten Ort erscheinen, auf den 15. des Monats verlegt. Es lag dabei die Absicht und Hoffnung, daß du an diesem Tag kommen würdest und mit im Kreis sein würdest.' Gott hat dich und alle anderen erprobt. Du wirst noch ein klares Bild erhalten. Sie müssen es alle endlich verstehen, daß man den Willen Gottes nicht durchkreuzen kann und darf bei Seelen, die nur Seinen Willen leben. So wie du heute den Tag feierst im Leidenszustand, ist er gnadenreicher für dich und segensvoller. Mein Fest wird acht Tage gefeiert. So wird Sonntag der Tag der Freude für dich sein. Nun laß uns Opferfeier halten im Anschluß an alle hl. Messen der Welt."

 

Donnerstag, den 16. August 1962

Heute werden die Fäden gezogen. Im Wartezimmer sitzt die Schwester neben mir, für die Jesus mich bat am 30. Mai, ob ich bereit sei, für sie zu leiden. Ich segne sie still. Sie sieht so lieb aus, so anders als an dem Tage im Mai. Auf einmal versagt mein Herz. Die Schwester bemüht sich liebevoll um mich. Dann geht es wieder. Sie sagt: "Ihr Puls geht sehr schwach. Sie müssen für das Herz etwas tun."

Jesus spricht am Abend um elf Uhr, als ich dieser Schwester gedenke für ihre Liebe: "Schon zweimal führte Ich euch zusammen. Sie kennt dich nicht, du kennst sie soweit, als Ich dir Einblick gab. Bete und leide weiter für sie, bis Ich dir den Tag offenbare, an dem sie Meine wahre und heilige Braut ist."

"Auf diesen Tag freue ich mich. Sie ist ja auch heute in den Tag hineingenommen."

 

Freitag, den 17. August 1962

Es ist vier Uhr früh. Wieder war ich in dieser seltsamen Stadt, zum 28. Male. Ich wollte in die Kirche gehen, in den großen Dom, aber wie immer gerate ich anderswo hin. Ich bin auf einem großen Vergnügungsplatz, sieht fast aus wie ein Kirmestrubel. Mich ekelt vor den Betrunkenen. Es sind Männer und Frauen. Sie kommen auf mich zu unter Geschrei und Ausgelassenheit. Ich schreie auf und flüchte. Ein Mädchen, liebevoll und edel, steht vor mir und führt mich aus dem Trubel heraus. Heute ist die Stadt in ein blaues und rotes Licht getaucht. Das sieht sehr schön aus. Sehnsucht nach dem Hause Gottes ergreift mich, und ich eile, hinzukommen. Auf einmal kann ich nicht weiter. Es kommen weißgekleidete Scharen von Menschen. Dann folgt ein Priester, auch ganz in weiß. Er trägt den verborgenen Gott in der Monstranz, die wie eine Sonne leuchtet. Er wendet sich zu mir und segnet. Ich knie nieder und bete. In Anbetung versunken erwache ich.

Jesus sagt: "Meine Braut, deine Wandlung wird größer. Je mehr die Wandlung in Mir ist, desto größeren Anteil hast du auch an Meinem Priestertum. Bist du bereit, nur Opfer für die Priester zu sein?" – "Mein Geliebter, mein Bräutigam, ewiger Hoherpriester, ich bin bereit!"

Jesus: "Ich segne dich, Meine Braut im Vater und im Heiligen Geist. Nun bist du reines Opfer, daran der Vater Sein Wohlgefallen hat. Alle deine Bitten und Anliegen, dein Lob und Dank, deine Freuden und Leiden, deine Sühne und Hingabe sind hineingenommen in die Opferfeier aller Priester. Sei mit Mir ganz Hostie. Was ich schon Seelen sagte, sei auch dir gesagt: Soviel du Hostie bist und Schlachtopfer, soviel werden Meine Priester auch Priester sein. Als erste Opfergabe bist du deinem Seelenführer und Bruder Johannes Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit zur Seite gestellt."

"Mein Herr und mein Gott, so kleide mich ein für Deine Priester. Laß mich tragen für sie das Ordenskleid des Gebetes. Meine Klausur soll die des Herzens sein, der ehrfürchtigen Haltung vor Gott und Seinen Geweihten. Meine Ordensregel sei Dein Gebot der Liebe. Mein Ordensgelübde sei, jeden Tag Gebet und Opfer für das Priestertum und die Bereitschaft, mit ganzer Kraft und größter Selbstlosigkeit mich für sie einzusetzen."

Jesus: "Deine Bitte erfreut Mein Herz. Sei nun das, was dein Mund aussprach. Bekräftige alles durch das Weihegebet."

O Jesus, mein innigstgeliebter Heiland, im Verlangen, mich mit Dir zu vereinigen und auf besondere Weise Anteil zu haben an dem Opfer Deiner Liebe auf dem Altar und dem Wunsch zu entsprechen, den ich in Deinem Herzen erkannt habe, mich ganz und gar für die Seelen deiner treuesten Freunde, der Priester, zum Opfer zu bringen, werfe ich mich demütig zu Deinen Füßen nieder. Ich wage vor Dir zu erscheinen, um mich Dir gänzlich zu übergeben, um Dich dadurch – soviel in meine Kräften liegt – in diesen Seelen zu verherrlichen. Zu diesem Zweck schenke ich Dir die Leiden, die Schmerzen, die Demütigungen, die Kreuze, durch die Du in mir das Opfer vollziehen willst. Vorzüglich opfere ich Dir meine Todesangst und meine Tod auf.

Dir schenke und übergebe ich meinen Leib, meine Seele, mein Herz, mein Urteil, meinen Willen, mit einem Wort, mein ganzes Wesen. O Jesus, du Bräutigam meiner Seele, einzig Geliebter meines Herzens, verzehrt von dem Verlange, Dich in meinem Herzen zu lieben und zu verherrlichen, soviel ein armes Geschöpf es vermag, weihe ich mich aufs neue Deinem verwundeten Herzen, um ganz Schlachtopfer zu sein für Deine Priester. O mein Jesus, ich dürste nach Deiner größeren Verherrlichung in den Priestern. Gib ihnen reiche Gnaden und erfülle sie ganz mit dem Heiligen Geist. Amen."

Jesus segnet mich dreimal und Maria einmal. Jesus vertraut mir ein kleines Liebesgeheimnis an vom 16. Juni.

 

Sonntag, den 19. August 1962

Heute ist ein Freudentag. Unser hochw. Herr Pfarrer Johannes Wichert feiert sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Es soll ein Tag des Dankes und der Freude sein. Möge der Herr ihn noch lange als guten Hirten und Seelsorger in unserer Pfarrei wirken lassen. Wieder bin ich mit Jesus im hl. Opfer vereint, wie am Dreifaltigkeitsfeste. Lange bin ich beim Credo in das Geheimnis der Geburt Jesu hineingenommen.

Maria spricht: "Eine große Gnade wird dir heute zuteil. Wie du teilnimmst an meinen Mutterfreuden, so hast du teil an meiner Mutterschaft, durch geistige Mutterschaft. Als ich Jesus empfing, den Hohenpriester, empfing ich auch alle Priester. So bin ich auch die Mutter der Priester. Du hast Jesus empfangen als göttliches Samenkorn. Er wächst in dir und du in Ihm. Du sollst Ihm Mutter sein und Mutterliebe schenken. Was du Jesus, dem Hohenpriester, schenkst, das schenke auch Seinen Priestern in geistiger Mutterschaft. Sei gesegnet im Vater, im Sohne und im Heiligen Geiste."

Meine Gedanken weilen auch in Banneaux. Maria sagt: "Du wirst dich freuen, was dir vom heiligen Orte gesagt wird. Es ist etwas Besonderes, das dich zu größeren Opfern und Leiden bereit macht."

 

Mittwoch, den 22. August 1962

Mit meiner Mitschwester Maria Lichtinghagen, die seit Montag bei mir ist, bin ich in Ittenbach. Feierlich ist es. Bei der hl. Wandlung, bei der Erhebung der Hostie, sehe ich Jesus im weißen Gewand. Bei der Erhebung des Kelches sehe ich drei Kelche. Nach der hl. Kommunion spricht Jesus: "Ein großer Tag ist heute. Würde dieses Fest in seiner Größe und Hoheit besser erkannt, so würde es gefeiert wie ein Hochzeitstag. Alle Gnadenquellen im unbefleckten Herzens Mariens sind geöffnet. Aber wie wenig schöpfen die Seelen daraus. Soviel Reichtum an Verdiensten geht verloren, weil man vor Maria stehenbleibt und nicht eindringt in das Innere ihres Herzens. Sie wartet, sie bittet, sie fleht, aber sie ist mit Mir das einsame, verlassene, durchbohrte Herz. Die Schar, die sich liebend vereint in mit ihrem Herzen, ist ebenso klein wie die, die Mich wahrhaft lieben. Wer seinen Wohnsitz hat im Herzen Mariens, wohnt auch in dem Meinen. Wer wohnt in dem Meinen, den hüllt die Liebe der Dreieinigkeit ein. Heute, Meine Braut, vertraue Ich dir ein süßes Geheimnis an. Du weißt, daß der 13. dieses Monats der Todestag Mariens ist. An diesem Tage nahm sie Mein Leben wahr in ihrem Mutterschoße. Darum nahm Gott Maria auch an diesem Tage auf in das ewige Leben. Vertiefe dich jetzt und oft in diese großen Geheimnisse."

Mein Gott und Herr, das will ich oft und gern tun. Laß mich immer eins bleiben mit Deinem und dem Herzen Mariens.

 

Freitag, den 24. August 1962

Bin heute wieder beim Arzt. Von neuem wird der Unterkiefer geöffnet. Es schmerzt schon, aber alles Jesus zuliebe, der mir ja die Gnaden Seines hl. Antlitzes schenkt. Gestern berichtete die Zeitung von einem Erdbeben in Neapel. Jesus sagt: "Das ist der Anfang von dem, was Ich ankündigte am 8. Februar. Die in der Gnade sterben, gehen ein in das ewige Leben. Die aber wider den Heiligen Geist sündigten, finden keine Vergebung."

 

Sonntag, den 26. August 1962

Gestern war Leidens- und Sühnetag für die dem hl. Herzen Mariens angetane Schmach und Beleidigungen. Die Sühne geht heute weiter für den Mißbrauch der Sinne. Jesus spricht heute nach dem Hochamt: "Meine Braut, du hast heute gehört, als Ich den Taubstummen heilte, daß ich seufzte. Ich machte ihn reich für die Gnade und doch stand Satan am Weg, der wartete, ihn mit vernehmenden und gesprochenen Worten zu gewinnen. O daß dieses Gottesgeschenk der Sinne so furchtbar für das Böse gebraucht wird. Sind rein die Sinne, ist die Seele ganz Gottes Ebenbild und wird nicht der Sünde zum Opfer fallen. In den Sinnen liegt verborgen das Geheimnis der Liebe und das Geheimnis der Bosheit. So ist es gut, wenn die Sinne für Gott gesegnet werden. Gott wohlgefällig ist die Sühne für den Mißbrauch der Sinne. Verstehst du nun die Opfer, die ihrer Sinne nicht mächtig sind? Gott macht alles wohl."

 

Montag, den 27. August 1962

Heute bin ich wieder beim Arzt. Er arbeitet anderthalb Stunden am Unterkiefer. Es ist sehr schmerzhaft. Zwei Zähne werden gezogen. Ich habe durch den Blutverlust eine Schwäche. Der Arzt verordnet Bettruhe. So habe ich wieder Einkehrtag und halte Sühne für die Gotteslästerungen, alle lieblosen und unreinen Worte und Reden. Das ist der Wille Gottes heute.

 

Dienstag, den 28. August 1962

Heute zieht der Arzt einige Fäden aus der Wunde. Am Abend um 11 Uhr sagt Jesus: "Bei Meiner Dornenkrönung schlugen sie Mir auch einen Teil der Zähne aus. Ich blutete und hatte Wundfieber durch den Schmutz der Wege bei Meinen Fällen. Siehe, das darfst du nun leiden bis nach dem Feste der Sieben Schmerzen Mariens. Ich nahm dich schon damals auf in meinen Leidensweg, hinein in die Sühne, die Hartherzigkeit, die Grausamkeit, den Spott, den Hohn und die Lieblosigkeit. Der Gedanke, daß immer Seelen bereit sind, Meine Leiden freudig zu tragen für das Heil der Seelen, versüßte Meine schweren Leiden. Ich segnete in diesen Stunden die Seelen besonders. Weil Ich sie segnete, sind sie auch Segen für jene, deren Opfer sie sind."

"O Mein Gott, mein Geliebter und Herzenskönig, habe Dank für diese Gnade der Auserwählung. So kann ich doch nichts anderes als Opfergabe sein, vereint mit Dir im hochheiligen Opfer des Altares. So wird mein Seelenführer und Bruder Johannes Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit eine besonders große Opfergabe sein, da er doch Priester ist?"

Jesus: "Du sagst es, Maria. Er ist ein Ludwig Maria, weil er Meine Mutter liebt wie dieser Heilige, ja, weil Ich sie liebe. Mehr noch wird er, was sein neuer Name ist. Darin liegt noch ein großes Geheimnis verborgen, das ihm geoffenbart wird. Ich segne euch im Vater und im Heiligen Geiste."

 

Donnerstag, den 30. August 1962

Heute bin ich wieder beim Arzt. Rechter Ober- und Unterkiefer werden wieder geöffnet. Dabei wird ein Knochenriß festgestellt. Ich weiß ja, für welche Sünden ich diese Schmerzen tragen darf. Das macht mich froh und glücklich.

Freitag war Leidenstag. Ein Brief kam aus dem Saargebiet. Ich weiß jetzt, für wen ich besonders leide. Heute sehe ich bei der Erhebung des Kelches das blutige Antlitz Jesu. Meine heilige Messe ist wieder die vom Feste der Heiligsten Dreifaltigkeit. Ich sitze im Bus und bete. Es sind noch einige Minuten bis zur Abfahrt. Ich lobe und preise den Vater für die großen Gnaden und die Liebe, die Er mir bis zur Stunde schenkte. Auf einmal sehe ich im Süden am Himmelszelt mit ausgebreiteten Armen sich gütig neigend wie ein Schleierbild den Vater. Ich möchte jubeln vor Freude, mein Herz wallte vor Liebe: "Vater, mein guter Vater!" Dann umgibt dieses Bild ein Feuer, das Blitze nach allen Seiten aufzucken läßt.

Jesus sagt in mir: "Siehe, das ist die Liebe und Herablassung Gottes, die des Menschen Herz ergreift, das Gott allein liebt und lebt in Seinem Willen." Den ganzen Tag lebe ich weiter in der Freude, die Gott mir schenkte in Seiner gütigen Herablassung. In der Sühnestunde heute gehe ich im Geiste an meine lieben Wallfahrtsorte und bete das Bestimmte, nehme hinein Lob und Dank, Bitten und Anliegen, die im Willen Gottes geeint sind. So bin ich auch in Lourdes. Ich bitte Jesus, mir doch ein besonderes Gebet für diesen geheiligten Ort zu geben.

Jesus: "Schlage in deinem Buch die Andacht zur Muttergottes auf. Ich werde daraus einen Rosenkranz von sieben Gesetzen formen, darin das Geheimnis Mariens verborgen liegt. Am Kreuz das Credo. An den großen Perlen bete: 'Gegrüßet seist du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir. Maria, du hast Gnade gefunden bei Gott. Du hast empfangen und geboren den Sohn des Allerhöchsten. Sein Reich hat kein Ende.'

An den drei kleinen Perlen bete: 'O Maria, unbefleckt empfangene Tochter des Vaters, Mutter des Sohnes und Braut des Heiligen Geistes, vermehre den Glauben.' Zweitens: 'O Maria usw. stärke die Hoffnung.' Drittens: 'O Maria, entzünde die Liebe.'

Erstes Gesetz: 'Maria, du bist die Ehre Jerusalems, die Freude Israels, der Ruhm deines Volkes. Du bist voll der Gnade. Der Herr ist mit dir.'

Zweites Gesetz: 'Maria, selig bist du, die du geglaubt hast, denn es ist in Erfüllung gegangen, was dir vom Herrn gesagt worden ist. Selig werden dich priesen alle Geschlechter.'

Drittes Gesetz: 'Selig der Leib, der den Herrn getragen und die Brust, die den Sohn Gottes genährt hat. Doch mehr noch selig bist du, o Jungfrau, da du Gottes Wort gehört und bewahrt hast.'

Viertes Gesetz: 'Lasset uns jubeln dem Herrn, der durch Maria herabstieg in unser Elend, uns zu erlösen. Kommt, lasset und anbeten.'

Fünftes Gesetz: 'Lasset uns danken dem Herrn für alle Gnaden, mit denen er Maria gekrönt hat. Kommt, lasset uns anbeten.'

Sechstes Gesetz: 'Lasset uns preisen den Herrn, daß er uns im Vorbilde Mariens den Weg des Lebens erhellt hat. Kommt, lasset uns anbeten.'

Siebtes Gesetz: 'Maria, du bist die Mutter der schönen Liebe, der Furcht und Erkenntnis und der heiligen Hoffnung. Hoch preiset deine Seele den Herrn und dein Herz frohlockt in Gott, deinem Heilande.'

Am Schluß: 7 Ehre sei dem Vater zu Ehren der 7 Freuden Mariens. Schlußgebet: 'Ewiger Gott, Du hast den reinsten Schoß der seligsten Jungfrau Maria zur Wohnstätte Deines Sohnes erwählt, sie von den Banden des Todes befreit und in den Himmel erhoben. Laß durch ihre Fürsprache unsere Herzen in Sehnsucht emporgerichtet werden. Laß uns durch ihre Bitten die Krone des Himmels erlangen. Amen.'

Nach diesem Rosenkranz trage ich Gott die Bitten einer Mutter vor, wie es der beiliegende Brief angibt. Vor längerer Zeit zeigten mir die Ehegatten ihren einzigen Sohn, 34 Jahre alt. Ich sagte: "Es ist ein stattlicher Mensch." Indem ich das sage, spricht Jesus von einem Schwert, das die Herzen der beiden durchbohren wird. Das Leid muß sein zur Läuterung. Wie ich das sage, schauen sich die beiden verwundert an und der Mann sagt: "Unser Sohn? Unmöglich, der hat uns bis zur Stunde kein Leid bereitet. Nein, das verstehe ich nicht." Ich fühlte die ungläubigen Blicke.

Am 11. August kamen sie wieder zu mir. Der Mann fing an zu weinen und sagte: "Was wir vor Wochen nicht für möglich hielten, ist eingetroffen. Sie haben Recht. Ich habe einen bitteren Kampf hinter mir und bin Wege gegangen, die zu gehen ich nie gedacht hätte. Ich stand vor meinem Sohn und habe gesagt: 'Das gebe ich nie zu. Noch bin ich dein Vater.' Da hat er mir geantwortet: 'Ich bin alt genug und weiß, was ich tue.' O das sagte mir mein Kind, das uns nie betrübte. Ich habe alles wieder einigermaßen eingerenkt und auch einen Priester zu Rate gezogen." Wir dankten und beteten in ihrem Anliegen. Nun geht erneut das Leid weiter.

Jesus sagte dazu: "Groß ist geworden die Zahl der Evastöchter. Weil sie dem Mann gleich sein wollen in allen Punkten, die Gott nur in den Mann hineingelegt hat, werden sie zum Falle des Mannes. Er wird mit Blindheit geschlagen und wird Sklave einer solchen Frau. Wehe der Frau, die zum Ärgernis wird. Ich suche die reine Schar der Marientöchter, durch die der Mann geheiligt wird. Ich suche die Frau, die gleich Maria Magd des Herrn ist. Ich suche die Frau, die in der Stille und Verborgenheit lebt und wirkt. Das rettet die Welt vom Untergang und bewahrt die Familie vor dem Ruin. Ich sagte ja, dieses Leid dient der Familie zur Läuterung. Gott wird das Böse zum Guten lenken. Maria wird nun sprechen."

Die Jungfrau der Armen umgibt mich und sagt: "Durch anderer Leid wird dir Freude zuteil. Es muß etwas geschehen, daß noch viele erkennen, daß ich wirklich die Jungfrau der Armen bin, besonders der armen Sünder. Dein Bruder Nikolaus und deine Schwester Maria sollen am Rosenkranzfest zu mir mit der kleinen Schar nach Banneaux. Dort sollen sie beten für ihren Sohn. Jeden Tag sollen sie den Rosenkranz beten, den ich dich lehrte. Weil du gehorsam warst darfst du das ganze Jahr mitfahren. Sie müssen aber das Opfer bringen und dich in der Frühe holen und am Abend wieder zurückbringen. Nirgendwo darfst du über Nacht bleiben. Meine Worte lege deinem Seelenführer vor. Lade ihn ein und höre, was er dir sagt."

 

Herz-Mariä-Samstag, den 8. September 1962

Mariä Geburt. Der Tag ist ein Tag der Freude. Jesus läßt mich schauen, wie bei der Geburt Mariens die Heiligste Dreifaltigkeit Maria einhüllt. Drei Könige neigen sich liebevoll über das Kind. Die Engel stimmen ein Lobgesang an. Es ist so schön, daß ich Freudentränen vergieße. Maria, Wohlgefallen der Heiligsten Dreifaltigkeit, bitte für uns.

 

Sonntag, den 9. September 1962

In der Sühnestunde von elf bis zwölf Uhr führt Jesus mich zum Vater. Ich wage kaum, die Augen zu erheben. Ich sehe das Leben selbst. Feuer und Blitze zucken nach allen Richtungen wie gewaltige Schwerter. Von wo sie ausgehen, das sieht aus, wie eine gewaltige Spirale, die sich dreht in höchster Geschwindigkeit. Wo diese Schwerter hinfallen, da gibt es Not, Elend, Tod und Verwüstung.

Jesus sagt: "Du siehst, meine Braut, Gottes Gerechtigkeit. Schwerter sind gefallen und haben Teile der Erde aufgerissen. Das ist der Anfang der großen Drangsal. Die Menschheit muß gedemütigt werden, sonst werden noch viele Gerechte durch die Scheinwunder der Technik vom Glauben abfallen und ihr Herz der Liebe verschließen, die nur mit Gott vereint."

 

Mittwoch, den 12. September 1962

Maria Namen. Ich bin heute elend und von Schmerzen durchbohrt. Der Weg zur Kirche fällt schwer. Ich darf sühnen für alles, was man dem Herzen Mariens zufügt, für alles, wodurch ihr heiliger Name verunehrt wird. Jesus sagte es mir. So freue ich mich, daß ich heute für Maria etwas tun darf. Ich bin allein in meinem Zimmer, bete und singe zu Ehren der himmlischen Mutter beim Lichterglanz der Kerzen. Als meine Kraft versagt am Abend, erscheint Maria einen Augenblick als Jungfrau der Armen und segnet mich. Sie trägt eine schöne Krone.

 

Samstag, den 15. September 1962

Donnerstag und Freitag waren großen Leidenstage. Es war Sühne für die Gotteslästerer, für die Lügner, Ehrabschneider, Verleumder und Ohrenbläser. Donnerstag durfte ich teilnehmen an den Leiden der Fußwunden Jesu für die Priester und Missionare, die große und beschwerliche Wege gehen müssen zu den Kranken und Sterbenden. Am Abend ist Heinz K. bei mir. Er hat einer Seele den Himmel geöffnet, die Gott fern stand und am 20. August starb. Der Mann ist gerettet, aber noch der Fürbitte beraubt. Ich durfte beitragen zur Seelenrettung durch Leiden. Gestern, am Fest Kreuzerhöhung, bin ich fast gelähmt bis zum Abend. Ich wollte zur Kirche und konnte nicht gehen. Schneidende Schmerzen durchbohren mich den ganzen Tag bis in die Nacht hinein. Ganz bin ich mit Jesus Sühne- und Leidensopfer. Beim waschen sehe ich, daß ich voller grüner und roter Flecken bin, als wäre ich geschlagen worden. Die Schmerzen sind um sieben Uhr früh wie fortgeblasen.

Jesus sagt: "An den Leiden Meiner Geißelung ließ ich dich teilnehmen. O wie schwingt man immer noch die Geißel gegen Mich durch die vielen unlauteren Werke, die zum Himmel schreien. Die Pestluft der unreinen Sünden dringt durch alle Gestirne hinauf in die himmlischen Regionen. Darum schon kommen auch viele Drangsale und ein großes Kindersterben. Jene, die sterben, freuen sich der Seligkeit, die ihre Engel erbeten haben. Darum trauert nicht, weil die Kinder ja Engel sind. Trauert vielmehr, wenn sie Kinder des Lasters und der Schande sind."

Um neun Uhr dreißig bin ich in Ittenbach. Es ist mein besonderer Tag des Dankes und der Sühne. Zum 18. Male jährt sich der Tag, da ich der Schmerzensreichen als Opferseele geweiht bin. Was habe ich Maria so viel zu danken, was sie bis zur Stunde an mir tat und weiter tut in meiner Seele. Manches Schmerzensbild zieht an meinem Geiste vorüber, wo gerade an diesem Tag mir so großes Leid bereitet wurde. Da steht sie bei mir, Maria als die Schmerzensreiche, und sagt: "Mein Kind, es mußte so sein, wenn es auch noch nicht für dich verständlich ist. Gewalttat war dein Martyrium und zwang dir die Ehe auf. Das Kind war Opfer des Martyriums und mußte so sein Leben hingeben für Ihn, durch dessen Gewalt er ins Dasein gerufen wurde. Wenn ein Kindergebet schon durch die Wolken geht, dann noch viel mehr der Märtyrertod eines Kindes für die Seinen."

O Maria, du sagst es und ich glaube es. Mein Kind Hans, er bittet für die Seinen und wohl besonders für seinen Vater. Ich kann ihn anrufen. Mutter, ich danke dir, das ist meine größte Freude heute. Maria spricht weiter: "Von heute bis zum Konzil trägst du wieder die Dornenkrone für die große, heilige Sache. Nur am Rosenkranzfest bist du frei."

Im Augenblick bin ich durchbohrt vom Druck der Dornen. Ich halte den Tag in stiller Sühne.

 

Sonntag, den 16. September 1962

Bin heute zur Festfeier in Ittenbach. Es ist der letzte Tag der Oktav. Ein Pater vom Orden der heiligsten Herzen Jesu und Mariens hielt diese Glaubenswoche. Seine Worte gelten heute Jesus im Hostienkleid. Er spricht aus der Liebe seines Herzens heraus zu den Seelen, um sie alle zu gewinnen für den verborgenen Gott in der kleinen weißen Hostie. Der Priester bittet, Jesus ruft: "Kommt alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid." Ja, möchten alle kommen und sich stärken für den Kampf um die Sünde. Der Priester erzählt ein Erlebnis von großer Liebe: "Es war im Krieg in Saarlautern. Der Priester hatte die Wache bei 18 verwundeten Soldaten. Am betreffenden Tag brachten sie ein schwer verwundetes Mädchen herein, zehn Jahre alt. Es konnte nicht mehr zu den Eltern gebracht werden. So lag es auf Stroh bei den Soldaten. Der Priester fragte, ob es den lieben Heiland noch einmal empfangen wollte." Da leuchteten die Augen verklärt und ein überirdisches Lächeln verschönte das Gesicht. "Ja, aber es ist kein Priester da." – "Ich bin ein Priester und trage den lieben Heiland bei mir."

Der Priester erzählte weiter: "Ich nahm das Corporale, breitete es auf der blutig durchschossenen Brust des Kindes aus und legte Jesus im Hostienkleid darauf. Die Kleine war ein Engel von Andacht. So nahe hatte sie den lieben Heiland noch nie geschaut. Wir beteten zusammen aus dem Herzen so innig voller Andacht, wie ich es noch nie getan habe. Es war so schön, so ergreifend, daß die 18 Soldaten sich anschlossen und sagten: Pater, geben Sie uns auch den Heiland. Einer nach dem anderen legte die Beichte ab und empfing den verborgenen Gott. Das war die schönste Eucharistiefeier, die ich je im Leben hielt. Morgens um vier Uhr starb das Mädchen. Ich nahm es in die Arme und trug es fort. Da sagten die Soldaten: 'Herr Pater, Sie tragen ja unseren Engel fort.' Ich sagte: 'Der kleine Engel ist bereits zum lieben Gott geflogen. Seine Aufgabe hier war erfüllt.' Ein Kind ließ sein Leben, um durch seine Gottesliebe 18 Männer wieder mit Gott zu vereinen."

Ich bin bewegt, es rührt mich zu Tränen: "O Jesus, Geliebter, warum erfassen die meisten nicht die Größe und Süße Deines großen Geheimnisses der Liebe? Da bist Du doch alles in allem. Du wartest auf jeden einzelnen und findest so wenig Gegenliebe. Ich weiß es wohl, Herr. Man muß Dich ganz allein besitzen, alles verlassen, nicht geteilte Liebe Dir schenken, sondern rückhaltlos in reiner, heiliger Liebe mit Deinem Herzen verankert sein."

Jesus sagt: "Maria, Meine Braut, der Weg zu dieser großen Gottesliebe, die die Herzen verbindet und verankert, ist der königliche Weg Meines Kreuzes. Wer diesen Weg nur aus reiner Liebe im Geiste Mariens geht, der gelangt durch diese Liebe hinein in das Geheimnis Meiner verborgenen Liebe, ist aber das immerwährende Opfer des Altares. Wer Mich wahrhaft liebt, muß in diesem Opfer auch ein Herz mit Meinem Herzen sein, Opferhostie wie Ich. Das ist es, wo die Geister sich scheiden. Als Wundertäter des Leibes und irdischer Güter würde Ich auch heute der König aller Herzen sein. Darum muß von Zeit zu Zeit irgendetwas geschehen, damit der Glaube wieder auflebt, die Liebe neue Wurzeln faßt und der Stern der Hoffnung nicht untergeht."

 

Freitag, den 21. September 1962

Bin so elend, muß aber zum Arzt. Er sagt: "Heute darf ich Ihnen die Wahrheit sagen. Ich freue mich, daß alles so gut gelungen ist. Das war jetzt die schwerste und gefährlichste Arbeit. Von Anfang an war bei Ihnen eine Blutvergiftung. Darum war auch das Blut so schwarz. Bei dieser schweren Kiefernvereiterung hätten Sie in die Klinik gemußt. Es wäre Ihnen der Ober- und der Unterkiefer von außen aufgeschnitten worden. Das Gesicht wäre voller Narben gewesen. Vor dem habe ich sie bewahren wollen. So wagte ich eben etwas, und es gelang mir. Gestern das war der größte Vergiftungsherd. Dieser Zahn mußte jetzt heraus. Aber ich durfte keine Spritze setzen. So nahm ich andere Stellen, die aber nicht packten. Ich wußte, daß Herz und Nerven toben würden und es zu Kopf stieg. Da mußte ich Ihnen schon wehtun. Das wäre eine böse Sache geworden. Weil dieser Zahn in den Nebenzahn hineingewachsen war, brach er ab."

Heute bei der hl. Kommunion war es mühsam, weil der Mund nicht recht aufging. Jesus sagt: "Meine Leidensbraut, Ich freue Mich, daß ich dem himmlischen Vater Mein Leidensopfer vereint mit dem deinen zur Sühne für Meine kranken und verfolgten Priester darbieten kann. Wenn jede Seele sich mit Meinem hl. Opfer vereinen würde, wie groß und wertvoll würde jedes Opfer. Leiste Mir auch Sühne für die vielen Sakrilege, die verübt werden, besonders bei den schwarzen Messen."

"Mein Herr und Gebieter, das will ich gern tun. O wie leidest Du, welch eine Beleidigung und Herabsetzung für Dich." Wieder geht es in die Nacht hinein mit Schmerz und Weh. Heute gedenke ich auch meiner Mutter. Es ist der 27. Todestag. In der Nacht kommen alle verstorbenen Priester, die in meinem Leben standen und segnen mich, auch der Heilige Vater Pius X. Dann kommt eine, an die ich wohl nicht dachte: Therese Neumann. Sie lächelt mir zu und schaut mich traurig an. Das weiß ich nicht zu deuten. Sie sagt: "Du tust mir so leid. Dein Lebensweg war und ist ein schwerer. Du bist aber reich in Gott. Gern hätte ich dir damals Zutritt gewährt, aber Gott wollte es nicht. Nun komme ich zu dir." Sie ist fort. Wie freue ich mich, daß Resl kam. Ich fasse das noch nicht.

 

Samstag, den 22. September 1962

Sühnetag für die dem Herzen Mariä zugefügten Beleidigungen. Ich bin wieder beim Arzt zur Reinigung der Wunde und zur Bestrahlung. Er freut sich erneut, daß alles so gut gelungen ist. Er arbeitet heute wie auch gestern am Oberkiefer. "Was Sie da oben haben, ist meine Schuld. Da bin ich mit der Zange ausgerutscht." Daheim schaue ich in den Spiegel und entdecke eine Wunde im Oberkiefer mit Bluterguß. Auch das opfere ich für Mariens Lob und Ehre auf.

 

Dienstag, den 25. September 1962

Die Leiden der Dornenkrone sind schwer in den letzten Tagen. Es ist sieben Uhr abends, meine Kraft versagt auf einmal. Ich sitze in meinem Zimmer nur beim Schein des ewigen Lichtes. Meine Blicke wende ich zum Bild der Mutter mit dem geneigten Haupte. Ich sehe aber das Bild nicht, nur ein helles Licht, das sich bewegt. Wie ich noch nachdenke, was das sein mag, spricht Maria: "Ich bin es, mein Kind. Der himmlische Vater erfreut dich. Schaue einmal zum Himmelszelt hinauf." Leuchtend sehe ich des Vaters Stern. Der Stern, der 12 Sterne im Kranz verbindet, ändert sich. Ganz golden steht ein C am Himmel, dann ein H. Weiter bildet sich ein Buchstabe nach dem anderen, bis ich 'Christus' gelesen habe. Ich jubele auf vor Freude: "Vater, guter Vater, so verherrlichst Du Deinen geliebten Sohn. Willst Du Ihn ankündigen, daß er bald wiederkommt in Macht und Herrlichkeit. Würden das die Menschen jetzt sehen, würden sie glauben an Jesus Christus. Ich glaube felsenfest, was er uns zu glauben gebot. Ich liebe Dich, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dank, tausend Dank für diese Freude."

Dann ist alles eingehüllt in Gottes Allgegenwart. Wie wuchtige Berge und Dome zuckt es am ganzen Himmelszelt in grellem, weißem Licht. Eine halbe Stunde erfreut mich Gottes Allgegenwart, daß ich alle Schmerzen vergaß und nur lobte und dankte.

In der Nacht bin ich zum 29. Male in der seltsamen Stadt. Das freundliche Mädchen sehe ich wieder. Es sagt: "Heute führe ich dich in das Innere der Josefskirche. Das ist die Kirche mit den großen schlanken Türmen. Wir treten ein. Die Kirche ist gefüllt mit Frauen und Männern, die so arm aussehen. Sie sitzen alle auf einfachen Bänken. Das Innere der Kirche ist leer, die Wände so kahl, kein Schmuck. Kein Altar ist zu sehen, nur etwas, was aussieht wie eine Bühne. Auf einmal kommen Gestalten in roten Gewändern. Sie sprechen: "Wir führen jetzt die Geburt Jesu auf." Dann verstehe ich ihre Sprache nicht. Aus der ganzen Aufführung, aus Gebärden und Sprache entnehme ich nur Spott und Hohn. Das Volk lachte, ich fand es grauenhaft und rief: "Haltet ein mit eurem Spott. Hier wird das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes ein Zerrbild der Volksbelustigung. O wie arm seid ihr!"

So schön die Kirche nach außen erscheint, birgt sie im Inneren nichts. Hier wohnt Gott nicht. Ihr kennt Ihn nicht, sonst würden die Geheimnisse der Gottheit eure Seelen berühren und Liebe würde euch verbinden mit Gott. Sehnsucht ergriff mich immer, wenn ich diese Kirche sah. Nun bin ich geheilt. Zu dem Mädchen sage Ich: "Laß uns fortgehen. Hier kann man den Heiland nicht empfangen, weil er hier nicht wohnt. Ich habe große Sehnsucht und werde büßen für diese Spötter." Ich wache auf.

 

Freitag, den 28. September 1962

Gestern war ein besonderer Leidenstag für das Konzil. Meine Glieder, besonders mein Herz, werden oft durchbohrt.

 

Donnerstag, den 4. Oktober 1962

Bruder Nikolaus war gestern Abend noch kurz da. Er holte mich um 5.30 Uhr mit seinem Wagen für die Wallfahrt nach Banneux. Gestern Abend hatte ich eine Erscheinung, eine schöne weiße Braut. Sie trug eine weiße Blütenkrone. Ich kenne sie nicht und frage: "Wer bist Du?" Sie lächelt und sagt: "Kennst du die Anna nicht mehr?" Ich antworte: "Anna? Viele weiß ich in der Ewigkeit, die Anna heißen." Dann sehe ich sie auf dem Sterbelager. Es ist Anna aus dem Saargebiet. Sie sagt: "Ich darf euch begleiten auf der Wallfahrt. Ihr könnt mich auch anrufen. Ich empfing Gnade, meinen Brüdern und Schwestern zu helfen im Erdental." Ich frage: "Möchtest du hier auf Erden sein?" Sie antwortet: "Ich habe das Glück und den Frieden gefunden in Gott. Wer mit Gott vereint ist, trägt kein Verlangen mehr, noch einmal auf Erden zu sein." Segnend entschwindet sie.

Die Fahrt war durch den dichten Nebel mit Hindernissen verbunden. Das große Auto war unseren Blicken entschwunden. Bruder Nikolaus kannte die Fahrtrichtung nicht. Dann sah ich an einem Weg die Muttergottes und eine Schar Engel. Ich tröstete meine Brüder und Schwestern, daß Maria uns schon hinführen würde. Nach einer langen Strecke sehen wir ein Schild, das die Richtung nach Banneaux weist. Da spricht Jesus aus meiner Seele: "Beim Beten des schmerzhaften Rosenkranzes nahm Ich euch das Unangenehme der Fahrt hinein in die Leiden Meines Kreuzweges. Jetzt kommt ihr durch Maria in die Freude."

Am Gnadenort hatten wir Ausschau nach dem anderen Auto, aber es ist noch nicht da. Wir gehen zur Quelle. Ich bete: "O Maria, nun gib uns doch ein Zeichen, damit wir die anderen finden." Kaum hatte ich die Bitte ausgesprochen, da sehe ich meinen Seelenführer vorbeigehen. Bis 12.30 Uhr wohne ich dem hl. Opfer bei. Wie am Dreifaltigkeitssonntag nahm mich Jesus in Sein Opfer hinein. Bei der hl. Wandlung höre ich die Konsekrationsworte aus meinem Inneren. "Herr, habe ich recht gehört oder was ist mit mir?" Jesus sagt: "Kleine Braut, Ich bin es doch, der sich opfert. Ich spreche durch den Mund des Priesters, aber auch in der Seele, die ganz vereint ist mit Meinem Opfer, die mit Mir Opfergabe ist. Du wirst von dieser Stunde bei jeder hl. Wandlung die großen Worte hören aus deiner Seele. Ich bin die Wonne der reinen Seelen. Diese Wonne strahlt aus auf dich und löst dich noch mehr von dieser Welt."

Hingerissen bin ich von diesem Glück. So merke ich nicht, daß einer nach dem anderen fortging. Sie hatten Hunger. Eine Mitschwester hielt bei mir aus. Am Nachmittag bei der Andacht und Predigt sehe ich lange im Bereich der Quelle die Allgegenwart Gottes und darin Maria als die Jungfrau der Armen.

 

Donnerstag, den 11. Oktober 1962

Es ist der Tag, an dem ich vor 21 Jahren die vollkommene Hingabe an Maria machte. Es ist ein Tag der Freude durch Maria in Gott. Ich bitte die himmlische Mutter, Fürsprache einzulegen, daß ich den nun betretenen Weg durch sie ganz vollkommen gehen möchte, nur ganz wie sie nach Gottes Willen zu leben und zu handeln.

 

Samstag, den 13. Oktober 1962

Es ist der 20. Todestag meines Vaters. Ich gedenke seiner besonders. Dann bitte ich: "Mein Geliebter, Jesus Christus, wie soll ich den Tag heute nach Gottes Willen gestalten? Laß es mich doch erkennen." Jesus spricht aus meiner Seele: "Bis Ich dich frei mache, wird jeder Tag jetzt für dich eine lebende Kreuzwegstation sein oder ein geheimnisvoller Tag in einem Gesetz des hl. Rosenkranzes. Gib acht, wie sich dir alles zeigt, was du erlebst. Du wirst es erkennen." Ich danke. Ich bin so zerschlagen von der vergangenen Nacht. Die Nerven schmerzen. Der Engel der Gewalt erfleht mir Gewalt über mich. Kaum bin ich aus dem Haus, werde ich von einem jungen Mann mitgenommen, der seine beiden Tanten fuhr. Ich erkenne, ich stehe heute an der 8. Kreuzwegstation. Da habe ich es mit Frauen zu tun, die mir Mitleid und Güte entgegenbringen.

Nach der hl. Kommunion bitte ich Jesus, daß Er mich befreien möge von mystischen Zuständen, die noch Irrtümer hervorrufen können. Ich flehe: "Löse mich, mein Gott, von allem, was mir schaden kann, was nicht ganz gut und rein ist. Laß mich vollkommener werden, ganz von allem losgelöst zu sein, nur ein Nichts vor Dir zu sein." Wie ich unter Tränen so bete, vernehme ich eine Stimme: "Höre, was der Heilige Geist spricht: Ich bin, der Ich bin! Du kannst nicht anders sein, wie Gott es will. Gott, der Dreifaltige, der in dir wohnt, ist dein Himmel auf Erden. Im Himmel sind nur die wahrhaft Liebenden vereint in seligender Anschauung der Gottheit. Im Himmel der Seele, in der Gott allein über alles geliebt wird, kann die Seele auch nur im Willen Gottes vereint sein. So bist du Seele Wohnung, ja Thron der Gottheit. Wenn dein Herz oft Liebesseufzer am Tage und in der Nacht zu Gott sendet, wird der Vater, der Sohn und der Heilige Geist kommen, mit Liebe und Verlangen zu dir, weil du in Maria die Wohnung des Allerhöchsten bist. Es wird für Gott dein Herz und deine Seele der Ort Seiner Ruhe und Erquickung sein, ja sein Paradies und Heiligtum."

Auf dem Heimweg erfaßt mich Schwindel beim Druck der Dornenkrone. Eine Frau bemüht sich um mich und nimmt mir die Einkaufstasche ab. Es ist noch jemand gekommen. Man hat Mitglied mit mir und hilft mir. Die Nacht ist eine Leidensnacht.

 

Montag, den 15. Oktober 1962

Seit gestern ist eine Nichte hier mit ihren zwei Kindern. Sie klagt über ihr Leid, ist seit Jahren geschieden, weil mein Bruder es wollte. Mein Bruder hat den Glauben abgelegt. Sein Kind ist evangelisch, so nun auch die beiden Kleinen. Es tut mir leid um sie, weil sie so lieb sind. Die Nichte hätte sich nicht von ihrem Mann getrennt, möchte heute noch wieder von vorn anfangen. Er ist katholisch, hat aber wieder geheiratet und ist seit einiger Zeit flüchtig. Ich kann nur beten und leiden, daß alles gut wird.

 

Donnerstag, den 18. Oktober 1962

Heute bin ich frei von Leiden. In den letzten Tagen trat viel an mich heran von ungeratenen Kindern, von Zivilehen und Frauen in Kindesnöten. Heute ist der Tag für einsame und verlassene Priester, besonders jene, die in Verbannung sind. Ich leide in dieser Woche an großer Hinfälligkeit und Müdigkeit. So bin ich heute zu spät aufgestanden. Ich gehe nach Ittenbach, aber um acht Uhr ist keine hl. Messe. Bis acht Uhr dreißig bleibe ich in der Kirche und fahre dann nach Oberpleis. Dort bin ich auch allein. Traurig sage ich: "Herr, warum schlief ich und hörte nichts? Hast Du mir heute Deine Liebe entzogen? Du weißt, Gelieber, ich kann ohne dich nicht sein und leben."

Jesus sagt in mir: "Sei nicht traurig, Maria, Ich bin doch bei dir in deinem Tempel mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Ich prüfte dich in der Liebe und Opferbereitschaft. O ich liebe es, wenn man Mich sucht. Wer ausharrt, von dem lasse Ich Mich auch finden. Bringe nun Gott das Opfer in deiner Seele dar. Ich werde dich trösten und du wirst die Süße Meines Herzens verkosten."

Heilige Messe in mir, unaussprechlich. Mein Blick wird gehoben, Licht hüllt mich ein. Im Lichte steht der Name 'Jesus'. Dann fühle ich die Vereinigung. Jesus ist eingekehrt. Tränen der Freude fließen.

 

Sonntag, den 21. Oktober 1962

Heute bin ich in der Wallfahrtskirche zum hl. Judas Thaddäus in Heisterbacherroth. Es ist Beginn der Festoktav mit Prozession nach dem Levitenamt. Das Festthema lautet: "Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche und die Gemeinschaft der Heiligen."

Es spricht der Geist Gottes in mir: "Das ist es, worin du stehst in dieser Woche. Hinzu kommt noch: Nachlaß der Sünden."

So voller Freude bin ich. Dank heute besonders Dir, mein Gott, daß ich Kind der wahren Kirche Jesu Christi bin. Mein Leben, mein Lieben und Leiden gehört ihr, durch die ich durch Maria im Heiligen Geist so reich an Gnaden wurde.

 

Montag, den 22. Oktober 1962

Krampfzustände waren fast die ganze Sonntagnacht als Sühne für jene, die ihren Glauben verleugnen und abgelegt haben. Jesus sagt zu mir: "Es kommen Stürme über dich, die am Fundament deines Glaubens rütteln werden. Du aber streite für mich und bekenne die Wahrheit. Heilig ist Meine Kirche, weil Ich, der Heiligste, sie auf Petrus, den Felsen gebaut habe und weil der Dreieinige darin wohnt, geheimnisvoll, gewaltig, gütig, barmherzig, sich schenkend in Liebe. Katholisch, das ist Meine Kirche. Mein Geist, der ruht auf ihr, der Geist des Guten Hirten, der alle Völker in ihr vereint. Das wird ein großer Tag. Der Tag steht nahe bevor. Auf 12 Säulen ist Meine Kirche gestützt, die Apostel heißen. Mit Macht und Gewalt habe Ich sie ausgerüstet, darum steht sie fest, Meine Kirche. Sie steht ja im Zeichen der Einheit der einen von Mir gegebenen Lehre und Gebote. Siehe, Ich erwählte auch dich als Kind Meiner wahren Kirche. Auch du bist ein Baustein in dieser Welt und Gotteskirche, der leuchten muß, damit noch viele zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen."

 

Dienstag, den 23. Oktober 1962

Die Arbeit fällt mir heute so schwer, aber alles, wie Gott will. Während die Wäsche kocht, gehe ich ein wenig hinaus, und Gott lobend und preisend schaue ich hinauf zum Himmel. Ich habe große Sehnsucht, möchte die Welt verlassen, möchte bei Gott sein. Da hüllt mich wieder die Allgegenwart Gottes ein. Das ganze Firmament zuckt im Leuchten, in dem der Allgegenwärtige zugegen ist. Ich erhebe meine Hände und spreche: "O mein Gott, Gewaltiger, Liebender und Gütiger, wie erfreust Du mich armes, kleines Menschenkind. Sei gelobt und gepriesen!" Nun weiß ich nichts vom Leid, fühle nichts als Andacht, Liebe und Freude.

 

Mittwoch, den 24. Oktober 1962

Es ist fünf Uhr dreißig, als ich aufstehe. Ich bin schon eine Stunde wach, aber ganz lahm. Jetzt muß ich aus dem Haus gehen. Die Schutzengel sagen mir: "Gott wollte es so, gehe zur Kapelle, es ist noch Zeit genug." Um kurz nach acht war noch eine hl. Messe im Krankenhaus.

Nun war ich zum 32. Mal in der seltsamen Stadt. Das freundliche Mädchen steht an meinem Bett und sagt: "Da bin ich wieder! Gestern dachtest du: 'Ich werde die Gedanken an diese Stadt ausschalten.' Das kannst du nicht, weil deine Gedanken ausgeschaltet sind und nur der Wille Gottes dich führt und leitet. Komm nun mit mir. Wir fangen da an, wo wir zuletzt stehengeblieben sind."

Wir sind dort, wo die drei Kirchen im Winkel stehen. Ich sehe auch die Männer wieder, die ausschachten. Sie sehen uns nicht, weil wir durch einen schmalen Gang gehen. Nun geht es nur durch schmale Gassen, so schmal, daß nur zwei nebeneinander gehen können. Es ist dunkel hier. Ich kann nur sehen durch das Leuchten, das von dem Mädchen ausgeht. Je weiter wir gehen, desto steiler ist der Weg. "Wo sind wir hier? Warum ist es so dunkel? Wie seltsam sind diese Häuser."

Das Mädchen sagt: "Hier sind die Verlassenen. Sie haben Gott verlassen, aber im Sterben noch Gnade erlangt. Weil sie das Licht des Glaubens auslöschten auf Erden, haben sie hier kein Licht. Sie erhalten nur Licht durch Seelen, die leuchten im strahlenden Gewand des Glaubens. Wie oft rief Gott sie zur Anbetung in Seinem Hause. Sie wollten nicht. Weil sie das Licht und die Sonne des Lebens nicht wollten, sind sie nun verurteilt und seufzen nach dem ewigen Licht und der Sonne des Lebens. Keiner kann den anderen trösten, weil sie des Trostes beraubt sind."

Ich komme zu mir. Es ist fünf Uhr dreißig. Am Nachmittag bete ich im Vertrauen zu Maria den großen Akt der vollen Hingabe. Auf einmal habe ich einen Krampf im linken Bein. Es wird schlimmer. Der Krampf zieht durch den Leib und Rücken in die Arme und lähmt und krümmt die Hände. Der Zustand wechselt mit der Stellung. Ich kann nur kleine Schritte gehen, aber dann stehe ich wieder. So stehe ich bei meinen Stationen und bete: "Herr, wenn Du mich in Dein Kreuzesleiden nimmst, ich bin bereit. Du weißt aber, wer zu mir kommt, doch wie Du willst." Zweimal wird mein Kopf durchbohrt. Das war alles sehr schmerzhaft, daß schon die Tränen kamen.

Dann spricht Jesus: "Du wirst nicht eher befreit, bis dein Seelenführer dich frei macht. Er muß auch diesen Sühnezustand sehen. Ich zeige ihm, wie groß die Macht seines Segens ist. Du bringst Gott Sühne dar für die Sünden, die du in der Sühnebeichte nennst, für die Sünden des Ehebruchs und der Kindestötung. Das Kind, das im Mutterleib getötet wird, windet sich auch in Krämpfen und Durchbohrungen."

"O Jesus, ich danke Dir, daß ich sühnen darf. O könnte ich doch die Sünder aufrütteln, damit sie die Größe ihrer Schuld erkennen." Fast anderthalb Stunden durfte ich sühnen. Dann erhielt ich den Segen. Aber es war noch nicht so spürbar. Ich bete still: "Herz Jesu, ich vertraue auf Dich!" Der Krampf kam zurück und ging über das rechte Bein. Ich bekomme den zweiten Segen. Da geht es wie neue Kraft durch den ganzen Körper. Der Krampf löst sich.

Abends um acht Uhr spricht Jesus: "Der erste Segen war nicht gleich wirksam, weil dir Hilfe angeboten wurde durch Meinen Priestersohn. Ein Opfer muß vollkommen sein ohne Hilfe." – "Herr, es war gut gemeint, ja, auch Du hattest nichts Bequemes. Ich muß noch lernen, muß noch mehr erkennen, was es bedeutet, in Dich umgewandelt zu sein. Habe ich dadurch an Opferwert verloren?"

Jesus: "Nein, Meine Braut, durch den doppelten Segen wurde es wertvoller. Du folgtest dem Priester im Zeichen des Gehorsams. Er aber brachte dir Verstehen, Hilfsbereitschaft und Güte entgegen durch seine Segenskraft. So ist dieser Tag heute für euch ein Tag reich an Gnaden, die St. Raphael euch erflehte. Empfanget nun den Segen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes durch Maria eure Mutter und Königin."

 

Sonntag, den 28. Oktober 1962

Gemeinschaft der Heiligen! So ist es schon vier Tage. So entrückt bin ich immer. Im Gebet und in der Betrachtung bin ich umgeben von Gestalten der Heiligen. Das steigert die Sehnsucht nach Gott. Wenn dieser Zustand bliebe, würde er zum Tode der Liebe führen. Heute bin ich wieder in Heisterbacherroth zur Schlußfeier. Die Kirche ist überfüllt. Die Wallfahrt ist für alle in der Familie und Verwandtschaft, die Gott fern sind. Das Schöne, das Heilige und himmlisch Freudige der letzten Tage ist plötzlich fort. Schwer legt es sich auf mein Gemüt.

Jesus sagt: "Man hält Gericht über dich. Bete für sie, damit sie im Gerichte bestehen."

Nach der Feier treffe ich Gretchen W. Sie sagt: "Ich wage es nicht mehr, zu dir zu kommen, weil ich treulos geworden bin." Ich antworte: "Dann muß man eben wieder treu und gehorsam werden. Gehorsam ist das größte Opfer. Ist da denn so schwer?"

 

Donnerstag, den 1. November 1962

Allerheiligen. Am Sonntag stand ich in der Wallfahrtskirche fast anderthalb Stunden in der Zugluft. Ich bin so krank geworden, daß ich vor Nervenschmerzen nicht gehen konnte. Das Schwere im Gemüt hält an. Schweißausbrüche und beklemmende Angstzustände sind hinzugekommen. Ich sehe Jesus in Todesangst am Ölberg und weiß, daß es in dieser Woche mein Sühneleiden ist, an diesem Seinen Leiden teilnehmen zu dürfen. Auch habe ich Nachricht erhalten, welche Lügen und Verleumdungen über mich verbreitet wurden ... Mein Jesus, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

 

Samstag, den 3. November 1962

Heute ist es besonders schwer. Wie Zentnerlast liegt es auf meinem Gemüt. Der Teufel ist um mich. Ich höre: "Quäl dich doch nicht so. Was gehen dich die anderen an. Laß dir das nicht gefallen. Das ist dein gutes Recht. Zeige ihnen, wer du bist." Ich bitte und bete zur Gottesmutter, mir zu helfen, die böse Macht zu vertreiben. In meinem Beten trifft mir ein Licht. Ich wende mich um und fahre erschreckt zusammen. Da steht sie, die Jungfrau der Armen, bei dem Heilig-Blut-Banner. Nur einen Moment sah ich sie. Da war sie wieder fort. Ich weiß es nicht zu deuten, aber alles Schwere ist von mir genommen. Maria tat es.

 

Sonntag, den 4. November 1962

Im Gebet gab Jesus mir die Weisung, was ich machen soll. Er sagt: "Mache eine Wallfahrt für den Heiligen Vater. Der Tag wird auch für dich groß und gnadenreich sein." So gehe ich um acht in die hl. Messe in die Pfarrkirche. Um neun Uhr fahre ich vom Kirchplatz nach Heisterbacherroth und komme bei der Opferung ins Hochamt. Danach fahre ich über Dollendorf nach Königswinter. Ich komme in die Kirche beim Te Deum. Um elf Uhr fünfzehn war die letzte hl. Messe, der ich beiwohnte. So bekam ich zweimal den sakramentalen Segen. Ich dankte für die Gnaden und betete besonders für den Heiligen Vater.

Jesus sagte: "Nun verstehst du, Maria, als Ich vor der Wahl des Oberhaupts der Kirche sagte: 'Es ist der, der dreimal das L trägt.'" – "Ja, Herr, ich verstehe es. Mögen nun in der großen Stunde, die durch das Konzil gekommen ist, bald die Völker eins werden durch die Liebe des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."

 

Freitag, den 9. November 1962

"Der für uns gekreuzigt worden ist." Vier Tage darf ich teilnehmen an den Leiden der Durchbohrung der Hände, Füße und des Herzens Jesu für die verlassenen Priester im Fegefeuer. Die Durchbohrung der Hände litt ich für jene, die ihre geweihten Hände mißbrauchten. Die Durchbohrung der Füße litt ich für jene, die sich abwandten vom hl. Berg des Opferaltares und auf Irrwege kamen. Die Durchbohrung des Herzens litt ich für jene, die Berufspriester waren und dem göttlichen Herzen Lauheit und Gleichgültigkeit entgegenbrachten.

Jesus spricht: "Betrachte Meine durchbohrten Hände. Segnend sind sie ausgestreckt über alle Erlösten. Alles habe Ich an Mich gezogen, aber nicht alle wollten diese Meine Liebe erkennen. Ich, der Hohepriester, breitet Seine noch immer blutig durchbohrten Hände aus im Opfer auf dem Altar. Darum ist der Priestersegen in der hl. Messe so unendlich groß, weil er Mein Kreuzessegen von Golgotha ist. So können auch nur geweihte Priesterhände diesen Segen erteilen, weil er der höchste ist. Sind diese geweihten Hände durch Sünde mißbraucht, so ist es auch Mißbrauch höchster Gnade und muß gesühnt werden.

Siehe Meine durchbohrten Füße. Meine Braut, du weißt um Meine Wege und Wanderungen auf Erden. In Meinen Priestern gehe ich noch immer diese Wege, die oft beschwerlich sind. Es sind ja Opferwege. Ich sah aber jene, die sich abwandten und zum Verräter an Mir wurden. Gebet und Sühne der Opferseelen brachte viele wieder zur Umkehr. Was sie nicht mehr auf Erden abbüßten, muß nun am Ort der Läuterung geschehen. Groß ist die Zahl am Orte der Läuterung, die noch büßen, weil sie nur Berufspriester und nicht Priester nach Meinem Herzen waren. Priesterwürde kann nicht erkauft werden, sondern sie ist, wie Ich schon sagte, höchste Gnade. Nur die Liebe, die eins mit Meinem Herzen ist, kann helfen, daß diese Priester zur Gottesanschauung gelangen."

 

Samstag, den 10. November 1962

Schwer sind meine Glieder, als ich erwache. Beim Aufstehen gerate ich ins Taumeln. Ich lege mich wieder hin. Ich weine und wende mich an die Gottesmutter: "O Maria, ich habe wieder versagt. Wird der Herr mir Seine Liebe wieder entziehen? Habe ich zu wenig getan?" Maria sagt: "Jesus wird dir Antwort geben und neue Kraft." Ich warte und glaube. Es ist fast acht Uhr, als ich belebende Kraft spüre. Dann spricht Jesus: "Das Leidensopfer für Meine Priester im Fegefeuer nahm Ich bis zur Stunde von dir. Du bist jetzt frei. Heute ist ein Freudentag für dich. Gehe hinauf nach Ittenbach. Ich bin mit dir."

Ich glaube und tue, wie mir gesagt. Bin kaum aus dem Hause, da läuten die Glocken von Ittenbach. Ich weiß nicht, ob es ein Beerdigungsamt ist oder ein Brautamt. Es ist neun Uhr zwanzig, als ich die Kirche betrete. Der Priester ist gerade an den Altar getreten. Nun habe ich wieder Freude und danke für diese Gnade.

Jesus spricht in meine Freude: "Nicht leicht ist der Weg der vollkommenen Umwandlung in Mich. Der Weg wird für dich oft noch bitter sein wie der Tod und qualvoll wie die Hölle. Oft wird es ein Weg sein von langen Strecken, ein Weg ohne jeglichen Trostes. Es scheint oft, als wärest du von Gott verlassen. Du muß dich bewähren, auch dann sündenrein und im Willen Gottes zu leben. Ich lasse es zu, daß der Versucher in manchen Formen von Weltfrieden an dich herantritt. Man meint es gut. Du sollst auch noch etwas vom Leben haben. Du hast deinen freien Willen, hast Meine Gnade und Kraft, hast einen hohen Grad der Erkenntnis. Es liegt in deiner Hand, nicht von diesem Wege abzuweichen, den du durch und mit Maria gehst."

 

Sonntag, den 11. November 1962

"Heiliger, dreifaltiger Gott, ich lobe und preise Dich und bete Dich an, von nun an bis in Ewigkeit." Tag der Freude in Gott. Zitternd und doch mit jubelnder Seele nahe ich mich der höchsten Liebe. "Du o unermeßliche Liebe, so unruhig ist mein Herz. Laß es ruhen in Dir, Gott der Liebe und des Trostes." Stille ist in mir, heilige Stille. Ich bin ja Dein Tempel, ich bin Dein Altar, die Opferstätte Deines Sohnes, Vater. Ich trage Jesus als göttliches Samenkorn. Ich spüre die Fülle und gebe mich der Freude hin, die ich in mir trage. O süßes Geheimnis, mit Sehnsucht erwarte ich die große, heilige Stunde.

Der Geist Gottes antwortet: "Der Weg dieser reinen Liebe wird zuerst durch das Tor des Herzens, der Abweisung und der Erbarmungslosigkeit schreiten. Maria ging zuerst den Weg. Du folge ihr. Schenke dem Vater Seinen Sohn im immerkehrendem Wunder der Heiligen Nacht, in ihrem heiligen Schweigen, in ihrem großen Geheimnis. Still und verborgen sei noch mehr dein Leben, dein Lieben in Gott. Am großen Tag wirst du ganz aufgehen im Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes und einhüllen wird dich die Gnadenfülle der unermeßlichen Liebe."

"Gepriesen sei Gott der Vater und Gottes eingeborener Sohn und auch der Heilige Geist, denn Barmherzigkeit hat er an mir erwiesen."

 

Samstag, den 17. November 1962

"Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen." Trauer, Todesängste, Verlassenheit und Schmerzen. So qualvoll sind Tag und Nacht. Ich bin froh, wenn ich nach langem Beten und Betrachten schlafen kann. Wache ich auf, ist das Schwere wieder da. Dann bitte ich Gott um Verzeihung, weil ich mich nach Schlaf sehne. Es ist natürlich, aber ich weiß, ich bin anders geformt, es entspricht nicht dem Opfergeist. Jesus hat es mir angedeutet, daß diese Zustände kommen. Nein, ich darf nicht schwach werden. Nimm, Herr, wenn Du willst, und es Dir gefällt, durch die Hände Mariens mein unwürdiges, schwaches Opfer an und mache es wertvoll für die verlassenen Seelen im Fegefeuer und für die Sterbenden. Heute fühle ich mich so elend, so lahm, ich möchte liegenbleiben. Es ist Samstag, ich muß noch für den Sonntag einkaufen. "Herr, gib mir die Kraft, daß ich gehen kann. Ich sehne mich nach dir. Ich kann ohne Dich nicht sein."

Jesus sagt: "Ich bin mit dir. Du wirst Mich empfangen und dann wird die Freude mit Mir in dein Herz einkehren." Ich vertraue und gehe. Nach der hl. Kommunion wird das Schwere genommen und Freude erfüllt mich. War im Brautamt, das sehr schön und feierlich war.

 

Sonntag, den 18. November 1962

Es ist vor der hl. Wandlung. Über dem Hochaltar sehe ich drei leuchtende Kugeln, gleich Sonnen. Nach der Wandlung sind sie fort. Ich kenne noch nicht ihre Bedeutung. Als ich heimkomme, bin ich überrascht, daß Besuch von Alsdorf da ist. Man fragt, ob ich niemanden gesehen habe. Mein Bruder Willy hat ein neues Auto. Damit fuhr er zur Kirche, um mich abzuholen. Sie haben mich nicht gesehen, obwohl sie an den Türen waren. Ich sagte: "Das habe ich schon mehrfach erlebt, daß man mich suchte und nicht sah. Da hat mich eben der liebe Gott vor euren Augen unsichtbar gemacht. Im zweiten Fall, mein lieber Bruder, hast du auf diesem Weg doch einmal die Kirche wieder betreten." Man schaut mich nur an.

Am Abend spricht Jesus: "Du gingst an der Nichte vorbei und sie sah dich nicht, weil Ich es nicht wollte. Ich zog dann deinen Bruder ins Gotteshaus hinein. Beim Segen war es deine Bitte, der Seele Anteil zu geben, die es am nötigsten hat. Er bekam den Segen. Er stand ja bei den Männern. Die Gnade hat sein Herz berührt. Das macht ihn mit jedem Tag unruhiger. Er wird öfter kommen, weiß aber noch nicht warum. Er steht nun im großen Advent seines Lebens. Ich habe dich, Meine Braut, ausersehen, für ihn zu leiden nach den Freudentagen der Weihnachtszeit. Ich weiß, du bist bereit. Er wollte dir eine Freude machen, dich abzuholen in seinem neuen Wagen. Ich werde ihm beweisen, womit er dir Freude bereiten kann. Du aber folge keiner seiner Einladungen."

 

Montag, den 19. November 1962

Am Abend vor dem Abendgebet sagt Jesus: "Bereite dich vor, Maria. Dein Advent wird schwer. Du nimmst teil am Leidensweg deiner himmlischen Mutter vor Meiner Geburt. Dieser Weg nimmt dir etwas, was du noch besitzt an Behaglichkeit. Noch mehr wirst du allem entäußert. Es wird dir klar werden, daß die wahren Werte des Menschen erst da errungen werden, wo er mit heldischem Entschluß sich ganz der Führung und dem Willen Gottes hingibt." – "Herr, Dein Wille geschehe!"

 

Mittwoch, den 21. November 1962

"Ich ruf Dich, mein Herr und Gott, mein König, der Du im Himmel thronst. In meiner Verlassenheit und Stille erfahre ich, wie groß die Fülle Deiner Süße ist. Du gibst sie denen, die Dich lieben und Dir dienen. Ich danke Dir, daß Du meinen Lebensweg so bestimmt hast. Ich werde in Deinem Willen den Weg so weitergehen bis zu den Höhen Kalvariens. Dann machst Du mich frei für den Höhenflug zu Dir."

Der Geist Gottes antwortet: "Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. Hast du alles vollkommen abgelegt, dann gehörst du zu diesen glücklichen Armen. So arm geworden, wirst du reich durch und in Gott, im Geiste Mariens, im Heiligen Geist!"

 

Donnerstag, den 22. November 1962

Der Geist Gottes spricht: "Maria, dir fehlt noch vieles. Du stehst ja noch in der Entfaltung, im Wachstum der Tugenden. Wende dich immer wieder wie eine Blume der Sonne zu, Jesus Christus, dem Bräutigam deiner Seele. Stelle noch immer mehr dein Verlangen und Begehren nach Seinem Wohlgefallen ein. Keine andere Sehnsucht darf dich mehr beherrschen als die zur Ehre Gottes. Du wirst erkennen und zufrieden sein, wie Gott alles fügt. So nur wirst du vollkommen frei. Eigenliebe und Eigensucht finden keinen Raum mehr."

"Heiliger Geist, Gott der Liebe, vom Vater und vom Sohne ausgehend, führe und heilige mich. Ich sehe es ein, wenn es auch schwer zu verstehen ist, daß ohne Kampf und Herzeleid mein Leben nicht die Nachfolge Jesu Christi ist."

 

Freitag, den 23. November 1962

Von Dienstag bis heute habe ich ziehende Schmerzen, als würden mir die Adern ausgezogen. Jesus sagt heute: "Es ist die Teilnahme Meiner Schmerzen im Mutterschoße Mariens. Um der Kinder willen, die durch Gewalttaten leiden im Mutterschoße, litt auch Ich für sie und büßte schon die Sünden vieler erbarmungsloser Mütter. Leide es in diesen Tagen für die Vergnügungssucht, Gefallsucht und Müßiggang, wodurch viele Kinder das Licht der Welt nicht erblicken."

 

Sonntag, den 25. November 1962

Meine Seele schwingt sich hinauf zu den Höhen, zum dreifaltigen Gott: "Die ganze Schöpfung, mein Gott, ist ein großer Tabernakel. Du bist allgegenwärtig. In Demut bete ich Dich, verborgene Gottheit, an. Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit. Jesus, ich bin bei Dir in Deinem Heiligtum. Hier knie ich vor Deinem Tabernakel, der Du hier wohnst. Deine Wohnstätte schlugst Du auf unter den Menschenkindern. In Demut bete ich Dich, verborgene Gottheit, an. O ich bin ja auch Dein Tabernakel. Da wohnst Du mit dem Vater und dem Heiligen Geist. So darf ich beten: In tiefster Ehrfurcht und Andacht bete ich Dich verborgene Gottheit an. Du bist ja immer bei mir. Ich habe das Wort Jesu: Wenn jemand Mich liebt, wird auch Mein Vater ihn lieben, und wir werden kommen und Wohnung bei ihm nehmen."

Der Geist Gottes spricht: "Barmherzigkeit ist dir erwiesen, weil du viel geliebt hast. So sei immer Tempel und Tabernakel, wo Gott sich gern verbirgt. Sei Thron für Seine Majestät. Sei Heiligtum für Seine Größe und Heiligkeit. Sei Palast für Seine Würde. Sei Paradies für Seine Wonne und Freude. Sei Ort der Ruhe und Erquickung für die Vereinigung Seiner Liebe mit dir."

"Geist Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, welch unverdiente Liebe und Güte, welcher Trost und Freude wird mir geschenkt. Segne mich, Gottvater, der Du in mir wohnst, mit Deiner Allmacht. Segne mich, Gott Sohn, der Du in mir wohnst, mit Deiner Weisheit. Segne mich, Gott Heiliger Geist, der Du in mir wohnst mit Deiner unendlichen Liebe. Laß diesen Segen auch kommen über meinen Seelenführer und Bruder Johannes Maria von der heiligsten Dreifaltigkeit. Unter seiner Führung betrat ich ja erst den vollkommenen Weg."

Ich höre: "Er lebt in diesem Segen und gibt ihn weiter durch die Macht und Kraft des Allerhöchsten. Weil du aber gebeten hast, werde Ich die Macht und Gewalt seines Segens noch erhöhen."

 

Montag, den 26. November 1962

"Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist." Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. O Liebe, die Du verborgen in mir lebst, ich danke für die Schmähung, die mir durch den Brief von NN heute zuteil wurde. Ja, Du bist es, der mich auch durch dieses Tor des Hasses, der Abweisung, Erbarmungslosigkeit und Lüge sicher hindurchleitet. Wenn ich nichts mehr habe, wenn man nichts Gutes an mir läßt, dann wird mein Nichts noch mehr in Deiner Liebe ruhn, dann wird mein Willen mit dem Deinen noch mehr geeint sein. O meine gekreuzigte Liebe, leise öffne ich jetzt meine Tabernakeltür, um bei dir Trost zu suchen in den Anfechtungen. Wenn alles sich abwendet, mich verläßt, Du allein beibst mein Trost, mein Glaube, meine Liebe.

Jesus sagt: "Fürchte nichts, Maria! Schweige ob der Anklagen, so wie Ich schwieg. Wer verurteilt in diesem Geiste, auf den fällt alles zurück. Die Wahrheit trägt doch den Sieg davon. Mit dem Vater und dem Heiligen Geist bin Ich immer bei dir. Immer mehr gestalte Ich dich um in Mir. Wenn der Vater Mein Bild ganz in dir findet, wird er sagen: 'Dieses ist Mein geliebtes Kind, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe.' Glaube und vertraue weiter, du wirst Gnaden empfangen von Gott, die Gaben der höchsten Liebe sind. Wirke nur treu und ergeben mit, damit wirst du ein Meisterstück der Gnade, ein lebendiges Loblied auf die Herrlichkeit und Macht der göttlichen Gnade."

"Was bin ich, o mein Dreifaltiger Gott, daß Du mich so hoch erhebst. Ja, reinige, erleuchte und stärke mich, daß ich durch die Liebe stets inniger mit Dir vereint werde."

 

Freitag, den 30. November 1962

"Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen." Das Herz versagt seit Tagen. Gedankt habe ich Dir, mein Gott, für alle Bosheit, alles Leid, aber das arme, schwache Herz hat doch versagt. Du sahest, wie weh es mir doch getan, beleidigt zu werden von jenen, die mir ganz nahestehen. Wie schwer trifft es Dich aber, jeden Tag beleidigt zu werden von so vielen, die Du besonders liebst, die Dir die Treue gebrochen haben."

Jesus sagt: "Der Seelenschmerz ist auch ein großes Stück von Meinem Kreuz. Es brach doch Mein Herz im Tode durch alle Bosheit und Pein, durch alle Schmach und Verspottung. So ließ Ich dich teilnehmen an diesen Leiden, die Ich immer noch erdulde von Meinen Priestern."

 

Sonntag, den 2. Dezember 1962, 1. Advent

Gestern und heute gedenke ich des Heiligen Vaters. Ich erkenne nun, warum ich am 4. November für ihn die Wallfahrt machen sollte. Ich freue mich, daß ich schon im voraus für seine Krankheit ein wenig tun durfte. Erhalte ihn, Herrn, noch Deiner Kirche und seiner Herde. Laß die Krankheit weichen und schenke ihm noch Jahre des Segens und der Gnade.

Am Nachmittag kommt Besuch von Niederpleis. Von ihren Gesichtern lese ich das Leid. Ich muß trösten und aufrichten. Sie lernen, dieses Kreuz zu lieben und sich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Wir halten eine schöne Andachtsfeier und gedenken besonders der Kranken.

Am Abend läßt Maria mich hineinschauen in ihren ersten Advent. St. Josef kennt nun das große Geheimnis. Beide beten das göttliche Kind im Schoße Mariens an. Es ist ein schönes Bild, wie eine ewige Anbetung. Ein Bild der Stille und Verborgenheit. Ich sehe im Ort ein anderes Bild. Wie hat Maria gelitten, wie ist sie beschimpft und beleidigt worden. Verhöhnt wurde sie und verlacht. Sie aber schwieg zu allem und hütete ihr großes Geheimnis. Sie wendet sich ganz zu mir. Ich sehe eine zarte, liebliche Mädchengestalt. Rein sind ihre Züge, engelrein. Ich kann nicht anders, ich spreche: "O Maria, reine Lilie, du Blume der heiligsten Dreifaltigkeit, die Züge der höchsten Gnade trugest du. Warum sahen es die Menschen nicht. Warum verachteten sie dich und betrachteten dich mit lachendem Hohn?"

Maria spricht liebevoll: "Du fragst, mein Kind, warum? Sie erkannten nicht, weil die Liebe in Haß gewandelt war. So lieblos, wie heute die Menschheit ist, so war sie damals auch. Wer kannte sie noch, die wahre Liebe, die sich an den anderen verschenkt, alles hingibt und für sich nichts verlangt. Weil Gott nur Liebe ist, darum erbarmte Er sich der Menschen, aber es erkannten Ihn nur jene, die Ihn wahrhaft liebten und nach Erlösung sehnten. Wäre das Geheimnis der Menschwerdung Christi gleich erkannt worden von allen, wäre es kein Geheimnis mehr gewesen. Alles Große, Gewaltige und Geheimnisvolle von Gott, in Gott und durch Gott entfaltet und vollendet sich im Verborgenen. Er selbst offenbart sich in Seinen Wunderwerken, in der Stunde Seiner Selbstverherrlichung denen, die reinen Herzens sind, die von Seiner Liebe getragen werden.

Ich, die von Seiner Liebe getragen wurde, ich war auserwählt, die höchste Liebe zu tragen und sie der Welt im Geheimnis der Menschwerdung zu schenken. Wahre Liebe sollten die Menschen wieder empfangen durch Ihn, die Liebe, die von Gott ausgeht, die Geschöpf und Schöpfer vereint auf Erden in Erfüllung Seines Willens und einst in ewiger Anschauung. Träger der Liebe sind zugleich Träger des Kreuzes. Liebe und Haß stehen immer beieinander, bis der letzte Advent vorüber ist. Weil die Welt Gott nicht erkennt, vielmehr nicht erkennen will, sieht sie auch an den Trägern Seiner Geheimnisse nicht das Zeichen der Liebe, sondern Torheit, Einbildung, krankhafte Störungen des Geistes. Siehe, das ist auch dein neuer Weg. Sie kennen dich unter und mit denen du lebst und kennen dich doch nicht. Das ist Mariasein, gekannt und geliebt, aber auch verachtet und abgelehnt sein. Nun denke nach über meine Worte. Bewahre sie in deinem Herzen, wie ich sie alle bewahrte. Empfange meinen königlichen Segen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

 

Mittwoch, den 5. Dezember 1962

Es ist vier Uhr dreißig. Ganz enttäuscht wach ich auf. Ich war zum 33. Mal in der seltsam Stadt. Ich sehe die Josefskirche, die immer meine Sehnsucht war. Sie berührt mich nicht mehr, weil ich weiß: Gott wohnt nicht dort. Allein gehe ich durch die erleuchtete Straße, wo die Bäckerei ist. Da kommt mir eine große Schar Schwestern entgegen. Es sind Franziskanerinnen. Ich freue mich, fühle mich zugehörig, weil ich ja Terziarin des 3. Ordens des hl. Franziskus bin. Sie kommen auf mich zu. Eine nimmt mich bei der Hand und sagt: "Schwester, komm mit uns, du gehörst zu uns."

Überglücklich gehe ich mit, die Straße zurück zu dem Platz, wo der schöne, blumengeschmückte Altar steht. Dem Altar seitlich links gegenüber erblicke ich ein längliches, einstöckiges Holzgebäude. Wir treten ein. Alles entspricht dem Zeichen der Armut. Eine kleine Zelle weist man mir an. Ich bin froh und sage: "Endlich ist meine Sehnsucht gestillt. Nun habe ich es doch noch erreicht und bin jetzt eingekleidete Ordensschwester." Ja, in diesem Moment trug ich das Ordenskleid. Dann komme ich zu mir. Ich bin so enttäuscht. Ich blicke zum Bildnis der Mutter mit dem geneigten Haupt: "Mutter Gottes, meine gute Mutter, verstehst du meine große Enttäuschung? Ich sah mich als etwas, was ich nicht wirklich bin. Was soll das bedeuten?"

Das Bild wird lebendig und Maria sagt: "Dein Weg ist der meine, der vollkommene im Willen Gottes. Dieser Weg muß so rein sein, daß er durch nichts getrübt wird. Die Sehnsucht, als eingekleidete Schwester Gott zu dienen, muß du noch ablegen. Die Sehnsucht ist keine Sünde, aber den Willen Gottes zu erfüllen, kannst du nur da, wo er dir den Weg bereitet hat. Du wirst es mehr erkennen."

 

Donnerstag, den 6. Dezember 1962

Über die Worte Mariens dachte ich nach und erkannte, daß ich diese Sehnsucht begraben muß. Ich will es, und ich kann es. Ganz der Wille Gottes soll an mir geschehen. Wie Maria will ich sprechen: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn!" Keine andere Sehnsucht soll mich mehr beherrschen, als die nach Gott. Bei der Betrachtung am Abend über die vollkommene Losschälung von allem, spricht Maria:

"Mein Kind, gehe so deinen Weg weiter. So erfreust du mein Mutterherz und das Herz deines Bräutigams, Jesus Christus. Siehe, wie gern wäre ich einst Tempeljungfrau geblieben, aber als ich den Willen Gottes erkannte, fiel jedes andere Verlangen und jede andere Sehnsucht. Wie ich, überlasse es weiter Gott, wie Er dich haben, sehen und formen will. Gerade an Seelen, die die unverständlichsten Wege gehen, erweisen sich die größten und heiligsten Eigenschaften Gottes. Du betest jetzt so oft: 'Werde Licht Jerusalem, denn es kommt dein Licht!' Gott wohnt im Licht, ist Licht und kommt als Licht zu dir. Durch Ihn wirst du Licht, mußt es auch sein, wenn du Ihn ewig sehen willst. Ich bin die Stadt Gottes, das ewige Jerusalem. Die Seele, sie sich meiner Führung und Leitung ganz überläßt, ist ein Baustein im neuen Jerusalem. Wenn ein Baustein in den anderen eingefügt ist, wird bis zum Ende der Zeiten das neue Jerusalem ganz erhoben und vollkommen ausgeschmückt sein. Ich bin das Licht der Völker, und meine Kinder sind die Lichter meines Herzens. Wie wird diese Stadt dann leuchten von dem Licht der reinen Seele. Jede Tugend hat ihr besonderes Licht. Verstehst du nun, mein Kind, das Leuchten einer Seele, die ich schmückte mit meinem Tugendkleid?"

"O Maria, ich begreife, ich verstehe immer mehr. Ja, schmücke mich weiter, daß ich ein leuchtender Baustein sei im neuen Jerusalem."

 

Freitag, den 7. Dezember 1962

Ich muß zum Uhrmacher. An den Gruß hängt er an 'junge Frau'. Ich antworte: "Das war einmal, das Märchen ist ausgeträumt." Er darauf: "Ich finde das nicht als Märchen, aber das, was jetzt wieder kommt, das vom Christkind, das ist ein Märchen." Ich sage: "Das war noch nie ein Märchen. Das ist die Wahrheit. Christus wurde Kind, darum gibt es ein Christkind. Weihnachten ist das Fest der Liebe, weil die höchste Liebe zu uns herniederstieg. Weil die frommen Hirten und die Weisen dem göttlichen Kind Geschenke brachten als Beweis ihrer Liebe, ist das ganze gläubige Volk dazu übergegangen, dieses Fest der Liebe auch im Zeichen der Liebe untereinander zu begehen, in dem man sich untereinander beschenkt."

"Leider ist es heute übertrieben durch den Weltgeist, der den Hauptzweck im Geschenk und weltlicher Feier sieht und nicht die wohlwollende Liebe. Die meisten Kinder haben durch Eltern und andere falsche Begriffe vom Christkind. Kommt dann eine andere Aufklärung mit den Jahren, kann in Kind an Glaubenswahrheiten scheitern. Mir wäre es fast so ergangen, weil ich die Wahrheit suchte und liebte als Kind. Dann wurde auch mir gesagt: 'Es gibt kein Christkind, das spielen wir.' Meine Freude war hin, ich sah nur Lüge. Ich suchte nach der Wahrheit und ich fand sie auch. Dann wurde auch für mich Weihnachten das Fest der Liebe."

Der Geschäftsmann hörte mich an und sagte: "Ich bleibe bei meinem Märchen, denn es gibt keinen Christus, der gelebt hat und Gott ist. Das war ein Mensch wie wir, der von sich reden machte. Dreißig Jahre lebt er versteckt, dann wollte er sich einen Namen in der Öffentlichkeit machen. Was tat er dann in den 30 Jahren?" Es würde zu weit führen, meine Antwort niederzuschreiben, aber ich habe ihm alles erklärt und bin ihm keine Antwort schuldig geblieben. Er wurde kleinlauter und sah mich an, als schaute er in eine andere Welt hinein. Ich sagte ihm zuletzt: "Es können hundert und noch mehr von Ihrer Art kommen, die könnten mir meinen Christusglauben nicht nehmen. Der steht fest und keiner brächte ihn zum Wanken." Er sagte: "Das kommt darauf an, ob sie dabei bleiben, wenn es anders kommt." Ich darauf: "Ich fürchte nichts. Mein Tod wäre Zeugnis der Wahrheit für Christus, für den Glauben."

Am Abend bat ich Jesus durch Maria, mir diese ungläubige, verirrte Seele zu schenken. Maria sagt: "Du hast sie erhalten. Es kostet dich manche schwere Stunde. Diese Seele kam durch Gelehrte und falsche Bücher auf diesen Weg. Ein kleines Samenkorn fiel schon durch deine Erklärungen."

 

Samstag, den 8. Dezember 1962

"Ganz schön bist du, Maria, und kein Makel an dir. Von deiner sichtbaren Schönheit und Heiligkeit ausgehend, werden wir zum sichtbaren allerheiligen Gott geführt. Ich bitte dich heute, o Maria, den Vater zu bitten, daß wir Gotteskinder werden wie du. Bitte deinen lieben Sohn, daß wir seiner Erlösungsgnaden ganz teilhaft werden. Bitte den Heiligen Geist, daß unsere Seele ein wahrer Gottestempel sei. Bitte für uns, daß wir ganz absterben und das Abbild der Dreifaltigkeit in unserer Seele so erstrahle wie in deiner Seele, o Maria."

Maria spricht an ihrem großen Tag: "Deine Bitten gelangen zu Gott, dem Dreieinen. Die mein Eigentum sind, werden dieser Gnaden teilhaft, aber nicht alle im gleichen Maße. Es richtet sich nach dem Grad der Vollkommenheit, die die Seele erreicht hat. Satan ist auf der Lauer, dir zu entreißen, was meine Liebe für dich tat. Du aber fürchte nichts, deine Mutter bleibt bei dir."

 

Samstag, den 15. Dezember 1962

Es ist drei Uhr nachts. Ich habe nicht mehr schlafen können. Zum 34. Male bin ich in der seltsamen Stadt. Sie liegt wie ausgestorben in leuchtendem Rot. Ich habe kein Verlangen, auch keine Sehnsucht. Gott fand ich hier noch nicht. Was soll ich hier, wohin soll ich mich wenden? Ich gehe der Richtung nach, wo ich meinen Vater und Schwiegervater sah. Da stehe ich auf einmal wie geblendet. Ein Lichtstrahl trifft mich. Ich kann nicht weiter. Dann sehe ich Maria ganz blendend weiß. Das Gewand schmiegt sich aus Nebel und Wolken um ihren Körper. Die Hände sind über der Brust gekreuzt. Ihr Haupt ist leicht geneigt. Sie trägt eine Krone von zwölf Sternen. Die Füße sind ganz bedeckt, als seien sie versunken in dem Nebelmeer. Sie ist umrahmt von einem ovalen, silbernen Lichterkranz, der ein Strahlenmeer ist. Das Ganze ist eingehüllt in leuchtendem Nebel, golden und silbern durchwirkt. Sie schwebt näher, ich schließe die Augen, weil der Glanz mich blendet.

Maria spricht: "Ich bin die Mutter der schönen Liebe, der Frucht, der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung. Ich belehre dich noch über dieses Bild. Schaue nun einmal in deinen Herzensschrein, was du da siehst." Ich schaue. So wie ich Maria sehe in diesem silbernen Lichterkranz, so sehe ich Jesus ganz klein als Kind in meines Herzens Schrein. Ich habe eine überaus große Freude und rufe: "Ja, Maria, du bist in Wahrheit die Mutter der schönen Liebe." In diesem Jubelruf wache ich auf. Meine Freude und mein Dank ließen mich nicht mehr schlafen. Diese Woche war sehr schwer. Verleumdung, Bosheit, Ehrabschneidung von Seiten NN brachten neues Leid. Herabsetzung in der Familie, das tat weh, aber ich kam hindurch durch diese Finsternis. Jesus sagte es mir doch, das mir nichts mehr gehört. Ich habe Ihn und Seine Gnade. Ja, Vater, sie genügt mir. Ich bin bereit, diese Sünden zu büßen, die man auf mich geladen hat, damit jene, die sündigten, einen gnädigen Richter finden und den Frieden der Seele erlangen.

Eine liebe Mitschwester gab mir als Weihnachtsgeschenk zwei hl. Messen, die für mich gelesen werden sollen. Ich überlasse es Maria, was ich tun soll. Soll meinen Seelenführer benachrichtigen, in welcher Meinung er das hl. Opfer darbringen soll für mich. Maria hilft mir und sagt: "Mein Kind, du betest alle Tage: 'Um deines seligen Hinscheidens willen, o Maria, erflehe mir den Tod der Liebe.'"

 

Sonntag, den 16. Dezember 1962

Heute gedenke ich besonders der Seelen, die von der Sturzflut heimgesucht werden. Weil es der Wille Gottes ist, weiß ich, daß sie Gnade und Erbarmen fanden. Meine weiteren Gedanken sind bei der Schau des vergangenen Tages. Maria sah ich so hinreißend schön und Jesus so lieblich schön. Ich bete Jesus, das verborgene Kindlein, bewegt und unter Tränen an. Eigene Gedanken beherrschen mich über die seltsame Stadt. Was sah und erlebte ich schon. Nun steht Maria darin, so wunderbar, so schön. Mein kleiner Verstand erfaßt das nicht.

In diese Gedanken hinein steht das kleine freundliche Mädchen vor mir uns sagt: "Erschrecke nicht, ich bin ein Engel des Trostes." Ich frage: "Wie darf ich dich nennen?" Der Engel sagt: "Maria Lucia. Noch darf ich die Geheimnisse, in die du hineinschauen durftest, nicht entschleiern. Du hast ein Ahnen, aber noch kein Begreifen. Die Mutter des Herrn, unsere vielgeliebte Königin, wird in der Stunde, die Gott bestimmt, dich klar sehen lassen. Es ist heute der silberne Sonntag. Die Schauung hat in diesen Tagen auch ihre Bedeutung. Was du bisher sahest, das bedarf des Gebetes und des Opfers. Du hast das auch erkannt und ausgeführt. Der Friede sei mit dir! Auf wiedersehen."

 

Mittwoch, den 19. Dezember 1962

Es ist 17.30 Uhr. Ich verrichte nach der Beichte die Danksagung und auferlegte Buße. Dann betrachte ich das Bild vom unbefleckten Herzen Mariens und sage: "Jahre besitze ich dieses Bild und Jahre bete ich dieses Gebet für die Bekehrung der Sünder. Bisher dachte ich noch nie, was die drei Rosen bedeuten könnten, die hervorragen aus dem Herzen Mariens. Ja, es wird schon mit der Heiligsten Dreifaltigkeit zusammenhängen. Maria hüllt mich ein."

Sie spricht: "Mein Kind, ich will dir helfen. Ich bin die geheimnisvolle Rose, die zuerst erblühte in St. Annas Schoß. Eine Rose kann auch nur wieder Rosen hervorbringen. So schenkte ich der Welt durch die geheimnisvolle Kraft des Heiligen Geistes die schönste Rose, Jesus Christus, des ewigen Vaters Sohn. Ich wurde durch dieses große Geheimnis Lichtträgerin, wurde Bundeslade, Tabernakel und Thron der höchsten Liebe. Ich trug das Leben und wurde Mutter des Lebens. Mutter des Lebens ist dreieiniges Leben Gottes in meinem Eigenleben. Das sind die drei Rosen. Die Rosen als Zeichen der Liebe sind auch die dreieinige ewige Liebe Gottes. Mein Herz ist der Rosengarten geworden durch dieses Geheimnis. Kommet, meine Kinder, ich schenke euch den Samen der göttlichen Rosen. Ihr werdet selbst zu Röslein werden, die schönsten Kinder sein, die denken und handeln nach Gottes Geist und Wahrheit. Ihr werdet lieben mit der Glut, Kraft und Güte, wie Gott liebt. Ihr werdet schaffen an Gottes Werk, am Werden Gottes in euch, durch mich, das Geheimnis der Dreieinigen Liebe. Gott muß vervielfältigt werden in Seinen Ebenbildern, den Gotteskindern, die sich bemühen vollkommen zu werden. Bleibt auf dem vollkommenen Weg, seid geistliche Rosen durch das ewige Licht und Leben. Nun betrache in diesen Tagen, mein Kind, dieses große Geheimnis." Segnend verläßt mich Maria.

 

Sonntag, den 23. Dezember 1962, 4. Advent

Es ist sechs Uhr früh. Zum 35. Male bin ich in dieser seltsamen Stadt. Im hellen Licht sehe ich sie. Ich stehe in der Nähe des Doms, in dessen Vorraum ich einmal stand und viele Statuen von der Muttergottes sah. Plötzlich steht der Trostengel Maria Lucia an meiner Seite. Sein Gewand ist leuchtend weiß, von goldenen Sternen durchwirkt. Er spricht: "Es ist der goldene Sonntag heute. Schau, was er bedeutet." Dann wird es noch heller. Ein Wolkenmeer kommt näher. Die Wolken teilen sich wie Türen. Dann sehe ich einen ovalen, goldenen Lichtkranz, ganz in Strahlen. Darin steht Maria, ganz wie am vergangenen Sonntag. Heute ist alles in Gold getaucht, von Gold umgeben.

Sie spricht: "Ich bin die Mutter der schönen Liebe, der Frucht, der Erkenntnis und der heiligen Hoffnung. Schaue nun die Weihnachtsfreude, die kommt von deinem Gott. Es ist die Frucht deines Gebetes, deiner Opfer und Leiden." Dann sehe ich ein Bild, das mich fast verwirrt. Aus dem Josefsviertel kommen zwei, aus dem Hurenviertel einer, aus der Straße der Geizigen vier, aus dem Vergnügungsviertel sechs, aus dem Bezirk der Ungläubigen zehn, von den Arbeitern am Kirchbau fünf, aus dem Dom, wo die Statuen Mariens stehen 33, wo der schöne Altar steht 15 und 15, von den Schwestern 20 Personen. Sie sehen aus wie grauer Nebel.

Als mein Blick auf das Elendsviertel der Verlassenen fällt, sagt Maria: "Schaue, was jetzt kommt." Ich sehe meinen Vater. Demütig kommt er näher. Maria breitet ihre Hände aus. Die grauen Gestalten werden weiß wie Schnee. Dann kommt der Priester mit der Monstranz und segnet. Die große Schar in weißen Kleidern umgibt ihn. Über allem schwebt Maria. Die anderen gehen wie schwebend zum großen Platz mit dem wunderbaren Altar. Ich komme zu mir. O wie seltsam ist das alles.

 

Montag, den 24. Dezember, Heilig Abend

In der Frühe spricht Maria: "Ein neuer, großer Tag wird dir beschieden, mein Kind. Bereite dich besonders vor für das Hochfest deiner Seele. Jesus, das göttliche Samenkorn, wird als Licht aus deinem Herzen geboren. Ich führte deine Seele über dich selbst hinaus. Nichts blieb haften, dein Sinnen und trachten war und blieb Gott. Du standest fest in allen Prüfungen. Du wirst nun erleben, was der Vater Seinen Kindern bereitet, die Ihn lieben."

Dann schaute ich eine Lichtfülle auf weißen Wolken, vor mir schwebend und darin das göttliche Kind. Ich jubele, ich weine, ich bete: "Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, ich bete Dich an. Frohlocket mir mir, alle Engel und Heiligen, ihr Cherubim und Seraphim. Heute ist das Hochfest meiner Seele, Jesus Christus. Die Sonne der Gerechtigkeit ist geboren in meinem Herzen. Mit euch will ich nur Andacht sein, nur Liebe und Freude. Jubele mit mir, Maria, denn Er, dein Sohn, dein Kind, ist auch mein Kind." Dann naht die Unbefleckt Empfangene mit einer Schar Engel, und sie beten das göttliche Kind an in meinem Seelentempel.

Nach dem Mittagessen blieb ich allein in meinem Zimmer und feierte mit Maria und den Engeln das Fest der Liebe. Wie jedes Jahr dachte ich an alle, die keine Freude haben.

Das göttliche Kind schaue ich wieder. Es spricht: "Das ist nun von dem Meinem dein Weg. Ich war auch umgeben von Kälte, Mißmut, schlechter Laune und Unzufriedenheit. Die heilige Nacht umgab Mich nur von der Liebe der Dreieinigkeit, von Maria und Josef, von den Engeln und den frommen Hirten. Opfere wie Ich dem himmlischen Vater die Enttäuschung auf für alle, die den Frieden der Seele nicht besitzen, damit auch ihnen der Friede gegeben werde."

 

Mittwoch, den 26. Dezember 1962, 2. Weihnachtstag

Freuen möchte ich mich in Gott, möchte jubeln und singen. Daheim durfte kein Lied gesungen werden. So fahre ich nach Königswinter und bleibe bis 12 Uhr. Es war ein feierliches Levitenamt. Nach der hl. Kommunion schaue ich wieder die Lichtfülle auf weißen Wolken und darin das göttliche Kind. Indem ich es anbete, naht Maria mit einer Schar heiliger Gestalten in weißen Kleidern. Ich frage: "Wer seid ihr, ich sah euch noch nie?" Sie antworten: "Wir sind die Hirten von Bethlehem. Wir sind gekommen, den Sohn Gottes in deinem Seelentempel anzubeten. Es ist ein Freudentag im Himmel, wenn eine Seele, die Gott wahrhaft liebt, Träger Seiner Geheimnisse wird. So wollen wir mit dir und Maria die ewige Liebe loben und preisen."

Tief gerührt bete ich: "Sei gepriesen, himmlischer Vater, der Du Deinen geliebten Sohn zu unserer Erlösung in die Welt gesandt hast. Sei gepriesen, eingeborener Sohn Gottes, Jesus Christus, der Du unsere Natur angenommen hast, um uns Menschen zu erlösen. Sei gepriesen, Heiliger Geist, Gott der Liebe, der Du alle Heilstaten unserer Erlösung von Anfang bis Ende herrlich und wunderbar vollbracht hast. Unermeßlich Lob, Ruhm und Ehre sei Dir, allerhöchste ewige Dreieinigkeit, unseres Festes Urbeginn und Quelle unserer Freude."

 

Sonntag, den 30. Dezember 1962

Die letzten drei Tage waren Leidenstage. Oft, wenn es schwer wird und der Schmerz in den Gliedern bohrt, ist das Jesuskind bei mir. Es trägt ein weißes wallendes Kleid und ein goldenes Krönlein. So lieb spricht es: "Ich bin ja bei dir, schenke Mir Liebesakte." Ja, ich kann auch nicht anders, als Liebesakte dem Jesuskind zu schenken. Die Freude fällt dann in mein Herz zurück. Den Donnerstag, das Fest des hl. Johannes, nimmt Jesus für alle Priester, denen die schönste Freude ihrer Priesterwürde genommen ist. Ich bitte Jesus, sie besonders zu erfreuen durch Seine Einkehr in ihre Herzenskrippe.

Jesus sagt: "Weißt du auch, wer heute seinen besonderen Namenstag hat?" "Ja, Jesus, ich weiß es, und gedenke meines Bruders, Johannes Maria von der Heiligsten Dreifaltigkeit. Ich möchte Dich für ihn um eine besondere Gnade bitten." Jesus: "Das werde Ich tun. Er wird es dir anvertrauen."

 

Fest der unschuldigen Kinder

Es berührt mich in diesem Jahr so eigenartig. Gestern sah ich Klein-Doris (Enkelin). Sie sagt: "Morgen ist mein Tag, da wird mein Brüderchen geboren." Ich verstehe nicht und halte die Erscheinung für eine Täuschung. Walters Frau kam am 8. November vom Arzt und sagte mir, daß sie bis zum 15. November das Kind erwarte. Ich sagte ihr: "Sieben Monate können stimmen, aber nicht neun." Es kam auch kein Kind. Am 4. Dezember erscheint Doris und sagt: "Eine Freude bringe ich dir. An meinem Geburtstag wird mein Brüderchen geboren." Am 9. Dezember sagt Jesus: "Segne die Mutter und das Kind in ihrem Schoße besonders aus der Ferne. Taufe das Kind aus der Ferne auf den Namen Josef-Maria."

Der Geburtstag der kleinen Doris ist der 11. Dezember. Das Kind kam an dem Tag aber nicht. Gestern kam sie wieder und sprach vom 28. Dezember als von dem Geburtstag ihres Brüderchens. Ich wende mich nach ihrer Erscheinung an die Gottesmutter. Nach einer Zeit erhalte ich Antwort: "Mein Kind, in große Geheimnisse darfst du blicken. Ein jedes Kind, das im Laufe des Jahres durch irgendein Martyrium ging, wird am Feste der Unschuldigen Kinder eingereiht in die Schar, die zuerst ihr Leben hingaben für das Gotteskind. Das ist dann ihr neuer Geburtstag." Ich frage: "Geburtstag dort oben, wie soll ich das verstehen?"

Maria: "Gebären verstehst du als hervorgehen. Diese Kinder sind ja gleich nach ihrem Tod im Himmel und schauen Gott. Sie sind aber nicht alle auf die gleiche Stufe gestellt, weil ihre Erkenntnis verschieden ist. So eine Seele dort oben eine höhere Erkenntnis Gottes erhält, die in Gott aus ihr hervorgeht, so ist es immer ein neues Geburtsfest der Glückseligkeit. Das ist ein großes Geheimnis. Gott, der Liebe, aber auch die Freude selber ist, hat es so bestimmt, daß jedes Jahr gerade an diesem Fest die kleinen Märtyrer des ganzen Jahres eingereiht werden in die Schar der Kinder von Bethlehem." – "Ich danke, o Maria, wie hätte ich das begreifen können ohne deine Erklärung. Wie schön ist es im Himmel."

Gestern, Samstag, erhalte ich die Nachricht, daß bei meinem Walter am 28. Dezember abends ein kleiner Sohn angekommen ist. Es stimmt mich freudig, aber auch traurig, weil das Kind wieder in die evangelische Kirche getragen wird. Eigenartig ist, daß ich es aus der Ferne taufen sollte und der Herr den Namen bestimmt hat. Amtlich eingetragen ist der Name Friedhelm.

Heute, Sonntag, ist ein trauriger Tag. Habe nicht zur Kirche gehen können. Habe alles versucht, aber es war Glatteis. Bin dauernd gerutscht und dann gefallen. Die Kraft verließ mich, sie holten mich zurück. Es fuhr auch kein Bus. Bin gleich auf mein Zimmer und betete die hl. Messe. Da war das Jesuskind bei mir und sagte: "Sei nicht traurig, Ich bin bei dir. Immer ist bei dir die hl. Messe, weil du ganz mit Mir vereint bist. Schließe die Tür, dann werde Ich deine Freude sein." Ich knie vor meiner Krippe. Das Jesuskind ist bei mir im weißen Priestergewand. Es hält die hl. Messe und ich bete mit. Engel dienen in großer Zahl. Bei der hl. Kommunion kehrt Jesus geheimnisvoll in mein Herz ein. Ich bin glücklich. Segnend entschwindet Jesus. Fünf Minuten nach der Feier klopft es. Man braucht mich. Nun bin ich wieder froh. Am Nachmittag halte ich wieder allein stille Betrachtung über das Geheimnis der Geburt Jesu und über Sein geheimnisvolle Wirken in meiner Seele. Es war ein Tag für die Kranken und alte Leute, die einsam sind.